«rfdjcint in Lei-iiq.— j. � StflfUung«. Miitw-ch Steitaa, Sonnlag. itfm � v nehmen an olle Postanstalton und Buch-. __\ Handlungen des In- u. Auslände». Ab«nnemems»rei»- ito ganz»ouUgta�lk-«N-r» WW � � � � � � � � �»»Ittal.SkV.dMo-«. «oM«r»««Ä BW �W'wV'Www-�w'WT�■ �ÄbÄÄdriÄ' Äg�nTÄhÄTb" W W W W � WWW W W Wi W W/ Philadelvhia: P. MO North ämrsajssrps 4-M.|| 1 k■■■■■■■ wm* �SÄ9Äa«lllCÄ WW W WWWW W W W/ W vobo.en« �S-rge. vn.d. 1-scrale 0�'VbL/���' Chicago Lansermann, »eti. Scriommlungen pr� Vetilzeile 10PI.,(0 6an»tanzisco:».®n6,«8 0'Farren Str, Seft, Sroaiangelcgenheitro und g�t. Vto He London W.: 5. Heize, 8 New.tr, Pekilzcile 30 Ks. Gold« Souar«. Kentrat Hrgan der Sozialdemokratie Deutschtands. Nr. 93. Freitag, 9. August. 1878. Zu den SieichstagSwahlen. Wir halten es angesichts des gezeigten Opfermuthes der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands bei den am ,30. Juli stattgehabten Reichstagswahlen für überflüssig, noch besonders unsere Freunde und Parteigenossen zu den noch be- vorstehenden Stichwahlen anzufeuern. Jeder thut seine Schuldigkeit— das wiffen wir. Heute wollen wir verschiedene Urtheile aus der gegnerischen Presse mittheilcn, welche unsere Leser über die augenblicklich herrschende Stimmung im antisozialistischen Lager informiren sollen. Voran die nationalliberalc„Magdeburgische Zeitung", welche Feuer und Flamme über ihren sonst so hochgefeierten Fürsten Bismarck speit. Das Blait schreibt nämlich wörtlich: „Der Kampf gegen die liberalen Parteien ist von den Or- ganen der Regierung und der ihnen zur Disposition stehenden Presie mit größter Schonungslosigkeit geführt worden. Es ist daher auch nur natürlich, wenn die Liberalen mit erhöhtem Mißmuth in das Parlament eintreten, da sie alle ihre Opfer- sreudigkeit für den Ausbau des deutschen Reiches so schlecht be- lohnt sahen. Wird die Regierung Selbstüberwindung genug besitzen, ihren begangenen Jrrthum einzusehen und ihren Frieden wieder mit der nationalliberalen Partei zu schließen, oder wird sie eine Anlehnung an die Parteien der Rechten und das Centrum, ohne dessen Beistand sie gar nichts gegen den Willen der Liberalen durchzusetzen im Stande ist, zu gewinnen suchen? Noch läßt sich diese Frage nicht mit Sicherheit beant- Worten, aber sollte es ein bloßer Zufall sein, daß grade in dem gegenwärtigen Augenblick der päpstliche Nuntius Masella in München mit dem Fürsten Bismarck in Kissingen offiziell unterhandelt und sich von dem deutschen Reichskanzler beson- derer Aufmerksamkeiten zu erfreuen hat! Ganz gewiß nicht. Fürst Bismarck versucht, um Herr der Situation im Parlamente zu werden und den bisherigen Widerstand gegen seine Steuer- und anderweitigen Pläne brechen zu könne n, mit dem Crntrum zu einem Ausgleiche zu gelangen. Daß dieser ohne einige Zugeständnisse nicht zu erreichen ist, steht von vornherein fest. Wie weit die Forderungen Roms geben und wie weit der Be- gründer des deutschen Reiches es mit seiner historischen Aufgabe verträglich halten wird, ihnen zu willfahren, mit andern Worten, ob der Ausgleich»u Stande kommen und ob er dem Fürsten Bismarck die erhofften Vortheile im Parlament, selbst wenn er �u Stande kommt, wirklich einbringen wird, weiß bis jetzt mit «Sicherheit Niemand. Immerhin aber werden wir Liberalen durch diese politische Lage mehr denn je zur Borsicht und Wachsamkeit aufgefordert. Wir dürfen in dem uns aus- gedrängten Kampfe nicht erlahmen und müssen mehr denn je eng zusammenstehen, damit die Gefahren abgcwandt werden, welche heute uuser deutsches Vaterland zu bedrohen scheinen." Wenn unS jemals etwas mit bisonderer Freude und Genug- thuung erfüllt hat, so ist es dieser Schmer»ensschrei der„Magde- burgischen Zeitung". Alles, was wir hundertmal erklärt haben, trifft jetzt zu.„Der Zweck heiligt die Mittel"— jesuitischer als die Jesuiten zeigt Fürst Bismarck den Nationalliberalen, daß ihn nur dieser Grundsatz bei allen seinen politischen Manövern leitet. Deshalb ist ihm auch jegliches Mittel recht, die Liberalen an die Wand zu drücken— selbst das Bündniß mit Rom! Und komisch, ja lächerlich komisch ist es, wenn jetzt die Nationalliberalen das Volk aufrufen, fest zusammenzustehen, um die Gefahren abzuwenden, welche Bismarck über das deutsche Baterland zu bringen scheine. Diese selben Nationalliberalen, welche ihrem natürlichen Gegner, dem conservativen Herrn von Bismarck, alle die- jenigen Machtmittel in die Hand gegeben haben, um sie, die Liberalen, vernichten zu können. Wir fragen die„Magdeburgische Zeitung" einfach: „Verdient nicht derjenige, welcher seinem Feinde das Schwert in die Hand drückt, daß er getödtet werde durch eben dieses Schwert?" Antwort, Ihr liberalen Feiglinge! Hören wir zunächst ein anderes nationalliberales Lamento, welches wir dem leitenden Blatte dieser Partei, der„National- liberalen Correspondenz" entnehmen: „Der Gewinn, den die beiden conservativen Parteien bei den Wahlen gemacht haben, läßt sich jetzt ungefähr über- schauen und ziffermäßig ausdrücken. Er beträgt, wenn man die Chancen für die Stichwahlen, an denen die Conservativen be- thcUigt find, ihnen besser anrechnet, als sie in Wirklichkeit find, gegen 30 Abgeordnete. Die Gesammtziffer der beiden Fraktionen im Reichstage, welche bisher 70 betrug, würde also auf circa 100 steigen. Damit läßt sich natürlich noch keine Majorität bilden, es fehlen daran grade noch einmal 100 Stimmen. Diese würde freilich das Centrum mit seinen Verbündeten liefern können, aber bekanntermaßen besteht nicht das ganze Centrum aus den„conservativen Elementen", deren Hülfe die„Kreuzztg." anruft, und was nun gar die Verbündeten betrifft, so werden die polnischen, wclfischen, elsässisch-lothringischen Partikularisten ihre eigenen Wege gehen, sobald nur die Ultramontanen Miene machen, sich mit der Regierung zu verständigen. Denn diese Regierung— immer vorausgesetzt, daß sie eine nationale ist — kann weder in Preußen noch im Reiche den Gelüsten der genannten partikularistischen Gruppen Genüge thun. Ohne diese Gruppen aber ist nun einmal, wenn man von dem Beistande der Liberalen gänzlich absehen wollte, keine Mehrheit möglich, auch wenn das Centrum in oorporo zum Regierungslager über- S.'vge. Diejenigen, welche den Reichskanzler der ernstlichen Absicht erms CompromisseS mit den Ultramontanen zur Nieder- drückung der Liberalen für fähig halten, imputirten ihm daher schon den Gedanken, nach geschehener Av-föhnung mit Rom und der Vereinigung aller„conservativen Elemente", noch einmal den Reichstag aufzulösen und in wiederholten Neuwahlen die gesuchte Mehrheit zu erstreben. Wir wissen nicht, ob dieser Gedanke besteht und ob er ausgeführt werden wird. Aber das � ist sicher, auch die zweite Auflösung wird den erwarteten Erfolg nicht haben. Wo der Liberalismus unter dem heißen Ansturm der letzten Wochen, unmittelbar nach der allgemeinen Betäubung, die durch das zweite Attentat in der Bevölkerung hervorgerufen worden war und welche die Conservativen so rücksichtslos und (im höheren Sinne des Wortes) unpolitisch auszunutzen sich nicht scheuten, die Feuerprobe bestanden hat, da ist er auch für die Dauer gesichert, und in sehr vielen Wahl- kreisen, die in Folge der diesmaligen Umstände den liberalen Parteien verloren gegangen find, resp. für sie nicht gewonnen werden konnten, dürsten sich bei weiterer Klärung der Ansichten mit jeder Woche die Aussichten für die liberale und nationale Sache erheblich stärken. Wir meinen daher, daß man in Regierungskreisen die etwaige Idee einer zweiten Auflösung doch lieber bei Seite legen wird." Furcht vor einer nochmaligen Auflösung des Reichs- tags— das ist somit die Signatur der hochnäsigen national- liberalen Partei! Anstatt dem Reichskanzler energisch ins Gesicht zu schauen, demüthigt sich das liberale Gesindel schon sofort, ehe nur das Gesammtresultat der Wahlen genau bekannt ge- worden ist. Diese Feigheit wird Fürst Bismarck sich zu Nutze machen, und so gehört eine nochmalige Auflösung des Reichstags wahrlich nicht zu den Unmöglichkeiten; und diese Maßregel er- folgt, um die liberalen Feiglinge noch seiger zu machen. Uns kann's recht sein! Nun kommen wir zu unserer speziellen„Freundin", der „Frankfurter(.demokratischen�) Zeitung". Dieses Blatt bringt einen längeren Leitartikel, in welchem es die Taktik der söge- nannten Volkspartei, von deren Existenz nur sehr wenige Men- schen in Deutschland, respektive lediglich die Leser der„Frank- furter Zeitung" eine Ahnung haben, zu rechtfertigen und die polizeilichen Verfolgungen, welche jene Partei erleiden mußte, zu„constatircn" sucht. Hören wir, wie das Blatt ühxr den Aussall der Wahlen in Württemberg sich ausläßt: „Kommen wir nun zum Regierungsdruck. Es könnte auf- fallend erscheinen, daß gerade die württembergische Regierung eS ist, die in diesem Punkt eine keineswegs beneidenswerthe Auszeichnung sich erworben hat. Der Schein constitutionalismus hat sich eben auch schon am Ncsenbach eingenistet und vor Allem scheint auch in Stuttgart die Sucht heimisch geworden zu sein, unter allen Umständen auf dem Ministerstuhle zu verbleiben. Man weiß, daß König Karl in seiner Antwort auf die Eingabe des Stuttgarter deutschconservativen Vereins für alles vergangene � und noch kommende Unheil die„Demokraten" verantwortlich machte. Das war offenbar,— ob absichtlich oder nicht, kann natürlich nicht festgestellt werden— eine Verwechselung mit der Sozialdemokratie; allein da die Minister nichts von der königlichen Antwort wußten, die ohne Gegenzeichnung geschrieben war, so konnte es ihnen selbstverständlich auch nicht einfallen, die Verwechselung zu rektifiziren. Dagegen war es ihre Sache, zu beweisen, daß sie nicht blos über Sozialdemokraten, sondern auch über Demokraten Herr werden könnten; denn wenn dem König Karl darüber Zweifel aussteigen würden, so wären sie ja die längste Zeit Minister gewesen. Nur so ist es erklärlich, daß das Ministerium nicht blos die freiconservativen Beamten- candidaten eifrigst unterstützte, von denen anzunehmen war, daß sie zwar der Reichsrc gierunz jeden reaktionären Willen thun, in partikularistischen Dingen sich jedoch immer nach Stuttgart richten würden, sondern daß die Regierung auch energisch für jenen Max Römer eintrat, der sie einst bei der preußischen Regierung verklagte, und der dafür im Zollparlament vom Minister Mittnacht selbst so bös heimgeschickt wurde. Heute wandeln Beide Arm in Arm. Man kennt die Stuttgarter Reskripte zur Beeinflussung der Wahlen. Sie thaten ihre Wirkung bis zum letzten Brief- boten und bis zum lebenslänglichen Schultheiß, der im Gefühl seiner patriarchalischen Würde, nicht ahnend, wer hinter ihm stand, in den letzten Tagen den volksparteilichen Ca'ndi- baten ihre Volksversammlungen auszuschellen verbot. Die Stuttgarter Minister haben offenbar das württembergische Vaterland gerettet; auf wie lange, das mögen die Herren ab- warten." Also nur aus Jrrthum, aus Verwechselung mit der Sozial- demokratie, und weil die Minister den königlichen Jrrthum nicht rektifiziren durften ist die„Demokratie"(die„Frank- furter Zeitung" hat in richtiger Selbsterkenntniß die Gänsefüßchen selbst schon besorgt) verfolgt worden. Und welche Verfolgung!!! Ein paar Versammlungen durften nicht aus geschellt werden. Sonst hat man von Verfolgungen der unschuldigen„Demokratie" nicht viel gehört, und auch die„Schlacht- und Triumphberichte" des Herrn Otto Götsch, die er aus Württemberg vor der Wahl der„Frankfurter Zeitung" höchsteigenhändigst eingesandt hat, deuten keine Verfolgungen, sondern vielmehr die Unterstützung der„demokratischen" Candidaten seitens der Ortsbehörden und Bourgeois an. Doch nun zu einigen erquicklicheren Berichten. Die„Dres- dener Correspondenz" schreibt: „Wie die Dinge wirklich sind, weiß Niemand. Man kann nur darüber reden, wie sie aussehen. Diese triviale Wahrheit wird unS durch das Verhalten der liberalen Blätter einerseits und der dortigen Offiziösen andererseits wieder einmal in Erinnerung gebracht. Während die ersteren den Berliner Wahl- kämpf vom 30. Juli als eine Niederlage der Sozialdemokratie feiern, nehmen die letzteren, namentlich die„Post", keinen An- stand, die Sozialisten für die Sieger in diesem Ringen zu erklären. Dieser eklatante Widerspruch, wo es sich um eine hinlänglich bekannte Thatsache handelt, läßt sich offenbar nrr aus der Verschiedenheit des Maßstabes erklären, der an diese Thatsache angelegt wird. Wenn man sich mit rein äußerlichen Resultaten begnügen will, wie die Liberalen thun, dann wird man allerdings zugeben müssen, daß die Letzteren gesiegt haben. Geht man der Sache aber näher auf den Grund, wie die„Post" in diesem Falle zu thun sich bemüht, dann gewinnt die Sache allerdings ein wesentlich verändertes ansehen. Die Sozialdemo- kraten sind in Berlin geschlagen worden, aber nicht weil der Abfall in ihren Reihen eingerissen wäre, sondern lediglich weil die gegnerischen Parteien diesmal eine außerordentliche Kraft- anstrengung gemacht haben, von der eS sehr zweifelhaft ist, ob sie sich unter weniger günstigen Verhältnissen wird wiederholen lassen, während die Sozialdemo- kratie in einer Lage, wie sie schwieriger nicht gedacht werden kann, einen bedeutenden Zuwachs aufzu- weisen hat." Das nennt man doch noch ein Urtheil. Und nun die„Bos- fische Zeitung": „Zwar haben dieseSnial überwältigende Mehrheiten die Zahl der sozialdemokratischen Reichstagsabgcordneten bis auf wenige Sitze heruntergebracht, allein bei der Gesammtabwägung der Parteiverhältnisse gegeneinander wird die Sozialdemokratie auf ihre Schaaren pochen können, wie sie denselben in den fünf Wahlen seit 1867 in Berlin ein Wachsthum in starken Sprüngen von 69 auf 56,336 Stimmen vorhält. Die vielen der Sozial- demokratie noch offen stehenden Stichwahlen, die anderen, bei denen die Entscheidung von ihr abhängt, lassen erkennen, daß sie durch die Attentate auf den Kaiser weniger als die libe- ralen Parteien getroffen ist und bei einigem Erkalten des Wahleifers mehr als die verlorenen Mandate zu er- ringen vermöchte." Sehr kaltes Urtheil, und ein sehr weises! Die Liberalen sind durch Hödel und Nobiling mehr getroffen, als die Sozial- demokraten! Wir freuen uns dessen— die Liberalen haben es verdient, daß sie mit den Kaisermördern zusammengeworfen worden sind in allen conservativen Provinzen des deutschen Reichs, sie haben es deshalb verdient, weil sie es vorzugsweise waren, die uns der Complicenschaft verdächtigten. „Wer Anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!" Und nun zum Schluß. Sollen wir uns selbst loben? Es ist wahrlich nicht nöthig. In ganz Deutschland hat man das Militär conzentrirt, um am Wahltage den Sozialdemokraten den Saraus machen zu können. Das arbeitende Volk blieb ruhig, es wollte der deutschen Bour- geoisie den gehofften Sieg nicht so leichten Kaufs lassen, es wollte der Reaktion keinen Triumph bereiten. Aufklärung, Aufklärung, immer weitere Ausklärung ist unsere Parole. Das Volk muß einmüthig erkennen, daß die Be- drückungen der Bourgeoisie und der Reaktion aufhören müssen, dann hören dieselben auch auf ohne Barrikadenkampf, ohne blutige Revolution. Und nun die Ausnahmegesetze gegen uns, die sicherlich kommen werden? Antwort: Die einzelnen Parteigenossen können dadurch getroffen werden, die Gesammtpartei niemals. Ja, noch mehr: Die Ausnahmegesetze sind die Brücke, über welche wir zum Siege schreiten! � Offizielle Wahlresultate. Berlin: I. Most 2121, Hacnel(fortschr.) 8976, Moltke(cons.) 2812, Bierberg(Handwerkerp.) 121, v. Schorlemer-Alst(ultr.) 193. II. Baumann 7583, vr. Falk(cons.) 5020, Klotz(fortschr.) 15,730, v. Schorlemer-Alst(ultr.) 241, Graf Moltke(cons.) 148, Bierberg 77, Stöcker(christl.-soz.) 7. III. Rackow 6914, v. Saucken(fortschr.) 12,535, Vollgold (freie.) 1235, Bernsdorff 269, v. Schorlemer-Alst(ultr.) 230, Bierberg 114. IV. Fritzsche 20,224, Zelle(fortschr.) 16.646, vr. Falk (cons.) 3001, Grüneberg(christl.-soz.) 334, v. Schorlemer-Alst (ultr.) 311, Bierberg 49. V. O. Kapell 3615, Zimmermann(forls.) 10.265, Schwarz- kopff(cons.) 1260, v. Schorlemer-Alst(ultr.) 182. VI. Hasenclever 15,690, Stöcker(chrifil.-soz.) 818, Klotz (fortsch.) 20,909, Hoppe 639, v. Schorlemer-Atst(ultr.) 250, Bierberg 31. Forchheim: Grillenberger 119, Walter(ultr.) 6063, Hohenlohe(freicons.) 5528, Herz(fortsch.) 728, Ott(deutschcons.) 919. Kronach: Grillenberger 226, v. Lerchenfeld(freicons.) 7504, vr. Frank(ultr.) 5621, Sonnemann 17, Luthardt 16. Gotha: Bock 3513, v. Holtzendorff(freicons.) 5344, Müller n7480, Windthorst(ultr.) 8. unzlau: Kräckcr 36, vr. Falk(cons.) 4672, v. d. Recke- Volmerstein(cons.) 1238, Graf Stollberg(ultr.) 740. Hamburg: 1. Geib 10,491, Möring(nat.-lib.) 12,695, Tesdorpf(cons.) 709. II. Hartmann 12,447, Bauer(nat.-lib.) 13,352. III. Breuel 6691, vr. Wolffson(nat.-lib.) 14.983. p -Lübeck: Schwarz 1600, vr. Klugmann(nat.-lib.) 6000. Bremen: Frick 6300, Mösle(nat.-lib.>-l4,000. Hagen: Hasselmann 558, Bueck(cons.) 8776, Eug. Richter (forts.) 8273, Reichcnsperger(ultr.) 1882. Bielefeld: Pfannkuch 823, v. Borries-Eckendorf(l.) 4126, Marcard(Centr.) 10,600. Hanau: Frohme 5351, v. Trott(cons.) 4476, Dr. Weigel (n.-l.) 8559. Würzburg: Grillenberger 1331, Geiß(Dem.) 448, v. Zu Rhein(ultr.) 5855, Neidert(l.) 3540. Augsburg: Most 1329, Fischer(n.-l.) 6222, Dr. Freitag (ultr.) 12.201. München I: Dr. Hacker 1997, Stauffenberg(n.-l.) 6535, Ruppert(ultr.) 5032, Beer 530. München U: Kiefer 3252, Westermeyer(ultr.) 13,404, Schleer(n.-l.) 7557, Bauer 306. Landshut: Dr. Hacker 136, v. Orb(Centr.) 9944, Keller (l.) 2010. Altenburg: Stolle 3652, Findeisen(cons.) 13,404, Oppen- heim(Bolksp.) 1433. Kottbus: O. Kapell 1242, v. Bärensprung(cons.) 6531, Frommer(fortsch.) 4876. Reichenbach-Neurode: Aug. Kapell 2892, Dr. Friedenthal (cons.) 8419, Franz(ult.) 5361. Halberstadt: Dr. Stamm 1906, v. Bernuth(nat.-lib.) 12,642, v. Blumenthal(cons.) 4448, Schorlemer(ultr.) 296. Weißenfels: Liebknecht 2142, v. Wurmb(cons.) 6319, Findel(fortsch.) 1550, Windthorst(ult.) 51. Frankfurt a. d. O.: Dolinski 1325, v. Schorlemer(ultr.), 157, v. Rosenstiel(cons.) 8617, Struve(n.-l.) 8082. Teltow-Beeskow- Storkow: Schweppendiek 4753, Graf Mottle(cons.) 9866, Wollmer(n.-l.) 6606, Kiepert 2547, Müller 401, v. Schorlemer(ult.) III. Dortmund: Tölcke 2057, Berger(Gruppist) 17134, Schröder (ult.) 8775, v. Bodelschwingh 974, Crone(fortsch.) 631. Magdeburg: Bracke 6253, Unruh(n.-l.) 12,173, Graf Mottle (cons.) 617, Majunke(ultr.) 243, Träger(fortsch.) 4. Braunschweig(Stadt): Bracke 6596, Bode(nat.-lib.) 6369. Wolfenbüttel: Bracke 819. Kuntzen 12,227. Hannover: Fritzsche 6588, v. Brüel(Part.) 11,125, Ben- nigsen 6033, Bruenneck(cons.) 837, Träger(forlsch.) 210. Breslau II: Kräcker 6412, Bürgers 7941. Sorau: O. Kapell 2500, Schön(cons.) 5712, Beisert 3119, Graf Brühl(ult.) 1500, Saalborn(christl.-soz.) 900. Offenbach: Liebknecht 5557, Dernburg(nat.-lib.) 8014, Wasserburg(ultr.) 3793, Flinsch(fortsch.) 882. Mainz: Liebknecht 3098, Reuleaux(nat.-lib.) 7293, Moufang (ultr.) 6978, Guido Weiß(Bolksp.) 919. Barmen-Elberfeld: Hasselmann 11,443, Prell(nat.-lib.) 7189, Aegydi(fortschr.) 6209, Schorlemer(ultr.) 3057. Solingen: Rittinghausen 5077, Melbeck(n.-l.) 6335. 3. Schlesw.-Holstein. Wahlkreis: Heintzel 540, Dr. Meyer (fortsch.) 8372, Bockelmann(freicons.) 4346. 4. do.: Hasenclever 129, Dr. Wachs(n.-l.) 6192, Blescken (cons.) 1779, Krüger(Däne) 1751, G. Weiß(Bolksp.) 139. 5. do.: Walther 3206, Hall(n.-l.) 8224, Bürens(Landesp.) 2258, Heintze(cons.) 279. 6. do.(Ottensen): Stöhr 5452, Beseler(n.-l.) 8628, Selig (fortsch.) 4337. 7. do.(Kiel): Oldenburg 7160, Krah 3711, Hänel(fortsch.) 11,713. 8. do.(Altona): Praast 11,662, Karsten(fortsch.) 10,665, Meier(cons.) 2824. 9. do.: Reimers 804, Grs. Holstein(sr.-cons.) 11,962. In Sachsen: 1. Wahlkreis(Zittau): Freytag 1921, Dr. Rentzsch(n.-l.) 5596, Graf Stolberg-Brauna(ult.) 307. 2.(Löbau): Keller 50, Grützner(cons.) 6923, Frühauf (n.-l.) 3567. 3.(Bautzen): Keller 864, Reich(cons.) 6603, Dr. Minkwitz (fortsch.) 2811, Graf Stolberg(ult.) 1488. 4.(Dresden-Neustadt): Liebknecht 7358, von Schwarze (fr.- cons.) 8080. 5.(Dresden-Altstadt): Bebel 9885, Frhr. v. Friesen(coch.) 7266, Walther(fortsch.) 5410. 6.(Dresden-Land): Boll mar 5007, Ackermann(cons.) 8088. Uebersicht der Volksbewegungen im 19. Jahr- hundert. (Fortsetzung.) IV. Emporstreben des vierten Standes. Als im 12. u. 13. Jahrhundert die ritterliche Aristokratie kaum begründet war, so Not das Bürgerthum in einzelnen Städten und Städtebünden als ihr Nebenbuhler auf, mit nur vereinzelten Erfolgen. Es dauerte noch Jahrhunderte, ehe der Bürgerstand sich in größeren Staaten als eine politisch berechtigte Macht geltend machen konnte. Noch ist er nicht überall hierzu gelangt, und schon hebt sich gegen ihn, grade so wie Er einst gegen den Ritterstand, sein natürlicher Neider; der vierte Stand schiebt aufwärts sich gleich zu stellen mit dem dritten, und mit ihm ge- meinsam die oberen Stände und selbst die fürstliche Gewalt ab- zuwerfen. Wird auch dies nur eine vorübergehende Zuckung sein, wie die städtffchen Bewegungen im 13. Jahrhundert, wie die Jacquerie und die Bauernkriege? Wird auch der vierte Stand noch der Jahrhunderte bedürfen zu seiner politischen Be- deutung und Berechtigung wie einst das Bürgerthum? Aber die Bewegung dieser Zeiten ist nicht veranlaßt, wie die genannten, durch vereinzelten Druck und Elend, sondern sie ist die Folge einer allgemeinen Idee. Seit die Theile der Welt sich so nahe gerückt sind, daß man sich überall der Rolle bewußt geworden ist, die der europäische Stamm der übrigen Menschheit gegenüber spielt, hat der Menschenwerth eine ganz andere Bedeutung er- halten; die Europäer sind wie eine gemeinsame Aristokratie, die ihre Herrschaft über alle Welttheile breitet, und in dieser Gesell- schaft will der unterste Mann als ein Gleicher mitzählen, weil er zu dieser Ausbreitung mehr gesteuert hat als jeder andere; er hat die Menschen dazu geliefert und die Mittel des Handels beschafft. Hier liegt die Berechtigung zu seinen gegenwärtigen Strebungen. Und alle Vergangenheit und Gegenwart haben diesen Strebungen auf der einen Seite die Schwierigkeiten weggeräumt, auf der anderen aber wirkende Kräfte verliehen in einem Maße, das dem Widerstande alle Stützen zerbricht. Seit vielen Jahrhunderten, haben wir gesehen, arbeitete alle Geschichte auf die größere Gleichheit der Menschen und der Verhältnisse hin. Der Waffenadel zerstörte seine eigene Macht in den Kreuz- zügen und in den heimischen Bürgerkriegen der späteren Zeiten. Die geistliche Aristokratie verschwand in den protestantischen Landen, wo der Geistliche Bürger mit dem Bürger ward. Die Absolutie. die Bedeutung der Rechtsgelehrten, das Pedürfniß geistiger Fähigkeiten für die verwickelteren Geschäfte der neueren Staaten halfen die Gleichmachung der Gesellschaft zu fördern. Die veränderte Kriegskunst gab dem gemeinen Manne eine größere Bedeutung. Die Entdeckung der neuen Welt, Handel und Schiff- fahrt kamen dem Bürgerthume ausschließlich zu Gute. In ihm 7.(Meißen): Nauort 4006, Prof. Richter(cons.) 8619. 8.(Pirna): Peters...., Amtshauptm. v. Ehrenstein(cons.) 4016, Eysoldt(fortsch.) 4123. 9.(Freiberg): Kayser 6127, Penzig(n.-l.) 4435, v. Oehl- schlägel(cons.) 3328. 10.(Döbeln): Burckhardt 5028, Schaffrath(fortsch.) 6444. 11.-Würzen): Hadlich 1542, Günther(jr.-cons.) 8304, Hirsch(fortsch.) 1432. 12.(Leipzig-Stadt): Bebel 5822, Dr. Stephan!(n.-l.) 11,940, Dr. Heine(fortsch.) 2361. 13.(Leipzig-Land): Ramm 11,253, Dietze(cons.) 13,372. 14.(Borna): Geiser 4954, Dr. Frege(cons.) 6823, Jerr- mann(n.-l.) 2074. 15.(Mittweida): Bahlteich 6013, Gensel(n.-l.) 4384, Böttcher(cons.) 4093. 16.(Chemnitz): Most 9899, Bopel(n.-l.) 13,842. 17.(Glauchau): Bracke 1V578, Birnbaum(n.-l.) 8650. 18.(Zwickau): Motteler 10,135, Streit(n.-l.) 11,623. 19.(Stollberg): Liebknecht 7906, Löwe(fortsch.) 7101. 20.(Marienberg): Wiemer 4725, Brockhaus(n.-l.) 3084, Mangoldt(cons.) 3650. 21.(Annaberg): Wiemer 2437, Holtzmann(N.-L.) 5412. 22.(Reichenbach): Auer 7011, Schmiedel(cons.) 4976, Dietel 594, Opitz 1626. 23.(Plauen): Burckhardt 3747, Landtmann(n.-l.) 4204, Meusel(cons.) 4010, Werner 554. Sozialpolitische Uebersicht. — Wahlergebniß. Der nationalliberalen„Kölnischen Zeitung" entnehmen wir folgenden vorläufigen, natürlich etwas einseitig gefärbten Wahlbericht: Nationalliberal gewählt haben die freien Reichsstädte Bremen, Hamburg und Lübeck, welche 5 Vertreter in den Reichstag ent- senden. In der Provinz Hannover tritt diesmal das BZelfen- thum wieder stärker hervor; im übrigen sind in Hannover gewählt 6 Nationalliberale und 6 Welsen, in 6 Wahlkreisen ist Stichwahl nöthig, bei denen 5 Nationalliberale, 4 Welsen, 2 Conservative bezw. Freiconservative und 1 Sozialdemokrat betheiligt sind. Schleswig-Holstein-Lauenburg entsendet 3 Nationalliberale, 2 Eon- servatioe, 2 Fortschrittler und 1 Däne; in Altona und Pinne- berg findet Stichwahl zwischen 1 Nationalliberalen, 1 Fort- schrtttler und 2 Sozialdemokraten statt. Günstig für die Eon- servativen lauten die Wahlergebnisse aus der Provinz Preußen. Gewählt wurden 13 Deutschconservative, 2 Freiconservative, 1 Nationalliberaler, 1 Ultramontaner, 1 Pole; zu Stichwahlen kommt es in fünf Kreisen. Pommern hat conservativ gewählt, der einzige Kreis, deren Ergebniß noch nicht bekannt ist, wird vermuthlich den Freiconservativen verbleiben, die National- liberalen wurden aus drei Kreisen verdrängt; im Ganzen wählte Pommern 10 Deutschconservative und 2 Freiconservative, nur in Stettin wird der nationalliberale Candidat Th. Schmidt, der mit dem Minister Delbrück in engerer Wahl steht, gewählt werden. Aus der Provinz Brandenburg fehlen noch die Nachrichten aus 4 Kreisen, in denen sich die liberalen und conservativen Can- didatcn die Wage halten; gewählt sind 6 Fortschrittler, 9 Eon- scrvative, 2 Freiconservative; in 5 Wahlkreisen kommt es zu Stichwahlen zwischen 2 Nationalliberalen, 2 Freiconservativen, 2 Conservativen, 3 Fortschrittlern und 1 Sozialdemokraten. In Polen sind gewählt 9 Polen, 3 Freiconservative, 1 Conservativer, 1 Nationalliberaler, und in Bromberg kommt es zur Stichwahl zwischen einem Conservativen und einem Polen. In Schlesien ist das Ergebniß von 3 Kreisen noch unbekannt; gewählt wurden bis jetzt 9 Freiconservative, 11 Ultramontane, 2 Stationalliberale und 3 Conservative; an 6 Stichwahlen find betheiligt 6 National- liberale, 3 Conservative, 1 Fortschrittler und 2 Sozialdemokraten. Aus der Provinz Sachsen fehlt nur noch der Wahlkreis Torgau, die übrigeu wählten 9 Nationalliberale, 3 Conservative, 4 Frei- conservative, 1 Ultramontanen; zur Stichwahl kommt es in zwei Kreisen zwischen 2 Nationalliberalen, 1 Conservativen und 1 Frei- conservativen. In Westfalen wurden gewählt 8 Ultramontane, und in dem Königthume liegt heute die beste Kraft des Wider- standcs gegen den Andrang der unteren Klassen. Aber die monarchische Gewalt hat seit den Zeiten der französischen Um- wälzung ihren Zauber eingebüßt. In ihrer personellen Vertretung ist kaum eine Aussicht auf neue Kräftigung. Selbst in den unumschränkt regierten Staaten scheint das, was Jakob I. das Königshandwerk nannte, verlernt. Das Bürger- thum aber hat sich selten zur politischen Herrschaft besonders befähigt erwiesen. Es hat weder körperschaftlich den Ehrgeiz, noch geschäftlich die Muße, den Hang, die Gewöhnung, sich als einen politischen Stand in starker Gewalt zu behaupten. Dazu kommt, daß es von dem vierten Stande ganz anders abhängig und durch eine kleinere Kluft getrennt ist, als der Adel einst vom Bürgerthume war. Sind so die Stände, die politischen Gewalten und Formen ein geringes Hemmniß gegen die demokratischen Bestrebungen der Zeit, so ist dagegen die höchste Ermunterung für sie gelegen in den Beispielen, die in den bestehenden Staaten und Staats- formen gegeben sind. Drei große Reiche wetteifern unter den ungleichsten Verfassungen an gleicher Macht. Die Absolutie in Rußland hat den allgemeinen Haß der gebildeten Welt gegen sich. Der Constitutionalismus in England liegt für die meisten Staaten jenseits aller Erreichbarkeit. Die demokratische Verfassung Amerika's aber ist das Vorbild und� die Vorliebe der großen Massen. Dieser Staat war im Westen unmerklich entstanden und emporgekommen gleichzeitig wie Rußland im Osten anwuchs, en war gleichzeitig mit Rußland in die Geschichte bedeutungs- voller eingetreten, er hatte, als Napoleon Rußland auf seine Höhe trieb, von diesem die Möglichkeit erkauft, auf größerem Gebiete eine stärkere Macht zu entsalten, und dem dynastisch- despotischen Einfluffe Rußlands einen volksthümlichen entgegen zu stellen. Der Anblick dieses rasch aufschießenden, freien, glück- lichen Staates ohne König, Adel und geistlichen Stand, war von einem wunderbaren Reize grade für die Völker. Und eben dieser Staat allein übt grade auf die Völker eine so wenig beachtete, wie gewaltig wirkende, unhemmbare und unmittelbare Einwirkung aus. Sein Glück zieht die der alten Verhältnisse Müden aus Europa massenweise an, und in dem umfaffendsten Verkehre dringen die Berichte und Ideen, nicht der verunglückten, sondern nur der gedeihenden Auswanderer mitten in die unteren Schichten der Gesellschaft ein. Zu dieser nie recht gewürdigten Propaganda kommen die Wirkungen der Literatur hinzu, die in allen Theilen Europa's gleichmäßig demokratisirt ist; ein zablreickes Proletariat der gebildeten Klassen, das vom literarischen Tagwerke lebt, reicht in gleichem Sinne den unteren Ständen die Hand zu dem gleichen Werke. Und ferner bilden die vom Desponsmu- Ver- triebenen, die heimathlosen Polen, Ungarn, Italiener eine weitere geordnete Propaganda. Ihre Grundsätze, wie aristokratisch die Führer sein mögen, sind nothwendig demokratisch, weil sie der Masten bedürfen und einen Mittelstand zu Hause nicht kennen; 2 Conservative, 2 Gruppe Löwe-Berzer, 1 Liberaler(Süß) und ) zur Stichwahl kommt es in 4 Kreisen zwischen 7 Liberalen ver- schiedener Anschauung und 1 Ultramontanen. Die Rheinprovinz - wählte 28 Ultramontane, 4 Nationalliberale und 1 Freiconser- vativen; an 3 engeren Wahlen find betheiligt 3 Nationalliberale, . 1 Conservativer und 2 Sozialdemokraten. Die Provinz Hesten- , Nassau wählte 5 Nationalliberale, 2 Fortschrittler, 2 Ultramon- tane und 1 Freiconservativen. In 4 engeren Wahlen stehen sich , gegenüber 4 Nationalliberale, 1 Conservativer, 1 Freiconservativer und 2 Sozialdemokraten. Die beiden Mecklenburg wählten 1 Conservativen, 4 Nationalliberale und 2 Fortschrittler, Olden- - bürg 2 Nationalliberale und 1 Ultramontanen, Braunschweig 3 Nationalliberale, die kleinen mitteldeutschen Staaten, von denen , noch 2 Wahlkreise ausstehen, 10 Nationalliberale, 4 Freiconser- vative und den Staatsminister a. D. Delbrück. Im Königreiche Sachsen wurden gewählt: 4 Nationalliberale, 3 Sozialdemokraten, 1 Conservativer, 5 Freiconservative und 2 Fortschrittler. Zu Stichwahlen kommt es in 5 Kreisen zwischen 3 Nationalliberalen, 2 Conservativen und 5 Sozialdemokraten. Von 48 baierischen � Kreisen stehen noch 9 aus, die jedoch mit etwa 2 Ausnahmen dem Centrum zufallen werden; gewählt wurden bis jetzt 10 Nationalliberale, 23 Ultramontane, 1 Freiconservativer und 2 Fortschrittler(Gruppe Löwe). In 3 Stichwahlen stehen fich gegenüber 3 Nationalliberale, 2 Ultramontane und 1 Demokrat. Im Königreich Würtemberg wurden gewählt 9 Freiconservative, 2 Nationalliberale, 3 Ultramontane und 1 Fortschrittler; in 2 engeren Wahlen bekämpfen sich 2 Nationalliberale, 1 Fort- schrittler und ein Anhänger der württembergischen Volkspartei. Das Großherzogthum Baden entsendet in den Reichstag 7 Nationalliberale und 3 Ultramontane, in 4 engeren Wahlen be- kämpfen sich 4 Nationalliberale, 3 Conservative und 1 Demokrat. Im Großherzogthum Hesten wurden gewählt 5 Nationalliberale und 1 Fortschrittler. In 3 engeren Wahlen stehen sich gegen- über 3 Nationalliberale, 1 Ultramontaner, 1 Fortschrittler und 1 Sozialdemokrat. Elsaß-Lothringen wählte 11 Protestlcr bezw. Ultramontane, 3 Autonomisten und in einer engeren Stichwahl ringt zum ersten Mal ein Reichstreuer, Kreisdirektor v. Stichaner, mit einem Protestler um das Reichstägsmandat. — Wahlprotest. Eine Versammlung von sozialdemo- kratischen Vertrauensmännern im sechsten Berliner Reichstags- kreise hat beschlossen, wegen der massenhaft vorgekommenen Verstöße gegen das Wahlgesetz und Wahlreglement gegen die Wahl Klotz's bei dem Reichstage Protest zu erheben. — Junker Bismarck. Die„Mazdeburgische Zeitung" schreibt:„Der Sohn des Kanzlers ist dem liberalen Abgeord- neten Dr. Hammacher unterlegen. Auch unsere lauenburgische Bevölkerung hat gezeigt, daß sie keine Regierungscandidaten, keine Schützlinge der Junker vom Schlage des Herrn v. Schräder und der Landvögte und Gendarmen will."— Wer hätte noch vor drei Monaten eine solche Sprache in einem libe- ralen Blatts für möglich gehalten? — Daß die deutschen Kriegervereine in dem Cultur- kämpfe gegen die Sozialisten schon seit langem benutzt werden, ist bekannt; ebenso bekannt ist aber auch, daß sehr viele Mit- glieder der Kriegervereine gute Sozialisten sind und ganze Bereine sich durchaus nicht mit Politik befassen. Einen weiteren Beleg dafür bringt die Nr. 31 der„Deutschen Kriegerztg.- vom 1. August, wo der Präsident des Kriegervereins der Division Kummer Protest gegen seine Unterschrift auf dem Wahlaufrufe der conservativen Partei erhebt. Die Correspondenz lautet: „Berlin, den 29. Juli 1878. Ein Flugblatt„An die Eon- servativen der Hauptstadt", welches vorige Woche erschien, wies unter anderen Unterschriften auch folgende auf:„C. Sievert, Baumeister, Vorsitzender des Vereins der ehemaligen Division Kummer." So hätte ich ungefähr gezeichnet, wenn ich meine Unterschrist dazu gegeben hätte. Ich bin indeß ein entschiedener Gegner vom Politiktreiben sie sind von aller Rücksicht losgesagt und mit allen Rechts- und Rücksichtslosen in einem weltbürgerlichen Bunde, wie einst die Jesuiten, aber für eine aufgehende, nicht für eine untergehende, für eine volksthümliche, nicht für eine despotische Sache. Gegen diese vereinigte Gewalt gleichmäßiger, unfaßbarer politischer Ein- Wirkungen hat die monarchische Politik der Erhaltung auf dem Gebiete geistiger Einflüsse nichts zu stellen, als einen einfluß- losen, abhängigen Theil der Presse. Die ständischen Bersamm- lungen, von wo aus allein ein praktisch-politischer Sinn hätte gebildet werden können, wurden unterdrückt und untergraben, und haben auch, wo sie zum Scheine bestehen blieben, weil sie nur zum Scheine bestehen, Vertrauen und Wirksamkeit verloren. Das Feld ist daher den demokratischen Grundsätzen frei gegeben. Sie schreiten auf jedem Wege vor, auf dem gewaltsamen der Revolution, wo sie in den Lehren der Sozialisten die furcht- barsten Loosworte agrarischer Gesetze erhalten haben; noch wirk- samer aber aus dem stillen Wege der untergrabenden Gewalt der Ideen und Sitten. Die Vorstellungen� werden mehr und mehr von ihnen angesteckt, die Bräuche umgestaltet, die politischen Meinungen und Handlungen der Einzelnen und der Regierungen, selbst derer, die sich dawider sträuben, sind davon beherrscht. Die Beweglichkeit des Besitzes, die gleiche Erbtheilung, die ge- meinsame Schule, die leichten Verkehrsmittel, Alles wirkt auf die Annäherung der Stände; die verschiedensten Eigenschaften und Leidenschaften der Menschen vereinigen sich gleichsam, um dem untersten Stande emporzuhelfen. Die Mittelmäßigkeit der literarischen Erzeugnisse, eine Folge des ausgedehnteren geistigen Bedürfnisses, verschleift die Talente der Schreiber und zugleich die Klassen der Leser. Luxus und Genußsucht stacheln die Armen sich den Reichen gleich zu stellen. Die Bosheit hat den Er- Haltungsmännern*) den Rath eingeblasen, dem Proletariat gegen das Bürgerthum die Hand zu reichen, und wieder hat die Gut- müthigkeit der Menschen auf Tausend Wegen gesorgt, das untere Volk zu erleichtern und zu beben: durch Sonntagsschulen und Bewahranstalten, durch Sparkassen und Armengesetze. Die Emanzipation aller Gedrückten und Leidenden ist der Ruf des Jahrhunderts, und die Gewalt dieser Ideen ist in der Abstellung von Servituten und Frohnden in Europa und in der Befreiung der Sklaven Westindiens über mächtige Interessen und ein- gewurzelte Zustände Sieger geworden. Dies ist der große Zug der Zeit. Die Stärke des Glaubens und der Ueberzeugungen, die Macht des Gedankens, die Kraft der Entschlüsse, die Klar- heit des Ziels, die Ausdauer der Hingebung ist in dem Volks- thümlichen Lager, Alles was einer geschichtlichen Bewegung den providentiellen Charakter, den Charakter der Unwider- stehlichkeit giebt. *) Conservativen. (Schluß folgt.) ber deutschen Kriegervereine als solche, ds es unmöglich zu etwas Gutem führen kann, wenn wir den schönen Boden, auf dem wir fußen, verlassen, um uns wider das Gesetz aufzulehnen, welches uns nicht als politische Vereine anerkennt. Es müßte sich über kurz oder lang sehr an uns rächen, wenn wir unsere Aufgabe wicht dahin auffassen, daß es wohl unsere wahrhaft schöne Auf- 'gäbe sein soll, die Liebe für Kaiser, König und Vaterland zu hegen und zu pflegen und darin ein Vorbild zu sein den Mit- bürgern, daß wir aber nicht zugleich das böse Beispiel der Gesctzesnichtachtung geben dürfen, um diesen Zweck zu erfüllen. Anläßlich jenes oben erwähnten Flugblattes wurde ich von Kameraden hiesiger Vereine um eine Erklärung betreffs meiner Unterzeichnung angegangen und ersucht, dieselbe möglichst öffent- lich zu machen, da viele Kameraden durch jene Unterschrift irre an mir geworden seien. Ich bitte deshalb, diesen Brief in der.Deutschen Krieger- Leitung" abdrucken zu lassen mit folgender Erklärung: Ich erkläre hiermit, daß ich es für unstatthaft und ungesetzlich halte, daß deutsche Kriegervereine sich in corpore mit Politik befassen, und demgemäß erkläre ich, daß die im Flugblatt der .Conservativen" vorhandene Unterschrift„C. Sievert, Baumeister, Vorsitzender des Vereins der ehemaligen Division Kummer" nicht von mir herrührt. Sievert." —„Es geschehen Zeichen und Wunder!" Die.Cultur- kämpf- Gesetze" haben bekanntlich allerlei Ausweisungen von Pfäfflein, NSnnlein und allerlei katholischen Leutchen verfügt. Diese durch das Gesetz.Ausgewiesenen" müssen doch unmora- lische oder wenigstens unserem Vaterlande schädliche Menschen fein. Sonst dürfte man dieselben doch nicht ausweisen. Nun aber meldet die„Germania":�„Die aus Moselweiß im Regie- rungsbezirk Koblenz ausgewiesenen Salesianerinnen, welche -in dem Schlosse zu Choteschau in Böhmen eine neue Stätte ge- funden und ein Pensionat errichtet haben, wurden vor einigen Tagen freudigst überrascht, indem sie von der Kaiserin Augusta einen werthvollen Weihwasserkessel als Andenken übersendet er- hielten."— Wir aber fragen, da wir uns nicht in Unannehm- Zlichkeiten stürzen wollen, einfach:„Wie reimt sich das zu- sammen?" — Wie die reichstreuen Wahlen gemacht werden, zeigt folgende „Bekanntmachung! Bezugnehmend auf den Wahlaufruf der reichstreuen Partei, wonach H. Geh. Oberbergrath Pfähler als Wahlcandidat aufgestellt ist, habe ich an die Herren Beamten und Arbeiter meines Dienstkreises folgende Worte zu richten: Das Resultat der bevorstehenden Wahlen wird zeigen, wer zu Kaiser und Reich hält, oder wer in unpatriotischer Verblendung auf Seiten reichsfeindlicher Unzufriedener, wahnsinniger Sozialdemokraten und verruchter Attentäter steht. Es ist heute unerläßliche Pflicht eines jeden Wahlberechtigten, seine Stimme abzugeben, denn wer nicht für die Regierung, ist gegen sie. und ist nicht Werth, deren Brod zu essen. Wer nicht an der Wahlurne erscheint, kann dies nicht verheimlichen und werde ich die zweifelhafte Ehre, Vorgesetzter solcher Individuen zu sein, sehr vald abzuschütteln wissen. Königl. Eisenbahn-Weikstätte Saarbrücken. (gez�) Neppily, Maschinenmeister." Der letzte Satz ist natürlich ein Wink mit dem Zaunpfahl— entweder friß oder stirb, Bogel!— Natürlich müssen die Ar- b-iter wählen, wie der Herr Niaschinenmeister will, denn an der Wahlurne sitzen die Genossen des Obigen und wer weiß, was an der Wahlurne noch Alles Passirt. Hoch das freie Wahl- recht! — Bezüglich der Maßregelung Samter's erläßt die Lotterie- General-Direktion jetzt folgende Berichtigung:.In der„Königs- bcrger Hartung'schen Zeitung" vom 31. v. M. hat der frühere königl. Lotterie-Einnehmer Samter zu Königsberg die erfolgte Lösung der zwischen der Lotterie-General-Direktion und ihm be- standeuen Geschäftsverbindung mit der thatsächlichen Bemerkung veröffentlicht, daß der Grund zu dieser Lösung seine literarische Thät'gkeit und ein an I. Dietzgen von ihm gerichteter Brief gewesen sei. Diese Bemerkung ist unrichtig, indem die vornehmlich entscheidenden Gründe zu der dem Samter widerfahrenen Ent- ziehung seiner Lotterie- Einnahme nicht in den von ihm bezeich- neten, sondern in anderen Vorgängen beruht haben und jene ersteren Vorgänge von nur untergeorvneter und ganz beiläufiger Bedeutung gewesen sind."— Wo sind denn die Gründe zur Maßregelung? Die ganze Berichtigung ist ja sonst fauler Zauber. — Die Gesellschaft ist wieder einmal gerettet!— Wie bekannt, haben die Straßburger Behörden die Lorbeern ihrer Berliner Tollegen nicht schlafen lassen! Nachdem vor ca. sechs Wochen den sozialistischen Zeitschriften der Eingang in's Elsaß versagt worden, hat heute das hiesige Bezirkspräsidium den„Verein der Schuhmacher für Statistik" aufgelöst. Schon einige Tage vorher waren Mitglieder vor dem Richterstuhl der heiligen Hermandad geladen und inquirirt worden; heute— welch' prompte Justiz! schon wurde dem Vorsitzenden die Auflösungsurkunde zugestellt. Dieselbe lautet dahin, daß der Berein entgegen seinen Statuten sozialdemokratische Ziele verfolgt hätte u. s. w. Aus irgend eine Begründung dieses un- geheuerlichen Erlasses läßt sich n itürlich das wohllöbliche Bezirks- Präsidium nicht ein; was braucht es auch zu beweisen, daß der Berein wirklich sozialdemokratischen Bestrebungen gehuldigt; der bloße Verdacht ,st schon Grund genug. Natürlich ,st von unserer Seite der Rekurs an das Oberpräfidium genommen, obwohl wir uns davon nicht viel versprechen. Mögen unsere„Gesetzes- Wächter" nur noch recht oft den Sozialismus in Straß- bürg vernichten und die Gesellschaft retten— die nächsten Wahlen werden ihnen dann beweisen, welch' treffliche Unter- stützung sie dadurch den„bösen" Sozialdemokraten angedeihen lassen. Iladeaot sibi!—(Mögen die„Gesetzeswächter" einst- weilen auf ihren„Lorbeern" ausruhen.) — Die Annektion Bosniens durch Oesterreich geht doch nicht so ruhig ab, wie man anfangs vermuthete; die Türken weichen formell zurück, die muselmännische Bevölkerung be- mächtigt sich der Gewalt, und in der Hauptstadt Serajewo hat man bereits den türkischen Gouverneur fortgejagt, und auch der österreichische Generalconsul mußte das Hasenpanier ergreifen. Ein gewisser Hadschi Loja organisirt den Widerstand, und man vermuthet. daß derselbe von Serbien und Montenegro und selbst der Türkei unterstützt wird. Es ist auch bereits zu blutigen Zusammenstößen gekommen, und auf beiden Seiten sind Todte zu verzeichnen. Oesterreich hat dannt seine Mission, Frieden zu stiften und dem Volke Ruhe und Glück zu bringen, aufs Glän- z-ndste bewährt. Die paar Opfer find des Ländchens schon werth, sind billig— was kommt es auf ein paar Menschen mehr oder weniger an?!-- — Mit Hilfe des Militärs sind die sinkenden Kohlen- arbeiter in Anzin(Frankreich) zu Paaren gctriebeu worden. Ein paar Dutzend der„Rädelsführer" hat man eingesteckt, und weil die Anderen Miene machten, die Jnhaftirten zu befreien, blieb das Militär noch ein bischen da. Die Eingeschüchterten sind wieder eingefahren und Alles ist ruhig.„Der Sozialismus hat allen Boden verloren", melden triumphirend die Organe der „Ordnung". Wir meinen, die französischen Arbeiter fangen viel- mehr nach und nach an, den Sozialismus zu begreifen und Fortschritte in der Erkenntniß desselben zu machen. Daß die französischen Arbeiter sich ihrer deportirten Genossen unwürdig zeigen sollten, dagegen muß entschieden Protest erhoben werden. Wenn die Arbeiter mit Gewalt in ihr Joch zurückgetrieben werden, so ist die ganze Geschichte eben nur eine Frage der Zeit; jedenfalls wird die Zeit auch kommen, wo die Arbeiter die Gewalt in Händen haben. Wie es scheint, meldet der Telegraph aus purer Ironie aber schon wieder einen Strike der Band- wirker und Weber in Commines, wo natürlich auch sogleich mehrere Verhaftungen vorgenommen wurden— um die„Orb- nung", die gar nicht gestört war, herzustellen. Nach diesem Maßstab gemessen, scheint der Sozialismus in Frankreich seinen Boden durchaus nicht verloren zu haben. — Unser amerikanisches Parteiorgan„Der Vorbote" in Chicago wurde unter dem 1. August auf die Dauer von zwei Jahren für das deutsche Reich verboten. Die Nummern 21 und 23 des genannten Blattes hatten ein Mißfallen des deutschen Staatsanwalts erregt und erfolgte eine Verurtheilung wegen beider Nummern. — Das Organ des Renegaten Grüneberg, die „Deutsche Volksmacht" in Berlin, hat aufgehört zu existiren. Es wollte Niemand mehr auf den christlich-fozialen Leim gehen. Comspvndenzeik London, 28. Juli. Je größere Fortschritte wir machen, desto giftiger wird der Geifer, mit dem unsere Gegner uns zu be- lecken suchen, was auch recht ersichtlich ist an den wiederholten Verleumdungen gegen uns. Nur mit Widerwillen muß ich heute wieder einer Sumpfpflanze gedenken, mit der ich glaubte schon in meinem letzten Bericht abgerechnet zu haben, ich meine das „Londoner Journal". Seit Wochen besuchen uns— ohne von uns gestört zu werden— Mouchards(Polizeispitzel). Fürwahr, wir hätten das Recht, dieselben zum Tempel hinauszutreiben, daß sie die Schuhs verlieren, was uns akr bis jetzt noch nicht einfiel. Trotzdem wir mit all unserm Wirken und Beschlüssen das Licht der Oeffentlichkeit nicht scheuen, wagt es das obige Journal doch, uns weiter zu besudeln. Dabei läßt diese Revolver- bände hübsch jeden Namen weg, so daß wir ihr juristisch nicht beikommen können. Der Krug geht jedoch so lange zum Brunnen, bis er bricht. Jene Gegner haben die Lynch gegen uns empfoh- len, sie mögen auf ihrer Hut sein; hier treten wir nicht deutsches Reichspflastcr, hier haben wir in der letzten Zeit bewiesen, daß wir die öffentliche Meinung für uns haben. Was uns entrüstet, das ist die boshafte Gemeinheit, mit der die deutsche Presse den Quark des„Londoner Journals" verarbeitet, und auch nur aus diesem Grunde lassen wir diese Zeilen folgen. Um erbärmliches Judasgeld ist das Blatt in die Hände der sogenannten deutschen .Reichsfreunde" übergegangen und muß natürlich auch mit allen Mitteln für diese arbeiten.— Am 21. Juni haben wir den versammelten hiesigen Arbeitern gezeigt, daß die Gegner gleich Möpsen den Mond anbellen. In einer von ihnen selbst einbe- rufenen öffentlichen Volksversammlung verübten sie argen Unfug. daraufhin wählten wir ein Bureau und hielten die Ordnung aufrecht. Jene verrammelten uns das Licht, wir begnügten uns mit einigen Talglichtern; Jene mietheten sich eine Musikbande, plärrten sich die Kehlen wund an der„Wacht am Rhein" und anderen„patriotischen" Liedern, wir antworteten mit der„Mar- seillaise".— Am letzten Montag, 22. Juli, wurde unserm Wirken die Krone aufgesetzt durch eine große englische Volksversamm- lung im Westende, die von Mr. Moltman Barry präsidirt wurde. Eine Reihe von englischen Rednern legten unter don- nerndem Beifall dar, wie die Sozialisten in Deutschland unter- drückt werden und trotzdem weiter kämpfen. Es wurden die Prinzipien der Sozialisten erläutert und schließlich durch eine Resolution den deurschen Sozialisten die begeistertste Sympathie ausgesprochen. Unsererseits sprachen Mendel und Weber mit großem Beifall.— Und daß es mit unserm Arbeiten nicht allein in unseren Kreisen sein Bewenden hat, davon nur ein Beispiel. Der hiesige communistische Arbeiter-Bildungsverein hat zur Unter- stützung der deutschen Genossen Sammellisten in Umlauf gesetzt. Bis jetzt sind von den Mitgliedern und Freunden 700 Mark aufgebracht worden und wird sich die Summe noch vermehren. Unter den Gebern befinden sich die englischen Parlamentsmit- glieder Joseph Cowen, Thomas Brassey ec., von welchen jeder 42 Mark zeichnete. In der That eine für gewisse Ohren gruseliche Geschichte, im englischen Parlament eine unserer Sammel- listen für die Unterstützung der deutschen Sozialisten und deren Wahl in Umlauf zu setzen. Mr. Moltman Barry hat dieselbe im Parlament eingeführt.— Mit bestem Gruß F. I. Ehrhart. Kannover.(An die Parteigenossen und Wähler des 8. han- novcrschen Wahlkreises.) Die Wahlschlacht ist geschlagen, das Resultat ist Euch bekannt, unser Candidat hat den nationallibe- ralen�Candidaten um 528 Stimmen überholt: es findet jetzt eine Stichwahl zwischen dem Candidaten der Arbeiterpartei F. W. Fritzsche mit 6589 Stimmen(gegen 5604 am 10. Januar 1877) und dem Candidaten der deutsch- hannoverschen Partei, Herrn Geheimrath Bruel mit 11,127 Stimmen(gegen 10,796 am 10. Januar 1877) statt. Die schwerste Arbeit ist also hinter uns; denn, Parteigenossen, durch Euren Muth und Eure Ausdauer ist es uns gelungen, den hervorragendsten Führer der nationalliberalen Partei. Herrn Rudolf v. Bennigsen, mit 6061 Stimmen aus dem Felde zu schlagen(am 10. Januar 1877 erhielt die nationalliberale Partei 6541 Stimmen). Jetzt aber, Männer der Arbeit, gilt»f, das den Gegnern schrittweise abgerungene Terrain auch muthig zu vertheidigen, es gilt am Tage der Stichwahl zu zeigen, daß die Verfolgungen, Maß- regelungen und Verleumdungen es nicht vermocht haben, uns den Kampf für Recht und Wahrheit zu verleiden. Es gilt ferner den Machthabern klar zu machen, daß wir gesonnen sind, in geschlossener Phalanx mit ganzer Kraft, trotz aller Bedrückung, unsere Stimmen gegen Ausnahmegesetze und Mehrbelastung des Volkes durch erhöhte Steuern u. s. w. in die Wagschale zu werfen. Um das aber zu erreichen, müssen wir uns an Euch, Ihr alten Parteigenossen, wenden, Ihr, die Ihr im Laufe der Jahre zäh geworden, aber doch augenblicklich durch allerlei Be- drückung von der direkten Agitation fern wäret. Ihr aufge- klärten Sozialisten, Ihr müßt jetzt hervortreten und uns in allen Theilen unterstützen. Vor Allem müßt Ihr Euch am Tage der Stichwahl zur Verfügung stellen; wir mahnen Euch an Eure Pflicht, thut sie voll und ganz, und wir wollen sehen, ob wir mit unserer Stimmenzahl durchdringen. Wendet Euch in allen Angelegenheiten an H. Rudolph, Mittelstraße 11, II. Das Arbeiter- Wahl- Comitä. I. A.: H. Rudolph. Königsberg i. Sstpr., 30. Juli. Die Hochburg der Fort- schrutspartei in Ostpreußen ist bei der heutigen Reichstagswahl von den Conservatioen erobert worden. Der conservative Tan- didat, Justizrath Stellte?, ist mit verhältnißmäßig großer Ma- jorität zum Reichstagsabgeordneten unserer Stadt gewählt. Das Stimmenverhältniß ist folgendes: Stellier erhielt 7772, der fort- schrittlich-nationalliberale Stadtrath und reiche Thonhändler Jacob Theoder 5351, Bebel 1109, Reichensperger 228 Stimmen.— Die Fortschrittler meinen, der Grund für ihre Niederlage sei in polizeilichen Maßregelungen zu suchen. Dieses ist einfach unwahr, denn die Auflösung einer Comitä- und Vertrauensmänner- Zusammenkunft als nicht polizeilich angemeldete Versammlung hat die Herren in ihrer weiteren Agitation durchaus nicht gestört und die wegen eines unbedeutenden Formfehlers erfolgte Eon- fiscation ihres Flugblattes erfolgte bereits nach vollständiger Bertheilung desselben. Die Ursache der colossalen fortschrittlichen Niederlage ist einzig und allein in dem Biindniß mit den hiesigen Nationalliberalen zu finden. Dieses ist durch Zahlen ein- fach zu beweisen. Bei der vorletzten Reichstagswahl kam es zwischen dem fortschrittlichen Candidaten Dickert und dem Ean- didaten der vereinigten Nationalliberalen und Conservatioen, Stadtkämmerer Hoffmann, am 27. Januar 1877 zur Stichwahl. Hierbei erhielt Dickert 6659 Stimmen und siegte so über Hoff- mann, der nur 3895 Stimmen erhielt. Heute vereinigten sich auf den gemeinschaftlichen Candidaten der Fortschrittler und Nationalliberalen nicht mehr als 5351 Stimmen. Zieht man nun, dem Sachverhalt gemäß, von jenen 6659 Stimmen des Fortschrittscandidaten Dickert wirklich 1000 Stimmen ab, die dieser von Sozialdemokraten erhielt, so blieben der Fortschritts- Partei bei der vorletzten Reichstagswahl noch immer 5659 Stimmen als von ihren Parteigenossen abgegeben. Bei der heutigen Wahl fielen auf Theoder, als den Candidaten der hiesigen Fortschrittler und Nationalliberalen, aber nur 5351 Stimmen, also 308 Stimmen weniger als auf den Fortschrittscandidaten vor ändert- halb Jahren. Und wo sind die hier zahlreich vertretenen Bundes- genossen der Fortschrittler, die Herren Nationalliberalen geblieben? Diese haben die Fortschrittler einfach düpirt und— Stellte? gewählt. Das ist die Lösung des Räthsels. Wenn man übrigens von diesem verwerflichen Treubruch der Nationalliberalen Königs- bergs absieht, so haben die Letzteren von ihrem politischen Stand- punkte richtig gehandelt. Denn die Nationalliberalen gehören zu den Conservatioen. Erst bei diesen werden sich die Fort- schrittler mit ihnen dereinst fest vereinigen können und auch wirklich vereinigen. Alle diejenigen Mitglieder der Fortschritts- Partei, die dies nicht thun wollen, müssen zu uns herüber! Wenn vr. Möller, der Führer der hiesigen Fortschrittler, nicht ein politischer Don Quixote wäre, würde er das lange eingesehen haben.— Die hiesigen Sozialdemokraten haben sich ziemlich gut gehalten. Denn wenn man berücksichtigt, daß wir in Folge polizeilicher Maßnahmen keine Versammlung abhalten und wäh- rend der eigentlichen Wahlagitation kein Flugblatt veröffentlichen konnten, und wenn man ferner die weitgehenden zwingenden Beeinflussungen der Arbeiter durch die Polizei und durch ihre liberalen wie conservatioen Arbeitgeber in Betracht zieht, so ist die Stimmenzahl von 1109 für Bebel immer bemerkenswerth. Wafdenöurg i. Kcht.(Wahlbericht.) Die Wahlagitation von selten des Fürst Pleß mar die wahre Seelenverkäuferei. Seit vier Wochen war ein Aufruf von ihm resp. von seinen Beamten in Kurs gesetzt, welcher in jeder Ortschaft des Kreises zu finden war, und zwar zu dem Zwecke, daß Jeder, welcher nicht für reichsfeindlich gellen wollte, unterschreiben mußte. Da- durch waren die Arbeiter und Geschäftsleute, wovon viele als direkt Ultramontane und Sozialisten bekannt waren, gezwungen zu unterschreiben. Die Beamten der fürstlichen Gutsbezirke welche sehr zahlreich im Kreise sind) verfolgten unsere Ver- breiter des Wahlmaterials, auf die frechste Weise, nahmen die Flugblätter, ja sogar Stimmzettel direkt weg. Die Äusschrei- tungen der Polizeibehörden waren geradezu unerträglich. Die Bergleute wurden in den meisten Fällen direkt von ihren Vor- gesetzten zur Urne geführt und ihnen der Stimmzettel in die Hand gedrückt, welchen sie unter Aufficht abgeben mußten. Ebenso verhielt sichs mit den Fabrikarbeitern. Ganz besonders zeichnete sich die Verwaltung der königl. Gebirgsbahn aus. Die- selbe hatte Stimmzettel von einer Person schreiben lassen und ein ganz auffallendes Format dazu geschnitten und extra außergewöhnlich zusammengefalzt, und wurde jedes Wahllokal von ihren Beamten überwacht. Einige Forstbeamte von Pleß haben sogar sich erfrecht, direkt die Stimmzettel ihrer Waldarbeiter selbst hinzutragen.(?) All die Gewaltmaßregeln herzuzählen würde eine ganze Zeitung beanspruchen. Kurz und gut durck Zwang und durch die Hungerpeitsche wurden für Pleß 13,800 Stimmen in die Urne gebracht. Nur 800 stimmten für die ul- tramontane Partei, und circa 4000 Männer hielten trotz all diesen Vergewaltigungen treu und unerschütterlich zur Fahne der Arbeit. Mit Stolz können die 4000 Männer diese Nieder- läge erdulden und mit der größten Verachtung auf den, durch die schmutzigsten Mittel ergaunerten Sieg, dessen sich ein Fürs: nicht zu rühmen braucht, herabblickeu. Trotzdem, daß der Pleß feierlichst öffentlich sich für die Ausnahmegesetze(und indi- rekte Steuern) erklärte, forderte der Borstand des Hirsch- Duncker'schen Gewerkoereins seine Mitglieder auf, für Pleß zu stimmen. Wie politisch unreif das liberal sein wollende Bürger- und(Hirsch-Duncker'sche) Arbeiterthum ist, dafür hat es em deutliches Zeugniß abgelegt, denn sich selbst fesseln und gefesselt sich dem conservativen Junkerthum zu überliefern, dazu gehört doch wohl die größte Unklugheit. Nicht lange wird es dauern und sie erwachen mit Schrecken! Ihr 4000Braven aber, haltet fest zusammen, ihr seid der mächtige, unerschütterliche Stamm für diesen Kreis, haltet getreu zu unserer gerechten Sache und wirket unermüdlich, auf daß die abtrünnigen Wankelmüthigen und Vergewaltigten zu uns wieder zurückkehren; der Sieg wird uns nicht ausbleiben. Genügend Material liegt vor, welches gesammelt wird, um diese Wahl zu beanstanden. Sensvnrg, 2. August. Zur Berichtigung der in Nr. 89 dieser Zeitung enthaltenen Correspondenz, äc dato Giesewen, den 17. Juli, erkläre ich, daß der Grundbesitzer Hesse der Sohn eines Schäfers Hesse ist, welcher auf meinem Gute Lipowo lange Jahre hindurch gedient hat und verstorben ist. Aus Rücksicht für den verstorbenen Schäfer Hesse habe ich einzelne Glieder dessen Hinterbliebener Familie verschiedentlich unterstützt und bin der Wittwe desselben zur Erlangung einer Pension für ihren infolge des letzten Krieges verstorbenen Sohn behilflich gewesen. Am 16. Juli bat mich Hesse jun. um ein Darlehn von 15 Mk., welches ich demselben aus Rückficht auf seinen in meinem Dienst verstorbenen Vater und gegen Ausstellung eines Schuldscheins gewährte, und welches Hesse am 1. September er. zurückzuzahlen hat. Die in der gebacfcten Correspondenz behauptete, auf die gegenwärtigen Wahlen und die Stellung der Katholiken zu den- selben bezügliche Unterredung ist unwahr und rein aus der Luft gegriffen. Der Landrath des Kreises Sensburg. v. Schwerin. Mürnöerg, 1. August. Was ich Ihnen zu berichten habe, wissen Sie schon: wir sind unterlegen, ehrenvoll unterlegen. Wie anderwärts, so war es auch hier nicht möglich, auch nur ein Lokal zu Versammlungen zu erhalten, wie aber nicht überall, so konnten infolge riesenhafter Beeinflussung eine Unmasse Ar- beiter nicht zur Wahl gehen— und wir verdanken eine un- geheure Stimmenzehl unserem Kleinbürgerthum, welches sich sagte, daß es nur von den Arbeitern lebe und deshalb auch zu diesen halten müsse. Nebir die Wahlbeeinflusiung selbst sagt der „Nürnberg- Fürther Sozialdemokrat" Folgendes:„Wer in Stein gesehen, wie die Arbeiter massenweise von ihren Vorarbeitern an die Urne eskortirt wurden; wer in Feucht gesehen, wie die Forstbeamten an der Thüre des Wahllokals den Wählern die Zettel öffneten, die sozialistischen zerrissen und wegwarfen und ihnen Günther'sche aufnöthigten; wer da erfährt, daß der Bürger- meister von Burgthann unseren Genossen die Zettel gewaltsam wegnahm und ihnen den Gensdarm nachschickte, um ihnen das Vertheilen im Orte zu verwehren, während im Wahllokal die „liberalen" Zettel öffentlich auflagen; wer in Nürnberg die Arbeiter beobachten konnte, deren Werkmeister als Zettelverthciler an der Thür, deren Arbeitgeber oder sonstige Vorgesetzte(In- genieure zc.) als Wahlvorsteher oder Beisitzer fungirten; wer auch in der Stadt es mit angesehen, wie die Arbeiter ganzer Werkstätten, Bedienstete durch ihre Aufseher, zur Wahl trans- porhrt wurden; was dabei an Drohungen, Versprechungen zc. geleistet worden ist: nur Der kann sich einen annähernden Bc- griff davon machen, welchen Rückschlag das auf Diejenigen aus- übte, die gerne gewählt hätten, unter solchen Umständen aber lieber ganz zu Hause blieben. Das sagen wir nicht zur Recht- tertigung der zu Hause Gebliebenen, sondern nur zur Erklärung, zur Kennzeichnung der Phrase von der„freien Wahl". Geradezu räthselhaft wird Manchem die massenhafte Stimmenthaltung und überhaupt das schlechte Resultat im Landbezirke sein. Da ist zunächst zu bemerken, dag wir mit Ausnahme von Altdorf, Lein- ourg, Ludersheim und Oberrieden überhaupt im ganzen Alt- dorfer Bezirk kein Lokal zu einer Versammlung bekommen konnten, während die Gegner in den letzten Tagen noch in jedem Dorfe Wählerversammlungen abhielten. Außerdem aber kam das schöne Wetter der Reaktion trefflich zu statten; während der reiche Bauer zur Wahl ging, mußten Knechte und Tagelöhner ihre Feldarbeit verrichten und wurden so gezwungen, auf ihr Stimmrecht zu verzichten! Weiter ist in Betracht zu ziehen, daß fast nirgends in den Wahllokalen auf dem Lande Contro- teure von unserer Seite zugelassen wurden, und wo man sich nicht scheut, die Wähler in sonstiger ungesetzlicher Weise zu beeinflussen, da— Geschwindigkeit ist keine Hexerei— sind auch noch ganz andere Dinge möglich, ein nationalliberales Gewissen ist weit, und zur„größern Ehre Bismarck's" ist eine kleine Wahlsünde keine Sünde."— Ganz Aehnliches hören wir aus vielen Theilen Deutschlands, und wir sind dieserhalb nicht muth- los, denn eine Stimme unter den gegenwärtigen Verhältnissen ab- gegeben zählt unbedingt für zwei in normalen Zeiten. Und von diesem Standpunkte aus betrachtet ist es ein Sieg, ein ungeheurer Fortschritt, wenn unter solchen Verhältnissen zehntausend bewußte Männer ihr Veto gegen die heutige Gcselllchaftsordnung einlegen. Darum, muthig weiter gekämpft für unsere Partei, für unsere Sache. Kannover, 30. Juli. Parteigenosse N. in Linden wurde von dem Schutzmann Ha by auf fürchterliche Art mißhandelt, so daß derselbe arbeltsunfähig wurde. Derselbe hat eine Beschwerde resp. Anzeige an die Kronanwaltschaft erstattet und um die Be- strafung des obengenannten Schutzmannes nachgesucht. Wir wollen hoffen, daß ihm Gerechtigkeit widerfahre. Wükfen St. Aictas, 1. August. Der Wahlkampf war heftig, aber die Schlacht ist gewonnen, indem unser alter Parteigenosse W. Liebknecht mit 339 Stimmen gegen 173, welche für den Fabrikant Ludw. Löwe aus Berlin abgegeben wurden, also mit einer Majorität von 131 Stimmen aus der Wahlurne hervor- ging, es haben also die„schlichten Landleute" in Müssen St. Niclas, wie Herr Löwe in seiner Candidatenrede am 23. Juli sich auszudrücken beliebte, bewiesen, daß sie die Lehren der So- zialdemokratie sehr wohl von dem Phrasenbrei des Herrn Löwe zu unterscheiden verstehen; daß sie ferner durch verleumderisches Geschimpfe auf die sozialistische Presse nicht zu bekehren find; daß sie sich nicht beirren lassen, wenn ein„Vogel"*) von ihren Feinden gefüttert wird, um an einem kranken Löwen herum- zudoktern. Wie ganz anders war doch die Rede unseres Partei- genossen Oehme aus Hannover, kein Wort der Verleumdung kam über seine Lippen, in ruhiger, klarer Ausführung bewies er die Unzuverlässigkeit des Löwe und fadenscheinigen Löwen-Pro- gramms. Kurz, der materielle, wie der moralische Sieg ist unser; darob auch große Erbitterung in Israel und in der ganzen Menagerie. Zwei hiesige Frauen(eine Hebamme und eine Köchin), welche am Wahltage bei einem hiesigen Ordnungsmanne zur Kindtaufe anwesend waren und daselbst die Führer der Orb- nungspartei als„Gevattern" vorfanden, sollen es schwer haben büßen müssen, daß Löwe durchgfallen ist. Nun, die armen ge- kränkten Frauen mögen sich trösten: die Partei wird sich der- artige Borkommnisse merken, um jenen„gebildeten"„Ordnungs"- Helden zu geeigneter Zeit und an geeignetem Orte zu zeigen, weß Geistes Kinder sie find. chotha, 1. August. Die Wahl ist für uns nicht so gut aus- gefallen, als voriges Mal; aber es war auch kein Wunder. Die Liberalen waren frech wie immer und die Polizei unterstützte sie in einer Weise, daß man den gelinden Ausdruck„Mißbrauch der Amtsgewalt" gebrauchen kann. So stellte die hiesige Polizei die Sozialdemokraten unter polizeiliche Aufsicht, indem sie fast den ganzen Polizeiapparat in die Biergärten sendete, wo die Sozia- Usten, denen alle Versammlungen untersagt waren, sich zur ge- selligen Unterhaltung zusammenfinden wollten, nicht einmal Comitö's zur Abhaltung eines Volksfestes durften tagen und als diese in einer Privatwohnung das Nöthige besprechen wollten, hielt ein Polizeidiener in der Nähe de? Hauses Wache. Er hat lange stehen müssen, denn das Comitä hielt seine Sitzung doch ab und zwar in einem Bierlokale. Aber selbst einer unserer Gesinnungsgenossen, der einen Garten besitzt und der mit einigen Freunden einmal ein kleines Fäßchen Bier in seinem Garten ge- trunken hatte, wurde Schuld gegeben, er halte sozialistische Ver- sammlungen ab und zwar, weil er vor einiger Zeit in einer Restauration ein Fäßchen Bier habe holen lassen. Trotzdem die Mutter beim Polizeibureau versicherte, daß dies Privatgesellschaft gewesen, führten zwei Polizisten mit langen Hälsen die Polizei- *) Der famose Mülsener„Bogel" ist gemeint, der sich auS einem Sozialdemokraten(der er natürlich nie war) zu einem Bourgeoisie- Verehrer„bekehrt" hat, und während der legten Wahlkampagne für das Seid der„Levyten" im 19. Wahlbezirk herumreiste, jedoch überall ab- blitzte. aufsicht Abends über den Gartenzaun doch aus und drangen so- gar durch ein Nachbargrundstüch, um besser sehen zu können. Die schamlosesten Beeinflussungen mit Drohung der Arbeits- entlassung, Confiscation von Wahlflugblättcrn mit Verhaftung resp. Escortirung der Austräger, kurz, die Verbreitung des blassen Schreckens hielt den größten Theil der Arbeiter von der Wahl- urne fern, und dennoch erhielt Bock(soz.) 3513, v. Holtzendorff (conserv.) 5344 und Müller(lib.) 7480 Stimmen. Hätte die Wahl unter gesetzlichen Verhältnissen stattgefunden, Bock hätte im ersten Wahlgange die absolute Stimmenmehrheit erhalten und diese Schande— wie es die herrschenden Klassen nennen— wollten sie dem gothaischen Ländchen ersparen. Krankfurt, 1. August.(Zur Sozialisten-Hatz.) Wie kürzlich, so wollen wir auch heute wieder einmal dem„Frank- furter Journal" als einem der wenigen noch eines vernünftigen Gedankens fähigen Preßorgane das Wort ertheilen. Es schreibt (am 28. Juli) in einem Artikel:„Die„„Provinzial-Eorrespon- denz"" zur Sozialistenfrage" u. A.: „Die Regierung will, nach der„Prov.-Corr.", besondere Boll- machten zum Verbot sozialdemokratischer Zeitungen, Bereine und Versammlungen, sowie zum wirksamen Einschreiten gegen die Agitatoren". Diese Mittel find sehr einfach, werden aber gegen die Sozial- demokratie wenig helfen. Trotz ihrer Zwecklofigkeit haben sie auch noch, wie wir nachher zeigen werden, das Ueble, daß sie nicht nur die Bewegungsfreiheit jener Richtung, sondern die aller un- abhängigen Parteien bedrohen. Man möge mit einem Schlage alle sozialdemokratischen Zeitungen, Vereine und Versammlungen verbieten und gleichzeitig die bekannten Agitatoren in Haft nehmen, die Sozialdemokratie wird bei der EntWickelung, die fie erreicht hat, dennoch fortleben, möglicherweise sogar kräftiger wie vorher. Die Agitation innerhalb der Familie, im Freundes- kreise, bei der Arbeit kann nicht unterdrückt werden und wird sich noch wirksamer erweisen wie bisher. Auch die sozialistische Literatur läßt sich nicht vom Erdboden verfilzen. Es sind ge- wisse Fundamentalwerke vorhanden, außerdem populäre sozia- listische Katechismen, deren stete Vermehrung durch erlaubten oder nicht erlaubten Druck und deren geheime Verbreitung sich gar nicht verhindern läßt. Das geistige Fluidum, welches die Sozialdemokratie erzeugt hat, läßt sich nicht auf mechanischem Wege einkapseln. Es ist entweder gar nicht faßbar, oder wo es gebannt erscheint, wird es selbst durch die feinsten Poren wieder entweichen. Nur auf chemischem Wege, wenn man von einem solchen auf geistigem Gebiete sprechen kann, läßt sich der Sozialdemokratie wirksam entgegenarbeiten, nämlich auf dem Wege der Bindung und Zersetzung gefährlicher Ideen durch Lehre, Beispiel und energische Reformthätigkeit. Es wäre übrigens eine arge Ungerechtigkeit, wenn man die ganze sozialistische Ideenwelt verdammen wollte. In den Grund- sätzen jeder Partei liegt irgend ein guter und berechtigter Kern: Bei den Sozialdemokraten ist er in der Anschauung zu finden, daß die herrschende soziale Ordnung der Verbesserung sähig und bedürftig ist. Durch Mittel der Gewalt wird diese Partei nur auf Abwege gedrängt, durch geistiges Nähertreten der übrigen Gesellschaft wird sie aber geläutert und der berechtigten Grund- idee in einer der Gesammtheit heilsamen Weise zum Siege ver- Holsen. Es erübrigt noch der Beweis, daß durch die von der Re- gierung verlangten Vollmachten die Rechte Aller bedroht werden. Sind die Zeitungen und Vereine, welche als sozialistisch bekannt sind, verboten, so werden unter anderem Namen neue entstehen. Auch bereits vorhandene Blätter können sich in sozialistische Organe umwandeln, ohne von dieser Metamorphose besondere Künde zu geben. Angeblich soll nun vollständig der Entscheidung der Verwal- tungs- Behörde überlassen bleiben, welche Organe oder Vereine als des Sozialismus verdächtig zu verbieten find. Daß bei einer solchen Befugniß auch manche Zeitungen und gesellschaft- liche Vereinigungen, denen nichts ferner liegt, als sozialistischen Tendenzen zu huldigen, dem Untergange geweiht sein werden, läßt sich nach den Erfahrungen, die bisher an der Weisheit der Behörden gemacht wurden, gar nicht anders erwarten, wie auf das Schlagendste aus der in der heutigen„Ersten Morg.-Ausg." unter Berlin mitgetheilten polizeilichen Auflösung der General- Versammlung der Genossenschafts-Buchdruckerei hervorgeht. Wie sollen diese Behörden aber auch genau unterscheiden können, was sozialistisch ist, was nicht, da hierüber gar keine gültige Erklärung existirt, sich eine solche auch gar nicht geben läßt.- Erleben wir es doch an der„Prov.-Corr.", und zwar in ihrer neuesten Nummer, daß fie„Nationalliberale, Fortschritts- Partei und Sozialdemokratie" in einen Topf wirft! Wie sollen die Behörden feiner unterscheiden, als das Re- gierungsorgan! Ein Blatt mag nur eine Idee versechten, die als sozialistisch verdächtigt wird oder für die zufällig auch die Sozialdemokraten eintreten, dann läuft es also schon Gefahr, daß ihm der Lebensfaden abgeschnitten wird. Kein Blatt, kein Verein mehr wird sich schließlich vor dem Verbote sichern können, mögen sie in der Hauptrichtung noch so anfisozia- listisch sein., Wir stehen vor den Wahlen! Das deussche Volk möge sich überlegen, ob es solche Voll- machten in die Hände der Regierung gelegt haben will oder nicht. Wir sind der Ueberzeugung, daß es energisch„Nein!" sagen wird." Wir wollen diesen Ausführungen eines gegnerischen Blattes nur ein paar Worte anfügen und speziell von Frankfurt reden. Sechs Parteien stellten daselbst Candidaten für den Reichstag auf. Wäre nicht in den Wahlversammlungen die schönste und beste Gelegenheit gewesen, den angeblich„gefährlichen Ideen" entgegenzutreten? Doch da hielten die Nationalliberalen gar keine öffentliche Versammlung ab, die Fortschrittler gestatteten keine Diskussion und in den nicht aufgelösten sozialdemokratischen und demokratischen Versammlungen meldeten sich weder Liberale, noch Fortschrittler zum Wort. Wir können mit dem besten Willen hierin nichts als Furcht erblicken. Da man in anderer Weise nicht zu kämpfen vermag, wird einzig und allein Alles, vom Polizeicommissair bis herab zum Nachtwächter, zu Hilfe gerufen. Es lebe das Recht und der geistige Kampf! — o— Allgemeiner Arbeiter-Sängerbund. Die Beneral-Bersammlung hat um 6. und 7. Juli hier stattgefunden und wurde Unterzeichneter zum Borsitzenden des Bundes gewählt, wodurch Gotha wider Borort ist. Das gedruckte Protokoll wird je in einem Exemplar in den näch- sten Tagen an die Bereine gratis versendet, jede« weitere Exemplar kostet einzeln 15 Pf., bei Bezug von mindestens 15 Stück ü 15 Pf. gegen baar, und find durch Unterzeichneten zu beziehen. Die Bereine werden ersucht, über die Anträge 6, 8, 12 und 13 Abstimmung vornehmen zu lassen und die Stimmenzahj für und wider bis zum 15. September an Unterzeichneten gelangen zu lassen. Ueber Antrag 12 und 19 ist zusammen abzustimme»; jedoch die dort gestelltere Fragen getrennt zu beantworten. Gotha, 5. August 1878. Emil Sauerteig, Vorsitzender. Briefkasten der Redaction: Herrn B. Breul in Berlin: Wir haben Brief und Abrechnung erhalten und bringen solche in einer der näazsten Nnmmern.— Herrn Dr. G. B. Hosmann in Pößneck: Wir rathen Ihnen, sich an die Expedition des„Vorwärts" zu wenden und die Nummer zu kaufen; wir haben nicht Lust, für Sie den Lausiungen zu machen. — S. in Cottbus: Theilen Sie uns Ausführliches über die Wahl- beeinflusiüng unter Namensnennung und Zeugen mit.— Herrn A. S. in Zechim: Da Sic bei der Post bestellt haben, so können wir Ihrem Wunsche nicht willfahren. Bestellen Sie bei der Post ab.— H. Th. Hbg.: Die„N. W." wird gelegentlich ein derartiges Bild bringen. Bitten um Ihre Adresse pr. Postkarte. der Expedition. C. I. W.: Die Annonce kostet M. 5,40. London, 20. Juli. Die heutige Versammlung der II. Section des Comm. Arb.-Bild.-Bereins beschließt die Wiederaufnahme des Genossen Schuhmacher Müller, der laut„Vorwärts" Nr. 64 vom 2. Juni als ausgestoßen signalisirt wurde, in Erwägung, daß dessen Ausstoßung eine ungerechtfertigte war. I. A.: W. Schwarzenberg, derzeitiger Schristsührer. Meinen Freunden und Genossen in Wiesbaden zur Nachricht, daß. ich Hierselbst gesund angekommen und von hiesigen Genossen auf's herz- lichste empfangen worden bin. London, 25. Juli 1378. W. Lambert, Küfer. Warnung. Der bekannte Polizeispion und Redacteur des hiesigen„Londoner Journals", Dr. Juch, treibt sich gegenwärtig in Deutschland herum und hält sich in Berlin auf um an der Wahlbewegung gegen die So- zialisten theilzunehmen. Er ist kenntlich durch sein branntweindunsenes Gesicht und eselsgraue Haare. Näheres folgt. Ehrhardt Partei- und Gesinnungsgenossen, welchen der jetzige Aufenthalt des David BarreiS, Eisendreher aus Schw.-Hall bekannt ist, werdew gebeten ihre Adressen an Chr. Walz, hinter der Schmiedstube in Reutlingen(Württemberg), einzusenden.(F. 265)(1,20 Zur Beachtung! Porzellankaufleute und Händler in und außerhalb Deutschlands, welche sich zur Sozialdemokratie bekennen oder ihr nicht feindlich gegenüberstehen, werden ersucht, ihre Adressen an die Expedition des„Bor- wärts" gelangen zu lassen, um mit einem Parteigenossen in Gesäiäfts- Verbindung zu treten. Näheres brieflich. 3a(1,80 Deutsefte.�odntionbilmeMnieliei'vl iß Berlin(Eingetragene Genossenschaft). Da die auf Sonntag den 21. d. M. einberufene ordentliche General-Versammlung polizeilich gestört wurde, so haben wir- eine Außerordentliche General-Vers ammlung auf Sonntag, den 25. August d.«F., Morgens 10 Uhr, einbc rufen und zwar in den «eschästsräumen der Association, Berlin 80., Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8», Hof 2 Treppen. Tagesordnung: 1. Jahresabrechnung; Bericht deS Vorstandes; Revisionsbericht deS AussichtSraths und Richtigsprechuna der Jahresrcchnung. 2. Festsetzung der Divid-ndc und Bestimmung über den Geschäft gewinn. 3. Feststellung eines Etats für das neue Geschäftsjahr. 4. Anträge des Vorstandes, betreffend Aenderung der Statuten: ») ß 21 hinter den Worten: �nicht restirt und" einzuschalten: mindestens fi Monat Mitglied ist, dagegen den Satz vom Worte„bereits" bis� zum'nächsten Komma hinter dem Worte„hat" zu streichen. d)§ 12. Die Frist zur Aufstellung der JahreSrechnung um 4 Wochen zu verlängern. c) Abänderung des§ 29 bezüglich der Publikationsorgane. 5. Antrag des Vorstandes: Tie Generalversammlung möge demselben Vollmacht ertheilen, das Geschäft unter günstigen Um- ständen verlausen zu dürfen. 6. Wahl des Borstandes. 7. Wahl des Aussichtsraths. Hamburg, den 6. August 1878. Der Aufsichtörath. Im Auftrage: August Geib.(9, SO tltZtil Freitag, den 9. August, Abends'/z9Uhr, im Nestau ravl„Bcfleüue":,; Wählerversanunlung. Tagesordnung: Bericht über die ReichstagSwahlen. BsKsimvgnds der Stichwahlresultate. Entrce 10 Pf. Der Einbernfer. Zur Beachtung. Die uns zahlreich zugehenden Berichte von Wahlbeeinflussungen u. s. w. veranlassen uns, alle Die- jenigen, welche derartige Fälle zur Anzeige bringenkönnen, aufzufordern, solches unverzüglich zu thun. Sollte Jemand dadurch geschädigt werden, so werden wir für zeitweilige Unterstützung Sorge tragen. Wir müssen mit aller Energie derartigen Ungesetzlichkeiten zu Leibe gehen. Thatsachen mit Namensangabe- u. s. w. sind entweder an Chr. Hadlich oder Carl Lienig, Färberstraße 1211, Leipzig, oder auch an sonstige bekannte Adressen zu richten. UntersuchunA erfolgt ungesäumt. Wer noch Forderungen an uns hat, wolle solche bei P. Eckerlein, Weststraße 37, bis spätestens 15. August einreichen. Wir ersuchen zu den Stichwahlen und für obige» Zweck ungesäumt Sammlungen vorzunehmen und die- noch ausstehenden Listen sofort an unfern oben-i genannten Cassirer einzusenden. Leipzig, 6. August 1878. Das sozial. Wahlcomit� für den 10., 11., 12. u. 14. Wahlkreis. Verantwortlicher Redakteur: Julius Künzel in Leipzig. Redaktion und Expedition Färberstr. 12. II. in Leipzig. .Druck und Verlag der Benosienschaftsbuchdruckerei in Leipzi».