46. Mittwoch, de« 7. Jnui. 1871. -rscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. üestellungen nehmen alle Lostanstalten und Buchhand lungen deS Zn- und Au» lande» an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an; Bebel, PelerSstraße 18, 5- Thiele, war ein Pulverlager hinter dem Lurem- bourggarten in die Luft geflogen uns hatte das ganze Stadtviertel in Bestürzung verseht. Noch mehr fürchtete man aber, daß die Föderir- ten Feuer an daS Puloerlager unter dem Panthöon legen würden. Glücklicherweise hatte man sich unnöthige Angst gemacht. Bei«in- brechender Nacht waren die Versailler im Besitz der Barrikade der Rue Souflot vor dem Panthöon und einige Minuten später bezeichnete» 4.-500 furchtbar zerineyelte Leichname von Nationalgarden unter der Vorhalle des Panthöon den Weg der Versailler im 5. Arrondisse- ment. In der Nacht wurden die Häuser von den Truppen durchsucht und alle dort versteckten Nationalgarden(Männer und Araueni oder auch verdächtig scheinende Personen sofort erschossen. Ich selbst war einen Augenblick in Gcsabr und w.>r heute Morgen gezwungen, mich von meinem Stadtviertel(Lnrembourg) nach dem EhampS-Elvsöes zu flüchten, um bei dem amerikanischen Gesandten (der einzige in Paris anwesende Diplomat) Schutz zu suchen. Ein > wahres Wunder war es, daß ich den weiten Weg durch die Stadt fast unangefochten zurücklegen konnte. An einigen Stellen wurde ich an- gehalten, um mit an den Feuerpumpen zu arbeiten— das war alle»." Die„Krenzzeitung" läßt sich unterm 28. Mai aus Ver- sailles schreiben: „Die Kommunisten sind vollkommen besiegt. Der letzte Kamps fand heute auf dem Kirchhose des Pöre Lachaise statt. Die Geschütze schweigen endlich und Paris ist ruhig. Hier ist der Ort zu sagen: Ruhe des Kirchhofs! Eingeleitet wurde dieser schreckliche Aufstand vom 18. März durch die Ermordung der Generale Lecomte und E. Thomas, das Ende derselben war jener Schandthat ganz würdig,(s) Der Erzbischof von Paris, ein„liberaler" Prälat, der Abbö Deauerry, ein republikanischer Pfarrer, und der Präsident Bonjean, der Vorred- ner der Opposition im Senat, nebst 64 andern sogenannten Geiseln, wurden im Gefängnisse La Roquettc von den Insurgenten erschossen. Die Repressalien,(!) welche die Armee dafür genommen, sind nicht weniger haarsträubend, dieSoldaten erschießen oder crstechenohne Unterschied Männer, Weiber und Kinder! Wie es in einem Blatte in St.-Germain heißt, waren große Löcher in denElysei- schen Feldern gegraben und die Leichname der Jnsurgen- ten aus vielen Theilen der Stadt hineingeworsen wor- den. Hierauf habe man ganze Fässer voll Petrolenm darübergegossen. Das sei die ungeheure Rauchwolke gewesen, die bis Abends über Paris geschwebt habe." Dein frechen Organ des preußischen Junkerthums war es porbehalten, die Versailler Infamien als„Re p ressali en" hin- zustellen, und damit gewissermaßen zu entschuldigen. Noch steht es überhaupt nicht fest, ob überhaupt Geiseln auf Veranlassung der Kommune erschossen worden sind. Wahrscheinlich haben die- jenigcn von ihnen, welche das Leben verloren, es während des Kampfes verloren und zwar theilweife durch die Geschosse der Versailler. Wenigstens können wir ven Bericht des „Siicle" nur so auffassen. Allein wie dem auch sei, der Tod eines Theils der Geiseln erfolgte am 25., das heißt, nach- dem die Versailler schon drei Tage lang gesengt und gemordet und ihrem eigenen Geständnisse nach zwei Tage lang keinen Pardon ge- geben hatten. In ihrem internationalen Liebeswahn- sinn für die französischen Standrechtsbestien(das reguläre Standrecht ist beiläufig in Paris proklamirt) läßt die„Kreuz- zeitung" dieselben„Repressalien" für Handlungen ergreifen, die erst einige Tage später stattfanden— eine schamlose Wahr- heitsumdrehung und Fälschung, wohl würdig des Blatts der Gödsche, Wagener, Stieber, dieser glänzenden Säulen des „Reichs der Gottesfurcht und frommen Sitte." Wenn überhaupt von,, Repressalien" die Rede sein kann, so wurden sie von derKommune genommen, und zwar unter Bedingungen, welche eine so extreme Maßregel nicht nur erklären, sondern auch vollständig entschuldigen würden. Die Kommune hatte die Todesstrafe abgeschafft, sie hatte selbst von dem Kriegsrecht in keinem einzigenFall den äußersten Ge- brauch gemacht, und die Geiseln wurden auf das Humanste behandelt. Das wußten die Versailler: an ihnen lag es, dem Kampf, welchen die Kommune bisher mit solcher Humanität geführt hatte, seinen humanen Charakter zu bewahren. Statt dessen beschossen sie, von den Gräueln während der Belagerung abgesehen, nach Durchbrechung des Ringwalls die Stadt mit Petroleumbomben, äscherten hunderte von Häusern ein, und massakrirten Tausende von Gefangenen. Das sind Thatsachen, die durch zahlreiche, der Kommune feindliche Zeugen über jeden Zweifel hinaus festgestellt sind. Wer will es den Pariser Prole- lariern verargen, wenn sie so schmachvoll unmenschlicher Ban- ditenpraxis gegenüber im letzten Moment zu Repressalien griffen? Und wen trifft die Blutschuld? Oder ist das Leben von taufenden ehrlicher Arbeiter nicht so viel werth, wie das Leben einiger Dutzend Privilegirter, von denen die meisten sich im Schlamm des Kaiserreichs gewälzt hatten?— Wer hat in Paris die Mordbrennereien verübt und wer die Geiseln getödtet? Man lese mit einiger Aufmerksamkeit folgenden, durch alle deutsche Zeitungen gehen- den Bericht: „Eine Person, welche im Depot der Polizeipräsektur als Geisel zurückgehalten war, erzählt dein„Sidcle" die merkwürdigen Um- stände, unter welchen sie dem Tode entrann. Am Mittwoch den 24. Mai um 7 Uhr Morgens überbrachte Ferrö, der Sicherheitsd-legirte, selbst den schriftlichen Besehl, alle politischen Gesangenen hinzurichten. Gegen 8 Uhr brach in den Gebäuden der Präfektur daS Feuer mit unerhör- ter Heftigkeit aus und in der dadurch entstandenen Verwirrung erinnerte man sich der Gefangenen nicht mehr. Um 11 U:>r erscheint der Polizeimtnister Raoul Rigault und erlheilte den Be- fehl, alle Gesangenen— es waren ihrer etwa 150— sofort auf freien Fuß zusetzen. Kaum halten sie aber die Hast verlassen, so stießen sie auch schon auf die Barrikaden, wo die Insurgent, n ihnen unter Androhung des Todes befahlen, an dem Kampf gegen die Truppen theilzunehmen. Ein junges Mädchen von 15 Jahren, welches eine rothe Schärpe trug, zeichnete sich namentlich durch die Heftigkeit aus, mit welcher es in die Ankömmlinge drang, an der Vertheidigung der Barrikade mitzuwirken. Diese weigern sich dessen sämmtlich und flüch- ten unter einem Regen von ungeln, welche die Föderirten nachschicken, in einen Hof der Prasektur, den der anhaltende Brand in einen wahren Schmelzofen verwandelt hat. Dort blieben sie bis 5 Uhr Abends, um endlich durch den Lieutenannt Berger, welcher an der Spitz- einer Abtheilung des 79. Linien-Regiments erschien, befreit zu werden. „lieber die Vorgänge in dem Gesängnisse von Mazas gehen," dem„Siecke" von zuverlässiger Seite folgende Mittheilnnaen zu: Dienstag, den 23. v., wurden 101 Gefangene vom Gcsängnifz Mazas unter Cscorte im Eisenbahn-Omnibus nach La Roquette gebracht; Fortsetzung auf Seite 4. :j Aravzösische und deutsche Auueetiruugeu. (AuS der Wiener„Tagespresse)" Vom Main, im Mai 1871. Handelt es sich darum, das preußische Verfahren gegen Frankreich zu rechtfertigen, so ist stets die Phrase bereit:„Die Franzosen hätten es ebenso gemacht, wenn sie gesiegt hätten." Ich werde mich heute nicht mit dem Nachweis aufhalten, daß dies nichts heißt, als: wir thun selbst, was wir den Andern zum Verbrechen anrechnen. Ist nun aber diese an sich hinkende Ausrede auch nur wahr in ihrer äußeren Bedeutung? Nicht einmal dies. Die Franzosen haben allerdings, nachdem der König von Preußen ihnen im Baseler Frieden das deutsche linke Rheinufer überlassen hatte, und der deutsche Kaiser dann ge- zwungen war, zuzustimmen, dieses Gebiet ihrem Staate ein- verleibt. Aber wie verfuhren sie dabei? Haben sie die Ein- wohner ebenso, wie es jetzt in Elsaß-Lothringen geschieht, po- litisch und in gewisser Beziehung selbst bürgerlich rechtlos ge- stellt? Haben sie dieselben auf Jahre hinaus von der Volks- Vertretung ausgeschlossen, einer Diktatur unterworfen und unter ein absolutes Willkürregiment gebeugt? Das gerade Gegentheil haben sie gethan. Sobald die förmliche Abtretung und die Organisation der vier neuen Departements erfolgt war, galten die Bewoh- ner des neu erworbenen Landes als Franzosen und wurden als solche behandelt; sie genossen sofort alle Rechte derselben, wie sie auch die gleichen Pflichten zu übernehmen hatten. Die Verfassung des Staats bestand für sie wie für alle andern Franzosen, und an der Spitze dieser Verfassung>s war die Konstitution vom Jahre III der Republik) erschien die Er- klärung der„Menschenrechte", in Folge deren sofort die Aufhe- bung der Feudallasten, die Befreiung des Grundes und Bodens, die Einführung der Gewerbefreiheit und der übrigen sozialen Errungenschaften jener großen Revolution statt fand. Ins- besondere hatte jeder Landesangehörige, und zwar nicht blos auf dem Papier, sondern in Wirklichkeit, gleichen Anspruch zu allen Aemtern und Würden wie der Altfranzose. Es wurden die„UrVersammlungen des Volks" eingeführt; die Bürger der vier neuen Departements wählten ihre Vertreter in den gesey- gebenden Körper, und die Gesetze, welche in diesem erlassen wurden, traten auch hier in Wirksamkeit. Es gab keine auf Hclo- tenthum deutende Sondergesetzgebung für diese Gebiete. Jedes Departement bekam seine Centralverwaltung und jeder Kanton seine Municipalverwaltungen. Pie Mitglieder dieser Verwaltungen gingen aus der freien Volkswahl hervor; auch die Friedensrichter wurden unmittelbar von den Bürgern gewählt, — alle diese Beamten nur auf eine bestimmte Zeitdauer. Sofort hörte auch die eigentliche Last der Truppenein- quartierung auf. Die Einwohner hatten den Soldaten, sofern dieselben nicht ohnehin in Kasernen untergebracht werden konnten (zunächst, wenn sie sich auf dem Marsche befanden), nichts zu liefern, als Unterkunft unter Dach und Fach und Raum am Heerde, dmnit sie das ihnen auf Staatsrechnung gelieferte Fleisch(zu dem ihnen gleichfalls gelieferten Brot) kochen konnten. Begreift man nun, wie es kam, daß die Bewohner der vier neuen Departements der großen Mehrzahl nach alsbald „gute- Franzosen" wurden, und daß, obwohl die französische Herrschaft in diesen Gegenden überhaupt nur wenig mehr als anderthalb Jahrzehnte dauerte, die Deutschen 1814 mit Miß- trauen aufgenommen wurden, da man eine Wiederherstellung der alten Zustände befürchtete und dann lange genug gegen der- artige Gelüste im Einzelnen zu kämpfen hatte? Nun, macht man es preußischerseits jetzt ebenso in El- saß-Lothringen, wie es die Franzosen in den neuen Departe- mentS gemacht hatten? Eine Proklamirnng der„Menschenrechte", wie sie damals auf dem linken Rheinufer stattfand, ist ohnehin eine Sache der Unmöglichkeit, da selbst jetzt, etliche siebzig Jahre nach jener Periode, sogar die siegreichen Deutschen für sich selbst eö noch nicht zur Anerkennung ihrer„Grundrechte" gebracht haben. Befreiung von Feudallasten bleibt gleichfalls ausgeschlossen, weil diese Befreiung längst durch„die Franzosen" bewirkt ist, und zwar viel vollständiger, als es bis heute in Deusschland überhaupt gelang. In allen diesen Beziehungen kann man den Anncktirten nichts bieten, wohl aber haben sie zu besorgen, daß das bei ihnen ausgerottete Junkerthum aus Preußen in das neue Reichsland hinüber wuchere. Allein nicht einmal die grundrecht-lose Reichsverfasiung erhält für sie in der nächsten Zeit Geltung. Ein kläglicheres Armuthszeugniß konnte man sich nicht ausstellen als das, daß man sich fürchtet, höchstens 16 Vertreter der Anncktirten in die Versammlung von nahezu 4l)V Reichstagsabgeordneten eintreten zu lassen. Diese Handvoll Leute könnte wohl die Hunderte ge- treuer, ja sogar chauvinistisch erhitzter Deutschen irre machen und verführen! Da darf man wohl bekennen:„Der Verstand steht Einem still!" Aber auch ihre unmittelbaren Kreisangelegenheiten dürfen die Anncktirten nicht selbst ordnen; sogar das Recht der Regelung ihrer Departemental- und Bezirksangelegcnheiten wird ihnen ge- raubt; nicht einmal zum Ausdruck ihrer Wünsche darüber bleibt ihnen ein bestimmtes legales Organ.— Die Weisheit fremder Beamten, welche weder Land noch Leute kennen, welche blos aus Anstellungs- oder Beförderungssucht, oder— aus Hunger in die neuen Provinzen getrieben wurden, darunter Leute, deren Verdienst sich auf ihre Thätigkeit als Spione im Krieg zurück- führen läßt,— dieser Menschen Weisheit wird für Alles aus- reichen, von ihren Angaben und Berichten wird Alles abhän- gen; diejenigen Landesangchörigen, welche nicht jeder Gewalt bereitwilligst dienen,— sowie gestern dem Bonapartismus, so heute dem Hohenzollernthum— sie werden bei Seite geworfen, sie kann man nicht brauchen bei der neuen Beglückung und Größebegründung. Sagt Ihr:„Die Franzosen hätten es auch nicht anders gemacht", so möget Ihr Herren auf die Antwort gefaßt sein: „Die Franzosen hätten es doch anders gemacht, denn sie haben' es thatsächlich gethan; darum bekamen sie dankbare Mitbürger, während Ihr dem neuen Reiche nur ein haßerfülltes Vene tien zu schaffen wißt." Aus Amerika. New-Iork, 14. Mai 1871. Donnerstag, den 11. Mai fand im Cooper- Institut eine Arbeitcrversammlung statt, um über die Lage der Penn- sylvanischen Kohlen gröber zu berathen. John Siney, der Führer und Präsident der Bergleute in Schnyltill County (County= Kreis) gab in längerer Rede Auskunft über alles Wissenswerthe, schilderte den bedauernswürdigen Zustand der Kohlendistrikte vor Gründung der großen Assoziation und wie die öffentlichen Zustände sich seitdem gebessert und gab über- Haupt ein genaues Bild des noch immer unbeendeten Kampfes zwischen der Assoziation und den verbündeten Kapitalisten. Er bewies mit amtlichen Angaben und Zahlen, welch' geringen Lohn die Bergleute für ihre gefährliche Arbeit, und welchen Sündenlohn, wie heidenmäßig viel Geld die verbündeten Aus- beutungs-Kompagnien aus der Arbeit der Kohlengräber ziehen. Er beleuchtete das Verfahren der behäbigen Herren, die mit Hülfe ihrer besoldeten Presse die Bergarbeiter und deren Führer zu verläumden, durch erdichtete Beschuldigungen das Volk in den Städten und auf dem Lande gegen sie aufzureizen, und, wie schon in der letzten Korrespondenz angegeben, die verschiedenen Nationalitäten gegeneinander zu hetzen suchen. Er zeigte, wie diese großen Eisenbahn-, Kanal- und Bergwerkseigcnthümcr den Staat und das Land beherrschen und die Gesetzgebung nach Be- lieben lenken, so daß Einer der Hauptleute derselben in das Amtslokal des Staatsgouverneurs wandelte und frech bemerkte, die Gesetzgebung und Executive des Staats habe kein Recht und keine Macht, sich in die Angelegenheiten der Eisenbahnen zu mischen. Siney erklärte den Grund der Feindschaft gegen die Arbeiterverbindung damit, daß letztere politischen Einfluß ausgeübt habe, indem auf ihr Betreiben gesetzliche Maßregeln zum Schutz der Minenarbeiter getroffen worden und die Kon- solidation(Vereinigung) der großen Eisenbahnkompagnien ver- hindert worden sei. Diesen Einfluß wollten die Kapitalisten um jeden Preis brechen und daher die ungeheuren Anstrengungen, die Organisation der Bergleute um jeden Preis zu zerstören. Der Redner machte auf die Versammlung einen sehr günstigen Eindruck durch seine schlichte, ungekünstelte Redeweise, und der Ernst der Lage war erkennbar in seinen den Stempel der Wahrheit tragenden Worten. Die Stimmung der Ver- sammlung gewann Ausdruck in den folgenden Beschlüssen: „In Anbetracht, daß die Sache der Arbeit in der ganzen Welt identisch(dieselbe) ist, sei beschlossen: „Daß wir New-Uorker Arbeiter den Bergleuten und Ar- beitern von Pennsylvanien unsre wärmste Theilnahme bezeugen; „Daß die Macht der Geld-Korporationen erschreckend zu- nimmt. Sie„kaufen" die Gesetzgeber und zertreten die Frei- heiten des Volks; darum befürworten wir die gänzliche Auf- Hebung aller Geld-Korporationen; „Daß der Vorstand der Nationalen Arbeiter- Union in Gemeinschaft mit allen Arbeiterorganisationen des Landes so- fort Schritte thun solle in der Angelegenheit der Pennsylvanischen Bergarbeitergesellschaft; „Daß Eisenbahnen, Kanäle, Minen und Tele- graphen Eigenthum der Gesellschaft sein sollten, weßhalb wir die Regierung auffordern, sie zu Nationaleigenthum zu machen und zum Besten des Volkes zu verwalten, wie die Post." Der letzte Beschluß ist bemerkenswerth und wichtig als Zeichen des Fortschritts in den Arbeiterkreisen, da noch im letzten Jahre ähnliche Beschlüsse kaum Unterstützung fanden in den Arbeiterkongressen w. Das Gesetz der Entwicklung der heutigen Gesellschaft in ihren Produktionsverhältnissen wirkt unwiderstehlich, hier wie drüben, und schafft die gesunde Basis für die Arbeiterpartei— die Erkenntniß ihrer Lage— weit sicherer und schneller, als alle gutgemeinten Reden und feurigen Ansprachen. Nach Schluß der Versammlung wurde ein Komitee ge- bildet zur Beschaffung von Mitteln zur Unterstützung der Kohlengräber. Nachdem die Jahresversammlung der„Söhne des heiligen Crispin"(Schuhmacher) vorüber, trat letzte Woche diejenige der Töchter derselben zusammen, aber bei ver- schlossnen Thüren. Darunter sind Einige der bravsten und tüchtigsten Arbeiterinnen des Landes, vor Allen Martha M. Walbridge von Massachusets, ein so wackres Mädel, als nur je Eines für sein Brod gearbeitet hat.— Es werden rüstige Vorbereitungen getroffen für das am 12. Juni d. I. stattfindende Arbeiterfest, dessen Ertrag zur Gründung eines deutschen Arbeiterblattes bestimmt ist. Eine Vorfeier wird stattfinden am vorhergehenden Abende in einem großen Saale, wobei auch ein Massenchor gesungen werden soll. Die Einladungen ergehen besonders reichlich an die englischsprechenden Arbeitergenossenschaften und es ist beabsichtigt, das Fest zu einem wirklich internationalen zu machen, wozu die Betheiligung des Centralkomitee's der Internationalen Ar- beiter-Assoziation besonders beiträgt.— Eine neue(französischsprechende) Sektion ist in der obern Stadt hier gegründet worden(Nr. 10); ihr Delegat Weiß ist ein Straßburger.— Die hiesige Presse jeder Farbe und Sprache heult in einem Chor über die Kommune und nur mit Mühe gelingt es, hier und da ein Fünkchen Wahrheit hineinzuschmuggeln. Die amerikanische Sektion(Nr. 9) der Internationalen Ar- beiter-Assoziation hat darum kürzlich eine öffentliche Versamm- lung abgehalten, um Verwahrung dagegen einzulegen und ihre Stimine für unsre Pariser Freunde zu erheben. Unser österreichisches Parteiorgan, der Wiener„Voltswille" ist wieder 2 Mal hintereinander, am 27. Mai und 3. Juni, — wirvermuthen wegen Besprechung derPariser Ereignisse— kon- fiszirt worden. Acht Tage vorher wurde dem„Volkswille" die Erlaubniß des Straßenverkaufs entzogen. Unser Parteiorgan, die Brüsseler„Liberts", zählt dem Abgeordneten Dumortier, welcher in der belgischm Kammer gelegentlich der Jnsurgcnten-Auslicferungsfrage gesagt hatte, die belgische Presse habe„einstimmig" die Pariser Kommune ver- urtheilt, zum Gegenbeweis diejenigen belgischen Journale auf, welche für die Kommune eingetteten sind. Es sind dies: 1) tägliche Blätter: keuple Zeige, Nouvelles du jour, Liberty Avenir, Petit Courrier(die ersten 3 in Brüssel, die andern 2 in Lüttich erscheinend). 2) Wochenblätter: Ivter- uatiouale, Voix des ecoles(beide in Brüssel), Werker(in Antwerpen), EAveil(in Seraing), Mirabeau, Union socialiste (beide in Verviers), Droit(in Charlervi), Eclair(in Lüttich), ficho und Noordster(in Ostende). 3) eine Halbmonatsschrift Stormklok(in Antwerpen) und eine Monatsschrift: Cahiers du travail(in Lüttich). Im Ganzen also 17 Blätter, von denen 5 aus Brüssel, 4 auf Lüttich, je 2 auf Verviers, Ant- werpen und Ostende und je 1 auf Seraing, Charleroi kommt, und unter denen sich 1 Schulzcttung, sowie 6 bis 7 eigentliche Arbeiterblättcr befinden. Ein sehr erfteuliches Resultat, das wir von Deutschland leider nicht berichten können. Außer den zu unserer Partei gehörigen Blättern(Wiener„Volkswille",„Crim- mitzschauer Bürger- und Bauernfteund",„Dresdener Volksbote", „Chemnitzer fteic Presse",„Braunschweiger Volksfteund") hat nur der„Frankfurter Beobachter" und der„Deussche De- mokrat"(Kaiserslautern), bis zu einem gewissen Grade, der Kommune das Wort geredet und das„Zwickauer Tageblatt" eine wenigstens nicht feindliche Stellung eingenommen. Die ganze übrige deutsche Presse, von der„demokratischen"„Frank- furtcr Zeitung" des Herrn Sonncmann bis znr„Kreuzzeitung" ist Ein reaftionärer Ordnungsbrei. Leipzig, 2. Juni. Wie man lügen kann, ohne ein unwahres Wort zu sagen. Die„Deussche Allgemeine Zeitung" berichtet über den unangenehmen Schlußakt des Pro- zesscs Leonhardt contra„Volksstaat" wie folgt: „Leipzig, 27. Mai. In öffentlicher Sitzung des Bezirksge- richtS kam die vor dem königlichen Gerichtsamie im Bezirksgericht Leipzig anhängige Privatanklagefache des Hrn. E. Leonhardt gegen den Redakteur des„Volksstaats". Liebknecht, hier in zweiter Instanz zur Entscheidung. In der Nr. 52 des vom Privatangeklagten redigirten „Bolksstaat" vom Jahre 1870 befand sich ein Aufsatz, dessen Inhalt der Privatankläger als für ihn ossenbar beleidigend zum Gegenstände der Privatanklage machte; im Laufe dieses Proeesses wurde denn auch der Privatangeklagte von dem zuerst erkennenden königlichen Bezirks- gerichtSamte hier wegen in jenem Aufsätze zu befindender öffentlicher Verleumdung zu 8 Thlrn. Geldstrafe und den Kosten verurtheilt. Die von ihm dagegen eingelegte Nichtigkeitsbeschwerde blieb erfolglos, da- gegen wurde m der Entscheidung des Bezirksgerichts auf seinen Ein- spruch das erste Erkenntniß dahin resormirt, daß der letztere straffrei gesprochen wurde und die Kosten Staats wegen übertragen wurden. Die Entscheidung des Bezirksgerichts hebt hervor,„daß die Berücksich- tigung der bereits sestslehenden Thatsache, daß der Piivatangeklagte de» fraglichen Artikel nicht verfaßt, sondern nur als verantwortlicher Redakteur des„Bolksstaat" mit Kenntniß des Inhalts aufgenommen und mit Rücksicht auf seine heutige, glaubhaste, durch nichts widerlegte und daher als erwiesen anzusehende Behauptung, daß er alle Ursache gehabt habe, den Inhalt des Artikels nach der Persönlichkeit desjenigen Mannes, der ihm denselben zum Abdruck übergeben, durchgehend für wahr zu halte», ganz insbesondere mit Rücksicht auf die Fassung des Artikels, wonach das Mitgetheilte als Gerücht bezeichnet ist, auch im Hinblicke darauf, daß bewandten Umständen nach kein Grund vorliegt, eine rechtswidrige Absicht des Privatangeklagten anzu- nehmen, da« erkennende Gericht gemäß Art. 238 Absatz 3 des revi- dirten Strafgesetzbuchs gehindert ist, die Handlung des Privaiangeklag- len als eine Verleumdung, sei es auch nur im geringsten Falle zu be- strafen" k." Alles buchstäblich wahr! Der berichterstattende Biederinann hat blos zu erwähnm vergessen, daß Zeugenerklärungm und Aktenstücke, letztere ausgegangen von den dem Er-Post- sekretär Leonhardt vorgesetzten höheren und höchstsen Behörden vorliegen, die im Wesentlichen die Richtigkeit der vom„Volksstaat" veröffentlichten Notiz beweisen, die den Gegenstand der Leonhardt'schen Verläumdungsklage bil- dete. Der berichterstattende Biederinann hat ferner zu erwähnen vergessen, daß das Dresdner Appellationsgericht(welches beiläufig nur bei vorgekommenen Formfehlern die Nichtigkeit eines Urtheils aussprechen kann, nicht jedoch in Folge mangelnder Logik, selbst blos juristischer) in seinem Bescheid erklärt hat: „daß, wenn der Artikel(des„Volksstaat") die Bor- gänge(welche die Entlassung des pp. Leonhardt veranlaßten) genau so dargestellt hätte, wie sie sich wirklich zuge- tragen haben, dessen Ehre nicht erheblich stärker ange griffen worden wäre." Nach dem Bericht des berichterstattenden Biedermann ging die Ehre des pp. Leonhardt völlig intakt(makellos) aus dem Prozeß hervor. In Wirklichkeit stellte sich der pp. Leonhardt als— pp. Leonhardt dar. Wir machen der„Deusschen Allge- meinen Zeitung" unser Kompliment; sie versteht sich meisterhaft auf die allen Staatsmännern, Jndustrierittern, Diplomaten, Soldschreibern und sonstigen Realpolittkern(„großen" und klei- nen) unmtbehrliche Kunst: wie man lügen kann, ohne ein unwahres Wort zu sagen. Bebel's Rede über die Annexion von Elsas;- Lothringen. Gehalten in der Reichstagssitzung vom 25. Mai 1871. f räsident: Der Abgeordnete Bebel hat das Wort. bgeordneter Bebel: Meine Herren, der Herr Abgeordnete Windt- Horst begann bei der zweiten Lesung des vorliegenden Gesetzentwurf« seine Rede damit, daß er sagte, die Annexion sei eine Thatsache ge- worden, es sei danach über die Annexionssrage selbst nichts mehr zu sprechen. Meine Herren, ich bin anderer Ansicht; obgleich die Annexion eine That- fache ist, halte ich es doch für durchaus nöthia, gegen die Annexion zu sprechen und die Schäden und Nachtheile nachzuweisen, die sie meiner festen Ueberzeugung nach für die deutsche Zukunft in sich schließt. Ich gehör« nicht zu Denjenigen, die blindling« die Thatsachen insofern an- erkennen, daß sie meinen, sie müßten nicht mit diesen Thatsachen rech- ten, sondern sich damit zufrieden erklären. Nein, meine Herren, es war alles Vergangene in der Welt einmal Thalsache und ist dennoch über den Haufen geworfen worden, und ich glaube, daß jetzt dick vollendete Thatsache der Annexion auf länger als 10 Jahre hinaus keine feste Thatsache bleiben wird, und insofern ist es nothweudig, daß wir uns vergegenwärtigen, welche Zukunft uns bevorsteht. Ich muß zunächst entschieden gegen einen Satz der Motive oder des Kommissionsberichts Protestiren, worin ausgesprochen wird, daß es der einmütbige Wille des deutschen Volkes gewesen sei, falls dieser Krieg siegreich für Deutschland ausfalle, auch die alten deutschen Lande Elsaß-Lothringen zurückzuerobern. Ich protestire dagegen, indem ich einfach auf die Thassache hinweise und auf die Aussprüche, die in der Thronrede niedergelegt finv, niit der der König von Preußen am 19. Juli den norddeutschen Reichstag eröffnet hat, und die niedergelegt sind in der Adresse, die Sie in Beantwortung jener Thronrede an den König von Preußen erließen, die weiter niedergelegt sind auch in je- nem Erlaß des Königs von Preußen vom II. August, als er in Frank- reich mit der Armee einrückte, worin er erklärte, daß er nicht gekom- men sei, mit dem französischen Bürger, mit dem französische» Volke Krieg zu führen, sondern mit der Regierung und der Armee. In allen diesen Erlassen ist auf das Allerentschiedenste betont, daß der Krieg nur ein Vertheidigungskrieg sei, daß es sich um keinen Länder- gewinn handle. Eerst als die Ereignisse vom J6.■ und 18. August eingetreten waren, als iich herausstellte, wie die französische Armee niedergeschmettert war, als Siegesjubel die deutschen Köpfe berauscht hatte, fand es die preußische P.litik sür angemessen, diejenigen Pläne, die sie schon Jahrelang vorher im Süllen geplant hatte, zu enthüllen und darauf Hinzuwitten, daß jenes Versprechen des Königs von Preußen dadurch die Möglichkeit einer Rückgängigmachung erhielt, indem man fä dahin zu bringen wußte, daß die öffentliche Meinung in Deutsch. land für die Annexion von.Zlsaß-Lothringen gewonnen wurde. In der gesammten offiziösen Presse wies man ziemlich unverhüllt darauf hin, daß an dieses Wort der König zwar gebunden sei. aber, wenn das Voll etwas Anderes verlange, wenn es materielle Sicherheiten durch die Annexion von Elsaß-Lothringen gegen künftige Kriege fordere, dann werde der König von Preußen dem Willen des Volkes nachgeben. Es war ganz neu, daß ein König von Preußen plötzlich sich berett er- klärte, dem vox populi— voxDei(des Volkes Stimme istGottes Stimme) zu gehorchen. Es war ganz neu, daß«in König von Preußen seine Regierungsweisheit nach dem Willen des Volkes richtete. Das ist bis letzt noch nie dagewesen, und mein Herr Vorredner hat vollständig Recht, wenn er sagte: man stelle immer gute Grundsätze nur dann auf, wenn es Einem eben passe, wenn sie die eigensten monarchischen In- teressen nach bestimmten Richtungen hin sördern. Meine Herren, es ist in den Motiven und hier in den Debatten, die über diesen Gegenstand gepflogen worden sind, von allen Seiten offen anerkannt, daß das Eroberungsrecht die Hauptbasis sür die Annexion von Elsaß-Lothringen abgegeben habe. Mein Herr Vorredner hat meines Erachtens klar und präcise die Folgen eines solchen Grundsatzes nach- gewiesen und hat mit Recht darauf hingewiesen, daß das eben Zustände und Prinzipien feien, wie sie sich für eine civilisirte Nation absolut nicht schicke». Meine Herren, wenn wir das Erobcrungsrecht als die Basis für solche Bestrebungen ansehen, dann freilich dürfen wir uns nicht wundern, wenn der Friede und unsere freiheitlichen Arbeiten für alle Zeiten verloren sind. Meine Herren, das Eroberungsrecht liegt selbstverständlich im Interesse der Fürsten; die FUrstcn haben das Jnter- eise, daß sie zeitweilig, wenn die Völker in ihren freiheitlichen Bestrebungen etwa allzu energisch versuchen sollten, ihren Wünschen Gerechtigkeit zu verschaffen,— daß sie es dann vorziehen, einen auswäNigen Krieg herbei- Zuführen. Wir haben das gesehen in dem Jahre 1866, meine Herren. wo Herr von Bismarck gegen den Willen des preußischen Volkes den Krieg gegen Oesterreich provozirtc, und wo in Folge des glücklichen Erfolges dieses Krieges es gelang, mit Hülse der stets bereiten Presse und der Staatsorganisation, die öffentliche Meinung des Volkes zu kvrrumpiren; wir haben es gesehen in Frankreich. Ueberall da,>vo Despoten an der Spitze des Staates stehen, wird, wenn das Volk nach Freiheit dürstet, ein Krieg an der Hand sein müssen, der die frei- heitlichen Bestrebungen paralysirt und ihnen einen falschen Ausweg öffnet. Meine Herreu, es ist in der Vorlage den Elsaß-Lothringern sogar das Recht benommen worden, daß sie über ihre eigenen Airgelegen- Helten, über ihre eigenen inneren Angelegenhesten bestimmen dürfen. Sie haben in den Beschlüssen, die Sie in der zweiten Lerathung ge- laßt haben, ausdrücklich ausgesprochen, daß bis zum 1. Januar 1873, also nunmehr noch auf volle 17 Monate hinaus, die Diktatur in Elsaß- Lothringen aufrecht erhalten werden müsse. � Meine Herren, es ist mir sehr interessant, gerade von liberaler Teile die Ansichten zu hören, die dafür sprechen, eine solche Diktatur- Periode aufrecht zu erhalten. Ich bin dem Herrn Abgeordneten Treitschke sehr dankbar dafür, daß er mit rückhaltsloser Offenherzigkeit die Gründe angegeben hat, die seiner Meinung nach dafür sprechen, eine solche Diktatur nothwendig zu machen, und welche dieselbe rechtfertigen sollen. Meine Herren, es ist von dem Herrn Abgeordneten Treitschke unter Anderem gesagt worden, es sei sehr wichtig, unsere Verwaltungs-, die preußischen Verwaltungsmaximen i» Elsaß und Lothringen sibald als möglich zur Geltung zu bringen. Aber welcher Art sind denn diese Verwaltungsmaximen? Derjenige Beamte, der gegenwärtig in Elsaß und Lothringen vorzugsweise kommandirt. ist der bekannte, oder ich möchte vielmehr sagen, der berüchtigte Herr von Kühlwetter,(Stimmen rechts obo!) der sich durch seine reaktionären Maßnahmen in der Rbeinprovinz, durch seine Maßregeln gegen die liberale Presse, gegen den foitschiiti» l'chen Bürgermeister Trips einen europäischen Ruf, aber keinen guten europäischen Ruf erworben hat.(Sehr wahr! links.) Meine Herren, die Polizeieiiirichtungen hat Herr Stieber eingerichtet. ein Mann, der denselben Ruf genießt, wie eben Herr von Kühlwetter, ein Mann, der seit 20 Jahren als Polizeimann in ganz Europa be- rüchtigt ist, und der Notzdem das Allerhöchste Vertrauen in besonderem Maße genießt. Mit derartigen Beamten werden Sic nie die Sympathien der Elsaß-Lothringer erwerben können, und wenn Sie glauben, daß dies die Maximen sind, die in Elsaß und Lothringen auch für die künftigen Jahre aufrecht erhalten werden sollen, dann wird allerdings das gerade Gegentheil von dem eintreten, was Sie hier bezwecken, nam- lich sich die Sympathien der Elsaß-Lothringer zu erwerben. Man hat dann weiter davon gesprochen, daß die religiöse Duloung, die wir in Deutschland genössen, und die religiöse Erziehung, die wir in Deutschland haben, aus Elsaß und Lothringen übertragen werde» müßten. Meine Herren, ich brauche hier nur den Namen des preußischen Herrn Kultusminister von Mühler zu nennen, und Jeder weiß, was das für Elsaß und Lothringen zu bedeuten haben wird, wenn, wie ei nach deni Gesetz der Fall ist, der Kaiser absolut über Elsaß und Loch- ringen 17 Monate lang disponiren kann. Meine Herren, was die Diktaturperiode zn bedeuten hat, und wie man es von preußischer Seite versteht, die Diktaturperiode im reaktionären Interesse, im spezifisch hohenzollernschen Hausinteresse auszubeuten, das meine Herren, hat die Diktatur, die Sie seiner Zeit sür die annektirte» Provinzen Hannover, Hessen u. s. w. ebenfalls haben gelten lassen, hinlänglich bewiesen. In einem Erlaß vom 6. Dezember 1366, der vom König von Preußen und 'dem Reichskanzler, dem damaligen preußischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten unterzeichnet ist, wird eben bestimmt, daß jeder mittel- bare oder unmittelbare Beamte, aus dessen Zuverlässigkeit nicht unbe- dingt zu rechnen sei, sofort aus dem Dienst entlassen werde, daß Jeder, der gegen die Anordnungen dieser Diktatur direkt oder indirekt sich auflehne, sofort nach der Festung Minden geschleppt werden müsse, (Stimmen rechts: Sehr gut!)—„sehr gut," schön!— und diesem Erlaß war es unter Anderem zu verdanken, daß eine Waschfrau, die ihrem partikularen Patriotismus durch Streue» von gelbem Sande Lust ge- macht hatte, auf Monate lang»ach Minden geschleppt wurde.(Heiter- keit.) Wenn Sie ähnliche Maßregeln in Elsaß und Lothringen einführen wollen, nun gut, Sie werden ja sehen, wie weit Sie damit fahren. Dann hat man gesagt, man müsse die preußische Städteordnung, oder die preußische Kommunalfreiheit, wie man sich ausgedrückt hat, in Elsaß und Lothringen zur Geltung zu brnige» suchen, weil ja bei der Präfektenwirthschast, wie sie dort bisher geherrscht habe, an ein freies, selbstständiges Kommunalleben nicht gedacht werden könne. Meine Herren, es ist ungeheuer billig sür Sie hier, aus die französische Präsekien- wirthschaft zu schimpfen, aber sie hätten doch sich ein Bischen mehr an- strengen und um sich schauen und sich einmal näher überlegen sollen, ob denn die preußische Landraths-Wirthschaft nicht vollkommen die französische Präfektenwirthschast auswiegt.(Sehr wahr! links.) Dasselbe Spstem, was Sie bei der Präfektenwirthschast drüben haben, das haben Sie hier bei der Landraths-Wirthschaft, und so wird sich hüben und drüben die Wirthschaft zienilich ausgleichen, und Sie haben wirklich kerne Veranlassung, sich an Ihre Brust zu schlagen und zu sagen: wir sind doch viel bessere Menschen als die da drüben. Und wie sieht es mit der Kommunalfreiheit auS? Nach der Städleordnung in Preuße», und die kommt ja hier allein in Betracht, müssen die Stadträthe und die Bürgermeister von der Regierung bestätigt werde», und wir haben 1? gesehen in der laugen Reihe von Jahren in sehr vielen Fällen, wie die Regierung das Bestätigungsrecht zu handhaben weiß. Es ist unter anderem charakteristisch, daß, als der vorhin von mir genannte Bürger- Meister Trips in Solingen nicht bestätigt wurde, weil er mit seiner Gesinnling der Regierung nicht konvenirte, der offiziell nach dem Grunde gefragte Herr von Kühlwetter angab, es habe sich herausgestellt, daß Dnpz ein schlechter Verwaltungsbeamter sei, weil er nicht einmal die Aktenschwänze in Ordnung zu halten wisse.(Heiterkeit.) Solcher Art sind die Motive, mit denen man von offiziöser Seite die Genehmigung oder Nichtbestätigung zu rechtfertigen sucht. Auch ver Herr Reichskanzler hat in der Rede, die er bei her ersten Lesung des Gesetzes hielt, mit sehr warniem Herzen, wie er versicherte, dafür gesprochen, daß man Elsaß und Lothringen die preußische Städtesrei- heu geben müsse, und sich gar�zu der Behauptung verstiegen, daß der gute Kern, der i» den gegenwärtigen Bestrebungen der Kommune in �.dris vorhanden sei, im Grunde genommen daraus hinauslause, die preußische Städteordnung in Frankreich zu verwirklichen. Meine Her- stau roar bamals in der Sitzung nicht anwesend, aber ich bin er- ' als ich die Berichte gelesen habe, daß eine Versammlung von hi»■*len Männern sich Derartiges sagen lassen konnte, ohne dabei in größte Heiterkeit auszubrechen; denn Jeder von Ihnen kennt ja unsere deutschen Kommunal- und Städteordnnugen und speziell die preußische, und ich meine, wenn die Kommune um nichts Bis- seres gekämpft hätte, als um die preußische Städteordnung, dann wäre jeder Schuß Pulver zu bedauern, denn die preußische Städteordnung ist meines Erachtens keinen Schuß Pulver werth.(Heiterkeit.) Ja, meine Herren, es sind höhere Bestrebung«», die sich dort gel- tend inachen, und der Herr Reichskanzler hätte eigentlich, wenn er mit seinen hamaligen Worten es wirklich ernst meinte, auf die Seite der Kommune treten müssen, und nicht, wie es wenige Tage nachher geschehen ist, in den Friedensvertrag eine Bestimmung aufnehinen dürfen, wonach er sich verpflichtete, die Gefangenen der sianzösischen Regierung zur Verfügung zu stellen, und sie gegen die Pariser Kam- mune, also direkt gegen die Vertheidiger der preußischen Städteordnung ins Feld führen,(große Heiterkeit) er hätte nicht die Bedin- gung daran knüpfen dürfen, daß 30 Tage nach dem Fall von Paris auch die erste Zahlung von 500 Millionen fällig sei. Denn damit hat er ja gegen die Verwirklichung der preußischen Städteordnung für Frankreich gearbeitet in ähnlicher Weise, wie er seit Jabren es in Preußen gethan hat und unzweifelhaft auch serner thun wird. Meine Herren, mögen die Bestrebungen der Kommune in Ihren Augen auch noch so verwerfiiche oder— wie gestern hier im Hause privatim geäußert wurde— verrückte sein,— seien Sie fest überzeugt, das ganze europäische Proletariat und Alles, was noch ein Gefühl für Sreiheit und Unabhängigkeit in der Brust trägt, sieht auf Paris.(Große eiterkeit.) Meine Herren, und wenn auch im Augenblick Paris un- terdrückt ist, dann erinnere ich Sie daran, daß der Kamps in Paris nur ein kleines Vorpostengefecht ist, daß Sie Hauptsache in Europa uns noch bevorsteht, und baß, ehe wenige Jahrzehnte vergehen, der Schlachtenruf des Pariser Proletariats:„Krieg ven Palästen, Friede den Hütten, Tod t er Roth und dem Müßiggange!" der Schlachtruf des gesammten europäischen Proletariats werden wird.(Heiterkeit.) Der Herr Abgeordnete Treitschke hat ferner am Sonnabend aus- gesprochen, es gelte vor allen Dingen, das Gefühl für die monarchische Institution in Elsaß-Lothringen wieder wachzurufen. Der Herr Ab- geordnete Treitschke ist allerdings Geschichtsprosessor; aber ich beziveifle doch, daß er das innere geistige Leben der Völker genau kennt;(Heiterkeit) denn sonst, meine Herren, könnte er unmöglich glauben, daß bei einer Bevölkerung mit solch revolutionären und republikanischen Traditionen, wie sie die clsasser Bevölkerung seit 80—90 Jahren in Verbindung mit Frankreich durchgemacht hat, es möglich sei, das mo- narchische Gefühl in Elsaß- Lothringen wieder herzustellen. Täuschen Sie sich nicht, meine Herren, wenn einmal die Annexion unabänder- lich ist— und wir Wenige können Sic ja beim besten Willen nicht rückgängig machen gegen die Macht, die uns gegenübersteht— dann ist der einzige Vortheil, den ich in der Annerion von Elsaß-Lothringen erblicke, der, daß gerade diese revolutionären und republikanischen Ten- denzcn, die meiner Ueberzeugung nach in einem großen Theile der Bevölkerung von Elsaß- Lothringen leben, jetzt nach Deutschland mit hinübergenommen werde», und daß Elsaß-Lothringen so den Keil bil- det, der es uns mit möglich machen wird, nach einiger Zeit das ge- sammte monarchische Deutschland aus den Fugen zu treiben. Ich von meinci» Standpunkte aus protestire entschieden gegen die Annerion, weil ich sie für ein Verbrechen gegen das Völkerrecht halte, weil ich sie für einen Schandfleck in der deutschen Geschichte halte. Ich hosse, daß die elsnssische Bevölkerung, ihrer sreiheitlichen Missiop sich bewußt, den freiheitlichenKampfgemeintmit uns in Deutschland aufneMen werde, damit endlich die Zeit komme, wo die europäischen Bevölkerungen ihr volles Selbstbestimmungsrecht erlangen, was sie aber nur bekommen könne», wenn die Völker Europas in der republikanischen Staats- form das Ziel ihrer Bestrebungen erblicken.(Unruhe.) „Unter Fritzens Angen" wurde am dritten Psingstfeiertag zu Bremen das Stistungsfest des Hatzfeldt'schen Vereins abgehalten und aus„Fritzens" Mund strömte der„Geist" über die Gemeinde. Ein außerordentlicher und unerwar- teter Spezialkorrespondent(der natürlich Niemand anders sein kann, als„unser Fritze", dessen Handschrift wir auch, obgleich er sich nicht unterzeichnet hat, genau erkennen), schreibt uns„per Erpreß" über dieses weltgeschichtliche Eceigniß: „„Ich habe gesprochen." Nämlich ich, Fritz Hatzfeldt, geborner Mende, und zwar aus dem Stiftungssest meiner Gemeinde. Was ich„ge- sprochen" und unter welch schwierigen Umständen, das zeigt folgender, von mir selbst allerhöchst eingesandte Bericht der„Weser- Zeitung", dessen Durcblesnng ich Gesprochenhabender hiermit dem gehorsamen Le- ser kraft meines Amts als Diktator anbefehle.„--*( Hr. Mende hatte Mühe, die Aufmerksamkeit seiner durch Musik und Tanz bereits sehr erregten und zerstreuten Hörer zu fesseln. Nachdem er die Zwecke und Ziele des Vereins auf sozialem Gebiete dargelegt und zum nuerschüt- terliche» Festhalten an Lassalle's Grundsätzen, dem allgemeinen direk- ten Wahlrechte und der mittels desselben zu erstrebenden Staatshülfe, aufgefordert hatte, protestirte er gegen jede Solidarität mit den Internationalen. Die soziale Bewegung des 13. jMärz habe sich nur kurze Zeit seiner(„Frivens") Sympathie erfreut; er habe sie für verloren gegeben, als durch das iuternationaleFöderativsyftem die einziazu erstrebende Centralisation in de» Hintergrund gedrängt wurde. Die soziale Frage müsse zunächst ans nationalem Gebiete gelöst werden, eine republikanische Staatsform sei dabei Nebensache. Erst in noch nicht zu ersehender Ferne habe eine internationale Gestaltung der Dinge Sin». Um aber die soziale Frage lösen zn können, müssen die Arbeiter Hand an sich legen, müssen sich erziehen lassen, ihre politische Bildung, die jetzt noch sehr im argen, verbessern. Nicht durch rohe Gewalt könnten die idealen Ziele des Altmeisters Laflalle*») verwirklicht werden, sondern nur auf der friedliche», durch die Zivilisation und Wissenschaft(„Fritzens"!) bezeichneten Bahn. Die Greuel in Paris sprächen aller ZivilisationHohn und er(„unserFritz") protestire im Namen des Vereins gegen jeden Vergleich mit der internationalen Assoziation. Nicht Denkmäler und Paläste zu zerstören, wohl aber sie zu bauen ilnd zu erhalten sei der Berus des Arbeiters." Der erste deutsche Webertag. (Schluß.) Glauchau. In der letzten Hauptversammlung wurde» folgende Resolutionen und Anträge zum Beschluß erhoben: 1) Der Webertag empfiehlt sämmtlichen Fachgenosseii, die Bezah- lu iig der bisher unbezahlte» Arbeiten zu verlangen und die hierfür zu erhebenden Sätze durch überall zu wählende Lokalkom- Missionen feststellen zu lassen, das Resultat dieser Bestrebungen aber in dem Zirkular des leitenden Komitees zu verössenlliche». 2) Der allgemeine Webertag empfiehlt allen Fachgenossen, bei Or- ganisirung von Strikes mit der größten Vorsicht vor- zugehen und unter keinen Umständen eine Arbeitseinstellung voizu- nehmen, wenn nicht die Gewißheit vorhanden ist, daß durch genügeude Mittel und Unterstützung der Erfolg gesichert ist. Die Bildung von Schiedsgerichten bei Strikes, die zu gleichen Theilen aus Arbeitern und Arbeitgebern bestehen, um Differenzen aus gütlichem Wege auszugleichen, erklärt der allgemeine Webertag kür wllnschenswerth. S> Der Webertag erklärt es sür eine dringende Pflicht, Arbeiter, welche in Folge ihrer Thätigkeil zum Besten ihrer Genossen, sei es voil Seiten der Arbeitgeber oder von Seiten der Behörden gemaßregelt werden, materiell und moralisch zu unterstützen. 4) Es ist ein Akt der Humanität und Gerechtigkeit, von Staats- wegen das strengste Verbot der Kinderarbeit in den Fabriken und Werkstellen auszusprechen. Der Webertag betrachtet eS als seine Ausgabe, energisch zu wirken, daß die Gesetzgebung in diesem Sinne umgestaltet wird. 5) Es ist Pflicht der Fachgenosseii, dahin zu wirken, daß die Frauen in den Fabriken und Werkstellen mit in die Gewerks- und Fachorgani- nen als Gleichberechtigte eintreten, um es dahin zu bringen, die Löhne der Frauen und Rtänner gleichgestellt werden. *) Die Einleitung müssen wir wegen Raummangels zu unsrem größten Bedauern weglassen. D. Red. ") Warum nicht I u ng meistert Es ist wahr, das Wort Alt- meister klingt vielleicht besser, und der seine Vergleich mit Göthe hat etwas Jniponirendes,— allein, aber, indessen Lassalle ist leider nicht alt geworden, also auch kein Altmeister, wie der„Kunslgreis" Göthe. Doch wozu mäkeln? Wenn„der deutsche Kaiser über der Grammatik steht",(wir meinen hier nicht den Kaiser Wilhelm und seine Tele- gramme) warum nicht„unser Fritz" über der deutschen Sprache? 6) Der Webertaa erklärt: In Erwägung, daß die Einfüh- rung des Normal- Arbeitstages resp. 10 siündige Ar» beitszeit ein nothwendiger Schritt ist zur Lösung der so- zialcn Frage, ist es Pflicht aller G. werks- und Fachgcnossen, mit allen ihnen gesetzlich zu Gebote stehenden Mittet» aus die Gesetzgebung einzuwirken, daß e»n derartiges Gesetz geschaffen wird. 7) Der Wehertag hält(mit allen gegen 2 Stimmen) das Verbot dcrSonnlagsarbeil im Interesse der Erholung und Ausbildung de» Arbeiters sür nochwendig. 8) Die Arbeitervermittcluug durch Fakto re, sowie die Strafgel der sind abzuschaffen, daunler diesen Umständen die Arbeiter den größten Unannehmlichkeiten ausgesetzt sind. Die Arbeiter haben zu diesem Be» Hufe sich zu vereinigen, um dauernde Abhilfe zu schaffen. 9) Die Einrichtung vonsgewerblichen Schiedsgerichten, deren Fach- richter aus allgemeiner direkter Wahl hervorgegangen und deren Ent- scheidung Kläger und Beklagte bindet, ist dringend nöthig, da durch den beschwerlichen Rechtsweg verschiedene Differenzen zum Nachtheil der Belheiligten unerledigt bleiben. 10) Der Webertag'wird den obligatorischen, unentgeltlichen ge- werblichen Un terr ich t soviel als möglich erstrebe» und, wo es thunlich ist, sofort damit vorgehen, und zwar uilter Leitung und Aussicht von Gewerbetreibenden. 11) Bei jeder Veränderung der Zollgesetzgebung sind nicht nur die Unternehmerkreise und deren Organisationen, sondern ebenso die Lohnverhältnisse der von solchen Verhältnissen berührten Arbeitenden zu berücksichtigen und dahingehende Enquete» anzustellcn. 12) Bezüglich der Zucht l?ausarb eit wird für nöthig erklärt, bei der Berwerlhung der Arbeitskraft möglichst freie Konkurrenz zuzulassen. Als Vorort wurde Glauchau und Meerane bestimmt. Zum nächsten Kongreß ort wurde Berlin gewählt. Der erste deutsche Webertaa ist sehr bcsricdigend verlausen. Ber- treten waren im Ganzeu 134 Orte durch 151 Dclegirte(die Zahlenau- gäbe in voriger Nummer war unrichtig); außerdem gingen im Lause der Verhandlunge» eine große Menge von Zuschriften aus Süddeutschland, Hannover, Schleswig-Holstein, Pommern, Schlesien, der Provinz Sachsen ei». Es waren aus dem Kongreß die verschiedenen Fraktionen der Arbeiterpartei vertrelen._ Allgemeiner deutscher Schuetderverein. Nürnberg, den 4. Juni. Kollegen! Mit dem wiederkehrende, I Frieden, mit dem Aufblühen dcS Geschäfts glaubten wir zu der Hoffnung bcrechligt zu sein, daß die Mitglieder allerorts sich rührig zeigen würden, um nach der so traurigen Erschlaffung wieder frisches Leben, neuen Muih in den Verein zu dtingen, denselben weiter auszudehnen und zu kräftigen; wir haben aber bis jetzt sehr wenig davon gesehen. Kollegen, es ist doch Pflicht jedes Mitgliedes, für die Verbreitung unserer Prinzipien, für die Erhaltung und Vergrößerung des Vereins Sorge zn trägen. Lassen wir uns doch nicht abschrecken durch die ver- schiedenen Unfälle, sondern bieten wir allen Gefahren die trotzige Stirn l Nie und nimmer dürfen wir im Kampfe erlahmen, sondern nurimmer mulhig vorwärts schreiten! Kollegen! Bei uns ist es dringende Nothwendigkeit, daß Alle zu- sammenste'hen, um dem fürchterlichen Mißbrauch, um der krassen Aus- beutung unserer Arbeitskraft durch die Konfektionäre nnd Kapitalisten ein Ende zu machen. Daß dies nur möglich ist, wenn überall alle Arbeiter sich um unsere Fahne schaaren, das weiß Jeder. In Betreff der Gcneralversamniluiig ersuchen wir sämmt- liche Mitgliedschafte», sich über das„Wo und Wann" auszusprechen, und uns baldmöglichst Nachricht zu geben. Zugleich fordern wir die Mitgliedschaften Mainz und Wiesbaden aus, endlich einmal Nachricht zu geben, widrigenfalls wir anders vorzugehen gezwungen wären. Zu- gleich ersuche ich Alle, auf meine veränderte Adresse gefälligst Acht zu gebe». Mit soziatdeniolralischein Gruß und Handschlag I. Baumann, Geschäflsiührer. Prechlelsgasse Nr. 16, III. Internationale Gewertsgenosscnschast der Schuhmacher und verwandten Gewcrle. München. Verkehr und Arbeilsverimitlung für Schuhmacherge- Hilfen befindet sich beim Kreuzbräu, Brunngasse Nr. 7. Hannover. Eine Mnstersabrik. In dem früheren Etablissement von Georg Egestorf, nachherigerLokomotivbauansiall vonStro nsberg in Linden bei Hannover, jetzt einem Consortium von„Patrioten" ge- hörig, sind an 1800 Mann beschäftigt, welche laut Bekaniltmachung der Besitzer denselben einen Reingewinn von 350,000 Thaler in einem Jahr einbrachte». Da aber diesen Herreu, welche immer so warme Herzen für die Arbeiter haben, wenn die Wahl zum Reichstage vor der Thür ist, ihr„Entbehruiigslohn" zu gering scheint und sie wieder zu ihre» Jllumiuationskoste» kommen möchten, greifen sie zu dem ein- fachen„liberalen" Mittel, sich durch ihre Organe Arbeiter von auswärt» hierher verschreiben z» lassen mit der verlockenden Reklame, daß der tägliche Verdienst 1, t%, bei außeroidentlichen Leistungen 2 Thlr. be- trage. Daß aber die außerordeiitltche Leistung in Tag- und Nacht- arbeit besteht, davon sagen sie nichts. Sie lassen in der Dreherei Tag- und Nachtschicht eintreten, eine Anzahl kommt Morgen» 6 Uhr und wird Abends 6 Uhr abgelöst; Manche müssen sogar von Morgens<» bis Abends lOVa llhr arbeiten. Aber man möge ja nicht glauben, baß der Verdienst dieser Arbeitszeil entspreche; denn, um die ssichter der Illumination zu bezahlen, mußten die Arheiter ei» Drittel ihres bisherige» Verdienstes einbüßen, und wer es nicht wollte, der sollte es einfach sagen,— um dann enttassen zu werden. Tragen die Arbeiter nicht selbst Schuld daran, daß mau sie so behandeln kann? Würden sie in Masse uusren Reihen sich anschließen, wir— wollten sehen, ob mau ihnen so etwas bieten könnte! Wie man mit den Abzügen verfährt und diejenigen Arbeiter, welche nicht zu Allein, was diesen Herren beliebt, stillschweigen, behandelt, lehre folgendes Beispiel: Als die Reichs lagswahl kam und die Mitglieder de« Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereius Herrn Bernhard Richter als Kandidaten aufstellten, konnte ich, als Sozialdemokrat, nicht umhin, den biesigen Arbeitern in einer Arbeiterversammlung genannte Person sür die Wahl zu empfehlen. Da ich auch gegen die Tag- und Nacht- arbeit Opposition machte, mußte ich fort; der Herr Direktor von Bock ist' aber ein guter Diplomat und wußte sich, um mir nicht rundweg zu kündigen, folgenoe» Rath: Ich halte einen Akkord mit einem Meister geschlossen, welcher 22 Thaler betrug; da wurde ein anderer Meister au'getrieben, ein Herr Stock, welcher sich al« Werkzeug gebrauchen ließ, den Akkordzettel aus 15 Thlr. zu fälschen. Ich ging sofort zur Direktion, wo man mir natürlich, als ich energisch auftrat, meinen ausgedungenen Preis bezahlte; ich legte aber die Arbeit nieder, da ich einsah, daß man sich meiner entledigen wollte und reise nun nach Amerika. Herr Direktor von Bock hält denjenigen Arbeiter sür einen„sau- len Kerl", der die ganze Woche von 6 Uhr Morgens bis 10 Uhr Nacht» gearbeitet, aber Sonnabend NachtS nicht arbeiten will. Der- selbe Herr wünschte sich einmal, trotz seiner„liberalen" Gesinnung, nach Rußland, denn da könnte er doch die Knute gebrauchen! Wicht minder liebenswürdig ist der Schmiedemeister Barmerft, welcher früher als Arbeiter in Chemnitz fungirte. Diesem Herrn ist es ein Dorn im Auge, daß sich der Arbeiter einen Angeublick ausruht, so lange bis das Eisen zum Schmieden warm ist; er hat deshalb die Gegenstände, welche zum Sitze dienen können, enlsernt, damit sich die Arheiter nicht mehr letzen können; die Unverbesserlichen setzen sich aber jetzt auf den Ambos! R. J. Tpnnban, 31. Mai. Gestern Vormittags 11 Uhr fand Hierselbst eine allgemeine, ziemlich gut besuchte Arbeiter-Versammlung statt. Dieselbe war von mehreren Sozialisten einberufen. Aus der Tagesordnung stand: Der Normalarbeitstag; Referent war Herr Mehner aus Berlin. Derselbe wies in längererRede schlagend nach, wie schädlich die heutige Productionsweise sei, und wie schwer das Lohngesetz auf den Arbeiter aller Bcrufszweige lastet; und er ent- wickelte daraus die Nothwendigkeit der Einführung des Normalarbeits- tages. Redner beleuchtete die Bortheile dieser Mußregel nach allen Seiten. Bei der hierauf folgenden Diskussion wurden die anwesenden Fortschrittler(meist Arbeiter» grundlich abaesertigt. Namentlich be- tonte Herr Metzner noch, daß die Arbeiter sich durchaus nicht als An- hängsel irgend einer andern poiiti»chen Partei gebrauchen lassen dür- sen. Schließlich wurde mit der Emzeichnung zur Gründung eine» Arbeiter-Vereins(Eisenacher Programm) vorgegangen. W. Fischer. (Schlvh von Seite 1.) uutti' ihnen befanden sich der Erzbischus von Paris, der Pfarrer der Madeleine, der Senaior von Bonjean, der Bankier Jecker(von der mexikanischen Expedilio» her beriichitgt), der Abbö Inge und 40 Prie- ster. Manvermuthet, dag siesämnillich füsilirt worden sind. Eiwa blXZ politische Gefangene blieben in Mazas zurück. Am Donnerstag um 6 Uhr Morgens fiel eine Bombe in die zweite Division deS Mazas-Gefängnisjes und b ald darauf platzte eine andere in der dritten Division, gegenüber derZelleNr. 48 undrichlete grojie Btrheeru.lc>en an. DieWärter gerathen in Angst, öffnen die Zellen und fuhren die Gefangenen in den großen Mitielraum. Um 7 Ubr erscheint ein höherer Oificier der Föderirten mit dem Befehl, die 500 Gefangnen in Freiheit zu setzen; es befanden sich unter ihnen nur fünf Geistliche. Kaum der Haft ent- lassen, stogrn sie aus die Barrikaden, wo die Föderinen sie zwingen wolle», an dem Kamps« theilzunehmen. Die Meisten weigern sich und werden füsilirt; Einige» gelingt es, unter tausend Umwegen und Ge- fahre» zu entrinnen. Einer der Gefangenen, Herr Bacon aus dem Gers-Departement, hatte dies vorausgesehen und war lieber in der Haft geblieben, wo ein Wärter, NaiuenS Sollin, ihn als Landsmann unter seinen Schutz genommen hatte. Im Laufe des Morgens erössnete der Direktor von Mazas, Bürger Gareau, seinen Unterge- denen, daß das Gefängniß auf Befehl der Kommune in Brand gesteckt werden wlle, und daß das ganze Personal sich sofort zurückzuziehe» hätie. Herr Bacon erfährt nun, daß der Wärter Colli» am Tage zu- vor Pulverfässer, die man in den Kanälen des Gefängnisses aufgestellt hatte, glücklich weggenommen und im Garten vergraben hat. Darauf- hin überredete er den Brigadier der Gefangenwätter, die Thore zu schließe», den Direktor am Wezgehen zu verhindern und das Weitere abzuwarten, da das Gesängniß ja nicht in die Luft springen könne. Man behält in der Thal den Direktor Gareau als Geisel zurück, und hält, obgleich die Föderirten von Außen durch die Scharten der Mauern bestänhig mit Gewehren herein schießen, tapser bis 9 Uhr Abends aus. In diesem Augenblicke erscheinen die wacke- ren Soldaten vom 3b. Linienregimeni, welche die Seine bei Bercy überschritten hatten, und bemächtigten sich des G-sängnisscS. Der Di- reklor Gareau, eine Er.aiur der Kominuue, wird auf Befehl des Kommandanten in eine Zelle gesperrt, und die Gebäude werden von der Truppe bejetzt. S itdem hat Mazas allen Bomben und Berfuchen, eS von Außen in Brand zu stecken, glücklich widerstanden." Aus dem ersten Theil dieses Berichts ersehen wir vor Allem, daß, als in der Polizeipräfektur das Feuer ausbrach, die Communalistcn infolge der„dadurch entstandenen Verwir- rung sich der Gesangenen nicht mehr erinnerten." Daraus folgt doch zur Genüge, daß das Feuer von Außen, durch die Bomben der Versailler, entstanden ist; denn wie hätten sonst die Insurgenten, wenn sie das Feuer— und sogosi mit Vor- bedacht— angelegt hätten, in so seltsame„Verwirrung" kom- men tonnen? Ganz dasselbe ist auch im Gesängniß Mazas der Fall, und die hierauf bezügliche Stelle ist so klar und beut- lich, daß sie einer Mißdeutung gar nicht fähig ist. Es heißt da:„Es fiel eine Bombe in die zweite Division des Gesang- nisies und bald darauf platzte eine andere in der dritten Division uno richtete große Verheerungen an. Die Wärter gericthen in Angst u. f. w." Nichtsdestoweniger heißt es aber doch am Schluß, daß„die Föderirten(d. i. die Pariser Nationalgarden) durch die Scharten der Mauern(des Gefängnisses Mazas) fortwährend hineingeschossen" haben. Er- wägt man aber, daß kurz vorher gesagt war, sämmtliche 500 Gefangene wären auf Befehl eines höherern Kommune-Offiziers aus Mazas entlassen worden, so ist doch gar kein Grund vor- Händen, daß die Insurgenten bis 9 Uhr Abends hineingeschossen haben sollten I— So viel nur geht aus dem Schluß hervor, daß der Gesängniß-Direktor Gareau von den Versaillern füsilirt wurde, als letztere das Mazasgefängniß eroberten; dagegen sieht die Eskomotage der Pulverfässer durch den Wärter Collin wie eine Finte aus, dazu bestimmt, dem angeblichen Plan des Direktors, das Gesängniß in die Luft zu sprengen, einen ge- wissen Schein der Wahrheit zu verleihen.— Unbestreitbar aber haben wir hier schwarz auf weiß, daß die Insassen beider Gefängnisse— 150 von der Polizeipräfektur und 500 von Mazas— nicht füsilirt, sondern freigelassen wor- den sind, und wenn einige von ihnen trotzdem bald darauf getödtet-worden sind, so fielen sie nicht als Geiseln, sondern durch die Schüsse der Barrikadenkämpfer. Die Gefangenen der Polizeipräfektur wurden sogar durch den Polizeiminister Rigault selber befreit, und danach scheint es mehr als unglaublich, daß vier Stunden vorher der Sicher heitsdelegirte Ferr� den schriftlichen Hinrichtungsbesehl überbracht haben soll. Aus demselben Grunde erlauben wir uns auch die-anderweitige Angabc des„Siäcle", Rigault habe Tags zuvor(am 23. Mai) die Erschießung Chaudey's persön- lich kominandirt, zu bezweifeln. Die Brände betressend, sei hier noch erwähnt, daß die englischen Korrespondenten von den furchtbaren Wirkungen der Petroleumbomben in der inneren Stadt sprechen. Wer den Parisern nicht die verrückte Absicht zutraut, einen Massen- selbstmord zu inszeniren, muß sich an seinen 5 Fingern ab- zählen, daß diese Petroleumbomben nur von den Angreifern, d. h. den Versaillern geschleudert sein können.— Die„Correspondance Havas" berichtet:„Zwei Mitarbeiter Pyat's, Rogeard, der Verfasser der„Propos de Labienus", und Troubet, Beide Redakteure des„Vengeur", wurden ver- haftet, desgleichen Otysse Barot, früher Sekretär von Gu- stave Flourens und Redakteuer des Fäddraliste." Sodann wird berichtet, daß der von der Kommune zu Auber's. Nachfol- gcr als Direktor des Konservatoriums ernannte Salvador, als er verhaftet werden sollte und Widerstand leistete, auf der Stelle niedergestoßen wurde. Eben so wurde Jourde, Finanz-Delegirter der Kommune, weil er mit dem Gewehr in der Hand gefangen genommen ward, sofort hingerichtet.— Vermesch nebst seiner Freundin und Apotheker Miot wurden verhaftet und nach Versailles gebracht; Treilhard, Delegirter der Kommune, auf der Stelle er schössen. D ombrowski's Tod bestäugl die„Corresponbance";er starb an der aus dem BoulevardOr- nanoerhaltenen Wunde mitdenWorten:„Sostirbc man, wenn man verrathen ist." Derselben„Correspondance" entnehmen wir weiter: Der Kommandant Brunei(von den Kämpfen von Jssy bekannt) ist am Donnerstag bei seiner Geliebten in der Rue de laPaix ergrissen und füsilirt worden. Letzlere wurdevon Nativnalgardisten der Ordnungspartei ebenfalls erschossen.— Die Frau des Generals La Cacilia wurde hinter einer Bar- rikade getödtet, als sie zu derselben Pflastersteine herbeitrug. Sie hinterläßt ein Kind von sieben Monaten, welches man noch nicht wiedergefunden hat.— Am Mittwoch wurde wiederholt am Boulevard de Magcnta aus den Häusern auf die Soldaten geschossen, welche die Verwundeten nach dem Hospital Lariboisiörc trugen. Nachforschungen, die man in den Häusern vornahm, blieben lange fruchtlos; endlich entdeckte man in den Kellern den Bürger Lhuillier vom Central-Komitee; er wurde sofort füsilirt und sein Leichnam blieb am folgenden Tage auf offener Straße ausgestellt.— Gerüchtsweise verlautet, daß Pottier und Se ruiller, Beide Mitglieder der Kommune, auf der Place des Petits-Päres erschossen worden wären. Der Gerant des„Rappel", Albert Barbieaux, ist verhaftet und nach Versailles gebracht worden,-r- Nadar, der berühmte Luftschiffer, ist verhaftet.— Doktor Touy-Moilin, Delegirter der Kommune für die Mairie des 6. Arrondissements, ist in der Nacht von Samstag zu Sonntag von dem im Luxembourg ta- genden Standgerichte zum Tode verurtheilt worden. Tony- Moilin lebte schon seil längerer Zeit in wilder Ehe mit einer Frau. Er äußerte den Wunsch, dieses Berhältniß vor seinem Tode zu legitimiren. Der Präsident des Kriegsgerichts ließ sogleich Herisson, den Maire des K. Arrondissements, rufen, welchen der Verurtheilte am 18. März aus der Mairie ver- drängt hatte. Zwei Offiziere dienten dieser Trauung in extremis als Zeugen. Um Zwei Uhr Morgens war' die Ceremonie vollendet, und um 5 Uhr hatte der Doktor Tony-Moilin auf- gehört zu leben."— Unterm 31. Mai schreibt der Pariser Correspondent der „Frankfurter Zeitung":„Der Oberst Jaclard, einer der sozialistischen Redner des Berner Kongresses der Friedens- und Freiheits- Liga, wurde auf einer Barrikade getödtet. Der Kommandant Panichard, welcher die Eclaircurs de laCommune befehligte, Salinski, Adjutant Dombrowski's, der Oberst Lisbonne, ein Buchdrucker, der Bürger Fontaine, Mitglied der Kommune, die Kapitäne Bidet und Duquesnoy wurden füsilirt. Dem Bürger Ostyn, einem Mitglied der Kommune, von Geburt Belgier, widerfuhr dasselbe Loos. Der Oberst Dura ssier starb in der Ambulance der Champs Elysees. General Eudes soll entkommen sein, und von Avrial und Rossel heißt es, sie haben sich nach London geflüchtet. Unter den arrelirten Personen befinden sich Gustave Maroteau, welcher den„Salut public" redigirte, und der Bürger Napoleon G aillard, der Jüngere. Es bestätigt sich, daß der Graf von Beaufort, welcher Cluseret als Adjutant diente, unter der Anschuldigung des Verrathes erschossen wurde. Beaufort soll in der Thal mit Versailles in Verbindung gestanden haben. Bei dem Bürger Varlin, Exdelegirten der Finanzen, der in Montmartre erschossen wurde, fand man die runde Summe von 400,000 Franken(??). Gestern um 3 Uhr NachmittegS fanden auf dem Pere Lachaise summarische Massenhinrichtungen statt. Die Zahl der dort erschossenen Föderirten wird so hoch angegeben, daß ich, dem Beispiel des„Siäcle" folgend, sie nicht reproduziren will. Uebrigens soll vorgestern noch der General Ladmirault Gegenstand eines Attentats gewesen sein in demselben Augenblicke, wo er in's Palais Elysee ein- trat. Die Zahl der gefangenen Föderirten wird auf 30,000, die Zahl der auf den Barrikaden gefallenen oder füsilirten auf 15,000 angegeben." LetztereZahl ist entschieden zu niedrig gegriffen. Englische Berichte sprechen von 50,000.— Durch die deutschen Zeitungen ging dieser Tage folgendes Pariser Telegramm:„Die Biälter veröffentlichen ein Schreiben des Unterdireklors der Bank, welcher erklärt, die Bank sei während der Herrschaft der Kommune intakt(unversehrt) ge- blieben. Die Bank habe der Kommune nur 9'/, Mill. Frcs. überliefert, welche sie der Stadt Paris geschuldet, ferner 7,290,000 Frcs. mit Zustimmung der Regierung von Versailles."— Und dieselben Preßbanditen hatten fort- während Schauerberichte über die„Plünderung der Bank"(und sonstige Plünderungen) gebracht, und— werden auch fortfahren es zu thun.— Wird in Frankreich die Republik erhalten bleiben, oder eine monarchische Restauration kommen? Müßige Frage. Der weiße Schrecken wird herrschen— gleichgültig, unter welcher Firma. Der Name thut nichts zur Sache. Ja, wir für unser Theil müssen sogar gestehn, wir sähen es lieber, das brutal niederträchtige Säbel- und Polizeiregiment, dessen die Bourgeoisie nach ihrem Sieg über die Kommune bedarf, feierte seine Orgien im Namen der Monarchie, als in dem uns theuren der Republik. Einige Bourgeoisblättcr haben die naive Unverschämtheit, die deutsche Sozialdemokratie zu einer formellen Dcsavouirung der Pariser Kommune aufzufordern. Les't unsere Parteiorgane, Ihr Herren Bourgeois, da findet Ihr die Antwort! Wir sind, und wir erklärenuns sol idarisch mit der Kommune, und sind bereit, jeder Zeit und gegen Jedermann die Handlungen der Kommune zu vertreten. Doch nun eine Gegenfrage: Seid Ihr bereit das Gleiche zu thun mit der Französischen Bourgeoisie? Erklärt Ihr Euch solidarisch mit den Besiegern der Commune? Heraus mit der Sprache! Wir haben Euch Rede gestanden— steht jetzt auch uns Rede. Billigt Ihr den bewaffneten Angriff auf die Commune, welche vie Hand zu einem friedlichen Aus- gleich gereicht hatte? Billigt Ihr die Versailler Petroleum- bomben? Billigt Ihr die in der modernen Geschichte beispiellos dastehenden Greuelthaten Eurer Französischen Ord- nungsbrüder? Heraus mit der Sprache! Ja oder Nein! Und Schweigen heißt Ja! Die Rede Bebels gegen die Annexion von Elsaß-Lo- thringen, welche wir heute nach dem amtlichen stenographischen Berichte mittheilen, hat der Bourgeois- und sonstigen Reaktions- presse zu einem wohl exekutirten Heul-Conzert Anlaß gegeben. Unsere, von den heutigen Staats- und Gescllschasts-Mißbräuchen lebenden„Wohlgesinnten" sind natürlich erbost darüber, daß ihnen, mitten in den Siegesorgien über den Fall der Commune, das Mene Tekel an die Wand ihres eignen„Reichstags" geschrie- ben worden ist. Wir begreifen den Aerger ob des„gestörten Opferfests" und— kondoliren pflichtschuldigst. Zum Theil ist die Entrüstung freilich auch blos erheuchelt, und hinter oer(im übrigen harmlosen und den Lungen sogar zuträglichen) Heulerei versteckt sich eine Denunziation. Wohlan, denunzirt nur brav drauf los! Ihr denunzirt damit Euer innerstes Wesen, wo- mit Ihr uns mehr nützt als Euch. Oder glaubt Ihr uns einzu- schüchtern? Wir dächten, Paris müßte Euch gelehrt haben, daß die Sozialdemokratie für ihre Prinzipien einzustehen weiß. Ein paar Blätter bestreiten das„Recht" und das„Man- bat" Bebels, für die Commune zu sprechen. Wir erklären hier- mit formell im Namen der sozial-demokratischen Arbeiterpartei: Nicht allein daS Recht, sondern die Pflicht hatte Bebel, im Reichstag für die Commune zusprechen. Hätte er eS verabsäumt, so würde er die sozialdemokratische Partei schlecht vertreten ha- ben; hätte er im entgegengesetzten Sinne gesprochen, so wäre er nicht länger Mitglied der sozial-demokratischen Partei. Was endlich das„Mandat" angeht, so hatte Bebel ein doppeltes: Das Mandat seiner Wähler, die ihn nach Ber- lin geschickt haben, damit er so rede, wie er geredet hat,— und das Mandat der Deutschen Sozialdemokratie, die sich mit der Pariser Commune solidarisch fühlt, und von ihrem Vertre- ter im Reichstag forderte, daß er diesem Gefühl Ausdruck gab. Barme«, den 3. Juni. In der gestrigen, von eiwa 40i) Personen besuchlen Volksversammlung, wurde den Rednern, welche für die Pariser Kommune sprechen, allgemeiner Beifall gezollt._ (Eingesandt.) Leipzig, 5. Juni. In dem hiesigen Organ für Schweinsknöchel, Saueitraul und künstlichen Guano finden sich seit einigen Tagen die heftigsten und gemeinsten Ausfälle gegen Bebel. Zwei längere Ergüsse sind dem„Zwickauer Wochenblalte" entnommen und jedenfalls erst ans Bestellung von hier aiigefertigt worden, durchaus jedoch so albern und dumm, daß sie einen Platz in unserm berühmten Bildungsorgan ver- dienten. Dies überhebt uns einer jeglichen Kritik. Wenn aber in letzter Sonuabend-Rummer ein Skribisar gegen Bebel wegen dessen letzter noch ungesehenen ReichslagSrcde vorzugehen und in ciucr wahren Quartanerarbeil denselben über den„heutigen gänzlichen Mangel eines Proletariats" zu belehren sucht, ohne dabei unterlassen zu können, sich am Schlüsse seiner styllosen, tilldischen Salbaderei als Freimaurer zu erkennen zu geben,— so können wir nicht unterlassen, dem Schreiber einige Winke zu weiterem selbsteigene» Nachdenken hier folgen zu lassen. Werl es also heute keinen Jaegues bouhornrne(ein Spottname, womit der Adel in Frankreich im 14. Jahrhundert die Bauern bezeichnete) mehr giebt(und demgemäß auch keine äseguorie(Bauernaufstand) mehr ausbrechen kann), soll es auch kein Proletariat mehr geben? Sehen Sie, lieber Freimaurer, wie kurzsichtig Sic nur noch sein können. Gehen Sie hlnei» in Ihre Loge, ob es nicht auch dort, wo Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit so schön sich verwirklichen sollen, Proletarier giebt. Sind Ihre„dienenden Brüder" nicht etwa die Proletarier der böge? Genießen sie mit den Andern dieselbe Gleichheit, wird ihnen die- selbe Brüderlichkeit zu Theil wie den Obern? Oder sind die ärmeren Brüder ebenso geliebte Brüder wie die reichen? O Ihr Heuchler, die Ihr Euch in der Loge als„geliebte Brüder" umarnit und Euch auf der Straße nicht wieder erkennt! Wäre unter Euch das Proletariat nicht so versumpft, längst hätte auch da einmal und wenn auch nur eine fiadelkindische*) lacguerie losbrechen müssen. Kein Proletariat trotz der lininer mehr wachjenocu Armenschulen, des Instituts siir einjährige Freiwillige und eines diätenlosen Reichstags! O heiliger Repomuk, Hl denn die heutige bornirte Welt ganz mit Blindheit geschlagen? Daß wir von der großcntheils geistig verkommenen Bourgeoisie nichts mehr zu erwarten haben, wußten wirsangst, aber wenn die Koryphäen derselben und sogar die der Loge in so jammervoll blödsinniger Weise gegen den Sozialismus vorgehen, so nöthigt dies uns nur ein mitleidiges Lächeln ab. Wir haben, bisher die Freimaurerei, die wir hie und da jo zieniltch kennen lernten, verschont, weil wir einzelnen Gliedern Achtung zollten; sollte uns jedoch wieder eine so dummdreiste Aufforderung entgegen kommen, würden wir uns nicht enthalten können, ein offneres Zeugiuß abzulegen. Laßt uni unsre„Träumereien", wie wir Euch die Eurigen lassen. Lapieuti sab. *) Wir haben uns lange, aber vergebens angestrengt, den Sinn dieses(wie es scheint: sreimaurerisch-mystischen) Worte« zu ergründen. D. Red. d. B. Briefkasten. der Expedition: B. Genf. 1 Thlr. crh. St. Berlin: 20 Gr. erh. pr. Quartal per Kreuzband 25 Gr. F. Breslau: Habe l Thlr. 7 Gr. 5 Pf. an Sie abgesandt. I. B. H. 14", Gr. erh. B. abgeg. der Redaltion:*. in London: Brief erhalten. Wird besorgt. Brief in diesen Tagen. Hirsch, Crimmitschau: Adresse des Allgemeinen l Deutschen Schneidelvereins ist in heutiger Nummer; die Leute sollen nach Nürnberg schreibe». 1. in Mainz, die Annonce von Schr. kam uns erst Montag, den 5. Juni, durch die Expedition zu, gleichzeitig mit Ihrer Reklamation. Warum adrcssiren Sie nicht RedaklionSange- lcgenheiten an uns? L. in Fürth: S Thlr. 18 Rgr. empfangen, davon 8 Thlr. an die Expedition übergeben._ Th. B. _ Für dm„BolkSitaat": Bon R. in Köln 10 Thlr._ Für die Partei: Bo» K. in Leipzig 1 Thlr. 10 Ngr. _ Th. Burckhardt, pro». Parteikassirer. Die Adresse Vau Parteigenosse«Pier ist: Riedeuau Iii in Frauksurt a.M._ Die Nedeu Destel s über Diäten,«triiudrechte, 1Äv-Millioi»c»-A»leiht, Haftgefet; und AnileriouSgesttt. stnd in einer Broichüre zusammengesteUl, k Stück zu l1/, Sgr.: die Rede über daS AunexionSgesetz>m Separat- druck ä Stück zu V» Sgr., 25 Stück zu 10 Sgr., durch die Expedition de»„VoikMNtaat" zu beziehen. Wir ersuchen die Parteigenossen, für die größte Verbreitung dieser Reden zu wirken._ Arbeitertag des Rhein- und Maingau's verbunden mit Bolksversammluiig in Mainz, Sonmag den 18. Juni Vormittags 10 Uhr im Lokal zum Heilig-Geist, Nachmittags Delegirten- Versammlung, wozu die Städte des Rhein- und Maingau's, WieSba- den, Höchst, Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Worms dringend eingeladen sind. Tagesordnung: Der Normalarbeitstag. Im Austraa des Mainzer sozialdemokratischen BcreinS R. Schröder. Für Hamburg. Sozialdemakratlsche Arbeiterpartei. Seschloffeue Bersaiumlung am Sonnabend, den 10. Juni, Abends 9 Uhr, dei Eber h ahn, Zeughausmarkl 31. Tagesordnung: Berathung der Anträge zum Kongreß. Nur Parteimitglieder haben Zutritt. Um Betheiligmig au dieser Versa, nullung wird dringend ersucht. �tuausi Zur Beachtuug: Die Ausfahrt der Altonaer und Hamdurger Parteigenossen findet am Sonntag, den 11. Juni, Mittags 1 Uhr präzise, statt. Per Dampfschiff nach Harburg, dann Schwarzenberg. Karten ä 10 Schill. für Herren und ä 6 Schill, für Damen sind zu haben bei Prey, grüner> Sood 5, Geib, Rödingömarkt 12, sowie bei Schultz, Kolporteur d«S „Volksstaat". Für Leipzig. Sozialdemokratischer Ardeiterverei«. Donnerstag, den 8. Juni, Abends'/,9 Uhr: Versammlung im Saale der„goldenen«äge", Ecke der Dresdener- u. Langenstraße. Tagesordnung: Sozialpolitischer Wochenbericht(R:f. Müller.) Gäste sind willkommen._ Der Vorstand. Das Lokal des Arbeiter- Bttdungsvereius zu London befindet sich jetzt 40 Rupert Street, Haymarket._ j Tie geehrte« Abonnenten, welche bei unfern Filialexpeditionen abonnirt haben, und mit dem Abouuementsbetrag noch im Rückstände sind, werden um Berichtigung gebeten, um den Filialen pünktliche Abrechnung möglich zu machen. Die Expedition des„Bolksstaat." Leipzig: Peranlw.Redakleur A.H«p ner(R-darllva: PelersftetUweg 13) Druck u. Verlag: F. Thiel«.(Sxpedilwn: Peiersstr. 18).