M 50. Mittwoch, de» 21. Juni. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Itostanstalten und Buchhand- lungen des In- und Auslände« an. Für Leipzig nehme« Bestellungen an: 21, Bebel, PeterSstraße 18, F« Thiele, Emilienstraße 2, AbonnementSprets Für Preußen incl. Stempel- steuer 16Ngr,fih die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Duartal. Agent für London S. Duenstng Foreign Bookseller, Libru- rian and Newsagent, 8. Little Newport Street, Lei- oester Square, W, C. Filialerpedition für die Berein Staaten: F.A.Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der sozial-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschasten. Dem preuszischen Polizeihalunken, der von London aus komproinittirendc Briese an Leip.igcr Tozialdemokraten schreibt, zur Nachricht, das; sein letzter Brief(an Liebknecht) dein Leipziaer Bezirksgericht übergeben ist.__ Abonnements-Einladung. Wir fordern hiermit die Parteigenossen auf, das Abonne- ment auf den„Volksstaat" sofort erneuern zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zusendung des Blattes eintrete. Wir machen hierbei darauf aufmerksam, daß der schnellste und sicherste Bezug durch die P o st ist. Alle Postanstalten in Deutschland sind vcrpstichtet, Bestellungen auf den„Volks- staat" anzunehmen. Das Abonnement kostet per Quartal 12 Sgr. 42 Kr. füdd. Währung. In Preußen kostel�das Blatt, in Folge des Zeitungsstempels, vierteljährlich 16 Sgr. Ein Blatt unter Kreuzbandsendung kostet per Quartal 25 Sgr.; der Betrag ist bei der Bestellung franko einzusenden. Zum Kongreß. Anträge. Die Leipziger Parteigenosien haben in ihrer Versamm- lung vom 10. 0. M. den von Bebel gestellten Anträgen ihre Zustimmung ertheilt mit der Abänderung, daß in dem Antrage betreffend die Finanzkommisston gesagt werde, statt„4 Wochen" „14 Tage" und hinter die Worte:„über das Finanzwesen des Blattes" noch zu fetzen„und den Schriflenverkauf". Die Leipziger Parteigenosien beantragen ferner: Den An- trag Per Hamburger Parteigenossen, betreffend das literarische Unternehmen, dahin zu erweitern: daß von der Partei eine eigne Äenossenschafts-Druckerei gegründet werde, zum Zweck des Drucks des Parteiorgans und der Parteischriften. Die Motive für diesen Antrag werden wir in einer späteren Plummer des„Volksstaat" veröffentlichen. Die Kölner Parteigenosien beantragen, daß der Art. 19 des Eisenacher Programms, lautend: „Die Parteimitglieder verpflichten sich, überall auf Grund des Partei-Programms die Gründung sozialdemokratischer Ar- beiter-Vereine 4n die Hand zu nehmen." wieder hergestellt werde Die den Delegirlen mitzugebenden Vollmachten müssen sol- genden Wortlaut haben: Vollmacht. Die am........ in........ versammelten Parteigenosien beauftragen Herrn........, sie auf dem, am 15., 16., 17. und 18. Juli a. c. in Dresden stattfindenden Kongreß der soziaaldemokratischen Arbeiterpartei zu vertreten. ....... den...... 1871. Zu unterzeichnen ist diese Vollmacht von dem für die Ver- fammlung gewählten Bureau, mindestens von 3 Mitgliedern desselben. Sind entfernter vom Kongreßort gelegene Orte außer Stande, selbstständig einen Delegirlen zu senden, so empfehlen wir gemeinschaftliche Wahl mehrerer Orte. Uebertragung der Mandate an Parteimitglieder ist gestattet. Leipzig, 18. Juni. Der prov. Ausschuß. Tie Vertrauensmänner der Partei werden dringend ersucht, möglichst bald Bericht über die Parteilage(Zahl der Mitglieder, Kassenoerhältnisie, Agitation u. f. w.) an unfern Schriftführer(Heidemann, Neumarkt 8 III) einzusenden, behufs Berichterstattung an den Kongreß. Möge Jeder seine Pflicht erfüllen! Die Parteigenossen werde« ersucht, die Aninelöuiigen der Delegirten baldigst an mich gelange» zu lassen, damit seitens des Lokalkomitees ausreichend für Quartier gesorgt werden kann. ö Knieling TrcSdr»._ Christiauftr. 16 4 Dr. Der Generalrath der Internationalen Arbeiter- affoziation hat eine Denkschrift über den„Bürger- krieg in Frankreich" veröffentlicht, die uns aber erst in Englischer Sprache vorliegt. Wir werden in nächster Nummer mit Publikation des hochwichtigen, die Gegner der Kommune und der Internationalen geistig und moralisch niederschmetternden Aktenstücks beginnen.__ Politische Uebersicht. Unter dem Datum des 6. Juni hat Herr Jules Favre ein Aktenstück in die Welt geschickt, das sich angeblich mit den Ursachen der letzten Pariser Revolution beschäftigt, in Wirkliche keit aber ein Nachtrag zu den Wermuth-S tieber'schen „ Kommunistenvers chw örung en"�) ist, nur daß der ho- nett-republikanische Bourgeoisminister**) eine so mächtige �Erfin- dungsgabe entwickelt, daß die polizeilichen Biedermänner Wer- mulh und Slieber als elende Stümper neben ihm dastehen. Weiler unten(S. 2) findet der Leser das Aktenstück, nebst Ei- nigem zur Charakterisirung.— Die Erschießungder 150Pompiers wird widerrufen; übrigens dauert das standrechtliche und privatvergnügliche Erschießen ge- wüthlich fort. Am 10. d. soll auch F r ä n k e l erschossen worden sein, von dem es bekanntlich geheißen hatte, er sei nach Eng- Die Kommunisten-Verschwörungen des 19. Jahrhunderts. Im amtliche,, Ausiraae. Berlin 1852. Druck von A. W. Hayn. Oder saaen wir lieber„Bülgerminister"— das Wort heimelt so lieblich an. Hätte Giskra vor 18 Monaten eine Zirkularnoie Seschrieben. so wäre das Favr-1che Opus antizipirt worden. D>e,e iwei schönen-Lourgeoisseelen sind einander zum Verwechseln ähnlich. land entkommen. Kurz: es wird weiter geschlachtet, Rücksichten der Humanität kennt das Ordnungsbanditenthum nicht— höchstens Rücksichten der Sanitätsxolizei.„Die„Insurgenten" find so massenhaft niedergemetzelt worden, daß eine Pestilenz droht. Man hat deshalb die Verbrennung der Leichen.ange- ordnet und es fehlen nun bei den Orgien der siegreichen Bourgeoisie auch nicht die Freudenfeuer. Ein Korrespondent der„Kölnischen Zeitung" beschreibt die letzteren wie folgt: „Was mein Auge noch nie gesehen, das waren drei gewaltige Schei- terhaufen, welche die hier gesammelten und wieder ausgescharrten Todten mit rother Glut verzehrten. Ich muß bekennen, die Menschen, die dabei beschänigt waren und eben mit den Vorbereitungen zu einem vierten Brandopfer umgingen, erschienen mir, aus der Ferne gesehen und halb in Rauch gehüllt, wie die Jünger Mephisto's, und die ganze Scene hatte für mich etwas so Unheimliches, nahezu Grauenhaftes, daß ich wirklich ftoh war, diesen Ort des Schreckens verlassen zu dür- fen, und fürchte ich, das nie zu vegessen, infolge dessen mir der Ort wohl verleidet sein mag. Mein Führer erklärte mir, wie man immer eine starke Schicht Holz zwischen eine Lage von sechs, acht oder zehn Leichen der Insurgenten thue, oben über wird Theer gedeckt, in der Mitte jedoch stehe eine Tonne Petroleum, welche das Feuer bis zum Ende nähre, worauf die verkohlten Reste in die am Osthügel befind lichen Gruben untergebracht werden." Hut ab vor diesen„Petroleurs" der Ordnung! Sie üben ihre Kunst an Menschenleibern— das ist doch nobler als an Steinhaufen. lieber die Behandlung der Gefangnen wird der „Daily News" unterm 10 d. aus Versailles geschrieben: „stiur wenige Gefangene werden jetzt nach Versailles gebracht, aber Hunderte verlassen es jede Nacht. Die kleineren Knaben und Mäd- chen, die mit ihren Eltern auf den Barrikaden oder in den Laufgräben gesangen genommen wurden, werden nach Besserungsanstaltenfl) ge- schickt, wo sie wahrscheinlich bis zu ihrem 20. Jahre' bleiben müssen. Frauenspersonen, die früher unter der Kontrole der Sittenpolizei stan- den, werden in Spezialgefängnissen untergebracht, und die„Bürger/ welche im Ernste für die Kommune kämpften, gehen nach den Gesang nenschisien, um dort ihr Schicksal, welches das in Brest und Cherburg zusammentretende Kriegsgericht über sie verhängen wird, abzuwarten. Es ist uicht leicht, Zulaß zu diesen Höllen des Elends, in welchem die strenge Majestät der Autorität— ich kann nicht sagen des Gesetzes— ohne jedes Gegenwicht ftbront, zu erhalten. Obwohl in den Eisenbahnschuppen mit Kartätschen geladene Kanonen in terrorem(um Schrecken zu erregen) auf die Frauen und Kinder gerichtet sind, werden diese gütiger behanvelt als die Gefangenen in Satory eine Woche vorher. Sie erhalten z. B. unbeschränkte Wasser- rationen, dagegen ist das Brot noch immer knapp und schlecht. We- der Fleisch noch Suppe wird ihnen geliefert, und Freunden außerhalb wird noch nicht gestattet, irgend einem von der darben- den Heerde Nahrungsmittel zu senden. Aber es ist ein Dach vorhanden, das den Regen abhält, und eine Strohschütte oder wenig- stens der Schein einer solchen. Vorbeigeleitete Dampfröhren blase» mitleidig große Wolken warmen Dampfes in die Schuppen, welche die Atmosphäre in dieser ungewöhnlich kalten Jahreszeit erträglich machen. Einer der empörendsten moralischen Charakterzüge per temporären Gefängnisse ist die Weise, in welcher Kinder von der Polizei dazu gebraucht werden, umZeugniß gegen ihre Eltern abzulegen. Aber das ist nichts Neues. Die französische Jurisprudenz ist grausam und hat seit undenklichen Zeiten nicht davor zurückgeschreckt,„das Kalb in seiner Mutter Milch zu kochen."" Und diese Henker vermessen sich, die Worte: Humanität, Zivilisation in den Mund zu nehmen! Ueber die verhafteten Kommunalisten berichten gegnerische Blätter: „Am ruhigsten sollen sich die verhafteten Mitglieder der „Internationale" zeigen. Dieselben waren es auch, welche sich am muthigsten schlugen. Bemerkt zu werden verdient übrigens, daß sich unter den Anhängern der Kommune viele etablirte Leute, dann eine große Anzahl von Kommis und an- deren jungen Männern befanden, welche nicht den unteren Volks- klassen angehörten. Von den Handwerkern waren ain meisten vertreten die Setzer, die Lithographen, die Mechaniker, die Schlosser und die Schuhmacher. Die Schneider hatten sich an der Bewegung nur in geringer Zahl betheiligt.(?) Die Polen waren in der Kommune ziemlich stark vertreten. Die Liste, welche der russische Geschäftsträger aufgestellt, zählt über 700 Namen. Ab- schriften dieser Liste wurden nach Petersburg und an alle Ver- treter Rußlands im In- und Auslande gesandt."— In Folge von zahlreichen Mandatshäufungen auf dieselbe Person(viele Abgeordnete wurden an 2, 3 und mehr Orten gewählt und ferner in Folge von Mandatsniederlegungen, wird demnächst über die Hälfte der französischen Departements Er- satz wählen vorzunehmen haben. Natürlich kann unter den ob- waltenden Umständen von einer ernsthaften„Wahlbewegung" nicht die Rede sein. In Zeiten der Aktion— der kontrevolutionären sowohl als der revolutionären— enthüllt sich die ganze Jämmerlichkeit des Parlamentarismus, und fallen die Schwätzer von Profession der verdienten Verachtung anheim. Die„äußerste Linke" der Nationalversammlung hat folgenden Wahlaufruf erlassen: Theuere Mitbürger! Der Augenblick ist da, in welchem jeder Fran- zose bezeugen muß, was er will, was er denkt, was er glaubt. In d-n gegenwäriizen Umständen sich des Votums enthalten, ist das po- litische Leben aufgeben. Worum handelt es sich? UnS ein neues Frank- reich zu bilden, es zu regeneriren. Die Regeneration wird mit euch, mit dem von euch in die Wahlurne deponirieu Votum anfangen. Das ist das Princip unserer Wiedergeburt. Diese Wiedergeburt, sie ist euch noch einmal in die Hände gelegt. Die Monarchie hat ihre Fahne erhoben. Das ist die Gelegenheit für uns, die unsere auszurichten. Lasset euch nicht bis zum Tage einschläfern, an welchem ihr plötzlich durch die Monarchie erweckt werdet. Die Monarchie kann euch nur zum Cäsarismus, und der Cäsarismus zum letzten, unabwendba- ren Verfalle zurückführen. Um ihm zu entgehen, habt ihr nur Einen Ausweg. Vom Abgrund seit ihr nur durch die Republik getrennt. Flüchtet euch unter diesen letzten Schutz. Außer ihm ist nur Sturz nach Sturz in die bodenlose Leere. Ihr seid in einer Stunde, in welcher ein Volk zwischen Tod und Leben zu wählen hat. Jede Jllu- sion in dieser Beziehung würde hossnungslos zu Grunde richten. Der Tod ist die Rückkehr zu einer Vergangenheit, welche alles bei euch verurtheilt hat, sie mögen heißen: altes Regime, Napoleon, Charles X., Louis Philipp, Louis Bonaparte. Diese verschiedenen Regimes erin- nern euch nur an Sturz und Ruinen. Genug der Ruinenl Ruhen wir endlich bei dem aus, was lebt, was ist, beim modernen Geiste. Der moderne Geist heißt Freiheit! Republik! Kämpfen wir gegen die Macht der Umstände nicht an, welche der Abgestorbene mit fortreißt, Dynastien, Monarchien. Sie würde uns mit ins Grab hineinziehen. Schließen wir ein Bündniß mit lebendigen Dingen. Sie werden un- sere Wunden heilen, uns die Hossnung wiedergeben und ihre Kraft uns mittheilen. ES lebe die Republik! Versailles, 13. Juni 1871. Edgar Quinet, A. Peyrat, Schölcher, Edmond Adam, Langlois, Henri Brison, C. F. Colas, P. Joigneaur, Carion(CSte-d'Or), L. Greppo, Rathier(Ionne), Tolain, Taberlet. Lepire(Nonne), Louis Blanc, E. Farly, La Flire, Ancelon, Viex, Beriet, Michael Penand, Martin Bernard. Ah, Ihr Herren von der„äußersten Linken"— jetzt wollt Ihr die„Republik" retten? Warum standet Ihr ruhiz dabei, als sie mit ihren Feinden im tödtlichen Kampf war und Euch um Hülfe anrief? Heute ist es„zu spät". Die Republik, die Ihr feige im Stich ließt, sie ist in Paris nieder- gemetzelt worden und ihre Leiche wird jetzt auf den Buttes Chaumont verbrannt, damit der Verwesungsgeruch Euren Kollegen, von deren Seite Ihr nicht gewichen, keine Kopfschmerzen verursache. Und hat nicht Herr Louis Blanc, dessen Naine in Eurer Mitte prangt, der todten Republik noch den feigen Eselstritt versetzt?— Also laßt die Flausen. Entweder thut Buße, und schlagt Euch im nächsten Barritadenkampf neben den Männern der Kommune, die Ihr so schmachvoll verrathen habt— oder fort in die Rumpelkammer mit Euch Allen!— Man schreibt aus Paris d. d. 10. Juni:„Die Rede Thiers,' welche das Hauplereigniß der neuesten Debatten in der Nationalversammlung war, hat der Telegraph mit so ver- schwenderischer Ausführlichkeit reproducirt, daß wir es unter- lassen dürfen, sie ihrem Wortlaute nach mitzutheilen. Sic ist so recht das Ergebniß und die Signatur der Verlegenheits- epoche, in welche Frankreich seit dem Bürgerkriege eingetreten ist. Nirgends herrscht ein bestimmter Plan und ein kräftiger Wille. Weder die Prätendenten treten offen mit ihren Herr- schaftsgelüsten hervor, noch wagt es die Linke, auf Feststellung der republikanischen Staatsform zu dringen. Wenn ein Rück- schluß erlaubt ist, so möchte man zu der Annahme versucht sein, die Mehrheit der Nationalversammlung habe sich schon von Anfang an mit dem Gedanken getragen, die Republik de lacto langsam ums Leben zu bringen und legitimire jetzt dieses Vorhaben mit dem Abscheu vor allen revolutionären Ideen, welchen sie nach Besiegung der Jnsurrection nun so leicht und bequem hegen und pflegen kann. Von einer durch- greifenden Aenderung des Regierungssystems ist nirgendwo die Rede. Der blutige Kampf hat dem Moderantismus*) eben so wenig wie der Reaktion die Augen darüber geöffnet, daß man die revolutionären Bestrebungen nicht durch Spionage und Massenhinrichtungen eindämmt. So unklar(?) die ganze Pariser Revolution auch war, und so wenig jetzt schon über ihre lei- lenden Persönlichkeiten das letzte Wort gesprochen ist, zwei ge- sun de Punkte sind doch mitten in dem wirren Knäuel unreifer und überspannter(!) Ideen erkennbar, die fest in's Äuge gefaßt werden sollten. Neben der Forderung/ die Republik sogleich zu erklären, erscholl der Ruf nach Gemeindefreiheit, dieser drei- ten und einzig soliden Basis freier Gemeinwesen. Spurlos scheinen diese Forderungen an den jetzigen Gewalthabern Frank- reichs vorüberzugehen. Auf diese Politiker, welche jetzt am Ruder sitzen, läßt sich das bekannte Sprüchwort von den Bour- bonen anwenden, daß sie nichts gelernt und nichts vergessen haben. Thiers hat zwar Bücher über die Revolution geschrieben, aber er ist nicht zu der Einsicht durchgedrungen, daß dieselbe sich nicht dadurch verhüten läßt, wenn man in die Zeit zuvor zurückkehrt und die Ursachen negirt, deren Folge sie waren. Jules Favre seinerseits glaubte, wie sein Circular beweist, die Bewegung der Geister in der Tiefe lasse sich mit Exorcisinen beschwören, wie sie sich etwa in einem römischen Rituale vor- finden. Weit entfernt, einzusehen, wohin man kommt, wenn man nicht den Muth hat, die akademischen Reden über Frei- heit und Menschenrechte zur thatsächlichen Wahrheit zu machen, sieht er in der furchtbaren Katastrophe die Mißgeburt des Alheis- mus und jammert er über das Dahinschwinden des Autoritäts- glaubens. Frankreich wird also nichts Eiligeres zu lhuu haben, als reuig sich dem Offenbarungsglauben zuzuwenden, und es wird gerettet sein. In der politffchen Anschauung dieser Klo- sterbrüder ist kein Raum für den Gedanken, daß Frankreich nur genesen kann, wenn es seinen kirchlichen und militärischen Traditionen entsagt und mit fri- schein Muthe an die politische und sociale Reform Hand anlegt. Den Fanatismus und die Verwirrungen kann man wohl ersticken mit Kugelregen und rauchenden Flcnn- men, nicht aber den Schmerzensschrei der Freiheit. Lassen wir darüber John Lemoine reden, den lammfrommen Redakteur des„Journal de Debats."„Es genügt, so schreibt er, in un- s-ren eingeäscherten Straßen umherzugehen, in das fieberhafte, blutunterlaufene Gesicht von Paris zu sehen, um darin zu *) Dem System der„Mäßigung",„Vermittlung", den Mittel- Parteien. Fortsetzung auf Seite 4. Jules Favre's Nundschreibeu über die Pariser Revolulion an die Bertreter der französischen Republik(?) im Auslande: Versailles, 6. Juni 1871. Die furchtbare Insurrektion, welche soeben durch die Tapferkeit(l) unserer Armee besiegt wurde, versetzte die Welt in solche Angst, ent- setzte sie durch solch' schreckliche Verbrechen, daß ich es für noihwendig erachte, den Schauder zu unterdrücken, den sie einflößt, um zu ver- suchen, die Ursachen aufzurollen, welche sie ermöglicht tzaben. Es ist von Bedeutung, daß Sie in dieser Beziehung unterrichtet werden, um die irrigen Ansichten zu berichtigen, die Geister vor mißlichen Ueber- treibungen zu warnen, und überall den moralischen Beistand der ge- bildeten, ehrlichen»nd muthige» Männer zu erwecken, welche in ent- schlossener Weise dasPrinzip der Autorität(!!) zur Geltung bringest wollen, indem sie zur Grundlage derselben die Achtung des Gesetzes, die Mäßigung und die Freiheit erheben. Sobald man Zeuge der Katastrophen war, die wir soeben bestan- den, wird man unter dem ersten Eindruck veranlaßt, an Allem zu zweifeln, mit Ausnahme der Gewalt, welche, als äußerstes Rettungs- mittel auftretend, dadurch allem als das wahre Prinzip fl) erscheine» könnte. Doch der Rauch des Kampies ist noch nicht entschwunden und schon findet Jeder, indem er sein Gewissen befragt, in demselben den höheren Wegweiser, den man nie ohne Ahndung verläßt, und zu dem wir Alle stets zurückgeführt werden, falls wir ihn der Gewalt der Leidenschaften hingeopsert hatten. Diesmal ist die Lehre zugleich so augenfällig und furchtbar, daß man eine ganz besondere Herzensroheit haben müßte, nsn die Evidenz dieser Behauptung zu leugnen. Frankreich ist nicht, wie man nur z» leicht- sinnig behauptet, der Barbarei anheimgefallen, es ist auch keineswegs die Beute der Raserei, es wurde blos durch eine Reihe selbstbegangener Fehler von dem Pfade des Rechtes und der Wahrheit abgebracht, lliun ist über dasselbe die furchtbarste, aber auch höchst logische(!) Sühne heran- gebrochen. Wer kann es in der That leugnen, daß die Akte des zwei te» Dezember und das System, welches ihnen die Weihe verlieh, in den Schooß der Nation ein thätiges Element der Korruption und der Er- niedrigung trugen? Was namentlich Paris betrifft, so hat es keinen ernsten Geist gegeben, der die unabwendbaren M ißgeschicke nicht vorhergesagt und begriffen hätte, welche die hochmüthige Verletzung aller Regeln der Moral und der Oekonomie im Gefolge haben muffe, als man die Arbeiten sah, welche nur für die Existenz de« Kaiserreichs nothwendig waren. Man kann noch aus jüngst gehaltenen Debatten ersehen, mit welcher Genauigkeit die Gefahren angegeben wurden, welche die sehr gelehrigen Lobhudler dieser verbrecherischen Thorheiten zu be- streiten die Verwegenheit hatten. Paris wurde durch das Regime der kaiserlichen Regierung einer schrecklichen Krise entgegen getrieben: sie wäre im vollsten Frieden ausgebrochen, der Krieg verlieh ihr denCharakter einer gräßlichenKonvulsion. Es konnte nicht anders kommen. Indem das Kaiserreich in der Hauptstadt eine flottante Arbeiterbevölkerung von ungefähr 300,000 Menschen ansammelte, indem es alle Ausreizuuge» leichier Genüsse und alle Leiden des Elends vervielfachte, schuf es einen großen Herd der Korruption und der Unordnung, wo der kleinste Funke einen Brand entflammen konnte. Es hat ciiie Nationalwerkstätte gebildet, welche von einer fieber- haften Spekulation genährt wurde, und die ohne Katastrophe ruhen zu laffen, ein Ding der Unmöglichkeit war. Als das Kaiserreich den Frevel beging, den Krieg zu erklären, zog es ans Paris den Donnerkeil herab, welcher fünf Wochen nachher es selbst vrrnichten sollte. Unsere Heere waren zerschmettert und die große Stadt stand allein achthunderitansend Deutschen gegenüber, welche unser Vaterland überschwemmten. Die Pflicht des Widerstandes er- füllte alle Geister. Um sie.zu erfüllen, mußte man in Paris Alle« bewaffnen! Der Feind war vor den Thckren und ohne diese nothwcndige Kühnheil hätte er sie im ersten Anlauf durchbrochen. Man mußte auch Alle nähren, welche keine Arbeit hatten und ihre Zahl betrug mehr als 600,000. Unter diesen gefährlichen Umständen begann die Be- lagerung. Niemand hielt sie für möglich. Man kündigte an, daß der innere Aufstand die Stadt nach einigen Wochen überliefern würde. Die Stadt hielt sich vier und einen halben Monat, trotz der Entbehrungen, trotz der Strenge einer rauhen Jahres- zeit, trotz der Beschießung; und der Hunger allein veranlaßte sie zu unterhandeln. Aber Niemand kann die Heftigkeit der moralischen und politischen Entartungen(!) beschreiben, deren Beute diese unglückliche Stadt war. Die Anforderungen des Siegers setzten dem die Spitze ans. Zur Erniedrigung der Niederlage gesellte sich nun der Schmerz der Opfer, die man ertragen mußte. Die Entmuthigung und der Zorn theilten die Gemüther. Niemand wollte sich in sein Unglück fügen, und Viele suchten ihren Trost in der Ungerechtigkeit und der Gewalt- thäligkeil. Die Entfesselung der Presse und der Clubs wurde bis zu den äußersten Grenzen der Ausschreitung getrieben. Die National- garde stäubte auseinander. Eine große Zahl ihrer Mitglieder, Chefs und Soldaten, verließen Paris. Durch die Einberufung der National- Versammlung in Bordeaux in zwei Theile gespalten, blieb die Regierung ohne Kraft. Sie hätte an solcher durch die Verlegung nach Versailles gewonnen, wenn die Anstifter nicht diesen Augenblick gewählt hätten, um die Insurrektion anzufachen. Die Regierung, die derselben nur einige kaum organisirte Regimenter entgegenzusetzen hatte, deckte die Naiioiialversammlung und begann die schreckliche Partie, die sie schließ- lick gewonnen hat; Dank vor Allein der Weisheit, Festigkeit und gren- zenlosen Aufopferung ihres Oberhauptes(!!!). Man mußte, mit Ver- achtung aller Hindernisse, eine genügend zahlreiche Armee sammeln, um die Forts und Paris zu belagern und zu bezwingen, den zur Int er- venirung immer bereiten Ausländer zurückhalten, die ge- rechte Ungeduld der Kammer beruhigen, die Jntrigueii, die täglich gesponnen wurden, aufdecken und ohne Baargeld für die ungeheueren Kosten des Krieges und der fremden Occupation sorgen. Wie häufig ist das Problem Denjctiigeü, welchen die schreckliche Aufgabe seiner Lösung zu Theil geworden war, unlösbar erschienen? Wie oft wiederholten ihnen Freunde und Feinde, daß sie unterliegen würden! Sie haben nicht verzweifelt und die Bahn ihrer Pflicht verfolgt. Die Gefangenen, die in Deutschland schmachteten, kehrten zurück; statt der Ruhe, auf die sie ein Anrecht hatten, fanden sie die Gefahr und den Tod. Das Baterland befahl, und Alle, vom Höchsten bis zum Niedrigsten, haben gehorcht. Sie haben von Neuem ihr Leben zur Vertheidigung des Rechts bereitwillig eingesetzt, und sie habe» die Unternehmung ausgeführt, die von ihren Rivalen für unmöglich gehalten wurde. Die Forts der Uinfassung wurden mit Sturm genommen, und der Schritt für Schritt verfolgte Aufruhr unterlag bis in seinen letzten Zufluchtswinkel. Aber, großer Gott! um welchen Preis? DerGe- fchichtSschreiber wird es ohne Entsetzen nicht erzählen können. Mehr- malS wird die Feder seineu Händen entfallen, wenn er die scheußlichen und blutigen Szenen dieser bejanimernswerthen Tragödie wird be- schreiben müssen, von der Ermordung der Generale Lccomte und Clement Thomas angefangen bis zu den vorbereiteten Brandstiftungen, zur Ver- brennung von ganz Paris, bis zu der verabscheuungswerthen und feigen Nledermetzehung der heiligen z!), in ihren Gefängnissen füsilirten Opfer. Die Entrüstung und der Ekel können gleichwohl die Männer der Politik nicht in der Erfüllung der Untersuchungspflicht hemmen, die ihnen so außerordentliche Missethaten auferlegen. Sft zu verab- scheuen und zu bestrafen, ist nicht genug. Man inuß den Keim der- selben suchen und diesen ausrotten. Je größer das Uebcl ist, desto wichtiger ist es, sich davon Rechenschaft zu geben, um ihm dieEoalition aller ehrliche,'(!) Leute entgegenzusetzen. Ich habe nun kurz auseinandergesetzt, wie der allgemeine Zustand der Stadt Paris durch sich selbst, eine Prädispositioil*) zur Unordnung bewirkte, wie derselbe sich durch die Anarchie der Belagerungszeit in den drohendsten Proportionen verschlimmert hatte. Eine kleines?) Gruppe politischer Sektirer hatte schon seit dem 4. September, glücklicherweise vergebens, versucht, die Verwirrung zu benützen, um sich der Gewalt zu bemächtigen; seitdem haben sie nicht aufgehört, zu konspirire». Die gewaltsame Diktatur, den Haß gegen jede Ueberlcgenheit, die Lüsternheit und die Rache repräsentirend, waren sie in der Presse, in den Vereinen, in der Nationalgarde kühne Par- teigänger der Verläumdungen, der Herausforderungen und der Revolte. Am 31. Oktober besiegt, benützten sie die Straflosigkeit, um sich mit ihren Verbrechen zu glorifiziren, und am 22. Januar deren Ausführung wieder m Angriff zu nehmen; ihr Losungswort war: di e Ko m- *) Empfänglichkeit, Geneigtheit für. mune von Paris, und später, nach dem Präliminarvertrage, die Föderation der Nationalgarde. Mit seltener Geschicklichkeit bereitete sie eine anonyme und ge- Heimes!) Organisation vor, die sich bald über die ganze Stadt ver- breitete. Durch diese machten sie sich am 13. März' zu Meistern der Bewegung, die anfangs aar keine politische Tragweite zu l aben schien.(!!!) Die hohnsprechenden Wählen, die sie vornahmen, waren für sie nur eine Maske; Herren der bewaffneten Macht, unrechtmäßige Besitzer un- ermeßlicher Muiiitionshilfsquellen, dachten sie an nichts, als durch den Schrecken zu regieren und die Provinz in Aufruhr zu bringen. Zu gleicher Zeit brach die Insurrektion auf mehreren Punkten aus, welche, einen Augenblick ermuthigt, ihren sträflichen Hoffnungen Nahrung gab. Sie wurde, Gott sei Dank, unterdrückt; nichtsdesto- weniger warteten hie Unruhestifter mehrerer Departements nur aus den Erfolg in Mrih. Paxis blieb der Einzige Kampfplatz der Revo- lution. Um die unglückliche Bevölkerung ins Unglück mitzureißen, schreckten die Verbrecher,>ie im Hotel de Ville hausten, vor keinem Attentat zurück. Sie nahmen die Lüge, die Gewalt und den Mord zu Hillfe. Sie warben Mörder an, die sie aus erm Kerker befreiten!!), Deserteure und Fremde. Alles, was Europa an Auswurf be- saß, wurde zu Hilfe gerufen. Paris wurde das Rendez- vous der Entarteten der ganzenWelt. DieNationalversamm- lung ist der Schmach und der Rachgier preisgegeben worden. So führte man eine große Anzahl von Bürgern irre, so kam die Hauptstadt unter das Joch von Fanatikern und Uebelthätern. Ich brauche ihre Verbrechen nicht zu detailliren. Ich wollte nur zeigen, bei welch' einem Zusammentreffen unglückseliger Zustände ihr schmach- volles Regime möglich werden konnte. Sie bemächtigten sich einer der Arbeit entwöhnten, durch das Unglück verwirrten Bevölkerung, die überzeugt war, daß ihre Regierung sie verralhe. Sie herrschten durch Schrecken und Verbrechen und machten die Verirrten zu Genos- sen ihrer Leidenschaften und Frevel. Von ihrer ephemeren Gewalt be- rauscht, im Sinnentaumel lebend, gaben sie sich ungescheut der Be- sri edigung ihrer B egi erden hin(I), verwirklichten sie ihre abscheu- lichen Träume und stürzten sich wie Bühnenhelden in eine der schrecklichsten Katastrophen, die eine verbrecherische Phantasie je erfin- den konnte. So, mein Herr, betrachte ich diese Ereignisse, die un- erklärlich scheinen würden, wenn man sie nicht aufmerksam studirt hätte(!?). Ich kann noch ein wesentliches Moment dieser unseligen Geschichte erwähnen, indem ich aus diese Nachäffer der Jacobiner ver- weise, welche die Absicht hatten, ein politisches System herzustellen, das. zur Grundlage hatte, die Chefs einer Gesellschaft als Oberhaupt an- zuerkennen, die unter dem Namen„Internationale" zur trauri- gen Berühmtheit gelangt ist und deren Aktion vielleicht mächtiger war, als jene ihrer Mitschuldigen, da sie sich auf die Zahl, auf die Dis- ziplin und auf den Kosmopolitismus stützte. Die internationale Arbeiterassoziation ist gewiß einer der gefährlichsten Faktoren, gegen welche die Regierun gen sich vorzusehen haben. Die Zeit ihrer Entstehung liegt schon serne. Sie soll von der 1862er Ausstellung her datiren; ich halte sie für noch älter. Es ist natürlich und gesetzlich, daß die Arbeiter durch die Assoziation sich einander zu nähern suche». Seit mehr als vierzig Jahren streben sie dies an, und wenn auch ihre Anstrengungen durch die gesetzgebeuden Körper und durch die Gerichtshöfe vereitelt wurden, hielten sie dennoch stramm zusammen. In den letzten zwei Jahren gewann ihre Thätigkeit einen bedeutend größeren Spielraum, und ihre Ideen nahmen einen Charakter an, der beunruhigen darf. Wie der Titel dieser Assoziation auch anzeigt, woll- ten die Gründer derselben nichts weniger, als die verschiedenen Ratio- nalitäten einem gemeinsamen Interesse unterordnen und den Charakter der Nationalität verwischen. Man konnte anfangs der Ansicht gewesen sein, daß diese Ideen nur dem Wunsche nach der Gemeinsamkeit und dem Frieden entkeimt sind. Die amtlichen Aktenstücke dementiren vollends diese Auffassung. Die Internationale ist eine Gesellschaft des Kriegs und des Hasses. Sie hat den Atheismus und den Koinmunismus zur Grundlage, die Zerstörung des Kapitals und die Vernichtung Der- jenigen, welche es besitzen, zum Zwecke, und die rohe Kraft der großen Menge dient ihr als Mittel, Alles zu zerschmettern, was ihr im Wege ll egt. Das ist das Programm, welches die Führer mit zynischer Kühn- heit ihren Jüngern vor schlugen; sie haben dasselbe in ihren Kon- gressen öffentlich gelehrt und in ihren Journalen ver- offentlicht. Ihre Komitees sunktioniren in Deutschland, Belgien, England und in der Schweiz. Sie haben ihre zahlreichen AnHanger in Ruß- land, Oesterreich, Italien und in Spanien. Wie ein großes Freimau- rerthum umspannt ihre Gesellschaft die ganze Welt. Was ihre Vorschriften betrifft, so beweisen sie zur Genüge, daß sie auf die Nega- tion aller Prinzipien hinarbeiteii, auf denen die Civili- sation beruht. Wir fordern, sagten sie in ihrem offiziellen Blatte(?) vom 25. März 1869, die unmittelbare Gesetzgebung für das Volk, durch das Volk, die Aufhebung des persönlichen Erbrechtes für Kapitalien und Werk- zeuge, und die Umwanolung des Grundbesitzes in einen gemeinsamen Belitz. Die Alliance(I) erklärt sich atheistisch, sagte der Generalrath von London, der sich im Juli 1869(!) konstituirte, sie will den Kultus ab- schaffen, den Glauben der Wissenschast unterordnen und schließlich die Abschaffung der Ehe.(I) Sie fordert die Abschaffung des Erbrechtes, auf daß in der Zukunft der Genuß eines Jeden seiner Produktion gleich sei, und daß, wie vom letzten(?) Kongreß in Brüssel beschlossen würde, der Boden, die Arbeits- Werkzeuge, wie das ganze Kapital in den Besitz der ganzen Gesellschaft übergehe, um nur von den Arbeitern, das heißt von der ackerbauenden und industriellen Assoziation benützt zu werden. Das ist das Resumä der Lehre der„Internationalen". Nur um jede Thatkraft, wie jedes individuelle Eigenthum aufzuheben, um die Nationen unter dem Joche einer Art von blutigem Möilchthum(!> zu vernichten, um aus denselben eine große, durch den Kommunismus verarmte und verthicrte Horde zu machen, bewegen diese ver- irrten und frevelhaften Leute die Welt, verführen sie die Unwissenden und ziehen hinter sich die nur zu zahlreichen Zuschauer her, welche in der Wiederbelebung dieses ökonomischen Unsinns Genüsse ohne Ar- beit und die Befriedigung ihrer lasterhaften Wünsche zu finden hofsen.(!) Dies sind wohl die Zukunftsbilder, welche sie den Einfältigen, welche sie täuschen wollen, vormalen. „Arbeiter der Welt"— sagt eine Proklaination vom 29. Januar 1870—„organisirt Euch, wenn Ihr wollt, daß die Leiden der über. mäßigen Arbeit und der Entbehrungen aller Art ein Ende nehmen. Durch die internationale Assoziation der Arbeiter werden die Ordnung, die Wissenschast, die Gerechtigkeit die Unordnung, die Unwissenheit und die Willkür ersetzen. Für uns ist das rothe Banner das Sinnbild der allgemeinen Menschenliebe. Mögen deshalb unsere Feinde bedacht sein, es nicht selbst in das Banner des Schreckens umzugestalten." Nach diesen Anführungen(!) ist jede Erläuterung überflüssig. Europa steht vor einem Werke systematischer Zerstörung, welche gegen jede Nation, aus der es besteht, gekehrt ist, und sogar gegen die Grund- sätze, auf welchen jedwede Civilisation gegründet ist.' Nachdem die Welt die Chefs der Internationalen am Ruder sah, wird sie nicht länger zu fragen Rauchen, was ihre friedlichen Erklärun- gen bedeuten sollen. Die letzte Folgerung ihres Systems kann nur der schreckliche Despotismus einer kleinen Zahl von Chefs sein, welche sich einer unter das Joch des Kommunismus gebeugtem Menge aufdrängen. welche zu allen Sklavendiensten bereit ist, bis zum allerschmählichsten — der Verleugnung des Gewissens, welche keinen Herd und keine Stätte mehr hat, kein Ersparniß und kein Gebet, die, zu einer großen Werk- stätte umgebildet, durch den Schrecken geleitet und durch die Staatsgewalt gezwungen wird, Gott und Faunlie aus den Herzen zu verscheuchen.— Das ist eine ernste Situation. Sie gestattet den Regierungen keine Gleichgillig- keil und keine Trägheit. Sie würden nach den Lehren, welche uns soeben ertheilt wurden, eine große Schuld auf sich lade», wenn sie regungslos auf den Sturz aller Gesetze blicken würden, auf welchen die Moralität(!) und das Glücks I) der'Völker beruhen.— Ich lade Sie nun ein, mein Herr, mit der allergrößten Aufmerksamkeit alle Thatsachen zu studircn, die sich an die Entwicklung der Internationalen knüpfen und sich über diesen Gegenstand ernsthaft mit den offiziellen Repräsentanteii der Obrigkeit zu besprechen. Ich verlange in dieser Beziehung die detaillir- testen Berichte und die strengste Wachsamkeit. Die Klugbei gebietet, nicht leichtfertig zu abzuurtheilen; ebenso befiehlt sie, kein Mittel der Aufklärung hinianzustellen. Die Fragen, zu deren Unter- suchung ich Sie auffordere, berühren schwierige Probleme, die seit Langein die Welt bewegen. Ihre völlige Lösung auf dem Wege der Gerechtig- keit würde die menschliche Vollkommenheit voraussetzen, die ein Traum ist, der sich aber trotzdem eine Nation in größerem oder geringerem Grade nähern kann. Der Pflicht der Männer von Herz bestellt darin, weder an ihrer j Zeit, noch an ihrem Lande jemals zu verzweifeln, und, ohne sich durch/ Täuschungen entmuthigen zu lassen, die Ideen der Gerechtigkeit zur Geltung zu bringe» trachten. Wenn dies unsere Pflicht ist, woran ich übrigens nicht zweifle, wenn wir nur durch aufrichtige und uneigen- nützigc Erfüllung derselben die Uebel unseres unglücklichen Vaterlandes> gut machen können, ist es.da nicht dringend, die Ursachen auszuforschen, welche den von der Internal! onalen gep redigten Jrrthümern i eine so rasche und verhängnißvolle Herrschaft über die Gemüther ver- liehen haben? Diese Ursachen sind zahlreich und verschieden und durch die Bestrafung und Unterdrückung allein wird man sie nicht verschwin- den machen. In die Gesetze jene Strenge einzuführen, welche von den sozialen Erfordernissen verlangt wird, und diese Gesetze ohne Schwäche in Anwendung zu bringen, das ist eine neue Ausgabe, zu der Frankreich sich entschließen muß. Es ist für dasselbe eine Angelegenheit des Heils. Aber es wäre unklug und strafbar, wenn es nicht energisch daran ar-> besten würde, die ösfentli ch e Moral durch eine gesunde und kräftige Erziehung, durch ein sparsames liberales Regime, durch eine aufgeklärte Liebe zur Gerechtigkeit, durch Einfachheit, Mäßigung und Freiheil wieder aufzurichten. Frankreichs Aufgabe ist riesig, sie überragt jedoch seine Kräfte nicht, wenn das Land nur die Größe derselben begreift, anstatt sich in persönlichen Jntriguen zu verlieren. Es möge nur beginnen, durch sich selbst gegen das Ungemach zu wirken, zu teben für sich und durch sich selbst, indem es zu seinen Führern die Gerechtigkeit, das Recht und die Freiheit auserwählt, und wie schrecklich sodann die weiteren Prüfungen auch sein mögen, es wird sie überstehen. Frankreich wird seinen Rang in der Welt neuerdings einnehmen, aber nicht mehr um zu bedrohen, sondern um zu beruhigen und zu beschützen. Es wird i wieder der Alliirte der Schwachen werde», wird seine Stimme gegen die Gewalt erheben, und seine Autorität wird um so größer sein, sie mehr es wegen seiner Abirrungen gelitten hat. Ich werde glücklich sein, mein Herr, Ihre eigenen Erfahrungen und Ideen in dieser Frage auf dem Wege des Gedankenaustausches kennen zu lernen. Genehmigen Sie zc. ic. Antwort an Herrn Jules Favre. Herr Minister! Die deutschen Internationalen bescheinigen hiermit den Empfang Ihrer zweiten„historischen Thräne" eis dato Versailles 6. Juni, welche Sie— nicht wie die erste von Ferneres in Wasser, sondern in Tinte— der Pariser Revolution gewidmet haben, und beeilen sich, Ihrem Prinzip gemäß:„kein Mittel der Aufklärung hintanzustellen," Ihnen ihre„eigenen Ideen und Erfahrungen auf dem Wege des Gedankenaustausches" zu- kommen zu lassen. Wir wollen uns hierbei, Herr Minister, auf keine eigent- liche Geschichte und Kritik der Pariser Bewegung einlassen, sondern nur, anknüpfend an Ihre Worte und bezugnehmend auf Ihre Handlungen, die Stellung zu charakterisiren suchen. welche Sie in den geschichtlichen Ereignissen eingenommen haben, und damit zugleich die Klasse, welche Sie als öffentliche Person repräsentiren. Schon der Anfang Ihres Cirkulars, Herr Minister, läßt in jedem Denkenden die Frage auftauchen, wie es wohl mit der Einsicht und Thatkraft eines Mannes, resp. der durch ihn vertretenen Klasse, bestellt sein müsse, welcher nach einer welt- geschichtlichen Katastrophe, die verstanden und erforschtsein will, nur„Angst",„Entsetzen" und„Schauder" hat, weil sie ihm unerklärlich, unbegreiflich ist. Und diese„entsetzlich schauder- hafte Angst" treibt Sie, den„Republikaner," sogar dazu, als obersten Grundsatz der„ehrlichen, gebildeten und muthigen Männer" das„Autoritätsprinzip" hinzustellen, d. h. den stockreaktionären und möglichst unrepublikanischen Grundsatz, daß jeder Wille, jede Intelligenz sich blindlings beugen müsse unter das eiserne Joch der„Autorität," d. h. der weltlichen Machthaber und geistigen Bevonnunder. Nachdem Sie dieses Prinzip gleich zu Anfang aufgestellt haben, wäre es thöricht, sich mit Ihnen in längere Diskussion über„aufgeklärte Liebe zur Gerechtigkeit",„Mäßigung" und„Freiheil" einzulassen, denn, wenn man, wie Sie, vom Autoritätsprinzip ausgeht, so ist f es ganz consequcnt, daß man unter Ersterem die Erschießungen ohne richterliches Verhör, unter dem Zweiten die Massenhinrichtun- gen, unter dem Dritten den Belageruilgszustand zu verstehen hat, daß demnach— wie der von Ihnen ebenso gefürchtete als gehaßte Karl Marx bereits vor 2(1 Jahren geschrieben hat— die republikanische Tricolore„Freiheit, Gleichheit, Brü- derlichkeit" umgewandelt wird in:„Infanterie, Kavallerie, Artillerie", oder— den jetzigen Zeitumständen angepaßt:„Füsilade, Standrecht, Deportation".| In Ihrem Versuche, Herr Minister, die Ursachen der Pariser Revolution zu schildern, sind Sie so scharfsinnig, drei Momente herauszufinden, welche wie ein Blitz die ganze Si- tuation auf einmal erhellen sollen: 1) Bonaparte, 2) der Krieg, 3) die Internationalen,— und damit sollte auch Alles er- klärt sein! Ein Korn von Wahrheit liegt in dem Punkt 2), doch f ohne daß Sie, wie die gesammte Bourgeoisie, sie ganz zu fassen vermöchten. Denn: würde die Bougeoisie zu der Einsicht kommen, daß jeder Krieg indirekt dem Socialismus zu Gute kommt, indem er Hunderttausende zu Proletariern, macht und die sociale Revolution beschleunigt, müßte sie sich nicht dann von der Monarchie auf ewig lossagen, um die dy- nastischen Kriege für immer unmöglich zu machen? Das thut sie aber nicht; im Gegentheil, aus Furcht vor dem„rothen Gespenst" wirft sie sich hüben wie drüben dem Säbelregimcnt in die Arme; sie erhält aber von letzterem statt des erbetenen* und zugesagten Schutzes immer nur Fußtritte und Prügel. Diese so einfache und leicht faßliche historische Wahrheit haben Sie aber, Herr Minister und Akademiker, noch immer nicht zu begreifen vermocht; das beweist Ihre Geschichtsauffassung über die letzten Dezennien. Sie werden sich nämlich erinnern, Herr Minister, daß ein gewisser Jules Favre in der 1848er Ratio- nalversammlung bei Berathung darüber, ob dem zum Ab- geordneten gewählten Bürger Louis Bonaparte die Rückkehr nach Frankreich erlaubt sei, die Aufhebung der Verbannungs- gesetze befürwortete, indem er sagte:„Die Bonaparte's sind heute für Frankreich unschädliche Individuen." Man muß Ihren Scharfsinn bewundern, wenn man hört, daß derselbe Jules Favre, welcher vor 20 Jahren den Bonaparte für einen„unschädlichen" Menschen hielt, ihm heute die Pariser Revolution zum Theil in die Schuhe schiebt, gleich- zeitig aber Mitglied einer Regierung ist, welche abermals die Berbannungsgesetze aufhebt und die Prinzen und Prätendenten aller Linien und Schattirungen, und darunter natürlich die„unschädlichen Bonapartes" wieder l nach Frankreich hineinläßt. Um aus dem Dilemma Ihrer verschwommenen Anschauungen herauszukommen, muß man fol- gendes Entweder— Oder aufstellen: Entweder ist das einzelne Individuum unschädlich und dann hat nicht Bvnvparte allein das ganze Unglück angerichtet, sondern die durch ihn ver- tretene C lasse. Oder aber ein einzelnes Individuum ist an Allem Schuld,— und dann darf man die Verbannungsgesetze nicht aufheben.— Diese beiden, einander ganz entgegengesetzten Geschichtsauffassungen sind in Ihrem Kopfe wie zu einem Knäuel verworren, und daher kommt es, daß Ihnen der Bo- naparte das eine Mal wie ein Bajazzo, das andere Mal wie ein Weltriese erscheint.— Bonaparte und das Kaiserreich war nichts weiter als die äußere Erscheinungsform der Bour- geoisie, der von Ihnen vertretenen„Ordnungspartei"; auf ihr Conto ist alles Das zu setzen, was Sie dem„unschädli- chen" Bvnaparte anhängen wollen. Die Entwickelung der Industrie— das müßte Ihnen doch einleuchten— hat die 300,000 Arbeiter nach Paris gebracht, nicht aber hat Bonaparte sie auf künstlichem Wege hineingezaubert, obsckon es wahr ist, daß ein großer Theil der immensen Bauten von Bonaparte zu dem Zwecke unternommen worden sind, 1) um ein Quantum von Arbeitern, indem er ihnen Beschäftigung gab, von der Revolution fern zu halten und 2) um die Straßen zu erweitern und sie strategisch so einzurichten, daß eine dereinstige Revolution leicht niederkar- tälscht werden könne. Außerdem wird Ihnen als geborenem Franzosen nicht ganz unbekannt seijt, daß Paris nicht erst seit Bonaparte, sondern seit Jahrhunderten das Centrum von Frankreich ist, und was ist anders die Bedeutung eines Cent- rums, wenn nicht die, daß sich in ihm alle Radien treffen? Ist es nicht ganz selbstverständlich, daß Alles, was seine Hoffnungen und Pläne in dem Heimathsorte nicht verwirklichen kann nach der Metropole zieht, wo der weiteste Spielraum für die Entfaltung der Intelligenzen jeglicher Art sich darbietet? Es ließe sich noch begreifen, wenn Sie, als Bourgeois, den Satz in Abrede stellen wollten, daß das Proletariat durch die bürgerliche Produktion geschaffen wird; aber die bürgerliche Produktion überhaupt wegzuleugnen und zu sagen, daß„das Kaiserreich 300,000 Arbeiter in Paris an- gesamnielt hat", ist geradezu lächerlich und aus dem Munde eines Ministers etwas ganz Unerhörtes. Bonaparte hat eben so wenig die Arbeiter in Paris angesammelt, wie der Habs- burger die in Wien, oder Bismarck die in Berlin; das beweist schon des Letzteren männiglich bekanntes Ideal von der „Vernichtung der großen Städte." Vielmehr ist das arbeitende und arbeitslose Proletariat das ureigenste Erzeugniß der Bourgeoisie, resp. ihrer Prductionsweise. Nach Ihren Worten, Herr Minister, daß„das'Kais er reich eine flottante Arbeiterbevölkerung von 300,000 Mann in Pa- vis angesammelt hat", müßte man glauben, vor dem 2, Dezember 1851 habe so etwas wie„flottante Arbciterbevölkerung" in Paris gar nicht existirt. Trotzdem aber findet man in den Geschichtsbüchern— und Sie als Akademiker haben doch gewiß schon eins gelesen— ein Kapitel mit der Ueberschrift:„Die Junischlacht," welches eine frappante Aehnlichkeit mit dem neu- esten Kapitel der französischen Geschichte enthält und erzählt, wie bereits im Juni 1848 die Pariser Arbeiter, nachdem sie am 17. März, 16. April und 15. Mai Demonstrationen ge- macht halten, drei Tage lang gegen die Bourgeoisie gekämpft haben. Daraus ersehen Sie also, daß bereits drei Jahre vor dem Staatsstreich die revolutionaire„flottante Arbeiterbevölkerung" in Paris lebte, welche nach Ihrer Ansicht erst durch Bonaparte daselbst„angesammelt" sein soll, und daß bereits damals die Sozialdemokratie in Hunderttausenden verkörpert war, wo an die verruchte„Internationale" noch gar nicht zu denken war. Wir kommen auf letztere nachher noch ausführ- lich zurück.— Wie kommt es nun, Herr Minister, daß Sie von alle- dem nichts wissen? Fast möchte man glauben, in Ihrem Geschichtsexemplar sei das Kapitel von der„Junischlacht" zu- fällig ausgerissen. Allein, Herr Minister, Sie wissen doch, daß im Jahre 1848 Jules Favre kein kleines Kind mehr war, sondern mehr als majorenn, ja daß er sogar schon in der Nationalversammlung Reden hielt, daß Jules Favre also die 1848er Periode ganz genau aus eigner Selbstanschauung ken- nen müßte— es sei denn, daß er während der heißen Juni- tage ununterbrochen geschlafen hat. Letzteres wäre aber um so auffallender, Herr Minister, wenn man bedenkt, daß bei den sozialistischen Demonstrationen und Aufständen des Jahres 1848 der damalige kleinbürgerlich- demokratische Minister des Innern, Ledru- Rollin, eine nicht unerhebliche Rolle gespielt hat, und k>aß der Unterstaatssekretair des genannten Ministers accural geheißen hat wie Sie— Jules Favre! Und noch mehr, Herr Minister! Genannter Jules Favre zeigte damals eine große Rührigkeit bei der nachträglichen Sozialistenverfol- gung: Er ließ Louis Blanc und noch Ändere verhaften. Also kann er doch nicht während der ganzen Zeit geschlafen haben! (Fortsetzung folgt.) Zur Kennzeichnung der in Favre's Zirkular enthaltenen Angaben und Expektorationen über die Internationale ging der „Times" folgende Zuschrift zu: An den Redakteur der„Times". Mein Herr! Am 6. Juni erließ Herr Jules Favre ein Rundschreiben an alle europäischen Mächte, in dem er� sie auffordert, eine Heyjagd aus die Internationale Arbeiterassoziation zu eröffnen. Einige Bemerkungen werden genügen, dieses Aktenstück zu charakterisiren: In der Einleitung zu unfern Statuten ist zu lesen, daß die Internationale gegründet wurde„am 28. Sept. 1864 bei einer öffentlichen Voltsversammlung, abgehalten in St. Martin's Hall, Long Acre, London." Für seine Zwecke schiebt Jules Favre das Datum der Gründung hinter 1862 zurück. Um unsere Wnzipim jh �läutern, zitirt er vorgeblich„ihr(der Juter- ssalivnalen) Blatt vom 25. März 69". Und, was zitirt er? �as Blatt einer Gesellschaft, welche nicht die Jnter- nationale Arbeiterassoziation ist. Zu dieser Art von Manöver « schon einmal seine Zuflucht, als er, noch ein verglei- chungsweise junger Advokat, den„National" in einem von Cabet angestrengten Verläumdungsprozeß zu vertheidigen hatte. Da- mals verlas er vorgeblich Auszüge aus Cabets Schriften, in Wirklichkeit seine eigenen Einschiebsel,— ein Kniff, der wäh- rend der Sitzung des Gerichtshofes an den Pranger gestellt wurde und ohne die Nachsicht Cabet's die Ausstoßung Favre's aus dem Pariser Advokaten- Barreau zur Folge gehabt hätte. Von allen Aktenstücken, welche er alsAktenstücke der Internationalen zitirt, gehört nicht ein einziges der Internationalen an. Er sagt zum Beispiel:„Die Gesellschaft erklärt sich für atheistisch, sagt der im Juli 69 zu London konstituirte General- rath". Der Generalrath hat niemals ein solches Ak- ten stück erlassen. Im Gegentheil: er erließ ein Aktenstück, welches die Originalstatuten der von Jules Favre zitirt en „Alliance"— der Genfer„Älliance de la Democratie so- cialiste"— kassirte. In seinem ganzen Zirkular, welches zum The.il auch gegen das Kaiserreich gerichtet zu sein vorgiebt, wiederholt Jules Favre gegen die Internationale nur die Poli- zei-Erfindungen der Staatsanwälte des Kaiserreichs, Ersindun- gen, welche selbst vor den Gerichtshöfen dieses Kaiserreichs nicht Stich hielten. Es ist bekannt, daß der Generalrath der Internationalen Arbeiterassoziation in seinen beiden Manifesten vom Juli und September v. I. über den jüngsten Krieg die preußischen Er- oberungspläne bloßlegte(denounced). Einige Zeit darauf wandte sich Herr Reitlinger, Privatsekretär Jules Favres, jedoch natürlich erfolglos, an einige Mitglieder des Generalraths mit der Bitte, durch den Generalrath eine Demonstration gegen Bis- marck zu Gunsten der„Regierung der nationalen Vertheidigung" in Szene zu setzen. Die betreffenden Mitglieder wurden aus- drücklich ersucht, die Rep.ublik nicht zu erwähnen. Für die erwartete Ankunft Jules Favre's in London wur- den— unzweifelhaft in der besten Absicht— Vorbereitungen zu einer Demonstration getroffen, gegen den Willen des Generalraths, welcher in seinem Manifest vom 6. September die Pariser Arbeiter vor Jules Favre und seinen Kollegen ge- warnt hatte. Was würde Jules Favre sagen, wenn die Internationale ihrerseits über Jules Favre ein Zirkular an alle Kabinette Europa' s schicken wollte, in dem sie deren besondere Aufmerk- samkeit auf Aktenstücke lenkte, welche in Paris von dem erschos- jenen Milliere verfaßt worden sind? Genehmigen Sie zc. John Hales, Sekretär des Generalraths der Internationalen Arbeiter- Assoziation. 256 Li�r Holborn. W. C. London, 12. Juni. Wir bemerken, daß wir noch in keiner Zeitung eine Notiznahme von obigerZuschrift gefunden haben, obschon die„Times" von den Redaktionen aller größeren Blät- ter sehr aufmerksam gelesen wird, und die Zuschrift an so au- genfälliger Stelle(in dem Blatt vom 13. d.) abgedruckt ist, daß sie unmöglich übersehen werden kann. Das Motiv dieser Schweigsamkeit liegt auf der Hand: Geringschätzung der„Jnter- nationalen", mit der sich seit 3 Monaten jede Zeitung in jeder Nummer beschäftigt, ist es sicherlich nicht. Unser süddeuffches Parteiorgan hat als Wochenblatt aufgehört zu erscheinen. Möge cs recht bald als tägliches Blatt auferstehen! Die Redaktion nimmt mit folgender An- spräche vorläufigen Abschied von den Lesern: Anknüpfend an unsere Erklärung in Nr. 94 des„Prole- tarier", dahingehend, daß das weitere Erscheinen des Blattes von allensallsigen Unterstützungen abhängig sei, uns jedoch eine solche nicht zugekommen, im Gegentheil, sogar noch mehrere Rückstände, trotz der vielen Mahnungen, ausständig sind, und wir nicht in der Lage sind, weitere Opfer zu bringen, so erklären wir:„Der „Proletarier" hört mit dieser Nummer zu erscheinen auf." Der„Proletarier" wurde im Juli 1869 von Augsburger und Münchner Parteigenossen gegründet, und erschien bis zum 1. April 1870 unter der Redaktion des Parteigenossen Robert Neff in München, vom I.April 1870 an erschien das Blatt*) in Augsburg. Sowohl die Redaktion des„Proletarier", als auch die Parteigenossen in Augsburg boten alles Mögliche auf, um die Eristenz des Blattes zu ermöglichen. Die große Masse der Arbeiter jedoch, und speziell Süddeutschlands, haben durch ihre Theilnamslosigkeit bewiesen, daß sie kein Verständniß für ihre Klassenlage haben. Es ist deshalb die Aufgabe der intelli- zenteren Kräfte, im Arbeiterstande fort und fort zu agitiren, damit alle Arbeiter Deutschlands, ja der ganzen civilisirten Welt unter Einer Fahne vereinigt werden, überall, in jeder Stadt Lokalblätter erstehen,(man nehme sich Norddeutschland, Haupt- sächlich Sachsen zum Vorbild) welche, täglich den Arbeitern ihr Elend und die Mittel zu dessen Beseitigung vor Augen führend, die Masse des„Proletariats" aus ihrer Lethargie aufrütteln und den Prinzipien der Sozialdemokratie zugänglich machen. Der „Proletarier" hat redlich das Seine gethan während seines Be- stchens; als Wochenblatt konnte er nicht mehr fortgeführt wer- den, und zu einem Lokalblatt fehlen für den Augenblick die Mittel. Wir fordern die Parteigenossen Augsburgs auf, treu bei der Fahne auszuhalten, und statt des„Proletarier" den„Volks- staat" zu unterstützen, der in Folge dessen, daß er in finanzieller Hinsicht besser situirt, und die Redaktion genügend mit geisti- gen Kräften versehen ist, mehr letzten kann, als der„Proletarier." Für die Uebcrmittlung des„Volksstaat" wird Sorge getragen werden. Wir nehmen mit der Hoffnung von unseren Lesern Abschied, daß der„Proletarier" in kürzester Zeit als täglich erscheinendes Blatt, wenn auch unter anderem Namen, wieder auferstehen wird; dann wird der Jubel unserer Gegner über den Fall des- selben nicht lange dauern. Augsburg, 17. Juni 1870. Die Redaktion des„Proletarier." Tic'grotze Leipziger Bollsversammlnng. Leipzig, 15. Juni. Eine Volksversammlung, wie Leipzig sie seit 1848 nicht gesehen, tagte gestern, von der jozialdemolratischenPartei einbe- rufen, in der Tonhalle. Gegenstano der Tagesordnung war: die hohen ') Unter der Redaktion von Neff, Tauscher und zuletzt I Franz. Kommunalsteuern und unsere städtische Vertretung. Die hiesige Jnsulanerriege, eine Gesellschaft seichter Spaßmacher, an deren Spitze der unfern Leipziger Lesern sattsam bekannte„Seeler Ernst" steht, fand die Gelegenheit für passend, in einem witzig sein sollenden Plakat, das gestern an den Straßenecken angeschlagen war, die Versammlung lächer- lich zu machen und den Besuch möglichst zu verhindern.„Seeler Ernst" gehört mit zu den„Vätern der Stadt', er ist Stadtverordneter. Die gute Absicht erreichte das Gegentheil: von 7 Uhr wälzte sich nn- ausgesetzt ein Menschenstrom nach der„Tonhalle", die um 8 Uhr bereits Kopf an Kopf, vielleicht von 6l) Mann, so angefüllt war, daß man den Zusammenbruch der Gallerien befürchtete. Tausende mußten umkehren, oder füllten den Garten um das Gebäude aus. Zehn- bis zwölftausend Menschen mochten auf den Beinen gewesen sein. Advokat Freytag wurde zum 1. Vorsitzenden, Seifert zum 2. Vor- sitzenden gewählt. Bebel reserirte. Er beleuchtete 1) die Art und Weise der Aufbringung der Kom- munalsteuern, wies auf Grund offizieller statistischer Zahlen nach, was die verschiedenen Bcvölkerungsklassen: Kaufleute, Fabrikanten, Gewer- betreibende, Beamte, Arbeiter, beizutragen hätten, wie es gerade die unteren Kjassen der Gewerbetreibenden und Arbeiter seien, welche un- verhältnißmäßig steuern, aber keinerlei entscheidende Mitwirkung aus die Verwendung der Steuern besäßen. Einige der vorgeführten Zahlen mögen dies beweisen. Die Kaufmannschaft, 107!) Köpfe stark, zahlt, nach Abzug des Betrags, welchen die großen Bankinstitute, die Leipzig-Dresdner Eisen- bahn, Versicherungsrnstalten, Sparkasse, Leihhaus zc. zu zahlen haben, 36,884 Thlr. Gewerbesteuer; Kapitalisten und Rentiers, 2663 Perso- nen, zahlen nur 24,755 Thlr.; Handwerker und Gewerbetreibende, 6423 Personen, 18,566 Thlr.; Beamte. 2366 Personen, 13,425 Thlr.; Gewerbsgehilfen und Privatdiener, 25,255 Personen, 21,156 Thlr. Die Gesammtzahl der Steuerpflichtigen beträgt 41,287 Perwuen; davon zahlen 34,872 Personen einen Steuersatz bis 5 Thlr. Personal- und Gewerbesteuer, in Summa 34,651 Thlr., 2668 Personen von 5—16 Thlr. Steuer 14,769 Thlr., 1016 Personen von 16-20 Thlr. 14,991 Thlr. Die unterste Stufe bis'/»Thlr. Steuerbetrag umfaßt 51 Prozent der gesammten steuerpflichtigen Einwohnerschaft, die nächste Stufe von V,— 1 Thlr. 19 Prozent, beide Stufen zusammen repräsentiren also 76 Prozent der steuerpflichtigen Bevölkerung. Es zeigt sich hier also an einer Stadt, die für sehr wohlhabend gilt, drtff die 89 Prozent, die Lasfalle als i» dürftigen Verhältnissen lebend bezeichnet hat. dnrchaus keine Ucbcrtrelbnng find. Die Kommunalsteuern werden in der Art erhoben, daß die Ge« werbe- und Personalsteuer als Grundlage der Abschätzung angenommen wird. Der Thaler Steuer wird in 5 sogenannte Sinipla getheilt, je- des Simplum zu 6 Ngr. Da für dieses Jahr die Kommunalsteuer 7 Simpla beträgt, so kommen also auf 1 Thlr. Gewerbe- oder Per- sonalfteuer 1 Thlr. 12 Ngr. Kommunalsteuer, und werden hiervon alle Beamte und Nichtbüraer, die sogenannten Schutzverwandten, betroffen, die früher nur die Hälfte der Bürgerstcuern bezahlten, ebenso die sog.„flottirende Bevölkerung": Commis, Arbeiter, Gewerbsge- Hilfen, die jetzt zur vollen Höhe der Kommunallasten herangezogen sind, ohne den mindesten Einfluß auf die Kommunalver- tretu ng und auf die Art und Weise der Steuerverwendung zu haben. Redner beleuchtet die Steuerbeträjze der einzelnen Branchen. Die Maurermeister, 29 an der Zahl, die eine durch Besitz und Vermögen sich auszeichnende Korporation seien, zahlten nur 865 Thlr. Gewerbe- steuer, durchschnittlich per Kopf 30 Thlr. Die Maurergesellen, 725 an Zahl, steuerten 363 Thlr., nahezu die Hälfte des Betrags der Meister. 36 Buchdruckereibesitzer, unter welchen Geschäfte wie die von Brockhaus, Ackermaun-Teubuer, Breitkopf u. Härtel, Giesecke u. Devrient, bezahlten nur 1363 Thlr., durch- schnittlich 43Vs Thlr. Dahingegen die 1196 Markthelfer, eine in den Augen der Herren Buchdruckereibesitzer sicher sehr niedrig sie- hende Bevolkerungsklasse, 1632 Thlr.; so daß Markthelfer und Maurergesellen zusammen noch 92 Thlr. mehr Steuer bezahlten, wie die durch großen Reichthum und kolossa- leu Geschäftsumsatz sich äuszeichnenden B uchdrucke reibe- sitzer! 26 Bank- und Wechselgeschäfte zahlten nur 3181 Thlr. Steuer, durchschnittlich 123 Thlr., eine geringfügige Summe in Anbetracht des jährlichen Gewinns. 7 große Ba nkl nstitute zahlten zusammen 17,789 Thlr., durchschnittlich 2541 Thlr. Wie niedrig diese Summe sei, das möge das eine Bankinstitut: die Allgemeine Deutsche Credit-Anstalt zeigen, die nach Abzug der Beamtengehalte, Miethe, Steuern und sämnitlicher Geschäftsspesen, im Jahre 1870, trotz theil- weise gestörten Geschäftsgangs in Folge des Krieges, allein einen Reingewinn von w e it über einer halben Million, 576,666Thlr. gemacht habe: 1156 Gewerbetreibende, mehr als'/, der ganzen Leipziger Bürgerschaft, mit einem Durchschnitts- Reineinkommen von 566 Thlr., gehörten dazu, um den Reingewinn dieses einzigen Instituts aufzuwiegen! Unsere 157 Buchhandlungen, darunter eine große Zahl großartiger Geschäfte, zahlten 4623 Thlr., durchschnittlich 29. Thl.'; dahingegen die 2546 Komniis, Gehilfen in Buch- und Musikalienhandlungen 8,677 Thlr. also nahezu das Doppelte! Bei den 2663 Kapitalisten und Rentiers komme nur ein Durch- schnittssatz von 12 Thlrn. per Mann heraus, und mit den in der geheimen Rentenrolle verzeichnete» 13 Thlr. l l Ngr. Bon den ver- schiedene» Arbeitcrkatcgorien zahlten 518 Schriftsetzer 576 Thlr., 560 Tischler 333 Thlr., 456 Schuhmacher 228 Thlr, 333 Schreiber, Kopisten, Expedienten 251 Thlr., 738 Sckmeider 377 Thlr., 442 Schlosser 306 Thlr. Man müsse hierbei iin Auge behalten, daß dies Personalfteuerabgaben seien, zu denen noch die um% des ganzen Betrags höheren Kommunal- steuern kommen, und daß die zuletzt genannten Arbeiterkategorien doch eben nur so viel verdienten, als zur nothwendigsten Lebenssristuna er- forderlich sei. Von den selbstständigenGewerblreibendeu zahlen: Scbne'ide r 464 1643 Thlr., durchschnittlich 2ft„ 366 Schuhmacher 655 Thlr., durchschnitllich 2 Thlr., 105 Tischler 563 Thlr., per Kopf 4-/. Thlr., 46 Barbier 235 Thlr., per Kopf 5»/« Thlr.. 67 Schlosser 409 Thlr., per Kopf 6 Thlr., 54 Kürschner 495 Thlr., per Kopf 9'/, Thlr. u. s. w., 219 Beamte an den Volksschulen 948 Thlr., per Kopf 4'/, Thlr., 196Beamte bei dem Sladtra th und den Stadtvcrord- neten 1626 Thlr., per Kopf 51/» Thlr., 195 Beamte an den Staats- bjchhnen 339 Thlr., pzrKopf 4>/z Thlr., 146 Beamte am Bezirksj- gericht und Bezirksamt 834 Thlr., per Kopf 5� Thlr., 98 Be- amte an der Universität 2139 Thlr., per Kopf 22'/, Thlr., 36 Gymnasialbeamte 369 Thlr., per Kopf, 16'/, Thlr. (Schluß folgt.) Internationale Gewerksgenossenschaft der Schuhmacher und verwandten Gewerkt. Leipzig. Da uns von Frankfurt a. d.Oder eine Arbeits- einsteUung von unsern Kollegen angezeigt worden'ist, so bitte» wir, den Zuzug nach dort abzuhalten. Unterstlltzungsgelder sind an Otto Reetz, Rosenstraße 29, zu senden. Ebenfalls bitten wir. Zu- zug nach A l t e n b u r g abzuhalten, indem jedenfalls in den nächsten Tagen auch dort eine Arbeitseinstellung zu erwarten steht. aür die Berzvaltung: chäfer, Gewandgäßchen 5. Rcgeusburg. College»! Da hier anerkannt die schlechtesten Löhne in Baiern bezahlt werden, so haben wir die Arbeit einge- stellt und befinden uns durch die Unnachgiebigkeit unserer Arbeitgeber schon seit drei Wochen in Strike. Haltet mindestens ein halbes Jahr jeden Zuzug nach hier fern, da wir innerhalb dieser Zeit den Sinke jedenfalls nochmals durchniachen müssen. Alle Arbciterblätter bitten wir um Aufnahme dieser Zeilen. Der Gewerkverein der Schuhmacher Regeusburgs(Baiern) den 17. Juni 1871. Chr. Hartenberger, Vorstand. Wilh. Hock, Schriftführer. Fürth, 11. Juni. Die hiesigen Bäckergesellen haben sich an ihre Meister um Aufbesserung ihrer Lage gewandt. Sie verlangen: Anrede mit„Sie", statt wie bisher„Du", zur Lagerstätte Betten statt der bisherigeil Mehlsäckc; das Recht, vom Publikum für das Abend« zum Aufwärmen gebrachte Essen das s. g. Tiegel» oder Topfgeld für sich zu erheben. (Schluß von Seite 1.) lesen:„Es ist von Neuem anzufangen." Man hätte es am Sonntag sehen können, als die ganze Bevölkerung neugierig in den Straßen umherirrte, und als sie den Zug der ermordeten Priester vorbeiführen sah. Viele kamen anzuschauen und zu betrachten, was sie gemacht hatten. In der letzten Revolution waren Kinder von 1848, in der künftigen wird es Kinder von 1871 geben. Wir hören, man solle unsere verbrannten Gebäude in ihrer majestätischen Scheußlichkeit auf- recht erhalten, damit sie zur Lehre dienen. Sie würden nur ein Nachahmungsbeispiel sein. Wie viele von denen, die Paris verbrannt haben, durchwandeln ihr Werk, ihre Kinder an der Hand führend und ihnen leise Racheworte zuflüsternd, sie an den Geruch von Schwefel unv Blut gewöhnend, der ihnen überall folgen wird, und dessen sie sich eines Tages er- innern werden! Schaut sie an! Sie haben nur ein Gefühl, den Herostratismus.*°) Die Größe der Zerstörung selbst ist ihr Stolz und belebt in ihnen diejenige Eitelkeit, welche die größ- ten Genies wie die geringsten Geister von der richtigen Bahn ablenkt. Die Bronce-Säule, deren Trümmer die Erde be- decken, repräsentirt in ihrem Falle so treu die absolute Gewalt der Masse, als-sie aufrecht die Allmächtigkeit eines einzigen Mannes darstellte." Wie könnte man der Rache, welche unter der Asche von Paris fortglimmt, wirksamer begegnen, als mit dem hochherzigen Entschlüsse, statt eines Provisoriums, das nicht kalt und nicht warm, nicht Vogel und nicht Fisch ist, die RepublikO) zu proklamiren und jene Decentralisation anzubahnen� welche Frankreich so Roth thut?" Also nur die„politische und soziale Reform" kann Frank- reich retten. Das heißt:� was die Pariser Kommune wollte. Das Blatt, dem wir vorstehende, obendrein äugen- scheinlich im Rcdaktionslokal geschriebene„Korrespondenz" ent- nehmen, nennt sich„Frankfurter Zeitung" und giebt der„Kreuz- zeitung" nichts nach im Schimpfen auf die Kommune. So wird„öffentliche Meinung" gemacht! Und das will„Demo- kratie" sein!— Welche Polizeischergendienste die Deutschen vor Paris den Versaillern geleistet, und wie letztere Paris in Brand ge- st eckt haben, das beweist folgender Brief eines vor Paris liegenden 83ers, 6. d. Romainville, 27. Mai, welchen das„Annrberger Wochenblatt" und nach ihm das„Leipziger Tageblatt" in der Einfalt des Gemüths abgedruckt haben: „Seit acht Tagen sind auch endlich(!) unsere Truppen wieder in Thäiigkeit. Von Sonntag Morgen an haben wir die Ostseite von Paris cernirt. Unser Regiment speziell: Panrin, Preis St. Gervais. Lilas, Bagnolot, Montrenil. Unsere Posten stehen 200 Schritt von der Stadtmauer, vielleicht alle 2t) Schritt t Mann. Es zieht beinahe das halbe Regiment auf Wache, und die des Mittags von Wache kommenden beziehen des Abends Alarm-Quartiere. Seit Sonn- tag finden in Pari« heftige Straßenkämpfe statt. Tausende von Granaten sind bereits in dieseOuartierevomMontmartre aus, der in Händen der Bersailler ist, gesandt worden, die ganze Gegend ist nur noch ein Flammenmeer. Binnen einer Siunde sah ich allein gestern Abend 8 große Fabriken(eine 6 Stock hoch mit 120 Fenster Front, die großartigste, die ich je gesehen), ferner 3 Kornspeicher, die Gasfabrik und soviel man erkennen konnte circa 60 Wohnhäuser ein Raub der Flammen werden. 4 Stunden davon enlsernt soll man bei diesem theuren Licht haben lesen können.. Links von meinem Standpunkt ans rasseln eben einige Mitraillensen ihren, wenn auch tausendmal gehörten, doch immer wieder das Herz mit bangem Klopfen erfüllenden Gesang ab und senden Tod und Verderben in die Reihen der gegen Belleville hcranstllrmenden Ver- sailler; als Antwort erfolgt das Donnern von mehr denn 60Weschüßen vom Montmartre aus. Keine 1000 Schritt vor uns schlagen dieBomben und Granaten ein, da züngelt hier ein Flamm- chen aus einem großen Haus, bald folgen mehr, und siehe, ehe fünf Minuten vergangen, ist ein neuer Feuerherd ge- schaffen. Doch man hat nicht so lange gewartet, bereits sind die Geschütze wieder bedient und auf's Reue rasselt und donnert es herüber und hinüber. Die Luft singt und pfeift in allen Tonarten. Da- zwischen das Geknatter des Gewehrfeuers, das in diesem großen Man streconcert die stelle der kleinen Piccolopfeifen vertritt. Man streitet sich um die Schlachthäuser, die Nationalgardisten schlagen sich brav, Kolonne auf Kolonne werden zum Sturm auf die vor denselben errichteten Varrikadeu vorgeführt, alle mit Bravour abgeschlagen, immer noch weht die rothe Fahne,— da, ein dumpfer Krach, eine dunkle Staubwolke, sich bis zum klaren Himmelsäther hinaufballend, noch ein gelleilder Aufschrei— und die Barrikade ist nicht mehr, weg in alle Winde. Ein zufälliger Treffer hat die Mine der Barrikade ge- troffen und Stürmende wie Vertheidigende vereint hinaus geführt zu einem höhereit Richter. Die Versailler wüthen schrecklich und geben nur selten Pardon, leider müssen auchTausende von Frauen und Kindern mit detl Schuldigen denTod erleiden, da dieselben in die Keller geflüchtet sind, während man ihnen dteHäuser über demKopsezusammenschiegt. Tausende von diesen bedauernswerthen Geschöpfen, untermischt mit einigen 500 sich feige zurückziehenden Nationalgardisten ohne Waffen, stehen vor den von uns mit Argusaugen bewachten Thoren von Pantin, Lavilette, Lilas, Bagnolet und flehen händeringend um Gefangennahme; doch die eiserne Disciplin der deutschen Soldaten kennt kein Erbarmen. Der auf den Knieen liegende und um Gefangennahme für sich und seine Untergebenen flehende Kapitän wird rau.) zurück- gestoßen; hinein muß er wieder in den Kampf, der ihm unter 100 Fällen 93 Mal den Tod bringt. Höchstens läßt man sich herbei, alle 2 Stunden einige Hundert Frauen und arme kleine Wesen durch unsere neu ausgerichteten Barrikaden passirm zu lassen, die dann händeringend und wemend mir ihren in einem Tuch zusammengebundenen Habselig- keilen ankommen und sich vorläufig aus die umliegenden Felder plaziren, mit banger Spannung und Sorge das Ende ihrer männlichen Ange- hörigen abwartend. Da lein Mann von uns aus einem der Thore gelassen wird, so fallen schließlich alle iudieHände der Versailler, und dies ist der Grund unserer Cerirnung. Szenen spielen sich hier ab, wie man sie noch nicht gesehen und, will's Gott, auch nicht wieder sieht. Wiederum öffnet sich einmal das Thor, wie dies alle 2 Stunden geschieht; herauswälzt sich ein bunter Strom Frauen, Kinder, Männer, Alt, Jung, Reich, Häßlich, Schön. Streng forscht das Auge des preußischen Soldaten, ob etwa verkleidete Per- sonen sich darunter befinden, und nur eine Person hinter der andern darf passiren, streng wirdAlles ausgeschieden, was männlich und über l8Jahr alt ist. Da kommt eine schöne junge Frau, der Kleidung ttnd Sprache nach den besseren Ständen angehörig, Sorgen und Leiden sprechen aus ihren Zügen, auf ihren Armen ruht ein lieblicher Locken- köpf, nicht ahnend die Gefahr, der er eben entgeht; ihr folgt ein hüb- scher junger Mann in Nationalgarden- Uniform. Beim Posten an- gekommen wird Letzterer zurückgewiesen, Beider Flehen ver- einigen sich, um die Passage resp. gewünschte Gssairge, inahme zu erwirken, doch der Soldat muß dem Versuch, hier eine Ausnahme statt- finden z» lassen, widerstehen, und trennen muß sich das Weib von�ihrem Manne, eine kurze Szene, eine Umarmung und das von dem Soldaten rauh ausgespro chene Voule�-vous tiuir taute suite**) Hai den Abschied beendet. Zurück in den Kampf, vielleicht Tod wird der Mann gestoßen, die Frau geht noch eine kurze Strecke und ver- schwindet dann in eins der nächstgelegenen Häuser. Doch genug von diesem Unglücksort; Szenen, wie die eben beschriebene, kommen leider Herostratus steckte, angeblich um sich unsterblich zu machen, den Tempel der Diana von Ephesus, eines der berühmtesten Bau- werke des Alterthums, in Brand. '*) Wollen Sie schnell machen. zu Hunderten und in allen möglichen Abändemngen vor. Blücklichefi- oder vielleicht auch unglücklicherweise hat der Krieg mit seinen Gräueln unsere Herzen etwas abgehärtet, sonst würden dieselben verbluten."— In Pest hat in letzter Woche eine Razzia gegen die Arbeiter stattgefunden, welche die erste Frucht des Favre'schen Po- lizeicirkulars zu sein scheint. Eine Volksversammlung, welche zu Gunsten der Pariser Kommune anberaumt worden war, wurde verboten unv die Arrangeure nebst den aus Wien gekommenen Parteigenossen Andreas Scheu(Redakteur des „Volkswille") und Pesch an(Obmann der Schneidergehilfen) verhaftet. Die Razzia wurde mehrere Tage fortgesetzt; sind bis jetzt 24 Personen verhaftet worden, natürlich die thätigsten Mitglieder des Pester Arbeitervereins, darunter Szwoboda und Pollitzer, Redakteure des Arbeiterblatts „Brüderlichkeit", und K u t i l, S ch ä f t e r, R ü d t. Die Regierung, welche bereits Angriffe auf die Waffenfabrik befürchtete dieses memento mori werden die Regierungen nimmer los— ließ Militär ausziehen,„um die Ordnung aufrecht zu erhallen." Diesen neuen Gewallstreich gegen die Sozialdemokratie meldet„die Rheinische Zeitung" in folgender Form: „Pest 13. Juni: sVerhaftungen.j Heute Nachts wurden fünf hier weilende Sozialdemokraten und Arbeiter- Hetzer, darunter ein Redakteur aus Wien, verhaftet. Die Verhaftungen werden fortgesetzt.(N. Fr. Pr.)" Wie aus den am Schluß befindlichen Buchstaben:„N. Fr. Pr." erhellt, ist die Notiz dem bekannten Wiener Bour- geois- und Spekulationsblatt„Neue Freie Presse" entnommen, in dessen Mund uns das Wort„Arbeiterhetzer" nicht wundern kann. Wohl aber muß es uns befremden, diesen von Ignoranz oder reaktionärer Böswilligkeit zeugenden Ausdruck pon einer Zeitung wiedergegeben zu sehen, die für demokratisch zu gelten wünscht und von einem, ehemals als„Arbeiterhetzer" zu mehrjähriger Gefängnißstrafe verurtheilten Mann redigirt wird, nämlich von Hrn. Bürgers, Kommunisten- prozeßlichen Angedenkens. Ist Hr. Bürgers auch seinen früheren Ueberzeugunzen untreu geworden, so sollte er sie doch aus Selbstachtung wenigstens nicht beschimpfen. Verbot gefrühstückt und gevespert, natürlich während der Arbeit. CS ist daher zu verwundern, daß an maßgebender Stelle nicht eingesehen wird, daß besagtes Verbot durchaus kein Vortheil fürs Geschäft ist, denn das alte Sprüchwort„Alles zu seiner Zeit" bewährt sich auch hier: Je öfter? die Arbeit unterbrochen wird, desto mehr Zeit gebt verloren; der Schlosser muß die wenn er einen Bissen Deutscher Mauusakturarbeitersch astsverband. Untezeichnete sordern hiermit alle Manufakturabeiter- und Fach Genossenschaften, welche auf dem 1. deutschen Weberlag vertreten waren, sowie auch solche, die gesonnen sind, sich dem dort gegründeten Verbände anzuschließen, auf, ihre Beschließungen und Berichte über die Lohnver- hällnisse der Manusakturarbeiier an den einzelnen Orten nun umgehend an uns gelangen zu lassen, da Ende d. M. das Eirtular Nr. 1. in Druck gegeben werden soll. Diese Mittheilungen sollen enthalten: 1) Ort und Dalum.— 2) Bezeichnung der Branche oder des Fabrikats(Kleiderstoffe, glatte, gemusterte, Flanell, Plüsch, Buckskin u. dzt.).— 3) Welcher Betrieb ist vorherschend i' Haus oder Fabrik? Wie viel Stühle und Arbeiter werden beschäftigt im Ganzen? Wie viel selbslständige Hausarbeiter? Wie viel Gesellen? Wie viel in Fabriken?— 4) Den Durchschnitts- lohn, den man verdient(zu ennitteln durch Zusammenrechnting des Lohns von vielen gleichartig Beschäftigreu, womöglich aus mehreren Firmen derselben Branche durcheinander, und wieder getheili durch die Zahl der betr. Arbeiter.— 5j Den höchsten und den niedrigsten Lohn, mit Nennung der betr. Geschälte.— 6) Die Länge der Arbeitszeit im Durchschnitt. — 1) Die längste und die kürzeste mit Nennung der Ge- schäfte.— 8) Die Bezahlung der Nebenarbeiten, ebenfalls von jeder den Durchschnitt, das Minimum und das Maximum. — Endlich 9) Mittheilung besonderer Mißstände in einzelnen , Geschäften. Nur von den bethciligtcn Korporalioneu, resp. deren Ver tretern, nicht aber von einzelnen beliebigen Arbeitern werden solche Zu- sendnngen in das Cirkular aufgenommen. Wir ersuchen ferner alle Vereine, Korporationen, Innungen, Gesell- schaften, solide Kölpoieure ic., welche Bestellunzen auf den stcnographi- scheu Bericht über den 1. deutschen WebeNag zu Glauchau(ca. 100 Seiten Broschürensormat IVa Sgl.) zu machen gedenken, dies sofort bei Unterzeichnetem zu lhun. Denjenigen, die schon früher bestellt, zur Notiz, daß der Versandt Ansang Juli beginnen wird. Da die' Verhältnisse die Konstituirung des öer-Ausschusses noch nicht gestatten, so sind die beiden Weberkomilee'S Glauchau und Meerane noch in provisorischer Thätigkeil geblieben, und werden wir in nächster Zeit die Konstituirung des EentralauSschusses anzeigen können. In der festen Zuversicht, daß der rege Eiser und harmonische Geist, welcher den 1. deutschen Webertag auszeichnete, bei eintretender Thätig keit zur Wahrheit werde, zeichnen mit brüderlichem Gruß Die Weberkomitce's Glauchau und Meeraue. Im Auftrag: H. Frail.i, Oftstrahe, Glauchau. Glauchau, Meerane, d-N 12. Juni 1871. Fürth, 13. Juni. In der gestern sehr zahlreich besuchten Sitzung deS Arbeitervereins„Zukunft"(sozial-demokratische Arbeiterpartei), in welcher„unsere Stellung zur Volkspartei" auf der Tagesordnung tand, wurde nach eingehenden Erörterungen einstimmig jbeschlossen, nach- stehende Erklärung in unserm Parteiorgan abzugeben: „In der Erwägung, daß die hiesige Bolkspartei, welche schon zum öfter» die Prinzipien der Demokratie bekämpfte, in einer am 7. d. M. abgehaltenen Versammlung des Volksvereins(Volkspartei) durch den Mund ihres Führers, des Herrn Dr. Sand mann sich über die Sozialdemokratie überhaupt und über die Pariser Kommune insbesondere in einer Weife ausließ, die jeden Sozialdemokralen wahrhaft empören mußte;— in der ferneren Erwägung, daß derselbe vr. Landmann, welcher schon früher, einmal die bei de» jüngsten Reichstagswahlen statt- gefundene Fusion der, Volkspartei mit den Sozialdemokraten öffentlich ableugnete, sich in der erwähnten Versammlung der Voltspartei so- gar zu der Behauptung verstieg, nur die Monarchie könneFrank- reich retten;— erklärt die hiesige sozialdemokratische Arbeiterpartei, daß sie künftig die Volkspartei- dahier einfach ignoriren wird. Chemilttz. Zur deutschen Freizügigkeit. Parteigenosse Ufert hat noch immer nicht die Erlaubniß erhalten, sich inEhemnitz aufzuhalten. Sein Advokat sagte ihm, daß er nicht eher etwas für ihn thun könne, als bis er von der Behörde zu Würzen— wohin der Dimissionsschein aus dem Gefängnisse dirigirt worden war (No. 31 d. Bl.), die Bescheinigung bringe, daß er sich in Chemnitz aufhalten dürfe. Ufert wandte sich demgemäß an das Wurzenec Ge- richtsamt mit dem Gesuch um einen Verhalt- und Erlaubnißschein, erhielt aber zur Antwort:„Das Kgl. Gerichtsamt findet keine Ver- anlassung, auf Ihre Eingabe seinerseits etwas zu verfügen." Was ist da zu thun?(Wenn der Advokat der Ansicht ist, daß der Er- laubnißschein beschafft und ertheilt werden muß, so ist über das Ge- richtsamt Beschwerde zu führen. D. R.) Leipzig. Seit 1. April d. I. ist die 10-Stundensarbeitszeit in den Werkstätten der sächsischen westlichen Sraatseise nbahn einge- führt; das heißt: es wirb ununterbrochen gearbeitet von Früh 7 Uhr bis Mittag 12 und von 1 bis Abends 6 Uhr. Nun ist es aber sehrjnatür- lich, daß die Arbeiter nach wie vor ihr Frühstück und Vesper, und wenn dieses noch so srugal ist, zu sich nehmen müssen, denn ohne diese Stäc- kung, abgesehen von der Gewohnheit, würden es bei der durchweg ehr anstrengenden Arbeit nur Wenige aushalten, ohne ihrer Gesund- heit die empfindlichsten Nachtheile zuzufügen; es wird also doch trotz eile, der Schmied den Hammer bei Seite legen, irod zum Mund führen will— abgehen davon, daß er dies mit geschwärzten, rußigen Händen thun muß und auch der Arbeit nicht die gehörige Aufmerksamkeit widmen kann. Es fällt ge- wiß keinem Beamten ein, welcher im Bureau beschäftigt ist, während der Arbeit zu essen, und sich der Gefahr auszusetzen, Fettflecke in die Bücher zu bekomme». Wir sind überzeugt, daß, wenn man den Arbei- tern auch nur eine Viertelstunde Zeit zum Früstück und Vesper ge- währt, es nur nutzbringend für die Verwaltung ist. Ferner wird von Seiten der Arbeiter seit Einführung obengenannter Arbeitszeit über den Wegfall der sogenannten Viertelstage vor hohen Festtagen ge- klagt, das heißt: es wurde früher am Pfingst-, Oster-, Weihnachtsabend und noch einigen andern Tagen um 4 Uhr Feierabend gemacht, wäh- rend dies jetzt wegfällt und durchweg bis 6 Uhr gearbeitet wird. (Nachträglich wird uns noch folgende« Pendant zu obiger Korrespon- denz mitgelheilt: Ein Schlosser der Reparaturwerkstätte der sächsisch- bayerschen Staatseiseubahn, welcher im Namen seiner Kollegen eine Petition an die Generaldirektion richtete um Wiederherstellung der oben erwähnten Feierstunden, ist ein Opfer des..Petitionsrechts" geworden, ähnlich wie die Hamburger Postsekretärc. Als besagter Schlosser nämlich seinen Vorgesetzten, Assistent Hentze, um Lohnzulage für besonders anstrengende Arbeiten bat, erhielt er zur Antwort: ,.An Lohnzulage dürfen Sie nicht denken, da Sie die Arbeiter durch das Petitionireu aus- hetzen." Infolge dessen hat der Schlosser die Arbeit niedergelegt.) Leipzig. Die Parteigenossen in Hamburg haben in Nr. 49 ihrem Antrag auf Wahl einer Verwaltungskommission des Blattes Motive beigefügt, die mich zu einer Verwahrung zwingen. Es ist mir nicht eingefallen, und ich kann nicht begreifen, wie die Hamburger Parteigenossen meinen Antrag so"auslegen konnten, zu verlangen, daß die von mir vorgeschlagne Finanzkommission Befugnisse haben soll, welche laut dem � 18 der Organisation einzig und allein dem Ausschuß zustehen. Mein Antrag verlangt nichts weiter, als daß eine gründliche Kontrolle des Finanzwesens des Blattes ermöglicht würde und daß bei der Bestimmung der Auflage, so wie bei außer- ordentlichen Ausgabe», die sich z. B. aus Beschaffung dieses oder jenes Jnventarsstück's, Ausgabe für Zeitungsabonnements zc. beziehen, nicht, wie b.sher, Redaktion und Erpedition diese auf eigne Verantwortung machen können, sondern die Finanzkommission darüber gehört wird und beschließt. Gleiches soll in Bezug auf die Auflage und die Kosten bei dem Druck im Interesse der Partei erscheinender Schriften geschehen. Daß diese Kleinigkeiten nicht durch einen beständigen, sehr um- fänglich werdenden Briefwechsel zwischen der Leitung- und Verwaltung des Blattes und der Parteileitung geregelt werden können, bedarf keines Beweises. Daß die vorgeschlague Kommission nicht über die Verwendung der Ueberschüsse, noch über eine Vergrößerung deS Blattes-c. ent- scheiden kann und darf, ist selbstverständlich._ Bebel. Ouitttung. Für deu Volksstaat: Durch A. G. in Geyer: 1 Thlr. Für die Partei:„K. Hl." in Cöln: 10 Thlr. _ Th. Burckhardt, prov. Parteikassirer. Briefkasieu der Redaktion: P. St. Mainz: Philipp Wolf.— R. Sch. Elberfeld: Steins Werk, 4 Bände, können Sie für 2'/, Thlr. durch Seifert beziehen.— H. D. in L.: Wir sind nicht in der Lage Hanorar zu zahlen. � K. in Tübingen: Das italienische Blatt, welches wir Ihnen empfehlen, ist der„Dovere", erscheinend in Genua. der Expedition: C. M. in W.: Die Kosten waren zu beträcht- lich, deshalb unausführbar. K. Tübingen: 4 Thlr. für Volksslaat- Anleihe erh. Brief ging ab. Gr. Nürnberg: Marx' Kapital kostet, durch uns bezogen, 2 Thlr. 20 Nqr. N. Neundorf: das Bestellte ging ab. G. Hamburg: dto. Die 20 St. N.-A. 20 gr. u. pr. Nr.'.»'pr., zus. 29'/, gr. G. Neustadt: Sozial-demokr. Theaterstücke? Thut mir leid. Weiteres mündlich. I>r. I. I. Königsberg: 3 Thlr. f. Ab. erh. Die Filialerpeditionc» werden ersucht, alle nicht verkauften Numiueru bei der Abrechnung einzuseudc». Die Expedition. Br. Gutsm. Gens: 6. Quartale Bolksst. sind nicht vollständig; seh- len ca. 20 Nummern._ Seifert. Für Köln. Oeffentliche Versammlung der sozialdemokratische» Arbei- beiterpartei, Sonntag, den 25. Juni, Morgens halb 11 Uhr, im Lokale des Herrn WiSdorf, ih eboldsgasse No. 102. Da in dieser Versammlung die Wichtigkeit des bevorstehenden Kongresses besprochen, so wie ein Delegirterzu demselben gewählt werden wird, so wird um recht pünklichen und zahlreichen Besuch dringend gebeten. Im Auftrag: V. Falk. Für Chemnitz. � Mit den Fingern wird man auf diesen Reichstag deuten! Sonntag, den 35. Juni Nachmittags 3 Uhr, findet auf dem Neustädter Markt zu Chemnitz wiederum eine Mas- seuversammluug statt. Ans derselben soll das Benehmen des kal- serlich preußischen Reichstags beleuchtet werden. An die Mden Reichs- tags-Abgeordneten der sozial-demokratischen Partei sind Einladungen ergangen. Ebenso werden hierdurch alle wackeren Parteigenossen, na- ineiUlich alle guten Redner von Nah undj Fern zum Erscheinen drin- gend eingeladen. Chemnitz, den 18. Juni 1871. Der Vertrauensmann der soz.-demokr. Partei: B. Becker. Fürs Erzgebirge. Die Parteigenossen des Erzgebirges werden hierdurch freundlichst eingeladen, sich nächsten Soillitag, Seil 35. Juni, Vormittags 10 Uhr, zu einer dringend nöthigen Besprechung einzufinden Versammlungsort: Stollberg(Schießhaus). Wir erwarten gauz bestimmt eine zahlreiche Vcthetliguug. Per soz-dtm. Ärbeitkr-Verein Gkffrr. Mr Leipjig. Sozialdemokratischer Arbeiterverein. Donnerstag, den 22. Juni, Abends'/,9 Uhr: V-rsammlunz im Saale der„goldenen Säge", Ecke der Dresdener- u. Langenstraße. Tagesordnung: Sozialpolitischer Wochenbericht.(Ref. Tischer.) Gäste stnd willkommen._ Der Vorstand. (Tye Abonnenten des„Volksstaat" im Arbeitcrbildungs-Verem Leipzig werden ersucht, das nboniicmentSgeld sür dieses Quartal, soweit eS noch nicht bezahlt ist, zu entrichten.___ Allen Parteigenossen empfehlen wir den Ankauf des Stuttgarter jitongreizprotokoUS; das- elbe kostet k Stück 1 Sgr.= 3'/, kr. sndd. Für Kreuzbandsendun- gen ist der Portobetraz ü Stück �/z Sgr. beizusüge>. ' Das Protokoll ist 3'/, Bogen stark und enthalt, außer den Ver- Handlungen über die inner» Pärteiangelegenheiten die Referate: über die Gewerkschaften von Y o r k, die poiitffche Stellung der Partei von Liebknecht und die Grund- nnd Bodensrage von Bebel, Beigefügt ist dem Protokoll der Antrag der Hamburger Partei- genossen, betressend das literarische Unternehmen._ Bebel s Reichstagsredm fr C des„Volksstaat" in Augsburg, Miiucheu, Kötu. bekommen Filiale» Die Filialexpevitionen werden hierdurch ersuchtz die Abrechnung über das 2. Quartal sofort nach Ablauf dieses Monats einzusenden und alle übrig gebliebenen Exemplare des „Vollsstaat" mitzuschicken. Leipzig: Berantw.Redakteur ÄiHepner(R-oaktio»: Peiersstemweg 13) Druck u. Berlag: F. Thiele.(Expedition: Petersstr. 13).