M 32. Mittwoch, Den 19. April. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Bostanstalten und Buchhand- lungen de« In- und Au»- lande» an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an; 5t, Bebel, PeterSstraße 10, F. Thiele, Emilienstraß« 2, AbonnemcntSvreiS Für Preußen iucl. Stempelsteuer 16 Nqr., für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. ver Quartal. Agent für London A. Duenstng Foreign Bopksellep, Libra- rian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leidester Square. W. C. Filialerpedinon für die Berein Staaten: F. A.Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork pp„. jjj'jui'i' cvti«im ju,viiijeiiuijt ew num Organ der so)ial-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen GeVerksgeno�enschaften. An die Parteigenossen! Der Ausschuß von Braunschweig hat uns die Mittheilung zugehen lassen, daß er(aus hier nicht näher zu erörternden Grün- den) von einer Wiederübernahme der Parteileitung absehe. Mit- hin bleibt die Weitersührung der Parteigeschäfte uns provisorisch bis zum nächsten Congreß übertragen. Ueber die von uns in Nummer 29 des„Volksstaat" angezeigte Einberufung des Partei- Congresses zu Pfingsten den 26., 27. und 28. Mai sind von verschiedenen Seiten folgende Bedenken laut geworden: Vor Allem die Kürze der Zeit, welche es unmöglich mache, die umfänglichen Vorarbeiten für den nächsten Congreß zu vollen- den, desien Geschäfte und Aufgäben von ungewöhnlicher Wichtig- keit sein werden. Weiter wurde die Rothwendigkcit betont, den noch schweben- den Prozeß gegen unsere Leipziger Jnhaftirtgewesenen erst zum Austrag kommen zu lassen, besonders da die Partei zu den politischen Fragen von neuem Stellung zu nehmen habe. Außerdem ward der Geldpunkt hervorgehoben; die Ab- Haltung des Congresses bedinge erneuerte Geldopfer, welche bei den jetzt noch geforderten Geldzuschüssen zur Deckung des Wahl- defizits von den Parteigenossen schwer geleistet werden könnten. Als ein nicht unwichtiger Umstand ward ferner geltend gemacht, daß gerade die Zeit der Pfingstfeiertage aus lokalen Rücksichten speziell für Dresden der Betheiligung am Congreß sehr ungünstig sei.' Aus vorstehenden Gründen, deren Richtigkeit wir zustimmen inußten, sehen'wir uns veranlaßt, de» von uns angesagten Partei-Congreß bis nach Pfingsten z'u vertagen und stellen dies hiermit den Parteigenossen zur Kenntnißnahme. Mit sozialdemokratischem Gruß Leipzig, d. 15. April 1871. Der prov. Ausschuß. Da ich die Expedition an Parteigenosse Rübner abgegeben, welcher bereits während meiner Haft die Arbeiten mit grotzer Pünktlichkeit und Gewtfsenhaf- tigleit ausgeführt hat, so ersuche ich, alle die Expedition angehenden Brief-, Packet- oder G e ldsenduugeu unter der Adresse: An die Expedition des„Bollsstaat, Peterstratze 18, künftig einzusende«. A. Bebel. Politische. Uebersicht. Die Ordimngs— b e st i e n würden wir sie nennen, wenn wir zu der Ausdrucksweise unsrer„gebildeten" und„gesitteten" Gegner herabsteig?» könnten,— die Ordnungsfanatiker von Versailles setzen das Mordgeschäft noch immer fort; wenn aber nicht alle Anzeichen trügen, so ist die von Thiers und Comp. inszenirte Bartholomäusnacht der Bourgeoisie als ccmp manquö— als Fehlstreich— zu betrachten. An gutem Willen hat's nicht gefehlt, auch nicht an Mitteln der Ausfüh- rung— Dank Bismarck's freundlichem Entgegenkommen— allein die Pariser Sozialdemokratie hat sich doch etivas zu mächtig erwiesen, und nach 14 tägigem Gemetzel sind sie auf allen Punkten der Angreifer Herr geworden. Ob Hr. Thiers nach diesen Mißerfolgen geneigt sein wird, die Stimme der Vernunft und der Humanität zu hören, bleibt abzuwarten— gewiß ist, daß die Pariser jetzt so gerüstet und so kampfgeübt sind, daß sie die Streitkräfte, über welche er gegenwärtig zu verfügen hat, nicht zu fürchten brauchen.— Ueber das schon erwähnte reaktionäre Gemeindeaesetz, welches das Versailler Par- lament angenommen hat, sowie über die Stimmung in Paris, schreibt Seinguerlet(ein blauer Republikaner) der„Frankfurter Zeitung" ä. d. n. April:, � c( „Die Regierung von Versailles hatte nur mehr einen Fehler zu begehen— und Monsieur Thiers hat sich die Gelegenheit nicht ent- g?yen lassen, sie zu demselben zu veranlassen. Mit 285 gegen 275 stimmen hatte sie einen Artikel angenommen, in welchem sejigesetzt wurde, daß alle Maires von den Gemeinderäthen erwählt werden sollten. Es stand diese Erklärung vollständig im Einklang mit den liberalen Prinzipien, von denen heutzutage die Gemeindeverfassunqen nothwendig beherrscht werden müssen. Ministerium und Kommisston hielten sich indtß durchaus nicht für geschlagen. Die Kommission brachte ein neues Amendement ein, wonach vorlaufig die Maires in allen Städten über 20,000 Seelen, sowie in den Hauptorten der Ar- rondissements und Departements von der Regierung einzusetzen seien- Thiers erklärte ausdrücklich und sormell, daß er von der Leitung der Geschäfte zurücktreten werde, wenn die Versammlung sich weigere, diesem Amendement zuzustimmen und so das eben abgegebene Botum ??deru. Wen» Thiers mit Demission droht, ist-r seines Sieges ?™ Die Versammlung liebt ihn zwar durchaus Nicht, furchtet aber 5-'hch kommende Unbekannte in einem Grad-, um ihre Vor- urtheile wenigstens stellenweise bezwingen zu lönuen. Trotz einer sehr gemäßigten und einsichtsvollen Warnung, welche Lanalois erließ, sugte ,ic ,ich dem Gebote des Ehefs der Exekutive, der diismal wiederum unter dem verderblichen Einflüsse seiner allbekannten centralistischen und autoritativen Schrullen gehandelt hat. Thiers hat einen parla- mentarischen Sieg mehr zu verzeichnen, aber keineil. den er zu seinen glucklichen Thaten rechnen darf— er setzte seinen Willen durch, aber �7 lieferte zugleich der kommunalen Revolution von Pa- sis einen vollkommen enRechtsgrund») und legte den Keim zu ahnlichen munizipalen Insurrektionen in allen Städten Frankreichs, welche über 20,000 Einwohner besitzen. Vorausgesetzt selbst, daß der Ehes der Exekutive morgen in den Straßen von Paris einen voll- ltandigen und unbestrittenen Erfolg erlangt— übermorgen iv er- .') Die Zeitung des Herrn Sonnemann bält es für nöthig. hier ,??.,Zrag-z«ichm zu setzen('soll dasselbe etwa bedeuten, daß eine sozia- »s»i che Bewegung überhaupt keinen„Rechtsgrund" haben könne k D. R. den neue Revolutionen und legitimeres?) als die vom 18. März ausbrechen und ihm schließlich über den Kopf wachsen. Man dürfte sich übrigens eines solchen Vorgehens von Thiers vollständig versehen, lieber„Centralisation" und„starke Re- gierung" hatte derselbe von jeher so überaus bestimmte und feststehende Ansichten, daß selbst die jüngsten Ereignisse, statt ihm endlich die Auge» zu öffnen, ihn nur in seinen alten Vorurtheilen zu stärken vermöchten. Thiers handelt seinen theoretischen Ueberzeugungen vollständig entspre- chend. Aber was soll man von Jules Favre, Ebnest Picard, Jules Simon sagen? Sie, die so viele Lanzen für die Wahl der Maires durch direkte Wahl der Gemeinde oder durch den Wunizipalrath ge- brochen, sie, die über diesen Gegenstand so viele und so glänzende Reden gehalten— schlagen jetzt, wo es auf praktisches Bewähren an- kommt, der früher bekannten Doktrin geradezu ins Gesicht. Wenn aber das am grünen republikanischen Holze geschieht, was soll da mit dem dürren reaktionären werden? Die Nachricht von dem betreffenden Votum der Versailler Versammlung hat hier in Paris den allerpeinlichsten Eindruck gemacht und da zumeist, wo man sich ungeachtet der Drohungen der Kommune noch immer mit dem Ver- sähnungswerke beschäftigt. In diesen Kreisen, in denen ich am meisten verkehre, war das herrschende Gefühl nicht dumpfe Entmuthigung, sondern Heller Zorn, und mehr als einer meiner Freunds brach in die bitteren Worte aus:„Was bleibt uns nun noch übrig, als die Flinte in nehmen und auf den Wall zu gehen." Unter den zahlreichen fried- lichen Manifestationen, welche aus allen Seiten zum Durchbruche ge- langen, sind hervorzuheben die durch Maueranschlag hekannt gemachte Zustimmung des 17. Arrondissements an die Erklärungen der(einenAus- gleich wünschenden)„Ligue d'Union republicainc", sodann ein direkter Auf- ruf zur Versöhnung, welchen die Freimaurer von Paris an die Re- gicrung und Nationalversammlung von Paris sowie an die.n ommune gerichtet haben. Mehr noch als alle diese Kundgebungen muß etwas Anderes zft dem Herzen der wahren Patrioten sprechen— eS sind die zahlreichen, oft durch die besonderen Verhältnisse, von denen sie Kunde geben, tief rührenden Leichenzüge der Opfer, welche in diesem grausigen Kriege fallen. Die Haltung der Nationalgardisten, welche ihren Ka- meraden die letzte Ehre erweisen, spricht durchgängig dafür, daß es wirkliche ehrliche Ueberzeugung war. welche sie in den Kampf geführt hat. Bei den Führern ist dies gewiß überwiegend der Fall.*) Duval s. B., welchenGeneral Bindy am Wege füsiliren ließ, ohne ihm auch nur die zweideutige Wohlthat eines Kriegsge- lichtes zuzugestehen, mar ein überaus ehrlicher, intelligenter Ar- bester, welcher die verschiedenen Arbeitseinstellungen der Eisengießer mit großer Energie und Einsicht geleitet hatte." Ueber die tragikomische Position des„avorton" Thiers schreibt der nämliche Korrespondent: „Ist es nickt«ine Ironie, blutiger und bitterer wie sie jemals in der Geschichte vorgekommen ist, daß die Befestigungen von Paris, die von Thiers erfunden, von Thiers durchgesetzt und von Thiers erbaut find, demselben Thiers in rücksichtslosester Weise ihre Kugeln zusenden, demselben Thiers einen so heftige» und uiibequemen Widerstand entge- gen setzen? Aber es geht das noch viel weiter. Soult war für detachirte Forts, Thier«- für eine sortlaufende Enceinte. Wenn die damalige Beredtsamkeit des jetzigen Chefs der Erecutive nicht einen Triumph davon getragen hätte, der den kleine» Mann um mehrere Zoll hob, so würde heute eine französische Armee unter Leitung eben desselben Thier» am ersten Tage, wo es Ihm passend erschien, unter dem Schlitze der Kanonen des Mont Valerien eben so leicht in Pari« haben ein- rücken können, wie man in ein unverschlossenes Zimmer tritt. Dann freilich hätte Thiers für einen seiner brennendsten m d höchsten Wünsche, „eines Morgens als General einer Armee zu erwachen", keine Erfüllung gefunden; Truppen auf dem Papiere zu konzentriren und manövriren zu lassen, war von je die Lieblingsbeschästigung des Verfassers der Ge?- schichte des Konsulats und Kaiserreichs." Nachdem die Leiche Flourens' von den Mitgliedern der Versailler Regierung rekognoszirt worden war,; wurde sie auf dem Kirchhofe St. Louis in Versailles beerdigt� jedoch un- mittelbar darauf von den Angehörigen reklamirt und am 6. d. im Familiengrab beigesetzt. Wir lesen darüber im„Affranchi" (dem„Befreiten") vom 8. d.:„Vorgestern früh 4 Uhr ist die Leiche unseres edlen Freundes Gustave Flourens auf dem Fried- Hofe St. Louis in Versailles wieder ausgegraben, auf einen Wagen der IWjDes funebres gesetzt und nach Paris gebracht worden. Um 7 Uhr kam er auf dem Pere Lachaise an und wurde dort in der Familiengruft beigesetzt. Das strengste Ge- heimniß war über diese traurige Ceremonie beobachtet worden, Der Leichenzug bestand aus der Mutter Flourens', aus seinem Bruder, einer dritten unbekannten Person und endlich— was dieser große Bürger nimmermehr zugegeben hätte und geradezu eine Jmpietät gegen ihn genannt werden muß— aus einem Priester. Kein einziger Freund, kein Bruder in Revolution. Die Familie hat diesen Märtyrer geradezu wie einen Hinge- richteten beerdigt. Aber das Voll wird zu seinem Grabe pil- gern und zeigen, wie es Diejenigen liebt, welche ihr Leben für die Freiheit hergeben."— Als ein ferneres Zeichen des„furchtbaren Terrorismus" mag folgendes Dekret der Kommune vom 7. April gelten, welches Herrn Vogel von FalckenstPn sehr sonderbar vorkommen muß, indem ja die Pariser Gefangnen nicht 200, sondern(vom 18. März an gerechnet) höchstens 20 Tage im Gefängniß ver- weillen: f>'t iiiinckein\l-.0nii7n nniöf „In Anbetracht des Votums der Kommune vom 5. April, beziehentlich einer Untersuchung über die vom Centralkomitee und der Sicherheitskommissivn vorgenommenen Verhaftungen ladet die Exekutivkommission die Justizkymmission ein, un- verzüglich eine Untersuchung über die Zahl und die Ursache der Verhaftungen einzuleiten und entweder den Befehl zur Freilassung der Verhafteten zu geben ober ihre Vorladung vor Fini ,,.;*) D,e Zeitung des Hm, Sonnemann hält" es für nöthig, hier abermals ein Fragezeichen zu fetzen, und erklärt dadurch unzweideutig ihre Zustimmung zu den VerlänmduNgen, mit denen die Bourgeois- und Junkerpresse die neueste Pariser Revolution überschüttet.' Anläßlich d>e>er zwei bezeichnenden Fragezeichen ,-i erwähnt, daß Herr Sonne- mann selber, der den sozialdemokratischen Arbeilern seine Wahl in den Reichstag verdankt, � kür nöthig gehalten hat, jede ltzemeinschaft mit dei' sozial-demokratischeil Relchstagsabgeordneten Bebel und Schraps ausdrücklich zuruckzuweisest, DR ein Tribunal zu veranlassen. Die Justizkommission hat sich dringend mit einer Maßregel zu beschäftigeu, die ganz besonders eines der größten Prinzipien der Republik berührt, das der Freiheit. Paris, 7. April. Die Exekutiv-Kommission: F. Cour- net, Delescluze, Felix Pyat, G. Tridon, E. Vaillant, Vermorel.".- Als die bonapartistische Todschläger- und Krtüppelband< im Juli des vorigen Jahres kriegerische Demonstrationen zu machen versuchte, wurde sie durch das friedliebende Proletariat daran gehindert, und zwar so energisch, daß die Regierung; um einem gefährlichen Zusammenstoß vorzubeugen, jede öffentliche Demonstration verbieten mußte. Nächst der Friedensliebe zeichnete sich auch das Proletariat— in Deutschland wie in- Frankreich — durch Bekämpfung des Nationalhasses aus, gegenüber dxn Reaktionären und Bourgeois beider Länder, welche hüben„Vater- landsverrätherische" Complotte erfanden und drüben„anti- deutsche" LigneN gründeten. Demnach wird mau es nur naturgemäß finden, daß, nachdem die Arbeiter in Paris das Heft in Händen bekommen haben, die Deutschen daselbst gleiche Sicherheit an Person und Eigenthum wie die Franzosen ge- nießen. Das müssen die deutschen Zeitungen bereits«inge- stehen,„daß die Deutschenhetze jetzt in Paris eillgefteüt ist," aber— und darin liegt die Niederträchtigkeit die Einstellung der Deutschcnhctze wird von verschiedenen Zeitungen (u. A. dem„Leipziger Tageblatt") nicht dem Kosmopolitis- mus und Gerechtigkeitssinn, nicht der Humanität und Vernunft des Pariser Gemeinderaths zugeschrieben, sondern„der.Scheu, mit den Deutschen in Konflikt, zu gerathen." Als ob die. Kommunalisten seit dem 18. März nicht täglich und stündlich ihren Mulh, ihre Energie und Ausdauer bewiesen hätten� �— nicht bloß gegen das französische Versailles, sondern gegen das von Preußen-Deutschlaud unterstützte Versailles! Ferner: wenn es wirklich wahr wäre» daß die Deutschen- Hetze aus„Scheu" eingestellt worden— ist der deutsche Sozialist Leo Frankel etwa auch aus„Scheu" in den Pariser.Gemeinderath gewählt worden? Man höre, was die Kommune über die Wahl Frankels, welcher im Viertel der Gobelins mehr als 4000 1 yon 16,000 Stimmen erhielt, im offiziellen Journal sagen läßt:„In �en benachbarten Ländern besteht, der Gebrauch des städtischen Ehrenbürgerrechts. Die Enoählnng des Herrn Frankel in die Gemeinderegierung ist ein noch höherer, das Ehrenbürgerrecht schon in sich schließender Akt der Achtung und des Vertrauens; da Herr Frankel mithin nicht als Ausländer angesehen werden kann, ist seine Zulassung in den Gemeinderath auszusprechen." Felix Pyat veröffentlicht einen A»t>kel gegen den Raren- haß zwischen Franzosen und Deutschen. Die Franzosen selber hätten ihr Unglück verschuldet. Die Verfolgung der Deutschen dürft kein Mittel der Rache sein. Die ewige Spiouriecherei und das beständige Vorwerfen von Berrath seien unwürdige Tröstungen.„Was uns ruinirte", jährt Pyat fort,„und fer- ner ruiniren wird, ist nicht. Preußen, sondern es sind die Priester, die Soldaten, der Papst, die Napoleons, die Ducrots, die Du- panloups, die Trochus und Vinoys. Wir verzichten immer mehr auf die Prinzipien von 1789, während Deutschland sie bestätigt(?!), daher unsere Schwäche und seine Stärke. Wir versagten Deutschland das Recht der Nationalität, nachdem wir es für uns selbst beansprucht. Befreit euch von diesen A»- schauungen, wenn ihr stark sein wollt. Macht aus euch und euren Kindern Männer, fürchtet Preußen nicht mehr. Indem die Kommune Kirche und Staat trennte, befreite sie euch von allen Fremden, von allen Preußen, von Versailles, Rom und Berlin." mm g..; � Ganz vernünftig,— nur verstehn wir beim besten Willen nicht, was„die Prinzipien von 1789" sind, welche„Deutsch- land jetzt bestätigt."„Dunkel ist der Rede Sinn." Vielleicht kann H. Stieber, oder Mühler Ausknnfi. geben. Die„Times", welche jüngst von den Plünderungen der � hohen und höchsten deutschen.Herrschasten in Frankreich während des Krieges sprach, wurde dafür von der„Kreuzzeitung" Pflicht- schuldigst angebellt. Das läßt sich natürlich das Londoner Weltblatt nicht gefallen, sondern erwidert auf den betr. Artikel Folgendes:,.,,.iwn■ ,Man findet darin weder Argumente,, noch Vorstellungen, noch großmüthize Entrüstung. Es ist gemeine und unverschchm te Sprache der Beleidigung, wie sie in vergangenen- Tagen unter einer privilegirten Klasse gebräuchlich war, die die lleb er Hebung des rohen Soldaten mit dem Stolze auf ihre Geburt vereinte. Wir weisen dieseSprache Mit Entrüstung zurück� und zwar nicht, nur im eigenen Namen sondern auch dem der ganzen englischen Presse und der englischen Nation, die unter einer solchen Beleidigung mitleiden. Wie die Presse, so das Publikum; wie die„Kreuzzei- tung", so müssen nothwendig Diejenigen sein, für welche in. solchem Tone geschrieben wird, aber wir nehmen es ans uns zu erklären: das gemeinste engl ische Blatt würde nie seinePflicht gegen s ich selbst undAndere so weit vergessen haben, in solcher Sprache sich zu ergehen."— „Seltsa m". In der Berliner„Volkszeitung" lesen wir „Königsberg. Aus dem französischen Kriege ist, seltsamer Weise, ein preußischer Soldat mit einem französischen Orden hierher zurückgekehrt, einer ReitungS-Medaille, die sich der brave Preuße für die in Naiiey bewirkte Rettung eines Franzosen aus der Gefahr de» Ertrinkens verdiente." Allerdings„seltsam": die„sittlich verkommeneu" Franzosen. dekoriren den humanen Feind und die„biederen, echtsittlichtn" Deutschen schlagen ihn tobt.(Zum Beispiel: Naumburg.) (Fortsekzuug der. polittscheu Uebersicht auf Seite 4.) Die Belagerung von Paris. Die Regierung.(Fortsetzung.) 2. Theil. Bon der Cernirung. Am 20. September erfuhr Paris, daß die letzte Linie, die bis jetzt offen war, die von Rouen, abgeschnitten sei. Die Cernirung war vollständig. 250, WO Preußen höchstens, d. h.' die zwei siegreichen Ar- meen von Sedan, schnitten die Verbindung von Paris mit der übrigen Welt ab. Waren sie wirklich so zahlreich? Die Deutschen allein könnten uns hierauf Antwort geben. Bedenken wir, daß die ganze Armee des Prinzen Friedrich Karl, in der die von Stein- metz mit eingerechnet war, vor Metz lag, daß die beiden Ar- meen des Kronprinzen und des Prinzen Albert, die vor Paris stauben, außer den bei Sedan erlittenen Verlusten und den zur Beibachnng der Gefangenen verwendeten Truppen, ganze Massen kleiner detachirter Korps forffchicken mußten, um die Dcparte- inents zwischen Paris und der Armee von Friedrich Karl zu okkupiren, uneingerechnet der für die Belagerung der festen Plätze nöthigen Kräfte. Wir werden vielleicht eines Tages mit Er- staunen hören, daß 150,000 Deutsche, die in einem Umkreis von 20 bis 30 Stunden umherlagen, hinreichten, daß die Re- gierung von Paris sich als belagert betrachtete; wir sprechen nicht, wohlverstanden, von den Verstärkungen, die die Deutschen später erhalten inußten. Damals waren in Paris außer der Nattonalgarde, wovon 60 Bataillone schon unter dem Kaiserreich eristirtm: I.) Das Korps von Vinoy, das unverletzt von Sedan zu- rückkam, wenigstens 30,000 Mann. 2) 18,000 Turkos, Zuaven, Spahis, kürzlich aus Afrika angekommen; wenigstens wurde die Ziffer durch die Pariser Presse angegeben. 3) Einige Tausend Soldaten, die unter den, Kaiserreich zurückgeblieben waren, um die Stadt zu bewachen. 4) Die Munizipalgarde oder Garde von Paris, zu Fuß und zu Pferde, einige'Tausend Mann. 5) Die Stadtsergeanten, lauter alte Soldaten, mehrere Tausend Mann. 6) Die Kanoniere der Marine-Jnfanterie, deren Zahl mir unbekannt ist, die jedoch beträchtlich sein mußte, weil jedes Fort ein bedeutendes Drtachcment enthielt. 7) 95,000 Provinz-Mobilen seine von der Regierung an gegebene Zahl) und mehr als 20,000 Seine-Mabilen. 8) Alle von den vorhergegangenen Schlachten Zurückgekehr- tm,»an denen eine ziemlich bedeutende Anzahl in kleinen Ab- theilungen nach Paris zurückkam. 36) Spezialkorps, wie Gensd'armen, Forstwächter, Douaniers, Pompiers ic, deren Gesammtzahl sich auf einige Tausend Mann belies und die sich.zum Guerillakrieg eigneten. 10) Wenigstens 20,000 Franctireurs. Das Alles machte nicht viel weniger als 250,000 Mann, außer der Nationalgarde. Merdings konnten die Mobilgardeu der Provinz nicht so- gleich in die erste Linie eintreten, da sie nicht hinlänglich ein- txerzirt waren, aber es waren in dieser Masse bewaffneter Män- ner. die geeigneten Elemente, um den Preußen theuer genug jeden Fußbreit Erde zu verkaufen und die vollständige Cernirung, in Erwartung einer baldigen Offensive, zu verhindern. hielt es für geeignet, sich weiteren Kränkungen zu entziehen. Die Direktion des Krieges blieb dieselbe. Das obere Artillerie- Komitee wurde ermächtigt, seinen Verrath durch Unthättgkeit fortzusetzen. Wir werden seine großen Thaten weiter noch erzählen. Ans Mont Valerien befehligte ein gewisser Pietri. Dieser verbot der Garnison des Forts den Ruf: Es lebe die Republik, als auftührerisch.- So war es in der' ganzen Armee Wenn bei der wohlbekannten Mrfähigkeit aller französischen O sf�ierc die Marineoffiziere und. Soldaten ein Elitekorps bis dete», so kann man sich' vorstelken, was' für Garantien der Loya- Nehmen wir die Cernirung an und Paris sich selbst über- lassen. Paris ist eine ganze Welt, es ist ein Staat, welcher in.sich nicht nur Hunderttausende von Bürgern enthält, die be- reit sind, ihn zu oertheidigen, sondern auch das nöthige Mate- rial, uin eine zahlreiche Armee auszustatten, und Arbeiter jeder Gattung, um dieses Material zu verarbeiten. Sicherlich war dieBelagerung von Paris ein großer Fehler von Seiten der Preußen. Das nicht belagerte Paris hätte der Bertheidigung des Landes nur ein Kontingent von Mobilen und Freiwilligen geliefert. Paris belagern, hieß: diese ungeheure Kraft als Element in den Kamps hineinziehen. Konnten die Preußen die Albernheit, Thorheit und Feig- heit ahnen, welche die privilegirien Retter der nationalen Vcr- theidigung entfalten würden? Die Ausgab« der Regierung beschränkte sich aus 6 Haupt- punkte 1) Alle tüchtigen Männer für die Vertheidigung zu verwenden. 2) Alle Hände und alles Material für die Equipirung und die Bewaffnung dieser Mannschaft zu verwenden. 3) Allen Mundvorrath gleichmäßig unter die Bürger zu vcrtheiten. 4) Nachdem dies Alles eingeleitet, entschlossen den Kamps auszunehmen. 5) Zwischen der Provinz und Paris die Einheit der An- sichten-in Betreff der Revolution, die Einheit der Anstrengun- gen für- den Kampf ausrecht zu erhalten. 6) Und zu diesem Zweck'Paris sich selbst zu übergeben, indem man ihm die Lenkung seiner Schicksale anvertraute- Untersuchen wir zuvor den ersten Punkt. Was die regu- läre Armee betrifft, so mußte man zuerst den Oberbefehl in bessere Hände geben, aber man behielt die Männer des Kaiserreichs. Und vor Allen Trochu, der als wirklich verdächtig bettach- tet werden konnte. War nicht durch das Kaiserreich zunr Gouverneur von Paris ernannt worden? Hatte er jemals Proben einer republikanischen Gesinnung gegeben? Hatte er nicht im Gegentheil von Anfang an durch seine Menge Prokla- mattonen bewiesen, daß er cher ein Mann des Parlamentarismus, als ein General war? Nach Trochu kam Vinoy, Eroberst des 2. Dezembers, der der Erinordung von Vorübergehenden, von Frauen und Kindern seine Generalsepauletten verdankte. Ferner ein Haufen parsümirter Generalstabsoffiziere, die durch weibliche Protektion zu ihrem Rang gelangt waren. Eine Begebenheit zeigte deutlich, wie spurlos das jüngste militärische Mißgeschick an den Köpfen der Herren von der Re-. gieruug vorübergegangen. Wer wurde eines schönen Tages bei einer Inspektion der Festungswerke durch einen Hausen'Ratio- nalgardfften arretirt? Der-Marschall Vaillant! Denkt euch den Schrecken des Publikums, als es erfuhr, daß es ein Miß- griff war, den Marschall zu verhasten, der bei der Direktion der Vertheidigung war. Der Marschall hatte mehr Verstand als seine Akolyten"), er U•iii'tS *) rnr? wu Busensreude. litäk und Fähigkeit die meisten, wenn nicht alle Admirale, die von Napoleon III. ernannt waren, gewährten. Die Mobilen hatten nach dem Buchstaben des Gesetzes das Recht, ihre Offiziere zu ernennen. Unter dem Druck des allen Regimes ernannt, boten diese Ossiziere sehr wenig Garantie. Die ganze republikanische Preffe verlangte eine Neuwahl. Nach dem sich die Regierung lange hatte bitten laflen, gab sie endlich scheinbar nach, man ließ die Mobilen abstimmen, aber auf welche Weise? Alles geschah geheim, Niemand konnte sich vorher auf- klären, sie stimmten unter den Augen und der Kontrole ihrer Vorgesetzten ab, so daß die meisten reaktionären Offiziere wieder gewählt wurden. Wer in der Urne unterlag, trat in den Generalstab oder in die Linie ein; es war ein Empfchlungstitel, als antirepubli konisch bekannt zu sein. Das kam daher, daß die Regierung sich mehr um das Innere von Paris, als um das Aeußere bekümmerte, und daß sie auf die Mobilen rechnen wollte. Es handelte sich hier bloß um die Mobilen der Provinz, aus die der Seine durfte man nicht rechnen, auch hielt man sie während der Belagerting von Paris entfernt Die Munizipalgarde, ein prächtiges aus alten Soldaten zusammengesetztes Korps, war unter der Republik dieselbe unter dem Kaiserreich; man verwendete sie für das Innere von Paris. Man begnügte sich, sie umzutaufen und nannte sie re publikanische Garde. Die Stadtsergeanten, die man in Maffe hätte ausheben sollen, bildeten nur zwei freiwillige Bataillone, die wenig aus richteten, die andren hielt man ganz zurück. Wir werden später agen, ivarum. Die Douaniers, welche ausgezeichnete Kundschafter gegeben hätten, ivurden nicht verwendet, so wurden auch die Poinpiers ihrer dringenden Bitten ungeachtet, nicht inobilisirt. Die Franktireurs wurden sich selbst überlassen und nichts geschah, um ihnen eine reguläre Organisation und eine gewisse Disziplin zu geben. Die Regierung that nichts, um die Massen bildung solcher Korps zu befördern, die in den Händen eines Mannes wie Garibaldi Wunder thun können. Sie überließ ihnen selbst ihre Equipirung, ohne ihnen pekuniäre Hülfe zu leisten, sie bewilligte ihnen nur einen Sold. Um Alles zusammenzufassen: die Armee blieb in den Hän: den Jener, die an dem vergangenen Unglück schuld waren, und nichts geschah, um den möglichsten Nutzen aus den Elementen, die sie bildeten, zu ziehen. Wir werden in zweiter Reihe von der Artillerie, vom Geniekorps, von der Intendanz und der Ambu- lanz sprechen. Wir wollen sehen, ob man die ungeheuren Hilfs- quellen an Mannschaft, welche die Hauptstadt bot, besser be- nützte. Nach Abrechnung der Lücke, die von den Flüchtigen und überdies durch die Auswanderung der Dorsbewohistr zurückge- lassen war, überstieg die Bevölkerung von Paris 2,000,000 E. Wir übertreiben also nicht, wenn wir sagen, daß sich in Paris werngstens 500,000(?) waffenfähige Männer befanden. Die Nattonalgarde hatte dreierlei Dienstleistunge»: als aktive Armee, als Fcstungswache und den inncrn Dienst. Nach Abzug der unerläßlichen Dienstleistungen, d. h. der Bäcker, Metzger, Waffenschmiede u. A., inußte Alles, was nicht unumgänglich zur Verproviantirung und Montirung nöthig 3 Klassen getheilt werden: 1) Vom 18. bis 35. Jahr: akttve Armee. 2) Vom 35. bis 50. Jahr: Wache der Festung und der Forts, sobald man dem Feind Terrain abgenommen. 3) Ueber 50 Jahre(und diese sind bei den 500,000 Mann nicht gerechnet): innerer Dienst. Solang sich ein Mann aus- recht halten kann, ist er auch sähig, eine Stunde vor einem Schlachthaus Schildwache zu stehen, und zu andern Diensten, zu denen zum großen Nachtheil der Vertheidigung junge Männer verwendet wurden. Die Angestellten wären vortheilhaft durch Frauen zu er- etzen gewesen, in allen Diensten, wo diese Ersetzung nicht eine ernsthafte Vorbildung erfordert«. Die aktive, wie die ansässige Garde theilten sich in die drei peziellen Korps: Infanterie, Artillerie und Genie; die erstere hatte überdies noch Kavallerie. So verlangten es im Wesentlichen die Journale und die Klubs. Bis zum 31. Ottober geschah nichts, mn die Nationalgarde zu verwenden; folgendermaßen war sie organisirt, wir sollten eigentlich sagen desorganisirt: Man hielt die Organisation der 60 alten Bataillone, die je aus 1500 bis 2000 Mann zusammengesetzt waren, anstecht. Diese bildeten zusammen eine schwere unbewegliche Phalanr und vergeblich verlangte Blanqui in der„?ntrie en danger", daß st in Bataillone von 500 Mann umgewandelt und hierauf in Regimenter eingetheilt werde. Man gründete alsdann 60 neue Bataillone, immer nach demselben Typus. Stufenweise Ernennungen brachten die Zahl der Bataillone der Nationalgarde auf 220. Um dem immer steigenden Bedürfniß nachzukommen, schuf man 20 neue Bataillone, und da man ihnen keine Waffen ge- ben konnte, so machte man sie zu Hülfsttuppen des Geniekorps, ohne der Fähigkeit der Leute Rechnung zu tragen. Lehrte denn die gesunde Vernunft nicht schon, daß die Bataillone durch solche Arbeiter hätten rekruttrt werden müssen, die schon durch ihre be- tteffenden Handwerke befähigt gewesen wären, den Dienst ernst- hafter zu nehmen: Die Wallarbeiter, Maurer, Zimmerleute? Als dieses gethan war, hielt man mit der Bildung neuer Bataillone inne, ja man verbot sogar den Kommandanten der onnirten Bataillone, neue Rekruten anzunehmen. Nicht nur hob man die jungen Leute von 18. bis 21. Jahre nicht aus, sondern man verhinderte auch die Bildung von Beteranenba- war, tu taillonen. Hätte man ihnen nicht einen Sold von 1 bis IV, st. täglich aussetzen sollen? Aber man gab dieses Geld natürlich lieber den Marschallswittwen u. s. w. Eine große Anzahl taug- sicher Männer durste sich ungestraft dem Dienst der National- garde entziehen. Man lehnte auch fortwährend Die ab, die sich durchaus wollten einreihen lassen. DaS(am daher, weil die Leute von der-nationalen Ver- theidigung die Bürgergarde einzig als eine Unbequemlichkeit und unnöthige Ausgabe bestachteten. Sie durften sich der Volksbe- wafsnung nicht wiedersetzen, und für Die, die die Nahrungsmit- kel nicht gleichmäßig unter die Belagerten vertheilen wollten, Iva- ren die 30 Sous(IV, stcs.) Sold das Aequivalent der�National- Werkstätten. Aber sie hatten durchaus keine Absicht, die National- garde zu verwenden. Nur die Artillerie war gut organisirt, Dank den Bemühun- gen Schölcher's, der zu ihrem Kommandanten ernünnt war. Sie bestand aus 10 vortrefflichen Batterien, die die besten Dienste hätten leisten können, wenn die Regierung sie ernstlich hätte beschäftigen wollen. Es ist überflüssig, zu sagen, daß die Kanonen ihnen so lange fehlte«, bis.man die Regierung zwang, solche gießen zu lassen. Sie hätten sich wenigstens auf Berg- Haubitzen einüben sollen. Die Nationalgarde besaß auch so etwas wie Kavqllerie. Dieselbe bestand aus 6000 Mann, die alle ihre Pferde selbst angeschafft, aber man konnte wirklich sagen, daß dieses Institut nur gegründet war, um die besteffenden Pferde vom Schindanger zu retten. Sie leisteten gar keinen Dienst? Wir nehmen je- doch die von Franchetti besehllgten Korps der berittenen Kund- schafter aus, die sich während der ganzen Belagerung auszeich- neten, und deren tapferer Kommandant bei einer Rekognoszirung durchweine feindliche Kugel fiel. Äußer dem militärischen Element war noch ein anderes Element in der Nationalgarde zu berücksichtigen: das politische Element. Als Bürgermiliz hätte sie von einem wirklichen repu- blikanischen Geiste geleitet werden müssen, welcher der Verthcidi- gung einen höheren Charakter als den des Patriotismus verliehen und die Zuttinst gesichert hätte, indem er die Gegenwart garanlirte und die Vergangenheit abschwor. Die Wahlen der Nationalgarde gaben in dieser Hinsicht ein sehr beftiedigendes Resultat. Eine große Anzahl bewährter Republikaner wurde zu Kommandanten gewählt. Diese sogenannte republikanische Regierung beunruhigte sich darüber und gab sich alle Mühe, die erzielten Resultate zu zer- stören. Sie ergriff gleich von Ansang jede mögliche Gelegen- heit, um in den Konflitten zwischen den Garden oder- den Offizieren und ihren Konimandanten zu intervenircu; indem sie den Letzteren Unrecht gab, zwang sie sie, ihren Abschied zu nehmen, wenn sie Republikaner waren; waren sie Reaktionäre, so wurden sie von der Regierung beschützt. Später als sie kühner ward, benützte sie einige Manifestationen, um die Wahl sast aller Re- pubikaner zu verwerfen. Da viele Bataillone, welche einen neuen Kommandanten erwählen sollten, den alten wieder wählten, er- ließ sie ein Dekret, durch welches ein abgelehnter Kommandant nicht wieber gewählt werden konnte. Schließlich ernannte sie elbst die nöthigen Grade. Um ferner in der Rationalgarde Elemente ztt haben, auf die sie sich fest verlassen konnte, organisirt« sie in getrennte» Ba- taillonen die Angestellten der Ministerien und Administrationen und erlaubte den Eifenbahngesellschaften, das Gleiche zu thun. Das waren ergebene Bataillone, denn da die Commis ihren gewohnten Chef nicht verloren, so bewährten sie auch ihren ge- wohnten Gehorsam., Die Nattonalgarden hatten versucht, wegen der Verbrüderung ein ertraoffizielles Institut zu gründen. Sie hatten in jedem Bataillon einen Familienrath ernannt, der beauftragt war, die Zwistigkeiten unter den Garden zu schlichten, über ihre Bedürfnisse zu wachen und den Bedürfttgen beizustehen. Diese Conseils (Räthe) wurden durch das allgemeine Stimmrecht ernannt. Die Regie- rung sah in diesem Institute, das den Fehler hatte, nicht hierar- chisch zu sein, eine große Gefahr. Sie ernannte daher an ihrer Statt Kriegsräthe, um die Zwistigkeiten der Garden zu schlich- ten, ferner Familienräthe, in denen beinahe nur Offiziere waren. Wenn es vom militärischen Standpunkt aus in Betreff der Nationalgarde die Absicht der Regierung war, sie unfähig zu machen, so suchte sie vom polittschen Standpunkt aus so viel als möglich reaktionäre Elemente hineinzubringen und das revo- lutionäre Element zu ertödten. Sie wollte weder die Bergan- genheit abschwören, noch die Gegenwart garantiren, noch die Zu- kunft der Revolutton befestigen. Man konnte es nicht anders erwarten. Denn die Männer, aus denen sie zusammengesetzt, waren nur Opposittons-Republikaner. Eh' ich dieses Kapitel schließe, muß ich eine Thaffache, die ich darauf bezieht, erwähnen. Zwei oder drei Tage nach der Proklamirung der Republik beriefen einige belgische Republikaner ihre Mitbürger zu einer Versammlung, denen mehrere andere folgten, wo die Belgier eingeladen wurden, Theil an der Vertheidigung der Republik zu nehmen. Tausende von Zuhörern begrüßten freudig diese Idee. Eine Delegation wurde ernannt, die von der Regierung ein De- kret verlangen sollte, durch welches die Belgier auf Verlangen unter demselben Titel wie die Franzosen einverleibt wurden. In dem Augenblick, wo dieser Vorschlag gemacht wurde, ivar Alles fest überzeugt, daß die Nationalgarde ernstlichen Antheil an der Bertheidigung nehmen würde. Die Delegirten begaben steh zum General Trochu, sie wur- den durch den General Schmidt(ein Antichamkegeneral)*) empsan- Herr Schmidt erklärte der Delegation, daß das Gesuch, gen. dm Maire von Paris angehe, da es die Nationalgarde betrete, Herrn Ettcnne Arago. � r. Am andern Tage gelangten die Delegirten nicht ohne Muhe bis zu Arago, der sie init liebenswürdiger Leusseligkeit und rüh- render Mimik") empfing. Er sagte, er werde Alles thun, ivas von ihm abhänge, damit die Regierung sich den Wünschen der Belgier geneigt zeige, er werde noch am selben Abend mit dem Conseil darüber verhaitdeln. Zwei Tage nachher wurde die Delegation bei den Herren Gambetta und Lest» zugelassen, die dieselben Scenen wie Arago aufführten. Man hieß sie den folgenden Tag einen einzigen Delegirtm schicken, um die dcfinittve Antwort abzuholen. Diese ») Antichambre— Vorzimmer; Antichambriren— ,ich si» Vorzimmern(der Machthaber» herumtreibe» und schweifweoeln. ••) thearalisches Mienenspiel den Antwort lautete, daß man aus diplomatischen Konvemenzen die Massenbewafsnung der Belgier nicht gestatten könne, aber daß jeder Einzelne sich nur an die Maine wenden dürfe, um ein- geschrieben zu werden. Ob man nun versäumt, den Mairien Instruktionen zu er- theilen, weiß ich nicht, jedenfalls ist so viel sicher, daß sich Tau- sende von Belgiern umsonst einschreiben ließen, sie wurden nie einberufen, um in ein Bataillon einzutreten. Andere waren glücklicher, aber diesen bestritt man in mehreren Bataillonen das Recht, sich um Offiziersgrade zu bewerben. Was eine imposante Manisestatton der Belgier zu Gunsten der französischen Republik sein sollte, endigte durch die Hand- lungswcise der Regierung in einer elenden Fehlgeburt. Aber, wird man sagen, warum haben die Belgier nicht den Korps der Franktireurs Dimste geleistet, wie z. B. die „amis sie In France", die viele Belgier enthielten und die sich bei der Vcrtheidigung von Paris auszeichneten? Wir wissen nicht wie und mit welchen Hilfsmitteln das Korps gebildet war, aber ich erwähne hier noch eine Thatsache, die sich an die andere reiht und die zeigt, daß es nicht leichter gewesen wäre, Franktireur, als Nationalgardist zu werden. In der zweiten Versammlung der Belgier bei dem Durch- gang Raoul, Boulevard Richard Lenoir, waren ein Hauptmann und zwei Lieutenants der Franktireurs der Gironde anwesend, die sich mit den Organisatore» des Meetings unterhielten. Diese Bürger waren von Bordeaur gekommen mit 80 Mann, die sie auf ihre Kosten ausgerüstet. Sie hatten noch so viel übrig, um ein Dutzend mehr auszurüsten, und sie ver- langten, daß man einen Ausruf in unfern Versammlungen er- gehen lasse, damit diese wenigen Freiwilligen noch rekrutirt wür- den. Nach Verlauf von drei Tagen stellten sich 400 Mann, in 8 Tagen hätte man leicht Tausend zusammenbringen können. Erfreut und verlegen zugleich wendeten sich diese Offiziere an die Regierung, damit sie die Kosten der Equipirung über- nehme. Es betrug die kleine Summe von 25 Frs. per Mann für das Gewehr. Es wurde abgeschlagen und man hatte ein paar prächttge Franktireursbataillone weniger. Man sieht daraus, wie vortheilhaft diese Herren der Re- gicrung zu sparen wußten. (Fortsetzung folgt.) Die Heuchler der Humanität. (Von einem Arbeiter.') Gar häufig hören wir jetzt:„Wir leben in einer großen Zeit, in einem aufgeklärten Jahrhundert, im Jahrhundert der Fortschritte, im humanen Zeitalter!" Betrachten wir vor allein Andern das„humane Zeitalter" oder besser„die Humanität unserer Zeit"; überlassen wir dann Jedem selbst das Urtheil über die übrigen ruhmvollen Merkmale unserer Zeit. Wir werden bald sehen, daß die vielgepriesene Humanität unse- rer Zeit gerade das surchtbarste Uebel ist, das uns drückt und das Millionen von Menschen aar nicht zum Selbstbewußtsein kommen läßt. in> nimmer glücklich fühlen kann. Die Regierun- gen halten diese jedoch wie eine Zuckerdüte fest in Händen und theilen daraus nur dann und wann den lästigen Drängern ein Zuckerplätz- chen aus; das Volk könnte sich ja den Magen verderben— und, o! die Zuckerplätzchen sind noch dazu gefälscht,' sie schmecken nach Wer- »ittlh! Die Rechte des Volkes sind beschnitten, verhunzt! Doch was geschieht zuletzt? Die Regierungen flicken und Hunzen so lange am Staatskörper herum, bis er zusammen bricht, wie der verhunzte, selige deutsche Bund.— Die Krisis bricht los! Das Gebäude stürzt zusammen und die Bauleute liegen zum£heil zerschmettert, gelähmt, irnge aber werden hinausgehe» und weinen bitterlich! „ ,,�der zweiselt Ihr? Wir sind überzeugt, daß das Alles nach na- turlichen Gesetzen so kommen mnß. Der Kamps der Ertreme dauert ununterbrochen fort. Es wird sich alles Unedle vom Edeln scheiden »ach bestimmten Gesetze». Die Wahrheit wird sich jU U vom Irr- thum scheiden müssen, wenn wir beide Ertreme gegenüber stellen. Die Bekenner einer neuen Wahrheit sind anfänglich stets nur Wenige, daruni werden diese von de» Anhängern des Jrrthums, des großen Hausens, bekämpft, verfolgt. Und werden die Irrenden etwa von den Regierungeii auf die neuen Wahrheiten aufmerksam gemacht? Was doch die heiligste Pflicht der Regierungen sein sollte! Im Gegentheil, die Bekenner der Wahr- heit werde» in der Regel im Anfang verhöhnt, verlacht. Wächst aber ch« Zahl, so lassen es die Regierungen wohl niemals an Bekämpfung, Bedrückung, ja Unterdrückung fehlen, statt zu schätzen, zu prüfen und Zu fordern. Und warum da«? Die Regierungen haben meist Nichts weniger als die wahren Interessen des Volks im Auge, wohl aber um so mehr shre eigenen. Das Volk gilt als Maschine, die nach Belieben sür die �itterejsen Einzelner iu Bewegung gesetzt wird. Sie sind nur Herren und Herrscher, wir aber die gehorsamsten Unterthanen, so lange wir �M�.sind. Was kümmern sich die Männer der Regierung um selb., ein ganzes Volk beglücken könnte, wenn sie sich nicht dnilÄ it."r e vaBOn versprechen können, wenn sie sich möglichen Interessen durch die Bekanntiverduitg der neue» Wahr- �fetl Was kümmern sich die Beaniten um die '0 lange sie nur ihr Rädchen an der Staats- maschinc drehen dürfen, aus welcher ihre GeHalle hcrauspurzeln? Was kümmern sich die siommen Männer Gottes um die göttliche Wahr- r; r* � lmb ja die Segnungen des Jrrthums! Was kummern sich behäbige Bourgeois um die Wahrheiten eines aus- gehungerten, ausgenutzten, geknechteten und gedruckten Volks? Sie yaven ia nrtK WrtmlPrttiim•• a ,' O-'�vv�lClCU iino haben ja das Prwilegmm der Zaullenzerei! O diese„Humanität" unserer Zelt! Unsere heutigen Menschen sind ja so„human," daß sie sich zu Hündertiausenden, ohne zu wissen warum, wie die wildesten Bestien abwürgen und hinmorden! Die Menschen sind jetzi so„human", daß sie ruhig ihre Brüder verhungern sehen, während sie selbst ini lustigen Daum«! schwelgen und prassen; ' sie sind so„human", daß sie noch immer, wie im Mittelalter, die eifrigsten und uneigennützigsten Berkünder und Bekenner der heiligsten ! Wahrheiten mit Kerker- und andern menschenschinderischen Straien *) Wir bitten den Verfasser um seine Adresse D. R belohnen. Ja, unsere Zeit, die heutige Menschheit ist so„human," daß sie die größten Wohlthäter des Volks straflos beschimpfen, be- schmutzen, verdächtigen, verhetzen und verfolgen darf. O, du„humanes" Jahrhundert, in welchem inan den einfachen Mörder wieder mordet, den tausendfachen aber belobt, belohnt und zu höchsten Ehren erhebt, in welchem man prioilegirte Todtschläger und Mörder dressirt gleich den Hunde» und sie mit bunten Lappen lind Orden behängt! O„humane" Zeit, in welcher sich Hunderte, ja Taujende, von Morgens früh bis Abends spät für den Geldsack eines Einzigen abmühen und abquälen, damit derselbe gutes Muthes sei und mehr habe, als tausend Jahre davon leben zu können, während sie selbst, die Armen, kauni dürstig Brot haben, dazu eine Wohnung, oft einem Stalle gleich, eine Ruhestätte von niedrigem Stroh, die Wände, statt der kostbaren Tapete ost mit Geschöpfen geziert, die den Gequälten und Geängstigten die kurze Ruhe aus hartem Lager ver- scheuchen. Wolltet ihr euch nur überzeugen von den haarsträubenden Ver- sältnissen und der traurigen Lage der arbeitenden Klasse; ginget ihr nur hin in die elenden, schmutzigen, finster» und feuchten Löcher, die man Wohnungen nennt, und überzeugtet ihr euch von der modernen Humanität, mit welcher man Die beehrt, Die so eigentlich in jeder Beziehung eure Wohlthäter sind. Was ist der Lohn, den ihr uns gewährt für unsere Arbeit, die euch reich macht? Alles was ihr zu eurer Bequemlichkeit braucht, gaben wir euch: eure Paläste mit den schönen Wohnungen kommen von uns; eure herrlichen Möbel ver- fertigten wir; eure reiche Kleidung, euern ganzen Schmuck wir: kurz, Alles was ihr zum Leben, zu euren großen, nie zu stillenden Bedürs- nissen beansprucht, kommt von uns! Wir sind nur dazu da, meint ihr, eure Bedürfnisse zu schaffen, gürfen aber dafür, daß wir euch Alles geben, nur so viel beanspruchen, als uns unser Leben kümmerlich zu sriftea und uns fortzupflanzen nothwendig ist! Wer aber hat die Verpflichtung, diesem nnserm Elend abzuhelfen? Wer kann uns schmachvoll Niedergedruckten ausrecht er- heben und uns ein menschlicheres, menschenwürdigeres Dasein ver- schaffen? Ihr seid freilich nicht hierzu verpflichtet, und wenn ihr es seid, so wollt ihr es nicht sein. Nun, so wollen wir es zunächst selbst sein. Was Andere vor unS erreicht haben, werdet auch wir erreichen. Wir dürfen nur ernstlich wollen. Sind wir aber willenlos und unthätig, hoffen wir nur immer von Anderen bessere Zustände für uns, ober von einem gütigen, günstigen Geschick unser Glück, dann sind wir besserer Zustände nicht werth! Wir müssen Die verachten lernen, die uns lehren wollen, daß ein gütiger, über den Wolken thronender Gott unser unabänder- tiches Schicksal leite und bestimme. Der Gott der Liebe, der unser Aller Vater sein soll, gab uns die Mittel und Wege, glücklich auf dieser Erde sein zu können. So lange wir aber von diesen göttlichen Gaben keinen Gebrauch machen, sind wir ihrer nicht werth; so lauge sind wir willenlose Werkzeuge Derer, die unsere Kräfte zu ihrem Vortheil ausbeuten. Wir dürfen nicht länger die Entschuldigungen und Prahlereien der moderneu Humauitätler gelten lassen, die uns so gern zeigen wollen, in wie weit sich unsere Zeit der Menschlichkeit und der Milde genähert habe; die uns zeigen wollen, daß sich unsere Verhältnisse seit 100 Jahren bedeutend gebessert hätten. Daß in unserer Zeit keine Scheiterhaufen mehr auflodern, um die Bekenner der Wahrheit grausam hinzumorden, wissen wir; wir wifseu aber auch, daß unsere Zeit mittelalterliche Zustänbe noch genug hat und daß die moralischen Folterkammern und Folterwerkzeuge noch lange nicht abgeschafft sind. So lange die Bekenner der Wahrheit noch verfolgt, verhetzt, ver- bannt und ins Gefingniß geworfen werden, so lange man noch, um eigennützige Zwecke Einzelner zu erreichen, Tausende Unschul- diger in gransapien.Kriegen hiumorhet und andere Tausende Un- schuldiger zu elenden Krüppeln macht, kann von Humanität keine Rede sein. Wenn die Gewaltigen und Mächtigen, zu welchen wir sie durch unsere Gutmüthigkeit erst machten, ihre eigennützigen Zwecke erreichen wollen, oder wenn die Interessen der Bevorzugten in Ge fahr sind, erhebt man von dieser Seile ein Geschrei, daß Alles in Gefahr sei: Unser Vaterland, unser König, nnsere Geldsäcke, unsere Paläste, Alles ist in Gefahr! Unser Vaterland? Unsere Geldsäcke? Unsere Paläste? � Wir haben keines von Alken; sollen wir aber euer Baterland, eure Geldsäcke, eure Paläste, alle eure Reichthümer und euer Leben schützen und vertheidigen mit nnserm Leben und unseren Kräften? Was habn wir dafür, wenn wir es gethan? Wenn wir nicht Krüppel sind— in welchem Falle uns ein kärgliches Almosen vor dem Verhungern schützt: harte Arbeit, ruhelos« Nächte, dürf- tig Brot, Geringschätzung, Bedrückung, Armen-, Arbeits- und Zuchthäuser!!— Oder sind wir Denen Dank schuldig, die durch Wohlthätigkeits- vereine und Institute unser Elend lindern wollen? Nein! wir müs- sen sie und ihre Bestrebüngen von uns weisen, so lange sie nicht mit uns Hand in Hand arbeiten an der Ausgabe, unserm Elende grtind- (ich und gän Zlich abzuhelfen. Wir müssen ihre Bestrebungen fitr unmoralisch erklären, indem wir dadurch nur erniedrigt und ander Entwicklung zum Bessern gehindert werben. T>as Elend der arbeitenden Klasse wird durch falscheHumanität verschlimmert. Almosen können unsere Lage nicht verbessern, sie können uns aber demoralisuen, indem durch derartige Unterstützungen das Proletariat vermehrt wird. Es steht fest, daß sich eine große Anzahl Almosenempsänger der Arbeit nach und nach gänzlich entwöhnen und nur von Almosen ihre En- stenz zu fristen suchen, da sie sich gewissermaßen berechtigt glauben, vom Ueberslusse Anderer zu leben, und so wird ein- für allemal die Bettelei begünstigt, so daß dieselbe von Jahr zu Jahr überhandnimmt. Da nun aber die Bettelei die größte Erniedrigung des Menschen ist, bin ich der Meinung, daß der«taat ganz andere Sorge zu tra- gen habe, um den Nothstand der Arbeiter aufzuheben, als für diesel den Armen- und Zuchthäuser zu bauen. Die Ursache des Bettelns und des Diebstahls liegt nicht in der Verderbnis; der Armen, wohl aber in der Verderbnis; und Verderb- lichkeit der staatlichen Einrichtungen. Die Bettelei und der Diebstahl ist begründet in den zur Zeit bestehenden Gesetzen. Der Staat hat die Verpflichtung, darauf zu sehen, daß es allen Staatsbürgern ohne Ausnahme möglichst wohl gehe. Er darf nicht diese oder jene Klasse der Staatsbürger begünstigen oder bevorzugen. Der Staat hat die Verpflichtung, dahin zu wirken, alle Klassenunterschiede aufhören zu lassen; er darf keine privilegirten Faullenzer dulden! Der Staat hat Sorge zu tragen, daß die Ausnutzung der Arbeiter unmöglich gemacht werde. Die Ausnutzung der Arbeiter ist allein die Ursache der Bettelei, des Diebstahls,' des Todtschlags. Sollen Bettelei, Diebstahl n. s. w. aufhören, so muß diese Ausnutzung, der schändlichste Diebstahl und millionenfache Todtschlag aushören. Freilich ist es leichter, einen durch die bestehenden Zustände herabgedrückten, ausgehungerten Sklaven des Kapitals ins Armen- oder Arbeitshaus zu stecken, ihn nothdürstig zu füttern, als ihn durch passende Einrichtungen zur Menschenwürde zu erheben; freilich ist es leicht, einen Unglücklichen ins Zuchthaus zu sperren, weil er nicht gutwillig verhungern wollte, weil er instinktiv nach Etwas griff, was seine Bedrängniß verdecken sollte und was ein Anderer vielleicht sehr gut entbehren konnte. Ist es ferner nicht erklärlich, daß das Bewußtsein des unverdien tcn Elends zu Haß und Verachtung Derjenigen führt, die an solchem Elende als Mitschuldige bezeichnet werden können? Ist es nicht er- klärlich, daß diese unglücklichen, ausaenutzteii, in den Schmutz getre- tenen Sklaven des Kapitals allen Gesetzen Hohn sprechen und Trotz bieten? Wer es empfinden kann, welch tief erniedrigendes, nieder- drückendes Gefühl es ist, vor den Thüren der Bevorzugten betteln zu müssen, der wird mir beistimmen, daß das Betteln den Menschen de- moralisirt, indem bei fortgesetzter Bettelei alles Ehrgesühl erlischt. Dürfep wir uns wundern, wenn schließlich aus Bettlern Diebe und Todtschläger hervorgehen? Denn Roth kennt kein Gebot! Darum treten wir nicht mehr bittend und bettelnd um unsere Menschenrechte vor die Staatsgewalt, wie Sklaven, sondern als freie Staatsbürger, forde r« d 1 ■ Deutsche„Sreizugigkeit". Wir haben in voriger Nummer den Nnserm Parteigenossen Ufert von der Gesängnißdiremon Hubertusburg mitgegebenen„Entbas- sungsschein und Paß" mitgetheilt, welcher bekanntlich die schwerste Beeinträchtigung des FreizügigkeitSgesetzes in sich schließt. Dies ist aber nichts im Vergleich zu der Auslegung des in Rede stehenden Gesetzes seitens des Stadtraths zu Chemnitz, derjenigen„deutschen Stadt", welche hinsichtlich der Kriegsbegeisierung und Siegesfeierlich- leiten hinter keiner andern zurückstand, erner Stadt, deren städtische Kollegien im Laufe des letzten Jahres wohl ein Dutzend Anerkennungs- und Glückwunsch-Adressen an Kaiser und Könige, an Feldherren, Diplomaten und Parlamente gerichtet haben, und natürlich vom tadel- losesten Liberalismus beseelt sind.— Wir lassen folgendes Telegramm und nachstehendes Schreiben selbst �reden: Chemnitz, 13. April. Liebknecht, Braustraße 11. Leipzig.— Polizei verweigert Aufenthalt. Brauche meinen Entlassungsschein.') Bitte erpreß abzuschicken. Adresse bekannt. Advokat Harnisch wirkt. Wilhelm Usert. II. Chemnitz, den 14. April. An den Redakteur des„Volksstaat", Herrn Liebknecht. Lieber Freund! Den, gestrigen Telegramm füge ich noch hinzu, daß die Maß- regelungen immer ärger werden. Wie ich Ihnen telegraphisch init- theilte, verweigert man mir hier meinen Aufenthalt. Ich begab mich gestern Nachmittag auf's hiesige Stadtpolizeiamt, um meine Ausent- hallskane zu holen. Der dienstthuende Beamte eröffnet mir:„Nach Rathsresolution ist Ihnen der Aufenthalt in Chemnitz nicht mehr ge- stattet." Auf mein Befragen, warum? und ob ich diesen Bescheid nicht schriftlich bekomme, entgegnet mir der Beamte:„Von mir aus nicht." Ich meldete mich hcemuf zum Stadtrath; der zweite war schon ans seiner Erpedition fortgegangen, ich kam somit vor den ersten Stadtrath, Herrn Geier. Ich wiederholte meine Fragen, in- dem ich bat, mir die Resolution schriftlich zu begründen. Doch er daß venn ...... We,. aus der Stadt zu bringen. Gehen Sie nach Würzen!"— So, meine Freunde, geht es mir; ich darf mich also nicht auf der Straße sehen lassen; ich muß mir gesallen lassen, daß man mich wie eine» Zigeuner behandelt; ich muß gewärtig sein, daß man mich mir nichts, dir nichts von der Straße wegnimmt, mich von Neuem einsperrt und nach Würzen transportirt. Auf Aurathen des Herrn Sur nie ister- Lyser ging ich zu einem Chemnitzer Rechtsanwalt, Herrn Advokat Harnisch, welcher ganz empört über solche Maßregelung war, und sagte:„Ich kenne kein Gesetz, welches das erlaubt." Er begab sich josort zu obengenanntem Stadtrath und zum Viecebürgermeister. Der Herr Stadtrath halte hier Herrn Harnisch gesagt:„Das Bundes- gejetz erlaubt es, daß bestraften Personen der Ausenthalt verweigert werde." Der Vicebürgermeister hat jedoch dem widersprochen und gesagt„das sei nicht möglich."........ Berlin. In zahlreich besuchter Versammlung beriethen am 2. d. M. die selbstständigen Stuhlardeiter Berlins(Weber und Wirker namentlich für Tücher-, Shawls- und Zeugsabrikanten) über die Verbesserung ihrer durch Abhängigkeit von den Fabrikanten höchst bedrückten Lage, wie gleichzeitig derjenigen ihrer Gesellen. Haupt- sächlich drückt sie, daß die den Meistern gezahlten Löhne nur die Ver- gütung sür die Hauptarbeit in sich begreifen, die Besorgung der oft sehr zeitraubenden, anstrengenden, ja sogar eigene Auslagen verursachenden Nebenarbeiten des Spulens, Kettenandrehens, Atlasumziehens, Leimens :c. aber gratis verlangt wird. Die Meister dagegen können solche un- bezahlte Arbeit ihren Gesellen nicht auserlegen. Die Folge ist, daß Frauen und Kinder von früh bis spät tagtäglich mit diesen Arbeiten gequält, die Kinder deSbalb sogar oft aus der Schule behalten werden müssen, wenn der Meister nicht die bei dem kargen Lohne und den für Webcräume doppelt hohen Miethen für ihn unerschwinglichen Kosten für Annahme eigens bezahlter Hilfsarbeiter aus sich laden will. UcberdieS benimmt dieser Zustand den Meistern die Möglichkeit einer Lohnerhöhung sür die Gesellen. Nach Erörterung dieser Uebelstände wurde beschlossen, daß die Meisterschaft durch ein Komitö unter Vorsitz des Herrn Rönigk sämmtlichen Fabrikanten eine Denkschrift überreichen soll, in welcher folgende Löhnerhöhungen verlangt werden: für Spulen pro Sv Strähne 6 bis 7'/, Sgr., für Kettenandrehen pro erste 10 Gang 2'/- Sgr.. jede folgenden 10 Gang 1'/, Sgr., für Atlasumziehen pro ersten Gang 5 Sgr., die folgenden je 2'/- Sgr.; für Leimen Ersatz der Auslagen ic. — Die Verhandlung mit den Fabrikanten soll so zeitig eingeleitet wer- den, daß sich dieselben aus der bevorstehenden Messe noch mit ihren Kom- mittenten barüber ins Einvernehmen setzen können, und um allen Theilen gerecht zu werden, will man von dem erlangten Mehrlohn nur etwa ein Drittel für die Meister beanspruche», die übrigen zwei Drittel aber den Gesellen zuwenden. Breslau, den 6. April. Es würde eine Rücksichtslosigkeit gegen die ganze Partei sein, wenn auch trotz augenblicklich ungünstiger Zeit- Verhältnisse nach langer Zeit des Stillschweigens wir in demselben ferner noch verharren wollten. Die hiesigen Parteigenossen haben geglaubt, bei Gelegenheit der Reichstagswahlen thun zu müssen, was in ihren Kräften stand. Zum ersten Male haben wir mitten im all- gemeinen Siegestaumel, der namentlich hier in herrlichster Blüthe prangte, für unser Prinzip Heerschau gehalten,— und so traurig und kläglich das Resultat auch ist, so rechtfertigt es doch gewiß nicht die Muthlosigkeit und Erschlaffung, welche sich in Folge dessen der meisten sonst thätigen und auch begabte» Parteigenossen bemächtigt hat.„Nach 3jähriger iinermüdlicher agitatorischer Thätigkeit hätten wir wohl aus die dreifache Stimmenanzahl für unsere Parteigenosse» Bebel und Bracke, welche zu Kandidaten aufgestellt waren, nechnen dürfen." „Die Hoffnung, jemals die Arbeiter Breslau's für unsere Prinzipien zu begeistern, ist eine vergebliche."„Dieses olk, daslsogenannte Dentervolk — ist es werth, daß man sich sür dasselbe ausopscrt?" Diese Worte sind nicht selten zu hören— und der kleine Rest hiesiger Parteige- nossen trifft alle Anstalte», unter Acceptirung des schönen Liedes „Jesus meine Zuversicht" ein Cliquendasein zu führen und im Schmollwinkel sich zu begraben.—, „Schau vor wärts! und nicht hinter dich!" rief die hochherzige Stausjacherin ihrem Manne zu. Eine Schande, großer als es wohl keine für Sozialisten geben kann, würde es sein, wollten wir, die Partei der Zukunft, in Folge einer oder auch mehrerer Niederlagen über „diese böse arge Welt" m Thränen ausbrechen und die lokale Agitation ausgeben. Die neueste» Ereignisse, das Wiederaustreten unserer Ver- hafteten auf dem Schauplatz der Thätigkeit, ebenso qnt als die traurigen Erfahrungen der Vergangenheit müssen uns ein Sporn sei», die Agi- tation von Neuem und unter Vermeidung der alten Fehler wieder auszunehmen.— Thatsache ist es zwar, daß wir hier sortwährend mit großen lokalen Schwierigkcitenlzu kämpfen haben, welche sich während der Kriegsperiode noch vermehrt haben, aber einen Entschuldigungsgrund, dag unsere Agitation deshalb nutzlos sei, bieten sie nicht. Breslau, die Vater- stadt Lassalle's, des hervorragendsten deutschen Agitators, darf sich in Anbetracht der Anstrenguiigen, welche gemacht worden sind, den Prin- zipien der Sozialdemokratie Eingang zu verschassen, nicht das Arninths- zeugniß ausstellen, unsere Sache sei hier eine verlorne. Roch weniger ist der Einwand am Platze, die bisherigen Agitatoren hätten sich hier überlebt, und seien gleich alten Möbeln werthlos geworden. Wo soll deiui der neue Nachivuchsjherkommen, wen» die alten nicht mit gutem Beispiel rastloser Thätigkeit voraumarschiren?— Unsere Partei, auf den Bode» ihrer Prinzipien fußend, muß das Bild einer ewig jungen veranschaulichen.— Voll Zuversicht, das diese einfachen kurze» Worte den gesunkenen Mnth der Mehrzahl der hiesigen Parteigenossen neu beleben werden, schließe ich mit dem Dichterwört: „Nur der verdient sich Freiheit und das Leben, � „Der täglich sie erobern muß!» I. S. Seide, 7. April. Parteigenossen! Der Kriegszustand Hai unS lange von Euch, wenigstens von unserm Orgatz, getrennt. Da erste- rer nun aufgehoben, so haben wir den„Volksstaat" wieder bestellt; inzwischen haben wir den„Proletarier" gelesen.— Ihr wißt, daß hier, uns an Zahl überlegen, Schweitzeraner organisirt sind, die bei der Reichstagswahl einen der Ihrigen(Georg Winter aus Altona) als Wahlkandidaten ausstellten. Wir haben natürlich mit den Schweiße- rianern gemeinschaftlich für den Wahlkandidaten agitirt und auch den ) Wir hatten uns das merkwürdige Aktenstück auf kurze Zeit ausgebeten, um es, durch Abdruck im„Volksstaat", der Vergessenheit -Hi entreißen. sD. R Umständen nach kein schlechtes Resultat erzielt, da unser Kandidat weil über ein Drittel der abgegebenen Stimmen erhielt,— mehr als wir erwarteten. Denn erstlich haben wir hier kein großes Proletariat und dann war Winter keine Persönlichkeit, um erfolgreich unter den reinen Demokraten und Particularistcn sich Anhang zu verschassen. Die Wahlbewegung hat selbstverständlich unsere Prinzipien in weitere Kreise getragen und Anfänge zu neuen Organisationen sind namentlich in Lunden, Wesselburen und Tönning gemacht, die aber wo möglich von unfern Schweitzerianem angegangen werden, um sie auszubeuten. Jndeß, wir haben auch Fühiung mit den intelli- gentesten der dortigen Leute. Vor etwa 3 Monaten wurden nach Dresden an Dr. Walster 5 Thaler als Parteibetrag von hier gesandt. Unser Häuflein �ist indessen sehr klein, wir pflegen aber gute Freundschaft mit den Schwei- verianern und halten mitunter Volksversammlungen gemeinschaftlich ab. Nächste Woche wird Winter hier wieder eintresien und dann auch Wesselburen, Lunden und Tönning besuchen und Volksversammlungen abhalten. Limbach, 20. März. Einige Wahlumtriebe nachträglich! In Mittelfrohna bat der Rittergutsbesitzer v. Wiluki jun. im Wahl- lokal, am Wahltrsch, seinen Arbeitern gedruckte Stimmzettel für Dr. Biedermann gegeben. Namhaft zu machen ist hierfür Gottlob Heilmann, Pastor. Dabei hat besagter Wiluki Jedem ein Töpfchen Bier ver- abreicht. In Obers rohna und Äändler sind nicht, wie bei der ersten Wahl, unbeschriebene Zettel ausgegeben worden, sondern blos gedruckte für Dr. Biedermann, in Käudler sogar durch de» Gemeindediener. In Wüstenbrand hat man nach der Mittagsstunde, nachdem es den Anschein gewann, daß viele Stimmen für Spier eingingen, die Wähler des Herrn Biedermann durch die Polizei holen lassen! Meerailt, 12. April.(Die Weberoersammlung; glänzen- der Verlauf.) Die in Nr. 30 des„Volksstaat" angezeigte Weber- Versammlung fand beute Abend 8 Uhr ohne irgend weiches Hinder- niß statt. Eine starke Strömung von Theilnehme�n machte sich schon einige Stuitden vor Eröffnung der Versammlung bemerkbar, so daß beitn Beginn derselben der große Saal von Härtests Hotel Kopf an Kopf gefüllt war; es mochten wohl ca. 3000 Personen anwesend sein und zu Hunderte» mußten die Leute wieder umkehren, da sie nicht im Stande waren, in den Saal einzudringen. Es zeigte dieser Umstand recht tlar und deutlich, wie sehr die große Lebensfrage,„Besprechung der Lohnverhältnisse," die Gemüther interessirte. Das mit der Leitung der Angelegenheit betraute provisorische Ko- mitee eröffnete durch dessen Vorsitzenden die Versammlung. Nachdem sich letztere einen Tagespräsidenten gewählt hatte, ging derselbe aus die Tagesordnung:„die Lohnfrage" ein und unterbreitete der Versamm- lung einen vom provisorischen Komitee gefaßten Beschluß, dahingehend: „Die heutige Weberversammlung möge angesichts der in keiner Weise den jetzigen Lebensverhältnissen entsprechenden Lohnverhältnisse eine Kommission von 2t Mann wählen, welche, als Männer von Vertrauen und Energie, und beseelt von gutem Willen, die große Aufgabe in die Hand nehmen und mit den Fabrikanten und Arbeitgebern in Verbindung treten sollen, um so auf gütlichem und friedlichem Wege ein günstiges Resultat für den Arbeiter-, resp. für den Weberstaud zu erzielen."— Dieser Beschluß wurde fast eii.stimmig von der unübersehbaren Menschen- masse angenommen und somit dokumentirl, daß der Arbeiterstand sich seiner selbst bewußt ist, und dem Arbeitgeber den Weg zeigt, um mit ihm, falls er uur den guten Willen hat, ein gutes Theil der sozialen Frage zu lösen. Mögen sich alle Orte deutscher Wcberindustrie auf- raffen, sei es Stadt oder Dorf, um auf Seite der Arbeiter, geeinigt und geschlossen, schleunigst vorzugehen! Die Versammlung verlies, der Sache angemessen, ganz würdig und in bester Ordnung und wurde um 10 Uhr durch den Vorsitzenden ge- schloffen. Das ncugewählte Komitee nahm sofort seine Thätigkeit auf, und hat dasselbe in Bälde weitere Versammlungenanzuordnen, sowie auch i» der Presse von seiner Thätigkeit und den erzielten Resultaten Bericht zu erstalten. Es sind alle Anwesenden, sowie auch die Presse ersucht wor- den, jede Gelegenheit zu schnellster Verbreitung der obigen Nachrichtm zu ergreife». Meerane, 0. April. Gebet der Wittwe, was der Wittwe ist und dem Bürgermeister, was des Bürgermeisters ist! Das heißt, der Wittwe, die von Kommunalabgaben noch verschont geblieben war, einen Abgabenzettel von 20 Ngr., und dem Bürgermeister eine Ge- Haltszulage von U00 Thlr. Es ist schon vor einiger Zeit im„Volksstaat" bekannt gemacht worden, daß unser vorjähriges Stadtverordneten-Collegium bei seinem Scheiden dem Bürgermeister sowie auch verschiedenen andern Beamten bedeutende Gehaltszulagen bewilligte. Nun, dagegen läßt sich Nichts sagen, denn wo Etwas einkommt, muß auch Etwas ausgehen, aber wo Etwas aufgeht, muß auch Etwas einkommen. Bei dieser Frage denkt Mancher i Ja, wo denn hernehmen und nicht stehlen? Unsere Väter der Stadt scheinen darüber nicht in Verlegenheit gekommen zu sein; sie hatten ja noch Kinder, die keine Steuern zahlten und diese mußten jetzt herhalten. Wie wären denn die Fabrik- und Comptoir- mädchen auch dazu gekommen, keine Steuern zahlen zu dürfen? Sie haben ja noch einen schönen Lohn von 1 Thlr. 5 Ngr. bis— jedoch in den seltensten Fällen— 2 Thlr. wöchentlich, gehen noch anständig gekleidet, manche auch wohl einmal zu Balle; diese konnten doch un'- möglich verschont bleiben. 20 Rar., sagten die Väter, ist nicht zu viel; her damit! Und wer sie nicht gutwillig giebt, gegen den werden Zwangsmaßregeln ergriffen, wenn es auch eine Wittwe ist, die noch Kinder zu ernähren hat und eher einer Unterstützung bedürftig wäre; geben muß sie; es wird ja gebraucht sür die Beamten, die bei 600 und 1200 Thlr. nicht mehr auskommen können. Doch lassen wir die Tobten ruh»! Wir wollen nichts dagegen haben, wenn sich Hilst, wer sich zu Helsen weiß; aber nicht blos wünschenswerth, auch höchst nolhwendig wäre es, wenn daraus Bedacht genommen würde, daß Denjenigen, die die Steuern zu bezahlen haben, auch besserer Lohn verschafft würde. Hoffentlich— fügt es Gott! All die Vorstände und Mitglieder der internationalen Gewerkschaften. Bereits im vorigen Jahre wurde auf dem Stuttgarter Kongreß eine Resolution gesaßt, durch welche den verschiedenen Gewerk- schaftcn empfohlen wurde, unbeschadet ihrer Selbstständigkeit, in ein gewisses Vertragsverhältniß zur gegenseitigen Krästignng und Unterstützung zusammenzutreten. So richtig dieser Vorschlag nun auch war, die praktische Durchführung mußte aus verschiedenen Gründen bis jetzt unterbleiben, weil es eben zur Realisirung dieses Vorschlags an den nothwendig autorisirten Personen fehlte, und auch weil der kurz nachher über uns hereingebrochene Krieg den Versuch, in dieser Richtung organisatorisch vorzugehen, von vornherein unmöglich machte. Jetzt, nachdem mindestens das letztere Hinderniß als beseit-gt angesehen werden muh, scheint es mir an der Zeit, in dieser Beziehung praktisch vorzugehen.— Bor allem Andern ist es nolhwendig, wenn überhaupt eine solche Vereinigung zu Stande kommen soll, daß die verschiedenen Gewerkschaften sich unter einander über die Basis einer solchen Ver- einigung verständigen und demgemäß eine bestimmte Organisation schaffen, die die einzelnen Körperschaften verbindet, und, ohne deren Selbstständigkeit in eigenen Verwaltungssachen aufzuheben, doch die Möglichkeit bietet, seldstthätig vorzugehen. Ein bloßer Cartelvertrag, etwa nur dazu errichtet, um den Kontrahenten die Kassenbestände Oer verschiedenen Gewerkskassen zur Verfügung zu stellen, wäre ebensowenig genügend, als eS anderseits verkehrt sein würde, jetzt alle Gewerk- schasten in einen Topf zu werfen, um einen Gewerkschaftsbrei h la Schweitzer daraus zu machen. Ebenso aber haben wir im verflossenen Jahre sattsam Gelegenheit gehabt, zu beobachten, wohin es führt, wenn in einer Stadt jede ivinzige MUgliedschasr in absolutester Unabhängigkeit von der womöglich noch kleineren Mitgliedschaft einer andern Ge- werkschast ihre eigenen Wege geht. Durch das vollständige Jsolirtsein der Gewerkschasten ist es nun eben dahin gekonimen, daß wohl keine derselben im Stande sein wird, selbständig eine Generalversammlung abhalten zu können, und aus diesem Umstände ist recht deutlich zu er- sehen, wie nothwendig ein geregeltes gemeinsames Zusammengehen und Zusammenwirken ist.— Wie aber dazu gelangen? das ist natürlich eine Frage von höchster Wichtigkeit. Und da wäret, denn, wenn wir den Umstand ins Auge fassen, daß wohl keine Gewerkschaft dies Jahr eine Generalversammlung abhalten wird, die außerdem auch noch laut Statut»u sehr verschiedenen Zeiten stattfinden würden, nur zwei Wege offen. Der eine Weg wäre, durch schriftlichen Verkehr der verschiedenen Verwaltungen untereinander eine Verständigung über Basis und Satzungen einer solchen Vereinigung zu erzielen. Der andere, daß Bevollmächtigte der verschiedmen Gewerkschaften mündlich darüber berathen. Unzweifelhaft dürfte freilich letzterer Weg der geradeste, am ehesten zum Ziele führende sein, und da doch zu Pfingsten der Parteikongreß in Dresden tagen wird, so erlaube ich mir, nachstehenden Vorschlag einer eingehenden besondern Beachtung angelegentlichst zu empfehlen: „Jede Gewerkschaft, resp. der Vorstand jeder Gewerkschaft(wo er- sieres unmöglich sein sollte), beauftragt und bevollmächtigt Jemanden aus ihrer Mitte, zur Zeit des Parteikongresses in Dresden, gemein- schaftlich mit den Bevollmächtigten der andern Gewerkschaften über Nüttel und Wege zu berathen, wie eine Vereinigung der verschie- denen Gewerkschaften, resp. Gründung einer„Gewerks-Union" am ehesten zu bewirken ist, und verpflichtet sich, später in jeder Weise für das Zustandekommen einer solchen Verbindung thätig zu sein. Harburg, 14. April 1871. Theod. Jork. Briefkasten der Expedition: B. in Hannover: Die Buchhändlereremplare gehen jeden Dienstag und Freitag Nachmittag pünktlich von uns ab, wir sind also an der Verzögerung unschuldig.— Dr. Ioh. Jacoby in Königsberg i. Pr.: 3 Thlr. für„Volksstaat" empfangen.— M. Berlin: 6 Thlr. 4Ngr. durch F. erhalten.— Intern. Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter-Gewerksgenossenschaft, Vorort Crimmitschau: 30 Thlr. freiwilligen Beitrag fürs Parteiorgan erhalten.— Durch L. in Leipzig von-l. i» London 40 Thlr. für„Volksstaat" empfangen.— B.Heide: Ist an die bez. Adresse abgeg. Sch. Dresden: 12 Thlr. und Packet erh. T. München: erhalten. der Redaktion. A. G. in Frankenberg. Besorgt. K. M. in Z. b. Ronsdorf: die Adresse ist: I. Motteler, Vorsteher der Manufak- tur- Fabrik- und Handarbeiter-Gewerkschaft, Crimmitschau, Sachsen. F. F. in Waldenburg, Sachsen: Austritt aus der Kirche bedingt Abmeldung bei dem zuständigen Pfarramt, weiter Anmeldung beim Bezirksamt, Be- zirksgericht, Stadtgericht sc. je nachdem. Eltern haben freie Verfügung über ihre Kinder. Kostenpunkt, soviel uns bekannt, Abmeldung ä Person 10 Ngr., ebenso Anmeldung beim Gericht, wenn nicht das Armenrecht geltend gemacht wird. Ter AboiliiciltcnstnnS ScS„Bolksstaat". Im Abonnentenverzeichniß Nr. 26 d. Bl. ist Zwickau mit 125 Exemplaren aufgeführt. Es sei bemerkt, daß hiervon 43 nach Wilkau be: Zwickau kommen. Münchenbernsdorf>var ebenfalls in der Liste vergessen.__ Anfrage. Nennt man das auch Liebesgaben? Als am letztoergangenen Sonntage die heimkehrenden sächsischen Landwehrleute aus dem hiesigen Dresdner Bahnhofe ein Mittagessen erhielten, wurden ihnen sür das- selbe 7 Ngr. 3 Pf. von ihrer Löhnung abgezogen. Auch wurden sie in Dresden nur in Masscnquartiere gelegt, und erhielten für den Tag, an welchem ihre Entlassung erfolgte, keine Löhnung. Man hört im Allgemeinen über Liebesgabe» sehr viel Klagen. Wer trägt daran die Schuld?_ Für Chemnitz. NächstenSonnabend den 22. April Abends 6 Uhr im Saale zur Stadt London groszcr Arbeiterball"tir* zu Ehren unsrer inhastirt gewesenen Parteigenossen. Alle Freunde von Nah und Fern sind hierzu freundlichst eingeladen. Entrö 6 Ngr.__ Tos Komitee. Für Hamburg. Sozialdemokratischer Arbeiterverein. Versammlung am Sonnabend, den 22. April, Abends 9 Uhr, bei Eberhahn, Zeughansmarkt 31. Tagesordnung: Sozialpolitischer Wochenbericht. Der Normalar- beitstag. Gäste haben Zutritt._ Geib. Für Leipüg. Sozialdemokratischer Arbeiterverein. Donnerstag, den 20. Aprii, Abends 8 Uhr: Versammlung im Saale der„goldenen Säge", Ecke der Dresdener- u. Langenstraße. Tagesordnung: Sozialpolitischer Wochenbericht(Ref. Eismann.)— Der Rormalarbeitstag(Res. Hepner.) Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Gäste sind willkommen. Telegraphische Depesche. Merrane, 17. April,<» Uhr ZOM. Abds. Heute haben in(S- F. SchmiederS Fabrik»00 Arbeiter die Arbeit einge- stellt. Stolle. Schlutz der polttifche« Uebersicht. Aus dem Werdauer Amtsbezirk(Sachsen), wird dem „Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreund" unterm 12. April geschrieben:„Der Siegesjubel unserer kaiserlichen Biedermänner ist verrauscht und eine ganz andere Physiognomie hat ein Theil der Siegestrunkenen angenommen. Ein Fallissement nach dem andern schreckt sie aus ihrem Rausche auf, die nackte Wirklichkeit steht vor ihnen. Heute geht die Kunde, daß ein bei dein(Sieges-)Festzuge hoch zu Roß mit stolzer Miene einherstolzi- render ebenfalls auf schwachen Füßen stehe. Jetzt ist es� natürlich der Krieg, der daran Schuld ist, trotzdem die Herren im September um Fortsetzung des Krieges petitionirten. Leider werden da- durch viele kleine Geschäftsleute und Arbeiter hart betroffen, denn nicht genug, daß unsere Prozent- Patrioten bei voller Arbeitszeit während des Krieges Lohnabzüge machten, hat Herr A. Schmelzer es nicht verschmäht, mit dem sauer verdienten Lohne seiner Arbeiter durchzubrennen, um sein Heil wahrscheinlich in einer diesen Leuten so verhaßten Republik zu suchen. Biele Arbeiter trifft dabei ein harter Schlag, da jeder 10— 20 Thlr. rückständigen Arbeitslohn verliert und, wie die Aussichten sind, wohl auch so bald keine passende Stelle finden wird."— Die Pariser Vorgänge haben der B ismarck'sche» Politik einen bösen Strich durch die Rechnung gemacht, namentlich auch durch die„Fünf Milliarden". Selbst der zweifelsohneste Nationalliberale merkt nun, daß die„glänzende und beispiellose Kriegsentschädigung" vorläufig dem Reich der frommen Wünsche angehört, das, gleich der"Gemülhtichkeit", für Finanzminister und andere Geldmänner nicht existirt- und wir können uns also nicht darüber wundern, daß die deutsche Einheit, die be- kanntlich viel neue Kanonen, Kasernen, Hinterlader und sonstige ruhmvolle, aber theuere Artikel dieser Art braucht, sich wieder in schlimmer Geldklemme befindet, und— nur die Lumpe sind bescheiden— gleich mit einer Krevitforderung von 120, schreibe hundert und zwanzig Millionen Thaler an den„Reichstag" tritt.— Professor Biedermann schreibt seinem Blatt aus Berlin (6. ä. 4. April):„Auch hier(bezüglich der Sonnemann'schen Anträge auf Einschmugglung einiger Bruchtheilchen der Grund- rechte) blieben die liberalen Parteien ihrem Grundsatz treu, selbst solche Anträge, denen sie sachlich zugeneigt waren, hier zurückzu- weisen, wo es sich eben nur um eine formelle Feststellung der Verfassung handelte." Also die V e r w e r f u n g liberaler Anträge, d. h. die Zurückweisung liberaler Grundsätze ist ein liberaler Grundsatz! Glücklicher hätte Hr. Biedermann den Liberalismus nicht kennzeichnen und nä adsuränin führen können!— Die zur Generalversammlung des Hirsch'schen Gewerk- Vereins der deutschen Maschinenbau- und Metallarbeiter in Berlin anwesenden Delegirten haben auf Antrag der Herren Andreak(Berlin) und Müller(Pforzheim) folgende Petition an den Reichstag erlassen: „Der Gesetzentwurf, betreffend die V e rb i» d li ch k e i t zum Schadenersatz für die bei dem Betriebe von Eisenbahnen, Bergwerken>r st w. herbeigesührten Tödtungen und Körperverletzungen, welcher dem hohen Reichstag gegenwärtig vorliegt, genügt, ausgenommen bei den Eisen- bahnen, weder den Anforderungen der Gerechtigkeit, noch den dringendsten Bedürfnissen des Schutzes sür Leben und Gesundheit der Arbeiter und des Publikums im All- gemeinen. „Die Unterzeichneten, gewählte Delegirte der Ottsvereine der Maschinenbau- und Metallarbeiter aus den verschiedensten Theilen des deutschen Reiches, richten daher an den Hohen Deutschen Reichstag, als den Vertreter aller berechtigten Volks-Jnteressen, das dringende Gesuch: .,1) Die Hastpflicht für Leben und Gesundheit auf sämmtliche Be- triebs-Unternehmer, einschließlich derjenigen der Hüttenwerke, der Dampf-- schisse und Posten und der Landwirthschaft auszudehnen; „2) Die Fassung des Gesetzentwurfs betreffs der Eisenbahnen (§ 1) gleichlautenv für die Unternehmer von Bergwerken, Steinbrüchen, Gräbereien und Fabriken, event. für alle übrigen Unternehmer gelten zu lassen, so daß nur der vom Unternehmer geführte Beweis der eigenen Schuld der Beschädigten oder einer höheren Gewalt den Unternehmer vor seiner Verbindlichkeit zum vollen Schadenersatz befreien kann. „Ohne diese Bestimmung würde unserer festen Ueberzeugung nach die Verbindlichkeit der Unternebmer in Bergwerken und Fabriken rein illusorisch sein, und damit auch der Antrieb wegsallen, die immer zahlreicher werdenden Unglückssälle durch äußerste Vorsicht zu v e r h ü t e n." Berlin, 11. April 1871.(Folgen die Unterschriften.) In den„liberalen" Blättern grassirt seit einigen Wochen eine förmlicheDöllinger-Kultus-Epidemie. Daß ein be- rühmtes katholisches Kirchenlicht es gewagt hat, gegen das päpst- liche Unfehlbarkeitsdogma zu protestiren und sich der Gefahr der Exkommunikation auszusetzen— das ist in unserm„aufgeklärten" Zeitalter schon genug, um als ein epochemachendes Er- eigniß wochenlang in den größten Blättern aufs Eingehendste besprochen und gefeiert zu werden, und hinreichend, um den Ur- Heber dieser(eine außergewöhnliche Sensation erregenden) Affaire zum Apostel und Märtyrer der Aufklärung und Freiheil zu stempeln Dieser Döllinger- Kultus, der jetzt in ganz Deusschland spukt, hat auch für uns ein gewichtiges Interesse, nämlich das eines Gradmessers der politischen Bildung Vor ungefähr 25 Jahren war Döllinger nämlich schon dasselbe Mün- chener Kirchenlicht, wie heute, und Heine hat damals im„Ex- Nachtwächter"(im zweiten Theil des„Romanzero") folgendes Urtheil über ihn gefällt: „Apropos! Der crzinsame Pfaffe Dollingerius— Das ist ungefähr sein Name— Lebt er noch am Jsarstuß? „Dieser bleibt mir unvergeßlich! Bei dem reinen Sonnenlicht! Niemals schaut' ich solch ein häßlich Armensünderangesicht. „Sah ihn am Charfreitag wallen In dein Zug der Prozession, Von den dunklen Männern allen Wohl die dunkelste Person. „Ja, Manacho Monachorum*) Ist in unsrer Zeit der Sip Der Virorum obsturorum,**) Die verherrlicht Huttens Witz." Döllinger hat sich seitdem nicht geändert, aber in der Ge- hirnkammer des„Volks der Denker" ist es so düster geworden, daß das trübste Licht, von dem man damals nur den qualmen- den Rauch sah, jetzt als glänzender Stern erscheint. Es bedarf der Nacht, um den faulen Weidenstamm phosphoresziren zu sehen.— Mittlerweile nimmt die Orientalische Frage wieder einen gefährlichen Charakter an: in Rumänien ist Alles zum Losbruch bereit, und die offiziöse Russische Presse führt gegen Oesterreich eine Sprache von heftigster Feindseligkeit. Daß man in Wien die Situation für sehr ernst ansieht, erhellt aus dem Hals über Kopf erfolgten Abschluß des„Ausgleichs init den Polen."_ Parteigenosse Moser aus Graz, welcher in Folge der siebenmonatlichen Untersuchungshaft die Schwindsucht bekam, ist in voriger Woche nach längerem Leiden gestorben. Die Amnestie traf ihn erst, als er bereits von den Aerzten anfge- geben war.'Nach dem armen Krosch ist Moser der zweite Sozialvemokrat, den die österreichische Regierung innerhalb eines Jahres auf der„trocknen Guillotine" sterben ließ. Nr. 29 des„Bolksstaat" ist am 15. d. M. auf Befehl des Staatsanwalts konfiszirt worden. Warum? wissen wir noch nicht; aber die„Deutsche Allgemeine Zeitung," welche schon einige Stunden nach der Konfiskation das„Evangelium" in des Wortes eigenster Bedeutung— d. h.„die frohe Bot- schaft" verkündete, gab als Grund an:„Beleidigung des Kai- fers von Deutschland." Seit Anfang dieses Quartals erscheint in Dresden der „Dresdner Volksbote, Organ für die Interessen des gesammten Volks. Herausgegeben vom ständigen Ausschuß von Vertrauens- männern der Ardeiter- Corporattonen und Vereine in Dresden und Umgegend. Hauptrcdacteur: Aug. Otto-Walster. Motto: Gerechtigkeit für Alle!" Wir wünschen dem Unternehmen vas beste Gedeihe». Auch in Braunschweig beabsichtigen un- sere Parteigenossen die Gründung eines Blattes.'Nichts kann der sozialdemokratischen Propaganda förderlicher sein, als eine gesunde Lokalpresse.— Unser Chemnitzer Lokalorgan, die „Chemnitzer Freie Presse", hat leider eingestellt werden müssen. Jndeß ist die Absicht und Aussicht vorhanden, dieses Blatt, welches die Prinzipien der Sozialdemokratie so tüchtig vertreten hat. in sstwas veränderter Form und den örtlichen Verhältnissen mehr angepaßt, wieder erscheinen zu lassen. *) München; zugleich eine Anipieluag aus die Verwandtschaft dieses Namens mit dem griechischen„Mönaellov", aus dem unser„Mönchs" entstanden ist. **) Deutsch: Dunkelmänner. Ulrich von Hutten gab die beruhm- ten(im Küchenlatein gffchriebeneni„Dunkelmänner- Briese" heraus, welche die damaligen Anschauungen uich Disputationen der Theologen sehr witzig»nd tresjend persiflirten._ Leipzig: Verantw. Redakteur W. Liedrnechl(Redattlon: Braustr. li). Druck u. Verlag: F. Thiele.(Expedition: Peterstt. 13.)