M 19. Soonate»», den 4. März 1871. o Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. � Bestellungen nehmen alle Z � Postanstalten und Buchhand- i■ lungen des In- und AuS- landes an. ' 5 1 Für Leipzig nehmen Bestellungen an: ' A. Bebel, PeterSstraße 18, ' F.Thiele, Emilienstraße 2, Abonnementspreis Für Preußen incl. Stempel- steuer IKNgr., für die übrigen deutschen«Staaten 12 Ngr. ver Quartal. Agent iür London A Duenstng, k'orsißu Pookskller, l,>t>ra- riau aast Newsusfent, 8. Little Newport Street, Leidester Square. W. C Filialerpedition für die Berein Staaten: R.A.Sorxe, Box 101 Iloboken N.J. viaNewyork ©tgait öcr soiml-demokratischeu Ardriterpartti und der Zuternutionalril GkwcrKslzrnosselischüstrn. Sonst und jetzt. Im Jahre Dreiundvierzig, Da hieß es in Berlin: Dreihunderle vvn Thalern Die kirren sicher ihn. Der Geibel hat's genommen, Der Freiligralh schlug's aus- Drauf wanderte der Sänger Weil in die Ferne aus. Der Freiheit sang er Lieder, Der Revolution; Die Arbeit galt ihm höher Als fürstliche Pension. Und zwanzig Jahre später Hat man den Mann geehrt, Ihm vierziglausend Thaler Auf einem Brett bescheert. Da schlug er in die Harfe Hurrah! sich selbst zum Hohn, Er feiert Preußens„Helden", Er feiert Preußens Thron. Er heulte mit den Wölfen Der stolze Freiheitsmann! Dreihunderl Thalcr Habens Natürlich nicht gelhan. W. ( Politische Uebersicht. Höchst erbaulich ist es zu lese», wie während der Wahl- Tchse die Fortjchrillsmänuer und Rationalliberalen, wo sie -cht vereint gegen die Sozialdemokratie kämpfen, einander die Wahrheit gesagt haben,— was sonst doch nicht ihre Lei- de"schafl ist. Braun nennt in einer Bersammlung zu Schwal- dach das Sehr Ehrenwerlhe Mitglied für den Ersten Berliner Wahlbezirk einen„grünen Jungen", und Herr Parisrus schleudert in der„Mittelrh. Ztg." gegen den würdigen Koste- gen ein Bündel„offener Briefe", deren erster mit der trauli- chen Bemerkung beginnt, daß Hr. Braun den Hökcrfrauen und Fisch weibern des Gensdermenmarktes in rhetorischer Beziehung erfolgreich Konkurrenz zu machen im Stande sei. � Betreff der Behauptungen Brauns über die preußische fest chriltSpartci sagt Parisius, daß der Redner, wenn er die- wer anstatt vor einer Wiesbadener, vor einer Berliner Wäh- such ersammlung gemacht hätte, sich unfehlbar einer Prozedur me.esetzt hätte, welche der Spree- Alhenienser mit dem Anbellen Wort„Einen an die Luft sehen" zu bezeich- pflegt.-Denn ein Bischen Flunkern könne der Berliner ne�agen, aber„was zu grob ist, ist zu grob."— Soweit den Beiden.— In Danzig kandidirt Hr. Max Hirsch ge- y' Justizralh Lesse, und die der Kandidatur des Zweiten holde ,Danz. Jlg." krilisirl des Ersten Wahlrede also: Hr. Dr. Hirsch iagl: Ein richtiger Demokra! müsse sesti�Äliiud- ■ Gsje haben uuo für sie eiusiehe». Es sei uiiveranlworlliche Schwäche, eine» Gruiichah im Bordersah anzuerkennen und dann im Wachsah «n„aber" folgen zu lassen. Die Leute dieses Abers seien leine �olksvrrtreler, die man brauchen könne. Derselbe Mann indes?, der enr unversöhnlicher Feind der Nachsätze mit„aber" in, hat zu unserer strberraschung im Bcrsolg seiner Rede sich eine sehr ansehnliche Zahl uvn„Aver" zu Schulden kommen lassen. Geben wir eine kurze Ana- chie seiner Hauplvedutlion. Hr. Dr. Hirsch jagt: wir wollen das Aushören der vrrwnslich-n Kriege, ein imernanonales Schiedsgericht und die vereinigten Staaten von Europa; aber oorlüufig lägt sich das noch nicht dewerkslelligen; wir wollen eine allgemeine europäische Abrüstung; aber das geht nicht mit einem Male;— wir wollen Ein- führung des allein rrchligen Milizsystems; aber einstweilen geht das "och mchi;— wir wollen eine sehr kurze Dienstzeit; aber einitweilen wollen wir uns damit begnügen, durch,»fetzen, daß die Leute nicht 3, sondern nur 2 Jahre dienen swobei Herr Dr. Hirsch übrigens wohi dätte bemerken könne», daß die zweijährige Dieiiftzeii thatsächlich nahezu ""geführt ist, ja daß viele Leute nach kürzerer Dienstzeit entlassen w.r- den);— wir wollten Demschland durch Freiheil und Frieden einigen; über wir haile» nicht die Macht dazu, sondern Bisniarrk Halle die Macht, es durch Elsen und Älul zu elnige»;— wir wollen große Abstriche bei deii Ausgaben für das Militär; aber einstweilen müssen wir uns auch damit begnügen, jeder Erhöhung entgegeiizutreten und wenn irgend möglich, auf eine Berminderuiig hinzuwirken(und damit treten wir dem Hm. Redner, der daimt wiederholt, was Laskcr, v. Henmg uiid eine Reihe anderer Abgeordneter ebenfalls gesagt haben, vollständig bei);— wir wollen Abschasjung der indirekten Steuern— und bei dieser letzten Forderung hat der Redner allerdings ein„aber" "'ch' hnizugesügt, er hat vielmehr erklärt, man müsse statt der indirek- s eV,'atl' direkte Steuern auflegen. Leider hat der Herr Rediier aber diese Frage nur in sehr großen Zügen behandelt und sich aus die Anfuhrullg von mehreren Äesammt ummen, die er aus einer Zu- laminensleUung vorlas, beschränkt. Die Hauptsache, wie das zu macheil und wobei große Ersparmsje zu machen, hat er uns nicht gesagt, son- oe>n nur erklärt, dag darauf einzngehen keine Zeit sei. Nur in Berlin ist die Eintracht nicht gestört worden, die Kandidaten der Fortschrittspartei sind zugleich die der Nvtioilal- Uberaien(gegen Jacoby) und wenn der Wahlaufruf für Moritz Wiggers im 3. Wahlkreise sich an die„liberale" Partei wendet, so Habens die unterschriebenen Herren Fort- ichrittler damit glücklich schon so weit gebracht, ihren eignen so unschuldigen Parteinamen zu Vei'läugnen. Heber die Wahlen tra Wupperthale schreibt man uns aus Elberfeld:„Recht nett sieht sich doch unser hiesiges Wahlge- 'riebe an und zeigt es sich recht deutlich, wie wenig das Bolk auf der Höhe seiner Zeil steht und wie nachhaltig die preußischen Schulreglements sich bewähren. Man kann sich durchaus nicht lossagen von Kreuz und Krone. Nach unsäglichem Fahren und Fischen sind die National- liberalen(sie waren die ersten Truppen, welche in der Wahl- schlacht aufmarschirten) endlich auf Herrn v. Kusserow gekom- men, welcher sich am 27. dss. in Barmen vor per Karte ge- ladener Versaminlung präsentirte. Die Forlschrittler, welche sich bald zu den letzten Mohi- kauern zählen dürfen, heften sich an die Fersen des Herrn von Forkenbeck. Man kennt die Liebenswürdigkeit dieses Herrn der Regierung gegenüber und werden denn die beiden Genannten einen Strang ziehen. Die schwarze Partei hält in Herrn Dr. Lieber das Kruzifix hoch und ruft nur in diesem Zeichen der Siez! Endlich die vierte Partei und hier inuß man ernsthaft werden, hält in ihrer Hauptzahl an Herrn Dr. v. Schweitzer fest. Trotzdem und Alledem! Diese Partei hat hier insofern leichtes Spiel, als ihr von uns wenigen, dem Eisenacher Pro- gramm anhängigen Sozialisten, keine Schwierigkeit gemacht wird. Wir haben leider Niemanden unter uns, welcher seine Person diesem Kampfe opfern will. Trotzdem der Zersetzungs- Prozeß der Schweitzersche» Partei sicher von Statten geht, wäre es doch wünschenswerth und gerade jeyt angebracht gewesen, gegen v. Schweitzer zu agitiren, um die Arbeiterbewegung von dieser aufdringlichen Schmarozerflanze zu säubern. Letzlerer ist hier anwesend und hält Vorträge, worin so- zialistische Nebensachen zur Hauptsache gemacht und die Haupl- fachen, als da sind: Bekämpfung von Krone und Kreuz, unbe- leuchtet bleiben. Da die Jünger nun kein Licht bekommen, tapsen sie in sozial-demokratlscher Unklarheit und Finsterniß hermn, aus der sie bei der hier herrschenden niedrigen Bildung der Arbeilerinassen nicht so leicht und schnell zu erlösen sein werden; uinsoweiiiger, als Schweitzers Agenten Frick und Klein ihm treu zur Seite steht. Aus dem ungarischen Abg e ordn eten Hause erzählt die„Frkf. Zlg." einen heilem Zwischenfall. Bei der Berathung t-kö tllikiv. tvk. 0�yv|j'Ulvii,Hvv�..ve Charaktcrisirung des Unterrichts in den konfessionellen Volks- schulen die magyarische Uebersetznnz des alten Gesanzbuchverses: Herr Jesus, nimm mich Hund beim Ohr, Wirf mir den Gnadenknochen vor! zc. Der Präsident Somssich forderte i» tiefer Entrüstung den Abgeordneten Körmendy auf, solche Citate, welche die Würde des Parlaincnts verletzten, zu unlcrlassen. In das Haus, wo die Repräsentanten der istalion beralhen, gehörten nicht Dinge, welche aus einer antikirchlichen Schandlitcratur stammten und eine Blasphemie(Golleslästernng) enthielten. Krötnendy erwiderte, er gebe zu, daß sein Chat von dem Unkundigen als eine Blasphemie aufgefaßt werden könne, aber er müffe den Präsidenten des Hauses darauf aufmerksam machen, daß die cilirten Verse nicht einem Produkte der antikirchlichen Schand- literatur, sondern einem Erbauungs buche entnommen seien, welches mit Approbation der königlichen Regierung in unga- ischen Schulen gebraucht werde.(Allgemeines Gelächter.) Die Redaktion des östreichischen„VolkSwille" ist nun wieder in den Händen von Andreas Scheu und Heinrich Ober- winder. Heinrich Scheu, der während der Haft der beiden die Redaktion ganz vortresflich versehen hat, ist nun wieder in Reih' und Glied getreten und hat damit ein achtungswerthes Beispiel von Unterordnung unter die Parteidisziplin gegeben. Eine Partei, die derart versehen ist, hat eine Zukunft.— Den Ministerwechsel benützend, tritt nun die Partei mit frischer Energie in die Bewegung und es ist gegründete Hoffnung vor- handen, daß in baldiger Zelt das allgemeine, gleiche und direkte Stimmrecht in Oesterreich gegeben wird. Das Organ der österreichischen liberalen Bourgeoisie, die „Reue Freie Presse", die Berherrlicherin der Republik in Spanien, eifert natürlich mit aller Wulh gegen das allgemeine Stimm- recht! Nur hübsch konsequent. Die Nachwirkungen des Krieges beginnen sich bereits in bedenklichen Erscheinungen von Rohheit geltend zu machen. Aus einer einzigen Stadt, aus Regensburg, bringt die„Franks. Ztg." folgenden Culturdericht: „Unsere Stadt befindet sich in einer wohlbegteiflichen Ausregung über die in den letzten Tagen so vielfach und so schwer gestörte öffent- liche Sicherheit. In der Nackt voin 11. aus den 12. Februar wurde, wie man dem„N. Korr", schreibt, ans dem oberen Wörth ein Nachtwächter ermordet und die Leiche in die Donau geworsen. Der Untersuchniigsrichter schreibt 100 Gulden Belohnung für Denjenigen aus, der sicheren Anhaltspunlt zur Ermittelung der Thäter beibringt. Am Fastnachtabcnd griffen zwei Soldaten einen Mann auf der Donau- drücke an und verwundeten ihn erheblich mit Messern. An demselben Abend wurde bei einer Schlägerei in einem Brauhause ein unbetheiligter Schuhmachergeselle durch einen Messerstich am Halse deiatt verwundet, daß er todl ans dem Platze blieb. Der Thäter war ein kürzlich vom Kriegsschauplatz zurückgekehrter OsfizierSbursche." Die am 28. Febr. der Nationalversammlung zu Bordeaux vorgelegten Friedens-Präliminarien lauten: 1) Frankreich verzichtet zu Gunsten des deutschen Reiches auf ein Fünftel von Lothringen, darunter Metz und Thionville; serner auf den Elsaß, ausschließlich Belfort. 2) Frankreich zahlt fünf Milliarden Franks und zwar eine Milliarde im Jahre 1871; den Rest in einer Frist von drei Jahren. 3) Die Räumung des Landes wird unmittelbar nach der Ratifikation des Vertrages beginnen, und zwar werden die deutschen Truppen zunächst das Innere von Paris und ver- schiedene Departements, darunter vorwiegend die westlichen, räumen. Die Räumung der übrigen Departements erfolgt allmälich nach Zahlung der ersten Milliarde und in entsprechender Weise nach Erlegung der weiteren Milliarden; die restirenden Summen werden mit 5 pCt. verzinst und zwar vom Tage der Ratifikation an gerechnet. 4) Die deutschen Truppen werden alle Requsitionen in den von ihnen besetzten Departements unterlassen, jedoch werden die Kosten für den Unterhalt der Truppen von Frank- reich getragen. ö) Den Bevölkerungen der annektirten Gebiete wird eine bestimmte Frist gewährt werden innerhalb welcher sie sich zu entscheiden haben, welcher Ratio na li- tät sie angehören wollen. 6) Die Kriegsgefangenen werden unverweilt zurück- gegeben. 7) Die Eröffnung der eigentlichen Friedensverhand- lungen wird in Brüssel nach Ratifikation des vorliegenden Vertrages erfolgen. 8) Die Verwaltung der okkupirten Departements wird französischen Beamten übergeben werden, jedoch stehen dieselben unter den Befehlen der deutschen Korpskom- m a n d e u r e. 9) Durch gegenwärtigen Vertrag wird keinerlei Recht auf irgen einen Theil nichtbesetzten Territoriums übertragen. 19 Der Vertrag soll der Ratifikation der Rationat-Ver- sammlung unterbreitet werden Die Ratifikation obiger Friedenspräliminarien wurde von der Nationalversammlung in der Nachtsitzung vom 1. März mit l>46 gegen 107 angenommen. Der Friede ist demnach geschlossen, aber trotz der Annexion von Elsaß und Lothringen nicht gesichert. Frankreich ist nieder- geschlagen durch den deutschen Militarismus. Die Zukunft wird lehren, ob das deutsche Volk Recht that, seine Geschicke dem Mili- tarismus anzuvertrauen. •O"--- ff'*1------- I"---- O i----- �-- kanntmachung des Geueral-G.uverneurs im Elsaß, v. Bis- marck-Bohlen: „In Ailbetra ht der am 12. Januar 1871 publizirten Allerhöchsten Verordnung vom Ib. Dezember 1870, betreffend die Beftrasuiig de« Anschlusses au die französischen Streitkräfte und in Erwägung, daß »ack Inhalt der gepflogene» Bei Handlungen:' 1) Michel Eavlen. geboren den 10. Januar 1837, Sohn von Georg Eavlen. 2) Friedrich Rusch, Bäcker, geboren den 19. August 1849, Sohn der Wutive Ehristian Rusch, Maoalena geborene Streu?, beide zuletzt wohnhast zu Buchsweiler, sich feit dem 12. Januar 1871 länger als 8 Tage von ihren Wvhiisltzen ohne schriftliche Erlaubmß des Präseklen entfernt habe»; daß hiemach die gesetzliche Vermmhuiig, daß diesetbe» sick den französischen Streitkräften angeschlossen, bemündet ist, ans diesen Gründen erltärt der Geiieral-Goiiveriieiir für Elsaß und Deutsck-Lolhringeit bas geaeuwärtge und lünftige Bermügeu 1) des Michel Eavlen, 2) des Friedrich Rusch, beide zuletzt ivohnhast in Buchsweiler, sür ko n- fiszirt, verbaunt dieselbe» aus zehi, Jahre und verordnet die Betannlmachung dieser Verfügung in dem amtlichen Theil« der „Str. Zig." Von Jiitcreffe sind die Anstrengungen der großen englischen Blätter über die Friedensbedingungen. Die„Times" sagt: Die Zeit wird kommen, wo ein Unterlieutenant, wie Bonaparte, auf- erstehen wird, der die Franzosen gegen die Deutschen jührt, denen alsdann Bismarck und Mottle fehlen werden.„Daily News" schließt ihren Leitartikel mit folgenden Worten: Die Deutschen kehren beutcbeladen heim, aber sie lassen im Gcdächtniß Haß gegen die Berauber zurück. Der„Telegraph" schreibt: Die Be- dingungen sind absichtlich so gestellt, um einen neuen Krieg un- vermeidlich zu machen; sie laden eine furchtbare Schuld auf die Häupter der an der Spitze Deutschlands stehenden Männer. Das 13. Heft der Tuilerien- Papiere enthält unter Anderem die an Louis Napoleon für Uebersendung des„Leben Casars" gerichteten Danksagungsbriefe, darunter folgende zwei: 1. Karlsruhe, 9. August 1365.� Sire! Ich beehre mich, E. M. anzuzeigen, daß der sranzösisch« Botschafter, Herr Marqms de Cadore, so liebenswürdigwar, mir im Namen seines erhabene» Herr» das herrliche Werk zu über- reichen, mit welchem E. M. mich zu beschenken, dse Gnade halten. Ich bin davon aufs Innigste gerührt und Ihnen, Sire, zum ehrerbiellgsten Danke verpflichtet, um so mehr, als ich das sel- tene Glück halte, Augenzeuge der ernsteil und schwierigen Porarbriten zu sein, welche E. M. auf sich nehmen mußten, um dieses Werk zu vollenden, de>sen Genuß nunmehr der ganzen gebildeten Welt vergönnt ist, und welches auch alle Diejenigen mit Bewunderung ersällt, welche die Ehre gehabt haben, der Person E. M. nahe zu sein. Möge E. M. mir gnädigst erlauben, Ihr Werk, mit dem Su mich beehrt haben, als ein Unterpsand der warmen Gesinnungen zu bewahren, welche Ihr Herz der ganzen Menschheit ent» gegenbringt, und als ein Zeichen de« Wohlwollens, das sie huldvollst Einem zu Theil werden lassen, welcher diese Auszeichnung mit Stolz empfindet und die Ehre hat, sich zu nennen E. M. unterthänigsten und devotesten Diener Wilhelm, Prinz von Baden (derzeit Reichstags-Eandldat). II. Düsseldorf, 12. März. Sire! Die Ungeduld, mit der man das Erscheinen des„Leben Casars" erwartete, konnte kaum in Frankreich selbst ledhasier gewesen sein, als sie es in Denischland gewesen ist. Alle Well begreift, daß dieses Werl, welchem, wie man we ß, E. M. Jahre lang alle Stunden Ihrer Muße gewidmet hat, über den großartigen Gegenstand, weichen sie nun bewältigt haben, ein neues Licht werfen wird, Indem Sie mich durch gnädige Uebersendnng eines prachtvollen Exemplars dieses Werkes auszeichneten, haben Sie mich, Sire, zu der tiefsten Dankbarkeit verpflichtet. Ich fiihlic es schon, wie schwer es mir werden würde, duselbe Ihnen auszudrucken, als ich die Worte las, mit denen E. M. eigenhändig die erste Seite des Buches ge- schmückt haben. Wenn ich fürchten mußte, daß in meiner Vergangenheit irgend ein peinlicher Umstand die Einpfindungen E. M. für mich getrübt hätte, so habe ich heute das Glück, eine» Beweis von Ihrem unveränderten Wohlwollen zu besipe».— Einen»»- schätzbaren Werth, Sire, haben Sie wahrlich dies-ni schönen Buche verliehen, indem Sie in dasselbe jene Worte schrieben, die mich so innig gerührt haben und die ewig meinem Herzen eingc prägt bleiben werden. Möge E. M. huldvoll den schwachen Ausdruck meiner tiefen und lebhaften Dankbarkeit entgegen nehmen, mit welcher ich dieses„Gedenkzeichen der Freundschaft" tm pfangc, und mir die Versicherung der höchsten Achtung und An hänglickkeit gestatten— ich spreche hier im Namen meine ganzr» Fainilie— mit welchen ich allezeit verharre E. M. un lerthänigster Diener und sehr gehorsamer Bette Karl, Prinz von Hohenzolle: n. Die Nachricht von der Verhaftung des früheren Minister rezenten Marschalls Cerrano bestätigt sich nicht. Nicht Serrano sondern ein Korporal der spanischen Armee, der sich öffentlich gerühmt haben soll, von einer Eeite, die er nicht nennen könne, 5000 Dukaten für die Durchführung einer politischen Mission erhalten zu baben, wurde in Folge dieser Aeußerung verhaftet Der Zufall wollte es, daß die Arrestation gerade vor dem Thore des Hotels des Marschalls Serrano erfolgte. Die Nenigkeits süchtige Menge kombinirte hieraus allsogleich die Verhaftung Serranos selbst. Wlan vermuthet jedoch, daß Serrano, wenn auch nicht Anstifter, so doch Mitwisser an dem Attentate gegen Zorilla sei. Parteigenosse Franz, Redakteur des„Proletarier" in Augsburg, ist wegen nicht weniger als Preß- und anderen Vergehen auf den 15. März vor das hiesige Schwurgericht verwiesen; mit ihm kommt Parteigenosse Reff wegen 2 Vergehen zur Verhandlung. An die Reichstagsabgeordneten Bebel und Liebknecht in Leipzig. Wenn die Mitglieder des unterzeichneten Vereins, überzeugt, daß die Arbeiter-Bewegung durch den Personen-Kultus besonders in Deutschland sckon vielfach verzögert und das Verständniß der Arbeiter über ihre Ausgabe getrübt hat, die Vergötterung einzelner Persönlichkeiten gründlich verabscheuen, so ist damit doch nicht das Gefühl des Dankes in ihnen erstickt. Und dieses wird sich immer regen, wenn sie sehen, daß Jemand etwas Außerordent liches für das leidende Volk, für uns Proletaner thut. Auch Sie werthe Parteigenossen, haben Solches gethan; deshalb sei Ihnen hiermit unsere volle Anerkennung ausgedrückt. Zwar haben Sie im norddeutschen Reichstage blos Reden gehalten, aber Reden, die ihres wahren Inhalts sowohl, wie auch der Verhältnisse, in welchen, und der Ereignisse, über welche sie ge halten wurden, den Muth und die Kraft einer folgenreichen That erfordern. Ihre Worte werden Thaten zeugen. Bereits haben sie nicht nur in uns Parteigenossen die Zuversicht unsere geschichtliche Arbeit erhöht sondern auch viele deutsche Chauvinisten, welche Gelegenheit halten, den„Volsstaat" zu * r"« rv p r V'' vermehrt. T»e Knechtsseelen, welche beim Beginn des Krieges das edle Handwerk des Enthusiasmusschürens und die Veran staltung von Kriegs- Massenversammlungen übernommen und Tag für Tag die öffentliche Meinung fabriziren, ja ost sich Mühe geben, die Stimmung der Deutschen in New-Aork zu terrorisiren— diese„einflußreichen Bürger" wagen jetzt nicht einmal eine öffentliche Versammlung zu berufen, und gegen den sogenannten Waffenschacher der Bundesregierung zu protestiren Doch es wird noch ganz anders kommen. Wir müssen ja vor- wärts, wenn wir auch nicht wollen. Nicht wir schaffen das Elend, sondern unsere Unterdrücker. Die treibende Macht, welcher wir gehorchen, wird selbst ein König oder Kaiser nicht zu ver- nichten im Stande sein. Wie ohnmächtig erscheint die Kraft und Nothwendigkeit unserer Bewegung gegenüber Ihre-- --------—-------- Ter Kampf zwischen Gleia heit und Ungleichheit kann nur auf- gehalten nickt aber unterdrückt werden. Ihre Wähler werden der kaiserlichen Regierung und den ihr treu ergebenen Bourgeois hoffentlich die praktische Bestätigung dieses gesellschaftlichen Ge- setzes liefern. Mögen die Arbeiter des Voigtlandes und Erzge- birges sich ihrer Pflichten bewußt und von derselben Entschieden heit erfüllt sein, welche Sie bis jetzt in allen Kämpfen gezeigt haben. Auch wir auf dieser Seite des Szeans werden mit erhöhter Anstrengung an der Verbreitung und Verwirklichung der sozialdemokratischen Grundsätze arbeiten und die Vereinigung der Arbeiter aller Länder immer fester und wirksamer zu machen bestrebt sein. Ihnen aber, werche Parteigenossen, wünschen wir, indem wir Ihnen unsere volle Sympathie mit Ihrer Haltung aussprechen, eine ungcschwächte Ausdauer im Kanipfe. Wir New-York, 29. Januar 1871. In Gleichheit und Brüderlichkeit der Sozialdeniokratische Arbeiter- Verein von New-Aork. Unsere Journale autzer Deutschland. Die sozialistische Propaganda trägt ihre Früchte. Ueberall breitet sie sich aus, überall stärkt sie sich und findet neue Organe, um sich noch inehr auszubreiten und zu stärken. Vor einigen Moiiaten verkündeten wir die Entstehung eines neuen sozialistischen Blattes in Belgien: L,e Droit (das Recht) und das Thal von Charleroi hatte endlich sein Organ wie die anderen Mittelpunkte der belgischen Jnternatio- nalen. Außer dem obigen neuen Blatte erscheinen in Belgien noch folgende Parte organe: D' IntenintioDuIe(die Internationale) und La Liberte(die Freiheit) in Brüssel; Los eahiers du travail(oie Hefte der Arbeit) und der �lirabeau in Verviers. Kur�e Zeit darauf und ungeachtet des Unglücks, welches sich mit dem Kriege auf Frankreich ausgegossen, hatten wir doch das Vergnügen, zu erfahren, daß die französischen Arbeiter du Untersuchung der sozialen Frage nicht aufgegeben haben; es erschien der Republicain des Alpes(Republikaner der Alpen). Spaniens Sozialisten und Arbeiter, welche schon die Federacion(das Bündniß), die 8oHdaridad(die Gemeinschaft lichkeit), die Justicia Social(gesellschaftliche Gerechtigkeit), den Fl Ilourbre(der Mensch) und den Fl Obrero(der Arbeiter) besaßen, sie hielten in ihrem schönen Fortschreiten nicht inne, und wir empfingen vor Kurzem die erste Nummer der Revolucion social(Gesellschafts- Umwälzung ttt)» eines jugendmulhigen Kampfesbrudcrs, welchen wir aus ganzem Herzen willkommen heißen. Auch Holland, welches schon vorher zwei sozialistische Organe, den LoeKmoost und den Werker(Arbeiter) hatte, bleibt nicht zurück; soeben wurde De Vryheid, orgaan yan het volk(die Freiheit, Organ des Volkes) ins Lebe» gerufen, dieses Journal verspricht, nach einander alle Beziechungen der sozialen Frage zu besprechen und mit den Sozialisten aller an- deren �Nationen an der vollständigen Befreiung des Proletariats zu arbeiten. In der Schweiz, wo außerdem noch in deutscher Sprache die Parteiorgane: der„Vorbote", die„Tagwacht", der„Grüt- lianer" und das„Felleisen" erscheinen, haben sich nun auch die beiden Parteiorgane französischer Sprache, welche durch die Zeitumstände während einiger Monate zum Schweigen ge- zwangen waren, wieder erhoben: in Genf die FgalitF(Gleichheit) und in Neuburg die Solidarite(Gemeinschaftlichkeit). Also Muth! Lassen wir uns niemals durch augenblickliche Hindernisse, Unannehmlichkeiten und Niederlagen abschrecken. Die Tyrannen und Kapitaldespoten gehen ihren Weg welcher zu Mord, Gewaltthat und Unterdrückung des mensch- lichen Fortschritts führt. Die Arbeiter und andere Freiheitsfreunde werden dagegen auf ihrem Wege fortschreiten, d. h. in der sozialdemokrati- schen Bewegung jene großen wissenschaftlichen Probleme be- sprechen, welche mit der Hebung ihrer Klassenlage zusammen- hängen. Die Elfteren wollen die Macht, sei sie auch begründet durch Ströme von Blut, unzählige Thränen des Elends. Die Zweiten wollen die Gerechtigkeit durch Freiheit, Gleichheit und Unterricht! Diese beiden Feinde stehen sich in dem großen Entwick- lnngskampfe unserer Geschichtsperiode gegenüber. Wir werden sehen, wer zuletzt— trotz der wohlfeilen Despoten-Triumphe— siegen wird. Was uns betrifft, wir sind„trotz alledem und alle- dem" keinen Augenblick in Zweifel über den Ausgang des Krieges zwischen dem widerspenstigen Unkraut der Vergangen- heit und dem Weizen der Zukunft! Die Revolution wird das giftige Unkraut ausjäten und in das Feuer werfen; und so gewiß das Rad der Zeit nicht rückwärts kann, sondern Alles zermalmt, was sich ihm ent- gegenstellt, so gewiß werden wir endlich doch siegen! (Proletarier.) «) Direkt a» den Parteikassirer Burkhardt, Johauiiisg, 6—8 c'. Leipzig gekommen. Für die Familien der Jnhastirten. S.-D. A.-V. Leipzig d.«. ,spez. für d. Leipziger Jnh.) 5 Thlr. 19 Ngr.*) Durch G. Hamburg 6 Dhir.*), desgl. 5 Thlr.'> Durch K. Dresden 27 N r.') Durch N. Stade Iv Ngr.') F. H. und W. Coburg 10 Thlr.»)— I. S. Main, 2 Thlr. Parteigenossen in R. 1 Thlr. Frau K. 5 Ngr. C. S. Meerane 2',� Ngr. *) Direkt an den Parteikassirer Barkhardi gekommen. Für de» Wahlfond. Durch G. Hainbm-,, ipez. für d. 17. und 19. Sachs. Wahlbezirk 10 Thlr.*) Durch F. Bremen 3 Thlr.') D. Schwerin 10 Tbtr.') Durch K. Aiigsburg 10 Thlr') F. H. und W. Ceburg 10 Thlr.*) — I. S. Mainz 2 Thl. W. Coburg 2 Thlr. Vo.i einer kl. Ges. Partelgen. u. d. Moito:„Frisch, ftumm, fröhlich frei zum � kämpf der demokratischen Partei", durch H. Meeraii 1 Thlr. ') Unabdruckbare Stelle. Wer ist Landcöverrätherl V. jl/u un. 0uuc von raiioesveirai», au, die Ich jegl ylnwenen 10 nr innerhalb des Gebiets der sog Minisieroerantwortlichkeit liegen, über die so viel grundfalsche BorstcUnngen umlausen, so muß ich einige Bemerkungen, im Allgemeinen wie im Besonderen, vorausschicken, um das richiiae Veiständniß der Sache herbeizuführen. Verantwortung jeder Handlung ist das auszeichnende Gepräge der Menschheit: daher kann alle menschliche Würde»nr in der oorbehali- losen Uebernahme der Verantwortlichkeit für jede Handlung liegen. Die Bcranlwortlichkeit ist übrigens auch nicht einmal bestritten, wenn man gleich nicht Würde darin finden will: streitig ist nur die Frage, gegen wen und in welcher Weise die Berantwortung stattfinden soll. Sogar Fürsten, denen kein Gesetz, keine Verfassung Schranken setzt, erklären sich verantwortlich für ihre Regierunashaiidlungen— aber nur Gott gegenüber. Von dieser Veramwormng wird uns aber nie etwas erkennbar- für unsMenschcn ist aber soguialsnichi vor Händen, was nichibis zu unfrer Kcnnln iß gelangen kann. Uebrigens verstößt die Lehre von der Veran»vor tlichteit gegen Gvlt handgreiflich arg gegen Sinn und Be- deutung aller Verantwortung. Die Verantwortlichkeit verliert allen Sinn und alle Bedentung, wenn sie nicht bestehi gegen den, um dessen Recht und Gut es sich handelt. Die Zurnckw ifnng jeder VerantwoN- lichkeit gegen Menschen hat bekanntlich die Throne zu sehr gefährlichen Sitzen gemacht: man versuchte deßhalb an die Stelle der sllrstlichen Unverantwortlichkeit eine Scheinverantworllichkeit Anderer zu setzen— siehe da! die Ministervci antwortlichkeit der konstilutionel- len Monarchie. In einem gesunden Gemeinwesen ist jeder öffentliche Angestellte für die Bersassungs- und Gesetzmäßigkeit jeder seiner Amtshandlungen haftbar, die Weisung iines Vorgesetzten deckt da den Untergebene» nicht, sobald sie nicht ganz der Verfassung und dem Gesetze gemäß ist. Das gilt nicht blos in Republiken, sondern schon i» England, wo z. B. wegen eines gesetzwidrigen'Verhasisbefehls nicht der Ansferliger, sondern der i ollstrecker desselben belangt wird, ein Verfahren, das ganz zweckmäßig sich erweist, weil der Kleinere leichter zu fassen ist, als der Große, dem- nach sich wohl hüten wird, zu einer Gesetzwidrigkeit seine Hand zu leihen. Ich habe aber die Miiiisterverantwortlichkeit eine Schcinverantwort- lichkeit genannt— sie ist vollständig zu einer bloßen Spiegelfechterei ge- worden. Meines Wissens hat erst Cm Minister seinen Berralh am Volke mit dem Leben gebüßt. Ich bin ein enlschiedener Gegner der Todsstrase und allen har- le» Strafen und Slrasverschärsunge»ran kann sich also denken, daß ich auch einen volksverrälherischen Minister nicht an den Galgen liefern, oder in Keilen schlag-n will: aber mit der Scheinverantworllichkeit sind wir alles Ernstes aus dem Regen in die Trause gekommen. Wenn es so gekommen ist, daß ein Minister sich kaum mehr auf der Straße zeigen darf, so dankt er ab und bezieht seine Pension, oder er dankt auch nicht ab und treibt es unverantwortlich fort, betet aber zu dem heiligen Erfolg(A Success), wie die Engländer zu sagen lieben, der ihm dann sicher zur Absolutioii verhilft. Wären richtige Grundsätze über Verantwortlichkeit in die Verfassungen aufgenomnien worden, so hätten wir vielleicht gar nicht nölhig gehabt, das Gegenwärtige zu schreiben: es ist also hier mehr als irgendwo am Platze, diese Grundsätz: anziideuleii, zumal ihre Beleuchtung für die Veilheidigung unsrer Freunde leicht von Gewicht werden kann. Niemand darf trotzig seine Verantwortlichkeit einsetzen für etwas, das nicht wieder ungeschehen gemacht werden kann, und nicht für Ver- ausgabnirgen, deren Rückerstaltung unmöglich ist. Eines Menschen Leben, Freiheil und Gut darf nicht der Verant- Wartung eines Andern überliesert werde». Niemandem darf eine größere Verantwortung als er tragen kann, auferlegt werde». Für alles, was dieKräfie und Mittel des Beauf tragte» übersteigt, muß eine besondere Ermächtigung ertheilt und eine besondere Ueberwachung verfügt werden. Als im Jahre 1866 nach dem Schlage von Königgrätz die kleinere» süddeutschen Siaaten ganz in die Gewalt des Siegers gegeben schienen, wurden, hinter deren, die den Prager Frieden unterhandeiten, und entgegen klaren FeiistcUiingen desseibe», die sogen.„Schutz- und!._ Trutzbündnisse" geschlossen. Sic wurden 7 Monate lang geheim geHallen, was iür alles eher, als für das R-chtsbewußlsein ihre« Urheber« j Leipzig: Berantw, Redakteurin Vertretung: Carl Hirsch(Redaktion: spricht. Uebrigens pfiffen bereits die Spatzen aus den Dächern davon,(Emilieirsit. 2.) Druck u. Verlag: F. Thiel«.(Eppedition: Peterst" 18) weil man angefangen hatte, ehe sie noch die Sanktion de: olksverire- Mng erlangt hatten. Interpellationen wurden deßhalb gestellt, aber mit frecher Abläugnung beantwortet. Eine Lüge ist an sich ei» ausgeführtes Schelmenstück: aber aus dem Munde eines Ministers ist sie oou ganz andrer Bedeutung, als aus dem Munde eines Jungeir, der Strafe fürchtet, weil er für ein paar Groschen zerbrochen hat. Jedenfalls verdient ei» Minister, welcher den Verlrauensinäiinern des Volkes, die über das Landeswohl zu wachen haben, eine llirwahrheit iu's Gesicht sagt, eine ganz andere, derbere und schwerere Züchtigung, als der zitternde arme Juiige, Es genügt jedenfalls nicht, daß er sich bloß aus dem Amtsstand in den Peusionsstand begebe. Das Geheimniß ist überall von Uebcl; was gut und gerecht ist, hat das Licht des Tages nicht zu scheuen. Uebrigens hat den süddemscheu Regierungrii ihre Gesügigleil von damals nichts geholfen: es ist eine atte vielerprob e Regel daß man zu fürchten pflegt, wen man achten muß. Wen man aber einmal verachten gelernt hat, gegen den glaubt man keine Schonung mehr üben zu dürfen. Damals mochie, in dein umnebelte» Gesichtskreise der höheren und höchsten Klassen, ein gewisser Grad von Aengstltchkeii sich erklären las- sen. Das Volk war aufgeregt und unwirsch, man stellte sich also lieber dem König von Preußen zur Berfllguirg, als daß»ran sich dem Volke aufrichtig in die Arme gewoiseu, obwohl man aus jedem Schulbuch der Geschichte sehen könnte, daß weit mehr Könige und Fürsten von Ihresgleichen entthront, als von ihre» Völkern oerjagt worden sind. Aber in den jüngsten Tagen konnte man sich in Baiern nicht einmal auch die Furcht vor dem Volke ausreden, denn dr�Bewegniig gegen den Anschluß war am slärlsten unter den Kalhotlkeii, weßhutb sie auch als „ullraniontan" verschrien wurde, obwohl auch alle nicht zum Pietis- rnris iieigeiideri Protestanten mit dem Widerstände gegen den Anschluß gingen. Auch war nicht die mindeste Gefahr dabei, wenn man darauf bestand, daß die Erde, mit der man vorging, der Bedeutung der Sache völlig miaiigcmesjeir sei. Auch stand hier nicht ein Besiegter dem Sieger gegenüber, sondern Baicrn war ein Buirdesgenossc, der zum Siege noch über das Zahlenverhältniß beigetragen hatte. Erwas plump war der Bolksoerrath allerdings angelegt. Statt das preußische Paradies mit den schönsten Farben auszninaten, hörte man irr der baierischen Kammer kaum Ein Wort zum Lobe Preußens: Dieser Staat wurde nämlich von den Befürworlern der Veriräge noch schwärzer gemalt als von den Gegnern derselben; er wurde geradezu hingestellt als ein Knecht Ruprecht, der den verschlinge, der nicht gutwillig sich ihm ergebe. Dabei verschwieg ma» aber, wie in Preußen gesagt wurde, daß man das Geld nehme, wo man es finde; daß Deutschland geseinigt werde mit Blut und Eisen; daß man i» Süddeutschiand nur habe, wen man bezahle; daß man in Preußen jahrelang gewirlhjchastet habe ohne Verfassung u. s. w. Jenes berüchtigte, daß Macht vor Recht gehe, sei nur im Vorbeigehen erwähnt. Es ist abgeleugnet worden, aber die That- jachen bedürsen der Worte nicht. Es ist klar, die süddeutschen Stämme sollten hineingeschreckt werden. Wir überlassen unfern Lesern das Verdikt, ob in einem solchen Verfahren BolkS- d. i. Landesverraih ist, da wir iiichl hoffen dürfen, daß ein Slaalsanwair die Geschw-rnen erbieten wird. Allein, wir sind noch nicht salig— das Stärkste kommt zuletzt. Schon im Jahre 1866 sollte das Volt durch ei» gegebenes königliches Wort gebunden worden sein; im Jahre 1870 wrederhotl« sich dasselbe. Es geHort aber zum A. B. C. des Koiistiuitionaiismus, das jede Reg'erungs- handlung eines Fürsten der Veramwortiichkeii eines Ministers unierliegt. Das ist die Sicherhciisklappe der Monarchie. Dem neuen deutschen Reiche fehlt sie, aber in den süddeutschen Staaten ist sie verbrieft und beschworen. Im Nächsten gehen wir an d�e Rechiferiigung unserer Freinide und hoffe» z» zeigen, daß sie nicht bloß nicht Landes- und Voiksver- rälher, sondern verständige und treue Landes- und Bolksberalher sind, und freuen uns, offen und unverblümt uns zu ihrer Gesinnung zu delenne». Internationale Metallarbciterschaft. Meine Wohnung desindel sich Spiegetsirasje �266 b. Zwickau. «art Oejer, Schrifisührer. Meine Wohnung befindet sich Reichenbacherstraße 220t. Zwickau. Richard Otto, Kassirer. Auszahlung der Reisemiterstützung nur Mittags 12—1 Uhr und Abends 7-9 Uhr.___ An die Parteigenossen. Für die Partei sind eingegangen: Freiwilliger Beitrag d. R. Franlfurl a. M. 1 Thlr. 13 Ngr.*) Für den„Bolksstaat" sind ferner eingegangen: Durch H. Bieiesetd 4 Thlr. 10 Ngr. 6 Pf.*) Durch B. Neustadt a. Orla 3 Thlr.') Durch F. W. Rave sburg 1 Thlr.*)— Sch. Herford 4 Thlr.(4. Januar.) I. S. Mainz 2 Thir. F. S. Mannheim 1 Wechsel über 17 fl. 30 kr. ') Direkt an de» Parteikassirer Burkhardt gekommen. Meerane 6 Thlr. Für dir„Bolrsstaat"-A»leihe Durch I. B. H. Mainz 9 THK Durch H. Durch H. Meerane 9 Thlr. Briefkasten. der Redaktion: Von vielen Sciien sind noch in letzter Stunde vor der Wahl zahreiche Artikel und Notizen in Wahlaiigelegenheiten eingegangen, deren Verosseiitlichung mimnehr unterbleibt soweit sie nicht durch ein bestimmtes Paitei-Jmetesje etwa nöthig sein sollte.— Lüttich, in der nächsten ganzen Nummer.— der Erpedilion: Sch. in H. Ciitschiildigen Sie das Verspäten. I. B. H. Brief und>�eld erhalten. F. S. Mannheim. Unseren besten Dank. Gruß. E. Augsburg, erhalieu 3 Thlr, H. Meerane: Bei dem Wahlkampfe ist wohl dies Versehen zu rechtfertigen, hiermit eiitsplechen wir Ihrem Wunsche. Durch die Erpedilion des„Bolksstaat" ist zu beziehen: Antrag und Reden von Bebel Uild Liebknecht im Reichstage. Der deutsche Bauernkrieg oou Friedrich Engels. 7 Bogen stark. Das Exemplar kostet 5 Gr., in Partien bezogen nur 4 Gr., 1 Expl. im Buchhandel 7'/, Gr. Ter Staat 35 Kr. und das Geuossenschastsnieje.». 20 Stück 10 Gr. Rationalökonomisches. 10 Gi.— 35 kr. II. Bortrag von I. Dietzgen. 30 Stück Arbetterlted von Hcrwcgh. 35 100 Stück 10 Gr.— 30 kr. Beilage zum MMsjlaal Mr. 19. Ein ehrlicher„Kathedersozialist." In der Leipziger„Gemeimiiitzigcn Gesellschaft"— einem dem reinsten Nationalliberalismus huldigenden Bourgeoisverein, an dessen Spitze Professor Biedermann, Bürgermeister Stephany und Leute ähnlichen Schlags stehen— hielt am 13. Januar Professor Knapp, Direktor des Leipziger statistischen Bureau's, einen Vor- .trag, der nähere Berücksichtigung unserer SeitS verdient. Nach dem «Bericht des„Leipziger Tageblatt" vom 1ö. Januar, den wir voll- ständig und imverändert wiedergebe», sprach Professor Knapp über den Freihandelsbund von Manchester oder vielmehr über den Kampf, den die englische Bourgeoisie seit dem Ende der dreißiger Jahre diese? Jahrhunderts gegen die Aristokratie geführt und siegreich durchgefochten. Dieser Kampf knüpfte bekanntlich an die damals immer drückender gewordene Korngesetzgebung an, die, saus rein aristokratischen Interessen hervorgegangen, zu Gunsten "der adeligen Grundbesitzer die Einfuhr ausländischen Getreides nrch hohe Zölle hemmte, die Getteidepreise in England selbst »ber unnatürlich in die Höhe trieb. Diese eigennützige Politik char insofern doppelt verwerflich und verderblich, als England schon ikit der Mitte des vorigen Jahrhunderts nicht mehr im Stande tvar, so viel Getreide zu bauen, als es seiner Bevölkerungszahl nach nöthig hatte, sich also offenbar darauf angewiesen sah, gegen seine Jndustrieprodukte Getreide einzutauschen. Der Redner schil- derte nun sehr klar und anziehend das allmälige Anschwellen der Bewegung, die sich von Manchester aus in den Kreisen der Bour- gevisie gegen die Kornzollgcsetzgebung erhob, und gab einen genauen Einblick u, die Agitation der Anti-Cornlaw-League(Ligue gegen die Korngesetze), jenes großen Freihandelsbundes, der unter der Leitung von Eobden, Bright und Wilson zuerst den besitzenden Mittelstand gegen die Aristokratie organisirte, zur Partei stempelte und dieser den Weg ins Parlament bahnte. Es wurde an dem Entstehen und Verlauf der Bewegung ge- Zeigt, wie hier durchaus kein Kampf um Bolksrechte, son- eern vielmehr ein Klassen- und Jntcresseukampf, ein Kampf um politische Macht vorliege. Darum habe der Ar- etterstanp in England Anfangs gegen diese von den besitzenden 'lassen ausgehend« Bewegung große Zurückhaltung beobachtet. m ihn zu gewinnen, habe man ihm vorgespiegelt, daß die 'kanchestcrpartei, wenn sie erst im Parlament sitze, auch die nteressen der unteren Stände vertreten und soziale eformgesetze, z. B. eine Bill, betreffend die Verkürzung er Arbeitszeit in den Fabriken, einbringen werde Dies irkte; der Arbeiterstand schloß sich der Bewegung an und jetzt urde der Manchesterbund unwiderstehlich. Sie Robert Peel, der amals das englische Staatsruder lenkte und lange Zeit die Anti- svrnlaw-League bekämpft hatte, machte ans politischer Klugheit die ache derselben zu der seinigen, und in der Parlamentssession on 184C— sieben Jahre nach der Gründung des Bundes— F'll das Gesetz durch, nach welchem die Kornzölle aufgehoben werden und fortan die Prinzipien des Freihandels in England Erfüllte nun aber die Bourgeoisie die Vcrsprechun- ?cii, durch welche sie die BnndeSgenossenschaft der Arbeiterklasse tewonnen? Das Gegentheil trat ein. Bright und die »anze Schaar der Fabrikanten im Uuterhause stimmten »egcn die Minderung der Arbeitszeit. Die Gesetze, die in ststgland zum Schutze der Arbeiter gegen Ausbeutung durch die kesstzenden Klassen bestehen, sind meist von der Aristokratie aus- gegangen, als Gcgenzüge gegen die Siege der Manchestcrpartei. I. Z»ui Schluß warf der Redner einen vergleichenden Blick auf >e deutsche Manchesterpartei, die Partei des bekannten„Volks- urthschaftlichey Kongresses". Er hob rühmend die Verdienste erfelben um Aufhebung des Zunftzwanges, Milnzrcforni und itternationale Handelspolitik hervor, tadelte aber scharf die Lässigkeit und Bequemlichkeit, mit der man von dieser peite der Arbeiterbewegung zugesehen habe. In dieser Daudlc es sich gewiß nicht bloS um die Erhöhung der Löhne, zur vernicidnng einer materiellen Roth, die in vielen von der Agita- vn ergriffenen Kreisen gar nicht vorhanden sei; vielmehr sei .'e Stellung des Arbeiters zum Fabrikanten überhaupt �genjtand des Kampfes. In der despotischen Berfas- u>g der gewerblichen Anstalten, in dem Verhältuiß des orstandeS zu den Arbeitern soll eine Aenderung herbeigeführt rr.™- Z" diesem Zwecke schließen sie sich corporativ und soli- finander.„Heirathet nicht!" ist der Rath, auf cn d�e Manchestermänner ewig zurückkommen, der aber 1"l'a9cn. sticht löst. Man müsse näher an dieselben heran- Zu k Wirren auf den Grund zu kommen suchen, die Be- nhi re1 b-Ct Arbeiter prüfen, ihre Forderungen ruhig betrachten ,».'M.s�chaftlich läutern. Durch die Ucbcrspannthciten einzelner L'fr Agitatoren, die beim Beginn solcher Bewegungen ij � �iirfe mau sich nicht abschrecken lassen. Dies seien ttie � spunkte, von denen die neue sozialistische Partei aus- Iii/ � auf dem Eisenacher Kongreß gebildet und mit dem iro- lb � amen der„Kathedersozialisten" belegt worden ist. Ihr l" uach der Ueberzeugung des Redners die Zukunft. �tr Vortrag, an den sich„eine Debatte nicht knüpfte." „Ausnahme des Schlußsatzes können wir jedes Wort unter- ärtuVu �'t und Weise, wie Professor Knapp die gegen- ™-!��astskrisc auffaßt, stimmt durchaus mit der soziali- in im r«'S Überein, ist die sozialistische Auffassung. Es ist be,,- w"' e'n Änteressenkampf", in dessen Mitte wir jetzt recken t 1®enn �e herrschenden Klassen von„Volksrechten" ntcten' bloß, um den Beherrschten und Ausge- m ln die Augen zu streuen, und das dumme leicht- k dem Teu«���"' baß es für seine Feinde die Kastanien die Arbeiter in England von der b in 3bfHfickr�rt«?nb mißbraucht worden sind, so in Frank- )t JiJ r. r.t berall, wo es Bourgeoisie und Proletariat lissen m � Klassen die beherrschten bis zu einer nae-. �" r a"�, 0et�,'ö beherrschen, liegt in der Natur der bloß die materiellen, sondern auch Prell?« Machtmittel, indem sie über die Schule, die Kirche, •feniitnifi w®6"«.?tC Rr!n�C bieser geistigen Herrschaft ist die ihcrnrf. w*1 a�' daß die Interessen> tdlick.v"�""Ub der beherrschten Klasse einander! die 9i'">'fi' baß hinter den Schmeicheleien der Herrschenden »st'd �nschten nur Eigennutz und Arglist lauern, daß jeder letzter?»" Beherrschten den Herrschenden leisten, die Macht! |" vermehren, die Ketten der Ersteren befestigen muß.. Der schwerste Theil des menschlichen Befteiungswerks ist es, den Unterdrückten und Ausgebeuteten diese Erkenntniß beizubringen. Haben sie dieselbe erlangt, so sind sie schon zu Dreivierteln frei— der Rest findet sich. Unsere Partei legt darum den Hauptschwerpuukt darauf, in dem Arbeiter das Klassen- bewußtsein zu erwecken. Nicht, damit er seinerseits nach Klassenherrschaft strebe, sondern damit er sein Alles daran setze, die Klassenherrschaft durch Aufhebung des Klassengegeis- satzes vermittelst der genossenschaftlichen Produktion prinzipiell zu vernichten. Wer aber die gegenwärtige gesellschaftliche Krisis als Klassenkampf auffaßt, steht auf dem Standpunkte des wirk- lichen Sozialismus, nicht des„Kathedersozialismus". Die Bemerkung des Vortragenden über das infame Unsittlich- keitögebot des Bourgeoiskatechismus ist von dem Berichterstatter des„Tageblatts" offenbar stark abgeschwächt worden. Sie erinnert uns beiläufig an die ausgezeichnete Abfertigung, welche unser Freund und Parteigenosse Franz in Zürich, in seiner Broschüre�) gegen den Erzhumbug Böhmert, der betreffenden Bourgeois- Morallehre zu Theil hat werden lassen. Professor Knapp ist Mitglied des in Eiscnach niedergesetzten „Ständischen Ausschusses" und hat, laut Berliner Blättern, sich neulich in einer Sitzung des Ausschusses so unverblümt und rück- haltlos mit Bezug auf den Gründuugsschwindel ausgesprochen, i daß Hr. Geheimerath Engel, Chef des Berliner statistischen Bü- reaus und mehrfacher Gründer(u. A. des Eisenacher Eon- gresses) sich in Folge dessen veranlaßt gesehen hat, sein Amt als ! Ausschußmitglied niederzulegen. Jedenfalls beweist der obige Bor- ' trag des Hrn. Professor Knapp, daß die Wahrheit sich allmählich durchbohrt, und daß zwar nicht der KathederfozialismnS ! unter die Arbeiter, wohl aber der Arbeiterfozialismus iauf die Katheder dringt. Das„gemüthliche" Sachsen. (Aus dem Braunschweiger„Volksfrcund".) Daß Sachse» ist ein sehr gemüthliches Land, Das läßt sich gewiß nicht bestreiten; Der Stieber hat dort auch im Spiele die Hand Und zieht immer strammer die Saiten. Wird Einer verurtheilt, dieweil er das Recht, Die Freiheit und Wahrheit thät loben, Ist er im Gefängniß zu Zwickau nicht schlecht Im Züchtlingsgewand aufgehoben. Man scheert ihm den Kopf und schcert ihm den Bart Und gibt ihm vortreffliche Speise, Damit er sich seine Gesundheit bewahrt Und lang' noch das Sachsenland preise. Dann zieht man ihn tüchtig zur Arbeit heran, Denn Strikes werden dort nicht gelitten, Es thut die Regierung, so viel sie nur kann, Um stets zu veredeln die Sitten. O liebliches Sachsen, wenn länger Du noch Wirst in dieser Weise florircn, Dann freu'n dort am Ende die Leute sich doch, Wenn Dich wird der Preuß' annektiren! Correspondenzen. Hohenstein, 18. Februar. Aus der jüngsten Wahlkampagne will ich noch Einiges nachttagen, was der herrschenden Meinung, als ob die Sozialdemokratie auf dem Lande keinen Anhang habe, einen empfindlichen Stoß versetzen wird. Ueber die Machinationen unsrer Gegner zur Hintertreibung der Wahl Bebels habe ich auch zu berichten; es wird das so recht zeigen, was es mit der Bildung, die die Herren bekanntlich gepachtet zu haben vermeinen, auf sich hat. Im Austrage des Wahlkomitös zu Hohenstein-Ernstthal be- gab ich mich in Gemeinschaft mit Parteigenossen Lippold am 17. v. Mts. nach den nahe liegenden Ortschaften Meinsdorf und Langberg, um für die in Aussicht gestellte Reichstagswahl Stimm- zettel und Wahlaufrufe zu vertheilen. Mit Freuden habe ich wahr- genommen, daß ttotz aller Verleumdungen und Verdächtigungen von Seiten unseres Wochenblattes die Sympathie für die Sozial- demokratie eine außerordentliche zu nennen ist. Selbige Uberstieg alle meine Erwartungen. Man muß es mit angehört haben, mit welcher Begeisterung die Leute auf dem Lande von dem Reichs- tagsabgeordneten A. Bebel sprachen. Kaum hatten wir einige Häuser belegt, so war die frohe Botschaft schon überall bekannt; und unter der Thür schon lauerten sie auf Stimmzettel für Bebel. Angesichts dieser Thatsache spreche man nicht mehr, Bebel hat keinen Anhang auf dem Laude. Ich komme nun zu dem oben erwähnten Fall, welcher so recht deutlich zeigt, mit welchen Waffen unsere Gegner uns bekämpfen. Am 18. Januar, wo ich und Partcige- nosse Lippold in derselben Absicht wie oben schon bemerkt worden ist in Gersdorf thätig waren, hatte ich Gelegenheit, mit zwei Herrn von gutem Stande(das zeigte mir ihre wohlgeformte Gestalt) zu- sammenzutteffen. Ich gedachte unserer Stellung diesen Leuten gegenüber und auch der Verachtung und des Uebermuths, mit welchen diese Klasse den Arbeitern begegnet. Mit diesen Gedanken ging ich in das nächste Haus um meine Pflicht zu erfüllen. Als ich wieder herauskam, hatten sich die zwei Herrn auf der Straße postirt und riefen mir zu, was ich hätte. Ich bemerkte ihnen, daß ich nicht viel Zeit hätte um zu ihnen zurückzukommen, übrigens hätte ich nichts zu verkaufen; daß ich Stimmzettel und Wahlausrufe habe, daß hätten sie gesehen. Außerdem bedeutete ich sie, daß die Stinimzcttcl für Bebel bestimmt sind. Darauf kam einer auf mich zu und sagte in herablassendem Tone„Ich will selbige kaufen!" Wo- raus ich ihm erwiderte, daß kein ehrlicher Sozialdemottat sich kaufen ließe. Ich kehrte den beiden Herren den Rücken, um mein Gc- schaft wieder aufzunehmen. Kurz darauf ttaf ich mit meinem Kollegen zusammen, welcher ebenfalls einen Spaß erzählte. Der Fabrikherr Resch habe ihn nämlich zur Thür herausgeführt und *) Diese Broschüre(Herr Böhmert und seine Fälschungen der Wissen- schaft) wird nächstens im Volksstaat besprochen werden, sie ist den Partei« genossen hiermit aufs wärmste empfohlen. ihm aufgettagen erst in aller Demuth um den Zuttitt zu bitten. Es muß aber bemerkt werden, daß meinem Kollegen von einem Arbeiter der Eintritt gestattet worden war, außerdem hatte er keine Warnungstafel bei der betreffenden Fabrik vorgefunden. Der Herr Resch hat sich aber sehr getäuscht; kaum hatten die Arbeiter bemerkt um was es sich Handeltes, so verließen sie die Fabrik und verlangten vor der Thür im Angesicht ihres Arbeitgebers Stimm- zettel für A. Bebel. Mit sozialdemokratischem Gruß Carl Eduard Seyfert. Kambnrg, 21. Febr. Von Seiten unserer Parteigenossen zu Lübeck war zu Mittwochs, den 19. dS. M. eine„öffentliche Mit- gliederversammlung" anberaumt. Um über die geschichtliche Ent- Wickelung der Arbeiterbewegung und das Parteiprogramm zu re- feriren, war ich daselbst erschienen. Nachdem der Verttauensmann Herr Nootz die Versammlung eröffnete und mir das Wort ertheilte, wurde von den anwesenden Mitgliedern des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins eine„Bureauw ahl" verlangt. Vom Vorsitzen- den darauf aufmerksam gemacht, daß es eine öffentliche Mitglieder- Versammlung des Vereins sei, in welcher Gäste wohl willkommen wären, aber nicht das Recht hätten, solches zu verlangen, wurde von den beiden Mitgliedern des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Vereins Herrn Abraham und Keye unterstützt, während die Herrn Rothermund aus Altona(zu dieser Versammlung ebenfalls einge- laden), Haase, Voß rc. unter fortwährenden Geschäftsordnungs- debatten, an welcher auch Lustennann und Unterzeichneter sich be- theiligten, wurde nach einstündiger Berathung dahin cittschieden: Aus Großmuth Herrn Nootz den Vorsitz zu überlassen. Jetzt kam die Geschäftsordnungsdebatte über die Redezeit an die Reihe. Man war der Meinung, der Referent könnte so lange sprechen, daß die Jrrthumer, die dieser machen könnte, dann der vorgerück- ten Zeit wegen nicht zu widerlegen wären. Das hierbei das Mög- lichste geleistet wurde, um die Versammlung resultatlos zu machen, ist selbstredend. Die Frage des Vorsitzenden, ob man in die Tagesordnung eingehen wolle, wurde mit einer geringen Majori- tät verneint. Darob großer Jubel in der Versammlung. Im engen Kreis wurde dann noch in einem andern Lokal über AlleS gesprochen, was zur Sache nothwendig schien, und man kann trotz der Störung mit dem Erfolg zufrieden sein. Die feste Hoffnung in kürzester Zeit eine recht tüchtige Mitgliedschaft in Lübeck zu haben, wird an dem Eifer unserer Genossen nicht zu Schanden werden. Rud. Praast. Aerkin, 25. Februar.(Zur Berichtigung). Auf die Anfrage in Nr. 15 des„Volksstaat" an den Böttchergesellen-Verein diene Nachfolgendes zur Antwort. Wir erhielten am 23. November vorigen Jahres 50 Gulden von der Schreiner- Union in Mainz als der Strike zu Ende war. Daß nun das Geld in den Ab- rechnungsformularen nicht mit eingerechnet ist, hat seinen Grund darin, daß die Formulare schon gedruckt waren ehe wir das Geld erhielten. Wie es nun häufig bei einem Sttike vorkommt, so mußten auch wir die Erfahrung machen, daß mehrere Mitglieder, welche sich betheiligt hatten, von den Meistern ausgeschlossen wurden. Wir haben die 50 Gulden deßhalb zur Unterstützung dieser Kollegen verwandt. Da nun zu der Zeit Herr Schultz durch Herrn Holtz als Vorsitzender ersetzt wurde, so müssen wir bedauern, daß Herr- Schultz es unterlassen hat, Ihnen den genauen Sachverhalt zu- kommen zu lassen. Wir sagen hiermit unfern besten Dank. Würden sie jedoch in der Lage sein Unterstützung.zu gebrauchen, dann werden wir mit allen Kräften Ihnen zur Seite stehen. Mit Gruß und Handschlag Holtmann, Vorsitzender. München, 14. Febr.(Auszug aus dem Protokoll der General- Versammlung des Fachvereins der Schneider.) Nachdem vom Ausschuß Bericht erstattet war über die Thätigkeit des Vereins im ab- gelaufenen halben Jahre, wonach in 19 Versammlungen 13 Vor- träge über Fachwiffeuschaft und Fachinteresse gehalten wurden, erfolgte der Bericht der statistischen Commission, aus welchem wir Folgendes mittheilen: Nach Annahme der Commission befinden sich hier(beständig beschäftigt) 600 Gehilfen, die in 3 Klassen ein- getheilt nach stattgehabten Recherchen folgende Einnahmen erzielen: Jahrlicher Verdienst: I.Klasse 200 Gehilfen n 468 sl.; II. Klasse 200 Gehülfeu a 364 st.; III. Klasse 200 Gehülfen a 260 fl. Nach Abzug der geschäftlichen Ausgaben: I. Klasse jährlich 52 fl., bleibt per Tag 1 fl. 8'Jl, kr.; II. Klasse jährlich 39 fl., bleibt per Tag 53 kr.; III. Klasse jährlich 26 si., bleibt per Tag 36V, kr. Da nun täglich zu verausgaben sind: für Frühstück 9 kr., für Mittag- essen 18 tt., für Vesper und Abendessen 33 kr.— bleiben vom Verdienst 8V» kr. übrig für Logis, Kleidung, Bildungsinittel und Unterhaltung. Für letztgenannte Zwecke täglich 18 kr. berechnet, bleibt ein jährliches Defizit von 60 fl. bei einem Arbeiter I. Klasse, noch weitere Ausgaben sind die direkten Steuern. Da der ledige Arbeiter I. Klasse den täglichen Verbrauch schon abrechnen muß, um kein Defizit aufkommen zu lassen, so erachtet die Commission es als Pflicht, daß die Collegen sich vereinigen müssen, um eine bessere Existenz erzielen zu können, welche durch den Normalarbeits- tag und durch genossenschaftliche Arbeit mittelst Staatskredit zu erringen ist. Nur dadurch wird es möglich sein, ein Gleichgewicht der Einnahmen und Ausgaben herzustellen. Nicht zu wunder» ist es, wenn in Folge der Confektionsarbeit und der Ueberproduktion die Existenz eine schlechte ist, und unsere Kollegen zu den lebens- länglichen Gläubigern(?) gehören oder der Gerechtigkeit verfallen. Süchteln im Mheink. Das Ergebniß der beiden VolkSvcr- sammlungen vom 15. Dez. 1872, in welcher Parteigenosse C. Kleist referirte und der Versammlung vom 12. Januar d. I., in welcher die Parteigenossen I. Scheil und G. Schumacher anwesend waren, war, daß mehrere Arbeiter erklärten, der sozial-demokratischen Arbeiterpartei beitreten zu wollen. Für den„Volksstaat" sind fünf neue Abonnenten gewonnen worden. Sonntag den 16. Febr. hatten wir behufs Gründung einer Mitgliedschaft eine Versamm- lung im Lokal Reiners angeordnet. Parteigenosse Jos. Sauren aus M.- Gladbach war zu diesem Zwecke herüber gekommen und sprach über die Arbeiterbewegung und die Bestrebungen des Bürger- thums mit Anerkennung seiner Zuhörer. Hieran schloß sich die Vorlesung der Parteiorganisation mit Erklärung an und dann wurde eine Mitgliedschaft der sozial-demokratischen Arbeiterpartei von 22 Mann gebildet. Herrn. Schrors, prov. Verttauensmann. Kranßfnrt a. M., 19. Februar.(Zum Steindrucker-Sttike.) Unsere Angelegenheit ist soweit beendet; wir haben unser Ziel zum größten Theil erreicht. Wenn auch noch einiges zu wünschen übrig bleibt, so können wir für das erstemal zufrieden sein. Wir haben bei dieser Gelegenheit kennen gelernt was Einigkeit ist, und was man durch dieselbe zu erringen im Stande ist; wir haben uns am 20. Januar d. I. als Verein konstituirt, um unsere Lage zu be- sprechen und zu verbessern. Wenn die Korporativ-Vereinigung uns unsere Lage auch nicht dauernd verbessern kann, so ist doch immer- hin etwas geschaffen, wodurch es den Prinzipalen benommen ist, mit dem Einzelnen zu schalten und zu walten nach Belieben.— Wir rufen deswegen allen Kollegen Deusschlands zu, organisirt Euch ebenfalls. Aber wisset, daß durch diese Vereinigung uns, wie schon bemerkt, nicht dauernd geholfen werden kann und alles umsonst ist, wenn wir uns nicht in Masse an der sozialen Be- wegung, welche heute in Deusschland hoch in Wogen geht, be- theiligen. Darum Vorwärts, schaaret Euch um das rothe Banner der Sozialdemokratie und es wird bald auch für uns die goldene Sonne der Freiheit scheinen. Mit kollegialischem Gruß G. Müller, Präsident. Mannheim, 31. Januar. Gestern fand hier eine Volksver- sammlung, von den Mitgliedern des Allgemeinen Deutschen Ar- beiterveinö einberufen, statt. Da nun trotz aller Versuche unsrer- seits, eine Vereinigung resp. friedliches Nebeneinandergehen zu Stande zu bringen, gescheitert, und in der letzten Zeit in den hier abgehaltenen Volksversammlungen unsre Partei auf die schäm- loseste Weise verdächtigt wurde und uns hier jede Lebensfähigkeit für die Zukunft streitig gemacht werden sollte, hielten wir es für Pflicht, nicht allein an Zahl stark vertreten zu sein, sondern ihnen auch eine tüchtige Kraft entgegenzustellen und hatten wir zu diesem Zwecke Parteigenossen Leyendecker aus Mainz kommen lassen. Die Versammlung war eine sehr stark besuchte und bildeten wir mit den von uns gegründeten Gewerkschaften die überwiegende Majorität. Da wir aber in Erfahrung gebracht hatten, daß nach einer Niederlage in der Bureauwahl sofort die Marsellaise ange- stimmt werden sollte, so zogen wir es vor, den Vorsitz in die Hände des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins gelangen zu lassen, es konnte dann wenigstens die Versammlung abgehalten werden. Nach Erledigung der Bureauwahl wurde unsererseits der Antrag eingebracht, zwei Correferenten aufzustellen, und die Redezeit auf 3/4 Stunde zu beschränken, derselbe wurde aber vorläufig unter den Tisch geworfen.(Und trotz der Majorität opponirten Sie nicht?) Herr Loser aus Berlin erhielt sodann über den ersten Punkt der Tagesordnung:„Die ersten und die Endziele der Sozialdemo- kratie" das Wort. Nach Beendigung seiner Rede erklärte Herr Rühl aus Frankftirt a. M., der Referent habe sich nicht an die Tagesordnung gehalten, und empfahl demselben dieses für die Folge. Wir suchten jetzt unsrerseits den von uns vorher erwähnten Antrag zur Abstimmung zu bringen, was aber entschieden von Seiten des Bureau's verweigert wurde. Da wir nun sahen, daß es thatsächlich darauf abgesehen war, Niemand von unsrer Partei zu Wort kommen zu lassen, so forderten wir unsere Parteigenossen auf, sofort ven Saal zu verlassen, was denn auch geschah. Ün- gefähr zwei Drittel der Anwesenden folgten uns.(Und mit dieser unverzeihlichen Nachgiebigkeit wollen Sie doch nicht etwa Ehre einlegen? Ihre Pflicht war eS, Stand zu halten, selbst wenn Sie in der Minorität gewesen wären.) Wir begaben uns in unser Lokal und wurde die für den Abend ausgefallene Parteiversamm- lung sofort eröffnet. Herr Leyendecker sprach nun über den ersten Punkt der in der Volksversammlung aufgestellten Tagesordnung, wobei er das Programm unsrer Partei in trefflicher Weise be- leuchtete. Es sprachen dann noch Umland und Ganshorn von hier, Ersterer über die Vereinigung der beiden sozialdemokratischen Fraktionen, Letzterer kritisirte die Taktik des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, wobei er hauptsächlich hervorhob, daß dieselben es an anderen Orten, z. B. Frankfurt a. M., ebenso machen. Umland stellte den Antrag, die Versammlung wolle sich aussprechen, welche Stellung wir in Zukunft zu den von den Mitgliedern des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins einberufenen VolkSversamm- lungen einzunehmen gedenken. ES wurde einstimmig beschlossen, dieselben nicht zu besuchen. Leyendecker sprach sich noch zum Schluß befriedigend über die in jüngster Zeit'gemachten Fortschritte der Partei in Mannheim aus, forderte die Parteigenossen auf, auszu- harren und so fortzufahren. Den NichtMitgliedern wußte er mit ernsten Worten an's Herz zu legen, daß es die erste Pflicht eines jeden Arbeiters ist, sich der Bewegung anzuschließen, worauf sich auch gleich 18 Mann in unsre Listen einzeichneten, darunter einige bisherige Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. Mit sozialdemokratischem Gruß August Schimmels Vegesack, 17. Februar. Sonntag, den 16. d. M., fand in dem benachbarten Scharnibeck eine Volksversammlung statt, welche, obgleich man dachte, daß die Sozialdemokratie gänzlich abgestorben sei, dennoch zahlreich besucht war und ohne alle Störung verlief. Zum Vorsitzenden wurden die Herren F. Struwe aus Scharmbeck und G. W. Schwelle, sowie Unterzeichneter zum Schriftführer ernannt. Die Tagesordnung war: 1) Die Arbeiterbewegung und ihre Ziele, 2) Verschiedenes. Ueber den ersten Punkt der Tagesordnung referirte Herr Kaht aus Gecstendorf, und beleuchtete in einer zweistündigen, öfter von großem Beifall unterbrochenen, Rede die Entwickelung und Aus- breitung der Sozialdemokratie. Hauptsächlich hob er hervor, daß Ehristns Aehnliches gewollt was wir wollen, nämlich die allge- meine Menschenverbrüderung. Redner kam dann im Laufe der Debatte auf das heutige Volksschulwesen zu sprechen, und bewies durch mehrere Beispiele, daß gerade hier wieder der Arbeiterstand es ist, welcher die meisten Opfer zur Begünstigung der besitzenden Klassen zu bringen habe. Er beleuchtete ferner das Sterblichkeits- verhältniß zwischen den Kindern der Arbeiter und denen der Reichen. Redner forderte sodann die Anwesenden auf, sick der sozialdemokratischen Arbeiterpartei anzuschließen und auf den„Volks- staat" zu abonniren. Hierauf nahm Parteigenosse Günther das Wort und empfahl hauptsächlich die politische Agitation und Betheiligung an den Reichstagswahlcn, verlas dann den Artikel„Corruption" aus Ztr. 14 des„Volksstaat" und endete unter großem Beifall der Versammlung seine Rede. Sodann spräch Herr Schwelske über die Strikes und bewies deren Berechtigung. Mehrere Redner äußerten sich in gleichem Sinne. Zum Schluß wurden sämmtliche Anwesende aufgefordert, sich der sozialdemokratische, l Arbeiterpartei anzuschließen und auf >�... CY>.. i i oTl__ lu... rwtTttv/»!» mirt■Yitcfv'O f I f<* lIlVP den„Volksstaat" zu abonniren. Möge» nun auch Alle ihre Schuldigkeit thun und sich recht zahlreich an der guten Sache betheiligen. Im Namen der Versammlung spreche ich noch die Bitte aus, die Referenten mögen derartige Versammlungen noch öfter hierorts abhalten. Mit sozialdemokratischem Gruß S. Löwenherz, Schriftführer. Essen, 22. Februar.(Die Lage unserer Partei im Rheinland.) Nachdem ich nun seit Anfang vor. Monats in der Rheinprovinz agitatorisch thätig bin, erheischt es die Pflicht gegen unsere Partei, die hier gemachten Erfahrungen zum allgemeinen Nutzen der Parteigenossen zu veröffentlichen. Schon Ende des vorigen Jahres machte sich eine ungewöhnlich erfreuliche Thätigkeit und Bewegung im Innern der Partei bemerkbar. Die Katastrophe in Hamburg unter den dortigen Mitgliedern des Allgem. Deutschen Arbeiter- Vereins beförderte die Agitation und den Wunsch nach Vereinigung der sozialdemokratischen Arbeiter beider Fraktionen aufs Neue. Trotz des Egoismus und trotzigen Widerstandes der Leiter des „Neuen Sozialdemokrat" in Berlin, welchen weder Lüge noch Verläumdung zu schlecht ist, den Trieb der aufgeklärten Sozialisten nach Vereinigung zu unterdrücken, gewann die Idee immer mehr Boden.— Die ehemaligen Mitglieder des Lassalle'schen Vereins (Mende-Hatzfeld) bei M.-Gladbach und Umgegend, welche schon seit längerer Zeit ohne festeren Znsammenhang sich befanden, schlössen sich nach Abhaltung mehrerer Versammlungen, unter denen die am 26. Januar in St. Thönis stattgefundene als Vorzugs- weise entscheidende zu bezeichnen ist, unserer Partei an.— Die Agitatoren des Allgem. Deutschen Arbeitervereins mußten den Ver such, diese Leute für den unfehlbaren„Neuen" in Berlin zu gewinnen, aufgeben. Die fortwährenden gemeinen Schimpfereien des„Neuen Sozialdemokrat" waren jdiesen alten Anhängern Las- salle's so zum Ekel, daß sämmtliche der intelligenteren schon seit längerer Zeit auf den„Volksstaat" abonnirt hatten und mit In- teresse ihm folgten. Der glänzende Wahlsieg Bebels trug noch besonders viel dazu bei, die neugewonnenen Mitglieder unserer Partei für unsere Be- strebungen dauernd zu fesseln. Daß die Leiter des„NeuenSozial- demokrat" in Berlin jedes Bestreben der deutschen Sozialdemokra- ten nach vernünftiger Vereinigung in der gemeinsten Weise zu hintertreiben suchen, hat ihnen in letzterer Zeit schon manchen alten Parteigenossen gekostet, welcher voll Abscheu über solches Treiben entweder sich anschloß oder auf lange Zeit sich zurückziehen wird. Unsere Parteigenossen, namentlich die älteren, wissen ja recht gut, was von den großen pomphaften Agitationsberichten des „Neuen" zu halten ist— meistens ist alles eitel Lug und Trug, Sand in die Augen der Leser. Hier im Rheinland und Westfalen vegetirt oder agitirt Dres bach, Generalbevollmächtigter des Präsidenten Hasenclcver(außer- dem ist Dresbach aber noch Präsident eines Narrenvereins in Düsseldorf). Am 3. d. M. nun fand in Elberfeld, von den Mitgliedern unserer Partei einberufen, eine Volksversanimlung statt, in welcher dieser edle Kämpe Hasenklevers sich in Comp, mit Frick, Klein u. Genossen(Letzterer, welcher vor Jahresftist in der„Elberfelder Zeitung" öffentlich der Sozialdemokratie entsagte, ist nun wieder in den Schooß des Alleinseligmachenden aufgenommen)— sich die Sporen gegen uns zu verdienen suchte.— Ich will die Partei- genossen mit dem Blödsinn verschonen, welcher dort von diesem alten Recken zu Tage gefördert wurde. Sie kämpften mit den Waffen eines Tölcke, der Lüge und Verdrehung. Dex Erfolg dieser Versammlung, welcher unter bekanntem Tumult schloß, war in diesem alten Stammsitz Schweitzers entschieden moralisch auf unsrer Seite, wie denn überhaupt die alte Taktik des Niederbrüllens immer mehr Bankerott macht. Crefeld besitzt eine alte Mitgliedschaft des Allgem. Deutschen Arbeitervereins, aber man muß es den dortigen Anhängern des„Neuen" zum Ruhme nachsagen, daß Schauspiele k la Tölcke zu den unbekannten Dingen gehören. Während meines Aufenthalts dort trat ich in drei Volksver sammlungen auf. Die Tagesordnung der letzten, den 26. Jan., war der glänzende Wahlsieg Bebels, und die politischen Rechte des Volks. In ungetheilter Begeisterung wurde der Wahlsteg von allen dortigen Sozialdemokraten beider Fraktionen gefeiert— und Crefeld ist für Fraktionshader und Personcnkultus ein««zugänglicher Ort. Im Rheinland gewinnt unsere Partei imnier mehr Boden. Elberfeld hat sich kräftig erhoben. Neviges, wo unser thätiges Mitglied Obermann wohnt, ist eine feste Burg in unserni Bund. Die Mitglieder des Rhein- landeS verbinden und unterstützen sich gegenseitig und an solchem Bollwerk zerschellen die Zcrsplitterungsversuche der Agitatoren des „Neuen", der Boden ensschwindet nach und nach unter ihren Fußen und in nicht langer Zeit werden sie ihre resultatlosen Agitationen einstellen müssen. Am 19. fand eine große Volksversammlung in Duisburg statt. Auf deren Tagesordnung:„Die Tabaksteuer, der Eisenbahn- schwindet und der SocialisniuS" gestellt waren. Mit den dortigen Parteigenössen beider Fraktionen war nach einem vorher mißglückten Versuch ein Vergleich hergestellt. Referent des ersten Punktes war Dresbach, des zweiten Raspe auS Essen und über den dritten referirte der Unterzeichnete. In Betreff des ersten Punktes wurde der Protest Haseuclcver's(Nr. 16 des„Neuen Sozialdemokrat") einstimmig angenommen. Der zweite Punkt fand ebenfalls seine ruhige Erledigung. Nach Beendigung des dritten Punktes konnte Dresbach es sich aber nicht versagen, eine Lanze für die unfehlbare Organisation des Allgem. Deutschen Arbeitervereins zu brechen. Raspe berichtigte ihn in gründlicher Weise, und die Versammlung würde den ruhigsten Verlauf ge- nommen haben, wenn nicht einer der fanatischen Anhänger des „Neuen"(Brinkmann) in gemeinster Weise gegen RaSpe sich eine persönliche Beleidigung der stärksten Art, ivelche ihres Gleichen selten findet, erlaubtes Es gelang dem Vorsitzenden(Schäfer), welcher indirekt sich auf Seite deS Verläumders stellte, nicht, die Ruhe wieder herzustellen, und so mußte die Versammlung, es war bereits nach Mitternacht, geschlossen werden. So gerecht und billig es jedem außerhalb dieser Kämpfe stehen- den Parteigenossen erscheinen mag, eine Vereinigung oder ftied- liches Zusammengehen beider Fraktionen um jeden Preis(Es dürften sich denn doch nur äußerst Wenige finden, die die Vereinigung um jeden Preis wollen!) herzustellen, so bleibt dieö doch so lange eine Unmöglichkeit, als solche Skandalscencn, geschürt und unterstützt von der Redaktion des„Neuen Sozialdemokrat" sich wiederholen. Die Aufgabe der Mitglieder unserer Fraktion kai... nur fein(und dies ist die Parole unserer Mitglieder iin Rhein- land geworden) solchem Treiben unerschrocken, entschieden und fest gegenüber zu treten. Wir kämpfen für Aufklärung und sittliche Hebung des Volkes, und eng zusammen verbunden, uns in allen Dingen, welche die Befestigung unserer Partei betreffen, gegenseitig unterstützend, kann uns der Sieg nicht fehlen! Mit sozialdemokratischem Gruß:. Julius Scheil. Schwö. Gmünd. Neue Ausbreitung. Sountaa den 25. d. Mtö. machten eine größere Anzahl Mitglieder einen Ausflug nach Schon- dorf, woselbst eine Volksversammlung anberaumt war. Wilhelmy aus Gmünd referirte über die Ziele der Sozialdemokratie. Es gelang demselben in einem bei 2 Stunden dauernden Vortrag, wobei er unser Programm meisterhaft entwickelte, manchen Arbeiter Schondorfs aufzuwecken, und der Organisation zuzuführen, illach beendigtem Vortrag wurde zur Gründung einer Parteimitglied- schaft aufgefordert und eö erfolgten auch sofort 14 Einzeichnungen. Es ist Hoffnung da, daß sich nach erfolgter endgiltigcn Constitui- rung noch weitere Arbeiter anmelden. Denn es ist nicht zu ver kennen, daß auch in Schorndorf die Arbeitszeit, wie auch die Lohn Verhältnisse viel zu wünschen übrig lassen. Schließlich wnrdci von einigen Sängern des Gmünder Ortsvereins einige Lieder gd jungen, und waren so die Anwesenden bis zu Abgang des Zug! gemüthlich bei einander. Debler. Weimar, 16. Febr.(Verspätet.) Nachdem bereits n Dezember I. und im Januar in Folge der von hier a» ins Werk gesetzten Agitation in Blankenhayn und Berka a. Jl« sich Mitgliedschaften der Partei gebildet, ward auf Verlange dortiger Gesinnungsgenossen in Stadt Remda, einem Städtch« zwischen Blankenhayn und Rudolstadt, durch unfern Parteigenossi C. A. Reichelt aus Apolda am 9. d. M. eine Volksversammlu� abgehalten, die für unsere Partei vom günstigsten Erfolge begleili war. Vom besten Geist beseelt, traten nach dem Schluß dt Ausführungen des Redners 40 Mann �ofort der Partei bei, Leill deren Gesicht und Haltung zwar den Druck zeigten, den das El pital auf sie ausübt, zugleich aber auch die Ensschlossenheit, dt Kampf gegen dieses herzlose und egoistische Capital aufzunehme- Eine zweite Versammlung am Abend, in der Reichelt über t Gewerksgenossenschaften referirte, war vom besten Erfolge begleit' Nach Allem läßt sich erwarten, daß eine tüchtige Mitgliedschaft i Remda erwachsen wird.— Von Seiten des dortigen Bürgerms sters(einer der Hauptausbeuter der Arbeiter) war in blasser Äiyi um sein elendes Dasein und seinen Geldsack sogar von WeiA' Polizei reguirirt worden, die sich aber— im vollen Gegensay zu der schlotterbeinigen Angst des Ortsvorstandes— sehr taktvo und ruhig benahm.— An demselben Tage fand auch in Legefeld— einem Do:' zwischen Weimar und Berka— eine Versammlung der Parte Mitglieder beider Orte statt, an der auch ländliche Arbeiter' reichlicher Zahl theilnahmen. Die fteudige Zustimmung und Ar merksamkeit gerade dieser zeigte recht deutlich, daß auch daS län> liche Proletariat sich unfern Bestrebungen bald vollständig anschließt wird. � A. Müller. Grimma. Wie die Fabrikanten sich vor den Sozialisten Z sichern wissen, davon folgendes Beispiel: Unterzeichneter gii� gezwungen durch polizeidirektorrüderliches AuSweisungsdekret vi Leipzig und Gerichtsamt l fort, uni das deussche Freizügigkeitsges und dessen Wohlthaten zu genießen, vorderhand nach Griinw um sich dort niederzulassen. Bald hatte ich auch dort Arbi gefunden und ging wohlgemuth ftüh 6 Uhr an die Arbeit, d. ich wollte gehen, denn als der Fabrikant(Selchow ist sein Na» eine halbe Stunde nach 6 Uhr kam und ich mich ihm vorstell! sagte er zu mir Folgeudes:„Ich habe gehört, daß Sie ein herv« ragender Führer der sozialdemokratischen Partei sind; solche Lei kann ich aber in meiner Fabrik nicht gebrauchen, eS ist bis jt Ruhe und Harmonie zwischen mir und meinen Arbeitern gcwes (freue dich Max Hirsch), die ich nicht gestört haben will."" habe ihm natürlich auch meine Meinung gesagt, es ist jed« überflüssig, dieselbe hier wiederzugeben. Uiibekümmert um di taktlose Maßregel nahm ich mein Bündel mit der Hoffnung, d ein Anderer doch meine Arbeitskraft brauchen würde, und Z üou©rimma vueitev.*>*1» csa•**« erw Eine Stunde von Grimma, im Do Golzern, ist eine große Maschinenfabrik, deren Besitzer Herr Gc schall und ein Schweizer NamenS Nötzli sind. Seit 14 Tai aber ist die Fabrik in ein Aktienunternehmen verwandelt und w< das letzte Geschäftsjahr laut Prospekt allein 40,000 Thlr. Rei gewinn auf. Dahin ging ich und bekam auch Arbeit. Doch f V/t Tage sollte es dauern, als der 1. Werfführer wie ein Tß auf mich losstürzt«(Kochli ist sein Name, auch ein fr«i«r WU der Schweiz) und mich anbrüllte: Heißen Sie Muth? Als! dies bejahte, that er mir die ftohe Botschaft kund: Sie mH ofort, augenblicklich aufhöre, so ein Mensche könne mir nicht unserer Fabrik gebrauchen." Als ich ftug, was denn sei, sagt-« „Sie werde wohl selber wisse, was Sie fer ein Mensch sind, m« Sie nur, daß Sie fortkomme." Ich wurde abgelohnt« 20 Ngr. den Tag und hatte die Freude, ein Abgangsattest v- vereinigten Fabrikantenbund zu bekommen. Als ich es in' Hand nahm und gegen das Licht hob, sagte der frühere Compag» Nötzli, jetzt Direktor der Akticufabrik:„Nu, Sie könne wohl> Zeugnisse schon, habe wohl schon mehrere bekomme?" Ich a! wortete ihm, daß ich sie wohl kenne, obwohl ich noch keins erh ten; eS gereiche mir zur Freude, so ein sauberes Herrchen ken< zu lernen. Ursache zu dieser Maßregelung war, daß ich 14 N zuvor in einer Bolssversammlung über die Gewerkschaftsbewcz»' sprach und die Arbeiter mich kannten. Bon dem ersteren Fob kanten soll der Werkführer zugegen gewesen sein und es sei»! Brodherrn getreulich hinterbracht haben. Auch haben einige sP tige Arbeiter dem Fabrikanten gegenüber den Speichellecker gern« dazu war auch die wirksame Nachhülfe der Polizei nicht auS! Acht gelassen worden. Die genannten Fabrikanten denken ihres Reingewinnes von 40,000 Thlr. jährlich für immer ss zu sein; ich bezweifle es. Die Arbeitszeit in den Fabriken da» don früh 6 Uhr bis Abends 7 Uhr; rechnet man dazu, daß Arbeiter V/t Stunden nach der Fabrik laufen müssen, so man sich denken, wie viel Zeit dem Arbeiter zu seiner Erhol« und zum Nachdenken über seine Lage übrig bleibt. Aber das koi» gar nicht in Betracht. Arbeiter aller Länder! Möge Euch* diese Maßregelung wiederum zeigen, wie nothwendig es ist,! Ihr Euch vereinigt, Gewerffchasten gründet und in die gegründ» massenhaft eintretet, damit solchem unwürdigen Verfahren der l brikanteu gegenüber dem Arbeiter endlich einmal ein Damm 1 gegengesetzt wird. Und Ihr Arbeiter, die Ihr in Arbeit seid> Euch einer kürzeren Arbeitszeit erfteut, die durch mühsame•' tation erkämpft wurde, bedenkt, daß draußen Solch herumw der», die Euch ein menschenwürdiges Dasein zu schaffen bess ind, bedenkt, daß sie Kummer, Verfolgung und Noth erler müssen. Ins gemachte Bett ist leicht sich legen, daS Schaf aber schwer. A. Muth. !>ie Filialeipeditiontu werden ansgesordert, dem H 4 des Reglements na «kommen. Die übrigen Expl. von Nr. 1, 5, 6. 19, des„Volkstaats" wie die übrigen Liefernngen k Hochverrathsprozesies und des Volkstaatskalende werden umgehend rückerbeten. Die Buchhandlung und Expeditiol des„Bolksstaat". Leipzig: Lerantw. Redakteur R. Keisfert.(Redak."« und Expedis Hohestr.4). Druck and Berlag der.iSenofsenschastSdnchdrucktrei. j i