ift ift er rei 26 jer je= iſe b. Erscheint in Leipzig Wittwoch, Freitag, Sonntag. Abonnementspreis für ganz Deutschland 1 M. 60 Pf. pre Duartal. Monats- Abonnements werben bei allen deutschen Bostanstalten auf den 2. und 3. Monat, und auf den 8. Monat besonders angenommen; im Ronigr. Sachsen und Herzogth. SachsenAltenburg auch auf den iten Monat bes Duartals à 54 Bfg. Inserate Betr. Bersammlungen pr. Betitzeile 10 Bf., Betr. Privatangelegenheiten und Feste pro Besitzeile 30 Bf. r. 0. : g J= Nr. 111. n ). B B ») " 1 Vorwärts Bestellungen nehmen an alle Bostanstalten und Buche handlungen des Jn- u. Auslandes. Filial Expeditionen. New- York: Soz.- demokr. Genossenschaftsbuchbruckerei, 154 Eldridge Str. Philadelphia: B. Haß, 630 North 3rd Street. J. Boll, 1129 Charlotte Str. Hoboken N. J.: F. A. Sorge, 215 Washington Str. Chicago: A. Lanfermann, 74 Clybourne ave. San Franzisco: F. Eng, 418 O'Farrell Str, London W.: E. Henze, 8 New 3tr. Golden Square. Central- Organ der Sozialdemokratie Deutschlands. Durch Nacht zum Licht! Seid nur brab zu jeder Stunde Niemand hat euch etwas an, Einer dieser Lumpenhunde Wird vom Andern abgethan! Goethe. Es giebt Worte, welche die herrschende Richtung eines ganzen Jahrhunderts charakterisiren, indem sie die leitende Idee desselben gewissermaßen verkörpern; für den Eingeweihten sind solche Worte Bignetten der Weltgeschichte und die einfachsten Commentare fulturgeschichtlicher Gemälde. Freitag, 20. September. 1878. erstrebt die Gleichberechtigung aller Klassen zur Ausübung der funden und dem Anspruch eines Jeden auf menschenwürdige politischen Rechte; die Sozialdemokratie insbesondere zu dem Existenz in humaner Weise Rechnung getragen hat, bis der Zweck, um dem Sozialismus die Wege zu ebnen, d. h. eine all- Paria nicht mehr durch den Fluch seiner Geburt dem Elend und gemeine gesellschaftliche Gleichstellung herbeizuführen, die Ab- der Verzweiflung in die Arme getrieben wird, sondern körperlich hängigkeit des Proletariats von der besigenden Klasse aufzuheben und geistig seines Lebens froh werden kann, bis der Ruf des und die Arbeit von dem Druck des Kapitals zu befreien! Und Proletariats:„ Et ego in Arcadia!"*) nicht mehr zum Himmel das nicht durch Proklamirung der rothen Commune, sondern schreit sondern auf Erden Gehör findet! Einen Agitator für unsere Ideen giebt es, der von furchtdurch Wort und Schrift, durch unmittelbar persönliche Einwirkung, durch schriftstellerische Propaganda, und durch parlamentarische barer Wirksamkeit; wir wollen ihn jedoch nicht heraufbeschwören! Es ist der Hunger, die Noth in ihrer höchsten Potenz. Wer Wirksamkeit! Welcher Grund hätte nun wohl die sozialistenfeindliche Presse aller Warnungen ungeachtet die Agitation dieser Gewalt herbeiSo entrollt uns das Wörtchen: ,, Canossa" ein Tableau, das bewegen können, diese Intentionen unserer Partei geflissentlich führt, mit dem wird er fürchterliche Abrechnung halten! Wir richten nun mag das Ausnahmegesetz in der beabin der Gestalt eines büßenden Kaisers gegenüber einem an- zu verzerren, wenn nicht die lebhafte Besorgniß, daß die Sozialmaßenden Pfaffen die damalige Zeitrichtung auf's Schlagendste demokratie sich eine ihr unbequeme Machtstellung erringt? Und sichtigten Fassung in Kraft treten oder nicht an jeden Parfennzeichnet und einer weiteren Beleuchtung nicht bedarf; so woher stammt diese Besorgniß anders als aus der wenn teigenossen die dringende Aufforderung uns in Bezug auf den begegnet die Bezeichnung: Reaktion" einem allseitigen Ver- auch zähneknirschend verschwiegenen eigenen Ueberzeugung, oben gleichfalls berücksichtigten, bisher noch politisch indifferent ständniß und ist als Ausdruck einer rückläufigen politischen Be- daß die unumstößliche Wahrheit der sozialdemokratischen Grund- gebliebenen Theil der Bevölkerung in der Agitation nach Kräften zu unterstützen. Bei so Manchem, dessen Anlagen ein nicht unwegung allgemein anerkannt und wie wir wenn von Blut- prinzipien diesen eine dereinstige Machtstellung gewährleistet? und Eisenpolitit" die Rede auch unwillkürlich an Blut und Prüfen wir jetzt noch, wie sich die Mehrzahl des Volkes fruchtbares Feld für die Arbeit des freien Gedankens bieten Eisen denken müssen, so drängt sich uns bei den unsterblichen den sozialpolitischen Theorien und unserer Partei- Propaganda würden, herrscht in politischer Beziehung völlige Gleichgültigkeit; er stellt sich außer dem Kampf der Parteien und sucht ihn zu Namen Bismard, Krupp, Stroußberg u. s. w. eine Fluth von gegenüberstellt. Reflexionen auf, denen wir an dieser Stelle nicht Ausdruck geben Zunächst tritt uns auf politischem Gebiete in den Vertretern ignoriren; er fröhnt seiner Denkbequemlichkeit, der ihn ein Wort wollen, um den Entwurf des Sozialistengesetzes nicht noch um des Feudal- alias Junter- Systems und auf sozialem Gebiet in zu rechter Zeit und an rechter Stelle, ein geeigneter Hinweis eine unbegreiflicherweise bisher noch der Berücksichtigung ent- den wandelnden Geldsäcken und mit unseren Idealen natürlich auf unser Brogramm entreißen kann. Der individuellen Beurtheilung in jedem einzelnen Fall muß gangene Verbesserung zu bereichern, welche dem Gesetz nicht collidirenden Interessen der Bourgeoisie eine mächtige Opposition entgegen. Diejenigen Faktoren, welche außer der in das öffent- natürlich anheimgegeben werden, inwieweit und in welchen Fällen nur sofortige, sondern rückwirkende Kraft gäbe. Ein solches Stichwort in der Entwicklungsgeschichte der liche, wie in das Privatleben tief einschneidenden Pression von der gegenseitige persönliche Verkehr zur Grundlage der AgiMenschheit ist auch das so tödtlich gehaßte und bitter verleum- Seiten der Regierung und des Kapitals der Verbreitung unserer tation gemacht werden darf, ohne die eigene Sicherheit zu gedete, so inhaltsschwere uno dabei so unschuldige Wörtchen: Ideen sonst noch vorzugsweise hemmend entgegenwirken, glauben fährden; wir bauen aber fest auf das selbst von unseren Sozialdemokratie. Wie durch die kriegerischen Erfolge des Kar- wir zutreffend als Unwissenheit in Verbindung mit persönlicher Gegnern anerkannte und hervorgehobene solidarische Zuthagischen Feldherrn Hannibal in den Kämpfen mit Rom der Ueberhebung, als Aberglauben an die liberale Presse und als sammenhalten der Parteigenossen und erwarten, daß die möglicherweise hereinbrechende Katastrophe Jeden auf seinen Posten bloße Name desselben zum Schreckwort für die römische Jugend gänzliche politische Indifferenz bezeichnen zu können. Viele brüsten sich mit einem meistens auf sehr schwacher finden wird: geworden war und der mütterliche Zuruf:„ Hannibal ante In Reih' und Glied! portas!"*) sich den kleinen Schreihälsen gegenüber von wunder- Grundlage ruhenden und nur um politisch nicht als grandsazlos barer Wirkung erwies, so ist auch das Wort„ Sozialdemokrat" zu gelten cultivirten Urtheil und lassen sich von dem Sodel zum allgemeinen Schreckmittel geworden, da die gegnerische Presse ihrer eingebildeten intellectuellen Ueberlegenheit zu einem Meiihre Thätigkeit auf die geniale Interpretation dieses Worts als einzige Handhabe zur Discreditirung unsrer Partei concentriren für gut fand. Wo die Begriffe fehlen, Da stellt ein Wort zu rechter Zeit sich ein! ( Goethe.) зи Sozialpolitische Uebersicht. Berlin, 16. September. im Omen oder Nicht- Omen: die Vorstellung beginnt zu beginnen. nungsaustausch durch Diskussion grundsäßlich nicht herab. Sie mögen wohl wissen, warum. Es ist ihnen nicht daran gelegen, Proselyten ihrer eigenen Anschauungen zu machen, und sie verAlso heut ist der denkwürdige Tag, wo die Lösung des mögen es auch nicht. Im Besitz einiger tönenden stereotypen großen Problems: eine weltgeschichtliche Bewegung durch ein Schlagwörter, die für sie einen höheren Werth haben als ganze Stückchen Papier aus der Welt zu schaffen, in Angriff gepolitische Encyklopäden und die sie vorkommenden Falls einem nommen werden soll. Das wunderbare Schauspiel, oder richtiger: Wer Gelegenheit gehabt, Definitionen der Sozialdemokratie politischen Gegner unversehens auf die Brust setzen, sehen sie das Schauspiel des auf die Tagesordnung gesetzten Wunders zu hören, wie sie anläßlich der Attentate in vielen Kreisen gang auf die Sozialdemokratie mit theatralisch naserümpfendem ir zieht große Schaaren Neugieriger nach dem Barlamentstheater, zu hören, wie sie anläßlich der Attentate in vielen Streifen gang herab. Fi done! Sozialdemokrat ist ihnen ein Jeder, der sich dessen Bretter auch eine Welt bedeuten, aber eine recht langund gäbe waren, der mußte – wenn ununterrichtet vor der bodenlosen Niederträchtigkeit zurückschaudern, als deren In- nicht durch parfümirte Glacehandschuhe und weiße Weſte als weilige. Zu Fuß und zu Wagen kommen sie heran begriff die obige Bezeichnung galt. Der Unterrichtete kann nur Mensch legitimirt.„ Was kann aus Nazareth Gutes tommen?"- Bu= Was kann aus Nazareth Gutes kommen?" schauer und Akteure; um 11 Uhr, wo der Vorhang fich offiziell staunen über die beispielloſe Unverschämtheit, mit der die reaktio- Eine Bewegung, welche aus den Volksmassen hervorgegangen erheben soll, ist das Gebränge vor dem Reichstagsgebäude am näre und die mit ihr zu ,, Schuh und Truz" verbündete national- ist und von Männern des Volks geleitet wird, verdient feinen Lebhaftesten: es regnet ein wenig und das Asphaltpflaster ist Anspruch auf Beachtung; wie dies auch wohl gegenüber demokratischen Jbee die Zwangsjacke ihrer corrupten, theils aus den Trägern vielgedruckter und vielgelesener Namen und dem Moment wo es 11 schlägt, liegen drei Droschkenpferde am Unverstand, theils aus übelwollender Gesinnung entsprungenen nach vermeintlichen Autoritäten möglich! Es mag hier eine kleine Anekdote Platz finden, welche für durch fühne Evolutionen sich aus dem allgemeinen Umsturz" Boden, und ebensoviele verunglückte Reichsboten vermögen nur Anschauungen anzulegen und die Träger dieser Idee als Landſtraßenritter, Hochberräther und Königsmörder zu brandmarken. den allgemeinen Hang, Autoritäten auf jede Bedingung hin zu zu retten, den ein römischer Augur sicherlich für ein recht böses Nach der Commentirung der reichstreuen Biedermänner und ins Feld zu führen, einen charakteristischen Beleg liefert: Ein junger talentvoller Musiker executirte in einer GesellOmen( Vorzeichen) gehalten hätte. Consorten gefährden unsere Prinzipien die persönliche Sicherheit und verneinen das Eigenthumsrecht; die Organisation eines schaft von Musiknarren eine seiner Compositionen. Das Urtheil Punkt 11 nimmt Fordenbeck nebst dem Bureau ſeinen Plaz ein, fozialdemokratischen Staates wäre die Organisation des Mordes der vermeintlichen Kenner darüber lautete mit Rücksicht auf das der Reichstag ist noch ziemlich leer, die meisten Mitglieder gehen, und des Diebstahls und unsere Devise auf blutrother Fahne sei: bescheidene Auftreten des jungen Componisten ziemlich abfällig, eifrig redend, im Vorsaal auf und ab. Auf den Regierungs" La bourse ou la vie!***) Indem uns so die gegnerische wenn auch der conventionellen Höflichkeits- Form die bei solchen und Bundesrathsbänken sind sichtbar: Eulenburg junior, ber Bresse unser Medusenhaupt im Spiegel zeigt und uns von der Gelegenheiten üblichen Zugeständnisse gemacht wurden. Hierauf seinen neulichen Durchfall gut zu machen, und Graf StollbergBerwerflichkeit unserer Bestrebungen wohlmeinend unterrichtet, bat der junge Mann um die Erlaubniß, eine neue, noch nicht Wernigerode, der„ Vicekanzler, der sich seine parlamentarischen beschuldigt sie uns- man höre und staune- der Verwirrung herausgegebene Sonate von Beethoven vortragen zu dürfen, Sporen zu verdienen hat. Doch vergeblich wird ER gesucht. was ihm mit Entzücken gestattet wurde. Die andächtigste Auf Der Telegraph hatte doch SEINE Herkunft angekündigt, und In solchem Wahnsinn liegt nicht einmal Methode, denn daß merksamkeit begleitete den Vortrag und stürmischer, nicht enden- daß die Sozialdemokraten böse ,, Enthüllungen" in petto hatten, Carrikaturen wie die obigen nur bei einem seitens ihrer Autoren wollender Applaus brach nach den Schlußaccorden los. Doch er war ein Geheimniß, das die Spaßen von den Dächern pfiffen. selbst ausgebildeten Cultus der Begriffsverwirrung ihr Dasein fuhr der allgemeine Enthusiasmus eine erhebliche Abkühlung, Also ER glänzte durch Abwesenheit. Schlimm! Wir werden zu fristen vermögen, leuchtet dem Unbefangenen ein; diese Fana- als der Künstler erklärte, daß die erste Pièce von Beethoven, wohl viel zu Gähnen haben. tisirung des Volkes gegen das Volt führt erfahrungsmäßig nicht die lettere dagegen seine eigene Composition sei. Das akademische Viertel ist verstrichen: Forckenbeck eröffnet wegenden Wahrheit der Sozialdemokrat schlecht accreditirt; ein und Mittheilungen dem Herrn Vice- Bismard das Wort. Dieser Als eine herrliche Frucht solcher Begriffsverwirrung erscheint mit" Eichenlaub und Schwertern" decorirter oder sonst in erhebt sich unter gespanntester Aufmerksamkeit des Hauses und auch der geniale 81 des Ausnahmegesezes, welcher, bei der Knopfloch- Zierden machender auf seinen Lorbeern ruhenderredet" genau 4 Minuten und 7 Sekunden, wobei er das KunstSchwierigkeit, speziell irgend eine Operation der Sozialdemokratie Wirklicher Geheimer Hofrath, dessen Stammbaum vielleicht bis stück fertig bringt, absolut nichts zu sagen und doch stecken zu als strafbar zu motiviren, der freien Auslegung unbegrenzten auf Bileams Esel zurückreicht, würde wohl besseren Absatz für bleiben. Des Reichskanzlers homines novi( neue Männer) Spielraum einräumt, die thatsächlichen Kriterien einer im Sinne sein Machwerk finden. Mais revenous à nos moutons!*) scheinen sämmtlich zum Durchfall prädestinirt zu sein. Habeant des Gesezes strafbaren Handlung von vornherein der Diskussion sibi. entzieht und so die dereinstige Anwendbarkeit dieses Allerwelts- Die vorbezeichnete Kategorie unserer Widersacher dürfen wir paragraphen in's Unendliche ausdehnt. getrost ihrem Schicksal und das Amt des Lehrmeisters der Er- unglückten ,, Graf Stellvertreter des Herrn Fürsten Reichskanzlers" Selbst der loyale Reichensperger, der nach dem verWelches Urtheil bildet sich nun bei vorurtheilsfreier Prüfung fahrung überlassen. Diese lettere wird unserer Agitation auch das Wort erhält, kann nicht umhin, sein Befremben über diese unserer Grundsäße und unbefangener Uebersicht unseres bis- in Bezug auf diejenigen erheblich zu Hilfe kommen, welche den übelangebrachte Schweigsamkeit auszudrücken. Sonst reitet Herr Nahrungsstoff für ihren holden Freiheitsdusel aus nationallibe- Reichensperger sein altes Steckenpferdchen: Gegen den SoBerdollmetschen wir zunächst das Wort Sozialdemokratie, ralen Blättern schöpfen und welche das Grabgeläute des soge- zialismus, dieses„ Gemisch von humanitären Aspirationen und dessen erster Bestandtheil: sozial sich aus dem Lateinischen her- nannten Liberalismus über kurz oder lang aus ihren Träumen zügellosen Bestrebungen" ist mit Gewalt nichts auszurichten: der leitet und in deutscher Uebersehung Alles das bezeichnet, was wecken wird; sie werden dann den Weg zu unseren Prinzipien Staat ist ohnmächtig, da kann nur das Christenthum, wie auf die bürgerliche Gesellschaft Bezug hat und dessen zweiter finden! die Kirche helfen. Eine Umkehr Derer, die an der Spitze der Gemüther!! blos zur ,, Verwirrung der Gemüther", sondern zu den unheil- So ist auch bei der Colportage einer großen, ja weltbe- die Sizung und ertheilt nach Erledigung der üblichen Formalien vollsten Exzessen gegen politisch Andersdenkende. herigen Entwicklungsganges? Theil ursprünglich der griechischen Sprache angehört. Demo- Die obengedachte offene und in großer Majorität uns gegen stehen und in falsche Bahnen eingelenkt haben, ist nothwendig; fratie, abgeleitet von demos= Volt und kratein= herrschen, überstehende Opposition jedoch werden wir mit allen uns zu Ge- wenn es nicht geschieht, steht uns in Deutschland ein„ Bukunftsheißt wörtlich Volksherrschaft und bezeichnet diejenige Staats- bote stehenden Mitteln bekämpfen, sei es auch unter den schein- sozialismus bevor, gegen den die Pariser Commune eine Idylle form, bei welcher das Bolt die Staatsgewalt ausübt. Man bar ungünstigsten Verhältnissen; wie weder der Elephant des war." Nachdem er diese schreckliche Prophezeiung von sich geunterscheidet zwei demokratische Systeme: das absolute, bei welchem Königs Pyrrhus noch sein Gold auf den Römer Fabricius ein- geben, erklärt Redner bescheiden, er wolle nicht prophezeien, die Gesammtheit des Volts seine öffentlichen Angelegenheiten zuwirken vermochten, so werden auch uns die Drohungen unserer woraus doch erhellt, daß er selbst seine Prophezeiung nicht ernst durch unmittelbare Ausübung des Stimmrechts entscheidet und Feinde, wie ihre Lockungen unempfänglich finden. Wir werden nimmt. Nun, wir wollen ihn nicht beschämen und nehmen sie das repräsentative System, bei welchem das allgemeine nicht eher ruhen, bis das Endziel unserer Bestrebungen erreicht ebenfalls nicht ernst. Stimmrecht sich nur auf die Bildung eines oder mehrerer gefeß ist, d. h. bis eine auf gleichmäßige Vertheilung der Arbeit und gebender und verwaltender Körper erstreckt. Die Demokratie des Erwerbs gegründete Reorganisation der Gesellschaft stattge= *) Hannibal ist vor den Thoren! **) Die Börse oder das Leben! *) Wörtlich: Aber kommen wir auf unsere Hämmel zurück!( Französisches Sprichwort) dem Sinne nach: Kommen wir wieder zur Sache! Redner zeigt jetzt, wie unlogisch das ganze Gesetz ist. Es *) ,, Auch ich bin in Arcadien geboren!"( Gedicht von Schiller.) Arcadien, als die blühendste Landschaft des alten Hellas hier gewissermaßen mit unserem Paradies" zu identificiren. richtet sich angeblich gegen die Sozialdemokratie, das sozialistische Gift werde aber von vielen anderen als Sozialdemokraten ver- breitet: von Kathedersozialisten, Staatssozialisten, ja von der Fortschrittspartei und dem gesammten Liberalismus, dessen con- sequenter Ausläufer ja blos der Sozialismus sei. Alle diese Richtungen unbehelligt lassen und die Sozialdemokratie knebeln wollen, das heiße eine Mündung verstopfen, die schädliche Fluth aber durch viele andere Oeffnungen frei ausströmen lassen. Zu seinem Befremden habe er bei Gelegenheit der Debatte über das Hödelgesetz von einem conservativen Mitglied des Hauses (Graf Bethusy-Huc) die Aeußerung gehört, die Christlich- Sozialen seien mindestens ebenso schlimm, wie die Sozialdemokraten. Das verrathe eine vollständige Unkenntniß des wahren Sachverhalts: nur durch das Christenthum sei die soziale Frage zu lösen. Nach Reichensperger, der etwa dreiviertel Stunden spricht, geht der deutschconservative Herr von Helldorf auf die Tri- büne, der in halbstündiger Rede den höchst überflüssigen Beweis zu liefern fich abmüht, daß er und seine Gesinnungsgenossen schon vor dem Robiling-Attentat gerade so reaktionär gewesen, wie nach demselben. Außerdem führt er noch, mit vollständigem Erfolg, den zweiten Beweis, daß er von ver Sozialdemokratie und deren Geschichte und Inhalt nicht das Mindeste versteht und nicht einmal die Anlagen zu den„Motiven" des„Ausnahmegesetzes" verdaut hat. Zum Schluß bringt Herr von Helldorf noch einige obligate Tiraden gegen das allgemeine Wahlrecht, das bei der letzten Wahl von— Sozialdemokraten mißbraucht worden sei, eine Entdeckung, der das Epitheton„genial" nicht versagt werden kann. Bebel erhält nun das Wort; er knüpft zunächst an die Be- merkungen des Vorredners über das Allgemeine Wahlrecht und die letzten Wahlen an und führt aus, daß der Mißbrauch des Allgemeinen Wahlrechts von den reaktionären Parteien, nicht aber von der Sozialdemokratie verübt worden sei. Dann, in die Sache eintretend, verlangt er die Beweise für die, dem Aus- nahmegesetz zu Grunde liegende Behauptung, daß die Attentäter Nobiling und Lehmann-Hödel Sozialdemokraten gewesen seien und als Sozialdemokraten die Attentate begangen hätten. Als die Nachricht von dem zweiten Attentat nach Leipzig gelangt sei, habe er(Redner) fich gesagt: Nun, diesen kann man uns doch nicht an die Rockschöße hängen. Und doch ist es geschehen. Eine Depesche, welche die Signatur„offiziell" trug, stempelte Nobiling zum Sozialdemokraten und das Attentat zu einem politischen. Nun hat sich aber seitdem ergeben, daß Nobiling vom Moment seiner Gefangennahme bis zu seinem Tod nicht einen Augenblick vernehmungsfähig gewesen ist. Wie erklärt fich dieser Wider- spruch? Wer ist der Urheber jener Depesche, die ein infames Attentat auf die Sozialdemokratie war. Man schaffe die Proto- kolle. Das Haus hat das nämliche Recht sie zu fordern, wie am Freitag das auf die Katastrophe des„Großen Kurfürst" be- zügliche Material. Redner kommt nun auf die Beziehungen Bismarck's und der preußischen Regierung zur Sozialdemokratie. Noch ehe Lassalle auftrat, 1862 bot ein gewisser Eichler im Namen Bismarck's einem Leipziger Arbeitercomite eine bedeutende Geldsumme— bis zu 40,000 Thlr.— für Produktivassoziationen, unter der Bedingung, daß die Arbeiter die Bismarck'sche Politik unter- stützten. Natürlich wurde das Anerbieten abgelehnt, und Herr Eichler hat seitdem in der Berliner Polizei einen Unterschlupf gefunden. Lassalle trat auf. Bismarck wandte sich au ihn(nicht Lassalle an Bismarck). Verschiedene Annäherungs- versuche, bei denen ein königlicher Prinz als erster Vermittler auftrat, wurden von Lassalle zurückgewiesen, bis dieser endlich. durch positive Concessionen bewogen, sich zu Unterredungen mit Herrn v. Bismarck entschloß. Es fanden zahlreiche Con- ferenzen im Winter 1863 auf 64 statt, in denen sich Bis- marck verpflichtete, das Allgemeine direkte Wahlrecht zu oktroyiren und sein Möglichstes zur Lösung der Arbeiterfrage ,m Sinn des Lassalle'schen Borschlages zu thun. Um jene Zeit wurde im Auftrag des Herrn v. Bismarck die berühmte Schlesische Weberdeputation inscenirt, wobei Hr. v. Wagener eine Hauptrolle spielte. Hr. v. Bismarck versprach der Deputation kräftige Maßregeln zur Hebung des Elends. Der Staat habe die Pflicht, die Lösung der Arbeiterfrage in die Hand zu nehmen; schade nur, daß so wenig Verständniß vor- handen sei.„Meine(Bismarck's) Geheimräthe verstanden durch die Bank nichts von der Arbeiterfrage." Die Deputation hatte eine Audienz beim König, der sie gnädigst empfing und Hülfe versprach. Eine Geldsumme zur Gründung einer Webergenossenschaft wurde sofort gegeben; die Genossenschaft(in Schlesien) ging bekanntlich zu Grunde, jedoch nicht durch die Schuld der Arbeiter, sondern durch die Im Staate der„Intelligenz". In einer amtlichen geschichtlichen Darstellung des Verfahrens der preußischen Unterrichtsverwaltung bei Einrichtung von Volksschulen in Gegenden mit confessionell gemischter Bevölkerung wird unter Anderem mitgetheilt, daß an einer evan- gelischen Schule der Provinz Westfalen der ärmlichen Ber> Hältnisse wegen in 26 Jahren 16 Lehrer einander ge- folgt sind und es überhaupt nicht mehr möglich wird, einen geprüften Lehrer zu gewinnen und von einer Schule im Regierungsbezirke Coblenz die Regierung berichtet:„Die Schule besteht aus zwei Klassen, deren eine von 88 Knaben(!), die an- dere vou 80 Mädchen(!) besucht wird, also aus zwei einklassigen Schulen. Die Schulsäle sind dunkel und für die vorhandene Schülerzahl nicht geräumig genug. Ein Theil der Knaben sitzt auf einer Bank, ohne Pult, weil zu dessen Aufstellung der Raum fehlt. Die Kinder halten ihre Tafeln in der einen Hand, oder legen sie auf die Kniee oder auf den Sitz, während sie davor knieen." Ueber eine von 32 Kindern besuchte Schule im Re- gierungsbezirk Arnsberg berichtet die Behörde:„Die zur Ent- lassung reifen Kinder haben weder einfache Sätze correct zu schreiben, noch zwei mehrstellige Zahlen richtig zu addiren ver- standen; sie fanden aus der Karte nicht Westfalen, Arnsberg, Münster, die Rheinprovinz. Sie wußten weder den Namen unseres Kaisers, noch etwas von der Errichtung des deutschen Kaiserthums." Oft auch bestehen an demselben Orte zwei gleich schlechte Consessionsschulen kümmerlich nebeneinander. Die evan- gelische Schule eines Dorfes im Regierungsbezirk Trier z. B. hat 115 Schüler, welche von einem Lehrer in einem Zimmer unterrichtet werden, welches nur für 60 Kinder ausreichenden Raum hat. Die katholische Schule daselbst bietet ihren 35 Kin- dern ein Zimmer von 29.91 Qu.-Metern, aber sie ist von einem Präparanden versorgt, und keine der beiden Schulen kann ohne Staatszuschuß weiterbestehen. In den östlichen Provinzen seien ähnliche Verhältnisse noch häufiger. Dabei wird noch mitgetheilt, daß sich seit 1873 die Zahl der vorschriftsmäßig ge- prüften Lehrer zwar um 3488 vermehrt hat, aber noch 4581 Stellen im Staate nicht vorschriftsmäßig besetzt, außerdem eine noch größere Zahl von Schulklassen über- füllt sind. ungeschäftsmäßige Verwaltung des überwachenden Landraths, der das schlechteste Rohmaterial beschaffte und die höchsten Preise für die Waaren ansetzte. Lassalle brach 1864 die Unterhandlungen mit Bismarck ab, weil er ihm die Arbeiterbewegung nicht in die Hand liefern wollte. Nach Lassalle's Tod wurde aber— unter Dammer und Schweitzer— der Allgemeine deutsche Arbeiterverein politisch benutzt und speziell für die Vorbereitung des Krieges von 1866 und für die Verwirklichung des preußischen Kleindeutschlands gebraucht. Folgen dann weitere(bekannte) Details über das Berhältniß Schweitzer's zur preußischen Regi-rung; die Ausstoßung desselben aus dcm„Allgemeinen deutschen Arbeiterverein"; das Anerbieten Bucher's an Marx, das Verhältniß Bucher's zu Bismarck; die Anerbietungen des Braß an Liebknecht u. s. w. Und dieser Mann verfolgt jetzt die Sozialdemokratie als „staatsgefährlich"?-- Wer bürgt den Liberalen dafür, daß Fürst Bismarck nicht wieder einen sozialistischen Rückfall bekommt? Ja, ist nicht sein Reichseisenbahn- Projekt, sein Tabaksmonopol- Projekt eminent sozialistisch? Was nun das Ausnahmegesetz selbst angeht, so ist es schon deshalb ein Unding, weil der Begriff„Untergrabung" sich absolut nicht definiren läßt. Wenn ein Mann, wie der Abgeordnete Wehrenpfennig, den Normalarbeitstag, der in vielen Staaten bereits gesetzliche Institution ist, für eine sozialistische Forderung hält, die ergo staatsgefährlich ist, was ist da erst von Polizei- beamten zu erwarten, die doch nicht die wissenschaftliche Bil- dung eines Wehrenpfennig haben. Es würde einfach Alles unterdrückt, was der Polizei sozialistisch scheine, und sozialistisch werde ihr Alles scheinen, was ihr nicht gefalle. Uebngens sei es unmöglich, die sozialdemokratische Literatur zu vernichten. Wenn es schon vor 1848 nicht gelungen sei, die Verbreitung der Oppositionsliteratur zu hindern— wie viel weniger jetzt, wo die Verkehrsmittel sich so ungeheuer vermehrt haben! Und Eins. Man wirft uns vor, wir wollten das Eigenthum zerstören. Der Vorwurf ist nur in sofern begründet, als wir das Eigenthum an den Produktionsmitteln aufheben wollen. Wie kann uns aber überhaupt ein solcher Vorwurf von Man- nern gemacht werden, die selber das Privateigenthum in so rücksichtsloser Weise zerstören, wie es durch diese Vorlage ge- schieht. Wir haben 16 Genossenschaftsbuchdruckereien mit einem jährlichen Umsatz von über 800.000 Mark. Hunderte von Existenzen hängen daran. Und das Alles soll mit e nem Feder- strich vernichtet werden! Abgesehen von der Ungerechtigkeit, würde die Zerstörung all dieses Eigenthums und dieser Existenzen mehr Haß und Zorn gegen Staat und Gesellschaft erregen, als alle sozialistische Agitation seit 15 Jahren. Es giebt außerdem 26 Gcwerkoerbindungen, die vermuthlich nach Annahme des Gesetzes unterdrückt würden; dieselben haben zusammen 60,000 Mitglieder, mit einer jährlichen Einnahme von 400,000 Mark und einer jährlichen Ausgabe von 320,000 Mark. Dazu kommen Javalldenkassen und sonstige Unterstützungs- kassen. All' diese mühsamen Werke wahrhafter Selbsthilfe der Arbeiter sollen das Schicksal unserer Genossenschaften theilen. Und wie greifen diese Maßregeln in das allgemeine bürgerliche Leben ein! Es giebt eine vollständige Untergrabung der ge- sammten bürgerlichen Verhältnisse. Und warum? Aus welchem Grunde will man so vorgehen? Wir,„die Sozialdemokraten, erstreben den gemalt samen Umsturz"! So klagt man uns an. Wo steht es? Womit beweist man es? In keinem unserer Programme steht es. Seit Jahren suchen die Staatsanwälte es zu beweisen, und es ist ihnen nicht geglückt. Unsere Ziele sind durchaus humanitäre und ideale. Unsere Partei ist überhaupt die einzige, welche ideale Ziele hat. Redner verliest nun Stellen aus den verschiedenen, den Mo- tiven beigelegten Aktenstücken, welche dies bekräftigen, und bezieht sich auf den letzten Genter Congreß, dessen Majorität sich, den Anschauungen der deutschen Sozialdemokratie gemäß, für die organische Entwicklung gegen die gewaltsame Revolutions- und Putschmacherei der sogenannten Anarchisten oder Bakunisten ausgesprochen habe. Man mag es verkleiden wie man will, das Ausnahmegesetz macht eine Million deutscher Männer völlig rechtlos. Will man das, so sei man wenignens consequent. Die nothwendige Consequenz des Gesetzes wäre: Di.j-nigen, welchen man ihre staatsbürgerlichen Rechte raubt, auch ihrer staatsbürgerlichen Pflichten zu entbinden: vom Steuerzahlen, Eintritt in das Niilitär u. s. w. Und damit gelangten wir zur Ungereimtheit, zum Absurden. Das Ausnahmegesetz geht von einer grundfalschen Auffassung Das sind höchst erbauliche Staats- und Gssellschaftszustände, die wahrlich nicht erst„uniergraben" zu werden brauchen! An diefen„vorzüglichen" Stand der Volksschulen reiht sich die noch„vorzüglichere" Lage der Volksschutlehrer. Die „Schlesische Schulzeitung" redet unv rblümt„von der furcht- baren Lage, in welcher alte, hochbejahrte, in den Ruhestand getretene Lehrer schmachten" und fuhrt zu dieser„furcht- baren" Anklage gegen die heutige Staats- und Gesellschafts- ordnung folgende Beispiele an: 1) Der Emeritus zu Mühlatschütz bei Bernstadt, der nach einer 53jährigen Dienstzeit, in welcher er zuletzt ein Gehalt von 810 Mk. bezog, jetzt von einer Pension von 438 Mark leben muß. 2) Der Emeritus zu Lorenzdorf, Kreis Bunzlau, der nach 44jähriger Dienstzeit(zuletzt Gehalt 900 Mk.) eine Pension von 343 Mark bezieht. 3) Der Emeritus zu Hochkirch bei Liegnitz, der nach 52- jähriger Dienstzeit(zuletzt Gehalt 1350 Mk.) eine Pension von 450 Mark bezieht. 4) Der Emeritus zu Leipe, Kreis Trebnitz, der nach 50- jähriger Dienstzeit(zuletzt Gehalt 900 Mk.) eine Pension von 510 Mark bezieht. 5) Der Emeritus zu Ewenthal, Kreis Landshut, der nach 34jähriger Dienstzeit(zuletzt Gehalt 510 Mk.) eine Pension von 270 Mark bezieht. 6) Der Emeritus zu Ellguth, Kreis Neustadt, der nach 49jähriger Dienstzeit(zuletzt Gehalt 967 Mk.) eine Pension von 322 Mark bezieht. 7) Der Emeritus zu Querbach bei Friedberg a. O., der nach 38jähriger Dienstzeit(zuletzt Gehalt 810 Mk.) eine Pension von 270 Mark bezieht. 8) Der Emeritus zu Grabin bei Neustadt, der nach 26- jähriger Dienstzeit(zuletzt Gehalt 642 Mk.) von einer Pension von 210 Mar! leben muß. Und dieselbe Gesellschaft, die solche Jammerzustände schafft und duldet, wagt es, sich darüber zu beschweren, daß man diese Zustände„untergraben" will?! Die obigen 8 angeführten Nummern find geeignet, jedem preußischen Staatsbürger, zu denen sich die Herren Minister doch auch rechnen, die Rothe der Scham in die Wangen zu der sozialpolitischen Bewegungsgesetze aus. Seine Urheber haben nicht begriffen, daß die sozialdemokratische Bewegung nicht von der Wissenschaft, nicht von der ganzen politischen und wirthschaftlichen Entwicklung zu trennen ist. Eine gute Regierung— das hat schon Welcker in seinem Staatslexikon ausgeführt— macht durch vernünftige Reformen jede Revolution, jeden gewaltsamen Umsturz unmöglich. Nachdem Redner noch des Gründungsschwtndels, der Roth- läge und der verkehrten Mrthschaftspolitik der Reichsregierung kurz erwähnt, schließt er:„Wie immer die Entscheidung aus- falle, die Zustände, gegen welche sich unsere Bewegung richtet, werden auf die eine oder andere Weise beseitigt werden; das Sozialistengesetz kann nur an der Art und Weise der Beseitigung etwas ändern." Bebel, der im Ganzen fünf Biertelstunden sprach, wurde durchaus mit größter Aufmerksamkeit angehört; nur die Herren Conservativen, denen namentlich die Enthüllungen über die zarten Verhältnisse Bcsmarck's zur Sozialdemokratie sehr unbequem waren, machten mehrmals Störungsversuche durch Murren rc. Eulenburg junior erhebt sich nun, um„auf die gestellten Fragen zu antworten". Die Protokolle des Nobiling-Prozesses könne er nicht vorlegen, das sei Sache des Gerichts. Wahr sei aber, daß Nobiling einmal vernommen worden sei(wohl nach seiner Verwundung, als er fich gerade die Kugel in den Kopf gejagt hatte?) und damals erklärt ha�e, daß er sozialdemokratischen Versammlungen beigewohnt und daß die dort entwickelten Grundsätze ihm gefallen hätten.(Angenommen, Nobiling habe dies in zurechnungsfähigem Zustande gesagt, so wäre dadurch gerade bewiesen, daß Nobiling nicht Sozialdemokrat war, denn als solcher würde er sich direkt zur Sozialdemokratie bekannt haben.) Uebrigens habe er(Eulenburg) niemals behauptet, die Sozialdemokraten seien direkt schuld an den Attentaten; die Attentate seien aber aus den allgemeinen Anschauungen der Sozialdemokratie hervorgegangen. Dies werde bestärkt durch die Haltung der deutschen sozialdemokratischen Presse gegenüber den Attentaten. Sie haben dieselben entweder als Resultate der heutigen Gesellschaftszustände, oder als die Thaten unzurech- nungsfähiger Individuen hingestellt. Die auswärtige sozial- demokratische Presse sei offener gewesen und habe unverholen Hödel und Nobiling als Sozialdemokraten anerkannt und ihre Verbrechen gebilligt, was auch der letzte Jurasser Congreß (Anarchisten- Conventikel). in der Schweiz gethan habe. Es sei richtig, dies seien anarchistische Kundgebungen, für welche die deutsche Sozialdemokratie nicht direkt verantwortlich zu machen; allein die Grundanschauung sei doch die gleiche, und„kraft des Gesetzes der Schwere werde die anarchistische Richtung, als die energischere, mit der Zeit unfehlbar die Marxistische überwiegen"(nach dem„Gesetz der Schwere" hat bekanntlich in Wirklichkeit das genaue Gegentheil stattgehabt). Man sehe also in den Anarchisten die künftige Sozialdemokratie. Jndcß hätte auch Marx sich für den gewaltsamen Umsturz erklärt (folgt ein Schuster'sches Citat), und Bebel habe sich in dieser Hinsicht direkt einverstanden erklärt(ditto Schuster). Die Be- Ziehungen Bismarck's zur Sozialdemokratie seien ihm unbekannt; er könne nichts Authentisches sagen. Wenn aber auch Alles wahr sei, was Vorredner behauptet, so sei damit blos bewiesen, daß Bismarck mit der sozialistischen Bewegung Fühlung gesucht und sich bemüht habe, sie in staatsfreundliche Geleise zu bringen. Er habe darin als echter Staatsmann gehandelt, und was er getdan. sei nickt eine Pflichtverletzung, sondern eine Pflicht- erfüllung. Nachdem es mißlungen, mußten natürlich andere Wege eingeschlagen werden. Beiläufig habe zur Zeit jener Unter- Handlungen Lassalle gelebt, der auf nationalem Boden ge- standen und nicht mit den Umstürzlern zu verwechseln sei, die heute das Ruder der deutschen Sozialdemokratie in Händeu hätten. An Eulenburg juvior reiht sich würdig der Held von Kirchheimbolanden an, der„vom Platz" redet. Die Weis- heit Bamberger's gipfelt in den Worten:„Ich glaube nicht an die Zukunft der Sozialdemokratie. Wer daran glaubt, der hat es allerdings schwerer, für ein Ausnahmegesetz zu stimmen." Sehr pfiffig: wer an die Zukunft des Sozialismus glaubt, d. h. überzeugt ist, daß der Sozialismus nicht todtgeschlagen werden kann, wird nicht den lächerlichen Versuch machen, das Nichttodtzuschlagende todtschlagen zu wollen. Herr Bamberger glaubt vermuthlich deshalb an die Möglichkeit der Todtschlagung der Sozialdemokratie, weil es ihm nach 1848 so leicht ge- worden, in sich selber die nicht soziale Demokratie todtzu- schlagen. Sonst entzieht die Rede fich jeder Berichterstattung. Ein parlamentarischer Echternacher macht auf jeden Schritt vorwärts treiben, sie sind geeignet, die Regierung aufzurütteln, solche un- erhörten, Deuischland vor dem gesammten civilifirten Auslände verhöhnenden Zustände so schnell als möglich zu beseitigen. Und dennoch! Die einzige Antwort auf solche furchtbare Anklagen wird sein: Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokraten und gegen alle Diejenigen, welche es wagen, solche Zustände der öffentlichen Beurtheilung preiszugeben! Das ist der Rechtsstaat, das ist der Staat der„Intelligenz"! —„Die Conservativen sind Shells Ochsen von Geburt, theils Ochsen aus Prinzip", klagte bekanntlich der einstige Hauptführer der conservaliven Partei, Geheime Justizrath Wagner, wenn seine Parteigenossen ihn durch ihre Handlungen in Verlegenheit setzten. Wenn Wagner steht, mit welcher Wuth sich die conservative Heerde gegenwärtig auf den vorg haltenen rothen Lappen des Ausnahmegesetzes stürzt und sich darin mit verwickelten Hörnern fängt, dann wird er gewiß auch nicht einen Buchstaben von obigem„geflügelten Worte" zurückzunehmen in der Lage sein können. — Bismarck soll nach den Aeußerungen seines jüngsten Interviewers von Blowitz ein sehr gutmüthiger Mann sein; nur Diejenigen soll er hassen und bekämpfen, welche seinen welt- geschichtlichen Ruf zu verkleinern oder zu schädigen suche». Wenn die Ansicht des Herrn von Blowitz auf richtiger Beurthei- lung beruht, dann müßte Herr von Bismarck seinen größten Zorn auf— sich selbst werfen. — Eine schreckliche Scene spielte sich vor Kurzem im Grand-Theater zu Bordeaux ab. Eine hübsche Tänzerin, Fräulein Delas, strauchelte und fiel gegen eine Gasflamme; sofort fingen die Kleider Feuer, und erst nach längeren Bemühungen wurde das Feuer am Körper der Halbverbrannten gelöscht. Der ganze Vorfall spielte sich vor den Augen des Publikums ab, welches nach Beendigung des Zwischenfalles das Stück mit voller Ge- müthlichkeit bis zu Ende genoß.„Man sollte es kaum glauben", schreiben dazu deutsche liberale Zeitungen. Wir aber haben die Ueberzeugung, daß die„gefühlvolle" deutsche Bourgeoisie genau eben so handeln würde. �wei zurück, so daß er zuletzt, rückwärts avancirend, in irgend ein Sumpfloch der Reaktion plumpst, wo wir ihn ruhig liegen und darüber nachdenken lassen wollen, ob er für oder gegen das Ausnahmegesetz ist. Hoffentlich kommt er vor der dritten Lesung noch mit sich in's Reine. Bamberger hatte die Geduld des„Hauses" aufs Aeußerste er- schöpft. Es war nun keines Haltens mehr. Sobald er geendigt, um 4 Uhr— wurde ein Bertagungsantrag gestellt und ein- stimmig angenommen. Morgen wird die Debatte wahrscheinlich zu Ende kommen. Da die Fortschrittspartei, consequent wie immer, sich entschlossen hat, für die Verweisung des Gesetzes vor eine Commission zu stimmen, wird die Verweisung unfehlbar mit großer Majorität erfolgen. Die Commission wird aus 21 Mitgliedern bestehen; ein sozialdemokratisches Mitglied wird dieselbe, in Folge des Widerstandes der Conservativen, vorausfichtlich nicht ent- halten.. � Berlin, 17. September. Auch heute ist die Spannung des Publikums eine große. Unter den Abgeordneten herrscht eine gewisse Erregung, weil verlautet, daß Fürst Bismarck der Sitzung beiwohnen wolle, um die gestern von Bebel gemachten„Enthüllungen" zu widerlegen oder richtig zu stellen. Das akademische Viertel wird etwas ausgedehnt und die auf 11 anberaumte Beginn der Sitzung bis auf V,12 verschoben. Nach Eintritt in die Tagesordnung erhielt als erster Redner das Wort der Fortschrittler Hänel. Der- selbe wendet sich mit Nachdruck gegen das Ausnahmegesetz, das er im Ganzen und in seinen Theilen für vollkommen unannehm- bar und für vollkommen unverbesserlich erklärt. Es sei eine wahrhaft cynische Zumuthung, die dem Reichstag mit diesem Gesetz gemacht werde. Es sei ein Parteigesetz, ja schlimmer: ein Tendenzgesetz, das nur Unheil anrichten könne. Es wende sich gegen eine ganze Partei auf Grund von Annahmen hin, deren Richtigkeit man nicht einmal zu beweisen suche. Die Sozial- demokratie könne nur mit geistigen Waffen bekämpft werden. Damit, daß man eine ganze Lehre als staatsgefährlich bezeichne, und die Unterdrückung dieser ftaatsgefährlichen Lehre verlange, ■fei blos der Beweis geliefert, daß man von Gedanken- und Gewissensfreiheit keinen Begriff habe.„Keine Regierung hat das Recht, zu entscheiden was staatsgefährlich ist und was nicht. Wird dieses Recht ihr zugestanden, dann ist es vorbei mit aller Freiheit— dann findet nur das Duldung, was der Regierung und herrschenden Partei gefällt." Wird dieses Gesetz, dessen Annahme ein schwerer politischer Fehler wäre, von dem Reichs- tag gebilligt, so ist es vorbei mit der Hoffnung auf eine gedeih- liche und ruhige Entwicklung der Dinge in Deutschland.-- Redner führt dann des Weiteren aus, daß man durchaus nicht juristisch definiren könne, was sozialistisch, und sozialdemokratisch sei, daß die Ideen und Ideale der Sozialdemokratie von vielen der edelsten und erleuchtetsten Männer gebilligt und getheilt worden seien; und daß man die Sozialdemokratie als politische Partei nicht treffen könne, ohne die Wissenschast zu treffen. Er