M 6. Mittwoch, teil 18. Januar. 1871. Vhrfdjeint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Lestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- landes an. Kür Leipzig nehmen Bestellungen an i A. Bebel. PeterSstraße 18. F.Thiele, Emilienstraße 2, Der BolMtM AbonnementSpreiS Für Preußen iml. Stempel- steuer 1KNgr.,fllr die übrigen deutschen«lasten 12 Ngr. per Quartal. Agent für London A. Duensing, ITomgu Bookseiler, Libra- riau and Newsagent, 8, Little Newport Street, Lei- eester Square, W. C. §ilialerpedition für die Verein taaten: N.�.Sorge, Bor 1l>1 llodoken N.d. viaNew�ork Organ der soiial-demokratil'chen Arbeiterpartei und der Internatioimlen Gewerksgenossenschasten. Politisch«»cbcrsicht. Die„Freundschaft" zwischen Bismarck und Beust trägt bereits ihre Früchte. Man erinnert sich, daß Bismarck im vorigen Jahre die Jesuiten gegen Angriffe in Schutz nahm und als ein„staatsbildendes und staatserhaltendes Element" pries. Ebenso hat Beust unlängst über die seitens der östrei- chlschen Liberalen gegen die Kirche gerichteten Angriffe sein Bedauern ausgesprochen. Nun schlagen beide für den Je- suilismus entstammte Herzen in eine einzige edle Lohe zusam- men. Beide Minister haben sich in Florenz für die Rechte des Papstes und der Kirche verwendet! Es wäre in der That ein würdiger Abschluß der neuen heiligen Allianz und eine würdige„Krönung des Gebäudes", wenn das neue heilige Deutsche Reich, versöhnt und vereint mit den Habsburgern, unter der„weißen Binde" einen Feldzng nach Rom unter- nähme, um den Papst wieder in seine Macht einzusetzen, die „ketzerischen" Italiener zu demüthigen und den Segen des hei- ligen Baters entgegenzunehmen! Warum auch nicht? Louis Napoleon, das Vorbild Bismarck's, hat ja ebenfalls dem Papst gegen die rebellischen Römer beigestanden um dann mit Hilfe der dankbaren Klerisei sein Kaiserthum in Frankreich zu errichten. Die Jesuiten als Festpriester der deutschen Einheit! Ob sich das wohl in den Sechziger Jahren die Turner, Sänger und Schützen haben träumen lassen? Freilich ist auch diese Einheit darnach. Sie ist vorhan- den für alle Maßregeln der„Ordnung", der„strammen Zucht" und der„frommen Sitte"; aber wo es sich um das Volk handelt und um seine Interessen, wo es sich um die wahre Ordnung, um einen geordneten Staatshaushalt und eine sichere Kontrole handelt, da finden wir statt der gepriesenen Einheit — um von der Freiheit ganz zu schweigen— die allerschönste Buiideslags-Konfusion. Ein Beispiel: Aus Berlin schreibt man der„Frankfurter Zeitung": „Das Herzogthum Lauen bürg ist für die 21� Mill. Thaler mitverhaftet, welche Preußen für den Antheil der jabgetretenen deutschen Lande von der dänischen Schuld übernommen hat. Schon seit 21/» Jahren hat das preußische Abgeordnetenhaus auf die Geltendmachung der daraus erwachsenden Ansprüche gegen Lauenburg gedrungen. Von dem Augcublick an, wo Lauenburg seinen Antheil für Verzinsung und Tilgung tragen müßte, würde es freilich zahlungsunfähig werden, so- gar außer Stande sein, die 4000 Thaler Gehalt, welche Gras Bismarck als lauenburg'scher Minister empfängt, auszuzahlen. Der lauen- b urg'sche Bismarck hat es demnach vorgezogen, sich von dem preu- ßischen Bismarck wegen Zahlung iener Zinsen und Tilgungsfonds von Preußen verklagen zu lassen. Vor welchem Gericht kann nun aber eine solche ätlage angenommen werden? Gin langwieriger Notenwech- sel zwischen dem lauenburg'schen und preußischen Schubsache im Schreibpult des Grafen Bismarck hat zur Anerkennung des hiesigen Oberappellationsgerichts als Schiedsgericht in dieser Streitfrage geführt. Nachdem auch alle sonstigen Vorfragen aus demselben diplomatischen Wege gütlich erldige worden sind, hat jetzt der Justizrath Dorn hier- selbst von dem preußischen Bismarck, den Austrag erhalten, gegen den lauenburg'schen Bismarck ohne Ansehe» der Person nach allen Regeln der juristischen Kunst gerichtlich vorzugehen. Vielleicht nimmt unser Braun, welcher in seineu Bildern aus den deutschen Kleinstaaten so ergötzlich die Doppelnatur eines vormals nassauischen Justiz- und Ver- waltungsbeamten geschildert hat, Veranlassung, bei Veranstaltung einer neuen Auflage seines Werks auch von dem obeu geschilderten Verhält- niß Kenntniß zu nehmen." Die zweite Frucht der preußisch-östreichischen Zärtlichkeit ist eine von Beust" nicht etwa vertraulicherweise, sondern offiziell (aintlichi unternommene Friedensvermittlung. Natür- lich auf Wunsch und Bestellung Bismarck's. Dies geht schon daraus hervor, daß seine Offiziösen gegen die Friedens- vorschlage sich spröde stellen. Nach Beust's Borschlag soll Frankreich 4000 Millionen Franken(1000 Millionen Thaler), 20 Panzerschiffe und einen Greuzstrich von 4 Meilen Breite) hergeben. Die genannte Summe ist etwa der dritte Theil von Dem, was Frankreich im September freiwillig angeboten hat! Mithin würde die von uns stets bekämpfte Fortsetzung des Krieges, abgesehen von den seit- herigen Berlusten Deutschlands an Geld und Menschenleben, 7— 8000 Millionen Franken kosten. Deutschland mag sich Das von Denen, die auf der Fortführung des Krieges nach Sedan bestanden und dieselbe erbettelt haben, bezahlen lassen. Was aber den geforderten Grenzstrich betrifft, so erinnerte uns„Mutter Germania" in diesem Falle unwillkürlich an die unnatürliche Mutter im llrtheil Salomo's. Ganz kann sie Elsaß und Lothringen nicht erhalten, darum sollen beide jkrrissen werden. Eine liebevolle Mutter! Oestreich ist übrigens ein verhängnißvoller Bundesgenosse. Dieser Staat(auch„Kaiserreich") wird von Tag zu Tag unfähiger, auswärtige Politik zu treiben, d. h. sich seiner Haut zu wehren. Die Momente, in denen es dies noch thun konnte, sind verpaßt und kehren nicht wieder. Schon geht das Gerücht, es werde in einigen Monaten seine eigenen Banknoten nicht mehr für voll in Zahlung nehmen, d. h. es werde sich für bankrott erklären. In Paris ist dem Obergeneral Trochu infolge der Agi- tation der Sozialisten ein Bertheidigungsausschuß zur Seite gesetzt worden, der seine Führung überwachen und ihn zu ener- g'scherem Vorgehen antreiben soll. Außerdem hat die Barri- kadenkommission erklärt, die innere Stadt unter allen Um- ständen mit den Waffen vertheidigen zu wollen. Trochu seinerseits versprach ebenfalls eine energische und ausdauernde Fortsetzung des Widerstandes. Man behauptet, die Brot- und Weinvorräthe von Paris reichten bis zum April. Die Wirkung des Bombardements auf einige Vorstädte von Paris'ist:„verhältnißmäßig gering." Im Kampfe gegen die Westarmee sind, wie sich ein Telegramm in herrlichem Deutsch ausdrückt, 16,000„Gefan- gene, darunter viele Offiziere, gemacht worden." Die Nordarmee zieht hinter den starken Festungen des Nordens neue Verstärkungen an sich. Dagegen in den V ogesen haben die republikanischen Truppen erhebliche Vorthelle errungen. Vesoul soll geräumt sein. Ein Feldpostbrief schildert in der„Köln. Ztg." die Er- lebnisse des 1. Bataillons des 33. ostpreußischen Fllsilierregi- ments im Gefechte bei Bapaume. Das mit 590 Köpfen in das Gefecht gerückte Bataillon zählte nach dem Gefechte: 3Offi- ziere, 3 Feldwebel, 21 Unteroffiziere und 323 Mann, alles Uebrige todt, verwundet oder vermißt. Unter solchen Verhältnissen verdienen die offiziösen Zei- tungen ausnahmsweise einmal Glauben, wenn sie melden, der deutsche Kaiser habe auf den festlichen Einzug in Paris völlig Verzicht geleistet, und wolle sofort, nachdem die Kapitulation der Stadt erzielt sei, nach Berlin zurückkehren. Warum dies aber dann nicht eben so gut schon vor der Ka- pitulation geschehen, warum es nicht schon nach Sedan ge- schehen ist, und warum die Wohlthat der Rückkehr nicht auch allen andern Landwehrpflichtigen des ersten und zweiten Auf- gebots zu Gute kommen soll, können wir nicht einsehen. Noch weniger können wir einsehen, warum dann immer neue Truppensendungen in den Tod getrieben werden. Mögen doch endlich die Biedermänner hinauseilen ins„Feld der Ehre", die die Verantwortlichkeit für den Krieg gegen„die Lumpen- republik" auf ihre Schultern genommen haben, hinaus nach Frankreich die„Gut- und Blut"- Verschreiber vom September vorigen Jahres. Ist ihr„Gut" ihnen vielleicht kostbarer, als dem armen, von den Seinen gerissenen Ernährer seine armselige Habe? Wir dächten doch, dem armen Hirten sei sein Schäflein ebenso lieb, als dem großen seine Heerde. Oder ist ihr Blut etwa mehr werth? Fast sollte man es denken. Aber das ist kein stichhaltiger Einwand; ob viel, ob wenig, ob keinen Schuß Pulver werth, sie haben es heilig versprochen und verschrieben, und sie sollten nicht die freche Sttrne haben, in einer Wahlversamm- lung zu erscheinen, um aufs Neue das Volk zu beschwatzen und es an das namenlose Unglück, in das sie es gestürzt haben, vergessen zu machen. Sticht in den Wahlversammlungen ist ihr Platz, sondern draußen in den Ardennen und Vogesen. Hinaus! Welche Bestialität der Krieg im Staate der Intelligenz erzeugt, sieht irn.n aus folgendem, wortgetreu der„Berliner Volkszeitung" entnommenen Feldpostbriefe: „Chaumont, 27. Dezember 1870. „Du wirst Dich wundern, daß ich schon wieder schreibe; wir sind gestern wieder von Räuberjagd gekommen, da wir ein Dorf in Brand flecke» mußten, wo die Franktireurs drinnen waren, die mußten alle verbren n neu, denn unser Hauptmann sagte: er wolle keine Gefangene sehen; wir mußten gleich alles schlachten! Denn sie haben einen Eisenbahnzug. der mit 72 Militärs besetzt war, aus die Schienen gebracht; sie glaubten nicht, daß er besetzt wäre und wollten den Zug plündern, es ist ihr aber sauer aufgestoßen, denn so wie der "ug kippte, sprang alles raus; es wurden nur 3 Schassnern bei dieser ielegcnheit verwundet, aber 6 Mann von unsere braven Füsilier haben sie die Hälse abgeschnitten. Eine Patrouille benachrichtete uns solches in Ehaumont von wo wir grimmig wie die Löwen auszogen.— Es ging nach die Bahn, und in den Zug alles in einem Atem, fanden aber keinen von die Hunde sie hatten sich schon alle au« dem Staube gemacht. Nu» wurde große Jagd gemacht, wobei wir nachts 12 Uhr an ei» Dorf kamen, wo wir sogleich einen Schuß bekamen; und der Hauptmann sagt a. h.(soll heißen: Aha!) hier sind die Hunde, und wir schlichen uns nun an die Häuser, brachten 3 davon im Brande, welche nun alle mit Posten besetzt, die alles er;choßen was aus die Häuser kam. Es sind viele erschossen, und können auch in den 3 brennenden Häuser noch viele verbrannt sein. Diese Arbeit dauerte bis zum Morgen: da sagte der Hauptmann: nun Kinder mäßen wir was zu Essen haben; und der Mehre(soll heißen: Maire) von das Dorf kam und bat den Hauptmann, daß man doch nichts mehr ab- brennen mögte, weil die Bauern nicht Schuld daran sind; denn die Franktireurs sagten als sie kamen: sie würden alles abbrennen, wenn sie nicht alles bekämen. Doch der Hauptmann bestand daraus, daß sie zur Strafe doch für 190 Mann Suppe, Brod und Wein hergeben müßten! Der Mehre voller Freuden sagte: Wui, wui, Musche! und in einer Stunde war alles fertig; und wir wurden nun reingezogen zum Frühstück; doch konnten wir den Frieden noch nicht trauen, und sowie wir gegessen halten, ging ein Zug auf Patrouille, und die an- deren mußten nun das Dorf ordentlich durchsuchen; aber man fand nur Kerle mit blaue Blusen, aber unter diese ein kurzes Chaspot. Diese Arbeiter haben wir uns denn alle gekost. In einen Quartier kamen wir, und fanden daselbst einen solchen Hund in einen Kleider- schrank, wo er sich mit seiner Flinte in einen Winkel drückte; aber er bekam das Bajonet in den Leib so lang es war.— Auf diese Weise kamen sehr viele um; und so wird man hier um sein eigenes Leben zu sichern, zu Morden und Brennen gezwungen." Soldatenlektüre: Die„Zukunft" schreibt: Eine ge- rechte Eifersucht, die wir bisher gegen die„Volkszeitung empfan- den, ist gestillt: auch der„Zukunft" ist nun ihre Barackenfähig- keit abgesprochen, die Lektüre derselben in den Lazarethen zu Hannover verboten worden. Ob das Blatt damit für die ge- sammten Kllstenlande als vogelfrei erklärt ist, deß harren wir noch." Die Neujahrskour des„Kaisers" aus Wilhelmshöhe war, allen Berichten nach, glänzend. Großer Empfang, Fest- tafel, Konzert, Korso in von Berlin gesandten Schlitten u. s. w. Auch die höchsten kaiserlichen(preußischen) Be am- ten in Kassel waren in großer Galla ehrfurchtsvoll erschienen. In München beräth der Landtag noch über den An- schluß an das preußische Kaiserlhum. Wie von glaubwürdigen Seiten übereinstimmend versichert wird, ist die nöthige Anzahl Stimmen zur Verwerfung der Verträge in der Abgeordne- tenkammer gesichert. Aus Zürich geht uns eine Broschüre von dem bekannten Stifter und Hohenpriester der„Eogitanlenreligion", Or. Eduard L ö w e n t h a l, zu, in welcher derselbe kein gutes Haar an der Bismarck'schen Politik, wie an der preußischen Regierung läßt und ganzEuropa zum Eintritt in den von ihm gegründeten„Europäischen Unionsverein" auffordert. Hr. Löwenthal erklärt, mit seinem Berein die Beseitigung der Kriege durch Bekämpfung des„Klas- sen- und Rässenstreites" zu erstreben und hat seinen Verein auf folgende Organisation gegründet: „§ 3. Die Leitung des Vereins behält sich der Gründer(Dr. Eduard Löwenthal) für die ersten fünf Jahre seines Bestehens, vom September 69 an gerechnet, vor, desgleichen das Recht, sich Vorstandsmitglieder während dieser Zeit zu kooptiren. „S 4. Mitglied des Vereins kann Jedermann werden, der das 20. Lebensjahr erreicht hat, ohne Unterschied des Geschlechtes. „§ 5. Jedes Mitglied hat jährlich 1 Thlr. an die Kassa des Ver- eines zu entrichten. „s 6. Der Verein hat seinen Sitz am Wohnort des Vorsitzenden, also jetzt in Zürich. Je größer und bemittelter dieser Verein wird, desto rascher nähern wir nns seinem Ziele: der europäischen Föderativ-Republik." Also Diktatur in reinster Form, wie im A. D. A.-V., nur, daß Löwenthal in keiner Beziehung ein Lassalle ist. Wohl aber ein Schweitzer. Warum gründet er etwas Neues, warum schließt er sich nicht dem Internationalen Arbeiterbund, oder wenn ihm dieser zu roth ist, der Fiedens- und Freiheitsliga an? Wenn Hr. Löwenthal dies nicht motiviren kann, so müssen wir annehmen, daß dieser Herr, der schon früher in Berlin und Dresden als preußischer besoldeter Preßagent— wir wissen nicht, ob auch als Polizeiagent— thätig war, entweder aus egoistischen Motiven einen Keil in die Friedens- und Freiheits- bestrebungen treiben will, oder am Ende gar die Rolle eines Spions in Zürich spielt, und die etwaigen oder vermeintlichen Pläne der dortigen Demokraten und Republikaner auszukund- schaften. Auf unseren Thaler kann er nicht rechnen. Die einzigen unabhängigen Staaten der Welt, die einan- der politische und militärische Flüchtlinge jagen helfen und aus- liefern, sind Rußland und Preußen. Preußen veranstaltet Treibjagden auf russische Rekruten nnd Polenflllchllinge, Ruß- land thut augenblicklich deßgleichen mit einigen französischen Ge- fangenen, um den Vasallendienst einigermassen zu lohnen. Und bei einer solchen europäischen Spürhunds- uud Henkersknecht- Rolle, wie sie Preußen spielt, wagt man mit nationaler Selbst- ständigkeit und Größe um sich zu werfen! General Govone, der italienische Unterhändler bei dem preußischen Bündniß von 1866 mit Italien gegen Deutschland, hat sich in einem Anfall von Wahnsinn zum Fenster hinabge- stürzt und ist gestorben. Und doch hat Italien aus der Saat von 1866 kein 1870 und 71 geerndtet, wie Deutschland. Wenn Bismark, der Unterhändler Wilhelms von Preußen, die Früchte seiner Politik einmal überschaute, wie hoch müßte sich Der wohl hinabzustürzen versucht sein? Die Parteigenossen in allen Orten des 17. und 19. Wahlbezirks werden aufgefordert« WahltomiteeS n bilden, um sofort nach Ausschreibung der Wahlen e ein Bezirkswahlkomttee zu konstttntren. Johann Jacob y hat erklärt, eine Wahl zum Reichstag anzunehmen. Die in Nr. 2 d. Bl. enthaltene Mittheilung über das neueste Muster von Rechtsfindung Seiten des Hrn. Professor Heinze in Leipzig hat am 13. Januar eine neue Kundgebung zur Folge gehabt. Der Hr. Professor theilte nämlich seiner zahlreichen Zuhörerschaft mit, daß über seine Aeußerung ein Artikel im„Volksstaat, Organ der Arbeiterpartei" enthalten sei. Daß die Erwähnung des„Volksstaat" ein Bcifallssuß- scharren der nationalliberal gestimmten Füchse zur Folge hatte, kann nicht Wunder nehmen. Prof. Heinze las nun den Ar- tikel vollständig vor und machte dann seine Bemerkungen darü- der. Diese reduzirlen sich darauf, seine Ansichten seien nicht genau wiedergegeben; er bleibe aber auch heute noch bei seiner früher ausgesprochenen Meinung stehen. Diese wurde nun noch einmal vollständig wiedergegeben, enthielt aber durchaus nichts, was von der im„Bolksstaat" bereits mitgetheilten Ansicht des genannten Professors abwiche. Angenehm ist uns bei dem gan- zen Vorgange nur das Eine, daß die von uns als die Auf- fassung des hausbackenen Menschenverstandes hingestellte An- ficht bei nicht wenigen Studirenden Beifall fand, und daß die demokratische Auffassung der politischen Weltlage auch hier und da in akademischen Kreisen■ schon auf fruchtbaren Boden fällt. Bei der ausgeprägt nationalliberalen Haltung einer großen An- zahl von Professoren und bei dem vollständigen Mangel an demo- kratischem Geiste unter ihnen, wird es freilich noch lange währen, che auf nennenswcrthe Erfolge bei der heranreisenden Gelehrten- weit zu rechnen sein wird. Aus Amerika. New- Uor k. 18. Dezember 1870. Es ist bezeichnend für Präsident Grant und in einem Arbeiterblatte erwähnenswerth, daß derselbe einen entschiedenen To» in seiner Botschaft nur da annimmt, wo er sich in höchst be- stimmter Weise gegen—— direkte Steuern erklärt und dieUeberzeugung ausspricht, daßdasVolk darin mit ihm übereinstimme. Die Botschaft ist so umfangreich, daß sie übersetzt mehr als den ganzen Raum einer vollen Nummer des„Volksstaat" ein- nehmen würde, und diese„Ercellenz" hat darin keinen Platz ge- sunden, für die Grundlage der Gesellschaft, die Arbeit und die Arbeiter! Doch halt! ich irre mich. Als er seinen St. Do- mingo-Schwindel wieder so dringend als möglich dem Kongreß zur Annahme empfiehlt, erwähnt er als einen der Gründe hierfür, daß 100,000 Arbeiter auf der Insel guten Lohn(remunera- tive wages) finden, und von den benachbarten Inseln herbei- strömen würden. Uebrigens kennzeichnet diesen Vertreter der reichen Leute, wie ihn die hiesige„Sun" nennt, dieses Schoßkind der amerikanischen Bourgeoisie, Nichts mehr, als die eben durch die Zeitungen die Runde machende Liste der Verwandten, Schwäger, Vettern und Basen des Präsidenten, welche derselbe in fette Posten gebracht. Noch kein Präsident der Vereinigten Staaten hat es gewagt, so schamlos darin zu verfahren, und täglich kam- men neue Proben dieser Gesinnung ans Tageslicht.— Die neulich erwähnte Ginwanderungs-Konvention fängt an, schon Früchte zu tragen. Der bekannte B. F. Butler, Kongreßab- geordneter für Massachusets, ein geriebener Politiker, der gern mit den Arbeitern etwas schön thut, hat im Kongreß eine Ge- setzvorlage eingebracht, welche bestimmt, daß die(Einwanderung unter direkte Fürsorge der nationalen Regierung gestellt werde, und daß dieselbe alle nöthigen Einrichtungen treffe, besonders nationale(Unions-) Bureaus an Stelle der lokalen(einzel- staatlichen) einsetze. Ich werde seiner Zeit berichten, was da- raus ivird. Der New-Aorker„Tribüne", eins der größten amerikani- schen Blätter und Stock-Bourgeois mit einigen Humanitätsphra- sen im Atunde, hat einen besonderen Berichterstatter in die Kohlenregiouen gesandt, der in seinen Aussehen erregenden Be- richten genau das nachweist, was ich dem„Volksstaat" vor acht Tagen über den Ausstand der Kohlenbergleute schrieb, nämlich, daß Alles zwischen den drei großen Kohlen- Kompagnien abge- kartet sei, und der„Tribüne" seufzt erbärmlich darüber, wie folgt, in einein Leitartikel:„Die eiste und natürlichste Folge des „Ausstands der Pennsylvanier Kohlenbergleute ist die Erhöhung „des Köhlenpreiscs um einen Dollar per Tonne gewesm. Tics „wird den Kohlcu-Uompagnien kaum genügen, und „wir nehmen an, daß sie auf der vorgeschlagenen Lohnherab- „setzung der Kohlenbergleute, welche den Ausstand hervorrief, „beharren werden, bis die unglücklichen Konsumenten „unvernünftige Preise für Kohlen zahlen müssen, und „bis die Berglente dem Hungertode nahe find." Ein hübsches Beispiel für das unveränderliche(inimutable) Gesetz von Angebot und Nacbfrage, und prächtig erläutert von diesem Blatt, dem eifrigsten Kämpen dafür.*)— Der Ausstand der Schuhmacher(Crispiner) in New-Tjork ist noch auf demselben Punkt, wie zuletzt berichtet. Keiner will nachgeben und augenblicklich läßt sich nicht vorausbeftim- nren, wer siegreich aus dem Kamps hervorgehen wird. Die Presse natürlich häuft Beleidigungen und Verdrehungen gegen die Arbeiter.— Unsere Brüder in den östlichen Staaten rüsten sich wieder zu einem Wahlkampf, dieses SDial in Rew-Hampshire. Eine Korrespondenz aus Leipzig in dem„Workingsmen's Advocate" hat Aussehen und unter unseren Parteigenossen viel Freude erregt. — In der„Arbeiter-Union" ist der Prospect des neuen deutschen Arbeiterb latls sehr günstig aufgenommen worden.— In das Central-Comite der Arbciter-Assoziation für Nord-Amerika sind gewählt von der deutschen Section F. A. Sorge, von der czechiswen Wm. Jantus, von der jranzösischen B. Hubert. Das- selbe beginnt seine Arbeiten sofort. Tie parlamentarische Bourgeoisie in TeutschlanV. (Schluß.) Zur Zeit, als Preußen im Genüsse seiner Kriegsersolge gegen Oesterreich und gegen die jetzigen deutschen Luiidesgcnvsseii schwamm, (dem rkt der„Franks. Beobachter� ei» andres Mal) Hai der wohlbekannte UrlypuS der Kicuzzeitungspoliiik, Professor Leo in HÜUe, ein seltsames Wort ausgesprochen, in welchem man schon damals einen Funken prophetischer Nrast erkennen mußte, so barock die Form auch klang. Heinrich Leo sagie, daß Preußens Regierung den„bornirten Pa- triollsmus" pflegen müsse, welcher die Grundlage der Größe Preußens sei, und:„Blut sei der edle Saft," durch welchen die neu- crworoenen Provinzen mit den edlen Stammlanden unauflöslich zu- sammetigekillel werden müßten. Heinrich Leo wünschte einen„frischen, sröhlichen Krieg," je rher, je lieber, damit dieser organische Berbia- dnngsprozeß sich vollziehe und Preußen mit seinen neuen Provinzen die alie lSigemhümlichkeu und— Größe sich bewahre. Wohlan, die Zeit rü gekommen nnd Heinrich Leo's Wünsche sind ersiillt. fciel haben unsere„liberalen" Blätter"und Paiieien in fiil- heren Iahren über den Mann gespottet und sich in ihrer Weisheit hoch erhaben über dem„urweltlichen Flötz" in Halle gefühlt; und siehe da, der Scharsblick des Mannes zeigt sich heute unendlich größer als alle die liberale Spielerei und!.ändelei unserer Forlschrittsmänner von ehedem. Bereits vor euiem Jahre durfte ein Wantrup ihnen sogar höhnisch die Byronvcrse entgegenschleudern: „Sie haben Königsinöldern Ruhm verliehen Und ipater alle Könige gelobt; Sie haben„hoch die Republik" geschriien Und später gegen Republik getobt, Jetzt sind sie streng loyal, doch stets erbötig, Dei, Rock zu wechseln und die Haut, wenn nöthig." 1848 walen ee doch wcitigstens L43 Männer in der Panlskirche, welche gegen den„Grdlaiser" mit Ne nl stimmten,— heule nicht ein- mal ein Dutzend im Reuhslage! Nach dieser Reaktion, welcher die Führer von 48 über uns hereingebracht haben, ist die von der „Kreuzzeilung" avisirte„Umkehr bis vor 1789" vom Standpunkt jenes Blaues aus gar nicht so maßlos. O, über die Helden der Paulskirche, welche jetzt vor des Kaisers Bildiuß Buhe thun für längst verjährte und iheils vergessene republikanische Sünden! Ja, vergessen wollen wir Eure 48er Sünden, weil Ihr nicht anders haitdcln tonntet, als Ihr soeben gehandelt habt, indem erst zctzl in Guch vollständig der Bourgeois hervortritt, der vor 22 Jahren in Delirschland noch nicht in Betracht kam. Damals wäret Ihr„l.beral", sogar„demokratisch", weil Ihr zum Theil des guten Glaubens wäret, Euer politischer„Lideralismus" sei das von plus ultra hÄeußerste) einer Bolksmännischkeil. Heute aber, wo vor das Wort„politisch" das wichtigere„tozial" hinzugetreten ist, kommt der Bourgeo.s, von dem Ihr damals»och gar nichts gewußt habt, in Euch erst zum Bewußtsein! Und als Bourgeois braucht und wünscht Ihr Euch den„Kaiser",— ans keinem anver» Grunde!— Wie die sran- zosische Bourgeoisie von 18bl) sich dem„Kaiser" in die Arme warf, um em Bollwerl gegen den in der Republik wachsenden Sozialismus zu haden, so braucht auch die deutsche sonschriuliche Bourgeoisie von *) Genau derselbe Schwindel, wie in Sachsen, was natürlich die Kohlenalltonäre in deir Leipziger Siadtbehörden nicht zugeben wollen. Wenn man Die höri, beruht die Kohlennoth nur auf der Einbildung der Arm. n. Sie merken wirklich nichts, als das Steigen ihrer Akiien! 1879 einen„Kaiser" gegen den Sozialismus diesseits und jenseits des Rheins. Bon 1379 an— und zwar schon vom Beginn des Krieges an— datirt das eigentliche Sichselbstbewußtwerden der deutschen fort- schritilichen Bourgeoisie. Zum Schutze des„Erbrechts" war der„Erb- seind" hervorgesncht nnd der„Erbkaiser" renovirt. Denn, damit der„Erbfeind" nicht in späteren Jahren Krieg an- sänge, muß der Präsenzstand des Militärs mindestens aus dem Status guo(bisherigen Zustand) erhalten, wenn nicht gar noch erhöht worden, nnd damit Deutschland„stark" sei in der Anwendung dieser Heeres- niassen gegen den„Erbfeind" muß die ganze Macht in die Hand Eines Mensche» gelegt werden, eines„Kaisers". Die Zentralisation der Heeresleitung ist das Hauptmotiv der Kaiserkomödie, letztere das Mittel zur Erreichung des„Einheitstempels", des Heine'schen National- zuchthauses, nach einheitlichem Vereins- und Preßgesetz. So wird der singirte„Erbfeind" vorgeschützt für den wirklichen„Erbfeind"— des Erbrechts. Marx sagt einmal in seinem„18. Brumaire des Louis Bona: parte", daß die französische Republik von 1848, welche ihre Geburls- stunden durch den Belagerungszustand einweihte, die Devise der ersten Revolution„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" parodirl habe in„In- sanlerie, Eavallerie, Artillerie", und wie die Devise der ersten, so habe auch die der zweite» Republik die Runde durch die Welr gemacht. Mich däucht, das Jahr 1879 habe jener Devise der französischen Bourgeois- Republik von 48 eine prägnantere Form gegeben, indem sich fortan Kapitalismus, Militarismus und Absolutismus vereinigen in der neuen Tricolore, der fortschrittlichen deutschen Bourgeoisie, welche ihr zu ihrer Taufe hiermit üderrelchl sei: „Erbrecht!"„Erbfeind!"„Erbkaiser!" Aus Deuijch: Erbsünde! Erbtchande! Erb>chaoe»! A. H. Internationale Gewerksgenosfenschaft der Schuhmacher und verwandten Gewerkt. Stuttgart. Obwohl dle württembergische Demokratie bei der Abgeoidneteutvahl ein« starke Liiederlage erlisten, obwohl die ganze Lourgeoisieun d Presse vor Patriotismus nicht mehr weiß, was sie thun soll, so ist dennoch kein großer Enthusiasmus mehr vorhanden in den Handwerkern und Kleinbürgern bei neuen SiegeSposaunen. Ebenso flau wurde die Kaiserproklamation und der Einlrilt in den Nordbund aufgenommen; denn so sehr sich auch die Presse Mühe gab, in ihrer Aufsorderung, die Stadt zu diesem Feste zu beflaggen, starrten uns nur sehr wenige schwarz-weiß-rothe Fahnen ganz lahm an. Hätten sie lieber ganz schwarze herausgehängt! Der Merkur meint:„die Kälte sei Schuld daran."— Er wird wohl Recht haben.— Wir freuen uns deßhalb um so mehr, von einem Feste berichten zu können, wo eine nicht geringe Anzahl Gesinnungsgenossen aufs Aeußerste belebt war und das war unser Christfest. Schon die schwarz-roth-goldene Fahne auf der Spitze des Christbaums ließ einen guten Eindruck aus den Gesichtern lesen. Die Ansprache des Vorstand Lenz, sowie die aus- erlesenen politischen Dichtungen wurden mit größtem Applaus aufgenommen; besonders verlieh dem Feste noch einen feierlichen Ausdruck ein hier neu konstiluirler Gesangverein, welcher mit seinen freigesinntcn Chören die Gemuiher erhebend an sich zog und aus dessen Versen ich bei Gelegenheit hier einen anführen werde: Es ringt die Welt im großem Riesenstreite, Sie sucht das Gut, das Männerkrafl uns gab. Der Gott, der uns zur starken Vorhut weihte, Berei-et rings der Zwingherrschast ihr Grab. Wir bleiben itnerschüttert, Was rings die Zeit verwittert zc. Auch unserer inhastirten Parteigenossen wurde dabei nicht ver- gesten; eine Kollekte ergab 5 st. Ten Herren Bebel und Liebknecht wurden schließlich für ihre unerniüdliche Tapferkeit donnernde Hochs ausgebracht. Im Auftr. Heinz. Allgemeiner Deutscher Tchneidcr-Perciu. EölN, 14. Januar. In Betrest der kranken Frau Georg Hen- kels sind in Nr. 4 des„Bolksstaat" unter dem Aufruf die Namens- unterfchristen nicht bemerkt worden; wir trage» deßhalb folgende Na- men nach: Karl Schnitz, Peter Nick, Joseph Bürger, Heini ich Schwerin, Revisor. Ferner zu bemerken, daß sich unser Pereins-Lokal bei Hrn. Barth Elstergasfe Nr. 13 und 15 besind t. Dem Ausschuß zur Nachricht: Briefe wolle man senden an unfern Kassirer Mathias Wiertz, St. Urslastraße Nr. 17, 19, 21. Internationale Metallarbeiterschaft. Unser Hauplkassier nebst Ausschuß hat endlich ein Lebens- zeichen von sich gegeben und man sieht, welche nachlheilige Folge» der Werdauer Antrag mit sich gebracht hat. Die guie Absicht, die der Anlragsteller hinsichtlich der Portoersparniß Halle, soll durchaus nicht verkannt werden, aber so viel steht sest, daß wenn die Mitgliedschaften ihre Krankenkassebeiträge behalten wollen, jeden Monat von jeder Mitgliedschaft die Bekanntmachung ihrer disponiblen Baarvorräthe erfolgen müßte, damit Mitgliedschaften, welche Kranke auszuzahlen haben und deren Baarvorräthe nicht ausreichen, sich an jene wenden könn- len. Damit wird aber dezentralisirt und die einheitliche Organi- sation mit einem Ausschuß wird nach und nach untergraben; man verläuft sich schließlich in die Hirsch-Dunkerschen Muster- gewerkschaften. Arbeiter, wir bedürfen aber gerade der Zen- tralisation und unsere Ktankenkasie müssen wir wieder wie die ganze Melallarbeiterschaft, die am Besten organisirt war, in den vorigen guten Stand versetzen, soweit es die Zeitverhält nifse mit sich bringen. Vor allen Dingen suche Jeder die Mit gliedschaflen zusammenzuhalten, und so viel wie möglich Bei träge a» die Hauptkasse einzusenden, überhaupt den Werdauer Antrag für die Folge nicht zu beachten. Die Metallarbeiter- schasl und Krankenkasse müssen ihren Centralpunkt im Ausschuß nebst Hauptkasse haben, dann können wir auch gegenseitig unseren übernommenen statutenmäßigen Verbindlichkeiten gegen jedes einzelne Mitglied nachkommen. Also nur immer muthig vorwärts. Franz Witt Hauer in Gotha, Eisengießer. Zwickau, 9. Januar 1871. Wenn die Kohlenwucherer in Leipzig aussprengen,„die Kohlen hätten so übermäßig hohen Preis deßhalb erlangt, weit von den Bergleuten eine Arbeit angedroht worden, die durch große Lohnerhöhung habe veihindert werden müssen", so sehen wir uns veranlaßt, dieses Borgeben als eine gemeine Lüge zu erklären, da weder in neuerer Zeit eine Arbeitseinstellung angedroht worden ist, noch weit weniger unsere sehr mißlichen Löhne aufgebesserl worden sind. Im Gegentheil, wir erhalten pro Karren(ä 8 Scheffel) Stück- kohlen von 2 Ngr.—„ bis 3 Ngr. 5 Pf. Arbeitslohn, je nach Ber- hällniß, für klare Kohlen pro Karren 1 Ngr.— Unser täglicher Lohn variirt zwischen IL und L9 Ngr—„ in zwölfstündiger Arbeits- zeit; es gehört zu den Ausnahmesällen, wenn wir in dieser Arbeits- zeit einige Zwanzig Neuaroschen verdienen. Mehrverdienst bedingt eine längere Arbeitszeit. Bon diesem Lohne ist nun das Geleuchle, was wir selbst zu bestreiten haben, noch in Abzug zu bringen. Nach der im Monat Juli v. I. erfolgten Arbeilseinstelluna, sind wohl die Normallöhne auf ziemlich allen Steinkohlenwerke» hiesigen Bez.rks einige Gr scheu erhöht worden, die Werksverwaltungen haben aber durch nochmalige Herabdrückung der Gedingpreise reichlich dafür gesorgt, daß wir die erhöhten Normallöhne in Gedingarbeit aar nicht oder in den allerseltesten Fällen erziehlen können. Weilarbeit(nicht verdingte Arbeit) giebt es ebensalls nur selten. Beispielsweise, vor 19 bis 15 Jahren wurde uns der Karren Stückkohlen, der uns heule mit � Ngr. 5 Pf. verlohnt wird,»oä> mit 5 bis K Ngr. verlohnt, so weit sind unsere Löhne herabgedrückt woroen. Dagegen aber kosteten die Kohle» pro Karren 2» biS 25 Ngr., höchstens 1 Thlr. vor 15 Jahren, während dieselben heure pro Karren 2 Thaler und darüber aus den, Werke kosten; wir haben an Lohn soviel verloren, daß wir jetzt doppelt mehr Arbeit leisten nnd uns mit Runkelkastee und trocknein Brode begnügen müssen, während die Aktionäre jährlich pro Aktie(199 Thaler Einzahlung) 49 bis 45 Thlr. Dividende einstreichen. Daraus dürste» nun die geehrten Leip- ziger erkennen, daß nicht wir mit unseren- Löhnen die Kohlen ver- theucrn, wohl aber ein guter Theil Faulenzer, die solche Vorwände zur Ausbeutung ihrer Mitmenschen gebrauchen. Die erbärmliche Lüge, daß eine Arbeitseinstellung von uns Berg- leuten in jüngster Zeit vorbereitet werde, hat man auch in Zwickau, freilich nur unter den Nichtsthuern in Umlauf gesetzt, hier aber, wie es nicht unwahrscheinlich ist, um eine Pression auf die sofortige Ver- Haftung Dinkers auszuüben, eines Mannes, der gegen die verweis- liche wie verderbliche Ausbeutung der Arbeitskräfte entschieden ankämpfte und der Bourgeoisie das Wohlleben in gemüthlicher Nichtslhuerei mit seiner Waffe der nackten Wahrheit verbitterte. Da' r aber ist Dinier „als gemeingefährlich!" erachtet worden und da man in seinen, im Monat Juli v. I. gehaltenen Vorträgen über Arbeitseinstellung „Drohungen und Verrusserklärungen" finden will, muß Dinier eine achtwöchentliche Gefängnißhaft verbüßen und wird bann ausge- wiesen! Einer bessern Antwort auf unsere berechtigten und billigen An- forderungen bedarf es wirklich nicht. Wir sind uns nun. klar und rufe« um so lauter:„Arbeiter aller Länder, vereinigt Euch! Hoch un- serm Dinier! Hoch allen Männern, die um Recht und Wahrheit im Kerker schmachten, laßt uns sie nicht vergessen!" Die Bergarbeiter in Zwickau, Pöllwitz u-- Niederplanitz. Gotha, 2. Januar. Wie den Parleigenosien erinnerlich sein r wurde in euier am 19 Juli o. I. in Ohrdius abgehaltenen Pvus- Versammlung, unser Parleigeuosse Nippoldt verhastel und nach 2 Tagen wieder entlasse». Dieses Verfahren der Behörde war gesetzwidrig, die Parteimitglieder darüber sehr aufgeregt und es wurde eine Bersamm- luug hier abgehalten, in welcher die Verhaftung NippoldtS(der iniwi- scheu wieder entlassen) besprochen wurde. Nippoldt beschrieb d ihm vollzogene» gesetzwidrige» Akt, welcher von der Versaunnlum „Pfui" bezeichnet wurde. Sauerteig bezeichnete den Akt als eine- „brutaler Willlühr, wie sie nur in Rußland vorkomme" und so/..G aus, eine Volksversammlung Sonntags darauf in Ohrdruf abzuhalten, um den dortigen Feind, die Bourgeoisie, welche sich hinter die Polizei gesteckt, zu bekämpfen. Bock erläutette die Prinzipien der Sozialde- molralie und soU gesagt haben, daß nur die Fürsten, der Adel, die Priester, die Geldmänner und Fabrikanten daS Gebäude des se ngen Staates hielten und daß es die Ausgabe der Sozialdemokratie sei, die» ses schwache Gebäude zu unterminlren und auf den Trümmer» dessel- den den Bolksstaat aufzubauen. Bock forderte ferner aus, sieb recht zahlreich an der Fahrt nah Ohrdruf zu berheiligen und soll erklärt haben, wenn wir die Versammlung nicht ruhig und friedlich abHallen tönnlen, würde er der Gewalt Gewalt entgegensetze». In einer srü- herell Vollsversammlung waren Rtängel des hiesigen Armenhauses zur Sprache gekommen und es war vom Staatsanwalt wegen der letzteren Versammlung gegen Nippoldt und noch 5 anderen Personen Anklage wegen Beleidigung von Beamten, wegen der Ohrdruser Versammlung Nippoldt besonders noch wegen Widersetzlichkeit gegen die ösieniliche Autorität(er Halle bei der Arrelur den Oberkörper zurückgebogen) und wegen Aufsorderung zum Aufruhr(er soll gesagt haben, als die Poll- zisten die Versammlung gesetzwidrig auflösten: Wenn wir gestört wer- Den, so werden die, die uns stören, hinausgeworfen, werft sie hiuaus), August in, weil er einem Gensdarmen die Beine weggezogen haben sollte, wegen Widersetzlichteit gegen die ösjentliche Auivritäl angekagl. Wegen der Goihaer Versammlung, in welcher wiederum gesetz- widrig Polizei anwesend war: Sauerteig, wegen Beleidigung der Gothaer Polizei, Aufruhr und verbreüeudem Hochoer- ath. Räch dem»eueu«lrasgesetzbuch Halle die Slaaisanwaltschast den größeren Theil der Klage fallen lassen müssen, daher war die Verhand- lung ans den 29. Dezember angesetzl! Da aber an diesem Tag« die Schwiegermuiler des Staatsanwalles Morchult gestorben, wurde sie(die Verhandlung) mit 19 Angeklagten und ea 25 Zeuge» auf den 39. Dezember verlagt. Zwei Tage kämpften Nippoldt, Bock und Sauerteig gegen dieses Grand-Perre/sche Anklagestück und dennoch endigle es wie� vorauszusehen war, mit Verurtheilung. Nippoldt wurde zu 14 Thlr.. der 4 Wochen Gefäugniß für Beleidigung, und 4 Monate wegen Aufsorderung zum Ausruhr verurtheift, wogegen er wegen Widersetzung gegen die össemtiche Aulorität freigesprochen wurde; Bock zu 4 Monate Gesängniß, wegen Aufsorderung zum Ausruhr und 4 Thlr. oder 8 Tage wegen Beleidigung, dagegen wurde er wegen vorbereitenden Hochverraths sreigesprocheu. Sauerteig zu 4 Thlr. oder 8 Tage wegen Beleidigung; wogegen der Slaalsanwait die An« klage wegen Aussorderung zum Aufruhr fallen ließ. Augustin wurde freigesprochen, die übrigen Angeklaglen wurden zu Gesängniß oder Geldstrafe verurlheilt, wegen Beleidigung der Armenanstalt. Nippoldt, Bock und Sauerleig werden Appellalion einwenden, weil in der Apel- lauoiisinstauz nach dem neuen Siras-Gesetzbuch geuriheilt werden muß. DaS Kreisgericht erkannte übrigens an, daß ni jener Bersamin- lung in Ohrdruf s 43 und 44 der Verfassung verletzt worden seu - Für die Familien der Inhastirten. Müller, Weimar 1 Thlr.— A. B. Stuttgart 19 Thlr.— Durch, Herrinaun, Meerane, von Parteigenosseil(19. Januar) 12 Thlr.*)— 1 Rittinghauseii, Eöln 8 Thlr.— Verein Teutonia, London 7 Thlr. ») Wir hatten geglaubt, diese 12 Thlr. seien auch für Aktien. An die Parteigenossen. Für den„Volksstaat" sind ferner elugegangen: durch A. M. Steh« fest in Peuigl Thlr. 5 Ngr.— Wimpesfinger, Limberg 39 fr.— Illil« liiighausen, Cölli 2 T h Ir. Briefkasten. W. Coburg: Brief erhallen. Herzllche» Gruß. Bersprochener Ar- tikel sehr wiUkominen�— Köhler, Dresden: Die in Nr. 4 quilllrle» Gelder aus Amerika sind bereits vor M. iiaten vereinnahmt und ver- rechnet, nur aus ausdrücklichen Wunsch ,des Absender Sorge wurde eine spezifizirte Ouittung verössentlicht.— Chemnitz: Es ist ein großer Jrrlhum, zu glauben, daß die Partei 1999 Orte oder Vereine hätte, von denen jeder Einen Thaler geben könnte. Vielleicht nicht t99. Die Parteigenossen an sehr vielen Orten sind leider durch Einberusung und Arbeitslosigkeit vollständig leistungsunfähig, so daß von stärkeren Orten aus bedeutend mehr als 1 Thaler gerechnet werden muß. Tie 1�9 in Rastatt gefaugeuen Sachse« haben wohl, soweit sie noch leben, gewiß alle schon oft gewünschl, von ihren Kamps- und Leidensgenossen einmal etwas zu hören. Ich be- »üpe diesen Weg, um die zersprengten Freunde um MittheiluNgeA zu bilien und erfuche andere sächsische Blätter, diese Aussorderung abzU- drucken. FrieSr. Harnisch(aus Grimma) _ Neuschöneseld, Rosenstraße 129. H Aür Lennep-Mettmauu. Ecntral- W ahl-Komit«- Sitznng. Sonntag, den 22. ds. M., Nachmittag«'/,4 Uhr, in Elberfeld bei Herrn Hunscheid, Friedrichsstraße. Für das sozial-demokralische Arbeller-Wahl-Comitö: Der Vorsitzende Ronsdors, 13. Jan._ Ernst Willke. Für Leipjig. Sozialdemokratischer Arbeiterverein. Donnerstag, den 19. Januar, Abends 8 Uhr: Versammlung im„Pantheon". Tagesordnung: Sozialpolitischer Wochenbericht(Ref. EiSniann.) — Die Reichstagswahlen. Um zahlreiches Erscheinest wird gebeten Pintrigeuossen in alle» Orte» des 17. uns oc» if- Wahlkreises werden er,«cht. uns für jeden Lrt eine Adresse el»;usch>cken, an welche aus die Wahl«cbrl» und L'icbkneaits bezügliche Sendungen(Flugschriften. Zeitungen-c.) zu adrc,- „ren find.„Volt»«*«»»4• Emtlienstraste A.__ Leipzig: Berantw. Redakteur in Berlrelung: Carl j Emillenstr. 2.) Druck u. Verlag: F. Thiele, l Expedition. Peterilr. i