JV* 11. Sminaben», Dcu 4. Fcvrimr. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Lestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhaud lungen des In- und Au». landei an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstraße 18, F.Thiele, Emllienstraße 2, Der Bnlksstflilt MonnementSprets Für'strengen incl. Stempel- steuer Ist Ngr, für die übrigen deutschen Staaten 12 Sfgr. per Quartal Agent iür Lonvon A Duensing, b'ornign öuo>!»vU«r, riau and Newsajreut, 8, Little Newport Street, Lei- eester Square,\V. C Filialerpedition für die Verein Staaten:?.�.SorAe. stoxlstl Hoboken N.J. viaNewyork Organ der sozial-demokratischen Ardeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenoisenschasten. Au die Parteigenoffeu. Der seitherige stellvertretende Ausschuß zu Dresden hat sein Amt niedergelegt. Die Controlkommission in Hamburg hat sich veranlaßt gesehen, den prov. Parteiausschuß nach Leipzig zu verlegen, und sind von der hiesigen Mitgliedschaft die Un- terzeichnelen zur Leitung der Parteiangelegenheiten gewählt worden. Indem wir Dies hierdurch der Partei zur Kenntniß bringen, hoffen und erwarten wir, daß mau uns von Seiten der Parteigenossen mit Vertrauen entgegen kommt, und ver- sprechen, trotz schwerer Zeit, treu unserm Prinzip, welches in den Worten Humanität und Völkerverbrüderung gipfelt, aus- zuharren und den Anforderungen der Partei nach allen Rich- tungen hin gerecht zu werden. Leipzig, 2. Februar. Der stellvertretende Ausschus; der sozialdemokratischen Arbeiterpartei: <5. Gabriel, Vorsitzender. l5. Seifert, Stellvertreter. Theod. Burckhardt, Kassirer. Johannisgasse 6— 8, E 3. C. Heidemann, Secretär. Neumarkt 8, III o. Osw. Stelzer, Beisitzer. Politische Uebersicht. Gambetta ist weder, wie man wünscht, wahnsinnig ge- worden, noch hat er, wie man hoffte, abgedankt, um der Bour- geoisie und den Bonapartisten Platz zn machen, noch endlich setz: er, wie man behauptet, den Krieg fort. Er erklärte viel- mehr, daß man nicht Frieden unter a l l e n Bedingungen machen könne und deßhalb gerüstet bleiben und weiter rüsten müsse. Aus Versailles erhält die„N. Fr. Pr." folgende Schil- derung: Soeben, 2 Uhr Nachmiltags, kehren unsere hiesigen Regimenter unter meinem Fenster vorbei durch die Avenue de St. Cloud mit klin- gendem lustigen Spiel und frischem Schritt und Tritt vom Schlacht- setde zurück. Die Schanze'sttonireioul und alle unsere srühereii Stet- lungen si..O wieder in unseren Händen. Im heißen Kamps wurden sie vtachls zwischen 12—1 Uhr wiebergenommen. Aber so sehr ich auch jon>i die Kontraste liebe— sie erfrische» das Leben— so macht mich solch lubeliides Heimkehren der gelichteten Soldatenreihen vom frischen Biuiselde doch stets traurig, noch trauriger, als wenn die Kamerade» hier einen lobten Soldaien hinausgelrageii haben auf den kleinen Ver- sailler Kirchhof und dann mü lustiger Musik durch die Straßen zurück- marjchiren. Fröhlich sein und traurig sei», hat jedes seine Zeil; aber zusammen passen sie schlecht. Will ich einmal rechtichajsen traurig seiii — und das ist uns Menschenkindern sehr gesund— so brauche ich nur gegen Abind auf den Kirchhof Rotre Dame zu gehen. Dort giebts dann immer mehr als zu viel Stoss zum Traurigsein. Die lodic» deutschen Soldale» bilden dort schon ein ganz ftaitliches eigenes Quartier. Aber sie wohnen sehr eng bei einander. Sie haben«arge, so schmal und wunderllch gesormt— oben und unten sich verengend, wie der Kasten eines Biolonzells— und so niedrig, daß man kaum be- greisen kann, wie ein Mann mit dem preußischen Militärmaß darin 'stlatz siudet. Aber die Todlen sind die bescheidensten und geduldigsleii Leure. Und diese schmalen, sarblosen Särge weiden von den sranzösi- schcn Todleiigräbern einer aus den andern gepackt in der großen llesen Erube, die das deutsche Todtenquartier hier einnimmt. Die Btlsailler, die so unendlich viel Platz für die Lebenden habe»— denn es giebl wohl kaum eine zweite Stadt, die bei SO.iXK) Einwohnern einen so un- geheuren Flächenraum beansprucht— gönnen auch ihren eigenen Tovien nicht viel mehr Platz. Fünf, sechs Särge werden stets über einander geschichtet. Und unsere Lazarethe werden noch manche Quadrat- rulhe Frievhosserde in Anspruch nehmen. Sic beherbergen jetzt über 2uUi) Kranke und Berwundle. Jeden Abend konnte man süns, acht, zehn solcher dürsiigen Soldatensärge hinaustragen sehen. Jetzt werden es auf einige Wochen noch mehr werden. Einige grüne Taxus- und Lordeerzweige liegen aus dem flachen Sarge. Zuweilen auch ein gel- ber Jininoticllentranz mit den Ichwarzen Buchstaben:„Ruhe sanft!" Kranze giedt es i» den sranzösischen Blumenläden zu kaufen. Die Bcrjailler verstehen und lernen das verhaßte Deutsch sehr leicht, wenn es daraus ankommt, den Deulschcn doppelte Preise abzunehmen. Die Musit spielt einen Ehoral. Der Prediger wartet bereits ander große» Eirube, die auf der einen Seile noch die unangestrichencn Bretter der gesierii degradenen Särge zeigt. Er spr>cht immer und immer wieder davon, wie schön es ist, für König und Vaterland zu sterbe». Ich muß dann siets an die ferne» Angehörigen denken, die in dieser Stunde Vicht einmal ahnen, daß ihr Liebstes auf Erden in dieser Stunde so gsschäflsmäßig und en gros unter Frankreichs lieblose Erde gebrachl wud. Di« Soldaten Wersen einige Hände voll Erde, ein guter Kamerad wtijl auch wohl eine Handvoll grüner Zweige hinab;, dann gehen sie unter den Klängen ei»es lustigen Marsches heim oder ins WirlhShaus. Die frauzösischeu Todtengrabcr schaufeln ein wenig Erde hinab aus die Sarge, bis der große gemeinsame Hügel der deutschen Solda- ten um einige Fuß breiler geworden ist..." Nachdem die Brücke von Fontenay, auf dem We�e nach Toul, durch Franktireurs gesprengt worden, hatte, wle wir in der vorigen Nummer berichteten, der Präfekt der Meurthe, �ras Renard, 500 Arbeiter verlangt, um den Bau wieder- herzustellen und außerdem das Dorf Fontenay in Brand stecken lassen. Das Letztere ging ganz prompt von Statten, das Er, lere fand Hindernisse; die Arbeiter in Nancy sangen die Marsaillaise, Ueßen che Republik leben, aber hatten keine Lust zu der Arbeit, obwohl ihnen 3 Frcs. Tagelohn versprochen. Nun erli.ß der Herr Ptäsekl den bekannten Befehl, der alle Werkstätten von'Nancy, die mehr als 10 Arbeiter beschäftigen, bei Strafe von 10—50,000 Frcs. für jeden Arbeitstag schloß. So weit hat es die„Köln. Zig." erzählt, aber sie hatte ver- 9eljen hinzuzufügen, daß ein paar Stunden später, am 23. d., an den Mauern von Nancy folgender Anschlag erschien: „Der Präfett des Meurlhe- Departement hat dem Maire von Nancy Folgendes zu wissen gethan: wenn morgen Dienstag Januar, 12 Uhr Mittags, nicht 500 Arbeiter auö den Werkstätten der Stadt sich aus dem Bahnhofe gestellt haben, so werden zunächst die Werkführer und dann eine Anzahl von Arbeitern ergriffen und auf der Stelle füsilirt(erschossen) werden. Nancy 23.Januar 4 Uhr Nachmittags." „Ich führe Krieg mit den Soldaten, nicht mit den Bürgern Frankreichs." Eine Episode aus dem„frischen, fröhlichen� Krieg, die bis jetzt in keiner Zeitung gestanden, ist folgende: Auf dem Stuttgarter Bahnhof kam mit einem Sanitäts- zug ein Verwundeter an, dem ein Arm und beide Beine ab- genommen waren und der bereits im Sterben lag. Nach be- kannter Sitte wurden die Verwundeten von den Majeftäten beschaut. Den unglücklichen Menschen fragte der König: haben Sie noch einen Wunsch? Mit der äußersten Anstrengung richtete er sich auf der Tragbahre in die Höhe und rief mit durchdringender Stimme: Für mich eine Kugel durch den Kopf und für meine Braut eine anständige Versorgung in einem Irrenhaus! Aus Königsberg vom 25. I. schreibt man derZkft.: In der gestrigen Stadtverordueten-Versammlung stellte der Magistrat den Antrag, eine Glückwunsch- Adresse an den neuen deutschen Kaiser zu richten. Nach kurzer, aber lebhafter Debatte, an welcher von Seiten des Magistrats k. Bürgermeister von Reitzen- stein, von Seiten der Stadtperordnetcn ic. Oberamtmann Böhm, Dr. Falckson und Dr. Johann Jakoby theilnahmen, entschied die Majorität sich für Annahme des Antrages. �Namentliche Abstimmung wurde abgelehnt.— Jakoby's Worte waren folgende:„Bevor Sie, meine Herren, über die Abfassung der Adresse berathen, sei mir eine kurze Bemerkung gestattet, die nicht etwa auf Ihre Abstimmung einwirken, sondern lediglich meine persönliche Stellung zu dem Antrage bezeichnen soll: Als Lord Brougham— bei dem Regierungsantritt der Königin Viktoria von England— aufgefordert wurde, einem— zur Feier des Tages— veranstalteten Feste beizuwohnen, lehnte er dies mit dem Worten ab:„„Vorzeitiger Enthusiasmus ist durch die Geschichte des Königthums in England nicht gerechtfertigt."" — Ein Gleiches, meine Herren, gilt von dem Kaiserthum in Deutschland; auch hier ist vorzeitiger Enthusiasmus durch die Geschichte keineswegs gerechtfertigt. Ich für mein Theil erkläre mich gegen die beantragte Adresse." Am 17. d. M. fand vor dem Kreisgericht zu Wolfen- büttel eine Gerichtsverhandlung gegen den Obergerichts- advokaten Dr. jr. Franz Dedekind statt, welche zur Ver- urtheilung des Angeklagten zu 6 Monaten Festungshaft wegen Beleidigung des Bundesoberhauptes, des Königs von Preu- ßen, führte. Dem Strafantrage des Staatsanwalts lag fol- gende Depesche, welche der Angeklagte am 3. Dec. v. I. in Braunschwcig aufgegeben hatte, und die in' Hannover mit Be- schlag belegt worden war, zu Grunde: „An Ihre königl. Höh. Prinzeß Marie von Gottes Gnaden, Hietzing, Wien. Zu Ew. königt. Höh. erhabenem Geburtstage meine heißesten Glückwünsche. Ew. Königl. Höh. reines Gewissen beneidet selbst ein Länderslürmer, welcher seinem Ehrgeiz mehr'Menschenleben opferte, als Blulstropsen seine» alternden Körper durchrinnen. Wenigstens Ein Verächter von Recht hat;ctnen Lohn: Gott wird weiter richten. Allerunterlhänigst Hr. Dedekind." Man schreibt uns aus Bayern: „Schon früher brachte der Volksstaat die Behauptung, daß auch in Bayern der Briefverkehr nicht sicher vor Stieberei sei. Die bayr. Ge- neralverwaltung der Post läugnete dies lebhaft. Ei» Beweis dafür ist jedenfalls, daß in Ingolstadt eine Dame verhaftet wurde, die, wie die Zeitungen ungenirl inetdeten, Briefe mit franz. Feldpoststempel empfing, sie, zurückstchalteu uiil» eröffnet, den Beweis lieferten, daß die betr. Dame einer Anzahl Osfiziere und.Soldatcn(aber nicht au« extrem-demokratischer, sondern sehr zärtlicher Absicht) die Flucht erleichtert habe. Während des Waffenstillstands in Frankreich setzt Preußen im Innern den Krieg gegen die Presse mit ungeschwächten Kräften fort. Auch den„Sozialdemokrat" hat man konfiszirt, vermuthlich aufBestellung oder Bitte des Hrn. V. Schweitzer, damit man nicht merken soll, wie er durchaus und planmäßig für das Hauptquartier und die kaiserliche Partei„arbeitet". Aus demselben Motiv wird er sich vermuthlich auch demnächst wieder ein wenig einsperren lassen, wie seiner Zeit in daS Rummelsburger Sommerpalais, um sich als„Märtirer" auf- spielen zu können. Ja, wenn wir Vermorel, den bona- partistischen Klassenwüthrich, nicht kennten! Dabei hätte Herr v. Schweitzer zugleich eine gute Ausrede, den Arbeitern von Elberfeld- Barmen' nicht Rede stehen zu brauchen. Spiegelberg! Wir glauben die Parteigenossen darauf aufmerksam machen zu müssen, daß bis jetzt für die Parteisache in materieller Hinsichl noch sehr viel Nölhiges zu thun übrig geblieben ist. Na- mentlich dürfte es in entfernteren Kreisen als Pflicht angesehen werden, den sächsischen- Parteigenossen ihre voraussichtlich harten Kämpfe um die Wahl und Wiederwahl der Jnhaftirten zu erleichtern, wo nicht gar zu ermöglichen. Die Gegner streuen Geld mit vollen Händen aus, dies bedingt, daß unsere Freunde wenigstens die Mittel zur Bestreitung der nothdürftig- sten Ausgaben haben müssen. Wahl-Angelegenheiten. Die sächsische Laudesversammlung, welche am vergangenen„Sonnlag in Dozauers Lokal in Zwickau stattfand, war besonders vom 10., 12., 13., 14., 15., 16., 17., 18., 19. und 22. Wahlbezirk zahlreich durch Delegirte und Mandate beschickt. Der westliche Theil des Landes war wegen der Kürze des Termins weniger vertreten. Es wurden lediglich Wahlangelegcnheiten erörtert, und zwar wurde ins- besondere über die Mittel und Wege zur Sicherung der Wieder- wähl Bebels und Liebknechts berathen. Es wurde zur agitori- schen Betreibung der Wiederwahl, die allseitig im Interesse nicht nur der sächsischen oder deutschen, sondern der europäischen Demokratie liegend angesehen wurde, ein Comitec niedergesetzt, welches aus Motteler, Schraps und Vahltcich in Crimmitzschau besteht und die zu einer gedeihlichen Wahlagitation sehr nöthi- gen Geldunterstützungen entgegennimmt. Fllr Walvhcim wurde Bonhorst, für Mittweida Spier aufgestellt; bezüglich der anderen Wahlbezirke, soweit sie nicht, wie der 12. und 13., bereits ganz seldstständig vorgegangen waren, sind noch keine � definitiven Parteikandidaturen aufgestellt worden. 14. sächsischer Wahlbezirk. Sonntag den 5. Februar, Nachmittags 3 Uhr, soll in Rochlitz eine Besprechung im Arbeiter-Vereins-Lokal bei Herrn Dietz stattfinden, wo alle Vereine und Ortschaften des 14. Wahlbezirks vertreten sein möchten. Der Vorstand Wilhelm Lehmann, - Rochlitz, Mühlgraben 298. 17. sächsischer Wahlbezirk. Meerane, 28. Januar. Gestern Abend hat sich hier ein demokratisches Wahlkomitee gebildet, welches theils aus Mitgliedern des Bolksvereins, theils aus hiesigen Bürgern besteht, welche alle insgesammt für die Wiederwahl des früheren Vertreters für den 17. Reichstags- Wahlbezirk, Herrn A. Bebel, kräftig agitiren. werden. Der 17 Wahlbezirk zur Kandidatur Schulze-Delitzsch. Was schleicht dort aus der Leichenhalle Der dicke todte Mann herfür? Hat ihn getödtet nicht Lassalle? Was will die Mumie wieder hier? „Uns selbst zu helfen," war die Predigt, Die Du so oft erbaulich hieltst; „Wer spart, wird seiner Roth entledigt!" Riefst Du, bis Du vom Throne fielst. Wir wollen sparen unfern Jammer Mehr haben wir zum Sparen nicht— Wir führen auf den Staat den Hammer, Bis er sich läutert oder bricht! Drum weg mit Deinem Phrasennebel Und Deinem Fabrikantengeld, Uns nützet nur ein Mann wie Bebel, Ein lebender, kein todter He ld. Im Wahlbezirk Magdeburg hat unsere Partei, ebenso wie im 3. Berliner Bezirk, Johann Jakoby aufgestellt. Auch im Wahlbezirk Gotha ist Johann Jakoby auf- gestellt.___ Wahlbezirk Köln. Köln, 30. Januar. Der„Vvtls-Ztg." schreibt man: Von unfern beiden hi.sigen Arbeiter-Fraklionen(Schweitzerianer und Bebelianer) hielten gestern die ersteren eine nicht eben zahl- reich besuchte Wahlversammlung ab. Das Interesse, welches diese Versammlung nach außen hin verdient, lag in der von verschiedenen Rednern übereinstimmend vorgebrachten Erklärung, daß die ultramontane Partei den Führern des„Allge- meinen deutschen Arbeitervereins" namhafte Geld-Unterstützungen angeboten, wogegen sich die Mirglieder des ge- nannten Vereins verpflichten sollten, dem von den Ultramon- tanen aufgestellten Kandidaten ihre Stimmen zu geben.— Zur Ehre der Lassalleaner sei zugefügt, daß dieselben jenes lockende Anerbieten in obiger Versammlung einstimmig zurückgewiesen und ein eigenes Wahlkomitee eingesetzt haben. Die Parteigenoffen, sowie alle Arbeiter fordern wir auf, »euau, und jeder persönlich,»achzuieheu, ob ihre Namen tc. in den Wählerlisten auch richti» eiuneirage» sind, und im verneiucuden Fall energisch zu rrkiannre». Harburg. Am 21. v. M. versuchten die Anhänger de» vr von Schweitzer abermals, die Arbeiter Harburgs mit der bekannten Bettel- Petition ihres Herrn v. Schweitzer zu beglücken. Zum bessern Ber- sländniß dieser Angelegenheit bemerken wir, daß diese, angeblich im Interesse der Familien unserer Soldaten erlassene Petiii n ke nen andern Zweck hat, als Schweitzer's Ansehen b.i den Arbeitern zu kräs- tigen, und den höheren, höchsten und allerhöchsten Regionen ad oeu- los zu beweisen, welchen Einfluß er bei den Arbeitern hat. Darum hat er anbefohlen, diese sog. Resolutionen nicht an den Reichstag, wo die Gesetze wegen Unterstützung der Familien der Verwundeten sc. be- schlössen werden, fondern nach Versailles ans Hauptquartier zu senden.— Auch diesmal vergebens! Vergebens die anberaumte Ver- sainmlung, vergebens waren zur Anpressuiig dieser Petition 5, sage fünf Redner van Hamburg verschrieben worden, vergebens hatten die Anhänger Schweitzers in zwei vorauf abgehaltenen Parteiversamm- lungen Vorkehrungen getroffen, um den Gegnern der Schwiiidelthcorie des Dr. v. Schweitzer den Zutritt zu der Versammlung zu ivehren, diesen sog. Ehrlichen, oder der„partikrilaristischen hietzinger Mohrenbrut", wie ein Herr Krambeer sich lieblich ausdrückend (siehe Schweitzer'» Lügenblatt Nr. 7) die Harburger Arbeiter, die die fosialdemokratische Arbeiterpartei nicht von' dem Famulus des realiio nären Justizrath Wagener mißbrauchen lassen wollen, nennt. Wir hatten vorher schon den Anbetern und Nachtretern des Literaten Schweitzer erklärt, daß die Harburger Arbeiter nicht für Schweitzer und auf seinen Befehl ins Hauptquartier betteln gehen würdein Wir hatten ferner erklärt, daß die Harburger Arbeiter von einem solchen Subjekt, wie dieser Schweitzer, sich einen Kandidaten zur Parlaments- wähl nicht vorschreiben und aufdrängen lassen würden. Wir nennen den Literaten l)r. von Schweitzer, derzeitigen Präsidenten des Allge- meinen Deutschen Arbeitervereins und Unterslüyungsverbandes, mit Vorbedacht, absichtlich, und so lange ein Subjekt oder Schurken, als er es nicht wagt, gegen den Vorwurf, den der Iustizrath Hr. Sterzing in Gotha an das Arbeiter-Wahlkomitä daselbst ausgesprochen, ihr Führer Schweitzer habe beim Frankfurter Schützenfeste'2(XX) fl. unter schlagen, sich zu vertheidigen. Dies ist übrigens nur ein Fall der Schurkenhasrigkeii Schweitzer's, des Präsidenten des Allg. Deutschen Arbeitervereins. Wir könnten, und werden demnächst, um zu konsta- tiren, weh Fleisches Kind dieser Schweitzer ist, eine kleine Blüthenlese darüber verösientlichen. Und ein solcher charakterloser Mensch, ohne jeden sittlichen und moralischen Hall erfrecht sich, die Kandidaten bestimmen zu wollen (für Harburg ein Hr. Bräuer aus Hamburg), die die Arbeiter wählen sollen.' Ein"altes Sprüchwort sagt: Wie der Herr, so der Knecht' Man sieht, wie sehr dieser Mensch mit seineu Helfershelfern die hohe und hehre Idee Lassalle's in kretinenhafter Selbstsüchtigkeit miß braucht, dessen geniale Schöpfung heruntergebracht hat. Wie lange wohl noch die Arbeiter, die sich Lassalleaner nennen, eine solche Ma- jestätsbeleidigung ihrer Würde, ei nen solchen Hochverrath an ihrer, an der menschlichen Vernunft, von diesem Aftersozialisten dulden werden? Nach Alledem ist es wohl erklärlich, warum die Helfershelfer des Schweitzer uns nich, in den Volksversammlungen haben möchten. Ist doch nock) nicht allen Arbeitern von dem politischen Schuster in Heimfeld und dessen„Eben" ebenbürtigen Genossen das Hirn ver- kleisteit, das Denkvermögen ertödtet durch den wahrhaft erschrecklichen Mißbrauch, den diese Leute mit den Begriffen von„Prinzip, Or- (janisaiion und Disziplin" treiben. Die Dreieinheit dieser Worte ist überhaupt für unsere Sauthosi-Schweitzer'schen Bevollmächtigten. Agitatoren und Prinzipi.nreiter das Mädchen für Alles, was bei jeder Gelegenheit gemißhandelt wird. Diesmal kam es zufällicherweise nicht zu solcher Malträtirung des gesunden Menschenverstandes, die Versammlung wurde noch vor der Erössnung von dem überwachenden Beamten untersagt. Wir wollen ununtersucht lassen, ob das Verbot gesetzlich gerechlferngt war, und nur den Grund angeben, warum es erfolgte. Durch die Hetzereien des Bevollmächtigten Schweitzer's, Herrn Sauthof, der ein ganz besonderes Interesse daranhat, mich in den Versammlungen mun. todt zu machen, und der, zu einfällig, mich todizureoen, zu ungeschickt, mich todtzuschweigen, mit einem, nur solchen„großen Geistern" eigenen Raffinement zu dem Auskunfts mittel der brutalen Gewalt gegrifsen und seine Complicen beauftragt hatte, mir um jeden Preis den Zutritt zu dieser Versammlung zu wehren, war unserseits um so größeres Gewicht darauf gelegt, die Redefreiheit und das Recht eines Jeden, die ösientlichen Vers sammlungen zu besuchen, gegen jede Vergewaltigung sicherzustellen. Im Begriffe, mich in den Saal zu begeben, wurde ich von den durch Sauthos aufgehetzten Personen mit aufgehobenen Fäusten bedroht und zurückgestoßen, ja die Rohhcit dieser, sich Arbeiter und Lassalleaner nennenden Leute ging soweit, daß einer derselben, ich könnte auch den Namen nennen, mit einem in ein Taschentuch gelnotenen Steine zuschlug, und Denen, die diese Schläge abfingen. Sand in die Augen warf,- ein Beweis, daß durch die Hetzereien die es Sauthof absichtlich und mit Methode verfahren wurde. Doch Sauthof hatte an diesem Tage Pech mit seinem Ver hetzungs-Systentz Erbittert über eine solche Gemeinheit und unter lauten Hochrufen war im Nu der Eingang zpm Saale gesäubert und Herr Sauthof mit seinen Hamburger Hilfsleuten hielt es für gerathen, aus dem Saale zu verduften. In Folge dieser am Ein gange vorgeiallenen komplottmäßig angezettelten Angriffe und Be drohungen von Personen durch die Anhänger des Schweitzer mußte der Saal geräumt werden. Wir begaben uns nunmehr nach dem Vereinslokale der Schweitzer'sche» Parteigänger und machten denselben im Wesentlichen folgende Mittheilung: „ybgleich Jhr� absichtlich und mit Vorbedacht zwei von uns in deni Moller'schen Saale anberaumte Parteioersammlungen in unver anlwortlicher Weise gesprengt habt, und trotzdem Ihr heut in so bru taler Weise die Freiheit des Versammlungsrechts gefährdet, und ob- wohl wir jetzt im Stande wären, auch Gleiches mit'Gleichem zu vergelte», wolle» wir diese Streitereien wett sei» lassen. Wir wollen nicht, daß das Versammlungsrecht faktisch unmöglich gemacht werde, durch gegenseitiges Störe» der Versammlungen. Wir wollen, um für die Folge überhaupt noch Versammlungen zu ermöglichen, unter Auf- rechthaltung parlamentarischer Ordnung und Zusicherung vollstän- diger Redefreiheit sür Jeden, und so lange durch die Hetzereien in Schweitzer's Lügenblatt ein Zusammengehen unmöglich ist, als Aus- kunfts mittel zunächst die Streitereien um den Vorsiß in den Ver- sanimlu» en fallen lassen und stillschweigend der Partei den Vorsitz überlassen, welche die Versammlung einberufen hat. „Ferner in Betreff der Reichstagswahleu schlagen wir Euch als gemeinsamen Arbeiterkandidaten Hrn. Wlm. Pfannkuch aus Kassel vor. Obwohl derselbe nicht direkt zu uns gehört, sondern Mitglied Eures Vereins ist, besitzt er unser Vertrauen, weil er ehrenhait genug war, lieber aus dem Vorstand Eures Vereins und von dessen Kandidatenliste zurückzutreten, als die von Schweitzer geforderte Unter- schrift des unbedingten Gehorsams zu geben." Daß die Anhänger Schweitzer's auf diese Vorschläge nicht ein- gehen durften, wußten wir im Voraus, aber es mußte öffentlich kon- statirt werden, daß nicht wir es sind, durch deren Schuld das Versammlungsrecht illusorisch gemacht, und ein einiges Zusammen- gehen der Arbeiter bei den Wählen am 3. März verhindert wird. N.u war uns nur, daß inan es nicht wagte, offen zu sagen: „wir dürfen nicht, sondern das demokratische Prinzip dafür verantwortlich machte. Nach Herrn Sauthof also muß man als Demokrat prinzipiell einander die Versammlungen niederbrüllen! O heistger Crispinus, der du den Gerbern das Leder stahlst, um arnien Leuten Schuhe daraus zu machen, könntest du nicht auch ge- w ss n Leuten die Gedanken stehlen, um geistesarmen politischen Flickern damit aus der Verlegenheit zu helfen? Sch.ießlich wurdp noch der schon genannte Artikel über die Volks- versammlun am 7. Januar aus Schweitzer's Lügenblatte vorgelesen, und unter lauter Zustimmung der in jener Versammlung zugegen gewesenen Personen bie Lügenhaftigkeit jenes Berichts Zeile für Zeile nachgewiesen. Von den Anhängern Schwei tzer's versuchte auch nicht Einei, dem zu widersprechen. Ob aber diese Leute da- durch zu der Einsicht gekommen sein mögen, daß sowohl wie in diesem Berichte den Arbeitern an andern Orten etwas vorgelogen wird, ganz in derselben Weise durch solche gefälschte verlogene Berichte wiederum auch die Leser jenes Blattes hier am Orte belogen wer.en, daß da- mit also der Beweis geliefert ist, wie diese ganze Verhetzung der Ar- beiter unter einander aus ein vügensyftem ohne Gleichen bafirt ist? Hoffen wir, daß die Wahrheitrecht bald sich Bahn brechen möge! Th. 2) o tjf. Frankenhausc», 30. Januar. In dem kleinen Fürstemhum Schwa>zbu>g'.nnbotliadl ist der bekannte Sleuerzuschlag auf Klassen- steuer, Einkommen u. s. w., welcher dem Landtag 1363 mit 50O/o vor gelegt wurde, bis heule noch nicht bewilligt. Der Landtag von 1369 wuide deshalb ausgelöst, ei» neuer wurde gewählt, es blieb aber doch beim Alle», es wurde kein Steuerzulchlag bewilligt. Es würde mit der b.kannren Bundes- Exekution gedroht, es blieb aber wie es war. Der Landlag wuide wiederum aufgelöst, der Sreuerzufchlag aus 25% reduzirl und in Folge dessen ein neues Wahlgesetz ausgegeben, welches direkt ist. Nach dem neuen Wahlgesetz ist Derjenige Wähler für den Landtag, welcher das 25. Lebensjahr überschrillen hat, direkte Staats- steuer zahlt, geborener oder durch erworbenes Bürgerrecht Untxrlhan ist, in keinem Konkurs steht und 1 Jahr vor der Wahl keine Armen- Unterstützung bekommen hat. Somit ist auch Jeder wählbar, welcher nicht in Polizei-Aufsicht steht. Mit der Gleichheit steht es anders. Das Fürstenthum ist in 12 Wahlkreise getheilt, wovon jeder Kreis über 5000 Einwohner haben ninß. 12 Abgeordnete werden vom Volke gewählt, und 4 wählen die Höchstbesteuerte»>.Höchstl>esteuerter ist der, welcher 40 Thlr. direkte Staatssteuer giebt. Der Wahlkamps war ei» prächtiger. Das provi- sorische Wahlkomitee, welches voriges Jahr den Rechtsanwalt Wieman gewählt und vorgeschlagen hatte, tauchte plötzlich am Horizonte wieder auf und berief eine Versammlung am Montag den 16. Januar im Rathhaussaale, welche wohl wegen der kalten Witterung nicht so stark besucht war. Herr Nicolai begrüßte die Arbeiter im Namen deS provisorischen Wahllomitees(Wiemansches) und forderte auf, einen Vor- sitzenden vorzuschlagen. Herr Kaufmann G. Landgraf erhielt den Vorsitz, las das neue Wahlgesetz vor und setzte es auseinander, Herr Voigt und Welke hatten sich eingestellt, ersterer als Vertreter für die Altstadt, letzterer als Vertreter für die hiesigen Arbeiter. Unsere bei- den Vertreter hoben hervor, man möchte doch wtnigstens den aufgestellten Kandidaten ein GlaubenSbekenntniß äblegen lasten und ihn mit einem Mandat in den Landtag schicken, um so den Willen des Volkes kund zu thun. Als diese« die Herren Nationalliberalen hörten, wußten st« nicht, wie sie die Sitze verlassen sollten, und schlichen davon. Nur einige, die am Vorstavdstisch saßen, hielten wir fest; sie nteinten, Herr W. hätte voriges Jahr seine Schuldigkeit gethan, und würde wohl diesmal auch sein Wort halten. Dieses genügte uns nicht in einer Versammlung, wo ein Kandidat festgestellt wird, gehörtes sich auch, daß er da ist und die Wünsche seiner Wähler vernimmt. Sie versprachen uns, den Mittwoch eine Versammlung anzuberaumen und haben nicht Wort gehalten. Hierbei spielte sich folgende plumpe Posse eines Arbeiters ab, web cher sich als Stichblall für einen Trunk benutzen ließ. Er förderte fol gende Sätze zur Welt: Es ist scheußlich, daß die Regierung ein solches Wahlgesetz ausgegeben hat, nach dem alten konnte leine Zersplitterung der Kandidaten vorkonime». Was haben wir nun, wenn wir einen Anderen wählen? Engel bekommen wir einmal nicht, die fliege» uns in die höh'ren Legionen!(Er meinte Regionen.) Da wäre es doch besser gewesen, die Regierung hätte es beim Alte» gelassen. Wer erinnert sich da nicht an die Worte Schultze-Delitschs:„Meine Herrn, entfesseln Sie die Bestie nicht!" Das provisorische Wahlkomitee hatte sich nun gespalten; die einen hatten den Rechtsanwalt Bleichrodt aufgestellt und brachten in ihrem Extrablatt, H. Wiemann hätte ab gelehnt. 2 Tage später kam zum Erstaunen die größte Lüge an den tag. Herr Wiemann erklärte in seinem Extrablatt, er hätte nicht ab gelehnt und die Herren hätten ihn hintergangen. Unser Extrablatt Str. 3 kam gleichzeitig mit demselben heraus und machte den Schluß von der Wahljagd. Dieses schmetlette alle Elemente'zu Boden und keiner hat es gewagt, einen Gegensatz zu bringen. Wir hatten den Nagel so zu sagen auf de» Kopf getroffen. Den Sonnabend war Ver sammlung in der Altstadt, den Sonntag in der Stadt im Schützensaale. Welke ist mit 252 Stimmen aus der Urne herausgegangen, während seine Gegenkandidaten Wsemann 170 und Bleichrodt 39 hatten. An fangs dachten die Nationalliberalen, die„Lassalleaner" bezweckten doch nichts und unsere Sache durchzuführen schien ihnen mehr, als wollten wir den Chimborasso besteigen, doch die Zeit lehrt es anders;; mit der Zeit pflückt.man Rosen. Und was die Lawine saßt, das reißt sie mit sich fort. Die Nationalliberalen wissen vor Wuth gar nicht, was sie thun sollen. Unser Bürgermeister Müller telegraphirte am Tag der Wahl ans Fürst!. Ministerium: Ob nichts gegen die Wahl Welkes zu machen sei? Woraus er folgenden Bescheid erhalten hat: Wenn eS des Volkes Wunsch ist und Welke die absolute Stimmenmajoritär hat, ist gegen das Gesetz nichts zu machen. Es ist somit der erste Tropfen so zialdemokratischen Oels in den Landtag geflossen, der Grundstein ist ge legt und wir können muthvoll mit dem Motto ausrufen: Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeil Und neues Leben blüht aus den Ruinen! Ei» Arbeiter. Crimmitschau, 1. Februar. Dem Drucker des„Bürger- und Bauernfrcund", Herrn Junghahn, der wegen Abdrucks des bekannten Soldatenliedes f. Z. verhaftet und unter die Anklage des Hochverraths gestellt war, ist, gleichwie dem Setzer Herrn Gnank gestern eröffnet wor den, daß sie unter Aufrechterhaltung der HochverrathsanUage vor die Assisen gestellt werden sollen. *)LciP;ig, 2. Februar. Der„Sozialdemokrat" brachte über die imposante Arbeiterversammlung in der Westendhalle am 21. v. M., die zum ersten Male die Arbeiter in Leipzig einig zeigte, aus der Hand eines gewissen Liebisch einen durchaus unwahren Bericht. Unter An- derem behauptet derselbe, der Referent Hirsch hätte sich am Schluß dem Hoch aus Lassalle widersetzt mit dem Bemerken, man solle doch den Tobten ruhen lassen. Er sagte aber, indem er in das Hoch auf Lassalle einstimmte, dieser sei unsterblich und es gelte, Die leben zulassen lind hochzuhalten, die jetzt in vorderster Reihe kämpften. Dies nur ein Beispiel für viele. Heute(Donnerstag) Abend wird in der„Centralhall e" zum 1. Male aufgeführt:„Bebel der Zweite" oder „Der erleuchtete Schuster und seine Jungen." „Großes Volks stück(?) mit Gesang und Tanz in 3 Akten und 9Bil- der» von Kalisch, Musik von Conradi. Im 6. Bilde:„Pantoffel- tanz sozial-demokratischer Schusterjungen und Angehört- ger.— Hat man schon in der ftüheren Posse:„Siebet und Piepmechi", oie Ehrlosigkeit gehabt, Männer, die um ihrer Ueberzeugung willen im im Gcfängniß schmachten, der Justiz vorgreifend als Landeever- räther hinzustellen und als Hausknechte aus der Bühne lächerlich zu machen, ohne daß irgend ein Leipziger oder auswärtiges Blatt die In- famie gerügt hätte, ohne daß die sonst so penible Theaterzensur ein Aergerniß daran gesunden hätte, ohne daß feiten« unserer Partei die berechtigte und verdiente Kritik erfolgte, so fühlen sich die sonst so elend feigen Feinde der Volkssache dadurch jetzt soweit ermuthigt, daß sie ihre Gemeinheiten auch auf das reine und unantastbare Fami- ie n leben unserer inhaftirten Vorkämpfer ausdehnen zu können glau ben und noch dazu ein sür die Feinde des Volks, für geile Wüstlinge und Tagediebe gemachtes, der französischen Cocotienzucht bis aus den Eancan abgeborgtes Machwerk als ein— Volksstück auszugeben wagen. Es handelt sich hier nicht blos um eine neue und infame Beleidigung unserer Partei und unserer Freunde, sonder» es liegt augenscheinlich ein Manöver gegen die Kandidatur Bebels im 12. Wahlbezirk vor. Da man nicht den Muth besitzt, diesen Mann in öffentlichen Volksversammlungen, wo eine Vertheidigung möglich wäre, zu bekämpfen, so wählt man diesen heimtückischen Hinterhalt. Aber man hat, wie es scheint, die Rechnung ohne den Wirlh gemacht. Zu einem Volks stück gehört das Boll. Ihr möchtet ger» Volk spielen, wie Zettel den Löwen. Das Recht ber Kunstkritik hat aber, seit Thespis feinen Karren schmierte, ein jeder Theaterbesucher; wir werden das Recht üben, und bei der dritten Aufführung des genannten Stücke«, owie jeder folgenden, als gewissenhafte, aber strenge Künstlich- ter aifftreten. Ein gewisser Sladtrath, als Kritiker Laube's, soll uns als Muster dienen. Wie es in den Köpfen mancher sogenannter Demokraten aus- ficht. Prinzipien und Consequenzen. Von Preußen kann nichts Gutes kommen— deßhalb stimme ich für den Kaiser. Ich kämpfe sür die Freiheit— deßhalb glaube ich, daß in Kriegs- zeiten jede Stimme zu schweige» hat. Durch den Eintritt in den Nordbund ist die Freiheit äußerst be- droht— deßhalb glaube ich, daß man alle Politik aufgeben muß. Ich bin gegen jeden Krieg— deßhalb muß der Kampf zu Deutsch lands Ehre bis zum letzten Mann und zum letzten Gulden fortgefühtt werden. Ich wünsche sehnlich den Frieden deßhalb bewillige ich die Geldmittel zur Forlsetzung des Kriegs. Ich bin für die Republik— deßhalb muß Frankreich gedemüthigt werde». Eine Republik kann keine Angriffskriege führen— deßhalb wird Frankreich, wenn man es nicht vollständig schwächt, einen Rachezug nach Deutschland unternehmen. Eine Republik geht ihrer Natur nach nicht auf Eroberung aus— deßhalb ist, wenn wir nicht die starken Festungen haben, in nächster Zeit das deutsche Rheinuser gefährdet. Ich bin sür das frei« Selbstbestimmungsrecht der Völker— deß halb für Annexion von Lothringeu und Elsaß. E. K. National-liberale Hymne. Kennst du das Land, wo üpp'ge Steuern blüh'n, Im dürren Sand die Heidenroslein alühn, Berliner Wind aus allen Thoren weht, Die Mühle still und hoch der Junker steht: Kennst du eS wohl? Dahin, dahin, Schwarzweißer Freund, o laß mich mit dir zieh'n. Kennst du das Haus mit dem Kasernendach? Von Tabaksqualm ist dunkel das Gemach, Und Korporale steh'n und feh'n dich an: Was hat man, armes Stimmvieh, dir gethan? Kennst du es wohl? Dahin, dahin Treibt's mich mit Macht, mit dir, o Freund, zu zieh'n. Kennst du das Land, wohin auf sand'gem Steg Find'l uiiser Geld im Nebel seinen Weg, Der Salz- und Tabaksteuer goldn'e Fluth Kommt in der Pickelhaube sich're Hut: Kennst du es wohl? Dahin, dahin, Ich halt's nicht aus, muß taumelnd mit dir zieh'n An die Parteigenosse«. »ür den BolkSftaat find ferner eingegangen: Internat. Schuhmacher Genossenschaft DreSden d. Kobitzsch 6 Thlr. Arb.-Bild.-Berein Lunzenau d. Streune 1 Thlr. Intern. Schuh- macher-Gen. Mainz d. G. Fuchs 1 Thlr. Für die Familien der Inhaftirten. 1 Thlr. 9 Gr. Internat. Schuhmacher Genostenhaft Mainz d. G. Fuchs.- Bon Mitgliedern des Fortbildungs- und Unterflutzungs- vereinS für Buchdrucker und Schriftgießer zu Leipzig 16 Thlr. Briefkast-n. schickt das Manuskript zum P. hierher. Einladung zum Ball der Schuhmacher Montag, den 13. Februar im SchiitzenhanS. Der Rcinertraa i p* e X. i-. j• pp-»>--____ wj»" ist für die Parteigenoffen Liebknecht, Bebel und Hcpner bestimmt. Wir erwarten von allen Parteigenoffen Betheiligung._ Zur gefälligen Beachtung. Papierkragen� in bester Qualität, Knopflocher mit Leinwan unterlegt und 12 Stück in einer eleganten Schachtel verpackt, empfehle k Dtznd. 4 Ngr. Bei Abnahme von 12 Dtznd., gleichviel ob verfchie- dene Nummern bestellt werden, 1'/, Thlr. Verpackung nach auswärts wird nicht berechnet. _ Robert Schäfer, Papierhandlung, Brühl 67. Petersstraße 18 Durch die Expedition de«„VolkNStaat, ist gegen Einsendung des Betrags zu beziehen: Unsere Vertreter im„Reichstag". (Licbknecht's und Bebel's Reden über die neue„Reichsverfassung", und Bebel's Rede über dic Maßregelung der Sozialdemokraten.)— Erei«: ä Stück 5 Pfge., in Partieen billiger.— Der Reinertrag ist zum Besten des Wahlfonds bestimmt. Autrag und Reden der Reichstagsabgeordnete« Bebel und Liebknecht, gehalten über die 100-Millionenanleihe im norddeutschen Reichstag. Preis: pro Exemplar 1 Ngr., parthienweise(mindestens l2 Erpl.) Vi Ngr. Zn den Reichstagswahlen von Carl Hirsch. Seperat-Abdruck aus dem„Vollsstaat." Preis: einzeln 1 Gr. Bei größeren Bestellungen a 100 Stück ab Leipzig 1 Thlr. 15 Gr. IM- Oer Reinertrag ist sür den Wahlsond zur Wiederwahl eir&' Bebel vor LtebkuechtS bestimmt. Der Hochverrathsprozetz gegen Lberwtnder, Ä. Scheu, Most. Papst-c., verhandelt dem Landesgerichte zu Wien. Nach stenographischen Berichten bearbeitet von Heinr. Scheu. Vollständig in 3 Heften. Preis komplet 18 Ngr. Der Staat und das Äenoffenschastswefen. 20 Stück 10 Gr. = 35 Kr. Unsere Ziele. Von A. Bebel. Ein- Streitschrift gegen die„demo- tratische Correspondenz", 2% Bogen. Ein Exemplar kostet 2 Gr. _ 7 fr. in Partien bezogen l'/i Gr. ö'/i kr. Nationalökouomisches II. Vortrag von I. Dietzgen. 30 Stück 10 Är.— 35 kr. Arbeiterlied von Hcrwegh 100 Stück 10 Gr.— 35 kr. Diejenigen Parteigenossen, welche über die ihnen zugesendeten Exemplare des Zeitgedichts„das rotheGespenst unddie Eäsaren» noch keine Ab echnung eingesendet haben, werden hierdurch gebeten, dies nunniehr schleunigst an H. Knieling, Ehristianstr. 16, IV., Dresden zu bewirken, da die 6. Auflage vergriffen ist. Die noch nicht ab- geletzten Exemplare, deren Anzahl mit angegeben werden möge, können bis auf weitere Verfügung liegen bleiben. Bestellungen(pro Ex. 1 Groschen, 25% Rabatt sür Wiederverkäufer) nimmt H. Knreling noch fernerweit entgegen. Für Weimar. Folgende Schriften: Unsere Ziele von A. Bebel. Ter Staat und das«enoffcnschaftswefen, von C. Hirsch. Natioual-ökonomtscher Bortrag, von Dietzgen. Antrag und Rede» von Bebel und Liebknecht im Reichstaae. Photographie» von Lassalle, Bebel, Liebknecht zc. sind zu haben bei Kettet Jr. * Von Waldhciui ist UNS gestern für die heutige Nummer durch Parteigen. Eckstein ein. Inserat zugegangen, in welchem auf Sonntag, den 5. Febr., Vorm. 11 Uhr, eine„Landesversamm- l u n g" nach Waldheim in den Gasthos zum sächsischen Hos einberufen wird, ohne eine Tagesordnung anzugeben. Nach Befragung der bis- herigen Mitglieder des s. Z. vom Dresdner Ausschusse'eingesetzten Redäktionskomitö's und des in Leipzig nach den Anordnungen der Kontrolkommission jetzt bestehenden Parteiausschusses müssen wir fr. Einladung als auf einem Mißverständniß beruhend und damit für ungültiganseqen. Der Ausschuß hat beschlossen, einen Bevollmächtigten nach Waldheim zu schicken, um die nöthigen Aufklärungen zu geben. �_ AuS zahlreichen Orlen gehen uns fortwährend Beschwerden über unregelmäßige Post bestellun'g zu. Manche Abonnenten erhalten den„Volksstaat" trotz aller Reklamationen gar nicht, manche jede Nummer um einige Tage verspätet, manche beschmutzt u. s. w. So liegen uns augenblicklich Briefe mit derartigen Klagen aus Beuthen, Breslau, Lörrach und Mylau vor. An uns in Leipzig liegt die Schuld nicht. Die Sonnabendnummer kommt jeden Freitag Vormittag, die Mittwochnummer jeden Dienstag Vormittag pünklich zur Post. Auch an der Leipziger Zeitungsexpedition liegt die Schuld nicht, denn einige Stunden nach Empfang der Exemplare sind dieselben schon unterwegs. Die Abonnenten werden daher gut thun. sich stets an ihr Postamt zu hallen und ihm bei jeder Unregelmäßigkeit eine schriftlicheReklamation einreichen, die es dann geschäftlich erledigen muß und durch die sich klar herausstellt, wo die Schuld liegt.___ Ein billiger Friede mit der franzöftschen Republik: Seine Annexionen! Bestrafung Bouaparte's und seiner Mit- chuldigen! Leipzig: Verantw. Redakteurin«ertretung: Earl Hirsch(Redaktion. Emilienftr.2.) Druck u. Verlag: F. Thiele.(Expedition: Peterstr. IS.) s