«rschemt tu Leipzlg «»ttwoch, Freitag, Soüittd«. ZlbonncmcnlSprciS »r g-uz Deartdilonb 1 M. 69 Ps, pro Quartal. MonatS-AbonncmeulS «erden»ei allen deutichen Poftanstaltm «»« den S. und S. Monat, und auf den ».Mönat ieionderi angenommen: im Miwigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen« Altenburg auch aus den iten Monat des Quartals k 54 Psg. Inserate Setr, Versammlungen pr. Petitzeile 1»Ps., »etr. Privatangelegenheilm und Feste Pr» Petitzeil- 50 Ps. Veflellnnat« nehmen an alle Poslansiallen und l�ued. bandluugen des In- u. Auslände». Filial> Expeditionen. New-Norl: Soz.- demolr. Ichastsbuchdruckerci, 154 Elilridixu Str. Philadelphia: P. Hab, MO North ZeU Street. I. Boll, 1129 Charlotte Str. Hnbdlen N.J.: F. A. Sorge, 215 Washington Str. Chicago: 2t. Lansermann, 74 Clybourne»t«. San Franziseo: F. Enh, 41« C'd'arrell Str London IV.: E. Hönze,« Lere t? Qoldea Square. Nr. 117. Freitag, 4. Oktober. 1878. Wer„untergräbt"? „Die Sozialdemokratie hat dem Staate und der Gesellschaft offen den Krieg erklärt und deren Zerstörung als ihr Endziel proklamirt; fte hat damit selbst den Boden des für Alle gleichen Rechtes verlassen und kann sich deshalb nicht be- schweren, wenn ihr dasselbe nur insoweit zu Gute kommen soll, als es mit der Sicherheit und Ord- nung des Staates vereinbar ist." So steht es klar und deutlich in den Motiven zum„Untergrabungsgesetz" zu lesen; es ist dies gleichsam deren Extrakt und wir erlauben uns gerade in diesem Extrakt eine Schwäche zu finden, die wir kurz aufdecken wollen, selbst auf die Ge- fahr hin, auch dabei zu„untergraben"— nämlich die Logik der Regierung. „Die Sozialdemokratie hat dem Staat und der Gesellschaft offen den Krieg erklärt"— was heißt das? Jemandem den„Krieg erklären" heißt: die Entscheidung seiner Rechtsansprüche unter Beseiti- gung aller Vernunft- und nicht gewaltsamen Gründe unter die Gewalt stellen. Die Kriegserklärung bedeutet die Kündigung der Verträge, und wenn eine Partei der Gesellschaft auf diese Weise den Gesellschaftsvertrag für aufgehoben erklärt, so mag die.am Staatsruder befinvliche Partei allenfalls das Recht haben, ein„Ausnahmegesetz" zu prokla- miren. Wir sehen also, wie nothwendig es war, der Sozialdemokratie eine Kriegserklärung zu imputiren, wir sehen aber zugleich, wie die Begründung des Ausnahmegesetzes durch ihre Hohl- heit in sich selbst zusammenbricht. Entweder: es ist nicht wahr, daß die„So- zialdemokratie der Gesellschaft den Lkrieg erklärt hat", und dann fällt mit der falschen Voraussetzung die ganze Deduktion in sich zusammen. Öder: es ist wahr, dann ist— von dem „Recht" des Staates abgesehen— das Ausnahme- gesetz sammt wohldurchdachten Motiven voll- ständig überflüssig, weil die Gesellschaft durch oa»«-»»»afgrsetz in vollem Maße vor allen Folgen einer etwaigen„ikriegSerklärung" geschützt ist; man braucht dabei noch gar nicht an die Macht zu denken, sondern nur auf streng juristischem Stand- punkte stehen zu bleiben, von welchem aus sogar die„vorbereitenden Schritte" streng überwacht und strafbar find(f. Leipziger Hochverrathsprozeß). Auch bei der tautologischen Nebeneinanderstellung von„Krieg" und„Zerstörung" wollen wir uns nicht aufhalten, sondern bei den„Endzielen" ein wenig verweilen. Diese„Endziele" sind nämlich nichts als eine juristische„Eselsbrücke", geschaffen, um sich aus der Logik der Gegenwart rechtzeitig in die Phantastik der Zukunft zu flüchten. Wenn die That nicht zu bemessen ist, so ist es desto leichter, die Absicht unterzuschieben, zumal dann der materielle Gegenbeweis schwer zu führen ist. Du bist kein Dieb, aber Du willst einer werden— Ihr Sozialdemokraten zerstört nicht die Gesell- fchafr, aber Ihr wollt sie zerstören— — Wir haben oft genug die Reform betont und Eure Richter haben erst jüngst unser Streben nach Reform anerkannt! Gleichviel!— Was Ihr„Reform" nennt, ist bei uns„Krieg", und übrigens ist eS gleichgiltig, wie das Ding heißt; wer an der bestehenden Ord- nung rüttelt, bekriegt diese, wer kritifirt, zerstört, Punktum! � � t... Das wäre denn das Ende der Deduktion; bleibt uns nur übrig, zu zeigen, wer straflos die Ordnung untergräbt— Auf jedem Blatte der Geschichte steht mit blu- tiger Schrift geschrieben, wie Diejenigen, welche die„Staatskunst" zum Monopol gemacht haben, ihr ganzes Wissen, Können und Streben darauf gerichtet haben, die bestehende Ordnung zu unter- graben. Alle Mittel der Gewalt find im Laufe der Geschichte von den Machthaber» erschöpft wor- den, um den Status quo, den Bestand anderer Staatsordnungen zum Zwecke der Befriedigung von Sonderintereffen zu gefährden; in neuerer Zeit nennt man das Resultat harmlos„annektiren". Da Hilst um so weniger ein Leugnen, als die Lobpreiser der„Ordnungstodtengräber" gerade darin den Ruhm der Herrscher und Beherrschten finden, indem sie die Erfolge der Gewalt mit dem Nimbus der Tugend umgeben. Gegen dieses beständige„Untergraben" giebt es weder Richter noch Strafe, weder Kläger noch Angeklagte! Und der„fteisinnige",„gesetzliche",„ordnungs- liebende" Liberalismus?— Er will es nicht hören, daß sein Dasein aus den Erfolgen eines consequenten„Untergrabens" der absolutistischen Gesellschaftsordnung her- vorgegangen ist; er will nicht daran erinnert sein, daß er einst in weniger offener und wissen- schaftlicher Weise als die Sozialdemokratie an den Grundpfeilern des Staates gerüt- telt hat; er will nicht von dem Wahne lassen, fein„System" für das beste aller möglichen, für den Abschluß der Entwicklung zuhalten. Und von diesem Wahne geblendet, reicht er Jedem die Hand, der sich bereit zeigt, seine Interessen zu fördern, und merkt dabei nicht, daß er in höchst gefährlicher Weise dadurch— die Ordnung untergräbt. Ja, Diejenigen, welche die„Unter- grabungsgesetze" machen, untergraben selbst und allein die Ordnung. Und zwar aus folgenden Gründen. Alle antisozialistischen Parteien können das Prinzip der historischen Entwicklung nicht leugnen, weil sie das Produkt dieser Entwicklung sind. Anerkennen sie also die sich aus der Gesellschaft entwickelnde Bewegung innerhalb der allgemein gesetzlichen Schranken, so dürfen sie ihr nicht entgegentreten, wollen sie nicht die Existenzbe- rechtigung ihres eigenen Daseins in Frage stellen; denn die gesetzlichen Schranken find wieder das Produkt ihres Daseins. Wenn der Liberalismus also den Boden seiner Existenz, den ihm selbst nothwendigen Rechtsboden durchbricht, so untergräbt er nicht nur das Fundament seines„Systems", sondern er„untergräbt" die sich aus seinem„System" logisch ent- wickelnde Gesellschaftsordnung— die Ge- sellschaft selbst. nicht selten bezeichnen Ströme Bluts, überall aber zertretene Rechte den Weg, den das Recht dabei gewandelt ist. Denn„das Recht ist der Saturn, der seine eigenen Kinder verspeist"; das Recht kann sich nur dadurch ver- jüngcn, daß es mit seiner eigenen Vergangenheit aufräumt. Ein concretes Recht, das, weil es ein- mal entstanden, unbegrenzte, also ewige Fort- dauer beansprucht, ist das Kind, das seinen Arm gegen die eigene Mutter erhebt; es verhöhnt die Idee des Rechts, indem es sich auf sie beruft, denn die Idee des Rechts ist ewiges Werden, das Gewordene aber muß dem neuen Werden weichen, denn -- Alles, was entsteht, Ist werth, daß es zu Grunde geht." So der Professor und Geheimrath. Die Aufhebung der Sklaverei, der Leibeigen- schaft sind„große Errungenschaften"! Liegt da der Gedanke nicht nahe, daß die Aufhebung der Lohnsklaverei, die Erringung des gleichen politischen und sozialen Rechts eine noch viel größere Errungenschaft ist?! Auf Seite 51 sagt der preußische Geheimrath von Jhering: Nein! Recht und Gerechtigkeit können in einem Und darin liegt die zweischneidige Bedeutung Lande nicht dadurch allein"gedeihen, daß der seiner Haltung; mit jedem Schlage, den er nach Richter in steter Bereitschaft auf seinem Stuhle den Wurzeln seiner Kraft— den Arbeitern— sitzt, und daß die Polizei ihre Häscher ausschickt, führt, rückt die Stunde näher, in der er selbst— sondern es muß Jeder zu seinem Theil dazu mit- ein Spiel der Lüfte— von dem leisesten Hauche � wirken; Jeder hat den Beruf und die Verpflich- gestürzt werden kann. Die gegenwärtig herrschende Geselljchaft wandelt mit hoch emporgehobenem Haupte daher, nicht Die sehend, welche unter ihren Tritten dahinsinken, und daher wird sie auch die Grube nicht erblicken, in die sie plötzlich und ret- tungslos durch eigene Schuld hinabfahren wird. Wer die Entwicklung hemmen will, der wagt seine ganze Existenz, wenn er nicht weitsehend genug ist, die Folgen seines Schrittes zu ermessen; mit„impotenter Omnipotenz" kann man der Zeit nicht ungestraft ein„Rückwärts!" gebieten. Der Kampf um das Recht. Nehmen wir nochmals das Buch des Professors und preußischen Geheimeraths Dr. von Jhering zur Hand und lesen auf Seite 8— 10 folgende Auseinandersetzungen: „Mit dem bestehenden Recht haben sich im Lause der Zeit die Interessen von Tausenden von Individuen und von ganzen Ständen in einer Weise verbunden, daß dasselbe sich nicht beseitigen läßt, ohne letztere in empfindlichster Weise zu ver- letzen— den Nechtssatz oder die Einrichtung in Frag? stellen, heißt allen diesen Interessen den Krieg erklären, einen Polypen losreißen, der sich mit tausend Armen festgeklammert hält. Jeder solcher Versuch ruft also in naturgemäßer Bethä- tigung des Selbsterhaltungstriebes den heftigsten Widerstand der bedrohten Interessen und damit einen Kampf hervor, bei dem wie bei jedem Kampfe nicht das Gewicht der Gründe, sondern das Machtverhältniß der sich gegenüberstehenden Kräfte den Ausschlag giebt und damit nicht selten dasselbe Resultat hervorruft, wie beim Parallelo- gramm der Kräfte: eine Ablenkung der ursprüng- lichen Linie in die Diagonale. „Nur so wird eS erklärlich, daß Einrich- tungen, über welche das öffentliche Urtheil längst den Stab gebrochen hat, oft noch lange ihr Leben zu fristen vermögen; es ist nicht die vis inertia«, welche es ihnen erhält, sondern die Widerstandskraft der bei ihrem Be- stände betheiligten Interessen. „In allen solchen Fällen nun, wo das be- stehende Recht diesen Rückhalt am Interesse findet, ist es ein Kampf, den das Neue zu bestehen hat, um sich den Eingang zu erzwingen, ein Kampf, der sich oft über ein ganzes Jahrhundert hinzieht. Den höchsten Grad der Jntensivität erreicht der- selbe dann, wenn die Interessen die Gestalt er- wordener Rechte angenommen haben. Hier stehen sich zwei Parteien gegenüber, von denen jede die Heiligkeit des Rechts in ihrem Panier führt, die eine die des historischen Rechts, des Rechts der Vergangenheit, die andere die des ewig werdenden und sich verjüngenden Rechts, des ewigen Urrechts der Menschheit auf das Werden— ein Conflikts- fall der Rechtsidee mit sich selber, der in Bezug auf die Subjekte, die ihre ganze Kraft und ihr ganzes Sein für ihre Ueberzeugung eingesetzt haben und schließlich dem Gottesurtheil der Ge- schichte erliegen, etwas wahrhaft Tragisches hat. Alle großen Errungenschaften, welche die Geschichte des Rechts zu registriren hat: die Auf- Hebung der Sklaverei, der Leibeigenschaft, die Freiheit des Grundeigenthums, der Gewerbe, des Glaubens u. a. m., sie alle haben erst auf diesem Wege des heftigsten, oft Jahrhunderte lang fort- gesetzten Kampfes gewonnen werden müssen, und tung, der Hydra der Willkür und der Gesetz losigkeit, wo sie sich hervorwagt, den Kopf zu zertreten." Wo immer die Willkür und Gesetzlosigkeit sich hervorwagt, da sind sie also zu bekämpfen! Mit diesen Worten hat Dr. Jhering den Nagel auf den Kopf getroffen. Zeigt sich die Willkür und Gesetzlosigkeit im Volke und besonders in den unteren Schichten desselben, sofort sind hundert Häscher und Richter bereit, diesen Erscheinungen entgegenzutreten; zeigt stch aber Willkür und Ge- | setzlosigkeit bei den Machthabern und in den oberen Schichten der Bevölkerung, da fehlen immer die Häscher und auch oft genug die Richter, weil sich das„edlere Wild" durch allerlei Deckungen aus der Schußlinie gebracht hat, oder sich durch setzesparagraphen aus der Schußlinie hat bringen lassen. Allein nur die Sozialdemokratie tritt der Willkür und den Gesetzesverletzungen, wo immer sie sich hervorwagen, grundsätzlich entgegen und deshalb hauptsächlich soll sie vernichtet werden.— Im Uebrigen verweisen wir auf das treffliche Buch selbst; wir können keine weiteren Auszüge bringen, da dasselbe Werth ist, vollständig citirt zu werden Das Gesetz gegen die Bestrebungen der Sozialdemokratie. Nach der ersten Lesung in der Commission. 8 1. Vereine, welche durch sozialdemokratische, sozialistische oder communistische Bestrebungen den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschafts- Ordnung bezwecken, sind zu verbieten. Dasselbe gilt von Bereinen, in welchen sozial demokratische, sozialistische oder communistische, auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichtete Bestrebungen in einer den öffentlichen Frieden oder die Eintracht der BevölkcrungSklassen gefährdenden Weise zu Tage treten. 8 la. Genossenschaftliche Kassen, in welchen sozialdemokratische, sozialistische oder communistische auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichttte Bestrebungen zu Tage treten, find in Verwahrung und Administra- tion zu nehmen. Die Befugnisse des Vorstandes gehen auf die administrirende Behörde, beziehungs weise auf den von der Behörde bestellten Admini strator über. Im Uebrigen sind Verbindungen jeder Art den Bereinen gleichgestellt. 8 2. Unverändert. 8 3. Auf Grund deS Verbots find die Ver- einskasse, sowie alle für Zwecke des Vereins be- stimmte Gegenstände durch die Behörde in Be- schlag zu nehmen. Nachdem das Verbot endgiltig geworden, ist das in Beschlag genommene Vereinsvermögen durch die Verwaltungsbehörde zu liquidiren und je nach den gesetzlich zuläsfigeu Verpflichtungen und Zwecken des Vereins zu verwenden. Gegen die Anordnungen der Behörde findet nur die Beschwerde an die Aufsichtsbehörden statt, mit Vorbehalt jedoch des Rechtsweges für ver- mögensrechtliche Ansprüche Dritter und der- Handlungen Vereinsmitglieder. 8 4. Das Verbot ist unter Angabe der Gründe dem Bereinsvorstande zuzustellen. Gegen dasselbe steht dem Vereinsvorstande die Beschwerde (§ IS) zu. Die Beschwerde ist innerhalb einer' Woche nach der Zustellung des Verbots bei der Behörde an- zubringen, welche dasselbe erlassen hat. Die Be- schwerde hat keine aufschiebende Wirkung. § 5. Versammlungen, in denen sozialdemokra- tische, sozialistische oder communistische, auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesell- schaftsordnung gerichtete Bestrebungen zu Tage treten, sind aufzulösen. Versammlungen, von denen durch Thatsachen die Annahme gerechtfertigt ist, daß sie zur Förde- rung der im ersten Absätze bezeichneten Bestre- bungen bestimmt find, sind zu verbieten. Den Versammlungen werden öffentliche Festlichkeiten und Aufzüge gleichgestellt. § Sa. Zuständig für das Verbot und die Auflösung ist die Polizeibehörde. Die Beschwerde folgt dem landesgesctzlich vorgeschriebenen In- stanzenzuge gegen Polizei-Verfügungen entspre- chenver Art. § 6. Druckschriften, in welchen sozialdemokra- tische, sozialistische oder communistische, auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesell- schaftsordnung gerichtete Bestrebungen in einer den öffentlichen Frieden oder die Eintracht der Be- Völkerungsklassen gefährdenden Weise zu Tage treten, sind zu verbieten. Bei Periodischen Druckschristen kann das Ver- bot sich auch auf das fernere Erscheinen erstrecken, sobald auf Grund dieses Gesetzes das zweite Ver- bot einer einzelnen Nummer erfolgt. 8 7. Zuständig für das Verbot ist die Landes- Polizeibehörde, bei periodischenl, im Jnlande er- scheinenden Druckschriften die Landespolizeibehörde des Bezirks, in welchem die Druckschrift erscheint. Das Verbot der ferneren Verbreitung einer im Auslande erscheinenden periodischen Druckschrist steht dem Reichskanzler zu. Das Verbot ist in allen Fällen durch den „Reichsanzeiger" bekannt zu machen und für daS ganze Bundesgebiet wirksam. 8 8. Das Verbot ist unter Angabe der Gründe dem Verleger, sowie dem Herausgeber der Druckschrift zuzustellen. Gegen das von der Landespolizeibehörde er- lassene Verbot steht unbeschadet des Rechtes der Gegenvorstellung dem Verleger, sowie dem Her- ausgeber die Beschwerde(8 IS) zu. Die Beschwerde ist innerhalb einer Woche nach der Zustellung des Verbots bei der Behörde anzubringen, welche dasselbe erlassen. Die Be- schwerde hat keine aufschiebende Wirkung. 8 9. Unverändert. 8 10. Unverändert. § 11. Das Einsammeln von Beiträgen zur Förderung von sozialdemokratischen, sozialistische» oder communistifchen, auf den Umsturz der be- stehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung ge- richteten Bestrebungen, sowie die öffentliche Auf- forderung zur Leistung solcher Beiträge sind poli- zeilich zu verbieten. Das Verbot ist öffentlich be- kannt zu machen. Die Beschwerde folgt dem landesgesetzlichen Jnstanzenzuge gegen Polizeiverfügungen entspre- chender Art. § 12. Wer an einem verbotenen Vereine {§ 2) als Mitglied sich betheiligt oder eine Thä- tlgkeit im Interesse eines solchen Vereins ausübt, wird mit Geldstrafe bis zu ü00 Mark oder mit Haft oder mit Gefängniß bis zu drei Monaten bestraft. Eine gleiche Strafe trifft Denjenigen, welcher an einer verbotenen Versammlung(§ 5) sich betheiligt, oder welcher nach polizeilicher Auf- lösung einer Versammlung(8 5) sich nicht sofort entfernt.(Hier sind die Worte nach„Vereine" „mit Kenntniß oder nach erfolgter öffentlicher Be- kanntmachung des Verbots" gestrichen.) Absatz 2 unverändert. ßs 13, 14, 15. Unverändert unter Weglassung der Worte„mit Kenntniß oder nach erfolgter öffentlicher Bekanntmachung des Verbots." ) 16. Gegen Personen, welche sich die Agi- tation für die in 8 t, Abs. 2 bezeichneten Be- trebungen zum Geschäfte machen, kann im Falle einer Verurtheilung wegen Zuwiderhandlungen egen die 88 l2 bis 15 neben der verwirkten freiheitsstrafe auf die Zulässigkeit der Einschrän- kung ihres Aufenthalts außerhalb ihres Wohn- ortes erkannt werden. Auf Grund dieses Erkenntnisses kann dem Ver- urtheilten der Aufenthalt in bestimmten Bezirken oder Ortschaften durch die Landespoligeibehörde versagt werden. Ausländer können von der Lan- desPolizeibehörde aus dem Bundesgebiet ausge- wiesen werden. Gegen solche Anordnungen findet nur die Be- schwerde an die Aufsichtsbehörde statt. Zuwider- werden mit Gefängniß von einem Monat bis zu einem Jahr bestrast. § 16a. Gastwirthen, Schankwirthen und Per- soneu, welche Kleinhandel mit Branntwein oder Spiritus treiben, kann der Betrieb ihres Gewerbes untersagt werden, wenn sie trotz ergangener Ver- Warnung der Polizeibehörde in ihren Lokalen Agi- tationen für die in Z 1 Abs. 2 bezeichneten Bestrebungen durch aufreizende Reden zulassen oder sich selbst bei solchen Agitationen betheil'gen; wenn sie auf Grund des§ 6 verbotene Druckschriften auslegen, oder dulden, daß die Thätigkeit der auf Grund dieses Gesetzes verbotenen Vereine bei ihnen im Geheimen fortgesetzt wird. Z 16d. Personen, welche es sich zum Geschäft machen, die in§ 1 Abs. 2 bezeichneten Bestre- bungen zu fördern, oder welche auf Grund einer Bestimmung dieses Gesetzes rechtskräftig zu einer Strafe verurtheilt worden find, kann die Befugniß zur gewerbsmäßigen oder nicht gewerbsmäß gen, öffentlichen Verbreitung von Druckschriften, sowie die Befugniß zum Handel mit Druckschriften im Umherziehen entzogen werden. § 17. Das Verfahren wegen der Concessions- entziehungen in den Fällen des§ 16 a und 16 d erfolgt nach den landesgesetzlichen Bestimmungen für die in der Gewerbeordnung vorgesehenen Eon- zessionsentziehungen. % 18. Wer den auf Grund des Z 16a oder 16b erlassenen Verfügungen zuwiderhandelt, wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark oder mit Haft oder mit Gefängniß bis zu 6 Monaten bestraft. Z 19. Zur Entscheidung der auf Grund dieses Gesetzes erhobenen Beschwerden wird eine Commission von 9 Mitgliedern gebildet, der Bun- desrath wählt 4 derselben aus seiner Mitte, die übrigen 5 aus der Zahl der Mitglieder der höchsten Gerichte des Reichs oder der einzelnen Bundesstaaten. Die Wahl dieser 5 Mitglieder erfolgt für die Zeit der Dauer dieses Gesetzes und für die Dauer ihres Verbleibens im richterlichen Amte. Der Kaiser ernennt den Vorsitzenden und dessen Stellvertreter aus der Zahl der Mitglieder. Die Commission entscheidet in der Besetzung von fünf Mitgliedern, von denen mindestens drei zu den richterlichen Mitgliedern gehören müssen. vor der Entscheidung über die Beschwerde ist den Betheiligten Gelegenheit zur mündlichen oder schriftlichen Begründung ihrer Anträge zu geben. Im Uebrigen bestimmt die Commission ihre Ge- schäftsordnung selbstständig. Die Entscheidungen erfolgen nach freiem Ermessen und sind endgiltig. § 20. Für Bezirke oder Ortschaften, welche durch die im§ 1, Abs. 2 bezeichneten Bestre- bungen mit unmittelbarer Gefahr für die öffent- liche Sicherheit bedroht sind, können von den Centralbehörden der Bundesstaaten die folgenden Anordnungen, soweit sie nicht bereits landesgesetz- lich zulässig sind, mit Genehmigung des Bundes- raths für die Dauer von längstens einem Jahre getroffen werden, 1) daß Versammlungen nur mit vorgängiger Genehmigung der Polizeibehörde stattfinden dürfen; auf Versammlungen zum Zweck einer ausgeschriebenen Wahl zum Reichstag oder zur Landesvertretung erstreckt sich diese Beschrän- kung nicht; 2) daß die Verbreitung von Druck- fchriften auf öffentlichen Wegen, Straßer. oder Plätzen oder'an anderen öffentlichen Orten nicht stattfinden darf; 3) daß Personen, von denen eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Orb- nung zu besorgen ist, der Aufenthalt in den Be- zirken oder Ortschaften außerhalb ihres Wohn- ortes versagt werden kann; 4) daß der Besitz, das Tragen, die Einführung und der Verkauf von Waffen verboten oder an bestimmte Voraussetz- ungen geknüpft wird. Plaudereien aus der Vergangenheit. Paris, 1. September. In der„Zukunft", Sozialistische Revue, Heft 19, vom 1. Juli 1878 finde ich einen Aufsatz, be- titelt:„Wilhelm Weitling und sein System der Harmonie und Freiheit". Beim Durch- lesen dieses Artikels wurde ich plötzlich zurückver- setzt in jene vergangene und theils vergessene Zeit. Es kam mir so manches in Erinnerung von da- mals, welches höchstens einmal wieder aufgetischt wird, wenn einige von diesen Alten durch Zufall nach Verlauf von vielen Jahren zusammentreffen, und sich jene Zeit wieder ins Gedächtniß zurück- rufen, von welcher Weitling in der Vorrede der „Garantie der Harmonie und Freiheit"spricht:„Diese Zeit der Verbrüderung, der Opferwilligkeit, der Begeisterung, diese schöneZeit der schönen Träume!" Die Außenwelt existirte für die damalige kleine Schaar begeisterter Weltverbesserer mcht, we- nigstenS schien sie ihnen kein Hinderniß zu sein, ui.i ihre Ideale bald verwirklichen zu können. Vollständig passen die Worte des Verfassers des obenerwähnten Aufsatzes auf die damalige Be- wegung:„man wollte den Himmel stürmen und vergaß, daß dazu himmlische Heerschaaren nöthlg wären; man wollte Alles für das Volk und durch das Volk; daß das Volk in seiner Masse aber gar nichts wollte, daran dachte man nicht." Kein Wunder also, wenn viele von den noch am Leben bleibenden Invaliden der damaligen Zeit, die mit sehr wenig Ausnahmen auf den früher erworbenen Lorbeeren gemüthlich und theils philisterhaft sich ausruhen, sich an diese Zeit mit Wohlgefallen erinnern. Doch sicherlich würden dies- ersten Anfänge der Arbeiterbewegung in Ver- gessenheit gerathen sein, trotz alles Schmollcns über die jetzige Zeit und aller Lobeserhebungen der vergangenen Zeit, wenn nicht hin und wieder die Männer der neueren Zeit, wozu ich auch den Verfasser des schon erwähnten Aufsatzes rechne, Einiges über den damaligen Communismus vor die Oeffentlichkeit brächten. Freilich wäre noch manche Lücke auszufüllen, um ein klares Licht auf die damaligen Arbeiter- vereine und die communistische Bewegung in der Ueber jede auf Grund der vorstehenden Be- stimmungen getroffene Anordnung muß dem Reichstage, sowie der Land-svertretung des Bun- desstaates sofort, bez. bei ihrem nächsten Zu- sammentreten Rechenschaft gegeben werden. Die getroffenen Anordnungen sind auf die für gleich- artige Beschränkungen landesgesetzlich vorgeschrie- bene Weise und außerdem durch den Reichsan- zeiger bekannt zu machen. Wer diesen Anordnungen oder den auf Grund derselben erlassenen Verfügungen mit Kenntniß oder nach erfolgter öffentlicher Bekanntmachung zuwiderhandelt, wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark oder mit Haft oder mit Gefängniß bis zu sechs Monaten bestraft. § 21 unverändert. § 22. Dieses Gesetz tritt sofort in Kraft und gilt bis 31. März 1881. Die Beschlüsse der Commission zu§ la(„Genossenschaftliche Kassen" jc.) wurden zu näherer Festsetzung einer Untercommission vorgelegt, die für die zweite Lesung in der Commission folgende Anträge ausgearbeitet hat: § la. Die Vorschriften des K 1 finden auf Verbindungen jeder Art Anwendung, jedoch sind eingetragene Genossenschaften, registrirte Gefell- schaften, eingeschriebene Hülfskassen und andere felbftständige Kassenvereine, welche nach ihren Statuten die gegenseitige Unterstützung ihrer Mit- glieder bezwecken, zunächst nicht zu verbieten, son- dern unter eine außerordentliche staatliche Controle zu stellen. Die mit der Controle betraute Be- Hörde ist befugt: 1) allen Sitzungen und Ver- sammlungen des Vereins beizuwohnen; 2) Gene- ralversammlungen einzuberufen und zu leiten; 3) die Bücher, Schriften und Kassenbestände ein- zusehen, sowie Auskunft über die Verhältnisse des Vereins zu erfordern; 4) die AnZführung von Beschlüssen, welche zur Förderung der im§ 1 Absatz 2 bezeichneten Bestrebungen geeignet sind, zu untersagen; 5) mit der Wahrnehmung der Ob- liegenheiten des Borstandes oder anderer leitender Organe des Vereins geeignete Personen zu be- trauen; 6) die Kassen in Verwahrung und Ver- waltung zu nehmen. Wird durch die General- Versammlung, den Vorstand oder ein anderes lei- tendes Organ des Vereins den von der Control- behörde innerhalb ihrer Befugnisse erlassenen Anordnungen zuwider gehandelt, oder treten in dem Berein die im§ 1 Absatz 2 bezeichneten Be- strebungen auch nach Einleitung der Controle zu Tage, so kann der Verein verboten werden. Sind mehrere selbstständige Vereine der vorgedachten Art zu einem Verbände vereinigt, so kann, wenn in einem derselbsn die im§ 1 Absatz 2 bezeich- neten Bestrebungen zu Tage treten, die Ausschei- dung dieses Vereins aus dem Verbände und die Controle über denselben angeordnet werden. In gleicher Weise ist, wenn die bezeichneten Bestre- bungen in einem Zweigverein zu Tage treten, die Controle auf diesen zu beschränken. Sozialpolitische UeSersicht. — Die Wahrheit bohrt sich durch. In den zwei letzten Sessionen des Reichstags befür- warteten die sozialdemokratischen Abgeordneten bekanntlich u. a. Wahlreformen auch die Ein- führung von Couverts für die Stimmzettel. Die betr. Anträge blieben resultatlos. Jetzt lesen wir in den liberalen Blättern: „Die Petitionscommission des Reichstags will mit Rückficht darauf, daß der Reichstag zu einer außerordentlichen Session und ausdrücklich zur Schweiz zu werfen. Sicherlich hätte der Verfasser mehr Stoff dazu vorgefunden in den Bibliotheken der jetzt bestehenden Arbeitervereine in Lausanne, Genf, Vivis, Chaux de Fonds— und theils auch aus mündlichen Angaben der noch am Leben Gebliebenen, welche sich an Ort und Stelle aufhalten— als an Weitling's letztem Aufent- Haltsort, New-Iork. Freilich vieles und wohl auch das Beste zur Beleuchtung der damaligen Bewegung mag verloren gegangen sein; die stürmische Revo- lution der Jahre 1843 und 49 und die darauf folgende Reaktion zerstreute die Mitglieder der theils eingegangenen, theils aufgelösten Vereine in der Schweiz nach den verschiedenen Ländern. Die kurze Flüchtlingsperiode brachte wieder etwas Leben in die Vereine— jedoch kümmerte man sich dazumal um die alten Protokolle, Briefssmm- lungcn, Brochüren, Gelegenheitsgedichte, Zeit- fchriften für und gegen den Communismus wenig — Schreiber dieser Zeilen ist es aber einige Mal vergönnt worden, diesen alten Plunder, für was jene Aktenstücke allgemein angesehen wurden, aus der Rumpelkammer hervor zu holen, aus dem Ver- stecke, wo dieses oder jenes alte Mitglied ihn hin- gebracht hatte, ans Tageslicht zu bringen und irgend einem Verein zu übergeben. Jedoch der Zahn der Zeit nagt an Allem und sehr wenig mag wohl jetzt noch übrig geblieben sein. Jedoch dieses Wenige wäre am Ende doch noch zu verwerthen. Bor 4 Jahren während eines kurzen Aufent- Halts in Genf bekam ich zufällig die Stücke eines alten Protokolls in die Hände vom Lau- sanner-Verein vom Jahre 1841 oder 42— Fak- tor Graf, deutscher Flüchtling aus den 30. Jahren war Protokollführer im Anfange gewesen, als der Streit losbrach zwischen Jung-Deutschland und dem Communismus— hu! da ging es scharf her, doch wurde immer und stets mit geistigen Waffen gekämpft. Höchstens kam es dazu, daß Einige mit geballten Fäusten sich gegenüberstanden, und das will doch was s-!gen zu einer Zeit, wo der Arbeiter weder so aufgeklärt, noch so disciplinirt oder organisirt war, wie heute. Wie gesagt, käme ein Sammler nach der Schweiz und wollte sich die Mühe nehmen, nach- Berathung und Beschlußfassung des Sozialisten- gesetzes einberufen worden, nur über die wich- tigeren und dringlicheren der eingelaufenen Peti- tionen verhandeln, und wurde in der Commission als eine dringliche Petition ein aus Schlesien ein- gelaufenes Gesuch um Einführung von Couverts zur Abgabe von Stimmzetteln bezeichnet. Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß, wenn die Stimmzettel in undurchsichtige, von den Behörden zu liefernde Couverts von gleicher Farbe und Größe gesteckt und so in die Urne gelegt werden müßten, damit eine vollständige Garantie für die geheime Ausübung des Stimmrechts gegeben wäre. Eine solche Garantie besteht jetzt nicht, denn un- gleiches Format der Stimmzettel, Verschiedenheit in der Farbe und Stärke des Papiers, das Durch- scheinen der Druckbuchstaben selbst bei dem stärksten Papier, so wie andere unterscheidende Merkmale können, wie sich dies namentlich bei den letzten Wahlen gezeigt hat, das Geheimniß der Stimmen- abgäbe beeinträchtigen. Durch Einführung von Couverts würde auch Jrrthümern durch Abgabe mehrerer Stimmzettel vorgebeugt werden. Außer- dem würden, wenn man die zur Aufnahme des Stimmzettels bestimmten Couverts den Wählern vor Auflegung der Wählerliste zustellte, nicht so viele Wahlberechtigte deshalb ihres Wahlrechts verlustig gehen, weil sie nicht in die Listen ein- getragen waren, oder weil sie die Reklamations- frist unbenutzt ließen. Der Richtempfang eine? amtlich gestempelten Couverts würde für die Wähler sofort ein Fingerzeig sein." Ganz gut. Sonderbar nur, daß die Herren Liberalen erst dann zur Einsicht der Rothwendig- kcit von Wahlcouverts gekommen find, nachdem sie selber das Opfer der durch das jetzige System der Abstimmung möglich gemachten, ja geradezu provozirten Mißbräuche geworden find, die ihnen sehr wohl behagten, so lange sie dieselben gegen die Arbeiter ausüben konnten. Uebrigens genügt diese eine Reform bei weitem nicht zur Verhütung von Mißbräuchen. Es bedarf dazu auch der sonstigen, von Seiten unserer Abgeordneten ge- forderten Maßregeln. — Arme� Stöcker. In einem offiziösen Waschzettel wird die christlich-soziale Partei mit der Coterie der„Reichsglocke" und„Eisenbahn- zeitung", das heißt den tiefsten Schwefelpfuhl der reichs- d. h. bismarckfeindlichen Hölle gesteckten Verbrechern auf eine Stufe gestellt. Und darum, zwar nicht Räuber und Mörder, aber doch mit Grünebergen und Löschmännern Religion und Sittlichkeit gerettet! — Die Affaire Hasselmann soll noch ein Nachspiel haben. Gegen die Berliner„Volks- zeitung", welche den„Fall" in einem scharfen, aber durchaus maßvoll gehaltenen Artikel besprach, ist Strafantrag erhoben worden, ebenso gegen meh- rere rheinische Zeitungen, welche den Artikel der „Volkszeitung" abgedruckt. Ohne Ausnahme- gesetz haben wir es in Deutschland so herrlich weit gebracht, daß die Unfehlbarkeit der Regierung und Staatsbehörden proklamirt, und jede Kritik der- selben thatsächlich verpönt ist. Glückliches„Volk der Denker"! — Dem deutschen Kaiser wurde in diesen Tagen vom Vorstand des Reichstags eine Glück- Wunschadresse überreicht. Darauf hat der Kaiser eine Antwort erlassen, in welcher er u. A. sagt: „Der Ernst dieser Zeit ist uns Allen klar und fühlbar; wir müssen ein Jeder in seinem Verhält- niffe dahin trachten, daß die Gefahren, die der sittlichen Ordnung und der staatlichen zustöbern nach Kommunistischen und atheistischen Kundgebungen vor und nach den 40er Jahren, er würde am Ende doch eine kleine Ausbeute ge- Winnen an Material zu einer Geschichte der deut- schen Arbeiterbewegung. Ich mache namentlich aufmerksam auf unfern alten Joh. PH. Becker in Genf und auf einen alten Revolutionär aus den 30er Jahren, Schalk, Schneider in Vivis. Die Sammlung des Letzteren soll namentlich sehr reichhaltig sein. Bezug hat dieselbe auf die Gegner der Communisten. Die jung-deuffche Bewegung hielt sich nur im Anfang rein republikanisch; später waren eS Communisten, die sich gegenüberstanden. Was mich übrigens namentlich veranlaßt hat, die Feder zu ergreifen, ist, daß ich in dem Aufsatz über Weitung und sein System in der„Zukunft" einen Brief von Weitling abgedruckt vorfinde aus dem Jahre 1869,„meine Astronomie" wie er es nennt. Ich besitze ebenfalls einen vom Jahre 1856, denselben Gegenstand betreffend„meine Astronomie", welchen ich hiermit der Oeffentlich- keit übergebe. Lieb wäre es mir, wenn auch die „Zukunft" Notiz von dem Briefe nähme. Ich glaube nicht, wie der Verfasser des Aufsatzes in der„Zukunft" von Weitling glaubt, daß er in seinen letzten Lebensjahren geistig mehr oder we- niger gestört gewefcn sei. Ebensowenig 1869, als er den Brief an Schilling schrieb, wie 1856, als er den Brief an mich schrieb. Freilich aus bei- deu leuchtet eine gewisse Selbstschätzung hervor, es mag aber wohl doch etwas anderes als eine fixe Idee gewesen sein, wenn Weitling mit solcher Ueberzeugung von seiner Entdeckung spricht wie im vorliegenden Briefe. Möglicher Weye hätte Weitling seine Zeit und Kenntnisse im Interesse unserer Sache besser verwerthen können, als den Lauf der Sterne messen zu wollen und sich in allerlei Grübeleien zu verlieren. Ich glaube, Weitling hatte im Sinne, seine Astronomie in Lieferungen erscheinen zu lassen. Ich schenkte dem Allen jedoch wenig Aufmerksam- keit, war doch die Astronomie außer den wenigen allgemeinen Sätzen damals für mich noch mehr ein böhmisches Dorf als heute. Doch so viel kann ich mich aus jener Zeit erinnern, daß Weitling Sicherheit drohen, abgewendet werden. Das dem Reichstag vorliegende Gesetz bezweckt, !die Wege hierzu zu finden. Mein festes Vertrauen begleitet diese Arbeiten einer Versammlung, auf welche, aus der Wahl unserer Nation hervorgegangen, ganz Deutschland hoff- nungsvoll blickt." Gegengezeichnet ist das Schriftstück nicht, welches sonach als rein persönliche Meinungs- und Willensäußerung des Monarchen erscheint. Einer Besprechung entzieht sich dasselbe na- türlich. � Wie unseren Lesern bekannt, hat Herr Rudolf Meyer gegen die Herausgeber derBriefe Lassalle's an Rodbertus die Beschuldigung erhoben, sie hätten zwei höchst wichtige Stellen entweder unterdrückt oder willkürlich geändert. Hierauf antwortet einer der beiden Herausgeber: „E)r. R. Meyer, Verfasser des Werkes:„Der Emanzipationskampf des vierten Standes", hat im Morgenblatte der„Frankfurter Zeitung" vom 16. September 1878, dritte Serie, die Behauptung aufgestellt, es hätten die Herausgeber der Briefe von Lassalle an Rodbertus— Herr Professor Dr. Ad. Wagner-Berlin und ich—„zwei höchst wich- tige Stellen entweder unterdrückt oder willkürlich geändert". Erst gestern ist der Wortlaut dieses Angriffes zu meiner Kenntniß gelangt. Dr. Rud. Meyer fordert„Wiederherstellung des correkten Textes" und meint, daß die durch ihn verlangte Aufklärung„einen werthvollen Anhalt für die demnächstige Abstimmung" über ein Ausnahme- gesetz gegen die Sozialdemokratie gewähren würde. Wenn ich nun seiner Aufforderung nicht folgen kann, weil ich„höchst wichtige Stellen weder unter- drückt noch geändert habe", Dr. R. Meyer aber verlangt, daß„ungesäumt" seiner Aufforderung Folge gegeben werde, so nimmt es mich Wunder, daß diese Anzapfung in der zwölften Stunde er- folgt, da doch die Briefe von Lassalle an Rod- bertus schon Ostern im Druck erschienen sind. Diese Briefe sind mit der größten Genauigkeit nach einer sorgfältigen Abschrift der schon von Rodbertus geordneten Originale zum Abdruck ge- langt. Die Originale wurden genau verglichen und beziehe ich mich im Uebrigen auf das zu den Briefen geschriebene Vorwort. Wie dort schon gedruckt steht, haben die Herausgeber dieser Briefe einen Namen weggelassen und emen derben Aus- druck gemildert; diese durch Rücksichten und durch die Regeln des Anstandes gebotenen Aenderungen können nur von einem Neugierigen bemängelt werden, und es find die Abgeordneten zum deut- scheu Reichstag dadurch keines„werthvollen An- Halts für ihre demnächstige Abstimmung" beraubt. Was Dr. R. Meyer etwa noch„aus dem Ge- dächtnisse" hinzuzufügen belieben wird, hat in den Briefen von Lassalle, die im Nachlasse von Rod- bertus vorgefunden find und mir übergeben wurden, nicht gestanden. Zarchlin b. Plan i. M. 25. Septbr. 1875. H. Schumacher." Warten wir ab, was Herr Meyer nun zu 'agen hat. — Unsere Marine hat entschiedenes Pech. Jetzt erfahren wir, daß abermals ein Panzer- ch>ff, die Corvette„Sachsen", bei Kirchenhaten estgefahren ist. Es scheint wirklich als habe das englische Blatt„Saturday Review" recht, welches neulich behauptete, im Kriegsschiffbau sei jetzt ein Punkt erreicht worden, wo der Seekrieg anfange unmöglich zu werden, weil die Schaffe wegen ihrer Riesenhaftigkeit und Schwerfälligkeit das System Newton's kritifirte, wenn auch nicht wegen dessen mathematischer Berechnung, jedoch in anderen Beziehungen. Mir ist später ein Buch in die Hände gefallen, in dessen Besitze ich jetzt nicht Inn(der Druckort war Kiel), worin ebenfalls die Unfehlbarkeit von Newton's System bezweifelt wurde. Vor mir liegt der erste Theil des Werkes von unserm verstorbenen Parteigenossen M. Heß, „Dynamische Stofflehre". Ich erlaube mir einen Satz daraus mitzutheilen:„Das von Newton mathematisch formulirte, aber nicht physikalisch er- klärte Gesetz der allgemeinen Gravitation, obgleich es die speziellen Rotationsgesetze außer Acht läßt, obgleich es selbst bei der translatorischen Bewegung der Weltkörper um ein gemeinsames Gravitations- centrum im Weltraum die Fiktion eines ursprüng- lichen Stoffes in der Richtung der Tangente zu Hilfe nehmen muß, hat die Astronomie, sofern man darunter die Wissenschaft vom Gesetze der Massenbewegung der Weltkörper im Welträume versteht, zur mathematischen exakten Wissenschast erhoben.') Aber die physische Astronomie, die schließlich doch noch, wie jede exakte Wissenschaft, eine mathematische werden muß, steht noch in ihrem ersten Kindesalter— hat erst in neuester Zeit mit der Spektralanalyse begonnen." Ebenfalls kann ich mich heute noch erinnern, daß Weitling sich viel mit den Kometen zu schaffen machte, über die ja noch heute sowohl Gelehrte wie Ungelehrte sich die Köpfe zerbrechen. Für Weitling waren die Kometen keine Weltkörper, sondern nur Erscheinungen, Reflexionen, wie eben- falls das Zodiakal-Licht, das Rordlicht:c. ic. Einen Satz aus dem schon erwähnten Werk von Heß über Kometen erlaube ich mir mitzutheilen. Seite 118:„Ist schon der Kopf der Kometen meist so dilatirt(dünn), daß man die kleinsten Sterne ohne die geringste Abschwächung ihres Lichtes durch ihn hindurch sehen kann, welche Vorstellung sollen wir uns vollends von der geisterhasten Textur(Gewebe) der Kometenschweife machen? Nach Joh. Hörschel soll die ganze Masse deS größten Ko- metenschweifes keine zwei Unzen wiegen können, und Tyndall will in den Kometenschweifen nur die durch die Sonne hervorgebrachte Ausstrahlung nicht mehr für die Aktion zu gebrauchen seien. Thatsache ist, daß sich für Panzerflotten, die bei schönem Wetter im Frieden von selbst zu Grunde gehen, für den Krieg, wo die Gefahren doch bei weitem zahlreicher und größer, kein günstiges Prognostikon stellen läßt. Üebrigens nicht blos auf der See hat unsere Marine spezielles Pech. Auch auf dem Land. Die Leser erinnern sich der unglücklichen Rede des Chefs der Admiralität, von Stosch, gelegentlich der Mosle'scheu Interpellation. Diese Rede des ehemaligen Jnfanteriegenerals hat unter dem seemännischen Element unserer Kriegsflotte be- greiflicherweise sehr böses Blut gemacht. Einer unserer verdienstvollsten Seeosfiziere, Admiral Werner, hat bereits seine Demission eingereicht, und mehrere andere wollen seinem Beispiele folgen. So könnte es leicht kommen, daß von unserer Marine die eigentlichen Seeleute verschwinden, und schließlich nur noch der Infanterist Stosch mit seinem„Systrm" zurückbleibt. Wie die Na- tional-Engländer sich zu diesem„Mißgeschick und dieser„Krise" unserer Marine in's Fäustchen lachen, kann Jeder sich denken.— - Die zweite Lesung des Sozialisten- gesctzcs in der Commission hat am Dienstag begonnen Fürst Bismarck beabsichtigt, sich an den Berathungen zu betheiligen und Herrn Lasker den Standpunkt klar zu machen, das heißt, ihm zu zeigen, wie hoch der Stock gehalten wird, über � welchen gesprungen werden muß. Das Plenum des Reichstags hat seine nächste Sitzung am Montag, wo über verschie- dene Wahlen berichtet werden wird, u. a. die Kayser's, deren Gültigerklärung die Wahl- prüfungs-Commission beantragt, und die Grote's in Harburg, welche beanstandet werden soll. Die Harburger Wahl wird jedenfalls zu lebhaften Diskussionen Anlaß geben. Am Dienstag wird der Reichstag voraussichtlich in die zweite Be- rathung des„Sozialistengesetzes" eintreten. Die endgültige Beschlußfasiung über das„Sozialisten- gcsetz" und der Schluß des Reichstags dürfte kaum vor dem 16.— 17. Oktober stattfinden können. — Culturstaatliches. Bei ihrem Trans- Port von Dortmund nach Hamm wurden unsere Genossen Kühl und Ostermann mit Ketten aneinander geschlossen. Du stolzes Deutsch- land freue Dich! Uud lies die famose Depesche Bayard Taylors(S. Nr. IIS), in welcher Dein — Ruhm dem Auslande verkündet wird. — Die infame Fälschung, deren sich das „Berliner Tageblatt" durch seine angeblich akten- mäßigen„Enthüllungen" über den„Prozeß" No- biling schuldig gemacht, wurde von uns bereits an den Pranger gestellt. Wie wir nachträglich erfuhren— das Originalfabrikat lag uns nicht vor— hat der Anfertiger die Frechheit gehabt, unseren Freund Carl Hirsch mit Nobiling in Verbindung zu bringen; er»lochte denken, daß derselbe ja in Paris hinter Schloß und Riegel sitzt und deshalb wohl die Lüge nicht widerlegen könne. Darin hat sich i mn der saubere Patron geirrt. Es gelang, Hirsch von dem elenden At- tentat aus seinen Namen in Kenntniß zu setzen, und wir erhalten soeben(1. Oktober) folgende Er- klärung von ihm: „Paris, Mazas, 29. Sept. Lieber Freund! Wie ich höre, erzählt ein offiziöses Reichsorgan als eine durch die Untersuchungsakten festgestellte eines„negativen Schattens" oder eine„aktinische (Strahlen) Wolke" erblicken, die er auch experimental darzustellen versuchte. Er gesteht, daß hier vonStoff in gewöhnlichem Sinne keine Rede sein kann." Diesen Aeußerungen nach zu schließen scheint der Arbeiter Weitling der Wahrheit nicht so fern gestanden zu haben, als er die Kometen für Re- flexionen annahm. Wenn Weitling sich such mit Astronomie, Me- chanik und andern Wissenschaften als Laie befaßte, glaube ich dennoch nicht wie der Verfasser des Auf- satzes in der„Zukunft", daß er durch Berbannung, Jjolirung und materielles Elend sich nach gewissen Richtungen hin in fixe Ideen verrannt habe. Wenn ein so tiefer Denker wie Weitlmg. wie der Brief an Schilling und der hier angefügte Brief ihn zeigen, so durchdrungen ist von dem Werth seines Werkes, von der Wahrheit semer Entdeckung, so scheint es mir doch, daß wenigstens etwaS Wahre» und Vernünftiges an seiner Auffassung sein muß. Freilich diese Privatbriefe nehmen den Ton einer gewissen Selbstüberschätzung an. Und wenn auch dieser zweite Brief gleichfalls der Oeffentlich- keit übergeben wird, so wird dadurch die Thätig- keit und das Wirken Weitling's als eines Bahn- brechers der communistisch-sozralen Bewegung ver deutschen Arbeiter nicht verkleinert werden. Wenn Weitling in dem Briefe an Schilling über sein bis jetzt nicht im Druck erschienenes Buch sich folgendermaßen äußert:„Die gesammte Geschichte der Menschheit weiß nichts Wichtigeres aufzuweisen — der Mensch erkennt dann die Weltgesetze, welche seinen Wohnort bewegen, obwohl noch immer ohne zu wissen warum", so sagt er einfach mit anderen Worten dasselbe, was ein anderer alter verstorbener Bahnbrecher des Communismus, M. Heß, im Vorwort seines unvollendeten Werkes„Dynamische Stofflehre"(Kosmischer Theil), folgendermaßen ausspricht:„Obgleich der vorliegende Theil nur die kosmischen Phänomene umfaßt, auf welche sich die dynamische Stofflehre stützt, so mußten doch in einer allgemeinen Einleitung die Gesichtspunkte aufgcstellt werden, von welchen aus diese Lehre fämmlliche Phänomene des Lebens und Lebens- bewußtseins beurtheilt. Sollte dieser kosmische Theil eine günstige Aufnahme finden, so wird ihm Thatsache, daß Nobiling mit mir verkehrt habe. Wenn dies wirklich in den Nobiling'schen Akten behauptet wird, und wenn alle anderen in den- selben aufgeführten„Thatsachcn" ebenso richtig find wie diese, so sind diese Akten ein Gewebe von Lügen, denn ich habe Nobiling nie gesehen noch gekannt, weder in Paris noch sonst irgendwo, und nie in Beziehung zu ihm gestanden. Ich bitte Dich, diesen Brief in unseren Blättern »u veröffentlichen. Herzlichen Gruß. Carl Hirsch." Das ist deutlich. Und nun wiederum die Frage: Wer hat die„offizielle Depesche" fabrizirt, durch welche Nobiling unmittelbar nach seinem Attentat niederträchtiger uud verlogener Weise zu reaktionären Zwecken der Sozial- demokratie an die Rockschöße gehängt ward? Wer?- Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß alle wegen des verbotenen Congresses verhafteten Franzosen ans der Haft entlassen sind, weil sich absolut nichts Gravirendcs entdecken ließ. Der mitverhaftete Däne Schuhmann wurde am Mon- tag ausgewiesen und an die Grenze gebracht. Hirsch ist der Einzige, der noch sitzt, was er, wie schon angedeutet, seiner Eigenschaft als deutscher Reichsbürger((Zivis Aenn-mus) und gewissen schuftigen Denunziationen verdankt, deren Urheber ein Interesse am Durchgehen des Bismarck'schen Sozialistengesetzes haben. Consum- und Sparvereine lautet die Uebcrschrift einer von mir vor Wochen gemachten Einsendung, die in Nr. 113 des„Vor- wärts" veröffentlicht ist. Diese Ueberschrift rührt nun aber, wenn ich mich nicht sehr irre, nicht von mir, sondern von der Redaktion her, und ist allerdings nicht allzu- geeignet für die günstige Beurtheilung der darunter befindlichen Vorschläge. Ich bin nun weit davon entfernt, der Redaktion des„Vorwärts" wegen der Wahl der Ueberschrift ein anderes Motiv als lediglich den Gedanken zu unterstellen, damit den Inhalt der Einsendung zu bezeichnen, denn ich gebe zu, daß die Fassung meines Eingesandten nicht allzu geeignet ist, die für mich dabei be- stimmenden Gedanken zum Verständniß zu bringen; ich willdies daher nachstehend besser zu machen suchen. Die Sinsendung war zuerst nicht für den „Vorwärts", sondern für die„Wahrheit" bestimmt und durch einen Artikel des letzteren Blattes ver- anlaßt, worin die Arbeiter aufgefordert wurden, den uns feindlichen Geschäftsleuten mit gleicher Münze heimzuzahlen und die Kundschaft solchen Geschäftsleuten zuzuwenden, die mit uns gehen, oder sich doch wenigstens uns nicht direkt feindlich gegenüberstellen, damit den Herren die Maßrege- lungswuth etwas verginge. Ich wollte nun die Unzulänglichkeit dieser Repressivmaßregel, gegen deren Anwendung ich sonst nichts einzuwenden habe, nachweisen, wozu ich mich auf Grund einer Reihe persönlicher Er- fahrungen, die ich in ähnlichen Fällen bereits in früheren Jahren gemacht, berechtigt erachtete, und einen nach meiner Meinung besseren Vorschlag machen, wozu ich besonders auch durch den von mir erwähnten Artikel des„Pionier" angeregt wurde. Nachdem ich die Einleitung geschrieben, hielt ich es für besser, wenn der Aufsatz im„Vorwärts" ver- öffentlicht würde und schrieb einen andern Anfang, wobei ich denn den Fehler beging, den Vorschlag, wie ich heute klar sehe, nicht genügend zu moti- Viren, überhaupt so unklar zu machen, daß die zunächst der organische Theil nachfolgen, in welchem die individuellen Bewegungserscheinungen und ihre Entwicklung bis zur Geburt der Welt- historischen Menschenracen behandelt werden sollen— ist es dann dem Verfasser noch vergönnt, den sozialen Theil der dynamischen Stofflehre zu veröffentlichen, so wird dieser die geistigen Be- wcgungserscheinungen und ihre Entwicklung bis zur Geburt der moderne» Gesellschaft zum Inhalt haben." Weitlings„Astronomie" ist nicht gedruckt wor- den, das Manuscript ist wahrscheinlich verloren gegangen. M. Heß's erster Theil seiner Dyna- mischen Stofflehre hätte leicht dasselbe Schicksal treffen könne», wenn nicht seine hinterlassene Frau mit einer seltenen Beharrlichkeit, Ausdauer und Opfermüthigkeit eS dahin gebracht hätte, daß sie ge- druckt worden wäre. Zur Vollendung seines Wer- kes starb Heß jedoch zu früh. Wenn für mich auch viele» in der Heß'schen Schrift noch unser- ständlich ist, und ich den Inhalt von Weitling's Astronomie nicht kenne, so komme ich doch zu der Schlußsolgerung— durch die Aeußerung Weitling's in dem Brief an Schilling— und im Vorwort zu dem Werke von Heß— daß diese beiden ver- storbenen Altväter des Communismus von einer und derselben Idee ausgingen„aus der kosmischen Lebenssphäre die organische und auS der organi- schen die soziale, humane Lebenssphäre abzu- leiten". Dies ist keine fixe Idee— es ist eine Wahrheit, die unS freilich zum größten Theil bis jetzt noch verschleiert geblieben ist, die doch immer klarer hervortritt, so gewiß als der Sozialismus einst siegen wird. Da dieser Artikel sich nicht zur Ausnahme in die„Zukunft" eignet, so habe ich mich an die Re- daktion des„Vorwärts" gewandt und ersuche die Redaktion der„Zukunft", das ihr vielleicht Passende diesen„Plaudereien" eines alten 70jährigm Arbeiters und Communisten zu entnehmen. Mit bestem Gruße L. Petersen. Wir lassen nun den im vorstehenden Artikel erwähnten Brief Weitling's folgen: Redaktion des„Vorwärts" zu der Annahme ge- langen konnte, ich sei Schulzeaner geworden; diesen Vorwurf hat mir dieselbe allerdings nicht direkt gemacht. Heut also zur Ergänzung meines Vorschlags noch Folgendes. Die von mir vorgeschlagenen Consumvereine sollen nichts weiter sein, als ein Kampfmittel zur ökonomischen Befreiung der Arbeiter und Klein- bürger, deswegen dürften auch die Waaren in demselben nicht billiger verkauft werden als an- derswo, auch dürfte den Mitgliedern derselben das eingelegte Geld nicht höher verzinst werden, als dies bei den Sparkassen geschieht, und müßte von Bertheilung des Reingewinnes als Dividende Ab- stand genommen werden, denn eben diese Rein- gewinne müßten neben den durch Antheilscheine und sonstige Darlehen(wie dies ja bei den Genossenfchaftsbuchdruckereien bereits ist) zu be- schaffenden Mitteln dazu verwandt werden, mit den Consumvereinen Produktivgenossenschaften zu verbinden. Diese würden in erster Linie, oder besser überhaupt nur den Zweck haben, gemäß- regelten Genossen Beschäftigung zu gewähren, und es könnten auf diese Weise gleichzeitig auch die Eon- sumvereine wenigstens einen Theil ihrer Absatz- artikel als Selbstproduzenten beschaffen. Daß man sich zunächst nur auf die Herstellung solcher Produkte beschränken würde, die allgemein gebraucht werden und wobei möglichst viel Ar- beiter beschäftigt werden könnten und nicht allzu viel Betriebskapital erforderlich wäre, ist ja selbst- verständlich. Daß auch Sparvereine mit den Consumvereinen und Produktivgenossenschaften verbunden werden können, halte ich auch jetzt noch für möglich, denn obschon ich den Bastiat- Schulze von Lassalle ge- lesen, weiß ich doch auch, daß es— wenn auch nur wenige— jüngere Arbeiter giebt, die, durch einzelne Umstände begünstigt, etwas sparen können und sparen; ich habe einige solche sogar in meiner nächsten Bekanntschaft, und warum diese sozialistisch Gesinnten ihre erübrigten Groschen nicht ebenso gut, wie heute in die städtischen Sparkassen, zu obigen Zwecken hcrleihen sollten und würden, sehe ich nicht ein. Es gilt eben nur Einrichtungen zu schaffen, die es ermöglichen, auch den kleinsten Ueber- fchuß nutzbringend im Interesse des Sozialismus anzulegen, und nur in diesem Sinne habe ich auck die Sparkassen gemeint. Ich bin weit davon entfernt, für eine Organi- sation von Consum- und Produktivvcreinen, die den gesammten Arbeiterstand umfassen, ü 1» Schulze einzutreten, weil ich als Sozialist sehr wohl weiß, daß diese Organisationen nur im sozialistischen Staate zur Hebung des Volkswohlstandes dienlich sein werden, andrerseits aber halte ich es an- gefichts der immer noch im Wachsen begriffenen kapitalistischen und polizeilichen Maßregelungswuth für nothwendig und auch für möglich, einen auch ausnahmegesetzlich wohl kaum zu verhindernden Widerstand zu organisiren, um von den besten unserer Genossen allzugroßes Elend abzuwenden und sie kampffähig zu erhalten. Und lediglich diesem Gedanken war mein Vorschlag entsprungen. „Wenn zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe," wenn Schulze nebst Anhang derartige Organisationen geschaffen hat und fördert, so wollte resp. will er damit den Sozialismus bekämpfen; wenn die so- zialistische Partei eben solche Organisationen schafft, so würde sie es doch nur thun, um die zur Er- kenntniß ihrer Klassenlage gekommenen Arbeiter immer mehr widerstandsfähig im Kampfe für die Durchführung des Sozialismus zu machen. Das ist der gewaltige Unterschied. Warum sollen wir New- Jork, den 26. Februar 1856. Lieber Petersen! Eben Deinen Brief empfangen. Ich lege Dir noch kein Exemplar der Zuschrift bei, da es viel Porto kostet. Später schicke ich eins unter Kreuz- band. Jetzt muß ich Alles vermeiden, was meinem Zwecke— einer Besprechung uud Prüfung dieses Gegenstandes durch die Akademien, hinderlich sein könnte. Ich schickte hier am 8. Februar eines an Hum- boldt und eines an M. Chevalier, doch beide nicht — wie sich's gehört— im Briefformat. Ich schickte am 20. Februar mit übersetzten Auszügen ins Französische und Englische eines an t'Ivstitut äs Kranes, eines an tde Royal Institute of London, eines an den Astronomen Airy in Greenwich, je eines an die Akademie in Berlin, die in Wien, die in München, die in Petersburg, und eines an Encke, Direktor der Stern- warte in Berlin. Heute schicke ich eines an die Akademie in Leipzig, eines an die in Breslau und eines an Sir John Herschel. Ich denke, das ist genug, hoffe aber wenig davon. Als Newton das entdeckte, was man das Fallgesetz nennen könnte, was aber eben nur eine künstlich zurecht gemachte Ausrechnung der Zeit, welche der Mond zum Auf die Erde fallen brau- chen würde, war— da wurde er vor Freude krank und konnte nicht weiter rechnen. Es ist gut, daß der meine Ideen nicht gehabt hat, den Mann hätte vor Freude der Schlag gerührt. Doch der war Mathematiker, war wahrschein- lich reich, hatte hohe Gönner— und keinen, den Interessen der Reichen als feindlich bekannten Namen. Aber ich-- Ich erwarte von allen diesen Absendungen gar nichts Bestimmtes. Nur das freut mich, daß ich eben noch die Mittel in meiner Gewalt habe, diese Idee unter das Publikum zu bringen unv der Vergessenheit zu entreißen, trotz Neid und Miß- gunst, trotz den tausend Hindernissen, mittelst wel- cher die von den regierenden Interessen der Reichen und Mächtigen zu Rittern geschlagenen, sogenann- ten Vertreter der Wissenschaften jede, nicht in nicht auch hier, wie schon so oft, die gegnerischen Waffen benützen, wenn uns dies dienlich erscheint; von einem prinzipiellen Verstoß kann wohl daber nicht die Rede sein.") Die Gründung solcher Genossenschaften von sozialistischer Seite— d. h., es sei dies nochmals ausdrücklich betont, lediglich zu dem oben be- zeichneten Zwecke(den gemaßregelten Genossen Beschäftigung zu verschaffen), und nur in dem Maße, wie es dieser Zweck erfordert— dürfte bei dem Geiste, der in unfern Reihen herrscht, nicht allzu schwer sein; und grade dieser Geist würde dieselben auch vor den bei den Schulzeaner» üblichen Krachs bewahren. Weitere Details kann und will ich auch heute nicht geben, halte die Sache aber für wichtig genug, um eine weitere Besprechung durch andere Ge- nossen herbeizuführen. Dies zum besseren Verständniß meines ersten allerdings in etwas sehr mißverständlicher Weise gehaltenen Eingesandten, woran nur die Eile der Herstellung Schuld war. Corresponöenzeno ßhicago, 14. September. Beifolgende Cor- respondenz ist der hiesigen„Illinois Staatszeitung" vom 4. d. M. entnommen. Ich schicke Ihnen die- selbe, weil darin unverblümt die Achtung aus- gesprochen wird, welche sich die Sozialdemokratte bei dem anständigen Theil ihrer Gegner erworben hat. Wenn es der Raum des„Vorwärts" ge- stattet, dürften einige Auszüge für seine zahlreichen Leser von Interesse sein. Möge die Sozialdcmo- kratie Deutschlands ihre Bahn unbeirrt verfolgen. Zwangsgesetze vermögen die Ideen nicht in Banden zu legen, und lächerlich ist es, dem Zeitgeist Gesetzcsparagraphen als Hinderniß in den Weg zu stellen. Ein Freund der Sozialdemokratie. So lautet ein Brief, der an die Redaktion des „Vorwärts" gelaugt ist. Um den Wunsch des Briefschreibers zu erfüllen, dann aber auch, weil sich unsere Leser im Allgemeinen dafür interessire» dürften, bringen wir einige Auszüge aus dem oben angeregten Artikel des großen amerikanischen Bourgeoisblattes, der„Illinois Staatszeitung": „Es fängt wirklich an, in Deutschland un« heimlich zu werden, mindestens in Preußen und seiner Hauptstadt Berlin. Nicht etwa wegen des Sieges des Sozialisten Fritzsche auf dem Köpnicker Felde und im Weberviertel. Der Mann ist nach dem Stimmenausweis der loyale Vertreter der Mehrheit jener Bevölkerung und damit— Punktum! Nein, unheimlich macht uns den Aufenthalt im lieben Vaterlande seine Regierung; derselbe Bis- marck, den man als den Schöpfer des einigen Deutschlands feiert. „Ist das der Samen der Auflösung, den er streut? Oder beschwört er den Orkan, welcher den ersten Deutschen Kaiserthron wieder wegfegen soll — für immer? Es wäre eine zu grausame Ironie des Schicksals, wenn die Geschichte von Saturn, der seine eigenen Kinder verschlang, sich an Bis- marck erneuerte. „Denn, was man jetzt als Regierungs- Weisheit ausgiebt, ist die nackte Gewalt. Und diese führt immer auf die Dauer zur Gegenanwen- dung von Gewalt. Man scheint so eine Art De- zemberschrecken a la Louis Napoleon in Scene ") Aber wohl von vielleicht nutzlosem Zersplittern der Kräfte. Außerdem halten wir gerade gegen- wärtig den Versuch, derartige Organisationen zu gründen, für völlig aussichtslos. Red. d. B. ihren Pflanzschulen gezogene Frucht der öffent- lichen Aufmerksamkeit zu entziehen wissen. Bielleicht klingt das sehr voreilig, da ich ja noch gar keine Probe von diesen Körperschaften habe, da ich ja noch gar nicht sagen kann, ob sie mich nicht gründlich entweder widerlegen oder ge- bührend anerkennen werden, wenn sie dies nicht können. Ja, aber eben weil es nicht das erste Mal ist, daß ich, ohne Wissenschaften studirt zu haben, bessere Früchte gesehen, als aus den studirten Wissenschaften, und ich so viel Verstand mir zu haben erlaube als um wenigstens zu wissen, daß man mich in den Hauptsachen mcht widerlegen kann, darum wird man, wenn immer möglich, am liebsten ganz und gar schweigen. Gieb Acht, man wird höchst ungern darüber sprechen. Und doch kann der endliche Ausbruch nicht vermieden werden. Kurzum ich bin sehr neugierig. Ich glaube, Everbeck hat Gelegenheit genug zu erfahren, ob und wann in irgend welcher Akademie die Sache zur Sprache kam. Man findet dies in deutschen Zeitschriften. Ich aber habe hier gar keine Gelegenheit dazu. Ich weiß nicht einmal, wie oft und wann jede der Akademien zusammenkommen, an die ich die Schriften geschickt habe; noch weiß ich genau, welches Schicksal die Zusendungen haben, welche nicht besonders von einem Mitgliede empfohlen werden. Kannst Du mir nächstens darüber etwas schrei- ben, desto besser.— Mit unserer Kolonie geht es immer näher dem Ende— dem endlichen öffentlichen Verkauf— entgegen. Alle zusammen, die noch zum Bau zu gehören vorgeben, zählen in 2 Lagern kaum mehr als 40 Mann. Alles ist in Konfusion und drunter und drüber. Wenn meiner Schrift öffent- liche Anerkennung würde, dann wüchse mir der Muth noch einmal, die Kolonie dem Bunde zu retten zu versuchen. Aber! Aber!! Wenn die Hoffnung nicht wäre... Dein alter Freund W. Weitling. setzen zu wollen. Aber der Deutsche ist selbst als RegurungZmann nicht brutal genug dazu. Man wollte gewissermaßen Schlag auf Schlag die Ge- müidcr betäuben." Dann heißt es weiter: „Aber vielleicht sollte blos der liberale Spieß- bürget graulich gemacht werden? Ach, du liebe Z->l! Der ahnt noch gar nicht, daß das Ding, Sozialistengesetz genannt, nach allen Seiten schneidet. Seme Abgeordneten werden ihm das schon klar machen. Vorläufig wiegt er sich in behäbiger Sicherheit:„Den Sozialdemokraten gönne ich Alles!" Wie er glaubt, sie durch Androhung von Arbeiterentlassungen zu vernichten, so freut er sich über jede brutale Maßregel, die sein kurzsichtiges Beginnen unterstützt. „Leider kann man sich bei näherem Umblick nicht verhehlen, daß die bestehende Gesellschaft gar nicht daran denkt, das Geringste freiwillig zuzu- gestehen. Und was daraus folgt, lehrt die Ge- schichte. „Und nun zu Denen, welche unsere Geschicke thatsächlich beherrschen, den Sozialdemokraten, oder, wie sie sich jetzt nennen,„das werkthätige Volk". Die Leute benehmen sich brillant, muster- Haft. Was war das für eine tobende, lärmende Masse, als noch Herr von Bismarck die Arbeiter- Bataillone zu Wahlscandälern(?) benutzte! Und wie gesetzmäßig bewegt sie sich heute, wo er sie mit seinen Kanonenstiefeln in die Erde stampfen möchte! „Wenn die ersten Christen durch ihr stilles Dulden Propaganda machten, so versteht man dies jetzt. Man ist Gegner der Sozialdemokratie, aber sie zwingt einem Mitgefühl, za Bewunderung ab. Ist's da ein Wunder, wenn nicht klar blickende Köpfe in Schaaken zu ihr übergehen? Und so wächst die Sozialdemokratie, je mehr sie getreten wird, in desto riesigeren Verhältnissen. „Das Sozialistengesetz soll sie todtmachen. Wird und kann der Reichstag dieses Gesetz ge- nehmigen?" Und der Schluß lautet: „Die Sozialdemokraten gaben sich keine'Blöße, je rühriger die Polizei ist, ihnen etwas anzu- haben. So lange man sie schreien ließ, waren sie Kinder. Jetzt sind sie Männer geworden. Sie denken gar nicht daran, Putsche zu machen, dazu rechnen sie viel zu nüchtern. Sie glauben, daß ihre Stunde kommen wird, und dann werden sie nicht revolutioniren, sondern commandiren— eisern und bestimmt. „Und wenn sie einmal zur Herrschaft gelangen, wer ist daran Schuld? Die Hartnäckigkeit und Kurzsichtigkeit der bestehenden Gesellschaft, welche freiwillig nichts zugestehen will und deren„Unter- grabung" das Sozialistengesetz verhindern soll. „Eine Weidengerte gegen eine Eisenschiene!" Wir können mit dem Urtheil der amerikani- fchen Bourgeoiszeitung zufrieden sein. Ob Bis- marck und das deutsche Reich diese Zufriedenheit theilen, das ist zunächst ihre Sache. Altona, 2. September. Die Wahlen find vorüber und überall, wohin man blickt, hört man von Wahlbeeinflussungen der bedenklichsten Art. So besuchte mich vor einigen Tagen ein Land- mann, welcher in Plüschow bei Greveresmühlen (in Mecklenburg) zur Zeit der Wahl bei dem dor- tigen Gutspächter Diestel in Arbeit stand, der mir die Wahl folgendermaßen schilderte: Am Morgen des 30. Juli vertheilte die Frau des Gutspächters D. an ihre sämmtlichen Leute Stimmzettel für den dort aufgestellten Gutsbesitzer Bock mit dem Bemerken, nur ja diesen Stimmzettel abzugeben und keinen andern, denn Herr Bock sei ein netter braver Mann, der schon für die Arbeiter sein Möglichstes thun werde. Ueberhaupt zeigte die Frau an jenem Morgen eine Menschenfreundlich- keit oder vielmehr Arbeiterfreundlichkeit, wie man es sonst durchaus nicht von ihr gewohnt war. Nun ging aber hier das sonst so oft bewährte Sprichwort,„gut Zureden hilft", nicht in Erfüllung, fondern die meisten der Leute mußten wohl durch das viele Zureden, für Bock zu stimmen, miß- trauisch geworden sein, da sie dem Willen der gnädigen Frau zuwider handelten und die Bock'- schen Stimmzettel an die Wagen und an die auf den Straßen befindlichen Wegweiser anklebten und für den Candidatcn der Gegenpartei, Herrn Witte auS Rostock, stimmten.— Möge Folgendes noch beweisen, wie das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht zum Reichstag im herrlichen freien Mecklenburg gehandhabt wurde. In der Schule zu Friedrichshagen fungirte der dortige Standes- beamte(ein Gutspächter) als Wahlvorsteher» welcher den wählenden Arbeitern die Stimmzettel abnahm, sie aufmachte und dann zu den Beisitzenden gewendet, d.n Namen des betreffenden Candidaten nannte, den der betreffende Arbeiter gewählt hatte. Jeden- falls werden die Herren sich diese Ungehorsamen gemerkt haben, um nach der Ernte ihren Wahl- kreis von solchem Unkraut zu säubern, und bei einer ferneren Wahl ihren Bock in den Reichstag springen zu sehen. I. Jacobsen. Kannover, 23. September. Auch in hiesiger Provinz, wo es noch sehr viel jungfräulichen Boden zu beackern giebt, hat seit den Attentaten die Agi- lation mit sehr großen Schwierigkeiten zu kämpfen. In einer ganzen Reihe von Orten, die einen guten Stamm tüchtiger Parteigenossen enthalten, war es in den letzten Monaten nicht mehr möglich, öffentliche Versammlungen abzuhalten, denn eines- r�eils wurden uns durch Beeinflussung der Wirthe alle Lokale entzogen, anderntheils aber hatte man es auch verstanden, durch Maßregelung oder Entlassung der tüchtigsten Genossen die übrigen derart einzuschüchtern, daß in manchem Orte auS Furcht vor einem gleichen Schicksale gar kein Einberufet mehr aufzutreiben ist. Wurde mir doch sogar in der Nachbarstadt Hildesheim, wo sich im Frühjahr d. I. die Bewegung so günstig entwickelt hatte, aus ähnlichen Ursachen eine bereits arrangirte Versammlung unmöglich gemacht, so daß ich mich auch hier, wie an verschiedenen anderen Orten, auf eine Privatbesprcchung mit den Gefinnungs- genossen beschränken mußte, um ihnen wenigstens die Mittel und Wege anzugeben, wie es möglich sei, auch in der jetzt folgenden Reaktionsperiode für unsere Grundsätze weiter zu wirken. Nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten wurde es mir endlich am 21. d. M. möglich, im Lippe'schen, wo im Frühjahr dem Sozialismus so erfolgreich Bahn gebrochen wurde, wieder eine Versammlung zu Stande zu bringen, und zwar in Lemgo, nachdem die für Schötmar projettirte vom Herrn Amtsrath v. Meyen verboten worden war. Die Versammlung, welche im Saale unseres Parteige- nossen Strothmann stattfand, war ebenso wie die im April abgehaltene, überfüllt. Als Tagesordnung hatte ich„Der deutsche Reichstag und das Sozia- listengesetz" gewählt, und es folgte die Versamm- lung, trotzdem eine kleine Anzahl enragirter Mords- Patrioten wiederholt zu stören versuchte, mit großer Aufmerksamkeit meinen Ausführungen. Als ich jedoch bei Besprechung des§ 1 des Sozialisten- gesetzes auch auf die Untergrabung der staatlichen Ordnung, wie sie z. B. im Jahre 1866 stattge- fanden hat, hinwies, da mußte sich der Patrio- tismus der„gebildeten" Leute, unter Anführung des Hauptspektakelmachers, eines Gärtners Dclkener, durch ein Hoch auf den Kaiser und Herunter- brüllen eines Verses der„Wacht am Rhein" Lust machen. Ich ließ diesen Zwischenfall ruhig vor- übergehen, und als es mir gelungen war, wieder Ruhe zu schaffen, fuhr ich in der Erläuterung des famosen Untergrabungsgesetzes fort. Als ich indeß im Ganzen etwa eine Stunde gesprochen hatte, da hielten es die„Gebildeten", unter denen sich auch eine Menge großer 16— 18jähriger Schul- buben befanden, nicht länger aus; die Rohheit kam zum Durchbruch und es war mir in dem Skandal, den eine Anzahl dieser Leute machte, nicht mehr möglich durchzudringen. Um aber dem Ganzen die Krone aufzusetzen, durfte natürlich in dieser „patriotischen und gebildeten" Gesellschaft auch der nöthige Denunziant nicht fehlen. Das Beispiel Piloty's scheint aneifernd zu wirken. Einem so- genannten Volksbildner, Lehrer Horst, war es vorbehalten, diese traurige Rolle zu spielen. Der- selbe schrie aus dem Hintergrunde in die Ver- sammlung hinein:„Wenn er Polizeibeamter wäre, würde er schon längst die Versammlung aufgelöst haben wegen der aufreizenden und staatsgefähr- lichen Redensarten, die ich geführt." Da es bei dem nun entstehenden allgemeinen Skandal nicht mehr möglich war, Ruhe zu schaffen, und da außerdem die beiden Gesetzeswächter, wahrschein- lich aus Furcht vor Denunziation bei ihren Vor- gesetzten, ebenfalls drängten, Schluß zu machen, so ließ ich hierauf die Versammlung schließen und entfernte Mick aus dem Saale. Später, nach Ent- fernung der Ruhestörer, war es mir dennoch mög lich, im engeren Kreise im gegenseitigen Meinung«- auswusch die Gesinnungsgenossen auf die bevor- stehenden Kämpfe vorzubereiten und ihnen das Nutzlose der gegen uns ergriffenen Maßregeln klar zu legen. Als kennzeichnend für die Bornirtheit unserer Gegner will ich noch anführen, daß der Einberufer der Versammlung, welcher auch gleich- zeitig den Vorsitz führte, Genosse Blanck, sofort am andern Morgen von seinem Meister gemäß- regelt wurde und Lemgo, nachdem er dort 1'/-Jahr zur Zufriedenheit gearbeitet halte, verlassen mußte. Doch das mögen sich die Herren Gegner merken: Der Sozialismus fitzt jetzt unausrottbar fest in Lemgo, und an dieser Thatsache werden alle rohen Skandalmacher und Denunzianten Nichts ändern. — In Herford und Bielefeld war es mir für diesmal nicht möglich, Versammlungen abzuhalten, da die dortigen Parteigenossen es in der Zwischen- zeit leider versäumt hatten, die uns zugethanen Wirthe wenigstens insoweit durch regen Besuch zu unterstützen, daß dieselben dadurch für den Ausfall an anderen Gästen entschädigt worden wären und in Folge dessen uns vorläufig dort kein Lokal mehr zur Verfügung steht. Hoffentlich werden die dortigen Genossen in der Folgezeit diesen Fehler wieder gut machen und durch besseren Zusammen- halt auch in Zukunft die Bewegung kräftig zu fördern suchen. H. Oehme. Münster, im September. Auch hier haben wir uns an der Reichstagswahl betheiligt und schon darüber berichtet. Jedoch über ein Opfer der Wahl haben wir hier noch etwas zu verzeichnen. Parteigenosse H., welcher als Vorfitzender einen neugegründeten Leseclub angemeldet hatte, fand vor der Polizei keine Gnade, denn die Behörde veranlaßte den Arbeitgeber H.'s, diesen zu entlassen, was anch bereitwillig geschah. Daraufhin erhielt H. am anderen Tage von der Polizei die Weisung, Münster binnen drei Stunden zu verlassen. Da- mit hat man aber eine rechte Heldenthat ver- richtet; denn nun ist der Sozialismus erst recht vernichtet in unserem Städtchen! Wie eS aber im „Vaterlande" bestellt ist, wenn sogar die Polizei Denunziant spielt, daß kann sich Jeder denken! Kochst a. M., 27. Sept. Hier hatten wir bei der letzten Reichstagswahl 1292 Stimmen, doppelt so viel wie 1877, erzielt. Darob herrscht natür- lich kolossale Erbitterung in den Reihen der Gegner, und auch die Polizei ergreift Partei. So wurde Genosse D. ausgewiesen. Es stellte sich jedoch heraus, daß er, wie man auf der Behörde annahm, nicht Franzose sondern Deutscher ist, und als solcher sogar den Feldzug 1870 mitgemacht hatte. Demzufolge blieb es beim Alten. Trotz alledem geht es jedoch Vorwärts! �ie allgemeine Haussuchung betrifft, so ist es möglich, ja wahrscheinlich, daß ein solcher Plan besteht, und die Busführung darf also nicht überraschen. Uebrigens hat die Polizei ja iu xuneto der Haussuchungen so viel gethan, daß ihr zu thun eigentlich nichts mehr übrig bleibt. Eine Constskation von in Privatbesitz befind- lichen und nicht für Verkauf bestimmter Schriften kann dagegen nicht statthaben; sie würde nach dem Gesetz aus Diebstahl hinauslaufen und dem entspre- chend zu bestrafen sein.— K. B. in Fr edberg: Lassen Sie auch nach der Annahme der Ausnahmegesetze alle Auswanderungsidecn fahren; den Afterpatrio- ten zum Trotz wollen wir, die wir unser Vaterland wahrhaft lieben, dasselbe nicht verlassen.— Nicht den Schullehrern geht es so; auch den übrigen Beamt-n. — Wenn wir in die bestehenden Turnvereine, Krieger- vereine, Gesangvereine eintreten wollten, so würden wir uns mehr in Mißkredit bringen, als jene Vereine. Punkt 3 oben erledigt.— Lassen Sie doch den braven Max Hirsch aus dem Spiele— wo es Ernst wird, da taugt jener Mann nichts.— R. T. in Berlin: Erkun- digen Sie sich doch gefl. bei der„Berliner Freie Presse". — H. O. in H.: Der letzte Bref findet sich schon in der heuligen Nummer. Der Bildungsvereinsartikel war viel zu lang und von zu wenig allgemeinen Jnter- esse.— F/F. S. in Fürth: Wenden Sie sich doch an Grillenberger in Nürnberg. Agenten H. Pilster, Iserlohn, wird um Angabe seiuer Adresse ersucht. Christ. Dreifürst, Schloßplatz 6, Höchst a. M. Unterstützungsfonds. Bon K. hier 1,2S; S. in A. 35,20; Bnstr London 1,00; Bchhm hier 0.50. Berichtigung. In dem Artikel„Reflexionen" befindet sich als letztes Wort auf der 4. Zeile der ersten Spalte von unten ein sinnentstellender Druckfehler, den wir unsere Leser zu benchügen bitten. Es muß heißen statt: versöhnen— verhöhnen. Alle Parteigenossen werden hiermit vor(F. 230) Janas Htiudcll, Schneider aus Vohas(Ungarn) gewarnt. Derselbe hat die Mitglieder und auch den Verein speziell arg geschädigt und betrogen.(1,80 I. A. des Allgem. Arbeitervereins Thun(Schweiz): Max George, Kassirer. Briefkasten der Redaktion. In zahlreichen Briefen werden wir gefragt, ob nach Annahme des Ausnahmegesetzes eine allgemeine Haussuchung stattfinden werde unv dann auch die im Privatbesitz befindlichen sozialistischen Bro- . schüren und Zeitungen konfiszirt werden könnten. Was Frankfurt a. M. u. Umg. g-Sü zur Nachricht, daß Wochen- und Monatsabonnemenis aus alle soz'alistischen Zeitungen„Vorwärts",„Neue Welt",„Rundschau",„Die Zukunft",„Berliner Freie Presse",„Bolksfreund", ,Reue Gesellschaft",„Hamburg-Altonaer Volksblatt" u. s. w. zu jeder Tageszeit angenommen werden. Ferner mache rch darauf aufmerksam, daß bei mir Aufträge auf Druck- fachen aller Art, z. B. Adreßkarten, Visiten- karten, Rechnungen, Circuläre u. s. w. ange- nommen werden. Alle Drucksachen werden billig und nach Wunsch schnell und bestens besorgt. W. Knoke, Kleine Eschenheimerstraße 34, 2. Etg. Nlj. Den geehrten Abonnenten obengenannter Bläiter zur Nachricht, daß Sonntag, den 0. ds. Mts. das Abonnemenlsgeld aus den„Vorwärts" für das 4. Quart. erhoben wird. Diejenigen, die bis zum 8. ds. Mts. nicht bezahlt haben, erhalten kein Blatt mehr.(1,00 W. Knoke. Sozialdemokrat. Wahlvercin. Sonnabend, d. 5 Oktober, Abends 8�2 Uhr, im Vereinslokale, Mittelstraße Nr. 11: f80 Oeffentliche Yersammlung. Tagesordnung: Das deutsche Zeitungswesen sonst und jetzt und die Entstehung der öffentlichen Meinung. Referent Herr H. Oehme. Der Vorstand. Durch uns ist zu beziehen: Gffener Wriel m das Comitv des deutschkn Arbeiter- Vereins zu Leipzig von Rodbertus. Preis per Stück 15 Pfg. Expedition des„Vorwärts". Tabelle d. Wahlen zum Reichstage 1878. Von vielen Empfängern dieser Wahl- tabelle ist noch keine Zahlung einge- gangen. Ich ersuche daher dringend, nunmehr sofort Geld und Abrechnung zu senden. II. Oldeadui'A. Hamburg, Amelungstraße 5._ In unserm Verlage ist erschienen: Vertheidigungs-Nede wider die Anklage der Verleitung zum Kassetten-Diebstah! gehalten am 11. August 1848 vor dem Kgl. Asfiffenhoft zu Köln und den«eschworeneu von LASSALLB. Preis 35 Pfg. 8°.(ca. 5 Bogen). Da diese Schrift in sehr wenigen Exemplaren unter den Genossen verbreitet sein dürfte, so haben wir die- selbe ihres überanS großen historischen Interesses wegen durch den Druck vervielfältigt. Da der Berkauf in Folge des Ausnahme- Gesetzes bis Mitte October nur gestattet sein dürste, so empfehlen wir sosoriige Bestellung. Breslau, im September 1878. Schlesische Volks- Buchhandlung II. Limmer so Co. oller krovrsloas-ltelsellcke mit xuteu Ueferen�e engagirt die bekannte Cigarrenfabrlk(3a)[1,1 Herrn. Otto Weiidt, Sremen. Neu erschienen und die unterzeichnete Buchhandlung zu beziehen: Zur orientalischen Frage odcr: Soll die sozialistische Arbeiterpartei türkisch werden? Ein Mahnwort an die deutsche Soffaldemoliratie. Bon H. L. 5>/z Bogen(88 Seiten). Preis 45 Pf. Dir Verfasser, der bekannte Correspondent aus „Heuchelland" Kitt in dieser Schrift der Auffassung des Genossen Liebknecht über die Orientfrage entgegen, f Für alle Besitzer der Liebknecht'schen Schrift ist obige Broschüre unentbehrlich. Hottingen-Zürich, September 1878. Volksbuchhandlung. Im Verlage der Genossenschafts-Buchdruckerei zu Leipzig ist erschienen und durch die unterzeichneten Buchhandlungen zu beziehen- Der arme Conrad. Jllustrirter Kalender für das arbeitende Volk pro 1879. Inhalts-Berzeichniß: Vorwort.— Bollständiges Kalendarinm.— Aus meinen Erinnerungen. Von Joh. Phil. Becker. � Woher und wohin mit den Kulis?— Wie entstand unsere Welt. Von L. Friwitzer.— Heinrich Heine's Biographie.(Mit Portrait.)— Im Hinterhause. Cr« zählung von Heinrich Friedenau.— Sonne, Erde und Mond. Ein wichtiges Kapitel für Kalenderkäufer. Voni Emil Roßbach.(Mit 5 Abbildungen.)— Weihnachls- � bildet aus einem Proletarierlebcn. Von F. W. Fritzsche. — Babeuf, Biographie.(Mit Portrait.)— Produkiive und unproduktive Arbeit. Ein Kapitel aus der polili- schen Oekonomie. Von H. Oldenburg.— Was uns die Statistik lehrt.— Statistik sozialistischer Reichstagk- wahlcn.— Die Vergiftung des Volkes.— Aus alten Papieren.— Post-Porto-Tarif. Telegramm-Tarif. Anekdoten. Sinnsprüche. Räthsel ec. tz.— Markt- Verzeichnisse für ganz Deutschland. Trotz der gedregenen und reichhaltigen Ausstattung kostet der Kartender geheftet nur 40 Pfg., gebunden und mit gutem Schreibpapier durchschossen 60 Pfg., gegen baar oder Postvorschuß. Den Bestellern von Einzel- Exemplaren ist anzu« empfehlen, für jedes Exemplar brochirt 50 Pf., ge- banden 70 Pf., einzusenden, wofür wir franco per Kreuzband zusenden. Die Lieferung des Kalenders erfolgt nirt gegen baar oder Postnachnahme. Irei• gxempCare werden nicht gegeben. Aus Posten von 1 Dutzend aufwärts-bcrechnen wst brochirt 25 Pf. pro Stück gebenden 40„„„ f ttctto 9e9fn 6attr' Krpedition des„vorwärts", Leipzig, Färberstr.12. Allgemeine deutsche Associations-Auchdruckerci zu ZZerkin, jKaifer Franz- Grenadierplatz Nr. 3» Bei C. Grillenberger in Nürnberg erscheint in den nächsten Tagen und ist durch alle Buchhandlungen und die Expeditionen befreundettr Blätter zu beziehen: Deutscher Aröeiter-Wotizkal'ender für das Jahr 1879. 9>/, Bogen stark, in Tajchenbuchformat. gebunden. Inhalt: Kalendarinm. Die für Gewerbetrei- bende und Arbeiter wichrigsten Bestimmungen der Reichö-Gcwcrbeordnung(Novelle vom 18. Mai 1878, in Kraft tretend am 1. Januar 1379); Haft- Pflichtgesetz; Lohnbeschlagnahmegesetz; Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes u. die Form der Eheschließungen; Bestimmungen über den Postverkehr. 6 Bogen Schreibpapierfür TagcSno- trzen mit Geschichtskalendcr für jeden Tag. ?rei8 50?rg. Bei Partienabnahme Rabatt. K.lX) Einladung zum Abonnement auf das in Gotha erscheinende Menschenthum Sonntagsblatt für Freidenker Herausgegeben von Dr. August Specht. 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