M 27 Sonnabend, den 1. April. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. «estellungen nehmen alle Lostanstaltsn und Buchhand- lungen des In- und Au»- landet an. ,Zür Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstraße 18, K. Thiele, Emilienstraße 2. Der BMstaiit AbonnementSpretS Für Preußen iucl. Stempel- stener 16Ngr.,fllr die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Agentsür London A. Duenstng Foreign Bookstller, Libra- rian aud Newsagent, 8, Little Newport Street, Leidester Square. W C. Filialerpedition für die Verein Staaten: F.A.Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der joMl-demok ratisch en Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschasten. Abonnementseinladung. Wir bitten alle Leser und Parteigenossen, sich zuin neuen Quartal für weitere Verbreitung des„Volksstaat" z« bemühen und namentlich durch die div. Lokalpresse dahin zu wirken. Das Abonnement erneuere man jetzt schon, um die tmangenehme Verzögerung, die sonst bei Beginn des neuen Quartals eintritt, zu vermeiden. Im nächsten Quartal wird der„Volksstaat" wie- der regelmässiger in ganzen(Doppel-) Nummern erscheinen. Tic Parteigenossen in de» Bogel v. Aalckcnstctn'schenPro- viuzen ersuchen wir SringenS, tu ihre» Lokalblättern den „Bolksftaat" zu empfchleu unv bekannt zu mache» vasz nun- mehr,»ach aufgevobenem Vclagerungszustand, alle Postämter wieocr Pestellungen auf den„Bolksstaat" annehmen. Mit 1. April beginnt das neue Quartal. Wir machen die geehrten Abonnenten des„Bolksstaat" darauf aufmerksam, daß im neuen Quartal der Prozeß gegen unsre angeklagten Braunschweiger Parteigenossen: B ra ck e, S p i er, Ehlers, Bonhorst und Gralle, sowie der Angeklagten inLeip- zig, Parteigenossen Liebknecht, Bebel und Hepner, ausführ- lich erscheinen wird.__ An die Leser. Am Dienstag. 28. März. Nachmittags sind unsere Parteigenossen Liebknecht, Bebel und Hepner auf An- trag des Staatsanwalts gegen Handgelöbnis; aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Durch dieses erfreuliche Ereigniss ist die mir obgelegene Aufgabe erledigt, wesshalb ich unterm Heutigen die Redaktion des„Bolksstaat" wieder au die früheren Redakteure abgebe. Carl Hirsch. Sie kannten diese Völkerschaft damals sehr genau, und � werden somit auch wohl darüber Auskunft geben können, wo .diese West-Kalmücken hingekommen sind, die wir gegenwärtig Polttischc Ucbersicht. Die„Weser-Ztg." enthält die Notiz, daß der Fürstenstand, in welchen Bismarck erhoben, nicht, wie dereinst bei Blücher, ein persömicher, sondern ein erblicher sei. Für das Fürstenge- schlecht dürfte, wie die„Zkft." meint, das heutige Vermögen und Einkommen des Ministers zu spärlich bemessen sein, eine neue Dotation wird demnach doch wohl nothwendig werden. Es wurde vor einiger Zeil berichtet, wie bei Gelegenheit einerWahlvcrsammlung ein früheterRedaktcur des Tilsiter„Bürger- und Baucrnfreundes", Herr Adomeit aus Gertschen, von einem Menschen in der Uniform eines Gensdarmen auf offener Straße angefallen und eines Exemplars der Jnsterburger Zeitung beraubt wurde. A. denunzirle bei der Staatsanwaltschaft und erhielt umgehend Bescheid, die Sache betreffe einen Militär und sei an das Kommando der Gensdarmerie- Brigade gegan- gen. Jetzt nach vielen Monaten erhielt A. folgenden Bescheid: Königsberg, 24. Februar 1871. Kommando der 1. Gensdamerie- Brigade. I. Nc. 406 I. An�Herrn W. Adomeit zu Gertschen bei Aumbinnen. Auf Ihre an die Siaatsanwalischaft zu Gumbinnen und von dieser zur resjorugen Erledigung hierher übergebcne Denunziation gegen den beritt. Gensdarmen(Name unleserlich) vom 5. November v. I., wird Ihnen hiermit eröffnet, daß, da der k.— sich bei der von Ihnen zur Sprach- gebrachten Gelegenheit, wie die stattgehabte gerichtliche llntersuchung ergeben, keinerlei Ueberschreitung seiner Dienst- besugnisse schuldig gemacht, Ihr Strafantrag, wie hiermit geschieht, zu- rückgewiesen werden muß.— Der Oberst und Brigadier v. Za strow. Was heißt gerichtliche Untersuchung?— fragt der„B.- und B.-Fr." Adomeit hat nie etwas davon erfahren, ist nie nach seinen Zeugen gefragt worden. Thalsache ist und bleibt aber, er ist auf offener Straße beraubt worden und, wie sich jetzt aus der Antwort des Herrn v. Z. schließen läßt, von einem wirklichen Gensdarm, der dazu da ist, das Eigenthum zu schützen. Sein Eigenthum hat A. auch nach dieser gerichtlichen Untersuchung(?) nicht zurück erhallen. Der Staat scheint ihn nicht schützen zu wollen; was aber wäre geschehen, wenn A. sich selbst geschützt und den Räuber niedergeschlagen hätte? Dann hätte es wahrscheinlich geheißen: Widersetzlichkeit gegen einen Beamten, und A. wäre zur Strafe gekommen. Einen sehr peinlichen Eindruck haben die in Berlin bekannt gewordenen Veruntreuungen gemacht, die sich eine vornehme Dame, welche verschiedenen, aus Anlaß des Krieges zusammen- getretenen Vereinen als Vorstands- oder Bezirksdame angehörte, zu Schulden kommen ließ. Die Summen waren nicht unbe- deutend, sollen aber meist gedeckt sein. Die in Rede stehende Dame hat ihren Wohnsitz in Berlin bereits aufgegeben.—„Und mit diesem Wohnsitz aufgeben ist also das gesühnt und abgcthan, was bei Marketendern mit Zuchthaus bestrast worden ist," be- merkt die„Zukunft"!— Die Dame ist ein Frl. Hcnnicke, Ver- wandte des Stadtrath« Hennicke. iic, daß eine Vereinbarung der deuffchen Fürsten über eine demnächst zu erlassende allgemeine Amnestie bestehe, «erden als durchaus unbegründet bezeichnet.— � Ein in Bayreuth von den Schneidergchilfen unternommener Strike hat dadurch ein Ende gesunden, daß ein Theil der Meister die verlangte Lohnerhöhung von 2b pCt., ein anderer Theil 15 b'S 20 pCt. bewilligte. Der„Deutsche Demokrat" bringt folgende Anfrage: «Herrn Ferdinand Freiligrath, Freihcitsdichter außer Dienst in Stuttgart. Vor einigen zwanzig Jahren sangen Sie eines Tages ein Zar herrliches Lied von der „schleichenden Niedertracht, den schmutzigen West-Kalinucken."— in allen Ihren neuen Poesien vermissen. Sind sie vielleicht gefällige ganzen, nach Asien ausgewandert?— Wir ersuchen Sie um Auskunft über dies räthsclhafte Verschwinden einer großen Völkerschaft. Einige wißbegierige Deutsche." Zur Abreise Napoleons wird dem„Frtft. Journ." aus Kassel geschrieben:„Der Zug, mit welchem dieselbe erfolgte, führte die Bezeichnung:„Extrazug des Kaisers der Fran- zosen von Wilhelmshöhe nach Gießen." Sowohl dem Zug- personal, als den Stationsbeamten war die Weisung zuge- gangen, nur in„guter" Uniform zu erscheinen. Wie wir hören, hat er dem Personal für seine Bedienung eine Gratifi- kation von je 25 Thlr. verabreichen lassen. Die kurz vor sei- ner Abreise eingetroffene Nachricht von den in Paris staltge- habten Unruhen versetzten ihn und seine Umgebung in große Aufregung.— Die Abreise geschah nach stattgehabter Parade der Kasseler Garnison und unter militärischer Musik und Honneurs."— Wir haben bereits gezeigt, daß die Sympathien aller Freunde der Freiheit nicht der reaktionären Nationalversammlung unv Regierung in Versailles, sondern den Pariser Arbeitern ge- bühren. Es ist leicht nachzuweisen, daß auch vom deutschen Interesse aus nur der Erfolg der sozialen Republik zu wünschen ist. Wir wollen Frieden, die französischen Arbeiter auch, T h i e rs dagegen, der m i t R e ch t beschuldigt wird, Rheingelüfte stets gehegt zu haben, wird die erste Gelegenheit ergreifen, durch einen neuen deutsch-französischen Krieg die innern Wirren zu vertagen.— Deutschland braucht Geld, um seine Invaliden zu ernähren, seine Kriegsschulden zu bezahlen u. s. w., Thiers hat kein Geld, die Besitzer der 5 Milliarden sitzen in der Na- tionalversammlung und werden sich hüten, sich selbst hoch zu besteuern; die Andern aber haben nichts! Nur die Ardeiter können die Kriegsenlschä ugung sehr leicht zahlen, indem si sie Denjenigen auferlegen, die den Krieg gemacht haben. Das Central-Komite läßt in seinem„Journal offiziel" einen Brief veröffentlichen, der sich über die Bertheilung der Kriegs- steuer folgendermaßen ausspricht: „Da das bewegliche und unbewegliche Vermögen Frankreichs im- gefähr 310 Milliarden, die Zahl der Familien aber 13,950.000 beträgt, so crgicdt eine einfache arithmetische Proportion jolgendc Resultate: 1. Gruppe: 7,200,000 Familien. Noihdürsiig in jeder Hinücht, arbeilen zum niedrigsten Lohne, besitzen Lumpen, sind nur Arbeits-Werk- zeuge: 10 Milliarden. 2. Gruppe: 3,600,000 Familien. Arbeiter, welche Grund und Boden oder das Handwerkszeug besitzen, um für eigene Rechnung zu arbeiten: 20 Milliarden. 3. Gruppe: 1,300,000 Familien. Niedere Bourgeoisie, Kleinhandel: 40 Milliarden. 4. Gruppe: 900,000 Familien. Mittlere Bourgeoisie, Großhandel: 30 Milliarden. 5. Gruppe: 450,000 Familien. Großgrundbesitzer, große Capita- listen: 160 Milliarden. Nun denn, mögen die Vermögen dieser letzteren Gruppe, welche zum größten Theil aus den Organen und Günstlingen des kaiserlichen Banditismus besteht, mit einer Steuer von 3— 4 pCt. belegt werden, und man wird sofort die von der deutschen Raubsucht geforderte Summe aufgebracht haben." Was die Eintreibung dieser Steuer betrifft, so scheint sie das Leipz. Tagebl. für schwierig zu halten, es scherzt darüber. Die Eintreibung wäre nicht nur schwierig, sondern unmöglich, wenn Leipziger Stadlrälhe in der Steuerkommission säßen; das wird aber schwerlich der Fall sein, sondern Leute mit offenen Augen. Wie leicht sind die 5 Milliarden aufzubringen, wenn man will! Haupturheber des Krieges sind u. A., Schneider, Fould, Pereire, Rorisbonne, David, Bamberger, Rothschild, Erlanger. Es ist nur gerecht, daß sie für den Schaden mit ihrem Vermögen eintreten. Dasselbe beträgt aber weit mehr, als 5 Milliarden. Das amtliche Journal der Revolution sagt: „Das Centralkomitv der Nationalgarde ist entschlossen, die Bedingungen des Friedens zu respektiren. Nur scheint es ihm sehr gerecht zu sein, daß die Urheber dieses verfluchten Krieges, dessen Leiden wir ertragen, den größtenThcil derKriegs- entschädigung entrichten, welche unsere unbarmherzigen Feinde uns auserlegten." lassen!" Ein Okfizier tritt vor und forderte die Menge aus, sich zu zerstreuen; er wird beim Kragen gepackt und der Säbel wird ihm ent- rissen. Erst jetzt machte die Nationalgarde von ihren Waffen Ge- brauch. Fünf Personen wurden geiödtct, etwa zehn verwundet. Die Rue. de la Pair war im Nu gesäubert; die Kafö's und Läden der Boulevards schlössen sich in aller Eile." Dasselbe Blatt meldet, daß eine große Anzahl von ehe- maligen Polizeibeamten und sonstigen Anhängern des Kaiserreichs, darunter der Exsenator Bonjean und die Poli- zeiagenten Derest und Geraud, verhaftet worden wären, und es bedroht alle„Anhänger der Ordnung", welche nichts Anderes als verkappte Bonapartisten wären, mit demselben Schicksale. Endlich behaupten die dem Centralkomitee günstig gesinnten Blätter, daß der General Ducrot in Versailles von seinen eigenen Leuten erschossen worden wäre. Die Festsetzung der Kommmunalwahlen in Paris auf den 26. März wurde von Seiten des Centralkoinit�s mit zwei Proklamationen begleitet, in denen es eine vollständige Dar- stellung der Entstehung der Revolution vom 18. März giebt. Nach Auszählung aller Fehler, welche die Regierung begangen hat, heißt es in dem ersten dieser Schriftstücke: „Wir erhielten als Pfand für unsere Reorganisation Kanonen zurück, die wir bezahlt und vor den Preußen gereitet hatten. Man bat versucht, sich derselben nächtlicher Weile und mit bewaffneter Hand zu bemä utigen. Man woll e nichts zugestehen; es mußte ein Druck geübt werden und wir erhoben uns friedlich, aber in Masse. Man wendet uns heule ein, daß die in Angst gesetzte Nationalversamm- lung für einen(nicht bestimmten) Zeitpunkt die Wahl des Ge« meinderathes und unserer Führer verspricht und daß daher unser Widerstand gegen die Regierung keinen Zweck mehr hätte. Das ist ein schlechter Einwand. Wir sind zu oft schon getäuscht worden, um uns noch weiter täuschen zu lassen; die linke Hand würde wie« der nehmen, was die rechte Hand gegeben hat und das Boll würde noch einmal bei Seite geschoben und das Opfer der Lüge una des Ber- rathes sein." Eine gute Lehre für jedes Volk. In der zweiten Prokla- mation heißt es gegen den Schluß: „Eine Republik lebt weder von kostspieligen administrativen Lau- nen, noch von halsbrecherischen Spekulationen, sondern von Freiheit, Sparsamkeit, Arbeit uitd Ordnung. Die Republik soll den Einklan z der Interessen herstellen und nicht die einen den anderen zum Opfer bringen. Die Fragen der fälligen Zahlungen und der Miethen können nur von den Vertretern der Stadl gelöst werden, die im be- ständigen Verkehr mit ihren Mitbürgern sind. Man darf sie ebenso wenig als irgend ein anderes Interesse der Stadt den Launen einer Regierung preisgeben, welche in den meisten Fällen nur dem Partei- aeiste gehorcht. Nicht anders verhält es sich mit der Frage der Ar- beit, die da die einzige Grundlage des öffentlichen Lebens, die einzige Wurzel des ehrlichen Geschäftsverkehrs ist. Die Bürger, welche ein von unbedachten Regierungen eingeleiteter und geführter Krieg ihrer Arbeit entrissen hat, können nicht durch eine sofortige Einstellung des Soldes ins Elend gestoßen werden. Eine Uebergangsperiode muß anerkannt, eine Lösung muß ehrlich angestrebt, ein Kredit muß der Arbeit bewilligt werden, vermöge dessen der Arbeiter vor dein Elend geschützt und bald in der Lage sein wird, seine refin tive Emanzipation zu erwirken. Diese und viele andere Fragen wird Euer Gemeinderath lösen müssen und zwar mit Berücksichtigung des Rech- les Aller, denn er wird sich nicht en ichließen, ohne Jeoermann gehört zu haben; verantwortlich und absetzbar wird er unter der beständigen Ueberwachung der Bürger stehen. Endlich wird er über die Beziehun- gen der Stadl zu der Centralregierung zu verhandeln haben, so zwar, daß die Unabhängigkeit und Autonomie der Gemeinde gesichert und gewährleistet ist." Das„Amtliche Journal" des Centralkomitces giebt in seinem nicht offiziellen Theile eine Rechtfertigung der Kämpfe auf dem Vendo me platz, die daraus hinausläuft, daß die Nationalgarde der angegriffene Theil gewesen sei. Der amerikanische General Sheridan, welcher von einem Fenster der Rue de la Pair den Vorgängen zugesehen hatte, bezeugt, daß aus dem Volke auf die Nationalgarden geschossen worden wäre. An der Spitze des Haufens hätten bekannte Bonapartisten, wie Hceckeren-c. gestanden. Das„Journal offiziel" veröffentlicht fernerhin folgende Note:„Das Centralkomitee erfährt, daß Individuen, welche als Natioualgardcn verkleidet, aber als ehemalige Gensd'armen und Stadtsergcanten erkannt worden sind, auf die p r e u ß i- scheu Linien geschossen haben. Das Komitee macht bekannt, daß es, wenn ein solcher Fall sich wiederholen sollte, die Schul- digen ergreifen und auf der Stelle niederschießen lassen wird. Die Sicherheit der ganzen Stadt erheischt diese Gewaltmaß- regeln." Ein Dekret des Centralkomitces ordnet an, daß die mi- litärischen Gewalten von Paris in die Hände der drei zu und Duval gelegt Generalen ernannten Bürger Brunel, Eudes Der Borgänge auf dem Vendo meplatz erwähnt das™'bcn lo[Ien' �che v-rei»igt zu handeln hätten, bis der durch amtliche Organ des Cen'ralko.nitee's mit keinem Worte. Die Akklamation zum Oberbefehlshaber ernannte General Garibaldi Organe der Bewegung, wie die„Kommune" und die„Nou- em3ctr0fKn stin wird. Delle Rvpublique" finden das Versahren der Nationalgarde auf Der„Nord" meldet aus dem Haag, daß der hollän- dem Vendomeplatze ganz in der Ordnung. Die„Kommune" dische Vorschlag, das Prinzip der Unverletzlichkeit des Privat- macht wenigstens als entschuldigenden Umstand die allerdings eigcnthums zur See auf der Brüssellcr Friedenskonferenz ganz unbeglaubigte Thatsache geltend, daß zuerst Einer aus der anerkennen zu lassen, mit Erfolg gekrönt zu sein scheine. Oester- Menge auf die Nationalgarde mit einem Revolver geschossen reich hätte einen ähnlichen Schritt bei dem Fürsten Bismarck und ihr einen Mann gclödtet hätte; die„Nouvelle Republique" � gethan. aber berichtet über jene Vorgänze wie folgt:| Folgende offizielle Wahlresultate der Pariser Kommunal- „Gestern gegen 1 Uhr Nachmittags beganuen die„Freunde der wählen sind bekannt: Assy, Viktor Hugo, Pyat, Blanqui, Flou- Ordnung", die ehemaligen Vereinigten Knüttel auf's Neue die i rmä Desmarets Varlin Eltes der Variier Inler- Ruh- in den Straßen und aus den Boulevards zu stören. Dieser!""?' �elesRuze, Desmarets,-Oartttt, Ohes Der Panier jnter- Hause von Reaktionären bedeckte den Fahrweg, bindert- den Wagen«> nationalen, Rogeard, Arnould, Gambon. Von 180,000 Stumn- verkehr und erichreckte die Spaziergänger. Die Wütheriche riefen: zetteln stimmten 120,000 für das Centralkomitee und 60,000 „Wi, sind die Freund- der Ordnung!" und beschimpften die Bür« für die ehemaligen Munizipalitäts-Mitqliedcr. Von den 92 ge- ssjktutraSÄÄ•----- m r»*&*, w<*****. 2 Kanonen stand. Dasselbe wurde mit den schmählichsten Schimpf- i Aus Marseille wird vom 24. gemeldet:„Hter ist die worten überhäuft:„Räuber, Mörder! Wir werden Euch Alle süsiliren! Kommune proklamirt worden. Der Präfekt, der kommandirende General und der Maire sollen gefangen sein. Die Bewegung hat sich ohne Unordnung und ohne Blutvergießen vollzogen. Eine Proklamation der Führer des Ausstandes bewegt sich in gemäßigten Ausdrücken und hat guten Eindruck gemacht. Die Bevölkerung der Stadt zeigt sich erstaunt, aber ruhig. Die Arbeit ist nirgends unterbrochen worden. In St. Etienne wurde in der Nacht vom �4. das Stadthaus von den Aufrührern gestürmt. Dieselben nahmen den Maire und den Oberst der Nationalgarbe gefangen. Früh Morgens wurde Generalmarsch für die Nationalgarde geschlagen. Die Ausrührer räumten das Stadthaus, welches wieder von der Nationalgarde besetzt wurde. Der italienische Finanzminister hat der Kammer ein Finanzgesetz vorgelegt, das dem einigen Italien die Emissiion von 150 Millionen in Banlscheinen mit Zwangskours, Er- höhung aller direkten Steuern einschließlich der Vermögenssteuer um ein Zehntel bringt. Das wahrscheinliche Defizit für 1872 beträgt 270 Millionen. Da wird denn das Königthum wohl eher ausgewirthschaftet haben als Mancher denkt. Einem Brief der„Gironde" aus Madrid vom 19. ent- nehmen wir:„Man hat hier selten eine ähnliche Aufregung der Geister beobachtet. Die verschiedenen Parteien greifen ein- ander täglich heftiger an und die Opposition fängt an, eine „unversöhnliche" zu werden. Das definirive Resultat der Wahlen ist: 44 Föderativ-Republikaner, 20 Unitar-Republitaner, 40 Carlisten, 11 Alphonsisten und 23 sogenannte Konservative, die jedoch nicht im Mindesten daran denken, die savoyardische Monarchie„konserviren" zu wollen. Die Majorität besteht aus etwa 200 Mitgliedern, die sich aus der unionistischen, progressisti- schcn und demokratischen Partei rekrutiren. „Der König und die Königin zeigten sich sehr häufig der Bevölkerung, von der sie jedoch stets mit der ausgespro chensten Gleichgiltigkeit empfangen werden. Man kann ohne Pessimis- mus behaupten, daß die neue Monarchie in Spanien nicht lebens- fähig ist. Nicht allein, daß der Adel, der in Spanien noch eine ziemliche Macht repräsentirt, sich der Monarchie nicht an- schließen will, er sängt sogar an, Widerstand zu leisten. Die wenigen Grasen und Marquis, die der vergoldeten Krone des jungen Amadeus ihre Ergebenheit bewiesen haben, werden von ihresgleichen mit sehr scheelen Augen angesehen." Eine Versammlung von Mitgliedern der in London existirenden demokratischen und radikalen Vereine gab den Anlaß zu einer Interpellation im Unterhause. Unter dem Vorsitz von George Odger zusammengetreten, hatte die Ver- sammlung die folgende Resolution angenommen: „Wir, die gegenwärtige Versammlung bildend, nachdem wir auf- merksam die vielen fruchtlosen Versuche verfolgr, welche im Hause der Gemeinen gemacht wurden, um die rücksichtslose Verausgabung der Gelder des Volkes, die stets in verschwenderischen llnkosten resultirt, einzuschränken, und uns für überzeugt halte») daß jede unter dem gegenwärtige» System gebildete Negierung so sehr unter dem tkinflusse der wenigen privilegirten Familien steht, di gegenwärtig Stellung und Ehre in' der Nation monopolisiren, daß sie zu der breiten und vielumfassenden Gesetzgebung, die im Interesse des industriellen Ge- meinwesens dringend gefordert wird, unfähig ist,— erklären, daß eine republikanische Rcgierungsform die einzig fähige ist, um die großen Hilfsquellen des Lanoes zu entwickeln, und des Vertrauens und der Unterstützung aller wahren Demokraten würdig ist." Die Versammlung hatte daraus, um den ausgesprochenen Tendenzen einen praktischen Ausdruck zu geben, die Gründung eines republikanischen Centralkomite's beschlossen, und einen Erekutiv-Rath und General-Komite gewählt, um eine Adresse an das Land in ihrem Sinne auszuarbeiten. Lord Ben tinck interpellirte im Unterhause den Premier- minister, ob dieser Beschluß zu seiner Kenntniß gebracht worden sei, ob er die Rechtsräthe der Krone bezüglich des hochverräthe- rischen Charakters solcher Worte zu Rathe gezogen habe, und ob, falls die Sprache der Revolution wirklich als hochverräthe- rFch erachtet werde, Schritte gethan werden sollten, um auf dem Wege des Gesetzes gegen die Urheber einzuschreiten. Gladstone erwiderte,„der Regierung sei allerdings mitge- theilt, daß am Mittwoch ein republikanisches Comite eine der Herstellung der Republik in England günstige Resolution gesaßt habe. Die Regierung beabsichtige indessen nicht, bei den Krön- juristen anzufragen, ob jene Resolution ein Akt des Hochverraths sei, und verzichte überhaupt auf jedes Einschreiten, sie vertraue vielmehr der Loyalität des cnglichcn Volkes." .. � Im Reichstag hatten Schraps und 26 Mitglieder der Hortschrittspartei den Antrag auf schleunige Freilassung Bebels gestellt. Die Nationalliberalen— an der Spitze Biedermann und Stephani— stellten den Gegenantrag:„Den Reichs-- kanzler um Auskunft über den Stand der Sache zu ersuchen." Dieser freisinnige Antrag bezweckte nichts als Bebels Hast zu verläugern. Denn Bismarck konnte sofort, oder auch vielleicht nach vier Wochen, nur erklären,„vaß die Sache ihn gar nichts, sondern nur die ordentlichen Geri cht e angehe," — was natürlich die Biedermänner auch ganz gut wußten. Mittlerweile aber war die Session geschlossen, und die „Volksvertreter" hatten den Genuß, unsere Freunde noch län- ger im Gefängniß zu wissen. Sie haben eben die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen können, ihren persönlichen Haß, ihre Loyalität, ihre Angst vor Einem Mann und— ihre„Freisinnigkeit" zu zeigen, mit einem Wort: sich zu blamiren. In der in Zwickau am 28. März stattgefundenen Schwur- gerichtssitzung wurde Junghahn(Drucker des„Bürger- und Bauernfreundes") und der Setzer Gnauk, beide wegen Drucks des„demokratischen Soldatenliedes"(Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne u. s. w.) der Vorbereitung zum Hochverrath angeklagt, nach glänzender Vmheidigung durch die Herren Ad- vokalen Freytag aus Leipzig und Freytag aus Plauen f reize- sprachen._ Aus Apenrade schreibt man der„Zukunft":„Auf eine Anfrage, wann das Verbot wider die Zeitungen„Fädrelandet" und„Dagbladet" wegfallen würde, hat General Vogel von Falckenstein untecm 16. d. geantwortet, daß das Verbot ohne weiteres außer Kraft trete, sobald der„Kriegs zu st and" ausgehoben werde, was in kürzester Frist zu erwarten stehe. Falls die Aufhebung nicht vor dem 1. April erfolgt ist, soll demnach auch für das nächste Quartal der„Volksstaat" in Norddeutschland eine verbotene Frucht sein. Wir werden sehen. Man sagt übrigens, daß verbotene Früchte am b esten schmecken. Herr von Schweitzer kündigt an, daß ihn keine Bitten von seinem Vorhaben abbringen werden, das Präsidium des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins niederzu- legen. Das Vereinsorgan sammt Schulden überläßt er groß- müthig der Partei, die er auch fernerhin zu bemuttern verspricht; auch will er dem Verein für einen gewissenhaften Nachfolger sorgen. Der Rücktritt des Herrn V.Schweitzer wäre vor zwei oder drei Jahren ernst genommen worden; heute wird er von Jedem für eine Komödie gehalten. Hoffen wir, daß die Generalversammlung des A. D. A.-V., die Ende dieses Monats stattfindet, zu der von allen aufrichtigen Sozialisten so sehnlich gewünschten Verständigung führt. Die rothe Fahne auf dem Stadthause von Paris, eine sich republikanisch nennende Regierung zu Versailles, der Geburtsstätte des Absolutismus, und über Beiden hansend, auf den Höhen um Paris, eine Armee von feindlichen Truppen— das ist ein Schauspiel, wie man wohl vergeblich sonst in der Geschichte suchen wird. Was bedeutet die rothe Fahne? Was will das Volk von Paris? Wir sagen: das Volk von Paris! Denn es ist eine Lächerlichkeit, wenn die Versailler Regierung von„einigen Un- zufriedenen" spricht. Energie und Umfang der Erhebung strafen diese Bezeich- nung Lügen! Das von den Aufständischen gewählte Centralkomitee be- zeichnet als sein Programm die Begründung der wahren Re- publik! d. h. es betrachtet die Herren in Versailles nicht als Vertreter der wahren Republik, es mißtraut ihnen. Hat es dazu wohl Anlaß? Wer der Geschichte des bonapartistischen Staatsstreiches eingedenk ist, wer sich erinnert, wie die Majorität der Ver- sammlung in Bordeaux gegen Garibaldi aufgetreten ist, dessen Opfermuth sie ihre Anerkennung ebenso versagte, wie der Wahr- heit, daß er der einzige französische General sei, der nicht ge- schlagen worden— wer sich erinnert, wie in der Versamm- lung von Bordeaux der General Ducrot(der in bekannter Weise der preußischen Gefangenschaft entwich, dann bramar- basirte, er wolle nur todt oder als Sieger nach Paris zurück- kehren, um sich schließlich als Besiegter ourch die Luft zu retten) der reaktionären Mehrheit seine Dienste für den innern Bürgerkrieg zur Verfügung stellte, der muß sich sagen, daß Grund zum Mißtrauen gegen die Versailler Pläne vollauf und genug vorhanven war. Als Präsident Louis Bonaparte seinen Staatsstreich voll- führte, da warf er sich zum Vertheidiger des allgemeinen Stimmrechts gegenüber der reaktionären Mehrheit der dama- ligen Pariser Äkationalversammlung auf, die geführt wurde von denselben Männern, welche jetzt in der Versailler Ver- sammlung sitzen(Thiers, Dufaure-c.). Und diese Vertheidi- gung des allgemeinen Stimmrechts gab ihm eine moralische Sanktion in den Augen Derer, welche ihres Stimmrechts be- raubt werden sollten. Frankreich hat jetzt eine ebenso reaktionäre, unter dem Drucke des Kriegs und der Invasion gewählte Nationalver- sammlung, und der große Staatsmann Thiers kündigt wieder ein„Wahlgesetz" an---- Darf es da wundern, wenn mau einen neuen Staatsstreich keiinen sieht? Nicht genug! Herr Thiers und seine Gehilfen, die seiner- zeit beim Staatsstreiche gefangen und beseitigt wurden, weil Bonaparte zu Allem bereite Abenteurer unter den Offizieren fand, Männer, welche sich nicht scheuten, Hand an die Volks- Vertreter zu legen, vertraut das Heer und die Polizei ehemals Napoleon sehr ergebenen kaiserlichen Generälen und Polizei- chefs(Vinoy, Valentin)— kann eine größere Verblendung existiren?! Nicht genug! Die gefährlichste Waffe für eine freie Ver- fassung ist eine unter strenger militärischer Subordination ge- haltene stehende Armee— und Herr Thiers, der Mann der Republik, will die Nationalgarde in Paris entwaffnen!!!— Jedenfalls sind die Pariser schlauer, als Herr Thiers sie sich gedacht hat. Nach allen Berichten hat ,die Erhebung eine ungeahnte Stärke gewonnen. Bereits haben sich Lyon und Marseille angeschlossen: Menotti Garibaldi Kommandant der Nationalgarde von Paris, Ricciotli Garibaldi an der Spitze der Äkationalgarde von Lyon— da ist die Republik in guten Händen! Nur Eins scheint der Revolution noch zu fehlen: ein organisatorisches Genie nach der Art Gambetta's. Ohne ein solches dürfte sie ihre Aufgabe zu lösen kaum im Stande sein. Die reaktionäre Presse schreit natürlich Weh und Jammer über die Ereignisse. Das„Leipz. Tageblatt" hält das Auf- treten eines„energischen Generals" für nöthig, die Wiener „Neue Freie Presse" sieht in dem Verlangen von Geldern der Bank im Betrage von einer Million den innern Kommunis- mus, obwohl noch keine siegreiche Revolution anders verfahren ist, als das öffentliche„Gelo zu nehmen, wo sie es findet", um es aber später zurückzuerstatten, und am Meisten wird ausgebeutet die Töbtung zweier Generale, deren Einer auf das Volk hat feuern lassen, während der Andere in Zivilklcidern nach Spionenart eine Barrikade abgezeichnet hat. Wer sich erinnert, welche Gräucl bei der Contrerevolution in den Jahren 1848, 1849 und 1850 begangen worden sind (man denke z. B. an den Tod des augenkranken Prinzen von Schwarzburg in Dresden!), ohne daß man dafür die Führer verantwortlich machen kann, der muß, bei aller Mißbilligung der Ausschreitungen Einzelner, darüber anders denken. Jm Gegentheil: verglichen mit dem Umfange der Erhebung, ist dieselbe bis jetzt im Ganzen sehr unblutig verlaufen. Herr Thiers ist allem Anscheine nach seiner Aufgabe wenig gewachsen! Eine Regierung, die sich so schwach im Handeln wie im Verhandeln zeigt, ist verloren. Eigenthümtich ist die Stellung der Armee. Soweit sie mit den Aufständischen in Berührung gekommen, ist sie übergegan- gen, seitdem unter die Nationalgarde eingereiht, die damit be- deutend an Kraft und Stärke gewonnen hat. Daß die um Versailles versammelten Truppen Stand halten werden, ist sehr zu bezweifeln. Unter solchen Umständen darf es nicht Wunder nehmen, wenn ein Pariser Times-Korrespondent nach London schreibt: Die einzige Armee, die Paris bändigen könne, sei die deutsche. Aber Thiers wie die deuffchen"Heerführer werden eS sich zweimal überlegen, diesem Gevanken Verwirklichung zu geben. Es wäre dies die offene Bestätigung Dessen, womit die Auf- ständischen jetzt schon alle Soloaten an sich gezogen haben, des Wortes: Ob sie für die Preußen kämpfen wollten? Die mili- tärische Unterstützung der Versailler Regierung wäre gleichbedeu- tend mit der politischen Tödtung derselben. So sind denn die deutschen Truppen in der Lage, abwar- ten zu müssen, was Paris gegen sie thun werde. Das Centtatkomite hat erklärt, daß es nichts unternehmen werde gegen die Friedenspräliminarien, und das ist ihm wegen seines Ursprungs und der schweren Verantwortlichkeit, die eS sonst auf sich laden würde, wohl zu glauben. Ob aber eine neue definitive Regierung das Gleiche thun wird? Wer vermöchte das zu sagen? Schon wird die Befürchtung allgemeiner, daß der jetzt ab- geschlossene Frieden nichts sein möchte, als ein Waffenstillstand, auf den ein noch viel grauenhafterer Krieg folgen könnte. Fragen könnte es sich dann nur, ob dieser Krieg ein blo- ßcr Rachekrieg sein, oder ob es sich um ein höheres Ziel han- detn werde. Das Erscheinen der Söhne Garibaldi's an der Spitze der Erhebung läßt ahnen, daß die Zeit nahe ist, wo die Republik ihren Gang thun wird durch Europa, daß in Frankreich der Grundstein gelegt werden soll zu den„Vereinigten Staaten von Europa." Ob sich das verwirklichen wird, steht allerdings noch da- hin. Auch die bonapartiftische Partei ist thätig, die Spaltung für sich auszubeuten, von Neuem das Kaiserthum aufzurichtm. Aber der Nimbus des Kaiserthums ist verbliche». Zu frisch ist die Schmach, die es auf Frankreich geladen. Ein Kai- serthum braucht einen Kaiser. Der es war, ist dahin; der es werden soll, kann es noch nicht sein. Mit einer Regentschaft kann kein Kaiserthum regieren. So ist es immer noch die Republik, welche die meisten Aussichten hat, und neben den neuereu Berichten aus Paris' berechugt die Proklamation des Centralkomite's, daß seine Mission nach Beendigung der Wahlen erledigt sei und daß es den Neugewählten Platz machen werde, zu der Annahme, daß die Erfolge der revolutionären Partei die Fäden der Versailler Staatsstreichlustigen gründlich durchschnitten haben, und daß die rothe Fahne auf dem Stadthause zu Paris in ehrlicher Absicht aufgepflanzt und gehalten wurde. Die unlau- teren Hände, die sich in Paris so viel zu schaffen machten, haben ebenso fruchtlos in diesem Kampfe spekulirt, als die fanatischen und blöden Kommunistenriecher und Sozialistenhasser in und außer Paris geschürt, verleumdet und gewüthet haben. Wem ein dauerhafter Frieden, wem Gerechtigkeit auch unter Staaten und Völkern am Herzen liegt, der kann ruhig in die Zukunft blicken! (Cr. Bürger- u. Bauernfreund.) Die Zürcher Tpektatelabeude. Hoffentlich wird Niemand von uns erwarten, daß wir unter diesem Titel die Geschichte der tumultuarischen Vorgänge schreiben, welche während der Abende und Nächte des 9., 10. und 11. März die Bewohner von Zürich und Umgebung in eine mehr oder weniger heftige Aufregung versetzten und ein nicht geringes Erstaunen verursachten bei Allen, die das sonst so nüchterne Zürcher Volk kennen. Ebensowenig gedenken wir eine„liefe Entrüstung" auf die eine oder andere Seite abzuladen— es ist leider von den verschiedensten Seiten genug Stroh zum Feuer getragen wor- den— wir wollen in ruhiger Weise erklären, wie es kam, daß das nüchterne Zürich der Schauplatz derartiger unnüch- terner Aufführungen werden konnte. Dabei schicken wir als selbstvei ständlich voraus, daß zweckloses Brüllen und Toben, zweckloses Dreinschlagen und Fenstereinwerfen sehr unsinnige, unanständige und gemeine Sachen sind, die ein denkender Mensch nicht thut.— Nachdem durch den Abschluß der Versailler Verträge das mittelalterliche deutsche Kaiserreich wieder auferstanden war, lud ein Komitee von deutschen Professoren und„Herren" die in Zürich wohnenden deutschen Landsleute zu einem„Kommers" ein, wo die„Neugestaltung Deutschlands" gefeiert werden sollte. (Das Wort„Kommers" ist bei den Studenten im Gebrauch und ist gleichbedeutend mit Bankett). Diese Feier war aus den 2. Februar festgesetzt. Da kamen aber Ereignisse von der höchsten Bedeutung, Paris kapitulirte und die ftanzösische Ostarmee wurde über die Schweizergrenze gedrängt; dadurch wurde unsere Bevölkerung in große Aufregung versetzt und nian unterließ den Kommers, d. h. man schob ihn auf. Und nun sollte er am 9. März ab- gehalten werden. Aber die Mehrzahl der hiesigen Bevölkerung hat keine deutschen Sympathien, am allerwenigsten Sympathien für die jetzige„Neugestaltung Deuffchlands", die hiesige Bevölkerung hat im Gegentheil national- französische Sympathien. Diese natio- nal- französischen Sympathien wurden natürlich noch bedeutend verstärkt durch die Erklärung der Republik, durch die Miß- erfolge Frankreichs und durch die Anwesenheit internirter Franzosen. Vom intcrnational-menschlichen Standpunkte aus ist natür- lich jeder nationale Fanatismus eine verwerfliche Sache, gerade wie vom menschlich-religiösen Standpunkte der orthodoxe(Recht- gläubigkeits-) Fanatismus. So sehr wir auch beide Sorten von Fanatismus hassen, so sehr wir sagen müssen, der natio- nale und religiöse Fanatismus steht dem menschhcitlichen Kultur- fortschritt im Wege, so wenig können wir jetzt auf die eine oder andere Seite ein scharfes, liebloses Urthcil fällen, jetzt, wo der blutige Massenmord rings um uns her den nationalen Fanatis- mus so riesenhaft aufgebläht hat. Es standen sich also bei den Ereignissen am Donnerstag (9. d. M.) zwei nationale Hochfluthen aufgestaut einander ge- genüber— sie sollten auf einander prallen, denn es fehlte jedes gegenseitige Verständniß, welches etwa hätte eine Ausgleichung herstellen können. Man begriff in seiner nationalen Einseitig- keit sich gegenseitig nicht und die Stunde der Aufregung er- leichterte natürlich das Begreifen schon gar nicht— und doch griff ein böswillig erfundenes Gerücht, das von einer miserablen Presse unterstützt und weiter verbreitet wurde, gerade Die- jenigen als die Schuldigen an, welche allein über dem icnalen Zank stehen, freilich auch am schwersten davon oetroffen werden— die Internationalen. Wir übcrzehm die unangenehmen Ereignisse in der Ton- Halle, derartige Exzeßgeschichten haben doch keinen Nutzen, und wenn es ohnehin besser wäre, sie wären nicht passtrt, so wollen wir sie nicht in einer breiten Erzählung noch einmal passiren lassen. Der nationale Fanatismus trieb dabei seine schönsten Blüthen und zwischen hinein mischten sich unzweideutige Exi- stenzen und drückten der ganzen Geschichte einen gemeinen, pöbelhaften Charakter auf. Die Borgänge von Freitag und Samstag Nacht stehen noch ein gutes Stockwerk tiefer— wie sich immer aus dem Niedern das Gemeine entwickelt— die Krawalle vom 10. und 11. waren gegen die nvlhwendigsten Orgaue der öffentlichen Sicherheit gerichtet und dabei traten denn auch zum Theil wirk- lich schon bestraste Gauner mit in Aktion, unterstützt von einer neugierigen Menge und von Gerüchten der verschiedensten Art, die in der Ausregung von Hand zu Hand geboten, geglaubt und von verschiedenen Zeitungen wiedergegeben wurden. Durch diese drei Sachen, die neugierige Menge, die Ge- rüchte und die Zeilungen(namcnllich die„N. Z.-Z.") wurde der Frosch zum Ochsen, der Straßenskandal zur„revolutionären" Bewegung aufgeblasen, und was noch fehlte, das that noch die Böswilligkeit der Reaktionäre und die Angst der Philister dazu. Dabei waren die militärischen Maßregeln so kläglich als möglich, theils in der Disposition von oben, theilS in der Ausführung von unten. So wurde z. B. am Samstag Abend längs des Rathhausquais, der Münstergasse und um den Großmünster ein großer Aufwand mit Infanterie und Ka- vallerie getrieben, während die Zugänge zur Strafanstalt total unbesetzt waren, und der Platz beim Zuchthause, der in seinem ganzen jetzigen Zustande ein wahrer Revoluzer-Platz mit schon vorhandenen Barrikaden ist, der Spektaleljchaar als Tummel- platz offen zur Disposition gestellt wurde. Durch Besetzung der Zugänge zqr Strafanstalt hätte alles Blutvergießen erspart werden können.. Leider fiel am Freitag Abend durch einen Schuß, der in die Luft gehen sollte, ein unschuldiges Opfer: unser braver Mit- genösse August Teufel von Tuttlingen, Würtemberg, Mitglied des Internationalen Schneidervereins. Er hielt sich in der Wohnung eines Freundes im dritten Stock auf, die Kugel drang durch das geschlossene Fenster in seine Brust, und mit dem Rufe:„Ich bin erschossen!" wankte er nach einer Ne- benthüre in die Arme seines Mitgenossen und Freundes, wo er starb. Dienstag den 14. wurde er unter großer Theilnahme begraben. Er war ein guter Mensch. Wir eilen zum Schlüsse. Die Tage des Krawalls haben etwa b oder 6 Todte und eine Anzahl Verwundete gekostet. Am Sonntag langte eidgenössische Besatzung an und die letzten Tage sind vollständig ruhig verlausen. Angesichts verschiedener Kundgebungen, die aus verschiede- neu Orten von Parteigenossen uns zugekommen sind, halten wir es jür vollständig unter unserer Würde, es erst noch zu betheuern, daß unsere Partei jenen Skandalgeschichten sern steht. Die reaktionäre Partei hielt es für sehr uothwendig, die Schuld auf andere Schultern zu wälzen. Unsere Partei- genossen haben überall gewußt, woran sie mit uns sind, und wir werden uns auch serner ihres Vertrauens ivürdig erzeigen. Den verschiedenen demokratischen und radikalen Zeitungen, die uns vertrauensvoll in Schutz genommen haben gegen die mise- rabeln Verleumdungen der„N. Z.-Z." und ihres gleichgesinnten Zeitungsgelichters, sagen wir herzlichen Dank.— Am Montag den 13. März trat der Kantonsrath in außerordentlicher Sitzung zusammen. Er wählte zur Prüfung der Sachlage eine Kominission von 9 Mitgliedern. Wir reichten dem Kantonsrath nachstehende Zuschrift ein, welche am Montag verlesen wurde: „An den Tit. Kantonsrath des Kantons Zürich, versammelt in außerordentlicher Sitzung. Herr Präsident! Geehrte Herren! „Die beklagenswerthen Vorsälle der letzten Tage haben Ursache zu den verschiedenartigsten Gerüchten gegeben. Unter diesen Gerüchten geivann namentlich Eines immer mehr Ver- brcitung und wird sogar von öffentlichen Tagesblättern weiter verbreitet und dadurch unterstützt:„Es sei die Internationale Arbeiterassoziation der Urheber und Herd dieser Ruhestörungen. „Wir unterzeichneten Mitglieder des Komite's der Arbeiter- union Zürich,� welche die verschiedenen internationalen Arbeiter- gesellschaften in und um'Zürich in sich vereinigt, halten es deshalb um der Ehre der Arbeiterbewegung Willen und zur Steuer der Wahrheit sür nothwcndlg, vor Ihnen, Herr Präsident! Ge- ehrte Herren! dieses Gerücht als Unwahrheit zu bezeichnen und gegen die Weiterverbreitung desselben zu protest-ren. „Noch an keinem Orte hat die Internationale Straßen- skandale hervorgerufen oder unterstützt, und soweit es uns bis jetzt möglich war, der Sache nachzuforschen, können wir ver- sichern, daß Keines von den Mitgliedern unserer Vereine sich an den hiesigen Rrihestörungen betheiligt hat. „Wir müssen deshalb um so mehr wünschen, daß die Un- , lersuchung über die Vorgänge der letzten Tage mit aller Genauig- keit geführt werde, da es sich danii um so sicherer herausstellen Wrd, daß unsere Vereine mit jenen Ruhestörungen nichts ge- mein haben. „Wir haben es schon oft ausgesprochen und wiederholen es gerade jetzt: Wir sind entschiedene Anhänger der jetzigen Ver- sassung des Kantons Zürich, wir sind fest entschlossen jür die Ausiechterhaltung dieser Verfassung einzustehen und die versas- sungstreuen Behörden zu unterstützen. „Wir protestiren deshalb entschieden gegen alle und jede Gemeinschaft mit den Ruhestörern der letzten Tage. Dieselben haben in keiner Weise den Stempel unserer Bestrebungen und Anschauungen getragen, sondern im Gegenthell einen durchaus �«heitsfeindlichen und reaktionären Charakter gehabt. „Genehmigen Sie, Herr Präsident! Geehrte Herren! die Versicherung unserer Hochachtung. „Zürich, den 13. März 1871. „Namens der Internationalen Metallarbeiterschaft: H. Aeschbach, Mechaniker. Rud. Mors, Mechaniker. „Namens der Internationalen Sektion: Hermann Greulich. . In der Sitzung vom Dienstag erklärte Herr Dr. Sulz er, als Referent der Kommission ausdrücklich, daß unsere Partei völlig unbetheiligt an den Ruhestörungen sei. Im weiteren Verlauf der Debatte bewegten sich zwei Spstemler- „Herren" so anständig und gebildet in ihren Angrissen gegen die Regierung, daß man lebhaft an die Reden der Spektakel- Helden erinnert wurde. Schließlich wurde ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung mit großer Majorität abgelehnt, dagegen die Regierung beauftragt, dem Bundesrath initzutheilen, daß Zürich im Stande sei, seine Ordnung aufrecht zu erhalten, und deshalb die Bundesintcroention so bald als möglich auf- hören möge. Der größere Theil der Besatzungstruppen ist berests ent- lassen. �Züricher„Tagwacht"). Aus Amerika. New-Aork, 11. März. Während ich meine letzte Kor- respondenz an den„Volksstaat" schrieb, am Abend des 25. Ja- nuar 1871, verschied, von einem Schlagfluß getroffen, Wilhelm Weitling, geboren am 5. Oktober 1608. Vielleicht gestattet es der Raum dieser Blätter, später eine Uebersicht über sein Leben und Wirken zu geben. Heute nur die eine schuldige Bemerkung, daß er überzeugungstreu ein revolutionärer Arbeiler bis an sein Ende geblieben und sern jedem engherzigen Patrio- tismus dem und der Internationalen seine höchste Anerkennung zollte. Er hinterläßt eine Frau mit 6 unversorgten Kindern sdas älteste 15 Jahre alt), zu deren Gunsten einige Gewerk- vereine und hiesige Parteigenossen eine Sammlung veranstaltet haben. Das wichtigste Vorkommniß in der hiesigen Arbeiter- beweg ung ist nvch immer der große Ausstand der Pennsylva- nischen Kohlenbergleute. Die Anfänge tesselben habe ich in einer früheren Korrespondenz mitgelheilt, und habe nur hinzu- zufügen, daß derselbe seit Mitte Januar allgemein ist und als solcher angeordnet wurde von dem Generalrath der Bergleute und Arbeiler in den Kohlenregionen— Miners and Wor- kingmen Benevolent Association— um einige besonders harrnäckige Kompagnien von Unternehmern zum'Nachgeben zu bringen, oder vietinehr sie zu nöthigen, die beschlossene Lohn- Herabsetzung zurückzunehmen. Die Gruben-Unlernehiner und Besitzer wären und waren auch bald geneigt, Frieden zu schließen mit der großen Kohlenarbeiterassoziation, als die Transportgesellschaften, Eigenthümer der Kanäle und Eisen- bahnen sich ins Mitel legten uuh die Fracht so bedeutend er- höhlen(von 2 Dollar jbis zu 6 und 7 Dollar und darüber, also um das Drei- und Bierfache), daß jeder Bersuch zur Ar- beit in den Gruben aufgegeben werden mußte. Und jeden Versuch zur Ausgleichung beantworten diese hellleuchtenden Muster des Privatbesitzes mit neuen Frachterhöhungen. Manche heimische Leser des„Volksftaat" werden vielleicht sich wundern, daß Solches möglich sei und fragen, wozu denn der Staat da sei? Run, denen müssen wir antworten: Der Staat, dieser Staat ist eben der Bourgeoisie wegen da und die Vereinigten Staaten sino das Land der Bourgeoisie vor Allem.— Es herrscht nun große Kohlennoth in den volk- rcicheir Küstenstädten und viel Mangel in den Kohlendistrikten unter den Arbeitern und ihren Familien. Das wird nun wacker benutzt, um über diese freche— Eisenbahn-?? o, behüte!- Arbeitergesellschaft loszuziehen, die es wagt, für ihre Mitglieder in der Ausübung eines der gefährlichsten und anstrengendsten Berufes einen erträglichen Lohn zu fordern und möglicher Weise zu erzwingen. Eine Tonne Kohlen hat während der letzten 2 Jahre in den großen Teestädten Philadelphia, New Bork und Boston durchschnittlich 6 Dollars gekostet und es ist unan- gezweifelt nachgewiesen und unbestritten, daß die Arbeiter in den Minen für die Herstellung swenn ich so sagen darf) einer Tonne Kohlen 55— 60 Cts. erhalten, d. h. eine Kleinigkeit mehr als einen halben Dollar. Und das ist den Burschen zu viel, die das Zehnfache dieses Betrags von jeder Tonne für — Nichtsthun in die Tasche stecken! Das hinter diesen Mani- pulationen stehende Kapital ist ein enormes und der Kamps darum hartnäckig und schwer, denn auch die obengenannte Berg- arbeiterassoziation ist mächtig durch ihre vorzügliche Organisation und die bedeutende Anzahl ihrer Mitglieder, 33000, fast nur aus Fremdgebornen bestehend. Diese Anzahl imponirt auch einigen Politikern wegen der darin befindlichen Stimmgeber und hat sie veranlaßt, auf Seite der Grubenarbeiter zu treten; unter Andern Gouverneur Geary von Pennsylvanien, der sehr energisch für die Bergleute auftritt und ihr Interesse nach Kräf- ten fördert. Auch die Gesetzgebung des Staates Pennsylvanien beschäf- tigt sich eifrig mit der Angelegenheit und neigt sich stark aus die Seite der Arbeiter, indem sie eben ein Gesetz beräth, um die Eisenbahngesellschaften zur Herabsetzung ihrer Frachtsätze zu zwingen.— Die Disciplin der Grubenarbeiter ist bewundsrns- würdig, ihr Unabhängigkeitsgefühl und Mannessinn sehr stark und dürfte es in den Kohlenregionen eben nicht glatt abgehen, wenn die Transportkompagnicn nicht bald zur Vernunft gebracht werden. Seit meiner letzten Mittheilung haben sich zwei neue Sek- tionen der I. A.-A. in New-Bork gebildet und Vertreter in das Centralkomitsi gesandt: Der sozialdemokratische Arbeiter- verein(Delegat Große) und eine irische Sektion(Delegat Devoy, einer der kürzlich freigelassenen senischen Gefangenen). Die Bildung einer weiteren Sektion ist angezeigt. In der letzten gemeinschaftlichen Sitzung des allgemeinen deutschen und des sozialdemokratischen Arbeitervereins am 12. Fe- bruar hielt Parteigenosse R. Starke,(aus Basel) einen längeren Vortrag, besonders Bezug nehmend auf Arbeitszeitszeit und sich stützend auf Marx'„Kapitql." Die daran sich knüpfende De- batte ergab als Resultat den Beschluß:„Die kapitalistische Pro- ductionsweise ist der Gipfelpunkt der Unterjochung des Menschen durch den Menschen." Die nationale Arbeiter-Union(National Labour Union) der Vereinigten Staaten verliert zusehends an Boden unter den großen Gewerksgenossenschaften und Centralkörpern. Verschiedene der größten und bedeutendsten Arbeitervcrcinigungen haben in jüngst abgehaltenen Kongressen es abgelehnt, sich auf dein Ar- beiterkongreß der National Labour Union vertreten zu lassen; so die Maurer, die Cigarrenmachcr, die Arbeiter-Assembly des Staates New-Bork u. a. m. Die Arbeiter-Assembly.(Workingmans Assembly) des Staa- tes New-Aork trat am 25. Januar in Albany zusammen. Die- selbe ist zusammengesetzt aus Abgeordneten der Gewerkoereine dieses Staates. Wm I. Jessup, der Wackere, Unermüdliche, sührte den Vorsitz und wurde auch wieder zum Präsidenten sür das nächste Jahr erwählt. In seiner Eröffnungsrede sagt er:„Wir sind hier versammelt zur Annahme von Maßregeln, welche unsre Lage verbessern sollen, nicht in selbstischem Senne,' sondern zum Wohle Aller, die da arbeiten, ob Mann oder Frau, ohne Rücksicht auf Nationalität, Farbe oder Religion." Er berührt die ungünstigen Verhältnisse des verflossenen Jahres 1870, bespricht die von den Arbeitern gewünschte Aufhebung der Contract-Arbeit in den Staatsgefängi.issen und Arbeitshäu- sern, den besonders auf den Cigarrenmachern lastenden Druck der Ver. St.-Steuergesetze, die Nothwendigkeit der Ueberwachung der großen Wohnungskasernen(Tenement Hauses) in den bedeutenderen Städten, die Chinesensrage, und empfiehlt Schul- zwang, sowie Organisation der Arbeiterinnen und der farbigen Arbeiter. Besonoere Aufmerksamkeit schenkte die Versammlung der Eimvirkuug auf die Gesetzgebung des Staates New-Bork zu Gunsten von Gesetzen, welche die Arbeiter vorgeschlagen, worunter die folgenden: Ein Lehrlingsgesetz, Verbot des Ge- brauchs alter Fässer für Lebensmittel, Eraminalion von Dampf- kesselingenieurcn, Kontraktarbeit in den Staatsgesängnissen, Em- richtung eines statistischen Arbeitsbureaus, Verbot der Kinder- arbeit in Fabriken u. a. m. Es ward beschlossen:„Als Koope- rativ-llnternehmung sei bezeichnet ein Unternehmen, in welchem jeder Theilhaber(Stockholder) nur eine Stimme habe und der Gewinn(Profits) getheilt werde zwischen Kapital und Arbeit, die darin betheiligt sind." Eine Steuer von 10 Cts. auf jeoes Mitglied ward zur Deckung der Kosten ausgeschrieben. Dem Präsidenten(der hier die Hauptarbeit thut) ward ein Gehalt von 800 Dollars ausgeworfen und nach heftiger Debatte ein Beschluß angenommen, der die verschiedenen Arbeiterass.ziationen zu gegenseitigem Beistande verpflichtet bei vorkommenden Aus- ständen. Auf Antrag Kuhn's wurde ein Beschluß angenommen, der die Grundsätze undThätigkeit der Jnternativnalen Arbeiter- Assoziation anerkennt und empfiehlt mit den Schlußworten: „Arbeiter aller Länder, vereinigt Euch!" Durchführung des Acht-Stunden-Gesetzes bei Staalsarbeiten:c. wurde gefordert und den Lokal- Vereinigungen empfohlen, Schiedsgerichte(zwischen Arbeitern und Unternehmern) einzurichten. Die Maurer(Bricklayers) haben auf ihrem letzten Kon- greß beschlossen, statistische Erhebungen anzustellen und wird demgemäß jetzt verfahren. Eine Delegation des hiesigen Central- Komitee's der I. A.-A. begrüßte am 2. Februar die hier angelangten ain- nestirten Fenischen(Irischen) Gefangenen. Sorge und Hubert richteten Ansprachen an Dieselben, woraus die folgenden Aus- züge:„Wir bezeugen Euch unsre wärmste Sympathie mit der von Euch verfochtenen Sache, des Rechts des Arbeiters auf die Frucht seiner Arbeit. Wir bieten Euch die Hand der Brüder- lichkeit und Waffengemeinschaft. Denn Euer Feind ist auch der Unsrige: Die Aristokratie und Bourgeoisie, die Land-Lords, Baumwollen-Lords und Fabrik-Lords, Alle verbündet, den Ar- beiter des Ertrags seiner Arbeit zu berauben. Wir wünschen Euch Glück, Eure Freiheit wieder erlangt zu haben, nicht durch die Großmuth der Britischen Lords, sondern durch deren Furcht vor den Britischen Arbeitern. Wir hoffen, daß der Tag nicht fern sei, an welchem die Arbeiter auf beiden Seiten des Kanals sich die Hand der Freundschaft reichen, denn an diesem Tage wird das Schicksal unseres gemeinsamen Feindes besiegelt und die Fesseln gestreift von den Gliedern nicht bloß der Jrländer, sondern der Arbeiter aller Länder." Die Antwort der Exilir- ten betont die Wichtigkeit, welche sie der I. A.-A. und ihrer Wirksamkeit, sowie ihrer Anerkennung beilegen. Eine sehr er- wünschte Folge dieser interessanten Zusammenkunft ist die schon oben erwähnte Bildung einer irischen Sektion, womit hofsent- lich ein weitere Bresche geschossen wird in die Feste des von der Bourgeoisie gehegten und gepflegten ittationalitätsschwindels. Die Deutsche„Arbeiter-Union" ist beschäftigt mit Be- rathung und Annahme einer neuen Konstitution, die englisch- redende Workingmen-Urnon mit Untersuchung einer Anklage auf Betrug gegen N. W. Joung, dessen schon mehrmals in diesen Korrespondenzen Erwähnung geschehen.— Das Ausbleiben des„Volksstaat"(über 4 Wochen) hat sehr unange- nehm berührt.— Das Exekutiv- Komitee der Nationalen Arbeits-Reform- Partei(eine Abzweigung der Nationalen Arbeiter-Union) hat Ende Januar eine längere Sitzung in Washington abgehalten uuh die alten Forderungen wiederholt. Die ganze Organisation stützt sich oder sucht sich vielmehr zu stützen auf das Klein- bauerthum.— Eine schamlose Szene spielte sich dieser Woche im Senat der Vereinigten Staaten ab.- Senator Char. Sumner, das fähigste, rechtschaffenste Mitglied des Senates, ist auf Be- treiben des Präsidenten Grant seines Postens als Vorsitzender des Komitee's für auswärtige Angelegenheiten enthoben worden, um einer Kreatur Grant's Platz zu machen, und den San Domingo Annexations- Schwindel durchzusetzen.---- Nothziichtigungen. Es läuft die Aufforderung zu einer Petition umher, welche be- zweckt, vom Oberhaupte des deutschen Reiches die Feststellung eines allgemeinen jährlichen Kirchenfestes, ohne Unterschied des Be- kenntnisses, zur Feier des Sieges und der Wiedererrichtung des deutschen Reiches zu verordnen. Unter den Namen, die unter dieser Aufforderung stehen, sind gar viele, die nichts weniger als allgemeine Achtung genießen, die aber mit der herrschen- den Gewalt gehen. Wir finden, daß hier schon in der Form ein grober Verstoß gemacht ist: Die Petition hätte nicht an den Kaiser, sondern an den Reichstag gerichtet werden sollen. In der 'Nordbund- jetzt Reichsvcrsassung hat zwar der Reichstag nicht jene bedeutende Stellung, die der Volksvertretung in allen kon- stitutioncllen Staaten zugewiesen ist; aber Verpflichtungen können auch iin neuen deutschen Reiche nur durch den Reichstag aufer- legt werden und ohne Verpflichtung der Gemeinden und Ein- zelnen ist die Anordnung eines jährlichen Kirchenfestes nun ein- mal gar»ich denkbar. Im neuen deutschen Reiche ist zwar die Scheidelinie zwischen dem Regenten des Reichs und dem Reichs- oberfeldherrn sehr unbestimmt gezogen, es möchte sogar an einer solchen Scheidelinie gänzlich fehlen; aber in diesem Falle ist doch handgreiflich, daß die Anordnung nicht vom Reichsoberfeld- Herrn ausgehen kann. Ein weiterer grober Verstoß liegt darin, daß dieses Fest ein kirchliches sein und von allen Glaubensgenossenschasten inne- j gehalten werden soll. Nun weiß aber doch Jedermann, der nur seine 5 Sinne beisammen hat, das Glaubeiisgcnossenschaften etwas Ausschließendes haben und aus diesem Grunde alle Zu- muthungen von Außen zurückweisen. Von uns, die wir uns keinem Glaubensbekenntnisse anschließen, ist es wohl selbstver- ständlich, daß wir diese Ausschließung nicht billigen, aber sie be- steht nun einmal und ist anerkannt, muß also auch geachtet werden. Jede kirchliche Feier müßte also reine Sache der Frei- Willigkeit bleiben: wirklich sreiwillig ist sie aber nur, wenn sie strenge Sache des Einzelnen bleibt, ohne die leiseste Einmischung oder Anordnung irgend einer Staats-, Gemeinde- oder Kirchen- deHörde. Das Stärkste und Aergste kommt aber noch. Wenn ich mit meinem nächsten Nachbar einen schweren Prozeß gehabt und denselben zu großem Schaden meines Nachbars gewonnen hätte, was würde man von mir denken, wenn ich diesen Sieg vor Gericht alljährlich in lauter Weise in Erinnerung bringen wollte? — Ich muß ja doch auch hinfort mit meinem Nachbar leben, wir sehen Einer in des Andern Fenster, Einer in des Andern Hof— mich fünft also, es ist besser, das Andenken des Zwistes nach Möglichkeit zu verwischen, als dasselbe alljährlich neu auf- zusrischen.— Auch die Franzosen bleiben unsere Nachbarn nach wie vor, und wir werden die früheren Geschäftsverbindungen wieder erneuern; wir werden also jedenfalls gut thun, die Er- innerungen, die für so Viele unter uns nicht minder traurig sind als für viele Franzosen, lieber auf alle Weise in Vergessen- heit bringm. Noch Eins hat uns zu dieser Ueberschrift verlaßt. Der Magistrat der Stadt Berlin hat gemeint, daß Bismarck und Moltke nicht nach ihrem Verdienst geehrt, seien, wenn sie bloß von der Stadt Berlin das Ehrenbürgerrecht erhalten. Bon unserm Urtheil über die Frage oder das Maß dieses Verdienstes soll hier nicht die Rede sein: allein wir finden es im höchsten Grade sogar unanständig, so allen Städten Deutsch- lands den Daumen auf's Auge zu setzen. Unter den gegen- wärtigen Umständen wäre es allerdings eine wohlverdiente Lektion, wenn der Berliner Magistrat von seiner Freierei mit einer tüchtigen Ladung Körbe nach Hause geschickt würde: es gehört aber ein solcher Muth der Gesinnung dazu, wie er heute sehr selten zu finden ist. Desto ehrenvoller wird er sein, wo er zu finden ist, denn es thut alles Ernstes Roth, dieser Ber- schwendung von Auszeichnungen an die Männer des Erfolgs, nicht der Wagnisse und der Opfer, nachdrücklich entgegenzutreten, sonst wird man am Ende noch die vergessen, deren Hausvä- ter und Söhne aus diesem menschenverschwenderischen Kriege nicht wieder heimgekehrt sind. Nachschrift. Der Berliner Magistrat hat aber noch überboten, was wir oben nur leise andeuteten. Er hat näm- lich beschlossen: die Bewilligung von 50,000— sage fünfzui tausend Thalern Behufs der Ausfertigung zweier kostbaren Ur- künden. Dergleichen darf aber nie und nimmer Gegensteucrung, also erzwungener Beiträge, sondern Sache der vollen Freiwillig- keit sei». Besser wäre das Geld angewendet auf Unterstützung derer, die durch den Krieg zu Krüppeln gemacht, oder zu lan- gem, wenn nicht gar lebenslänglichem Siechthum verurtheilt sind, oder der Angehörigen derer, denen der Krieg das Leben gekostet hat. Aber selbst da muß Freiwilligkeit wallen für Jene, welche bei'm Krieg keine Stimme hatten und gegen alles Wundenschlagen waren. Aber alles Ernstes frevelhaft ist es, die freiwilligen Beiträge für Hilfszwecke im Boraus hin- auszuwerfen für Schaustellungen, deren Kosten dann durch er- höhle Steuern eingebracht werden müssen. Wenn in den beiden Männern, denen so beispiellose Aus- zeichnungen zugedacht, nur ein ganz gewöhnliches Maß von Urtheil und Sinn für öffentlichen Anstand ist— von Ehr- und Rechtsgefühl gar nicht zu reden— so müssen sie diese Auszeichnungen wie alle außerordentlichen Belohnungen zurück- weisen. Leider haben dieselben Männer in einem ganz gleichen Falle es bereits nicht gethan, haben vielmehr, statt sich zu den großen unbezahlten Helden uno Staatsmännern zu stellen, sich zu den bezahlten gestellt und sich mit dem bösen Kleeblatt — Adel, Titel und Orden— ausstatten lassen, zum Beweise, daß nicht ihre Eigenschaften, nur Berhällnisse ihnen auf ein hohes Gestell verholfen haben. Im Jahre 1866 betrugen die Dotationen Bismarcks und der Generale mehrere hunderttausend Thaler(Bismarcks allein 300,000)— ihr Werk legt uns eine jährliche Mehrlast von mehr als eben so viel Millionen auf. Die Siege von 1870 werden uns noch über dieses Berhältniß eine Mehrlast ein- tragen, denn die Franzosen werden, wohl oder übel, das viele Geld, das sie— aber nicht-uns— zahlen müssen, von der Genuß- und Modesucht ihrer Reichen und Vornehmen einbringen müssen— und das von Rechtswegen— es ist aber nicht von Rechtswegen, daß wir dafür aufkommen sollen. W. Internationale Gewerkschaft der Holzarbeiter. Der Fremdenverkehr für Leipzig ist Packhofgasse Nr. 5. in Stadt Mailand. Auszahlung der Reiseunterstützung Mittags 12—2 Uhr bei Oswald Stelzer lSustav- Adolphstraße 15 2 Treppen bei A. H. Franke. Alle Briefe für die Gewerkschaft sind zu adressiren a. d. O. Änternattonale Gewerlsgcnoffcnschaft der Manufaktur-, Fabrik-»uo Handarbeiter. Berlin, 26. Marz. Schon feil längerer Zeit findet eine Bewegung unter den Berliner Webern, überhaupt Stuhlarbeitern statt. Die Long-Chales-Weber haben bereits ein günstiges Resultat erzielt. Ihre Forderungen destanden in Lohngleichheit und Lohnerhöhung und sind dieselben, um einer Slrike vorzubeugen, von feite» der Herren Fabrikan- teu bewilligt worden. Ebenso fand am 21. März eine überaus zahl» reiche Versammlung der Chalcs-Tücher- und Stoff- Arbeiter statt, in welcher die Forderungen beschlossen wurden, mit welchen sich sofort an die Herren Fabrikanten zu wenden sei: erstens Bezahlung sür Vorrich- ten und Nebenarbeiten aller Art und zweiieus 26 Proc. vohnerhöyung. So regen sich auch die Plüsch-Arbeiler. Also ist die Bewegung eine im Allgemeinen bedeutende. In Anbetracht der gerechten Forderungen, zu welchen die heurigen Zeitverhälinisse nöthigen, wäre zu wünschen und man hofft es auch, daß es zu einem gütlichen Austrag kommt. Unter allen Umständen wollen sich Siuhlarbeiter, bis die noch schwebenden Differenzen beglichen sind, von Berlin sern halten. Jnter»ationale Metallarbciterschaft. AugSburg, 27. März. In Folge gedrückter Arbeitslöhne haben wir uns geiiöihim befunden, die Arbeit einzustellen, und ersuchen, ins- besondere die Fachgenossen, uns in materieller Beziehung zu unterstützen. Wir haben mehrere verhcirathete Männer und Familienväter unter uns, mit 36 bis 45 Kreuzer Tagelohn, wo es nicht mehr möglich ist eine Familie zu ernähren. Wir bitten nochmals in der Hoffnung, unfern gerechten Zweck durchzusetzen, um Ihren Beistand. Die Arbeits- einstellung beschränkt sich auf die Uhrfedern-Fabrik Eberle in Augsburg. Jede Zusendung ist an Unterzeichneleir zu adressiren und werden w»r rm Voltsstaat Rechnung legeu. Für das Eomitee des Borstand Bernhard Thomann. Lange Gaffe, f. 251, Augsburg. TrcsVcil, 28. März. Die Reichstagswahlen haben uns zwar nicht zu dem Ziele geführt, welches wir erreichen wollten, wohl aber uns uberblicken lassen, daß die Zahl unserer Gesinnungsgeuossen bedeutend gewachsen ist und daß, wenn wir unsere Thäffgkcit mit erneuter Kraft entfalten, in Zukunft uns der Sieg gewiß ist. Um das ungehindert thun zu können, ist es unsere Pflicht, daß wir die ausgelaufenen Wahl agitationskostcn zunächst baldigst decken, es sind bis jetzt eingegangen 76 Thlr. 24 Ngr. 5 Pf., ausgegeben 92 Thlr. 22 Ngr. 5 Pf., es er giebt sich somit eine Mehrausgabe von 17 Thlr. 13 Ngr., dazu kommt noch an zu zahlende Druckkosten 38 Thlr. 23 Ztgr. und 2 Thlr. 20 Ngr. Agitationsgebühren an 2 Parteigenossen, so daß noch 59 Thlr. 11 Ngr. zu decken find. Die Gcsammtsumme de» Kosten beläusr sich aus 133 Thlr. 15 Ngr. 5 Pf. für den 4., 5. und 6. Wahlkreis. Es ist nothwendig, daß es sich jeder Parteigenosse zur Pflicht rech net, dafür zu sorgen, daß diese Schuld schnellstens abgetragen wird und daS Seine dazu beiträgt. Ebenso ersuchen wir die auswärtigen Par- leigenossen, welche Wahlprogramms und Stimmzettel von hier bezogen haben, dieselben bald thunlichst zu bezahlen, indem ich von dem Blich drucker schon ernstlich gemahnt worden bin. Montag, den l7. April, soll in Geineinschaft mit de» Mitglieoern des Allg. Deutschen Arb.» Verein Lassalles Geburtstagsfeier im Saale der Deutschen Halle stattfinden, deren Reingewinn ebenfalls zur Deckung der Wahlkosten verwandt werden soll. Es ist nothwendig, daß sich die Parteigenossen alle betheiligen, da es gilt, das Andenlen an den Gründer der deutschen Arbeiterpartei zu seiern und da es das erste Mal seit unserem Bestehen ist, daß wir mn Parteigenossen, deren Haß gegen uns nur immer von oben geschürt worden, gemeinschaftlich auch bei dieser Feier zusammenwirken. Mit soc.- dem. Gruß H. Kuieling, d Z. Cassirer des Central-Wahl-Komitee's des 4., 5. und 6. Wahlkreises. Effctl, 36. März. Heute hatten wir die Gelegenheit, in einer Per- sammtung der Schweitzerianer zu sein und ihre belannten Phrasen zu hören, welche waren:„Hitzinger Geld:"„Der Volksstaat hätte die blaue Repuhlik in Frankreich sür dw richtigste gehalten und auch die Männer, dle an der Spitze waren" u. s. w., übe» solche Phrasen hatten sie gut 1'/« Stunde gesprochen, auch war Herr Kohl au« Hongenberg hier, deui sie extra geschrieben halten und der die Ehrlichen gut verarbeiten sollte, und auch der bekannte Herzig der in dieser Weise was leisten kann, nämlich im Schimpfen. Diese beiden Herren haben auch ihre Pflicht gethan und ganz was Erstaunliches geleistet. Als nun aber wir das Wort haben sollten, hatten sie den bekannten Kniff gemacht, die Redezeit auf 10 Minuten zu beschränken, was schließlich auch»ach langer Geschäfts- Debatte durchging. In dieser Weise haben wir auch unfere Schuldigkeil gethan, haben Ihnen auch gesagt, daß sie in dieser Weise eine moralische Niederlage erlitten hätten. Diese Geschäfts-De- baite brachte es nun schließlich so weit, daß die Versammlung aufgelöst wurde, denn die Fanatisirtesten unter ihneu wollten nicht habe», daß sie widerlegt werden sollten. Aber lange wird es nicht werden, so wird auch hier volle Klarheit sein. Peter Kolscherbach. Gotha, 29. März. Gestern wurde unser Parteigenosse Sauer- teig wegen oes offenen Brieses an den»atlonaUiberalen. Bürgermeister Hönersborf No. 72 des Volksstaats 1870 wegen Beleidigung von Communalbeamten zu 30 Thalern oder 1 Monat Gefängniß verurtheilt. Die Parteigenosse» mögen den Brief noch einmal durch- lesen, er ist unter Brüdern 30 Thaler werth. Der Staatsanwalt tonnte der Ausführung Sauerteigs blos ent- gegenjetzen, daß er gar nicht begreife, wie man eine Sache vor„ge- bildeten" Herren so ausführen könne. Wie es die Sozialdemokraten mit der Verbrüderung der Menschheit meinten, zeige jetzt Paris. Hierauf erklärte S., daß er als Angeklagter erschienen sei, um sein Recht vor Gericht zu vertheidigen und wenn seine Ausführungen dem Staatsanwalt nicht verständlich wären, so berühre ihn das nicht; es stehe jedem Angeklagten frei, die AN seiner Bertheidigung selbst z» wählen. Was die Zeuungsnachrichten ans Paris hetrejse, so schiebe die deutsche Bürgerprcsse dle Schuld den Internationalen in die Schuhe. Nach seiner Einsicht wollten die Pariser nichts weiter als sich die Re- publik erhalten, um die sie von Thiers und Genosse» wieder betrogen werden sollten. Der Hr. Staatsanwalt hat noch die Versicherung gegeben, daß gegen die Sozialdemolraten stets nachdrücklichst vorgegangen werden solle, daß es aber auch denselben freistehe, Ungeseylichieiten der Polizei zur Anzeige und Beweismittel beizubringen. Wenn auch nachstehender Fall nicht gegen die Polizei ein Bor- gehen nach sich zöge, so wäre es ein Fall, der im Rechtsstaat nach- drücklich strafrechtlich verfolgt werden müßte. Polizei-Spiegel. Fraukcnhausen, 2l. März. In der Restauration des Günther Vogel vertehren weiter nichts als Arbeiter, die gern ihren Abend(wenn es die Mittel erlauben), im ernsten Männckgespräch verbringen. Und so ist es sür Parteigenossen ein Bedürfniß geworden, regelmäßig einige Abende in der Woche dort zuzubringen. Die städtische Polizei weiß dies Alles, da es für Niemand hier ein Geheimniß ist. So kam die Wahl zum Landtag, wo A. Welke als Abgeordneter hervorging. Als der Waylakt vorbei war, ging Welke mit verschiedenen Parteigenossen, wohl 30 an der Zahl, in Bogel'« Lokal. Denselben Abend kamen nach 11 Uhr noch drei junge Bursche, welche angetrunken waren, an das Lokal und forderten Einlaß, der Wirth will nicht öffnen, man giebt gute Worte, es wird darauf geöffnet, sofort fangen diese drei mit fremden Zugereisten eine Prügelei an, wobei sie aber den kürzer» ziehen und iroh sein müssen, daß sie nur wieder an die Luft gesetzt werden. Des andern Tags wird, von einer gewissen Seite, sehr stark Er- kundigung eingezogen, ob Welte bei dem Skandal betheiligt gewesen ei. Das war indeß nicht der Fall. Ob nun— jedoch wollen wir diefesVfier nicht erörtern— die drei Bursche von einer gewissen Seite -schickt waren oder nicht, kurz und gut, vier Wochen darauf bekommt Zöget in sein Lokal eine Polizei- Verordnung, wonach jeder Gast um 10 Uhr das Lokal verlassen soll, bei 2 Thlr. Strafe; sind»ach 10 Uhr noch Gäste da, so wird Vogel m.t 5 Thlr. bestraft, aus dem Grunde, weil Vogel nicht den guten Willen(?!) habe, die Ruhe in seinem Lokal ausrecht zu erhalten. Auch hat Bogel, nach den Worten des Oberbürgermeisters Müller, die Eonzession vom Landrathsamt„unterthänigst erhalten." Ob Bogel auch das Geld sür die Conzession..unterthänigst" bezahlt halt Briefkasten der Redaktion: Nürnberg H. in nächster Nummer,„F." dito. — Die bei Liebknecht und Hepner konsiszirten und jetzt wieder freigegebe- ncn Manuskripte werden nunmehr, so weit sie nicht bereits antiquirt sind, veröffentlicht werden.— Der Ausschuß bittet um eine Adresse nach Metzingen. der Expedition: L. M. Nürnberg. Annonce pro Zeile 1 Sgr. — R. K. Elberfeld. Am billigsten und bequemsten abonmren Sie bei der Post.— Siegburg: 14 Gr. für Schriften erhalten.— D. An die Parteigenossen. Für den Bolksstaat sind ferner eingegangen: F. in Nürnberg von M. in Mögelsdors l Thlr.' Für die Partei. K. II. Cöln 8 Thlr.' Für die Familien der Jnhaftirteu. Durch H. O. in Breslau 1 Thlr.— Durch A. Glauchau 20 Nqr. M. Leipzig 18 Ngr. Für den Wahlfond. 1 Thlr. v. Barth durch D. Leipzig.') Die mit' bezeichneten Summen sind direkt a» den Parteikassirer Theodor Burckhardt, Johannisgasse 6— 8L. III. Leipzig, einge- gangen._ Auch ein Fricdcnslied. Der Frieden ist da, der Frieden, hnrrah, Der Frieden! Es lächelt der Kriegsgott und ruhet sich aus, Er lächelt— unS aber erfüllet ein Graus Vor dem, was er gnädig beschieden. Der Frieden ist da, tra la, Der Frieden! Es fllatiern die Fahnen in luftigem Reich, Sie grüßen manch' Antlitz, das, finster und bleich, Der Tod, doch die Roth nicht gemieden. Der Frieden ist da, der Frieden, ach ja, Der Frieden! Es jauchzen die Völker, sind Amboß ja gern, Denn Hammer zu sein gebührt nur den Herrn, Die solch' einen Frieden unS schmieden. Der Frieden ist da, der Frieden, ha ha, Der Frieden: Es lockt seine Stimme, doch eh' sie verklingt, Ein glühender Blitzstrahl die Lüste durchdringt Und läßt seine Donner entbieten.' 1 Die Filial-t�xpeSitionen betreffend. Da bis jetzt kein Quartalsschluß vergangen ist, ohne daß wir nicht die Erfahrung hätten machen müssen, daß bald hier bald dort Blätter, welche wir zur größeren Bequemlichkeit der Parteigenossen an einzelnen Orten Filial-Erpeditionen zum Ber- trieb übergeben haben, unbezahlt blieben, sehen wir uns veran- laßt, unter Hinweis auf die bezüglichen Beschlüsse des Stull- zarter Kongresses und unter Zustimmung des Partei-Ausschusses nachstehendes Reglement zu veröffentlichen. Wir bemerken dabei, daß diese Bestimmungen für diejeni- gen Filial-Erpeditionen, welche jetzt schon bestehen, wie für solche, die noch entstehen sollten, vom V April ds. Js. volle Gültig- keit haben. Reglement. % 1. Eine Filial-Erpedition wird nur dann gegründet, wenn die Parteimitglieder an dem Ort, wo die Gründung derselben stattfinden soll, sich verpflichten, die Kontrolle zu übernehmen und für pünktliche und volle Erfüllung der Verpflichtungen an die Haupt-Erpedition einzustehen. � 2. Jede Filial-Erpedition erhält eine beliebig große An- zahl Exemplare regelmäßig zugesandt, jedoch nicht unter 20. Für je 26 Eremplare einer Nummer haben dieselben 10 Sgr. — 35 kr. südd. Währung zu bezahlen und erhalten auf je 20 Eremplare 1 Frei-Eremplar. S 3. Das Porto für die Packele haben die Filial- Erpedi- tionen zu tragen, es erfolgt deßhalb die Sendung von der Haupt-Erpedition unfrankirt. � 4. Der Bettag für die verkauften Blätter ist am Ende des Quartals nach obiger Berechnung(sz 2) franko an die Haupt-Erpedition einzusenden. 5. Ist nach Verlauf von 8 Tagen des neuen Quartals der Betrag für das vorhergehende nicht berichtigt, so wird die betreffende Filial-Erpedition und Mitgliedschaft schriftlich aufge- ordert, binnen weiteren 8 Tagen die Angelegenheit in Qrdnung zu bringen. Bleibt diese Mahnung fruchtlos, so werden die Sendungen ohne Weiteres eingestellt und die Thaffachen im Par- teiorgan veröffentlicht. Wir wiederholen, daß obige Bestimmungen von jetzt ab von uns strengstens eingehalten werden und ersuchen deßhalb die Mitgliedschaften, wo Filial-Expeditionen bestehen, uns binnen 14 Tagen anzuzeigen, ob sie geneigt sind die in obigem Regle- menl niedergelegten Berpflichtungen zu übernehmen. Leipzig, den 31. März 1871. vis Expedition des„Volksstaat" _ Pelerstraße 18._ Für Dresden. Montag, den 17. April, Abends 8 Uhr Geburtstagsfeier Ferdinand Lafsalles im Saale der deutschen Halle. Die Parteigenossen werden ersucht sich allesammt zu betheiligeu und ihre Liederhefte mitzubringen. Diejenigen, welche noch keine haben, könuen 'olche durch H. Kuieling, Christianslr. 16 IV., beziehen. _ Das Fest-ttomttee. Für Weimar demokratische Partei-Versammlung zu ei scheinen. Jeden Dienstag Abends 8 Uhr im Schwan 1 Treppe hoch. Alle Gesinnungsgenossen werden gebeten pünktlich_ Für Weimar. Die Freunde der Partei in hiesiger Stadt und Umgegen. �ittet freiwillige Beiträge sür die Partei-Kasse oder für die Familien unserer Gefangenen an mich gelangen zu lassen. Quittung über diese Beiträge folgen„VolkSstaat/. C. Kette! jun. _ S>hloßgaffe 14. H.rr Schuhmacher Steiner, bisher in'Nürnberg(Vorstavt Stein- bühl) in Eondition, wird ersucht, mir seinen Aufenthalt anzuzeigen resp. seinen Berpflichtungen gegen mich ilachzulommen. Leonhard Müller Gastwirth zum Goldenen Baum in Nürnberg L. B. in Nürnberg ersucht die Expediuon des„Proletarier" um Ausschluß über den Fabrikarnkel, der am 13. d. M. an I. F. abge» sandl worden ist.— _ Ter Erimmitschaucr „Würger- und Wauernfteund", tPoit-Zeilungskatalog, Vlll. Nachtrag, Nr. 198i0 sechsmal wöchentlich erscheinendes Organ der Demokratie, lostet 10 Ngr. vierteljährlich incl. Postgebühr, und bringt besonders: zahlreiche Nachrichten aus Sachsen und Thüringen, Original- Leitartikel und Orinal-Feuilleton s. _ Inserate'/, Ngr. pr. dreimal gespaltene Zeile._ Durch dw Erpevitlon des„Volksstaat" ist zu beziehen: Natio»alöko»o»t>sches. II. Vortrag von I. Dietzgen. 30 Stück 10 Gr.— 35 kr._______ Telegramm. vrauuschweig. 30. März. Räch 29wöchents licher Hast wurden wir heute entlassen, weil der Au- klagcsenat des Lbergcrichts Wolfenbüttel für Hoch- und Landesverrath die Rtchterhebuug der Anklage beschlossen. Hoch die Sozialdemokratie:— Bonhorst, Bracke, Ehlers, Gralle, Uühn, Spier. Welche Fügung durch Gottes Gnade! Leipzig: Berantw. Redakteurin Vertretung: Earl Hirsch(Redaktion Emllienstr.2.) Druck u. Verlag: F. Thiele.( Expedition: Peterstr. 18.)