M 21. SooWlen», Den 11. Miirz. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Sestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen de« In- und Au«- lande« an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstraße 18, F. Thiele, Emllienstraße 2, Der VolksstWt AbounemcntSpreiS Für Preußen incl. Stempel» steuer 16 Ngr., für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Agent für London A. Duensing, Foreign LooKseUer, lüdra- rian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Lei- cester Square, W. C. Filialerpeditivn für die Verein Staaten:?.�.Sorge, Loa 161 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der sozial-demokratischen Ardeiterpartei und der Internationalen Gemerksgenosscnschasten. Au die Parteigeuossen. Außer einem noch zu bedeckenden Defizit der Wahtun- kosten sind es die Pflichten, die wir unseren zahlreichen Jnhaftirten und deren Familien gegenüber zu erfüllen haben, welche uns zu einem erneuten Appell an die Ausdauer und Opferwilligkeit der Parteigenoffen nöthigen. Thue Jeder sein Mögliches! Beiträge nimmt unser Kassirer Burckhardt, Johannis- gaste 6— 8 E. entgegen. Leipzig, 10. März. Der stellvertretende Ausschuß. „vte toi, que je m'y uiette!'' („Geh' weg, Damit ich Platz nehmet") Es stammet nicht aus unfern Tagen Des„Größenwahnsinns" Toben: Seit Fürsten den Purpur tragen Und die Völker zu„schirmen" geloben Floß Blut um Blut, um harten Zwang „ M a ch t l i ch e r" Sklavenkctte! Wir kennen den bekannten Klang: Ote toi, que je m'y mette! Das ist ein unheilvolles Klingen!— Ist dieses Schreckenswort gesprochen: Dann kann nur Blut den Frieden bringen! Dies Wort hat manchen Hals gebrochen!! Dann donnert in den heißen Kampf Das Rohr auf der Lafette: Laut brüllt es durch den Pulverdampf: Ote toi, que je m'y mette I Als einst der Willkürherrschaft Sünden DaS Volk zur Rebellion gezwungen: Da wo ein Wort vermag zu zünden, Hat gellend dieser Ruf geklungen! Und als das Volk sich Freiheit schuf Auf der zerschellten Kette, Da ward er wahr, der Fahnenruf: Ote toi, que je m'y mette I Der Sieg mißbrauchte seine Rechte— Ein Blutstrom floß zur Friedenstaufe: Das Volk regierten Henkersknechte, Ein blutberauschter, wilder Haufe. Doch endlich brach des Fallbeils Macht! Die Macht der Bajonette: gum Schrecken rief der Herr der Schlacht: toi, que je m'y mette! Der Corse brachte keinen Frieden: Der Volker Herzblut ließ er fließen, Ob Schlacht und Krieg er auch entschieden, Ob ihm Europa lag zu Füßen— Nie hätte dieser Mann geruht— — Nicht auf dem Todlenbelte— Da las er in des Krewels Gluth: Ote toi, que je m'y mette! Was er in Flammenschrift gelesen, Das hat nur er gefühlt, gesehen— Doch bald darauf ist er genesen Bon„weltbewegenden" Ideen!! Dies Beispiel sei für stets genug! Wer gleiche Lüste hätte, Den trifft der Weltgeschichte Fluch: Ote toi, que je m'y mette! 1848. B. B. 1866. 1871. Wahlergebnisse. 19. Sachs. Wahlbezirk. Minkwitz 5204, Liebknecht 3981 Stimmen. Die Wahl wird mit Recht angefochten, da, unter zahl- reichen anderen Ungehörigkeiten, Gemeindediener und andere Beamten zur Verbreitung der Minkwi tzschen Stimm- zettel verwendet worden sind. Sto* 14. Sachs. Bezirk hatte unser Kandidat(v. Bonhorst) W l. r" wo unsere Parteigenoffen organisirt sind, die ryryett, die andern Orte bewirkten uns eine Niederlage. Wir wer cn nunmehr unsere Organisation auf den ganzen Be- zirk ausbchnen und können dann von den nächsten Wahlen ein bessere« Resultat hoffen. Im 22.«Lchs. Bezirk unterlag Bracke mit wenigen lmmen; die Mittel, mit denen ihn die„Freisinnigen" zu Falle brachten, waren ebenso schlecht, wie überall. Die ge- 9 crischen Stimmzettel und Wahlaufrufe verbreitete die Poli- die Austräger der unsrigen steckte die Polizei ein; so Schott in Auerbach und Haß in Rodewisch. Beide Partei- �Nossen sind heute noch inHeft und haben starke Familien, lur die der Parteiausschuß zu sorgen verpflichtet ist. Die �ohl ist unserseits protestirt. Äm 16, Bezirk(Chemnitz) erhielt Bracke 3000 Stimmen! In Cöln, Darmstadt, Augsburg und anderen Orten erhielten unsere Kandidaten beträchtliche Minoritäten. An größere Erfolge war natürlich bei dem jetzigen Siegesschwindel, in welchem jedem„Patrioten" die 5 Milliarden vor den entzückten Blicken schweben, als ob er sie nur einzustreichen brauchte, nicht zu denken. In Berlin unterlag Johann Jacoby denselben Verhält- niffen. Er erhielt in 6 Berliner Bezirken zusammen über 6000 Stimmen. Gegen ihn agitirte hauptsächlich Herr v. Schweitzer, dessen Kandidat Grau es in allen 6 Bezirken zu- sammen auf 1982 Stimmen brachte. >> F" �raunschweig erhielt Bracke 1378 Timmen(in der Stadt allein!) Politische Uebersicht. Die 30, 000 Mann deutscher Belagerungstruppen haben die Stadwiertel von Paris, die sie während der letzten Tage des Waffenstillstandes als Preis für die Zurückgabe von Belfor t besetzten, mit Sang und Klang verlaffcn. Das Benehmen der selben in Paris wird von den Parisern selbst als würdig be- zeichnet, jedoch hielten die Letzteren die Grenzen der okkupirten Stadtviertel mit Barrikaden besetzt, und ließen an allen Privat- personen und Ladenbesitzern, die mit den deutschen Truppen Verkehr gepflogen hatten, ungehindert ihre Wuth aus. Alle Geschäfte in den besetzten Theilen der Stadt waren während der Besetzung geschlossen, ebenso erschienen während der Zeit in Paris keine Zeitungen. Die Besetzung war einerseits eine un- nütze Demüthigung, die leicht schlimme Folgen hätte haben können, anderseits nur eine sehr unvollkommene, also kein Triumph des Siegers. AuS München schreibt man: Unsere Polizei übertrifft sich selbst in Maßregelungen. Ueber eine schreiende Ungerechtigkeit berichtet die„Südd. Post" des Weiteren wie solgt:„Während die Polizei gestern den Anschlag des volkspartei- lichen Wahlplakates nicht duldete, prangten gestern an den Siraßen- ecken Wohlplakate von der fortschrittlichen und der ministeriellen Mittel- Partei. In der Kammer wurde vielfach von zweierlei Maaß und Ge- wicht gesprochen, das unter dem gegenwärtigen Regime in Bayern zur Anwendung gebracht werde. Wir überlassen es unsern Lesern zu be- urtheilen, ob auch das zweierlei Maaß und Gewicht hier wieder in Anwendung gekommen. Es ist in der That unerhört, welche Polizei- «irthschaft hier herrscht Obwohl selbst in der Kammer der Minister Braun von mehreren Seiten anfgefvrdert wurde, dafür zu sorgen, daß die Presse insbesondere während der Wahlbewegung gleichmäßig behandelt werde, so hat sich Hr. Burchtorsf doch noch nicht bewogen gefunden, uns den gleichen Weg der Verbreitung wie den übrigen Blättern, näm- lich die Kolportage, zu gestatten. Ja, nicht nur das, es sind jetzt volle drei Wochen, daß wir an die Polizei mit besonderer Betonung der zu gestattenden Wahlfteiheit das Gesuch richteten, uns endlich die Kolportagebewilligung zu ertheilen, allein unser Gesuch wurde bis zur Stunde nicht einm al einer Antwort gewürdigt. So darf eine Behörde in Bayern, so darf Herr Burchtorsf verfahren! Wir verössent- lichen diesen Fall, um das Urtheil der öffentlichen Meinung zu pro- voziren, senden aber zugleich gegenwärtige Nummer unseres Blattes unter Anzeichnung dieser Stelle an das Präsidium der kgl. Regierung von Oberbayern und an den Minister Herrn Braun, damit sie als vor- gesetzte Stellen von dem Treiben des Pascha von München Einsicht bekommen. Wir werden mit der Besprechung dieses Falles und mit der Zusendung an genannte Herren so lange fortfahren, bis uns ein Be- scheid geworden, das Wenigste, was ein Staatsangehöriger von einem Beamten verlangen kann, der dafür aus dem Säckel des Volkes bezahlt ist. Soviel für heute. Auch heute wurde der Anschlag eines Plakats verweigert." Es liegt abermals eine lange Reihe von Briefen aus den geheimen Papieren Louis Napoleons vor, die einen klaren Einblick in die soziale und politische Verworfenheit des Kaiser- reiches gestatten. Das Wichtigste sind in dieser Sammlung meh- rere Briefe Rouhers. Der erste ist aus Cer�ay vom 6. Aug. 1886 datirt, also ganz kurz nachdem preuß isch-österreichi- scheu Kriege geschrieben worden, und an den damaligen Minister der auswärtigen Angelegenheiten v. Moustier gerichtet. Er handelt von den Grenzberichtigungen, die Napoleon als Lohn für seine Haltung während des Krieges beanspruchen zu können glaubte. Der preußische Gesandte, Herro. Goltz, hat diese Ansprüche in einer Unterredung mit Rauher als legitime zugegeben, aber ohne jede Instruktion von seinem Kabinete zu sein behauptet. Rauher frägt nun Hrn. v. Moustier, wie weit der Kaiser wolle, daß er mit seinen Ansprüchen gehen olle. Was ihn(Rauher) betrifft, möchte er vorläufig nur die Grenzen von 1813 verlangen und glaubt, daß mit dieser Ver- tilgung der Konsequenzen Waterloo's die öffentliche Meinung sich zuftieden geben werde. Andererseits aber glaube er nicht, daß diese Rektifikation, selbst von Preußen zugestanden, für die Zukunft weitere Ansprüche Frankreichs aufhebe, und sind es be- sonders die Verwicklungen mit den Südstaaten und die Main- linie, auf welche Rouher zur Verwirklichung seiner weiteren Pläne rechnete. Also immer wieder: dem Streiche von 1866 verdau- ken wir den Krieg von 1870.— In Wien wurde die„N. Fr. Presse" wegen preußischer Agitationen konfiszirt, ebenso(vermuthlich der Gleichheit halber!) der„Volkswille," der jene Agitationen gebührend geißelte. Der „Volksstaat" ist in Oesterreich noch immer Contrebande(Schmug- gelwaare). Wir hoffen, daß die dortigen Freunde Schritte thun werden, um diese ebenso unwürdige als vergebliche Maßregel des„liberalen" Bürgerministeriums zu beseitigen. Auf eine Interpellation Disraeli's erklärte der englische Minister Gladstone, Rußland und Preußen keine Kenntniß. Es wäre höchst selffam, wenn ein englischer Diplomat nicht wissen sollte, was in ganz Deutschland alle Parteien einmüthig und ohne Wider- spruch, die preußischen mit Befriedigung, die antipreußischen mit Besorgniß und Entrüstung, täglich konstatiren. Vielleicht wollte Herr Gladstone andeuten, daß hier kein Bundes-, sondern ein Vasallen-V erhältniß vorliegt. Dann hat er fteilich Recht. An meine Wähler. Parteigenossen! Ihr habt mir aufs Neue einen glänzenden Beweis Eures Vertrauens gegeben, indem Ihr mich, nunmehr zum dritten Male, zum Vertreter des 17. Wahlbezirks im Reichstag erwähltet. Ihr habt mir Euer Vertrauen erhalten, obgleich ich nicht in Eurer Mitte erscheinen konnte, um meinen Standpunkt ge- genüber der neuen Sachlage der Dinge darzuthun. Ebensowenig aber habt Ihr Euch auch beirren lassen durch die heftige und niedrige Kampfweise, womit die Gegner den Wahlkamps führten. Dies, verbunden mit der Thatsache, daß der unterlegene Gegner als die gefeiertste Größe des Liberalismus und Ka- pitalismus gilt, macht die diesmalige Wahl für mich doppelt ehrmvoll.— Nehmt dafür meinen wärmsten und innigsten Dank und das Versprechen, daß ich thun werde, was in meinen Kräften steht, Euer Vertrauen zu rechtfertigen. Es lebe die Sozialdemokratie! Das sei der Ruf, mit dem wir den neuen Kämpfen entgegenziehen. Leipzig, Bezirksgerichtsgefängniß, den 3. März 1871. Mit sozialdemokratischem Gruß zeichnet Euer August Bebel. Ein Biedermaun. Im 15. Sächsischen Wahlbezirk wird es zwischen dem Volkslehrer Spier und dem Volksverdummer Biedermann zur engeren Wahl kommen. Herrn Biedermann steht da ein Mann gegenüber, der alle Eigenschaften eines tüchtigen Volksvertreters besitzt:UGute Grundsätze, strenge Ehrlichkeit und Uneigennützig- keit, eine bedeutende wissenschaftliche Bildung, Besonnenheit, große Mäßigung, ein gewinnendes Aeußeres und eine glänzende Rednergabe. Endlich hat er, was mehr werth ist, als dies Alles: ein Herz für das Volt und eine grenzenlose Aufopferungs- fähigkeit für die Sache der Freiheit, die er selbst in Fesseln und Banden hinter den Festungsmauern von Lötzen nicht ver- läugnet hat und für die er heute noch im Gefängniß schmachtet. Derjenige Zeitungsschreiber, der über Spiers völlig recht- lose Einkerkerung am meisten frohlockt hat und vor Freude in seiner Zeitung täglich einen Purzelbaum nach dem andern schlug,— derselbe Zeitungsschreiber kommt heute zu den Wäh- lern des 15. Wahlbezirks und sagt:„Ihr habt es in Eurer Hand, Bismarck eine unangenehme Stunde zu machen, indem Ihr jenen, wie ich selbst zugeben muß, ohne einen Schatten von Recht, ohne Ankläger, ohne Bertheidiger, ohne Zeugen, ohne Richter, ohne Prozeß nach Lötzen in Ketten abgeführten Mann durch Eure Stimmen hervorruft aus seiner Zelle und nach Berlin in den Reichstag schickt, damit er Eure Jntereffen gegenüber der preußischen Regierung vertrete. Das könnt Ihr thun. Aber thut es nicht! Macht dem Herzog von Bismarck statt einer trüben eine heitere Stunde, laßt Jenen im Gefängniß sitzen und wählt mich! Denn ich heiße Biedermann!" Wer ist Biedermann? Wir haben bereits früher nachgewiesen, daß der große Kriegsheuler von heute 1866 ein Landesverräther war, der mit mehr Glück als Verstand seiner wohlverdienten Strafe entging, aber nicht der Verachtung ialler wahren Patrioten. Damals war er im Bündniß mit Preußen und dem Ausland, den ihm heute nicht genug zu beschimpfenden„Wälschen", gegen Deutsch- land. That er das etwa ausPrinzip? Ja. Denn sein Prin- zip ist eben, keins zuhaben, sondern immer mit Dem zu gehen, der das meiste Geld hat: immer mit denFürsten gegen das Boll. Heute, wo Preußen Gold mit beiden Händen unter den Zeitungsschreibern ausstreut, ist seine Parole:„Vor Allem die Einheit unter Preußen!" Früher aber war es Bieder- mann, der die vom Volt angestrebte Einheit bekämpfte und hintertrieb! So wurde er schon 1849 in den damaligen, von Robert Blum gegründeten„Vaterlandsblättern" gezeichnet. Unter der Ueberschrift„Wandel eines Ehrgeizigen" heißt es dort(Nr. 230) folgendermaßen: „Als im Herbst des Jahres 1845 der Kern der Oppo- sition gegen das Ministerium Könneritz- Falkenstein eine Peti- tion von 1 1 Punkten an die Ständeversammlung aufstellte, worin sie begehrte: 1) NichtVerbindlichkeit der berüchtigten Aus- nahmsgesetze des Bundestages; 2) ständische Genehmigung zu allen Bundesbeschlllffen, welche die in Sachsen bestehenden Ver- fassungsverhältnisse schmälern; 3) Hinwirken auf Erfüllung des Artikel XIII. der Bundesakte; 4) Verwendung für die bedräng- ten Schleswig-Holsteiner; 5) Anerkennung eines deutschen Staats- bllrgerrechts; 6) Aufhebung der Ceusur; 7) Verbesserung des Wahlgesetzes; 8) Oeffentlichkeit und Mündlichkeit des Gerichts- Verfahrens: 9) Gleichstellung der deutsch-katholiscben Kirche; 10) Verbesserung der Lage der Deutschkatholiken; 11) Verminderung des stehenden Herres und Herabsetzung der Dienstzeit— da trennte sich von dem Kreise dieser Männer Herr Carl Bteders mann, um selbst eine eigene Fahne auszupflanzen. k,»* hnä mftg stößig sei, zu verhandeln, damit keine Zersplitterung und Schwächung erfolge, wurde von seiner Seite zurückgestoßen, da er sich stark genug glaubte, als Parteiführer auftreten zu können. Er versammelte seine Freunde, erklärte die ersten, allgemein deutschen Punkte für ungehörig und stellte die sogenannten sieben Bitten auf, welche eine Verwässerung und Abschwächung der übrigen Punkte jener angeführten Ein- gäbe waren. Statt der Aufhebung der Censur verlangte er z. B. die Einführung von Censurgerichten, vor denen Beschwerde geführt werden könne. Schlechtweg Preßsreiheit begehren, erklärte er damals als zuviel verlangt. Dies war Herrn Biedermann's Standpunkt im September 1845! „Die Revolution kam. Herr Biedermann war, nachdem es ihm nicht hatte gelingen wollen als llniversitätslehrer sich einen Wirkungskreis zu schaffen— er hatte es mit philosophi- scheu, er hatte es mit staatswissenschaftlichen Borlesungen, er hatte es mit den schönsten Stoffen versucht und doch keine Zu- Hörer fesseln können, er fand auch für seine Schriften keinen Verleger mehr.— Herr Professor Biedermann war nach diesen traurigen Erfahrungen Buchhändler geworden und als solcher in die Stadtverordnetenversammlung von Leipzig gewählt wor- den. In dieser spielte er im März 1848 eine Rolle, auf die er sich nicht wenig zu gut thut, doch spielte er sie mehr zum Schein als in Wirklichkeit. Denn er that alles, was er die Oppositionspartei vorzunehmen im Begriff sah, und diese hatte auch gute Gründe, Herrn Biedermann's Eitelkeit zu benutzen, und ihm den Bortritt zu lassen. Sie wollte, daß Leipzig einig dastehe. Herr Biedermann ging darauf nach Frankfurt, stimmte im Vorparlament gegen die direkte Wahlart, erließ aber am 27. April, als es den Anschein hatte, daß die radi- kale Partei die Wahlen zur Nationalversammlung beherrsche, ein politisches Glaubensbekenntniß, worin er weiter gehend als die meisten Radikalen, die Republik„nicht nur in der Idee als die vollkommenste naturgemäßeste Staats- form anerkannte," sondern auch seine Ueberzeugnng aussprach, daß sie„und zwar auch bei uns recht wohl praktisch zu ver- wirklichen sei" und auch verwirklicht werden würde. Dies war Herr Biedermann im April vorigen Jahres(1848). Er wurde in Zwickau gewählt. „Sein nächster Zweck war also erreicht. Er war Mit- glied der großen Nationalversammlung zu Frankfurt. Wie nahm er sich nun? In der Nationalversammlung that sich die Partei Gagern's auf, welche gestützt auf die vielen Preußen die Spaltung Deutschlands betrieb, um die kleinen Staaten, und unter ihnen auch Sachsen, dem preußischen Staate einzu- verleiben. Zu diesem Behufe sollte der König von Preußen zum Erbkaiser erwählt werden und die Verfassung annehmen. Diese Partei bekam sichtlich das Uebergewicht und hatte die Aussicht, im Falle des Gelingens eine Menge der bedeutendsten Reichsstellen und Würden zu vergeben. Unser Herr Bieder mann(der Republikaner vor seinen Wählern) schloß sich ihr geschwind an. Unzufrieden mit dem Ministerium Braun-Pfordten, welches ihn weder zum Bevollmächiigten bei der Centralgewalt, noch zu etwas Anderm halte ernennen mögen, arbeitete er zu dessen Sturze und wirkte mit vollem Eifer für die Erwählung des Königs Friedrich Wilhelm IV. zum Erbkaiser über Deutsch- land und Oberherrscher über Sachsen. Er, der Sachse, hielt am 15. Januar dieses Jahres in der Paulskirche eine Rede für die Annahme des erblichen preußischen Kaiserlhums und versicherte den versammelten ilkalionalverlretern, daß„in den Schichten des sächsischen Volkes, welche mehr selbstständig ihre politische Ansicht ausgebildet haben, die Idee des Kaiserlhums bedeutende Fortschritte gemacht hat" und ließ es bei dieser Ge- legenheit an verschiedenen Seitenhieben gegen die„Rathgeber, welche den König übel beralhen,"(das heißt gegen die Minister Pfordlen, Braun, Oberländer und Georgi) nicht fehlen.(Steno- graphische Berichte der Nationalversammlung S. 4710.) Natürlicherweise stimmte Herr Biedermann beide Male für die Einführung des Erbtaiserthums wie für den Welckerschen An- trag, unterschrieb den Contrakt für die übertretenden Mitglie- der der Linken, von, denen man die Mehrheit für das Erbkai- serthum erkaufte, für keine Abänderung in der Verfassung zu stimmen und wählte am 28. März den König von Preuße» zu seinem Erbkaiser und ließ sich nach Berlin absenden, um Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone mit überbringen zu helfen. „Man sieht, der Kronbote Biedermann dachte auf seinem Sitze in der Paulskirche nicht mehr an das, was er seinen Wählern gesagt hatte, bevor er gewählt wurde. Er bekam, noch bevor die Jntriguen zur Kaisermachung reif und offen- kundig geworden, wegen seines anderweiten Verhaltens aus seinem Wahlkreise eine derbe Mißtrauenserklärung. Gegen diese beeilte er sich in Frankfurter Blättern zu erklären, daß sie nur von wenigen Wahlmännern unterschrieben und darum nicht zu beachten sei, daß er aber es für Pflicht halten würde, sein Mandat als Vertreter niederzulegen, wenn seiner Wahlmänner Mehrzahl ihm ihr Mißtrauen ausspreche. Er verrechnete sich. Bald regnete und hagelte es Mißtrauenserklärungen aus dem Zwickauer Kreise, die Wahlmänner unterschrieben sie. Weit über die Hälfte seiner Wahlmänner,— bis auf wenige alle, mißbilligten laut und öffentlich sein Verhalten— Herr Biedermann aber blieb trotz seiner soeben proklamirten Grundsätze unerschütterlich auf seinem Platze in der �Nationalversammlung! „Der König von Preußen lehnte ein Anerbieten, das ihn in einen europäischen Krieg verwickelt haben würde, ab, das preußische Ministerium jedoch suchte es zum Vortheil des preu- ßischen Staates so viel als möglich auszubeuten. Der König von Preußen hatte die Einwilligung der deutschen Regierungen als erforderlich bezeichnet und Herr Biedermann ging nun— und es ist dies ein Beweis dafür, daß politischer Scharfblick ihm fehlt— mit der Partei, welche diese gewaltsam zwingen wollte, sich dem preußischen Kaiser zu unterwerfen. Er ver- schuldete alle ihre Fehler mit. Er stimmte dafür, daß die'Na- tionalversammlung ihre Mißbilligung der(verfassungsmäßig erfolgten) Auflösung der Stände von Hannover und Preußen erklärte, wie für die Aufforderung an die provisorische Centralgewalt,„dem schweren Bruch des Reichsfriedens, welchen die preußische Regierung durch unbefugtes Einschreiten im Kö-- nigreiche Sachsen sich hat zu Schulden kommen lassen, durch alle zu Gebote stehende Mittel entgegenzutreten"(stenographische Berichte S. 6503) und arbeitete darauf hin, den Reichs- cher Thorheit mißbrauchen ließ. Es war Herrn Bieder- manns auf den Bruch des Gesetzes vom28.Juni 1848 über die provisorische Centralgewalt gestellter Antrag, den am 19. Mai die schon sehr zusammengefallene Nationalver- sammlung mit ein paar Stimmen annahm: an die Stelle des Reichsverwesers einen neuen Reichsstatthalter zu wählen. Seine Absichten und Hintergedanken dabei lassen wir unerörtert, die nackten Thatsachen allein schreien laut genug aus, was für ein Mensch Herr Biedermann ist. Wir wollen nicht blos ankla- gen, sondern nur beweisen. „Einstweilen war Herr Biedermann zum Vizepräsidenten gewählt. Aber es kamen nun die Folgen solcher Haltung. Es sing an gefährlich zu werden, in der Paulskirche zu sitzen. Da bedachte sich auch Herr Biedermann. Am 21. Mai wurde die Rückberufung der Abgeordneten aus Sachsen Seitens der säch- fischen Regierung der Nationalversammlung bekannt gemacht und am 26. Mai brach der treue Nationalvertreter einen Vor- wand vom Zaune ab, um aus der'Nationalversammlung aus- zureißen, in einem Zeitpunkte, wo mehr als je es die Pflicht eines ächten Volksverteters war, gerade auf seinem Platze aus- zuharren, um Unheil abzuwenden, um der gänzlichen Auflösung der Nationalversammlung vorzubeugen. „Dies ist Herrn Biedermanns Wirken als Nationalvertre- ter. Aber seine Charakterlosigkeit sollte noch deutlicher werden. Am 27. März hatte er in der �Nationalversammlung dafür gestimmt, die Reichsverfassung als endgilt ig fest- gesetzt für Deutschland zu verkünden; er beeilte sich, die Ur- künde mit seiner Unterschrift auszustatten, und pochte alsdann auf die Volkssouveränetät und darauf, daß kein Titelchen ab- geändert werden könne. Und gerade drei Monate später ver- rieth er sein eigen Werl auf der Golhaer Zusammenkunft, indem er das Vergessen dieser Reichsverfassung und die An- nähme der preußischen Dreikönigsverfassung anempfahl— nur drei Monate liegen zwischen beiden Erklärungen, einen Monat war er erst aus der Paulskirche, und doch solcher Selbstwider- spruch! Der Wind schien anders zu wehen. „Im März dieses Jahres(1849) hatte der ehrenwerthe Hr. Biedermann mit einem dringlichen Antrag Eile ge- habt, das Reichswahlgesetz, dieses wichtige Gesetz, mit seinem allgemeinen unbeschränkten Wahlrecht, nicht erst einer zweiten Berathung zu unterziehen, sondern den Entwurf nach der ersten Abstimmung auf der Stelle in Bausch und Bogen schließlich an- zunehmen und jetzt— man erinnere sich doch, was er im „Dresdener Journal" über das sächsische Wahlrecht sagt!! Der Wind weht eben anders. „Wahrhaftig,„Gestnnungstüchtigkeit" wird diesem Muster von Untreue gegen sich selbst auch sein Feind nickt vorwerfen. Aber durch all diese Widersprüche geht doch sichtlich ein leiten- der Gedanke durch, das Bestreben: eine Rolle zu spielen, es darum allemal mit Denen zu halten, die Aussicht auf Erfolg haben, für Das sich zu erklären, was gerade zu gewinnen scheint. Schade nur, daß er dabei sich immer als schlechter Politiker erwies. Denn allemal ließ Biedermann sich von dem Anscheine des Augenblicks täuschen. Es kam zu keinen Censurgerichten, die deutsche Frage, 1845 als'Nebensache von ihm bei Seile g-setzt, wird für ihn 1849 Hauptsache. Er treibt es zur Er- wählung des Erbkaisers»nd der König von Preußen giebt dein Kronbolen einen Korb. Trotz ves Gothaer Wurstparlamentes komint Kleindeutschland nicht zu Stande und wird die Dreikönigsverfassung keine Wirklichkeit, so wenig als die endgiltig festgestellte Reichsverfassung zur Anerkennung gelangt, die Ccn- iralgewalt schreitet nicht ein gegen Preußen und kein neuer Reichsstatthalter wird an die Stelle des Reichsverwesers Erz- herzog Johann gewählt— immer und immer hat er sich ver- rechnet! Kein Fehlschlagen aber schlägt ihn, er bleibt der Unvermeidliche, denn er hält es mit dem Augenblicke, er befolgt keine festeren Grundansichten, sondern schmiegt Dem sich an, was gerade zeitgemäß— erscheint, und so findet er immer wie- der frischen Anhang und findet immer von Neuem Thoren, die auf ihn bauen und ihm vertrauen." Napoleon»i. vor dem Tribunal der Geschichte. Aus dem Französischen von Dr. H. Jolowicz. Schon um 6 Uhr� des Morgens war die Gerichtshalle von einer eifrigen Menge gedrängi voll, in deren Mitte man die Vertreter der ineijlen europäischen Mächte sammt einer gewissen Anzahl gekrönter und enlkrönter Häupter bemerkte. In dem Augenblicke, als der Befehls zur Vorführung deS Angeklagten gegeben wurde, machte sich im Saale eine gewisse Aufregung bemerkbar, der bald eine liefe Stille folgte und herein trat ein Mann von mittlerer Größe, mit langem Oberkörper, kurzen Beinen, ungeheurem Schnurrbart, kleinen tiefliegenden Augen und leichtschleppendem Gang. Der Angeklagte war einfach gekleidet und leine innerliche Be- wegung war in seinen unempfindlichen Gesichtszügen bemerkbar. Geschichte. Angeklagter, wie heißen Sie? Angeklagter. Louis Napoleon, genannt Napoleon III. Gesch. Jbr Geschäft? An gell. Ich habe mehrere bettieben. Gesch. Nennen Sie dieselben. Angekl. Ich bin der Reihe nach Schweizer Artillerist, englischer Gentleman, Verschwörer, Abgeordneter, Präsident der Republik und Kaiser der Franzosen gewesen. Gesch. Und gegenwärtig? Angekl. Gegenwärtig habe ich kein besonderes Geschäft. Gesch. Ihnen sind nicht unbekannt, Angeklagter, die schweren Beschuldigungen, über welche sich zu verantworten Sie vorgeladen sind. Angekl. Sie sind mir ganz und gar fremd. Gesch. Nun, m diesem Falle werde ich Sie Ihnen vorzählen. Bei zwei Gelegenheiten versuchten Sie, das erste Mal in Straßburg, das zweite Mal in Boulogne sich nach Frankreich zu stehlen und die höchste Gewalt zu Ihrem eigenen Vortheilc an sich zu reißen. Angekl. Was Sie mu dem harten Worte„stehlen" brandmarken, war blos der Anfang der Erfüllung meiner Bestiinmung. Mem Stern, der Stern der Napoleons leitete mich; und— Gesch. Angeklagter, erlauben Sie mir zu bemerken, daß das von Ihrem Stern hergeleitete Argument kein ernstes ist, und daß Sie besser lhun würden, es nicht weiter zu erwähnen, einfach, um nicht Ihre Lage durch Lächerlichkeit noch zu erschweren. Angekl. Dies ist Ihre Meinung: Ich beharre bei der Aussage, daß mein Stern— Gesch. Nun gut. Ich muß also annehmen, daß zur Rechtser- tigung Ihrer Insurrektion zu Straßburg� und Ihres Versuches in Boulogne, welcher von dem Morde eines Soldaten begleitet war, Sie keinen andern Grund oder irgend eine Erklärung geben, als die Be- stimmung und die Vorbedeutung Ihres Sterns? Angekl. Ganz richtig I Gesch. In diesem Falle bat Jbnen Ihr Stern ein eigenthüm- lichcs Geschäft übertragen; indeß, lassen Sie mich fortfahren. Die Re- publik von 1318 öffnete Ihnen die Thore Frankreichs, und Sie wurden zum Volksvertreter gewählt. Angekl. Und durch eine überwältigende Mehrheit, welch« beweist, Gesch. Leisteten Sie nicht damals der Republik den Eid? Angekl. Ohne Zweifel, da— Gesch. Warten Sie. Ein Jahr später wurden Sie zum Präsi- deuten der französischen Republik erwählt. Angekl. Gewiß. Durch sieben Millionen Stimmen, wenn Sit erlauben. Und ich glaube nicht, daß gegenüber einer so wichtigen Kundgebung Sie leugnen können, daß mein Stern— Gesch. Leisteten Sie nicht damals einen zweiten Eid der Re- publik? Angekl. Ganz gewiß. Denn ohne diesen konnte ich niemals— Gesch. Ich verstehe Sie. Was für einen Begriff haben Sie von dem Worte Eid? Angekl. Ein Eid ist eine feierliche Handlung, durch welche Je- mand einem Menschen oder einer Regierung Treue schwört. Gesch. Wie nennen Sie einen Menschen, der seinen Eid bricht? Angekl. Ich nenne ihn einen meineidigen und unehrlichen Menschen, und alle die Beamten, welche mich in meinem Unglück ver- lassen, nachdem sie mir die Füße im Glücke geleckt haben, sind elende Schufte. Gesch. Zugegeben; aber gegenwärtig dreht sich die Frage um Sie. Nach ihreni eigenen Geständniß waren Sie ein meineidiger und u:. ehrlicher Mensch, als Sie am 2. Dezember— Angekl. Entschuldigen Sie— Gesch. Lassen Sie mich meinen Satz beendigen. Als Sie am 2. Dezember, trotz des Eides, welchen Sie der Republik geleistet halten, diese Republik mit Gewalt umstürzten, in der Absicht Ihr Kaiscrthum an ihre Stelle zu setzen. Angekl. Ich muß Sie zuerst erinnern, daß der 2. Dezember der Jahrestag der von meinem Onkel gewonnenen Schlacht von Au- sterlitz ist.— Gesch. Was beweist das? Angekl. Das beweist wiederum, daß ich blos meinem Stern gehorchte, der— Gesch. Ach wieder Stern! Angekl. Ferner, am 2. Dezember rettete ich die Gesellschaft. Gesch. So? Und wie geschah dies?— Durch Niederschießung unschuldiger Spaziergänger aus den Boulevards? Durch Wegsührung von vierzig- bis sllnfzigtäujend Menschen nach Cayenne oder Lambessa. Angekl. Es giebt Umstände, unter welchen es nolhwendig ist, die Ordnung mit Ztachdruck aufrecht zu erhalten. Frankreich will die Freiheit, aber die Freiheit mit Ordnung. Was die Ordnung anbetrifft, so stehe ich dafür ein.—(Schluß folgt.) Internationale tzicwcrksgcnoffcnschaft der Schuhmacher. Abrechnung vom Ollober bis Dezember 1870. Einnahme: Kasfenbestand am 1. Oktober 19 thlr. 19 ngr. 4 Pf.; ferner gingen ein: von Stuttgart 1 thlr.; Nürnberg 2 Posten 11 thlr. 9 ngr.; Gotha 1 thlr. 12 ngr.; Cöln 1 tblr. 5 ngr. 6 ps.; Zürich 18 thlr. 13 ngr.; Lohr 2 thlr.; Leipzig, Lkibr. u. Novbr. 3 thlr. 1 pf.; Erlös von Pro- lvkollen 15 ngr. Summa: 61 thlr. 14 ngr. 1 pf. Ausgabe: Aus unser Conto für Druckarbeiten abgezahlt 33 thlr. 15 ngr; Auslagen für Porto Okiober— Dezember 2 thlr. 7 pf.: Uebrige Verläge 23 ngr. 5 pf.; Gehalt de« Vorsitzetiden für Oktbr., Nvinbr. u. Dzbr. 7 thlr. Summa 43 thlr. 14 ngr. 2 pf. Abschluß: Einnahme 61 thlr. 14»gr. 1 pf., Ausgabe 43 thlr. 14 ngr. 2 pf. verbleibt baarer Kassenbesland 17 thlr. 29 ngr, 9 ps. Peter Ullrich, Haupikassirer, Andreas Heidler, Kontrolleur, Der Aufsichtsrath zu Dresden durch M. Kobitzsch. Unsere Mitglieder werdet, entschuldigen, daß wir die Abrechnung so spät bringen, wir hielten es sür gebo'cii, während der Wahl den sehr beschränkten Raum des Blaitcs den Wahlangelegenheiten ganz zu über- lassen. Weiter mache ich die Mitgliedschaften darauf aujmerksam, doch etwas pünktlicher mit dem Geldeinschicken zu sein. P. U. Mcerane, 4. März. Nach langem heißen Ringen lohnt uns ein glänzender Sieg. Es war uns vergönnt, gestern zum Friedens- feste den Triumph bei Flaggenschmuck und Fackelschein zu feiern. Bebel siegte hierorts über seinen Gegner Schulze- Delitzsch mit•/« der abgegebenen Stimmen, und die Stimmung der Demokraten ward da- durch eine viel höher gehende, als die der sogctiannleii Patrioten. Ein großer, schöner Festzug war arrangitt, zahllöse Metischenmassen wogten durch die Straßen, und die JUiiminaiion unserer Fabrik- und Weber- stadt war so allgemein und brillant, daß man sagen kann: hier noch nicht dagewesen. Alles freute sich der Wiederkehr des Friedens. Die Sozialdemokraten illuininirten gleichfalls, aber nicht, uni den Krieg zu alorisiziren, sie feierte» zu Ehren der Menschheit den Frieden. Einige Transparents mit Sinnsprüchen demokratischer Tetidenz seien hier erwähnt. Ebner's Restauration: Wenngleich ich ein Republikaner bin, Setze beut' ich gern auch die Lämpchen hin. und beim Gürtler Patitz, Lilienstraße: Ich wünsch' als guter Demokrat, Daß dieser Frieden Dauer hat. Einheit, Freiheit, Gleichheit! Hoffen wir das Beste. Das Früh jähr kommt auch nicht in einem Tag, aber Frühling muß es doch werden.— Die Wiederwahl Bebel's ist die beste Antwort, welche den Ratio- nalliberalen auf alle Nergeleien gegeben werden konnte. Die Wieder- wähl ist der goldene Lorbeerkranz, welcher von den Wählern dem Ver- treter gewunden wurde. Äer Schuß, welcher beim gestrigen Fackelzuge einen hiesigen Bür- ger schwer verwundete, ist von einem Manne abgefeuert worden, der einen Parteistandpunkt nicht einnimmt, und kann ein politisches Motiv, wie nian vielfach vermuthete, diesem beklagenswerthen Zwischenfall, welcher die Gemlltber alterirt. nicht unterschoben werden. Zwickau, 7. März. Unter Flaggung, Illumination, Feuerwerken und Frendenschüssen ist die Friedensfeier an uns vorübergegangen. In der Illumination ist uns ein mächtiger Seifensieder aufgegangen, das Feuerwerk ist verpufft, die Freudenschüsse haben die Zahl der deutschen Verwundeten noch einigermaßen vermehrt. In Wilkau wurde einem Knaben in die Augen geschossen, in Zwickau einem Manne das Bein, einem zweiten die Hand zerschmettert. * Auch in Dresden, Berlin u. a. Orten hat der Wiegesjubel Menschenopfer gekostet. Lesitc Abrechnnng des vormaligen Parteikaffirers Eduard Köhler in Dresden. Monatsbeiträge: Hannover, Novbr. bis Dezbr.; Augsburg, Würzburg, Heide in Holstein, Dresden, Oktober bis Dezbr.; Apolda, Juni bis Dezbr.; Mezingen in Württenrb. Oktbr. bis Dezbr. v Unterstützung und freiwillige Beiträge: Dresden, Schw. durch Weiner 15'Ngr.; Naundorf bei Staßfurt, durch Naumann 17 Ngr. 2 Pf.; Gens, deutscher Arbeiterverein, durch Frötscher 40 Frks.- 10 Thlr. 23 Ngr. 2 Pf. i Augsburg, durch Stein- bacher 8 Ngr. 2 Pf.; Bamberg, durch Eugen Kraus 3 Thlr.; Stade, von Richter 10 Ngr.'); Oelsnitz d. Haustcin 2 Thlr. 15 Ngr. Für den„V o l k s st a a�": Hannover, durch Beck I Thlr. 15 Ngr.: Oelsnitz, durch Haustein 1 Thlr.; Ditzingen, durch Schmid 1 Thl. 22 Ngr. 5 Pf.; Summa 4 Thlr. 7 Ngr. 5 Pf. Obige Beträge, i» Sumina 16 Thlr. 22'Ngr. 7 Pf. sind mir von Herrn Eduard Köhler in Dresden übersandl worden. Leipzig d. 8 März. Theodor Burckhard, Parteikassirer. �__ Johannisgasse 6— 8 K. III. *) Schon in Nummer 19 durch Burckhardi quiltirt. Brieftasten. Linden: Ihrem Wunsche ist entsprochen. Nicht bez. — K. Dresden: Ist dem Ausschuß vorgelegt. Ouittuiist. 5 Thlr. 13 Ngr., gesammelt von Eigarrenarbeiter» in Leipzig d. Kirsten zum Wahlfond. Das Mahlkomitee des 13. Bezirk«. Leipzig: Verantw. Redakteur in Vertretung: Carl Hirsch(Redaktion: rEliiilienstr.2.) Druck u. Verlag: F. Thiel«(Erpeditio»; Peterstr. 13)