Mittwoch, den 4. Januar. 1871. �rsch«im wöchentlich 2 mal in Leipzig. Lestellungen nehmen alle ' Poftanstalten und Buchhand- lungen des Zn- und Au»- lande« an. Kür Leipzig nehmen Bestellungen an! A. Bebel, Peterlstmße 18, F. Thiele, Emilienstraße 2, Der Pslksstliiit Abonnementspreis Für Preußen incl. Stempel- Ken er IK Ngr., sllr die iibngen deustchen«Staaten 12 Ngr. ver Quartal. AgenliürLondon A.Duenstng, Foreign LoolrzgUor, I�idrn- rinn aust iz«vzagsat, 8, Little Newport Street, Lei- •ester Square, W. C. Filialerpedition für die Verein Staaten: R A-Sorge, Box 101 Hoboken N. J. via Newyork Organ der soMl-demoKratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschasten. Ein billiger Friede mit der französischen Republik! Keine Annexionen! Bestrafung Bouaparte'S und feiner Mit- schuldigen! Unsere grotze Zeit. Ich bin ein Berräther— wem ist's nicht bekannt?— Es sagt's ja der Schulze, der Büttel, Der Amtmann, der Pfarrer, die Herren von Stand, Und fragt sie im leinenen Kittel Der Bauer:„Er ein Berräther? warum?" Da heißt's:„O Bauer, wie schwäzst doch so dumm! Er hält's ja mit den Franzosen!" O kleine, erbärmliche, alberne Zeit! Die Narren nenncn's die große: Weil ihnen ein Kaiser daher kommt geschneit, Weil im Blute liegt der Franzose, Weil der Franktireur aufgeknüpft am Baum von Vaterlandslieb' träumt den letzten Traum, W«tl Dörfer brennen und Städte, Weil das kalte Feld ist durchrieselt von Blut, Weil Leichen rings starren an Leichen, Weil Verwundete ächzen in Fiebergluth, Umgeistert vom Mondschein, dem bleichen, Weil riesengroß schreitet von Land zu Land Das Leid im Bettler- und Trauergewand, Und Hunger grinset und Typhus. verzeiht mir, erleuchtete Geister, verzeiht, Mein Herz ist viel weicher geschaffen, Und nimmermehr dünkt's ihm erhabene Zeit, Wenn sich Völker befehden in Waffen, Wenn unter dem Faustrecht die Freiheit weint, Und wenn man vom Gott der Liebe noch meint, Er freue, wie Mars, sich der Schlachten. Und Auf Wilhelmshöh' dort, statt auf Galgenhöh' Der gefürchtete Missethäter— Und ringsum Parteihaß und blutiges Weh— Und Franzosenfreund und Verräther Gescholten ein Jeder, der's menschlich meint, Und der den Menschen auch ehrt noch im Feind!— — Zwerghafte Größe der Zeiten! Weinsberg, 29. Dezbr. 1870. Theobald Kerner. Politische Uebersicht. Die„Worddeutsche Allgemeine" veröffentlicht folgendes ..Manifest des französischen an das deutsche Boll." „Seit mehr als vier Monaten wüthct ein schrecklicher Krieg zwischen zwei Nationen, die berufen sein sollten, friedlich neben einander zu leben und gemeinsam an dem Wohl der Menschheit zu arbeiten. Der Erfolg der Waffen hat euch, Deutsche, in das Herz unseres Landes geführt; unsere Felder werden zertreten, unsere Städte bombardirt, unsere Dörfer eingeäschert. Immer neue Ströme Blutes fließen von beiden Seiten. Mit jedem Schritt, den eure Soldaten vorwärts thun, mehren sich die Gräuel. Auf die Zerstörung von Straßburg folgt vielleicht eine noch schrecklichere Verwüstung von Paris. Soll diese unglückliche Zerfleischung, die der ganzen Eivilisation unseres Jahrhunderls widerspricht, noch länger fortdauern? Ist es nicht möglich, daß wir uns auf Grund- lagen wieder verständigen, die für euch ehrenvoll sind und die uns nicht aufs Tiefste demülhigen und niederdrücken? Im Anfange des Krieges mochtet ihr ein Recht dazu haben, auf uns erbittert zu sein. Der Angriff ging auf leichtfertige Weise von unserm Beherrscher aus, der im Innern die Frei- heil vernichtet hatte und nach Außen der Erfolge bedurfte, um sich gegen den wahren Willen der'Ration zu erhalten. Ihr wolltet euere Grenzen vcrlheidigen und Herr in euerem eigenen Hause sein. Doch legten euere Heerführer selbst dem fran- zöfischen Volte nicht zur Last, was die Schuld der Dynastie war. In ihren Proklamationen erklärten sie, daß der Krieg nur gegen den Kaiser, nicht gegen das französische Volt geführt werde. Ohne den Krieg jetzt auf's Aeußerste fortzusetzen, wird ?nch die Genuglhuung geboten, die ihr irgend gerechter Weise ln«nspruch nehmen könnt. Ihr habt uns gegenüber eine militärische Ueberlegenheit gezeigt, die wir achten muffen, so tief wir durch dieselbe gebeugt sind. Das Kaiserthum, das noch im Interesse der Herrschsucht tzuf künstliche Weise die Traditionen der Eroberung bei uns zu schüren suchte, ist durch die einmüthige Erhebung des Volkes gestürzt worden. Wir sind zu den Ideen der Freiheit und Brüderlichkeit zurückgekehrt, die einzig im Stande sind, einen festen und dauerhaften Frieden zu begründen. Wir erheben keinen An- spruch mehr auf Gebiete, die euch gehö.en. Wir sagen uns los von jeder Einmischung in die inneren Angelegenheiten eures Landes. Wir gönnen euch die Einheit, nach der Ihr gestrebt habt und die wir uns selbst längst errungen haben. Wir widersetzen uns der Schleifung der Bollwerke von Straßburg und Metz nicht, wenn dies zu eurer Be- ruhigung dienen kann. Wir bieten euch endlich für die Kosten, die der Krieg euch verursacht hat, volle Evtschiidt- gUUg. Aber geht in eueren Bedingungen nicht weiter und sucht euren Sieg nicht auf's Aeußerste zu verfolgen. Ver- langt nicht, daß wir uns von Provinzen trennen sollen, die Jahrhunderte hindurch mit uns vereint gewesen sind, die wir nie durch ungleiche Behandlung bedrückt haben, die Frank- reich mit voller Anhänglichkeit zugethan sind und von denen ihr selbst sagen müßt, daß sie einer Wiedervereinigung mit Deutschland aufs Feindlichste widerstreben und eine ganze Generation hindurch«ur mit Gewalt regiert werden könn- ten. Sucht nicht ein Eroberungsrecht geltend zu machen, das ihr selbst verurtheilt habt, wo es von unsrer gefallenen Dyna- stie in Anspruch genommen wurde. Achtet die freie Selbstbe- stimmung der Bevölkerungen, in der das einzig gerechte Prinrip des öffentlichen Rechts liegt und auf welche auch Ihr das Ge- bäude eurer Freiheit gründen müßt. Erblickt eure Sicherheit nicht in einer erweiterten strategischen Grenze, die illusorisch (nutzlos) ist, wenn ihr zerrissen seid, und deren ihr nicht bedürft, wenn ihr mit euren Kräften fest zusammensteht. Nicht der Erwerb von neuen Ländern macht euch wie uns stärker und geachteter, sondern die innere Freiheit und Einigkeit." Im weitern Verlauf bittet das Manifest die Deutschen, zu bedenken, welchen tiefen und unauslöschlichen Stachel die Fortsetzung des Krieges ins Herz des französischen Volkes drückt, warnt vor einer Geringschätzung des äußersten Widerstands Frankreichs und schließt mit den Worten Deutsche! Wir reichen die Hand zu einem Frieden, der uns wieder versöhnen kann. Nehmt nicht die schwere Verant wortlichkeit für die Gräuel eines sortgesetzten Krieges auf euch, der nicht mehr der Vertheidigung sondern der Eroberung gilt. Denkt, daß die Geschichte zwischen uns und euch richtet und daß die Sympathien der andern Völker sich nicht dem Siege, sondern der Niederlage zugewendet haben. Legen wir die Waffen nieder und wetteifern wir wieder in den Bestrebungen der Cul- tur statt in den Mitteln gegenseitiger Zerfleischung!" Doch was nützet das? Das deutsche Volk ist in der Lage, in der das französische Volk nach dem zweiten Dezember war: geknebelt an Ohren und Mund, und an seiner Stelle, in seinem Namen spricht eine Dezembergesellschaft von Polizeispionen, Börsenjobbern, anderen Staatsplünderern nebst Adelaiden, so- wie 4000 Zeitungsschreibern. Und auf der Spitze dieser pikanten Pyramide steht Bis- inarck, auf der flachen Hand das deutsche Kaiserthum„frei" hinaushaltend und von Versailles nach Wien und nach London rufend: „Das(deutsche) Kaiserreich ist der Friede!" Genau dieselben Worte, mit denen Louis Napoleon seine Mordregierung einsegnete.„I/empire c'est la paix!"„Das Kaiserreich ist der Friede!" Dieselben Worte und dieselbe— Wahrheit. Wie sollte eine Herrschaft den Frieden bedeuten, die Blut und Eisen zu ihrer Devise erklärt hat? Das deutsche Kaiserthum ist in dem Blut der edlen Standrechls- Märtyrer von 1849 erzeugt, in dem Bruderblut von 1866 getauft worden, in dem Blut des deutschen und französischen Volkes hat es sich groß gebadet, von Jahr zu Jahr wird es zu seiner Erhaltung Blut brauchen, und in Blut wird es eines Tages ertrinken. Man hat das Wort„deutsche Hundedemuth" für zu hart gefunden und es dem Erfinder wie den Entlehnern derselben sehr verargt, daß sie ihre eigene Nation so arg dem Spott und der Verachtung preisgeben. Wir fanden neulich eine Probe da- von in der Biedermann'schen„Deutschen Allgemeinen Zeitung", in deren Leitartikel vom 14. Dez. die Frage:„Bombardement von Paris— oder nicht" ventilirt wird, der Verfasser zerbricht sich zuerst den Kopf darüber, warum wohl mit dem Bombarde- ment so lange gezögert werde, schließlich aber beruhigt er sein echt deutsches Gemüth im vertrauen auf Moltke, den Unfehl- barsten nächst Bismarck. Man beachte nur in folgendem, wohl stilisirten Satz die vielen verherrlichenden Beinamen: Insbesondere aber hegen wir zu dem Manne, den wir als die leitende Seele aller Operationen in diesem Kriege jederzeit unwan- delbar verehrt und jederzeit aufs vollkommenste bewährt ge- sunden habe», die feste Zuversicht, daß, wofern irgendein wichtiger Act der Kriegführung nach seiner wohlerwogenen Ueberzeugung nothwendig wäre, gleichwohl aber aus der Sache fern liegenden Grün- den unterlassen oder ungebührlich verzögert würde, daß er in solchem Falle im Gefühle der ungeheuer» moralischen Verantwortlichkeil, welche das selsenseste Vertrauen der Nation zu seinen strategischen Fähig- keilen und zu seinem patriotischen Eiser gerade aus seine Schultern legt, sich nicht scheuen würde, selbst das Aeußerste zu thnn und sein Verbleiben in seiner einflußreichen Stellung von der strengen Berück- sichtigung seines sachkundigen Raths abhängig zu machen. Die„Verschwörung" der französischen Gefangenen in den Rheinfestungen, die von der kaiserlichen Presse in so schauerlichen Farben geschildert worden ist, erweist sich nunmehr als Humbug. Die strengste Haussuchung, die bei den 28— 30,000 Gefangenen in Mainz gehalten wurde, hatte zum Ergebniß: 1 Revolver und— 1 Ka fse ein ühle! Natürlich hindert dies die kaiserliche Presse nicht, aus maßloser Aufhetzerei gegen die nehmen. Der aus der preußische» Fe ver�V c Feflng erschwörung" Anlaß zu nzösischen Gefangenen zu Neisse nach Oesterreich entkommene Capitain Gouty vom 28. L.-J.-R. erklärt in der Wiener„Tagespresse", daß die preußische Regierung, indem sie das bonapartistische Blatt„Le Drapeau" unter den kriegsge- fangenen französischen Offizieren verbreiten lasse, diese nicht nur schwer beleidigt, sondern auch berechtigt habe, sich auf jede mögliche Weise aus der Gefangenschaft zu befreien. In der würtembergischen Abgeordnetenkammer wurden die Verträge über den Eintritt in denMilitä rstall gegen ein Halbdutzend Stimmen angenomm en. Die selige schwäbische Volkspartei drehte sich nicht einmal in ihrem pa- piernen Grabe herum, sie ist und bleibt todt. Ihre Grab- schrift lautet: Geh', Wand'rer, thränenlos vorbei! Ein Thier vom Stamme der Amphibien Mit Saft und Muskeln, ohne Knochen, Das nichts gethan unv viel gesprochen, — Es starb aus Mangel an Prinzipien— Ruht hier: Die schwäbische Volks partei. „Der Krieg wird im März erst beginnen," ist eine Aeußerung, die übereinstimmend aus Moltke's und aus Trochu's Mund gekommen sein soll. Die Preußen haben ihren Zug gegen das südliche Frank- reich eingestellt, Dijon geräumt und ziehen sich auf Elsaß und Lothringen zurück. Dies und die Nichtbesetzung von Tours zeigt, daß mdn deutscherseits den Krieg mit der Ein- nähme von Paris noch lange nicht für beendet hält. Man wird also, da die Eroberung des ganzen Frankreichs selbst für ein doppelt so starkes Heer, als das deutsche, eine Unmög- lichkeit wäre, sich darauf beschränken, die zu annektirenden Provinzen, die Hauptstadt(wenn man sie hat) und die strategisch hierzu erforderlichen Landstrecken besetzt zu halten und so lange. wie sich ein offiziöser Korrespondent ausdrückt,„alle Lasten undKosten des Krieges" tragen zu lassen, bis sich eine Friedens- partei bildet, die die Republik stürzt und Elsaß und Lothrin- ge« abtritt. Es dürfte wohl noch geraume Zeit vergehen, bis in Frank- reich ein solche Abtrittspartei die Herrschaft erlangt. Unterdeß wird wieder ein Hunderttausend oder zwei von unseren kräftigen Männern und Familienvätern zum Ersatz nach Frankreich hinein müssen. Nun wohlan, Ihr Herrn, die Ihr im September dieses Jahres dem König von Preußen Gut und Blut adresstrt habt, jetzt ist Euer Papier fällig und es wäre Zeit, es ein- zulösen. Auf, marsch, Löwe-Kalbe voran, nach Frankreich! --- Ihr schweigt?--- Hermann Voget. der als Kriegsberichterstatter der„Frankfurter Zeitung" die deutsche Loire-Armee begleitet hat, ist von dem Koinmandeur derselben,- dem Großherzog von Mecklen- bürg, wegen einiger die Art der Kriegführung sehr sanft kritisirenden Bemerkungen in seinen Berichten per Schub nach Hause geschickt worden. Voget war der einzige Berichterstatter im Felde, der nicht immer und unbedingt die deutschen Feld- Herrn lobhudelte und die Franzosen herabsetzte. jH Der Moni Avro n, den die Pariser den Belagerern überlassen haben, liegt 11 Kilometer, das ist mehr als IV» deutsche Meilen, von Paris entfernt. Bekanntlich sollten die Pariser, welche per Luftballon ent- schlüpfen, oder auf diesem Wege Nachrichten ihren Freunden zuführten, wenn es gelänge, sie zu fangen, so behandelt werden wie die, welche die Cernirungslinie durchbrächen, also sie sollten kriegsrechtlich erschossen werden,— so war vor Wochen in der Bismarck'schen Presse zu lesen. Aber das dürste noch nicht bekannt sein, daß dieser moderne, humane, zivilisatorische Art der Kriegführung auch bereits ihren Rechtsgelehrlen gefunden hat, der sie vom Standpunkte— der Wissenschaft aus ver- lheidigt hat. Diese Aufgabe war Herrn Professor Heinze in Leipzig vorbehalten. Vor Kurzem hat derselbe nämlich im CoUeg folgendes herrliche Stückchen von Rechtsfindung geleistet: „Bei Küstenländern hat man stets einen Theil des Meeres mit zur Küste gerechnet, z. B. eine Seemeile weil, oder so weit mau rufen kann, oder so weit eine Kanonenkugel reicht. Nach meiner Meinung würde diese Auffassung auch Anwendung auf Die finden, welche mit Hülfe des Ballons Paris ver- lassen. Demnach würde der Raum in der Luft, so hoch eine Kanonenkugel reicht, als zu Paris gehörig anzusehen und der in diesem Räume Entfliehende kriegsrechtlich zu behandeln sein. Ich gebe zwar zu, daß sich kaum sicher feststellen lassen würde, wer innerhalb dieser Grenzlinie oder über derselben Stadt verlassen hat, iltdejz w."— So weit der gelehrte Rechtsprofessor an der weltberühmten Universität Leipzig. Ein hausbackener Menschenverstand würde viel- leicht anders denken; der würde sagen: Eine Stadt ist so weit eingeschlossen, so weit sie eingeschlossen ist; wenn z. B. eine Küstenstadt bloß von der Seeseile eingeschlossen ist, so ist sie eben von der Landseite offen, und umgekehrt, und wenn Jemand an der offenen Seile zur Stadt hinausgeht, so kann der nicht behandelt werden wie einer, der die Cernirungslinie durchbricht. Und das wird auch gelten müssen, wenn ein Heer eine Stadt ringsum einschließt, nicht aber auch seine Wacht- posten in der Luft aufstellt. An der Luftseile ist eben die Stadt offen, und wer da hinausschlüpft, ist eben nicht durch die Cer- nirungstinie gebrochen, sondern an der offenen Seite hinaus- gegangen. So denkt der simple Menschenverstand, aber Herr Professor Heinze ist natürlich über de» hoch erhaben. In Troix Rousse, der als Herd der Revolution alt- berühmttn Webervorstadt von Lyon, wollten die Mobilgarden, die bewaffneten Arbeiter, neulich, nachdem bei Nuils die Bortruppen der Lyoncr Armee von dem Werderschen Armeekorps geschlagen worden, eine Demonstration machen, um die Regie- rung zu energischerem Borgchen zu veranlassen. Der Werkmei- ster Arnauld, Oberst eines Bataillons, verhinderte dasselbe hieran, indem er nicht Allarm trommeln ließ. Hierüber kam es ,u Streit und Arnauld, der übrigens noch allen Berichten zuerst schoß, wurde von der aufgeregten Menge ermordet. 17 Personen wurden als mitschuldig verhaftet. Die Kinder Ar- naulds wurden von der Stadt adoptirt, der Unwille und das Be- dauern über den Bor gang ist allen Parteien gemeinsam, die Ordnung in der zur Zeit von den Mitgliedern des Jnlernatio- nalen Arbeiterbundes Verwaltelen Stadt ist nicht gestört worden. Amadeus(auf deutsch: Gottlieb!) I. hat rührenden Ab- schied von seinem Vater Victor Einanuel(auf deutsch: Gott- sei-bei-nns!) genommen; Letzterer ist am 31. Dezember in Rom, seine neue Residenz, eingezogen, während crsterer binnen kurzer Zeit sich will als König von Spanien krönen lassen. Wie wird sich das milde und fromme Herz des deutschen Kaisers freuen, der seinen eigenen Better hergeben wollte, nur, um das„unglückliche" Spanien aus der republikanischen Bedrängniß zu retten und wieder mit einem gekrönten Haupte zu beglücken, wie schon mit dem„verwaisten" Rumänien durch„Lehman:: I." geschehen. Wer weiß, ob nicht„Leh- mann ll." vermittels des probaten Hausmittels„Blut und Eisen" sich länger in Spanien hätte halten können, als dies bei„Gottlieb I." der Fall sein wird. Der Letztere hat nämlich berrits einen Vorgeschmack von den Annehmlichkeiten erhalten können, die seiner in Madrid harren. Prim, der Thronhändler, der Meuchelmörder der spanischen Republik, ist, in Folge des in voriger Nummer erwähnten und anderer Staats- streiche, auf offener Straße angefallen worden und hat mehrere Verletzungen davongetragen, an denen er am 30. Dezbr. ge- storben ist. Jetzt herrscht in Spanien die rothe Reaktion: die Miliz ist aufgelöst, die Waffen werden abgeliefert u. s. w. Nach neueren und sehr glaubwürdigen Berichten ist Prim nicht etwa von Republikanern,, soudern auf Bestellung seines „guten Bruders" und Kollegen, des Regenten und Marschalls Serrano ermordet worden, der statt Prim bei dem schwach- töpfigen Gottlieb I. den einträglichen Posten eines Minister- Präsidenten haben will. Die Parteigenossen allerwärts glauben wir an die gro- ßen Verpflichtungen erinnern zu müssen, die der Partei gegenüber ihrem Organ, ihrennunmehr sehr zahlreichen Vertretern im Gefängniß und den Familien derselben ob- liegen. Manches ist bis jetzt in dieser Beziehung geschehen, aber noch lange nicht genug! In Leipzig wird von den Kohlenwucherern die Lüge ausgesprengt, die Kohlen seien deßhalb theuer, weil eine ange- drohte Arbeitseinstellnng der Bergleute durch eine große Lohn- erhöhung habe verhindert werden müssen. Mit dem Hunger der Bergleute zieht man den Leipzigern das Geld aus der Tasche!- Parteigenosse Dinier in Zwickau verküßt gegenwärtig eine 8 wöchentliche Strafe, Folge des Bergarbeilerstrike. Seine Frau, mit 6 kleinen Kiudern und einer Entbindung entgegen- sehend, befindet sich in äußerst drückender Lage. Schnelle Hilfe thut noth! Dozauer, Burgstraße Zwickau, nimmt Gelder an und quittirt im Bolksstaat. Aus Amerika. New- Jork, 4. Dezember 1870. Die Sektionen der Internationalen mehren sich. In New-Aork bestehen schon eine deutsche, eine französische und eine c�echische Section und die Bildung von zwei weiteren Sektionen steht in nächster Aussicht, darunter hoffentlich auch eine englischredende. Von Chicago wird der Zutritt von min- destens zwei Sectionen gemeldet, und der Plan, ein Central- tomit6 der Internationalen Arbeiter-Assoziation für die Ver- einigten Staaten zu bilden, ist von den Sectionen angenommen, um wahrscheinlich(nach Rücksprache mit dem Generalrath) Neujahr in Kraft zu treten. Näheres mitzuthcilen bleibt vorbehalten.— Die Delegation der verschiedenen Vereine für Abhaltung der am 19. November stattgehabten Massenver- sammlung gegen den Krieg pflegt jetzt eifrige Berachungen über die Frage, ob eine Forlführung der Arbeiten in diesem speziellen (Anti-Kriegs) Sinne zweckmäßig sei. Die Internationalen sind dagegen, weil sie andre wichtige Arbeiten vorhaben, die Uebrigen dafür. Senator Sumner hielt Donnerstag, den 1. Dezember, vor einem außerordentlich zahlreichen Publikum seinen Vortrag: „Das Duell zwischen Frankreich und Deutschland und seine Lehren für die Civilisation," und er nahm dabei Gelegenheit, die Bedeutung und Wichtigkeit der New-Uorker Kundgebung gegen den Krieg hervorzuheben. Da der Kongreß der Ver- einigten Staaten am 5. Dezember in Washington zusammen- tritt, so erwartet man hier mit großer Spannung dus Auf- treten Sumner's darin und giebt sich Muthmaßungen hin über seinen Einfluß ,c.— Der eifrigste Anhänger und Vertheidiger preußischer Ansichten und Absichten in der amerikanischen Presse, der New-Uorker Tribüne, sagt in seinem Leitartikel vom 25. November über die preußische Thronrede:„Es würde schwer fallen, zu dieser Zeit und Gelegenheit sich ein Staats- dokument vorzustellen, das leerer wäre von Eingebungen und eignen(originellen) Gedanken"(als dieses.)—„„It would be bard to imagine a State paper at such a time and occasion more devoid of inspiration a original Suggestion."" — Bei Eröffnung der nationalen Einwanderungskonvention in Indianapolis am 23. November sagte der zeitweilige Bor- sitzer in seiner Anrede:„Unser Land ist nur das Kind der Einwanderung. Alle unsre 40 Millionen Einwohner sind Eingewanderte oder Kinder von Eingewanderten. Unser Aller Stammbaum wurzelt jenseits des Wassers. Wir sind Celten oder Teutonen, Sachsen oder Latrioer. Welch wunderbares Ding ist Einwanderung für unser Land gewesen u. s.»." Zwanzig Staaten der Union waren offiziell vertreten. New- �jort und Boston boten Alles auf, um eingehende Reformen zu verhindern, da ihr Einwanderungsmonopol dadurch geschwächt werden könnte, wiewohl vergebens. Hinter den Gesellschaften, welche in'New-Jork und Boston den Einwanderer empfangen, steht die große Kapitalistenklasse dieser Städte. Der Westen der Vereinigten Staaten hat aber andre und bedeutendere In- teressen an der Einwanderung als die großen Städte des Ostens, und es wurden daher gegen New-Aork's und Bostcn's Oppo- sition die folgenden Beschlüsse mit 71 gegen 5 Stimmen an- genommen: 1) Bessere Gesetze für die Einwandertlng und strengere Ausführung derselben verlangt von der Regierung der Ver- einigten Staaten; 2) Verträge sollen mit allen Ländern ge- schloffen werden, aus denen Einwanderer kommen, um dieselben während der Ueberfahrt zu schützen; 3) Alle Monopole und Verbindungen werden verdammt, durch welche die Einwanderer bei der Weiterreise unv in andrer Weise übervortheilt werden; 4) Es sollte ein Einwanderungs-Bureau von der Ver- einigten- Staaten- Regierung eingesetzt werden; 5) Jede von den Einwanderern erhobene Kopfsteuer ist verhaßt und ungerecht, unv sollte sofort abgeschafft werden zc. Beschlüsse 3, 4 und 5 sind den New-Horker Ausbeutern besonders ein Dorn im Auge. Die Konvention traf Maß- regeln, um die Angelegenheit vor die rechte Schmiede zu bringen und zu betreiben.— Wie schon früher mitgetheilt, sind die hiesigen Gewerksvereine etwas zusammengeschmolzen. Die„Arbeiler-Union", der Centralkörper der hiesigen deutschen Arbeitervereine, hat dieserhalb Berathungen veranstaltet und in der letzten Sitzung, Montag, den 28. November, die folgenden Grundzüge für Wiederbelebung der Gewerksvereine angenommen; 1) Einführung von gemeinschaftlichen Generalversammlungen aller beiheiligten Vereine(also Parteiversaminlungen); 2) Ein- richtung eines Lesesaals zum Auflegen der sozialdemokratischen Propagandaschriften; 3) Agitation im Sinne sozialistischer Grundsätze; 4) Erklärung gegen Arbeitseinstellung im Prinzip (gegen stribes). Das mit der Frage betraute Komite soll weiter wirken.— Anklage war erhoben worden gegen einen Berläumder der Internationalen Arbeiter-Assoziation und wurde die Angelegenheit einem Ausschuß zur Berichterstattung über- wiesen. Der Orden der Crispiner— geheime Verbindung der Schuhmacher— macht ungeheure Fortschritte und wird bald die sämmtlichen Gewerksgenossen in diesem Lande und Kanada umfassen. Ein Mitglied des Ordens theilte mir mit, daß Versuche gemacht würden, den Orden in Europa einzuführen. Derselbe macht anerkennungswerthe Fortschritte nicht bloß in der Organisation des Gewerks, sondern auch in der VerHand- lung der sozialen Frage. Es wird jetzt Politik desselben, stribes(Arbeitseinstellungen) nicht mehr hervorzurufen oder zu befördern, und es ist im Plane, in diesem Gewerk und Orden die Kooperation im großartigsten Maaßstabe einzuführen. Am Interessantesten ist indessen wohl für die deutschen Leser des „Volksstaat", daß die Großloge dieses Schuhmacherordens in Boston, Massachusets, die Gesetzgebung dieses Staats um „ S t a a t s h ü l f e" für Kooperationsunternehmungen des Ordens angeht. Natürlich schrien die Bourgeoisblätter Zeter und Mordio über dieses Ansinnen; indessen gehen die Crispiner ihnen scharf zu Leibe und es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie ihr Vor- haben durchsetzen, zumal da eine Anzahl energischer, tüchtiger Leute unter ihnen sind und die Sache leiten. Einer derselben sagt in der Nummer vom 3. Dezember des„.Ä.ineriban VVorkman" darüber:„Wir werden der Gesetzgebung einen Porschlag für Staatshülfe unterbreiten, weil die herkömmliche Politik des Staates zu unfern Gunsten ist. Wenn die Arbeil ihre Kräfte(Schaareu) sammelt und durch gemeinschaftliche Arbeil(Kooperation) sich von dem Druck der Lohnarbeit be- freien will, soll der Staat sagen:„„Wir geben von unfern angesammelten Millionen her zu Eurer Unterstützung gerade so, wie wir das Kapital unterstützt haben bei eignen Unternehmungen."" Wie kann eine solche Forderung gerechter Weise abgeschlagen werden im Angesicht unzähliger früherer Vor- kommnisse, wenn man nicht den gerechten Vorwurf auf sich laden will, daß die Gesetzgebung ungebührlicher Weise sich auf die Seite des Kapitals stellt und lehnt u. s. w." E pur si muove.(Und sie bewegt sich doch!) Für das neu zu gründende Arbeiterblatt, dessen ich in einer früheren Korrespondenz erwähnte, ist jetzt das Programm entworfen worden. Ich theile hier einige Auszüge daraus mit, die von allgemeinem Parteiinteresse sein dürften. Das Wochenblatt........ in New-York hat folgende Aufgaben: 1) Organisation und Centralisation der Arbeiter des Landes. 2) Verbreitung sozialistischer Grundsätze, Entwicklung des Klassenbewußtseins unter den arbeitenden Klassen, Aufklärung über ihre politischen und wirthschaftlichen Interessen. 3) Kritik der bestehenden Gesellschaft in allen ihren Einrichtungen. 4) Uebersicht der politischen Tagesereignisse vom Stand- punkt der Arbeiterklasse. 5) Vermittlung der Verbindung zwischen den verschiedenen Arbeitergruppen und Gewerksvereinen unter sich und mit Gleichgesinnten im In- und Ausland. 6) Sprechsaal der Arbeiter zur Veröffentlichung ihrer Ideen, Forderungen und Beschwerden zu sein. 7) Veröffentlichung aller die Arbeitervereine und die Arbeilersache betreffenden Berichte. Aus den Motiven Folgendes:„Wir werden für die Grundsätze der Internationalen Arbeiter-Ässozianon aller Länder einstehn! Wir wollen: Die vollständige Befreiung der Arbeiterklasse durch die Arbeiter selbst! d. h. die Abschaffung der Lohnarbeit, den vollständigen Besitz der fArbeitsmittel für die arbeitende Mensch- heit, somit Aufhebung aller Klassenunterschiede und gleiche Rechte vnd Pflichte« für alle Menschen." Ferner:„Der uns von der herrschenden Klasse angebotene Abfall ihrer eignen Bildung ist ei» werthloses Almosen, weil zu der bestehenden ökonomischen auch die geistige Abhängigkeit vorausgesetzt wird! Was wir nicht selbst für uns thun können, wird nicht gethan. Was wir uns nicht selbst lehren, wissen wir nicht. Was wir nicht selbst erkennen, nützt uns Nichts! Schaffen wir uns selbst das Mittel zur BerständiÄ� und Belehrung, ein eignes Organ, welches uns von jeW�eistigen Bevormundung befreit und uns sähig macht, das im« von der bevorrechteten Klasse aufgezwungene Joch Stück für Stück zu zerbrechen." Einige Aussprüche Lesfing's. (Nach der Illbändigen Ausgabe von 1d54 citirt.) Bd. IV., Seite 32. Man könnte sagen, wenn die krie- gerischen Eigenschaften durch die Gemeinmachung der Wissen- schaften verschwinden, so ist es noch die Frage, ob wir es für ein Glück oder für ein Unglück zu halten haben? Sind wir deswegen auf der Welt, daß wir uns unter einander umbrin- gen sollen? XI., 355. Die Staaten vereinigen die Menschen, damit durch diese und in dieser Vereinigung jeder einzelne Mensch seinen Theil von Glückseligkeit desto besser und sicherer genie- ßen könne. Das Totale der einzelnen Glückseligkeiten aller Glieder ist die Glückseligkeit des Staates. Außer dieser giebt es gar keine. Jede andere Glückseligkeit des Staats, bei wel- cber auch noch so wenig Glieder leiden und leiden müssen, ist Bemäntelung der Tyrannei. Anders nicht! XI., 383. Es wäre recht sehr zu wünschen, daß es in jedem Staate Männer geben möchte, die über die Vorur- theile der Völkerschaft hinweg wären, und genau wüßten, wo Patriotismus Tugend zu sein aufhört. X., 95. Der Patriot überschreit den Dichter zu sehr, und noch dazu so ein soldatischer Patriot, der sich auf Be- schuldigungen stützt, die nichts weniger als erwiesen sind! Vielleicht zwar ist auch der Patriot bei mir nicht ganz erstickt, obgleich das Lob eines eifrigen Patrioten, nach meiner Denkungsart, das allerletzte ist, wonach ich geizen würde, des Patrioten nämlich, der mich vergessen lehrte, daß ich ein Welt- bürg er sein sollte. X., 98. Ich habe überhaupt von der Liebe des Va- terlandes(es thut mir leid, daß ich Ihnen vielleicht meine Schande gestehen muß) keinen Begriff, und sie scheint mir aufs höchste eine heroische Schwachheit, die ich gern entbehre. X., 169. Sagen Sie mir von Ihrer Berlinischen Frei- heit zu denken und zu schreiben ja nichts.... Lassen Sic es doch einmal einen in Berlin versuchen, über andere Dinge so frei zu schreiben, als Sonnenfels in Wien geschrieben hat; lassen Sie es ihn versuchen, dem vornehmen Hofpöbel so die Wahrheit zu sagen, als dieser sie ihm gesagt hat; lassen Si�e einen in Berlin auftreten, der für die Rechte der Unterthanen, der gegen Aussaugung und Despotis- mus seine St im nie erheben wollte, und Sie werden bald die Erfahrung haben, welches Land bis auf den Heuligen Tag das sklavischste Land von Europa ist. X., 249. Im vorigen Kriege**) bin ich zu Leipzig für einen Erzpreußen und in Berlin für einen Erzsachsen gehalten worden, weil ich keines von beiden war. Die Vertreibung der Deutsche» aus Frankretch. l>. (Schluß.) Namentlich geriethe» häufig die deutschen und stanzösischen Arbeiter hinter einander. Sie zankte», schimpften und prügelte» sich aus lucher- licher Landesvaterliebe in den Werkstäucn, in den Kneipen, in den Speisehäujern. Leider gab es, wie ausrichtig bekannt werden muß, unter den in Paris befindlichen deutschen Arbeitern veihältiiibinäßig sehr wenige, welche von der erhabenen sozialen Idee der Neuzeit durch- drungen waren. Die meisten waren ei» rüdes Hatidwcrksbuischen- Corps, welchem der Krieg die Veranlassung bot, mit ihren fraiizosischen Brüdern Händel zu suchen. Sie, die Soldaten friedlicher Industrie, die volle Ulsache hatten, den Krieg mit semen industrie-srindiichen Verheerungen zu veiwünschen, ergrijsen nur zu häufig ganz unverständig Partei für und wider im Sinne der Despoten, so daß durch die un- ausgesetzt tägltch wiederkehrenden Reibungen und Schlägereien in dem niederen Volle der sranjösische» Hauplsiadi ein blinder Haß gegen Alle, welche zusällig deutschen Ursprungs waren, erzeugt wurde. Den Kranjosen schien es, als ob diese Prahlhänse und Krakehler die gewährte Eastfreundjchasl arg mißbrauchte», indem sie die Franzosen in deren eigenem Hause schuiähteli. Zu diesen Ursachen der Beseindung gesellte sich noch in der Folge das für die Franzosen bittere Gefühl der vaeder- sagen, welche letzteren ihnen die deutsche» Gaue höhnisch lriuuiphirend vorhielten, sowie das für die Arbeiter Verdienstlosigkeit herbeiführende Schließen der Werkstätten, weßhalb die Entfernung der fremden Gäste dringend wünschenswerth wurde. Zudem ist es bekaiinte Sache, daß das Volk im Kriegsfall, zumal wenn Niederlagen geschel?en, überall Spionage und Verrath wittert. Je mehr die seittdlichen Heere gegen Paris vorrückten, desto mehr mußte man vor Blsmanfsche» Spionen aus der Hut sein. Es lag auf der Hand, daß matt die vielen Deutschen, welche sich ob der königlich preußischen Siege freuten, als ein lästiges, unhöfliches und gefährliches Element bei Zellen zu entfernen suchen mußte. Das Naitonalgesühl pflegt vom sogenannten patriotische» Stand* punkte ans, der häufig ein LakaienstandpUtikl ist, für eine der größten Vürgerlugenden atigesehen zu werden. Der Mettschettfreund mug be- kennen und beklagen, daß dieses Nationalgesühl oft schlimme Aus- schreilungen gebiert, die mit de» Forderungen gedtegener Sittlichkeit, wie selbige im Verkehr der civilisirten Völker herrschen sollte, unver- lrägtich sind. Denn das Nalionalgesühl äußert sich nicht selten in Rohheiten, in Uebermuth und Flegelhaftigkeit Der Franzose im AUge- meinen ist stolz auf seine Geschichte, und wir müssen ihm zu diesem Hochgefühl insofern eine Berechtigung zuerkenne», als die französische neuere Geschichte reicher an großen Epochen ist, alS die anderer Völker, nainentlich als die deutsche. Für die glorreichste Epoche aber gilt in Frankreich mit Recht die Zeit der ersten großen Revolution, jener Weltkampf, welcher die festen Grundlagen für die gleichen Lebensbe- dingungen der sreiwerdenden Völker legte. Seitdem lst Fraiikreich das Rcvolutionsland pur excellence geblieben, es gab wiederholt den An- stoß pt den Freiheitsbewegungen des gesaininteii Europa's, kurz, das französisch« Volk durfte sich für den Frcihcitswächter unseres ErdtheilS ansehen. Auch gegenwärtig war es in de» Krieg mit Preußen nur deshalb verstrickt worden, weil in Paris eine neue Revolution drohte. Wenn die französischen Heere ans Messer geliefert waren, erschien unler dem greisen Heldenkönige, der sich schon im Märzkämpfe von Berlin und im dlitten dadpchen Aufstände als unversöhnlicher Feind der De- mokratie gezeigt, das preußische Volk in Wasje», um unter Absingung geistlicher Gesänge und unter sroinmer Anrufung irgend eines Schreck-, gejpensles, womit sicher nicht der Gott der Liebe gemeint sei» kann, die' Republik und die Republikaner zu vernichten und auf diese Weise die adelig-monarchijche Wirth- und Herrschast für Deutschland zu rette». Deutschland war dem revolulionären Frankreich gegenüber der Stammsitz der europäischeu Reaktion, die Hosstlung aller GoUbegnadelen, die Blutstätte sogenannter edler Geschlechter. Man lese nur die Namen der Grafen, Fürsten und Barone, die in den eroberten Dheilen Frank- reichs als Gouverneure und Präfekten eingesetzt wurden! Schon in Folge der ersten französischen Revolution war von den preußischen Junkern ein heiliger Krcuzzug zur Rettung des Thrones und Altari gegen das republikanische Frankretch uitlernomine» worden. Kein Wunder, wenn die Franzosen gegen die Deutschen in« Allgemeinen, weil sich sämmtliche deutsche Latider unler Preußens Führung dem neue» Kreuzzuge gegen den Erbfeind der deutschen Arlsiokraten an- schlössen, sehr erbittert wurden. Auch hatten die preußische» Krieger schon früher, besonders unter dem alten Blücher, in Frankreich sehr übel gehaust und gerade leine sehr angenehme» Erinnerungen im Volls- dewußisein zurückgelassen. Wegen der etgenlhllmlichen französischen Geschichtsentwicklung ist in Frankreich das Nationale, das Demokratische und sozialistisch Revo» *) Die Worte sind 1777 geschrieben. lutionä« eng mit einander verwachsen. Seit beinahe einem Jahr- hundert tritt uns diese Erscheinung entgegen, die uns ebenfalls theil- weis« erktärt, warum das französische Volk selber an der Austreibung der Deutschen lheilgenommen hat. Frankreich ist ein durchaus auf de- mokralijcher Grundlage angelegter Staat, die Structur seiner Gesell- schaft zeigt überall die Wirkung der sozialdemokratischen Ideen, die Soziabtlnät und die Gleichheit herrscht dort in der Volkssilte. In die, ein d'aude lonnte es nicht fehlen, daß der Krieg, als das spanische Luflschioß des Bauern- und Piassenkaijers in Folge der Niederlagen sich verflüchtigte, immer mehr die demokratischen, das heißt, die kern- gesunden, intelligente» und einzig zuluiiftssähigen Elemente, zum Vor- schein brachte. Nachdem der Urheber des Krieges sein zerbrochenes Schwert bei Sedan in würdiger Hanswurstiade abgeschnallt hatte, um fortan aus Wilhctmshöhe, gefüttert von preußischen Hosköchen, als lieber Bruder des Königs von Preußeu aus Restauration in Frankreich zu sinnen: trat in Paris die Republik ins Leben, welche durch den kaiserlich-königlichen Krieg, durch die schauderhafte Bluladza,fu»g des Volks, halte unschädlich gemacht werden sollen. Der Krieg wurde Volkskrieg, Prinzipienstreit, Jdeenkampf. Die sranzöftiche Republik konnte, als einmal der monarchische Erbfemd ine Herz des Landes vorgedrungen war, die unter dem Kaiser- reiche begonnene Verlreibung der Deutschen, wenn letztere sich nicht als Republikaner legilimirten, nicht mehr aufhalten. Sie konnte sie nur dadurch mildern, daß sie sie regelte. Verfasser dieses war leider schon am 15. August, wegen der Insulten, die ihm die kaiserlichen MouchardS zugefügt, von Paris fort:— unter der Republik würde er ganz un- behelltgt in Frankreich haben bleiben können. Deutsche Republikaner sind von der Republik nicht ausgewiesen worden. Voraussichtlich wird der zwischen den beiden größten europäischen Culturvölkern erzeugte Haß, Gioll und Grimm»och lange fortdauern, zumal da der nunmehrige Kampf in den Perwüstungen, welche die deulschen Heere in ganz Frairkreich anrichten, bleibende Spuren hilllertäßt. Gleichwohl verzweifeln wir nicht an der schließlichen Wiederaus- söhnung der beiden Völker. Beide sind aus einander angewiesc», und hier wie dort zeigt das klare Interesse des eigentlichen Volks daraus hin, sich gegensettrg zu fördern, sich zu achten, sich zu gleichem Recht mit einairder zu verbinden, nicht aber im Mord und Todtschlag deS Krieges, im Seiigen und Brennen, im Erpressen, Rauben und in Ge- waUlhaliaktuett jeder Art die höchste Aufgabe der Menschheit zu er- blicken. Der Rausch des deutschen Ehauvinismus wird verschwinden, sowie die Deutschen unter dem restaurirlen deutschen Kaiserreiche, das im Grunde eine Nachäsfung des bo- aparlistrschen Empire des Friedens »st, ein gemeinsames Nauonalzuchlhaus und eine gemeinschaftliche Peitsche erhalten haben. Die sozialdemokratische Partei hat den Beruf, die Versöhnung zwischen den Deulschetl und Franzosen anzubahnen und der europaischen Republik vorzuarbeiten. Diejenigen sind die Verräther, welche für die Rechte aller Völker in die Schranken treten, sondern die, welche dem Volk das Beste zu nehmen suchen, wodurch nur em Voll groß werden kaiin: Die gesunde, freie Anschauungsweise und das tedeudige Gefühl für das„eigne und fremde Recht."„Der Krieg gegen die französische Republik ist ein Verbrechen!" und wenn es in einer Republik noch Bürger gibt, welche dem Könige Wilhelm und Bismarck zujauchzen, so siird sie eben Apostaten und Meineidige gegen ihre eignen Institutionen." Schließlich hebt der Redner noch hervor, daß es ein gutes Zeugnis sei für den gesunden Sinn der Internationalen Arveiler-Ajjocialion, daß gerade diese vom Beginn des Krieges an, den einzig richtigen Standpunkt eingenom- inen habe. Palda sprach in czechischer Sprache. Derselbe forderte seine Lands- leute aus, auch ihre Zustimmung zu geben zu dem Proteste gegen den Ki ieg und zwar aus Gründen der Humanität, Freiheil und Nationali- lät.„Die Ezechen werde» nur dann ihre volle Gleichberechtigung wieder erhalten, wenn ganz Europa auf einer internationalen Grund- läge geordnet sein wird. Bon den Arbeitern müsse dw Stimme kom- men, welche gegen den Barbarismus prvlestirt und diese Klasse hat ihre Stimme erschallen lassen und wird auch die Idee verwirklichen, welche allen Bötkern Frieden bringt und sie aneinander kettet unter dem Banner: Gleiche Rechte und gleiche Pflichten für Allel darum: „Arbeiter aller Länder, vereinigt Euch!" Faider, der letzte Redner, betont in französischer Sprache als ein- ziges Mittel, alle Unzuiräglichkeiten aus dem W ge zu räumen, die vollkommene Vereinigung aller Arbeiter des Weltalls.' Man müsse protestiren gegen den Despotismus in jeglicher Form und nainemUch auch gegen den hohlen militärischen Ruhm, der sich unter dem Namen „Palrioltsmus" zu verbergen fuche.�„Bereinigt daher eure Kräfte ge- gen die monarchische Hhdra, deren Stützen sind das Scepter, der Säbel und die Pfaffen I!" Gregory macht einige Andeutungen über Einberufung weiterer ähnlicher Versammlungen. Sorge, der Borsitzeude, spricht seine Hoff- nung aus, daß dies nur der erste Schrill zur Erzeugung einer gej un- den öffentlithen Meinung sein möge, und schließt die durchaus würdig und anständig gehaltene Versammlung, welche sich unter begeisterien „Hochrusen ans Zacoby und Gesinnungsgenossen auflöst. Im Auftrag: Das Sekretariat, _ F. Volte, Sekr. Bericht über die Maffenverfammlung gegen den Krieg, am Institut« . I. M,. zwischen Frankreich und Deutschland zu protestiren, ebenso um die knechtischen Ergüsse einer seilen und gewissenlosen Presse in das rechte Licht zu stellen, wurde ursprünglich von der deutschen und der französischen Seclion der Internationalen hier(Newyorkj beschlossen. Die gemein < stbastliche Sitzung der beiden Sectionen, in welcher der Beschluß ein- stimmig und mit großem Enthusiasmus passirte, hatte einen ähnlichen Zweck, nämlich: ein Anli-Kriegs-Manifest anzunehmen, welches Abge> ordnete beider Körper gemeinschaftlich bcrathen hatten. Zu der elsteii Versamoilung des in der erwähnten gemcinschafb lichen Sitzung für Abhaltung einer Massenversammlung niedergesetzten Komitös schickten die folgenden Bereine Delegaten, welche sich dem intemasionaten Komilö anschlössen, um auch ihrerseits das Bestmög liche zu thun— zu protestiren gegen mittelalterlichen Barbarismus und fürstliche Gottesgnadentyrannci: Der Bund der Freidenker, der sozialdemokratische Arbeiterverein, der czechische Arbeiterverein jSection der I. A. A.), die Zicw Demokracy. Männer der Wissenschaft traten in den ftxtii und den vereinten Anstrengungen gelang es, nach verhältniß mäßig kurzer Zeit unter den ungünstigsten Veihällnifsen, ohne obligate» Feuerwerk und Geschrei in den Zeitungen eine Massenversammlung zu Stande zu bringen, welche ein glänzendes Zeugnsß davon ablegte, daß der freie Geist in der freien ManneSbruft sich weder unterdrücken, noch durch servile Zeitungsschreiber hinaus argumenliren läßt, daß das Banner der Wahrheit hochgehalten wird trotz Bismarck und seinem gan zen Anhang devoter Knechte. Wahrlich, das Herz erne« jede» ehrlichen Mannes schlug höher bei dem Anblick der Tausende, welche durch ihre Anwesenheit erklälten: „Ich mag kein Fürstendiener sei»!" und fügen wir hinzu:„auch kein Sklave gewinnsüchtiger Parasiten. El» Ausruf an die Sinwobner Newyork« wurde einige Tage vor der Massenversaiiimlung verbreitet. Die Versammlung wurde von ! I. P. Davis eröffnet und F. A. Sorge als Präsident vorgestellt, wel , cher eine kurze Anrede i» englischer, deutscher und sranzösischer Sprache hielt, worin er den Zweck der Versammlung erklärte und unter großem Beifall besonders hervorhob, daß es Etwas Höheres gebe als Patrio tismus: Humanität.— Gregory verlas dann verschiedene Korre spondinzeii von Senator Sumner, Heywood u. A. und auch die Be- schlüsse, welche in englischer, deutscher und französischer Sprache gedruckt u»d unter den Anwesende» vertheilt waren. Dieselben wurden ein- st>»im ig angenommen, trotz der Vorkehrungen de» Gegner, sie nieder ■ zustimmen. Natürlich! die Lüge, so breit'sie sich macht, verstummt >ede« Mal vor dem entschiedenen Spruche der Wahrheit. { Ter Borsitzende stellte dann Drury als ersten Redner vor. Der- o uach, daß ein Staat ohne stehende Heere blas den zwanzigsten Theil der Einnahme nölhig habe, welche dieser Staat gebrauche mit dem herrlichen Kriegsheere und den dazu gehörenden Mitessern, und daß die Bewohner ohne die letzteren glücklicher und zufriedner leben würden. ..Wir sind Bürger der Welt und beanspruchen deshalb, größere Patrioten zu sein, als Jene, welche unter dem Deckmantel der Ratio- uulttät den Despotismus als den obersten Bannerträger der Eivilisa- - non und Freiheit preisen, die Humanität mit Füßen treten und die Grundidee einer Republik„„Gleiche Rechte für Alle"" zur Lüge machen. Internationalen können eingesperrt, auf die Festung geschickt und Kemordei werde», aber ihre Ideen kann keine Macht der Erde vertilgen. große Bruderrepublik freier Arbeiter wird keine Grenzen haben und keinen Krieg kennen. Freie Völker brauchen keine Soldaten!" . viau Blake folgte aus Drury. Sie schilderte in lebendigen Farben c?3 unsägliche Unglück und Elend, welches der Krieg über die einzelnen tfamilien verhängt, wopunter namentlich auch ihr Geschlecht zu leiden Sr*'. Mies daraus hin, daß die arbeitende Klasse wie immer, so auch ß»'.' Zeche bezahlen müsse und deshalb müsse eben diese gegen solche 2., surmeiten mit vereinter Kraft protestiren. Sie wünscht serner die di.' 100 die Frau gleichberechtigt mit dem Manne eingreise in Regierung der Völker. i wnio™' drille Redner, sprach deutsch. Er klagte zunächst Die- an b«, �n, welche den Krieg hervorgerufen; zeigt, wie schwer e« sich gegen„il 1" selbst rächt, wenn sie, dem Geiste der Freiheit ent- Furfienm d Nanonen unterdrücken helfe»; hat kein Vertrauen aus vor 22"tohvif namentlich nicht zu den Versprechungen Dessen, dir Väoib? befahl;„Schießt mir Kartätschen unter die Kanaillel" trlau'bt wird.s'�r Klasse von Menschen in Deutschland, denen es nicht hun und da'n� Stimme zu erheben; sie werden es aber eines Tage, Verden" Bism?r« �'-°°"' Volke gerichtet und veruttheil. >auS fmfifth,.™ tin/ Aer Metlernich Preußens. Was dieser für das eider N.m. �n»- mir Jener für das Haus Hphenzollern, und nam br's b r Verachtung genannt werden. Er wetst ebtnw Jl t s. nochwendigc Folge der Politik Bismarcks wlsteint»,?»."? � r J806 eine Folge des letzten Schleswig- 'ich, Pr.�b,.?dgt» gewesen sei. Im Kriege von 1866 habe übrigens kilitärstam Oesterreich g.monnen; ErstereS habe nur seine» "luqiaat neu fofefttat rnAhmib___ U.1'„im™- tu und mährend Oesterreich eine Konstitution gewon- Dr TnnJ �e9ut!9en ,ra Volte wachgerufen seien.' aten StLiT'*" D,ftte Redner, zeigt, daß man selbst 'lk w 5 Äri'9""dämmen müsse:' tker orfrii* iaf gewesen, welches niemals die, Rechte andrer listrt uiw" �he; habe die Politik Bismarcks das Volk demo- vom natio- Das denlsch« eine ehrlos« Presse Hab« redlich dabei geHolsen.„Nicht Der Srteg. II. Die Blätter der Geschichte sind fast ganz von Kriegen und Schlach- ten angefüllt; die Dentsäulen, die sie setzt, gellen mit höchst wenigen Ausnahmen»ur glücklichen Heerführern. Erst in neuerer Zeit hat man für die Gejchtchtc andere Gegenstände als Schlachten in Anspruch genonimen. Man schreibt jetzt Kunst-, Liieratut-, Handelsgeschichienu. a. .»., freilich auch Ktlegsgeschichieii, worin der Kiieg förmlich ats Hand- n>r>r bcha,-deU wird, mit drill enlschiedencii Ausschluß jeder silllichen und Rechtsdeachlung. DaS ist in so fern gut, ats das Kriegswesen ohne alle Schminke aufirilt. Daß dagegen andere, friedliche Gegen- stände als aufzeignuiigswerlh angesehen werden, ist jedenfalls ein Zeichen zum Besseren, wenn gleich der Grad der Besserung von der Art des Stoffes abhängt. Kunst-, Literatur-, Handelsgeschichten und dergl. haben, meines Erachtens, nur geringen Werth. Die Kunst hat bisher immer nur der Ucppigkerl, also dem Rcichthum, gedient. Die Wissenschaft hat sich vielfach dazu hergegeben, der Macht und dem Erfolge einen Rcchlsboden anzulügen; wo die Geschichte aus dem Gesichispunkie des Handels angesehen wird, ist eben so wie in der handwerksmäßigen Kriegsgeschichte von jedem Rechts- und Gerechtigkeilsgedanken abgesehen; die Kuchengeschichle behandelt gar eine Geschichte des Truges: allein in der neuen Zeil geht, freilich erst in einigen wenigen Geschichls- Schreibern, iicb«» der Geschichte der Staaten, die sich sail ganz in der Beschreibung der Kriege erschöpft, auch noch eine Geschichte der Gesell- Schaft cinher und zwar unler ,dem Nainen der Kultur- und Sittengeschichte. Zwar haben alle grotze» Geschichtsforscher zu allen Zeilen den Zusammenhang und dle Art de« Verhatlnisies zwischen der Geschichte der einzetnen Staaten und der ganzen menschlichen Galtiing geahnt— allein eben nur geahnt, so daß taum mehr als einzelne fast unbewußte Bemerluiigen in dieser Richtung in ihnen zu finden sind. Erst i» neuerer Zeil haben einige wenige Geschlchlschrelber mit Bewußtsein diesen Zusammenhang und dieses Bethältniß nachgewiesen und unser größter Geschichrschrcibcr, H. Eh. Schlosser, hat diesen Nachweis sogar auf die logenaoi.te Literatur ausgedehnt. Dadurch ist in die Geschichte eine stiliiche Richtung gekommen, die ihr früher fremd war, und der Krieg erscheint jetzt in einem ganz anderen Lichte als bisher. Wie e» die Gelehrten, weil sie das Leben nicht selbst sehen, überall in machen pflegen, so haben sie auch in der Kultur- und Sittenge. schichte gewisse Eintheilungen ailsgestellt, denen die Wirklichkeit nur ihcilwcise emspiichl. Jedenfalls sind die Abgränzungen, die sie ziehen. nirgends in solcher Schärfe zu finden, indem Zustände und Beschäfti- gungen der Menschen vielfach ineinander fließen. Dennoch kann man sie als eine Art Leitsaden brauchen; wenn man in sich selbst einen lei- lenden Gedanken hat, darf man nicht fürchten, durch die Irrwische An- derer vom rechten Wege abgebracht zu werden. Gerade' in der Be- sprechung des Krieges ist die hierher gehörige Eintheilung der Menschen in Wilde. Halbwilde, Civilisirle, in Fischer, Jäger, Hirten, Ackerbauer, Handwerker, Künstler u. s. w. von nicht zu untei schätzendem Werthe, weil die verschiedenen Bildungsstufen und Beschäftigungsarten sich in bestimmten Zügen zum Kriege stelle». Ich sauge von den Wilden an. Im strengen Sinne kann man wild nennen nur jene Stämme, welche nicht in Gesellschaften, nur in Haushaltungen beisammen leben. Unler solchen Umständen kann, ge- nau genommen, höchstens von Raufereien die Rede sein, wie sie noch unter uns in Schenken und auf Tanzböden leider oft genug vorkom- men. Vom eigentlichen Krieg, wenn auch in kleinem Maßstäbe, kann also nur die Rede sein,' wo Menschen in kleineren oder größeren Ge- sellschafte» beisammen leben. Es ist nun aber eine auffallende Erscheinung, daß in rohen Zu- ständen der menschlichen Gattung der Viann das Weib als lein Last- thier ansieht und behandelt. Die Behandlung der Frau ist in der Thal ein zuverlässiger Gradmesser der Enlwickelnng.*) Die bessere Stellung der Frau, die mit der Entrohung der Zustände und Sitten überall und immer gleichen Schritt hält, ist ein Beweis, daß die menschliche Gat- lung niehr oder minder in der Ei Hebung begrissen ist, und nichts zeigt mehr die Richtigkeit dieser Beobachtung, als die Art, wie aus den ver- schieden«» Bildungsstusen der Krieg angesehen wird. Aus der untersten Stufe ist Streit und Krieg die Regel. Friede die Aiisnahme. Das ist aber nur der Fall, wo der Mann alle, oder nahezu alle Arbeit aus sein Lastthier, das Weck, ablade» kann. Es ist im Vorigen gezeigt. daß dies bei den armen Bewohnern der traurigen Polarländer nicht der Fall ist: nur der Bewohner glücklicherer Himmelsstriche kann sich aus die faule Haut legen und statt auf Arbeil, auf Streit sinnen. Man sieht, der Krieg, als ein« Form des Streits, kann de» höhe- ren Bildungsstusen der menschlichen Gattung nur als ein Erbstück aus den untersten und als ein arger Fleck am blanken Schilde der Eultur angesehen werden. Die Bezeichnung der Wildheit wird aber auch gebraucht von Bölkerjchaften, bei denen sich zwei verschiedene Stämme, ein cinge- borener und ein eingedrungener, dieser der herrschende, jener der unter- worfene und dienende, sich unterscheideii lassen. Diese Unierordnung des einen unter den andern Stamm geht schon auf den Südseeinseln bis zur Leibeigenschaft, wie es von einem nicht Geringer» als Georg For- ster auf dm Gesellschaftsinseln(Tahiti) beobachtet wurde. Beide Stämme unterscheiden sich auf diesen glücklichen Inseln *) Au« dem hier Gesagten und noch zu Sagenden wird sich erge- bm, daß die Redakiionsbemerlung zu Krieg l. wegen der Theorie der Ausartung mich nicht trifft. Ich zimmere mir überhaupt nicht Theo- neu, sondern nehme die Dinge, wie sie liegen. An der betressenden Stelle Hab' ich auch nicht gesprochen von„«nsarluiig der Menschen, sondern der Zustände und Verhältnisse. Em Schlagen aus der Art ist es allerdings nicht wohl zu nennen, indem ich darunter ein absichtliches Machen Behufs Ausbeutung der Menschm verstehe. Dieses künsti che Machen bemerken wir in Kirche und Staat und auch in velkswirth- schasllichen Dingen scharf von einander— äußerlich und innerlich. Der eingedrungene herrschende Stamm erscheint auffallend größer und stärker als der unterworfene. Dieser zeigt sich mitunter sogar verbuttet durch ange- strengte Arbeit und schlechte Nahrung, denn an die besseren landes- üblichen Speisen dürfen die Leideigenen nicht rühren, als insofern sie dieselben zubereiten und ihren Herren zu reichen haben. Die äußerlichen Unterschiede des herrschenden Stammes vom unter- worfenen erklären also wohl, wie dieser unter die Boienmäßigkeit des andern kommen konnte: jene Eigenschaften jedoch in sittlicher Beziehung am herrschenden Stamme auffallen, unterscheiden ihn sehr zu seinen Un- gunsten von den Unterworfenen, eine Erscheinung, welche freilich statt- findet überall, wo es Herrschaft und Knechtschaft giebt Der herrschende Stamm auf der Inselgruppe um Tahiti ist nämlich über alle Maßen arbeitsscheu und so träge, daß er sich die Speisen in den Mund stopfen läßt, was sogar Enten und Gänse verabscheuen. Soweit gehen bei uns die herrschendm Klassen zwar nicht; dagegen lassen sie sich von Kopf bis zu den Füßen ankleiden. So sehr jedoch der Tahitische Adel die Arbeit scheut, so Händel- süchtig und aus Krieg bedacht ist er auch. Es geschah daher mit vol- lem Rechte, daß ich den herrschenden Stamm auf Tahiti als Adel be- zeichnete, denn überall, wo es Adel giebt, treffen diese Eigenschaften zu. Das deutsche Wort„Adel" deutet zwar aus Besitz(Obel), allein nicht aus Besitz ist der Adel irgendwo hervorgegangen, sondern Strolche, die zu Hause nicht gut lhatcn, sind ausgezogen, um fremden Besitz an sich zu reißen. Diesen angemaßten Besitz haben sie dann vererbt, aber mit di sem ungerechten Besitz auch ihre üblen Eigen schaften— die Arbeit- scheu und die Händel- und Streitsucht, die, je nach der Größe der Verhältnisse, in Raufereien, oder in Kriegen zu Tage tritt. Wir finden also den Adel schon in Verhältnissen, wo man sich von deniselben nichts sollte träumen lassen. Leider hat er auch unter uns nicht aus der Art geschlagen. Wie überall und immer, scheut er auch bei uns die Arbeit und meint sich nur zum Kriegshandwerl ge- boien. Daß der Adel auch schon unter solchen Verhältnissen vorkommt, ist übriges nicht ein Beweis, daß er im Wesen des Menschen liege: es ist ja nachgewiesen, daß er überall nicht aus dein Wege der Geburt entstanden ist, sondern durch Gewalt, die nie und nimmer zu Recht wird, eingeführt: auch ist nachgewiesen, daß in wirklich ursprünglichen Verhältnisseu gar nicht die Rede sein kann von Adel. Es giebt aber noch eine andere Einrichtung der menschlichen Ge- sellschast, die von Kriege fast so unzcrirennlich ist, als der Adel. Der Angriff verlangt nämlich entschieden einheitliche Leitung, welche von der Vertbeidigung sehr leicht entbehrt werden kann, weil es da so ziemlich genügt, daß ikder Einzelne Stand halte. Daher finden wir Häupt- linge selbst bei jenen Völkerschaften, die keinen Adel haben, weil sie nicht in zwei Stämme, einen herrschenden und einen unterworfenen zerfallen. In größeren Verhältnissen nennt man die Häuptlinge Für- sten, Könige u. s. w., das Wesen ist dasselbe. Aus dem Gesagten sieht man. daß zum Kriege ganz und gar nicht beide Faktoren— Königthum und Adel nothwendig sind. Wir finden Häuptlinge ohne Adel und Adel ohne Königihum, aber weder König- «hum noch Adel ohne Krieg. ES giebt allerdings Staaten mit Abel und Königthuin, welche nicht Krieg führen, aber nur, weil sie zu schwach sind, es aus eigene Faust zu thun: dagegen sehen wir Fürsten und Adel solcher Länder Krieg spielen, weil sie nicht Krieg machen können und sich an größere Fürsten�vermiethen zu Kriege», die sie gar nicht einmal etwas angehen. Die Folgerungen sind schon jetzt so klar und zwingend, daß ich es füglich den Lesern überlassen kann, sie zu ziehen. Allein ich hätte meiner Aufgabe schlecht genügt, wenn ich bloß den Grundsatz festgestellt und nicht das Walten desselbeit in allen Gesellschastsverhältnissen, in der Geschichte und besonders in der Gegenwart nachgewiesen hätte. Es giebt Mittelzustände zwischen Wildheil und Kultur oder Gesit- tung, in welcher der Krieg nicht mehr aus dem Stegreis, zwar nicht kunstgerecht wie heutzutage, aber doch nicht mehr als Rauferei zwischen rohen Horden, sondern nach den Absichten eines Einzigen, oder einiger Wenigen betneben wird. Unter solchen Umständen bilden sich die großen despotischen Staate», wie wir sie in Asien von den ältesten Zeiten an finden. Rußland ist von dieser Art; im übrigen Europa sind solche Versuche wiederholt gemacht, der Erfolg ist jedoch jederzeit nur vorübergehend gewesen. Die Bedingung eines daueinden Kriegs- zustandes ist der vollständige Stillstand m allen geistigen Richtungen: das vertragen jedoch die abendländischen Völker nicht lange. Zu ande- ren Zeilen fochten die Müßigen ihre Händel selbst und allein aui: heutzutage werden die Ardeitenden dazu gezwungen. Das kann eben- falls nicht lange vorhalten. Es hat auch Republiken gegeben, die aus Eroberung ausgingen: allein es waren nur Scheinrepubliken, weil sie, aus Räuberbanden her- vorgegangen, nicht aus eigener, sondern auf fremder Arbeit standen. Wie das kommen kann, wird des Näheren erörtert werden, wenn ich an die Beleuchtung der Siaatenbildung komme, was in einer Schrift über den Krieg unerläßlich ist. Die Geschichte jener Republikeii bildet einen der merlwürdlgsten Abschnitte der Weltgeschichte, weil darin offenbar wird, wie mit Freiheit der Bewegung in jeder Richtung mehr geleistet werden kann, als mit dem Zusammendrängen geist- und willenloser Massen nach Einem Ziele. Zuvor aber muß ich im Nächsten noch zeigen, wie sich die Be- schäsligungen der Menschen, in ganzen Massen und im Einzelnen, zum Kriege verhalten. Die Hirtenvölker werden vor den übrigen an die Reihe kommen. Internationale Metallarbeiterschast. Nürnberg. Erst auf ganz direkte Angriffe, resp. Anfragen nach uns, sehen wir uns veranlaßt, aus unserem Inkognito hervorzn- treten,»m ein Lebenszeichen von uns zu geben. Wir batten dasselbe erfahren auf Briese an den Vorort, nämlich nichts. Sei es. daß zur Zeit auf der Post mancher Brief abhanden geht, oder die Stieberiaden stark im Schwung« sind, so nahmen wir an, die Briese oder deren Beantwortung wären verschlagen worden; da es aber unmöglich Allen passiren konnte, bleibt uns schon nichts anders übrig, al« anzunehmen, daß auch eine gute Portion Flauheit von Seite des Vororts mit unterläust. Wir fordern deßhalb den Ausschuß hier- mit auf, binnen längstens drei Wochen vom Tage dieser Bekanntgabe an, z» erklären, ob er gewillt ist, serne Geschäfte fortzuführen oder nicht, und worin das Stillschweigen aus Briese von Mitgliedschaften seinen Grund hat. Wir wünschen, daß nach genügender Erklärung von Seite des Vor- ort«, das alle Vertrauen zu demselben wiederbergestelll sein, und die Geschäftsordnung wieder ihren alten Gang gehen wird. Sollte indeffcn von dem Bororte bis zu dem bestlminten Termine keine Erklärung er- folgen, oder Ablehnung, was wir sehr bezweifeln,»nd schmerzlich be- dauern mußten, so ersuchen wir sämmtliche Miigliedschafie», genaue Abrechnung, aller nicht verrechneten Monate an uns gelangen zu lassen. Schließlich ersuchen wir sämmtliche Mitgliedschaften sowohl als den Ausschuß, diese Maßregel durchaus nicht von der Seite eines Miß- trauensvotums ailstnnebmen; Kläiung in die Gewerkschaft zu bringen nach so langer Pause ist höchst nothwendig, und weiter ist ihr auch keine Deutung beizulegen. Muth und Ausdauer sind gegenwärtig das erste und Haupkerfor- derniß, darum Mitgliedschaften, sowohl als Ausschuß, thue Jeder seine Schuldigkeit und gehet frisch ans Wert, und auch an uns solls nicht sehlen, dann wird sür uns das neue Jahr ein ersprießliches werden, und uns wieder um Vieles unserm Ziele näher bringen. Für die Kontrollkommission im Austrage M. Seischab, um. Sölvnereg. 637. Nürnberg, 26. Dezember. Einer unsrer besten Freunde und Parteigerojjeii, der Schlosser Johann Kre tzer, erlag in Folge schwerer Berwundnng. Er war Mitglied des ArbeilerbildungsveretnS. Auch Karl Böhm wurde seit bei Schlacht bei Sedan vermißt; jetzt erfahren wir, daß er krank in ein Lazareth gebracht worden ist, wo er, da das Lazareth in Brand gerieth, mit verbrannte. Fritz Thurn, Vor- stand der Holzarbeiter, steht vor PariS. Barmen, 27. Dezember. Die Parteigenossen in Elberfeld und Barmen erklären sich mit der Haltung der beiden Reichstagsabge- ordnete» Bebst und Liedtnechi vollkommen einverstanden. Glauchau, 29. Dezember, lieber unsere Nationalliberalen ist der Ilmsang der bei den Stadtverordnetenwahlen erlittenen Niederlage wie ein Donnerschlag hereingebrochen. Um so unerwarteter, als sie noch kurz zuvor durch allerhand Mittel, Einschüchterung ihrer Ange- stellten k., eine Adresse mit 844 Unterschristen an den Reichstag zur Verwahrung gegen die Haltung des Abgeordneten Bebel zusammen- gebracht hatten, von der' sie die Dreistigkeit hatten, im hiesigen„Ta- geblatt" zu behaupten, sie wäre in 4 Ta�en„ohne alle Agitation" zusammengebracht, und wei! sie daraus einen ziemlich sicheren Schluß auf die Stimmung der Wähler bei der bevorstehenden Reichstagswahl hatten ziehen wollen, und daran die hochweise Bemerkung geknüpft hat ten:„Wenn man nun aber auch anderwärts so verstandig wie in Glauchau wäre!" Die von den Nationalliberale» aufgestellte Liste war eine ganz reine, zeigte nur nationalliberale Elemente, selbst alle früheren Stadt verordneten, deren geschäftliche Tüchtigkeit anerkannt, deren Zugehörig keit zur Partei aber zweifelhaft war, waren ausgemerzt. Am 7. Dez. fand unter Mitwirkung unseres Abgeordneten Bebel eine Bürgerversammlung statt, in welcher dieser eine andere Liste ge genübergeilellt und als Richtschnur für die Kandidaten folgendes Pro gramm aufgestellt wurde: „1) Möglichste Sparsamkeit in der Gemeindeverwaltung, so daß übe rhaupt Gmeindcgelder nur zum Besten der Gemeinde verwendet werden dürfen. 1) Beschaffung einer auf der Höhe der Zeit stehenden Volksschule, Abschassung der Schulgelder, Bestreitung des Schulau wandes durch Kominunanlage», rejp. durch den Staat. 3) Verbesse eung des Arineuweseirs, so daß überhaupt der Verarmte, besonders der Altersschwache mehr als Invalid und nicht als Frohnarbeiter be� trachtet wird. 4) Beseitigung des Dualismus, Anstrebung größerer Selbstverwaltung der Gemeinden, b) Vertretung in der Gemeinde für alle majorennen Steuerzahler." Im„Tageblatt" ersuchte nun ein„Eingesandt" die„verständigen Bürger Glauchaus," sich einer Bürgerversammlung fernzuhalten welche die Tendenzen der Herren Bebel und Liebknecht befördern solle. Den Herren fehlt also der Muth, vor den Bürgern Glauchau's die eigenen Tendenzen von„Wahrheit und Recht" zii vertreten. Als Angrifs gegen die Liste dieser Bürgerversammlung und als Auslegung und Motivirung zur eigenen Auswahl der Herren Na tionalliberalen sollte nun ein Eingesandt:„Die Stadtverordneten wähl" in der Beilage zu Nr. 289 des„Glauchauer Tageblatts" die� nen. Gleich im Eingange lesen wir da über die direkte Wahl:„Ueber den Werth dieser Reform kann man getbeilter Meinung sein,"— gewiß eine sonderbare Bemerkung seitens einer Partei, die den Libfr ralismus so ausschließlich gepachtet bat. Weiter heißt es darin: „Nicht alle Bürger sind im Besitze der erforderlichen Bildung, um für die Funktion eines Stadtverordneten tauglich zu sein. Es beruht auf gänzlicher Verkennung der Stellung eines Stadtverordneten, wenn man sich dem Wahne überläßt, daß jeder beliebige Schreier un Schwätzer sich auch zum Stadtverordneten qualifizire; das Stadt verordneten-Kollegium in einer Stadt, wie Glauchau, hat über die wichtigsten Verhältnisse der Gemeinde, über die Verwaltung des Stadl Vermögens, über die Befriedigung der Bedürfnisse des Gemeindeschul wesens, über organische Einrichtungen des letzteren und einzelner Zweige seiner Verwaltung, über die Angelegenheitc» des Gemeindeschntwesens zu berathen und zu beschließen; wer die erforderliche allgemeine Bil- dung zur Begutachtung und Beurtheilung aller dieser Verhältnisse nicht besitzt— wir meinen dabei keineswegs eine höhere wissen- schaftliche Bildung, die immer nur Wenigen eigen sein kann— der sollte unseres Bedunkens sich ser» halte» von jeder Kandidatur für die Funktion eines Stadverordneten; es gehört ein klarer Ver stand dazu, um sich in den verschiedenen Zweigen einer größeren städtischen Verwaltung zurecht zu finden, um das Rechnungswesen einer größeren Gemeinde zu verstehen, zu übersehen und zu kontroliren eS kann ein Bürger ein sehr ehrenwerther Mann von Charakter ein fleißiger Arbeiter und ein ganz tüchtiger Geschäftsmann in seinem kleineren Wirkungskreis e und doch nicht befähigt sein, als Stadtverordneter in nützlicher Weise thätig zu sein. Bei der Wahl eines Stadtverordneten ist daher von Seiten der Wähler das Augennierk vorzugsweise darauf zurichten, daß der Wahlkandidat ein Mann von mehr als gcwöbnlicher Bildung ist, daß er so viel Intelligenz und Urlheilsgabe besitzt, um zu erkenne», was der Wohl fahrt der Gemeinde dient und welches der richtige Weg zu ihrer Be- förderung ist. Eine weitere Eigenschaft, die ein Stadtverordneter be sitzen muß, ist ein unbescholtener Ruf, ein ehrenwerther Charakter; nicht leiten wird gerade diesem Punkte bei Aufstellimg von Kandidaten nicht die nöthige Aufmerksamkeit zngelvendet: wir meinen dannt nicht jene Unbescholtenheit, die das Gesetz überhaupt zur Stimmberechtigung und Wahlberechtigung vorausgesetzt, sondern den sitlichen Werth des Bürgers im Allgemeinen; dieser muß vor- handrn sein, damit seine Mitbürger Vertrauen zu ihm haben können; zur mpralischen Tüchtigkeit eines Bürgers rechnen wir senier, daß derselbe seine Bürge, pflichten jederzeit bereitwillig und pünktlich erfüllt; wer selbst keine Steuern und kein Schulgeld zahlt, kann anderen Bürgern nicht vorschreiben wollen, Steuern und Schulgeld zu zahlen; es ist keine Entschuldigung, daß ein Bürger Steuern und Schulgeld nicht zahlen könne; wer hierzu unvermögend ist, gehört un- serer Ansicht nach nicht insStadtverordneten-Kollegium, denn einem solchen Unvermögenden geht die nöthige Selbstständig- keit ab, die zur Funktion eines Stadtverordneten gehört. Ueberdies ist die Gemeinde ein aus dem Staatsrechte beruhender Verein von Bürgern und solchen Einwohnern, die unter ihreni Schutze sich in der Gemeinde aushalten— sogenanten Schutzverwandten;— zur Erhal- tung und Beförderung der Interessen dieses Vereins sind auch pekuniäre Mittel erforderlich; wer diese nicht nach seinem Theile mit beschassen Hilst oder nicht beschassen kann, hat keinen Anspruch darauf, zum Ver- treter der Gemeindeinleressen innerhalb der Gemeinde und nach Außen gewählt zu werden. „Zur Tüchtigkeit eines Bürgers, der Stadtverordneter werden will, gehört aber auch eine gute politische Gesinnung; es sollen sich zwar die Stadtverordneten nicht mit Politik beschästigen, d. h. mit solcher nicht ini Allgemeinen und im Großen; die Gemeinde ist aber wegen ihres ösjentlich-rechtlichen Charakters auch ein politischer Körper, ein Glied des Staates selbst; es kann daher nicht fehlen, daß die In- teressen des letzteren mit denen der Gemeinde in Berührung komme» und uin deßwillen ist erforderlich, daß die Vertreter der Gemeinde auch eine politische Ueberzeugung haben; wir dulvcn eine jede politische Ueberzeugung, mag sie konservativ oder liberal sei», nur diejenige Nicht, welche mit der Verfassung des Staates und dessen Recht sieh ren, d. h. den Gesetzen und mit der bürgerlichen Ordnung. im Widerspruch steht. Wer als Bürger geschworen hat. der Ver- fassung treu und gehorsam sein zu wollen, der muß als Bürger diesem Eide gemäß auch handeln und wirken, der darf Ansichten nicht zu den seinige» machen, wie sie von einer politischen Zeitung, dem sogenannten „Volksstaat", gepredigt werden, die in ihrer Konsequenz zur völligen Auslösung des Staates und bei Gemeinde führen. Gott sei Dank ist die Partei, die zur Beförderung der Tendenzen des„Volks- staatei" sich gebrauchen läßt, innerhalb»»serer Gemeinde und unter der Bürgerschaft klein und ohne sonderlichen Einfluß; trotzdem versucht ei aber doch diese kleine Partei, einen Einfluß auf die Stadt- verordneteuwahl zu erlangen und Leute ihrer Gesinnung in das Kol- legium der Stadtverordneten zu bringen. Wjr gestehen, wir würden et, wenn dies gelänge, tief beklagen, denn es würde der Anfang zum Ende unserer geordneten(?j Verwaltung sein; es würde die empsindlichite Beschädigung unserer Gemeindeinteressen zur Folge haben, denn es würde sich Alles, nicht nur die Regierung, sondern na- mentlich auch der bemittelte Bürgerstand von einem Gemein de- wesen abwenden, das nach volksstaatlichen Tendenjzen vertreten würde und sei»eni Untergang sicher entgegengehen müßte. Wir können daher nicht dringend genug die gutgesinnte Bürger- schaft der Stadt, wenn ihr das Wohl der Stadl am Herzen liegt, ermahnen, nicht zu verabsäumen, an der Wahl sich zu beiheiligen und den Stimmzettel mit der Bezeichnung:„Wahrheit UNS Recht" am 13. Dezember 1870 in die Wahlurne zu legen; nur auf diese Weise wird Unglück und Wehe von Glauchau abgewendet, das unauS- bleiblich ist, wenn Unfähige und Uebelwollende in das Stadt- verordneten-Kollegium gewählt werden." Das ist doch gewiß ein starkes Stück! ES heißt(abgesehen davon, daß der Einsender nicht zu wissen scheint, daß Diejenigen, welche gar keine Steuern zahlen können, überhaupt nicht wahlfähig si«) in kurzen Worten: Stadwerordneter kann nur werden, wer 1) Großkaufmann oder Großsabrikant, daneben, bez. deshalb 2)„sittlich" werthvoll, und 3) gut politisch gesinnt, d. h. nationalliberal ist. Eine andere Wahl bringt unfehlbares Elend. Die darin zu Tage getretene Anmaßung wird nur dadurch über- Kossen, daß die Angehöngen derselben Partei, deren Führer 1836 hochverrätherische Berathungen über die Annerion in Leipzig geflogen, jetzt, allerdings nach dem Vorgange des„sehr ehrenwerthen" Herrn Prof. Biedermann in Leipzig, an den Ver- sassungseid erinnern und mit dem Zorne der königl. sächsischen Re- gierung drohen! Die Anmaßung, mit welcher Tausenden von Bürgern, die nicht nationallibiral, sondern entweder andern Parteien angehörig waren oder sich bisher öffentlichen Angelegenheiten fern gehalten hatten, die „sittliche Unbescholtenheit" abgesprochen wurde, verfehlten venu auch ihre Wirkung nicht. Eine Erklärung deS von der Bürgerversammlung gewählten Komitä im Tageblatt vom 13. Dezember hob noch empor, wie jedem Bürger, der nicht auf der nationalliberalen Kandidatenliste stand, ein materielles und geistiges Armuthszeugniß, den vorgeschlagenen Kan- didaten ein Unfehlbarkeitszeugniß ausgestellt werde. Die Wahl, welche in einem früher unerhörten Umfange der Be- thriliguug stattfand, brachte lwie bereits gemeldet) einen vollständigen Sieg der Liste der Bürgerversammlung. Frankeilhausen 22. Dezember.' Gestern wurde unser Partei- genösse August Welke wegen des Verbrechens zur Vorbereitung auf Hochverrath vom Fürstlichen streisgericht zu Sondershausen von sämmt lrchcn Kosten und Strafe freigesprochen. Der Staatsanwalt bean lragie 9 Monate und hielt es nicht für gut, daß Welke frei sei. Es soll daher die Oberstaarsanwaltschast in Eisenach ihr Urtheil sprechen ob Welke strafbar sei oder nicht. Der Rechtsanwalt Czarnickow führte die Vertheidigung und warf ein glänzendes Licht aus Lassalle. Der Punkt, den der Staatsanwalt betonte, war— und dies bildete die Anklage—: Welke sollte in der Persammlung vom September die Worte hervorgehoben habe»:„Wir sind es unsern Nachkommen schuldig daß wir für sie was thun." Hieraus folgerte der Staatsanwalt „Er hätte die Republik in Deutschland einführen wollen und damit gefährde er auch das Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt. Den Königen, Herzögen und Fürsten sei die Regierung unbedingt von Gottes Gnaden gegeben worden und Welke wollte sie durch Einführung der Republik stürzen." Für jetzt bleibt Welte noch 10 Tage im Gefängniß, bis das Er- tenntniß von Eifenach retour kommt, spricht dieses ihn frei, nun so ist er doch gezwiebelt und seine Eristenz ruinirt. Die Belastungszeugen waren: Stroh, Göthe und Zinke. Als Entlastungszeugen Ä. Haselhuhn, K. Kaps, W. Heißer und Ehrhardt, welche aber nicht abgehört wurde», weil Welke und sein Penheidiger es ablehnten. Wir waren früh'US Uhr aufgebrochen und kamen >0 Uhr nach Sondershausen in Regeil und Schneegestöber. W. Heißer mußten wir anfassen, sonst wäre er liegen geblieben. Nach Hause mußte er fahren. Des Abends>/,8 Uhr kamen wir nach Hause, unterwegs siel mancher Fluch auf Michel. Ein College meinte sogar, er müsse es uns aus Schur thun, als wollte er die Sozialdemokrale» vernichten. So kamen wir als Sozialdemokraten aus der Taufe und hoch halten wir die Fahne, das heilige Roth, we»n auch der Srlan peitscht und die Wogen drohen, uns zu verschlingen. Es ist freilich nur ein kleines Häuflein Getreuer, sie sind aber unerschütterlich und stehen fest bis au' den letzten Mann. Augsburg, 27. Dez. Gestern hat dahier eine Friedens- und Freiheitsdemonstration von einer Bedeutung stattgesunden, die in moralischer Beziehung wohl um so weniger unterschätzt werden darf. als Augsburg bisher als einer der Hauptsitze„nationalliberal"-chau- vinistischer Schleppträger der hohenzoller'schen Cäsarenpolitik gegolten hat, und einige Hauptmadatoren der sogenannten„Fortschritts"-Parlei, während sie in der Nähe das Nebengeschäst von Bürgermeistern und Advokaten betreiben, die Gegend mit ihren Bismarckisirungsmanövern unsicher machen.— Aus eine von dem Sozialdemokraten Franz unter- zeichnete Einladung fanden sich gestern in den beiden Sälen des Gast- Hauses zu den„3 Königen" dahier trotz der ungünstigen Zeilverhält- nisse eine Anzahl von Personen— meistens Arbeiter— ein, die im Verlaufe der Versammlung immerhin wenigstens aus 1000 Mann stieg. Die Tagesordnung lautete:„Der gegenwärtiige Krieg und die wahren Interessen der deutschen Nation. Erlassung einer Adresse an die bayerische Kammer der Abgeordneten gegen Bewilligung der Mittel zur Fortsührung dieses Krieges." Nachdem die �er- ammlung den Einberufer und dessen Parteigenossen Endres zu Vorsitzenden ernannt hatte, begründete Ersterer in einem ungefähr einstündigen Vortrag die Ansicht der Demokratie, daß seit der Schlacht bei Sedan ein neuer Krieg und zwar ein cäsaristischer Er berungS- krieg des dynastisch-junkerlichen Deutschlands gegen das republikanische Frankre ch bestehe, ein Krieg, welcher trotz der ungeheuren Opfer, die er der ganzen zivilisirten Gesellschaft kostet, den Interessen des deutschen Volkes geradezu zuwiderlaufe, und in Deutschland denselben Bonapar- tismus aufrichte, der mit Hülfe der deurschen Wafsen in Frankreich ausgepeitscht worden ist. Der Redner wurde öfter« von fast Minuten- lang andauernden, rauschenden Beifallsäußerungen unterbrochen.'Vach Beendigung dieses Vortrags wurden anwesende Gegner der ausgespro- chenen'Anschauungen mehrfach und unter bestimmtester Garantie der gleichen Achtung ihrer Redefreiheit aufgefordert, sich an der Debatte zu betheiligen; doch—„stille blieb's über den Wassern!" und dies- mal waren wir, obwohl gewohnt an die Mattherzigkeil unserer edlen „Bürgervereins"-Politiker, wahrlich überrascht von der grenzenlosen Feigheit und Unfähigkeit, welche in diesem Verhalten eine Partei do- umentirte, deren Soldschreiber dafür in der ordinärsten Weise die Männer der Demokrati' mit Koth bewerfen müssen. Die Versamm- lung nahm hierauf den Vorschlag des Sozialdemokraten Franz an, nach welchem die Anwesenden sich einer von der sozial-demokratischen Arbeiterpartei in Fürth und Nürnberg im gleichen Betrefle an die bayerische Abgeordnetenkammer erlassenen Adresse anschließen, was die Vorsitzenden in einer eigenen Adresse, die dem wackeren Abgeordneten Kolb zur Vertretung übergeben wird, der Kammer zu erklären den; hierbei wurde der erste Passus der Forderung(Verweigerung der Mittel zur Fortsührung des Krieges) mit allen gegen 6 Stimmen und der zweite Passus(Verwerfung der„Nordbund"-Verträge von Seite Bay rns und Anregung der Berufung eines auf Grund des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts mit Diäten gewählten, constituirenden Volksparlqments zur sreiheitlichen Einigung Gejammt- Deutschlands) mit allen gegen 2 Stimmen angenommen. Von Münchener Arbeitern traf solgendes Telegramm an die Volks- Ver- 'ammlung ei» und wurde von derselben freudig aufgenommen: „Männer der Freiheit, steht ein für die Rechte des Volkes, der Sieg muß unser werden." Die Versammlung nahm einen äußerst ruhigen, würdevollen Ver- laus und wurde in einer fast allseitig begeisterten Stimmung für Friede und Freiheit geschlossen. Viele schlichte Arbeiter äußerten sich nach der Versammlung, daß der ergreifende Eindruck, den dieser glänzende Sieg unserer Partei üuer die nationalen Verheyungs- und Knech- tungs-Prinzipien aus sie gemacht habe, ihnen unvergeßlich sein werde, und' wir hegen die innigste Ueberzeugung, daß— wie in dieser denk- würdigen Versammlung— allenthalben und unwiderstehlich die wahre Stimme des deutschen Volkes bei redlicher Darlegung des Sachver- Halts diesen freiheitsmörderischen Eroberungskrieg noch für alle Zeit erdammen wird. Nochlilz, 26. Dezember. In der am 11. Dezember abgehaltenen Volksversammlung wurden, nachdem Lehmann und Wenbler rese- rirt hatten, nachstehende Resolutionen zur Abstimmung gebracht und einstimmig angenommen: Die heutige Versammlung fordert den Rath zu Rochlitz auf: 1)Alle städtische Abgaben nach dem Einkommen der Einwohner zur Abschätzung zu bringen, besonders aber den Bürger- und Hausgenossen-Geschoß. 2) Zu veranlassen, Daß alle Bäcker und Händler, welche mit Brod und weißer Waare handeln, vom 1. Januar 1871 an eine Waage mit vor- schristsmäßigem Gewicht im Laden führen müssen, und den Preis per Pfund alle acht Tage auf dem Rathhause anzuzeigen haben, der dann den Einwohnern durch öffentliches Aus- hängen bekannt gemacht wird. 3) Daß regelmäßig jeden Markttag die Butter.durch die Polizei gewogen werde, und 4) daß überhaupt der Rath die Polizei streng verpflichtet, jeden selbständigen Gewerbtreibenden auf vorschriftsmäßiges Gewicht hinzuweisen und regelmäßig zu revidircn. 5) Die Versammlung protestirt gegen das gegenwärtige Kommun- Wahlrecht im Königreich Sachsen und fordert, daß solches nicht nur direkt, sondern auch gleich und allgemein werde, für jeden ehrlichen sächsischen Unterthan, und nicht blas für Bürger, denn wir Alle müssen unsere Pflicht gegen unser Vaterland und unsrc Heimath erfüllen, deßhalb fordern wir auch, daß wir gleiche Rechte genießen können, Alle Städte und Vereine möchten sich unserer Resolution an- schließen, und wenn es Zeit ist mit uns protestiren. Zu den städtischen Angelegenheiten wurde eine Kommission von sechs Mann aus der Versammlung gewählt, welche Obiges dem Rath vorzulegen haben. Das Resultat folgt später. LösiNltz, 25. Dezember. In der gestrigen Versammlung des hiesigen sozialdemokratischen Arbeiter-Vereins wurde einstimmig sol- gende Resolution angenommen, um deren Aufnahme in den„Volks- staat" ich Sie ersuche: „Die heutige Versammlung erklärt sich mit dein Vorgehen ihres Abgeordneten Liebknecht im Berliner Reichstage vollständig einver- standen und schenkt ihm ihr volles Vertrauen, sie erkennt in ihm den edlen, unerschrockenen Vorkämpfer für ihre, und somit aller Deutschen, Volksrechte, und sagt ihm für sein männliches Verhalten ihren besten Dank. Die hiesigen Parteigenossen werden nie aufhören, am heiligen Kampf um ihre Menschenrechte theilzuneh- men und reichen ihrem Abgeordneten unter der Parole„mit Gott für Freiheit, Ehre und Recht" die deutsche Bruderhand. Im Namen des Vereins. Der Vorstand Wilh. Nötzel. LtistZtg. Jm Laudeville-Theater(ach, Ihr guten Deutschen!) zur„Guien Quelle", dem Hauptquartier unserer Leipziger Bier-Pa- lrioten, ging am vorigen Sonnabend eine aus Bebel und Liebknecht gemünzte Tendenz-Posse in Scene.„Stebel und Piepkne cht" j war der offizielle Titel des Stückes, wegen dessen der Staatsanwalt schon um deswillen einschreiten sollte, weil sein Inhalt einem wirk- lichen�Hochverrath gegen die gesunde Vernunft gleichkommt. Es hieße eine unverantwortliche Berschwendung von Tinte riskiren, diesem ent- setzlich faden Machwerk, welches an Gemeinheit und Blödsinn(aber im vollsten Sinne des Wortes) glücklich die Balance hält,»och ein Wort der Kritik zn widmen. Selbst das„schlachtbereue" Publikum, welches von diesem Tendenzstück sich jedenfalls ein Gaudium noch im alten Jahre versprochen hatte, verhielt sich„kühl bis an'S Herz hinan" gegenüber dieser dramatische» Sudelei. Und deshalb— Erbarmen für den armen Schächer, der dieselbe auf dem Gewissen hat. An die Partetgenoffn». Für den„Volksstaar" ist ferner eingegangen: östr. W. und 21 kr. rh. Nürnberg 10 st. Für die Familien der Jnhafttrten. B. C. Stuttgart 5 Thlr. Arbeiterverein Pölzig 1 Thlr. vor Hannover 3 Thlr. Linden Briefkasten B. C. in Stuttgart: Kreuzdandsendung besorgt. Pest: 27 fl. er- halten, Rechnung ausgeglichen. 3. Quittung.*) Es gingen ferner für meine Frau ein: 17 Ngr. von Partei-, genossen in Lunzeuau, Arbcitcrbildungsverein durch Rödiiig, I st. 12 kr.■ — 20 Ngr. 5 Pf. von Würzburg, Franz Seubert, 15 Ngr. vorn Volks- verein Ronneburg durch Eduard Gläser, 2 Thlr. von Luckenwalde durch August Hönisch. Indem ich hierüber quitlire, sag- ich im Namen meiner Frau| meinen wärmsten Dank. Burgstädt. Heinrich Schenk. *) In der 1. Quittung muß eS statt„durch Hugo Speyer"„von Hugo Speyer heißen._ Für Sonntag, den 8. Januar: Qesfeutltche Lolksverfamiulung im Lokale deS Herrn Dletz am Kunigunvenplatz. Durch Verhältnisse abgehalten, am 27. Dezember zu erscheinen, werde ich zu dieser Versammlung unter allen Umstände» kommen. L o u i e Eckstein. Für öurgliadt. Da ich jetzt Geschäfte halber die Woche über abwesend bin, so sind nun alle Zuschriften an Wilhelm ltranich, Bötlgergasse, zu richten. Auch inachl der Arbeilervereiu dekannt, daß in den Rellaurarionen von Wilhelm«rußig, Friedrich Schmidt und Friedrich Unger der„Volks- staat" ausliegt._ H. Schenk, Vorst. Für Lripjig. Iozialdemorratischcr Arbciterverei»«. Donnerstag, den 5. Januar, Abends 8 Uhr: Versammlung im„Pantheon". Tagesordnung: Sozialpolitischer Wochenbericht.(Ref. Dittmar). Gäste sind willkommen._ Petersstraße 18 Durch die Expedition de»„Volksstnat. ist gegen Einsendung des Betrags zu beziehen: Autrag und Reden der Reichstagsabgeordncten Bebel und Liebknecht, gehalten über die 100-Millionenanleihe im norddeutschen Reichstag. Preis: pro Eremplar 1 Ngr., parthiemveise(mindestens 12 Erpl.) '/, Ngr. Ter dcutschc Bauernkrieg von Friedrich Engels. 7 Bogen stark. Das Exemplar kostet 5 Gr., in Partien bezogen nur 4 Gr., 1 Expl im Buchhandel 7'/, Gr. Arbeiterlied von Scrivegh 100 Stück 10 Gr.— 35 kr. Der„Deutsche Demokrat" bisher unter dem Namen„Pfälzer Demokrat, ein Deutscher$0 Mvkrat" erschienen, kostet in Baiern das Ouarlal 18 kr.= 5 f Iii Preußen tostet er mit Steinpelausschlag, Postgebühre» jc. 6/9 dei Abholung von der Post— 8 Sgr. mit Bestellgeld in der Stadt— 9/3 Pf. mit Bestellgeld auf dem Lande und erscheint in KaiscrSlaulers unter Redaktion und im Verlage von Carl Luebe ck— jeden Freitat einen ganzen Bogen stark. Im»ordd. Zeilungs-PreiScourant pro 1871 steht das Blatt in der 1. Ablheilung unter Nummer 689». In volksthümlichster Sprackie berichtet er über die politischen 9t' etgnisse der Woche, bringt in"eirarükeln Belehrung, von dein Grund« atze ausgeheud, daß aus deutsche Freiheit erst-u rechne» ist. wen» das Volk sich bei allen freisiunlgen politischen Bestrebungen betheiligt wenn es merkt, wo ihm eigentlich der Schuh drückt. Für deutsche Frei- heit will er kämpfen und zieht deßhalb die Jnteresseu Nord» und Süd- deutschlands, mit einem Wort aller deutschen Stämme in gleicher Weise in Betracht, auf demokratischstem Boden stehend. Mitarbeiter aus allen Theilcn Deutschlanbs umerftützin ihn dabei. Darunter Dr. 211» bert Dulk, Stuttgart; Dr. Jacoby, Königsberg: Gg. Fr. Kolb, München; Prätorius, Alzey; Gustav Rasch, Berlins Ret ten dach- Plickcn; Simon', Trier; Profesior Temme, Zürich; Töpper, Schlesien ic.-Demokralen, helft uns unser Ziel erreichen, der demo- kratischen Wahrheit den Sieg zu bereiten, indem ihr das Blatt hallet empfehlt, in Kreise hin verbreitet, wo sich noch kein eigenes Jntereffi regt, ein politisches Blatt zu hallen, in Kreise hin, wo die Regierungen reaktionäre Blätter umsonst schleudern. Inserate finden für 12 kr. oder 3 Sgr. die Zeile durch galh Deutschland weiteste Verbreitung. Carl Luebeck, Redakteur uild Verleger. Leipzig: Verantw. Redakteur in Vertretung: Carl Hirsch(Redakiioo- Emilicnstr 2.) Druck u Versag: F. Thiele.(Expeditton: Peterstc. l8)