Ar. 89. A Memeitts- Bedingungen: Abonnements-Preis pränumerando: Pier'eljährl. 3,zo Me, monatl. 1,10 Mk.. wöchentlich 23 Psg, frei ins Haus. Eiiuelne Nummer 5 Pfg, Sonntags« Nummer mit ilinftrierlec EonntagZ- iöeilage„Die Neue Welt" 10 Psg. iß oft« Nbonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeitungZ» Preisliste für 1900 unter Nr. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich«ifter Montag«. Vevlinev VolksblÄtt. 17. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltens Kolonel» zeile oder deren Raum 40 Pfg>, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Ailfeigeu" jedeS Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserats für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags inderExpeditionabgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtage» bis 3 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1503. Telegramm- Adresse: „Porialdemokrat Verlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschtands. Redalttion: 19, Bentlz-Stratzr 2. Mittwoch, den 18. April 1900. Expedition: SW. 19. Benth-Stralze 3. Zum Kommunal-Wahlrecht. Eine der ersten Vorlagen, mit der sich das Abgeordneten Haus nach den Ferien in zweiter Lesung zu beschäftigen hat, ist der Gesetzentwurs betr. die Bildung der Wählerabteilungen bei den Gemeindewahlen. Wir sind im Gegensatz zu der klerikalen und der nationalliberalen Presse, für die sich diese Vorlage zu einem Zankapfel gestaltet hat. weit entfernt davon, ihr eine zu große Bedeutung beizumessen; wir hüten uns aber auch, sie zu unterschätzen. Unsere principielle Haltung ist klar. Wir sind Gegner jeder„Wahlreform", die nicht das allgemeine gleiche, direkte und geheime Wahlrecht bringt. Unser Antrag in der Berliner Stadtverordneten-Versammlung wird Gelegenheit bieten, diese unsre Anschauung zu begründen. Indessen, nachdem der Minister des Innern in seiner Rede vom �23. Februar es als eine Pflicht der Regierung bezeichnet hat, dem Streben der Socialdemokratie, sich allmählich der Kommunalvertretnngen zu bemächtigen, entgegenzutreten, muß es auch unsre Aufgabe sein, zu prüfen, ob durch die neue Flickvorlage diesem Streben der Social deniokratie Abbruch gethan wird oder nicht. Welches sind die Mittel, mit denen Frhr. v. Rheinbabcn die Vertreter der Arbeit aus den Stadtparlamenten hinaus zutreiben hofft? Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der sich lediglich darauf beschränkte, diejenigen Wähler, deren für die Bildung der Wählerabteilungen maßgebender Steuerbetrag den im Durchschnitt auf einen Wähler in der Gemeinde entfallenden Steuerbetrag übersteigt, stets der ersten oder zweiten Klasse zu zuweisen, will Frhr. v. Rheinbabcn den Gemeinden mit mehr als 10000 Einwohnern noch weitere Befugnisse gewähren. Diese Gemeinden sollen nämlich durch Ortsstatut entweder die Zwölftelung einführen oder aber an die Stelle des durch schnittlichcn Steuersatzes einen den Durchschnitt bis zur Hälfte desselben übersteigenden Betrag festsetzen dürfen. Welcher Modus sich gerade empfiehlt, das soll die betreffende Gemeinde selbst bestimmen, natürlich im Sinne des Ministers, der eine Demokratisierung des Gemeinde- Wahlrechts verhindern will. Es ist schon an und für sich ein Widerspruch, zwei ganz entgegengesetzte Ziele durch dieselbe Vorlage erreichen zu wollen. Auf der einen Seite will der Minister eine Demokratisierung verhindern, auf der andren die durch die Steuerreform des Jahrs 1891 in der Zusammensetzung der Wählerklasfen hervorgerufene Verschiebung wieder ausgleichen. Würde die Steuerreform eine Erwesterung der Rechte der Wähler dritter Klasse zur Folge gehabt haben, so ließe sich mit der Be seitigung dieser Folgen zugleich die so sehr gefürchtete Demo kratisierung hintanhalten. Thatsächlich aber ist das Umgekehrte der Fall: Die Steuerreform hat bewirkt, daß die Zahl der Wähler erster Klasse von Jahr zu Jahr abnahm, ebenso die der Wähler zweiter Klasse, daß hingegen die Zahl der Wähler dritter Klasse immer wuchs. Mit andren Worten: Die Plutokratie in den Gemeinden hat zu genommen, der Einfluß der Reichen hat sich auf Kosten der Minderbegüterten erheblich vermehrt. Einige Zahlen mögen dies näher darthun: In B e r l i n wählten vor der Steuerreform, im Jahre 1890, 3555 Wähler, d. i. 1,36 Proz., in der ersten Klasse, 18 030, d. i. 6,92 Proz., in der zweiten, und 239 132, d. i. 91,72 Proz., in der dritten. Im Jahre 1895 wählten nur noch 961 Wähler, d. i. 0,31 Proz.. in der ersten, 8408. d. i. 2,68 Proz., in der zweiten, hingegen 304 168, d.i. 97,01 Proz., in der dritten Klasse. Und"bei der letzten Wahl, im November 1899, belief sich die Zahl der Wähler erster Klasse sogar nur noch auf 691 oder 0,2-1 Proz., die der Wähler zweiter Klasse war auf 2,41 Proz. gesunken, die der Wähler dritter Klasse auf 97,35 Proz. gestiegen. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse in fast allen Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern. In C h a r lottenburg zählte 1890 die erste Wählerklasse 242 oder 2,18 Proz., die zweite 351 oder 8,57 Proz., die dritte 9907 oder 89,25 Proz. Im Jahre 1895 war die erste Klaffe auf 231 oder 0,95 Proz., die zweite auf 1111 oder 4,58 Proz. ge funken, die dritte aber auf 22 934 oder 94,47 Proz. gestiegen, und seit dieser Zeit haben sich die Verhältnisse noch ver schlechtert. In H a l l e a. S. ist von 1890 bis 1895 die Zahl der Wähler erster Klasse von 3,89 auf 0,93 Proz., die der Wähler zweiter Klasse von 16,73 auf 5.46 Proz. ge sunkcn. in Potsdam die erste Klasse von 4,14 auf 1.70 Proz., die zweite von 12,37 auf 8.93 Proz., in Brandenburg a. H. die erste Klasse von 4,21 auf 0,76 Proz., die zweite von 13,18 auf 8,03 Proz. Ein recht charakteristisches Beispiel bietet Höchst a. M., wo 1890 noch 86 Wähler— 4,14 Proz., 1895 aber nur noch ein einziger— 0,06 Proz. in der ersten Klasse wählte. Die Zahl der Wähler zweiter Klasse ist dort von 119 auf 53 oder von 13,69 Proz. auf 3,25 Proz. gesunken, die der Wähler dritter Klasse von 714 aus 1378 oder von 82,16 Proz. auf 96,69 Proz. gestiegen. Diese wenigen Daten zeigen, wie widersinnig das Drei- klassen-Wahlsystem ist. Denn an diesen Verschiebungen in der Zusammensetzung der Wählcrabteilunaen ist keineswegs etwa die Steuerreform allein schuld. In der Natur des Dreiklassen-Wahlsystems liegt es vielmehr, daß auch andre an sich unbedeutende Momente einen großen Einfluß auf die Gestaltung der Wählerabteilungen ausüben, so z. B. der Zuzug eines einzigen reichen Manns in eine mittlere Stadt, deren Einwohner durchschnittlich nur wenig Steuern zahlen. Um die Wirkung der Rheinbabenschcn Vorschläge zu prüfen, dazu fehlt es bisher noch an den genügenden statischen Unterlagen. Die preußische Regierung hat mit Attentaten auf die Arbeiterklasse und andren kultur- feindlichen Plänen so viel zu thun, daß sie noch nicht dazu gekommen ist, dem Landtag eine allen Anforderungen genügende Statistik zu unterbreiten. Vorläufig sind wir dar- auf angewiesen, uns mit den dürftigen Mitteilungen abzu- finden, die die Regierung auf Grund der Wahllisten aus dem Vorjahre veröffentlicht hat. Die Ermittelungen beziehen sich auf 43 Gemeinden mit mehr als 10000 Einwohnern. Es ergiebt sich daraus, daß Herr v. Rhei nbaben sich in einem Irrtum befindet, wenn er glaubt, die Socialdemokratie so ohne weiteres aus den Stadtparlamenten entfernen zu können. Nach dem reinen Durchschnittsprincip würden uänilich fast überall in die zweite Wahlabteilung größere Bruchteile der Be- völkerung einrücken, als im Jahre 1891 dort vorhanden waren, d.h. die Zahl der Wähler dritter Klasse würde geringer, ihr Einfluß also größer werden. So würden z. B. in Berlin 16,76 Tauscndteile statt 11,42, in Köln 14,60 statt 11,57, in Königsberg i. Pr. 17,10 statt 9,67, in der zweiten Wahl- abteilung zu wählen haben. In manchen Gemeinden würde die Verstärkung der zweiten Wahlabtcilung noch viel umfangreicher sein und in Wiesbaden von 13,56 auf 26,60, in Eschweiler von 11,42 auf 21,53, in Hörde von 9,67 auf 20,16, in Essen gar von 4,99 auf 15,98 Tausendteile steigen. In allen diesen Fällen würden also größere Schichten der Bevölkerung, die dritten Abteilung wählten, in abteilung aufrücken. Auch würde Durchschnittsprincips in starke, zum Teil ganz vor 1891 in der die zweite Wahl- bei Anwendung des den allermeisten Fällen eine sehr übermäßige Abnahme der für den Zutritt zur zweiten Abteilung maßgebenden Steuerleistungen herbeigeführt werden. So z. B. würde die Steuerleistung in Berlin von 1093,40 M. auf 176,87 M.. also auf Vs sinken, so daß vielfach schon Personen mit einem Einkommen von 3300—3600 M. und selbst weniger in die zweite Wahl- abteilung abrückten. In Königshütte in Oberschlesien würden sogar Einwohner mit einem Einkommen von 1500 M. und darunter, in Hagen und Grabow a. O. solche mit einem Ein- kommen von 13o0 M. und darunter der zweiten Wahlabteilung zugeteilt werden können. Thatsächlich würde also das reine Durchschnittsprincip, von unsrem Standpunkt aus betrachtet, die jetzigen Zustände bessern. Für die Reaktionäre des Landtags Grund genug, ein andres Princip zu wählen. So hat denn auch die Kommission auf konservative Anregung hin beschlossen, das Durchschnittsprincip in dem Sinne abzuändern, daß bei der Berechnung des Durchschnitts- satzes die Wähler, welche weder Staats- noch Gemeinde st euern zahlen, sowie die fingierte Steuer, mit welcher sie in die Wählerliste eingetragen sind, außer Betracht bleiben. Dies veränderte Durchschnittsprincip würde dazu führen, daß z. B. in Köln 11,93 Tausendstel der Bevölkerung gegen 11,57 int Jahre 1891, in Königsberg i. Pr. 11,89 gegen 9,67, in Berlin 14,25 gegen 11,42 auf die zweite Wahlabteilimg entfallen. Natürlich würde sich auch die Steuergrenze ent sprechend erhöhen. Hingegen würde auch eine noch größere Wahlentrechtung der Wähler dritter Klaffe auch durch diese Korrektur des Durchschnittsprincips allein noch nicht ein treten. Wohl aber gicbt die Vorlage, wie sie sich in der Kommission gestaltet hat, der Herr schenden Mehrheit der städtischen Körper schaften die Möglichkeit an die Hand, die Rechte der Wähler dritter Klasse dadurch zu schmälern, da sie durch Ortsstatut statt des Durchschnittssatzes einen diesen bis zur Hälfte übersteigenden Satz einführen. Darin liegt die Gefahr der Vorlage. Wenn auch zu einem solchen Beschluß eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist, so muß man sich darauf gefaßt machen, daß die herrschenden Klaffen ihre Macht rücksichtslos gebrauchen, um die Arbeiter- klaffe zu entrechten. Es werden also, wenn der Entwurf in der Kommissionsfassung Gesetz werden sollte, was höchstwahr- scheinlich ist. in manchen Gemeinden schwere Kämpfe zu er- warten sein. Eine rohere und widersinnigere Gesetzgeberei kann man sich kaum vorstellen, als die, die ein allgemeines Wahlgesetz schafft. gleichzeitig aber den einzelnen Gemeinden fteien Spielraum läßt, dies Gesetz nach Be- lieben umzumodeln? Irgend welche Furcht, daß die Socialdemokratie durch dies Gesetz wirklich aus den städtischen Vertretungen verdrängt wird, liegt uns fern. Durch solche Gewaltmittel haben unsre Gegner uns gegenüber noch nie- mals etwas ausgerichtet. Je hitziger unsre Gegner zuni Schlage gegen uns ausholen, um so mehr werden wir uns rüsten, den Schlag abzuwehren. Um so eifriger werden wir fortan uns an den Wahlen beteiligen, um so energischer den Widersinn des Dreiklassen-Wahlsystems klarzulegen und für die Einführung eines gerechten und vernünftigen Wahl- systems auch für die Kommunalwahlen agitieren. AvbevflM» Berlin, den 17. April. Freisinnige Wahlrechtsganner. Wie weit die politische Verkommenheit des FreisiimS gediehen ist, dafür gaben die Gothaer Fortschrittler ein aufklärendes Beispiel in einem programmwidrigen Akt der Niedertracht geliefert, wie man ihn— auch bei stärkstem Mißtrauen— nicht hätte für möglich halten sollen. In dem Programm der Freisinnigen Volkspartci heißt eS in den koustitntioncllcn Forderungen:„Erhaltung des geheimen, allge- meinen, gleichen und direkten Wahlrechts für den Reichstag, Ans- dchnnng desselben ans die Landtagswahlen der Einzel- Staaten, Sicherung der Wahlfrciheit." Selbst hinsichtlich des Kommunal- Wahlrechts, bei dem die kapitalistische Anschauiing auch den Freisinnigen mit dem demokratischen Princip durchgeht. wird wenigstens gefordert, daß keine öffentliche Stimm- abgäbe erfolgen soll. Nicht genug. daß die Freisinnigen aber gar nichts geleistet haben, um eine Verbesserung der Landtags- und Kommnnal-Wahlges etze zu bewirken, sie haben sich im liberalen Mnsterland Sachsen-Koblirg-Gotha sogar nicht gescheut, durch eincnpcrfidcnTaschcn- diebstreich das bestehende geheime Wahlrecht in ein öffentliches um- znfälschen. indem sie eine alte nebensächliche Bestimmung des Wahlgesetzes tückisch mißbrauchten, die dazu bestimmt war, nicht des Schreibens kundigen Personen die Ausübung des Wahlrechts zu ermöglichen. lieber den Fall freisinniger Korruption wird uns ans Gotha geschrieben: Infolge des Austritts unsres ehemaligen Genossen und Landtags- Abgeordneten Mösler wurde eine Neuwahl im 1. Bezirk Gotha nötig. Nach nnsrer Verfassung ist die Wahl indirekt, d. h. eS müssen erst Wahlmänncr gewählt werden, die dann den Abgeordneten wählen. Wahlberechtigt ist jeder gothaische Staatsangehörige, der 25 Jahre alt ist und eine Staat-Sstencr in beliebiger Höhe zahlt. Nach Z 18 der Verfaffnng geschieht die Wahl der Wahlmänncr mittels Stimmzettel. Dar nächsffolgrnde K 19 schreibt ausführlich uor; wie diese Wahl vorznnchmcn ist, zum Beispiel durch. im Wahllokal eigenhändig zu schreibende Stimmzettel, der-' deckte Abgabe, Niedcrlcgnng der Zettel in ein Gefäß usw., alles Bestimnnmgen, die ausdrücklich auf eine Geheimhaltung der Wahl hinzielen. Nur am Schluß des ziemlich langen§ 19 steht ganz beiläufig folgender Satz:„Ucbrigens ist es jedem Wahlberechtigten nachgelassen, seine Stimme mündlich zu Protokoll zu geben." Ans diesem Schlußsatz hat mm die Partei der unentwegten Kämpfer für Wahrheit, Freiheit und Recht den Strick gedreht/ durch den die Socialdemokratie erdrosselt werden sollte. Nicht mir forderte das freisinnige Wahlkoinitee ihre Anhänger auf, mündlich zil wählen, sondern die Wahlbehörde, in der die Freisinnigen den Ausschlag geben, ordnete an, daß es jedem Wähler frei stehe, in der Weise mündlich zu wählen, daß er irgend eine Liste entweder durch einen Buchstabe» oder durch den Namen dcS ersten Kadidatc» bezeichne. Damit war die Geheimhaltung der Wahl aufgehoben. Da sich nur zwei Listen, eine frei-� sinnige und eine socialdcmokratische(die andren Parteien gingen mit dem Freisinn), gegenüberstanden, so war derjenige, welcher schriftlich wählte von vornherein als Sorialdenwkrat gekennzeichnet. Ein Jesnitenstrcich, der seinesgleichen sucht. Uni aber die ganze Tragweite dieser Anordnung zu begreifen, muß man wissen, daß die bisherige»lündliche Stimmabgabe in der Weise erfolgt war, daß der Wähler, der nicht schreiben wollte, die Namen der Wahlmänner vom Schriftführer des Wahlkomitees einzeln aufschreiben ließ, ein umständliches Verfahren, von dem nur ganz selten Gebrauch gemacht wurde. Die ganze Bestimmung sollte Überhaupt nur für diejenigen gelten, welche des Schreibens unkundig waren. DaS geht deutlich ans der Verfassung vom Jahre 1848, nach der die jetzige Verfassung von 1852 gebildet ist, her- vor. Dort heißt es ausdrücklich in dem betreffenden Paragraphen, der fast wörtlich in die neue Verfassung übernommen wurde, daß die mündliche Stimmabgabe für die dcS Schreibens unkundige oder ver- hinderte Wählerins mit 8—13 Stimmen Mehrheit entrissen tvorde», obgleich imsre Stimmenzahl sich von 191 auf 293 gehoben hat. Da-Z unqualifizrerbarc Vorgehen hat seinen Zweck erfüllt. An eine Ungültigleitscrklärüiig ist nicht zu denken, da alle freisinnigen und liberalen Abgeordneten im' Landtag das Manöver kürzlich gut gc- heißen haben und die Agrarier sich ihnen selbstverständlich anschließen. Wir haben somit bei den allgemeinen Wahlen zmn Landtag, die im Herbst stattfinden, mit der offenen Stimmabgabc zn rechnen. Trotzdem hoffen mir, nnsre bisherigen Wahlkreise zn erhalten. Die Erbitterung über den freisinnigen Treubruch ist in der arbeitenden Vevölkeruug ungemein stark und das mag manchen a:,i die Urne treiben, der sonst ans Gleichgültigkeit fern geblieben ist. Der ganze Borgang zeigt, daß auch hier, wo die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse bisher noch ziemlich leidlich waren, die Gegensätze sich bedenklich zugespitzt haben. Wir nähen» unK rasch sächsischen Zuständen. Aristokratisches. Tas„Teutschc Adelsblatt", das Ccntralorgan fiir olle hullenlosen Bekenntnisse schöner Juntcrscclcu, verosfcilllicht in feiner Osternummer dncu wunderbaren Artikel wider den Handel, zu dessen Schutz die Flottcuborlage dicucu soll. Man höre: ..Ein Staat, der in überwiegender Weise sich zum Handelsstaat entwickelt, muß naturgemäß seine Aristokratie zurückdrängen und Haudrlöplcbcjcri» die Vorherrschaft einräumen.... ..Der Plebejer wird niemals die Ideale der Romantik ber- stehen lernen, er wird stets„den Junker" hasse», weil er nicht das reiche Kulturleben des Mittelalters, in dem der Adel neben der Geistlichkeit der Vorkämpfer der Civilisation war, zu würdigen vermag. Wie bei der Reklame im Handel, so endet auch bei der ni oder neu Fabrik die ritterliche Wcltan- s ch a n u n g!... „Dieses Geschlecht deS Pariser Schusters, der den französischen Dauphin zu Tode mißhandelte, äußert noch heute bei jeden: Attentat ans gekrönte Häupter seinen teuflischen Einfluß. Es ist das platt- töpstge uicnschliche Raubtier, welches, von Hochmut und Gröstcuwahn beherrscht, alles mit seinem Hasse' verfolgt, was nicht seiner Sphäre entsprungen ist. „Tie Demokratie ist die geschworene Feindin jeder höheren Lebensform. Doch nur in demokratisch regierten Staaten entfallet der Handel seine ganze brutale Macht; Nordamerika und England sind hierfür klassische Beispiele. „Sollte einst, was hoffentlich niemals eintreten wird, die Land- Wirtschaft des Kontinents wirtschaftlich ruiniert werden, dann bricht mit Ausnahme der Plutokratio jede aristokratische Lebensform zusammen und die Menschheit verkümmert, wie das Chincsen- tum, zu einer zähe» klebrigen Völkcrmassc. In der Ausbreitung de- modernen Handels liegt kein Knltnrfortschritt, sondern vielmehr steht dadurch ein Rückschritt zu erwarten. Anstatt der Ideale, für die ein Körner und der südafrikanische Voere ihr Leben daran setzten, wird Kattn» und Flanell in den neuesten Mustern das schönste und erstrebenswerteste Lebensziel der Jugend bilden. Schon heute bildet ja„der junge Mann" eine markante, sehr häufig gesehene Erscheinung im Leben der Völker. Möge er in der oeaiistandetc» Forin bald seltener werden und sich im wirtschaftlichen und politischen Leben»vcniger lästig erweisen, denn Franz von SLckingcn und Götz von Bcrchlichingcn haben auch noch heute eine geistige Gefolgschaft." Tie aristokratischen Standcsgenossen dieses prachtbollen Iunkerprophcten aber schicken sich an, zum Schutze des platt- köpfigen menschlichen Raubtiers, zur Beförderung einer zähen klebrigen Völkerniafse Milliarden ins Wasser zu werfen. Freilich noch ist des edlen Junker-Romantik nicht völlig aus- gestorben. Noch immer handelt er bloß mit Ochsen und Pferden, Schnaps und Zuckerrüben, Roggen und Weizen. Er lo u ch c r t sogar mit ihnen— aber solch ein Handel und solch ein Wucher ist edel, romantisch, tiefblaublütig. Auch als Aufsichtsrat zeigt er sich nicht selten in der peinlichen Gesellschaft von Börsenjobbern— aber die Romantik legt nun einmal Opfer auf und Adel verpflichtet. Selbst mit Jnduftrieprodukten handelt er längst, unbeschadet seines aus den Urzeiten ragenden Stammbaums. Aber die Schände hat er bisher von sich fern gehalten, mit Kolonialwaren, Petroleum, grüner Seife oder gar mit— Arbeit zu handeln. Zn solchem Abgrund des Plebejertums ist unser Romantiker nicht ge- funken, seine ritterliche Weltanschauung macht bei der Arbeit Halt? Ucbrigens verdeutscht man Romantiker am treffendsten als— Harmlose.— » s» 4» Deutsches Meich. Socialpolitik auf dem Waffer. Auf die von der„Hamburg-Amerika-Linie' an den Kaiser gerichtete tclegraphischc Meldung, daß der Dampfer Batavia" als erstes mit einer Tiefladclinic ver- s e h e n e s Schiff der Gesellschaft den Hamburger Hafen am Oster- sonntag verlassen habe, traf bei der„Hamburg-Amerika-Linie folgende Antwortdcpesche ein: „Mit aufrichtiger Genugthuuiig erfüllt mich Ihre Meldung. Möge Ihre Linie' durch diese Einführung das hohe Gefühl er- beben, nach Pflicht und Gewisse» alles'gcthan zu haben, was tote für die an Bord befindlichen Passagiere und Mannschaften als Ihre Verpflichtung zu thun empfnndc», und Sie mit Stolz erfüllen, den ersten großen Schritt in der Zlusführung meiner Socialpolitik auch ans dem Meere gewagt zn habe». Fürwahr, eine schöne Ostcrgabe! Wilhelm I. R." Die Tiefladcliiiie ist eine Marke, die angiebt, wie tief ein Schiff beladen werden darf. In England ist diese Frage längst ge- setzlich geregelt. Wenn der Kaiser schon diese technisch- notwendige U»d selbstverständliche Einrichtung als einen ersten großen Schritt seiner Socialpolitik zu Wasser bezeichnet, so ist klar, daß der erste bescheidene Schritt einer Socialpolitik in u n s r e m Sinne zu Gunsten der Proletarier auf dem � Meere nicht so bald zu crivarten ist. Die Entfernung einer schönen Ostcrgabe im man- archischcn Sinne von einem gewöhnlichen Wcrkeltags-Fortschritt nach socialdemokratischem Wertmaß ist allzu groß.— Das Flottenkonipromiß, das das Centrnm mit der Regierung geschloffen hat, wird voii der„Gcrinania" im Orakelstil dahin bestätigt,„daß eine Verständigung zwischen den verbündeten Regie- rUiigen und Centrnm, oder wohl bester gesagt Reichstag, wenn überhaupt, nur in der Budgetkoimnission des Reichstags und zwar voraussichtlich in der zweiten Lesung des Entwurfs erfolgen wird. weil die C e n t r u m s f r a k t i o n keine definitive Stellung zur Sache nehmen will, che die Beschlüsse der ersten Lesung aus der Budgetkommission vorliegen." Der Umfall ist fertig. Das Centrum bewilligt die„Pump- flotte". Lobt die Jesuiten und den Kuhhandel!— Unvollendete Erleuchtung. Der zweite Vorsitzende des Bundes der Landwirte weiß bis zur Stunde nicht, was er von der Flottenvorlage halten soll. Auf eine in Kaiserslautern gefaßte und ihm übermittelte Resolution, die sich gegen die Vorlage ausspricht, hat er erwidert: „Ich bedauere, vorläufig nichtin derLagc zu sein, Ihnen mitzuteilen, wie ich mich zu der Flotte»vorläge stellen werde, da diese gegenwärtig noch in der Kommission beraten wird." Herr Rösicke weiß bisher mir, daß Sprödigleit den Preis liebender Hingabe erhöht.— Rerchsseuchengesetz und Versammlungsfreiheit. Ans eine bedenkliche Bestimmung des Entwurfs zum Rcichsseuchcngcsetz muß noch aufmerksam gemacht werden, ans die Befugnis der Polizei- behördcn, bei drohender tocnchcngcsahr Ansammlungen zu verbieten. Ilnzweifclhäfi wird von dieser Bcnignis Arhcitcrucrsammlinigei! gegenüber bald in ungeahnter Weise Gebrauch gemacht ivcrdep. Wir sehen dies in Oestreich, wo keine große Streikbewegung ohne Ver- sanimluiigsvcrbctc mit Rücksicht ans eine mir der Polizei bekannte Scnche möglich ist. Anch� in Tentschland ljat jnmi des öfter» Vcr- sammlnngen unter Hinweis aus irgend eine Scnche verboten. Es wird notwendig werden, dem Mißbrauch derartiger an sich ganz ver- nniistiger Besuntinnugen gleich vei der Beratung des Gcsctzentivnrss vorzubauen. Taö Asyl der Unsittlichkeit. Tic„Märlischc Volks-Zeitimg" schöpft aus einer Bemerkung des„Vorwärts" die Folgerung, der Gocthe-Bnnd verfolge als wirksichcs Ziel den Kampf gegen das Christentum und wünscht dann in ererbtem Deminziantengelüst. „ausdrücklich bestätigt zn sehest, ob wirklich anckst Leute, wie der Maler Rudolf fis von Menzel'und der„katholische" Bildhauer Rcinhold Begas u. a., die an der Spitze des„Goeche-Bunds" ffgurieren, dieses Kamphesziel auch für sich erwählt haben. Die beiden genannte» Künstler gehören zn den Bevorzugten des H oscS; bei Hofe aber huldigt man. wie mainiigsache offizielle Kundgebung imntcr ivicdcr von' neuem darthnn.'g e g e n I e i- ligen Tendenzen, tritt offen s ü r das Christentum ein." Ob sich bei Herrn Begas liiitcr scüicn Passsonen auch eine Leidenschaft fürs Christcntmn findet, wissen mir nicht. Bon Adolf von Menzel— den das Heinzeblätt in einen Rudolf umtauft— aber möchten wir aniiebmen. daß er als friederieianisch Gesinnter vom Bibelglaiiben nicht viel mehr hält als der Held seiner Kunst. Menzel wird eS auch ohne Beschwerden ertragen, wenn man ihn ob seiner Goethcbündlerei aus der Liste der Bevorzugten des Hofs streichen würde. Die niedrige Einschätzimg, die das katholische Blatt der Kunst widmet, zeigt sich verräterisch in seiner Meinung, daß es der Künstler sei. der durch seinen Verkehr bei Hofe geehrt sei, nicht der Hos durch den Künstler. Allerdings will die„Märk. Volksztg." nicht die Konsequenzen des Meuzclscbcn Verbrechens ziehen. Mag er ruhig bei Hofe weiter geduldet werden— er darf ja, gleich Moiumsen— den mildernden Umstand hohen Alters in Anspruch nehmen. Ueberhaupt versteht man nicht recht, warn»» die katholische Presse über unsittliche Künstler so bittere Urteile fällt, wo doch die alleinseligmachende katholische Kirche mit ganz besonderem Wohlgefallen derartige Persönlichkeiten in ihren Schoost aufnimmt. Es wiederholt sich neuerdings die Er- scheinung. die ivir aus dem romantischen Anfang des 19. Jahrhunderts kennen. daß gerade die exaltierteste» Poeten der„Unsittlich- keit" schließlich'—— katholisch werden. Eben jetzt melden klerikale Blätter, daß der skandinavische Dichter August S t r i n d b e r g, der vor einiger Zeit zum Katholizismus übergetreten, demnächst auf einer Pilgerfahrt den» Papste vorgestellt werden soll. Nim ist A. Strindberg nicht nur im Heinzesinir eine der anstößigste» littcrarischen Persönlichkeiten, und doch nimmt ihn der KalholizismnS mit offenen Annen auf. Man sollte also nicht allzu laut auf die Sünder schelte»; in den tvirklich unsittlichen Litteraten steckt niöglichcrlvcise immer noch ein Held der katholischen Kirche. Der Goethebund kann mit Fug d« katholischen Presse den Vorwurf zurückgeben, ein Asyl der Unsittlichkeit zu sein.— Koloniales. Wir gaben kürzlich bei Erwähiiung der Unruhen im Kamerungebiet der Befürchtung Ausdruck. daß zur„Wiederherstellung der Ruhe" ein paar Straf- und Züchtigungszüge der Schutz- truppe nicht als genügend angesehen tverdcn dürften. sondern daß man bestrebt sein werde, ein N e tz von G a r n i s o n e ii zu errichten. Die„Koloniale Zeitschrift" stellte denn auch alsbald dies Verlangen.»nid, wie jetzt mitgeteilt wird, ist man bereits im Augenblick dabei, verschiedene der natürkicb sofort unternonimencn Strafcxpcditionen zur Errichtung solcher Militärstationen zu benutzen. Daß dabei über die„sehr bescheidenen Mittel" geklagt wird, ist nicht minder selbstverständlich. In der kolonialfrenn'dlichen Presse liest man bereits:..Uiiziveiselhaft muß es freilich erscheinen, daß zu einer gedeihlichen Fortführung der jetzt in Kamerun zur Geltung ge- brachten intensiveren ErschließungS- und Bewirtschaftuiigspolitik eine weitere Verstärkung der vorhandenen Machtmittel crforder- lich ist k? Die Schutztruppe für Kamerun wird also verstärkt, der Kolonial- etat erhöht werden! Ob aber durch die Verstärkung der Schutztruppe die Zahl der Strafexpeditionen eine Verminderung erfahren wird. ist höchst zweifelhaft. Der Wunsch des Herausgebers' der„Kolonialen Zeitschrift", Dr. HanZ Wagner, daß„künftig das Nicdevtnallcu der Neger" anfhjsren möge, da„jeder Eingeborene ein Stück Nationalvermögen repräsentiert", wird wohl kaum besondere Beachtung bei nnsrcn kolonialen KriegShelden finden, trotzdem er seinen Appell nicht an die Humanität, sondern an den Eigennutz der Kolonialintcrcsscnten richtet.— Tas Ausnahmegesetz gegen die Landarbeiter, das der Geracr Landtag vorbereitet, wird gegenwärtig im Jusiizansschuß beraten. Wie unser dortiges Partei-Organ berichtet, will man das Gesetz dadurch angenehmer machen, daß auch Strafbestimmungen für den Koiitraktbruch' landwirtschaftlicher Unternehmer vorgesehen werden sollen. Man glaubt dadurch den einseitigen Klassencharakter des Gesetzes verwischen zu können. Ein Ausnahmegesetz würde das Gesetz auch dann noch bleiben. ES bedroht, wie imser Partciblatt zutreffend betont, nicht nur die landwirtschaftlichen Tagelöhner. sondern alle Arbeiter, die mit diesen in Berührung kommen und sich über Arbeiterverhältniffe mit diesen unterhatten. Uebcrdies weiß man. daß die Gleichheit vor dem Gesetze noch lange keine Gleichheit vor den Gerichten garantiert.— Spotten ihrer selbst... Die„Deutsche Tages- Zeitung" glossiert die Reden Millerands und Loubets zur Eröffnung der Welt- ausstellung folgendermaßen: „Anbahnung der Eintracht zwischen den Böllern", Herbeiführung des Tages, da die Welt erkennen wird, daß„Friede und ruhmreiche Kämpfe der Arbeit fruchtbarer sind als Rivalitäten"— wer kennt sie nicht, diese schönen Worte, mit denen die Eröffmiiigsreden aller Aus- stellnngrn deren ideales Ziel zu Icnnzcichneii belieben! Ja, memi eö mit Worten und Feftfcicrn gcthan wäre! Aber mährend die französischen Staatsleiter in Paris ein sechsmonatliches„Fest des Friedens" mit feierlichen Reden einleiten, muß in Südafrika ein durch und durch friedliebendes Volk den blutigen Kampf um seine Existenz gegen einen der Aussteller in Paris führen, dem der Dank des Präsidenten Lonbet für die Mitwirkung an dein„Werk der Harmonie, des Friedens und des Fortschritts" ebenso gilt, wie allen andren Regierungen. Es ist wenig Aussicht vorhanden, daß das zwanzigste Jahrhundert, wie Präsident Lonbet hofft,„ein ivenig mehr Brüderlichkeit leuchten sehen wird". Mit Worten allein ist es allerdings nicht gcthan. Der Spott über derartige„Feste des Friedens" wäre aber dem ch r i st l i ch e n „Fricdcnsfest" gegenüber, das mm seit so viel hundert Jahren die „frohe Botschaft" verkündet, noch viel besser angebracht. Zu Weih- nachten aber gehören die Friedenstiraden auch zum eisernen Bestand der Feftartikel der„Deutschen Tagcs-Zeitung". Uebrigcns hat der eine der Redner, Millerand, aus einen Faktor hingewiesen, der aller- dingS unendlich viel mehr zur Herbeiführung des Völkerfriedcns beitragen wird, als die schönsten Phrasen der Priester und Staats- männer: die Solidarität der Arbeit.— Die Aufrufe zur Maifeier haben bereits für die bürgerliche Preßmeute das Signal zum Gekläff gegeben. Die Gereiztheit ist die glcicke, wenn auch die Tonart verschieden ist. Tie„Kouserv. K o r r e s p o n d e n z" spottet, man müsse über die Geduld, welche an ein so aussichtsloses und an Fiasko so reiches Unternehmen ver- schwendet werde, staunen. Namentlich da die Arbeiter selbst bereits hinter den„Humbug" der„imposanten" Feier gekommen seien. Jedes„Volksfest mit Tanz" beweise dieselbe Zugkraft wie der„bc- rühmte" Maifeiertag. Und so weiter mit Grazie. Die„Köln. Ztg." dagegen betrachtet die Sache vom Standpunkt des Industrie- jnnkerS ans, der»Herr im eignen Hanse" bleiben will und sein absolutistisches Regiment durch die fortschreitende Einbürgerung der Slrbeitsrnhe am 1. Mai bedroht sieht. TaS rheinische J»dnstneller.orgmi weist ans die Beschlüsse zahlreicher GcweftichaslSorgaiiisattoueil hin, den 1. Mai durch Arbcitsruhe zu' begehen, und sticht zum Kampfe gegen daS sich zum Weltfciertag rüstende Proletariat scharf zu machen. „ES ist also nicht tnehr abzustreiten, daß die Sociakdemokratie angesichts deS uiteniationaleu Pariser SocialistcnkongrcffcS den K a in p f gegen die b ü r g c r l-i ch e Gesellschaft wegen der Maifeier sucht. Sache der Arbeitgeber und ihrer Vercinigmtgc» wird es sein, den Fehdehandschuh auf- zlinchmen, keine Schwäche und Nachsicht zu zeigen. Ein einmaliges Nachgeben, worauf die Agitatoren angesichts des flotten Geschäftsgangs in der Industrie rechnen, würde sich bitter räche n." Die Lesarten der beiden Blätter passen in ihrer Auffassung von der Bedeutung der Maifeier zwar recht wenig zusammen, sie atmen aber denselben Geist hochmütiger Unduldsamkeit. Das Proletariat wird sich weder durch den krampshaftcn Spott der einen noch durch die Drohungen der andren Richtung irretiercn lassen, sondern be- sonnen und energisch die Idee der Realisierung deS Weltfeiertags weiter verfolgen.— Nene LieboSgobcn für die schnapSbrennenden Junker kündigt die„Natioiial-Zc'.tnng" an. Es sei Nicht ausgeschlossen, daß die Regierimg eine weitere Erhöhung der Verbrauchs- abgäbe für Branntwein einleiten werde. Ans der andren Seite sollen dann neue Maßregeln zur Fördernng des Ab- satzcs von steuerfreiem Spiritus für Brenn- und Beleuchtniigs- zwecke ergriffen werden, d. h. also mit andren Worten, eine Mehr- einnähme aus der Besteuerung des Trink- b r a n n t w c i n s soll verwandt werden zu Zuschüsse n an die Brenner, damit dieselben für Brenn- und Belenchtungszlvecke Spiritus unter dem Her st ekln ngS- preis abgeben können. De» Anlaß zu solchen Maßregeln soll der Umstand bieten, daß nach dem Bramitiveinsteucr- Gesetz von 1395 die Borschristen über die Brcmiftcner im Jahre 1901 außer Kraft treten. Man wird dies Projekt der Höherbestencrung eines Konsum- artikels der schlechtgestelltesten Prolctaricrschichtcn im Auge behalten müssen. Offenbar handelt es sich nur tu» eine Erhöhung der „Liebesgabe", wie die Steuer 1887 von einem konservativen Abgeordneten selbst genannt worden ist. Wie sehr die ostelbischen Junker an der Liebesgabe interessiert sind, beweisen folgende Zahlen. Nach Julius Wolff sind 1,55 Proz. der gesamten Ackerfläche in Deutschland an der Brennerei beteiligt. Der Anteil steigt mit der Größe der Gutskomplcxe von 0,50 Proz. der bäuerlichen Wirtschaften bis zu 35 Proz. der ostelbischen Großbetriebe, die allein überhaupt 3/4 der gcsammten deutschen Branntweinproduktion liefern!— Ausland. Italien. Rom, 14. April. Man schreibt uns: Wir haben seit kurzen» einen neuen Kricgsininifter, und von den KriegSministern gilt ganz besonders das alte Wort von der Veränderung, die keine Vcrbesscrtmg ist. Der frühere Kriegsminister, Mirri. mußte zurücktreten nicht bloß, weil er sich politisch kompromittiert hatte— das wäre ihm im Vaterland der Maffia und CrispiS verziehen worden— sondern weil er sich ciner Vermehrung der Militärausgabcn wider- setzte, und sein der Kammer gegebenes Versprechen, sich innerhalb des Etats zu halte», nicht beachten wollte. Der neue KricgSminister, General P o n z a d i S an Marino, hat keine derartigen Bedenken, er fordert von der Kammer ein außerordentliches Kriegsbudget im Betrag von 393 Millionen Lire. Der König bat eine krankhafte Angst vor der Revolution, was von den Reaktionären natürlich nach Kräften ausgenutzt wird.„Die einzige Rettung ist die Armee"— und so steigen die Armee-AuS- gaben dann fortivährend. Alle Versicherungen des Gegenteils sind ciitivedcr bewußt unwahr oder sie scheitern an den Neigungen der Negierenden für den Militarismus. Diesmal hatte die Regierung aufs positivste erklärt, die Ncilsordernngen würden das konsolidierte Budget von 239 Millionen nicht überschreiten. Die Budgetkouimission, deren Bericht über die Militär-Etats von 1897— 1898 soeben veröffentlicht wurde, hat aber festgestellt, daß die Ueberschreitmigen der Voranschläge in jedem Jahr mehr betrugen alö 239 Millionen, und daß jetzt eine weit größere Summe, die unberechtigter Weise ans- gegeben worden ist, noch gedeckt werden nniß— und zwar von der Kammer, wenn sie nicht, woran freilich kaum zn denken, die Herren Minister persönlich verantwortlich macht. Aus dem erwähnten Bericht geht weiter hervor, daß. als die Regierung die Konsolidation von 239 Lire forderte, diese Sninme bereits um 103/4 Millionen überschritten war. So liederlich wird bei uns mit den Forderunge» gewirtschastct. Geniig— die regelmäßige effektive Ausgabe für das Heer bc- trägt gegenwärtig schon 400 Millionen, nnd die Ausgabe soll um das Doppelte erhöht werden. Denn auch die 393 Millionci», die der Kriegsmiiiister von der Kammer verlangt, sind bereit» ü b e r s ch r> i t e n. Der Gcsctzcsvorschkag. in dem diese 393 Millionen gefordert werden, wurde vor den Ferien nicht von dem Parlament erledigt, iveil die„Obstruktion" es verhinderte. Und da ist unsre ministerielle Presse so unverschämt, in die Welt hüiaus zu schreiben, die Obslruktion habe„eine heilsame, dem Volk nützliche Gesetzgebung verhindert"!— Der Präfekt von Mantua hat dieser Tage die Bürgermeistct von Moglia, Bagnolo und Paggio suspendiert. Ich brauche nicht zn sage»», daß eS Soeialisten sind. Und ivarnm? Weil diese Beamten der äußersten Linken Glück- wünsche zugesandt haben! Das ist die kleinliche Rache der Reaktionäre. die der antchwellenden Flut der Volksbewegung ratlos gegenüber- stehen und in ihrer Beschränktheit nur für derlei kindische Mittel Verständnis haben. Unser socialistischer Jahre S long rcß, der am 24. Mai hier in Rom zusammentritt, wird sich hauptsächlich mit Organisationsfragcn nnd mit der Taktik bei den nächsten Wahlen beschäftigen.— Rnffland. Ter Besuch des Zaren in MoSkau sollte nach den in der Presse umhcrsänvirrendcn Gerüchten die Einleiwng zu ciner bc- deutsamen politische» Aktton bilde». In Petersburg selbst sprach man nach der Meldimg eines Blattes sogar von einem Ulliin alnm an England, worin diesen» die Alternative gestellt werden sollte, entweder binnen 8 Tagen mit den Boercn den Frieden zu schließen, oder sich aus eine russische Invasion von 120 000 Mann in Afghanistan gcfaßr zu machen. DicS Ultimatum sollte angeblich im Einverständnis mit Dcnlschland und Frankreich erfolgen.' Jedenfalls wurde durch diese Gerüchte die öffentliche Mciiiung nnd selbst die Börse derartig beunruhigt, daß man sich zur- Versendung folgender halbamtlicher- Depesche durch die„nissische Tclcgrapheiiagentur" veranlaßt sah: Der Ehef der Kreditkanzlei im Finanzministerium MaleschewSky lud gestern abend die hiesigen Bankiers und Bankdirektoren zu ciner Besprechimg ein nnd teilte ihnen amtlich im Auftrage deS Finanz- Ministers niit, daß alle Gerüchte über eine ungünstige Gestaltung der politischen Lage oder bevorstehende wichtige Etttscheidungen, ivie solche in letzter Zeit durch Stadtklatsch und einzelne ausländische Korrespondenten kolporttert seien, absolut unbegründet seien. Der beste Beweis dafür wäre, daß der Minister des Auswärtigen nicht einmal nach Moskau mitgereist sei. Afrika. Vom Krieg im Hinterland von Algier. London, 17. April. Nach einer Meldung der„Daily Mail" ans Mogador sollen bei Fignig bedeutende Gefechte zwischen französischen und arabischen Truppen stattgefuiiden haben. Di« Araber hatten 100 Tote. Die Verluste der Franzosen sind noch unbekannt. Weiter wird gemeldet, daß die fanatischen Mnsclmamien im Hinterland von Algerien sich cif)c6cn. Die Loge der Franzosen werde dadurch eine sehr bedenkliche— Dschibuti, 17. ülinik. lMeldung der„Agence HauaS".) Die Schaaren des Mahdi sind vor den Verstärkungen, welche der Negus M e ii e l i k seinen Truppe» gesandt hat. nach den inneren Teilen der Landschaft Ogaden geflohen. Die siegreichen Abessymer sind nach Harrar zurückgekehrt. Der Religionskrieg ist beendet. Sl fie«. lieber die Zustände auf den Philipvincn sickern allmählich immer mehr Nachrichten durch, die die Lage der Amerikaner als eine keineswegs bcncidenStvertc erscheinen lassen. Durch die Ab- berufnng des Generals Otis haben die Dinge kein andres Aussehen erhalten. lieber den Verlans der Operationen hat die amerikanische Regierung derart den Schleier zu breiten verstanden, dasi es im- möglich ist, sich ein Urteil über das strategische Vermögen oder lln- vermögen des Generals Otis zu bilden. Die ganze Beschaffenheit des Kriegsschauplatzes läfft aber vermuten, daff auch der Nachsolger Otis' kaum in der Lage sein wird, durch rasche entscheidende Schläge die„Ansständischen" niederznwcrscn. Dieser Meinung ist auch ein höherer Funktionär des KriegsdepartcmcntS, der sich folgendermatzen äuffcrte: „Ich befürchte, daß die Armee noch ernste Schwierigkeiten vor sich hat; es ist zwar im Lauf der Zeit viel erreicht worden, aber die Filipinos sind eben doch nicht unterjocht und die neuesten Nach- richten zeigen, daff sie bereit sind, von neuem zu beginnen. Sollte nun gar ein A n f st a n d in Dl a n i l a ausbrechen, so würde daraus furchtbares Blntvcrgicffen entstehen, lind unmöglich ist daS nicht. General Otis hat dies immer befürchtet." Daff man sogar einen Ausstand in Manila für möglich hält, bc- weist, wie wenig gefestigt die Herrschaft der Amerikaner selbst in den wichtigsttn Plätzen des eroberten Gebiets sein muff. UebrigenS soll A g u i n a l d o selbst unlängst in einer Vorstadt Manilas ge- sehen worden sein. Sollte der Führer der Tagalcn sich wirklich derartig tollkühn in die Höhle des Löwen hincingelvagt haben, so könnte das nur im Bertrancn auf weitverzweigte und sichere Ver- bindimgcn geschehen sein. Ein heftigeres Auflodern des nur. halb- erstickten Kriegsbrands darf nach all' diesen Nachrichten als bevor- stehend angenommen werden.— England und Afghanistan. Die„Times" bringen in ihrer zweiten Ausgabe nachstehendes Telegramm aus Lahore: Die „Civil and?Nilitary Gazette" veröffentlicht einen Brief des Emirs von Afghanistan an einen vertrauten Diener, in welchem der Emir darüber Klage führt, daff jetzt. wo Afghanistan auf allen Seiten bedrängt werde, die britische Regierung keinerlei Interesse an ihm zu nehmen scheine und sich beiseite halte. Jedes- mal, wenn er bei einem ruff'ischcn Angriff einen Gegenzug angeregt habe, sei er ohne Antwort von der indischen Regierung geblieben, auxcr daff ihm der Vorschlag gemacht sei, Afghanistan' möge zu dem Bau von Eisenbahnen und Tclcgraphenlinien seine Zustimmung geben._ Das sei aber unmöglich, da es ein Mittel sein würde, Afghanistan zu ruinieren. Ter Emir schliefet: Trotz aller dieser Sorgen habe ich mich 21 Jahre lang als festen Bundesgenossen der britischen Regierung bewährt, nun aber muff ich der indischen Regie- rung sagen, daff jetzt die Zeit zu Thaten ist, nicht zu Reden. Wenn der Brief echt ist, so läfft er auf Englands Lage in Indien ein recht trübes Bild fallen. England hätte klüger gehandelt, statt sich von einer Klique von Börsenjobbern in das südafrikanische Abenteuer stürzen zu lassen, seine Position in Indien gegen Rußland zu be- festigen.—_ Z�svkri-Msritzvichten. Tic Nürnberger Parteiborgängc. Unser Nürnberger Partei- blalt erhält zu der Versammlung einer kleinen Gruppe von Partei- genossen, über die im dortigen Freisinnsblatt berichtet wurde(Siehe Nr. 88 des„Vorwärts") 4 Zuschriften von Teilnehmern an dieser Besprechung, die erkennen lassen, daß diese Genossen die Notivendig- kcit einigen ZufnmmenarbcitcnS durchaus anerkennen. Drei der Zu- schriftcn wenden sich auch entschieden gegen die Benutzung der gegnerischen Presse. Wir geben die des Genossen Karl�Enffncr, als „im Auftrage" verfaßt, zur Klarstellung hier wieder. Sie lautet: Nürnberg. 13. April 1000. Wir halten es für absolut notivendig. im Interesse der Partei die Erklärung abzugeben: 1. Daff diejenigen Parteigenossen, welche sich am letzten Dienstag zu einer Besprechung in der Restauration zu den„Drei Königen" zusammenfanden, mit dem schmutzigen Schmier- sinken, welcher dem„Kurier" Berichterstatter- Dienste leistet, nichts gemein haben. Nur ein ganz erbärmlicher Tropf ist einer solchen That fähig. Zweitens ist es unwahr. daß eine socialdemokratischc Vereinigung gebildet wurde. Wahr ist, daff 20 bis 25 Genossen sich zusammenfanden, um darüber zu beraten, wie am besten der vorhandenen kolossalen Miffstimmniig zu begegne» sei. Es wurde be- schlössen, von dem uns laut Statut zustehenden Recht, mittels 500 Unterschriften eine anffcrordenlliche Generalversammlung zu be- autragen, Gebrauch zu inachen, mit der Tagesordnung: Neuwahl der Gcsamwerwaltung und des Parteisekretärs, mit dem ausdrücklichen Hinweis, daß lven» die bisherigen Personen wiedergewählt werden, wir nichts dagegen einzuwenden haben, weil sie damit die Vcrtraucnsprobe'bestanden hätten. Zum Schluß wurde von einem Genosse» erklärt, daß er als Parteisekretär den Genossen Enffner in Vorschlag bringen würde. Im weiteren geben wir die Erklärung ab. daff wir infolge des Schurkenstreichs im„Kurier" nicht das mindeste vor oder während der Wahl unternehmen, sondern mit vereinten Kräften schlagen werden. Bemerken wollen ivir noch, daß wir nicht zu einer kleinen Clique gehören, die bemüht ist. Zwietracht in die Reihe» der Genossen zu säen, sondern unser eifrigstes Bestreben ist. gesunde Zustände zu schaffen, das, was man uns jetzt vielleicht in die Schuhe schieben möchte, haben andre gründlich besorgt. In der bürgerlichen Presse machen sich einige Stimmen geltend, die einer objektiveren Auffassung Raum geben, als man sie bisher bemerken konnte. So schreibt die„Miinchener Zeitung", nachdem sie die Auerschc Erklärung abgedruckt hat: „Wenn diese Darstellung zutrifft, und daran ist nicht zu zweifeln, so kann der Parteileitung kein Vorwurf gemacht werden." Und die ebenfalls in München erscheinende„Reue Bayrische Zeitung" kommt nach der Auerschcn Darlegung zu der Erklärung: „Die Ocrtcl- Angelegenheit erhält' dadurch eine andre Be- leuchtung... Da kann doch nicht gut Beschwerde erhoben werden." Partctprcfse. Eine Parteiversammlung in Halle beschloff, daff vom 1. Juli d. I. ab der Preis des„Volksblatts" auf 00 Pf. per Monat erhöht werden soll, während es jetzt nur 50 Pf. kostet. Ein internationaler Kongrcst socialistischcr Studenten und ehemaliger Studenten lvird im nächsten Herbst in Paris zu- sammentretcn. Das Pariser Komitee ladet alle studentischen Ver- einigungen, welche auf dem Boden der Socialdemokratie stehen, dazu ein; auch Einzelpersonen ans Länder», wo die Bildung von Bereinen nicht möglich ist, werden zugelassen. Die provisorische Tagesordnung lautet: Socialistifche Propaganda in Studentenkreiscn; Stellung der socialistischen Studenten in der Arbeiterbewegung: die Lage deS intellektuellen Proletariats; Mittel und Wege zur Anknüpfung von Verbindungen zwischen den Gruppen der verschiedenen Länder._ LilMskonseml; der siiMtn Cocillldemokrlltit. Dresden, 17. April. Im festlich geschmückten Trianonsaal und bei zahlreichem Besuch der Genossen aus Dresden und Umgegend begannen heut die Ver- Handlungen der sächsischen Landeskonferenz. Genosse S i n d e r m a n n eröffnet die Beratungen. Die Landes- konferenz habe in diesem Aabr- k-'"-"p.-ffen Principienfragen zu beraten. Es handelt sich darum, unsre Waffen neu zu schärfen gegen alle Maßnahmen der Reaktion. Was diese auch bisher gegen unsre Partei unternommen, uns ist eS nicht schlecht bekommen. Die Antwort auf die Wahlrcchts-Entziehung war die Eroberung der Dresdner Wahlrcise durch die Socialdemokratie. Genosse Sind er- in a n» heißt die Delegierten, die zahlreich aus allen Kreisen des Landes erschienen sind, im Namen des Central- Komitees und der Dresdner Genossen willkommen. Ins Bureau wurden gewählt als 1. Vorsitzender Schulze- Cossebaude, als zweiter Vorsitzender Messing- Dresden. Eine Wahlprüfungskommission wird gewählt. Zu Punkt 1 der Tagesordnung: Bericht des Central- Komitees referierte Genosse Schulze- Cossebaude: Unsre Thätigkeit im letzten Jahr nahmen wir auf mit der Agitation gegen die Zuchthausvorlage, mit der wir glücklich fertig geworden sind. Wir haben, obwohl alles gelvissermaffen nebenbei gemacht werden mußte, eine umfangreiche Thätigkeit entfalten müssen. Die Kalendcrverbreitung müsse noch Verbesserungen erfahren. Tie Stichwahl im achten Wahlkreis habe gezeigt, daff ein Wahlkreis auch durch die besten Redner. nicht gewonnen werden kann, wenn die politischen und wirtschaftlichen Vorbedingungen nicht vorhanden sind. Die Landtagsivahl habe nicht enttäUschett können: es lag an u n s r e r Uneinigkeit und Jntercsselosigkeit, wenn keine bessern Erfolge erzielt wurden. Da, wo unsre Genossen energisch in den Wahlkampf eintraten, seien 55 Proz. der Stimmen in der dritten Wählerklasse für uns abgegeben worden. während dort, wo unsre Genossen sich nicht rührten, die Gegner mit 15 Proz. der Wählerzahl ihre Wahlmänncr durchbrachtcn. Infolge- dessen müssen wir unter allen Umständen an dem Krinnnitschaucr Beschluß festhalten.(Beifall.) Sindermann giebt den Kassenbericht: Es ist bcdancrnS- wert, daff wir zur Wahl im 8. Kreise Geld von Berlin haben mufften. Andrerseits haben die sächsische» Genossen für die Löbtauer Lcr- urteilte» ihr möglichstes gethan. Wir müssen die Mahnung des Parteisekretärs in Hannover beherzigen und für die Ccntralkasse mehr thini als bisher. lieber die Thätigkeit des sächsischen Landtags referiert: Fräßdorf: Wir lvarcn besorgt vor der Kritik unsrer Genossen. da wir nur in so kleiner Zahl im Landtag zurückgeblieben waren. Wir haben gethan, was wir konnten. Redner bespricht die Finanz- läge des Landes. Neue Steuciqncllcn müssen gefunden werden, da die Entwicklung fortschreitet, aber die konservative Partei stimmte gegen jede vernünftige Ausbildung des Steuersystems. Weiter behandelt Redner die Stellungnahme des Landtags zum Koalitionsrecht der Staatseiscnbahn- Arbeiter, ferner die Justizpflege. die Polizei- maßnahmen, besonders beim Bergarbeiter- Streik, Gewerbe- Inspektion, Baugesctzgcbuiig. die konservative Interpellation über das Fleischbeschau- Gesetz. Sodann behandelt er die Stellung der Parteien unter einander und zur Regierung, besonders die üble Lage der Nationalliberalcn, die jedem Druck der Konservativen sich beugen müssen, um ihre Mandate nicht zu ver- licren. Der Landtag wird infolge des Drciklasscnwahlsystcms immer weniger eine wirkliche Vertretung des Landes. Je industrieller Sachsen wird! um so agrarischer wird der Landtag. Das geistige Niveau des Landtags sinkt immer tiefer. Selbst der Regierung wird es stets schwieriger, die Interessen der Industrie einigermaßen vor dem agra- rischen Ansturm zu schützen. Unsre Partei wird nach wie vor gegen das jetzige System, gegen das Dreiklasscnwahlrccht mit aller Schärfe kämpfen. Hoffentlich wird unser Kampf in Sachsen in der Zukunft wieder ein einheitlicher werden, der dann auch zum Sturze des Dreiklassenwahlrcchtü und unsre Partei von Erfolg zu Erfolg führen wird.(Langanhaltender Beifall.) Grenz- Leipzig: Man soll doch nicht immer den Leipzigern die Schuld in die Schuhe schieben, daß die Wahlen zum Landtag nicht gut ausgefallen sind. Wir werden nie etwas Bedcutcudcs bei diesen Wahlen erreichen. Wir wünschen, daff eine endgültige Ver- ständiguiig über die BetciligungSfrage erzielt werden möge. Geyer: Die kleine Fraktion des Landtags hat vorzüglich gearbeitet. Es hat sich gezeigt, wie gut es war, daß unsre Genossen nicht freiwillig auf ihre Mandate verzichtet haben. Es war von großem Wert, daß zum Bcifpicl beim Kohlenarbciter- Streik gründliche Kritik geübt wurde. Wenn kein Abgeordneter unsrer Partei mehr im Landtag ist, so wird die Presse vermehrte Verpflichtung haben, die Landcsangelegcnheitcn zu behandeln. Die Gegner lverden nicht sich selbst überlassen bleiben. Die Presse wird dauernd auf dem Posten sein. Schon jetzt sei im Lande der Unwille groß gegen die Parteien des Landtags ivcgcn Unterstützung der FlcischvcrtcueriingSpolitik.v s k i- Hamburg bcschivcrt sich darüber, daß die Partei keinen Delegierten zum letzten deutschen Parteitag entsendet hat,>vas von M o r a w S k i durch den Mangel an Mitteln erklärt wird. Rosa L n x c m b n r g wünscht, daß mehr in den eigentlichen polnischen Gegenden agitiert werde, da die Arbeiter in diesen Gegenden der Anfklärnng bedürftiger seien wie diejenigen, die sich in deutschen istädtcn zur Arbeit anshaltcu. Wi.erbinski-Gnesen tritt ihr entgegen und verbindet damit den Ausdruck seiner Entrüstung über den von Posen gestellte» Antrag. Auch K a r w i k- Bremen spricht mit großer Entrüstung über diesen Antrag und meint, GogowSkis Agitation wirke germanisierend auf die Arbeiter. Der Redner wendet sich unter stürmischem Beifall gegen Winter-Beuthcn. M e r k o w s k i sagt, sie stünden nicht auf dem Standpunkt de? deutschen. sondern ans dem der internationalen Socialdemokratie. Das Auftreten der Genossen Poscns habe sehr befremdet. G o g o iv s k i- Posen tritt den erhobenen Porwllrfcn entgegen, verteidigt die Haltung und die Agitationswcffe der poscnschen Genossen und weist auf die erzielten Erfolge hin. Thiel- Berlin spricht der Genossin R. Luxemburg sein Miß- tränen aus, die sich schon mehrfach gegen die polnische Organisation gewendet habe. M a r a w s k i beschwört die Poscnschen Genossen, der Partei nicht solche Schwierigkeiten zn machen. Rosa Luxemburg führt aus. daß kein Grund zu Klagen gegen die deutsche socialdemokratischc Partei vorhanden sei, sondern im Gegenteil Grund znm Dank gegen sie. Nachdem ihr noch einige Redner entgegengetreten, wird der Posensche Antrag zurückgezogen, da es sich hcrausgestelll habe, daß keine Hoffnung auf seine Annahme vorhanden sei. Den Schluß der Sitzung füllen Situationsberichte über den Stand der Bewegung in den verschiedenen Teilen deS Reichs aus, worauf die Verhandlungen auf Montag vertagt werden.") Vierte Gkneralversammluiig des WM ki Silttler iinii mmMer Berchgeiiossen. Erster Verhandlungstag. Die Verhandlimge» wurden am 2. Osterfeiertag, vormittags 9 Ilhr, im mittleren Saale des Gewerkschastshanses eröffnet. An- wescnd sind 31 Delegierte aus 26 Wahlbezirken und zwei Delegierte der skandinavischen Bruderorganisationc». Aus dem Bericht dcö BcrbandSporstaiids, welcher von Sassenbach erstattet wird, crgicbt sich eine erfrenlichefSteigernng der Mit- gliederzahl, in noch höherem Maße der Leistungsfähigkeit der Organisation, desgleichen eine zunehmende Stabilität des Mitglieder- beftandcs. Die Einnahmen des Verbandes in den drei Jahren 1897 bis 1899 beliefen sich auf insgesammt 54 888,07 M. Die Zahl der Mitglieder ist m der letzten Berichtsperiode von 2193 auf 3116 gestiegen, die Zahl der Verwaltungsstellen von 57 auf 67. *) Wir geben den Bericht über diese Verhandlungen auf Grund einer Zuschrift, die uns von der Kongreßleituug zugegangen.ist. Für die Richtigkeit der Darstellung können wir kein«' Garantie über- nehmen. Die Ausgaben der Hauptkasse in der Berichterstattnugsperiode betrugen 25 311,27 M. Die Gesamtausgaben des Verbands be- laufen sich auf 44 517,04 M. Die Gesundung der Kassenverbältuisse ergiebt sich aus dem Um- stände, das; in den letzten drei Jahren die Kosten für Lohnkämpfe ohne weiteres aus der Hanptkasse gezahlt wurden, während früher ocl jedem Streik erst freiwillige Sammlungen veranstaltet werden mußten. Die beträchtlichen Ausgaben für Prozeß- und Gcrichtskosten sind zum großen Teil auf Anklagen und Verurteilungen des Rc- dactcurs zurückzufiibrc», da sich'verschiedentlich herausstellte, daß die eingesandten Berichte nicht immer in allen Einzelheiten den That- fachen entsprachen, Die Agitation im Osten ist nicht erfolgreich gewesen. Die internationalen Beziehungen sind durch den Abschluß eines Gegenseitig- keits-Vertrags mit den skandinavischen Bruderorganisationcn erweitert worden. Außerdem steht der Verband noch in engeren Verhältnissen zu den östreichischcn und schweizerischen Organisationen des Berufs, Der Vertreter des Ausschusses erkärt, daß beide Körperschaften stets in harmonischer Weise zusammengearbeitet haben. Beschwerden von Bedeutung gegen die Geschäftssührung des Hauptvorstandcs sind nicht eingelaufen, Unter lebhaftem Beifall berichten dann die skandinavischen Vcr- treter über die Verhältnisse in ihrer Heimat, Dort sind alle Arbeiter dcS Berufs organisiert. Namens derselben sprechen sie den deutschen Arbeitern ihren Dank aus für die opferwillige Hilfe während der großen Aussperrung. Aus keinem andern Lande sind auch nur annähernd so hohe Summen zur Unterstützung eingelaufen. Daß die Aussperrung einen für die Ar- beiter so günstigen Abschluß finden konnte, ist hauptsächlich der Solidarität der deutschen Arbeiterschaft zu danken. In der Diskussion über den Vorstandsbericht tritt teilweise ein Gegensatz zwischen Militärefsekten-Arbeitern und de» iu dcrPrivatindustrie Beschäftiglen zu Tage. Von den Vertretern der crsteren wird im Anschluß an einer Ausführung Sassenbachs der Meinung Ausdruck gegeben, daß eine Strömung im Verband vorhanden sei. die die Interessen der Militäreffekten-Arbciter hintenansetzen will. Ein solches Vcr- fahren sei nicht zu rcchlfertigcn, da die Lage dieser Arbeiter noch in jeder Beziehung verbesserungsbedürftig sei'. Im übrigen wird anerkannt, daß der Vorstand nach Lage der Sache sein möglichstes gc- than habe und daß die feste Anstellung eines Beamten, der sich der Vcrbandsarbeit gänzlich widmen kann,' nicht nichr von der Hand zu weisen sei. Sasscnbach erklärt, daß der Vorstand nicht die Militäreffekten- Arbeiter zurückgesetzt habe, sondern daß nur nicht mehr wie früher ausschließlich die Militärsattler bei den Lohnbewegungen berücksichtigt worden seien. Bei der Beratung über Lohnbewegungen und Streik- reglement wird getadelt, daß der Hauptvorstand in einigen Fällen die Mittel zur Weiterführung von Streiks verweigert hat. Ganz entschicdeir aber müsse man sich dagegen wenden, daß seitens des Vorstands erklärt lvurde, bis zu dem Zeitpunkt muß der Streik beendet sein, dauert derselbe länger, dann giebt es keine Unterstützung mehr. Auch hierbei dreht sich die Disdlssiou vielfach noch um die Lage der Militärsattlcr. Es wird ausgeführt, daß die Arbeit in diesen Betrieben vielfach desorganisierend auf die Arbeiter wirke. Dieselben sind zur Fluktuation geradezu verurteilt. Aus andren Berichten ergiebt sich, daß bei sthatkräftigcr und um- sichtiger Leitung auch ohne große materielle Opfer gute Erfolge er- zielt werden können. Das zur Annahme gelangte Streikreglement bestimmt u. a., daß Streikunterstiitzung vom 1. Tage ab gezahlt wird. Arbeitseinstellungen sollen nur dann stattfinden, wenn vier Fünftel der beteiligten Arbeiter sich in geheimer Abstimmung dafür erklärt haben. Sämtliche Streiks unterstehen derObcrleitung des Verbandsvorstandes, ivelcberauch darüber entscheidet, ob überhaupt eine Arbeitseinstellung stattzufinden hat oder nicht. Weitere Voraussetzung für die Genehmigung ist»och. daß bei Angriffsstrciks alle Beteiligten, bei Abwehrstreiks die Mehrzahl organisiert ist. Streiks, welche gegen diese Bestimmungen insceniert werden, haben keine Berechtigung auf Unterstiitznng. Die Streik- Unterstützung wird festgesetzt: für Unverheiratete pro Woche 10 M., Verheiratete pro Woche 12 M. und jedes Kind 1 M. auf den Straßen gefährdet werde. H. legte Revision ein und betonte, daß er sich ja thatsächlich auf dnS Verlangen des Schutzmanns entfernt habe und nach der Fürstenstraße gegangen sei. Seines Erachtcns könnte es ihm niemand verwehren, sich in einer Nebenstraße aufzuhalten. Die Revision wurde jedoch vom Kammer- gericht mit folgender Begründung vcrivorfen: Das Landgericht habe mit Recht angenommen, daß H. der Anordnung des Beamten nicht nachgekommen sei. Er habe sich thatsächlich nicht ans der Nähe der Fabrik entfernt, wenn er in der Fürstenstraße sich so aufgestellt habe, daß er noch den betreffenden Teil der Nittcrstraße beobachten konnte. Daß die Arbeiter sich durch solche Urteile keineswegs von der notivcndigen Pflicht des Streikposten st ehens ab- halten lassen iverden, versieht sich am Rande, gerade so wie es selbst- verständlich ist, daß sie im Anblick der verschiedenen auf Grund des Groben Unfug-Parngraphcn ergangenen Urteile heute wie ehedem in Streikfällen'vor Zuzug zc. warnen. Aber wie sehr, so fragen wir, müssen gerade die' an der Erhaltung der heutigen Ordnung interessierten Kreise die RcchtSverwirrung zu beklagen haben, die aus Urteilen, wie dein vom Kammcrgericht gefällten, erwachsen kann? Bankier August Steruberg hat gegen das Urteil der neunten Strafkammer Revision angemeldet. Infolge des Freispruchs Sternbcrgs von zwei Fällen der Anklage ist der ivegen Begünstigung verhaftet gewesene Direktor Luppa am Sonnabendabend aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Die Entlassung erfolgte ans Antrag der Verteidigung und wurde vom Staatsauwalt selbst bc fürivortet. Gegen Herrn Luppa bleibt nur noch der Vorwurf bestehen, daß er versucht habe, in dem Fall des Mädchens Woyda eine Zeugin in unzulässiger Weise zu beeinflussen. GeiovrkflliZÄftliches. Achtung, Holzarbeiter RixdorfS: Die am 15. d. M. knscriertc Generalversammlung des Deutschen Holzarbciter-Verbands, Zahlstelle Rixdorf, findet nicht am Mittivoch. den 18., sondern am Donnerstag, den 18. April, abends 8 Uhr, in den Victoria-Sälcn statt. Die am 15. und 16. in Braunschweig abgehaltene Konferenz der lokalorganisierten HandclshilfSarbeiter beschloß eine Kom- Mission z» ivählen, welche gemeinsam mit dem Vorstand des Centralverbands der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter die Vereinigungsbedingungen der lokalen Richtung mit der centralen festzusetzen hat. Hoffentlich führt obiges Beginnen endlich zum Zusammenschluß der beiden Richtungen und damit zur Beendigung des unliebsamen Bruderzwistes. Zum Malerstrcik in Köln wird uns von dort depeschiert: Die Berichte bürgerlicher Blätter, daß der hiesige Malerstreik beendet sei, sind unrichtig. Zuzug ist nach wie vor fernzuhalten. Achtung, Gürtler! München, 17. April.(Privatdepeschc dcS„VorivartS".) Ein Vertreter der Firma Adolf Roth- München bereist Norddeutschland, um Gürtler anzuwerben. Die Gürtler der genannten Firma befinden sich seit acht Wochen im Streik. Das Streikkomitee hat seinen Sitz: Rumfordstr. 37. Die Gummi-Arbriter der Gummifabrik in Waltersdorf bei Wien sind in den Streik getreten. Die deutschen Berufs« genossen werden ersucht, den Zuzug streng fernzuhalten. Jtalicuerstreik in New Bork. An den Croton-Wafferwerken streiken 750 Italiener um Lohnerhöhung. Ein hiesiges Blatt berichtet darüber folgendes: Der Streik nimmt äußerst bedrohliche Formen an, da die Italiener sich weigern, die Wasserwerke zu verlassen, und am Sonntag bei einer improvisierten Messe mit 135 Gewehren be- waffnet erschienen. 250 Mann Militär wurden entsandt, wovon ein Sergeant bereits erschossen wurde. Die Streiker drohen die Werke zu zerstören, wodurch New Aork die Wasserzufuhr abgeschnitten und das Thal unter Wasser gesetzt ivürde. Geviitzks«-Äettung. Daß cS manchem als ein Kinderspiel erscheinen muß, eines der wichtigsten von der Znchthausvorlage angetasteten Be- standtcile des Arbeiterkoalitionsrechts durch ein einfaches Polizei- reglement aufzuheben, hat sich wiederum durch- eine Verhandlung vor dem Kammergcricht gezeigt. Als in einer Fabrik in der R i t t e r st r a ß e zu Berlin gestreikt lvurde. beobachtete der Arbeiter Hein die Fabrik von der andren Seite der Straße. Ein Schutz- mann verbot ihm, dort immer hin und her zu spaziere», und forderte H. auf, sich zu entfernen. H. ging darauf in die Fürstenstrahe hinein und blieb dort so stehen, daß er noch einen Teil der Ritterstratze übersehen konnte. Er wurde deshalb beschuldigt, das Berliner Stratzenpolizei-Reglcment von 1867 über- treten zu haben, und zwar warf man ihm vor, daß er einer Polizei- lichen Anordnung, die zur Auftechterhaltung der Ruhe und Sicher- heit auf öffentlicher Straße ergangen wäre, nicht gefolgt sei. Das Landgericht als Berufungsinstanz verurteilte auch den An- geklagten zu einer Geldstrafe und führte aus, daß durch das'Umherstehen von Streikposten die Ruhe und Sicherheit Von beispiellos niedriger Gesinnung zeugte das Verhalten des 23jährigen Mechanikers O t t o K a b e l I, der sich gestern vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I wegen schweren Dieb- stahls, Entführung und versuchter Erpressung zu verantworten hatte. Die Verhandlung ergab folgenden Thatbestand: Der An- geklagte verkehrte in dem Lokale des Schankwirts R. und wußte durch sein einschmeichelndes Wesen die Neigung dessen 19 jähriger Tochter zu gewinnen. Obgleich die Eltern des Mädchens mit dcni Verhältnis keineswegs einverstanden waren, wußte es der Angeklagte doch durchzusetzen', daß es zu einer Verlobung kam. Von diesem Zeitpunkt an war das bis dahin ordentliche Mädchen Ivie umgewandelt. Der Angeklagte übte eine dämonische Gewalt auf sie aus. Der Schankivirt R. bemerkte wieder- holt. daß ihm Geldbeträge aus seiner verschlossenen Kassette ge- stöhlen wurden. Seine Töchter räumte ein, die Thäterin zu sein, ihr Bräutigam habe ihr gezeigt, wie die Kassette mittels eines Dietrichs zu öffnen sei, und sie zum Stehlen angehalten. Das Geld habe sie dem Angeklagten aushändigen müssen. Die Eltern hoben nun natürlich die Verlobung auf, der Schanktvirt R. wies dem biedern Eidam die Thür. Dieser besaß die Frechheit, den Schank- ivirt R. in dessen Lokal und in Gegenwart andrer Gäste zu beschuldigen, daß er mit seiner eignen Tochter Blutschande getrieben habe. Als der Angeklagte erfuhr, daß R. ihn wegen dieser Beleidigung vor den Schiedsrichter hatte fordern lassen, ging er zur Polizei und gab dort dieselbe Bezichtigung gegen R. zu Protokoll. Dann stahl er seinem Vater 600 M. Er hatte immer noch so großen Einfluß auf die Tochter der R.'schen Eheleute, daß er sie zu be- stimmen wußte, heimlich das elterliche Haus zu verlassen und mit ihm nach Hamburg zu fliehen. Der Angeklagte redete ihr vor, daß sie nur ihren 20. Geburtstag abzuwarten brauche, dann könnten sie ohne Einwilligung der Eltern heiraten. In Ham- bürg war das gestohlene Geld' bald verbraucht und nun schrieb der Angeklagte an R. cincn Brief, worin er seine frühere Bezichtigung wiederholte und wiederum mit Anzeige drohte, wenn er nicht eine größere Summe erhalte. Gleichzeitig zwang er seine Braut, an ihre Mutter zu schreiben, die genauesten Einzelheiten zu erzählen, die angeb- lich ihr Vater auf das schändlichste mit ihr vorgenommen, und sie um Geld zu bitten. R. verhielt sich schweigend, die Mutter des bc- thörtcn Mädchens ließ sich dagegen verleiten, dem flüchtige» Paar einen erheblichen Betrag zuzuschicken. Am folgenden Abend lraf die Tochter reuig und zerknirscht im Elternhause wieder ei»! sie hatte 40Pf. in ihrem Besitz. DcrAngeklagte hatte die Geldsendung ihrer Mutter in Empfang genominen, seiner Braut so viel Reisegeld gegeben, daß sie gerade nach Hause gelangen konnte, und hatte selbst dann eine Vergnügungsreise nach Italien angetreten. Als seine Mittel erschöpft waren, kehrte er zurück und lvurde nun verhaftet. Im gcstngen Termin bekundete die Zcugiit R.. daß kein ivahreS Wort an den Schändlichkciten sei, die sie ihrem Vater habe nachsagen müssen. Der Angeklagte habe sie geprügelt und init Erschießen bedroht, ivenn sie den Brief nicht»ach seinem Diktat schreibe. Staatsanwalt Krebs bezeichnete den Angeklagten, gegen den er eine ZnchthailSstrafe von anderthalb Jahren beantragte, als einen ehr- losen Schurken, und auch der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Opper- mann, äußerte sich bei der Urteilsverkündiguna in gleicher Weise. Das beantragte Strafmaß wurde erheblich überschritten, es wurde auf zwei Jahre sechs Monate Zuchthaus und dreijährigen Ehrverlust erkamtt. Der„Grobc-Unfng-Paragraph" war gegen den A r ch i- t e k t e n L ü d o lv zur Anwendung gebracht worden ans Grund folgenden ThatbestandS: An einein Januartage benutzte der An- geklagte die Stadtbahn. In dem Abteil, in ivelchem er Platz nahm. befand sich nur noch eine junge Frau. DcrAngeklagte setzte sich ihr gegenüber und brachte geflissentlich seine Beine mit den ihrigen in Berührung. Die junge Frau verbat sich dies entschieden und drückte sich so weit wie möglich in eine Ecke, der Angeklagte setzte aber seine Zudringlichkeiten fort, bis der Zug hielt und die junge Frau es vorzog, auszusteigen. Vernünftiger- lvcise ließ sie die Persönlichkeit des Belästigers feststellen. Das Schöffengericht hatte für das unziemliche Verhalten auf eine Haftstrase von drei Tagen erkannt, von dem Grundsätze ausgehend, daß die Fahrgäste in eine», öffentlichen Verkehrsinstitute vor der- gleichen Ausschreitungen energisch geschützt werden müssen und daß der Angeklagte, gerade weil er den gebildeten Ständen angehöre, mit einer Geldstrafe nicht davon kommen dürfe. � Der Verurteilte legte Berufung ein und bat im gestrigen Termin vor der achten Strafkammer, mit Rücksicht auf seine etwas animierte Verfagung bei Begehung der That ihn nicht so scharf anzusehen. Der Gerichts- Hof gab den Bitten des Angeklagten insoweit Gehör, als auf eine Geldstrafe von 30 M. erkannt wurde. Der Krieg. Nach verschiedenen Nachrichten sollen die Boeren die Belagerung von Wepener aufgegeben haben, indes ist kein rechter Grund ersichtlich, weshalb die numerisch viel stärkeren Boeren von einer weiteren Einschließung des kleinen 500 Mann starken Häufleins der Engländer Abstand genommen sollten. Der Grund der Aufhebung der Belagerung könnte nur darin zu suchen sein, daß die bisher bei Wepener stehenden Boercnkommandos zu anderen. bisher noch nicht erkennbaren Operationen verwendet werden sollten. Durch Angriffe von englischer Seite kann der Abzug nicht hervorgerufen worden sein, da über neuerliche Entsetzungs- versuche der Engländer nichts gemeldet wird. Darüber, nach welcher Richtung die Boeren abgezogen sein sollen, herrscht ebenfalls Un- klarheit. Die eine Nachricht meldet den„Rückzug" nach Sude». während ein andres Telegramm die Boeren nach Norden sich zurück- ziehen ließ. Die englischen Verluste während der viertägigen Einschließung in Wepener betrugen nach amtlicher Mitteilung 18 Tote und 1Z2 Verwundete. Die Boeren sollen außerdem bei Wepener 500 Schlachtochsen, sowie Pferde und Maultiere erbeutet haben. Von weiteren Truppenbewegungen Ivird gemeldet, daß 6000 Boeren sich B e t h u l i e näherten. Bethulie liegt ca. 150 Kilometer südlich von Bloemfontein. Sollten die von Wepener abgezogenen Boeren sich südlich gewendet haben, so. könnte eine Vereinigung mit dieser an der Südgrenze des Freistaats operierenden Bocreirmacht beabsichtigt sein. AuS Mafcking ist ein englischer Kundschafter, Lieutenant Shnritheman(nach andrer Lesart Sinhma») am 8. nach Plnnrers Lager zurückgekehrt. Nach seinen Meldungen stand es in Mafeking bis zun, 5.„gut". Die Beschießung aus fünf Boerengeschützen dauert fort. I» Natal scheinen sich die Boeren wieder zurückgezogen zu haben. Wenigstens lautet ein Telegramm vom 16.: Die Boeren haben sich aus dem Elandslaagte- Distrikt hinter die Biggarsberge zurückgezogen. Ihre Aktivität in den letzten Tagen ivar offenbar nur ei» Scheinmanöver, das den Rückzug einer Boercn- Abteilung von Waschbank decken sollte. Verschiedene kleinere Boeren-Erfolge werden vom„Heroldschen Depeschen-Bnreau" unterm 16. April von London gemeldet: Die Blätter berichten aus Bloemfontein. daß eine Patro»rille des Royal Jrish-Reginrents unter Füh- rung des Lieutenants Lord Rossclin von den Boeren überrascht und gefangen genommen ivorden ist. In Bloemfontein eingc- laufc'neu Meldungen zufolge ist General Brabant mir ca. 1000 Mann in der Nähe von Roberttown bei der Jannersberg-Fnrt um- zingelt. Er wird kaum den Boeren-Kommandos, welche ihn ein- schließen, entschlüpfen können. Berichte ans Brandfort vom 13. meldeten, daß von Bloemfontein am Truppen zur Unterstützung des Generals Brabant abgegangen seien, die von den Komniandanten Pehni und de Wct in ein Gefecht verwickelt ivorden seien. Der Boerenkommandant de Wet hat in Erfahning gebraucht, daß die Poeren von Rouxville den Engländenr schwere Verluste bei- gebracht haben, als diese sich aus Sniithfield nach Wolfeskop zurück« zogen.— In Bloemfontein herrscht großer Wassermangel. Bluturteilc gegen„Aufständische". Das Kriegsgericht verurteilte zwei Aufständische aus der Kap- kolonie zu fünf bezw. zehn Jahren Zuchthans. Die Urteilssprüche wurden vorher von Roberts bestätigt- Die Gefangenen waren keine Rädelsführer, sondern hatten sich einfach den Boercnkommandos an- geschlossen. Man glaubt, daß die Urteilssprüche eine abschreckende Wirkung haben werde». Ob man aber nicht nur»och größere Er- bitterung hervorruft und die Boeren zu Repressalien veranlaßt? »* k* lieber die Mission der europäischen Boerengesandtfchast bringt die„Volks-Ztg." den Bericht eines Mailänder Korrespon« deuten, der von dem Chef der Boerengesandtschast selbst durchgesehen ivorden ist. Der Bericht ist leider ebenso inhaltlos, wie lang.'Worin die Mission der Gesandtschaft besteht, was sie bisher unternommen hat, wird diplomatisch verschwiegen, der Bericht hat daher nur als Dementi kursierender Scnsationsberichte Bedeutung. Freilich kann man von mit einer schwierigen diplomatischen Mission Be- auftragten auch keine besondere Geschwätzigkeit erwarten. Interessant ist an dem Bericht nur zweierlei: erstens, daß Staatssekretär Graf Bülow sich seit 3 Tagen in geheim- n i s v o l l e r Mission in Lugano befindet, angeblich zum Besuche eines k r a» k c n B r u n e r s. der aber gar nicht e x i st i e r t. (Die„V. Z." deutet an, daß Dr. L e y d s zur nämlichen sZeit unter irgend einem V o r w a n d auf einige Tage aus Mailand ver- schwnnden gewesen sei.) Und zweitens, daß von der Gesandtschaft die Streitkräfte der jetzt im Felde stehenden Boeren auf ins- gesamt nur 25 000 Mann, darunter 3000 Afrikauder, angegeben werden. „Unsre Streitkräfte, führte der interviewte Dr. Fischer aus, wurden von Anfang an auf englischer Seite doppelt und dreifach höher angegeben als sie der Wirklichkeit entsprechen, mit diesen Riesenziffcrri entschuldigten unsre Gegner ihre Niederlage und ver« goldcten ihre Siege. Wir können den Nachweis erbringen, daß mehr als einmal eine kleine Truppe, von denen ein Drittel oder ein Viertel, sogen wir 800 Mann, unter dem Kommando von 2 Kornets allein ins Feuer kamen. 16 000 Engländer wochenlang in Schach hielten und ihnen 1200—2000 Mann Tote und Gefangne verursachten: wir kennen die Verluste nnsrcs Feindes genau; sie bilden das Fünffache der nnsrigen." Im übrigen beschränkte Dr. Fischer sich aufs Dementieren. DaS Projekt einer Reise nach Berlin zum Zweck einer Audienz bei dem deutschen»nd dem ö st reichischen Kaiser erklärte er für„Ausgeburten einer krankhaften Phantasie". Beabsichtigt sei vielmehr. als Gäste der Königin nach Haag zu reisen(wo sie inzwischen bereits angekommen ist) um von dort aus Europa-mittels der nötigen Dokumente über das Unrecht Englands aufzuklären.„Wie wir des weiteren unsre Mission' ausführen werden, das wissen wir zur Stunde selber noch nicht." Es ist immerhin anzunehmen, daß die Gesandtschaft sich weniger auf den Erfolg des Nachweises ihres Rechts verläßt, als auf anderweitige Schritte. Was sie aber thun wird, darüber mögen sich einstweilen andre in den verivegensten Mutmaßungen ergehe». Letzte Meldungen. London, 17. April. Das„Rcutersche Bnrean" meldet au» Maseru vom 16. ds. Mts.: Patrouillen der Boeren berichten von dem Vorrücken englischer Truppen zum Entsätze vott Wepener. Die Hauptmacht der Boerenstreitkräfte soll darauf dringen, die Belagerung Wepcners anfzuheben; der Kommandant Ollivier aber widersetzte sich diesem Schrille.— Dasselbe Bureau meldet auS Beira vom 14. d. M: Drei Transportschiffe mit australischen Busch- männern an Bord sind hier eingelroffen. Uetzke und DopeMen« Hamburg, 17. April.(W. T. B.) Bei einer Segelfahrt, welche gestern nachmittag drei junge Leute aus Blankenese unternahmen. schlug infolge des heftigen Sturnies das Boot um. Alle drei Insassen ertranken trotz sofortiger Rettungsversuche. Prcßburg, 17. April.(B. H.) Einem hier cirknlierendcn Gerücht zufolge soll die große Eiscnbahnbriilkc bei Malaczka eingestürzt sein. Einzelhetten fehlen noch. Haßfurt(Unterfranken). 17. April.(W. T. B.) Im Dorfe Happertshausen brannten heute 25 Hänser nieder; die Kirche konnte gerettet werden. Rom, 17. April.(B. H.) Laut Blättermeldungen wurde in Ancona ein anarchistisches Komplott entdeckt, das die Aufgabe hatte, einen Aufstand ins Werk zu setzen. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen, desgleichen wurde eine reichhaltige Korrc- spondenz aus Amerika beschlagnahmt, welche stark koniproniiltierend ist. Brüssel, 17. April.(B. H.) Nach Privatineldungen aus dem Kongoftaat sind vier Weiße von den Bundjas ennordet worden. Zehn Agenten dcS Kongoftaats wurden wegen der begangenen Äreuelthaten unter Anklage gestellt. Kommandant Lothaire soll ebenfalls kompromittiert sein. London, 17. April. Das Rcutersche Bureau" meldet aus Tanger: Die Besetzung Tuato und Jglio durch die Franzosen ver- ursachte große Erregung in den amtlichen Kreisen Marokkos. Ein hoher Beamter ist heute hier eingetroffen, um formellen Protest zu erheben. Es wird befürchtet, daß der wichtige Handel mit Tafilelt zum Nachteil des marokkanischen Schatzes nach Algerien abgelenkt werde. Taruopol. 17. April.(B. H.) Drei hiesige Polrzcibeamte wurden verhaftet, weil sie seit längerer Zeit beim Nachtdienst Ein- bräche verübt haben._ Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Kür den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin- Hierzu 2 Beilagen und Ilnterhaltungsblatt. Nr. 89. 17. löljtpng. 1. grilnpt im.Fmilck" Wim pMIntt Pittuioi 18. Spill 1900. Verband der in BuWndereltil Jt. beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Dentschlands. Die am Sonntag abgehaltene Sitzung begann mit einem unliebsamen Zwischenfall. Der überwachende Polizeilieutenant ver- langte nämlich, daß entweder die anwesenden weiblichen Personen den Saal verlassen oder die Sitzung erst nach Beendigung des Gottesdienstes beginnen dürfe, denn— so bcgriindele der Beamte sein sonderbares Verlangen—, wenn die Bersannnlmig eine öffentliche sei. so dürften wohl Frauen an derselben teilnehmen, dann dürfe aber die Versammlung nicht während der Kirchzeit tagen. Handle es sich aber nur eine Vcreinsversammlung, die während des Gottesdienstes stattfinden darf, dann müßten die Frauen sich entfernen. Der Beamte ivnrdc zwar darauf aufmerksam gemacht, daß der Verband der Buchbinder kein politischer Verein ist, was schon daraus hervorgehe, daß demselben seit jeher weibliche Mit- glicder angehören, was auch den Behörden bekannt sei, und daß also die Voraussetzungen des PolizcilicutenantS nicht zutreffen. Der Beanite bestand aber auf seinem Verlangen, und, um einer etwaigen Störung der Verhandlungen vorzubeugen, verließen die Zuhörerinucn, sowie eine weibliche Delegierte den Saal. Gleich- zeitig begab sich ein Vorstandsniitglied nach dem Polizeipräsidium und kam nach zkveistiindigen Bemühungen— die höheren Polizeibeamten waren nicht anzutreffen— mit dem Bescheid zurück, daß das Verlangen des überwachenden Beamten u n- gerechtfertigt sei. Die Frauen nahmen nunmehr wieder an der Sitzung teil. Von den vom Verbandstag gefaßten Beschlüssen heben wir folgende hervor: I. Der Verbandsvorstand wird beauftragt, Erhebungen über Ge- fängnis- eventuell auch über Arbeitshausarbeiten unsrer Brauchen zwecks Agitation zu veranstalten. II. ES sei der Verbandsvorstand zu veranlassen, Erhebungen zu pflegen: 1. Wie viel Partcidruckereien eigene Buchbindereien besitzen. 2. Ob die Bnchbinderarbeiteu solcher Parteidruckcreien, welche keine Buchbindereien eingerichtet haben, in Werkstätten angefertigt werden, deren Inhaber mindestens die von feiten des Verbands aufgestellten Forderungen erfüllen. S. Auf Grund dieser Erhebungen sollen alle Partcidruckereien veranlaßt werden, eigene Buchbindereien einzurichten, wo letzteres jedoch absolut nicht möglich ist, sollen die Buchbiudcrarbciteu wenigstens nur an solche Firmen vergeben werden, welche die Forderungen dcS Verbands erfüllen. Der vorstehende Antrag wurde von mehreren Delegierten damit begründet, daß verschiedene socialdemokratische Partcidruckereien, die nicht selber Buchbinder beschäftigen, ihre Buchbinderarbeiten nicht selten in solchen Geschäften anfertigen lassen, in denen die un- günstigsten Arbeitsbedingungen herrschen. Diesem Uebelstand müsse nian entgegentreten. Nach Erledigung einiger minder wichtigen Anträge ging man zur Beratung der Frage der Tarifvereinbarunge'n über. Der Vorstandsbericht lagt zu diesem Punkt: In Leipzig bestehen seit dem 1. September 1897 Tarifvereinbarungen zwischen Arbeitern und Unternehmern. Diese Vereinbarungen haben sich gut bewährt. Mit der immer»»ehr zunehmenden Einführung der Accordarbcit in der Buchbinderei, besonders in den Buchhändlersiädte». crgiebt sich die Notwendigkeit, möglichst auf Verallgemeinerung tariflicher Vereinbarungen hinzuarbeiten. Auf Beseitigung der Accord- arbeit kann die Organisation heute ihre Kraft nicht mehr verlegen, da die Accordarbeit im Wesen der kapitalistischen Produktion liegt und man deshalb den Kampf gegen diese Art der Entlohnung immer wieder von neuem aufnehmen müßte, nachdem man an dem einen oder andern Ort die Abschaffung der Accordarbeit erzwmigen hatte. Der Referent K I o t h- Leipzig trat für Tarifvereinbarungen nach dem Beispiel Leipzigs ein. Er bemerkte unter andrem, daß seit dem Bestehen des Tarifs die Mitgliederzahl der Organisation in Leipzig wesentlich gewachsen sei. Besonders sei es notwendig, daß die Kollegen in den großen Städten, wo sich die Accordarbeit nicht mehr abschaffen lasse, dafür zu sorgen, daß der Leipziger Tarif ein- geführt werde.— Die Redner, welche sich an der Debatte beteiligten, stellten sich zum größten Teil auf den vom Referenten vertretenen Standpunkt. Nur einzelne Delegierte erklärten sich für principielle Gegner der Accordarbeit und wünschten, daß der Vcrbandstag durch Beichlnß zum Ausdruck bringen möge, er billige nur unter dem Zwang der Verhältnisse die Accordarbeit. Schließlich wurde folgende Resolution angenoinnien: Der Verbandstag hält es, obgleich er principicll Gegner der Accordarbeit ist, in Erwägung, daß die Stückarbeit in unserm Ge- werbe in immer höherem Maße Eingang findet, teils dadurch, daß Leipziger Firmen Filialen in verschiedenen Städten errichten, teils, weil auch in kleineren Städten größere Betriebe errichtet werden, die entweder sofort oder nach und nach zur Stückarbeit übergehen— für eine unbedingte Notwendigkeit, daß ein allgemein gültiger Tarif für alle in Beträcht komnienden Städte nnsrcs Berufs zur Durchführung gebracht wird. Dieser Tarif muß außer den Preisen für Stück- arbeiten die Regelung der Arbeitszeit, des Minimallohns, der Besser- bezahlung der' Ueberzeitarbeit solvohl für Arbeiter als auch für Arbeiterinnen enthalten. Ferner wurde folgender Antrag angenommen: Die Delegierten'zum Vcrba.idStag verpflichten sich in ihren Wahlbezirken bezw. bei den bezüglichen Zahlstellen dahin zu wirken, daß unverzüglich Erhebungen angestellt werden darüber: 1. In wie weit ist die'Entlohnung nach Stückpreisen ein- geführt? 2. Wird bei Stückarbeiten die Berechnung nach Leipziger Tarif angewendet, oder ivird über oder unter demselben bezahlt? 3. Welche Mittel hält man für geeignet, um die Einführung tincs allgemeinen Tarifs zu verwirklichen? Auf der Tagesordnung der Montags-Sitzung stand der Ausbau des U n t e r st ü tz u n g s w e s e n s. Gegenwärtig gewährt der Verband Arbeitslosen-Unterstützung an niännliche Mitglieder pro Tag 1 M. bis zur Höhe von 20 M. nach 2öwöchentlicher und bis 40 M. nach S2wöchentlicher Mitgliedschaft und an weibliche Mit- glieder pro Tag 50 Pf. bis zur Hohe von 15 M. nach 52wöchentlicher Mitgliedschaft.' Der Verbandsvorstand beantragt jetzt, die ArbeitSlosen-Unter- stlltzung derart zu regeln, daß sie mit der Daner der Mitgliedschaft steigt, außerdem sollen Umzugskosten und Sterbegelder gewährt werden, ohne daß der bisherige Beitrag erhöht wird.— Von der Zahlstelle Hamburg liegt ein Antrag vor,' der bei einer Erhöhung der Beiträge von 35 auf 65 Pf. wöchentlich für männliche und von 15 auf 20 Pf. für weibliche Mitglieder die Einführung der Invaliden- und Kranken-, soivie de» Ausbau der Arbeitslosen-Unterstützung fordert.— Zu diesen Anträgen liegen zahlreiche Unteranträge vor. Die Abstimmung ergab folgendes Resultat: Die Höhe des Beitrags bleibt unverändert. Invaliden- und Kranken Unterstützung wird nicht eingeführt. Arbeits- losen-Unterstützung wird gewährt: An männliche Mitglieder: Nach 26wöchentl. Karrenzzeit pro Tag 0,50 M. bis zur Höhe von 1a M. „ 52„„„„ 0,75„,„»'" „ 156 v»„» 1,20„*'nn" . 260»„„ 1,50„" 00.. An iveibliche Mitglieder: Nach 52wöchentl. Karrenzzeit pro Tag 0,50 M. bis zur Höhe von 20 M. ,.„.» .... 4a„ 156 260 0,75 1,00 iZenM-Vechnlinlnng des Dtnischen Berg- nnii Hntten- lirbeiter- Vti'lxiiröS. A l t e» b n r g. den 14. April 1900. Hier begann heute die 11. General-Versainmlung des Verbands Deutscher Berg- und Hüttenarbeiter. Zu Vorsitzenden werden gewählt Strunz- Zwickau, Schröder- Dortmund und Sachse- Zwickau. Ainvescud sind ca. 100 Delegierte. Möller- Bochum berichtet zu Punkt 1: Bericht über den Stand des Verbands. Redner gab einen Uchcrblick über die Fort- schritte der Organisation sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in Bezug auf die Mitglieder. Wir haben bereits aus dem Bericht einen Auszug gebracht. Auf die Lohnverhältnissc eingehend bemerkt Redner: Die Klage der Unternehmer über stark gestiegene Arbeitslöhne ist nicht berechtigt, die geringe Steigerung der Arbeitslöhne steht in gar keinem Verhältnis zur Steigerung der Untcrnehmergciviune. Nie hat das Ueberschichtivesen so überhandgenommen, als gerade gegen- wärtig. Die amtlichen Berichte, die das Gegenteil behaupten, entsprechen nicht den Thatsachen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Berg- und Hüttenarbeiter haben sich, wenn man die gestiegenen LedenSmittelpreife in Betracht zieht, nicht gebessert. Wesentlich er- schwelt wird die Agitation durch den sehr stark fühlbaren Mangel an tüchtigen Redncrn. In welcher Weise die vorhandenen Kräfte angestrengt werde», das geht ani besten ans der Thatsache hervor, daß in 10 Monaten 423 öffentliche Versammlungen stattgefnndcn haben, nicht gerechnet die Mitgliederversammlungen, in denen Vor- träge gehalten wurden. Auf dem Gebiete des Arbciterschntzes sind Fortschritte so gut wie gar nicht zu verzeichnen, nur das kann konstatiert werden, daß man jetzt auf den Werken mehr als je bedacht ist, vorhandene Un regelinäßigkeiteil zu verbergen. Gründlicher Vergarbeiterjchntz ist nur möglich durch Erlaß eines Reichsbcrggesctzes. Aber auch an polizeilichen Verfolgungen hat es dem Verband nicht gefehlt. Der Versuch, für die Hemer Kratvalle den Verband verantwortlich zu machen, ist total mißlungen, dem Rechtsschutz der Mitglieder wurde die größte Aufmerksamkeit zligeweudet, teilweise sind eigne AuSknnftstellen errichtet worden.— Beliebt bei allen Arbeiterfrennden, gehaßt von allen Arbeiterfeinden ist das Verbands- organ, dessen Stand als vortrefflich bezeichnet werden kann. In der Debatte über den Bericht werden einige Beschwerden univescnUicher Art vorgebracht. Den Bericht der Kontrollkommission und des AusschnsscS erstattet Mühle»b eck, der die musterhafte Geschäftsführung betont und Decharge für den Vorstand beantragt. Die Decharge wird einstimmig erteilt. ES folgt nun als Punkt 3: Die Aufgaben unsrer Organi- sation:c. und der Ausbau unsres Verbands und die dazu vorliegenden Anträge. Referent: H n e- Bochum: Durch die Aushebung des Verbindungsverbots ist es unS möglich getvordeu, uns andern Verbänden anzuschließen. Welchen Weg wir gehen müssen, das lehrt uns die bisherige Erfahrung. Der Generalkommission bleiben ivir angeschlossen und bilden damit ein Glied in der Kette der freien Gewerkschaften. Was die christlichen Gewerkvereine an- langt, so sind die eigentlichen Gründer keine Arbeiter, der Zweck soll sein, einen Keil in die Arbeiterbclvcgung zu treiben. Allein den Herren geht cS wie dem Zauberlehrling in Goethes Faust: die Geister, die sie riefen, können sie nicht mehr bannen, und diese Geister rücken imnrer iveiter zu uns. Ihr Führer Brust war schon gezwungen, mit großer Entschiedenheit vorzugehen. Schließlich hungert jeder Arbeiter und je mehr praktisch gearbeitet wird, desto mehr nähern sich diese Leute uns oder sie gehen zu Grunde. Es sind nicht Gcgenorganisationcn, sie sind eine Vorschule der freien Gewerkschaften. Hervorragende katholische Socialpolitiker gebe» heute schon zu, daß große Verbände ohne linterschied des politischen oder religiösen Bekenntnisses notwendig find. Daß Leute darunter sind, denen wir nicht trauen, ändert an der Sache nichts. Falsch ist die Behauptung, daß die socialdemokratische Partei den Gewerkichaften feindlich ist. Wer unterstützt denn die Arbeiterschaft bei den Lohnkämpfen? Wo bleiben da die bürgerlichen Blätter? Wo namentlich die ultramontane Presse, die sogar gegen den Buchdrucker- tarif eifert? Arbeiterfrcnndlichkeit in Worten brauchen wir nicht, wir wollen Thateu sehen! Wie verfolgt uns zum Beispiel die Polizei? Ist eS arbeitcrfreundlich, wenn man Gefetze so verhunzt. ivie cS mit den Socialgesctzen geschehen ist? Ist eS arbeiterfreund- lich, wenn man den Arbeitern durch Grenzsperren den Genuß von Fleisch ganz unmöglich machen will? Im Ruhrgebiet und andren Gegenden sind heute schon die Lebensmittelpreise zu fast unerschwing- licher Höhe gestiegen.— Mehr als seither müssen wir»ns mit den soeialpolitischcn Gesetzen befassen. Die Bergarbeiterfrage steht heute im Mittelpunkt des öffent- lichen Interesses, von' den Rcgicrnngen hat man aber nicht viel zu erwarten, denn die Minister werden stets erst dann arbeiterfrcundlich, wenn sie nicht mehr im Amt sind.— Redner geht dann auf die letzten Streiks ein, die nur durch das llntemehmcrtum veranlaßt würden, iveil man auch nicht im geringsten den Arbeitern entgegenkommen wollte. Redner geht nun näher auf die Beitrags- frage ein, zu welcher eine große Llnzahl Anträge vorliegen, die sich zum Teil direkt widersprechen. Dem Vorstand ist es nur lieb, wenn die Beiträge recht hoch iverden und wenn kein Sterbegeld mehr ausbezahlt' zu werden braucht. Die ganze Entwicklung des Verbands läßt eine Erhöhung der Beiträge für unumgänglich notivendig er- scheinen, immerhin muß aber vor einem zu großen Sprnng cnt- schieden gewarnt iverden. Die Organisation im Innern festigen, ihr nach' außen Macht zu verschaffen, das ist unsre Aufgabe. (Stürmifcher Beifall.) lSchlnß der VormittagS-Sitzung.) 4. AujMtnM kemnlmsamlnng Df9 Verbands der VergOer. Brandenburg a. H., den 16. April 1900. Erster Verhandlungstag. Vormittagssitzung. Die Generalversammlung ivurde»in 11 Uhr vornnttags voin Kollegen Dehme! als Senior der Brandenburger Kollegenschaft eröffnet. Derselbe gab einen kurzen Rückblick auf die Entstehung des Verbands und das für die Kollegen erfolgreiche Wirken des- selben. ff--, Die Bureanwahl ergab folgendes Resultat: Hirschnagel- München, erster, Schnorre- Berlin, ziveiter Vorsitzender, und Röhrs- Brandenburg, Beisitzer. Anwesend sind 15 Vertreter, Auf der Tagesordnung stehen: Rechenschaftsberichte: Antrag: Anschluß an den Holzarbeiter- Verband! Ausbau der Organisation; a) Unterstützungswesen, b) Streiks, c) Beitragsleistung, a) Arbeitsnachweis, e) Tarife und Tarifgemeinschaften als Mittel zum gewerk- fchaftlichen Kampf, k) Agitation. Verbandsorga». Beratung der An- träge. Regelung sonstiger Verbandsangelegenheiten. ' Die Rechenschaftsberichte liegen gedruckt vor. Dem Bericht des Verbandsvorsitzeuden Schnorre entnehmen wir, daß seit der letzten Generalversammlung, die Weihnachten 1897 in Hamburg stattfand, der Hauptvorstand seine Geschäfte in zwanzig Sitzungen erledigte. Wenn nicht alle Beschlüsse der Hamburger Generalversammlung ausgeführt werden konnten, so lag das nicht anr böse» Willen des Vorstands, sondern meist war Zeit- und Geld- mangel das Hindernis. Das Bedürfnis nach mündlicher Agitation ist noch nie so stark hervorgetreten, als in den letzten beiden Jahren; der Hauptvorstand hat nach Möglichkeit versucht, allen Anforderungen gerecht zu werden. Verschiedene Agitationstouren Ivnrden unternommen, die für den Verband auch den gewünschten Erfolg' hatten. Von Leipzig und München gingen dem Vorstände Anträge auf Einführung der Arbeitslosen-Uiiterstutziing zu, denen sich der Vor- stand einstimmig anschloß. In der N a ch m i t t a g s- S i tz n n g erstattet der Kassierer Bericht. Danach hatte die Hauptkasse seit der letzten General- Versammlung eine Gesamteinnahrne von 14 478,50 M, Ende 1897 waren 20 Filialen vorhanden, Ende 1899 deren 23, die Mitglieder- zahl stieg in dieser Zeit von 1033 auf 1320. Die Gesamtausgaben der Hai'iptkafse betrugen in diesem Zeitraum 13 694,81 M., der Kasseubestand der Filialen und Zahlstellen betrug 3656,35 M. Der Rest der NachnnttagS-Sitzung wird durch Diskussion über den Kassenbericht und über die Situationsbcrichte der einzelnen Filialen ausgefüllt._ Fnnste Anerillversanunlnng des Verbands der Textilarbeiter Dentslhsanbs. Gößnitz, 14. April 1900. Die fünfte Generalversammlung des Teztilarbeiter-VerbandS wurde heute vormittag 9 Uhr durch den Vorsitzenden Hübsch-Berlin eröffnet. Anwesend sind außer dem Centralvorstand, dem Ausschuß und der Leitung des Fachorgans 83 Delegierte ans allen Teilen Deutschlands. Dem vom Vorsitzenden erstatteten Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß die Organisation mit Ausnahme in Schlesien, tvo die ivirtschaftliche Lage der Textilarbeiter eine außerordentlich schlechte ist, in allen Teilen' des Reichs gute Fortschritte gemacht, daß sich die Mitgliederzahl von einigen Agitationsbezirke» verdoppelt, ja, verdreifacht hat. Der Verband hat in den letzten 2 Jahren abzüglich aller Verluste 17 985 Mitglieder gewonnen und zählt deren gegen- wärtig über 4S000.'Die letzten 2 Jahre waren aber auch an Kampfe» reich. ES fanden 24 Angriffs- und 12 Abwehrstreiks statt, woran 12 160 Personen beteiligt ivaren. Die Gesamtkostcn be- trugen 366 941 M., wovon 156 926 M. die Hauptkasse zahlte. Die Repsnwme von 210 015 M. ivurde in den einzelnen Streikorten, also von der Arbeiterschaft im allgemeinen aufgebracht. Von diesen Streiks lvaren 11 erfolgreich. 10'teiliveisc erfolgreich und 15 erfolglos. Erzielt wurden in mehreren Fällen der Z e h n stu n d e n t a g und nennenswerte Lohnanfbcsserungen. Der Mangel an finanziellen Mitteln hat vielfach daS Verlorengehen der Streiks verschuldet, so daß die schon vieldiskntierte Beitragserhöhung nicht mehr von der Hand zu weisen sein dürfte. Die Agitation ist in der Hauptsache von den Bezirk- Agiiationskomitees betrieben worden, die Centrälleitung sorgte aber für finanzielle Unterstützung.— Der Versuch der Kollegen'am Ntederrhei», der christlichen Organisation mit der Gründung eines Sonderverbandes sniederrheinischer Weberverband) zu begegnen, sei, wie vorauszusehen gewesen, mißlungen. DaS Lieb- angeln n'nd Kompronnsselu mit solchen Organisationen miisse zu Quer- tre'ibereicn führen und niitze im Grunde genommen nur dem Unternehmer- tum. Während des großen Streiks in Krefeld und Umgegend hätte der christliche Verband allerdings standgehalten, weil der Textilarbeiter- Verband die Unterstützung garantierte; zum Abschluß eines Kartcllvertrags mit dein»iederrheinischen Weberverband sei es aber »och nicht gekommen. Der Centralvorstand meine überhaupt, daß ein Verband, wenn er aktionsfähig bleiben ivolle, mit derlei Anhängseln nicht behastet sein dürfe. Die Lohnbewegungen im allgemeinen hätten mancherlei Verbesserungen zur Folge gehabt; leider sei aber eine große Anzahl von tapferen Kämpfern auf der Strecke geblieben. Aufgabe der Generalversammlung müsse es sein. Mittel und Wege zu suchen, mit denen auch in Zukunft der Kainpf init dem koalierten Unternehmertum erfolgreich geführt werden kann. Ä a s s e n b e r i ch t. Die Einnahmen betrugen 291 452,52 M., die Ausgaben 233 857,22 M., so daß ein'Kassenbestaud von 7594,30 SN. verbleibt. Die Einnahmen der O r t s v e r>v a l t u n g e n betrugen 369 623,77 M., die Ausgaben 339 530,03 M., so daß ein Ueberjchnß von 30 093,74 M. verbleibt. Dem Kassierer tvird Eni- lastung erteilt. Ein Dringlichkeitsantrag, die ausgesperrten Färberei-Hlrbeiter in Elberfeld-Ban'nen. 1400 an der Zahl, jfinanziell zu unterstützen, wurde einstimnrig angenommen. In derNächmitrags-Sitzung wird Stellung genommen zu den Kartcll-Verträgsverhält nissen andrer Organi- satiönen zum deutschen Textilarbeiter-Verband. Anlaß hierzu giebt das Verhalten des iin Geschäftsbericht erwähnten niederrheinischcn Weberverbandes. daS der Referent für diesen Punkt, Paulsen-Krefeld. einer scharfen Kritik unterzieht. Der niederrheinische Weberverband sei in der vorgegebenen Absicht gegründet worden, die große Kluft, die zwischen dem— socialdemokratisck verdächtigten deutschen Textilarbciter-Verbande und den christlicheir Organifationen liege, zu überbrücken, in Wahrheit aber unterminiere derselbe das Fundament dcS Textilarbeiter- Verbands, mache alle Einignngsversuche unmöglich und arbeite lediglich für den christlichen Verband. und nicht zuletzt für daS Unternehmertum. Die Versuche, einen Kartellvertrag abzuschließen, seien daran gescheitert, daß der niederrheinische Weberverband unannehmbare Bedingungen stellte. Die Generalversammlung solle diesen Quertreibereien ein Ende machen und den Kampf bis zuin äußersten aufnehmen.— Der Geschäftsführer des nicderrheinischen Weberverbands. B a e r- Krefeld, ist der Meinung, daß die Möglich- Icit einer Einigung nicht ausgeschlossen sei, das Nachgeben sei aber beiden Teilen zu cinpsehlen. Er habe den Auftrag, für eine Ver- ständignnq einzutreten. Bei einigen, guten Willen werde sich wohl ein Weg stndcii lasten, auf den man nach einigen Jahren zu einer vollständigen Einigung kommen werde. Der Korreferent Brügge m a n n- Münster komint iiacb längeren Ausführungen zu dem Schluß, daß der nieder- rheinische Weberverband keine Existenzberechtigung hat. Denn der angebliche Hauptzweck, allen Textilarbeitern,' ohne Unterschied der Religion oder der Partcirichtung den Beitritt z» ermöglichen, werde schon längst vom Deutschen Textilarbeiter-Verband verfolgt und im übrigen liege für das weitere Existieren dieses Zwitterdings kein Bedürfnis vor. Bei getrenntem Marschieren in dresein Sinn könne von einem vereinten Schlagen keine Rede inehr sein.— In der weiteren Diskussion findet sich kein einziger Redner, der Lust hatte, die niederrhemischen„Musterverbnndler" in Schutz zu nehmen, und gegen acht Stimmen wird beschlossen, Kartellverträge mit diesem Verband unter keinen Umständen und in keiner Form abzuschließen. Auf telegrnphischein Wege beantragt die Filiale Barmen, für die anSgefperrten Färberei-Arbeiter 8000 M. zu bewilligen. Dieser Antrag ivird einstimmig angenommen. Beitra'gser.höhung. Refercntist Brettschneider-Gera, der die dringende Notwendigkeit der Beitragserhöhung vor allem mit dem geradezu chronischen Mangel an Mitteln, mit der ungenügenden Leistungsfähigkeit des Verbands begründet. An verschiedenen Orten,' so in Gera, seien die Beiträge bereits auf 20 Pfennig erhöht lvorden, ohne daß die Befürchtungen, die die Gegner der Beitragserhöhung hegen, eingetroffen seien. Der eigentliche Zweck des Verbands, die Hebung der Lage der Textilarbeiter, könne nur erreicht werden, wenn der Verband über ausreichende Mittel verfüge und alle Anforderungen, die bei Lohnkämpfen an ihn gestellt werden, gerecht werden kann. In der Diskussion erklären sich sämtliche Redner im Princip für die Beitragserhöhung, die Vertreter der Gegenden aber, in denen die Bernfslage am schlechtesten ist, halten den Sprung von 10 auf 20 Pf. für zu gewagt, während wieder andre bei 20 Pf, die Einrichtung einer Unterstützungskasse verlangen. Der Vertreter der Generalkoinmission, Genosse Sabath-Hamburg, rät dringend zur weitmöglichsten Beitragserhöhung, damit nicht mehr gesagt werden könne,'daß die Textilarbeiter auf Kosten andrer ihre Lohnkämpfe fßfirc». Die Debatte, an der sich fast sämtliche Delegierten be- teiligten, nahm den ganzen Sonntag in Anspruch und endete mit dem Beschlug, d i c B e i t r ä g c auf 20 P f. z u erhöbe», alle Extrasteueri! deiziibehallcii und eine UnterstiiyimgSkasic einzurichten. Dieser Beschluß wurde mit 26 336 gegen 15 836 Stimmen gefaßt. 7. teÄchOThuig iicö Lagtrhaltcr- Berballds. Magdeburg, de» 16. April. Die Einzclmitglieocr des Verbands der in Konsum- und ahn- lichen Vereinen beschäftigte» Lagerhalter und-halterinnen Deutsch- lands halten ihre V. Generalversammlung in Magdeburg in der „Biirgcrhallc" ab. Anwesend sind 125 Delegierte. Der Jahresbericht wird von Friedrich- Leipzig er- stattet. Er konstatiert ein weiteres Vorwärtsschreiten des Verbands im Berichtsjahr. Der Verband zählt 384 Mitglieder. Erfreulicher- weise zeigte der 46. GeuossenschaftStag in Berlin 1866 Verständnis für die Bestrebungen dcS Verbands, während man mit dem Schiedsgericht in Dresden schlechte Erfahrungen machte. Es ist das um so bedanerlicher, als hierbei nur organisierte Arbeiter in Betracht kommen. Auch sonst konnte manchmal die Erfahrung ge- macht weichen, daß die organisierten Arbeiter in de» Kousnuivercinen recht mangelhaftes Verständnis für die Anforderungen, welche die Angestellten der Konsumvereine mit Recht erheben können, bekunde». In der Debatte wird Klage geführt über die lauge Arbeits- zeit der Angestellten der Konsumvereine. Diese müsse oft als nicht mehr menschenwürdig bezeichnet werden und mache eS den Lagcr- haltern unmöglich, sich zu erholen und weiterzubilden. Auch die Bezahlung lasse viel zu wünschen übrig. So wird z. B. in Magde b u r g au die Inhaber der Verkaufsstellen ein Fixum von 726 M. per Jahr»ud iVs Proz. vom Umsatz gezahlt. außerdem 26 Di. für Heizung. Von diesem Einkommen muß der Lagerhalter jedoch auch sein ganzes Hilfspersonal besolden. DaS ist ein verwerfliches Zivis chenmeistershstcm, welches cS mit sich bringt. daß MonatSlöhne von 46 M. für eine Hilfskraft bei langer Arbeits- zeit nicht zu den Seltenheiten gehören. Es wird daher von allen Rednern ein auskömmliches, festes Gehalt vcr- langt und eine Erhöhung der Tagegelder für Verluste. Nicht immer ist auch das Verhalten der Aiissichtsratsmitglicdcr in de» Konsumvereinen, die sich doch meistens aus den Reihen der organisierten Arbeiter rekrutiere», ein ganz eimvandsfreics. To st-Berlin mißt auch den Lagerhaltern ein Teil der Schuld an den bestehenden Mißständen bei. Man nehme zu viel Rücksicht auf seine Stellung und vergesse, daß die Vorstände der Konsumvereine, auch die aus Ardeitcrkrciscn hervorgegangenen, den Vcrbandsmitglicder» als II u t c r u c h m c r gegenüberstehen. Man müsse seine Forde- nmgen formulieren, die Oestentlichlcit dafür interessieren und ohne jede Rücksicht ihre Durchführung erstreben. In Berlin sei die Arbeitszeit kürzer wie in andren Teilen Deutschlands, außerdem sei man auch über die in der Dresdener Resolution festgesetzten Gehaltssätze hinausgegangen. In der Alachmittagsitzung entspinnt sich eine lebhafte Debatte über die E n t l v h n u n g der Lagerhalter. Es liegen zwei Resolutionen vor. in welche» die Lohnzahlimg nach Prozenten als moralisch verwerflich hczcichnct und die Festsetzung eines ausgiebigen feste» Gehalts verlangt wird. Im Princip sprechen sich die meisten Redner für die Resolutionen ans, heben jedoch hervor, daß sich der Durchführung dieser Forderung erhebliche Schlvicrigkciten in den Weg stellen, da die Verwaltung und die Menge der Mitglieder der Konsimi vereine sich sträuben, die Prozentzahlmig aufzugeben, weil dieses System das billigere ist. Ten Befürwortern der Zahlimg»ach Prozenten wird entgegen ge- halten, daß das höhere Einkommen, welches hier und da durch dieses System erzielt wird, auf der Ausbeutung der Hilfskräfte basiert. Das sei moralisch venverflich, weshalb für Lagerhalter und Hilfskräfte ein fester Gehalt zu erstreben sei. Eine Resolution, nach ivclcher der Passus einer in Dresden bc- schlösse»?» Resolution, die»rspriinglich für Sachsen bestimmt war: Gehaltszahlung nach Prozenten ist niisiatthaft, auf ganz Teutschland auszudehnen ist, wird angenommen. Ten Kassenbericht erstattet H e n n i g- Leipzig. Die Ein- nähme betrug 4646,37 M., die Ausgabe 3666,15 M., darunter 245 M. für Strcikniitcrstiitziing an andre Gewerlschaftcn. Es folgt die. Wahl des Vorstands. Gewählt wird als 1. Vorsitzender Friedrich-Leipzig, als 2. Vorsitzender Pötzsch-Leipzig, als Kassierer Hcnnig-Lcipzig und als Schristsnhrer Becker-Leipzig. lieber die Presse referiert Friedrich- Leipzig. Er weist darauf hin. daß die geringe Mitglicdcrzahl n»d die Eigenartigkeit des Berufs es schwer mackn, einen gccigncte» Rcdnctcnr zu finden. Da§ jetzige Bercinsorgan ist das Haiidlinigsgehilfenblatt. Redner empfiehlt nun, einen Beitrag zu den Nledaktionskostcn zu leisten, der es dem HaiidlungSgehilfcii-Bcrband ermöglicht eine» Redakteur anzustellen, den auch zugleich als Sekretär für de» HaudlungS- gehilfeiwerdond zu stmgieren hat. Die Entschädigung soll sich nur auf die Thätigkeit für die Lagerhalter erstrecken. Bediiigung hierzu ist, daß die Redaktion mit dem Vorstand an einen Ort, am besten Hamburg, verlegt wird und daß den Lagerhaltern Einfluß auf die Haltung dcS Blattes cingeräimit wird. Der Vorstand wird ermächtigt, ei» Abkommen in diesem Sinn mit dem HandlungSgehilfeii-Verband zu treffe». Es folgen Anträge der Mitglieder. Ein Antrag: Der Verband hat den Titel„Verband der Lagerhalter»ud-halteriuueu Deutschlands" zu führen, wird durch die erfolgte Aiifhcvuug des Verbots deS JnvcrbindnngtreteiiS politischer Vereine begründet und augeuommeu. Ei» weiterer Antrag: Die G«»eralvcriammlu»gcn sind in Zukunft von Delegierten(jetzt hat jedes Einzelmitalicd das Recht, an den Gcneralvtrsaminlunge» teilzuiichmenj zu beschicken, wird abgelehnt...... Nach Erledigung einiger Anträge ohne Allgemduiiitereste erfolgt der Schluß der Gcneralversanmilung Weizen. Marktpreise von Iverlin am 14. April lSOO »ach Eiiililtlnngeu dcS kgl, PolizeipräsidirnnS. gut D.-Etr iuittel„ KartosieI»,ncue,D-Ctr. Rindllnsch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch fiiUdflciirti„ Ha»»»elflcisch Butter Eier Karpfen Aale .stander Hechle Barsch« Schleie Bleie Krebse 66 Stück l kg per Schock 1,60 1,20 1,60 1,60 1,60 2 60 4,- 2,20 3,- 2,60 2,- 1,80 3,- 1,20 12,- 5,- 1,20 1 1,~ 1,— 1,- 2_ 240 1,20 1,- ),- 1,- 0,80 1,40 0,80 3,50 gering Roggeii, gut »littel gering Gerfle, gut „ mittel gering Haser, gut „ iiiitiel gering Richtsliöh Heu Eibse» Spcisebohnen Prodnltriiiiiartt vom 17, April. Getreide. Die Geschäfts- betciiiguiig war auherordentlich gering und der stimlilierende Einfluh des rauhen, nahkalten Weilers lowie der durchweg höheren Preismeldnitgen von den ausländischen Börsen trat in den Notierungen am hiesigen Platze nicht in die Erscheinung. Nur nahe Sichten waren aus de» genannten Gründe» eine Jdee fester, spätere Lleseruugösriste» waren durch starkes russisches Roggcnaiigebol eher leicht gedrückt. Durchschuiitlicki waren Weizen und Roggen im Liefermigshandel wie im Effektivgeschäst m>»el ändert. Die Umsätze waren belanglos und beschräiiktcn sich im wesentlichen auf einige Deckungsläuse in Mairoggcn. Die Grundtendenz war als fest zu bezeichnen, Preise nur nominell zu verftehen. Hafer lag still, aber ziemlich sest. Rüdöl bchauvtete seine höheren Schlnkpreise vom Sonnabelw. Am Spiritus markt wurden Umsätze nicht bekannt. Weizen per 1000 Ko. loco märkischer 140—150 M. ab Bahn. Normalgewicht von 755 Gr. 150,50—150 Abnahme im Mai, do. 155 bis 154.75 Abnahme im Juli, do. Abnahme im September mit 2 M. Mehr- oder Miiiderwcrt.— Roggen per 1000 Kg. 142—143,50 kahnfrei Aprilliesernng. Normalgcwicht 712 Gr. 145,50 Abnahme im Mai, do. 144,25—144 im Juli, do. 142,25—142 im September mit 1,50 Mehr- oder Minderwcrt.— Haser: loco per 1000 Ko., feiner pommerichcr 137—143, mittel 132—136, nieckleudurgischcr feiner 138—144, mittel 133—137, poscner »littel 132-137, lchlcsilcher mittel 132-135,»b Bahn. Normalgcwicht 450 Gr. 131 Abnahme im Mai, im Juli- Mais: Ameitk. mixed G. frei HanS. ktziir den Jiiyalt der Inserate tibrrniniuit die Medatlio» dem Publik»>» gegenüber keinerlei Vrraillwoettiiig. T lzrntrv. Mittwoch, den 18. April. QperiihanS. Tamihäliscr. Anfang 7l/z Ilär. SchansPirlhanS. Die Tochter des EraSmiiS. Ansang 71/, Uhr. Tentsibe». Wenn wir Toten er- wachen. Ankang'•/, Nhr. Lessiug. Im weihe» Röhl. Anfang 7'/, Uhr. Berliner. Heber miste Kraft. Ansang 7Vt1lhr. Renes. Frau Sonne. Hierauf: Im Exil. Anlang 7>/, Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim. Anfang 7>/z Uhr. Weste». Der Bettelstudent. Anfang 7-/- Ubr. Schiller. Brand. Ansang 8 Uhr. Thalia. Im Hinmielhol. Anfang 7Vj Ubr. ?»ife». Der Miklionenbauer. An- sang 8 Uhr. kkenlral. Berlin nach Elf. Anfang 7'/, Uhr. Bcllc-Älliancc.§ 184. Anfang 8 Uhr. Eorl Wrisi. Der Minenlönig von Transvaal. Anfang 8 Uhr. Bictoria. Die Cirlus-Fee. Anfang 8 Ubr. Ariedrich- WilheimstadtischrS. Mever auf der Pariser Welt-AuS- flellung. Ansang 8 Uhr. Mrtropol. Specialttälcttvorstelluug. Die verkehrte Welt. Ansang 1,8 Uhr. Apollo. Specialiiäie»- Borsiellmig. Im Reiche des Jndra. Ankang 8 Uhr. Palast. Specialiläien- Vorslellnng. Eine alte Geschichte. Anfang 7', Ubr. RrichShallen. Siettincr Sänger. Anfang 8 Uhr. Pafiogr- Panoptikum. Speciali- löleii-Vorftellnna. ltrmiio. Jnvalldensir. 5,7/N«. Zägiich abrnds von 5—10 Uhr: Stern warte. Tanbeitstrasie 48/4». Abends 8 Uhr(im Theateriaal):„Bon den Alpen zum Vesuv." Im Hörsaal: Engen Jechlin: „Mnlvr-Fahrzcnge/' 5 Uhr(er- mähigte Preise):„Bon den Alpe» zum Besuv." Crntvnl-DlzeQtev Direktion: Jose Ferenezy. _ Durchschlagender H�'Lacherfolg'MU Täglich: Berlin nach Elf. Große AllSstattuligsposie. Sonntagnachn,. Ter Bogelhändler. Lette Ülllsvee- Hehler. Gastspiel Einil Richard. 184. Schwank in 3 Akt. v. Ralph Gobbins. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgeiidc Tage: Die- selbe Borstelluiig. Thalia-Theater. Tel. Amt IV» 6440. Oresdeneretr. 72/73. Vorletzte Woche vor der Abreise nach Hamburg. Täglich: gtrcsrnlachcrfolg! In» Himmelhof. Thomas, Thielscher, Helmerding, Jtlnkeitna»», Paulmüllcr. Anfang TV, Ubr. Morgen und solgeiwc Tage: Im Himmelhof. k'alast-Ihkatki' früher WVcii-R«Ii,*t, BiirgOr. 22. Wiederholiiiig der so erfolgreiche» Oster- Fegt-Yorstcllung-cn. Sehe»! Neu für Berlin! Staunen! Ph Fiilii Destree, � Flammen- und Phantasie-Tänzern:. Die moderne» Simloiis Die mysteriöse» Glefanten. Um 8i/, Uhr: Gr. Erfolg deSEHaraktcr-Geiaiigbildes Line Alle Kesekiehte. Hauptrolle Direktor Wlnkler. Anfang 7l/a Uhr. Billct-Borverkaiif von II— l Uhr. Soliiiabciid nach der Vorstellimg: li'anlilivn-r'rek-'I'aiizr. UNKSHZS Dauhenstrass« 48/41». Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen zum Vesuv" Im Hörsaal: Ingen. Zcchlin;„Motorfahrzeuge" Um 5 Uhr: „Von den Alpen zum Vesuv." (Ennässigte Preise.) In vuildcnialr. 57/(S3: Tägl. Slerinvartc. NactuulltaflS 5—10 illir. ■« cTsYa'n"s»»B PANOPTICÜM| OrlginalitalieMiscIie Sänger- n. Konzcrt- Gesellscliaft „Colombo". Die neuen sensationellen lebenden Photographien. Sliergefooht.— ilaim über Bord.— Stapellauf eines modemen Schlachtschiffs. — Baby-Wäsche u. v. a. rn. Joubeit ß.— Krüge'-— Cronjo, B3 Passage- Panopticüin; Xachm. 4 Uhr: für Kinder. Stündl.: 35 Togo- Jfeger. Abends 7— IG/, Uhr: TtiSStrs varlfetfe. Mlll-M Adjrichkn! Offerte für Wiedcrvcrk. gratis. Orig.- Muster gegen Eins, von 30 Ps. tt. Luttmsnv, Rorlin V., Briiuiienstr. Nr. v. Leulselie Kcnzerthallen Spandaner Brücke 8. Einzig in seiner Art. Ohne jede Kontnrrenz. Billigste Familie»-UnterhalNiiig. Wochenl. abendS 6 Uhr freies Entree. Mafseu-Kouzerte. Italien. Janitscharen- Bande Roeeo. Tyroler Alvenfäiiger Mtchel Höpp. RuumnischeS Orchester Laser. Oestreichische Dainei'.kapelle Hangard. Theater-Abteilung: Abends 7t,, Uhr. Eröffttttttg. Allen Freunden und Belannten zur Nachricht, dag ich Nlt-Moabit 56 eine Restanratioit erässnel habe. Um geneigte» Ziilpnich bittet 44g0L" llcrnitznn Vclkc. a S h e» 44 Blsasserstr. 44 mm Oranienburger Thor). Behandl. aller Haut-. Harn- 11. Blasenleide» ohueBernsS- stöniiig, ohne»obäckl. Hinte! u. Oltle. Sprrchft. 0 inorg. bis S abendS. Soniitag».Donners- tag 8-3. 3070V IM- Bei Borzeiginig der 1 LeibaudSlarten 10 Proz. So Ben erschie» im Buchverlag der„Hilfe". Schöneberg-Berliii� Handbuch für innere Politik von Pfarrer a. D. Fr. Naumann £46 Seiten, fein ausgestattet. geheftet 8 M.. gebunden 3 At. Inhalt: Aktuelle Darflell. der gezenwärt. poittifch. Lage, Äauipt gegen Reaktion und Agrarwrt., Verbind v.Macht u. Freih., Nationalstim d. Masse, Politik Kaiser Wilhelms II., d. Diktat d. JiidnstrialiSmuS. Ml Durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Zu geneigter Abnahme und als sehr vorteilhaft für jede Haushaltung empfehle Gluten-Kakao Gemüse- und Kraftsuppen Bouillon-Kapseln Suppen- Würze Wllliclm Schivan, N.. Reinickendorferstrasso 23a, Filiale; K rMi Reinickendorforstr. 3ö. Möbel Wlltr THkilttt «KLnIItierTHealcr». Mittwoch, abends 8 Uhr: Br,,n«I. Dramatisches Gedidit in 5 Aukzügeil v. Henrik Jbse». übers, v. L. Passarge, bearb. v. Naph. Löwenscld. Donnerstag, abends 8 Uhr: Blurlch IiOrna>cn. Freitag, abends 8 Uhr: Brand. Ca rl Wel ss-Theater Gr. Franks, irteritraste ISS. Täglich 8 Uhr: Ter Milttllköiiig vou Transvaal. BorzugSbilletS habe» Gültigkeit. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabeiidnachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung. Zinbczahl und die ge- raubte Prinzessln. Kleine Preise. Victoria-Theater. Alepanderpiatz. Heute, abends 8 Uhr: Die Cirkns-Fee. Große Operette. Bchrelistr. 55/57. Direltion Zi. Schultz. Im 9 Ulir 20: Wiederaufführung! der wegcn ihrer lldergroflen Lnstigleit und burlesken Originalität pottieitteli sördoteu gevezeaell Operette Verksdrto Veit! mit der feenhaft ausgestatteten Franen-Parade. Dazu von>/»8 Uhr ab: Oaa grandiose April-SpsGiaiität-Programm. Apollo-Theater. IQ�P Pocken Sanssouci iäollbiiHcratr. 4 a. Heute Mittwoch: Keine Borstelluiig Morgen Donnerstag: •Hoirmkiinki RMtllW sallgtr fF Sonnabend. 21. April: Benest z für Paul HValkxanjs. Noch der Borstelluiig: DaiiZtliriinecIicn Uin 8 U'Iir: In? kvZoke ilss Inllns Tortajada Grelchen Rdlttei* sowie das groseartiso April-Programm. Kasseneröffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf täglich von 10—2 Uhr sowie beim Invalldendank und KUnstlerdank. Relohshallen. Täglich: Stettiner Sanier Alifailg; Wochentags 8 Uhr. SonntagS 7 Uhr. Entree 50 Pfennig. Borverkalif 40 Pk. Künstliche Zähne, 3 M. an. von zügllch, setzt schmerzt, ein. Plouibicreii, ichmerzl. Zahnziehen, Zahnschm. bes. Rep. svs. Goldftein, Oranienstr. 123. klUlft»ltlll tllll besten und billigsten nur direkt in der Fabrik U. Strohmnndcl, Berlin S., 72, Wall-Sirasse 72, ond) alte Decken aufgearbeitet wo werde» ■ 41206' Schnitze, Wassert horste. 1/Z, I. Behaudllttig aller Haut-, Har». und Blasenleiden ohne jegliche BerufSstüriiiig. 3973L* Sprechstunden 9—2 u. 5—9. Donnerötagvormittag keine Sprechstunde. SM- Bei Vorzeigung der BeröaudSkarte 10 Proz. ClirömscM Teiö eu seder Art ohne BenisSstörung. Institut.lost, Lhaussesstr.»7, I. r. 9—3, 5—9, SonntagS 9—7.(* Arbeitern«0 Pro»,«rmäftigung. und Polslerwaren. Arbeit, äuberst billige M Preise, eiiipslehlt 2M.. Rclchcnbcrgerstr. E. Anck, Teilzahlung! k" Uhrmacher KuiisImaDn, Wailstrasse 1. Reparaturen schnell, durchaus zuverlässig und nicht teuer.[40671,* •• fllidi Wpftc I �cQnal. selten billig! lllllls illrstl.. velegenheltakauk: Mocqnett- Plüsche M. per Meter(130 ern breit). 14381»" ösliister b.iinHerrrZliigabe franco. M Lefevre, c«Ä.lss. Deutsche Kaffee-Mischung einzie in seiner Art, A Pfd. 40 Pfg. 1 Lth. dieser Mischung siebt 2 Ltr. vorzügliches Knil'eegetrnnk. Dentsohe Kaffee-Rösterei A. Pennitz, Rosenthalcrsirasse 69 und in den mit Placat versehenen — Handlungen.— il W. Brot SVW. «. Alt, recht's Bhcherel* Wrangekstr«. Krantstr 10, Faldeusteiiistr. 28. Lausilierftr. 2 5 Wo amttsiert man sich grossartig? Hasenheide ai und Jahnstr. 8 in Sclinegelsbcrgs j Festsl&len, J»H.: Max Schindler.- Tilephon: Amt IV Nr. 1132.— fiV* Heute: Grosser Ball,"WI als Speeialitüt: Pfannlncheii-Regr», verbnnden mit Schlangen- u. Apfelsinen-Regen u. diverse» Ueberraschungon. Täglich: Tpeelalitäteu Borstelluiig. Entree frei. Einpsehle den geehrten Gewerkschaften, Bereine», Fabriken ze. »leine Säle, 300 und 1200 Perioncii fassend(mit Biihue» zu Stisammluiigeu und Festlichkeiten jeder Art. s44u4L* Möbel verliehen gewesene und neue, staunend billig. 44108* Deilzahlung gestattet. Heue Königstrasse S9. Riesen-Brot Riesen-Mapfkuetien und Stollen. Frühstück, 6 Stück für 10 Pfennig; liefert die Berliner Brolfabrik Hugo Schröder, stTa"s0erii Filialen In allen Stadtteilen. + Haut- und HarnLeiden' + heilt 39668* ohne schädliche Mittel E, Herrmanu, Apotheker, Georgenkirch• Plast Sir. 31. Sprechst. 10— l'/j u. 5—8. Anzüge. Makelots in prima Arbeit, tadellos sitzend, bin ich infolge sehr a günstiger Abschlüsse in der Lage, für iU3tiJ ("""M.SchlReister, weiteres zu liefen! Sehöneterg1, .Hauptstraste Nr. 143. Schmeckt angenehm süss, wenn gelöst. Warnung vor NainahnuingHt: Man verlange überall ausdrücklich SACCHARIN! Ivtm�uSmsßieaßr I_ Vs Kilo genüg! für IOO Tassen» E/n Versuch überzeugt, dass Iran Houtens Cacao für den täglichen Gebrauch alten anderen Ge tranken vorzuziehen lit. Er Ist nahrhaft, nervenstärkend, wohlschmeckend, leicht verdaulich und stets schnell bereitet. Van Houtens Cacao wird nur In den bekannten Blechbüchsen, niemals lese verkauft, da bei lose ausaewogenem Cacao nichts für die gute Qualität bürgt. NATÜRLICH KOHLENSAURES MINERALWASSER. Versandt im Jahre 1888 12,*720, OOO G(fasse „ 1899... 25,730,000.. »» „Sein angenehmer Geschmack nnd sein hoher Gehalt an reiner Kohlensäure, zeichnen es vor den andern ähnlichen Mineral-Wassern vortheilhaft aus." Geh. Med.-Rath Prof. Dr. Yirchow, Berlin, Attest: Herrn Apotheker A. Wurm! Ihr„Ulagcndoktop" ist ein Tonitnm und Ttomachikum allerersten RangS. dos den Wert des Ziegertlchen Angostiira erreicht und alle landläufigen..Magenbittern" Übertrifft. Namentlich mit Cognac(1:S) ist er sehr bekömmlich, was ich Ihnen als alter Schiffsarzt, der eine Legion ahn- licher Präparate zu losten reichlich Gelegenheit gehabt hatte, gern attestiere. Z,.. 10. Februar 1000. Dr. med. G....... prakt. Arzt. PF" Gratisprobcn werden, so lange der Dorrst reicht, in Delikaiestwarcu- und Drogucnhaudlungeu abgegeben. AnSschatlk in den Nestattrationc». u I für bürgerliche 37611.' Wohnungs-Einriciitiingen. ThellSEafalaoß bef kleiner tiÜW vergüte kAtSN. Cent�l-Mllbel-Halle Konniinndantcnatr. 51, Ecke Alcxandrinenstrasse. Empfohlcnsv/erte Bezugsquelle. Lagerbeslchtigung erbeten.| Ttraca Wein ztmi Äussclinnk seki* geeignet! sücie, rot, wie Fortwein,* ausgezeichnet im Gcsckmack, garantiert rein, 10 Ltr. M. 7,—, 100 Ltr. C5,—, Oxhoft M. 130,— Eugen Heumann&Co., B.r.i.gwÄÄnnÄ: ?nhnn 0 ftU 10 Jahre Garantie. VolIUommen schmerzloses Zahn- /dl/|fl ziehen I M. Plomben 1,50 M. Tellz. wöchentt. 1*1. * Zahnarzt IVolf. Lelpzlgeretr. 130, Sprechet. 9-7. Fahrräder. Stets grofteS Lager erstklassiger Fabrikate ans Teilzahl. ohne Preiserhöhung �z» den conlant.Zahl.- Beding. Katal. gratis Wenig gebrauchte Räder für .Herren und Damen z« bittigen Preisen unter Garantie. Kothringevstraße 48 I. Dicht am Rosenthater Thor. ! Fnselrel»! inuk es sein, was Ihr trinkt. Unbedingt erfüllt diese Anforderung im höchsten Grade der StrnlBnuder Korn von Carl Sass, Gctreidcbrenncrci, j Stralsund. Vorrätig i. all. gröh. Destillationen. Generaldepot Usedomstr 31. I Amt III 404.(3937Ü* s of astoff- Reste ausreichend zu Bezügen, In Wollrips, Damast. Fhantasie, Moi|nct und Plüsch, sowie Snttcltaschen, nur gute Qimlitätcn, bedeutend unter Preis. J. Adler, Teppichliaus, Kttnlgsti*. äO, dicht am liathaus.[o91iL'f Sani-, Harn- n. Blasenieidc», Franeii-Krankliclt.. heilt sicher i ohne Beritisstöriing. s3978L* R sjVgNNPl' Lnvalideiistr. 151/1 . ndgilC!,(fv. Wallstraße 23.) 9-2, 5-9, Sonntags 9-2. Zum Laiibcnban! Gebrauchtes Kantholz, Bretter, Latten, Leisten, Thüre», Fenster, Dach- pappe billig. 178b ?1. Rühle, Kottbuser Damm 22. TiTöliri-'ainciojin Otto ft�löTaw™" ÄscIilSTsler,'1 Berlin NVf., Bremerstrasse"fe?._ ä. Geschäft: Turmstrasae 81._ 3800L* WlAgÄZin und Bccrdigungs-Comptoir» S. IVeumanu� Ceiitral-Ilazai*9 62 Andreasstraße 62 und 80 Wnnzstraße 20 empfiehlt zum 0®?"" bevorstehenden Umzug"tzJEQ zu anftergewöhnlich billigen Preise» sein reichhaltiges Lager depchend in EJSSil.Haus- ujib Küche«geräteu, Emaille, Glas, Porzellan, Holzsache», Besenware», Lampe»t nsw. 4019L» WÜSSf Jedes mKr Wort: für Wort fett. I ff td BluJistabi s ffennig. _ Nur das erste Wort feit. Warte mit mehr als Buchstaben zählen doppelt, fCleine ßnzeigen. D Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 T/Ar, für die Vororte bis 2 UJtr3 in der Bfa uptexpodltion Beuthstr.S bis 4- Uhr angenommen. \8te 2 rden M (in m Bursche, 15—17, Sohn anständiger Eltern gesucht, Lohn 10—12 Mark. Heimami, Brüderstraste 37. 533b Verkaufe. � Möbelfabrik, Oranienstrabe 2a. Muschelspinde 27, Spicgelspinde 24, Küchenipindc. lliuhcbetteii. Nohrlehn- ftühle 5, Kleidcrspindc, Wäschespinde, Auszugtische 15, Säulentrumean. Muichclbetien, Marmortoilettcu 27, Müschganiituren 95, Paneelsosa 75. Bollständige Einrichtungen allerbilligst. Eoemuell Teilzahlung unter solidesten Bedingungen. IISK« Nusibauininöbel, ganze Wirtschast, auch einzeln, spottbillig Zossener- straste 38, vorn I. rechts. tüK* Möbel, bar und Teilzahlung, billigst. Frankstirter Allee 110, I, Eue Königsbergerstraize._ 287J[* Tcppiche mit Farbensehleru, Fabrikniedcrlage Große Frankfurter- straffe 9, parterre. 449b Kinderwagen 9,—, 15,— bis 100,—„Baby", Jnvalidenstraffe 150 (Brnnilcnsiraffe). 145K» Kinderwagen Rieten- Auswahl „Baby", Fraiitfurterstraffe 115(An- dreasstraffe). Kinderwagen auf Teilzahlung ohne PreiSerhibimg„Baby", Oranieii- straffe 31(Adalbertstraffe). Sportwageuö,— disÄ),—„Baby", Friedrichslraffe 18(Beffelstraffe). Sportwagen„Baby", Brunne»- Bettstellen 8.- bis 50,-„Baby". Chausseestraße 8. Bettstellen dorferftraße 2d. „Baby", Remicken- Kinberftühle„Baby", Charlotten- bürg, Wilmersdorferstraffe 55. Kinderwage» überall Riesenans- wähl„Baby", Spandau, Potsdamer- straffe 20._ Elegante vorjährige Herrenhosen feinste Stoffe ü— 12 Mall. Verlaus Sonnabend und Sonntag. Verfand- hauZGerniania. Unter den Linden 21 II Grosser Möbelverkauf. Örauicu- straffe 73. zwischen Moritzplatz und Alerandrinciisiraffe. Verkauf Hof in incinem vier Etagen hohen Fabrik- gebäude. Groffartige Möbel- Aus- stellung. Besichtigimg ohne jede» Kaufzwang. Meinen Kunden biete ich grobe Vorteile durch Ersparnis der Ladeumiete, Einkauf gegen Bar. Selbstansertigung der Polstermöbel als Junnnzömeister. Cvnlanie Zah- luugs- Bediiigiingen zu auf Jahre hinaus verteilten Raten. Beamten bei kleiner Anzahlung. Ich liefere schon gediegene moderne Einrichtungen sür 150, 200, 300. 400. hochelegante von 500 bis 10 000 Mark. Muster- buch gratis. Brautleute, welche reell und billig kaufen wollen, können sich vertrauensvoll an meine seit zehn Jahren bestehende Firma wenden. Viele Auerlciinungöicyreiben von hier und anfferhalb. Nußbaum und Maha- goni-Kicidcrspiuden, Vertikows 3«, Bettstelle mit Matratze, Keilkissen 20, sranzösische Muschel- Bettstelle mit Sprungsederiiiatratze, Keilkissen 45, Trumeau 45, Küchenspind 20, Kommode 18, Spiegel 8, Divan mit Sitz- auszug 30. Stühle 3, Ealongarni- iure» 75, Plüschgarnitiiren 105. Viele Garnituren neuester Fayous dillig. Paneelsosa mit Satteltasche und Plüsch- einfaflnng SZ, geschnitztes Büssett 110, engl. Schtasziimner, hell, Nußbaum, in it Mahagoni, chike Salons und Speise- Zimmer äufferst billig. Schreibtische 45 Marl. Bücherlpinden, Luxus- möbel. Verliehen gewesene Möbel aller Gattungen jetzt zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Gekaufte Möbel werden 3 Monate kostenfrei aufbewahrt und durch eigene Gespanne in die Wohnung geliefert._ 133»* Restauration mit kleinem Saal und Garten, gutgehend, Norden Berlins, sofort zu verlausen. Näheres bei Fritz Waschoiük!, Milchgeschäft, Antensir. 34. Eardineubaus Grobe Frankfurter straffe 9, parterre. 447b Damenkonfektion, Knabenanzüge, Hälftepreis, Stralauerstrahe 32. lMolkeumarkt.) 3Söb Vorjährige elegante Herren- paketols und Anzüge anS feinsten Stoffen 25— 40 Mark. Verkaus Sonn- abend und Sonntag. Versandhaus Germania, Unter den Äude» 21 II. Teppiche. Regulatoren, Reuiontoir- uhren spottbillig Leihhaus Neander- straffe 5.__ 15/11* Betten, Steppdecken, Gardinen spottbillig Leihhaus Neandcrstraffe 5.* Fahrradhäudler! laufen säuttliche Zubehör- und Rohteile, sowie Gc- stelle, grkpannic Räder sehr vorteil- Haft. Fahrradsabrik en gros jetzt Liickanerftrabe 3, Ossenberg. 11/13 Fahrräder. Teilzahlung, mäffige Anzahlung. Lager vierhundert Ma- scküncn, Bahnrenner, 18 Pfund, Straffenreuner, LnxuS- Damenräder, Zweisitzer, Kinderräder, Anha» gewogen direkt auS Fabrik„Imperial" Dieff en- bachstraffc 33._[137fl* Gaskocher. Sparsystem, Zweiloch 5,00, Dreiloch 10,00, EaSbratöfcu 12,00, GaSplätteisen, Schneider-Bügelappa- rate billig I Teilzahlung! Gaskocher- Haus Wohlauer, nur Wallncr-Thcatcr- straffe 32.(Kein Laden.)_[4526 ML-uittnügs-Marke» und Kautschuk Stenipcl liefert seit 22 Jahren stir tauseilde Kassen und Vereine Jean Holze, Hamburg, Drehbahu 45. Verlag socwlistischer Bilder. Illustrierte Preislisten gratis und frauco. JraktionSbild der socialdemokratischen Partei 1808. Blumentisch, schmiedeeisern, verkauft Wartenberg, Stralauer- Allee 17 a, II. 5126 Vbessinier-, Feld-, Garten- und Hofbrunnen. Sauger, Gasrohr, Tische, Stühle und Spaten zu verkaufen. Carl Kauffmann, Müllenhossstraffe 19. am Urban. 499b* Bogel, gut .-tot.- �»MM VogelsnUer. Utennlien Weinast, Wienerstraffc 5. emgewöhm, gutes " empfiehlt •fllO* Steppdecken am billigsten Fabrik Grobe Frankfurtcrstraffe 9, parterre. Wasserflöhe verkaust Fritze, Zions- kirchstraffe 26.. löölb Milchgeschäft, gangbares, nach- weiSIich reell, Alters wegen verlauf- lich. Warschauerstrafft 3.[sl49 Rähmaschinen sämtlicher Systeme ohne Anzahlung, wöchentlich 1 Mark, Postkarte, Landsberger, Landsberger- straffe 35, lein Laden.[52-b* Restaurant, Viehhos, nachweislich gut gehend, günstig für Aiisänger, so- fort umständehalber für jeden on- nehmbaren Preis verkäuflich. Weiden- weg 38, Goldncr Stent.[b23b Materialwaren- Handlung mit Bierverlag, angrenzende Wohnung parterre. Geschäft wegen Todesfall zu verkaufen. Käufer wohnt mictefrei, wenn er die Verwaltung des Hauses übernimmt. Auslunst giebt Poriier Ochse, Schiffbaiierdamm 30. 525b' Seifengrfchäft. zwanzig Jahre bestehend, gutgehend, billig verkäuflich Britzerftrabe 1._ 5246* Kinderwagen, gut erhalten, zu verkaufen Fürstenstraße 20, vorn 4 Treppen links. 5266'- Yermisclite Anzeigen. Elektrotechnik. Nach Oster» neuer süusmviiatlichcr Abendkursus. Best- bewährt. Jackson, Alte Jakobstrabe 24 Riigustabad. Köpnickcrftraffe 60. Bäder jeder Art für sämtliche Kranken- lassen. 77K* Buchbinder-Arbeit jeder Ar sertigt Ferdinand Kleincrt, W. Bülow- straffe 06, 2. Hos parterre. 33876 Möbel, alte, Schlafsofas kaust Lazarus, Antlanierstraffe 20.[107A* "NicyerlrxikoiiS, Brockhans, Brehm und andre wiffenschastliche Rstcher kauft und beleiht Antiquariat Koch- prasse 56 I. 142K* Fahrrad- Reparaturen fachgemäff, Emaillierung, Vernickelung. Ver- mietung tageweise, stmidenweiie. Gut erhaltene Fahrräder billig. Hussitcn- straffe 18. IttK* Gustav Ladewig, Kommandanten- straffe 65, an der alten Jakobstraffe. Vereinszimmer mit Pianino für 40 Personen. Telephon: Amt 4a, 6591 Bereinszimincr empfiehlt Lier, Alte Jakobstraffe 119._[2S8K* Bereinosimmer m.Pianino Glane, Krausenstraffe 18._[210b Vereinszimmer. 50 Personen fassend, ist noch einige Tage zu vergeben. Weinahts Nestauraut, Grün- strabe 21._[3926 Wolfsspitz angesunden bei Hnnziger, Dmickerstraffc 23, Seitenflügel I.[1-124 Ziehhund kauft Schulz, Wrangcl- straffe 105, IV.[528b Vermietungen. Zimmer. Möbliertes Zimmer, 1-2 Herren, sofort zu vermieten Dresdencistr. 124 Quergebaude II. 530b Sohlafstnllen. Möblierte Schlafstelle für zwei Herren bei Schmidtle, Putbuserstr. 45, vom 2 Treppen.['[89 Tchlasstelle findet anständiger Herr Görlitzerstraße 73, Hof pari. Äroth. �rdeitsmarkt. Stellenangebote. Lesehalle. Annoncen> Expedition Eharlotteuburg, Grolimmnstraffe 22. Mnsik-Lehrlinge stellt ei» Held, Mufidirettor, Jüterbog._ 41flt Farbizmacher und Packer aus Goidleisten verlangt Stallschreiber- straffe 18. 532b Steinmetz, Schristhauer verlaugt Liiidenstraße 3, I rechts. Schneidcrlehrling verlangt Herbub, Ranlestraffe 9, Ladern__ 5186 Bersilbrrer ans Leisten verlangt Schultz, Rixdorf, Berlinerstraffe 39. Tüchtige Tischler aus gute Möbel nnthZcichimng verlangt sofort ß. Rtchfcr, Kreuchergstraffe 30. B_ 5176 Steinmetz auf Sandstein(Baum- stämme) sofort verlangt. H. Brau», Hasenhaidc 16._ 5196 Farbigmacher und Versilbercrchei dauemder Beschäftigung verlangt Goldleistenfabrik, AlWandrinenyr. 2». Zwicker und Zwickeriimen finden dauernde Beschäftigung Neue König- straffe 11.'__ fäS Plätterinnen ans Stehkragen mid geschweifte Umlegekragen ü» und auffcrm Hause gesucht. M. Treppe, Schön bau sc r- Allee 167 a, Fabrik- gebäude IV._[tl24* Tüchtige Vergolderiii, die auch farbig macht, Farbigmacher, der auch versilbert, verlangt Wrangelstraff« 12. Lehrmädchen, vierzehn bis sechs- zehnjährig. Ansangsgehalt monatlich 16 Mark. Ehrlich, Hutzfederfabrik, Seydelstraffe 27._ 16/1*; Steppdecken- Arbeiterinnen bei hohem Lohn verlangt Schlnerzler, Landöbcrgerstraßc 63, II._+81 Kräftiges Mädchen, eingesegnet, welches zu Hanse schläft, wird für den ganzen Tag zur Auswartung gesucht. Meldungen bei Günther, Gericht- straffe 9a._ t64 Karton- Arbeiterinnen aufferm Hanse verlangt strabe 11.______ m und tu (4576* Lehrinädcheii auf Putzfedern 12 Mark monallich Wianaslohn, dau. ernde Beschäftigimg. Joses Sckreyer, Htzllniannstraße 17.[Z7l>b* Zur MMr und Aufklärung! Gegenüber den Angriffen, welche nach Berichten der Presse gegen unsre Gesellschaft bezw. die von derselben gelieferten 99 GaS'Spar.Apparate 66 in einer angeblich von Interessenten einberufenen öffentlichen Versammlung erhoben sind, sehen wir uns zu folgender Erklärung veranlaßt: Wir verkaufen unsre Gas Spar Apparate unter Ucbernahme der Garantie dafür, daß eine ftK-LrsMmizz m mindestens 20 Proz. bei unTerminderter Leiielilkraft erzielt wird. Die Gesellschaft, nicht der Abnehmer hat den Beweis zu führen, daß die garantierte Ersparnis erzielt wird. Gelingt dieser Beweis nicht, so muß die Gesellschaft die Apparate kostenlos zurücknehmen. Diese klaren und schriftlich vereinbarten Vertragsbedingungen machen den Bezug unsrcr Apparate zu einem vollkommen risikofreien Geschäft und schließen die Möglichkeit aus, daß irgend ein Abnehmer Zahlung zu leisten braucht, bevor der garantierte Erfolg nachgewiesen ist. Die Gesellschaft hat ihre Garantie bisher nicht nur erfüllt, diese ist in fast allen Fällen sogar übertroffcn; denn bei den vielen Tausenden von uns eingeführten Installationen ist sie mit nur ungefähr 100 Abnehmern in Differenzen geraten. Auch diese wenigen Unzufriedenen sind bereits teilweise durch Gutachten unparteiischer, vom Gericht bestellter Sachverständigen eines Bessern belehrt worden und haben sich nachträglich von der Güte unsrcr Apparate, die in ihrer Vollendung bisher einzig dastehen, über- zeugt. Als überaus kläglich muß deshalb die von einem Konkurrenzunternehmen, teilweise sogar auf dessen Kosten, in Sccnc gesetzte„Bewegung" einiger weniger Interessenten bezeichnet werden, der die Gesellschaft eine imponierende Reihe von Anerkennungen und Gutachten hochrcspektabler Sachverständiger und Firmen entgegenzustellen in der glück- lichen Lage ist. Wir bitten unsere Abnehmer, sich durch diese Bewegung, gegen die wir. soweit dabei unlautere Mittel in Anwendung gebracht wurden, den Prozeßweg beschreiten werden, in ihrer guten Meinung über unser auf solidester und streng reeller Grundlage begründetes Unternehmen nicht beirren zu lassen und unbefangen die Motive jener Bewegung zu würdigen. Insbesondere ersuchen wir dringend, die Wirksamkeit unsrcr Apparate nicht wie das in einer Reihe von Fällen geschehen ist. dadurch beeinträchtigen zu lassen, daß die Apparate von unbefugter Hand und in unsachgemäster Weise in der Einstellung verändert werden. Um auch gegen solche Mißstände und Eingriffe Unbefugter sowohl unsre geschätzte Kundschaft, wie uns selbst besser schützen zu können, übernehmen wir fortan zunächst für Berlin die Instandhaltung von Gasglühlicht unter den denkbar günstigsten Bedingungen. _ Auf Grund eines besonderen Abkommens mit der Hill-Gesellschaft sind wir in der angenehmen Lage, trotz billigster Abonnements-Bedingungen, den anerkannt besten Glühstrumpf, den„Hillglühkörper" D. R. P. unsrcr geschätzten Kundschaft liefern zu können, desgleichen verwenden wir nur Brenner, Cylindcr:c. aus den ersten Fabriken. Indem wir nachstehend eine kleine Auswahl von den zahllosen Anerkennungen zum Abdruck bringen, stellen wir es jedem Interessen frei, die Originale in unsrem Bureau einzusehen und auch die Apparate selbst in unsrem Laboratorium in Augenschein zu nehmen. für<*as-S|»ar-Aj»pai*ato m. R». H. Berlin N., Friedrich«Strasse 105 c« Nachstehend ein in einer Prozeßsachs durch den gerichtlichen Sachverständigen abgegebenes Gutadzten: 76s �26 -fögsp Beim Beklagten habe ich unter Zuziehung der Parteien am 29. 30. März er. den Gasverbrauch unter Anwendung des Druckmessers festgestellt. Hierbei ergab sich, das der Gasverbrauch in einer Stunde betrug 1. bei Anwendung des Reglers und der Regulicrschraubcn 1132 Liter, 2. bei Ausschaltung des Reglers 1692 Liter, 3. bei Ausschaltung des Reglers und der Regulierschrauben 1708 Liter. und Ter Regler funktionierte, als ich ihn geprüft, tadellos und hielt den Druck auf gleicher Höhe ohne Rücksicht auf die Anzahl der brennenden Flammen und ohne Be- einträchtigung der Leuchtkraft. Ich gebe mein Gutachten demnach dahin ab.„daß der Beklagte 31 Proz. Gas- ersparnis bei Anwendung des Reglers und der Rcgulierschraubcn hat gegenüber dem- jenigen Gasverbrauch, der eintritt, wenn er seine Flammen bei geöffneten Hähnen ohne Regler und Regulierschraubcn brennt." Beschlust der Königlichen GefangenanstaltS-Dtrcktlon. Chemnitz, den S. April 1S00. Dem General-Vertreter der Gesellschaft für GaS-Spar- Apparate in Berlin, Herrn Georg Löbel in Chemnitz, wird auf dessen Ansuchen hiermit bescheinigt, daß die untern, 10. Oktober 1899 in der hiesigen Gefangenanstalt aufgestellte GaZ-Spar- Anlage für zusammen ca. 300 Flammen sich ausgezeichnet be- währt hat. Die erzielte GaSersparnis belief sich innerhalb von fünf Monaten bereits auf ca. 6300 Kubikmeter im Wert von ca. 900 Mark und würde eine noch höhere gewesen sein, wenn nicht gerade die äußerst ungünstigen Wittcrungsverhältnisse deS letzten Winters durch viel zeitigeres und längeres Brennen als früher von weniger günstigem Einfluß auf die Ersparnis gewirkt hätten. Jinmerhin sind die Erfolge glänzend»nd der Apparat allenthalben imr zu empfehlen. Stempel der kgl. Gefangenanstalt gez. Mühlhausen Chemnitz mit kgl. Wappen. Gefängnisdirektor. Berlin, den 29. März 1900. Leipzigerstr. 33. Antwortlich Ihres Schreibens vom 26. d. M. teile ich Ihnen hierdurch mit. daß die von Ihnen gelieferte Gas-Spar-Einrichtung bis jetzt zu meiner vollen Zufriedenheit funktioniert, ich habe eine GascrsparniS von ca. 23 Proz. konstatiert. «Hochachtend ® H. W. Röhl ich, kgl. Hoflieferant. Steglitz, de» 2t. März 1900. Lindenstraße 34. Seit Ende Oktober 1899 funktioniert in dem Hause HallescheZ Ufer 32 in Berlin der von Ihnen in der Gasleitung eingebaute Spar-Apparat. AuS dieser Leitung werden 14 Treppen- und Flurflammen gespeist. Die Ersparnis, welche seitdem, nämlich in fünf Wintern, önatc». erzielt ist. deckt ungefähr die Kosten Ihres Apparats, so daß von nun ab der eigentliche Nutzen eintritt. Ich schätze die Ersparnis auf mindestens 23 Proz., so daß ich Ihnen meine volle Zufriedenheit mit dem Apparat aus,prechen kann. Der Lichteffelt ist genau derselbe wie früher. Ergebenst Prof. Dr. Otto Hoffmann. Einige Jeugniple«us der sllerjüngpken Zeit. Berlin, den 7. März 1900. Brauerei Wilhelmftadt Fruchtstr. 37. Herr» Eckert.......„.. Hiermit bestätigen wir Ihnen gern, daß wir m,t den be, un» Gelieferten Gas-Spar-Apparaten sehr zufrieden sind und eine Gasxßparnis von mindestens 23 Proz. erzielen. Mir können Ihre Apparate nur empfehle». Hockachtungsvoll _ Herr* Eckert. Bietoria Bar Berlin, den 3. März 1900. Weingrostbandlung. PotSdamerstr. 123d. In höflicher Erwiderung Ihres Werten vom 3. ds. MlS. teilen wir Ihnen mit, daß wir init Ihrem Spar-Apparat ans- gezeichnet zufrieden sind, und eine Ersparnis von mindestens 23 Proz. erzielen. Hochachtungsvoll H e n s ch e l& C o. Berlin, den 28. März 1900. Brunnenstr. 186. Die mir gelieferten Apparate funktionieren zu meiner vollsten Zufriedenheit und ist die Ersparnis an Gasverbrauch ca. 3 Proz. mehr als Sie mir garantierten, lvobei bei gleichem Licht d,e Strümpfe nicht so schnell abgenutzt sind. Hochachtungsvoll I. Baron. ... Gleichzeitig bemerken wir, daß Ihr Apparat gut funktioniert und wir mit den Leistungen desselben äußerst zufriedengestellt sind, so daß wir Ihnen anheim stellen, uns gegebenen Falls als Referenz aufzugeben, wir sind dam, gern bereit, von der Bor- züglichkeit des Apparats neuen Rcflektäntei, Mitteilung zu machen. Hochachtungsvoll Berlin, Wassergasse 3. O t t o G r u n d u. Co. Berlin, den 4. März 1900. Königgrätzerstr. 123. Mit Heutigen, teile ich Ihnen höfl. mit, daß die von Ihnen gelieferte Gas- Spar- Anlage zu meiner vollen Zufriedenheit funktioniert und dieselbe nur empfehlen kann. Achtungsvoll „Zum bayrischen Hiesel". Münchner Bier-AuSschank. H. Stein. Schippang u. Wchcnkel, Jnh. Dr. R. Schulne, Fabrik und Lager sämtlicher Artikel für Photographie. Berlin, den 8. März 1900. Stralauerftr. 49. Wir teilen Ihnen mit, daß der uns im September v. I. gelieferte Gas- Spar- Apparat bisher zu unsrcr Zufriedenheit funktioniert hat. Wir haben in den einzelnen Monaten vom Oktober v. I. bis Februar inkl. d. I. im Durchschnitt über 23 Proz. an Gas gegenüber den entsprechenden Monaten der vorhergehenden 3 Jahre gespart. Mit Veröffentlichung- dieser Mitteilung sehen wir uns ein- verstanden. Schippang u. Wehenkel. Berliner Weistbier-Brauerei, Max Füllgrabe. Berlin, den 24. Januar 1900. Stcttinerstr. 20. Der Gesellschaft für GaS-Spar-Apparate bescheinige ich hier- mit gerne, daß ich mit dem von genannter Gesellschaft aufgestellten Gasdruckreglcr„Haarschorf" nicht nur die garantierten 20 Proz-, sondem 33 Proz. an GaS erspart habe. Ebenso kann ich die angebrachten Rcgulierschrauben nur bestens empfehlen. Max Füllgrabe. Dr. Hugo Remmler Fabrik chemisch-pharmaceutifcher Präparate. Berlin, den S. März 1900. Anklamerstr. 38. In Beantwortung Ihres gefälligen Briefes teile ich Ihnen ergebenst mit. daß die mir von Ihne» gelieferten Gas-Spar- Apparate meine Erwartung übertroffe» haben. Die Anlage hat sich in den wenigen Monaten, in denen sie benutzt wird, reichlich bezahlt gemacht. Eine genaue Berechnung der GaSersparnis ist mir nicht möglich, weil durch Erweiterung meines Betriebs in letzter Zeit zahlreiche Neuanschliisse an die Gasleitung notwendig wurden und dadurch der GaSkonsum gegen die gleichen Monate deS ver- gangenen JahrS größer geworden ist. Trotz der Erweiterung des GasleitungsnetzeS sind die GaS- rechnungen gegen die Rechnungen der gleichen Monate des vorigen Jahres nicht unbedeutend kleiner geworden. Hochachtungsvoll Dr. Hugo Remmler. Berliu, SVf., den 5. März 1900. Gebr. Pflaume. Friedrichstr. 203. FrieS u. Deckcn-Gngroslagcr. Teilen der Gesellschaft für GaS-Spar-Apparate mit, daß der gelieferte Apparat zu unfrer vollen Zufriedenheit bis heute funktioniert hat. Bei gleich vielen Brennstunden hat sich eine Ersparnis von ca. 23 Proz. berausgestcllt. Hochachtungsvoll Gebr. Pflaume. Deutsches Kolonial-HanS Bruno Antelmann. März. Berlin, den 2. Jerusalemerstr. 28. Wir bestätigen Ihnen hierdurch, daß wir mit der von Ihnen gelieferten GaS-Spar-Einrichtung sehr zufrieden sind und haben wir durch dieselben 23—30 Proz. GaS-Ersparnis konstatiert. Hochachtungsvoll Deutsches K o I o n i a l h a u s, Bruno A n t e l in a n n. Berliner Feinsilter-Fabrik Berlin, den 3. März 1900. Gellenscheidt. Blüchcrplatz 2. Auf Ihre werte Zuschrift vom 28. v. Mts. teilen wir Ihnen höfl. mit, daß wir mit der uns von Ihnen gelieferten GaS-Spar- I Einrichtung sehr zufrieden sind. Wir haben jetzt gleichmäßiges Licht auch in den entfernt vom Gasmesser gelegenen Räumen und haben eine bedeutende GaS- ersparnis gegen die gleichen Monate deS Vorjahrs erzielt, ob- gleich ivir jetzt eine gaiize Anzahl Flamme» mehr brenne», 120 Proz. Ersparnis dürften sicher erzielt sein. ■_ Wir können daher diese Einrichtung jedermann empfehlen und zeichnen Hochachtungsvoll Feinfilter- und Brautechnische Maschinen-Fabrik A.-G. vörm. L. A. Enziger. Abt. Berlin, vorm. Sellenscheidt. Prof. Dr. Landau, Frauenklinik. Bescheinigung. Berlin, den 6. März 1900. Philippstr. 21. _ Der Gesellschaft für Gas- Spar- Apparate zu Berlin be- scheinigen wir hierdurch gern, daß die von derselben in der Privat- klinik des Prof. Dr. Landau, Berlin N1V., Philippstr. 21, für die Klinikbeleuchtung an, 7. August 1899 installierte Gas-Spar-An- lage bisher zu unsrcr vollen Zufriedenheit funktioniert hat. Die Ersparnis im Quartal IV 1899 gegenüber Quartal IV 1898 be- trug etiva 30 Proz. Für die Verwaltung der Frauen-Klinik von Prof. Dr. Landau, H. FlehinghauS. Oberin. VnaiMvortlichcr.Ncdacteur: Paul John in Berlin. Für den Jnseratcntetl verantwortlich! Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Ladina in Berlin. Ar. 89. 17. Iahrganh. 2. Stiiüjc Ks Dmiirts" Sttliatt WsM Mitwoch, 18. April 1900. Mommunalos. Aus dem jetzt vorliege,«den Protokoll deS Ausschusses, der über die Umpslnstermig und Umgeftallling des Schloßplatzes zu beraten hatte, ist zu ersehen, daß auch im Ausschüsse von einer Minderheit die Geltendmachung von Kompensationen lebhaft befürwortet wurde. Gefordert wurde namentlich die Beseitigung des N e i t w e g s Unter den Linden, die Genehmigung zur Anlage einer N i v e a u- S r r a ß e n b a h n durch die S ch l ö ß f r e i h e'i t und die grundsätzliche Genehmigung eines durch die Stadt aus- zuführenden Uuterpflastcrbahnnctzes. Der patriotische Ausschuß har aber diese Kompensationen mit großer Mehrheit abgelehnt und auch die gegen die Anlage eines Vorgartens geltend gemachten Verkehrsbedenken, auch bezüglich der Siidwestetfe des Schlosses nicht für gerechtfertigt erachtet. Es wurde in dieser Be Ziehung hervorgehoben: Auch an der Südwcstccke könne der Vor garten ohne jede Beeinträchtigung des Verkehrs gestattet werden. denn ein 6 Meter breiter Bürgersteig und 2l> Meter breiter Damm genügten vollkommen. Auch könne bei Anlage eines 6 Meter breiten Vorgartens an der Südseite des Schlosses von einer Ein engung des Verkehrs keine Liebe sein, da bei einem 6 Meter breiten Bürgersteig, auf dem 10 Personen neben einander gehen könnten, einem 13,23 Meter breiten Damm, 18,3 Meter breiten Jnselperrou, wieder einem 19,5— 23,3 Meter breiten Damm und endlich einem 7 Meter breiten Bürgersteig an der gegenüber liegenden Seite des Schlosses, für Wagen- und Fußgängerverkehr aufs beste gesorgt sei. Der Ausschuß empfiehlt daher, ivie schon mitgeteilt, den Entwurf des Magistrats mit einigen auf die Eigentumsverhältnisse des Vorgarten-Terrains ic. bezüglichen Bedingungen zur Annahme. Ein von einem Mitglied der Versammlung herrührender Entwurf, wonach der Schloßbrunnen um 5 Meter an das Schloß herangerückt und längs dieses selbst ein 13 Meter beiter Vorgarten angelegt werden solle, blieb im Ausschüsse ohne Berücksichtigung. Es war zu eNvarten, daß die Miquclei, die z/B. in der An gelcgenheit des Botanischen Gartens mit der Stadt getrieben wurde, auf die patriotische Stadtvätermchrheit ohne Einfluß bleiben würde Ucber daS Schmerzenskind der Berliner Kanalisation, das XI. Radialsystem, und die Schwierigkeiten, die sich seiner Dnrck- führung entgegenstellen, machte Stadtv. S e i b e r t im Grundbesitzer- Verein„Nordost" einige Mitteilungen, denen wir nach dem„Grund- eigentum" folgendes entnehmen: Die Angelegenheit ist schon zur Zeit Hobrechts zur Vorlage an die Stadtverordneten und den Magistrat gelangt und es wurden dafür 11 Millionen Mark ans- geworfen. Die staatliche Aufsichtsbehörde aber versagte die Genehmigun g. Die Stadt wollte nämlich anstatt eines nach dem Rummelsburger See führenden Not- Auslaß- kanals, der drei Millionen Mark kosten sollte, einen vier Kilometer langen Kanal nach der Panke leiten, der nur einen Aufwand von 1 6 009 Mark erforderte. Außer dem Bau dieses Kanals muß aber noch ei» Teil von Weißcnsce in die Kanalisation aufgenommen werden, nämlich 231 Hektar, während 418 Hektar städtisches Terrain, zusammen also 672 Hektar, zu entwässern sind. Infolgedessen verlangte die Aufsichtsbehörde eine Aenderung des Bebauungsplans, die jetzt vom Stadtbaurat Krause ausgearbeitet wird. � Da hierzu wieder erst die Genehmigung des Königs einzuholen ist, können»och Jahr und Tag vergehen, ehe das XI. Radialsyslem zur Ausführung gelangt. Ferner hat die Stadt nördlich von der Greifswalderstraße an der Straße 20 ei» 401 Quadratruten umfassendes Terrain sür 133 373 M. gekauft,'aus dem ein Sammelbecken von 3000 Kubikmeter Rauminhalt angelegt werden sollte. Auch dies ist von der Aufsichtsbehörde nicht ge� ncknnigt worden.— Der Prenzlauer Thorverein hat kürzlich in der selben Angelegenheit eine Petition an den Obcrpräsidcntcu gerichtet und darin die haarsträubenden Zustände geschildert, die infolge der Nichtdurchführuug dieses Radialsystems in jener Gegend herrschen. Und dabei wäre jetzt, wo die Sähloßplatzfrage lvieder auf der Tagesordnung steht, recht gute Gelegenheit, einen gelinden Druck auszuüben. Uokerles. Freifinu und Wahlrecht. Ein gewaltiger SÄrcck ist der armen„Vossischen Zeitung' in die Glieder gefahren. Der socialdeniokratische Antrag an die Stadt- verordnetcn-Vcrsammlung, sie möge eine Petition um Ein- führung des allgeni eine n gleichen und geheimen Wahlrechts an das Abgeordnetenhaus richten, hat ihr das ganze bischen Freude an dem Fest der Auferstehung verdorben, das ja m unzähligen freisinnigen Leitartikeln als Sieg des Fortschritts über die Finsternis begrüßt wurde. Beim Schöpfe gepackr. läßt sich der Freisinn des Berliner Normalphilisters, den die„Vossische Zeitung' ja unbestritten repräsentiert, wie folgt vernehmen: Wir halten es für unmöglich, das allgemeine Wahl- recht auf die G e m e i n d e w a h l e n auszudehnen. Die städtische Verwaltung trägt in viel höhereni Grade als die des Staats oder des Reichs den Charakter einer V e r- m ö g e n s v e r w a l t u n g. In den Anlagen für Pflasterung, Beleuchtung und Entwäsiernng der Straße», für Kanalisation, in � den Markthallen und Kraiikcnhäusern steckt ei» V e r- möge n von Hunderten von Millionen und man kann die Verwaltung eines solchen nicht in die Hände derer geben, die zu ihm nichts beigetragen haben. Dein Vermögen stehen Schulden gegenüber, die verzinst und abgetragen werden müssen. und man kann die Eiitschcidnng darüber, auf welche Weise die hierzu erforderlichen Mittel aufgebracht werden sollen, nicht in die Hände derer legen, die nichts zahlen. Der alte deutsche Grundsatz, daß das M i t r a t e n und daSMitthatcn zusammengehört, steht deni socialdemo- kratischen Antrage entgegen. Es ivar vorauszusehen, daß die„Vosi. Ztg.' sich gegen den socialdemokratischcn Antrag wenden würde. Ist er ja auch Herrn Engen Richter und denen, die sich noch um einige Schattierungen radikaler gcberdcn als er, schon aus deni plausiblen Grunde nicht rcckit. weil seine Ausführung der Herrschaft des Freisinns in vielen Städte» ein Ende machen wurde. Aber die Gründe, die von der„Voss. Zeitung' herangeholt werden, sind so klapperdürr, daß unsreS Erochtens selbst die„Kreuz- Ztg.' sich ihrer schämen würde. Ein prächtiges Wort, das von dem alten deutschen Grundsatz des Mitrateus und Mitthatcns unter einer Kommunalverfassung, die das untastbare Uebergewicht des Einflusses dem feisten Hau s'w i r t zusichert, dessen ganzes Thaten im E i n- streichen der Miete aufgeht, und die im weiteren das lieber« gewicht der Mcuschenklasse garantiert, die sich aus den Thaten, ans der unbezahlten Arbeit andrer Ricseueinlommeu� ergattert. Ja, dieser deutsche, freisinnig frisierte„Grundsatz' ist selbst vom Standpunkt der Verfechter des heutigen Unrechts ein faules Wort, wenn man erwägt, daß von deni etiva hundert Millionen Mark starken Etat der Stadt Berlin nur etwa der v i e r t e Teil auf die Einnahmen aus der E i n k o in m e n st e u e r fällt, während die übrigen 73,3 Proz. auf indirekten Steuern und Einnahmen ge- gründet sind, zu denen jeder Einwohner und der unbemittelte relativ am st ä r k st e n beitragen muß, sei es als Mieter, sei es sonst als Konsiunent. Warum nicht gerade heraussage», liebe Vossin, daß es dem socialdemokratischen Antrag gegenüber einfach die Machtmittel des Besitzes zu ivahren gilt, ohne jede Rücksicht darauf, auf eine wie hohe Summe v o n U n r e ch t sie sich gründen? Es mag ja für die im Fett schwimmenden Grundbesitzer fatal sein, wenn das allgemeine gleiche Wahlrecht ihre Interessen zu Gunsten derer der Gesamtheit zurückstellen ivürde. wenn es den städtischen Arbeitern als Mindesteinkommen einen Lohn von mehr als 3 M. sickert, die nach Herrn Kreitling ja bereits über die Grenzen des Möglichen hinausgehen, wenn es eine Behand lniig unmöglich macht, wie die Lehrer sie sich in der Gehalts- frage gefallen lassen mußten, wenn es verhindert, daß an Gcmeindcvertrcter Gemeindearbeiten übertragen werden und wenn es zahlreiche andre Mißstände beseitigt, deren Aufrechterhal- tung gerade dem Berliner Kommunalfreisinn Spott über Spott ein- getragen hat. Gegenüber den Flausen und Phrasen der„Voss. Ztg.', die sich überdies in der heuchlerischen Befürchtung ergehen, daß von Staats lvegen nur nicht gegen die Beratung des socialdemokratischen Antrags eingeschritten werden möge, ist das konsequente Eintreten k o n s e r- v a t i v e r Blätter für das elendeste und widersinnigste aller Wahl- systeme herzerfrischend zu nennen. Die„Jngendwchr" ist, wie hiesige Blätter melden, Montag im königlichen Schloß der Kaiserin diirch den Ober-Hofmarschall v. Mirbach vorgestellt worden. Auch soll der Kaiser von einem Fenster des Schlosses ans den Exerzitien dieser Gesellschaft teil- nahmsvoll zugesehen haben. Nach deni„Kleinen Journal" hat die Kaiserin sich sehr für das Unternehmen interessiert und dem Vor- stände beim Abschied ferneres Gelingen des Werks und weitere segensreiche Thätigkeit gewünscht. Dieser Glückwunsch der Kaiserin mag an sich ja nicht besonders interessieren. Er enthält aber dadurch am Ende einige Bedeutung, daß er sich in unverkennbaren Gegensatz zu den Ansichten' stellt, die vor noch gar nicht langer Zeit in g e i st l i ch en K r e i s e n über die Jugendwehr geäußert wurden. In der am 20. Mai 1898 abgehaltene!! Sitzung der Kreissynode Berlin-Kölln rügte der Synodale K r a u ß mit scharfen Worten das Treiben der„Jugendwehr", deren junge Mitglieder vielfach in Kneipen und spät abends in der- Friedrich st raße in Uniform zu finden seien. Auf der einen Seite habe nian den Fortbildungsschulen die Möglichkeit, die Jungen an den Sonntage» zu ihrer Fortentwicklung zu be schäftigcn, beschränkt, auf der ander» Seite gestatte man der Jugendwehr, ihre Mitglieder Sonntagsvormittags zu militärischen Hebungen zu versammeln. Der Ein- flnß der Jugendwehr auf die jungen Gemüter sei durchaus kein guter, er verleite sie zur Selb st Überhebung, und es sei wiederholt vorgekommen, daß die Gelder, die a r m e n M ü t t e r n zur Unterstützung gegeben wurden, dazu dienten, um den Jungen Uniforme n in der Jugendwehr zu beschasien. Von Heiligkreuz ergehe deshalb der Antrag an die Synode:„beim Konsistorium Schritte zu thnn, damit die Ucbnngen der Jugendwehr an den Sonntagvonnittagen in denselben Stunden, die für den Wegfall des FortbildungSschnl-Uiiterrichts vorgeschrieben sind, geschlossen werden." Daß die„Jugendwehrl eine vielfach bedenkliche Spielerei sei, wurde vom P r e di g e r S t a g e noch näher ausgeführt und auch vom Syn. Propst v. d. Goltz anerkannt. Wilhelm II. Die„Lübecker Eisenbahn-Zeitung' vom 13. April teilt mit. daß der Kaiser am 16. Juni nach Lübeck kommen werde, um der Eröffnung des Elbe- Trave- Kanals beizuwohnen. Dann meldet das Blatt weiter:„Wir wollen nicht unterlassen. bei dieser Gelegenheit einen kleinen, bisher noch nicht veröffentlichten Vorgang zu erzählen, der von der erstaunlich vielseitigen Be- g a b u n g unsreS Kaisers Kunde giebt. Es war auf der Fahrt von Bremen nach Helgoland. Der Kaiser plauderte mit einem in der Fachwelt allbekannten Techniker, auf dessen Erfahrung er große Stücke giebt. Plötzlich fragte der Kaiser: Was halten Sie von den Lübecker Kanal- Schleusen? Der Ge fragte antwortete, daß dieselben nach seinen Informationen sich gut bewähren sollten. Näheres könne er aber noch nicht sagen. Nun ließ sich der Kaiser Papier und Bleistift bringen und zeichnete dem Techniker Strich für Strich eine Lübecker Schleuse sSystem Hotopp) hin und setzte dabei genau die Einzel heilen dieses Bauwerks auseinander. Die Umgebung ivar einfach st» m m!' Die Klagen über unziemliche Behandlung von Arbeitern, weil» diese an den Schaltern unsrer Bahnhöfe sich sür ihr gutes Geld Ar bciterivochen karten kaufen wollen, nehmen trotz aller offiziellen Verordnungen immer noch kein Ende. Seit Jahren hatten die in Lankivitzcr und Marienfelder Fabriken beschäftigten Arbeiter am Anhalter Bahnhof ohne besondere Sckerercien ihre Karte erhalten, als es plötzlich ani Dienstag voriger Woche der Schalterdame ein- fiel, den in Betracht kommenden Fahrgästen die Invalide»- karte abzufordern. Sclbstveiständlich hatte keiner der Arbeiter die Karte bei sich, worauf die Danie erklärte, ihnen dann auch keine Wochenkarten verkaufen zu können. Für alle Fälle hatten einige Ar- beiter sich beizeiten mit einer Bescheinigung des Inhabers der Fabrik versehen, in der schwatz auf weiß und zum Teil sogar durch den Anitsstempel der Gemeinde Manendorf beglaubigt, ihre Arbeiter� qualität bestätigt war. Doch auch dies genügte der Sckaltcrdame nicht, und es blieb den Arbeitern nichts übrig, als sick für 20 Pf. eine einfache Fahrkarte zu lösen. Als weitereünannehmlichkeit hatte das Verhalten der Dame im Gefolge, daß die Arbeiter den Zug versöilnitcn und dafür, daß sie eine halbe Stunde zu spät an die Arbeit kamen, 23 Pf. Strafgeld zahlen mußten. Das schönste aber ist. daß diese Fahrgäste ani selben Abend vor der Heimfahrt nicht allein die verlangte Wochenkarte anstandslos verkauft erhielten, wildern auf ihre Anfrage die ausdrückliche Versicherung empfingen, daß in Zwcifclsfällen eine vom Fabrikbesitzer ausgestellte Bescheinigung vollkommen als Legitimation genüge. Mag ein solcher Zickzackknrs sich immerhin in die heutige Staats Politik recht harmonisch einfügen, so ist doch nicht einzusehen, warum gerade stets die Arbeiter Versuchsobjekte sein sollen. Wenn einmal die Biircaukratie nicht umhin kann, einen bestimmten Teil der Fahr- gäste schädigend zu reglementieren, so sollte sie ein Einsehen haben imd zur Veränderung auch einmal die Passagiere der ersten Wagen- klaffe aufs Korn nehmen. Nach allem Ungemach haben die Arbeiter aber endlich einmal ein Recht, ihre Wochenkarten für ihr Geld so prompt ausgeliefert zu er- halten, ivie andre Leute auch. Ueber die Kosten einiger Berliner Denkmäler wurden dem Ausschuß, der über die Errichtung eines Feuerwehrdenkmals zu be- raten hatte, folgende Mitteilungen gemacht: Es sind ge- zahlt worden für den Schloßbrnnnen 330 570 Wl, für die Berolina 101 210 M., für das Schiller-Dcnkmal 100 000 Mark, für das Lessing- Denkmal 123 000 M., für das Gocthe-Denkmal 103 000 M., für die Figuren auf der Potsdamer Brücke je 20 000 M., ür die Hermen im Viktoriapark je 7300 M.— Das Feuerwehr- Denkmal soll nach dem Autrag deS Ausschusses nicht im Hof der Hauptfeuerwache, sondern auf einem öffentlichen Platz errichtet werden; im Ausschuß wurde auf den Marianneuplatz und auf den Platz au der Jcrufalcmer Kirche hingewiesen. Die Untersuchung gegen den Giftmörder �änicke, der aus Potsdam gebürtig ist, fördert immer neue Absonderlichkeiten zu Tage. Jänicke sckeint auch den Diener Just in ähnlicher Weise ivie die er- mordete Bergncr ausgebeutet zu haben. Er hatte oucb_ diesen aufgefordert, mit der Bergner nach dem Teufelssee zu fahren. Nur dadurch, daß Just an dem für die Beraner verhängnisvolleii Tage durch seinen Dienst abgehalten wurde, sich mit nach Neu-Babels- berg zu begeben, ist er dem Schicksal, dem die Bergner erlegen ist, entgaugeu.'Just, dem von Jänicke vorgeredet worden war, die Bergncr ei von den Geistern am Tcufclssce verbannt und in die Tiefe ge- zogen worden, hat das thatsächlich geglaubt. ObJänicke beabsichtigt hatte. die Bergner und den Just zu gleicher Zeit am TcufelSsce zu ver- giften, um den Anschein zu erwecken, als ob ein Liebesdrama seinen Abschluß gefunden hätte, ist noch nicht erwiesen. Jänicke hatte auch seinen Pflegesohn, den zehnjährigen Bruno Misch und noch einen andren Knaben in eine Lebensversicherung eingekauft. Da es sehr selten vorkommt, daß Knaben versichert werden, und gar das Leben von Pflegekindern wohl kaum von ihren Pflege-Eltern ver- sichert wird, rechnet man auch damit,' daß Jänicke auch die Kinder für seine Zwecke auszubeuten trachtete. Der Knabe Misch, der Augenzeuge der Vorgänge am Teufelssee gewesen ist, war nicht von Jänicke mitgenommen worden, sondern von dessen Ehefrau nachgesandt worden. Der Knabe wollte an« fänglich, von Jänicke eingeschüchtert, nichts gestehen; erst nach vielem Bemühen rückte er mit der Sprache heraus. Der Knabe gab auch an, daß Jänicke der Bergner die Ohren und Finger abgeschnitten habe, um sich die Ohr- und Fingerringe anzueignen. Danach haben nicht wilde Tiere die Leiche angefressen. Jänicke giebt alles zu, bleibt aber dabei, daß die Bergner selbst schuld an ihrem Unglück sei; sie habe seine Anordnungen nicht befolgt, ihn treffe keine Schuld. Die Untersuchung wird vom Landgericht in Potsdam geführt. Vom Vau gestürzt ist gestern. Montagnachmittag um 3 Uhr. der 88 Jahr alte Zimmermann Otto Jdclow aus der Kaiser Fried- richstraße 60 zu Pankow. Jdelow Ivar auf dem Neubau des Bahn- Hofs Nordend der elektrischen Hochbahn beschäftigt, glitt infolge der Nässe auf dem Gerüst aus, stürzte aus einer Höhe von 13 Metern herab, fiel auf einen Steinhaufen und zog sich schwere Verletzungen im Innern, an beiden Armen und am Hinterkopf zu. Ein Lückscher Rettungsivagen brachte den Verunglückten nach dem Krankcnhans am Fri'edrichshain. Eiu entsetzlicher Selbstmord ist Sonntagnachmittag auf dem Bahnhof Beuffelstraße ausgeführt worden. Dort warteten gegen ll26 Uhr zahlreiche Passagiere auf den von der Ringbahn« Station Wedding fälligen Zug. In dem Augenblick, in welchem der Zug ein- lief, sprang ein etwa 33jähriger Mann in anständiger Kleidung auf die Geleise' und warf sich vor die Räder der Lokomotive. Ehe es gelang, den Zug zum Stehen zu bringen, waren die Räder der Maschine über den Unglücklichen fortgegangen und hatten den Kopf vom Rumpfe getrennt. Wege» doppelten KindeSmordes sind der Bildhauer W o n n c b a l d S t a m in b e r g e r und seine Wirtschafterin Hedwig Scholz ans der Gitschinerstr. 37 verhastet worden. Stammbergec ist seit fünfviertel Jahren Witwer und ließ sich seitdem von der 28 Jahre alten, aus Zierlin gebürtigen Hedwig Scholz den HanS- halt führen. Bald trat er zu',' seiner Wirtschafterin in nähere Bs- ziehimgen, die nicht ohne Folgen blieben. Am zweiten Feiertag gebar das Mädchen zwei Kinder, ohne eine Hebamme oder einen Arzt zuzuziehen. Nur Stammberger war in der Wohnung. Haus- genosfeu, denen der Zustand der Wirtschafterin bekannt geworden ivar, fchöpften Verdacht, daß nicht alles in Ordnung sei, als sie gestern einen ans der Wohnung Stammbergers kommende» Brandgeruch wahrnahmen. Sie veranlaßten, daß eine Hebamme und die Polizei geholt wurden. Stammberger und die Wirtschafterin bestritten beide, daß etwas vorgekommen iei. Der Vorstand des 42. Reviers aber durchsuchte gestern nachmittag mit iiiehreren Beamten die Wohnung und fand ein Kind in einem Eimer, in dem es ertränkt war. und das zweite in der Koch Maschine, in der es v e r b r a n n t und bereits halb ver- kohlt war. Die Kinder scheinen nach dem Befund der Leichen beide gelebt zu haben. Die Mutter wurde ihres Zustands wegen zunächst als Polizeigcfangene»ach der Charitö gebracht, Stammberger nach der Wache deS 42. Reviers, iirn von dort der Kriminalpolizei zugeführt zu werden. Schwere Verletzungen am Kopfe trug eine Leiche, welche am Sonnabend au der Möckernbrücke gelandet wurde. Der Schädel der Leiche war so stark zertrümmert, daß Gehirnmaffe daraus hervor- trat. Die linke Wange zeigte eine lange klaffende Schnittwunde. Ob diese Verletzungen erst nach dem Tode des ManneS, etwa durch eine Schiffsschraube hervorgerufen sind, bedarf noch der Feststellung durch die gerichtsärztliche Leichenöffnung. Der Tote scheint Arbeiter und etwa 30 Jahre alt gewesen zu sein. Straßensperrung. Die Brücken-Allee vom Großen Stern bis zur Händelstraße wird behufs Asphaltierung vom 17. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Fenernachrichten. Im Schiller-Theater erfolgte Montagabend ein uiibedeiitender Brand. Die Soffitenranipe hatte sich in der Mitte verbogen und das Zerreißen eines Belenchtniigs- drahtcs herbeigeführt. Durch den dadurch entstandenen Kurzschluß wurde das Holz der Rampe leicht entzündet, doch war keinerlei Gefahr vorhanden. Die Rampe wurde einstweilen außer Betrieb gesetzt. Da der Unfall vor Beginn der Vorstellung erfolgte, hat das Thcatcrpublikum nichts davon gemerkt.— Seit Jahren weift die Berliner Feuerchronik für die Feuerwehr au den hohen Festtagen nicht so wenig Alarmieruiigeu auf. wie an diesem Osterfest. Die meisten Läschzüge sind seit dein Grünen Domierstag überhaupt nicht zum Feuer gerufen, und die seit dieser Zeit ganz vereinzelt erfolgten Alarniicruiigeii betrafcu nur belaiiglow Felierbefürchtungeii. In Wehr einzugreifen, um gefallenen Pferden zwei Fällen halte die wieder auf die Beine zu helfen. Tic Augriffe, denen die Gesellschaft für Gassparapparate mit beschränkter Haftung kürzlich ausgesetzt ivar, hat diese zu einer Er- klärung veranlaßt, ivelche auf einer Jnseratonseite der heutigen Nummer ciithalten ist. Bei dem lebhaften Jutcrcsse, welche diese Frage in der Oeffentlichkeit erregt hat, verweisen wir unsre Leser besonders auf die vorgenannte Erklärung. Im Hörsaal der Urania wird am Mittwoch, den 18., und am Freitag, den 20.. Herr Civilingcnicur Max R. Zcchlin einen durch zahlreiche Lichtbilder illustrierten gemeinverständlichen Vortrag über Motorfahrzeuge halten. Radrennen am Knrfürstendamm. Die beiden Renntage an den Osterfciertagen waren wegen des kalten und stürmischen Wetters mir mäßig besucht. Bedeutendes wurde nicht geleistet. Nachstehend die Resultate: 1. Tag. Niederrad-Er st fahren 1000 Mir. Für Herreit- fahrer. 3 Ehrenpreise i. W. von 50, 23, 15 M. 1. Keller, 2. Sasse, 3. Henkel. Zeit: 1:24,4. Niederrad-EröffnungSfahren 2000 Mir. 120, 70 30 M. In den 4 Vorläufen placieren sich: Ellegaard, Boequillon; Struck, Schenermanii; Albrecht, Hannover. Parmac, Lnriott stoteS Reilneul; Käser, Rndela. Entscheidung: Ellegaard 1. Käser 2. Parniac 3. Zeit: 3: 21,2. Niederrad-Vor gabefahre n. 1600 Mir. 100, 60, 30, 10 Mark. Käser W M.) 1. Struck<70 M.) 2. Kudela(40 M.) 3. Zeit: 2:10,2. T a u d e m- Z e i t f a h r e n. 500 Mir. 120, 60, 30 M. Eni- scheidungslauf 2000 Mir. Die besten Zeiten erreichen: Ellegaard- Hansen(31 Sek.), Lurion-Heller(32 Sek.), Käser-Sicbeninami(32 Sek.), Albrecht-Struck(32.2 Sek.). Scheuermaiiii-Kudcla(32.2 Sek.). Diese fahren den Entichciduiigslauf, in welchem siegten: Ellegaard- Hansen 1., Stnick-Albrecht 2., Lurion-Heller 3. Zeit: 2:48. T a n d e m- P r ä m i e n f a h r e n. 3000 Mir. 60, 40, 20 Mark. Dem ersten Paar jeder Runde 20 M. Schciicrmann- Kudela 1. Schneider-Rocqnillou 2. Albrecht-Struck 3. Zeit: 3:46.2. Parniac- Peter die beiden ersten Prämien. Das siegende Paar die andren. A»S den Nachbarorte». (fstarlottenbnrg. Der Wahlverein für den Wahlkreis Teltow» Bceskow-Storlow-Charlottenburg hält am Donnerstagabend 8�/« Uhr in der„Gambrinils-Braiierei" eine Geiieralvcrsanimluiig ab. worauf die Mitglieder auch an dieser Stelle besonders hingewiesen werden. Die Nachforschuugru nach dem Mörder der cheinaligeii Lehrerin Emilie Medenwaldt hatten noch keinen Erfolg. Arn Sonnabend wurden wieder zwei Personen, auf die die Beschreibung des mutmaßlichen Mörders paßt, festgenommen und verschiedenen Bewohnern des Hause» Birkeustr. 42 gegenübergestellt, Sie wurden jedoch nicht rekognosziert und wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Kriminalpolizei ermittelte sämtliche Wohnungen, die Fräulein Mcden- waldt in Berlin_ innegehabt hat, und hielt überall Nachfragen, Die Auskünfte lieferten immer dasselbe Bild von der Ermordeten, Auch Vorstandsdamen mehrerer Vereine sind vernommen worden, Die Damen, die mit Fräulein Medcnwaldt als ihrer Pflegebefohlenen zu thiin hatten, bekunden übereinstimmend, daß mit ihr nicht gut auszukommen war. Wie viel Geld die Ermordete besaß, ließ sich nicht feststellen; nach den Abschnitten von Postamveisnngen, die man fand, scheint es aber nicht ganz wenig gewesen zu fein, 220 M. sind nachträglich noch in der Wohnung gefunden worden, Von der größten Bedeutung für die weiteren Ermittelungen ist die Auffindung des Mordwerkzeugs. Dieses, einen Stechbeutel, hat der Mörder in ein Zcilnngspapier, mit dem er es vorher abgewischt hatte, eingewickelt und so zwischen die Kleider und andre Sachen der Ermordeten geschoben. Dazu kommt noch ein Taschentuch, das nicht zu den Sache» der Ermordeten zu gehören scheint und ebenfalls mit Blut besudelt ist. Nach diesen Funden verfolgt die Polizei eine bc- stimmte Spur. Man vermutet als Thäter einen Tischler oder wenigstens einen Mann, der irgendwie unt Tischlcrsachcn zn lhnu hatte. Sehr auffallend ist, daß der Mörder, der mit Blut stark bc- sudelt sein mußte, das Haus verlassen kouute, ohne die Aufmerksam- kcit auf sich zu lenken. Alls Rixdorf. Verschiedene Nixdorscr Uhrengeschäfte waren in letzter Zeit dadurch geschädigt worden, daß ein junger Mann den Laden betrat und die Absicht äußerte, eine Uhr zu kaufen, Wurden ihm nun solche zur Auswahl vorgelegt, so ließ er unbemerkt eine der Uhren in seine Tasche verschwinden,' worauf er sich bald, ohne etwas zu kaufen, entfernte mit dem Bemerken, daß er mit einem Freunde wiederkommen werde, um seine Wahl mit dessen Rat zu treffen. Natürlich kain der Mann nicht wieder, wohl wurde aber bald darauf die gestohlene Uhr vennißt. Der hiesigen Kriminal- Polizei ist es jetzt gelungen, den Dieb in der Person deS 22 Jahre nlieii Bäckergesellen Eduard Dietzel aus Berlin zu ermitteln; der- selbe wurde vorgestern in Haft genommen. Bon einem Pferd totgcschkagc» wurde am Sonnabend in Potsdam der ans dem Elsaß stammende Rekrut Schirm vom Regiment der GardcSducorpS. Er führte mit den übrigen Mannschaften sein Pferd in den Stall und erhielt plötzlich von dem Pferd seines Vordermanns, das sonst gar nicht bösartig war, einen Hnfschlag �egeii die Brust, wodurch er sofort getötet wurde. Mit zwei Schustlvnndc» in der Stirn ist gestern nachmittag etwa 500 Schritt von der Chanssee in Grünau muveit vom Bahnhof ein Mann bewußtlos aufgefunden worden. Er war ziemlich elegant gekleidet, es wurden ober an Geld nur 23 Pf, bei ihm vorgcfmide», Neben dem Unglücklichen lag ein Revolver und einige Patrone», Ein bei ihn, vorgefundener Brief läßt die Annahme zu, daß er einen Selbstmordversuch aus unglücklicher Liebe ausgeführt hat. Ter Un- bekannte wurde in das Krankenhaus nach Britz gebracht. Ein Mord, der im Juni 1888 an dem Kutscher Karl N o a ck in der Akaziernillee in S ch ii ipe b c r g ans freiem Felde verübt wurde, beschäftigt jetzt von nciiein die Schöneberger Polizei, Trotz der cisrigstcn Recherche» der Polizei wollte es nicht gelingen, damals den Mörder ausfindig zu machen. Jetzt soll sich die Polizei auf der richtigen Fährtc befinden. Monicgvormittag wurde der etwa vierzig Jahre alte Tagelöhner Ferdinand Koppe in der Erfurter- straßc t2 verhaftet. Er hatte in Gegenwart mehrerer Gäste in dem Gasthausc des A. Plötz in der Erfurterstraße am Sonnabend Aeußerungen gcthan, aus denen geschlossen wird, daß Koppe ent- weder selbst der Mörder deS Noack ist oder doch am Morde beteiligt war. Koppe, der seit vier Tagen bei dem Fuhrherrn Scegcr in der Erfurterstraße beschäftigt ist, soll ein bewegtes Vorleben haben. Bis jetzt ist er der That nicht geständig. Pietät. Am Donnerstag voriger Woche wurde die Leiche eines etwa sechzehnjährigen Mädchen» auf Pichelslvcrdcr ans Land gespült; der Körper, welcher sich schon längere Zeit im Wasser befunden haben muß, zeigte Verletzungen an der rechten Kopfseite und am Unterleib. Fast völlig entblößt wurde die Leiche am Karfreitag von Besuchern des Picheiswerders an einem F u ß lv e g liegend bemerkt, und hier blieb sie bis zuni Abend de» zweiten Osterfeier- tagS, also vier Tage lang, den Blicken der Passanten ausgesetzt, liegen. Mitleidige Leute hätten einige.Rcisigzwcige über die Leiche gedeckt, welche jedoch von halbwüchsigen Burfchcn zum Teil wieder entfernt lvurden. Erst nachden» am zweiten Oslerfeiertage eine Gcrichtskommiision an Ort und Stelle erschienen war, wurde di Fortschaffimg der Leiche nach dem Obduliioushause angeordnet., Bei einem Bootsunsall auf dem Zeuthcncr See fand am ersten Osterfciertage ein junger Mann aus Berlin seinen Tod. Ein Segelboot aus Grünau ivurde durch einen Windstoß zum Kentern gebracht, wobei die Insassen, drei Herren und zwei Damen, in Lebensgefahr gerieten. Von eilten» zur Hilfe herbeigeeilten Boot konnten" vier Personell geborgen werden, während die fünfte, ein junger Mann von 25 Jahren, durch das Takelwcrk mit in die Tiefe gerissen lvordcn ivar. Erst nachdem das vernnglückte Boor um- gewendet worden, gelang cS, die Leiche aufzufinden und zu bergen, Vevunfztzkes. Zum Koniticr Mord. Nach einer Zeitungsmeldnng wurde der Kopf des cnnordete» jungen Winter durch spielende Knaben auf der dem Mönchsec entgegengesetzten Seite, und zivar 2 Kilometer davon, nahe am Stadtgräben in einer Torftaule gesunden. Montagmittag nun wurde als des Mordes verdächtig der ehemalige Abdecker JsraelSli verhaftet, der seiner Zeit an der abgelegenen Fundstelle des Kopfs durch den Bolcnmeislcr Fiedler mit einem Sock in der Hand gesehen worden sein soll, Fiedlers Ans- sage ist für Fsraelsii stark belastend. Gestern fand die Sektion des Kopfs, statt. Er ist gm erhalten und war in dasselbe braune Packpapier eingewickelt wie ehemals der Rumpf, Die Aufregung in Stadt und Land ist ungeheuer. �Kriminal- kommissar Wehn war gerade vor dein Fund nach Berlin zurück- gefahren. Nur wenige Schritte vom Kopse fand inan�cin iveißcs Damen-Batifttaschentuch. das den Buchstaben A. in Seide gestickt zeigte und dcst'en eine Ecke ausgerissen war. Die vorläufige Unter- siichnng des Kopfes durch Dr. Müller ergab nach einer ferneren Meldung leine Zerlrünimcrung der Schädeldecke, noch eine sonstige äußere Verletzung, die ans Betäubung des Opsecs durch einen Schlag schließen lassen lann. Der Schnili scheint von der linken Halsschlagader au» geführt zu sein; die Wirbelsäule ist durchgesägt worden. liebet! ein Grubemingliick wird aus Aachen berichtet: Dienstag früh ist auf Grube„Maria" der Vereinigungs-Gesellschaft ein Welterschacht zu Bruch gegangen, dujtch welchen der Tiefbau der Grube bewettert wurde. Infolgedessen kommt die Förderung zum Stillstand. Es wird einige Monate dauern, bis der Betrieb in vollem Umfange wieder aufgenommen werden kann. Personen sind nicht zu Schaden getommen. Kirchcnraub. Aus Paris. 16. April, meldet ein Telegramm: In der vergangenen Nacht drangen mehrere Individuen in die Kirche von Aubervilliers, raubte» die Kirchenkasie. die Meßgefäße und andre wertvolle Gegenstände und legten an verschiedenen Stellen Feuer. Die Kirche ist fast vollständig' zerstört. Bei den Löschungsarbciten wurde ein Feuerwehrmaim erheblich verletzt. 65 Personen ertrunken. Im oberen Bosporus kenterten, wie man aus Konstantinopel berichtet, zwei große Segler. 65 Personen sind dabei ertrunken. lieber die Pest wird berichtet: Nach einer Meldung von „Reuters Bureau" aus Perth iu Australien vom 15. d. M. sind in Fremantle zwei Personen an der Pest erkrankt und eine Person ge- storben._ Eentralverband der Eonditoren. Heilte Mittwoch abend präc, 9 Uhr Mitgliederversammlung bei Schiller, Rofenthalcrstr. 57, Pankow-Schön hausen. Am Dienstag Lese-Abend bei Grotzwrt über daS Bürgerliche Gesetzbuch._ Briefkasten der Kedsklion. Eharlottenburg. Wollen Sie über Partei- Angelegen« haben, dann müssen Sie schon Ihre Anonymität aus- M. bei tt.. hciten Auskunft •:rP WWWWWWW WWWWW C. T. 1. Uns nicht bekannt. 2. Fragen Sie einen Postbeamten. Strohmeier, Düsseldorf. Wir haben keine, uns ist auch nicht be- larnit, wo sie zu haben sind, R. W., Berlin. Nein, es ist nichts korrigiert worden. Der Satz Millerands lautet im Original:"„0 Travail! Travail liberateur ec sacre. c'est toi gui ennobli» et c'est toi qui congoles._ Sous tes pas l'ignorance se clissipe, le mal s'enfoit. Par toi i'bumanite, affranchie des servitudes de la nuit, monte, inonte sans cesse vers cette vegion lumineuse et soreine, oü doit un jour se roaliser l'ideal et pafl'ait aeeord de la puissance, de la justice de la bonte.-1 eoitteinngSübcrsicht vom 17. April 1900, morgens 8»yr. SS 'TS sl ö 8- « s ig! g? I Wstler T Swincinde! 733 WNW 3 Regen Hamburg! 759 W Berlin 1757153 Wiesbaden■ 766 S3 München i 766 W Wien j 762 S 4 bedeckt öbedeckt shlbbed 6wolkig »bedeckt S-s äit, Siaiionen aaparauda stersbnrg Cork Aberdien Paris s- 747.« 745- SW 77» WNW 761 SW 770 NW B| Wetter 4wolkenl lHRegen 5!hlv, bed �bedeckt 2wolkenl SN s Ä «t» 2 3 11 7 8 Wetter- Prognose skr Mittwoch, den 18. April 1900. Nachts etwas iüyler, am Tage wärmer, zeilweiie heiter, vlelsach wolkig uiit leichten Regensällc» und ziemlich frischen westlichen Winden, Berliner W e l l e r b u r e a», ZotlaldemoKratischer Wahlveiein für den 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis Mittwoch, den 18. April, abends 8'. Uhr. im Lokal zum..Alton Sohiitxcnhans", Liiiicnsirasie Nr. 5 General- Versammlung. Tages-Ordnnng: 1, Berimt deS Vorsitzenden, des Kassierers und der Revisoren, 2. Tiskussio», 3, Neuwahlen des Geiamtvorstands und der Revnoren, sZss.P Der Borstand. 4, Bereinsaiigelegcnheitcn, Um zahlreichen Bcsitch der- Mitglieder bittet Achtung! Wahlkreis. AMus! Am Donnerstag, den IS. April, abends 8 Uhr, im Lokal „Köslincr Hof", Köslinerstrafle 8: Partei Uerfammlnttg T a g c s- O r d n u n g: 1, Abrechnung der Tertrauenslnite. 2. Vortrag des Genossen Will). Liebknecht über:„Kapitalismus und Politil". 2, Distustion, Zu recht zahlreichem Bestich laden ein 220/T: Oie Veetraocnslente. Gr. öffeiitl. KolkSliersliiilmlililg. (Verwaltungsstelle Berlin.) Bureau: Engel-Ufcr IT. Zimmer 1—3. Fernsprecher Amt All 333, Hnltc, Rittiulii, dm W, A»nl, ibeiibs S'st U|t, im Sofnl iits Hm» Craumann, Nannynstraßc 27: VecklllieilSüiliiüier-Koüfereliz ßr Stil Aldtil. ,12.9 Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. In der Konferenz gelangen die Llkaimarten zur Ausgabe. "»E Nie Ni'tsvei'tvaltnng;. Sonnabend, de» 21. April, iu abendö 8 Uhr, 62/07 tsaol, Koppenstr. 29. (Zum Besten des Bnnfonds der Freireligiösen Gemeinde.) Tages-Ordnung: 1 Die Moral der natnrfeindliche» Frommen und die Kinder der Welt. Referent:<ü. Tsehiin Bresla». 2. Tie lex Heinze im Bcichtftiihst Referent: IleN'ninnn. 3, Freie DiSkussio». WK Die Geistlichkeit ist brieflich eingeladen,"ME Zur Deckung der Unkosten wird ein Entree von I» Pf, erhoben, Stach der Bersammlulig: keselligez LeiSAMmenzein mit Tsirc. Ilmin lmaldemokraMer Gaß- Ulli» Schllllklvltte Aerlilis und Umgegend, Freitag, den 20. April, nachm. S>/. ilhr, beim Koll. Dhem»». Rixdorf,.Hermaiinstr. 19: Cftenevoll- Vovsnsnlnlung. Tages-Ordnung: 1, Berichlerstatning des Borstands und der Rechtsschutz- Kommission, 2. Vierteljahres- und Jahresbericht des Kassierer«. 3, Aufnahm« neuer Mitglieder, 4, Ergänzungswahl des Vorstands und der Rcchtsichntz- Kommistion, t>, Vcremsongelcgen heilen. vg,6 Zu zahlreichem Beiutfi ladet ein Der Borstand. I, Sl,: rstckinanä cevalck. kR-. kill' Ii. zemdl. WkskdM IlölltÄ!siiPz Zahlstelle Bevliu VI(Fahrstnhlarbeiter). Am 22. April 1900. vorm. 10 Nhr, im Lokal von BnAekotr, Krautftraftr 6:_ yersammlung."MI T,a g e S- O r d n u n g: Besprechung über unftc Bewegung, Dislusnon, Verschiedenes, 32 lö Der Bevollmächtigte: kleharck HVencke. Ach1llM!~ Ailitmia! Mittwoch, de» 18. d. M.. abends 8 llhr, iu Feuersteins Feftfälen, Alte Jakobstr, 73: Mitglieder- Versammlung der Zahlstelle III deS Central- BerbandeS dcntfchcr Maurer. Tages-Ordnnng: 1 Stellungnahme zu der von der Vereinigulia der Eips- und Cement- baugeschäfte vorgelegten Zlrbeitsordnimg. 2, Dtslussion, 3, Abrechnung vom I, Quartal, 4, Gcwerkschasilichcs, _ Die örtliche Berwaltnng. tWüiig! Achimig! Kostüuiüch neitzlei*. Mittwoch, den 18. April er., abends SV2 Ilhr. Kommandantenftrasic 20: in den Arminhallen, Groste öffeutl. Versammlung. Tages-Ordnung: 1 Die Lohnbewegung und ihr Resultat, 2, Diskussion, 3, Vcrtchiedencs, Um zahlreiche Betciltgnng ersucht Der BertrauenSmann. Donnerstag, den 19. April, abends 8'. tthr. bei Granraann, Naunynstrasie 27: Gr. Ffauen-Vortfas' über das GeschlechtsSeben des Weibes mit farbigen Lichtbildern und prakti'chen Ratichlägen v, Frau Grundmann praktilche Naturtzcilkundige, Leiterin der Fraucnhcil- und Kuranstalt Köpcnickcrstr. 72. sAW" Eintritt 20 Pf. Beritner Verein fttr Vatnrhe 11 verfahren. Allen Freunden, Kollege» und dem Interessen Verein derKistein macher für die freundliche rege Beteiligung und reichen Kranz- spenden bei dem Begräbnis uiisreS lieben Heimgegangenen Nitkelm Uedtlstm sog« htermit im Namen der Hinlerbliebcnen herzlichen Dank, 16 3 llmil Uebdsim. Socialdeiuokratischer Walilvcrein f. den 4. Berliner Rcklistags-Wahlkreis ((Süd-Ost). Todes- Anzeige. Ten Mitgliedern hiermit zur Nach- richt, daß der Äenojse, Vcrgolder Zeth, noch langer Krankbeit verstorben ist. Die Beerdigung nndet am Mittwoch, den 18, d, M,, nachm. 3 Uhr, von der Halle deS Emmaus- Kirchhoss aus statt 242/13 Um zahlreiche Beteiligung erlucht Ber Verstand. Nlsvknuf. Alle» Bekannten und Freunden bringen wir hierdurch nachträglich die traurige Mitteilung, daß unser lieber Sohn und Bruder, der Schriftsetzer Rudolf Koselowski als ftüuonier des 1. Fußartillerie- Reginients iu Königsberg t. Pr an der Lungenentzündung am 11. April verstorben ist. Für die Kranzspende, welche nach der so weil entfernten Grabstätte gesandt wurde, den Kollegen der Bnchdruckerei«ittensetd hiermit herzlichen Dank, S2lb l>l« trsusrnckan Itlnterbllsdsnen, Künstliche Zähne! Georg Jacohy, Vollständig fchmer.fl. Plombieren it. Zahn ziehen. Bequeme Deilzahlnugen. Zahn- reinigen, überraschender Erfolg. 444IS* Kommandantenstr. 61, I TP rechst v 8-8 Uhr, a. Sonnt, AWiOilM Wtat, WKW!«?»«« Möbel und P o l st e rw a r e It. Reelle Arbeit, Ganze Einrichtungen zu billigen Preisen,|4091£* Franz Tutzuuer, Brunnenstrahe 152. Kranzbinderei n. Blnmen- liandlnng von[40S4S* Roliert Meyer, Xo.Ji. Bai-iaiincnstr. Vo. 2. Widmiliigs-Kräiize, Gnirlaiiden, Ball- stränßcheii, Boiiqncis:c, werden sehr geschmackvoll und preiswert geliefert Sneck nur deutsche Büarc k mager a Pfd. Sä pkg, bei 3 Pfd. a Pfd. S8„ ketter„ 55„ Schlackwurst. a Pfd. 90 Pffl. tKlähnJ"""' Etablissement„Südost" Waldeannrstr. 75. Mehrere Sonnabende im April und Mai noch zu vergeben, 44731.* Stwßell». ZAHNSCHMERZ!*;: beseitigt sofort mm Carvacroiwaite iplcmb. Flasche jSOA zu haben tnallen Droyritn Nimm kerne. Hachahnüingtn! Orts-Krankenkasse der Steindruckerulithographen. Am Touiicrstag. den 20. April abends 8>/z Uhr, findet im großen Saale des„Bereinshauses", Sophien- straße 15, die 1. ordentliche GellenUvefsommUmg pro 1900 statt. Sämtliche Vertreter der Arbeitgeber und der Kalsenmitglieder werden hierzu ergeben» eingeladen, Tages-Ordnung: l, Jahresbericht pro 1899, Bericht des Neuner-Ausschusses und Abnahme der Jahresrechining. 2. Ersatzwahl für den Borstand(Arbeitgeber), 3, Verschiedenes, Berlin, den 10, April 1900, Ter Borstand. 320b I. A,: Stull Im an ii, Vorsitzender, >T. Oderbergcrstr, 37. Orts-Krankenkafse des Korhniachcr-Gewerhes zu Berlin. Donnerstag, den 26. April. abends S'/j Uhr, Kommandantenstr. 20: Ccneral-Veniuliing. Tageö-Ordnung: 1. Jahresbericht. 2. Bericht der Revisoren 3. Bestätigung des Kassierers, 4, Ersatzwahl eines Vorstands- Mitglieds(Arbeitnehmer). 5. Antrag des Vorstands an» All- äiidcruug des§ 12(Erhöhung der Kwiikenuiiterftützungeii.) 6, Verschiedenes, Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 271/2 Ber Vorstand. Karl Schwedler. Vorsitzender, Am 13, April, vorm,> llur 30 Min, veAchied nach langem Leider der Schleifer Erg»!«eUMSV» an der Proleiarierkrankheit im 30, Lebensjahr Um stilles Beileid bilten CIZI« trauerncksn Hinterblfebenen. Die Beeidigung findet am Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- llollc des Zionstirchhofs in Nieder- Schoiihauien aus statt, 322ll Allen Kollegen zur Nachricht, daß heule, den 18'April, um 4 Uhr nachmittags, die Beerdigung des Putzers Paul Fiohr vom Friedens- Kirchhof in Nieder- Schönhauien stattfindet, wozu er- gevenst einladen i334b vi« ttettrausrndan Hinterbliebenen. Emilie Flöhr. Yerband der?ergolder Filiale Berlin. Am 14. April starb unser Mitglied Zeth, nach langer Krankheit,!22ö/8 Die Beerdigung findet am 18, April, nachmittogs b Uhr, von der Leichen- Halle des St, Emmanskirchhoss in Rirdorf aus, statt, Zahlreiche Beteiligung erwartet Ber Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Yerband Todes- Anzeige. stark unser lang» Am 13, April jähriges Mitglied, der -chlosier Bruno Handke. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 19, April, nachmittags 4 Uhr, von derLeichenhalle des alten Thomas- Kirchhofs, HenunlnisU'aße. aus statt. 112/8 Die Ortsverwaltuiig. Verantwortlicher Redaeleur: Poul John m Berlin. Für den Jnferalenteil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Tnick und Verlag von Dlox Boding in Berlin.