M 4. Mittwoch, de« II. Januar. 1871. ®rsch«ill wöchentlich 2 mal m Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand' lungen de! Zn- und Ans- lande! an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel. Petersstraße 1b, F. Thiele, Emilienstraße 2. Der Volkvltiilit AbonnementSprctS Für Preußen incl. Stempel' steuer IKNgr.für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Ouartal. Agent für London A. Duenstng, Foreign LooicseUsr, 1,idra- riau allst ü�evsageot, 3, Little Newport Street, Lei- rester Square, W. C. Filialerpedition für die Verein Staaten: R-A-Serge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork OrgllN der soMl-demoKratlschen Ärdeiterpartei und der Znlernationülen Gtwerksgenossenschaften. Zweites Rundschreiben ' des stellvertretenden Ausschusses in Dresden. Alu Neujahrstage hat der stellvertretende Ausschuß ein Rundschreiben an die Parteigenossen erlassen, in welchem er auf die hohen Ziele der Sozialdemokratie hinweist, den letzten Schlag, der unsere Partei betroffen, sowie die dadurch eingetretenen Vcr- änderungen den Parteigenoffcn offiziell kundgiebt und schließlich, unter Hinweis auf die bevorstehenden Wahlen, zu Muth und Ausdauer auffordert. Das Rundschreiben schließt: „Die Wahlen zu einem neuen Parlamente stehen vor der Thür, die Ausschreibung zu denselben darf die Partei nicht überraschen. Die Thätigkeit, welche Bebel und Liebknecht bei der letzten Versammlung des Reichstages entfaltet und die Trag- weite, welche dieselbe gehabt, wird Euch die Nothwcndigkeit klar gemacht haben, möglichst viel Vertreter unserer Partei in diesen, wie immer gearteten Reichstag zu senden, zugleich öffnen wir vielleicht erst durch solche Wahlen unseren Jnhaftirten die Pfor- ten des Gefängnisses. Da ist es nöthig, daß Ihr jetzt schon die Bildung von Wahlkomitä's in Angriff nehmt, Vertreter aus allen größeren Arbeiterkorporationen und Werkstätten heranzieht, vorbereitende Arbciterversammlungen abhaltet, Euch mit den Mitgliedschaften deffelben Wahlkreises in Verbindung setzet, die Möglichkeiten eines glücklichen Wahlerfolges ergründet und uns Bericht darüber liefert. Allgemeine Aufrufe wird der Ausschuß für diejenigen Orte besorgen, wo es an geeigneten Kräften oder hinreichenden Mitteln fehlen sollte. Je gründlicher und sorgfältiger Ihr bei Zeiten vorbereitet, je sicherer werden die Erfolge sein. Das allgemeine Wahlmanifest unserer Partei an die Arbeiter Deuffchlands wird erscheinen, sobald der Cha- rakter des neuen Parlamentes sich klar herausgestellt haben wird, und werden wir dasselbe so zeifig vorbereiten, daß es vor dem Druck den Mitgliedschaften zur Diskussion und Genehmi- gung unterbreitet werden kann. „Ueber die politische Haltung unserer Partei brauchen wir uns des Weiteren hier nicht auszusprechen. So wie sie sich aus unserem Programm naturgemäß ergab, ist sie korrekt geblieben vom ersten Ansturm der Kriegsfurie bis zum heutigen Tage; unbeirrt durch das einstimmige Geheul einer zum Nasionalhaß hetzenden tausendstimmigen Presse haben unsere Arbeiter in zahl- reichen Volksversaminlungcn, haben unsere Organe,„Volksstaat" und„Proletarier", haben unsere Vertreter im Reichstage das Panier der Menschlichkeit, der Völkerfteiheit und der Völker- Verbrüderung hochgehalten und nicht selten das wüste Kriegslied übertönt. Viele sind inzwischen zur Besinnung zurückgekehrt und geben uns jetzt schon ziemlich recht, wir selbst können sagen, daß wir keinen Mann verloren, der wirklich zu uns gehört hat, und das wird immer besser werden, denn auch dieser Krieg arbeitet mächtig für uns. Und so arbeitet denn auch im neuen Jahre fort, Ihr Männer, an Eurem rühmlichsten Lebenswerke: am sausenden Webstuhl der Zeit der Menschheit ein würdiges Kleid zu weben. Nur immer muthig vorwärts! Dresden, am Neujahrstage 1871. Mit sozialdemokratischem Gruß und Handschlag Ter stellvertretende Ausschu»;. E. Köhler, Kassirer, Annenstraße 6. A. Otto-Walfter, Sekretär, Am Oucck- brunnen 4, II. H. Kniet in g, Beisitzer, Chrissianstr. 16, IV." Politische Uebersicht. In Berlin ist eine Ministerialkommission von Hofleuten und Gelehrten niedergesetzt worden, um für das neue deutsche Kaiserreich das Ceremoniell, sowie die Muster zu Krone, -ILappen, Titulatur und alles sonstige äußere Formelwerk aus- zuarbeiten. Der kaiserliche Titel wird folgendermaßen lauten: „Wilhelm I., Deutscher Kaiser, König von Preußen, Markgraf zu �ande, iburg, souveräner und oberster Herzog von Schlesien, wie auch aer Grafschaft Glatz, Großherzog von Niederrhein und von Posen, Herzog von Sachse», Engern und Westfalen, in Geldern, zu Magde- ?"rg, Cleve, Jülich, Berg, Stettin, Pommern, der Kast'uben ünd -wenden, zu Mecklenburg und Crossen, Burggraf zu Nürnberg, Land- Bsns zu Thüringen, Markgraf der Oberlausiy, Prinz von Oranien, �«uenburg und Balengis, Fürst zu Rügen, Paderborn, Halberstadt, �sunster, Minden, Canimin, Wenden, Schwerin, Ratzeburg, Mörs, lchsKldt und Erfurt, Graf zu Hohenzollern, gefürsteter Graf zu Henneberg, Graf zu Ruppin, der Mark, zu Ravensburg, Hohenstein, Mecklenburg, Schwerin, Lingen, Sigmaringen und Wehringen, Pyr- mom, Herr der Lande Rostock, Stargard, Lauenburg, Bütow, zu Ha-g-rloch und Werstein." Der Kronprinz wird, bei seinem etwaigen Rcgierungs- un ntte, in diese Titelreihe iwch den Doktorsitel einstellen können. . Was die Deutschen in Frankreich sich im besten Falle er- npfen, tzuben die Liberalen bereits vielfach verrathen.„Wartet sUr T" f*6 allerwärts den Freunden des Friedens und er Freiheit,„wartet nur, bis unsere(?) Soldaten zurück- oininen, die Werdens Euch schon zeigen, die werden Euch schon wit der Plempe auf Eure rebellischen Köpfe schlagen"! Der- r ige Aeußerungen müssen wir täglich hören. Ob wohl 1' nJfre Soldat en" große Begier darnach haben, wenn uußen der Krieg zu Ende ist, den inneren zu führen? Immerhin aber ist die„Plempe" ein köstliches Mittel, uns �"Patriotismus" d. h. den Kriegstaumel und die Annexions- üth, beizubringen und uns von unserer Ueberzeugung, die die Herrn Gegner„Landesverrath" nennen, zu kuriren. dürfte sich den» doch wohl einmal der Mühe verloh- L nen, ruhig zu untersuchen, welche Gesinnung eigentlich patriv- tisch, und welche landesverrätherisch ist. Leider fehlt nns heute der Raum, dies zu thun; es soll in der nächsten Nummer ge- schehen. General Vogel hat in seiner Hälfte des preußischen Staates neue Preßverbote erlassen. Die Berichte der dänischen Blätter und der„Jndependance Belge" sind es, die dem Ge- neral als eine zu gefährliche Konkurrenz der offiziösen Presse vorzukommen scheinen. In Mainz wurde ein junges Mädchen, welches im Begriff war, einem französischen Gefangenen auf irgend eine Erkundigung Auskunft zu geben, von einem Landwehrmann mit dem Säbel in die Brust gestochen. Kulturprobe. Es ist bezeichnend, in welcher Weise ein Thcil der bayeri- schen Ultramontanen sich die neue Gestaltung der politischen Verhältnisse zu ihreni Vortheil zurechtzulegen weiß, und noch bezeichnender, daß die Presse, welche eine solche Anschauung ver- tritt, faktisch an Ausbreitung gewonnen hat:„das neue Kaiser- reich ist stark an irdischer Btacht", betont nian,„und es besteht gerade in Preußen neben einer tapfern katholischen(ultramonta- nen) Partei eine mächtige, in den Regierungskreisen einflußreiche Partei, die im Kampfe für Kirche und Schule als Bundesge- nosse angeschen werden darf— wohlan, ertragen wir die wenn auch etwas belastende Einheit, sie ist zu unserem Vortheil!" Klug wie die Schlangen, aber nicht ohne Falsch! In Wien wurden dieser Tage wieder Verhaftungen vor- genommen. Fünf Schuhmachergehilfen, der Majestätsbeleidigung angeklagt, wurden verhaftet, indeß Tagsj darauf wieder freigelassen. Einer von ihnen soll bedenkliche Aeußerungen über das Miß- lingen des Attentates gethan haben, welches der ungarische Schneidergeselle Libenyi im Jahre 1853 auf den Kaiser Franz Joseph I. unternahm. Libenyi wurde gehenkt und Erzherzog Max, welcher zur Erinnerung an die Rettung seines Bruders den Bau der Wiener Votivkirche anregte, wurde 14 Jahre später von den mexikanischen Republikanern erschossen. Unser Parteigenosse Moser in Graz befindet sich seit 22. Juli, also durch volle 25 Wochen in„Untersuchuugs- Haft." Unter solchen Zuständen ist es freilich kein Wunder, wenn Beust und Bismarck schön mit einander thun. Es ist die Sympathie derSeelen, die sie zusammenführt. Gut, aber höre man doch dann auf, uns a.is unfern Sympathien für unsere Schicksalsgenossen, für die österreichischen und franzö fischen Arbeiter ein Verbrechen zu machen! Das Wiener Landesgericht hat gegen den demokratischen Verein, welcher die bekanntlich von dem k. k. Oberlandesgericht abgewiesene Petition um Amnestirung der als Hochverräther eingekerkerten Arbeiterführer«gereicht hat, eine Kriminalun- tersuchung eingeleitet, weil in der Petition gesagt war,„daß selbst in juristischen Kreisen der Thatbestand des angeblichen Verbrechens von mancher Seite bezweifelt werde." Die k. k. Justiz ist also unfehlbar. Die Preußischen Offiziösen vergehen jetzt fast vor Liebe und Brüderlichkeit gegen Oesterreich, und die„Norddeutsche Allgemeine" erhebt Beust, zu der uns etwas zweifelhaften staats- männischen Höhe eines andern Bismarck. Gestern noch auf dem Marsche nach Wien,, wären sie heute bereit, die weiße Binde von Schleswig-Holstein wieder anzulegen! Die Wiener behaupten, die ungünstige kriegerische Lage in Frank- reich sei schuld an dieser Frontveränderung.. „Vor Paris nichts Neues." Denn daß es bombar- dirt wird, ist bereits veraltet, und daß einige Forts„zum Schweigen" gebracht seien, hat sich als eitle Hoffnung erwiesen, denn Tags darauf waren sie nur„zeitweise" schweigsam, „antworten" also auch mitunter. Der Verlust des Mv nt Avron hat in Paris große Gäh- rung erzeugt, die(fast sämmtlich der sozialdemokratischen Partei angehörigen) Stadtvertreter von Paris haben der Regierung gedroht, sie abzusetzen, wenn die Vertheidigung nicht energischer werde. In Folge dessen stehen Ausfälle bevor. Der Rückzug der kaiserlichen Truppen aus Dijon war so eilig, daß viele Kranke und Verwundete zurückgelassen werden mußten. Kaum waren die Kaiserlichen hinaus, da zogen von der andern Seite die Franktireurs ein. Ein französisches Provinzialblatt enthält folgende Kor- respondenz: Aix(Provence), 8. Dezember. Herr Präfekt! Ich habe meinen Pächter auf der Domäne von Fiancey- Busson beauftragt, Ihnen die kleine Feldglocke zu überbringen, um sie zum Guß einer Kanone zu verwenden. Ich bedauere, daß die Glocke so klein ist, aber mit anderen zusammen wird sie wohl verwerlhet werden können. Genehmigen Sie u. s. w. De Payan-Dumoulin, Rath am Gerichtshof von Aix, Präsi- dent der Assisen in dem Departement der Rhonemündungen. Die Antwort des Präfekten auf diesen Hohn lautete: Mein Herr! Ich habe aus der Präfektur von Drorne ein unquali- fizirbares Buch gefunden, das die Unterschrift trug„Payan-Dumoulin, Mitglied der gemischten Eommission des Drüme". Ueber dieser Unter- jchrist eines Richters, der, ohne Achtung vor den Gesetze und ohne den Angeilagten öffentlich zu hören, Berurtheilungen aussprach, fand sich eine Proscriplionsliste von 2500 Republikanern. Die Broncemasse der kleinen Glocke reicht zum Gusse einer Kanone nicht hin. Wenn aber Ihre Helfershelfer von 1851 eine Sühnungskapelle errichten lassen wollen, kann Ihre Glocke in derselben Verwendung finden. Ich de- daure unter Ihrer Unterschrift in dem Briese Titel zu finden, welche Konsequenzen Ihrer Th aten von 1851 sind. Sie hätten aus sie erst Berzicht leisten sollen ehe Sie der Republik eine Gabe anbo- ten. Gruß und Brüderlichkeit. Der Präfekt der Drüme Peigus- Cremieur. Daß auch unter den französischen Gefangenen in Deutsch- land Niemand von einem anderen Frankreich, als dem repu- blikanischen, etwas wissen will, beweist folgende Thatsache: Den in Dresden befindlichen französischen Gefangenen ist ein kaiserliches Geschenk von 5000 Francs zugegangen. Man hat dasselbe mit dem Bemerken zurückgewiesen, lieber Hungers sterben, als vom Ex-Kaiser etwas annehmen zu wollen. Die provisorische Regierung Frankreichs soll von englischer, österreichischer und italienischer Seite die Zusicherung erhalten haben, daß außer der offiziellen Konferenz in London vertrauliche diplomatische Besprechungen über die Mittel und Wege zur Herbeiführung des Friedens zwischen Frank- reich und Deutschland stattfinden werden, und eben durch diese Zusicherung soll Jules Favre bestimmt worden sein, die Reise nach London zu unternehmen. Die Netfchajof-f'sche„sozialistische Verschwörung", die seinerzeit so viel Geräusch machte und ein ganzes Jahr hindurch den großen russischen Polizei-Apparat in Rußland und ganz Europa in Bewegung hielt, schien bereits der Ver- gessenheit anheimgefallen, ist aber in diesen Tagen durch Mit- i Heilungen über das„Ergebniß" wieder aufgewärmt worden. Die in Petersburg geführte Voruntersuchung ist seit einem halben Jahre beendigt und hat als Resultat ergeben, daß ge- gen 43 der Theilnahme an der Vcrschwörnng beschuldigte Per- sonen die Anklage erhoben werden soll. „Wohl ist es ekel anzuschauen, Wenn Herrscherslevel leicht gelingt, Wenn über ein Geschlecht von Frauen Ein blut'ger Fürst die Geißel schwingt. „Noch zehnmal ärger ist's und schlimmer, Wenn sroh ein Volk die Knechtschaft grüßt, Dem schon der morgenrothe Schimmer Der Freiheit licht die Stirn geküßt, „Wenn es— o Schmach des tiefen Falles! Nach neuen Ketten jagt und hetzt: Nichtswürdig ist ein Volk, das Alle» An eine neue Knechtschaft setzt!"— So singen die„Berliner. Wespen" über— Spanien! Die letzte Nummer des„Proletarier" wurde— nicht konfiszirt!— Höchst s onderbar!— bemerkt dazu die Re- daktion des„Pr." Wir ersuchen alle Parteigenossen dringendst, für die Ver- breitung und Erhaltung des„Proletariers" im Interesse der Parte' und des Arbeiterstandes thätig zu sein! Derselbe kämpft mit in erster Reihe und ist trefflich gehalten. Er erscheint wöchentlich und kostet im Nordbund blos 7 Sgr. vierteljährlich. Nicht nur in Bayern und in ganz Süddeutschland, sondern namentlich auch in den Vogel von Falckenstein'schen Provinzen, wo der„Volksstaat" unterdrückt ist, wird er der Arbeitersache gute Dienste leisten. Während die deutsche Bourgeoisie hofft, ihre Blut- und Eisen-Götter würden die französische Nation und damit den Herd der Revolution und des Sozialismus vernichten, bekämpft Herr von Schweitzer die Eisenacher„Volksparteiler" und be- schimpft unsere Vorkämpfer, nachdem dieselben von der preußi- schen Polizei in einen Zustand versetzt worden sind, der die Vertheidigung unmöglich macht. Aus Essen meldet er„gro- ßen Sieg": seine Anhänger haben eine Partei? Versa mm- lung unserer Freunde glücklich gesprengt. Deßgleichen meldet er einen Sieg aus Königsberg, wo die„schwüle Faust" des Agitator Armborst die sozialdemokratischen„Literaten und He- bräer", die gegen Fortsetzung des Krieges protestiren wollten, in die Flucht schlug. Die Bourgeoisie ist außer sich vor Freude und sammelt zu einer weißen Blouse und einem Ehrenknüttel für den angenehmen und unbezahlba- ren„Sozialisten". Napoleon aber sieht sich die Geschichte an und telegraphirt nach Versailles:„Jetzt erst bin ich besiegt; der Meister bewundert seinen schlauen Schüler." Unsere Vorhersagung, daß in der Organisaton des„All- gemeinen Deutschen Arbeitervereins" die Opposition und die Korruption nie aussterben, sondern trotz aller Ausstoßungen stets von Neuem ihr Haupt erheben werde, erfüllt sich. Be- reits ist wieder eine ganze Menge„Ehrlicher" im Verein zum Vorschein gekommen, denen die Augen aufgegaugen sind und die es müde geworden, ihr reines Streben durch die Ju- triguen eines boshaften Gecken geschändet und mißbraucht zu sehen. Natürlich sind ihre Proteste mit„Ausstoßung" beant- wortet worden. Wie Schade, daß der kleine Gesellschaftsretter keinCayenne oderLambessa hat, in das er diese„Feinde der Ordnung" deportiren kann! Nun, vielleicht hilft Freund Bis- marck beim Friedensschluß zu dieser Vervollkommnung der hei- ligen Organisation. Einstweilen hat Herr von Schweitzer, wie gewöhnlich, gewaltige Angst vor der Generalversammlung und sucht diesedurchallerleiintercssanteKunststückemöglichsthinauszuschie- den. Er denkt, wie Louis:„Kommt Zeit, kommt Rath. Ist die Generalversammlung nicht zu Willen, so probire ich's wieder mit Staatsstreich und Plebiszit, und im äußersten Roth- fall muß mich ein auswärtiger Krieg(mit den„Volk spartei- lern") retten."— Wenn er sich nur nicht auch verrechnet, wie Louis. Der Nachricht, daß wider Parteigenosse Tisch er eine Un- t ersuchung im Gange, wird von München ans erfreulicherweise widersprochen._ Herr Junghahn, Drucker des„Bürger- und Bauern- freund" in Crimmitschau, ist, nachdem er wegen Herausgabe des„Demokratischen Soldatenliedes"(„Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne") unter Anklage des Hochverraths eine achtwöchentliche strenge Untersuchungshaft im Bezirksgericht Zwickau erlitten, dieser Tage seiner Haft auf Handgelöbniß entlassen worden. Die Nationalliberalen hatten gehofft, er werde mindestens,„ohne langen Prozeß" erschossen. Es geht ihnen alles Das viel zu langsam. Da ihnen übrigens das demokratische Soldatenlied so viel Kopfschmerzen macht, so sollen sie demnächst ein nn demokratisches von uns gewidmet erhalten, mit dem sie gewiß zufrieden sein werden. Das„Leipziger Tageblatt" mockirt sich darüber und druckt es mit gesperrter Schrift, daß Parteigenosse Julius Vahl- teich, der gegenwärtige Redakteur des Crimmitschauer„Bür- ger- und Bauernsreund", ein Schuhmach er sei! Ja und kein schlechter. Tagtäglich versohlt er die Nationalliberalen in dem genannten Blatt gehörig und trifft auch stets den „Nagel auf den Kopf." Wenn das„Tageblatt" seine redaktio- nellen Leistungen auch nur imGeringsten bemängeln könnte, so würde es dies nicht unterlassen. Es wirft ihm also ledig- lich seinen früheren Stand vor! Herr Hüttner mag sich von Herrn Gottschall belehren lassen, daß dies heutzutage gar nicht mehr zeitgemäß ist, nachdem hintereinander ein Zimmer- mann und ein Schneider an der Spitze des größten Freistaats der Welt gestanden haben. Uebrigens sollte Herr Hüttner ge- rade Bedenken tragen, ein Mißtrauen gegen die Geschicklichkeit oder Tüchtigkeit anderer Redakteure erregeu zu wollen, nachdem sein Blatt in einer Weise redigirt ist, daß man ohne Risiko die ganze deutsche Kaiserverfassung als Prämie aussetzen könnte, um einen Schuster in Leipzig ausfindig zu mache», der es nicht ebensogut oder noch besser zu redigiren wüßte. Als Ein Beleg— wir können mit vielen dienen— sei erwähnt, daß dem„Tageblatt" die berühmte Seideuweber- Vorstadt Lyons, Croix Rousse, ganz unbekannt war, als vor einigen Wochen die Ermordung des Obersten Arnaulds gemel- det wurde. In Folge dieser paradiesischen Unbekanntschaft mit der„erbfcindlichen" Geographie meldete das„Tageblatt"(vom 25. Dezember 1870) frischweg:„Gestern wurde zu Lyon der(!) Bataillonschef der Nationalgarde, Croix Roune, ein anerkannter Republikaner, von Personen u. s. w. erschossen—" Also die Lyoner Nationalgarde hat Einen Bataillonschef. Dieser heißt- Croix Roune, ist ein anerkannter Republikaner, und wurde erschossen! Armer Croix Roune! Eine Berichtigung dieses Blödsinns hat Herr Hüttner, selbst, als der'Raine Arnauld bekannt wurde und sogar in sein Blatt überging, für unnöthig gehalten. Er hält ssein Publikum für so dumm, daß er nicht einmal ein Gedächtniß von zwei Tagen bei ihm voraussetzt. Herrn Bebel, Vertreter des 17. Wahlbezirks, in Leipzig. Wir fühlen uns bewogen, unserem Vertreter Herrn Bebel für seine Haltung im Reichstag unseren Dank auszusprechen. Wir fühlen uns mit Ihnen, hochgeachteter Mann, einig in den Bestrebungen und Zielen, die sich die gesammte Sozialdemokratie gestellt hat, und mit freudiger Genugthuung hat es uns erfüllt, daß Sie in der letzten Reichstagssesston das Banner hochgehal- ten haben.„Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte!" Ernstthal, den 6. Januar 1871. Ter Arbeiterbilduugsvcreiu. Im Auftr.: H. Wilhelm. AuS Amerika. New-Jork, 11. Dezember 1870. Die Bergleute in einigen Distrikten der Kohlenregiouen Pennsylvaniens sind zum Ausstand getrieben worden und Tausende sinv daher ohne Arbeit. Einige Gesellschaften, aus wenigen ungeheuer reichen Kapitalisten gebildet, besitzen den größten Theil der Kohlenminen, aus denen der industrielle Osten seinen ungeheuren Bedarf an Kohlen bezieht. Dieselben Gesellschaften— unter anderen Namen— besitzen und beherrschen die Transportmittel, die nach und von den Kohlen- minen führenden Kanäle und Eisenbahnen. Damit also be- herrschen sie vollständig den Markt und gebieten unumschränkt über die Existenz von vielen tausend Familien. Was aus den Letzteren wird, kümmert die noble Bourgeoisie natürlich nicht, dagegen kommt diesen gierigen Gelbgeyern Alles an auf den Markt und die Kohlenpreise. Nun haben zwar die Kohlen- dergleute sich verbündet und eine bedeutende, viele tausend Mitglieder zählende Organisation geschaffen, die viel Gutes unter diesen wackern Arbeitern stiftet. Indessen— was bedeuten Taufende von Menschen gegen Hunderttausende von Dollars? Die Menschen können jederzeit ersetzt werden, Europa und China schicken die Arbeiter zu Millionen, wenn man sie nur haben will, sogar ohne daß man sie will. Aber die Dollars, die Zinsen, Interessen, Dividenden w.— das ist der wahre Jakob— und mit Leichtigkeit besiegt der Dollar den Menschen. Hier ist das Verfahren: Die großen Kompagnien verbünden sich, zahlen anscheinend gute Preise(so daß die kleinen Kompagnie» schließen müssen), sammeln bedeutende Vorräthe, werfen sie auf den Markt, bringen dadurch die Preise zum Sinken, erklären dann den Arbeitslohn für zu hoch, kündigen großen Abzug an und— schließen die Minen, wenn die Arbeiter dann ausstehen. Sie haben ihr Ziel erreicht! Der Preis der Kohlen geht fabelhaft in die Höhe und alle Nieder- lagen und Lager sind überfüllt, so daß sie enorme Gewinnste einstreichen, während die Arbeiter darben mögen und hungern, bis das Elend von Weib und Kindern sie wieder in das Joch der Ausbeuter treibt. So geht es fast alle Jahre und so ist es auch dieses Mal geschehen.— Auch in der Stadt New-Aork spielt sich eben so ein kleiner Krieg ab. Die Herren Schuh- fabrikanten und Meister benutzen den flauen Geschäftsgang, um ihren Untergebenen den Brodkorb höher zu hängen. Doch Diese, als„Crispiner" vortrefflich geschult und disziplinirt, nehmen den Handschuh auf und machen sich kampfbereit. Ver- Handlungen zwischen den Arbeitgebern und den Rittern des heiligen Crispin(K. O. S. C.)— Knights of St. Crispin— sind diese ganze Woche im Gange, und nach den letzten Be- richten scheint die Sache für die Letztern, die Arbeiter, günstig zu stehen. Auch das letzte Arbeiterblättchen deutscher Sprache in den Vereinigten Staaten, die„Arbeiterzeitung" in Philadelphia, wird diese oder nächste Woche zu erscheinen aufhören. Es geht unter weniger aus Mangel an Betheiligung jc.(obwohl die schwach genug), als meiner Meinung nach aus Mangel an Verständniß der Sachlage, der Entwickelung, der auftauchenden Fragen, und vor Allem aus Mangel an Organisation. Hoffentlich wird dem jetzt bald abgeholfen werden, mindestens der Parteibildung großer Vorschub geleistet worden durch die Bildung des Centralkomites der Internationalen Arbeiter- Assoziation für die Bereinigten Staaten und durch jetzt stark geförderte Inangriffnahme der Gründung und Erhaltung eines entschiedenen Parteiorgans, aus dessen Programm ich in meiner letzten Korrespondenz verschiedene Auszüge mitgetheilt habe. Der Ausschuß verschiedener Vereine für Abhaltung der so trefflich verlaufenen großen Massenversammlung gegen den Krieg hat sich gestern Abend aufgelöst, nachdem Fürsorge getroffen, daß Beschlüsse und Berichte an fast sämmtliche Ab- geordneteukammern wie auch an das-- germanische Museum in Nürnberg(!) gesandt worden und werden. Eine weitere außerordentlich günstige Folge der Arbeiten dieses Ausschusses ist ausgebreitete Besprechung der Grundsätze und Organisation der Internationalen Arbeiter-Assoziation und die in Aussicht gestellte Bildung von englisch redenden Seetionen derselben. Am Montag den 5. Dezember wurde der Kongreß der Vereinigten Staaten eröffnet und die übliche Botschaft des Präsidenten eingesandt und verlesen. Diese Schrift ist so dürr und uninteressant, ausgenommen wo der Pferdefuß des Re- Präsentanten der amerikanischen Bourgeoisie hervorguckt, daß sie dasselbe Urtheil verdien, welches neulich die New-�otker Tribüne über die kgl. preußische Thronrede fällte. Das wich- tigste Thema, die Zoll- und Steuerfrage, umgeht der Präsident in seiner Botschaft mit wenigen zweideutigen Worten und macht nur einen übel angebrachten Ausfall dabei gegen die sogenannten„Revenue Reformers", eine Clique in der repu- blikanischen Partei, die unter dein Deckmantel der„Reform" diese nichtswürdig korrupte Partei vor dem gänzlichen Unter- gang bewahren will. Unter ihnen befindet sich unser„be- rühmter" Landsmann C. Schurz,*) der derohalber mit Sr. Excellenz, Herrn Graut, zerfallen, was zu einer großen Staats- angelegenheit gemacht wird. Da es die Bourgeoisie kennzeichnet, sei an dieser Stelle mit erwähnt, daß ebenfalls großes Auf- sehen in den bürgerlichen Kreisen verursacht wurde durch Ver- öffentlichung eines Schreibens, welches Admiral Porter(äugen- blicklich der höchste Flottenbefehlshaber) im Januar 1865 an den Marineminister Weller gerichtet hatte und worin er den General Grant(jetzigen Präsidenten) sehr scharf kritisirt und derbe Wahrheiten über seine Herrschsucht und Eigenliebe aus- spricht. Der Herr Admiral war zerschmettert ob des Er- scheinens seines Briefes in den Zeitungen und--- schrieb einen demüthigen, hündisch kriechenden Entschuldigungsbrief an den Präsidenten.— Das ekelt Einen förmlich an! Aber, Sie werden sagen, tout comme chez vous!**)— Da die republikanische Partei im Absterben ist, fängt sie an, auf die Niedern Leidenschaften, auf die Brutalität zu spekuliren. Darum macht der Präsident in seiner Botschaft eine Faust gegen England und Kanada und dringt auf's'Reue auf Bestätigung des infamen Schwindels mit dem Ankauf von St. Domingo, der in letzter Kongreßsitzung besonders von Schurz und Sumner aufgedeckt und vom Kongreß verworfen wurde, wobei die klein- lichsten Jntriguen des Präsidenten Grant an den Tag gelegt wurden. Die Bestie! die Bestie! Die vom 48er-Demokraten Held redigirte Berliner „Staatsbürgerzeitung" schreibt: Wir müssen bekennen, daß auch die deutschen Heerführer nicht frei sind von der Verschuldung an dem wahnsinnigen Widerstande der Fran- rasen, und zwar aus dem Grunde, weil sie den jetzigen Krieg— gleich- jam als hauen sie es noch mit einem militärischen Feinde zu thunl— »ach den völterrcchtlich-mililärischen Grundsätzen führen, die gegnerischer- seiis nicht beobachtet werden, und weil sie demzufolge gegen die Fran- zoscn eine unangemessene Humanität und Großmuth üben.— Die gegen uns jetzt die Waffen führenden Franzosen sind wilde Bestien— und wir betämpfen sie, wie die Armee einer civilisirten NationI Die deutsche Kriegführung hätte unsrcr Ansicht nach die Pflicht, durch ga»z Frankreich eine Protlamation zu erlassen, der zufolge Jeder- mann, welcher den deutschen Truppen bewaffnet entgegentritt,— gleich-' viel ob unter dem Namen von Mvbilgarden, Nati onal- garden, Franctireurs oder sonst einer eben so willkürliche» Bezeich- nungl— sobald er gefangen genommen ist, unnachsichtlich erschossen wird, und sollten diese Füsiliaden auch zu Hunderten oder Tausenden auf einem Fleck stattfinden müssen.„Man hat ein unbedingtes Recht, sie als eine Mörderbrut durch alle nur möglichen Mittel zu vernichten!" Das„Leipziger Tageblatt", Orga" für Schweinsknöchel mit Sauerkraut und Amtsblatt des Stadtr.rths und Bezirks- gerichts, beschwert sich über die-Freiheiten, welche die gefange- neu französischen Offiziere genießen und sagt:„So gerne wir der Humanität das Wort reden, wo sie am Platze ist, so will es uns doch bedünke», als habe man ihr hier mindestens nicht eine solche Ausdehnung zu geben."—'Will man nun wissen, wo das„Tageblatt" eigentlich die Humanität„am Platze" hält, so lese man in einer der letzten Nummern den Artikel, welcher um Beiträge zu Weihnachtsstollen für unsere Armee vor Paris ersucht. Es heißt daselbst: „Hurrah, Germania! Franzosen da, Franzosen!— Jagdhunde herbei! Schnell, schnell auf die Hätz!—" Verfolget sie! Fangt sie! Tödtet sie! Hänget sie! Spießet sie! Und eine solche Bande wagt es.�den Sozialismus als „kulturfeindlich" zu verschreien und den Sozial- Demokraten zu- zurufen:„Entfesselt die Bestie nicht!" Hat sich was mit Eurer Kultur! Wir werden aber einst daran erinnern, wer es ist, der das bestialische Element im Volke entfesselt. •) Freund und Gesinnungsgenosse Kinkel'S, gleich diesem Speichellecker Bismarck's. *•) Ganz wie bei unS! Internationale Gewerkschaft der Hotzarbeitcr. Harburg, 6. Januar. Unter heutigem Datum sind an alle Bevollmächtigten resp. Kassirer die neuen Abrechnungsformulare ab- gesandt. Ich bitte dieselben möglichst sorgfältig ausgefertigt ein- zusenden. Insbesondere werden bei dieser Gelegenheit die Orte aufgefordert, ein Lebenszeichen von sich zu geben, die mit der Einsendung der For- vlulare länger schon im Rückstände sind und auch briefliche Anfragen unbeachtet gelassen haben. Da nunmehr neue Quittungsbücher mit etwas verändertem Titelblatt in Umlauf gesetzt worden, so werden den Bevollmächtigten für die am Ort befindlichen Bücher neue gleichlautend« Titelblätter mit fortlausender Nummer versehen zugesandt werden. Uin nun in dieser neuen Einrichtung von vornherein die größte Ord- nung zu erzielen, bitten wir aus den Abrechnungen zu bemerken, wie viele neue Titelblätter für die betreffenden Orte gebraucht werden. 1) für Bücher der Mitglieder, 2) für Bücher, die noch am Ort- sind. Selbstverständlich werden nur die Orte solche Blätter erhalten können, die die fällige Abrechnung einsenden.— Herr Huschke, Ortskassircr in Dresden, beschwert sich Namens mehrerer reisender Mitglieder, daß dieselben weder in Mainz, noch in Wiesbaden das Reisegeld ausbe- zahlt erhalten haben, wir bitten deshalb die Mitglieder dieser Orte um Auskunft darüber.— In Stade, Erfurt uud Luzern sind Arbeiter aus anderen Gewerken unfern Mitgliedschaften beigetreten, was hierdurch wegen Auszahlung des Reisegeldes zur KennMißnahme der Bevoll- inächtigten gebracht wird. Dle Adresse des Bevollmächtigten für Erfurt ist: Eduard Fritz, Tischler, Neuegasse 5; sür Luzern: Carl Marwedel, Oberngrund 488, und der Verkehr sür Durchreisende im Deutschen Verein, Gastwirth- schaff zum Rathhaus. Die Mitgliedschaften Gießen und Schweidnitz haben ihre Auflösung angezeigt, doch hoffen dieselben nach Beendigung des Krieges wieder in Thätigkeil zu treten. Auch an anderen Ortet: macht sich der leidige Kriegszustand in nachiheiligster Weise fühlbar. Nicht allein daß ein großer Theil der Mitglieder zum Militär einberufen, andere wegen Arbeitslosigkeit anderweilig Unterkommen suchen mußten, mehr noch als dies schädigt der Kriegszustand, der wie ein Alp aus jeder fried- lichen Thätigkelt lastet, grade unsere Organisation, die zur gedeihlichen Entwickelung nur im Frieden kommen kann. Um so mehr ist es unsere Pflicht, zu schaffen an diesem Werke des Friedens, trotz der Kriegssurie, die es zu verschlingen droht, trotz der uns umrauschenden Siegessansarcn und schier zu Boden drückenden nationalen Glorie, festzuhalten an unserm Prinzip uud unserem Bruderbund, durch welche allein wir als die Pioniere der Alles schaffenden Arbeit, eines Alle umschließenden Friedens und einer AlleS durch- dringenden Humanität, Bahn brechen werden dem welterlösenden Geiste der Freiheit, Brüderlichkeit und Solidarität für die Arbeiter aller Länder, die Armen und Elenden aller Nationen, die Unterdrücklen und Enterbte» auf beiden Hemisphären. Gewerks- und Parteigenossen, vereint vorwärts! Die Zukunft gehört uns doch! Für den Ausschuß: Th. Ljorck. Internationale Gewerksgenossenschast der Schuhmacher und verwandten Gewerkt. Leipzig. Nachträglich sür das letzte Quartal find noch an Geld eingegangen: Lohr 2 Thlr., Leipzig 3 Thlr. 1 Pf. Zu gleicher Zeit muß ich die Herrn Bevollmächtigten bitten, nicht so sparsam und zurückhaltend mit der Korrespondenz zu sein, denn cS habe» schon mehrere Genossenschasten seil 4—6 Woche» Briefe von mir erhalte», aber in diesem Zeitraum noch nicht geantwortet. Es wird nicht zu vicl verlangt sein, in dieser Zeit einmal über Gang und Stand der Verhältnisse Nachricht zu geben. Die Herrn Beamten müssen stets sür eine regelmäßige Verbindung Sorge tragen, was Pflicht und Schuldigkeil gegen Genossenschaft und Verwaliungsralh ist, und bei festem Wille», Geist und Trieb sür die Sache wird einmal zu schreiben nicht schwer fallen, damit das Geschaffene und in's Leben Gerufene nicht wieder zu Grunde gehe. Auch wünschen wir allen Genossenschaften zum neuen Jahr ein stetes Wachsen uud Zunehmen an Mitgliederzahl Hätten wir die Macht, wie wir de» Willen haben, so bescheerlen wir jedem noch nicht für unsre Sache eingenomnienen und begeisterten Kollegen die nöthige Einsicht, daß BelHeiligmig an der Genossenschaft zu seinem Wohl uud Besten führt, daß die Geister aufgerüttelt und die Ideen des FouschritlS. und der Einigkeit wachgerufen werden. Wir wollen wünschen und hoffen, daß unsre Genossenschasten sich steten Wachsihums und Gedeihens erfreuen, und daß jeder Einzelne! feine Pflicht und Schuldigkeit unverdrossen mit Murh und Eiser thue, daß nie Zwietracht und Haß unter uns eintreten möge und Jeder sich verpflichte, für das Gute, Beste und Beriiünftigste zu sorgen und zu streben. Das wünschen wir zum neuen Jahr. Für die Verwaltung: Aug. Schäfer. Allgemeiner Deutscher Schneiderverein. An die Mitglieder und Gewerksgenoijeu fchasleu! Kollegen! Schon seit längerer Zeit befindet sich die Frau unseres j Mitglieds Georg Henckel krank, seit zwei Monaten sogar schwer krank. Nun sind zwei Kinder da, von denen das älteste vier Jahre, daS> jüngste aber erst dreiviertel Jahre alt ist, der Mann aber ist seit An- j fang des Krieges zur Fahne einberufen; die arme Frau hatte sich die erste Zeit schon kärglich durchgebrachl, in letzter Zeil ist sie es nicht! mehr im Stande. Kollegen! Es ist unsere Mitgliedschaft hier sehr geschwächt, Viele sind zur Fahne einberufen, auch unser Bevollmächtigter Herr Böbber. Unser treuer Kassirer M. Wiertz ist fast seit einem halben Jahr krank, gegenwärtig zur Besserung; auch unser Schrift-! sührer Hr. Kemler ist seit zwei Monaten krank, so daß wir gar nicht im Stande waren, bei dieser Zeil Versammlungen abzuhalten, uud kamen nur privatim zusammen. Da deßhalb unsere Hülse nicht hin- reichend ist für die Frau Henckel, so richten wir die Bitte an Euch, die Frau nach Kräften unlerstützen zu wollen. ES ist freilich eine traurige i Zeit, aber, Kollegen, Viele können Einem helfen, denn die Roth ist• groß bei der Frau. Wir rechnen aus Eure Hülfe. Gelder wolle man senden an Gerharth Kersken, pr. Adresse Hrn.> Gustav Blanckenhagen, Salomonsgasse 14 u. 16. Im Vereins-Organ wird Rechnung abgelegt.__ Eöln, 2. Januar 1870. Für die Familie» der Jnhafftrte». Geib, Hamburg 2 Thlr. München, Ertrag einer Christbaum-: Versteigerung 5 Thlr. 21 Gr. 4 Pf. Durch Lorenz Stuttgart: 5 fl., gesammelt bei der Christbescheerung der Schuhmachergenossenschaft, 2 fl. von Mitgliedern des Stuttgarter Grütlivereins und 37 fl. gesammelt! von Gesinnungsgenossen, zusammen 44 fl.— 25 Thlr. 4'/» Ngr. j H. B. Berlin 1 Thlr. M. D. Nürnberg 5 Thlr._._ An die Parteigenossen. I Für den„Volksstaat" sind ferner eingegangen: Verein Bamberg, 4 Thlr. H. V. Berlin 1 Thlr. Erhalten durch F. A. Sorge, New-Uork, fünfzig(50) Thaler in Beiträgen(amerrkanisches Geld) wie folgt: Für den„Volksstaar" auS New-Aork von H. 5 Doll., Schn. 75 Cts., A. 25 Cts.; für die Parteikasse aus New-Jork von E. Gr. 1 Doll., Frau L....... U 5 Doll., aus Pittsburgh von I. L. 15 Doll., M. L. 5 Doll., Mzh. 5 Doll. und H. M. 5 Doll. Summa 42 Dollars._ Briefkasten. Oehme in Breslau: Ihre 1 Thlr. 16'/, Gr. schon in Nr. 1 quittirt.— Paulus in Mainz: Für Abonnement 18 fl. 23 kr. er-• hallen.— L. in Stuttgart: Die 7 fl. dem Vorstand der hiesigen'! Schuhmachergcnossenschast übergeben.— H. V.: B. ist in Vesoul.—! Tübingen: Artikel kommt demnächst zum Abdruck. Kaiserlied un- druckbar.— Mylau und Breslau: Ausgebliebene Nummern könneu nur auf der dortigen Post reklamirl werden. Hier lieg) die Schuld nicht.— A B: Angekommen.- Herrn Horch, Tapezierer, Altenh-,> Eoblenz: Die Zusendung betrug 15 Sgr. S. in L.— Deutscher Ver- ein, Chur: Ist das Verlangte richtig angekommen k S. in L. Jür Leipiig. Sozialdemokratischer Arbeiterverein. Donnerstag, den 12. Januar, Abends 8 Uhr: Versammlung im„Pantheon". Tagesordnung: Sozialpolitischer Wochenbericht.(Ref. Ullrich). Gäste sind willkommen. Leipzig: Verantw. Redukleur in Vertretung: Carl Hirsch(Redaktion: Emilienstr. 2.) Druck u Verlag: F Thiele.(Expedition: Peterfit. 18.)