M 34. Mittwoch, de« 36. April. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Mastanstalten und Buchhand- lungen deS In- und Auit- landet an. lsstr Leipzig nehmen Bestellungen an: Bebel, PeterSstraße 18, 5- Thiele, Emilienstraße 2, AbonnementSpreiS Für Preußen intl. Stempelsteuer 16 Rar, für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Agent für London A. Duenfing Foreign Bookseiler, Libra- rian and Newsagent, 8, Little Newport Street. Lei- Oester Square, W. C. Filialerpedition für die Verein Staaten: F. A.Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der soM-demokratischen Arbeiterpartei and der Internationalen GeVerksgenojsenschasten. An die Parteigenosse«: Die Redaktion theilt uns mit, daß die lokalen Vereins- und Versammlungsberichte bisweilen wieder in einem sür den Raum und die Äestimmung unseres Blattes»« umfänglichem Maße eingehen. Demgemäß erlauben wir uns, die Parteigenossen darauf aufmerksam zu machen, daß der„Volksstaat", als Central- hlatt der über ganz Deutichland verbreiteten Partei j sich nur zur Aufnahme solcher Lokalnachrichten eignet, welche ein allge- meines Interesse haben, Vereins- und Versammlungsnachrich- ten dagegen, die nur Alltägliches enthalten, in gedrängtester Kürze bringen muß. Von Wichtigkeit sind aber Agitationsbcrichte, welche sich auf einen längeren Zeitraum lind größere Ortsbezirkc erstrecken, somit den Parteigenossen einen summarischen Ueberblick über den Stand der Dinge gewähren. Daß die Polemik gegen die andern Arbeiterfrakrionen nach Möglichkeit zu vermeiden sei, ist einleuchtend, und bringen wir dies nur deshalb hier zur Erinne- ruilg der Parteigenosien, um wiederholt dem Wunsch nach Einigung aller Arbeiter Ausdruck zu geben.— Im Ucbrigen inachen wir darauf aufmerksam, daß der Stuttgarter Kongreß unsere Redaktion ermächtigt hat, unwichtige Vereins- und Versammliingsberichte zu kürzen. Le ipzia. Vrr provisorische Ausschusr Tic Lertraucnsmäuner der Partei iverden dringend ersucht, möglichst bald Berichte über die Parteilage(Zahl der Mitglieder, Kasienverhältnisse, Agitation u. s. w.) an uns einzusenden, behufs Berichterstattung an deit Kongreß. Möge Jeder seine Pflicht erfülleit! Per proo. �usschuk. Politische Uebersicht. Unsere Bourgeoispresse jubilirte vor ein paar Tagen llberdas den Parisern beiAsnieres und Reuilly abgewonnene Terrain, verschwieg aber, daß dieser Punkt der schwächste der Pariser Ver- iheidigungsstellung ist, daß es somit eine bedeutende militärische Leiliung genannt werden muß, wenn die Armee der Kommune den Einbruch der ifersoiller durch jene Lücke drei Wochen hin- durch zu verhindern gewußt und während dessen ruhig ihreOr- ganisation fortgesetzt und vollendet hat. Die neueste Lage ist nun die, daß die Föderirten die Versailler wieder aus'Reuilly und Asnieres hinausgeworfen haben. Das Programm der Kommune wird im„Journal offirziel" also entwickelt: „Die Kommune hat die Pflicht, zu bezeugen und festzustellen die Bestrebungen und Wünsch- der Bevölkerung von Paris, den Eharaerer der Bewegung vom 18. März festzustellen, welche von den Politikern von Versailles weder begriffen noch gekannt, vielmehr verleumdet wird. Roch einmal hat Paris gearbeiiet und gelitten für gaiu, Frankreich, dessen geistige, moralische, administrative lind wirthschaftliche Wiederge- burt, dessen Ruhm und Gedeihen es durch seine Kämpfe und Opser vorbereiiet. Was verlangt Paris? Es verlangt die Anerkennung und Befestigung der Republik, absolute, auf alle Ortschaften Fraukreichs ausgedehnle Gemeindc-Selbstverwaltuug. durch welche einer jeden Ge- meinde die Unversehrtheit ihrer Rechte und jedem Franzosen volle Aus- ubung seiner Fähigkeiien und Anlagen als Mensch, Bürger und Arbeiter zu- gesicheri würde. Die Komimme i nt kein anderes Ziel als das Recht auf. Gemeindeverwaltung, welches alle anderen ihr zustimmenden Ge-, Wonideii gleichmäßig genießen solle». Die der Kommune innewohnenden Rechte sind: Abstimmung über das Gemeinbebudget der Ausgaben und Einnahmen, Festsetzung und Beriheilung der direklen Steuern, lokaler tzelizeidienst und Unterricht, Verwaltung der Gemeindegüter, Anstellung S? ueraiilworUicheii Richter und Geniemdebeamien jedes Ranges durch ii s«°bcr Bewerbiing Mit der beständige» Besugniß der Kontrole und Absetzung, absolute Gewäbrleistunq der Freiheit der Person, des E�wisfens und der Arbeit, beständige Intervention der Bürger in die -?:�udeangelegenheiten durch freie Kundgebungen ihrer Ideen und � Berlheidigung ihrer Interessen; Kundgebungen, denen die Kommunc Garantien geben wird, die Koinmune, welche allein beaufiraat ist, die «eie und gerechte Ausführung des Rechte« der Versammlung und �kflenilichkeit zu üb-rwachen und zu sichern. Der Kommune steht "net die Organisation der städischen Vertheidigung und der National- gaide�zu, welche ihre Führer wählt und allein über die Auffechihaltung °er Ordnung in der Stadt wacht. Paris verlangt nicht« mehr unter i k c' �chu lokalen Garantien, unter der Bedingung, wohlverstanden, » der großen Ecntralverwaltuiig der Delegation der verbündeten Re- gierungen die Verwirklichung und Handhabung derselben Prinzipien wie- oerzunndeii, aber zu Gunsten seiner Autonomie und von seiner Aktions- I Gebrauch machend. Paris behält sich vor zu handeln, wie e« Ia 1 r-®ut befindet. Die Kommune will administrative und wirth- lchasiliche Reformen, welche die Bevölkerung fordert, sie will Institutionen, Eieh V'9"" n)äten' den Unterricht, die Produktion, den Umsatz und den da«(/ emn"|W" und zu verbreiten, sie will das Vermögen und dem verallgemeinen nach den'Nothwendigkeiten de« Moments, Lehren i!d' fccr Jnteressirten und den durch die Erfahrung gegebenen Pari««„,i n'tre Feinde täuschen sich oder täuschen das Land, wenn sie aufleaen en� i)em Rest des Landes seinen Willen oder seine Suprematie tat aeaei/s �1°�"' unl) die Diklatnr zu beanspruchen, welche ein Allen- w'i r» llonow Unabhängigkeit und Souveräneläl der anderen Kommunen relrfi*'äi,| hoben. Dutzende von Dörfern abzubrennen, sobald in ihren Mauern j oder in ihrer Umgebung sich französische Freischärler versteckt, galt als! gerechte Vergeltung, als nothwendiges Schreckmittel, war daher ganz s in der Ordnung oder ein unvermeidliches Kriegsübel; Kontributionen, Requisitionen, Beschießung von Städten?c.,— Alles vortrefflich-■ Mittel, um zum rühmlichen„deutschen" Erfolge, zum Zwecke zu ge- laugen; von den Franzosen verübt, wären es furchtbare Schande l thaten, Barbareien gewesen.") Jene einfachen politischen Rechte, die seit r 4l) Jahren wenigstens für das„konstitutionelle" Staalsleben gesordert| wurden, waren gut und heilsam, soweit die Bourgeoisie daran bethei- ligt; sobald aber die Pariser Arbeiter und Kleinbürger ihre Gemeinde- j rärhe, Adjunkten, Bürgermeister, ihre Nationalgarde-Chargen:c. selbst I wählen, keine tyrannische, von der Regierung(möge sie heißen wie sie wolle) kommandirte Besatzung wollen, seit sie nicht mehr Werkzeuge oder Sklaven seilt mögen, sind diese natürlichen Forderungen verdäch- tig, folglich zu verwerfen. W? Unsere Pvlizeitvirlhschaft! lsheiniiit;, 15. April. Die Maßregmmg Ufert« iß noch nicht zu Ende; wir lönncn heute eine Fortsetzung unserer Erzählung bringen. Ufert wurde bekanntlich in seinen Heimalbsorl Würzen gewiesen, wo er binnen eines Tages einzulresscn und sich zu melden hatte. Die- ser Vorschrift ist er— wie sein Diniissibns- Schern zeigt— nachgekommen. 4 Wochen ungefähr vor seiner Eitllasjuug wurde er gefragt: „wo er seinen Aufenthaltsort nehuieu wolle, weit die Gefängiiißdircklion erst dahin schreiben müsse, ob der bettessende Ort ihn auch annehme?" Ufert erklärte, sich wieder nach Ehem Nitz weubqn zu wollen. Wie er nun gehört, ist wirklich von der Gefängniß- Direktion uach Chemnitz geschrieben worden. Die Chemnitzer Bebörde hat daraus geantwortet, daß sie Uiert nicht wieder annehme. Das aber hat man Ufert weder in Hudertilsburg, noch in Würzen, w» er sich, um nach Leipzig, während der Feiertage nach Eileuburg, und nach den Feierlagen für immer nach Chemnitz zu gehen, abmeldete, gesagt. Er verreiste so-' mit sein Geld, kam den dritten Fe.ertag Abend« nach 10 Uhr in Cheimütz an, wo er von zahlreichen Ppcteigeuossen, trotz der späten Stunde auf das Herzlichste euipsangen wurde, ging den Donnerstag Mittag nach seiner Arbeit, welche er sofort wieder belam und am Freilag anfangen sollte. Das Äusweisuiigsdekret de« Stadtralh« ist bekannt. Erwähnt sei nur noch eine Aeußernug des(jähi lich 2200 Tchlr. Gehalt beziehenden) Herrn Stadtralh Geier:„Es ist ein gesähr- liches Jndividnuiii, er ist ein gefährlicher Agitator." Es gab keinen andern Ausweg, als daß Usert sich eine Logiskartc auf das benachbarte Bernsdors, welches wohl iu das Gerichtsaml Chemnitz, aber nicht unter die städtische Polizei gehört, ausstellen ließ, um den Ausgang der Sache abzuwarten. B eschwerde an die Kreisdirektio» ist erhoben,»nd sind wir auf das Resultal gespannt, welches wir seiner Zeil unseiit Lesern mittheilen weiden. Erfolgt ein abschlägiger Bescheid, wird Ufert sich noch an das Ministerium wenden. Die Chemnitzer Arbeiter sind über die Maßregelüng unseres Par- teigeiiossen ganz ezitriistet; sehr viele sagen, daS hätten sie von der Chemnitzer Polizei nicht erwartet! C deutsches Volk'.**) Eichlanbumwoben ziehst du heim, Du hast Dich brav geschlagen, Und fast jedweden zweiten Mann Hast du zu Grab gelragen. Gepflastert ist das Frankenreich Mit deutschen Ntal.uerteibern; Im weiland heiligen deutschen Reich Da weint ein Heer von Weibern. Eichlanbumwoben ziehst du heim, Hörst du die Jubellieder? AuS lausend Augen winken dir Bielfreud'ge Grüße nieder. O schöner Tag!— doch Abend wird'S Und langsain die Sterne sinken, Der Willkommsjubel ist verrauscht, Festkerzenstummet stinken. Die Wasse weg! daS Werkzeug her! Verspinnwebt liegt's in der Ecken; Du kannst nun für dein täglich Brod Die müden Glieder strecken. Du hast recht viel erkämpft, o Volt— Dem königlichen Schatze, Du hast den Kön'gea hergestellt Die schönste Lorbcet-Malratze. Du aber ruhst darauf nicht aus, Mußt. bei der Arbeit bleiben Und kannst du's nicht mehr, ei, so kannst— Du Leiertasten treiben. ) Der Hauptgrund liegt doch zweifellos in der Erkenntniß, daß die Bourgemswitthschaft in Deutschland, w e in Franlreich, nur noch unter dem Schutz des Säbeldespotismus in Sicherheit sortgetrieben werden kann. D. R. **( Man lese vnd höre nur das Geschiinpf über die den Pariser Sozialisten angelogenen, und selbst in den Lügenberichteii noch relativ sehr harmlosen Gewaltakte. D. R. ***) Aus dem Wiener„Floh"; vom Verfasser uns mitaelheitt. D. Red. Den vaterländ'schen Thören kannst, Jndeß sie„Sieg" drin feiern, Für ein paar Bettellreuzer du Die„Wacht am Rhein" vorleiern. Wohl auf und ab im deutschen Reich Giebt's Opsermuthgeflunter, Da sammeln sie viel Gut und Geld, Die deutschen Fürsten und Junker. Doch nicht um deinen Wunden, Volk, Heilpflaster auszustreichen, Und nicht um dir für deine Müh' Verdienten Dank zu reichen. Man kauft für Wilhelm einen Rock . Und eine neue Hose, Bielleicht kauft man vom Papst� auch- noch Für ihn die Tugendrose. Au dich denkt Niemand, armeZ Volk, Nur höchstens, wenn man voraussieht- „Die Sammlung ginge doch nicht gut", Dag man dir S' Hemde auszieht. Was ist dein Hemd gegen all' die Pracht Von neuen Kaiserlleidern, Die ihm die deutsche Fürstenschaft Zusammen jetzt will schneidern?! Du brauchst kein Hemd, man wird dafür Die Freiheit dir zugestehen, Die Freiheit, Volk, im deutschen Reich Auch baar'uß noch betteln zu gehen. Mitgliedschaft der Krankenkasse der„Internationalen Manufaktur--, Fabrik- und Handarbeiter-Gewerks- Genossenschaft"(Beiderlei Geschlechts.) Erimmitschau, den Ib. April. Heute wurde die erste Jahres- rechnung hiesiger Mitgliedschaft vorgelegt und ist deren Resultat in An- betracht des mißlichen Gründungsjahres als ein sehr günstiges zu verzeichnen. Während nämlich zu Beginn des Krieges die kaum aus- genommene Organisation hiesigen Ortes ihre Thätigkeit schon nach wenigen Lagen bis auf Weiteres einstellen mußte, da die Wirkung von Verdienstlvsigkeit und Furcht vor möglicher Arbeitslosigkeit die Mitglieder außer Standes setzte, ihre Verpflichtungen einzuhalten, und nachdem auch S Monate hindurch völliger Stillstan�d da- rin eingetreten war, ergab dennoch nach Wiederbelebung der Thätig- keit die Gesammteinnahme an Lagen b4 Thlr. 6 Sgr. Die Aus- lagen betrugen nur 13' Thlr. b Pf. und ist hiernach der baare Kassen- bestand hiesiger Mitgliedschaft 41 Thlr. b Sg-. 5 Pf., außenstehende Reste, die möglicherweise noch eingehen, nicht gerechnet. Es sind bei einer Mitgliedschaft von 122 Personen(worunter circa 50 Frauen und Mädchen) allerdings auch die Unterstüyungsfälle sehr günstig ver- laufen und für den Geist, der unsre Mitgliedschaft beseelt, giebt sicher- lich der Entschluß das beste Zeugniß,„si nach Zunahme der Kräfte, nicht jenes spekulative Sparsystem zu befolgen, dem leider so viele ähnliche Kassen huldigen, sondern mit Rücksicht auf eine gesunde Reservekasse für die Zukunft dahin zu streben, unseren Kranken mit den erbrachten Mitteln die höchst mögliche Handreichung zu thun." Vorläufig und bis zur definitiven Konstituirung des internalio- nalen Verbandes, mögen doch alle gleich uns interessirten Orte mit Gründung lokaler Mitgliedschaften auf Grund der im„Bolkstaat" (lstr. 61 u. folgendeNummern vom Jahre 1870) veröfientlichten Statuten vorgehen und ihre Thätigkeit so fort ausnehmen, dann erst wird cs gutge- linge», schnell und etwasGanzeszuschafscn. Unsre Mitgliedschaft hat ferner beschlossen, von der vorhandenen Kasse 2b Thlr. bei der vom hiesi- gcn Consumverin errichteten Sparkasse zinsbar anzulegen, was bei der kurzmöglichsten Rückzahluugsfrist, die dieser solide undAzeb- same Verein gewähren kann, uns in zwiefacher Hinsicht nutzbar er- scheint. Unsre Leute gehören meist zum Consumverem und stehe« somit ihrem Eigenthum im Wege der Selbstverwaltung immer näher, als wenn das Geld an die städtische Sparkasse oder rn Kapitalisten- Hände käme. Sollten sich ferner eine Anzahl Orte mit uns zum ge- meinschaftlichen(also billigeren! Druck von Statuten verständigen wollen, so möge dies bald und s o geschehen, daß wir die Zahl der gewünschten Statutenbücher erfahren und daß sich die Auftraggeber verpslichten, die erwachsenden Kosten zu verlegen. Allein sind wir noch zu schwach zu solchen Interventionen, und es liegt im Interesse unserer Gewerkschaft, daß jede Abtheilung einer bestimmten Verbindung ihre Angelegen- heilen insoweit selbst auf sich nehme, daß die Thätigkeit unserer S ta in m- gewertjchast mit voller Kraft wieder anheben kann, was wir in nahe Aussicht gestellt sehen. Bis dahin sind wir bereit, in Auge» legeuheit der Krankenkasse jeden möglichen Aufschluß zu bieten und nach Kräften die Organisation anzuleiten. Zuschriften wollen die Genossen richten an den derzeitigen Vor- stand der„Krankenkasse der Jilternationalen Manufaktur-, Fabrik- und Handatbeiter-Gewerks-Genosfenschast beiderlei Geschlechts", Mitglied- ichaft Crimmitschau, unter der einfachen Adresse: Carl K i r ch h ü b e l, Tuchmacher. in Crinimitschatl am Scheunenplatz. Xll. Die Organisation einer Sterbekasse selbstständig oder in Ver- oindung mit'der Krankenkasse wird unsererseits gleichfalls betrieben und seiner Zeil darüber berichtet werden. Fttteruationale Gewerksgcnossenschaft der Holzarbeiter. Bcrichtigullg. In der Roliz aus Hamburg in Nr. 30 des „Volksstaat" muß es statt: Hr. Karl Marnadel heißen: Hr. Karl Mar- 'vkdel.— Altona, 17. April.f . Der Fremdenverkehr für Altona ist Norderstraße 3b(Tischler-Her- �sge).— Reiseunterstützung wird ausgezahlt: Mittags von llstz bis '> Uhr und Abends von 7 bis g Uhr bei August Körner, Bevollmächtigter f. Altona, Hamburg._ Kegelsort 26, Saal 3. Internationale Metallarbeiterschaft. VugSburg. Außer den schon angeincldeten Beiträgen aus Zwickau und Pforzheim sind für die Strckeiiden eingegangen: Leipzig: Soc.- demokr. Arbeiterverein durch Seifert 3 Thlr. 12 Ngr., Nürnberg: 1 ftchlr. 4 Ngr. 3 Pf., Hannover: 1 Thlr., Reichenberg in Böh- mea: Fachverein der Metallarbeiter 22 fl. isterr. Währung. , Infolge des raschen und glücklichen Verlaufs der ArheUseinstellung hat die weitaus größte Zahl der Arbeiter sich veranlaßt gefunden, von oen eingegangenen Unterstütziingsgeldern keinen Gebrauch zu machen, und glaubten im Sinne der Gewerks- und Parteigenossin zu handeln, w-nn sie die hierdurch erübrigte Summe der Gewerkschaftskasse ver Metal larbeiter überantworten, so daß bis heute 8 Thaler an lefelbe abgesandt werden können. Sollte die Summe sich noch stei- gttn so wird auch diese selbstverständlich an die Kasse abgeführt werden. daKii»" m chw Arbeiter der Stahlkederfabrik von Eberle und Comp. auV LjFf die geleistete Hülse, lllSbefondere für den nanchaften Beilrag wenn ihren herzlichsten Dank sagen, unter der Versicherung, »m imini* Wenfalls das ihrige in ähnlichem Falle zu leisten, zeichnet mit s°Md.m°kratischem Gruß und Handschlag >3- rudwig Jelle, Bevollmächtigter, Spenglers-Kcller. Internationale Gewerksgcnossenschaft der Schuhmacher »..„üi? verwandten Gewerkt, r to;..,*£•■.-!!! f.4' d- M. stattgehabten Sitzung wurde Leopold teterle, Konigsstraße 8, zum zweiten Vorfitzenden und Moritz H b r i tz, ch zum zweiten«>chriftfsih„r gewählt. ,, Weiter ist bekannt zu machen, daß der Kassirer unsrer Mitglied- Sporbert von letzt anMendelssohnstraße 1; 4 Trppn. sßA rÜ." Bevollmächtigten und durchreisenden Mitgliedern zur Für die Verwaltung: � Aug.§>ct)äfer. Augsburg. Die hiesigen Schuhmachergehilfe, r"sind im Begriff-, w Lohuverhältnisse verbessern zu wollen und in die Gewerkschaft ein- lii.n• Wir bitten die auswärtigen Genossen, den Zuzug nach " i'gem Orte abzuhalten. Franz Deproße. Internationale Gewerksgenofsenschaft der Maurer, Zimmerer und verwandten Gewerbe. Kameraden, Brüder! Eine schwere Prüfungszeit liegt hinter uns, eine neue hoffnungs- reichere Epoche kommt heran! Lasset sie uns mit Freuden begrüßen und von Neuem eingreisen in die Beweaung, welche durch den langen, unheilvollen Krieg zwar aufgehalten, aber keineswegs unterdrückt wer- den konnte, obwohl so manches wackre Mitglied aus unsrer Mitte ge- rissen und sein Leben für dynastische Interessen in die Schasize schlagen mußte. Aber Die, tvelche ein gütiges Geschick gesund erhalten und welche hoffentlich bald den heimathlichen Boden betreten, werden, durch die Erfahruitgen gewitzigt, mit um so größerer Begeisterung in unsre Reihen treten, um wieder an der Verbesserung unserer materiellen Lage mitzuarbeiten. Darum Brüder, denen dies schon jetzt vergönnt ist, sammelt Euch aufs sttcue um das Banner der Arbeiterschaft, umso- mehr, da in wenigen Wochen die statutenmäßige Generalvcrsamm- lung und zwar, wie verabredet worden, zugleich mit dem Kongreß der sozialdemokratischen Partei in Dresden abgehalten werden soll. Ge- werksgenossen aller Staaten, vereinigt Euch mit erneuter Kraft, denn nur durch ein inniges Zusammengehen können wir«ine Verbesserung unserer Verhältnisse erzielen. Kein Ort, sei er auch noch so klein, sollte zurückbleiben, Zweigvereine zu bilden, um als Glieo in der großen Kette internationaler Verbrüderung mitzuwirken. Die Segnungen solcher Vereinigungen haben sich schon an vielen Orten, auch in Dres- den, fühlbar gemacht, indem aus den Gewerlschafteu auch Produktiv- genossenschaften cnlstaiiden sind, welche voin besten Erfolge gekrönt sind, Darum, Brüder und Kameraden, laßt unseru Ausruf nicht um sonst verhallen! Vereinigt Euch, um zur bevorstehenden Generalver- sämmluug Delegirte zu senden. Staturen werde» jederzeit nach Bedarf versendet und bitten ivir, deshalb sich an den Unterzeichneten schriftlich zu wenden: Desgleichen bitten wir auch die schon zu uns gehörigen Ortsmitgliedschaften, ihre Abrechnung möglichst schnell einzusende», damit wir Rechenschaft ablegen können. Recht zahlreicher Betheiligung entgegensehend, empfiehlt sich mit kameradschaftlichem Gruß und Handschlag Dresden, im April 1871. Der Ausschuß der iiiternationalen GewerkSgenossenschaft der Maurer, Zimmerer zc. Wilhelm Ebregotl Müller, Vorsitzender, Feigengasse Nr. 4, Part. Genf. Wir hatten in letzter Woche im Demple unigue, dem Vereins lokale der Internationale, eine große Volksversammlung. Obgleich dieselbe von einem Eomitö der hiesigen deutschen Sektion der Internationalen einberufen, fast ausschließlich von deutschen Arbeitern besucht war, so war dennoch das sehr geräumige, wohl an 2000 Per- sonen fassende Lokal vollständig gefüllt. Auf der Tagesordnung stand eine„Besprechung der Stellung, welche die hiesigeil deutschredende» Arbeiter zu dem gegenwärtigen po- litischen Zustande Europa'? und insbesondere Deutschlands einnehmen, und sodann eine Vereinbarung über die zweckmäßigsten Mittel, um die namentlich in der Schweiz sehr zersplitterte sozialdemokratische Partei durch einen engern Anschluß an die Internationale Assoziation fester zu organisiren." Bezüglich dieser, der Organisations- und Cvncentrationsfraae der in der Schweiz lebenden deutschsprechenden Elemente der Arbeiter- partei, wurde mit der Ausarbeitüug eines praktischen Plaues ein Eomitö beauftragt, nachdem von einigen Parteigeuossen, wie nament- lich vonBecker und Lindecker in energischer rind sarkastischer Weise dem leider sehr verbreiteten Aberglauben entgegengetreten worden war, als seien die in der Schweiz bestehenden sogeiianuteu„Freiheiten", wie Preßfreiheit, Versammliliigsfreiheit zc. schon das Ziel der soziali- stischen Bewegung selber, während sie doch nur als das nothwendige Mittel zum Zweck betrachtet werden dürften. Insbesondere wurde von denselben auch die allerdings nicht nur i» der Schweiz, aber hier besonders aufsallend sich breit machende thörichte Ueberhebung und Gleichgültigkeit derjenigen Arbeiterkreise gegeißelt, welche sich, weil ihr Arbeitslohn ihneu zeitweilig eine einigermaßen auskömmliche Be- friedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse gestattet, von der sozialistischen Bewegung fern halten. In Betrejj des allgemeinern(politischen) Gegenstandes der Ta- gesordming wurde von allen Rednern übereinstimmend die tiefste ENtrWUig und lauteste Klage über die traurig? Thatsache ansge- sprochcu, daß es der freiheitsfeindlichen, reaktionären, mouarchislischen Politik der sogenannten nationalen Partei in Frankreich>md noch um Vieles mehr in Deutichland gelungen sei, einen Theil der Mitglieder der Arbeiterklasse selbst mit ihren schiiöden Sophistereieil und verbre- cherischen Hetzereien zu betrügen. Es würbe bei der Beleuchtung der Ursachen und schmerzlichen Ergebnisse dieser erstaunlichen Ausbreitung des albernsten Ehaiivinis- mus von verschiedenen Rednern, wie z. B. von den Herren Jährig, Gut sman», Lichtenberg insbesondere unter lautem Beifall der ganzen Versammlung unserer murhigen Partergenosscir in Leipzig. und Braunschweig gedacht, welche in diese verächtliche Kriegs- und Siegesberauschung ei» ernstes, nüchternes Wort hineinzureden, und der Bourgeoisie die Larve der gleißncrischen Phrase vom„Patriotis- mus" vom Antlitz zu reißen gewagt hätten. Andere Redner, wie itälnciitlich I>r: Bornttau, lenkten die Ans- merksamkeit der Versammlung vorzugsweise aus die großartige, unter dem französischen Proletariat gerade jetzt vor sich gehende. Bewegung durch welche bereits wegen des hohen sittlichen Ernstes und der praktisch revolutioiiären Energie,' die beinahe jeden Schritt der Aktions- partei auszeichne(was sogar von gegnerischen Blättern anerkannt werden müsse), der»nZweidentige Beweis vorliege, daß die Tage der politilchen Herrschaft der Bourgeoisie in Frankreich gezählt sind! In ein von Dr. Bornttau aus die Pariser Parteigenossen ausgebrachtes Hoch wurde von der ganzen Versammlung mit begeistertem Zurufe eingestimmt und der von Herrn Jährig gestellte Antrag, denselben eine Zusiimmungsadresse zu übersenden, einstimmig angenommen. Schließlich wurde eine von Johann Philipp Becker ausgearbei- tele und von dem Vorsitzenden Herrn Hofer verlesene Resolution, welche in mehreren kurz gefaßten Sätzen die gesammtcu moralischen und ökonomisch-politischen Grundsätze der internationalen Arbeiterge- sellschaft darlegt, mit ungetheiltem Beifall der Versammlung angenommen.(Dieselbe wird im„Vorboten" und auch als Flugschrift abgedruckt werden.) Müsichen. Montag, den 10. April, Vormittags, fand hier, nach- dem mehrere Vfrsammlungen zur Besprechung von Gewerksinteressen vorhergegangen waren, im Elysium eine vom Komitee der Schuhmacher- gehilfen einberufene und trotz des ungünsttgen Wetters zahlreich besuchte allgemeine Arbeiterve rsammlung statt, zu der auch die Bürger- chait eingeladen war. Gegenstand der Tagesordnung war„die höhere Lohnforderung der Schuhmachergehilsen" und traten außer Angehörigen dieses Gcwerks auch einige andere Redner ans, alle darin einig, daß es an der Zeit sei, Schritte zu thun, um die hier zum Leben kaum ausreichenden Löhne der Schuhmacher zu verbessern. Konstatirt wurde, daß der Durchschnittslohn des besten Arbeiters nicht höher als auf wöchentlich b fl., der des mittleren auf 4 fl., und de r des geringem auf 3 fl. komme. Man einigte sich allgemein dahin, diese Sätze aus 6 fl. 30 kr. bis 7 fl., 5 fl. 30 kr. bis 6 st. und 4 st. 30 kr. bis b fl zu noimiren. Falls die Meister diesen Tarif nicht an- nehmen sollten, beschlossen die Fremden, abzureisen. Parteigenosse Stangl forderte die Kleinmeister aus, sich mit den Gehifen zu vereitii- gen, da sie den Großfabrikanten gegenüber ja auch nichtbesserdaran seien, als diese und empfablsdie Gründung eines Fach-Bereins, welcher Vorschlag von mehreren Redueru unterstützt und allseitig beifällig aufaenommeii ward. Ein Gehilfe schilderte die Art und Weise, wie sein Meister sich dem Tarif gegenüber zu verhalten gedenke:„er wolle zwar denselben ans 14 Tage unterzeichnen, die Arbeiter hätten aber keine Ursache, solche Forderungen zu stellen, wenn sie nicht zu luxuriös lebten, frühKaifee tränken u. s. w., kurz Lumpe wären." Allgemeine wurde der Name dieses Meisters zu hören verlangt— er heißt Stöhr— und beschlossen, solche Herren stets öffentlich zu nennen. Zum Schluß fand folgende Resolutlon allgemeine Annahme:„Die heutige allgemein- Arbefterversammlung hält die.Forderungen der Schuh- machergehtlfen Münchens für gerecht und ist vollständig damit einver- standen." Die Versammlung verlief in würdigster Weife. Abends fand eine gesellige Zusammenkunft statt, in welcher Gesang und detlamato- rische Vorträge zeigten, welch' tüchtige Kräfte unter den Gehilfen ver- treten stud.• Dresden, 13. April. Die neue deutsche Kaiserei kennzeichnet sich schon allenthalben durch Spionage und die polizeiliche Ueber- wachung der freien Vereinigung freier Staatsbürger. So ist z. B. der sozialdemokratische Arbeiterverein, was man seil dem Bestehen desselben, und überhaupt bei politischen. Vereinen seit iindenklichen Zeiten nicht verlangt hat, aufgefordert worden, em Verzeichniß seiner Mitglieder bei der Polizei einzureichen. Bei jeder Vereinsfitzung stellt sich in der neunten Stunde ein höflicher Gast ein, der durch ein ihn begleilendes Schriftstück darthut, daß ihn nicht persönliche Wißbegierde dahin geführt. Run, bei dem sozialdemokratischen Arbeiterverein läßt sich nach alledem, was man den Sozialdemokraten gegenwärtig in die Schuhe schiebt, dies schon erklären, aber auch dem Arbeiterbildungsverein ist eS ge- schehen, daß man ihn unter das Vereinsgesetz, das heißt unter fioli- zeiliche Aufsicht, gestellt hat, weil er gewagt hat, auch politische und religiöse Vorträge, als in das Reich deS Wissenswerthen und Wiffens- nöthigen gehörig, anzuzeigen. Den Mitgliedern wollte es nun gar nicht einleuchten, daß damit ein Bildungsverein ein politischer Berein werden könne, aber Kreisdirection und Mimsterium des Innern haben trotz triftigster Entgegnungen und Vorstellungen der polizeilichen Auf- fassung zugestimmt, und da muß die Sache wohl in Richtigkeit sein. Der Vorstand hatte wohl die Pflicht, diese den Berein arg schädigende Verfügung durch Rekurs zu bekämpfen. Dafür hat er nun über 5 Thaler Kosten zu bezahlen. Diese 5 Thaler müssen von den sauer verdieiiten Groschen armer Arbeiter, welche dieselben sich zu Bil- dungszwecken am Munde abgespart haben, bezahlt werden! Statt die Bildung in solchen Vereinen nach Kräften zu fördern, wie es die erste, heiligste Pflicht des Staates ist, entzieht man noch den spärlichen Mit- tkln eines solchen Vereins eine verhältnißmäßig ansehnliche Summe von Kosten dafür, daß der Vorstand eine den Verein schädigende Maßregel durch den gesetzlich zulässigen Rekurs abzuwenden suchte.(Dresd. Volksb.) Löhnitz. Wie ein und dasselbe Ding sich von verschiedenen Seiten ausnimmt: Das„Leipziger Tageblatt" schreibt lund die ganze reaktionär-liberale Presse von der Berliner„Volkszeitung" bis herunter zur„Norddeutschen" und„Deutsche Allg. Zeitung" druckt nach): Lößnitz, den 14. Apr.„Als ein erfreuliches gesundes Zeiche» aus dem erzgebirgischen Arbeiterstande mag die Thaisache dienen, daß in einer zu Nieder-Lößnitz Abgehaltenen vertraulichen Besprechung der Ar- beiterpartei, zu welcher Stimmführer der Liebknecht'schen und der Mint- witz'schen Wählerschaft erschienen waren, sämmtliche Delegirte sich gegen die autldeutsche Richtung der Herren Liebknecht und Bebel erklärten. Man einigte sich ferner dahin, daß man jedes Anstreben des Kommuni»- mus sowie die dermalige Herrschaft der Rothen in Paris, überhaupt alle ähnlichen sozialen Agitationen verwarf. Die Bildung einer starken demokratischen Partei, welche im Prinzip den 1843er Grundrechten huldigt, soll in Augriff genommen werden, und es wurde von der Delegation Lößnitz als Vorort gewählt." Dem„Crimmitschauer Bürger- und Bauernsreund" wird geschrieben: Löß nitz, 14. April. Es ist zum Lachen, was unsere National- liberalen für Manöver inachen, um die Arbeiter irrezuführen. Unsere heftigsten Gegner, die während des Kriegs nicht genug Franzosen um- bringen konnten, nämlich hinterm Biertisch, kommen„vertranlich" zu- sammen, nennen sich„Delegirte". ohne ein Mandat zu haben, als vielleicht eins von Bismarck, und geben sich nun den schönen Namen „Arbeiterpartei", die aber natürlich gegen die angeblich„antideutsche Richtung" unserer braven Freimde Liebknecht und Bebel aus Leibes- kräften protestirt. Natürlich wild diese wunderliche Arbeiterpartei, die so sehr„frey"*) ist, von den Lößnitzer Arbeitern einfach als ein abge- schmackter Mmk-Witz»ur ausgelacht. Der Holzhändler Leonhard von Aue soll zum Thiers dieser„demokratischen" Partei auserkoren sein. Leipzig, Ib. April: Vor einigelt Tagen brachte das„Leipziger Tageblatt" eine Korrespondenz aus Altenbnrg, deren Schreiber da» Land glücklich pries, daß es„keine Partikularisten und keine— Sozial- demolraten habe." Wegen letzterer bedauert er daS arme Sachsen, daß dort„noch" immer diese so viel Boden haben und versteigt sich schließ- lich gar zu der Behauptung, ein sozial- demokratischer Agitator werde in Altenburg schlechte Geschäfte machen und einem solch m werde, wie das schon früher einmal geschehe».fei, von den Arbeitern selbst die Thür« gewiesen werden. Diesen recht dreisten Behauptungen gegenüber müssen wir konsta- tiren, 1) daß in den im Altenburgischen gelegenen Orten: Rönne- bürg. Pölzig, Eis enberg, Schmölln und Gößnitz die Sozial- demokratie guten Boden hat; 2) daß auch in der Stadt Altenburg eine Anzahl Parteigenossen sich befinden, welche sich aber bis jetzt leider in einer Orgaiiisatlon noch nicht vereinigt haben. Der Ariikelschreiber des„Tageblatts" macht uns jetzt dadurch auf- merksam, daß wir bisher unsere Nachbarstadt etwas zu sehr vernach- lässigt haben und wir geben ihm die bestimmte Persicherung, daß diesem Uebelstand in nächster Zeit abgeholfen werden soll. Wem bei dieser Gelegenheit alsdann die Thüre gewiesen wird, das wissen wir schon im Voraus. Leipzig, Ib. April: Gymnasium»nd Realschule, beide für die Kinder unserer Bourgeoisie bestimmt, absorbiren bereits einen ganz unverhältnißmäßigen Theil unseres siädtischen SchulbudgetS, obgleich lhalsächlich der Prozentsatz, welchen die höchst Begüterten zu de» städti- scheu Abgaben zahlen, ein geringer ist. Nach Ansicht des Raths und der Städiver rdneten ist aber für die Bildung der besitzenden Bürgers- töchter und Bürgerssöhne noch nicht genug geschehen, denn maii hat »unmehr die Errichtung einer„Höheren Bürgerschule Ar Knaben und Mädchen" beschlossen, bei welcher allein das Mehrhonorar für Lehret den Stadtsäckel mit über 6000 Thlr. jährlich aufs Neue belastet. Das Schulgeld soll nämlich das bisher i» der l. Bürgerschule gezahlte blet- den. Die Kosten für Schulräume w. sind bei dieser neuen Last nicht einmal einbegriffen. Die Schülerzahl für diese höheren Schulanstalten dürfte sich auf höchstens einige Hundert belaufen, so daß aus jeden Kopf des Schülers die Stadt vielleicht daS Doppelte dessen zuschießen muß, was der Vater an Kommunalste«» überhaupt dezahlt. Die Herren Bourgeois sind entsetzt über de» Sozialismus und KommuniS- mus, der in Arbeiter- und Kleiiibürgersreiftn täglich mehr um sich. greift, der Kommunismus aber, dem die Herren selbst huldigen, nnd der darin besteht, daß sie auf Kosten Aller sich nicht nur die Säckel füllen, sondern auch die höhere Bildung ihrer Kinder sich verschassen, der ist gerechtfertigt, und ihn antasten, gilt als das größte Verbrechen. Die hier i» Frage stehende neueste hvhe Ausgabe für die BildungS- anstalten der Bourgeoisie ist»och besonders deßhalb zu verurtheilen, weil notorisch die Volksschulen Leipzigs überfüllt stnd, und es den Lehrern bei dem besten Willen unmöglich ist, der großen Zahl von Schülern daS vorgeschriebene Persum beizubringen. Vermischtes. Wenn die römischen Kaiser Arkadius und HonoriuS heute wieder auslebten und HanS Blum, den Sohn des Äestandrechteten, im Bis- marck'schen Lager erblickten,- sie würden vielleicht ihr Edikt über den Hochverrath, das sie vor anderthalb Taulend Jahren erließen— als unnöthig— abschaffen. Nachdem sie nämlich die Todesstrafe gegen den Schuldigen verhängt, fährt ihr Gesetz fort**):„Was die Sohne solcher Verbrecher anbelangt, so sollten sie zwar die Strafe ihrer Eltern theilen, da sie sich oermuthlich der gleichen Schuld dereinst iheithastig machen werden(II). Jndeß schenken Wir ihnen aus besonderer kaiser- licher Milde das Leben, erklären sie aber zu gleicher Zeit für unsähig, von väterlicher oder mlllterlicher Seite etwas zu erben oder zufolge eines Testamentes von Verwandten und Freunden ein Geschenk oder Vermächtniß zu erhalten. Mit erblicher Schande gebrandmgrkt, aus- geschlossen von aller Hoffnung auf Ehre oder Vermögen, mögen sie die Qual der Armuth und der Verachtuiig so lange fühlen, bis sie das Leben als eine Plage und den Tod als eine Wohlthat und eine Be- freiung betrachten."— ') Anspielniig auf den Namen des partikularistischen Kandidaten, der aus höheren Befehl zurücktrat, um die Koalition gegen den frühe- ren Abgeordneten nicht zu stören. Natürlich ist es eine Lüge, daß Stimmführer der Liebknecht'schen Wählerschaft an der betr.„vertrau- lichen Besprechung" theilgenommen hätten. Nun, Liebknecht wird nächstens in den 13. Wahlbezirk kommen und den Gegnern• reichliche und bequeme Gelegenheit geben, ihm ins Gesicht zu sagen.' was sie aus dem Herzen»nd im Kops habe». D. R. d. V. •♦) Nach Kolb'S Kulturgeschichte, Bd. 1, S. 420, zitirt. ben, und heult Uber die„Schreckensherrschaft" in Paris und zetert, daß es, sich um die Rettung Frankreichs handle, um die „Rettung Vor schmählichem Untergange des Staatswesens, wie der Sitte und Zivilisation." Das zu rettende„Staatswesen" ist natürlich in erster Linie das„Reich der Gottesfurcht und guten Sitle", das durch die„unmoralischen" Vorgänge in Frank- reich sich schwer bedroht fühlt. Schade nur, dah es mit dem „Retten" seine mancherlei Haken hat und daß die Restauration des„guten Bruders" Napoleon, der allein die bösen Franzosen zur„Sitte und Zivilisation" zurückführen und der Bismarck- schen Politik zum Siege verhelfen könnte, auf unüberwindliche Schwierigkeiten stößt. Wie gern würde man sich direkt für ihn erklären, wie gern den Helden von Sedan auf den Trüm- mern des„Welt-Tollhauses" Paris als Preußischen Strafkaiser installiren— aber hieße das nicht, einen neuen Ausbruch des Vulkans in Frankreich hervorrufen? Würde nicht die ganze Nation, des inneren Streites vergessend, sich cjegen den äußern Feind einigen? Das hat auch die„Provilizialkorrespondenz" recht wohl begriffen, und spricht sich in einem spätern Artikel gegen jede Intervention aus, so lange von Französtscher Seite der Frieden nicht verletzt und nicht aggressiv(angreifend) vorgegangen wird— woran jetzt selbstverständlich kein Fran- zose denkt.— Alan schreibt uns aus Berlin, d. d. 22. April: „Wenn wir dem„Deutschen Parlament" den Titel„Schwatz- Parlament" beilegen, hoffen wir sogar damit die Zustimmung niancher„Liberalen" zu bekommen. Bereits lagt der Reichstag in die 5. Woche und man muß es ihm nachsagen: sowohl die Zahl seiner Sitzungen wie die Länge jeder einzelnen läßt nichts zu wünschen übrig, aber das, was er, selbst vom Standpunkt Derjenigen, die auf seine Arbeiten Hoffnungen setzen, zu Stande gebracht hat, ist gleich'Null. Bekanntlich ist es der ultramon- lauen Partei gelungen, eine größere Anzahl Sitze, einige sechzig, zu erobern, und dies wurint die Herren„Liberalen" so sehr, daß sie, gleichwie ein wüchender Stier sich auf ein rolhes Tuch stürzt, jede Gelegenheit ergreifen, um sich mit den Ultra- montanen in stunden- und tagelange Debatten einzulassen. Die Adreßdebatte, die Anträge über die Grundrechte, die Wahl- Prüfungen, ja sogar der Antrag auf den Bau eines neuen Parlamentshauses geben die Veranlassung zu endlosen Erör- lerungen, die theils 300 Jahre zu spät kommen, theils bei vernünftigen Männern keine 5 Minuten dauern würden. Man fragt vielleicht, warum denn die„Liberalen" sich so bereitwillig auf diese Debatten einlassen und die so beliebte Dampfarbeit früherer Sessionen des Norddeutschen Reichstags ganz aufge- gebe» haben. Nichts erklärlicher als dies. Der„Liberalismus" ist thatsächlich bankerott; freiheitliche Forderungen durchzusetzen, dazu fehlt ihm die Macht und, da diese Forderungen, verwirklicht, auch der Sozialdemokratie zugute kämen, auch die Lust. Auf sozialem Gebiete ist er mit seinem Latein gleichfalls ziem- lich zu Ende. Die Gesetze über Gewerbefreiheit, Freizügigkeit, Unterstützungswohnsitz u. s. w. sind durchberalhen und in ganz Deutschland durchgeführt. Was sonst noch auf diesem Gebiete von seiner Seite zu leisten, ist entweder geringfügig oder von solcher'Natur, daß mau es lieber todtschweigen als darüber reden und beschließen möchte. Unter die letzte Kategorie gehört das„Gesetz über die H a f t p f l i ch t d e r Unter- wehmer", ein Gesetz, das höchstens in seinem Z 1, soweit er die Eifeubahuen betrifft, zu accepliren, in seinen übrigen Punkten aber von uns entschieden zu bekäinpfen ist. Wir werden später nach der dritten Berathung im Reichstag ausführlich darauf zurückkommen. Der Gesetzentwurf hat das einzige Gute, daß er als ein Symptom zu betrachten ist, wie der Grundsatz des kissez-faire, laissez-aller*) der Manchesterschule, d. h. der Grundsatz, nach welchem der Staat absolut kein Recht hat, sich in die Verhältnisse von Arbeiter und Arbeitgeber zu mischen, auch auf Seileu unserer Gegner als unhaltbar erkannt wird, und wie sie fühlen: es muß etwas geschehen, sollen die Arbei- ter nicht in hellen Haufen in das revolutionär-sozialistischc s!ager übergehen. Daher die sauersüße Miene, womit die meisten Redner, bei der ersten Lesung im Reichstag den Gesetz- entivurf begrüßten. Nur Herr von Unruh, Director einer großen Fabrik für Eisenbahnmaterial, hatte den Muth, sich offen gegen den Entwurf auszusprechen und zu sagen, was vielleicht fast sämmtliche Mitglieder im Reichstag im Geheimen darüber dachten. Jndeß beschloß man, in die zweite Lesung des Ge- setzes einzutreten; auch hat sich eine sogenannte„freie Kvm- Mission" gebildet, welche über den Gesetzentwurf Berathungen pflegt. In dieser Kommission geschah, was auch voraussichtlich vom Hause beschlossen werden wird: der leidlich annehmbare K 1 wurde im reactionären Sinne amendirt und der so schon von uuserm Standpunkt unannehmbare§ 2 noch ver schlechtert.. Uns ist dieses Resultat sehr angenehm, denn es wird in immer weitere Arbeiterkreise die Ueberzeugung tragen, daß von diesem Reichstag kein Heil für das Volk und speziell die Arbftter zu erwarten ist. „Den Antrag Schultze's auf Bewilligung von Diäte n hat das Haus scheinbar günstiger aufgenommen. Es ist aber festzustellen, daß das Resultat ohne die Süddeutschen und ganz besonders ohne die Uliramontaneu nicht erreicht worden wäre. Letztere stimmten fast sämmtlich für den Antrag, während unter den Äkationaltlberaleu viele dagegen waren, unter Andern auch der„liberale" Vertreter vonLeipzig, Vicebürgermeister S lep hani. Aber auch die Majorität von 47 Stimmen wäre nicht erzielt worden, wenn nicht ein Antrag von Günther-Sachsen, Schwarze ,c. auf Uebergaug zur Tagesordnung, für den die meisten National- Liberalen stimmten, mit circa 20 Stimm.m in der Minorität geblieben wäre. Nachdem dieser Antrag abgeworfen war, fan- den viele der Herren es für gerathen, statt eines offenen Nein l, das ihren inneren Wünschen mehr entsprochen hätte, mit Rüd ficht auf ihre Arbeiterwähler mit einem Ja! zu antworten. Daher das leidlich günstige Vcrhältniß. Ob der Antrag auch in dritter Lesung die Majorität erhalten wird, ist noch keines- Wegs sicher. Bismarck erklärte sich gegen die Diäten und ließ ziemlich deutlich merken, daß nur die Äugst vor sozialbeinokra- tischen Wahlen, auf die Bebel hingewiesen, diesen Widerstand verschulde.'Nimmt der Reichstag in dritter Lesung den An- trag aus Diäten an und beharrt Bismarck, resp. die preußische Regierung, bei ihrem Widerspruch, so stiegt der Beschluß des in den Papierkorb. Wir müssen wiederholt hier •) Alles gehen lasse« wie es will; Jeden mache» lassen, was er will. bemerken, um einen selbst in unfern eigenen Reihen weit ver- breiteten Jrrthum zu beseitigen, daß die Beschlüsse des Reichstages, ein- und zehnmal gefaßt, gar keine Gültigkeit haben,'wenn nicht der aus den.Ver tre- tern sämmtlicher Regierungen bestehende Bundesrath mit Majorität seine Zustimmung beschließt. Im vorliegenden Falle liegt dk Sache aber noch etwas anders. Der Antrag auf Diäten involvirt eine Aenderung der Reichs- Verfassung,*) dazu sinl aber Dreiviertel der Stimmen des Bundesrathes nöthig. Der Bundesrath zählt 53 Stimmen, davon hat allein Preußen 17; wenn sämmtliche Regie- rungen einmüthig für Diätenbewilligung wären ist die preußische allein im Stande, mit ihren Stimmen das Durchdringen des Antrags zu ver- hüte». Wir denken, dieser Fall zeigt schlagend, wie es mit der„Reichsverfassung" und mit der Macht des„Reichstages beschaffen ist. Bemerkt sei noch, daß in den Antrag auf Diätenbewilligung ein Amendement aufgenommen wurde, wo- nach die Diäten erst bei der nächsten Legislaturperiode, also erst dem in drei Jahren neu zu wählenden Reichstag bezahlt werden sollen! Bismarck wird indeß dasür sorgen, daß weder das Eine noch das Andere geschieht. „Ani Donnerstag stand die erste Lesung der neuen 120-Mil- lionen-Anleihe auf der Tagesordnung. Da allem Anschein nach es mit dem Gelde sehr pressirt, wurde auf Wunsch des Finanz- Ministers die Lesung außer der Reihe der Tagesordnung vorge- nommen und zwar initten in den Privatgesprächen, die über die eben vollzogene Abstimmung in der Diätenfrage entstanden waren. Herr Simson wußte diesen Umstand geschickt zu benutzen und erklärte die Generaldebatte für geschlossen, ehe noch Jemand Zeit hatte, sich zum Wort zu melden. Herr Lasker, dem dieses Kunststück doch zu arg sein mochte, sprach„zur Geschäftsordnung" seine Verwunderung darüber aus, mußte aber aus des gestrengen Simson Munde die Beincrkung entgegennehmen, daß dies nicht zur Geschäftsordnung, sondern zur Geschäfts unord- nung gesprochen sei. Der Reichstag freute sich des guten Witzes und die Sache war abgemacht! „Heute stand die zweite Lesung(Spccialdebatte) über die 120 Millionen auf der Tagesordnung. Der Abg. Sonne- mann fand für nöthig, zu bemerken, daß man das Geschäft, welches bei der Anleihe zu machen sei, nicht drei oder vier großen Banquiers, sondern der ganzen„Geschäftswelt" zugänglich machen solle; verwahrte sich aber dagegen, als wolle er damit eine schlimme Kritik gegen die Regierung ausüben. Ein Blick, den er am Schlüsse seiner Rede nach der Fortschrittspartei warf, schien uns zu bedeuten:„Nun, warum klatscht ihr nicht Bei- fall, ich gehöre doch eigentlich zu euch; konnte ich es besser machen?" Es ist zu hoffen, daß sich bald Jemand findet, der ein Lustspiel schreibt unter dem Titel:„Der gezähmte Wider- spenstige" und dem Frankfurter Abgeordneten die Titelrolle darin zuweist. „Die süddeutschen Katholiken enthielten sich der Abstiinmung, da die Anleihe sie nichts angehe. Bebel stimmte dagegen; Schraps war nicht zugegen, weil er genöthigt war, Tags zuvor nach Hause zu reisen. Wahrscheinlich werden in dritter Lesnng unsere Vertreter das Wort ergreifen und mit einer kurzen Erklärung ihre Abstimmung motiviren."— So weit unser Korrespondent. Bezüglich des Antrags auf Diätenzahlung sei noch daran erinnert, daß die Fortschrittspartei vor Annahme des Verfassungsentwurfs, wo sie auf die preu- ßische Regierung einen kleinen Druck ausüben konnte, ein jedes liberale Vorgehen für„inopportun" erklärt, und sogar nicht blos gegen die von den„Ultramontanen" gestellten Antrüge auf Einführung von Grundrechten, sondern auch gegen die bez. Anträge des ihr gesinnungsverwandten Hrn. Sonneinann gestimnit hatte. Das Verfahren der Fortschrittspartei ist für diese charakteristisch: liberale Anträge verwerfen, wenn Aussicht auf Erfolg ist, und sie stellen, wenn an Erfolg nicht zu denken, das kann nichts Anderes heißen, als daß man den Erfolg entweder nicht will, oder gleichgültig für ihn ist— wir müßten denn einen totalen Mangel an gesundem Menschenverstand voraussetzen. Uebrigens halten wir es keineswegs für unwahrscheinlich, daß die preußische Regierung den Bundesrath die Diäten schließ- lich doch bewilligen läßt. Die Diätenlosigkeit hat ihr moralisch mehr geschadet als praktisch genützt, die Wahlen hat sie ohnedies in der Hand, und durch eine derartige Concession hilft sie dein Ansehen des Reichstags etwas auf, was nur in ihrem Interesse sein kann. Der Cäsarismus bedarf der parlamentarischen Ko- mödie; dieselbe darf aber nicht allzu durchsichtig sein, sonst ver- fehlt sie ihre Wirkung. Unser Freund, Karl „Crimmitschauer Bürger- nommen.— Hirsch, hat die Redaktion des und Bauernfreund" wieder über- Die Brüsseler„Liberte" erscheint seit dem 18. April täglich— ein Beweis für die Zunahme unserer Partei in Belgien, von welcher auch der am 28. März in Verviers abgehaltene L anbes-Kongre ß der Internationalen Zeugniß ablegte, welcher von den Arbeitergesellschaften aus ganz Belgien beschickt war. Unsere Nürnberger Parteigenossen haben mit den Mit- gliedern des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins daselbst eine Vereinigung erzielt. Auch an andren Orten steht dieselbe in naher Aussicht; von beiden Seiten giebt man sich redlich Mühe dazu. Die am 23. d. M. in Chemnitz abgehaltene Massen- Versammlung war im wahren Sinne des Wortes eine Massen- Versammlung, wie in Deutschland, außer inWien, nochleine stattgefunden, und oerlief bei günstigem Wetter zur größten Zufriedenheit aller Bethciligten. Die gestellte Resolution betreffs Einführung eines Normalarbeitstages von 10 Stunden wurde einstimmig angenommen und gleichzeitig beschlossen, die Forderung der 20,000 Versammelten zur Kenntniß des deutschen Reichstages zu bringen. Ausführlicher Bericht in nächster Nummer. Glauchau, 24. April. Am vergangenen Sonntag hielten die Färberei- und Appreteurarbeiter in„Stadt Zwickau" eine Ler- ammlnng ab, um sich über die Lohnfrage auszusprechen. ES wurde lauptsächlich betont, daß die lange Arbeitszeit und Sonniagsarbcil«ine ) weil Hr. v. Bismarck in seinem reactionären Eiser die Diäten- losigkeit durch einen Berfassungsparagraphen hat seststeUen lassen. Regelung erfahren müsse. Herr Uhlich wies nach, wie zweckmäßig es sei, einen starken Verband zu haben, um die gerechten Forderungen der Arbeiter durchzusetzen und forderte die Anwesenden auf, der internatio- nalen Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter-Gewerks-Gcnossenschaft beizutteten; wozu auch die Versammlung sich bereit erklärte. Als Norm der Lohnerhöhung wurden 25°,), festgesetzt, sowie eine feste Arbeits- zeit und für die Sonntagsarbeit doppelter Lohn. Noch einige Meeraner Appreteure sprachen und legten der Versammlung ans Herz, fest zu- sammen zu stehen und au den Fordeiungen fest zu halten. Die Ver- sammlung nahm einen ruhigen und würdigen Verlauf und bewies sich die starke Polizeiaufsuht als unnöthiz. Herr Schulze-Delitzsch mag sich keiner Illusion hingeben, daß die bösen Sozial-Demokraten zur Fort- schrittspartei übergehen. Auch die Plüscharbeiter Glauchau'« und Meerane's hielten am vergangenen Sonntag in Glauchau eine Ver- sammlung ab und verlangen ebenfalls 25°/« Lohnerhöhung. Die Agitatton der Plüscharbeiter ist bereits im Gange. Arbeiter, steht fest zusammen und der Sieg muß unser sein. Telcaravliisclie Tevei'che. Glauchau, 24. April. Mittags. Sämmtliche Färberei- arbeitcr in Glauchau habe» heute die Arbeit eingestellt. Mccrauc, 20. April. Den gestrigen Bericht haben wir heute dahin zu vervollständigen, daß in den Fabriken von Gebrüder Schmie- der und Straff und Sohn heute früh die Arbeit wieder aufge- nommen worden ist. Die Lohnerhöhung ist ziemlich vollständig und wird die nächste Saison das noch Fehlende ergänzen. Veits. F Schmie- 0er& Comp, dauert der Strike noch fort und scheint derselbe hartnäckig»verde» zu wolle». Die Ärbeiler begehen am ihren gerechten Forderungen und Herr Schmieder spricht, daß er nicht zulegen könne; er verdiene so nichis mit der Fabrik und zwingen lasse er sich auch nicht. Nicht.destoweniger baut derselbe jetzt eine große Fabrik, in der 800— 1000 mechanische Webstüh' e aufgestellt werden sollen. Gestern Abend wurde hier ein Strike- Vermitrlungs- Bureau gegründet aus Arbeitern aller Fabriken, und 2 Mitgliedern des Komitees der vereinigten Weber. Herr E. G. Binder, Marlin- straße No. 57, ist als Central-Kassirer gewählt und sind alle Briese und Sendungen an denselben zu richten. Gedenket der armen Arbeiter von Mccrauc, aber so schnell als möglich! Noch sei bemerkt, daß gestern einige 20 Arbeiter irgendwo gearbeitet haben. Am Mitlag, als dieselben zu Tisch wolllen, wurden sie nicht heraus gelassen: sie bekamen Zwiebelsaurcs zum Mittagsessen. Nachschrift. In vielen Färbereien ebenfalls Strikes: Es find circa 400 Mann*) zu nntcrstntzcn. Mccrauc, 23. April. 202 Färbcrciarbciter habe» au» 21. wegen Berweigernilg der 25% Lohnerhöhung die Arbeit eingestellt. Rur der kleinste Färbcreibesilzer, Herr Gläszcl, hat die 25", h, bewilligt; die andern suchen auswärtige Arbeiter! Wir bitten, Zuzug fern zu halten. Unterstützung thut»oth. Vom soziat-demokratischen Verein Leipzig< durch Sestert) habe ich für die strikenden Weber 2 Thlr. 6 Ngr. erhallen. Stolle. Telegraphische Depesche. Meerane, 24. April. Siebe» Apprctenr-Gcschäfte haben Sic Arbeit eingestellt. Internationale Gewerks- Genoflenschast der Mann- fattur-, Fabrik- und Handarbeiter. Berichtigung: Ter Ausruf in legier Nummer ist nicht für die Mitglieder der iUaiitenkasse, sondern für die der Gewerksgenosseil- schast überhaupt. •) Die strikenden Färber mitgerechnet, oder nicht? Wir bitten um schleunigste Nachricht. Aus dem Wortlaut des Brieses nicht zu erkennen. D. R. «riefkasien Der Expedition: H. Apolda, B. Rochlitz; Wenn Sie das Blatt nicht regelmäßig erhalten, retlamiren Sic beim Ober-Post-Amt. Sp. Bielefeld: 20 Gr. erhalten. H. Graz: 8 st. 85 kr. erh., Brief u. Sendung abgegangeii. Wechselbnrg: erhalten u. initgethcilt. S. Meerane: hat sich durch Bericht in'Nr. 32 bereits erledigt. H. E. Zwickau: 8 Thlr. 27 Gr. erhalten. Chemnitz: Annonce 8 Gr. A. München, H. Bielefeld, S. München: erhallen». Briefe abgesandt. Erhallen durch F. A. Sorge, Hoboken: 8 Thlr. für die Familien der„Hochver- räther" und 3 Thlr. 5 Gr. für den„Volksslaat' wie folgt: Edelheim, H., 5 Dollar, Raetlig 2 Dollar u. Finoid 2 Dollar: erballen zusaiw- men 42 Thlr. B. London: in der übersandten Nr. Filiale angestrichen. Reitenb.-Plicken 3 Thlr. erh. L. Pforzheim: Brief lllid Sendung folgt. Volksoerverem Werdau 5 Thlr. 16 Gr. erhalten. Schneeberg: Unter- lchrift nicht lesbar. Der Redakton. L. Z. hier: E.H. war nicht Schuld daran, son- dern der Mangel an Raum.—„Jnrernastoiiale" in Brüssel: J»i Verzeichnis der sozialistischen Journale ist der„Volksstaat" ausgelassen.— An die Exped. des„Felleisen:" Seit Ansang dieses Monats ist uns kein Exemplar zugegangen, obgleich wir unser Tauschcxemplar regelmäßig absenden. Wir würden gar nicht wissen, daß da»„Felleisen" noch existirt, hätten wir nicht dieser Tage in der„Frankfurter Zeitung" einen ihm entnommenen Angriff auf die Leugner des heilige» Nalionali- lätsprinzips gefunden.— E. in L.: Du bist wirklich noch sehr naiv für einen so alten Praktikus. Versieglung nach Gnmmiverschluß macht dem Briefkünstler höchstens einen Lminntlichen Extraanfenthalt. Meine 13jährigc Tochter setzte mir neulich die Prozedur auseinander, die sie von einer ihrer Schulkameradinnen gelernt. balle. Daran siehst Du beiläusig, lvomit man sich im Reich der Gottesfurcht und srommen Sitte beschäftigt— Deniolratisiriiiig der Stiebcrei. Für die Strikenden Weber in Meerane. Von den Arbeitern der Siaeke'schen Saateiderwerkstelle 3 Thaler 1 Gr., von M. und Z. auf der Leipzig-Dresdener Eisenbahn 22 Gr. 5 Pi. erdalten. T. KtzpeS. d.„Volksst." Wilhelm Ufert bittet seine mit ihm torretpondireiide» Freunde, Brie'- an ihn: Linienstr. 6, III., Chemnitz, ,u adressiren. Sämmtliche Schriften Ferdinand Lassalle's sind in der Erpedition des„Volksstaat" vorräthig und durch Einsen- dung des Betrags oder Postnachnahme zu beziehen. flM- Ein Sortiment der besten Brochüren F. Lassalle's wird gegen Eilsendung von einem Thlr. franko versandt._ Für Wilkau. Abendunterlitzltnug uud Krituzehen des Volksvereins zu Wilkau, Zonntaa, den 30. April 1871, in, Mehlhorn'schen Gasthofe. Ansang 6 Uhr. Die Parteigenoffen von nah unv fern sind freunotichst eingeladen._ Das Kommitee. Toziald enw kratischer Arbeiterverein. Versammlung am Sonnabend, den 20. April, Abends 9 Uhr, bei Eberhahn, Zeughausmarkt 31. Tagesordnung: Sozialpolitischer Wochenbericht. Gäste haben Zutritt. Gelb. iitr Leipzig. Sozialdemotratischcr Arbeiterverein. To»I»erstag, bui 27. April, Abends Punkt> a9 Uhr: Versammlung im Saale der„goldenen Säge", Ecke der Dresdener- u. Langenstraße. Tagesordnung: Sozialpolitischer Wochenbericht(Ref. Ullrich.)— Fortsetzung des Vortrages und der Debatte über den„Normal- arbeilstag." Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird dringend ersucht. Gäste sind willkommen._ Der V o r st and. „0 l'nrtltt'iiopipi»!" Morest Morenu Cstarascst-Basaliab, Pstilodopstiae Doc- tor atque Praedicator Kevendissime" „Lo tliaclimod dachet refekha!___ Leipzig: Veranlw. Nedatt-ur W. Li ev knech tzRevatlion: Braustr.>0. Druck u. Verlag: F. Thiel«.(Expedition; Peterstr. 18.)