M 49. Sonnabend, den J7. Juni. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- lande! an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstraße 13, F.Thiele, Emilienstraße 2, Der Volksstliiit Abonnementspreis Für Preußen inrt. Stempel- euer 1S Ngr.,für die übrigen eutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Agent sürLondon A. Duensing ITomgu Bookseiler, Libra- riau and Newsagent, 8. Little Newport Street, Lei- ceater Square, W. C. Filialerpedition für die Verein ®taaten:F.A.Sorge,Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der soMl-demoKratilchen Arbeiterpartei und der Internationalen GeVerksgenojsenschasten. Zum Kougretz. Anträge. Die Hamburger Parteigenossen beantragen, der Kongreß wolle beschließen: 1. Den Sitz der Kontrolkommission für das nächste Ge- schäftsjahr nach Frankfurt a. M. zu verlegen. 2. Den Antrag B eb el's betreffs Einsetzung einer Finanz- kommission für das Parteiorgan wie folgt umzuändern: „Zur Ueberwachung der geschäftlichen Leitung des Partei- organs haben die Mitglieder desjenigen Ortes, an welchem das Parteiorgan erscheint, alljährlich(und zwar innerhalb drei Wochen nach stattgehabtem Parteikongreß) eine Verwaltungs- kommission aus drei Mitgliedern zu wählen. Diese Kommission hat die Kontrole über Berwaltungs- und Finanzwesen des Blattes, soweit solches nicht direkt vom Parteiausschuß erledigt wiro, auszuüben, und ist verpflichtet, jederzeit auf Verlangen dem Parteiausschuß, beziehentlich der Kontrolkommission, sowie einem jeden Parteikongreß Bericht zu erstatten und Rechenschaft abzulegen." Motive: die Decentralisation nicht eingreifen lassen in die Rechte der Centralisation, weil sonst Zwiespalt zwischen Ver- waltungskommission und Parteiausschuß unvermeidlich. Das Blatt erfordert entweder, bei einem Deficit, Zuschuß aus der Parteikasse, oder es wirft, bei großer Verbreitung, Gelder zur Agitation ab. In beiden Fällen unterliegt es der Partei- centralmacht, d. h. den Anordnungen des Ausschusses, andern- falls würde der Ausschuß zur Nebensächlichkeit herabsinken. Die Finanzfrage kann nur vom Ausschuß, der die ganze Par- teilage kennt, gründlich beurtheilt werden, ebenso die Agita- tionsfrage. Schaffen ivir keine Zwittereinrichtung durch Lahm- legung des Ausschusses! H epner(Leipzig) beantragt: „In Erwägung, daß politische Verfolgungen, wenn sie einen Unverheira theten treffen, von letzterem sowohl als von der Gesammtpartei leichter zu ertragen sind, als wenn sie einen Berheiratheten treffen, räth der Congreß den Par- teigenossen allerorts nachdrücklich an: „Die am meisten exponirenden Stellungen(wie die des Bevollmächtigten, Vorsitzenden, Referenten, Strike- Anführers u. s.w. womöglichst solchen P artei-Genossen zu übertragen, welche ledig und frei von der Ernäh- rung einer Familie sind." Antrag von Biedermann, einstimmig angenommen von den Parteigenossen zu Dresden: „In Erwägung, daß unsere gesellschaftlichen Zustände in Bezug auf Verfassung und Regierungsform den Gesetzen der Morgl, der Vernunft zuwiderlaufende und das natürliche Rechtsgefühl verletzende sind, indem das Prinzip monarchischer Verfassung die höchste Pflicht des Menschen, die Verantwort- lichkeit, ausschließt, indem der Wille des Einzelnen maßgebend über dem Willen der Gesammtheit steht, und somit die Rechte und Freiheiten des Volkes schädigend, dasselbe in die unwür- digste Sclaverei führt; „In Erwägung, daß die Kirche, welche eigentlich ihrer Na- tur nach die Aufgabe hat, die sittlichen Prinzipien zu vertreten, die dem Christenthum zu Grunde liegenden Ideen der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeit zur Geltung und Auer- kennung zu bringen, unter dem Schilde der Humanität, der Wahrheit, der Gerechtigkeit unparteiisch und mit der That einzu- treten in den Kampf für die Befreiung der Völker vom Joche der Tyrannei und Willkürherrschaft, und einer sittlichen, gesell- schaftlichen Ordnung das Wort zu reden; „In Erwägung, daß die Kirche diese ihre Aufgabe nicht erfüllt, im Gegentheil, ihren Pflichten zuwider, die Rechte und Freiheiten des Volkes mißachtend, von der Höhe ihres ursprüng- lichen Berufs zur Sclavin, zur willenlosen Dienerin der am Ruder stehenden Gewalt herabgesunken, und so die mächtigste Stütze dieser unnatürlichen Zustände ist, stellen die sozialdemo- kratischen Parteigenossen zu Dresden den Antrag: „Der Congreß möge auf Grund dieser thatsächlichen Ver- Hältnisse beschließen, mit allen ihm zu Gebote stehenden wirksamen Mitteln, theils durch Verbreitung hierauf bezüglicher Schriften, sowie durch zu diesem Zwecke aller Orten einzube- rufende Versammlungen, für den Austritt aus der Land es- kirche zu agitiren, um auf diese Weise die in unserem Programm aufgestellte Forderung der Trennung der Kirche vom Staate zu vollziehen, und somit das Bündniß unserer Gegner auf politischem und kirchlichem Gebiete zu vernichten, die am Ruder befindliche Gewalt ihrer mächtigsten Stütze zu berauben." 1871. Zertrümmert liegt der erste Bau, Den unsre Freunde kühn errichtet, Noch war der Frühling allzu rauh Und hat die junge Saat vernichtet, Die junge Saat Zum freien Staat, Zu Ehr' und Ruhm Dem Menschenthum, Zum gleichen Recht für Me! Ein Kampf war es wie nie vorher, Sein oder Nichtsein klang die Frage, Hier siel das Vorrecht, liebeleer, Die neue Zeit dort in die Waage, Die neue Zeit, Die uns befreit Von Druck und Last, Die sonder Rast Will gleiches Recht für Alle! Der Knechtschaft Schergen siegten ob, Sie wälzen sich im Blut der Rothen, Und so wie sie der blaue Mob,") Zur Rache rufen drum die Todten! Zur Rache? Nein! Zum Sieg allein! Trotz Feindes Wuth Mit heil'ger Gluth Zum gleichen Recht für Alle! Ein andrer Frühling kommt wohl bald, Um allem Schlaf ein End' zu machen, Dann wird, ein Phönix an Gestalt, Aus seinem Traum das Volk erwachen, Aus seinem Traum, Giebt weiten Raum Der Weisheit Rath, Dem freien Staat, Dem gleichen Recht für Alle! _ August Geib. Politische Uebersicht. In Paris und Umgegend dauern die Erschießungen fort, nur daß man etwas ordnungsmäßiger verfährt, wie das einer Ordnungspartei geziemt. Das Morden wird methodisch besorgt von Kriegsgerichten, die es nicht an dem nöthigen Ei fer fehlen lassen. So wurden am 12. d. auf einmal 150 Pompiers, die der Kommune gedient hatten, zum Tod ver- urtheilt und sofort erschossen!— Unser Freund Vaillant soll den Versailler Ordnungs- banditen entkommen sein. Ebenso Leo.Frankel, der sich nach einer Wiener Korrespondenz der„Frankfurter Zeitung" in London befindet.— Lüge, Verläumdung,' Fälschung: das sind die Was- fen des Geistes, mit denen die Bourgeoisie den Sozialismus bekämpft. Und nie ist sie im Gebrauch derselben so schäm- und rücksichtslos gewesen, wie jetzt gegenüber der Pariser Kom- mune und deren Vertreter. Die Erzählungen von der„Schreckens- Herrschaft" während der Belagerung— Lügen; die Plünderungen, Gewaltthätigkeiten, Hinrichtungen— Lügen, Lügen, Lügen. Die Einäscherung von Paris durch die Sozialisten, nachdem die Versailler eingedrungen— Lüge; die Befehle zur Anzündung der Stadt— Fälschun g; zur Hinrichtung der Geiseln.— Fälschung."") Und nun erst die unzähligen Ver- läumdungen! Welche Schandgeschichten hat man nicht über die hervorragenderen Persönlichkeiten der Kommune in Umlauf gesetzt. Dieser hatte betrogen, Jener gestohlen, wieder Andere waren an Bonaparte verkauft— letzteres allerdings ein sehr sonderbarer Borwurf im Mund einer Presse, die den über- führten Söldner des Bonaparte,„Herrn Vogt", noch zu ihren Hauptautoritäten zählt. Die neueste Verläumdung, die wir herausgreifen— denn alle zu berücksichtigen, würde uns unmöglich sein, auch wenn unsere Zeit und unsere Kräfte sich verhundertfachten— betrifft unseren erschossenen Freund Varl in. Um in ihm die Sache, der er sein Leben gewidmet und für die er so heldenmüthig gestorben, zu verdächtigen, wurde das Gerücht ausgesprengt, bei seiner Verhaftung habe er Geld und Werthpapiere zum Betrag von 400,000 Frs. bei sich getragen. Nun' finden wir aber in französischen Blättern den amtlichen Bericht des Lieutenant Sicre, der Varlin verhaftete und das Exekutions- piket kommandirte. In diesem Bericht heißt es:„Unter den bei ihm gefundenen Gegenständen war ein seinen Namen tra- gendes Taschenbuch, ein Portemonnaie, welches 283 Frs. 15 Cent, enthielt, ein Taschenmesser und eine silberne Uhr." Also wieder verläumdet! gelogen! Ueber Barlin's Märtyrer-Tod entnehmen wir der „Tricolore", einem royalistischen Blatt, folgende Einzel- heiten: „Varlin wurde in der Rue Lafayette verhaftet und nach Moni- martre geführt. Die Menge, welche dem Zug folgte, schwoll mehr und mehr an, und man kam nur mit Mühe am Fuß der Buttes Moni- martre an, wo der Gefangene vor einen General geführt wurde, dessen Name wir nicht behalten konnten. Der mit dieser traurigen Mission beauftragte Offizier trat dann vor und sprach einige Augenblicke mit dem General, der ihm mit gedämpfter und ernster Summe antwortete: Dort, hinter der Mauer! Wir hatten nur diese vier Worte gehört, und obgleich wir ihre Be d-utung ahnten, wollten wir doch das Ende eines der Schauspieler in jenem Schreckensdrama,(!) das sich zwei Monate lang vor unfern Augen abgerollt hatte, bis zur Schlnßscene mit.ansehen. Allein die öfientliche Rachsucht hatte es anders beschlossen. Am bezeichneten Ort angelangt, rief eine Stimme, deren Urheber wir nicht erkennen konnten, und der sofort viele andere folgten: Man muß ihn noch spazieren *) Der englische Ausdruck für Pöbel. **) Sogar der„honette" Seinguerlet erklärt die vom„Paris Journal" veröffentlichten Aktenstücke für Fälschungen, fuhren! ES ist noch zu früh! Und eine einzige Stimme fügte daraus hinzu:„Die Gerechtigkeit(!) muß sich in der Straße des RosierS vollstrecken, wodiefeElcnden dieGeneraleLecomte und Thomas ermordet haben. Der traurige Zug setzte sich nun wieder in Marsch, gefolgt von nahezu 2000 Personen, die meistens der Bevölkerung von Montmartre angehörten. Als man in der Straße des Rosiers angekommen war, widersetzte sich der Generalstab, welcher dort sein Hauptquartier hatte, der Exeku» tion. Man mußte also, immer gefolgt von der stets anschwellenden Menge, nach den Buttes Montmartre zurückkehren. Die Zögerung wurde peinlicher und peinlicher; welche Verbrechen auch dieser Mann verübt haben mochte, er marschirte mit solcher Festigkeit dem Schick- sal entgegen, das er seit mehr als einer Stunde kannte, daß man diese verlängerte Todesqual bemitleiden mußte I Endlich war der verhängnißvolle Ort erreicht, man stellte den Gefangenen mit dem Rücken an die Mauer, und während der Offizier seine Leute aufstellte und sich bereit machte, Feuer zu kommandircn, ging die schlechtgehaltne Flinte eines Soldaten los; sofort gaben die übrigen Feuer, und Varlin hatte aufgehört zu leben. Die Soldaten, ohne Zweifel fürchtend, er sei nicht todt, stürzten vor, um ihn mit dcmKolben zu erschlagen; aber der Offizier sagte zn ihnen: Ihr seht doch, daß er todt ist! Laßt ihn..." Ein Kommentar würde dieses Schauergemälde nur ab- schwächen. So wird„die Gesellschaft gerettet." Nur Eins haben wir zu erwähnen: die„öffentliche Rachsucht" war die Rachsucht der„ h o n e t t e n"L eute, der„Ordnungs"-Philifter, die mit der diese Menschenart auszeichnenden Feigheit sich, ohne zu mucksen, der Kommune untergeordnet hatten, so lange die- selbe bestand, und jetzt, da sie gefallen war, mit der allen Feig- lingen eigenen Grausamkeit ihre Angst an dem besiegten und wehrlosen Gegner rächten! Männer aus dem Volk waren es nicht. Das können wir getrost sagen. Denn durch die eng- lischen Zeitungskorrespondenten ist konstatirt, daß das Volk von Paris, das heißt die gesammte Einwohnerschaft, nach Abzug der relativ kleinen Minorität von Kapitalisten und Grund- und Hauseigenthümern auch heute noch für die Kommune ist. Für uns aber liegt in diesen Privatbarbareien der Bour- geoisie, wie in ihren öffentlichen, offiziellen Unthaten, der Beweis, daß die Herrschaft der Bourgeoisie sich mit der Humanität und Zivilisation nicht mehr verträgt, und daß folg- lich die Humanität und Zivilisation den Sturz der' Bourgeoisie erheischen. Wir müssen bei dieser Gelegenheit an das prophetische Wort erinnern, das der so schmachvoll gemordete Varlin am 20. März 1868 aussprach, als er mit 9 Mitgliedern der In- ternationalen vor dem Pariser Zuchtpolizeigericht stand"): „Wenn eine Klasse das moralische Uebergewicht das ihr zur Herrschaft verholfen, verloren hat, so muß sie vom Schauplatz verschwinden, wennsie nicht zuGrausamkeiten, dem letzten Mittel aller untergehenden Gewalten, greifen will. Möchte die Bourgeoisie begreifen, daß ihr Streben nicht groß genug ist, um alle Bedürfnisse der Zeit zu umfassen, und daß ihr deshalb nichts anderes mehr übrig bleibt, als in der jungen Klasse aufzugehen, die ihr eine mächtige politische Wiederge- burt, die Gleichheit und die Solidarität durch die Freiheit, ent- gegenbringt!"— Der General v. Werder, jüngst um seine Meinung über dasFranktireurswesen befragt, hat folgende schriftliche Ant- wort gegeben:„Nach meiner persönlichen Ansicht liegt in dem Begriffe des französtischen Franktireurwesens an sich etwas Jnfamirendes nicht und es hat daher ein Franzose sich durch den Eintritt in ein solches Corps in meinen Augen keine schimpfliche Handlung zu Schulden kommen lassen, derart, daß er durch diesen Schritt sich den Anspruch auf fernere Ach- tung verwirkt hätte. Es wird vielmehr bei Beantwortung der Frage, ob dem Einzelnen aus seiner Theilnahme am Krieg als Franktireur mit Recht irgendwelcher Vorwurf gemacht werden könnte, lediglich sein persönliches Verhalten, namentlich als Soldat, sowie das des besondern Corps, dem er fortgesetzt angehört, in Betracht zu ziehen und von Entscheidung sein." Und der nationalservile Reichstags-Abgeordnete v. R o ch o w, ehe- mals Redakteur des Wochenblatts des Nationalvereins, schrieb vor Jahren in seiner„Geschichte des deutschen Landes und Vol- kes":„Wenn es gilt, die Vernichtung des Vaterlandes durch fremde Uebermacht abzuwehren, dann ist jedes Mittel, das zum Ziele führt, recht."— Unser Rechenexempel, betreffend das militärische Ehr- gefühl, war nicht ganz richtig. Wie wir aus dem steno- graphischen Bericht ersehen, rechnet Herr von Plötz 50 Gemeine auf 1 Offizier, also gerade doppelt so viel als wir angegeben hatten. Unb Herr von'Plötz muß es doch wissen. Nach der Plötz'schen Ziffer verhält sich das Plötz-Roon'sche„Ehrgefühl" der Offiziere zu dem der„Gemeinen" wie%»_ zu oder 1 zu 450. Mit anderen Worten: ein Offizier hat so viel Plötz-Roon'sches„Ehrgefühl," wie vierhun- dertfünfzig gemeine Soldaten, oder zwei ganze Compagnien in Kriegsstärke!— Dem Berliner Reichstag ist ein Dotationsgesetz, welches den Kaiser-König ermächtigt, unter„verdiente" Generale eine Gesammtsumme von 4 Millionen Thalern zu vertheilen, vor- gelegt und von Fürst Bismarck mit„großer Wärme" empfohlen worden. Daß ein Minister, der felber eine Dotation bean- *) S 69 der Eichhofs'schen Schrift über die„Internationalen Ar- beiterassoziation". SnHfofcttna auf Seite 4. Pseudo- Demokraten. Berlin 11. Juni. Die Abfertigung, welche der„Volks- staat" in Nr. 47 dem Abgeordneten Sonnemann zu Theil werden läßt, veranlaßt uns, noch auf zwei Punkte in der jüngsten Vergangenheit dieses Mannes zurückzukommen, die unseres Erachtens der„Volksstaat" nicht genügend beleuchtet hat. Wie schon gemeldet, hielt der Abg. Sonnemann jüngst im hiesigen Demokratischen Verein(Jacoby'sche Partei) einen Vortrag überPartei-Organisation,und hierbei fand es derVertreter von Frankfurt für angemessen, zu behaupten, die sozial-demo- kratische Partei wolle einen Klassenstaat. Obgleich ihm hierauf von mehreren unserer Parteigenossen genügend gedient wurde, müssen wir doch noch an eine Thatsache erinnern, welche zeigt, daß der Abg. Sonnemann bewußt eine unwahreBe- hauptung ausgesprochen hat. Wir erinnern uns, den Abg. Sonnemann zur Zeit des Eisenacher Kongresses in Eisenach gesehen zu haben, und zwar mitten unter den Delegirten sitzend,— ob mit oder ohne Mandat wissen wir nicht. In Eisenach wurde bekanntlich unser Parteiprogramm berathen, in dessen zweitem Absatz es heißt: „Der Kamps für die Befreiung der arbeitenden Klassen ist nicht ein Kampf für Klassenprivilegien und Vorrechte, sondern für gleiche Rechte und gleiche Pflichten und für die Abschaffung aller Klassenherrschaft." Kann man klarer und deutlicher sich aussprechen? Und doch wagt Herr Abg. Sonnemann gegen besseres Wissen eine entgegengesetzte Behauptung aufzustellen. Derselbe hier citirte Satz steht in dem Programm, welches die Majorität des deutschen Arbeitertags, auf deren Seite auch Herr Sonneinann stand, 1868 in Nürnberg annahm.*) Aerger kann man denn doch wohl der Wahrheit schwerlich in's Gesicht schlagen. Bei der 3ten Lesung des Annexionsgesetzes machte der Abg. Sonnemann noch eine Aeußerung, die bisher unbeachtet geblieben, aber sehr charakteristisch ist. Er sagte unter Anderm: er gehöre nicht zu denen, die„unfruchtbare Opposition machten." Was bedeutet eine solche Aeußerung im Munde eines Parlamentariers wie der Abg. Sonnemann es ist?„Unfrucht- bar" ist jede Opposition, welche in zu bestimmender Zeit ohne Erfolg bleibt. Daß die wirklich demokratische Opposition unter den jetzigen Verhältnissen auf praktische Erfolge auf par- lamentarischem Gebiete nicht rechnen kann, nicht einmal rechnen darf, daß für die Verwirklichung demokratischer Bestrebungen der Zusammenbruch der neuen deutschen Kaiserherrlichkeitdie er steV orb edi n gung ist,— wer will, wer kann das leugnen? Der Abg. Sonnemann erklärt mit dieser Aeußerung seine Bereitwilligkeit, mit der be- stehenden reaktionären Staatsgewalt zu paktiren, er steht also auf oem Boden der Fortschrittspartei und diese hat mit der Demokratie nichts zu schaffen. Die Richtigkeit unsrer Auf- fassung über seine Paktirungsgelüstc bestätigt seine bisherige parlamentarische Thätigkeit. Der Abg. Sonnemann hat seine Wahl zum Reichstag der Unterstützung der Sozial-Demokratie zu verdanken, diese wird nunmehr wissen, was sie künftig zu thun hat. Neben dem Abg. Sonnemann ist es Herr Schulze- Delitzsch, der ja auch„Demokrat" sein will, dem wir einige Worte widmen müssen. Der genannte Herr hat kürzlich in einer Volksversamm- lung**) in München nach Versicherung„liberaler" Blätter sehr entschieden betont,„man müsse den freiheitlichen Ausbau der deutschen Verfassung jetzt vornehmen." Ueber diese Phrase ein Wort zu verlieren, ist unnütz. Die Fortschrittspartei hat erst in diesem Reichstag genügend gezeigt, was sie darunter versteht. Aber eine andere Aeußerung des Herrn Schulze müssen wir zu näherer Beleuchtung aus seiner Münchner Rede herausgreifen. Er sagt: es gelte jetzt, die Privilegien der bevorzugten Klassen in den Kommunen— eigentlich verpöntes Wort!— zu brechen, um die Mitwirkung an den Kommunalangelegenheiten Allen zugängig zu'machen. Als vor 2 Jahren Graf v.Eulen- bürg, königl. preußischer Minister des Innern, dem Landtag eine Kreisordnung vorlegte, hat die Fortschrittspartei kein Wort für Einführung des allgemeinen Wahlrechts gehabt. Die Amendements, die sie stellte, ließen die reaktionären Grundlagen und namentlich des reaktionäre Wahlsystem so gut wie unver- ändert. Als kürzlich der Abg. Bebel im Reichstag erklärte: „wenn die Pariser Kommune um nichts Besseres gekämpft, als um die preußische Städte o rdnung, dann wäre jeder Schuß Pulver zu bedauern, denn die preußische Slädteordnung sei keinen Schuß Pulver werlh", da war es Herr Schulze- Delitzsch, der in lebhafter Entrüstung dem Abg. Bebel ent- gegentrat und erklärte: Die preuß. Städteordnung sei ganz vortrefflich, wenn sie nur in ihrem„wahren Geiste" gehand- habt werde. Graf v. Eulenburg nimmt den„wahren Geist" zur Handhabung der preußischen Slädteordnung aber so gut für sich in Anspruch wie Herr Schulze-Delitzsch; ein Gesetz aber, dessen„wahrer Geist" so verschiedentlich aufgefaßt werden kann und eine so verschiedene Handhabung zuläßt, ist unzweifel- hast ein miserables. Betrachten wir sie doch, diese preußische Städteordnung. Sie schreibt vor: Erstens: Das Dreiklassenwahlsystem. Zweitens: Das Recht der Regierung, die Bürger- mseister undStadträthe zubestätigen und, falls nach dreimaliger Wahl eine der Regierung passende Persönlichkeit nicht gewählt wird, die betreffende Stelle kommissarisch, d.h. durch eine Krea turderR egierungver walten zu lassen. Drittens: Daß bei Ausschreibung neuer Steuern die Re- gierung dieselben erst zu genehmigen habe. Für Berlin speziell hat der Polizeipräsident das Recht, a k Hausmann zu wirthschafteu und Beschlüsse des Magistrats und der Stadtverordneten, z. B. in Bezug auf bauliche Ver- *) Der Kongreß der Bolks Partei fand acht Tage nach dem Nürnberger Arbeiiertag statt; dem Einfluß und der Beredsamkeit des Herrn Sonnemann war es zu verdanken, daß der Kongreß seinen„An- schluß" an das Nürnberger Programm beschloß. Anmerk. d. Redaktion. **) Ein eben angelangter Parteigenosse aus München theilt uns mit, daß Herr Schulze-Delivjch nicht in einer Bolksoersammlung, son- dein in einem Bürgerverein gesprochen, bei welcher Gelegenheit Gäste, also auch die Sozial-Demokraten, keinen Zutritt hatten. Anmerk. d. Redaktion, v änderungen, zu vernichten, wenn sie der Weisheit des obersten Polizeibeamten nicht zusagen. Noch unvergessen ist auch jener famose Fall, der vor 2 Jahren vorkam, wo ein Streit zwischen Magistrat und Stadtverordneten über den Gehalt einiger Stadträthe ausbrach. Der Magistrat verlangte eine Gehalts- erhöhung für die jüngsten Stadträthe, die Stadtverordneten wollten den bisherigen Satz von 1400 Thlr. beibehalten. Die Regierung entschied, weder die 1400 Thlr., welche die Stadtverordneten beibehalten wissen wollten, noch die Gehalts- erhöhung, welche der Magistrat gewähren wollte, sei der richtige Gehalt, ein Mitglied des Magistrats der Haupt- und Residenz- stadt Berlin könne unter 1800 Thlr.„anständig" nicht existiren. Also mußte die Stadt 1800 Thlr. bezahlen, wie der Magistrat der Innern entschieden hatte. Das ist die famose Städteord- nung, für die Herr Schulze vor 3 Wochen im Reichstag sich begeisterte. Seine offizielle Erklärung über die kommunalen Rechte im Reichstag, das wird er mit uns begreiflich finden, ist uns wichtiger, wie die vielleicht in der Hitze des Gefechts, obendrein noch in einer„Volksversammlung", ihm entfahrene; er wird es daher nicht übel nehmen, wenn wir das Glaubens sind, seine Münchner Aeußerungen haben keinen anderen Zweck gehabt, als der Masse Sand in die Augen zu streuen. Was folgt? Jeder Krieg ist eine Spekulation der Regierenden auf Kosten der Völker, eine Spekulation zur Vermehrung der Gewalt und des Reichthums. Die Regierenden wollen durch dieses schon im alten Testament gepriesene Mittel sich, als den Äuserwählten Gottes, die Uebermacht sichern über das in unterthäniger Zucht erhaltene Volk. So müssen denn die Franzosen die kaiserliche Alleinherrschaft über die edeln Deutschen durch klingende Münze, woran es uns derzeit noch sehr fehlt, befestigen. Es ist die alte Abenteurerpolitik der Bourbonen und der Bonapartes. Noch immer sind die Regierungen wie vor. 4000 Jahren die Zucht- ruthe der Völker. Mit aller seiner ABC-Bildung ist der Deutsche ein geborener Knecht! Seinen Knechtsinn heiligt die Religion. Sein Lehrer ist ein von Oben angestellter Beamter, der nur immer nach Soldverbesserung schielt. Vor Allem müssen wir uns daher von dem Kram unserer Schulkenntnisse, die fürs Leben werthlos sind, freimachen, von dem Autoritätsdünkel, von dem Heiligkeitsschwindel, von der Selbstvergötterung. Solange wir dies alles nicht aus unseren Köpfen ausgerottet, werden die Regierungen ein nothwcndiges Uebel bleiben, werden sie auf Volkskosten leben, werden sie jede Freiheit unterdrücken. Der Geburtsadel bedarf der absoluten, der Geldadel der kon- stitutionellen Oberherrschaft: Bismarck wird die Parlaments- schwätze? immer mit Füßen treten, Thiers und Konsorten die Natioualvertreter immer mit Respekt behandeln. Beide streben nach demselben Ziele der Ausbeutung. Kaum hatten die hohen- zollerischen Krieger Versailles verlassen, so installirten sich ihre Konkurrenten in deren noch warmen Sitzen. Aber die Bour- geoisie, die um jeden Preis sich am Ruder halten will, kennt weniger Erbarmen gegen ihre Landsleute als die Preußen gegen ihre„Feinde". Mit Hülfe der uniformirten Bauern bombar- dirte und verwüstete sie ihre Hauptstadt, brannte sie die Hau- ser der Einwohner nieder und schoß sie ganze Straßen zusam- men. Unter dem Kommando der napoleonischen Generalsbestien mordete sie das eigene Volk, das ihre Herrschaft nicht länger dulden wollte. Ob die Gefangenen mit oder ohne Gesetz er- schössen werden, darauf kommt es nicht an. Welche Schlußfol- gerung läßt sich aus diesem Wahnsinn ziehen? Mit Kanonen werden sie den Arbeiter nicht zur Arbeit zwingen, wohl aber zur Einsicht, daß mit der Bourgeoisie keine Existenz mehr mög- lich, daß politische und soziale Freiheit nur durch völlige Ver- nichtung dieser Bourgeoisie erreichbar ist. Der Bourgeois will thatsächlich nicht arbeiten; was er„arbeiten" nennt, ist eben keine Arbeit; er will herrschen, und zwar herrschen über die Arbeit Anderer. Kann er dies nicht mehr, so schreit er über Empörung, Umsturz u. s. w. Seine Orlnung soll für alle Welt maßgebend sein. Aber man wird ihm trotz des Unter- gangs der Kommune bald sagen: wir wollen nicht mehr deine Knechte sein, du sollst arbeiten wie wir, und wenn dir das nicht beliebt, so wirst du eher in dein gepredigtes Himmelreich fahren als dir lieb ist. Auch die Bauern, deine einzige Hülfe, wer- den gescheidt werden, sie müssen, und wenn du dich in deiner Nationalversammlung zehnmal dagegen sträubst:. Wir kommen wieder, und, mit oder ohne Kanonen: die N o thw end ig kei t der gemeinschaftlichen Arbeit wird dir uywiderleglicher als im Mai 1871 demonstrirt werden! W. Das Recht der Commune. Berlin, den 11. Juni. Bei Gelegenheil der Verhandlungen über die Annerionsfrage im Reichstage hatte der Abgeordnete Sonne- mann zwar die Annerion im Prinzip verworfen und gegen dieselbe gestimmt, iil der Motivirung seiner Ablehnung weiterhin aber mit Be- zugnahme auf die früher bereits in derselben Frage abgegebene Erklä- rung des Abgeordneten Bebel, welcher das Recht der Pariser Kommune behauptete, gegen seine Ucbereinstimmung mit den Ansichten Bebels protestirt. Er hatte seinen Protest nicht als einen persönlichen formulirt, sondern denselben im Namen der de- mokratischen Partei Deutschlands ausgesprochen. Nun ist es ja richtig, daß Hr. Sonnemann einer der wenigen Reichstagsabgeordne- ten ist, welcher sich zu dieser Partei rechnet; ob ihm jedoch hiermit das Recht zusteht, als Repräsentant derselben und in ihrem Namen eine derartige tendenziöse Erklärung abzugeben, dürfte doch dahingestellt bleiben. Jedenfalls steht er mk Derselben im Gegensatz zu den Anschauungen des„Demokratischen Vereins", welcher sich am hiesigen Orte gebildet und welcher, soweit uns bekannt, der Kern- und Mittelpunkt der demokratischen Partei in Norddeutschland ist. Bereits einige Tage vor der betreffenden Rede des Hrn. Sonnemann hatte dieser Verein den Beschluß gesaßt, in der nächsten seiner össent- lichen Wanderversammlungen das Thema der Pariser Kommune zur Sprache zu briugen, und das Urtheil von dem Rechte derselben, von der vollsten Anerkennung, welche der Bewegung von Seiten der Demokratie zu Theil werden müsse, hatte sich herausgestellt. Das Vorgehen des Vereins war demnach völlig unabhängig von der Reichstagsrede des demokratischen Abgeordneten und keineswegs durch dieselbe' hervorgerufen. Die erwähnte größere Versammlung fand Donnerstag, den 8. d. M. statt; der Zudrang zu derselben war dermaßen stark, daß ein Theil von Personen, welche ihr beiwohnen wollten, keinen Platz mehr fanden. Eingeleitet wuroe� die Versammlung durch einen Vortrag des Borsitzenden des Vereins, Hrn. Dr. Guido Weiß, und die Ansichten, welche derselbe aussprach, er- hielten die völlige Zustimmung der Versammelten. Hr. S o n n e m a n n, der anwesend war, versuchte, seine Reichstagsauslassungen dadurch zu motiviren, daß er den„demokratischen Grundsatz von der Majorität" anführte und erklärte, die Stadt Paris hätte sich der Majorität der Nationalversammlung, welche die Majorität des französischen Volks repräsentirte, fügen, sie hätte dem ohnedies schwer darniederliegenden Lande keine neuen Wunden schlagen müssen. Von mehreren Seiten wurde ihm darauf erwidert, daß er den Charakter des französischen Parlaments verkenne. In diesem sei nicht das Bild des freien, fran- zösischen Volks dargestellt, nicht der Volkswille sei in ihm verkörpert, es enthielte vielmehr nur die Keime der hereinbrechenden Reaktion, es könne nur als die Grundlage einer Regierung angesehen werden, gleich der, welche das unselige Geschick Frankreichs hervorgerufen habe. Die klare Einsicht, das Prinzip der freiheitlichen Volksentwickelung, welches sie als Banner schwang, hätte der Minorität: der Stadt Paris das Recht zum Widerstande verliehen, der Opfcrmuth, mit wel- cher sie den Kampf geführt, erfordere die unbedingte Anerkennung seitens derDemokratie, sie sichere ihr in ihrer ganzen Handlungs- weise einen Ehrenplatz in dem Buch der Gesch ich te,'welche nn- ter dem Grundsatze des Volksrechts geschrieben sei.— Hr. Dr. Weiß sagte im Wesentlichen Folgendes: Die Gründe, welche die Behand- jung des vorliegenden Gegenstandes nothwendig machen, liegen in den irrigen Anschauungen, welche fast durch die ganze deutsche Presse ver- breitet worden sind. Die theilweise absichtlichen Entstellungen der Vorgänge in Paris, die Glaubwürdigkeit, deiche der doch trüben Quelle der Versailler Mittheilungen beigemessen wird, hat die Pariser Kom- mune als eineMordbrenner-Bandc erscheinen lassen und jeder ihrer Hand- lungen den Stempel der Barbarei eines wüsten Pöbelhaufens äusge- drückt. Durch die Presse ist dem deutschen Volke die unbefangene Beurtheilung der Pariser Ereignisse, die sich in den letzten Tagen voll- zogen haben, von vornherein abgeschnitten. Werfen wir einen Blick zurück aus die Situation vor dem Abschluß des Friedens, so sehen wir eine Bevölkerung in der Vertheidigung des Vaterlandes von einem Patriotismus durchglüht, der jede andere Regung in den Hintergrund drängt, der in seiner schließlichen Einseitigkeit fast einen krankhaften Typus trägt. Die Friedensaussicht, der erste Ruhepunkl, erzeugt als Reaktion dieser Erregung eine» Moment der Erschlaffung. In diesem Augenblick werden die Wahlen zu dem Parlamente vollzogen, welches den Beruf, und nur diesen Beruf hat, Frieden zu schließen. Da regen sich denn alle die Elemente, welche die Gelegenheit, die Müdigkeit des Volks, für günstig erachten, die alten Vorrechte, die alte Macht wieder zu erlangen. Sie alle, nicht direkt betroffen von dem Kriege, entwickeln eine rege Thätigkeit. Die Legitimisten zeigen, daß ihr Einfluß über einige Paläste her Hauptstadt hinausreiche, daß derselbe in einzelnen Theilen des Landes) unter den Landbewohnern, noch nicht völlig er- loschen. Die Geistlichkeit erprobt ihre altbewährten Mittel im Süden des Landes und schlägt den religiös-bornirten Bauerngeist in Fesseln. Noch hat das neue Regiment unter den napoleonischen Präfekteu nicht völlig aufräumen können, und das servile Geschlecht beeifert sich, im Interesse eines neuen Monarchen zu wirken, unter dessen Regime es besser gedeiht, als in dem freien Staate. Endlich treibt die feige Furcht, welche ein Theil der Bourgeoisie vor der sozialen Entwickelung hegt, die möglicherweise eine FKge einer neuen Volksstaatsbildung sein könnte, diese in die Arme des Bürgerkönigthums, des Orleanis- mus. Alle diese Elemente, nur das freie Volk nicht, das an Erschöpfung krankt, bethätigen sich mit allem Kraftaufwand bei Gelegenheit her Wahlen, und jo entsteht jenes Parlament, das mit der Bezeichnung „rural" zu gleicher Zeit gekennzeichnet, als verurtheilt ist. Daß die intelligente Bevölkerung der größeren Städte, vor Allem die von Paris, gegen die Regierung einer solchen Versammlung in die schärfste Oppo- sition treten mußte, war selbstverständlich; daß sie ganz be- stimmte Forderungen an dieselbe stellte, feste Garantieen des Bestandes her Republik verlangte, war nicht nur ihr Recht, sondern ihre Pflicht. Gerade die Bevölkerung von Paris war es ja, die zunächst gelitten, die in heldenmüthigem Widerstande so lange Zeit den Mittelpunkt aller Kämpfe gebildet. Die so ungeschickte Maßregel der Sold-Ent- ziehung der Nationalgarde von Paris erbitterte die Bevölkerung der Hauptstadt nur immer mehr gegen die Nationalversammliing und er- weiterte die Kluft. Die Männer, welche durch ihren Widerstand sich um Frankreich so verdient gemacht, deren Gewerbebetrieb die Belage- rung zerstört, denen entzog die Regierung mit einem Federstrich die D/z Franks, mittelst deren sie kümmerlich ihr und ihrer Familien Le- den gefristet, und stieß sie nackt und hülflos auf die Straße.— Was aber verlangten die Männer von Paris? Sie wollten eine Munizi- palordnung, die Selbstverwaltung her größeren Gemeinen. Zu richtiger Erkennt, liß dessen, daß das Prinzip der Centralisation einen großen Theil der Schuld des Unglücks trage, welches Frankreich in den letzten Jayren betroffen, daß durch dasselbe der Machtpolitik Thor und Thür geöffnet sei, daß die Beibehaltung desselben, vor Allem auf Grund- lagen einer Versammlung, wie die Versailler, wiederum nur zur Monarchie und ihrem ganzen Elend führen müsse,— hoben sie das Prinzip der Decentralisation hervor. In der Durchführung desselben, in der decentra- listischen Umgestaltung des Staates liegt auch der Einfluß und die Sonherstellung größerer, intelligenterer Gemeinschaften, die Garantie gegezi den Cäsarismus, es ist in ihnen eine Grundlage freierer Ent- wickluug gegeben. In der Geschichte ist Baboeuf der erste, der ein solches Staatssystem entwickelte. Wiederbelebt zum Schluß der 2t)er Jahre durch Buonarotti, hat der Gedanke der Verwirklichung und des Segens, der aus demselben hervorsprießen müsse, immer tiefere Wurzeln gefaßt, und auch Deutschland hat in dem Entivurf einer Ge- meindeordnung, weiche 1348 d' Est er zum Autor hatte, einen Schritt in dieser Richtung versucht, und das Prinzip derselben fand zu jener Zeit hie allgemeinste Anerkennung. Freilich sind diese Gemeindeorganisationen nicht im entferntesten dem Elaborat der reaktionären Kammer aus dem Beginn der dller Jahre ähnlich, welches heute noch in Preußen Geltung hat. Wenn es nun auch nicht zutrifft, was der Fürst Bis- marck gesagt, die Pariser hätten für die preußische Slädteordnung ge- kämpft, so erinnert das von der Kommune geforderte Munizipal gesetz doch an ein anderes Wort des genannten Staatsmanns, der vor Zeiten erklärte, zum Wohle des Staates sei es nothwendig, daß die großen Städte von dem Erdboden verschwänden. Mit der Forderung der Decentralisalion begiebt sich Paris seiner bevorrechtigten Stellung als Centrum Frankreichs, und somit des Begriffes von der großen Stadt, wie er iin Sinne des Fürsten Bismarck liegt, als Centrum der Opposi- lion, die von hier ans in has Land getragen wird. Dennoch aber hülste die Wohlfahrtsmaßregel Bismarcks schwerlich mit der geforderten Ge- meindeverfassung übereinstimmen, vielmehr ist sie das gerade Gegentheil davon. Während Jener durch die Aufhebung der Centralpunkte has geringe Maaß polirischer Intelligenz, welches von hier aus dem Lande geboten wird, völlig auf null reduziren will, liegt in dem Prinzip der Selbstverwaltung der Gemeinden das Ziel des Erweckens des politischen Be- wußtseins selbst in den kleinsten Kreisen. Hierin aber ist gerade die rcherste Grundlage gefunden und damit die Garantie für den Bestand der freien republikanischen Staatsform. Indem die Pariser Kommune daher das Munizipalgesetz forderte und für die se ihre Forderung eintrat, kämpfte sie nicht nur gegen eine der freiheitlichen Entwicklung geradezu feindliche Regierung, sondern weiterhin mit Bewußtsein für eine Form des Staatswesens, welche die Gewähr für die endliche Verwirklichung der vielfachen französischen Revolutions-Bestrebungen bietet, und in welcher in der That einzig das Heil für Frankreich zu suchen ist.— Nun wird weiterhin und vor Allem die Art und Weise augegriffen, wie die Kommune den Kampf erekutirt hat. Da heißt es zuerst, die Hitze des Kampfes hätte die Menschen verthiert. Weiber unh Kinder hätten Theil genommen, dem Feinde in jeder Weise zu schaden. Man vergleiche die preußische Landsturm- orhnung von 1813. Was in Paris im Augenblicke der höchsten Erregung geschah, das steht in derselben als Norm vorgeschrieben für den Fall der Gefahr zur Abwehr. Der Ingrimm, mit dem gestritten wurde, schonte den besiegten Gegner nicht, Alles wurde niedergemacht. Gleichsalls dort vorgeschriebene Maßregel der No thw ehr. Nun kommt hinzu, daß der Krieg zwischen den Bürgern desselben Landes gewüthet, und es ist Erfahrung und liegt in der Na- tur der Sache, daß unter solchen Umständen, wo das Interesse ein beschränkteres als das nationale, die Leidenschaften in höherem Grade entflammt sind. Es wird gesagt, es sei eine Barbarei, daß die Kommune die Nieherreißungdes Thiers'schen Hauses dekretirt habe, während mit demsel- den nichts als ein symbolischer Akt vollzogen wurde. Wenn innerhalb einer gewaltig bedrängten Gemeinschaft monumentale Bauten sich er- heben, welche, sei es den Glanz, sei es den Ruhm des Gegners verHerr- lichen, der in den heftigsten Angriffen diese Gemeinschaft geradezu zu vernichten strebt, so liegt in dem Umsturz derselben wohl eine Mani- festation der Herrschaft der Gemeinde in ihrem eigenen schooße, n im- mermehr ist derselbe aber ein barbarischer Akt. Wenn aber der Kommune die muthwillige Vernichtung ästhetischer Kunstwerke zum Bonvurf gemacht wird, so muß derselbe entschieden zurückge- wiesen werden. Die Vendome-Säule war kein Kunstwerk, son- dern nur das Denkmal der Gloire, an der Frankreich zu Grunde gegangen, die werchoollen Sammlungen von Thiers aber waren aus Befehl der jiommune vorher durch den Maler«Lourbet gesichert und reservirt wordeir Und soist es nachzuweisen, daß die Kommune überhaupt für die Erhaltung derjenigen Werke der Kunst gesorgt, die für die Bildung und auch den Genuß der Intelligenten von Werh sind. Ihr Verhallen der Bank gegenüber wird von den Versaillern selbst anerkannt, und der Vorwurf der Räuberei und Plünderung sollte füglich zurückgehallen werden, bis daß ein Beispiel derselben wenigstens constatirr ist. Das Silber, das aus den Kirchen genommen, wird dagegen gehalten. Man gehe doch wieder auf die Geschichte des Iah- res ldilll zurück, und wer altes Silber besitzt, belrachte den kleinen Steinpel, welcher auf demselben zu sinden. Es ist das Zeichen der Jnventarisirung der Silbervorräthe im Staate, die demselben znr Ver- fiigung gestellt werden sollten zum Einschmelzen und Prägen von Münzen. Die Kommune griff aber nicht einmal in das Privaieigen- thum, sondern begnügte sich, um die Mittel zum Kampfe zu schaffen, .mit dem unnützen Schmuck einzelner Kirchen. Endlich aber die„schreck- liche Brandstiftung, die Petroleumbomben und die Petroleurs!" Es ist in der Thal undegreifllch, wie das Petroleum seiner chemischen Ziatur nach zu der Rolle eines derartigen Zünd- und«prengmaterials gekommen, wie es etwa das Nitroglycerin ist. Sicherlich werden die Vrandgeschoffe der Bersailler eben so viel zu den Bränden beigetragen haben, als die berüchtigten Petroleumbomben der Pariser, und wenn in der Bertheidigung Gebäude den Flammen überliefert werden, so dürften am ivenigsten Diejenigen darin eine Barbarei sehen, welche dem Kriege und seinen Erfolgen zujauchzen. Den Geboten der Nothwehr gehorchte die Kommune; daß sie das Maß derselben überschritten, ist inrgends nachgewiesen*). Die„Geiseln I" Was ist der Begriff der Geiseln? wenn nicht der: die Haftobjecte zu sei» für die Handlungen der Gegner. Und diesen wird- das vtelfache frühere Erschießen nicht vorgeworfen? Das Wiedervergettungsrecht übte die Kommune; und an welchen Personen! Geheime Polizisten und Geist- liche, deren einer einen Boten in das feindliche Lager geschickt, der nicht wtedergekehrt war. Mir dem Maßjtabe des Kampfes gemessen, ist jede osfiziellc Handlung der Kommune völlig gerechtfertigt und selbst m den Einzel- Gewaltthaten, die das nothwettdige Geleit einer so ernsten Zeit sind, sinder sich bisher nirgends der Zug wüster Barbarei.— Da klagen denn die hochhumanen Journale über den Untergang der Kunstschätze des Louore, tu Unwissenheit freilich, daß dieselben zu Beginn der Belagerung bereus geborgen waren. Da er- Heden sie em Jammergeschrei über das hochheilige Gebilde der Benus von Melos, die wohlgeformten Gliedmaßen könnten beschädigt sein. Nun, die milonische Venu« existirl in vielen trefflichen Copien. Aber das herrlichste Gebilde der Schöpfung, der Mensch, der in seiner eigenen Gestalt nur einmal da ist, er wurde und wird geopfert zu Tausenden, und nicht etwa im Gewühl deS Barrikadenkampfes, sondern "> feigem überlegte»! Morden, und nicht von der Kommune, sondern von der humanen Regierung, die in Frankreich jetzt die Herrscheade ist. Wollt Ihr eine Anklage erheben, wohl denn, so richtet sie gegen die Henker von Versailles uns die«chlächierei ihrer diSeiplinirten Trup- Penmaschinen! Weiter aber muß man sie ausdehile» gegen die Regierungen, welche sich in niedriger Weiie zu HelserSheisern hergaben, welche den unglücklichen Flüchtige», die für emc durchaus berechtigte Idee gefochien, das heilige Recht des Asyls verweigern.— AlS ungerechte Richter haben die bisherigen Kritiker der Kommune das Verdaminungsurtheil gesprochen. Neuerdings ist der Wahnsinn derselbe» bis zur höchsten Höhe gestiegen. Heute wirb die Erklä'ung des„Paris- Journal" allerdings als Lächerlichkeit allgemein bezeichnet, welches die europäische Verschwörung mit der Internationalen an der Spitze hinter den letzten Ereignissen wittert und den Mordbrenner— Johann Jacoby die Siabl Paris in Brand stecke» läßt. Eine große Gefahr aber verbirgt sich hinter solcher phantastischen Auffassung, und bald dürste eine geschicktere Feder denselben Unsinn dem für Phan- taste, er nur allzu zugänglichen Volle glaubhaft machen und die Wahr- hm der Thalsachen verduukelu. Daher ist es an der Zeit und die Pflicht der Demolratie, sie in ihrem wahren Lichte darzustellen und das Recht der Kommune zu verthetdigeit.--So weit die Rede des Dr. Weiß im Auszuge. Eine stenographische Aufzeichnung derselben existirt, da jedoch nicht zu crmittelil war, für wen dieselbe angefertigt, so liegt die Pernluchuug allerdings nicht so fern, daß das Polizeipräsidium der derzeitige Besitzer sei. Sollte dieses sich bewahrheiten, fv charakteristrt sich hiermit die jetzt gebräuchliche polizeiliche Bewachung der Versamm- lmige». Offiziell ist kein Poltzeideamlec in letzter Zett in Versammlungen anwesend gewesen. Deutscher Manufalturarbeiterschastsverband. Unterzeichnete jordern hiermit alle Mannsalturarbetler und Fach- genosseiischaften, welche aus dem 1. deutschen Web erlag vertrete» waren, alS auch solche, die gesonnen sind, sich erst obigem Verband anzuschließen, aus, ihre Eutjchließllngeii, Berichte, statistische Lohn- und Le- denSbedürsuist Verzeichnitse:c. nun umgehend au uns gelange» zu lassen, da Ende d. M. das erste Zirkular in Druck gegebe» werden soll. Wir ersuchen ferner all- Vereine, Korporationen, Innungen, Gesell- schaften und solide Kolporteure, welche Bestellungen aus den stenogra- phijchen Bericht über den 1. deutsch. Webertag zu Glauchau(10(1 Selten Broschürenformal L'/i Ngr.) zu mache» gedenken, dieses sosorl an Un- lerzeichnelen zu berichten. Denjenigen, die schon früher bestellt, zur Notiz: dag der Versandt Ende dieser Woche beginnen wird. Da die Verhältnisse die Konstituirung des Fünfer-Ausschusses noch nicht gestatter, so sind die beiden WeberkonriteeS Glauchau und Mee- ra ne noch in Thätigleir geblieben, und werden wir in nächster Zeil die Konstituirung des Eenlralausschusses anzeigen. In der festen Zuversicht, daß der rege Elfer und harmonische Geist, welcher den deutschen Webertag auszeichuete und beseelte, nun bei ein- tretender Thätigkeit unseres Verbandes sich in erhöhtem Maße zeige» werde, zeichnen mit brüderlichem Gruß die Weberlomitee'« Glauchau und Meerane durch H. Franz, Glauchau,- Oftstraße. Internationale l�ewerlsgenosienschaft der Tchuh- macher und verwandten Gewerle. Endlich, nach langer Zeit, regt sich'S wieder. Durch das rege Streben des Herrn Hugo Engelhardt, Holzarbeiter, ist es gelungen, »r Zwickau eine Mitgliebjchajt zu lonslituiren und' sind folgende Herren als Beamte gewählt: Friedr. Steinhaus, Bevollmächtigter, Leipziger Straße 427, Hermann Buruck er, Kajsirer, Leipz. Str. 5070, Hermann Fröhlich, Kontroleur. Die Mitgjiederzahl beträgt LL. Ferner ist uns von Fürth das Wiedererwachen der Mitgliedschaft �"gezeigt, nachdem eine hartnäckige Arbeitseinstellung zu Gunsten °er Gehülfen ausgefallen und dieselben sich dadurch wieder in Reih' und Glied gesammelt haben, obschon der unheilvolle Krieg fast das ganze Gcwerkschaftswejen daselbst vernichtet hatte. Bevollmächtigter daselbst istKarl Rothlauf, Bäumenstr. W, Kasstrer H.Teich mann, Garlenstraße bei Dressel, Schristführer Johann Landner, Berastr. 19. Ferner ist den Mitgliedjchajlcn anzuzeigen, daß der Verwaltungs- rath den Antrag stellt, die Generalversammlung, die statutengemäß >» der Zeit vom Lu. Mai bis 25. Juli stattfinden soll, dies Jahr wegen der ungünstigen Zeitverhältnisse nicht abzuhalten, dagegen aber einen Delegirten zum Kongreß der sozialdemokratrschen Partei zu schicken(aus der Mitte des Verwallungsraths», um über die Gewerks-Union das Weitere mit besprechen und beralhen zu können. Sollten Mitgliedschaften mit diesem Antrag sich nicht einverstan- den erklaren so»lögen dieselben ihre Ansichten uns baldigst zugehen lasten; erfolgt aber kein Widerspruch, o nehmen wir an, daß alle Mitgliedschaften damit einverstanden sind und wird das Nähere über die Verhandlung, die Gewerls-llmon betreffend, im Organ bekannt gemacht werden. Weiler ersuchen wir alle Mitglicojchasten, nicht so säumig mit de» Mitgliederoerzeichntjsen zu sein; dieselben müssen Folgendes nach einander geordnet entHallen; Taus- und Geschlechtsname, Geburtsort und Vaterland. Die bis jetzt eiugegangeiren Listen warelh mituitler sehr mangelhaft angefertigt. Für die Verwaltung� � � Aug. Schäfer, Gewandgäßchen 5. ,*J Im Gegentheil— sie hat nicht das volle Maß für sich in unfpruch genomnien, und den Forderungen der Hmnamtät durchweg der Selbslerhallung hintangejetzt mit jelbitausopserndem -ide-lis�s und Edelmmh. w. d. Internationale Gewerksgenossenschaft der Schuhmacher und verwandten Gewerkt. Spandau. Da die hiesigen Schuhmachermeister den Forderungen der Gesellen in keiner Weise nachgekommen sind, sahen sich die letzleren zu dem äußersten Mittel gedrängt, und haben sie Montag, den 12ten d. M., die Arbeit eingestellt. Wir hoffen auf Unterstützung der auswärtigen Kollegen, und bitten namentlich um Fernhaltung, von Zuzug. Krebs, Kassirer Charlottenstraße No. 26. Wien, 5. Juni. Heule Morgen haben die Arbeiter in den Werkstätten der Genossenschaft zur Erzeugung von Heeresausrüstungs- gegenständen(Consorttnm Skene) die Arbeit eigestellt. Der Strike wurde durch die unberücksichtigt gebliebene Forderung der Arbei- ter um höhere Löhne veranlaßt. Einige Stunden später stellten auch die Arbeiter der in der Nähe der Werkstätten des Consortiums gelege- neu Jute-Spinnfabrik die Arbeit ein. Die Arbeiter begaben sich in Masse in das in Simmering Nr. 23 befindliche Gasthaus, uin dort Besprechungen zu halten. Mainz, 11. Juni. Ich weiß nicht, ob Ihnen bekannt ist, daß der Sekretair des„Rheinischen Fabrikanten-Vereins", ein gewisser Schulze, bis vor Kurzem Redakteur des hiesigen„Anzeigers" war und nunmehr als ein solcher fürs„Frankfurter Journal" gewonnen ist. Wenn Sie die Artikel gegen die Sozialdemokratie lesen, die vor mehreren Wochen noch unter Schulzens Aegide unser„ Anzeiger" brachte und jetzt das„Frankfurter Journal" bringt, die unaejähr die Tendenz haben:„Bourgeoisie ohne Proletariat" mit persönlichen Angriffen und mit Phrasenhaftigkeit gewürzt, so dürfen Sie sicher sein, daß sie von diesem obengenannten Herrn Schreiber Schulze sind. Was wir ge- wonnen mit dieser Redaktionsverältderung, hat das„Franksurter Jour- nal" verloren; auch das werden Sie im Vergleich beider Blätter sinden. Nichtsdestoweniger sind wir mit Herrn Schulze in einem seiner Ar- tikel, den eine der letzten Nummern des Franksurter Journals bringt, einverstanden, zwar nicht darin, daß er nachweisen will, daß die Ur- fache der Pariser Kommune ein paar internationalen Arbeiterführern zugesch.ieben werden müßte(denn im Bourgcois-Siaate ist ja Alles bis aus Kleinigkeiten in bester Ordnung), aber wir sind darin mit ihm einverstanden, daß man mit 2'/, Millionen Menschen, die der Arbeiter- jache im internationalen Siniie anhängen, nicht mehr so en passaitt(im Vorbeigehn) rechnen kann. Selbst Herr Schulze wird deshalb, seitdem wir-diese seine Ansicht kennen, mit uns der Ansicht sein, daß den Herren im Reichstag, die bei Bebels mannhaft wackerem Verhalten hier und da m ein ironisches Gelächter ausgebrochen sind, ihr FMäch- ter doch sauer angekommen sein muß. Ausgenommen vielleicht die besternte Geburtsaristokratie des Reichstags, die jetzt schon von einer deutschen Vendümesäule und vom Wiederausblühen der Feudalzeit träumt. Unser hiesiger„Anzeiger" bringt in seiner gestern erschienenen Num- iner Nachstehendes:„Voll dem Sieger über die Pariser Kommune, dem gegenwärtigen(ihef der europäischen Bourgeoisie, Thiers, sagt feine in seinem Pariser Briese vom 9. April 1640 Folgendes:„Herr hicrs kann sprechen von Morgen bis Mitternacht, uliermüdet, immer neue glänzende Gedanken und neue Geistesblitze hervorjprühend, den Zu- Hörer ergötzend, belehrend, blendend, inan möchte sagen, ein gespro- chenes Feuerwerk. Und dennoch begreift er mehr die materiellen als die idealen Bedttrfnisse''der Menschheit; er kennt den letzten Ring nicht, womit die irdischen Erscheinungen an den Himmel gekettet sind: er hat keinen Sinn für große soziale In- stitutionen." NcitilVvrs bei Staßfurt. Cigarrenverkaui. Unser Verein hat von Mai 1870 bis dahin 1871 von Gabriel in Leipzig circa 10,900 Stück Cigarren bezogen, das Tausend zu 8'/» Thlr. und das Hundert zu 25'/, Sgr. Wir haben dadurch— indem wir das Hundert für 28 Sgr. verkauften— einen kleinen Ueberschuß für unsere Kasse erzielt und die Cigarren außerdem um einen Pfennig pro Stück billiger, als man sie beim Kaufmann bekäme. Wie viele Produktivgenofsenschaften könnten sich innerhalb unjrer Partei bilden, wenn alle Bereine in derselben Weise verführen. Leopoldshall bei Staßfurt. Auf atnserm Staatsrevier ist ein gewiffer Schöne als Bergmeister angestellt, der, ein ehemaliger Kandidat der Theologie und 48er Demokrat, die Arbeiter furchtbar drückt durch Strafen, Lohnabzüge und Arbeitszulage, um sich bei der Anhaltischen Regierung beliebt zu machen. Die Aerzte, welche dieses Revier kennen lerne», sind erstaunt über die dortigen schlechtgenährten und halbverkrüppellen Gestalten von Arbeitern. Jeder Beamte hat ein Stück Acker, das er sich von den Grubenarbeitern beackern läßt, und wenn die Frau des Obersteigers Bechtel backen will, muß ebenfalls ein Arbeiter von der Grube zum Bäcker hin- und herlausen. Und alle diese Arbeiten werden vom Werk bezahlt I Breslau, 12. Juni. Endlich ist es uns gelungen, unfern durch zweimalige polizeiliche Auflösung unterbrochenen Vortrag über die Pariser Kommune zu Ende zu führen. Die vermittelst Plakate auf letzten Montag anberaumte Versammlung hiesiger Parteigenossen war trotz eines in Strömen niederfließenden Regens zahlreich besucht. Das mäßig geräumige Lokal war nebst den anstoßenden Räumlichleiten dicht ge-üllt. Sowohl der Vortrag des Herrn Reißer, welcher die Entste- hung und die Thätigkeit der Kommune besprach, als auch die Reden der Herren Kaiser, Scheil und Kraecker, die sich mit der Zurück- Weisung der gegen die Kommune erhobenen Beschuldigungen beschäftigten, wurden von stürmischem Beifall begleitet. Obgleich die Bour- geoisie ziemlich zahlreich vertreten war, wagte sie doch keine Opposition zu machen, trotzoem der Vorsitzende sie zweimal dazu�aussorderte. S. Färber, Schriftführer. Breslau, den 13. Juni. In der Montag den 12. d. M. im Tunnel des Eafä national stattgehabte» Parteive rsa in ml u ng wurde folgende Erklärung verlesen: „Die alte Breslaner Burschenschaft der Raczeks giebt hierdurch zu Protokoll, daß ihrKneip lokal ohne ihr Wissen auf eigne Beraniworiung des Wirtyes einer Versaiumlung des sozialdemokratischen Vereins eingeräumt worden ist und sie bedauert diesen eigenmächtigen Schritt des Wtrthes, da ihre Tendenzen durchaus nicht mit denen des genannten Vereines übereinstimmen. Im Auftrag: Albrecht Stein, stutl. zur.& carn." Wir theilen diesen Fall deßhälb mit, weil besagter Stein der Sohn des„liberalen" Zeitungsredakteurs und 48er Demokraten gleichen'Namens ist, welcher erst vor Kurzem in der„Breslauer Zeitung" vollständige Bewegungsfreiheit für die Sozialisten oerlangt hat. Die Parteigenossen erhalten hier den besten Kommentar, was die Fortschrittspartei unter „freiem Vereins- und Versammlungsrecht für alle Parteien" versteht. Zu bemerken ist noch, daß in dem Kneiplokäle obiger Burschen- schaft das Bildniß Johann Jacoby'S hängt. (Die obige Erklärung der juveuss liumanizzimi atque oniatiasirni bietet wenigstens das interessante Geständniß, daß die„alte Burschen- schast", welche ehedem ivtssenschaftliche und politische Ziele verfolgte, nur noch ein„Kneiplokal" hat, also nur noch eine„Kneipgesellschaft" ist. Daraus erklärt sich denn auch die sittliche Entrüstung über die sreoel- hafte Entweihung ihrer heiligen Halle. Aber sollte es denn gar nicht möglich sein, zur Sühne dafür den Göttern eine Hekatombe aus Gerstenblut darzubringen? Hoffentlich befolgt man unser» Rath. D. Red.) Berlin. Die Forderungen der Tischlergesellen haben bis jetzt noch keine Berücksichtigung gefunden. Nach mehreren Versammlungen hatten sie beschlossen, ihre Arbeitszeit aus täglich 9'/, Stunden zu beschränken und eine Lohnerhöhung von ca. 25 Prozent zu erstreben und sollte dies auf gütlichetn Wege von den Arbeitgebern erreicht werden. Die Repräsentanten der Jnnungs-Meister gaben jedoch der betressenden Gesellendepulation, welche Beschwerden und Wünsche vortrug, einen abschlägige it Bescheid, mit dem Bemerken, daß es Jedem selbst zu überlassen sei, sich mit seinen Arbeitern über Arbeits- zeit und-Lohn zu verständigen.— Das Resultat einer hierauf folgen- den Meisterversammlung war die Annahme der Verkürzung der Arbeitszeit im Prinzipe, dagegen wurde die Forderung von 25°/„ Lohnerhöhung absolut abgelehnt. Die Gesellenschast hat nunmehr beschlossen, von einer Arbeitseinstellung vorerst abzusehen, und zunächst eilte feste Organisation zu schaffen. Unter dem Namen:„Tisch- ler-Slrike-Kasse" hat sie in der Stallschreiberstraße 3. 1 Tr. ein Lüreau errichtet, in welchem die aus 2'/, Sgr. wöchentlich tiormirten Beiträge gezahlt und wo der Zentralpunkt der Organisation gegeben ist.(Volks- Zeitung.) Lunzenau. Als die mechanischen Arbeiter in Bog el's Fabrik zu Lunzenau vor Kurzem eine Eingabe an Herrn Vogel eingereicht hatten, worin, sie ihn um eine Lohnerhöhung von 15 Prozent ersuchten, wurden sie unter mancherlei Einwänden stbschlägtzz beschieden. Er gab vor, daß er nur durch billige Herstellung die Kommisston über- nehmen könnte, daß er bei Arbeitsflocknna stets arbeiten ließe und der- gleichen Lockspeise mehr. Da aber Herr Vogel die gedrückte Lage der Arbeiter nicht in Abrede stellen kann, so wollte er wenigstens seine Liebe den Arbeitern dadurch bezeigen, daß er ihnen, die nicht genug zum Lebensunterhalt haben, das Sparen anpries und ihnen die Er- richtung eines Konsumvereins vorschlug, indem er sich erbot, zu diesem Behufe einige Hundert Thaler Geld auf einige Jahre unverzinslich herzuborgen/ Gewiß sehr menschenfreundlich! Aber man kann mit der einen Hand streicheln, während man mit der andern kratzt. Unter dem Sammetpfötchen sind Krallen ver- borgen. Wir kennen das englische„Tmcir'-System! Um die wegen des knurrenden Magens unzufriedenen Arbeiter etwas zahm zu machen, richtete Herr Vogel seinen Blick nach Auer- Hammer, wo 7-800 Arbeiter brotlos ivaren. Vierzig davon wollte er sofort seiner Fabrik einverleiben. Er schickte also seinen dienstbaren Geist Wiitwer ab, damit. dieser die vierzig Fremden, von denen vor- ausgesetzt werden konnte, daß sie die Lunzenau-Vogelschen Fabriksver- Hältnisse nicht kannten, einhandelte und hcrbeihotte. Jndeß scheinen die Arbeiter in Auerhammcr den schönen Versprechungen nicht recht getraut, vielmehr so Etwas wie Humbug gewittert zu haben. Denn statt 40 brachte der Menschenhändler bloß 7 Mann zuvörderst mit. Eine lustige Jagd muß das gewesen sein, selbst diese 7 einzufangen! Aber diese 7„Hände" waren doch schon etwas und wer konnte wissen, ob eine neue Erpedition nicht glücklicher ablief. Darum mußte der Getreue nochmals fort, um nach den übrigen 33 seine Netze auszu- werfen. Dießmal strengte er sich gewiß recht an, denn er brachte die Unglückszahl 13 mit. Da also'immer noch 20 Stück einzufangen stirb, ist auf die nächsten Tage eine dritte Jagdpartie in Aussicht ge- nommen. Vielleicht gelingt sie, wenn ihnen wieder drei Thaler Ar- beilslohn in die Augen gespiegelt werden. Doch hat ein Arbeiter, welcher sich auf diese Art hatte in die weite Jagdtasche stecken lassen, in Wirklichkeit binnen drei Wochen leider nicht mehr als 2 Thaler 1 Neugrosche» und 5 Pfennige anstatt der aus unerreichbarer Ferne schimmernden 9 Thaler verdient. Es läßt sich statistisch nachweisen, daß in Herrn Vogels Fabrik Arbeiter, wenn sie meistens mit gut loh- ncnder Arbeit beschäftigt waren, im halbjährigen Durchschnitt 1 Tha- ler 20 Neugroschen per Woche verdienten. Dies gilt für den besten Lohn. Die meisten mechanischen Arbeiter verdienen jedoch viel, ja sehr viel weniger. Daher hat mancher Fremde, nachdem er sich von dem wahren Stand der Dinge überzeugt Hatte, die Arbeit stehen lassen und ist wieder auf und davon gegangen. Stände freilich der Arbeitslohn so glänzend, wie er sein könnte, aber in Wahrheit nicht ist, dann würde wahrlich Herr Vogel schon in Lunzenau selber keine Noth mit Arbei- tern haben. Denn in Lunzenau ist an Arbeitskräften keineswegs Mangel. Frankenbcrg, 8. Juni. Gestern fand eine öffentliche Ver- sammliing der hiesigen Cigarrenarbeiter statt, wozu sich 400 weibliche und 200 männliche Arbeiter eingefunden hatten. Ans der Tagesordnung stand: Der Cigarrenarbeiter-Kongreß zu H a n a u. Das Referat hatte der Cigarrenarbeiter Herr Eckstein aus Waldheim übernommen. Als er seinen Vortrag beendet hatte, brach die ganze Versammlung in stürmische Beisallsbezeugungen aus und wurde Herrn Eckstein das Mandat für den deinnächst stattsinden- den deutschen Cigarrenardeiterkongreß ertheilt. Sämmtliche Arbeiter- innen gaben gleichzeitig durch Namensnnterschrift ihre Zustimmung in Betreff des Vorgehens der Arbeiter. Nachdem Parteigenosse Fiedler noch die Arbeiter ermahnt hatte, stets so einmüthig zu handeln, damit den Herren Fabrikanten die Lust vergehe, die Arbeiter bei jeder Gele- genheit zu maßregeln, wurde die Versammlung in bester Stimmung geschlossen. Weimar, 9. Juni. Am 29. v. M. fand hier die Landesver- sammlung der Thüringer Sozialdemokraten statt. Es waren 21 Orte durch 28 Delegirle vertreten. Gegenstände der Tages-Ordnung waren: 1.) Die Agitation in Thüringen. Bildung eines Agitations- komitees. 2.) Wahl von Delegirten zum Arbeiterkongreß. 3.) Die Preß- und Vereinsgesetzgebung.— Ich werde über die Verhandlungen der Versammlung, die von 10 Uhr Vormittags an bis Nachmittags 6 Uhr dauerten, sowie über die gefaßten Beschlüsse, noch ausführlich berichten, und konstatire für heute blos, daß die Nachricht, die Konferenz„habe aus Mangel an jeglicher Theilnahme nicht stattgefunden", von einem glän- zend gefoppten Zeitungsmann herrührt, der gekommen war, um den „Franzosen freunden" wieder einmal Eins anzuhängen. Obwohl die Delegirten die Oeffentlichkeit nicht zu scheuen hatten, so wollten sie doch nicht den Betreffenden auf ihre Kosten sich durch Korrespondenzen be- reichern lassen, und-als er einige Delegirte frug,„wo denn die vele» girten wären", da sagten sie dem Kurzsichtigen:„es sei Niemand ge- kommen". Wie man steht, haben auch diese vier Worte für den Zeilen- ritter zu einer Korrespondenz genügt, die aber ni cht„für ganz Thürin- gen", sondern blos für die Lorniriheit eines einzige n Thüringers„bczeich- nend*)" ist, der glauben konnte, in einem Land, das zur Rcichtags- wähl 14,000 sozialdemokratische Stiminen lieferte, könne eine Versamm- lung dieser Partei„ohne jegliche Theilnahme" sein. Parteigenossen solcher Orte Thüringens, die aus der Versammlung nicht vertreten waren, bitten wir. ihre Adressen behufs abschrifllichcr Uebersendung der gefaßten Beschlüsse an E. Kettel zun. Schloßgasje, gelangen zu lassen. Gotha, 6. Juni. Unser Parteigenosse Nipvoldt ist am ersten Pfinzslfeiertag nach New-Iork gereist, um der Verbüßung einer ihm zuerkannten mehrmonatlichen Gefängnißstrafe zu entgehe», worüber die hiesigen Bourgeois sich vergnügt die Hände reiben und die Presse sich recht hämisch ausspricht, hossend, daß mit dem Verschwinden Nippoldt's die Sozialdemokratie in Gotha vernichtet sei. Die Herrn Bourgeois täuscheu sich aber— ein Kern Sozialdemokraten wird auch ohne Nippoldt tagen. Wie wüthend und dabei lächerlich die Nationalliberalen sich be- nehme», geht daraus hervor, daß der Prinzipal Nippoldt's, der frühere Demokrat. Rechtsanwalt Müller, seinem Bureaupersonal bei Strafe der Entlassung untersagt hat, mit Sozialdemokraten fortan zu verkehren und in das Lokal der Sozialisten zu gehen! Kein Mitglied seines Bureau's ist Sozialiit. Der Grund zum Erlaß dieses llkases wird wohl der sein, daß seine Arbeiter nicht etwa wieder an den Reingewinn erinnert würden, den er vor 2 Jahren versprochen(10°/,,), worauf seine Gehilfen also ein Klagrecht haben. Müller entzog sich aber da- durch seiner Verpflichtung, daß er sagte, er sei über den Vertheilungs- modus noch nicht mit sich einig, und dann die Sache in Vergessenheit brachte. Nippoldt hat nun durch Vorschüsse, die er als Reisegeld be- nutzte, Müller an den schuldigen Reingewinn erinnert— und daher das Versahren des Letztern. Ein Unglück sür die Bourgeoisie ist es, daß immer mehr stille Anhänger der Sozialdemokraten entstehen; denn die UnHaltbarkeit der heutigen Zustände leuchtet selbst Denen ein, welche während des Kriegs unsere Gegner waren. Ueberall Arbeitslosigkeit, besonder« bei den Kleinmeistern; Herabdrückung der Arbeitslöhne taußer bei den Schuh- machern) auf einen Satz, daß davon nicht einmal der nothdürftigste Unter- halt der Familie bestritten werden kann; Konkurse und Subhastationen von Kleinbesitzern in Masse- und Niemand fragt danach, wie diesem Uebel abgeholfen werden soll. Das„Gehen lassen" der Manchester- Partei soll diese Zustände bessern. Ja, Ihr Herrn Bourgeois, England und Irland zeigt Euch, wie sie da gebesjett werden.— Die Hildburghausener„Dorfzeitung" schrieb jüngst:„Das Ende der Pariser Kommune, wie die Schandthaten, welche sie begangen, sollte man meinen, müsse auch auf unsere Sozialdemokraten oder Jnter- nationalen Eindruck machen und sie zu einem besonneneren Austreten hinsichtlich der Lobpreisung der Pariser Wirthschast ermahnen. Dem ist jedoch nicht so: sie fahren' fort, sich mit der Thätigkeit der gewesenen Kommune einverstanden zu erklären und deren Thaten zu preisen. Gleiche Brüder, gleiche Kappen und— gleiche Vergeltung, dürste es schließlich dabei heißen." (Das Wort ist sehr zweischneidig, liebe Fraubasel) ») Die Korrespondenz des Gefoppten ist durch die nationalliberale Presse gewandert. R. d.„V"' (Schluß von Seite 1.) sprucht, in eigener Person ein Dotationsgesetz vorzuschlagen den Math hat, ist wohl noch nicht dagewesen und gehört jeden- falls unter die Rubrik des Plötz-Roon'schen„Ehrgefühls". Mit welch'„gchialem" Takt Fürst Bismarck beiläufig den Gesetzentwurf vertheidigte, erhellt aus dem zweiten Satz seiner „ungewöhnlich pathetischen" Rede:„Das eine(das Gesetz zur Unterstützung bedürftiger Landwehrleute) ist ein Akt der Unter- stü tzun g, das andre(die Dotation) ist ein Akt königlicher Freigebigkeit, zu dem seine Majestät der Kaiser Sie bittet, Ihm die Mittel zu gewähren." „Königliche Freigebigkeit," zu der mn sich von den so- genannten Vertretern des Volks erst„die Mittel gewähren lassen muß"— wir müssen dem Fürst Bismarck aus vollem Herzen zu der glücklichen Redewendung gratuliren! Zu bemerken ist hier noch, daß die zur„Unterstützung" der H un- derttausende von Landwehrleuten bestimmte Summe, sich genau so hoch beläuft, als die zur„Dotirung" von einem, höchstens ein paarDutzend Generalen bestimmte Summe— nemlich 4 Millionen Thaler. Wenn die Landwehrleute dabei schlechter weg- kommen, als die Generale, so erklärt sich das sehr natürlich aus dem entsprechenden Unterschied im beiderseitigen Quantum des Plötz- Roon'schen„Ehrgefühls". In derselben Reichstagssitzung sprach Lasker das denk- würdige Wort aus: „Für uns liegt die That in der Geldbewil- ligung." Dieser tiefsinnige Ausspruch sollte in großen Goldbuch- staben an allen 4 Wänden des Reichstags prangen!— Vor einigen Tagen gab in Kaiserslautern ein norddeut- scher Soldat den Bewohnern ein Pröbchen militärischer Begriffe von der Stellung unserer Soldaten im Frieden. Der Wackere war mit einem Gutsbesitzer aus der Umgegend in Streit ge- rathen und wollte diesen arretiren. Da der Bedrohte es wagte, Widerspruch zu leisten, ritz unser Krieger seinen Säbel aus der Scheide und nun begann eine Hetzjagd, die erst durch die Da- zwischenkunft des Polizei-Kommissärs unterbrochen wurde, der dem wüthenden Soldaten den Säbel abnahm. Bor den militärischen Vorgesetzten geführt, erhielt der Soldat seinen Säbel wieder und der Polizeikommissär einen— strengen Verweis dafür, daß er es gewagt, den Soldaten zu entwaffnen! Gleichzeitig werden zwei andere Säbelaffairen aus El- bing und eine aus Halle gemeldet.— Die Zeitungen bringen folgende, mit obligater Entrüstung gewürzte Notiz: „Am 8. b. M. kamen heimkehrende Mannschaften durch Bielefeld. Der Grenadier, Reservist Herzog aus Winkelshiitten bei Borgholzhau- sen, sah seine aus der Heimath hergekommenen Verwandten, Schwester, Schwager und deren Kinder auf dem Perron stehen ünd sprang ohne Erlaubnis ans dem Wagen, um dieselben nach so langer Trennung aus Tod und Leben zu begrüßen. Wahrend die Kinder ihrem Onkel das eben mitgebrachte Packetchen überreichten, sprang der Hauptmann von Falken st cin�) aus dem Wagen und ohrfeigte den Reservisten zu ver- schiedeuen Malen vor dem gesammten Publikum und in Gegenwatt sei- ner entsetzten Verwandten." Unsers Erachtens liegt der„Skandal"— wie die Zeitungen obige Affäre nennen— weniger darin, daß ein adeliger Lanzknecht einen Reservisten geohrfeigt hat, als darin, daß das „gesammte Publikum" jenes Schauspiel„zu wiederholten Malen" ruhig mit angesehen hat. Der Hohepriester im Reich der„Gottesfurcht und frommen Sitte", der Kultusminister von Mühler, weiland burschikoser Kneipliederdichter, wird von den liberalisirenden Blättern zur Abwechslung wieder einmal durchgehechelt wegen eines alten, von ihm verfaßten, halbvergessenen Weinliedes: „Wollt' man zum Minister wählen Mich beim Wein, Ha, dann könnt' es mir nicht fehlen Bei dem Wein; Welche Rede» wollt' ich halten, Wie würd' ich das Land verwalten, Trunken müßten alle sein— Voll von Wein!" Dieser„Liberalismus", Jemandem ein harmloses in der Jugend versündigtes Weinlied vorzuwerfen, ist na- türlich sehr billig. Warum, Ihr Herren Bourgeois, zitirt Ihr nicht einmal statt der Mühler'schen Kneiplieder („Grad' aus dem Wirthshaus" u. s. w.) die Lieder, die Ihr vormals gemacht habt: z. B.„Komme' doch, komme doch Prinz von Preußen" u. s. w.?— In Graz wurde vorige Woche der Arbeiterverein „Vorwärts" aufgelöst wegen„staatsgefährlicher Umtriebe". Letztere bestanden in der Bemerkung eines Mitgliedes, der Ver- ein möge sich im Scheibenschießen üben, um nöthigenfalls die Rechte der Arbeiter vertheidigen zu können. Der Obmann des Grazer Arbeiterverein� wurde verhaftet, weil er sich wei- gerte, der Polizei die Vereinsfahne auszuliefern. Eine Arbei- deputation, welche von dem Statthalter die Freilassung des Verhafteten verlangte, wurde abgewiesen. Offiziöse Korrespon- deuten heben hervor, daß die Grazer Sozialdemokraten eine neue Unthat begingen, indem sie bei den Straßendemonstratio- neu die bei der Dreifaltigkeitssäule betenden alten Weiber durch das Absingen der Marseillaise störten. Man glaubt, daß die Auflösung des Arbeitervereins„Vorwärts" nur die Einleitung zur Auflösung sämmtlicher demokratischen Arbeitervereine ist. Zu eigentlichen Unruhen— wie die Regierung hoffte— ist es nicht gekommen; es fanden nur an mehreren Abenden Zu- sammenkünfte großer Menschenmengen an verschiedenen Plätzen statt, unter Anderm vor dein Vereinslokal des Arbeitervereins, welche jedoch bald auf Befehl der Gensdarmerie auseinander- gingen. Herbeigelockt auf die Straßen wurden aber die Leute nur durch die Maßregeln der Behörde, welche die öffentlichen Gebäude durch Militär besetzen ließ und der Stadt förmlich das Ansehen einer Belagerung gab. Ludwig Börne hat vor etwa 35 Jahren in der von ihm herausgegebenen„Balance"(„Wage") folgendes Gutachten über die Frage der Wiederannektirung von Elsaß abgegeben: '„Fragt die Elsässer, ob sie einwilligen, wieder Deutsche zu werden; ob sie sich glücklich schätzen würden, ihren König gegen einen der deutschen Bundesfürsten, ihre Deputirtenkam- mer gegen die Frankfurter Bundesversammlung, die Freiheit der Presse gegen die schändliche Censur, die Nativnalgarde gegen die Gendarmerie, die Ocsientlichkeit der gerichtlichen Verhand- lungen gegen geheime Tribunale, die Geschworenen gegen ab- *) Auch ein Vogel! hängige Richter und die Gleichheit der Stände gegen den Hoch- muth und die Unverschämtheit des Adels und der Satrapen zu vertauschen. Fragt sie das, und sie werden Euch antworten: Wir sind die wärmsten und treuesten Patrioten unter allen Franzosen, gerade weil wir an der deutschen Grenze wohnen ..... Für niedrige Privatinteressen haben die Voreltern der heutigen deutschen Fürsten auf dem Kongresse zu Münster in die Zerstückelung des deut- schen Reichs gewilligt, einen Theil davon an Frank- reich, einen andern an Schweden abgetreten.... Ist es eine Niederträchtigkeit von Seiten Frankreichs, daß es das Elsaß angenommen? Stiehlt man Völker und Provinzen schänd- licherweise wie ein Schnupftuch? Wenn es Unehre ist, wie Heer- den verkauft und umgetauscht zu werden, so fällt die Schmach davon nicht auf die, welche sie kaufen, sondern auf die, welche sie verkaufen und noch mehr auf die schafsmäßigen Völker, die sich verkaufen lassen." Der oben veröffentlichte Bericht über die letzte Wander- Versammlung des Berliner demokratischen Vereins(nicht zu verwechseln mit dem demokratischen Arbeiter-Verein) beweist, daß wir vollkommen Recht hatten, als wir die Befugniß des Herrn Sonnemann„im Namen der Deutschen Demokratie" zu sprechen, in Zweifel zogen. Guido Weiß, Re- dakteur der„Zukunft" und Freund Jacoby's, hat sich in seinem Vortrag, wie dies von einem wirklichen Demokraten nicht anders zu erwarten, entschieden auf Seiten der Kommune gestellt, und Herr Sonnemann, der seinen eignen Philisterstandpunkt zu ver- theidigen suchte, blieb in beschämender Vereinzelung. Leipzig, 15. Juni. Die glanzvollste Volksversammlung, die in Leipzig seit 1848 stattfand, hat gestern unsere Partei abgehalten. Der große Saal der„Tonhalle" war zum Ersticken voll, 5—6000 Menschen füllten alle Räume bis in den äußersten Winkel. Mehrere Tausende mußten wegen Mangel an Platz um- kehren. Den Vorsitz führte Advokat Frey tag, Referent war Bebel, dessen Resolutionen nach kurzer Debatte unter allge- meinem Bravo mit allen gegen 3 Stimmen angenommen wurden. Ausführliches bringen wir in nächster Nummer. Die hiesige Presse, welche seit Wochen mit allen Waffen gegen uns gekämpft, hat das Gegentheil von dem erreicht, was sie erreichen wollte— sie hat, wie die gestrige Volksversamm- lung beweist, für die sozial-vemotratische Partei Pro- paganda gemacht. Wieder ein Erfolg. Alle Bourgeoisblätter Europa's, demotratische, liberale, und konser- vative, begeifern imisouo(einstimmig) das Ende der Kommune von Paris. Als sie siegreich oder wenigstens noch nicht besiegt war, plapperten sie zwar täglich von begangenen„Greuelthaten" konnten aber keine anderen aufzählen als Verhaftungen von Verdächtigen, von„Plünderungen" als welche ihnen die Konfiskationen des erschlichenen und erbettelten Kirchengutes gelten. Daß sich die Kommune in derselben Form wie unsere Regierungen Geld zu verschaffen suchte, nämlich durch Anleihen.�war den Herrn ebenfalls ein„Greuel"; daß sie die Psafferei aus der Schule warf, war ihnen ein„Attentat auf die persön- liche Freiheit". Jetzt rächt sich die Milde, welche die Kommune von Anfang an zeigte. Statt das Vermögen der Legitimisten, Orleanisten und Bonapartisten einzuziehen, welche sich wechselsweise seit 1345, eigent- lich zum Theil schon vor Jahrhunderten, mit Hülse der Staatsgewalt bereichert haben, ließ man diese Diebe frei und ungestraft. Anstatt nach dem alten Spruche: Auge um Auge, Zahn um Zahn, sofort für die Barbareien des Versailler Gesindels Revanche zu nehmen und die Geiseln zu erschießen, that man es erst im letzten Augenblick. Anstatt die Tuilerien und das Palais Royal, diese Denkmäler monarchischer Schmach, �abzutragen und brauchbare Wohnhäuser für das enterbte Volk an ihre Stelle zu setzen, zündete man sie an und benutzte sie zur Deckung des Rückzugs. Von Anfang an that die größte Sttenge noth, um die vornehmen Viertel machtlos zu machen und zu depossediren; dann wäre durch Bestechung kein Einschleichen der Versailler durch un- besetzte Thore und Wälle möglich gewesen. Im März mußte der Aus- marsch aller waffenfähigen Männer gegen Versailles erfolgen, dann war nicht blos Versailles, sondern auch der größte Theil der vom Feinde uubesetztcn Provinzen in der Hand von Paris. Das Föderativprinzip ist das Grab jeder freien Entwickelung, weil es der vielköpfigen Will- kür Thor und Thür öffnet; überdies schlägt das centralisirten Gottes- gnadenthum es todt. An ihren Fehlern ging die Kommune zu Grunde. Mitteid und Humanität gegen Thiere ist wohl angewandt, gegen menschliche Bestien, zu denen die französische und belgische Bourgeoisie ausschließlich zählt, nicht. Dies Alles ist indeß nur für Feiglinge ein Grund oder Anlaß, um über das heldenmüthig kämpfende Volk von Paris jetzt, wo es der Infamie und Hinterlist erlegen, ein Berdammungsurtheil zu fällen. Dieses Herfallen über den Besiegten ist um so ekelhafter und herzloser, als die Versailler seitdem hausen gegen Menschen wie die Tiger. Sie waren es, die durch ihre Geschosse ganze Straßen in Asche legten, die Gefangenen erschossen, die Weiber massakrirten. Das Pariser Volk hat sich seines Lebens gewehrt, und nur ein Schuft verdenkt ihm das. Aber die Bismärckerei hat so sehr alles Gefühl ertödtet, daß wir an dieses nicht mehr appelliren können. Haben ja doch die deutschen Soldaten Bincennes und einige Dörfer auf Befehl besetzen müssen, um den Parisern jeden Rückzug in den letzten Tagen abzuschneiden. Die letzte Heldenthat dieses glorreichen Krieges! War es sür den Geschäftlemacher nicht viel„profirabler", die seil fast drei. Vierteljahren brotlosen Arbeiter von Paris kurz abzuschlachten, als ihre gerechten, auf dem Grundsatz politischer Gleichheit beruhenden Forderungen anzunehmen und dabei noch hunderttausende Arbeitlose zu ernähren-'—„Unstreitig gingen die Selbstständigkeitsprätenstonen der Pariser zu weit." Was! Ihr wollt eure Steuerbeiträge zu eurem eigene-l Vortheil venvenden und nur einen kleinen Theil an uns Privilegirte abgeben, die wir seit Jahrzehnten vom Staatssäckel gezehrt? Damit läßt sich nicht regieren, d. h. offiziell rauben und plündern; fort mit euch, Kanaillen: Ergebt euch auf Gnade oder Ungnade oder—! Bestechung oder Bauernzehorsam thaten, wie überall ihre Schuldigkeit, und jetzt kühlen wir unfern Muth an dem sterbenden, wie immer all- zu großmüthigen Löwen, dessen Thaten wir Lumpen des Erfolges an- gestaunt hätten, wenn er über die Uniformirten des Thiers und Kon- sotten triumphirt hätte." Da gehen sie, jener politischen Eunuchen, die ehemals eine Rolle spielen wollten, aber nicht konnten, z. B. der Tuilerien-Bogt, dem die Arbeiter Genfs von Anfang an schon über den Hals gewachsen, die er jedoch aus Gründen nicht zu deleidigen wagt, und er spritzt mit Wollnst sein Gift aus zahnlosem Munde auf die„Schwesel- und Petroleumbande", welche diese edeln Kunstreste der Vergangenheit, die inneren, so honorig zahlenden Tuilerien, das so ge- mllthliche Palais-Royal in Brand steckten. Bewahre, die Versailler schössen nicht auf ihr-„Kunstsammlungcu". Die Insurgenten wollten die Museen verbrennen,— und doch sind sie trotz Petroleum nicht verbrannt. Ihr Verleumder! Hätte man von Seiten der Pariser diese Museen und Bibliotheken ä ia Straßburg einäschern wollen, so hätte man es gethan, man hatte Zeit dazu. Nein, nur diese alten Steinhausen der Monarchie, diese wollte man vernichten, und mit Recht. Was in den Köpfen nicht mehr spukt, darf auch das Äuge nicht beleidigen. Im Jahre 1871, mag es die Nachwelt vernehmen, lamentirten die Herren Demokraten über die Vernichtung der Tuileren, des Palais-Royal u. s. w., über den Sturz der Vendomesäule, über Abtragung des Thier« schen Hotels. Und was ist Herr Vogt anders, als eine„Spottgeburt aus Dreck und Feuer"(Brief Vogts vom 24. Mai)? Den juckt noch besonders der ebenfalls verbrannte Palast der Ehrenlegion und der des Staatsraths, an welche ihn so liebe Erinne- rungen knüpfen. Ihr wollt nicht sehen, ihr andern Demokraten, weil ihr aon jeher mit Haß gegen das Streben nach Gleichberechtigung er- füllt wäret, weil ihr mit den bestehenden monarchischen Gewalten lieb- äugelt, weil ihr mit eurem Republikanismus Heuchler und Lügner sei. Wenn einstmals das Volk für euch die Tuilerien stürmte, den Herzog von Braunschweig vettrieb, die Hohenzollcrn und Habsburger demllthigte, so habt ihr gejubelt, und kein Bedauern wäre Evern Lippen entflohen, wenn das Feuer alle die Sitze der Großen verzehrt hätte. Aber ohne euch ist das Volk nur„Kanaille, die zerstören will." Wenn die Ver- sailler in Paris eindringen, Straße sür Straße erstürmen, alles Lebende, was ihnen in die Hände fällt, morden, so stellen sich die Herren auf die Straße, ihre beringten Finger in den Hosentaschen und quäken mit fistelnder Stimme:„Das sind also die Apostel der zukünftigen Glück- seligkeit der Menschheit!" W. Glauchau, 31. Mai. Zur Erläuterung der auf dem Weber- tag angenommenen ersten und Haupt-Resolution ist zu bemerken, daß das Cirknlar ein vorläufiger Nothbehelf ist, da ein völliger Eintntt der Anhänger des Herrn v. Schweitzer und der Mar Hirsch-Dunckerschen Ottsvereine zur Internationalen Gewerkschaft nur durch lleberstimmung, Majorisirung, zu erzielen gewesen wäre. Der Kongreß wollte aber die freiwillige und gutwillige Einigung, die für nächstes Jahr versprochen wurde. Die neu gebildeten, einzelnen Webergenossenschaften werden deshalb natürlich nicht noch ein Jahr mit dem Anschluß warten und in einer unnützen Jsolirung verharren. Gewerlschaft der Holzarbeiter. Auf Wunsch der Altonaer Mitglieder wird hierdurch auf nachstehende Berichtigung aufmerksam gemacht. In den von Altona gestellten An- trägen muß es heißen:„Von Mitgliedern. Den Gehalt des Vor- sitzenden auf 5 Thlr. pro Monat fenzujetzen. Von Herrn Kühl: Den Gehalt des Kassirers auf die Hälfte des bis Dato gezahlten zu ermäßigen. Man wolle also bei der Abstimmung gefälligst hierauf achten. Außerdem ist es unbedingt nolhwendig, daß bei Einsendung des Resul- tates der Urabstimmung die Stimmenzahl genau bezeichnet, eventuell auch die Stimmenzahl der Minorität angegeben werde. Th. Jork. Brtefkastc» der Redaktion: H. W. in B: Wir lesen die K.'sche Zeitung nicht.— Dr. K. in H.: Brief erhalten.— R. in N.: Die Briefftieberei ist so im Schwang, daß wir ein Wunder annehmen müßten, wenn es mit rechten Dingen zugegangen wäre. Schreiben Sie an L.— Ä. M. Weimar: Die gewünschen Frankenhausener Adressen sind: A. Welke; A. Walthcr, Knopfmacher, Altstadt; Wilhelm Koch, Knopf- macher. N. in Nürnberg: Hier kam der Bries wirklich erst 3 Tage, nachdem er geschrieben, aus die Post, weil ich Ihre Adressenicht wußte. der Expedition: S. in Neuschönefeld 5 Thlr. sür den Diätenfond. — Marburg: Das Bestellte ging ab.— E. Augsburg: 5 fl. 49 nicht 54 erhalten.— M. Weilby: Wurde besorgt.— Farkas, Pest: 4 fl. 56 erhalten.— H. in. W., R. Dresden:c.: Die gewünschten Preis-Courante werden, wenn im Druck vollendet, sofort versandt.— W. in F.: Wann folgt die Fortsetzung?__ Quittung und Dank. Mcerane, den 12. Juni. Für die Strikenden in Meerane sind ferner eingegangen: Aus Luckenwalde durch Ehrhardt Thlr. 3--, aus Osterode durch W. Bierhance Thlr. 1 15—, aus Niederzwönitz durch C. Harnisch Thlr. 1 10—, aus Meerane durch Stein Thlr.— 27 5, aus Meerane durch Gewerksgenossenschaft Thl. 10--, aus Basel durch Moteller, Crimmitschau Thlr. 2 12—, aus Burgstädt durch Friedrich Wünsch vom Arbeiter-Verein Thlr. 2--. Wir bitten um Entschuldigung für die etwas verspätete Veröfsent- lichung des Obigen. C. G. Binder. A. Paul. Bebel's Reichstagsredm Ei.ÄJSJ,'; gezeigten Orten zu beziehen durch sie(»Spedition der„((hciimitzr»' freie» Presse", durch die Filialetzveditioueu des„Bblksstaat" m Braunschweig, P. Paulus in Mainz, F. A Zorge in Hoboken bei New-Park. ,« Um densehr zahlreichen Nachfragen zu genügen, Jtttt-tj). wird die Schrift Bebel's„Unsere Ziele" in zweiter Auflage erscheinen, und wird jede, bis jetzt eingegangene Be- stellung sofort expedirt werden, sobald der Druck fertig ist. Dasselbe gilt vom Anti-Zyllabus._ I>ie Expedition. Augsburg. Da der„Proletarier" mit heuligem zu erscheinen aufhört, so ersuchen wir die Abonnenten desselben, dafür den„Volksstaat" zu halten, der in der bisherigen Expedition des„Proletarier" mittlerer Lech 361 Parterre zu haben ist. Ebenso werden daselbst Monatsaboune- ments vom 17. d. angenommen. Auch Bebel's ReichStagsredeu in Broschüre(32 Seiten stark) sind daselbst zu haben A. 0. A. Augsburg, 17. Juni 1871. I. Endrei, 0. 361. In der tKxpedition ves„Bolksstaat" ist zu beziehen: Der Normalarbeitstag von A. Geib. Preis 1 Groschen.__ Warnung! D er Schneidergehilfe Meinhard t, aus Erfurt gebüttig, wurde im vorigen Jahre Mitglied beim hiesigen sozial-demokratischen Arbeiter- Verein, hat aber weder Einschreibegelv noch Lagen bezahlt, und sich außerdem verschiedene Schwindeleien zu Schulden kommen lassen, welches wir, sür den Fall, daß sich derselbe als gewesenes Mitglied in Apolda geriren sollte, zur allgemeinen Kenntniß bringen. Die Mitglieder der sozial-demokratischen Partei zu Apolda. Für Eolditz. Die Parteigenossen unserer Nachbarstäote laden wir zu recht zahl- reicher Betheiligung zu der am Sonntag den 18. Juni bei uns statt- findenden Bulkversammluug ein. Als Reierent wird Herr Röthiug aus Leipzig erscheinen._ Der Arbeiterverein. Offerte. Die Expedition sozialdemokratischer und demokrati- scher Zeitungen für Miiuche» wird von einem Partei-Genossen gegen solide und billige Bedingungen zu übernehmen gesucht. Offerten unter?. W. besorgt die Expedition d. Volksstaat._ Fachverein der Tischler in München. Die hier zureisenden Tischlergeyilfen werden in ihrem eigenen Interesse ersucht, sich in unser Vereinslokal,„Fränkische» Hof," Zeudliuger Straffe Nr. 7z zu bemühen, wo zu jeder Zeit für freundliche Ausnahme und billiges, gutes Quartier gesorgt ist. Brüderlicher Gruß von den Tischlergehilfen in München. Hohenstcin-Ernstthal. Alle Zusendungen uno Korrspondenzen für HohenfteiU-lKrnstthal in Parteiangelegenheiten, sind an Hermau» Lcdcman», Kartstr. 11 Hohenstein zu adressiren.__ Für Hamburg. Sozial-Semotratischer Arbeiterverein. Versamiulung am Montag, den 19. Juni, Abends 9 Uhr bel Eberhahn, Zeughausmarkt 31. Tagesordnung: Das Trauerspiel in Frankreich. Gäste haben Zutritt. Die heutige Bersammluug(Ionnabcnd, den 17.) fällt aus- ___ Geib. Harburg. Montag Abend Versattnnluitg bei Waldmann. Das Harburger Friedensfest. Abrechnung über die Vergnügnngstour. Leipzig: Verantw.Redakteur A. Hep ner(Redaltion: Peters steinweg 16) Druck u. Verlag: F. Thiele.(Expedition: PeterSstr. 18).