M 9. So«uabe«d, de« 28. Ja««ar. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal m Leipzig. vestellungen nehmen alle Poftanstalten und Buchhand- lungen de« In- und Au«. lande« an. Kür Leipzig nehmen Bestellungen an- Ä, Bebel. PeterSstraße 18, F. Thiele, Emilien straße 2, Der Bvlksstlint AbonnemcntSpreiS Für Preußen tncl.«tempel- steuer 16Ngr.,für die übrigen »mischen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Agent iür London A. Duenstng, Foreign Looüsellsr, I�idrs.- rian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Lei- cester Square, W, C. Filialerpedition für die Verein Staaten:?..Ä..Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der sofial-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenoffenschasten. Ei« billiger Friede mit der französischen Republik! Keine Annexionen! � Bestrafung Bonaparte's und seiner Mit- schnldigeu! Politische Uebersicht. Sollte Bourbacki wirklich den Plan je gehabt haben, den ihm die offiziösen und nationalliberalen Blätter unterstellen, nach der Entsetzung Belsorts einenEinfall nachDeutschland zu machen?- Abgesehen von der strategischen Ungeheuerlichkeit dieses Plans, da nichts leichter wäre, als einer solchen In- vasionsarmee den Rückzug abzuschneiden, so würde jede Ueber- schreitung der deutschen Grenzen französischerseits der größte politische Fehler sein, der gemacht werden könnte. Man nennt uns Sozialisten„Franzosenfreunde", und wir bekennen uns trotz aller Beschimpfungen und Verfolgungen als solche in dem Sinne, daß wir tiefe herzliche Sympathien für das unglückliche Volk empfinden und daß wir die Selbstständigkeit, die Freiheit und das Wohlbefinden der französischen und aller anderen Rationen für eine absolute Vorbedingung der Selbstständigkeit, Freiheit und des Wohlbesindens derdeutschen Nation halten. Wir sind international, wir sind„Franzosenfreunde" aus deutsch-nationalem Interesse. Von der Stunde an aber, wo wir dieses Jntereffe gefährdet oder beschädigt sehen würden, müßten unsere Sympathien und unsere Friedenswünsche in den Hintergrund treten, um der Sorge für die V e r t h e i d i g u n g des heimischen Bodens ausschließlich das Feld zu über- lasten. Und weil wir überzeugt sind, daß die intelligenten Männer, unter deren Rath und Leitung gegenwärtig Frankreich seinen Vertheidigungskampf führt, sich dies selbst sagen werden, sich wohl davor hüten werden, ihrem Vertheidigungskampf auch nur den Anschein eines Angrifsskampfes zu geben, so können wir die der Vogesenarmce unterschobenen Pläne auch nur für eine kluge Erfindung halten, bestimmt, die verklungene Mähr von der Frau Germania, die die„Wacht am Rhein" bezogen hat, wieder aufzufrischen. Mutter Germania wacht längst nicht mehr am Rhein, sondern prügelt ihre Stiefkinder jenseits des Rheins(natürlich aus Liebe) und verbrennt Städte und Dörfer ihrer Nachbarin. In Mülhausen herrschte, wie der„Strßb. Ztg." zu entnehmen ist, in den letzten Tagen große Aufregung: von Stunde zu Stunde erwartete man den Anmarsch der franzö- fischen Ostarmce, mehrmals war die Ankunft Garibaldi's für den nächsten Tag selbst in Straßenplakaten angekündigt. Räch- richten über französische Siege wurden offen und heimlich kol- portirt. Statt deffen kamen endlose Kolonnen deutscher Truppen als Verstärkung der Armee Werders. Dieselben vermochten jedoch die Hoffnungen der Bevölkerung nicht herabzustimmen; oft bekamen die Deutschen mitleidige Reden zu hören, daß sie alle einem gewisten Grab entgegengehen; in der Regel wurden dieselben mit Humor oder Derbheit zurückgewiesen.„Die Gährung ist hier wie in andern Städten desElsaßes so stark, daß ein geringer Anlaß genügen würde, dieselbe zum Ausbruch zu bringen. Aus Colmar meldet man, daß da- selbst mehrere durch ihre gesellschaftliche Stellung sehr bekannte Personen verhastet worden seinen. Aus Anlaß dieser Vcr- Haftung habe sich eine große Voltsmenge zusammen geschaart, die durch Militär habe zerstreut werden müssen." In Paris kostet das Bombardement täglich etwa 20 Opfer, darunter Weiber, Kinder und Kranke, vor Paris etwa ebensoviel oder nicht viel weniger, aber deutsche Jüng- linge. Paris soll sich bei äußerster Anstrengung noch über einen Monat halten können. Der am 19. Januar mit 100, 000 Mann unternommene Ausfall wird deutscherseits als eine Schlacht bezeichnet, die beiderseits große Verluste zum Erfolg hatte. Die Schanze von Montretout, die den ausfallenden Truppen überlassen werden mußte, wird jetzt als „nicht sehr wichtig" bezeichnet, vor einigen Wochen aber noch als sehr bedeutend. Zu dem Ausfall sah sich General Trochu genölhigt, weil die Pariser allgemein mit seiner Energielosig- keit unzufrieden waren. Wie es scheint, ist diese Unzufrieden- heil �auch jetzt noch nicht beschwichtigt und hat dazu geführt, daß Trochu sein Kommando niedergelegt hat, um energischeren und befähigteren Kräften Platz zu machen. Die in der Nähe von Toul durch Franktireurs gesprengte � tUbrücke vermittelte wesentlich den Berkehr zwischen den deutschen Truppen und der Heimath, der nunmehr theilwcise .ns Stocken geraihen ist. ,, bie Sanze ausländische Presse, namentlich die Eng- lands, Ungarns, Dänemarks und der Schweiz, nimmt das deutsche Kaiserthum mit Aeußerungen des Mißtrauens und mit starken Befürchtungen über neue Störungen des europäischen Friedens auf. Reue Friedensverhandlungen, die von Paris tUlflekiii'mkt wnrSi>n �.?----- �—:x-. öu«" y----- � v u" v i u u u c ur VI' bn»/geknüpft worden sind, scheinen bereits gescheitert zu sein, Bed-ngungen gestellt hat. wie si � L —.m.u. wuiyiuigcu gejieut yat, wie sie nicht hätten härter sein können, wenn Frankreich vollständig niedergeschlagen, wehrlos und gebrochen wäre. Daß es dies nicht ist, hat sich neuerdings in Dijon gezeigt, und daß auch die europäischen Machte Frankreich noch immer für eine Macht ersten Ranges halten, entnimmt man dem Umstände, daß sie die Londoner Konferenz abermals, und zwar bis zum 30. d. M., ver- schoben haben, nachdem Bismarck dem französischen Minister und Konferenzvertreter Jules Favre den Geleitschein aus Paris aus formellen Gründen verweigert hatte. Eine schwere Nieder- läge Bismarcks, die keineswegs der erhabenen Rolle entspricht, welche jetzt angeblich das deutsche Kaiserreich in Europa spie- len soll. Die Berliner Regierungs- Blätter und Korrespondenten erklären, daß der Vertreter Deutschlands auf der Pontus-Kon- ferenz, Graf Bernstorff, Auftrag habe, die Konferenz sofort zu verlassen, sobald auf derselben dieFriedensfrage zur Sprache gebracht werden sollte. Mit dieser Richtigstellung des Sach- Verhalts in offiziösen Organen ist dargethan, daß bei einzelnen Kabinelen in der That die Absicht besteht, das Programm der Pontus-Konferenz bis zu einer Vermittlung zwischen Deutsch- land und Frankreich zu erweitern; denn ohne gewichtige An- zeichen ffür die Dringlichkeit einer derartigen Instruktion würde Graf Bismarck dem Grafen Bernstorff sicherlich nicht einen derartigen Auftrag ertheilt haben. AusPau schreibt man über die Behandlung deutscher Kriegsgefangenen: „Die preußischen Gefangenen genießen hier alle Rücksichten, welche man dem Unglück schuldet; und wenn sie im ersten Moment nicht Alles gehabt haben, was für Verwundete und Kranke wünschenswert� ist, so ist der Umstand daran Schuld, daß sie sehr zahlreich angelangt sind, und daß man nicht davon benachrichtigt war, daß die Eisenbahn 1200 Kriegsgefangene um 10 Uhr Abends bringen würde. Unter ihnen befanden sich Leute, die an Pocken und am Typhus sehr krank waren; auch gab es eine Anzahl Todesfälle. Aber alle Gefangenen sind unter Dach und Fach gebracht; man hat selbst französische Soldaten ausziehen lassen, um sie unterzubringe». Zu Pau giebt es mehrere Lazarethe. Außerdem haben die Jesuiten in ihr Haus Ver- wundete und Kranke ausgenommen; die barmherzigen Schwestern in gleicher Weise. Bei diesen sind die Pockenkranken mrt einer Hingebung gepflegt woroen, welche der ehrenwetthen Superiorin das Leben gekostet hat. Endlich ist auch das Gesängniß in ein Lazareth verwandelt wor- den. Bei ihrer Ankunft hatten die preußischen Soldaten die Freiheit, in allen Theilen der Stadt spazieren zu gehen. Heute ist ihnen eine sehr gute Kaserne mit einem weiten und wohlgelüstetcn Räume zur Bewegung angewiesen. Ich selbst habe sie während dieser Schneelage spielen und ringen sehen. Sie werden zu keinerArbeit gezwungen, höchstens zu der, aus eine kleine Entfernung(200 oder 300 Meter) Brod, Fleisch und Gemüse zu ihrem Lebensunterhalt zu holen. Drei unter ihnen haben einen Fluchtversuch gemacht; einige Meilen von Pau sind sie wieder ergrissen; sie sind zurucktrausportirt und mit ihren Kameraden ohne irgend eine Erschwerung der Hast(I) wieder vereinigt worden. Die Landleute, von denen mehrere gefangene Söhne in Deutschland haben, bringen ihnen Cigarren, Tabak und selbstGeld, in der Hoffnung, daß ihren Lieben ähnlicheWohl- thaten erwiesen werden." In Deutschland nimmt man die Sache nicht so gemüth- lich. Hier und da liest man in den Blättern, daß Gefangene wegen vergeblicher Fluchtversuche streng bestraft, wegen Jnsub- ordinationsvergehen aber erschossen werden. Das„Leipziger Tageblatt" schreibt: „Leipzig, 24.' Januar. Am letzten Sonntag Nachmittag er- eignete sich aus der Eisbahn im Johailnapark eine äußerst ergötzliche Szene. Die in größerer Anzahl anwesenden französischen Osficiere hatten, man sagte für den Preis von 25 Thlr.. einen ziemlich beträcht- lichen Theil der Bahn zum ausschließlichen Gebrauch für sich selbst g e- m i eth e t, und es war dieser Theil deshalb durch Pfähle und Stangen abgegrenzt. Dieser Umstand wurde allmählich den m großer Masse vertretenen jugendlichen Schlittschuhläufern deutscher Nationalität ein solcher Dorn im Auge, daß man nach kurzem Kriegsrath eiumllthig beschloß, der französischen Occupation ein Ende zu bereiten. Ohne langes Besinnen sorminen sich die Angrifsskolonnen, und mit kräftigem Hurrah stürmten dieselben aus den abgesteckten Theil der Eisbahn los; prasselnd flogen die Stangen zur Seite, während die srauzösischen Osficiere, möglicherweise an eine ernst gemeinte Attaque glaubend ihr Heil in schleunigster Flucht suchten. Unsere schöne nationalliberale Presse hetzt überhaupt seit Monaten in einer Weise gegen die Gefangenen, ivelche den Widerwillen jedes gebildeten und vernünftigen Menschen er- regen muß. Per geringsten Freiheit, die den Armen verstattet wird, weiß sie Bedenklichkeiten und Verdächtigungen entgegen- zusetzen, Rohheiten aber, die gegen dieselben verübt werden, zu rühmen oder wenigstens nicht zu tadeln. Erfreulicherweise hat sich auch bei dieser Gelegenheit wieder herausgestellt, daß die Presse wohl im Stande ist, das Volk über einzelne Thatsachen zu täuschen und im Jrrthum zu erhalten, wie sie z. B. dem Volke hartnäckig verschweigt, daß die Franzosen bereits nach S e- dan sehr annehmbareFriedensbedingungen ange- boten haben; dagegen dem Volke seine natürlichen Gesinnun- gen, seine Denkart, die es aus sich selbst heraus erarbeitet hat, zu rauben und ihm dafür ihre eigene charakterlose Schma- rozernatur aufzudrängen, dazu hat sie sich als oh mächtig er- wiesen. Wäre sie im Stande gewesen, eine solche Wirkung auszuüben, wäre sie im Stande, nicht blos scheinbare öffentliche Meinung, sondern wirkliche, mit Thalkraft begabte, zu machen, so müßte unser Volk, von dieser öffentlichen Meinung ver- pestet, längst die französischen Gefangenen iu Stücke zerrissen haben. Statt dessen verkehrt es mit ihnen, wie sich täglich Jeder überzeugen kann, wenige und zu unserer Ehre seltene Ausnah- men abgerechnet, in durchaus humaner uud liebenswürdiger Weise und läßt die Presse schimpfen und Hetzen, so viel sie Lust hat. Wahl-Angelegenheiten. Die Wahlen zum„deutschen Reichstag" finden am 3. März statt. Jeder wählt da, wo er seinen Wohnsitz hat, auch wenn er in einem andern zum„deutschen Reich" neuester Fatzvn gehörigen Staate heimathsderechtigt ist. Wir machen die Wähler nochmals darauf aufmerksam, daß unsere inhaftirten Freunde durch ihre Wahl mit dem Zusammentritt des Reichstags aus ihren Gefängnissen erlöst werden._ Ein gutes Vorzeichen! Parteigenosse Welke in Fran- k e n h a u s e n ist in den L a n d t a g von Schwarzburg-Sondershausen gewählt worden. Es läßt sich demnach hoffen, daß die braven Thüringer auch bei den Reichslagswahlen ihre Schuldigkeit thun und sich eines ebensoguten Erfolgs freuen werden. 19. Wahlbezirk(Stollberg, Lötznitz, Geyer ie.). Stollbcrg, 23. Jan. Gestern fand hierseldst eine Ver- sammlung von Wählern des 19. Wahlkreises statt, bei der fast alle Ortschaften desselben vertreten waren. Man war einstim- mig darin, daß der bisherige Vertreter des Kreises, W. Lieb- knecht, auch für die bevorstehende Wahl wieder als Kandidat aufzustellen sei und Niemand zweifelte daran, daß dies mit gutem Erfolg geschehen werde. Der beste Geist beseelte die Versammlung. Stollberg wurde zum Vorort des Kreises erwählt und wird nunmehr auch mit Ernennung der Lokal- komitees ohne Weiteres vorgegangen werden. Mülsen St. Niclas. Das Komitee des Arbeiter-, Lese- und Bildungsvereins erläßt an die Wähler im 19. Wahl- bezirk folgenden Aufruf:„Weder in den Verhältnissen, wie sie sich seit dem Kriege gestaltet haben, noch in dem Verhalten unseres bisherigen Vertreters auf dem Reichstage kann für uns ein Grund liegen, bei den bevorstehenden Reichstagswahlen einem anderen Manne unsere Stimme zu geben. Wir halten es vielmehr für unsere Pflicht, Herrn Wilhelm Liebknecht, wel- cher sich durch die Kriegserfolge nicht hat beirren lassen, nach wie vor für Wahrheit und Recht einzustehen, wiederum als Kandidaten aufzustellen, und bitten die Wähler unseres Wahl- bezirks, welche bisher Herrn Liebknecht ihr Vertrauen geschenkt haben, ihm dasselbe auch fernerhin zu bewahren und ihm iyre Stimme zu geben. Zugleich bitten wir alle Arbeiterbildungs- und ähnliche Arbeitervereine, Vorstehendes in demjenigen Blatt, welches bei ihnen am Meisten gelesen wird, zum Abdruck bringen zu lassen." Wahlbezirk Wiesbaden. Die Korrespondenz des Wahlkomitees der sozial-demokra- tischen Arbeiterpartei des Wiesbadener Wahlbezirks ist zu sen- den an Hammerschmidt, kl. Schwalbacherstr. 1, und Karl Stück, Michelberg 15. Der Schriftführer: L. Hammerschmidt. Die Partciaeuossen, sowie alle Arbeiter, fordern wir auf, aena», und jeder persönlich, nachzusehen, ob ihre Namen K. in den Wählerlisten auch richtig eingetragen sin», und im verneinende» Fall energisch zu reklamtren. Aus Amerika. New-Uork, 8. Januar 1371. Ein neues Jahr hat begonnen, aber mit alten Klagen und Beschwerden.„Schlechte Geschäfte, schlechte Arbeit, schlechter Lohn." So tönt's von allen Seiten und so wird's fort tönen bis etwas Andres ertönt und dröhnt in die Ohren der ver- schlemmten, feisten Herren, die Alles gut finden, weil es ihnen gut geht, die kein Elend kennen, weil sie sich sorgfältig hüten es zu beachten und ihm ängstlich aus dem Wege gehen. Auch ihr Stündchen wird schlagen!— Von allen Seiten regnet es jetzt Botschaften der Staatsgouverneure an die um diese Zeit des Jahres fast überall zusammentretenden Staatsgesetzgebungen. Aber suche Einer in diesen Dokumenten was Gescheidtes! Et- was über die Frage des Jahrhunderts, des Geschlechts! Ueber die Arbeit! Die Arbeiter! Dummes Zeug! Sowas fällt den Herrn Gouverneuren nicht ein. Sie vertreten eine Partei, sei es die demokratische oder republikanische, und in deren Jnter- esse handeln und schreiben sie. Das Volk, die Arbeiter, die Arbeiterpartei kennen sie nicht oder sie thun wenigstens so.— In New-Hampshire, einem der östlichen(Neu-Eng- land) Staaten rüstet sich die Arbeiterpartei zum Wahlkampf. Sie fordert: Gleichmäßige Besteuerung, Abschaffung der Na- tionalbanken(hier fälschlich so genannt, da sie wirklich nur Privatbanken sind), zollfreie Einführung von Lebensmitteln, welche nicht hier gewonnen werden, Bewahrung der öffentlichen Ländereien für Ansiedler, Sicherung der Stellung pflichtgetreuer Beamten(gegen Grant), Beobachtung der Gesetze gegen Unter- schlagungen:c., Abschaffung aller unnütze» Aemler, Einrichtung eines auf Fähigkeit gegründeten Beamtenstandcs:c. Außerdem stimmen sie herzlich dem Verfahren der Senatoren Schury, Sumner:c. zu, gegen die Uebergriffe der Verwaltung(Grant). Die Nachrichten vom Kongreß sind dürftig. Die Herren haben ihre Feicrtags-Mahlzeitcn noch nicht verdaut und sind darum unbeholfen. Rührig wird es nur werden, wenn die San Domingo-Annexions-Geschichte im Abgeordnelen-Hause auftaucht, was diese Woche geschehen wird. Das Nordamerikanische Central-Comitö der„Jnternatio- nalen Arbeiter-Assoziation(— N. A. C. C. I. A. A.— N. A. C. C. I. W. A.—) hat seine Arbeiten begonnen mit einem Rundschreiben an die Sektionen, worin dieselben aufge- fordert werden, prinzipielle Debatten zu führen, statistische Nach- richten zu sammeln und gute Beziehungen untereinander und mit Gewerks- und anderen Arbeiter-Vereinen zu unterhalten. Gewisse Maßregeln werden zu diesem Zweck vorgeschlagen.— Der Crispiner-(Schuhmacher-) Ausstand dauert noch fort und hat bereits zu Gründung eines Kooperativ-Unternehmens geführt.— Die Workingmens Union(englisch-redend) hat einen Vorstand gewählt und ist bei dieser Gelegenheit endlich Herrn N. W. Uvung losgeworden, der als langjähriger Prä- sident diese Stellung benutzt hat, um sich in ein einträgliches Amt einzuschmuggeln.— Ende dieses Monats findet die 'Workingmens �kssemdl�(Arbeiter-Gesetzgebung) in Albany statt, über welche ich dann berichten werde.— Die Arbeiter- Union(deutsch) ist noch immer ernstlich beschäftigt, Maßregeln zu finden zur Auffrischung des Bundes.— Eine Antwort von englischen Arbeitern ist aus London eingetroffen, betreffs der am 19. November v.J. stattgehabten Massenversammlung w. Sie ist würdig gehalten und macht guten Eindruck hier. Der llaisertitel.U Ein abqeschiedener Geist wird aus dem Grabe heraufbeschworen: aber gar Wenige, selbst unter Jenen, die darauf Anspruch machen, wissen sich Rechenschaft zu geben darüber. Wir wollen die Geschichte des Wortes„Kaiser" und mit der des Wortes auch jene der Sache geben; die Leser mögen selbst urtheilen, ob sie es mit einem guten oder einem bösen Geist, oder mit einem ganz unwesenhasten Gespenst zu thun haben. Zunächst also ans Wort. Das in die deutsche Sprache aufgenom- mene Wort Kaiser ist das verdorbene lateinische Wort(laesar. Dieses Wort bedeutet aber nicht ein Amt oder eine Würde, sondern war der Beiname eines Zweiges des Julischen Geschlechtes, und der erste nam- hafte Träger desselben, Casus Julius Cäsai, war auch der levte wirk- liche Träger desselben, denn er hinterließ keinen Sohn. Das Wort hat keine Bedeutung, die dem Titel einen gewissen Werth verliehe, denn das Wort caesaries bedeutet nicht mehr und nicht weniger alT„Haupt- haar" und der erste und letzte weltgeschichtliche wirkliche Träger des Namens gehört zu den drei bluttriefenden Weltheilanden des jetzigen Bonaparte, der in seinem verrückten Buche vor Allem wohl seine Ge- wissenlostgkeit, aber seinen Unverstand wohl noch mehr als im Bau- logner Putsch beurkundet hat. Julius Cäsar war jedenfalls einer der begabtesten Männer der Weltgeschichte, aber auch einer der gewissen- losesten. Vor Gericht gilt jedoch die geschickte Ausführung eines Ver- brechens nicht als ein mildernder, sondern als ein erschwerender Um- stand, und ein Gericht ist die Weltgeschichte jedenfalls. Man sucht gerne einen Unterschied zu machen zwischen dem öfient- lichen und dem Privatcharakter eines Mannes. Aus diesem Wege ist jedoch dem Vater des Kaisertitels nicht zu helfen. In seinem Privat- leben war er ganz Junker, oder wie man früher sagte, Kavalier, ver- schwendete ein ererbtes Vermögen von Millionen auf die leichtfertigste, lüderlichste Weise und stand in so üblem Rufe, daß man mit Fingern auf ihn deutete, als den ehebrecherischen Vater des Marcus Junius Brutus, der an der Spitze der Verschwörung gegen ihn stand. Ein Wucherer und Sklavenhändler wie Crassus, mit dem er sich später ver- band, war er allerdings nicht: allein er stand nicht an, die verschwen- deten Millionen durch Erpressungen wieder herein zu bringen, und seine Schulden, wie e« scheint, größer als das verschwendete Vermöge», mit dem Gute Anderer oder auch mit einem nassen Schwämme zu bezahlen. Was seine ösientliche Thätigkeit anbelangt, so benahm er sich in Bezug auf die katitinarische Verschwörung mehr als zweideutig. Eigentlich war er doch selbst nur ein Catilina, nur vornehmerer Art. Grausam aus Neigung war er nicht. Die Grausamen aus Neigung mag man wohl ohne Ausnahme gestörten Geistes nennen, und Verstand hatte er — lcid�rl muß man sagen; ohne seinen scharfen Verstand hätte er in seimn Plänen gegen die Republik nicht Erfolg gehabt, denn er wurde nicht getragen, wie ei» erblicher Fürst, oder ein solcher, der wenigstens der Erbe eines Name s ist. Seme 5 Jahre in Gallien(dem Heuligen Frankreichs, das er eroberte, würden ihn im wahren Lichte zeigen, wenn nildt er selbst der Äeschichtschreiber seiner Feldzüge in diesem Lande geword n und zugleich der einzige geblieben wäre. Aber sogar i» die ser Selbstschilderung ist die Härte und Herzlosigkeit des Mannes nichts weniger als verschleiert: er schildert mit einer Kälte, als wären sie ganz selbstverständlich, die Schlächtereien, die er unter den Galliern anrichtete: wenn es seinem Plane diente, konnte er so grausam sein wie ein Verrückter. Es zeugt eben von dem äußersten Unverstand, daß Bonaparte den Franzosen diesen Schlächter ihrer Väter als einen der Welthcilaude vorführen konnte. Wie soll mau es aber bezeichnen, daß jetzt von Berlin aus den Gymnasiasten dieser Cäsar als Musterschrift- steller aufgenöthigt wird? Seine Bücher sind eine ganz Handwerks- mäßige Kriegsgeschichte; die Jugend findet darin auch nicht eine Spur von Nahrung für ihr Gcmüth, von einem Anhalt für ihr sittliches Urlheil. Das einzige Verdienst dieser Bücher ist, daß sie in cincin ele- ganten Latein geschueben sind, wie man heutzutage„elegant" auch gesiegt haben will. Der so kaltverständige Mann hatte aber doch wieder seine Schwächen. Als er, nach der Vernichtung seines Nebenbuhlers PompejuS und dessen Partei, man darf sagen unumschränkter Herr von Rom geworden war, genügte ihm nicht die wirkliche Macht, es gelüstete ihn auch noch nach einem Titel, dessen keiner seiner Mitbürger theilhaflig werden könne. Der Kaisertitel war damals noch nicht erfunden, der Mann war aber doch verständig genug, um nicht seinen bloßen Namen zu eiuer ausschließlichen Würde erheben zu wollen. Er mußte sich also mit dem KönigStiiel begnügen. Um aber die Römer noch einigermaßen zu schoueu, war er sogar bereit, den Königstitel auf die Provinzen zu be- schränken, d. h. aus die Läiider außerhalb Italiens, deren Bevölkerung nicht das römische Bürgerrecht hatte. Aber selbst mit dieser Beschrän- kung wurde dieses Titelgelüste ihm verderblich: 23 angesehene Männer verscbworen sich, ihn zu tödten und führten diesen Anschlag auf osjenem Markte durch. Cäsar starb, wie schon angedeutet, ohne einen ehelichen Sohn zu hinterlassen; Erbe, nicht seiner Gaben, nur seines Namens und seiner Herrschsucht, ward sein Nesse, der Sohn einer seiner Schwestern, der unter dem Namen OctavianuS Augustus bekannt ist. Wenn er auch die Gaben seines Oheims nicht theUle, so war er doch klüger als dieser, oder vielleicht besser berathen: er haschte nicht nach einem ausschließ- lichen Machuitel, sondern begnügte sich damit, alle höheren Aemter der Republik in sich zu vereinigen. Nur den Ehrentitel„Augustus" ließ er sich gefallm; der Name Cäsar blieb bei lhm blos Name. Auch Octavian hinterließ nicht einen eigenen Sohn, sondern der Sohn der Livia Tiberius erbte seines Stiefvaters Namen und Herr- schait. Tiberius eröffnete die Reihe der Scheusale, welche über das römische Reich herrschten und diesen Zeitraum zu einem der traurigsten und abstoßendsten der gauze» Weltgeschichte machen. Octavian wüthele gegen seine Widersacher, solange seine Macht noch nicht befestigt war, wußte aber Maß zu halten, sobald er sich einmal sicher fühlte. Dem tückischen Tiberius hat zwar der ältere Bonaparte das Wort geredet, indem er dem Tazilus nachsagte, er habe den Tiberius verleumdet. So ohne alle Fähigkeit und so völlig verrückt, wie sein nächster Nach- solger, war er allerdings nicht, aber das macht seine Schuld nur noch größer. Daß ein Bonaparte so urtheilte, kann nicht befremden, aber was soll man dazu sagen, daß deutsch« Professoren eben so urlheilen, richtiger schwatzen, indem sie denselben Bonaparte als Autorität dafür anführen?! Später sank sogar der Titel Cäsar zur Bedeutung eineS Prinzen des regierenden Hauses herab, oder wurde an Solche verliehen, die an den vorzugsweise gefährdeten Gränzen des Reichs als Mitregenten be- stellt wurden. Wenn man nun den Ursprung des Titels bedenkt und zumal die *) DaS.Gegenwärtige war geschrieben, als der Kaisertitel noch nicht kanonisirt, d. h. noch nicht durch Kanonenschüsse verkündet war. Da es, außer dem Tode, vollendete Thatsachen nicht giebt. so ist die Besprechung dieser Sache noch immer angezeigt. So manche Kaiser- kröne flel wieder von dem Haupte, dem sie aufgesetzt war; einmal kann eS ja doch kommen, daß eine solche Krone, infolge richtiger Würdigung der Dinge, freiwillig wieder abgelegt wird. ersten Träger desselben, so sollte man meinen, Jeder, der sich selbst achtet, müsse sich eines solchen Titels schämen und denselben nicht für eine Ehre, sondern für einen argen Schimpf halten.— Trotzdem gilt der Kaisertitel als der allerhöchste. Aber nur sind wir Deutsche in die- fem Bekachle noch ärger als die romanischen Völker und die Engländer auf dem Holzwege, und stehen hierin mit den Russen aus gleicher Höhe, oder richtiger in gleicher Tiefe, denn das russische Czar ist gleichfalls aus dem lateinischen Caesar verderbt. Die romanischen Völker und die Engländer bedienen sich nämlich zur Bezeichnung dessen, was im Deutschen Kaiser heißt, desselben Wortes, welches im Lateinischen dafür' gebraucht wurde, nämlich Impa- rator, das sie sich nur nach ihren Zungen zustutzen. Das Wort taugt ebensowenig als Caesar, denn es ist rein soldatisch in seinem Ursprung, aber es hat doch einen Sinn, indem es einen siegreichen Heerführer be- deutet. In den Zeiten der Republik wurde nämlich der Ehrentitel eineS Imperators weder vom Senat, noch vom römischen Volke verliehen, sondern es war den Soldaten erlaubt, ihren siegreichen Führer als Imperator zu begrüßen. Die Kaiser, um mich der Kürze wegen des im Deutschen nun einmal üblichen Ausdruckes zu bedienen, legten sich diesen Titel bei, auch ohne Siege erfochten zu haben. Von den Sol- baten wurde er allerdings in vielen Fällen«rthcilt, aber fast nur aus- nahmsweise von solchen, die Siege erfochten hatten, sodann von den frätorianern, den Federbettsoldaten der kaiserlichen Garde, welche den hron einmal sogar im offenen Aufstreich verkauften; meist aber war der Thron die Beute eines glücklichen Anführers im Bürgerkriege. Dem Kaisertitel steht also durchaus nicht ein ehrenvolles Zeugniß der Geschichte zur Seite, sondern vielmehr eine Geschichte, daß man sich wundern muß, wie man in diesem Titel eine Auszeichnung, die ihres Gleichen nicht hat, finden kann, nachdem derselbe mit dem ganzen römischen Reiche ein so klägliches und noch schmählicheres Ende gefun- den hat. Aber wie ist dieser Kaffertitel nach Deutschland gekommen, nach- dem er in seiner Heimath sogar mit einem Spottnamen auf seinen letz- ten Träger, Romulus Momylius Augustulus, erloschen war?— Nicht auf eine Weise, die dem deutschen Namen Ehre macht.— Der Frankenkönig Karl, wegen seiner Körpcrlänge genannt der Große, der Schlächter der Sachsen, und der zweite der drei bluttriefenden Heilande des jetzigen Bonaparte, war vom römischen Bischof um Hilfe gebeten gegen die Longobarden, die ihn hart bedrängten. Ob dem kriegsüchti- gen Manne eine Gelegenheit, sich in die Angelegenheiten Italiens zu mischen, willkommen war, ist nicht schwarz auf weiß überliefert worden, aber die Hilje wurde mit Erfolg geleistet und der Frankenkönig zog als Sieger und Retter in Rom ein. Abmachungen zwischen König und Bischof haben damals wohl nicht stattgefunden, der Frankenkönig war damals noch so bescheiden, sich vom Bischof mit dem Schaunigold des bereits völlig erblaßte» und ganz inhaltslos gewordenen Titels eines„römischen Patriziers" abfinden zu lassen. Der gewaltige und gewaltthätige Frankenfürst war eben noch zu sehr Barbar, als daß er verstanden hätte, den römischen Glitter und Flitter nach seinen: wahren Werthe zu würdigen. Er bckachtete sogar den Pakiziermantel als ein Festkleid, das er auf besondere Gelegenheiten sparte. Erst 7 Jahre später rückte der gewaltige Frankenkönig vom römi- schen Patrizier zun: römischen Imperator vor. Als derselbe nämlich einem zweiten römischen Bischof aus Roth und äußerster Gefahr ge- Holsen hatte und zu Weihnachten im vollen Staat eines römischen Patriziers dem Gottesdienste beiwohnte, rief plötzlich der Bischof den Frankensürsten zum römischen Kaiser aus und krönte ihn als solchen. Dabei muß jedoch bemerkt werden, daß das Wort Caesar, das dem Worte Kaiser zu Grunde liegt, in der lateinischen Ausrnfungssormel nicht vorkam, sondern blos das Wort Imperator. Da jedoch Wörter Zeichen der Dinge sind, so hat der Vorzug, den die Deutschen und die Russen dem Caesar vor dem Imperator gaben, auch wieder seinen, allerdings nicht rechtfertigenden, aber doch erklärenden Grund. Im Caesar nämlich, als einen: Familiennamen, tritt die dynastische Seite der Sache hervor— im Dynastischen jedoch haben die Deutschen immer mehr gefunden, als es werth ist. Selbst als sie ihre Könige wählten, pflegten sie bei demselben Hause zu bleiben, auch noch wenn daffelbe bereits ganz versalle» war. Aber der römische Bischof überschritt schon seine Befugnisse, als er den Frankenfürsten zum römischen Patrizier stempelte, er ging noch weiter darüber hinaus, als er sich anmaßte, die römische Kaiserkrone zu vergeben, nachdem obendrein das weströmische Reich nicht mehr be- stand. Der Kaisertitel war eigentlich ein Titel ohne Mittel geworden. Oer barbarische Kaiser mußte die Mittel aus Eigenem mitbringen. Es ist jedoch ein eigenthümlicher Zug, daß die drei bluttriefenden Hei lande des jetzigen Bonaparte sämmtlich so t:telsüch>ig waren. Cäsar wollte durchaus den Königstitel und brach darüber gleich den Hals; der ältere Bonaparte brach nicht gleich am 13. Brumaire den Hals, aber die Kaiserei war es doch, die ihm den Untergang brachte. Karl der Große mußte seine Mittel zu dem Titel bringen: desto kindischer war es von ihm, daß er auf den verblichenen römischen Titel so viel Werth legte, da er den Imperator, d. i. den Feldhauptmann, doch selbst mitbringen mußte. Auf diesem Wege kam lder römische Kaisertitel oder Jmperatortitel an die Deutschen, aber als eine Schande für den deutschen Namen und als ein Fluch für das deutsche Volk. Eine Schande für den deutschen Namen ist dieses Haschen nach römischen Titeln, weil sich die Deutschen darin genau so stellen, wie heutzutage Wilde oder Barbaren aus ein zinnernes europäisches angebliches Ehrenzeichen sich etwas einbilden, oder in einem alten schwarzen Frack vom Trödelmarkte herumstolzi:en; ein Fluch für das deutsche Volk ist die römische Kaiserei geworden dadurch, daß sie mehr als einer Million Deutscher das Leben kostete. Jeder deutsche König, der meinte, er müsse als römischer Imperator in Rom gekrönt sein, mußte den Weg dahin mit deutschen Leichen erkaufen. Der Hinweg war aber kaum der kostspieligere Theil des Weges. Der Aufenthalt in Italien kostete kaum minder Menschen, als der Kampf um da« Land. Die Italiener hatten kennen gelernt, was sie nachmals die knria tedesca nannten, nämlich die stiermäßige Streitsucht der damaligen Deutschen; sie wußten aber auch, daß der italienische Himmel, der die leiseste Ausschreitung schwer bestraft, den rohen Söhnen des Nordens verderblich werden mußte. Etwas Gutes haben übrigens die damaligen Deutschen von den damaligen Italienern in keiner Weise gelernt: denn wenn die Deutschen zu allen Zeiten in allem Adelswesen klassisch waren, so sind es die Italiener nicht minder gewesen und können sich noch heutzutage weniger als andere europäischen Völker davon losmachen. Das Schlimmste aber, was aus diesem Fürsten zum römischen Bischof für das deutsche Volk erwuchs, waren die Abmachungen, die dabei stattfanden, da kein Bischof einen deutschen König als römischen Kaiser krönen wollte, ohne etwas für sich in's Trockene gebracht zu haben. AuS den Bedingungen, die sie Anfangs stellten, wurden später Forderungen und Anmaßungen ohne alle Frage, bis deutsche Könige sich sogar die ärgsten Demüthigungen gesallen ließen. Darunter war das Steigbügelhalten noch das Geringste; weil ärger war, daß cmrich IV. sich nicht schämte, im Hose des Schlosses der Bühlen:: regorS des VII. 3 Tage und Nächte barfuß und im Hemd in rauhem Wetter Buße zu thun.(Schluß folgt.) Moralische Berlust-Lifte. Wir kennen, wenn auch nur annähernd, die Zahl der Soldaten, welche aus Frankreichs Erde bluteten und starben. Es kann nach Jahren durch Statistiker berechnet werden, wie viele Tausend mittelbar dem verderblichen Einfluß des Wetters und der Strapazen erliegen. Wir kennen ferner die Zahl der„Civilisten," welche in Straßburg von der Furie des Kriegs hingerafft wurden; wir werden nach dem Kriege e: fahren können, wie viele Menschen in den Orten, welche„der Erde gleich gemacht wurden" verendete». Paris, Metz, Bazeillcs, Chatau- dun, Ablis w. k. werden ihre Verlust-Listen zusammenstellen, kurz der Verlust an Menschenleben in diesem glorrerchen Kriege, sei er auch noch so groß, kann mit ziemlicher Sicherheit berechnet und festgestellt werden.— Ja, der Verlust ist ein entsetzlich enormer. Man suhlt dies gleich schmerzlich in Deutschland wie in Frankreich. Doch die Kaiser und Könige denken anders als Menschen im beschränkten lln- terthanenverstand. So soll Napoleon der I. nach einer seiner großen Schlachten gesagt haben:„Was thut's? Die hier geblieben sind, wer- den in einer Nacht wieder gezeugt!" Das mag, obwohl sehr roh ge- sprachen, dennoch wahr sein.' Aber läßt sich der Verlust an Moralität und Intelligenz, welchen beide kriegsührende Länder erleiden, auch in einer Nacht ergänzen? Leider neinl Viele Jahre werden dazu gehö- ren.— Man rst vielleicht lange damit im Reinen, wie viel man Sol- daten braucht, um Elsaß, falls e»„wieder deutsch wird" zu besetzen, wie viel man braucht, um die Annexion festzuhalten; hat man schon berechnet, wie viel Lehrer und Erzieher man braucht, um die Rohheit und Verwllderung wieder zu beseitigen? Wie viele Tausende sino et von Eltern, Lehrern und Erziehen, deren Schweiß und Thränen umsonst vergossen? Diese Fragen kann Niemand beantworten, als die Zeit und zwar die nächste Zeit. Es ist selbstverständlich, daß der gesittetste Mensch, unter dem fort- währenden Morde», Brennen und Sengen, unter den größten Scheuß- lichkeiten, deren man einen Wilden kaum für fähig halten sollte, moralisch erliegt. Lange Zeit kämpft wohl die Bildung gegen die Begehung einer Unthat, aber wer es auch sei, Keiner wird die schätz- lichen Eindrücke, welche Mord- und Greulszenen ausüben, bekämpfen können. Es mag mancher gute Mensch„unter Larven die einzige fühlende Brust" sein, aber unter wie Vielen? Wir werden in dem Jahre nach dem Kriege eine größere Zahl von Verbrechen und von Verbrechern haben; ein Mensch, der so nnd so viel über den Haufen geschossen, gestochen u. s. w. hat, für den wird ein Menschenleben nicht mehr den Werth haben, den es hatte, als er noch frei von den trie- gerischen Eindrücken war. Was sollen Menschen, die lange Zeit das rohe Kriegshandwerk ausübten, für Gatten, für Erzieher werden? ES wird lange dauern, ehe die furchtbarsten Eindrücke vorüber sind; aber durch das ganze Leben wird sich, wie ein rother Faden, der Eindruck der traurigen Zeit ziehen, wo es galt einer Stimme zu gehorchen oder einem Rufe zu folgen: aus heiliger Liebe zum Valerlande. Jeder ver- nünstige Mensch fragt sich nun: Ist der Preis ein so hoher, daß eS sich lohnt, einen solchen Einsatz von Gut und Blut, Leben und Ge« sundheit, Moral und Intelligenz-c. zu wagen? Lieb' Vaterland k. hast ja einen Kaiser, das Uebrige wird dir schon„mit Gottes Fügung" beigebracht werden. Nun komme, was kommen muß. Aber w:r erstre- ben eine Zeit, wo es nicht zweien der ersten Kulturvölker tinsallen kann, sich auf den Wink zweier Menschen zu zerfleischen und zu ver- nichten, kurz wo ein Krieg so unmöglich sei, wie in jetziger Zeit ein dauern- der Frieden. Hoffen wrr, daß die Zeit und das Reich bald zu uns komme. R. Leipzig, 23. Januar. Die am vergangenen Sonnabend Abend vom Allgem. Deutschen Arbeiterverein einherufene, in der Westendhalle stattgefundene Arbeiterversammlung war äußerst zahlreich besucht und hatte zum Zweck Besprechung über die bevorstehenden Reichstagswahlen, Ausstellung eines Kandidaten und Niedersetzung eines Wahlkomitees. Nachdem der Bevollmächtigte des genannten Vereins, Dettlesss, zum Vorsitzenden gewählt war, übernahm Hirsch das Referat über die Tages- ordnung. Derselbe legte die Bedeutung der bevorstehenden Wahlen dar und empfahl die Kandidatur Bebels. An der Debatte betheilig- ten sich hauptsächlich Röthing, Herler, Ado. Freytag, Hirsch und Hadlich; sämmtliche Redner sprachen ihre Freude darüber aus, daß man sich geeinigt hätte, hier Bebel aufzustellen. Er und Liehknecht wurden für die würdigsten Vertreter der Ardeiter in: Reichstag erklärt. Wenn auch sehr schwer anzunehmen sei, daß Bebel die Majorität hier bekäme, so würde doch sicher, wenn die Arbeiter Leipzigs sich zahl- reich an der Wahl betheiligten, und dies sei bestimm: zu erwarten, eine achtungswerthe Minorität erzielt. Siegesmund hielt es nicht für praktisch, Bebel hier aufzustellen, da er Leipzig zu gut kenne, um zu wissen, daß derselbe nicht gewählt würde. Hier sei das Verhältniß ein anderes, als in einer Gegend, wo die Arbeiter die überw:egende Bevölkerung ausmachten. Er bekenne sich auch zur Arbeiterpartei, aber wenn es zu einer Stichwahl kommen sollte, warne er die Arbei- ter, ja kein Kompromiß mit der Partei der sogenannten Schwarzen oder Reaktionären einzugehen, sondern dem vorgeschlagenen liberalen Kandidaten ihre Stimme zu geben. Röthing und Hadlich bestritten, daß die Arbeiter nöthig hätten, sich mit anderen Parteien zu verbin- den; wenn sie einig wären, seien sie stark und Letzterer w:es darauf hin, daß die im Dez. v. Jahres hier stattgesundene Stadtverordneten- wähl mit der Reichsjagswahl durchaus nicht zu vergleichen sei, da bekanntlich fast sämmtliche Arbeiter von der Ersteren ausgeschlossen seien, und nur sogenannte Bürger das Recht zu wählen hätten. Die Kandidatur Bebels wurde schließlich unter allgemeinem Beifall einstimmig angenommen. Bezüglich des Landkreise« (13. sächsischer Wahlkreis) wurde nach kurzer Debatte beschlossen, sich mit Wählern von größern, zu denselben gehörigen Ortschaften in Ver- bindung zu setzen, für Einsetzung von Wahlkomitees zu agitiren und für genannten Wahlkreis Dr. Johann Jacoby aus Königsberg vorzuschlagen. Nachdem noch ein Wahlkomitee von 15 Personen gewählt war, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem Wunsche, daß alle serneren Arbeiterversammlungen so einmülhig und ruhig ver- lausen möchten wie diese. An die Parteigenosse«. Abrechnung des stellvertretenden Ausschusses. A. M o n a t s- beiträgt sind eingegangen von: Würzburg Juli— Novbr., Psorz- heim Okibr.— Decbr., Neustadt a/Orla, Juli— Novbr., Nürnberg Oktbr.— Decbr., Weimar Novbr.— Decbr., Eisenach, Augsburg August— Decbr., Hamburg Okibr.— Decbr., München, Reundoff Novbr.— Decbr., Breslau Novbr.— Decbr., Reichenbach i/O. Juli— Decbr., Ronsdrf Novbr.— Decbr., Oberlungwiv, Altona Juli— Dkl., Giengen a/B.(Würtlbg.z Okibr.— Decbr., Mittweida Okt.— Decbr., Münchenbernsdors Nov.— Decbr., Wieda Nov.— Decbr., Rönne- bürg(durch Schumann) Oktbr.— Decbr. nebst 5 Nor. für Stempel, Ronneburg(durch Lange) Juli— Decbr., Leipzig Novbr.— Decbr. L. Freiwillige Beiträge und Unterstützungen. AuS Neu« York(durch Bebel schon quittirt) 42 Thlr. 25 Star. 7 Pf., aus Psorz- heim durch Scholl für Rüdt 1 Thlr. 21 Ngr. 5 Pf., von demselben für Schriften 5 Ngr., auS München durch Mendler 4 Thlr., aus Köln durch Küpper von einem Parteigenossen auS dem Heere 1 Thlr. 19 Ngr. 5 Pf., von Dr. B. 1 Thlr., von Bennecke auS Hamburg 1 Thlr. 3 Ngr., von Oehme auS Breslau 1 Thlr., von G. v. d. Heyden in Ronsdors, 1 Thlr. 14 Ngr., vom Arbeiierbildungsverein in London 7 Thlr., von Kreußer in Reutlingen 2 Thlr., von G. Hille in Dresden 20 Ngr., von Mehlig, Gewerksgenossenschaft der Maurer und Zimmerer 2 Thlr., von Bennecke auS Hamburg 8- Thlr., von EndreS aus Augsburg 4 Thlr., von Dr. B. 2 Thlr. 22 Ngr. 5 Pf. Bei den außerordentlich gestiegenen Ansprüchen an unsre Vorsorge 'ür die gemaßregelten Parteigenossen und bei den schwierigen Aufgaben, welche neuerdings namentlich wegen der Wahlagitation an uns her- angetreten sind, müssen wir die Parteigenossen dringend auffordern, in ihrer Opfersreudigkeit nicht nachzulassen. Dresden, den 22. Januar. Mit soz.-demokr. Gruß und Handschlag Der stellvertretende Ausschuß. Für den„Volksstaat" sind serner eingegangen: A.-B.-V. Tettnana (durch Horb) 15 Ngr., A. H. Wiesbaden 1 Thlr. Kür die Kamiliei» der Jnhafttrte» E. M. Tübingen 1 Thlr. Briefkasten. London: Brief erhalten. Artikel in der nächsten ganzen Nummer. — Zürich: Ueber L. zu berichten? Er ist das Porto nicht werth. Die Sache ist notorisch und kann mit einer großen Anzahl von zum Theil sehr pikanten Einzelheiten belegt werden. 1866 war er dem offiziösen„Publizist" beigegeben, berüchtigt durch seine infamen Hetzartikel gegen die„verkommenen" Süddeutschen, die damals„Helo- ten" werden sollten, wie heute, nach Hans Blum, mit ihrer Hilfe die Elsässer. Dabei ist zu berücksichtigen, daß L. ein Süddeutscher ist! Ehe er Bismarck diente, diente er dem System Werren in Nassau. Von Berlin wurde er nach Dresden geschickt, um dort mit preußischem Geld« ein Blatt zu gründen; er soll 10,000 Thlr.„verpulvert" haben, ge- wann aber kem Publikum und wurde deshalb„zu leicht" befunden. Auch wollte man den„tüchtigen Kräften" der deutschen„Allgemeinen" in Leipzig und der„Constitutionellen Ztg." m Dresden, die schon s o lange„aktiv" sind, keine neue Konkurrenz machen. Nach einigen vergebliche» Versuchen, auf eigenen Füßen zu stehen, verschwand L. in Dresden, um in Zürich als wüthender Preußenftesser aufzutauchen. Ihr geht wohl am sichersten, wenn Ihr einen genauen und detaillirten Nachweis verlangt, von was er dort lebt. — Essen: In nächster Nummer.— ad. Berlin: Deßgleichen. Leipzig: Verantw. Redakteur in Vertretung: Carl Hirsch(Redaktwn: Smilienstr.2.) Druck u. Verlag: F. Thiel«.(Expedition: Peterstr. IS.)