Erscheint in Leipzis «!tt»°ch, Freitag. Sonntag. AbouncmcntsprciS Kr ganz Dentichland 1 M. 6S Pf. pro Quartal. MonarS- Abonnements «erden»ei allen deutfchen Postanstalten «nf den 2. und 3. Monat, und auf den I. Monat besonders angenommen: im Ataigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- «ltenburg auch auf den tten Monat des Quartal» st 54 Psg. Inserate Setr. Versammlungen xr. Petitzeile lg Pf., Setr. Privatangelegenheiten und Fest- pro Petitzeile 30 Pf. ZZellcllungen nehmen an alle Postanftalten und Buch- Handlungen de» In- u. Auslände», Filial- Expeditionen. Ziem-Pork: Soz.-demokr. Genolsen- schaftS buchdruckerei, 154 Elckriclge Str. Philadelphia: P. Hast,«30 Sörth ZeU Street. 3. Boll, 1129 Charlotte Str. Hoholen N.J.: F. A. Sorg-, 215 IVaeh- ingston Str. Lhicago: A. Lanfcrmann, 74 Clxdonrne San FranziSco: F. Entz, 419 O'Fairell Stt, London W.: T. Henze, 9 Set» l-tr. klolcke« Square. Kentrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 114. Freitag, 27. September. 1878. Abonnements- Einladung. Mit dem 1. Oktober 1878 beginnt ein neues Quartal, und fordern wir deshalb zu zahlreichem Abonnement auf das wöchent- lich dreimal erscheinende Parteiorgan auf. Der Abonnements-Preis bei allen deutschen Postanstalten be- trägt 1 Mark 60?s. pro Quartal für ganz Deutschland ohne Zustellgebühr. Alle soliden Buchhandlungen des In- und Auslandes nehmen Abonnements entgegen. Denjenigen Abonnenten, welche das Blatt von uns direkt per Kreuzband beziehen, wird dasselbe in folgender Weise be- rechnet: für Deutschland, Ungarn, Helgoland und Luxemburg bei wöchentlich dreimaliger Zusendung 3 Mark pr. Quartal; bei wöchentlich einmaliger Zusendung 2 Mark 30 Pf.; für die Schweiz, Serbien, Belgien, Skandinavien, Italien, die Niederlande, Großbritannien, Rumänien, Portugal, Frankreich, Spanien, Türkei und Vereinigten Staaten von Amerika bei wöchentlich dreimaliger Zusendung 4 Mark, wöchentlich einmal 2 Mark 50 Pf. Couvertsendungen innerhalb des deutschen Postgebiets incl. Oesterreich- Ungarn, Luxemburg und Helgoland wöchentlich dreimal 10 Mark pr. Quartal, wöchentlich einmal 4 Mark 80 Pf. pr. Quartal. Der Abonnements-Betrag ist bei Bestellung einzusenden. In dem Zeitungskatalog steht der„Vorwärts" unter Nr. 4132, Seite 110. Wir fordern unsere Parteigenossen und Freunde auf, für zahlreiche neue Abonnements Sorge zu tragen. Die Zeiten sind ernst und schwer, sie fordern zur treuesten und energischsten Pflichterfüllung gebieterisch auf. Leipzig. Expedition des„Vorwärts". Färberstraße 12. II. Reflexionen. Die Geschichte geht nicht nur an den Bourbonen spur- IoS vorüber, sondern auch gemeiniglich an den Staatsmännern. Wer da glaubt, selbst die Geschichte zu machen— und dies ist ein allgemeiner Wahn der Staatsmänner—, der betrachtet seine Person als Erscheinung eines höheren historischen Zweckes, der glaubt, er sei der Mandatar eines Prinzips, welches ihn glück- licherweise nicht als Glied, sondern zum Regulator der Ent- Wicklung ausersehen hat. Solche Staatsmänner greifen mit Vorliebe zu Präventivmaßregeln, d. h. sie versuchen die histo- rische Entwicklung in ihrem Sinne durch„vorbeugende" Mittel zu lenken und gelangen so schließlich zu— Ausnahmegesetzen. Wessen Blick jedoch nicht durch Minoritätsinteressen oder durch das.Staatsinteresse" verdunkelt ist, wer in der Geschichte nur die causale Nothwendigkcit des Geschehens, deren ursäch- licher Zusammenhang uns freilich nicht immer bekannt ist, erblickt, der verlacht solche Ausnahmegesetze und deren Urheber. — Die Zeiten der Erfolge der Staatsgewalt liegen jenseits der französischen Revolution; ein breiter Blutstrom trennt die Künste der macchiavellistischen Politik von der Erkenntniß der organischen Entwicklung aller Kultur, und wer da glaubt, durch Ausnahmegesetze die Grundsätze dieser Entwicklung aufheben, leiten oder corrigiren zu können, der versucht es, die Wasser rückwärts fließen zu machen. Ausnahmegesetze, die nicht die Abwendung einer materiellen Gefahr, wie Krieg, Aufruhr, Hun- gersnoth 2c. zum Zwecke haben, find eine Rechtsverletzung, denn fix hemmen die Entwicklung des jeweiligen Gesellschaftsvertrages und stellen einen Theil der Kontrahenten dieses Vertrages ge- waltsam außerhalb ihrer Rechtsansprüche an die Gesellschaft ohne gleichzeitige Aufhebung ihrer Pflichten. Wer Ausnahmegesetze in der modernen Gesellschaft für nothwendig erklärt, der leugnet schlankweg das Prinzip ihrer Entwicklung, und so wird sich denn bezüglich deren Anerkennung eine immer weitere Kluft zwischen der„Staatskunst" und der wissenschaftlichen Volkswirthschaft— in der alle Regeln der Staatskunst enthalten sind— ausbilden, denn die Regierenden find conservativ, die Regierten revolutionär. Oder deutlicher: das Interesse der Regierenden weist auf Selbsterhaltung und damit zugleich überhaupt auf Erhaltung hin, und innerhalb ihrer Sphäre findet gar keine Entwick- lung statt; sie kommen und gehen und repräsentiren damit nur die Stadien der Entwicklung. Die Gesellschaft aber befindet sich wie das Individuum in einem beständigen Zustande der Veränderung, und zwar nicht nur in einem formalen, sondern wesentlichen; es findet nicht nur ein fortwährender Wechsel in- nerhalb des Personenstandes der verschiedenen Klassen statt, sondern das Verhältniß dieser Klassen ist auch einer bestän- digen Umbildung unterworfen. Demnach ist Ruhe das Prinzip der Regierung- Bewegung das Prinzip der Gesellschaft. Der Kampf zwischen Regierung und Gesellschaft, wie er fich in der parlamentarischen Form ausdrückt beruht nur auf der Verkennung der Ursachen dieses Zwiespaltes und die Inhalt- lofigkeit des Liberalismus besteht gerade darin, daß er zu keinem ernstlichen Schritte bereit ist, diesen Zwiespalt zu beseitigen, weder nach Seite der Regierung, noch nach Seite der Gesellschaft hin. Das Juste milieu wandelt in platter Selbstgefälligkeit zwischen diesen zwei Polen, ebenso bereit, der Regierung eins 'u versetzen, als die Forderungen der unter ihm stehenden Gesell- �aftsklassen zu versöhnen. Die Ordonnanzen Karl's X. erbitterten die Liberalen bis zur revolutionären That und Polignac's Kopf saß nicht allzufest; bei dem Worte„Republik" schauderten sie und warfen fich in die Arme des Börsenspekulanten Louis Philipp. Achtzehn Jahre später hatten sie eingesehen, daß die Republik ein sehr dehnbarer Begriff sei, und als schwielige Hände und rußige Gesichter in ihre Republik hineinreden wollten, schauderten sie wieder und bauten ihr„System" auf 10,000 Leichen auf. Traurige Erin- nerungen, die keine Lehren hinterlassen haben, weil gewisse Staaatsmänner nur darin akute Erscheinungen erblicken, die durch schnellwirkende Mittel zu heilen sind. Ausnahmegesetze sind schnellwirkende Mittel, welche gegen organisch entwickelte Krankheiten nichts ausrichten, sie treiben die Krankheitssymptome gewaltsam in den Gesellschaftskörper zurück und schaffen dadurch später schwer zu heilende constitutionelle Leiden. Und wer stellt die Diagnose? Bismarck, Kleist-Retzow, Bamberger? Als Kleist- Retzow in seinem theologisch junkerlichen Sermon vom Lobe Bamberger's überfloß und von der Reichstagskanzel hinabstieg, da drückte ihm Bismarck warm die Hand. Wozu noch Worte um die Solidarität der Reaktion zu beweisen. Woher diese Eintracht der drei feindlichen Brüder? Die sich gestern noch haßten, sie wandeln heute auf den verschlungenen Pfaden einer allweisen Staaatskunst. Haben sich die Bande der Fraktionen gelöst und ist aus dem Hader der Parteien der Same der Eintracht hervorgegangen? Oder ist das Wohl des Vater- landes bedroht und gilt es, einig sein zum Schutze desselben? Nein!— Das Baterland ist nicht bedroht, aber die Interessen sind es. Wenn zwei Personen in Streit liegen und ein Dritter kommt hinzu, um Beiden das Unrecht ihres Streites darzulegen, so kann er sicher sein, daß Beide dann vereint über ihn herfallen werden. Genau so geht es mit den politischen Parteien. Diese befinden sich wegen kleiner Jnteressendifferenzen im Streit, sobald aber von einem Dritten ein ihnen gemeinsames großes Interesse angegriffen wird, vergessen sie schnell die Wahrung des kleinen, um das für sie große zu retten. Armselige Staatskunst, bemitleidenswerthe kleinliche Politiker! Wo Euch eine Sündfluth droht, spannt Ihr die Regen- schirme auf, wo Gewitter und Sturm naht, glaubt Ihr genug zu thun, Fenster und Thüren zu schließen; wenn aber ein frischer Wind Eure Denkerftiri-en umfächett, schreit Ihr nach Doktor und Apotheker aus Furcht vor Krankheit und Tod.— c— Aus England. London, 20. Septbr. Anläßlich der Eröffnung des deutschen Reichstages und über das Sozialistengesetz äußern sich verschiedene Blätter: ,,The Globe"(conservativ): Der Grundton der neuen Antisozialistenbill wird in der Bemerkung gefunden, daß der Mordversuch auf den Kaiser eine Folge der weit verbreiteten Agitation sei, welche daraus hinziele, die bestehende Ordnung des Staates und der Gesellschaft zu unterwühlen. Es ist klar, daß der große Kanzler sich nicht abschrecken läßt, das Werk zu voll- enden, das er begonnen hat. Er beabsichtigt, der freien Rede und der freien Presse in seinem Vaterlande den Maulkorb an- zulegen, und wenn seine Edikte so weit reichen könnten, so würde er zweifelsohne die freien Gedanken ebenso gut unterdrücken. „The Times"(Politische Windfahne): Die Deutschen haben sich nun seit vielen Jahren an Freiheit in Sprache und Schrift, in Presse und Versammlungen gewöhnt, und sie werden nicht leicht ihre Rechte in die Hände einer Bureaukratie überliefern, damit, wie man sich vergeblich einbildet, die sozialistischen Ideen aufhören mögen, in einigen verrückten Köpfen zu gähren. Viele glauben, daß die anttsozialistische Gesetzgebung nur zum Zwecke habe, neue Forderungen zur Ausdehnung der Machtbefugnisse der Regierung über die Armee zu maskiren. Man nimmt an, daß die Liberalen geneigt wären, die Krone für eine Anzahl Jahre von Parlamentsbewilligungen(für die Armee) unabhängig zu machen, wenn die beanstandeten Paragraphen in den vorge- schlagenen Strafgesetzen weggelassen würden. Aber dies ist ein voreiliges Urtheil. Fürst Bismarck ist, wie wir glauben, völlig von der Ueberzeugung— einer irrigen und einer gefährlichen Ueberzeugung— durchdrungen, daß der Sozialismus, sowohl als eine Theorie, als auch als eine thätige Verschwörung gewalt- thätig unterdrückt werden müsse, und es ist seine Gewohnheit nicht, seine Ueberzeugung den Ueberzeugungen Anderer unterzu- ordnen. „Daily Telegraph"(halb ministeriell, halb liberal; verkauft für dreißig Pfennig das Vaterland): Je mehr der Sozialismus unterdrückt wird, desto fester werden sich seine Anhänger an ihn anklammern, und desto gewaltiger wird die Explosivkraft, die er auf diese Weise gewinnt. Gleichgültigkeit(gegen die angedrohten Strafen) und blinder Enthusiasmus vergrößern die Gefahr, wie uns die Nachrichten aus Rußland zu deutlich zeigen. „Pall Mall Gazette"(Hauptorgan der hochconservativen Re- gierungs Partei): Fürst Bismarck wurde stets für einen Staats- mann von viel umfassendem Blicke angesehen, und als ein solcher, der gewohnt ist, den Thatsachen gerade in's Gesicht zu schaue», auch wenn dieselben unerfreulich sind. Ueberdies hat er einen außerordentlich gut informirten Beamtenstab zu seiner Verfügung. Seine Untergeordneten sind Männer, die sich rühmen, daß sie sich nicht von ihren Wünschen verleiten lassen, und daß sie gegen die allgemeine Neigung gepanzert seien, die Thatsachen nicht so � zu sehen, wie sie sind, sondern wie sie sie gerne haben möchten. Es scheint beinahe unmöglich, daß ein Staatsmann von diesem Kaliber, umgeben von Beamten von diesem Kaliber, den Fehler begehen sollte, zu glauben, daß der Sozialismus durch solche Maßregeln, wie sie' die Regierung vorschlägt, vernichtet werden könne. „Jndöpendance Belge"(liberal): Man wird so viel wie möglich die öffentlichen Freiheiten„im Allgemeinen" schonen, aber vor allem muß der Propaganda der Sozialdemokraten ein Ziel gesetzt werden; das heißt, daß für diese keine Preß- und Versammlungsfreiheit mehr existiren wird, und daß man sich, um sie zu treffen, durch keine übertriebene Furcht, irgend einer besondern Freiheit zu nahe zu treten, zurückhalten lassen wird. Es ist, mit einem Worte, ein öffentliches Wohlfahrts- gesetz, das die Kaiserliche Regierung vom Parlamente zu erhalten wünscht, und sie verfehlt nicht, daß sie es, wenn erhalten, in der ganzen Strenge und Ausdehnung, deren ein solches Gesetz fähig ist, ausführen wolle. „Daily News"(liberal): Die Sozialdemokraten, und das läßt sich begreifen, protestiren gegen die Aufbürdung der Ver- antwortlichkeit für die Verbrechen Höd-l's und Nobiling's. Sie sagen, daß sie solche Verbrechen verabscheuen; daß sie den Mord eb-nso wenig lieben als die Tyrannei; daß sie rechtmäßige Ziele durch rechtmäßige Mittel verfolgen. Sie streben allerlei soziale Reformen an; die meisten derselben bilden im englischen Par- lamente die Grundlage von Berathschlagungen, oder könnten es in jeder Sitzung thun. Sie wollen Erziehung, Redefreiheit, Aburtheilung durch Geschwornengerichte. Alle diese Dinge, sage« sie, haben mit Meuchelmord nichts zu thun, und Mörder müsse man in keiner Weise als mit ihren Lehren in Verbindung stehend betrachten. Dies ist natürlich alles vollkommen wahr. Aber die Sozialdemokraten vergessen, daß Gegenstände, die noch weiter von Verbrechen und Meuchelmord entfernt sind, zu einem Vor- wände für Verbrechen und Meuchelmord gemacht wurden. Die schlimmsten Feinde des Ehristenthums haben dasselbe nicht be- schuldigt, den Meuchelmord zu begünstigen, und doch führten Jacques Element und Ravaillac das Messer in der Meinung, dieses zu vertheidigen. Sozialpolitiscke Uebersicht. — Sozialistengesetzcommission. Jeder Morgen bringt uns in einem langen Bericht die Resultate der Berathungen in der Sozialistencommisfion, und jeder neue Bericht läßt mehr die Hoffnung schwinden, daß Deutschland vor einem Gesetze bewahrt bleibe, welches die gesetzliche Freiheit in so hohem Grade bedroht. Fleißig sind die 21 Herren, fährt die„Vossische Zeitung" fort, in deren Hände der Reichetag die Entscheidung gelegt hat, da eine Amendirung der Kommissionsarbeit kaum zu erwarten ist; selten fehlt Einer in den täglichen mehrstündigen Sitzungen. Und der Fleißigste von Allen ist ver Abgeordnete Lasker, der keinen Satz der Vorlage die Diskussion Yassiren läßt, ohne ein Amendement dazu einzubringen. Sieht man seine Verbesscrungs- Vorschläge jedoch genauer an, so kommen sie beinahe immer auf Umschreibungen hinaus, die bei geschickter Handhabung dieselbe Wirkung erzielen dürften, auf welche die Vorlage berechnet war. In der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" finden denn auch Lasker's Bemühungen die vollste Anerkennung.„Die Stellung, welche er in der Kommissionsberathung eingenommen hat, läßt voraussehen, daß die nationalliberale Partei dem Zustandekom- wen des Gesetzes keine unüberwindlichen Schwierigkeiten bereiten wird." So muß man denn die letzten Hoffnungen, welche die erste Lesung im Plenum noch hie und da übrig gelassen, gänzlich aufgeben. Auch die„Times"— und die„Times" kann sich in der Liebe zum Eigenthum gewiß mit Herrn Bamberger messen— das englische Blatt hoffte auf Grund der ersten Berichte, bald Deutschland beglückwünschen zu können, daß in einer Periode großer Aufregung der gesunde Verstand und das richtige Gefühl seines Volkes es in den Stand setzte, die richtige Mitte zu halten, um einerseits den Verbrecher vor Gericht zu ziehen und andererseits den Gedanken an die Zukunft der öffentlichen Frei- heit nicht aus den Angen zu verlieren. Ob die Nationalliberalen in der Kommission wohl daran denken, was man nach dem Bekanntwerden ihrer Arbeit im Auslande von dem gesunden Verstände und dem richtigen Gefühl des deutschen Volkes wohl halten wird? Dem§ 6(Preßknebelungsparagraph) hat die Untergrabungs- commission(nach dem Lasker'schen Amendement: Umsturzcom- Mission) auf Antrag des Herrn Lasker folgende Fassung gegeben: „Druckschriften, in welchen sozialdemokratische, sozialistische oder communistische, auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichtete Bestrebungen in einer den öffentlichen Frieden oder die Eintracht der Bevölkerungsklassen gefährdenden Weise zu Tage treten, sind zu verbieten. Bei periodischen Druckschriften kann zugleich mit dem zweiten auf Grund dieses Gesetzes ergehenden Verbot einer einzelnen Num- mer das Verbot des ferneren Erscheinens derselben erfolgen." Lasker äußerte hierbei, daß die Bestrebungen der Sozial- demokratie und des Sozialismus nicht schon an sich straf- würdig seien, sondern daß die Strafbarkeit in der Methode der Bestrebungen liege. Die Personen, die jetzt mit frieden- störenden Mitteln arbeiteten, müßten gezwungen werden, sich friedlicher Mittel zu bedienen. Und ferner glaubte derselbe Ab- geordnete, daß es drei Kategorien von Blättern geben werde: solche, die mit einem Brandartikel abgehen wollen, andere, die ein großes Kapital zu schonen hätten und sich änderten, dritte, die sich auf eine ruhigere Art einzurichten gedenken. Dieser letzteren Wandlung dürfe man nicht entgegentrete».— Nun, wir gesteben, daß das kleine Laskerchen der reine„Topfgucker" in der sozialdemokratischen Hexenküche gewesen zu sein scheint. Nach einem weiteren Lasker'schen Amendement soll das con- fiscirte Vereinsvermögen nicht der Armenkasse anheimfallen, son- dern liquidirt und für die gesetzlichen Verpflichtungen des Vereins verwandt werden. Die Landespolizeibehörde wurde als erste Instanz für die verschiedenen Verbote und Confiscationen festgestellt. Ueber die Beschwerdeinstanz, rcsp. über die endgiltige Entscheidungs- instanz erhob sich ein gewaltiger Streit. Der Jurist Laster wollte eine richterliche Instanz, der Jurist Gneist wollte den Reichskanzler als endgiltige Entscheidung. Die Verhandlungen, welche hierüber in der Commisfion am 21. d. M. geführt wurden, hat man am 23. fortgesetzt. Zur Zeit, wo wir dieses schreiben(Dienstag, 24. Sept.), liegen über die letzte Eommisfions- fitzung noch keine Berichte vor. Obwohl Herr Lasker nur scheinbare Verbesserungsvorschläge macht, obwohl die Nationalliberalen besser noch wie die gelehrig- sten Pudel über den vorgehaltenen bismarckischen Stock springen, scheint ihr Herr und Meister dennoch mit ihren Kunststücken nicht zufrieden zu sein. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", das Organ des Kanzlers, bringt nämlich an hervorragender Stelle eine die nationalliberale Presse„völlig überraschende" Erklärung, die ihr von competenter Seite zugegangen zu sein scheint. „Der bisherige Verlauf der Commissionsverhand- lungen hat nicht den Erwartungen entsprochen, welche die Generaldiskussion im Plenum und die Commissionswahlen hervorrufen mußten. Es schien, als ob die nationalliberale Fraktion in ihrer Mehrheit gewillt sei, die Reichsregierung auf- richtig in der Bekämpfung des sozialdemokratischen Unwesens zu unterstützen und angesichts der vorliegenden ernsten verantwort- lichen Aufgabe die Geltendmachung doktrinärer Weisheit mög- lichst zu beschränken. An die Thatsache, daß von den National- liberalen Niemand Namens der Fraktion gesprochen, daß nament- lich Lasker sich vorsichtig zurückgehalten, knüpfte man auf con- servativer Seite die Hoffnung, es werde sich die Fraktion von der Führung emanzipiren, durch welche die guten Beziehungen zur Regierung seit Langem gefährdet erscheinen. Die Hoff- nung scheint nicht in Erfüllung gehen zu sollen. Die Haltung, welche Lasker eingenommen, beweist, daß er sich nach wie vor als den eigentlichen Führer der Partei betrachtet, und die Unterstützung, welche seine Anträge bei den übrigen national- liberalen Commissionsmitgliedern finden, läßt nicht erkennen, daß die Anschauungsweise Lasker's eine unberechtigte sei. Wir können unter diesen Umständen den weiteren Verhandlungen nicht ohne Besorgnisse entgegensehen. Schon jetzt sind einige Beschlüsse gefaßt, welche die verbündeten Regierungen voraussichtlich als unannehmbar bezeichnen werden. Das Zustandekommen des Gesetzes erscheint gefährdet, zum Min- dekten erschwert, falls nicht im Fortgang der Verhandlungen, namentlich bei der dritten Lesung, diejenigen Mitglieder die Oberhand gewinnen, welche eine Verständigung mit der Regierung auf Grundlage des praktischen Bedürfnisses wirklich erstreben. Sollte eine solche Verständigung in Folge der Eommisfions- beschlüsie auch im Plenum nicht gelingen, sollte deshalb die Nation zum zweiten Male im Laufe eines halben Jahres an die Wahlurne gerufen werden, so würde sie sich für die Aufregungen eines abermaligen Wahlkamfes in erster Linie bei Herrn Lasker zu bedecken haben." Diese Drohung wird ihre Wirkung bei den„über den Stock springenden" Nationalliberalen nicht verfehlen; sie werden nun- mehr„schön thun",„bauchrutschen", überhaupt Alles, was von ihnen verlangt werden wird. — Nobiling und die„Germania". Unter dieser Ueber- schrift bringt die(katholische)„Germania" folgenden Bericht: „Da die gegen Nobiling eingeleitete Untersuchung wegen des ein- getretenen Todes des Attentäters beendigt ist und— so viel verlautet— wegen Mangel an bisher entdeckten Complicen auch fiegcn andere Personen sich nicht mehr in der Schwebe befindet, o scheint es uns nunmehr an der Zeit zu sein, die vor einigen Monaten von uns versprochenen Details über das Verhör, welches unser Chefredakteur in der gedachten Angelegenheit am An Deutschland. Weh mir, daß ich dich fragen muß: Bist du das Volk der Hohenstaufen? Dein zweiter Kuß ein Judaskuß! Es schwelgt ein Theil im Ueberfluß, Der größre, ein Johannes Hnß, Besteigt des Elends Scheiterhaufen. Viel besser ist ein Räuber Moor, Stößt er das Weltall aus dem Gleise, Als Euer Dünnbierseelenchor Mit der Parole: Ein Schritt vor; Zwei Schritt zurück! Dabei verlor Der„Fortschritt" seine besten Kreise. Ihr Dichter insgesammt: o sprecht, Kennt ihr den Namen Ulrich Hutten, Den einst verdammte sein Geschlecht? Wie klingt sein Name heut so echt! Statt daß ihr Zukunftsrosen brecht, Pflückt ihr des Tages Hagebutten. O Deutschland, du mein Echternach/) Du Land der Gründer und der Streber, Du springst zum Ziele allgemach, Ich aber ruf: Erwach! erwach! Beim ersten Zuge biete Schach, Zerspreng' die übertünchten Gräber! Ein Roland trittst du in den Streit, Deß Losung: Sozialistenhetze, Und Ganelon ist auch nicht wert— Der Reichstag, zum Berrath bereit. „Je weniger Gerechtigkeit," Schrieb Seume,„um so mehr Gesetze/ | 5. Juli c. vor dem Untersuchungsrichter gehabt hatte, zu publi- ciren. Hier sind sie: Einige Zeit vor dem 2. Juni, dem Tage des Attentats, war Hierselbst bei dem Hofgärtner Schmidt, Friedrichstraße Nr. 177, ein Blumenbouquet bestellt worden, und wurde dabei seitens des Auftraggebers eine Karte abgegeben, auf welcher die nachstehenden Worte sich befanden: Dr. Nobiling, Mitarbeiter der„Germania". Dr. Majunke wurde deshalb am 5. Juli vom Untersuchungsrichter befragt, ob in der That Dr. Nobiling ein Mitarbeiter der„Germania" gewesen sei. Dr. M. konnte sofort die bündige Erklärung abgeben, daß ein„Dr. No- biling" niemals ein Mitarbeiter des von ihm geleiteten Blattes gewesen sei. Dr. M., der einige Tage vor dem Termine ein Portrait Nobiling's in dem bei Pustet in Regensburg erscheinen- den„Deutschen Hausschatz" gesehen hatte, erklärte ferner, er könne sich auch nicht erinnern, daß er jemals mit dem Attentäter in gesellschaftlichem Verkehre zusammengetroffen sei; ganz sichere Auskunft würde er aber hierüber geben können, wenn man ihn dem Verbrecher in Person einmal gegenüberstellen würde. Letz- teres schien indeß der Untersuchungsrichter nicht für erforderlich zu halten; er legte dem Zeugen nur eine Photographie Nobi- ling's vor, von der er versicherte, daß sie naturgetreu sei. Dr. M. fand nun hier genau dasselbe Bild wieder, welches er schon im„Hausschatz" bemerkt hatte und erklärte jetzt mit aller Be- stimmtheit, daß er mit dem Verbrecher niemals ein Wort in seinem Leben gewechselt habe. Leider hatte der Hofgärtner Schmidt jene Visitenkarte nicht mehr aufbewahrt; er hatte sie bereits vor dem 2. Juni mit anderen vernichtet und war nur dadurch, daß er gelegentlich des Attentates den Namen Nobi- ling's nennen hörte, an die Karte wieder erinnert worden. Die- selbe befindet sich daher auch nicht bei den Untersuchungsakten. Ein Mißbrauch des Namens der„Germania" liegt also hier in jedem Falle vor, da keiner der Redakteure derselben sich erinnert, daß ein Dr. Nobiling jemals mit ihnen in irgend welchen Be- ziehungen gestanden habe, und es fragt sich nur, zu welchem Zweck dieser Mißbrauch getrieben worden sei, denn es läßt sich wohl annehmen, daß„Dr. Nobiling" noch mehrere derartige Karten verbreitet hat, deren Empfänger nur wegen befürchteter Prozeßweitläufigkeiten sich dem Gerichte zu nennen scheuten. Vielleicht bringt nachstehende weitere Thatsache einiges Licht in die dunkle Angelegenheit. Es ist notorisch, daß bei der Festnahme Nohiling's auf dessen Zimmer nur die„Germania" und zwar diese in zahlreichen wohlgeordneten Exemplaren vor- gefunden wurde. Als Dr. Majunke beim Verhör den Unter- suchungsrichter fragte, wie sich denn dieser Umstand erklären ließe, da ja nach Allem, was über Nobiling bekannt geworden, der- selbe viele Zeitungen gelesen habe und überdies ein Gegner der von der„Germania" vertretenen Richtung gewesen sei, antwor- tete der Richter wörtlich:„Die anderen Zeitungen hatte er alle weggeschafft." Hiernach läßt sich also nicht leugnen, daß ein wohlberechneter und— nach dem bei dem Hofgärtner hinter- lassenen corpus delicti zu schließen— langgehegter Plan dem Verbrecher zu Grunde gelegen hat, ein Plan, der allerdings zu- gleich so dummdreist war, daß er von keiner hohen In- telligenz seines Urhebers Zeugniß ablegen kann. Es stimmt dies auch zu der Charakteristik, welche der Untersuchungs- richter Herrn Majunke über Nobiling bei dem mehrerwähnten Termine gab.„Das Bild", sagte der Untersuchungsrichter, „welches die Zeitungen über Nobiling ausmalen, ist ganz und gar unzutreffend; er ist nichts weniger als„intelligent", er ist noch dümmer als Hödel." Uebrigens bezeichnen ihn seine Verwandten als eineir höchst schüchternen Menschen, und auf welchen mühseligen Wegen er zu seinem Doktortitel gekom- men, ist ja auch allgemein bekannt. Sollte also der Attentäter in kein Complot verwickelt gewesen sein— es sprechen mehrere Gründe dafür(??) und dagegen— so bleibt nur die Annahme übrig, daß er, der Halbidiot und zugleich enragirte Waffen- freund, in einem dunklem Drange von Großmannssucht IL M. Herr Fritz Kalle als Humanitätsap ostel in der„Gartenlaube". (Schluß.) Sprechen wir nun von den„guten Beispielen", welche die Arbeitgeber ihren Arbeitern geben sollen. Ja ja, Herr Kalle, Ihre Collegen haben schon bisher schlagend bewiesen, daß sie das richtige Zeug haben,„mit gutem Beispiel voranzuleuchten"! Was zunächst die„Sittlichkeit" anbelangt— wo ereignen sich denn die schreiendsten Unsittlichkeitsakte und die infamsten Ver- führungen? Gerade in den Fabrikdistrikten, in den Werkstätten und dem Wirkungsbereich ihrer Collegen, Herr Kalle, und so oft direkt durch die Letzteren! Ist Ihnen das riesige Material ganz *") Bekannt durch seine Springprozessionen. unbekannt, was zu diesem Gebiete aus allen auch nur halbwegs selbstständigen Tagesblättern— von der Arbeiterpresse ganz ab- gesehen— geschöpft werden kann? Und zugestandenermaßen ist diese stets wachsende Unsittlichkeit— sofern �sie den anderen Theil anbelangt— größtentheils eine direkte Folge der traurigen ökonomischen Lage, in welcher die Fabrikbevölkerung durch den von Ihnen vertheidigten Kapitalismus gehalten wird, und welche also nicht schwindet, bevor der Kapitalismus fällt. Doch an diesen gegensettigen Zusammenhang zu denken, wollen wir Ihnen, Herr Kalle, gar nicht zumuthen— denn wir werden noch weiter unten sehen, wie wenig von Ihrem ökonomischen Wissen verlangt werden kann! Jene Unsiltliu>keit geht aber zum Theil auch aus den speziellen Fabrikeinrichtungen hervor, wozu vor Allem die schmachvolle, familienvergiftende Kinderarbeitjjehört, die Sie ja, Herr Kalle, in Ihrem von Humanität und Familienschwärmerei strotzenden Artikel mit keiner Silbe erwähnen!— Was ferner die„Beispiele der Ehre und des Anstandes" betrifft— wissen Sie denn nicht Herr Kalle, daß Ihre Collegen zum größten Theil ihre Arbeiter bei jeder Gelegenheit— besonders während der verflossenen Wahlen— durch die Hungerfolter zu zwingen suchten, ihre Ehre und Ueberzeugung zu verkaufen? Und sind nicht Sie es, Herr Kalle, der diese schandbare Seelenverkäuferei im ersten Theil seines Humanitätsartikels empfiehlt und dieselbe „einstweilen" eonsequent und allgemein durchgeführt haben möchte? Wie stimmen Ihre salbungsvollen und�moraltriefenden Humani- tätsphrasen mit dem, was Sie einige Spalten früher geschrieben haben? Wie können sie so keck heucheln!— Schließlich ermahnen Sie die Arbeitgeber, sie möchten nicht„den ihnen gewordenen Reichthum zur Entfaltung eines Neid und niedrige Genußsucht erregenden Luxus mißbrauchen," sondern„vor Allem zu umfang- reicherer Unterstützung der weniger günstig Gestellten benutzen." Ja wohl: Diejenigen, welche mi: allen Mitteln den Enterbten ausgebeutet haben, um sich Reichthum zusammenzuraffen, die eignen sich naturgemäß am Besten, ihren Reichthum hinterher für diese Ausgebeuteten zu verwenden! Diese Naivität ist gott- voll! Uebrigens, Herr Kalle, Sie philanthropisches Bourgeois- gemüth, warum plaidiren Sie denn nicht dafür, daß der Arbeit- geber gleich von vornherein seine Arbeiter liebevoller bedenkt, in der Weise, daß dieselben nicht so ungünstig gestellt werden, daß sie eine Unterstützung bedürfen, statt daß er zuerst alles Mögliche zu ihrer ungünstigen Stellung beiträgt, um dann, wenn sie auf den Hund sind, ihnen Almosen zu spenden? Das wäre doch viel kürzer und praktischer! Warum machen Sie zuerst den Arbeiter zum Lazarus, um ihm dann die Brocken hinzuwerfen, die von Ihrem Tische abfallen? Doch halt! Man soll vom Menschen so lange als möglich das Beste denken. Nach dem folgenden Theile Ihres Artikels zu schließen, scheinen Sie zu befürchten, daß der Arbeiter, sich selbst überlassen, sich nicht auf die„richtige Verwendung des Erworbenen" verstehen möchte, und wollen deshalb das vom Arbeiter erzeugte Eigenthum unter Ihre väterlichen Fittige nehmen, damit derselbe nicht ausarte? Aber leider, leider, Herr Kalle, müssen wir Sie in dieser Hin- ficht daran erinnern, vor Ihrer eigenen Thüre zu kehren! Uns dünkt es nämlich, daß zur Vormundschaft über das Arbeiter- und halb unbewußter Nachahmungssucht auf das erste ver- eitelte Attentat ein zweites wirksameres folgen lassen wollte." Also eine neue Bestätigung der, für jeden Unparteiischen und Denkfähigen, längst erwiesenen Thatsache, daß Nobiling nicht im Besitz normaler Geistessähigkeiten sich befand, so wenig wie Leh- mann-Hödel. Gleich diesem war er Halbidiot. Nur mit dem Unterschied, daß bei ihm die Erblichkeit klar nachgewiesen ist, was bei Lehmann-Hödel nicht der Fall, vermuthlich, weil dessen Vater nicht bekannt. Beiläufig ist dieser Tage ein Bruder Nobiling's von dem Kreisgericht in Eisleben von der Anklage der Religionsverspottung freigesprochen. Die Religions- Verspottung sollte darin bestanden haben, daß Nobiling bei dem Begräbniß eines Lieblings Hund es den Choral„Jesus meine Zuverficht" von einer Mufikbande hatte spielen lassen.— Man sieht, die Verrücktheit ist in der Familie. — Vom kranken Mann. In Folge der„anfregenden Debatten" über das Sozialistengesetz ist unser Reichskanzler wie- der wie wir in der vorigen Nummer mittheilten, erkrankt. Es veranlaßt uns dies zum Abdruck des nachfolgenden Schreibens, das uns, noch ehe von dieser neuesten Erkrankung etwas bekannt war, aus ärztlichen Kreisen zugegangen ist: Fürst Bismarck hat in seiner letzten Reichstagsrede er- klärt, er habe sich seine Krankheit ehrlich verdient. Niemand, auch der enragirteste Gegner des Reichskanzlers wird bestreiten können oder wollen, daß derselbe seit 15 Jahren so übermäßige geistige Aufregungen und Anstrengungen auszuhalten gehabt hat, daß auch der kräftigste Körper dieselben nicht ohne voll- ständige Zerrüttung des Nervensystems ertragen konnte. Fürst Bismarck ist also schwer nervenkrank. Das erklärt mir voll- ständig die Zerfahrenheit seiner inneren Politik. Das erklärt sein sonst unbegreifliches Auftreten gegen seine langjährigen Mitarbeiter und die eigenthümliche Art seines Urtheils über die entlassenen Minister. Das erklärt den plötzlichen Gesinnungs- Wechsel über die Organisationen des Reiches. Das erklärt auch die letzten heftigen Angriffe gegen Eugen Richter, denn schwer nervenkranke Menschen gerathen immer sofort in Aufregung, wenn sie Jemand sehen, oder von Jemand erinnert werden, von dem sie sich die Wahnvorstellung gebildet haben, er sei ihr Gegner oder Verfolger. Das erklärt auch die sonst unerklär- liche Gedächtnißschwäche, die Fürst Bismarck dadurch dokumen- tirte, daß er nichts von der Wahl Fritzsche's im 4. Berliner Wahlkreis wußte, von der doch die ganze Welt gesprochen und geschrieben hat, und von der ihm direkte telegraphische Nach- richt zugegangen ist. Das erklärt auch die Wahnvorstellung, die ihn verleitete, den Kullmann dem Centrum, den Hödel und Nobiling uns an die Rockschöße zu hängen und das erklärt auch jene von Bebel gebrandmartte offizielle Depesche, nach welcher Nobiling gestanden haben sollte, er hege sozialdemokra- tische Sympathien! Ich bedauere lebhaft diese schwere Nervenkrank- heit des Reichskanzlers, unter der seine ganze Umgebung sicherlich zu leiden hat! Wäre der Herr nicht in so hoher Stellung, er wäre gewiß schon von den Aerzten von jeder aufregenden Thätigkeit abgehatlen und nach einem gesunden Aufenthaltsort geschickt wor- den, wo er von der politischen Welt hermetisch abgeschlossen, unter sorgfältiger Aufsicht und Pflege sicherlich noch Heilung finden könnte. Wenn das aber nicht bald geschieht, wird sich nach dem Urtheil jedes Sachverständigen der Zustand bald zu einem unheilbaren gestalten! Und es wäre doch wahrlich ein furchtbares Schicksal, wenn der Begründer des deutschen Reiches an langsamer Krankheit dahinsiechen müßte! — Das ungarisch-deutsche Blatt, der„Pester Lloyd" bespricht das deutsche Sozialistengesetz und die Lage in Deutschland in einer für die deutsche Reichsregierung nicht ge- radezu schmeichelhaften Weise. Dann erwähnt das Blatt die auch von uns mitgetheilte Unterredung Bismarck's mit dem eigenthum und zur Belehrung über dessen„richtige Verwendung zum Wohlergehen der Arbeiter" Leute nicht besonders geeignet und berufen sind, die sich zu Diners zusammensetzen, an denen die Verschwendung förmlich kultivirt wird— wie Sie unter Anderm in einer Gesellschaft tafelten, wo allein 70 verschiedene Sorten Liqueure vertilgt wurden!(Siehe„Vorwärts" Nr. 94.) Das möchten wir auch„Entfaltung eines Neid und niedrige Genußsucht erregenden Luxus" nennen! Von diesem Gesichtspunkte aus richten sich Ihre folgenden Ausführungen von selbst. Dieselben enthalten eine Reihe Mittelchen„zur Förderung des materiellen Wohles der Arbeiter", die aus den Geistesfabrikaten eines Max Hirsch, eines Viktor Böhmert, eines Gründers Quistorp u. A. kompilatorisch ge- sammelt find. Sie betreffen unter Anderm die seitens der Arbeitgeber zu leitende Hebung der Hülfskassen für Kranke, für Arbeitslose— nämlich wenn sie nur in Folge der Geschäfts- krisis arbeitslos sind— und für Wittwen und Waisen. Wie gesagt, Herr Kalle, wenn Ihnen daS Elend des Arbeiters so nahe geht, warum kämpfen Sie nicht dagegen an,� daß dieses Elend, zu Gunsten Ihres und Ihrer Collegen Geldsückels, zuerst auf alle Weise gefördert wird? Warum treten Sie mcht präser- vativ statt quacksalbernd gegenüber der Lage der Arbeiter auf? Aber Sie wollen eben einmal den Pelz waschen, ohne ihn naß zu machen, d. h. ohne Ihrer Rolle als Ausbeuter etwas zu ver- geben, und dies ist wohl auch der Sinn der in Ihrem Artikel öfters wiederkehrenden Redensart„Besserung nach Möglichkeit"! Gestehen Sie es nur offen ein! Ihre weiteren Borschlage an die Arbeitgeber beziehen sich auf Hebung der Konsumvereine und auf Aktiengesellschaften zur Errichtung von Arbeiterhäusern. Auf diese Weise, in Verbindung mit konsequenter Belebung des Sparkassenwesens*), denken Sie es dahin zu bringen, daß die Arbeiter allmähliz„kleine Kapi- talisten" und damit zugleich endgültig Ihre„Bundesgenossen" werden. Lieber Herr Kalle, Sie sind von einer Paradiesischen Unschuld und scheinen nicht die geringste Ahnung davon zu haben, daß der Grundzug der ökonomischen Entwicklung der Gegenwart gerade darin besteht, daß das kleine Eigenthum vom großen ab- sorbirt wird, der Mittelstand daher schwindet, und alle Klein- bürger und„kleine Kapitalisten", als Opfer des Großkapitals, in die Klasse der Besitzlosen geschleudert werden. Einen Arbeiter zum„kleinen Kapitalisten" zu machen— vorausgesetzt, daß dies allgemein gelänge— und zu glauben, damit der Arbeiterfrage die Spitze abgebrochen zu haben, wäre also gerade so schlau, als wenn man Jemandem, der von einem Wagen herabgefallen ist, dadurch wieder in die Höhe helfen wollte, daß man ihn auf das rollende Wagenrad setzt, von wo er im nächsten Augenblick wieder in den Straßenkoth purzelt! Und ein solcher Ignorant untersteht sich, den Arbeitern„wirthschaftliche Erkenntnisse" bei- bringen zu wollen! Damit fangen Sie zu allererst bei sich selbst an, Herr Kalle! �. Auch für humane Rücksichten betreffs Arbettszeit und Arbeits- *) In dieser Hinsicht, Herr Kalle, hätten Sie die Arbeitgeber auch gleich auffordern dürfen, einen ansehnlichen Fond anzulegen zur Schadlos- Haltung der Arbeiter im Falle des— Durchbrennens der Kassirer. �TimeS"- Correspondenten von Blowitz und schreibt dann wörtlich: „vr. Virchow hat Recht"— so lautet das lakonische End- urtheil der auch in unserem heutigen Blatte mitgetheilten Be- trachtungen, in welche sich Herr v. Blowitz, der bekannte Corre- spondent der„Times", auf Grund persönlicher Interviews über die Politik des Fürsten Bismarck ergeht.„Bismarck hat uns Ruhm gegeben, aber er hat uns die Freiheit geraubt, ohne uns Wohlstand zu bieten"— sagte nämlich der Berliner Phystolog und wir können nicht umhin, hinwieder unsererseits anzuerkennen, daß— Herr v. Blowitz vollkommen Recht hat. Die Lage Deutschlands konnte in bündiger Form nicht zutreffender charak- terisirt werden. Der Ruhm eines großen FeldzugeS ist der alleinige Gewinn, welchen das deutsche Boll für seine schweren Opfer an Blut und Geld und Entsagung eingeheimst hat. Wir sind weit entfernt, den hohen, edlen Werth eines solchen natio- ualen Sieges zu unterschätzen. Doch vermag er allein ein Volk der Arbeit und des Denkens niemals zu entschädigen für den Verlust der Freiheit— richtiger: für den Abgang der Frei- heit, da ja die Deutschen die Freiheit noch niemals beseffen haben— für die bittere Roth der materiellen Existenz. Nach- dem die deutschen Professoren Jahre hindurch so salbungsvolle, entrüstete Phrasen vom Stapel gelassen haben gegen die roma- nische Einzelherrschaft des Kaisers der Franzosen, müssen nun- mehr selbst Bewunderer des Fürsten Bismarck, wie der erste Be- richterstatter des City-Blattes, unumwunden zugeben, daß sein (Bismarck's) Regime die Unumschränktheit seines Eigenwillens bedeute, daß„das vorzüglichste Ziel seiner Politik er selber", die Behauptung seiner Willkürherrschaft sei. Doch während das Napoleon'sche Regime als Entgelt für den Verlust der Freiheit auf den englisch-franzöftschen Handelsvertrag, auf die materielle Prosperität aller Klassen hinweisen konnte, ersteht als unver- gängliches Denkmal des Bismarck'schen Regimentes das Massen- elend, die Verzweiflung und Verwilderung der Massen und in Bekämpfung derselben die äußerste Potenzirung der Polizeige- walt, wie sie bei Eröffnung des Reichstags im Weißen Saale zu Berlin angekündigt wurde." Das ist allerdings ein Urtheil, welches Herr von Bismarck nicht vor den Spiegel stecken wird. Und ein Urtheil von einem Blatte, welches früher immer mit großer Begeisterung von Bis- marck schrieb.— Außerdem steht der„Pester Lloyd" in sehr nahen Beziehungen zum ungarischen Ministerium, so daß wir, besonders nach Andeutungen, die wir erhalten, keinen Zweifel haben, daß der scharfe antibismarckische Artikel aus der Feder eines dem österreichisch-ungarischen Ministerium sehr nahe stehen- den Mannes stammt. — Ein Urtheil über Bismarck. Die„Berliner Volks- zeitung" schreibt:„Einen Mann, der so gar kein Verständ- niß von Dem hat, was im Volke vorgeht, daß er den Vater der revolutionären Agitation für einen harmlosen, geistreichen Gesellschafter hält, den darf man nicht autorisiren, wirkliche Gc- fahren der Volksverführung auf Grund der Sozialistenvorlage nach Wohlmeinung und Belieben abzuwenden, selbst wenn die Gesetzesvorlage an sich eine auch nur einigermaßen annehmbare wäre."— So geht's, liebe„Volkszeitung"— die liberalen Blätter haben ein ganzes Jahr lang in allen Tonarten es dem Volke vordeklamirt, daß wir den Boden Lassalle's längst ver- lassen hätten, daß Lassalle ein nationaler Reformler gewesen, wir aber internationale Revolutionäre seien, so daß es Herrn von Bismarck, der ja Lassallc lediglich aus einigen Unterre- düngen zu kennen scheint, gar nicht Übel zu nehmen ist, wenn er den liberalen Deklamationen Glauben schenkte, da er ja bekanntlich„auch zum Volke" gehört. — Ueber die Wirkung des Sozialistengesetzes urtheilt der„Staatssozialist" in völlig zutreffender Weise:„Unsererseits lohn schreibt Herr Kalle dreiviertel Spalten. Er hütet sich indeß, über diese Punkte für irgend eine Berufsarbeit bestimmte Andeutungen zu geben, sondern ergeht sich nur in einigen wohl- feilen, schon hundertmal gehörten, allgemeinen HumanitätS- Phrasen. Wer— wie sich oben zeigte— selbst auf dem Ge- biete der bestimmt faßbaren Vorschläge die Plumpeste Heuchelei nicht scheut, um in Humanität und Moral zu machen, der muß natürlich auf dem Gebiete der unbestimmten, allgemeinen Er- örterungen, wo er es weit bequemer hat, noch viel mehr schön- rednern; und jeder einzelne Fabrikant, inklusive Herrn Kalle, kann dann für sein spezielles Bedürfniß diese allgemeinen Phrasen auffassen und sich zurechtmachen wie er will. Wenn es Ihnen übrigens, Herr Kalle, betreffs Arbeitszeit und Arbeitslohn um humanere Bestimmungen als die bestehenden im Ernste zu thun märe, so müßten Sie auch dagegen protestiren, daß die Fabri- kanten, so oft sich in irgend einer Branche die Arbeiter selbst zur Erringung einer noch so bescheidenen Besserung in jener Hinsicht vereinigen, denselben ohne Unterschied betreffs deren Parteifarbe regelmäßig so rigoros und rücksichtslos entgegen- treten und die bezüglichen Bestrebungen systematisch todt zu machen suchen! � Von Ihrer Kenntniß der wirthschaftlichen Verhältnisse giebt auch noch Folgendes einen eigenthümlichen Begriff. In den familienschwärmerischen Auslassungen Ihres Artikels, von denen wir bereits sahen, was sie Werth sind, verlangen Sie, daß die Frauen und Töchter der Arbeitgeber dieselben„in ihren auf Hebung der Arbeiter gerichteten Bestrebungen unterstützen." Sie geben zwar zu, daß dies mehr da Anwendung finden kann, wo es sich um das Kleingewerbe handelt, fügen aber dann bei: „Selbst aber, wo dies nicht der Fall ist, wo nur männliche, mit ihren Familien außerhalb wohnende Arbeiter da sind, kann die Hausfrau unendlich viel(!!) zur Anbahnung und Unterhaltung ersprießlicher persönlicher Beziehungen zwischen Arbeiter und Arbeitgeber beitragen. Wenn die Gattin oder Tochter des Brod- Herrn das Kind des Arbeiters oder dessen Frau in Fällen der -lcoth mit Rath und That unterstützt, wird dieser nicht leicht mehr m seinem Arbeitgeber den ihn rücksichtslos ausbeutenden Egoisten erblicken, den er ohne alle Gewissensbisse übervortheilen zu dürfen glaubt." Ach wie rührend! Man stelle sich vor, was damit z. B. der Madame Krupp zugemuthet ist! Sie sind ein komischer Kauz, Herr Kalle! Warum verlangen Sie denn nicht zugleich auch die Vielweiberei für die Herren Fabrikanten, da doch nur so Ihre„Borschlage" in Bezug auf die Allgemeinheit diskutirbar waren? Doch Scherz bei Seite! Es gehört ein echter spießbürgerlicher Kirchthurmshorizont und eine nicht ge- wohnliche Gedankenlosigkeit dazu, derartige Sätze als allgemeine „Belehrungen" in die Welt hinein zu posaunen. Solche schönen Dinge sind vor Allem nur in kleingewerblichcn Verhältnissen, und auch hier nicht immer, zu realisiren— das weiß jeder auch nur halbwegs im heutigen Geschäftsleben Erfahrene, und das weiß vielleicht gar auch Herr Kalle selbst. Wer aber allgemeine Vorschläge zur Besserung der sozialen Uebel der Gegenwart machen will, der muß naturgemäß von den groß gewerblichen, von den Fabrikverhältnissen ausgehen, einmal weil diese beharren wir bei unserer ursprünglichen Veurtheilung. Durch die beabsichtigten Zwangsmaßregeln wird man Attentate nicht verhindern, sondern provoziren; man wird die Organisation der Sozialdemokratie nicht zerstören, sondern be- festigen und uufindbar machen; man wird das Bersammlungs- recht nicht aufheben, sondern in das Geheimniß und in die Verschwörung treiben; man wird die sozialdemokratische Presse nicht beseitigen, sondern auf geheime Druckereien anweisen und annähernd zum Range einer Märtyrerpredigt erheben. Alles, was wir zu leisten im Stande sind, wird doch dem Vorgehen der russischen Polizei gegenüber immer nur als ein harmloser Scherz erscheinen, und was hat man dort damit erreicht?" Wir wollen auf die letzte Frage antworten. Erreicht hat die russische Regierung durch ihre Polizei nur, daß sie fortwährend auf einem Vulkane fitzt. — Wir erhalten folgende Zuschrift: „Der Untersuchungsrichter des Königlichen Obergerichts. Celle, den 20. Sept. 1878. Am 31. August ist bei Kirchweihe ein Handwerksbursche er- mordet gefunden. Da hier häufig Anfragen besorgter Eltern eingehen, ob der Ermordete ihr Sohn sein könne, ist es vielleicht im Interesse Ihrer Leser zu erfahren, daß der Ermordete als ein Schuster- gesell Wilhelm Hinzsche aus Roetsch in Oesterreich sich zwei Tage vor seiner Ermordung ins Fremdenbuch getragen hat, auch auf den Namen Wilhelm Hinzsche lautende Papiere bei der Leiche gefunden sind. Eine Photographie der Leiche befindet sich beim Polizeipräsidium in Berlin. Der Untersuchungsrichter des Königl. Obergerichts. (Name unleserlich.) An die Redaktion des„Vorwärts" in Leipzig." Wir freuen uns über diese Zuschrift, da dieselbe beweist, wie wichtige Dienste der„Vorwärts" im Interesse der Humanität und des allgemeinen Wohles leisten kann und leistet. Daß selbst richterliche Behörden dies unumwunden durch Zusen- dung einer solchen Bekanntmachung eingestehen, das dürfte den conservativen und liberalen Unterdrückungsbefliffenen vorzu- halten sein, obwohl ohne Erfolg, da bei Ihnen nicht Volkswohl, Humanität und Recht, sondern lediglich der Wille der Gewal- tigen entscheidet. — Wie die Cultur nach Osten getragen wird, zeigten wir schon neulich durch den Brief eines österreichischen Feld- Predigers. Da man Versuche gemacht hat, diesen Brief zu einer „Erfindung" zu stempeln, so sei hier, um der historischen Wahr- heit willen, erwähnt, daß der Inhalt desselben seitdem durch Dutzende von vollwichtigen Zeugen bestätigt worden ist. Ja, es wird in Bosnien und der Herzegowina von den österreichischen Soldaten nach Noten und ganz systematisch geraubt und ge- plündert. Man lese z. B. folgenden Feldpostbrief eines unga- rischen Soldaten(s.„Szegedi Naplo"): „Nach den Gefechten ist in den verlassen gefundenen Häusern — die offenbar den türkischen Insurgenten gehören— das Plündern gestattet. Wir(vom Regiment Mollinary) waren erst in fünf Gefechten, doch ist der Tornister fast jedes Soldaten voll mit schönen Tüchern, goldgestickten Gürteln ec. Anfangs sammelten wir die türkischen Patronen, als wären sie von Gold; jetzt sehen wir uns vor Allem nach Eßwaaren um, dann aber Ipähen wir nach Schmuckgegcnständen. Es giebt Soldaten, die schon mehrere Ringe und selbst Uhren erbeuteten. Hinsichtlich der Verwirrung der Begriffe über das Mein und Dein stehen wir schon beinahe mit den Bos- niaken auf gleicher Stufe. Am deutlichsten zeigte sich dies in Visoka. Als wir die Türken, die ihre Stadt in der That heldenmüthig vertheidigten, vertrieben hatten, fielen die Bosniaken schon jetzt den weitaus überwiegenden Theil unseres Gesellschafts- lebens repräsentiren, die soziale Frage erzeugt haben und die soziale Nothlage am brennenosten zeigen, sodann weil gemäß der unabänderlichen ökonomischen Entwicklung das Kleingewerbe all- mählig ganz schwindet, und somit dann Ihre schönen Rath- schlüge, Herr Kalbe, völlig gegenstandslos werden! Indeß, wir haben ja schon oben gesehen, daß die Gesetze der ökonomi- schen Entwicklung für Herrn Kalle böhmische Dörfer sind— was kann man also in dieser Beziehung von ihm verlangen? Doch wir haben jetzt genug an den Harlekinssprüngen des Herrn Kalle. Traurig ist es, daß ein Mensch, der in Sachen der volkswirthschaftlichen Belehrung das Wort ergriffen hat, eine so schmähliche Unwissenheit auf diesem Gebiete, eine so haar- sträubende Logik und endlich eine so infame Heuchelei an den Tag legt; noch trauriger aber ist es, daß ein„Weltblatt" wie die„Gartenlaube" mit der allgemein wichtigsten Tageswissenschaft, der ökonomischen, so wenig fortschreitet und so wenig Urtheils- fähigkeit zeigt, daß sie diesen alten, abgestandenen Kohl, der ihr noch höchst miserabel hergerichtet und widerlich gewürzt dar- geboten wurde, allen Ernstes ihren Lesern als Belehrung auf- zutischen wagt. Das ist die geistige Nahrung, welche dem Publikum von den Söldlingen des Kapitals zugedacht ist! K. — Der„Hödelwahnsinn", diese traurige Krankheit, greift noch immer mehr um sich; besonders grassirt sie in den Re- daktionen national-reaktionärer Blätter. So schreibt z. B. das „Leipziger Tageblatt": „Das deutsche Volk wird wohl daran thun, das Andenken Hödel's, dieses Elenden, nach Möglichkeit aus seiner Er- innerung zu tilgen. Lediglich, um dem psychologischen Interesse Genüge zu thun, mag zum letzten Male, was uns anbetrifft, dieses Scheusal in seinem Cynismus dem Leser vorgeführt werden. Bis zur letzten Minute hat sich der gottlose Lotterbube seiner sozialdemokratischen Lehrmeister würdig gezeigt." Darauf bringt das Blatt den Brief des total chr rückt ge- wesenen Menschen an seine Mutter. Wir bemerken nur zu der Schlußstelle obiger Notiz— und das möge sich die Redaktion des „Leipziger Tageblatts" hinter die länglichen Ohren schreiben—, daß es noch viel„gottlosere Lotterbuben" in Deutschland giebt, als es der Hödel war. — Wie die Hödel-Lehmänner entstehen. Unser Ber- liner Parteiorgan schreibt: „Ein trauriges Bild materieller Roth und sittlicher Ver- kümmerung giebt uns jedes Jahr der Bericht über die sog. „verlassenen Kinder". Unter den 899 verlassenen Kindern, welche während des vergangenen Jahres auf städtische Kosten verpflegt wurden, war fast die Hälfte, nämlich 323, dadurch der Stadt zur Last gefallen, daß sich die Eltern heimlich entfernt hatten. Bei 296 Kindern waren die Eltern erkrankt, bei 140 verhaftet. 293 Kinder waren verwaist. Bei 29 Kindern war Obdachlosig- keit und Unfähigkeit der Eltern zur Erziehung die Ursache, daß über die Häuser der Türken her und schleppten Alles weg, was ihnen in die Hände kam. Unter Andcrm fielen sie wie die Heuschrecken über die Werkstätte eines Gerbers her, von wo sie so lange das vorhandene Leder wegtrugen, bis ein Befehl des Divisions-Kommandos dem Plündern ein Ende machte. Wahrlich, wir Ungarn sind da in eine schöne Gesellschaft ge- rathen." Ein Commentar ist überflüssig. Zur Vervollständigung des Bildes sei noch angeführt, daß die„Insurgenten"(soll heißen: die Männer, welche in Erfüllung einer patriotischen Pflicht Haus und Hof gegen die fremden Eindringlinge vertheidigen), wenn sie den„civilisirten" Oesterreichern in die Hände fallen, por Kriegsgerichte gestellt und zu Dutzenden und Hunderten unnach- sichtlich zum Tode durch den Strang verurtheilt werden, welche Strafe dann in den meisten Fällen(wohl aus Sparsamkeits- und Bequemlichkeitsrücksichten) gnädigst in die Abschlachtung ver- mittelst„Pulver und Blei" umgewandelt wird. Die österreichi- schen Blätter enthalten wahrhaft grauenerregende Schilderungen der Metzeleien, welche das Nachspiel jedes österreichischen„Siegs" bilden. Abschreckend wirkt diese„stramme Praxis" natürlich nicht. Die zum Tode„Berurtheilten" sterben durchweg mit einem Heldenmuth, der die Ueberlebenden begeistert und zur Nacheiserung anspornt. Kein Wunder also, daß der„Aufstand" fortwährend im Wachsen ist und auch die sanguinischsten Lob- redner des stupiden Andrassy nicht mehr zu hoffen wagen, die „Okkupation" werde sich noch im Laufe dieses Jahres ganz durchführen lassen. — Aus Brüssel wird gemeldet, daß der Schriftsteller Claudel wegen Veröffentlichung einer Broschüre, welche Beleidi- gungen gegen den deutschen Kaiser und Angriffe gegen die Autorität der Gesetze enthielt, zu einer Gefängnißstrafe von fünf Jahren und 2000 Frcs. Geldbuße verurtheilt worden ist. Der Drucker der Broschüre, Carlier, wurde zu einer 18monat- lichen Gefängnißstrafe und 500 Frcs. Geldbuße verurtheilt. — Republikanische Speichelleckerei. Aus Lawrence, Massachusetts, Vereinigte Staaten, erhalten wir folgende Zu- schrift:„Schon lange bin ich ein eifriger Leser des„Vorwärts" und hegte den Wunsch, in den Spalten des„Centralorgans der deutschen Sozialdemokratie" ein Stückchen amerikanischer Speichel- leckerei und Hundedemuth veröffentlicht zu sehen. Jetzt bei der bevorstehenden Gouverneurswahl finde ich Gelegenheit, Ihnen etwas auftischen zu können in Gestalt eines Schriftstücks, das ich beilege und dessen Uebersetzung ich Ihnen überlasse. Wie mir authentischcrseits mitgetheilt wurde, haben bereits 52,000, sage zweiundfünfzigtausend Wahlberechtigte des Staates Massachusetts dasselbe unterzeichnet. Also 52,000 Mann fragen ergebenst da- durch an, ob General Butler ihnen gnädigst erlauben will, seinen Namen alz independent(unabhängigen) Candidat zu ge- brauchen. Welche Abgötterei! Statt ihn zu fragen, ob er dies oder das Programm der Arbeiter vertreten will, verabgöttert man ihn. Ich glaubte immer, blos Deutschland habe das Privi- legiuni solcher hündischen Seelen, aber wie es scheint, haben solch speichellcckcrische Ideen sich auch in den Köpfen amerikanischer „Republikaner" eingebürgert. Ehe bei solchen Leuten der Sozia- lismus Platz greift, muß noch mancher Tropfen von den Flüssen fortgetragen werden; aber der Sozialismus wird auch noch bei diesen Pcrsonenanbetern anklopfen; denn die Verhältnisse bringen es mit sich." Das fragliche Schriftstück lautet:„An General Benjamin F. Butler. Werther Herr! Wir, die unterzeichneten gesetzlich stimmberechtigten Bürger von...., fühlen das Bedürfniß einer sparsameren Verwaltung unseres Staates sowohl als der allge- meinen nationalen Angelegenheiten, und da wir überzeugt sind, daß Sie, wenn zum Gouverneur unseres Staates erwählt, Ihre Erfahrung, Ihren Einfluß und Ihre Geschicklichkeit(sldU!) in die Stadt für sie eintreten mußte. 2S wurden als verwahrlost bezeichnet; dieselben hatten sich strafbarer Handlungen schuldig gemacht. In den meisten Fällen aber sollen diese Kinder durch die Schuld der eigenen Eltern oder durch jeglichen Mangel an Erziehung auf die Bahn des Vergehens gedrängt worden sein. So wurde ein 11 Jahre alter Knabe, dessen Mutter vor sechs Jahren gestorben war, von seinem dem Trünke ergebenen Vater arg mißhandelt. Der Knabe entlief und stahl ein Portemonnaie mit Mark 2,50. Auf den Polizeigewahrsani gebracht, erklärte das bedauernswerthe Kind wörtlich:„Gewußt habe ich, daß ich durch diese Handlung etwas Unrechtes und Strafbares begehe, aber ich konnte es nicht unterlassen, da ich mir die Mittel ver- schaffen mußte, meinen Hunger zu stillen." Muß man bei dieser Schilderung nicht unwillkürlich an das blutige Haupt des hingerichteten Hödel denken? — Wir erhalten folgende Zuschrift: An die Redaktion des„Vorwärts". Auf Ihre Frage in Ihrer neuesten Nummer, ob ich auch die Stelle in der„D. A. Z." wegen des„Pulver und Blei" desavouiren würde. Folgendes zur Antwort: Ich persönlich hätte mit dieser Frage eigentlich Nichts zu thun, da, wie Sie sich leicht überzeugen konnten, wenn Sie die Nummer der„D. A. Z." ordentlich lasen, an jenem Tage, wie überhaupt vom 12. August bis 8. September, ich „abwesend" war, daher auch nicht als„verantw. Redakteur" zeichnete. Uebrigens aber begreife ich nicht, wie Sie sich verwundern können, wenn, nachdem Sie und Ihre Genossen wiederholt gedroht haben, daß Ihre Partei die bestehende Staatsordnung, und was zu dieser hält, mit Gewalt angreifen und ver- nichten werden, auf diese Drohung mit einer ähnlichen geant- wartet wird. Ob die obige Antwort veröffentlicht wird, stelle ich Ihnen ganz anheim. Leipzig, 14. Septbr. Prof. Dr. Biedermann. Zunächst bemerken wir, daß wir Alles, was uns unser ver- ehrter Mitarbeiter Professor Biedermann einsendet, immer gern aufnehmen. Dann aber könnte sich Herr Biedermann den Dank seiner Gesinnungsgenossen im Reichstage erwerben, wenn er schleunigst nachwiese, wann und wo wir wiederholt gedroht haben, daß unsere Partei die bestehende Staatsordnung mit Gewalt angreifen und vernichten werde. Sie wissen doch, was Hoch- verrath ist; einen Hochverrathsprozeß hat der„Vorwärts" noch nicht gehabt und was den Prozeß gegen Bebel und Liebknecht anbelangt— Herr Biedermann! Wollen Sie auf diesen Tendenzprozeß zurückgreifen? Es hat noch niemals selbst im Reichstage ein reaktionärer Angreifer, nicht einmal ein Vertreter der Regierung dieses Prozesses Erwähnung gethan. Sollten Sie nicht wissen, warum? So sagen wir's Ihnen: Weil sich unsere Gegner gerade dieses Prozesses schämen. Schämen Sie sich auch Wehl zuweilen, Herr Professor Biedermann?— Und damit„Gott befohlen". den öffentlichen Angelegenheiten zur Erleichterung der Lasten des Volkes benutzen und durch Ihre große Energie eine ge- Klbiere Handhabung der Gesetze unseres Gemeinwesens erwirken würden, so bitten wir Sie hiermit ergebenst um die gnädige Erlaudniß(privilege), Ihren Namen als den eines unabhängigen Candidaten für das Amt des obersten Beamten unseres Staates gebrauchen zu dürfen."(Folgen dann die Rubriken für Namen und Adressen.) �_ — Von unserem Genoffen F. I. Ehrhart in London er- halten wir eine Zuschrift„an die Adresse des Dr. Juch", welche sich gegen dessen Erklärung in Nr. 99 deS„Vorwärts" wendet. Den wörtlichen Abdruck der Gegenerklärung verbietet uns das Preß- und das Strafgesetz; wir können deshalb nur den Inhalt resumiren. Im Wesentlichen läuft derselbe darauf hinaus, daß Dr. Juch's Behauptung, er habe mit dem„Lon- doner Journal" nichts zu thun, und speziell die verleumderischen Artikel gegen die Sozialdemokratie nicht verfaßt oder veranlaßt, unwahr sei, wie durch das Zeugniß der Setzer des„Londoner Journals" bewiesen werden könne. Im Uebrigen wird die Beschuldigung Herr Dr. Juch stehe mit Detektives und deut- schen Polizei-Spionen in Verbindung und habe Beziehungen zum Reptilienfonds, aufrecht erhalten, und erklärt sich F. I. Ehr- hart(Adresse: Loeial Democrstie Workingrnen's Club, 6 Eose Street, Soho Square, London) bereit, seine Beschuldigungen gerichtlich zu erhärten. — Der„Gewerkschafter", das Organ für die wirth- schaftlichen Interessen der Arbeiter Oesterreichs, geht am 1. Oktober ein und fordert seine Leser auf, für den dann zwei- mal wöchentlich erscheinenden„Socialist" einzutreten. — Genosse Fischer von der„Berliner Freien Presse" hat eine siebenmonatliche Gefängnißstrafe in Plötzensee angetreten Der wegen angeblicher Majestätsbeleidigung verhaftete Redakteur des„Braunschweiger Volksfreund", Günther, ist wieder ent- lassen worden.— Wie süddeutsche Zeitungen melden, ist Genosse Motteler wegen Majestätsbeleidigung von dem Stuttgarter Gericht in Anklage versetzt worden.— Parteigenosse Oppen- heimer in Barmen ist wegen Verletzung des§ 130 des Straf- gesetzbuchs zu ö Monaten Gefängniß verurtheilt worden.— Der „Berliner Freien Presse" wurde das Postdebit für Ungarn entzogen. Gedanken über unsere nächste Propaganda. (Eingesandt.) Es hebt die Freiheit siegend ihre Fahne, Drum hallet fest zusammen— fest und ewig— Kein Ort der Frecheit sei dem andern fremd— Hochwachten stellet aus auf euren Bergen, Daß sich der Bund zum Bunde rasch versammle— Seid einig— einig— einig! (Schiller's Tell.) Das Ausnahmegesetz gegen die sozialistischen Bestrebungen liegt vor, und die meisten Parteigenossen werden sich bereits schlüssig gemacht haben, in welcher Weise sie ihre künftige Agita- tion betreiben wollen und können. Mir erscheint die Agitation sehr einfach: genau so wie wir seit Auflösung des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins in Preußen Versahren find, verfahren wir auch jetzt. Betrachten wir unsere nächste Zukunft. Unsere Vereine und Versammlungen werden aufgelöst, unsere bisherigen Agitatoren zum Theil verhaftet, angeklagt, verurtheilt und sonst unschädlich gemacht, unsere Zeitungen verboten, die Druckereien geschlossen; Tausende verlieren ihre Existenz und sind demElend preisgegeben. Arbeit giebt es für die derart Gemäß- regelten nicht, weil man ihnen das„Brandmal" schon im voraus auf die Stirn gedrückt hat. Die natürliche Folge davon wird sein, daß man die Oppo- fition gegen die bestehende Gesellschaft, die solche Zustände her- vorzubringen im Stande ist, nicht unterdrückt, sondern ver- schärft; es wird eine neue Opposition geschaffen, Leute, die früher von uns nichts wissen wollten, werden jetzt unsere Ideen studiren und Sozialisten werden. Die Genossen, welche bis jetzt still ihrer Arbeit lebten, werden sich haufenweise in!die Vereine der Gegner, seien dieselben nationalliberal, conservativ oder sonstwas, einzeichnen lassen— zwar nicht auf einmal, doch nach und nach, bis die Majorität da ist.— Wir werden binnen Jahresfrist neue Agitatoren haben, hunderttausend Anhänger mehr zählen. An Stelle unserer Blätter werden gar bald andere Blätter treten; wenn sie auch von Gegnern herausgegeben sind, müssen sie doch, des Selbsterhaltungstriebs halber, der Opposition sich zuwenden, und so wird alsdann über kurz oder lang die Op- Position wieder lebenskräftig dastehen. Die oppositionellen Elemente werden mit Leichtigkeit neue Fonds zur Unterstützung freisinniger Blätter schaffen und aus diese Weise muß der Plan der Reaktion zu Nichte gemacht werden. Wir haben bisher dem Gemeindeleben nur wenig Auf- merksamkeit zu schenken vermocht, aus dem einfachen Grunde, weil es galt, die sozialistische Idee in die großen Massen zu schleudern— dies ist hinreichend geschehen, jeder zehnte Mann in Deutschland kennt unsere Bestrebungen. Deshalb können wir jetzt dem Gemeindeleben viel größere Ausmerksamkest schenken. Aber auch deshalb, weil die gewerblichen Kassen dem Gesetze auch vielfach zum Opfer fallen werden, und R-emand dann mehr auf die Unterstützung seiner Fachgenossen rechnen kann und ein Jeder gezwungen ist, an seinem Unterstützungswohnfitz dre Hülfe der Gemeinde für sich, seine Frau und Kmder zu beanspruchen. Daß die Gemeindeverwaltungen dadurch nicht angenehm be- rührt werden, ist klar, aber wir haben keine Schuld daran— es wird Niemandem dann mehr zur Schande gereichen, wenn er Armenunterstützung empfangen hat, und was die Hauptsache ist— die Gemeindeväter werden ob der vermehrten Lasten zur Opposition getrieben. So wird bei den nächsten Wahlen die Opposition noch verstärkt werden.., � � Wir besitzen in unseren Haushaltungen viele Dutzende von Broschüren, Zeitungen und Schriften— diese werden uns am dienlichsten sein in unseren Privat- Agitationen. Auch das Ausland liefert uns freie Gedanken und wir werden solche zu bekommen und zu verwenden wissen. Ebenso wird die Unterstützung aller politisch Gemaßregelten ruhig ihren Weg gehen. Gleichwie der Bruder Freimaurer seinen Bruder in erster Linie versorgt, so müssen auch wir in Zukunft unsere brod- und existenzlos gemachten Genossen unterzubringen suchen. Und nun, Genossen, der Kampf muß aufs Neue geführt werden— nur einige Jahre, und man wird die Ausnahmegesetze wieder über Bord werfen. L. — Wir erhalten folgende Zuschrift aus Leipzig: „Geehrte Redaktion des„Vorwärts"! „Die sich entwickelnden Zustände befreien uns mehr und mehr von der Aufgabe„aufzuwiegeln", insofern wird uns die Annahme des Ausnahmegesetzes nichts schaden; hingegen wohl in der Ausübung der Führung und Leitung des Volks. Es wird sich vor Allem darum handeln, daß keine zuverlässige Person unserer Partei verloren geht, und deshalb müssen es alle Parteigenossen als Aufgabe betrachten: Adressen von sicheren Gesinnungsgenossen zu sammeln und mit ihnen in Verkehr zu treten. Jeder muß sich einen Kreis von Gesinnungsgenossen attachiren und mit ihnen in reger Fühlung bleiben und diesen Kreis zu erweitern bestrebt sein. Die Vorsicht dürfte mehrfach erheischen, daß die Mitglieder nicht in persönliche Bekanntschaft zu einander treten. Es soll hiermit keineswegs zur Bildung von organisirten Clubs aufgefordert sein, sondern nur zu einem regen persönlichen Verkehr. Dieser persönliche Verkehr kann durch die Unterhaltungen und durch die Instruktion über die Tagespolitik sehr nützlich sein und unsere Organisation ersetzen wird dies aber durch systematisches Ausleihen von Broschüren noch weit mehr thun. „Wenn die Sammler dieser kleinen Zirkel wieder mit anderen solchen und anderen fortgeschrittenen Parteigenossen in Verkehr treten und ihren persönlichen oder schriftlichen Verkehr nach den Centren des Sozialismus ausdehnen, würde eine„Nichtorgani- sation" geschaffen sein, welche sämmtliche Parteigenossin Deutsch- lands vereinigte und somit den durch Annahme des„Sozialisten- gesetzes" geschaffenen Gefahren für die Sozialdemokratie wohl ein Paroli biegen könnte. „Ich erlaube mir der verehrlichen Redaktion des„Vorwärts diese Gedanken zu unterbreiten in der Form, wie mir es Mangel an Zeit und die Eile der Sache gebietet, und sie zu bitten, denselben Raum ,m„Vorwärts" gewähren zu wollen. Mit aus gezeichneter Hochachtung und sozialdemokratischem Gruß Dir." Oeffentliche Quittung. Für Gemaßregelte(Unterstützungsfonds) habe ich er- halten: 200 Mark von O. W. in»pe; 1000 Mark„für die durch das in Aussicht stehende Vergewaltigungsgesetz zu Maßregelnden von Rechtsanwalt W. L. in L. als Sühne des Angriffs auf— -- sein Knopfloch!" Die übrigen Gelder, welche seit dem 24. August bei mir ein- gegangen sind, quittire ich in nächster Nummer. Gelder, welche an einzelnen Orten sür die Kasse des sozial. Centralwahlcomitez befindlich, sind sofort hierher zu senden. Hamburg, 23. Septbr. l878. ____________ August Geib, Rödingsmarkt 12. Briefkasten der Redaktion: O. M. in A: Wir dächten die abscheuliche lln- sittlichkeit des„Zwe kinderchstems" wäre so in die Augen springend, daß es für jeden anständigen, moralisch nicht gänzlich verkommenen Menschen gar keiner„wissensch-filichen Widerlegung- bedarf. Die lln nalürlichkeit und Widermenschiichkeii der heniigcn Geiellschaktsordnung wird durch nichts so drastisch bewiesen, als durch dieses„Zweikinder- system" und ähnliche„B-völk-rungsfitranken-, in denen die Verthcidiger der„besten der Weben", von einem John Siuari Mill an bis hcrumer zu einem Viktor Böhmert, die lehle Möglichkeit des Heils und der Rettung erblicken.— Was Ihre zweite Frage betr fft,>0 verwechseln Sie einen, nicht einmal gleich-, sondern nur ähnlich benannten Ehrenmann mit einem notorischen Lump. Unser ehemaliger, jetzt in Zwickau „sitzender" Redakteur he>ßt Helßig, nich- Helferich.— ivr in Lawrence: Zusendungen erwünscht.— M M. in Mainz: Nußknacker in Chemnitz; Leuchtkugeln in Braunschweig.— H. R. in Sommerfeld: Das Sam mein von Geldern zur Rrichstagswahl ist nicht verboten. der Expediiion! N. Ottweiler: Kreuzbänder können Sie wie Briefe und Postkarten in den Briefkasten werfen, nur müssen dieselben richt-g frankirt sein. Da das Porto sich je nach Schwere des Kreuz- bandes ans 3, 10, 20 oder 30 Pf. beläuft, so ist es wohl besser das Kreuzband am Postschalter abzugeben.— Gg. Lgm. Westerstade: Die Schriften kosten M. 3.10.— F. Grß Luxemburg: Briefmarken in kleineren Partien werden zum Nennwerihe in Zahlung genommen. Herrn Otto Klindwart(Bildhauer), zur Zeit der Wahl in Han- nover, wird ersucht, seine jetzige Adresse binnen 8 Tagen an Unter- zeichneten einzusenden. Lmden, den 25. September 1878. H. Logos, Kassirer des Wahl-Comite's. Delsterstraße Nr. 29, 2. Et. Ich danke den Genoffen in Frankfurt a. M.. Nürnberg-Fürth und Budapest, sowie auch dem Buchbinder verein in Frankfurt a. M. f.ir ihre freundliche Aufnahme und die mir zu Theil gewordene maier>elle Unterstützung bei meiner Ausweisung aus dem Königreich Preußen; man darf versichert sein, ich werde nach wie vor meine Schuldigkeit thun. Jgnaz Frankel, Buchbinder, Mediasch(Siebenbürgen), bei tz. Reißenberger, Buchdruckerei und Buchvinderei. Unterstütznngsfonds. Bon M. M. Mainz 0,50; Bckr Dessau Div. 8,45; HHn Klein- Zschocher 1,30 Sozialdemokratischer Wahlverein. U. Samitag, den 28. September, �Abends 9 Uhr im Lokale des Herrn Pfuhl. Zeil 47: f0,80 Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Vorstandswuhl. 3 BerschiedeneS. Zu zahlreichem Beiuch ladet ein ____ Der Vorstand. eSfiltTTfMlPI* Sozialdemokratischer Wahlverci«. tyw.UUl.vtl.. Sonnabend, den 28. September, Abends 8t/z Uhr, im Bcreinslokal- 11: [1,20 Mit'elstraße Nr. Oeffentliche Versammlung. T.-O.: Dritter Vortrag von Hrn. Oehme über den Kampf ums Dasein. Der Borstand. Den Parteigenossen diene zur Nachricht daß Kalender„Armer Konrad" sowie„Brannschweiger � olkskalender" bei Herrn Rudolph, Mittelstraße Nr. 11 2 Tr., H. Loges. Deisterstr. 29 2 Tr. so wie in den Versammlungen und bei bekannten Freunden zu haben sind. Für die weiteste Verbreitung ist Sorge zu tragen.(F. 167) Eine Wiltwe, 31 Jahre alt, erst seit Kurzem hier, im Kleider- machen geübt, sucht Beschäftigung. Offerten nimmt entg. die Exp. d.Bl Für ein in einer größeren Stadt Süddeutfchlonds zu gründendes, entschieden freisinniges Tagblatt wird ein tüchtiger und erfahrener kedakteur gesucht, � � 12.10 der in der Lage ist, sich mit Mk. 10,000 an dem Unternehmen zu betheiligen. Offerten unter 1. M- befördert die Exped. d.„Vorwärts". Einbanddecken für die„Nene Welt" 1S78. Mitte Oltober werden d>c E nbanddecken zur„Neuen Welt" fertig, ebenso können die Einbanddecken der früheren Jahrgänge jederzeit ge- liefert werden. Preis in roth M. 1,50, schwarz M. 1,30. Bestellungen sind bei H. Jansen, Buchblnderei, Leipzig, Univer- sitätsstraße 16 sowie bei der Gcuossenschaftsbuchdruckcrei aufzugeben. Wir empfehlen als besonders geeignet zu Festgeschenken: Die Neue Welt. Jahrgang 1876. Preis: brochirt M. 5,00 franco. In elegantem Einband M. 7,50 franco gegen baar. Jahrgang 1877. I.-III. Qu. Preis: brochirt M. 4,00 franco. In elegantem Einband M. 6,30 franco gegen baar. Jahrgang 1878. Preis: brochirt M. 5,00 franco. In elegantem Einbantr M. 7,50 franco gegen baar. Die Einbanddecken tragen das große Titelbild des Heft- Umschlags in Golddruck, darstellend: Die Befreiung der Menschheit. Bei Partien-Bezug entsprechender Rabatt. Kleinere Beträge in Briefmarken erbeten! Leipzig. Die Expedition der„Neuen Welt�. Färberstraße 12 Ii. Zur Beachtung! Von vielen unserer Schriften ist nur noch ge- ringer Vorrath vorhanden. Wir ersuchen daher Alle, welche sich sozialistische Schriften entweder anschaffen oder ihren Schriftcnbestand ergänzen wollen, dieses sofort zu thun, indem die Herstellung neuer Auf- lagen längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Leipzig, 14. September 1878. Die Expedition des„Vorwärts", Leipzig, Färberstraße 12 II. Im Berlage der Genossenschafts-Buchdruckcrci zu Leipzig ist erschienen und»st durchjdie unterzeichneten Buchhandlungen zu beziehen: Der arme Conrad. Jllustrirter Kalender für das arbeitende Volk pro 1879. Inhalts-Verzeichniß: Vorwort.— Vollständiges Kalendari. m.— Aus meinen Erinnerungen. Bon Joh. Phil. Becker.— Woher und wohin mit den Kul>s?— Wie entstand unsere Welt. Von L. Friwitzer.— Heinrich Heine's Biographie.(Mit Portrait.)— Im Hinterhause. Erzählung von Heinrich Friedenau.— Sonne, Erde und Mond. Ein wichtiges Kapitel für Kalenderkäufer. Von Emil Roßbach.(Mit 5 Abbildungen.) — Weihnachtsbilder aus einem Proletarierleben. Von F. W. Fritzsche. — Babeuf, Biographie.(Mit Portrait.)— Produktive und unpro- duktive Arbeit. Ein Kapitel aus der politischen Oekonomie. Von H. Oldenburg.— Was uns die Statistik lehrt.— Statistik sozialistischer Reichstagswahlen.— Die Vergiftung des Volkes.— Aus alten Papieren.— Post-Porto-Taris. Telegramm-Tarif. Anekdoten. Sinn- sprüche. Räihsel ic. zc.— Markiverzeichnissc für ganz Deutschland Trotz der gediegenen und reichhaltigen Ausstattung kostet der ssa- lender gehestet nur 40 Pfd., gebunden und mit gutem Schreib. papier durchschossen 60 Pfg., gegen baar oder Postvorschuß. Den Bestellern von Einzel- Exemplaren ist anzuempfehlen, für jedes Exemplar brochirt 50 Pf., gebunden 70 Pf., einzusenden, wofür ww franco per Kreuzband zusenden. Die Lieferung des Kalenders erfolgt nur gegen baar oder Postnachnahme. Irei-Eremptare werden nicht gegeben. Auf Posten von 1 Dutzend aufwärts berechnen wir brochirt 25 Pf. pro Stück! gebunden 40„„„} nctto gegen baar. Hrpedition des„vorwärts", Leipzig, Färberstraße 12/11. Allgemeine deutsche Afsociations-Ruchdruckerei zu Aertin» Kaiser Franz-Grenadierplatz Nr. 8a. Soeben erschien und ist sowohl direkt wie durch die Expedition des„Vorwärts" zu beziehen: Volkskalender für 1879. 13 Bogen gr. 4. Schön illustrirt. Preis: geheftet 50 Pf., gebunden und mit Schreibpapier durchschossen 75 Pf. 10 Stück geheftet 4,00, 100 Stück 30.00 bei direktem Bezugs gegen Baar oder Postvorschuß. Inhalt: 1879(Gedicht). Neuer Kalender und Erklärung desselben. Chrono-- logische Charakteristik und Festrechnung. Die Jahreszeiten von 1879. Jüdische Feste; Büß- und Bettage. Die Finsternisse des Jahres 1879. Weiterprophezeiungen. Kalenderzeichen. Zeitunterschiede zwischen Berlin und anderen Orten Kalendar-um, mit Messen und Märkren, Schreib-- kalender, Planetenerscheinungen, Garten- und Blüthcn Kalender, Wetter- Prophezeiungen, Amkdoten. Citate aus Göthe's Werken. Unser Pla- netensystem. Deutsche Tramps in Amerika, von Otto- Walst-r. Ge- chichte, von Ed. Sack. Die Wanderheuschrecke. Der Prozeßweg, eine Dorfgeschichte. Ein Reichsminister in'Nöthen. Vom hohen Norden und vom Aequalor. Pascal Paoli, von �.heod. Herm. Lange. Wie ein Bauer seiner Dummheit wegen bestraft wird, und was davon zu halten, von Ed. Sack. Fürstlicher Menschenhandel. Ueber Dampfkessel- explosionen. Weltlauf, von Heinr. Heine. Das Dünendorf, cm Strand- leben von Heinr. Smidt. Alt-Griechenland, von Bruno Geiser. Tele- phon, Phonograph, Mikrophon. Shelley. Sinnsprüche von Friedrich v. Schiller. � Die bevorstehende„elektrische" Revolution. Der Moloch. Das Chamäleon. Der Seekrieg. Vermischtes. Ewigkeits- Kalender. Tabellen: Portotabelle, Banknotenverzeichniß. Depeschen- und Wechsel- lempel-Tarss, Korn- und Fruchtrechnung, Trächtigkeitstabelle. Anr Schlüsse befindet sich ein vollständiges Verzeichniß der Messen und Märkte für die betreffende Ausgabe. Den nach der Nordseeküste gehen- den Exemplaren wird die Ebbe- und Fluthtabelle der Nordsee beizelegt. Illustrationen: MonatSbildcr. Erde und Mond. Die Planeten. Die Sonne und die Planeten. Wandernde Libellen. Schwimmender Eisberg. Eisgang im Norden. Ueberraschuna durch emen Eisbären. Begräbniß im Eise. Schiff im Eise. Schlittenfahrt eines Eskimo. Karawanenstation z« Abu-Hammed in Nubien, Der sphäroidale Tropfen. Ausgekochtes Wasser. Baker wird beim Einzug in Unyoro als Speke's Bruder er- klärt. Ein Wohnsitz des Baristammes. Latuka'sche Grobschmiede. Die AkropoliS. Jmtial Z. Der Moloch. Das Parthenon. Das Chamäleon. Shelley. Reis' Telephon. Bell's Telephon. Die Matterhornklippen beim Gewit er. Explosion eines Torpedo. Der Lialender dient der Aufklärung und der Sache des Volkes. Bestellungen werden erbeten von'»M 13,80] Braunschwcig, 27. August 1878. KU' PlHJKC jl. Veramworrlicker Redakteur: Franz Gützlaff in Leipzig. Redakttori und Erpedition Färbersir. 12. II. in Leipzig. Druck und Verlag der Genols-nschaftSfiuchdruckerei in Leipzig.