58. Mittwoch, den 19. Juli. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal m Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstaltcn und Buchhand- lungen de« In- und Au«. landeS an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstraß« 13, F. Thiele, Emilienstraße 2, Der Lolksstliiit AbonnementSpretS Für Preußen incl Stempelsteuer 1KNqr.,fiir die übrigm deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Agent sür London A. Duenstng Voreiga Bookseiler, Libra- rian and Newsagent, 8. Little Newport Street, Lei- cester Square, W. C. Filialerpedition für die Verein Staaten: R.A.Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork ©rgöit der soMl-demoKratischen Ardeiterpartei llnd der Internationaten GewerKsgenolsenschasten. Politische Uebcrsicht. Unter den Hauptverläumdern der Pariser Kommune be- findet sich ein gewisser L. Wolfs, der für englische und, wenn wir nicht irren, auch für deutsche Blätter z. E. die„Kölner Zeitung", schreibt. Von diesem Wolff ist es jetzt offenbar ge- worden, dajz er mit 1000 Franks Monatsgehali in den ge- Heimen Polizeibüchern des Bonaparte figurirt. Ti- baldi und Seraillier, welche die Polizei- Bücher selbst durchgesehen, haben dem Londoner Generalrath die betreffende Mittheilung gemacht. Dieser nämliche Wolff war bei- läufig auch Sekretär Mazzini's, der von ihm an die französische Polizei verrathen und zum Ersatz mit polizeifabri- zirten Thatsachen zur Erzeugung honneten Sozialistenhasses versehen wurde. Herr Mazzini wird nun begreifen, daß seine tugendhafte Entrüstung über die Kommune einer nichts weniger als tugendhaften Quelle entsprungen ist. Der internationalen Reaktionspresse aber, die mit Wollust die verleumderische Jerc- miade des alten Revolutionärs abdruckte, empfehlen wir, sich für die Zukunft dire k tan Herrn L. Wolff, bonapartistischen Spion außer Dienst, zu wenden. Wir benutzen die Gelegenheit, dem Urtheil des pfässischcn Gefühlsrepublikaners Mazzini, das Urtheil eines, ebenfalls sozia- listenseindlichen, aber doch nicht so ganz in der Vergangenheit. stehenden italienischen Republikaners entgegenzustellen, des Ab- geordneten Petrucelli della Gattinea, der 22 Jahre lang in Paris gelebt hat und während der Herrschaft der Kommune dort war. Derselbe schreibt aus Paris an die„Gazctta d'Jtalia": „Die Verläumdungen gegen die Kommune— unglücklicherweise gehoben durch die Feucrsbrunst und die Ermordung der Geiseln— haben den Verstand Frankreichs umnachtet und Eu- ropa auf wenige Tage verblendet. Die Glühhitze der Entrüstung und des starren Erstaunens wird noch etwa 2 bis 3 Wochen anhalten. Dann aber wird die Rückwirkung gegen diese thö- richte Furcht eintreten; es wird tagen. In England ist eS schon helle geworden. In Paris ist man erst in der Morgen- dämmernng. Die Soldaten sind schon nicht mehr die Gcsell- schaftsretter der vergangenen Wochen. Der Belagerungszu- stand drückt. „In den Stadtvierteln, wo das Bombardement ein rasendes, die Erschietzungen wahrhaft aräszlich waren. wo die Brandstiftungen weder das Wert des Bcr- brechcns, noch die That der Föderirte» waren, wo das Kriegsverhängniß Nichts verschonte, wo Alter und iS>(' schlecht nicht einmal die Unschuld schützten, also in dem ganzen nordöstlichen Theile von Paris: Montmartre, la Vilette, la Chapelle, Bclleville, Menilmontant, Val de Graee— überall predigt das Aussehen der Einwohner wie die Riffe und Trüm- mer der Wohnungen den Haß, die Luft ist mit Haß geschwän- gert, der Haß durchzuckt jede Muskelfaser. Man sieht diese Menschen, die man verfolgt hat wie Ottern... Und auf Schritt und Tritt Soldaten und Polizeivolk, die einen mit Blicken durchbohren. „Die Rückwirkung also gegen die Armee hat begonnen, und sie wird ebenso ungerecht unh übertrieben sein, wie die Strö- mung zu deren Gunsten. Der Belagerungszustand und 5 bis 6 permanente Kriegsgerichte dämpfen das Umsichgreisen dieser Stimmung. Wenn die gesetzliche Ordnung erst wieder hergestellt ist, werden die Dienste der Armee durchaus vergeffen sein. Es ist jetzt schon ein Leichtes, zu sagen, wie sich dann die Stimme des Volkes aussprechen wird. .»In den Tuilerien legten die als Föderirte der- kleideten Bonapartisten das Feuer an. nm die daselbst von der Regierung des 4. September gegen das Kai- serreich gesammelten Aktenstücke zu zerstören. Tas Finanzministerium steckten die Batterien des Generals vissey«) jn Brand, die auf den Tuileriengarteu und die Strasze Rivoli schössen. General Binoy zündete das Palais Royal und die Kaserne des Louvre an. wo die Föderirte» lagerten. Die Präscktur und das Stadt- haus(Hotel de Tille) wurden von den Föderirten angesteckt, aber erst als die Bomben der Armee oberhalb des Ttadthauses schon das Zerstönlngswerk begonnen hatten. Binoy's Bomben zerstörten den Justizpalast. daslyrischeThcater.dicKornhäuser.wieLadmirault's�l «atterieu aus Montmartre die Waarenlager der Ko- '°ule von la Bilcttc. Bon allen verbrannten Privat- yltnser» wurde je eins unter zehn von de» Föderir- len angezündet, nm die Soldaten zn vertreiben. d»e """ "Die Geiseln wurden am dritten Schlachttage erschaffen, zur Wiedervergeltung als man sah. das; den Föderir- tcn kem Pardon irgend einer Art z» Theil wurde, datz man nicht einmal Weiber und Kinder von 10 12 Jahren verschonte, und das; die Priester und ale Frommen den Truppen als Spione und Spür- Hunde dienten." So weit Herr Gattinea. Derselbe verräth freilich eine � Tis gegenwärtigen Kriegsministers. ) Gegenwärtig Kommandant von Paris. große Naivetät, indem er den Glauben ausspricht, es werde binnen 2 oder 3 Wochen ein Umschwung in der öffentlichen Meinung erfolgen. Lügen haben zwar kurze, aber dafür desto dauerhaftere Beine, und die heutige Bourgeoispreffe, deren Produkt die öffentliche Meinung ist, hat das lebhafteste Interesse, die Geschichte der Kommune in einen undurchdringlichen Lügennebel zu hüllen. Die Wahreit über die Kommune ist gleich- bedeutend mit der Verurtheilung der Bourgeoisgesellschaft. Der Trieb der Selbflerhaltung zwingt also die Bourgeoispresse, dem Publikum die Wahrheit vorzuenthalten. Hat doch sogar ein Blatt, wie die„Frankfurter Zeitung", sich noch nicht dazu entschließen können, in ihrem redaktionellen Theil der Wahr- heit die Ehre zu geben, obgleich sie in ihrem Feuilleton die Briefe Pfau's veröffentlicht.— Daß unsere Presse bewußt über die Kommune lügt, kann nicht dem leisesten Zweifel unterworfen sein. Im ersten Moment des Schreckens glaubte sie vermuthlich das Meiste, was sie in Umlauf setzte. Allein jetzt ist dies nicht mehr möglich. Abgesehen von dem massen- haften Material zu Gunsten der Kommune, das sämmtlichen Zeitungsredakteuren vorliegt, und dessen Tragweite bloß von bösem Willen neg'rt werden kann, hat die Presse neuerdings eine Taktik eingeschlagen, welche die Annahme der bona, fides (der ehrlichen Wahrheitsliebe) einfach ausschließt: wir meinen den Versuch, die Kommune als das künstliche Erzeugniß der Internationalen Arbeiterassoziation hinzustellen. Dieß wäre kindisch, wenn die französische Arbeiterbewegung erst vor sechs Jahren begonnen hätte— Revolutionen lassen sich nicht machen—; da aber die französische Arbeiterbewegung älter ist, als dieses Jahrhundert, und schon vor 22 Jahren, fünfzehn Jahre vor Gründung der Internationalen Arbeiterass o- ziation, zu der Junischlacht geführt hat, die, wenn auch in kleinerem Maaßstab, wie die Kommune doch mindestens ebenso entschieden den Charakter des Klassenkampfes hatte, und den Keim der Kommune bereits in sich trug; und da wir voraussetzen müssen, daß diese, in jedem Handbuch der Geschichte verzeichneten Thatsachen unseren Zeitungsschreibern nicht un- bekannt sein können, so bleibt uns nur die Annahme des bösen Willens, der absichtlichen und überlegten Lüge und Wahrheitsfälschung.-- Den Zeugnissen aus Feindesmund, aber ehrlichen Fein- des Mund, zu Gunsten der Kommune, fügen wir noch nächste- henden, im Londoner Bourgeojsblatt„Spektator" veröffentlichten Brief eines englischen Geistlichen bei, der sich während der gan- zen Dauer der Kommune in Paris aufgehalten hat. Der Brief trägt das Datum des 20. Mai, ist also den Tag vor der ver- rätherischen Ueberrumpelung von Paris geschrieben: „Was das Gerede von Anarchie betrifft, so herrschte in Paris zu keiner Zeit solche Ruhe und Ordnung, und nie waren Person und Eigenthum so sicher. Man kann zu allen Stunden des Tages ausgehen, ohne Furcht insultirt zu werden, ja, in der Gewißheit, vollkommen sicher zu sein. Und das ist mehr, als sich von dem früheren Paris sagen ließ, zur Zeit, wo es von 12,000 kaiser- lichen Polizeisergeanten, von der städtischen Polizei und einer Armee von Mouchards bewacht wurde. Die Freiheit der Meinungen ist groß, während in Versailles Niemand ein Wort zu sprechen wagt, das der Re- gierung mißgünstig ist. Die persönliche Freiheit betreffend, so kann man vom Nordbahnhof ebenso ungehindert nach Paris gehen, als von der Viktoria Station(London) nach Bclgrave Square. Von Trunkenheit ist keine Spur zu sehen, eben so wenig von Liederlichkeit. Die Frauen haben sich der Kommune angeschlossen und unter- stützen sie in dem vielleicht utopistischen Versuch, die Prostitution abzuschaffen. Die Bücher, Flug- schriften und Bilder sind meist anständig und ernsten Inhalts; in St. Denis dagegen(wo die Preußische Garnison das Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte vertritt. A. d. R. d. V.) sind die Laden mit nn- züchtigen Photographien gefüllt. Der Louvre ist so offen wie immer; der Eintritt in die Tuilerien kostet 10 Sous (4 Gr.), die in den Krankenfonds gehen. Jeder Saal in den Tuilerien ist numerirt und von einem Nationalgardisten be- wacht, und auch nicht das Mindeste ist zerbrochen, nichts be- schmutzt, zerkratzt, beschrieben. Ueberhanpt findet man hier nir- gcnds die Wände beschrieben, außer hier und da die Worte: Tod dem Thiers! Achtung vor dem Eigenthnm!"— Die Führer der polnischen Emigranten haben an die französische Nationalversammlung eine Denkschrift gerichtet, in welcher sie die seitens der Polen im letzten Kriege bewiesene Anhänglichkeit an Frankreich schildern und schließlich auf die Gewaltthaten zu sprechen kommen, womit den Polen seitens der Versailler nach der Niederlage der Kommune gedankt wor- den ist. Es wird in der Denkschrift erzählt, daß zwei Polen in der Rue de Tournon auf eine falsche D enunciation, nach welcher sie auf die Truppen geschossen hätten, f ü s i l i r t worden sind; der Eine von diesen, Wernieki, hatte allerdings unter der Kommune in der Nationalgarde gedient; da- gegen war derAndere, D.alewski, ein ruhiger Buchhandlungs- Commis gewesen, der nur das einzige Unrecht begangen, seineu Freund und Landsmann, der bei dem Einrücken der Truppen die Reihen der Nationalgarde verlassen hatte, bei sich zu beherbergen. Dieser junge Mann hat ein wahrhaft tra- gisches Schicksal gehabt: er gehörte einer Familie aus Litthauen an, die mit ihm verlöscht; einer seiner Brüder und sein Schwa- ger sind von Murawieff gehängt, ein anderer Bruder nach Sibirien deportirt worden. In der Nacht vom 25. zum 26. Mai wurden ferner zwei Polen, Rozwadowsti und Schweizer, ehrwürdige Mitglieder der Emigralion von 1831, die sich still in ihrer Behausung am Boulevard de Picpus ge- gehalten hatten, standrechtlich süsilirt, blos weil man in ihremZimmer Licht gesehen hatte; derEine vondhnen, Schweizer, hatte einen Neffen in der Armee von Versailles. Auf dieselbe unglückliche Weise sei ein anderer Pole von vor- gerücktem Alter, der Graveur Levieki, blos seines pol- nischen Namens wegen umgekommen.— Es sind während der jüngsten pariser Ereignisse nicht nur so und so viele Tausend Menschen getödlet, sondern auch 40,000 ohne Möbeln und Effekten durch das tolle Mieth- gesetz auf das Straßenpflaster geworfen worden, während das Pfandhaus anzeigt, daß derVerkauf der nicht eingelösten Pfänder wieder beginnen wird,— eine Ankündigung, welche in den Faubourgs eine große Aufregung hervorrief.— Ein recht in die Augen fallendes Beispiel dafür, daß die honnetrepublikaniscbe Bourgeoisie, wenn sie sich mit einer wirk- lich demokratischen Partei im Kampf befindet, zu den reakiionäisten Mitteln und Maximen ihre Zuflucht nimmt, bietet der sran- zösische Unterrichtsminister, Jules Simon. Als Minister des 4. September versprach er eine Schulreform, welche den Unterricht so gestalten soll,„wie ihn nur eine Republik geben kann."„Wir werden einen Menschenschlag bilden, welcher der Furcht unzugänglich ist: über die Pflicht aufgeklärt; der alten Vorurlheile, welche die Charaktere schwäch.m und die Einsicht trüben, entledigt; durch Aufklärung, Vaterlandsliebe und Tugend würdig, den beiden großen Geiseln der Menschen — Vorurtheilen und Krieg— ein Ende zu machen." Von der versprochenen Schulreform ist bis jetzt noch nichts in die Oeffentlichkeit gelangt, wohl aber hat die Welt erfahren, daß Jules Simon der Wiederherstellung der Vendüme- säule große Sorgfalt widmet. Es ist beinahe selbstverständlich, daß unter einem Ministerium Thiers-Favre an eine Verwirk- lichung idealer Ziele, wie sie durch obiges Programm vorgesteckt sind, gar nicht zu denken ist, selbst wenn Jules Simon ein ehrlicher Mann wäre. Daß er dies aber nicht ist, beweist neben dem Umstand, daß ihn Thiers nach seinem Amlsan- tritt im Ministerium behalten hat, seine nun aus einzelnen Akten und Aktenstücken erhellende Thätigkeit. Diese letztere ist der Art, wie sie nur von einem in und mittelst der Spionage lebenden Beamten ausgehen kann und von den sreiheitsfeinv- lichen, autoritätsliebenden Bevormundern jeglicher Art gewünscht wird. Man lese folgende Stelle aus einem Cirkular, welches Jules Simon an die Rektoren der Universitäten erlassen hat: „Es ist klar, daß eine beständige, ununterbrochene Ueberwachung nöihig ist, und daß die Universität suhlen muß, daß sie regiert wird. Ich werde nur sehr ungern zu strengen Maßregeln greifen; aber man wird niemals sagen könne», daß durch meine Schuld die Universität entehrt und die Jugend verderbt«erde." „Herr Rektor, ich rechne auf Ihren gauzen Beistand. Ich werde mit Reife ein organisches Gesetz vorbereiten; es wird kommen zu seiner Zeit; was vor Allem noththut, ist eine wachsame Veiwaltung. Ich ersuche Sie, Ihre Rapporte an mich zu vervielfältigen, mir Nachrichten zu geben über alle Prosessoren und Lehrer, die sich haben Fehler zu Schulden kommen lassen, oder die Ihnen wegen der Zukunft einige Sorgen machen. Ich muß Alles wissen, waS im Hause vorgeht. Ich werde so lange kein ruhigeS Gewissen haben, bevor ich nicht sehe, daß die einzige Brschäsiigung der Univeisiiät darin besteht, unserem Lande eine Jugend zu erziehe», die zu dulden NNd zu ftkhorchc» versteht. Geister und Herzen durch eine mäuutiche und verständige Erziehung zu erheben, ist unsere Pflicht gegen daS Vater- land. Diese Aufgabe ist so schön, daß nichts uns davon abwenden soll und kann." Also eine„duldende und ge horchende" Jugend will der Mann erziehen, welcher vor 9 Monaten als Ziel der Volks- bildung„Furchtlosigkeit, Pflichlerkenntniß, Aufklärung und Vor- urtheilsfreiheit" hingestellt hat! Woher dieser Umschwung? Einfach daher, weil es gerade die Jugend der gebildeten Mittelklasse war, welche für die Pariser Kommune Partei ge- nommen hat. Ehe Jules Simon sich solche Pflanzen aufzieht, lieber verzichtet er auf jede Bildungsbeförderung, und lieber dreht er den Zeiger der Volksbildung rückwärts, um eine duldende und gehorchende" Jugend zu schaffen, welche schon regierungsmäßig gedrillt ist, noch bevor sie dem Soldaten- stände angehört.— Um den Sklavensinn zu erhalten, bedarf es aber vor Allem des Sklavenzllchters. Diesen soll der Lehrer abgeben, und damit er recht treu im Sinn der Obrigkeit wirke, ist er von einer netzartigen Spionage umgeben, welche unaus- g�sitzt„rapportiren", d. h. denunziren und incriminiren soll.— Man könnte durch die Humanitätsphrasen dieses Cirku- lars versucht sein, zu glauben, es handle sich nur um eine Bewachung der Lehrer bezüglich ihrer Lehrthätigkeit, allein die in demselben Aktenstück ausgesprochene Drohung von Ab- und Versetzung gegen solche Lehrer, welche an oppositionellen Zeitungen mitarbeiten, läßt keinen Zweifel darüber, daß die ange- ordnete„Ueberwachung" der Lehrer eine im Sinne der Mühler- schen Lehrerzüchlung angeordnete Maßregel und Maßregelungs- Einleitung ist, wie überhaupt die Jules Simon'sche Erziehungs- Methode in das Fahrwasser der Stiehl'schen Regulative einzu- lenken scheint. Fortsetzung der politischen Ueberstcht auf Seite 4. Der Bürgerkrieg in Frankreich. Adresse des Generalraths der Internationaleil Arbeiter- Association an alle Mitglieder in Europa und den Äer- einigten Staaten. (Fortsetzung.)» Wenn sonach die Kommune die wahre Vertreterin aller gesunden Elemente der französischen Gesellschaft war, und daher die wahrdast nationale Regierung, so war sie gleichzeitig, als eine Arbeiterregierung, als der kühne Vorkämpfer der Befreiung der Arbeit, im vollen Sinne des Wortes international. Unter den Augen der preußischen Armee, die zwei französische Pro vinzen an Deutschland annerirt hatte, annerirte die Kommune die Arbeiter der ganzen Welt an Frankreich Das zweite Kaiserthnm war das Jubelfest der kosmopo litischcn Prellerei gewesen, die Hochstapler aller Länder waren auf seinen Ruf herzugestürzt, theilzunehmen an seinen Orgien und an der Ausplünderung des französischen Volkes. Selb" in diesem Augenblick noch ist Thiers' rechte Hand Ganesco, der walachische Lump, und seine linke Hand Markowski, der russische Spion. � Die Kommune ließ alle Freniden zu zu der Ehre, für eine unsterbliche Sache zu fallen.— Zwischen dem durch ihren Verrath verlorenen auswärtigen Krieg und dem durch ihre Vcr schwörung mit dem fremden Eroberer entzündeten Bürgerkrieg hatte die Bourgeoisie die Zeit gefunden, ihren Patriolismus durch die Organisation von Polizeijagden auf die Deutschen in in Frankreich zu bethätigen. Die Komniune machte einen Deut schen zu ihrem Arbeitsminister.— Thiers, die Bourgeoisie, das zweite Kaiserthum, hatten Polen immerfort durch laute Vcr heißnngen der Theilnahme getäuscht, während sie in Wirklichkeit es an Rußland verriethcn und Rußlands schmutzige Arbeit ver richteten. Die Kommune ehrte die Heldensöhne Polens, indem sie sie an die Spitze der Vertheidiger von Paris stellte. Unfy um ganz unverkennbar die neue geschichtliche Aera zu bezeichnen. die sie einzuleiten sich bewußt war, warf die Kommune, unter den Augen, hier der siegreichen Preußen, dort der von bonapar tistischen Generalen geführten bonapartistischen Armee, das ko lossale Symbol des Kricgsruhms nieder, die Vcndümesäule. Die große soziale Maßregel der Kommune war ihr eignes arbeitendes Dasein. Ihre besonderen Maßregeln konnten nur die Richtung andeuten, in der eine Regierung des Volkes durch das Volk sich bewegt. Dahin gehören die Abschaffung der Nachtarbeit der Bäckergesellen; das Verbot, bei Strafe, der bei Arbeitgebern üblichen Praxis, den Lohn hcrabzudrückcn durch Auferlegung von Geldstrafen auf die Arbeiter unter allerlei Vor wänden,— ein Verfahren, wobei der Arbeitgeber in Einer Per son Gesetzgeber, Richter und Vollstrecker ist und obendrein das Geld einsteckt. Eine andere Maßregel dieser Art war die Aus lieferung von allen geschlossenen Werkstätten und Fabriken an Arbeitergenossenschaften, unter Vorbehalt der Entschädigung. gleichviel ob der betreffende Kapitalist geflüchtet war oder aber vorzog, die Arbeit einzustellen. Die finanziellen Maßregeln der Kommune, ausgezeichnet durch ihre Einsicht und ihre Mäßigung, konnten sich nur am solche beschränken, die mit der Lage einer belagerten Stadt ver träglich waren. In Anbetracht der ungeheuren Diebstähle, br gangen an der Stadt Paris durch die großen Finanzkompagnien und Bauunternehmer unter Hausmann's Herrschaft, hätte die Kommune ein weit größeres Recht gehabt, ihr Eigenthum zu konfisciren, als Louis Vonaparte das der Familie Orleans Tie Hohenzollern und die englischen Oligarchcn, die Beide ein gutes Stück ihrer Besitzungen von geraubtem Kircheneigenihuni herleiten, waren natürlich höchst entrüstet über die Kommune, die aus' der Säkularisation nur 8000 Franken profitirte. Während die Versailler Regierung, sobald sie wieder zu etwas Muth und Stärke gekommen, die gewaltsamsten Mittel gegen die Kommune anwandte; während sie die freie Meinungs- äußerung über ganz Frankreich unterdrückte und sogar Versamm- lungcn von Delegirten der großen Städte verbot; während sie Versailles und das übrige Frankreich einer Spionage, weit schlimmer als die des zweiten Kaiserthums, unterwarf-, während sie durch ihre Gensdarmen, Inquisitoren alle in Paris ge- druckten Zeitungen verbrannte und alle Briefe von und nach Paris erbrach; während in der Nationalversammlung die furcht sanisten Versuche, ein Wort für Paris zu ve>lautbaren, nieder geheult wurden in einer, selbst in derJunkeikammcr von(816 unerhörten Weise; während der blutdürstigen Kriegführung der Versailler außerhalb, und ihrer Versuche der Bestechung und Verschwörung innerhalb Paris— hätte da die Kommune nicht ihre Stellung schmählich vcrrathcn, wenn sie alle Anstandsfor- men des Liberalismus, wie im tiefsten Frieden, beobachtet hätte? Wäre die Regierung der Kommune der des Herrn Thiers ver wandt gewesen, es wäre ebensowenig Veranlassung dagewesen, Ordnungsparteiblätter in Paris, wie Kominunalblätter in Ver- saillcs zu unterdrücken. Es war in der That ärgerlich für die Krautjunker, daß gerade um die Zeit, wo sie die Rückkehr zur Kirche als einziges Mittel zur Rettung Frankreichs erklärten, die ungläubige Kom- mune die eigenthümlichen Geheimnisse des Nonnenklosters Pic- pus und der Kirche St. Laurent aufdeckte. Es war eine Sa- tire auf Thiers, daß, während er Großkreuze auf die bonapar- -tistischen Generale regnen ließ für ihre Meisterschaft im Schlachtenverlieren, Kapitulationsunterzeichnen und Wilhelms- höher Cigarrettcndrehen, die Kommune ihre Generale absetzte und verhaftete, sobald sie der Vernachlässigung ihres Dienstes verdächtig waren. Die Ausstoßung und Verhaftung eines Mit- gliedes, das sich unter falschem Namen eingeschlichen, und früher in Lyon sechs Tage Gefängniß wegen einfachen Bankcrotts er- litten hatte— war sie nicht eine vorbedachte Beleidigung, ins' Gesicht geschleudert dem Fälscher Jules Favre, damals noch im- mer auswärtiger Minister Frankreichs, noch immer Frankreich verkaufend an Bismarck, noch immer Befehle diktirend jener unvergleichlichen belgischen Regierung? Aber, in der That, die Kommune machte keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit, wie dies alle die alten Regierungen ohne Ausnahme thun. Sie ver- öffentlichte alle ihre Reden und Handlungen, sie weihte das Publikum ein in alle ihre Unvollkommenheiten. In jeder Revolution drängen sich, neben ihren wirklichen Vertretern, Leute andern Gepräges vor. Einige sind die Ueber- lebenden früherer Revolutionen, mit denen sie verwachsen sind; ohne Einsicht in die gegenwärtige Bewegung, aber noch im da mationen gegen die Regierung des Tages wiederholend, sich den Ruf von Revolutionären des reinsten Wassers eingeschlichen haben. Auch nach dem 18. März kamen solche Leute zum Bor- schein und spielten sogar in einigen Fällen eine hervorragende Rolle. Soweit ihre Macht ging, hemmten sie die wirkliche Aktion der Arbeiterklasse, wie sie die volle Entwicklung jeder früheren Revolution gehemmt haben. Sie sind ein unvermeid lichcs Uebel; mit der Zeit schüttelt man sie ab; aber gerade diese Zeit wurde der Kommune nicht gelassen. Wunderbar in der That war die Verwandlung, die die Kommune an Paris vollzogen hatte! Keine Spur mehr von dem buhlerischen Paris des zweiten Kaiserthums. Paris war nicht länger der Sammelplatz von britischen Grundbesitzern, irischen Abscntees, amerikanischen Er-Sklavenhaltern und Emporkömm lingen, russischen Er-Leibeignenbcsitzcrn und walachischen Bojaren Keine Leichen mehr in der Morgue, keine nächtlichen Einbrüche. fast keine Diebstähle niehr; seit den Februartagcn von 1848 waren die Straßen von Paris wirklich wieder einmal sicher. und das ohne irgend welche Polizei.„Wir", sagte ein Mitglied der Kommune,„wir hören jetzt nichts mehr von Mord, Raub und Thätlichkeiten gegen Personen; es scheint in der That, als ob die Polizei alle ihre konservativen Freunde mit nach Versailles geschleppt habe." Die Cocotten hatten die Fährte ihrer Beschützer wiedergefunden— der flüchtigen Männer der Familie, der Religion und vor Allem des Eigenthums. An ihrer Stelle kamen die wirklichen Weiber von Paris wieder an die Oberfläche— heroisch, hochherzig und aufopfernd wie die Weiber des Alterthums.'Paris, arbeitend, denkend, kämpfend. blutend, über seiner Vorbereitung einer neuen Gesellschaft fast vergessend der Kannibalen vor seinen Thoren, strahlend in der Begeisterung seiner geschichtlichen Initiative! Und nun, gegenüber dieser neuen Welt in Paris, siehe die alte Welt in Versailles— diese Versammlung der Ghuls aller verstorbenen Nägimes, Legitimistcn und Orleaniste», gierig. vom Leichnam der Nation zu zehren— mit einem Schwanz vorsündfluthlicher Republikaner, die durch ihre Gegenwart der Versammlung der Sklavcnhaltcr-Rebcllion zustimmten, die Erhaltung ihrer parlamentarischen Republik von der Eitelkeit des bejahrten Pickelhärings an der Spitze der Regierung erhofften, und 1789 karrikirten durch Abhaltung ihrer gespensterhaften Versammlungen im stleu de Paurne(Ballspielhaus, wo die Nationalversammlung von 1789 ihre berühmten Beschlüsse faßte). Da war sie, diese Versammlung, die Vertreterin von allem, was abgestorben war in Frankreich, aufgestützt zur Positur scheinbaren Lebens durch Nichts als die Säbel der Generale von Louis Bonaparte. Paris ganz Wahrheit, Versailles ganz Lüge, und diese Lüge losgelassen durch den Mund von Thiers Thiers sagt einer Deputation der Bürgermeister des Seim und Oise-Departcments:„Sic können sich auf mein Wort ver lassen, das ich nie gebrochen habe!" Der Versammlung selbst sagt er, sie sei„die freiestgcwählte und liberalste Versammlung. die Frankreich je besessen;" seiner buntgemischten Soldateska, sie sei„die Bewunderung der Welt und die schönste Armee, die Frankreich je gehabt;" den Provinzen, das Bombardement von Paris sei ein Mährchen:„wenn einige Kanonenschüsse gefallen sind, so geschah das nicht durch die Versailler Armee, sondern durch einige Insurgenten, die glauben machen wollen, sie schlü gen sich, wo sie sich doch nirgends zu zeigen wagen." Dann wieder sagt er den Provinzen:„Die Artillerie von Versailles bombardirt Paris nicht, sie kanonirt es bloß." Dem Erzbischo' von Paris sagt er, die den Versailler» Truppen nacherzählten Erschießungen und Repressalien(!) seien lauter Lügen. Er verkündet an Paris, er beabsichtige nur„es von den scheußlichen Tyrannen zu befreien, die es bedrücken", und das Paris der Kommune sei in der That„nur eine Handvoll Verbrecher." Das Paris des Thiers war nicht das wirkliche Paris der „schoflen Menge", sondern ein Phantasie-Paris, das Paris der Francs-Filcurs, das Paris der Boulevards, männlich wie weib- lich, das reiche, das kapitalistische, das vergoldete, das faulen- zende Paris, das sich jetzt mit seinen Lakaien, seinen Hochstap- lern, seiner literarischen Zigeunerbande und seinen Cocotten in Versailles, Saint Denis, Rucil und Saint-Germain drängte; iür das der Bürgerkrieg nur ein angenehmes Zwischenspiel war; das den Kampf durchs Fernglas betrachtete, die Kanonenschüsse zählte, und bei seiner eignen Ehre und der seiner Huren schwor, das Schauspiel sei unendlich besser arrangirt, als es im Theater der Porte Saint Martin je gewesen. Die Gefallenen waren wirklich todt, das Geschrei der Verwundeten war kein bloßer Schein; und dann, wie welthistorisch war nicht die ganze Sache! Dies ist das Paris des Herrn Thiers, ganz wie die Emi- gration von Coblenz das Frankreich des Herrn von Calonne war.— (Fortsetzung folgt.) Zur Criuneruug für die deutschen Mordspatrioteu. 1806—1807. (Fortsetzung.)_ Erfurt wollte den Flüchtlingen, die schon am Schlachttage dort ankamen, die Thore sperren.„Ein unbekannt gebliebener General ließ sie indessen mit Gewalt öffnen, und bald füllte ich die Stadt mit Versprengten." Als die französische Ca- vallerie sich Erfurt näherte, floh die außerhalb der Stadt auf- gestellte Infanterie in dieselbe zurück; die preußische Cavallerie konnte gar nichts mehr leisten, und„von der ILpfündigen Batterie Neander, welche mit dem General Larisch nach Er- mrt marschirt war, wurde beim Rückzüge der Cavallerie in dem Gedränge über die schmale Gerabrücke eine Lkanone in's Wasser geworfen, und die Knechte der Munitionswagcn von den eigenen Cavalleristen verwundet, die Zugstränge zerhauen, daß Kanonen und Wagen verloren gingen." Es beginnen nun die schmählichen Kapitulationen von Festungen und Truppenkörpern, deren Seitenstücke, was mora- tische Verkommenheit, Feigheit, Kopflosigkeit der Kommandeure betrifft, in dein neuesten Kriege von den Franzosen nicht geliefert worden sind. Kapitulation Nr. 1.— Erfurt. Oct. 15/16. Kommandant war ein Major Prüschenk, ein„charaktcr- schwacher" Mensch, der jedoch weniger zu verdammen ist, als Besitz großen Einflusses auf das Volk durch ihren bekannten � die vielen Generale,„die weder Anstalten machten, die Truppen Muth und Charakter, oder auch durch bloße Tradition. Andrej ans der Festung herauszuziehen, noch sich zu vertheidigen" sind bloße Schreier, die, Jahrelang dieselben ständigen Dekla- Obgleich man bisher nur Kavallerie zu Gesicht bekommen hatte, der Petersbcrg sich auch„gegen einen regelmäßigen An- griff, wozu der Feind jedoch gar nicht vorbereitet war, hätte 19 Tage halten können," diktirte ein Jammerkerl, wie der Prinz von Oranien,„dem Major Lossau vom Generalstabe die Kapitulationspunkte in die Feder." Der Höchstkommandirende, Feldmarschall Möllendorf, hatte kurz vorher aus Entkräftung nach einem Blutauswurst.die Besinnung verloren";„10,000 Mann und sehr große Munilionsvorräthe fielen dem Feinde in die Hände." Auf der Flucht zankte sich bei Weißensee der General Graf Kalkreuth mit seinem Untergebenen, dem Prinzen August. Durch einen Blücher'schen Pfiff, dessen moralischer Werth von den Franzosen als mindestens zweideutig bezeichnet werden dürfte, drückten sich 12,000 Preußen bei der Avantgarde des Marschalls Soult vorüber. Die Hohenlohe'sche Armee war so vollständig zum Gesin- del geworden, daß am 16. in und bei Nordhausen die schwär- zestey oder auch die Weißesten Plünderungsscenen abgespielt wurden. „Die Untergebenen verspotteten die Befehle ihrer Ossi- ziere, und diese mußten, je höher hinauf, die desto dcmüthigcn- dere Erfahrung machen, daß das Reich ihrer ehemaligen Gewalt und Herrlichkeit zu Ende gehe, und daß sie, bei dem besten Willen und eifrigsten Bestreben, der guten Sache mehr Scha- den als Vortheil brachten, da sie weder auf der einen Seite Gehorsam und Ordnung zu erhalten vermochten, noch auf der anderen Seite im Stande waren, Befehle zu ertheilen, die wirklich zur Abhelfung der allgemeinen Roth und Bedräng- niß ans eine unbedingt zweckmäßige Weise hätten beitragen können." Am 17. schrieb Hohenlohe von Nordhausen an den König,„er hoffe auf diese Art bei dem Mangel an allen Lebensbedürfnissen hier für den Augenblick die Truppen vor Hunger zu schützen." Sein Plan sei, Alles nach Magdeburg marschiren zu lassen. Am 16. berichtet der Major Graf Dönhof von Weimar aus, wo sich Napoleon aufhielt, daß er„eine mündliche Unter- redung mit Napoleon gehabt, deren Resultat nicht günstig für die Wünsche Eurer Majestät ausgefallen ist." Napoleon behandelte nämlich den Hohenzollern'schen Bettelbrief, wie er es verdiente. Daß Napoleon die bei Jena gefangenen sächsischen Offiziere anbüllelinte sive anlog, wenn er ihnen sagte:„Ich habe nur die Waffen ergriffen, um die Unabhängigkeit Sachsens zu sichern" u. s. w. kann nicht überraschen. Dergleichen gehört zu dem Geschäfte eines irdischen Gottes der Heer- schaaren. Die preußische Reserve bei Halle verprügelt. Oct. 17. Der einfältige Herzog Eugen von Würtemberg war zu dumm, um den Sinn erhaltener Befehle zu verstehen; er konnte gerade nur durch chinesische Pünktlichkeit in ihrer Befolgung glänzen. Daher duselte er so lange bei Halle umher, bis er sich am 17. mit 11,000 Mann gegen 16,000 Franzosen im Gefecht befand. Die Preußen wurden in die Flucht geschlagen. Sie ver- lorcu„13 todte, 26 schwer verwundete(ohne die des Regi- ments Treskow, welches fast ganz vernichtet wurde) 74 gefan- gene Offiziere, circa 5000 Gemeine an Todten, Verwundeten, Gefangenen und Vermißten, 11 Geschütze(ohne die Regiments- Kanonen) und 4 Fahnen." Rückzug der preußischen Armee bis zur Elbe. Während die preußische Armee, vollständig zu bewaffnetem Gesindel geworden, kopflos landeinwärts flüchtete, sandte der König am 18. durch den italienischen Staatsracker Luchesini einen zwei- tcn Bettelbrief an Napoleon. Am 17. reisten die königlichen Kinder, am 18. die Königin und Prinzessinnen von Berlin ab; auch wurden sämmtliche Kostbarkeiten eingeschifft, um durch den Finowkanal die Oder und Stettin zu erreichen. Am 19. ging das Staatsministerium und das Oberkriegskollegium ebendahin ab. �„Die Bürgermiliz von Berlin war zur Aufrechthaltung der Ordnung organisirt und der Fürst Hatzfeld zum Civilgouver- »cur der Stadt gewählt und vom König bestätigt worden." Ter König selbst war am 18. von Magdeburg über Wollmirstädt, Rathenow, Oranienburg und Bernau nach Küstrin abgezogen. Den Kommandanten von Glogau, Breslau, Brieg, Kosel, Glatz, Neiße und Schweionitz war befohlen worden, ihre Festungen in Vertheidigungszustand zu setzen und über den Zustand derselben zu berichten. In verrätherischer Absicht verbot der Fürst Hätz- feld plötzlich am 19. die weitere Verpackung und Absendung der in Berlin befindlichen Bewaffnungsgegenstände. 100,000 Gewehre „zum großen Theil neuer Art" fielen hierdurch den Franzosen in die Hände. Der König befahl am 24. die Absetzung dieses Fürstenkcrls; der Befehl kam aber nicht mehr zur Ausführung — wohl auf Napoleon's Gegenbefehl. Die Kalkreuth'sche Kolonne wurde im deutschen Vaterlande durch unkundige Boten irregeführt und mußte im Harzgebirge Kanonen stecken lassen. Plünderungsgelüste machten sich in un- verblüniter Weise geltend. Kalkreuth selbst hatte sein Korps grade ini Augenblick der größten Gefahr verlassen,„wo es der Füh- rung am meisten bedurfte." Als er hörte, daß dem Fürsten Hohenlohe der Befehl über die ganze Armee übertragen wor- den, ließ er seiner frechen Widerhaarigkeit die Zügel schießen. „Ich bekümmere mich um nichts mehr. Hat der König dem Fürsten einmal das Kommando übergeben, so mag er auch sehen, was er an ihm hat"— sagte diese ächte allpreußische Seele. Eine saubere Gesellschaft, deren Vergleich mit den neuesten Ba- dinguet-Generalen doch immer noch zu Gunsten der Letzten aus- allen muß! In Quedlinburg hielt der Fürst am 18. eine Art Kriegs- rath, in dem dargcthan wurde, daß man aus strategischen Gründen nicht nach Magdeburg marschiren dürste.„Unter den jetzigen Umständen" beschloß der Fürst endlich, von einem Oberst Massenbach geleitet, dennoch nach Magdeburg zu geh», welches, wie sich sehr bald zeigte, von Verräthern be- ehligt war. Ungetrübter Blödsinn herrschte in diesen Pudel- witzigen Generalsköpfen. Der in Magdeburg herrschende, von dem Festungsgonverneur, General der Infanterie von Kleist, chnell großgezogene Wirrwarr war säuisch.„Wer Lust hatte, blieb in Magdeburg; wer nicht Lust hatte, lief über die Elbbrücke en fw " 13] ..? i>. i wieder hinaus."„Man erhielt weder Brod, noch Fourage, noch Munition, und die Idee des Sichcrseins, die bisher auf Mag- deburg geruht hatte, versetzte sich eben so schnell nach Stettin, so dah auch alle lose Haufen und einzelne Soldaten sich nach dorthin auf die Beine machten."„Die Unwillfährigkeit war so ' groß, daß der Fürst nur mit genauer Roth ein Quartier von zwei Stübchen erhielt, so daß die Masse der Befehle holenden Offiziere auf dem Flur und der Straße bleiben mußte, und daß er nicht mit Bestimmtheit erfahren konnte, wo die unter seinen Befehl getretenen Truppen zu finden seien." Ais auf Befehl des Fürsten Hohenlohe auf dem Glacis vor dem Sudenburger Thore ein Lager zur Aufnahme der Infanterie abgesteckt werden sollte, mußte man die dort massenweise ausge- fahrencn Wagen„mit der größten Barbarei" auseinander und forttreiben. Es wurde beschlossen, über Burg, Genthin, Rathenow, Ruppin, Zchdenick und Prenzlau nach Stettin zu marschiren, und der Aufbruch für den 21. angeordnet. Der Herzog Eugen von Würtemberg betrachtete sich als unnützen General, meldete sich als krank und ging sofort nach Stettin ab. Der sächsische Gene- ral Zeschwitz zeigte an, daß er mit den Preußen weiter nichts zu thun haben könnte. Gleich bei der Annäherung Murat's wurde in Groß-Wanz- lebe» ein Detaschement von Holtzcndorf-Kürassiren überfallen und zersprengt. Viele Versprengte, Bagage u. s. w.„scheinen in der Magdeburger Ebene noch in die Hände der Franzosen gefallen Zu sein." Zur Vertheidigung von Magdeburg waren 27 Bataillone und 372 Kavalleristen bestimmt worden. Schon am 20. Abends war dem General Beliard, der sich als Murat's Parlamentär meldete, erlaubt worden, mit unverbundencn Augen in die Festung zu kommen,„wodurch er Zeuge der darin herrschenden Verwirrung wurde." Auch hatten sich bereits mehrere verkleidete französische Offiziere in Magdeburg festgesetzt. Es war einige Male gelungen, kriegsgefangene Soldaten aus den Händen der sie eskortircnden Franzosen zu befreien. Unmöglich aber war es, die so Befreiten wieder zum Dienstthun zu bewegen. Sie nahmen Löhnung und Brod und liefen dann davon. Den Herzog von Weimar entband der König von Prcu- ßen seiner Dienstpflicht in einem„Küstriu den 24. Oktober 1800" datirten Brief, weil„der Kaiser Napoleon Ihre Rückkunft und die Abberufung Ihrer Jäger von meiner Armee binnen 24 Stun- den kategorisch verlangt hat." Er„ersucht ihn dringend, dem Verlangen des Kaisers Napoleon zu willfahren." Der Herzog .hielt jedoch„den Zeitpunkt nicht für schicklich, das Korps zu ver- lasten und ignorirte einstweilen den Empfang des Schreibens, so daß er selbst in seiner Meldung an den Fürsten Hohenlohe desselben in keiner Weise erwähnte."—„Die Verluste der Armee auf dem Rückzüge bis an die Elbe waren sehr groß; sie anzu- geben ist in Bezug auf die Mannschaften ganz unthunlich, da sie von den Verlusten in den vergangenen Schlachten und Gc- sichten nicht zu trennen sind. An Liniengeschützen gingen auf dem Rückzüge bis Magdeburg verloren 47 Stück, und 39 Ge- schütze blieben in der Festung zurück und fielen somit den Fran- zosen später in die Hände. Die Zahl der verlorenen Bataillons- geschütze war nicht zu ermitteln. (Fortsetzung folgt.) Ja. Bauer, das ist ganz was Anders! 1) Die Pariser Kommune hat sich gegen die aus freier(?) Volksabstimmung hervorgegangene Vcrsailler Nationalversomm- j lung erhoben.— Die Persailler Versammlung ist aus einer Revolut'on gegen das Kaiserreich hevorgegangcn. Das Kaiser- reich war aus freier(?) Volksabstimmung hervorgegangen.— Die Erhebung oer Kommune war ein verdammungswiirdigcs Verbrechen und die Revolution, ans der die Vcrsailler hervor- gingen—? Ja, Bauer, das ist ganz was Anders! 2) Die Pariser Kommune hat für alle französischen Städte i die gleiche Kommunalfreiheit, sür Paris den Verzicht auf seine ! Herrschaft in Frankreich, kurz die Freiheit des Volks, verlangt; i die Vcrsailler Versammlung hat die Unterdrückung der Repu- i blik, die Wiederherstellung des Königthums, die Rückkehr der Reaktion beabsichtigt. Das erstere war der wahnsinnigste ! Kommunismus, das rothe Gespenst— das Verabscheuungs- ! würdigste auf Erden— und das letztere? Ja, Bauer, das ist ganz was Anders? 3) Die Pariser Kommune hat Kunstwerke zerstört, die Ge- schösse der Versailler haben sie gleichfalls nicht geschont, die Deutschen schössen nach dem Straßburger Münster, verbrannten das Straßburger Theater, die Bibliothek u. s. w. Die 1 Pariser waren Barbaren— das Verfahren der Versailler � und Deutschen—?— Ja, Bauer, das ist ganz was Anders! ; � 4) Die Pariser Kommune hat sich bei der heldenmüthizen Vertheidigung ihrer gerechten Sache eine Anzahl öffentlicher Gebäude in Brand gesteckt. Die Versailler haben ganze Stadt- s chiile zusamniengeschosten. Die Pariser waren die größten i Schurken unter der Sonne, Mordbrenner, und das Verfahren i der Versailler— Ja, Bauer, das ist gauz was Anders! I 5) Die Pariser Kommune hat sich bei ihrer Kriegführung des Petroleums(?) bedient, die Versailler der Granaten, die Deutschen der Hohlgcschosse, die einen unlöschbaren Brandsatz "'hielten. Die Pariser waren Bestien, welche die Humani- tat mit Füßen traten, das Kriegführen der Vcrsailler und Deutschen—?— Ja, Bauer' das ist ganz was Anders! � v- Pariser Kommune hatte die Geißeln hingerichtet(?) : die Versailler haben vorher die Gefangenen gemordet und nach- i her die Gefangenen mit Mitrailleuscn von der Erde vertilgt, die Parisir waren die entsetzlichsten Mörder, das Morden j �er 53etfaiCleT? B a u er, d a s i st g ü n z w a s An d e r s! („Deutscher Demokrat".) 1 Der abtretende Präsident des Schweizer Bundesraths, Anderwert, eröffnete die Sommersission des Nationalraths | der Volksvertretung— mit einer längeren Rebe, aus der nnr nachstehende Stelle ausheben: die �''�'fktrachtiiilg wird mir durch die Zeitgeschichte aufgedrängt. -..Ich an die Btzudesrevistou anknüpfen möchte,-von vorneherein das 1 aJ! Ue Gepräge einer solchen Verbindung zngebend. Die soziale orage trat in der furchtbaren Katastrophe von Paris unverlennbar als hauptsächlich leitendes und antreibendes Element heraor. Trotz- dem daß die ungeheuerlichen Blut- und Brandorgien(der Versailler?) die Herzen aller gesitteten Menschen mit Abscheu und Ingrimm er- füllten und alle politischen Parteien ohne Ausnahme in der Verur- thcilnng der an der Menschheit und an den Errungenschaften und Monumenten der Civilisation(von den Versaillern?) begangenen Ver- brechen übereinstimmen, so muß man anderseits doch zugeben, dnst vorhandene Idee» nicht ans dem blostcn Wcge der Repression beseitigt werden können, und verschiedene Erscheinungen den- te» darauf hin, das; die soziale Frage ihren Entwickln»«»- gang weiter wandelt uiid mitunter selbst über unsere Mar- ken hinüber spielt. Glücklicherweise haben in der Schweiz die Gegensätze von Reich und Ann, von Kapital und Arbeit, nichts!) jene tiefe Kluft gezogen, geben die oberen Schichten der Gesellschaft nicht jenes anfreg'ende Beispiel von LuxnS, Corruption und erbarmungslosem Egoismus, sind die untern Klassen nicht mit jenem tödtlichen Hasse gegen die Bessergestellten erfüllt, wie all dies in andern Län- dern vorzukommen pflegt. Die Republik vermag zwar auch nicht Jedem das Glück und das Wohlbehagen zu verschassen, allein sie war doch von jeher bemüht, das Unglück und das Elend, welches aus der Arbeitslosigkeit, aus der Krankheit, aus dem Alter herkommt, zu mildern. Eine große Reihe von Creditinstituten, von Vorsichtskassen, von Versorgungs- und Krankenanstalten legen dafür Zeugniß ab. Es ist dieß aber nicht Alles, was geschehen kann. Der Staat soll nebstdem, daß er die körperliche und geistige Entwicklung der Unmündigen unter seinen besondern Schutz stellt, auf bessere und verstärkte Schulbildung aller Vokksklassen, auf vollständige Beseitigung aller der Hindernisse und Schranken, welche bisher der freien Bewegung und Ansiedlnng entgegenstanden und die Arbeit beeinträchtigten, hinsteuern, sowie die Versorgung und Unterstützung der Armen und Kranken auf Grund- lagen stellen, welche der jetzigen Gesellschaft und ihrer Eirknlation und nicht derjenigen verschwundener Zeiten angepaßt sind. Dein Ar- bciter soll, nachdem er seine Kräfte aiisgebranckt, alt und krank geworden ist, die Freiheit der Ansiedelung und eine inen- schtilwürdigc Existenz gesichert sc!», und derselbe nicht wie eine verdrießliche Last hin- und hergcschoben werden können. Wenn der Staat diese Garantien leistet, so darf er wohl das meiste Uebrige dem Sinne der Thätigkeit»nd Sparsamkeit, sowie der Freiheit der Selbst- bestimmung anheimstellen." Obgleich kleinbürgerlich beschränkt und nichts weniger als gerecht gegen die Männer der Kommune bildet dieses Urtheil des Schweizer Republikaners doch einen erquickenden Contrast zu dem wüsten Dcnunziationsgcschrei unsrer deutschen Knoio- nothing�)- und Reptilieitfonds-Presie, die in dem Schweiß ihres dcnkervolklichcn Angesichts Polizeidienste thut für das edle Brü- dcrpaar Bismarck-Sticber.— Dem Crimmitschauer„Bürger- und Bancrnfrcund"(Nr. 100) wird aus Dresden vorn 11. Juli geschrieben: „Mit nicht geringem Erstaunen hat man hier gehört, daß gegen den Redakteur Ihres„Bürger- und Bauernfrennd" we- gen des Abdrucks der„zehn Gebote im Reiche der Gottesfurcht und frommen Sitte" ans dein„Dresdner Volksboten" nicht nur Anklage erhoben, sondern er sogar deshalb in Hast ge- nommen worden ist, während hier unter den Augen der Dres- dcner Staatsanwaltschaft und Gcneralstaatsanwaltschaft die „zehn Gebote" erschienen sind, ohne daß, unseres Wissens we- nigstens, irgend etwas gegen die Redaktion des„Volksbotcn" geschehen wäre. „Es fehlt auch bei uns nicht an„gewiegten Kriminalisten", die dein Dresdener Blatte gern etwas am Zeuge flicken woll- ten, und doch verfolgt man nur den Abdruck in Zwickau? Da möchte man doch ausrufen:„Erkläre mir, Graf Oerindur, die- ses Räthsel der Natur." „Fast möchte man annehmen, es handle sich hier, um nicht zu sagen, um eine Rivalität, so doch um eine Imitation. Der Amtseifer im neuen„deutschen Reiche" treibt bei den eröffneten Carriereaussichtcn zu ganz besonderen Bestrebungen. Es fällt auch schwer, als Veilchen nur verborgen am Wege zn blühen. „Wenn unser„gewiegter Kriminalist", Herr Gcneralstaats- anmalt Schwarze, das große Kunststück möglich gemacht hat, in Dresden und Sachsen für einen gut konservativen Sachsen zu einer Zeit zn gelten, wo man noch nicht so sehr von den„Seg- nungen" des Reichs durchdrungen war, wie jetzt, gleichzeitig auf den Juristentagen die Rolle eines„liberalen" Juristen durchzu- führen, und endlich in Berlin als pmrsona grata(mohlgelittene Person) und als künftiges Mitglied des Reichsstrafgcrichtshofes zu gelten, und wenn diese Gewogenheit in Berlin jedenfalls wohlverdient war durch den Eifer, den Herrn Dr. Schwarze in dein in Berlin gern gesehenen Prozesse gegen Bebel und Liebknecht bcthätigt hat, warum sollte ihm auf diesem Wege nicht nachge- strebt werden? „Hat sich doch, wie Herr Dr. Schwarze mit seinem Korn- mcntar zum norddeittschen Strafgesetzbnchc und seiner daraus zu- fammengestrichencn Handansgabe, Herr Staatsanwalt Taube zu Zwickau auf literarischem Gebiete durch seine Westentaschenaus- gäbe des Reichsstrafgesctzbuches mit einem„Sachregister" bemcrklich gemacht. Warum sollte er nicht auch auf praktischein Gebiet jenes Muster nach Kräften imitiren? „Nimmt auch der Prozeß einen so unglücklichen Ausgang, wie der große Hochverrathsprozeß gegen Junghahn und Gen., der Dank für seinen Eifer wird ihm nicht ausbleiben. In gro- ßen Dingen muß der gute Wille schon genügen. Eine andere Frage freilich wäre, ob wirklich das große Verbrechen, das man zwar in Zwickau, aber nicht m Dresden in dem Artikel findet, danach angethan ist, eine Untersuchungshaft zu rechtfertigen? „Die Nichtverfolgung in Dresden rechtfertigt jedenfalls nicht die Vermuthung, daß Herr Hirsch deßwegen die Flucht zu crgrei- fen Anlaß habe, und die Entnahme aus einem andern Blatte schließt jede Besorgniß vor Verabredungen mit Zeugen>c. aus. Wozu also die Hast? „Die Art und Weise, wie man dort zuerst über Junghahn, dann über Stolle und Junghahn, jetzt wieder über Hirsch die UnterfuchlingShaft verhängt, fällt wenigstens hiesigen Juristen auf."_ Crimmitschau, 15. Juli. Die Abführung von Carl Hirsch nach Zwickau scheint darauf hinzudeuten, daß die Zwickauer Staatsanwaltschaft etwas„Großes" auß dein Prozeß zu machen gedenkt. Täuscht«sie sich hierin, wie zn erwarten, so hat Hirsch wenigstens eine Zeitlang in Untersuchung gesessen, ist seiner Thä- tigkeit entzogen worden, und das ist für ein staatsanwaltliches Gcmüth immerhin eine Genngthuung. Der Drucker Jung- Hahn hatte ja auch acht Wochen in Untersuchungshaft gesessen und wurde schließlich freigesprochen. Die Zwickancr Staats- anwaltschaft thut es einmal nicht ohne Verhaftung, mag die An- klage gegen unser Blatt noch so gering sein, Einer muß we- •) Nichtswisser. nigstens„brummen". Dieser Eifer gegen die Sozial-Demokra- tie verdient alle Anerkennung, und sicher ist das hier kursirende Gerücht nicht unbegründet, wonach ein Berliner Adlerorden(dri- ter oder vierter Klasse, mit oder ohne Eichenlaub, das wissen ivir nicht) sich in Kürze auf die Brust des Hrn. Staatsanwalts niederlassen soll(der strebsame Mann heißt beiläufig Taube). Dem Verdienste seine Krone. Die„Chemnitzer Nachrichten" ließen sich von einem hiesi- gen„liberalen" Reichsmamelnkeii mittheilen, die Druckerei des „Bürger- und Bauernfrenndcs" sei gleichfalls unter Siegel ge- legt. Das famose„Zwickauer Amtsblatt" druckte die Lüge, denn daS ist sie, sofort ab. Zweck dieser Lüge war offenbar, den ma- teriellen Stand des Blattes, resp. der Druckerei, möglichst schwer zn schädigen. Gegen die beiden Blätter wird eine Klage auf Verläumdung anhängig gemacht werden. Crimmitschau, 16. Juli. Karl Hirsch ist gestern gegen Erlegung von 200 Thaler Caution aus der Untersuchungshaft zu Zwickau entlassen worden. Also keine Aussicht aus einen Adlerorden! Braunschweig 15. Juli: Unsere Obcrstaatsanwaltschaft hat die Staatsanwaltschaft aufgefordert, in dem Prozeß gegen die Mitglieder des Ausschusses endlich zu entscheiden. Die Alien sollen aber sammt und sonders in Berlin lie- geiv*) und erst in einigen Wochen zurückerwartet werden. Ans der ganzen Prozeßgeschichte wird wahrscheinlich Nichts; aber so viel wir gehört, soll, sobald nur Einem der Angeklagten irgend beizukommen ist, derselbe verha fiel und ihm der Prozeß gemacht werden, wo es auch sei. Diese Anordnung ist uns gewiß nichts Neues, wir sind ja daran gewöhnt. (Die Leipziger Angeklagten, das sei hierzu bemerkt, waren am 13. und 14. d. M. nochmals vor Gericht zitirt, um über ihre Stellung zur Pariser Kommune„Aufklärung" zu geben. Nachdem diese erfolgt, wurde ihnen mitgetheilt, daß nunmehr die Untersuchung geschlossen sei.) Internationale Metallarbeiterschaft. Hannover, den 15. Juli. Da in letzerer Zeit, seit Abrechnung und Aiifsordening des Ausschusses in Nr. 38 des„Volksstaat" zu er- ncuter Thätigkeit nur einige Orte ihren Verpflichtungen»achgekommen uiid nur einige Anträge, die Generalversammlung betressend, eingelaufen sind, es somit dem Ausschuß unmöglich wird, eine Generalversammlung auszuschreiben,— fordert derselbe die Mitgliedschaslen auf, sich etwas rühriger in der Wahrnehmung unserer gemeinsame» Interessen zu zeigen. Als erfreuliches Zeichen des Erwachend lheiit der Ausschuß den Gewerk- ichaftcn mit, daß in Chemnitz und Großenh ayn Mitgliedschaften in der Gründung begrifjen sind. Möge dies ein Sporn siir die länger bistehcnde» sein, daß sie nicht hintlr den»eueren zurückzubleiben. I» Bertreff deö Vorschlags von Uork, betr. Gewcrksiinion, sind nur 2 Orte unserer Aussorderuug nachgekommen, so daß es nicht möglich ist, seitens des Ausschusses den Parteikongreß zu beschicke»; doch sind wir gern bereit, Vorschläge von demselben entgegegen zu nehme», sie zu prüfen und darüber abstimmen zu lassen. Nochmals fordern wir die Mitglieder, besonders die Beamte» zu regerer Thätigkeit auf, damit es niöglich werde, noch im Späthherbst eine Generalversammlung abzilhalte». Schließlich ersuchen wir alle Metallarbeiter, sich uns anzuschließen, neue Mitgliedschoften zu gründen und das Resullat Unterzeichnetem zu niiterbrciteu, damit wir mit vereinten Kräften das Ziel erreichen Vereinte Kraft, nur Großes schafft! Mit brüderlichem Gruß Der Ausschuß: S. Franke, Geschäftsführer. Ballhvfstraße 18. Internationale Gewerlsgenossenschast der Maurer, Zimmrer und verwandten Gewerkt. Dresden. In Folge der Zustimmung von Erfurt und da bis zu dem gesetzten Termine keinerlei Einwendungen von irgendwo eingegangen, daß der Borort in Dresden verbleiben soll, ward in der Hauptversammlung die Neuwahl des Ausichusses vorgenommen, nach- dem vorher dem Kassenbericht vom 1. Juni 1370 bis 31. Mai 1371 vorgetragen rnid genehmigt worden. Derselbe wird in Abschrift den Mitgliedschaften zugeschickt werden. Das Wahlergebnis, war Folgende«: Gabler zum Voisitzenden(Müller, Lconhardt und Mehlig haben ab- gelehnt); Zimmermann zu dessen Stellvertreter. Zu Schriflsührern waren Schulze, Büttner, Schmidt rmd Lohse vorgeschlagen, lehn- ten aber die Wahl ab, so daß man beschloß, die Wahl derselben zu vertage», um geeignete Persönlichkelten zu finden. Die Wahl des Stellvertreters resp.'Korrespondent siel wiederum auf de» Unterzeichneie». Schmidt ward zum Kassirer und Mhse zu dessen Stellvertreter ge- wählt, serner als Beisitzer, Freudenberg, Günzel und Büttner und zu Kontrolleuren Mehlig und Lconhardt. Der Anfsichts- ralh soll in der»üchlle» Hauptversammlung gewählt werden. Sollte eine Mitgliedschaft hiergegen etwas einzuwenden haben oder Vorschläge für die letztgenannte Wahl machen wollen, so bitten wir um baldigsie Nachricht iiiiler der Adresse: Gabler Zimmrer, Mathilden-Straße 13, 4 Treppen. In der Erwartung, daß mit dem neu angetretenen Vereinsjahre auch erneutes Leben in die Genossenschast komme, schließe ich mein Heutiges. Mit kameradschastliche» Gruß und Handschlag A. Wecke, Schriftführer. Hanau, den 13. Juli. Der Strite der Ciqarrenarbeiter dauert hier hartnäckig fort, trotzdem die Fabukanten keine Cigarren mehr aus Lager haben und die Geschästsreisenden sich dahin erklärt haben, daß die Fabrikanten den Lohnzuschlag gewähren lönnlc», sie würden von der Kundschaft eben so viel mehr erhalten und es würde ein Preis- ausschlag bei dem jetzigen günstigen Geschäftsgang bei den Kunden auf gar keine Schwierigkeiten stoße». Der Fabrikant Grobe erklärte unter Aiiderin, vor Wulh schäumend, er wolle lieber sterben(!!Wer hindert ihn daran?), als den Arbeitern eine Verbesserung ihres Lohnes um 8 Sgr. 3 Pf. pro Mille bewilligen. Derselbe Herr Grobe be- kleidete einige Tage später ein großes Ehre»-Amt, er war nämlich Mit- glied des Empfaugs-Komitee's für die heimtehrenden Krieger. Im sesllichen Ornate mit weißer Cravatte niarschirte er den heimkehrenden Kriegern voran. Und unter diesen heimkehrenden Kriegern befinden sich Männer, denen er den Bissen trocknes Brod nicht gönnte, es waren Reservisten, die Tags daraus, als sie entlassen waren, zu ihrer Berufs- thätigkeit zurückkehren wollte», zum Cigarrenmachen. Als sie erfuhren, wie schnöde diese Ehrenmänner mit ihren Kollegen verfahren waren, da erklärten sie, daß auch sie bei diesen Mordspatrioten die Arbeit nicht aufnehmen könnten. Unter den Strikenden befinden sich auch Wittwen gefallener Krieger,— wa« kümmer das Alles diese„Patrioten"? In Groß-Anheim befindet sich bei den Strikenden eine Wittwe mit 6 Kindern, mehrere mit 3 und 4 Kindern; eine Frau hat seil 13 Jahren einen kranken Mann, auch sie strikt mit. In Groß-Slein- heim war es ein Mädchen, Namens Mana Schleif, welche durch ihr ernstes Auftreten das-igual zum allgemeineil Aufbruch gab.— Unter- stützt diese Leute reichlich, helft schnell, damit sie nicht uniergehen I Es sino ihrer Viele, aber die Leute behelfen sich mit einem Stückchen Schwarzbrod. Schickt Geld ein, damit wir ihnen mindestens Das ge- währen können. Richter- Wandsbeck. *) Wahrscheinlich in Händen des„gewiegten Kriminalisten." „Diese verkommenen Franzosen": Die eminent in Prozent- Patriotismus und Franzosenfresserei machende„Kölner Zeitung" sieht sich gezwungen, folgendes Schreiben aus Paris abzudrucken: „Je berechtigter(?) in vieler Hinsicht die Klagen waren, die namentlich am Anfang des Krieges wahrend der Deutschenhetze gegen die Pariser geschleudert werden konnten, desto erfreulicher ist es auch — jetzt nach beendigtem Kampfe— einer Eigenschaft der hauptstädti- schen Bevölkerung volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, welche in dieser Art selten in einer Großstadt gefunden werden dürfte Ich meine die über alles Lob erbabene Ehrlichkeit, namentlich der unteren Klassen der Gesellschaft. Viele englische, deutsche, üst- reichische k. Familien, die bei Ausbruch des Krieges oder vor Beginn der Belagerung Paris zu verlassen genöthigt waren, finden jetzt bei der Rückkehr nicht nur ihre Mobilien unversehrt und unver- mindert vor; sondern auch ihre Holz- und Koblen-Vorräthe, ihr Wein- Lager in den Kellern, ihre Konserven und sonstige Lebensmittel, die sie bei der Abreise zurückgelassen, waren unberührt, trotz der Kälte, trotz des Hungers, trotz der unsäglichen Leiden, denen gar Viele in dieser Zeit ausgesetzt gewesen. Die Schlüssel zu Wohnungen und Kellern fanden sich während dessen unausgesetzt m der Hand der Conciergcs(Portiers), einer pekuniär nicht eben bevor- zugten Klasse; die Bewohner der verlassenen Quartiere konnten nach V— 10 Monaten ganz gut für verschollen gelten... und dennoch blieb das fremde Eigenthum in großartigster Weise rcspektirt. Dieser Zug ist wohl geeignet mit manchen anderen Eigenthümlichkeiten einiger- maßen(?) auszusöhnen, welche'den Aufenthalt in Paris gerade jetzt nicht eben zum angenehmsten machen, und die Gerechtigkeit gebot, da- von Notiz zu nehmen." Ein glänzenderes Zcugniß ist wohl nie einem Volk aus- gestellt worden und mit um so größerer Befriedigung nehmen wir es hin, als das Lob des deutschen Bourgeoisorgans vor- wiegend des Pariser Proletariat, die Kämpfer der Kommune trifft. Wir wünschten bloß, von der deutschen Kricgfüh- rung könne dasselbe gesagt werden, was hier der Feind den Pariser„Kommunisten" nachrühmen muß: sie habe„das fremde Eigenthum in großartigster Weise respektirt". Leider kann ihr dies aber von dem eifrigsten Bewundrer nicht nachgesagt werden. Daß die große Mehrzahl unserer Sol- daten„das fremde Eigenthum respektirt" hat, ist gewiß, allein ebenso gewiß ist, daß es nicht an Ausnahmen gefehlt hat und daß ausgedehnte und systematische Plünderungen vorgekommen sind. Wenn in dieser Beziehung ein Zweifel ob- walten könnte, so wurde er durch den sonderbaren Ausgang eines bayrischen Preßprozesses gehoben. Der Münchener„Volksbote" hatte nämlich vor einigen Monaten die vom„Volksstaat" gebrachte Mittheilung über die militärischen Geldsendungen aus und nach Frankreich während des Krieges abgedruckt und die Bemerkung daran geknüpst, daß eS mit dem Plus der Geldsendungen aus Frankreich eine eigen- thümliche Bewandtniß haben müsse, in Anbetracht des notorisch hohen Preises der Lebensmittel in Frankreich. Der„Volks- böte", dafür polizeilich zur Verantwortung gezogen, erbot sich, den Nachweis zu liefern, daß nicht bloß Geld und Werth- papiere französischem Privatbesch entfremdet worden sind, son- dern auch Schmuck, kostbare Kleiderstoffe u. s. w. Da in Baiern die Preßprozesse vor dem Schwurgerichte abgehandelt werden, so trug man doch höhererseits Bedenken, diese Dinge der Oeffentlichkeit zu übergeben und die Untersuchung gegen den„Volksboten" wurde niedergeschlagen— wie man sagt, auf Befehl von Berlin. Doch das ist gleichgültig.— Hierher gehört auch die in der„Pfälzer Zeitung" befindliche Notiz, daß in Heidelberg ein Preußischer Major wegen Aneignung fremden Eigenthums während des Krieges in Untersuchung gezogen wor- den ist. Es zeigt dies, daß man höheren Orts diese skanda- lösen Vorkoinmnisse nicht mehr vornehm ignoriren kann, wozu man Anfangs entschlossen schien. An festen Anhaltungspunkten für eine Untersuchung mangelt es wahrhaftig nicht! Mau höre nur unsere heimgekehrten Soldaten, die gar sonder- bare Tinge erzählen.— Man schreibt uns aus Hirschberg unterm 4. Juni:„Ein Re- servist, der mit in Frankreich war, erzählte mir, außer vielem Anderm:„Als wir bei Sartrouville in unmittelbarer Nähe des Feindes standen und 3 Stunden str afexerziren mußten, (warum? wissen wir nicht) kam Hauptmann von Sch. zu mir, nahm mir den Helm vom Kopf, und nachdein er denselben in der Innenseite betrachtet, sagte er zu einem Unteroffizier:„In einer halben Stunde komme ich wieder, und wenn dieLeute dann nicht schwitzen, exerzieren sie noch 2 Stunden nach!""— Ferner ist ihm von einem glaubwürdigen Käme- raden erzählt worden, daß bei einem Uebungsmarsche nach dem Friedensschlüsse ein Soldat aus Mnlkräftung im Chausseegraben zusammengesunken sei. Ein Hauptmann, der sich nach dem Vorfall erkundigt, habe hierauf gesagt:„Der Kerl wi-rd wohl zu viel gefressen haben!"— trotzdem die armen Soldaten mehrere Stunden lang Nichts genossen hatten!"— Verschiednes Maaß. Zur„Unterstützung" der 500,000 Landwehrleute und Reservisten hat der„Reichstag", wir wollten sagen die Reichs- oder Preußische Regierung 4 Millionen Thlr. ausgesetzt, d. h. 8 Thaler auf den Mann; zur„Dfotirung" von zwei Dutzend Generalen und„Staats- männern", llitto 4 Millionen, macht etwa 166,000 Thlr. auf den Mann; und zur„Dot-irung" Oes„einzigen" Bismarck, angeblich Eine Million— in Wirklichkeit d reimal so viel— macht drei Millionen auf den Mann. Woraus erhellt, daß Graf Bismarck nach dem Urlheil der Reichs- oder Preußischen Regierung, welche er selbst ist, alsonach seinem eigenen Unheil, ungefähr, achtzehn mal so viel werth ist, als ein gewöhnlicher„Staatsmann" oder General, und dreimal hundert fünf und siebzig tausend mal so viel werth, als ein„gemeiner" Landwehrmann oder Reservist.„Nur die Lumpe sind bescheiden", sagte der alte Göthe. Wenn wir von dem„genialen" und folglich eine Aus- nähme bildenden Bismarck absehen, wird sich nach obigen Ziffern das Verhältniß der„Gemeinen" zu den„Generalen" und„Staatsmännern" ziemlich genau so darstellen, wie bei Austheilung des eisernen Kreuzes das Verhältniß der Gemeinen zu den Ossizieren, so daß die Plötz-Roon'sche Methode auch hier unverkennbar ist. Und wohlgemerkt: die 8 Thlr. des„Ge- meinen" sind bloß geliehen, und müssen zurückbezahlt werden, wenn der„Gemeine" so glücklich ist, wieder auf die Füße zu kommen, während die 166,000 Thlr. der„Generale" und gewöhnlichen„Staatsmänner", so wie die 3 Millionen des außergewöhnlichen Staatsmanns geschenkt sind. Ueberdies geht man bei Verabreichung der„Unterstützung" so knickerig zu Werk, daß die 8 Thlr. noch wesentlich zusam- menschrumpfen. Die Berliner Landwehrleute und Reservisten wissen ein Liedchen davon zu singen. Der Brandenburger Provinziallandtag— bekanntlich haben die Provinziallandtage die Disposition über den Unterstützungsfonds— hat ihnen 65,000 Thlr. zugewiesen. Nun beläuft sich die Zahl der Ber- liner Reservisten und Landwehrleute auf 25,000, darunter 15,000 Berheirathete— der Mann empfängt demnach durch- schnittlich zwei Thaler achtzehn Silbergroschen. Nicht genug für den Leierkasten!— Bekanntlich hat die sogenannte„D e u t sch e F lo t t e" während des Kriegs gerade so viel Dienste geleistet, wie ein Kachelofen an einem glühenden Junitag: statt unsere Küsten zu schützen, hatte sie selber den Schutz der befestigten Küste zu suchen, um nicht von den Franzosen zu einer unfreiwilligen Spazierfahrt nach Brest genöthigt zu werden. Nun kostet aber die„Deutsche Flotte" viele Millionen, und trotz der„fünf Milliarden" sind wir doch schwerlich reich genug, unser Geld haufenweise ins Wasser zu werfen. Namentlich haben wir da ein entsetzlich kostspieliges Stück Niöbel den„Wilhelm", ein Widderschiff, zum Wändeeinrennen bestimmt, und unzweifelhaft auch ganz gut dazu geeignet, wenn er nur an die feindlichen Schiffe heran- könnte. Allein das Ungethüm ist, neben sonstigen schlechten Eigen- schaften, so schwerfällig, daß es sich nur bei heiterem Himmel dem offenen Meer anvertrauen darf und auch dann nur unter sichtlicher Lebensgefahr der bedaucrnswerthen Mannschaft. Bis vor Kurzem gab es, und zwar in England, zwei genau nach demselben Muster gebaute Eisen- und Holz-Monstra, von diesen ist aber neulich das eine bei heitrem Wetter mit Mann und Maus untergegangen, und das zweite vor einigen Tagen bei leichtem Wind in einen so jämmerlichen Zustand gekommen, daß es von der Mannschaft verlassen werden mußte. Wir dächten, nach solchen Erfahrungen wäre es eine Todsünde, das Leben von nahezu tausend unsrer Matrosen und Marinesoldaten in einem so unsicheren Fahrzeug, wie dem„Wilhelm" aufs Spiel zu setzen. Je eher das sinn- und zwecklose Möbel in Stücke geschlagen wird, desto besser. Es frißt unser Geld, nützt nichts und kann blos schaden.— Folgende„vaterlandslose" Kritik des preußischen„Jntelli genzstaats" hat sich in die nationalliberale„Magdeburger Zeitung' verirrt: „Am schwersten hat unter der allgemeinen Geldknappheit des preußischen Staatshaushaltes das UuterrichtSWesen gelitten. Wenn die Verhältnisse so, wie sie sich in den letzten Jahren bei einem sich fast gleich bleibenden oder nur um unbedeutende Summen erhöh- ien Etat gestaltet haben, in Preußen noch eine Weile fortdauerten, fo wäre in vcr That die Wissenschaft und die Bildung des Volkes in gröfzter Gefahr. Unsere preußischen Universitäten gehen im Vergleiche zu denen der anderen deutschen Staaten ficht- lich zurück; der klassifchc Beleg dafür ist die Thatsache, daß Leipzig in neuester Zeit mehr Studirende gewonnen hat als Berlin. In Preußen begnügt man sich damit, dann und wann zur Befriedigung der össentlichcn Meinung einen berühmten Naturforscher zu berufen, und läßt dafür die ungeheuere Mehrzahl der Professoren info kläglichen Gehaks- Verhältnissen, daß es z» bewundern ist, wenn der traurige Tod des berühmten Psychologen Benecke nicht bereits zahlreiche Nach- ahinnng gefunden hat. Eg laßt sich»achweisen, daß das Durchschnitts- Gehalt der prcußischenProfessorenhelitcnm einigeHundertTha- ler geringer steht, als im Jahre 1815. Dabei sind die anderweitigen Hülfsquellen, welche den Doccnten früher sich össneien, heute wesentlich beschränkt. Es giebt keilte Zwangskollegia mehr und der materialistische Zug der Zeit verführt den Studenten leider mehr und mehr dazu, »ur die Vorlesungen zu hören, welche zu seinem Brodstudium schlechter- dings»othwendig sind. Die Doktorpromotionen haben in einzelnen Fakultäten ihren Werth verloren und werde» seltener. Wenn es nicht, dem Himmel sei Dank, in Deutschland noch immer ideale Naturen gäbe, die sich der Wissenschaft zu Liebe durchhungern, bis ihr Haar grau geworden ist, wie sollte dann wohl noch irgcitd Jemand dazu kommen, Docent an einer Universität zu werden? Er kann vielleicht, wie der berühmte Sprachforscher Heys e, es am Abend seines Lebens ans 800 Thaler Gehalt bringen. Es kann aber auch kommen, daß er es trotz aller Verdienste nie dazu bringt, wenn nicht der Zufall einer aus- wärtigen Berufung den preußischen Cultus-Minister zwingt, ihm eine Zulage anzubieten." Natürlich wird's nicht besser, so lange das System Stieber- Bismarck- Blühler herrscht. Der Militär- und Polizeistaat muß den Jntelligenzstaat todt machen.— So will es die un- crbittliche„Logik der Thatsachen."— In vorvoriger Nummer war die Rede von einem L ötzener Richter, welcher aus Anlaß eines Freundschaftsbesuchs bei dem s. Z. in Lützen internirt gewesenen Johann Jacoby in Disziplinar- Untersuchung gezogen worden sei. Besagter Richter Braun giebt nun in den Zeitungen eine Erklärung ab, wonach die Disziplinar-Untersuchung nicht aus Anlaß jenes Besuches bei Jacoby eingeleitet worden ist, sondern in Folge einer„Besprechung", die Broun„während des verflossenen Krieges als Vorsitzender des Lötzener Kreis-Vereins zur Unter- stützung der im Felde stehenden Krieger mit dem Vertreter des Landrathsamt geführt hat, und welche die von Letzterm an- geregte Gründung eines zweiten derartigen Vereins betroffen hat." Dadurch wird aber die von uns angestellte Betrachtung über die gesetzlich unsichere Stellung der Richter nicht nur nicht alterirt, sondern sie erhält sogar noch eine stärkere Stütze durch die vorliegende Berichtigung. Denn sich mit einem andern königlichen Beamten über ein Wohlthätigkeits-Jnstitut pro und contra zu besprechen, ist für einen Richter doch gewiß nicht so „gravirend", als der Besuch bei einem Demokraten!— Auch Beust glaubt nicht an den Frieden. Vor ein paar Tagen zwar hatte er Alles im rosigen Licht gesehen, aber am Donnerstag erklärte er in der Reichsrathsdelegation: Oestreich brauche in Anbetracht der politischen Verhältnisse nothwendig 800,000 Soldaten, denn„es dürfe keinen unglücklichen Krieg mehr führen, wenn es einmal zum Krieg gezwungen würde." Somit erwartet Herr Beust, Oestreich„werde zum Krieg ge- zwungen werden." Zunächst begnügt er sich mit dem„Krieg gegen den inneren Feind," und wird derselbe mit solchem„Er- folg" geführt, daß sämmtliche liberalen Elemente, das Bür- gerlhum wie die Arbeiterklasse, im Untergang Oestreichs ihr einziges Heil sehn. Von Bismarck wird unter solchen Umständen Oestreich ge- wiß nicht„zum Krieg gezwungen werden", er kann ruhig warten, bis ihm Herr Beust und Hohenwart die Birnen in den Schooß schütteln. Apropos, wenn einmal die Papiere der Berliner Wilhelmsstraße gleich denen der Tuilerien durch irgend einen Zufall veröffentlicht werden— sollte es uns nicht im Mindesten wundern, fänden sich auf der Liste der geheimen Fonds die Namen der Giskra, Hohenwart, Beust. Und das sagen wir in vollem Ernst. Denn daß die Genannten, sammt Helfershelfern, unbewußt pour le ßoi de Prusse und für Bismarck arbeiten, kann bei dem Methodischen ihres Hau- delns nicht wohl angenommen werden.— In der demnächstigen römischen Bannbulle wird wahr- scheinlich auch die Internationale die Ehre haben, unter ■h den„Verfluchten" zu figuriren. In einer Anrede an eine schweizerische Deputation sagte nämlich der Papst neulich Folgendes: Ihre Regierung, welche republikanisch ist, glaubt dem, was man die Freiheit nennt, ein schweres Opfer bringen zu müssen; sie giebt vielen schlimmen Individuen aus allen Ländern Asyl. Sie baben bei sich jene Sekte der Internationalen, welche Europa und die Welt behandeln möchte, wie sie Paris behandelt hat. Diese Herren der Internationalen, welche keine Herren(Nessienrz) sind, sind zu fürchten, weil sie auf Rechnung des ewigen Feindes Gottes und der Menschheit arbeiten. Was kann man dabei gewinnen, sie zu be- schützen? Man muß beten kür sie, und viele Arme, welche mit fort- gerissen werden, werden zurückkehren zur Kirche, welche die Mutter aller Unglücklichen und die Zuflucht der reuigen Sünder ist." Die Berliner„Volkszeitung" ist so freundlich, die Berta-! gung unsres Kongresses in folgender Form mitzutheilen: „Der sozial-demokratische Kongreß, welcher vom 15.— 17. Juli in Dresden tagen sollte, ist von den Herren Bebel und Liebknecht(!) vor- läufig aus„lokalen Gründen" auf 4 Wochen hinausgeschoben wor- den. Dieser Kongreß wird in Folge der Haltung der säch- lißchen Staatsregierung vielleicht gar nicht stattfinden."' Der Schlußsatz erinnert uns an das englische Sprüchwort:' „The\vish is the father of the thought". Auf Deutsch:- man glaubt, was man wünscht. Jedenfalls weiß die säch-s fische Regierung, wenn es ihr Spaß machen sollte, den Kongreß- zu verbieten, daß sie auf den Beifall der Berliner„Volkszeitung"! rechnen kann.— „Realpolitik". Die hiesige„Deutsche Allgemeine Zeitung", vom 14. d. bringt an der Spitze einen, wesentlich nach Hrn. Bie-! dermanns Vorschlägen vom deutscheir Journalistentag ausgearbei-,! teten Preßgesetz-Entwurf zur Sicherung der Preßfreih cit/). und am Schluß einen Angst- und Tenunziationsartikel aus i Chemnitz, der, wenn auch verblümt, doch mit nicht mißzuverste-! f hender Deutlichkeit zu einem Kreuzzug gegen die„sozialistischen Bewegungen und Agitationsmittel", zu welch' letzteren na> türlich obenan die Presse gehört, auffordern. Also vorn Prem l freiheit in der Theorie, hinten Preßkncbelung in der Praxis) i Kann der Nationalliberalismus eine amüsantere Selbstpersiflage l und eine beißendere Selbstkritik üben?— Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die„Allgemeine Zeitung", gleich der gan- l zen liberalen Presse(mit sehr wenigen Ausnahmen) seit Mona- t ten in jeder Nummer unsere Partei den Behörden denunzirh und daß sie sich durch Enthaltung von jeder Kritik der Unter- t drückungsmaßregeln, die unsere Partei in Sachsen betroffen haben, mit diesen Maßregeln einverstanden erklärt hat. London, 20. Juli. In der letzten Wochenversammlunz des Generalraths der Internationalen Arbeiter-Assoziation wa- ren mehrere Pariser Flüchtlinge als Gäste zugegen, darunter Serailler, Mitglied der Kommune, Tibaldi, der Freund Orsini's, SavioundRosalowski, Adjutanten Dombrowski's, und Rovart, Direktor des Telegraphenwesens unter der Kommune. •) Freilich eine contradictio in adjecto,(ein widerspruchsvolles, unsinniges Beginnen), da Preßfreiheit und Preßgesetz Begrisse sind, di! einander ausschließen, und jedes Preßgesetz ecn Attentat aus die Preß- freiheit ist. n Jutcrnationale Gewerkschaft der Holzarbeiter. � Die Mitgliedschaften werden hierdurch nochmals dringend ausge- s fordert, schleunigst die fälligen Abrechnungen pro 2. Quartal, sorgsal- tig ausgefertigt, einzusenden, damit mit der Abrechnung der Hauptkasse. zugleich ein möglichst eingehender statistischer Bericht über den Stand der Gewerkschaft und des Unterstützungs- Bunds angefertigt werden kann. Bis dato sind überhaupt erst von Stade und Magdeburg Abs rechnuugen eingegangen. Wiederholt wird daraus hingewiesen, da? für jedes M.tglied der Unterstützungs-Kasse 2'/- Gr. Ertrasteuer sälliz. ssnd. Der Betrag ist nöthigenfalls zunächst durch die Ortskasse zu ver- auslagen. Zugleich bemerke ich, daß ich bei meiner Anwesenheit zur Gewerk- schaftskonferenz beabsichtige, Gewerkschafts-Versammlungen der sächsischen und nächstgelegenen Mitgliedschaften abzuhalten, worüber nunmehr das Nähere brieflich vereinbart werden wird. Hamburg._ Th. Z) o r ck, Schulzweg unter Nr. 23. I Briefkasten des Parteikassirers. W. M. in Hainichen 1 Thlr. erh., Fi L. E. in Lunzenau 2 Thlr. erh., F. T. in Wieda i/H. 1 Thlr. erh., wird� besorgt. F. M. in Berlin 5 Thlr. 16 gr. erh., H. S. in Jena 5 Thlr.- für die Partei erhalten.' Burckhardt. der Erpedition.„— z. Ulm": Senden Sie Ihre Adresse, von uns brauchen Sie nichts zu fürchten. I. B. H. 16 Thlr. erhalten. F. Breslau: K. Spandau: Briefe erh. Sch. Zwickau: 9 Thlr. 16 Gr.! für Abo», erhalten. Sorge, Hoboken: 34 Thlr. für Abonnem. 1 Thlr. für„Unsere Ziele", 4 Thlr. Ueberschuß aus dem Verkauf von Schris-: ten, Ist, Thlr. Rest der Sammlung für die Hochverräther und den Bolksstaat, zus. 40 Thlr. 15 Gr. erhalten. Brief und Mehrbestellung abgeg. W. in H.-E.: 6 Gr. Schröder in Z.: Geben Sie die übrigen Exenipl. an D. ab. B. in Zürich: Die Adresse des Generalraths wirb als Broschüre erscheinen, welche ich Ihnen dann sende. der Redaktion. R. in PI.: lieber eingegangene Korrespondenzen wird nur selten, über Gelder �dagegen stets quittirt. Quittung für Krzbo.- Abonnement erhielten Sie(wie uns die Expedition mittheill), brieflich. crichtigung. Lohnfuhrherr Bretschne ider erklärt, daß daS ei Laudwehrleuten unterzeichnete„Eingesandt" vom 10. Juli' frttnoif oü»k\»t oiiS Kn«* />o'' Berichtigung. von zwei Landwehrl.».�........ in Nr. 56 d. Bl., soweit es ihn betreffe, vollständig aus der Luft ge-I griffen sei, indem derselbe an dem betreffenden Sonntag gar nicht im „Apollosaal" gewesen sein will._ 1 Für Leipzig. Sozialdemokratifchcr Arbeiterverein. Donnerstag, den 20. Juli, Abends v,9 Uhr: Versammlung im Saale der„goldenen Säge", Ecke der Dresdener- u. Langenstraße.- Tagesordnung: Sozialpolitischer Wochenbericht.(Ref. Muth.) Fragekasten. Von Anfang nächsten Monats au finden die Sitzungen nichss mehr wie bisher Donnerstags, sondern Freitag s im selben Lokale statt.? __ Der Vorstand. Für Leipzig. Gewerksgeitossenschaft der Holzarbeiter. Generalversammlung, Sonnabend den 22. Juli, Abends, 3 Uhr in der Restauration von Götze, Nikolaistraße 51. Tagesord- nung: Neuwahl des Ausschusses. Berathung, ob ein Delegirter nach' Dresden geschlckt werden soll und Wahl dieses Delegirten.' Das Er-l scheinen aller Mitglieder ist unbedingt nothwendig._ 1 Für Hamburg. Sozial-Semokratischcr Arbeiterverein. Versammlung am Sonnabend, den 22. Juti, Abends 9 Uhr, bel Herrn Eberhahn, Zeughausmarkt 31. Tagesordnung: 2. Vortrag von Geib: der Juuikampf 1848 zu Paris- Gäste haben Zmritt._ August Geib. Z u r B c a d) t u u g. Meine Adresse ist jetzt: Theodor Aorck, Hai Schulzweg unter Nr. 23._ Georg, Leipzig: Veraniw.Redakteur A. Hep»er(Redakrc Druck u. Verlag: F. Thiele.(Expedition: Pecersstr. 18.) S de eil B V th wi ri< tei je! eil S w« iu die i.ndi