M 66. Mittwoch, de« 16. August. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, Petersstraße 18, F.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AbotlnementSpreiS: Für Preußen incl. Stempel- fteuer ISNgr., für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Filialerp editior� für die Ber- einigten Staaten: ?. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork. Organ der sozial-demokratischen Arbeiterpartei»nd der Internationalen Gewerksgenossenschasten. Politische Uebersicht. Der„Prozeß" der gefangenen Kommunemitglie- der ist eine juristische Massakre, ebenso brutal-feig, mit ebenso zynischer Verachtung von Recht und Menschlichkeit be- gangen, wie die militärische Massakre, welche vor dritt- halb Monaten von derselben Mordbrennerbande in Szene ge- setzt worden. Wir theilen heut folgende, der„Frankfurter Zeitung" entnommene, Auszüge aus der sogenannten„Anklage- schüft" mit. Obgleich wesentlich gemildert und abgeschwächt, so lassen diese Auszüge doch zur Genüge den niederträchtigen Charakter des Originals erkennen, das einen servilen und un- wissenden Anonymus�) zum Verfasser und notorische Monchard- Fälschungen und Lügen zur Grundlage hat. Bezeichnend für das Machwerk und seine Urheber ist die Thatsache, daß es, bevor noch die Angeklagten Kenntniß davon hatten, lm„F ig a r o" veröffentlicht worden war. Dieses bonapartistisch- legitimistisch- orleanistische Schandblatt ist also zum„Moni- teur" der„Ordnungspartei" avancirt— was beidenTheilen i» gleicher Ehre gereicht. Das Aktenstück zerfällt in zwei Ab- schnitte: Die allgemeine Anklageschrift und in die daran sich anschließenden Details über die einzelnen Angeklagten. Elftere lautet im Auszug: Die Bewegung, deren Führer jetzt vor Gericht stehen, ist in ihrem Ur- sprunge auf die Umtriebe der revolutionären Partei unter dem Kaiserreich iurülkzusuhren. Diez» Ende desJahres 18ü4inLondon gegründeteJnter- ternationale hatte schon zu Anfang 1865 in Paris eiiien ihrer thätig- sten Mittelpunkte. Unter dem Borwande, nur auf Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen bedacht zu sein, bedrohte sie die ganze AeseUschaslliche Ordnung, zog die Unterstützungsgenossenschasten in ihre Netze, mischte sich in die Arbeitseinstellungen, die sie in den meisten Fällen selbst herbeiführte und betrat endlich so ossen das politische Ge- ,'Ü daß schon 1868 und dann 1870 gerichtliche Verfolgungen gegen wre Führer eingeleitet werden mußte». In der Presse, so in dem »Progräs du Locle", in der belgischen„Internationale", dann im ..Eourrier fran�ais", im„Röveii", in der„Marseillaise", in der„Voir de l'Aoenir" wurde offen die soziale Revolution gepreoigt. Die Ereig- "Nie vom 4. September konnten diese Partei nicht befriedigen: sie blieb die entschiedene Feindin der Regierung und erhob in den Bedrängnis len der Belagerung immer lauter ihren Ruf nach einem Massenaus lall und nach der Kommune. Am 31. Oktober und am 22. Januar wurden chre Schilderhebungen noch glücklich vereitelt: ihre Organisa- i>on machte aber, Dank den Fäden, welche ihnen die Vertheilung der Nationalgarde nach Quartieren und der Dienst derselben in die Hand gab, gewaltige Fortschritte, und bald konnte man die Bataillone imVoraus bezeichnen, welche ihr eintretenden Falls zur Verfügung stehen würden. Der niederschlagende Eindruck der Kapitulation vom 28. Januar, das Geschrei von Verrath, von der Nothwendigkeit, daß das Volk selbst lerne Geschäfte besorge, kamen ihren Umtrieben aufs Reue zu Hülfe; gleichzeitig ließ eine Stipulation des Waffenstillstands der Regierung nur eine ganz unzulängliche reguläre Trnppenmacht, während die Na- nonalgarde keiner Eutwafsnuug unterzogen wurde. Jndeß in Bordeaux die Grundlagen zu einer neuen und wahrhaft nationalen Regierung gelegt werden, macht die Anarchie in Paris immer traurigere Fort- schritte. Am 15. Februarchird in Vaur-Hall eine Versammlung von Dele- girten der Nationalgaroe abgehalten und eine Kommission ernannt, welche die provisorischen Statuten eines Eentralkomitees ausarbeiten soll. Am 24. Februar werden diese Statuten, in denen es u. A. heißt, daß die Nationalgarde sortan die permanenten Armeen ersetzen soll, die stets nur Weikzeug des Despotismus gewesen seien, votirt und das Eentralkomitee gegründet. Gleichzeitig erklärte die Versammlung, daß die Naiionalgarde sich jedem Enlwafsnungsver suche mit Gewalt wider- setzen, daß sie den Preußen den Eintritt in die Stadt verwehren und «eine anderen Führer anerkennen werde, als diejenigen, welche sie sich selber giebt. Am 27. Februar wurde unter dem Borwande, sie vor de» Preußen zu retten, eine große Anzahl von Geschützen aus dem Depot der Avenue Wagram einführt und aus den Monmartre gebracht. «in 28. Januar fordert das Eentralkomitee die Nationalgarde aus, sich dem Einrücken der Preußen nicht zu widersetzen, und am 4. März zeigt Jß schon au, daß es den Auftrag erhalten habe,„die republikanische Föderation der Ätationalgarde" zu gründen. Diese letztere, welche nun w der Rue de la Corderie ihren Sitz nahm, war nichts anderes als dle Internationale selber, die nun das Heft in Händen hat und von den Höhen des Montmartre die Stadt bedroht. Am 8. und 11. wird s" Versammlungen die Lehre verkündet, daß die Republik über jeder Diskussion stehe, und mit den Wassen in der Hand gegen Diejenigen, b>e si« konfisziren möchten, vertheidigt werden müsse.(Allerdings ein lbdeswürdiges Verbrechen in denAugen der royalistischen Verschwörer!) Am lo.März traten Jourdc, Färat, Arnold, Lisbonne, AssiundBillioray.angeb- "ch durch Illusionen verleitet, in das Eeulralkomilee ein, welches nun alle Gewallen i» sich vereinigt und sich durch den Zuzug fremder Abenteu- ber aus aller Herren Länder verstärkt. So kommt der 18. März heran. Die Langmuth der Regierung ist erschöpft, und sie muß eutschei- bende Schrille unternehmen. Ihre Truppen uehmen allerdings schon "m frühen Morgen alle Positionen der Anarchisten; aber die Herbei- suhrung der Bespannungen für 250 Geschütze, welche vom Montmartre "ach der Stadt herabgeholt werden sollen, verzögert sich; inzwischen greisen die Bataillone von Montmartre und Belleoille zu den Massen, «Leiber und Kinder gesellen sich zu ihnen und alle zusammen verleiten vre Soldaten zu einem schmählichen Absall. Die Födenrten gelangen wieder in den Besitz der Kanonen, indeß der größere Theil der Trup- Pen sich in guier Ordnung nach dem linken Seine-Ufer zurückzog, wo bie Regierung noch(im Aiinisterium des Aeußern) ihren Sitz halte. Die Anklageschrift erzählt dann die Ermordung der Generale Cle- ment Thomas und Lecomte, die weiteren Fortschritte der Emeute, welche sich noch in der Nacht vom 18. auf den 19. des Vendümeplatzes, des Ehateau d'Eau, der Ministerien und des Stadthauses bemächtigte, wahrend die Regierung sich Hals über Kopf nach Versailles zurückzog, nachdem sie 0 Stunden lang vergebens auf den Beistand des konser- vativen Theils der Nationataardc gewartet hatte. Spätere Versuche «nerVersöynung wurden durch dasBluibadi!> vomBendomeplatze(22. März) dereitelt; der Admiral Saisset gab das Kommando der Nalionalgarde auf uno die Ereignisse nahmen ihren Laus. Das Centralkomilee ließ °m 2g. die Geinelndewahlen vollziehen, und am 28. ließ sich die revo- luiionäre Kommune von Pari« feierlich im Stadthause nieder; in Wahr- h°>t aber blieb das Eentralkomitee auch noch ferner die Seele der Be- wegung. Die nun folgenden Akte des ueuen Regiments, in sich voller Widersprüche und jedes leitenden Gedankens baar.!), haben nur eine ver- .'*) Der als Autor Abgeschobene Person. genannte Kapitän Grimel ist natürlich eine wegene Mißachtung aller Rechte mit einander gemein; in sklavischer Nachahmung von 1793 hat man den Wohlfahrtsausschuß, das Gesetz gegen die Verdächtigen, das Revolutionstribunal, die Versetzung der im Feld? unglücklichen Kommandanten in Anklagezustand und schließlich. die Ermordung der Geiseln nach dem Muster der Septembermorde. In der Provinz waren hie und da, so in Lyon, Marseille, Limoges unll Saint-Etienne Zuckungen zu verspüren, die aber ohne Tragweite blieben. Am 2. April begannen die militärischen Operationen gegen Paris, die bis zum 28. Mai fortdauern sollten. Der Oberarzt der Armee, welcher einen letzten Versöhnungsversuch unternimmt, wird von den Jnsurgen- tcn schmählich umgebracht(I). Die Habe der Mitglieder der Regierung wird sequestrirt, das Haus des Herrn Thiers der Vernichtung geweiht, die Vendömesäule umgestürzt. Geiseln werden abgeholt, mit Vorliebe aus den Kreisen der Diener der katholischen Kirche; die Güter der Geist- lichkeit werden konfiszirt, die Kirchen geplündert, geschlossen oder in Klubs umgewandelt; aus den Grüften werden Gebeine ausgegraben und als Zeugen erdichteterj?) Verbrechen angerufen; das Hausrecht und das Eigenthum weiden stündlich verletzt(I). Inzwischen macht die Armee stetige Fortschritte, ani 2l. Mai wird„Dank dem Feuer einer furcht- baren Artillerie"(die Anklageschrift weiß nichts von dem patriotischen Bubenstück des Herrn Ducatel und den internationalen Gefälligkeiten der Preußen) das Thor von St. Eloud bezwungen und die Armee rückt mit einem Sprunge(!) bis aus die Höhen des Trocadero vor. Es folgt nun die Geschichte der angeblichen, angeblich unter persönlicher Leitung Raoul Rigault'SvorgeuommenenErmordungder Geiseln, welche die Anklageschrift ausführlich erzählt, ohne indeß etwas Neues beizubringen, und endlich jene Reihe von Brandstiftiingen, welcher unzweifelhaft(!) ein Gesammtplan zu Grunde gelegen hätte, wie dies aus folgendeu vier(!) bei den Akten be- findlichcn Schriftstücken hervorgehe: 1)„Bürger Lucay! Lassen Sie sofort das Finanzministerium in Flammen ausgehen und kommen Sie dann wieder zu uns. 4. Prairial des Jahres 79. Th. Fcrrö." 2)„Stecken Sie das Quartier der Börse in Brand; haben Sie keine Furcht! Oberstlieutenant Parent." 3)„Bürger! Ziehet eine Scheidelinie zwischen Euch und den Versaillern! Brennt und sengt Alles, was gegen Euch ist! Keine Rast, keine Muthlosigkeit! Das eilste Arrondissement wird Euch zu Hilfe eilen, sobald Ihr bedrobt seid. Much! Wenn Ihr handelt, wird die Republik in 43 Stunden gerettet sein." Für das Komitä der 11. Legion: David. 4) lJ" den Papieren eines gewissen Franyois vorgefunden.)„Wir verlassen mit Ferrö, Mitglied der Kommune, die Präfektur, nachdem wir sie in Brand gesteckt haben und ziehen uns auf die Maine des 11. Arrondissemeilts zurück." Petroleum wurde von allen Händlern requirirl und Brandstifter zogen mit demselben und mit Fackeln brigadeiiweise(!> durch die Stadt; 238 Gebäude wurden von den Flammen verzehrt.„Dies", schließt die Anklageschrift,„sind die Ihrem Urtheil unterbreiteten Akte. Welche Lehre:! sind aus denselben heezulciten! Wie schmerzlich erinnern sie einen Jeden an Pflichten, die zu leicht vergessen, zu nachlässig erfüllt worden sind! Die Gefahren, welche sie enthüllen, weit entfernt, sich durch die Erinnerung zu verwische», können mit der Zeit nur wachsen. Wie sind neue Katastrophen zu beschwören? Möge jeder Bürger sich diese Frage vorlegen und mit aller seiner Energie selbst der Gefahr Trotz biete». Die öffentlichen Gewalten wachen in dem Kreise ihres Wirkens; die In- stiz wird dieser Vertheidigung der Gesellschaft mit der unerschütterlichen Festigkeit, welche von so ernsten Verhältnissen geboten ist, ihren Beistand leihen." Auf eine Kritik dieses Aktenstücks, in dem sich die Logik des Staatsanwalts mit der Wahrheitsliebe des Polizeispions paart, können wir uns heute nicht einlassen: bemerkt sei bloß, daß die 4 Brandbefehle erwiesenermaßen unächt, und das Fabrikat von Agenten des Herrn Thiers sind. So sehr auch der Vertheidigung die Hände gebunden sind, so hat doch in diesem Punkt die Anklage bereits ein jämmer- liches Fiasko gemacht. Wir bringen nun Auszüge aus dem, den einzelnen An- geklagten gewidmeten Abschnitt: Adolph Assi, Mechaniker, Delegirter der Arheiter des Creu- zot in den dortigen Arbeitseinstellungen, als solcher angeklagt und frei gesprochen, während der Belagerung von Paris Offizier eines Freicorps, der Guerillas de l'Jsle de France und dann des 192. Bataillons der Nationalgarde, Freimaurer, Mitglied der Jnternatiouale und des Cenlralkomilö, am 18. März Gonverueur des Stadthauses und Oberst der Nationalgarde, nimmt als Mitglied der Kommune an allen Alten de» selben von der Zerstörung der Vendömesäule und des Hauses des Herrn Thier« bis zur Ermordung der Geiseln einen wichtigen Antheil, wird vorübergehend als verdächtig verhaftet, ist aber dann um so thätiger als Leiter der Fabrikation der Schießvorräthe, gesellt sich in dieser Eigenschaft dem Angeklagteil Fosss bei und wird am 21. Mai verhaftet, wie er sich eben nach der Pulverfabrik der Rue Beethoven in Passy begiebt. Seine Vertheidigung besteht darin, daß, wie er sagt, die Umstünde ihn gezwungen Hätten, die Verwaltung des Staate« in die Hände zu nehmen. Er leugnet seine Unterschrift auf gewissen später vorgefundenen Documenten, dieselbe wird aber von dem Sachverstän- digen Delarue recognoscirt(I). Courbet, Maler, seit dem 4. September Direktor der schönen Künste, tritt am 26. April in die Kommune, stimmt gegen Einsetzung eines Wohlfahrtsausschusses, da er den Ausdruck Exekutivkomitee vo>- sieht, veranlaßt die Uebertragung der Kunstschätze des Herrn Thiers .Ii den Louvit, gehört am 30. April zu den Unterzeichnern des Mino- ritätsvotums, welches verlangt, daß alle Kräfte nur aus die Fortsetzung des Kampfes concentrirt werden sollen, bestreitet im Widerspruche mit einem authentischen Protokoll der Sitzung der Kommune vom 27. April, für die Umwerfung der Vendömesäule plaidirt zu haben, indem er vor- giebt, er hätte nur vorgeschlagen, dieselbe nach dem Jnvalidenplatze zu verlegen, sei es selbst auf seine eigenen Kosten. Da er das Haus des Herrn Thiers, sagt er weiter, nicht vor der Zerstörung hätte retten können, so hätte er wenigstens dafür gesorgt, daß die Kunst- sachen in gutem Stande abgeführt und erhalten wurden. Drei Wochen nach Bewältigung des Aufstandes wurde er bei einem Freunde entdeckt und verhafte!. Charles Lullier, Schissslieutenant und als solcher im Diszip- linarwege suspendirt und ausgestoßen, dann mehrfach wegen Bergehen gegen die Behörden und unrechtmäßigen Tragens der Uniform verur- theilt, von der Regierung vom 4. Sept. durch eine bedeutungslose Mission nach Kopenhagen und dann nach den Vereinigten Staaten unschädlich gemacht(!), General der Insurrektion vom 13. bis 22. März und als solcher au allen Akten derselben thätig, sucht den Komman- danten des Mont-Valörieir zu gewinnen, erweckt das Mißtrauen des Centralkomitö, verbringt einige Tage in der Conciergerie, befehligi am 14. April die Kanonenboote, wird nochmals verhaftet, entweicht von Mazas, setzt sich ausZorn gegen dieKommunemitVersailles in Verbindung, bezieht von dort durch den Ingenieur Kamus eine Anzahlung von 2000 Frcs., scheitert in seinem angeblichen Koniplott gegen die Kommune und wird endlich von der rechtmäßigen Regierung wiederum verhaftet. Pasch al Grousset, Journalist, Mitarbeiter der„Marseillaise" und später Chefredakteur des„Affranchi," in welchem er zu den ärgsten Ausschreitungen aufreizt, Mitglied der Kommune und Delegirter für die auswärtigen Angelegenheiten, Mitglied der Exekutivkommission, üiimmt an allen revolutionären Akten Theil, entwendet Aktenstücke auS dem Ministerium des Aeußern, erläßt Cirkulare an die Vertreter der fremden Mächte, unterhält eine noch nicht aufgeklärte(?) Korrespondenz mit dem deutschen General v. Fabrice(dieser Schriftwechsel wurde bekanntlich sofort von der Kommune veröffentlicht), leistet be- deutende Zahlungen, so einmal 29,657 Frcs. 50 Cent an einen gewissen Kuneman, läßt das Silberzeug des Ministerium« forttragen, hat zum Mitschuldigen seinen Bruder Louis Grousset, seinen Schneider Lacoste, dessen Freund Allard und seine Maitresse Acard. Er hat im ersten Verhör einige Aufklärungen gegeben, verschließt sich aber seitdem in ein System absoluten Schweigens. Verdure, seit langer Zeit in philanthropisch-utopistischem Sinne mit der Arbeiterfrage beschäftigt und seinerzeit Kassirer der„Marseillaise", tritt im September 1870 in die Internationale und stimmt als Mit- glied der Kommune regelmäßig mit der Majorität. Vom 20. April ab ist er Delegirter für das 11. Arrondissement und kommt nur selten auf das Stadthaus; er hat indeß an den schlimmsten(I) Abstimmungen thcilgenommen. Billioray, Maler, taucht erst im Januar 1871 in einem Klub auf, wird indeß bald in das Eentralkomitee gewählt, unterzeichnet am 18. März alle Proklamationen desselben, gelangt am 26. März in die Kommune»nd am 11. Mai in den Wohlfahrtsausschuß; in diesen Stellungen hat er an allen Verbrechen und Attentaten der Revolution theilgenommen. Förat, Schriftsteller, trat ebenfalls erst während der Belagerung in den Klubs hervor und wurde als Nationalgardist von seiner Legion in das Eentralkomitee gewählt. Nach dem 18. März war er Delegirter im 6. Arrondissement, dann Anfang April Chef des Generalstabs von Jssi. Ain 22. April wird er aus Befehl des Kriegsdelegirten verhastet und erst nach 15 Tagen auf Verwendung seiner Offiziere wieder in Freiheil gesetzt. Am 6. Mai operirt er mit seiner Truppe an der Porte Maillot, dann im Park Wagram und am 22. Mai kehrt er mit ihr nach ihrem Wohnsitze Mänilmontant zurück, wie er behauptet, nachdem er seine Leute überredet hatte, den hoffnungslosen Widerstand gegen die Armee nicht fortzusetzen. Clement, Färbergeselle, vom 26. März ab Mitglied der Kommune und dann der Finanzkommisston, hat stets muthig(!) gegen die Gewalt- thätigkciten der Kommune protestirt und die Funktionen eines Maire im 15. Arrondissement rechtschaffen(!) versehen; er wollte am 15. April seine Entlassung geben und ließ sich hiervon nur durch die Bitten der Bewohner seines Arrondissements abhalten. Er bleibt aber immerhin beschuldigt, an der revoltionären Regierung persönlich theilgenommen zu haben. Thöophile Ferrö hat sich schon in den Unruhen von 1868 und später durch cxaltirte Reden bemerklich gemacht; in dem Prozeß von Blois antwortete er dem Präsidenten in so unfläthigers!) Weise, daß er den Gerichtssaal verlassen mußte. Diesmal besteht sein Vertheidi- gungssystem darin, daß er jede Erklärung ablehnt und auch keinen Anwalt haben will. Am 13. März befreite er auf dem Montmartre die gefangnen Republikaner und plaidirte lebhaft für die Hinrichtung des Generals Lecomte(?). In der Kommune war er als Procurator und vom 14. Mai ab als Delegirter der Polizeipräfektur die Seele aller Verfolgungen und Verbrechens!), ist dringend verdächtig(I), seinen persönlichen Feind Veysset, der im Depot saß, zum Tode befördert zu haben, leitete die Brandstiftung in der Polizeipräfektur und befahl die- jeuige im Finanzministerium an, leitete endlich in La Roquette per- sönlich die Exekution de« Erzbischofs von Paris und der übrigen Geißeln. Urb ain, Schulvorsteher und Klubredner, nach dem 18. März zu- nächst Maire des 7.ArrondissementS, dann Mitglied der Kommune und der Unterrichtskommission, in seinen Funktionen fast stets von seiner Maitresse Leroy beglettel und thätig unterstützt und mit derselben ver- dächtig, sich mit Beschlag belegte Werthsachen angeeignet(!) zu haben, besichtigte im Auftrage der Kommune die Kasernen und Festungswälle, leitete den Bau der Barrikaden und nahm an allen kompromiltirenden Dekreten einen positiven Antheil. Rastoul, Doctor der Medizin und ehemaliger Präsident des Klubs der Monlagnards, in der Kommune Mitglied der Kommission für die öfsentlichen Dienstzweige, giebt am 27. April in Folge eines Streite« mit Dombrowski seine Demission als Gmeralinspekior der Ambulanzen, nicht aber als Mitglied der Kommune, in deren Namen er Artikel in die radikalen Blätter schreibt. Er wendet jeyt ein, nicht eigentlich Mit- glied der Kommune, sondern nur des Conseil de La Chambre kommunale gewesen zu sein, wogegen indeß schon der äußere Umstand spricht, daß er den für die Mitglieder der Kommune ausgesetzten Gehalt von 15 Frcs. täglich bezogen hat. Regere, Thierarzt aus Bordeaux, nach dem 2. Dezember verbannt, bereitet mit Lesranyais und Milliere die Schilderhebung vom 31 Otto- ber vor, wird am 28. März in die Kommune gewählt und an die Spitze des 5. Arrondissements gestellt, wirkt aus die Einsetzung des Wohlfahrtsausschusses und im Verein mit seinem Freunde Felix Pyat auf die Zerlrümmeruiig der Vendömesäule hin und ist dringend verdächiig(», die Borberathungen getrossen zu haben, das Pantheon in die Lufl zu sprengen, was ihn nicht hinderte, während der Schreckcnszeil seinen jüngeren Sohn in die Kirche St. Etienne-du-Mont zur ersten Kommunion zu führen(I». Jourde, unstreitig eines der intelligentesten Mitglieder derKom- mune, während der Belagerung Sergeant im 160. Bataillon, dann Mitglied des Centralkomilee's und mit Varlin, später allein, Finanz- delegirter der Kommune. Bei seiner Verhaftung fand man bei ihm 8070 Frs. und bei seinem Begleiter 3100 Frcs. in Banknoten; er ge- steht, sich diese Summe aus dem Staatsvermöge» angeeig ict zu haben(?). Im ersten Verhör konnte er, nachdem der Brand des Finanzministeriums die einschlägigen Papiere verzehrt hat, aus dem Gedächiniß»och sol- gende runde Zissern über seine Verwaltung angeben: Tägliche Ein- nahmen 600,000 Frcs., der Bank von Fraitkreich eittliehen 20,000,000 Frcs., den Staatskassen entnommen 4,000,000 Frcs., Eisenbahnaktien und Schatzbons 14,000,000 Frcs., Total des letzten AnlehenS 200,000,000 Frcs.(?), Besteuerung der Eisenbahnen 2,000,000 Frcs. Die Ausgaben beziffert er auf 600,000 Frcs. täglich(fabelhast billig). Nach den gepflogenen Erhebungen bleiben 3,300,000 Frcs. unbelegt; vielleicht waren dieselben das Erträgniß der entwendeten(!) und in die Münze geschassten Silbersachen der Kirchen, Klöster u. s. w. Tnnquet, Schuhmacher, von Rochefort in der„Marseillaise" ver- wendet und schon im Februar 1870, weil man Schießvorräthe bei ihm gefunden hatte, zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt, gehörte in der Kominune der radikalsten Gruppe an. Dasselbe gilt von Champy, während DeScamps eine untergeordnete Rolle spielte. Kortsetzuug auf Seite 4. Zur Erinnerung für die deutschen Mordspatrioteu. 1806—1807. (Fortsetzung.) Kapitulation Nr. 9.— Boldckow. Der Major Höpfner, welcher einen von Kavallerie ge- deckten Artilleriepart führte, dem sich unterwegs einige Jnfan- terie anschloß, geriet!/, als er von der Prenzlauer Uebergabe hörte, in große Verlegenheit. Er rief sämmtliche Offiziere zusammen, um mit ihnen zu beralhen, was nun zu thun wäre. Kavallerie und Infanterie erklärten, daß sie nicht im Stande, irgend welchen ernsthaften Widerstand zu leisten.„Man De-' schloß daher, am 30. Morgens vorerst nach dem nächsten preu- ßischen Dorfe Boldekow zu marschiren, um wenigstens Futter zu erhalten." Hier ging die Nachricht ein, daß die französische Um- gehung durchs Mecklenburgische schon vollbracht war. Es wurde nun ein Lieutenant Braun II. von der Artillerie mit einem Troinpeter abgesandt, uin genau die Bewegungen des Feindes zu erforschen. Als er auf den Feind stieß, gab er sich als Parlamentär aus und wurde zum Marschall Lonnes nach Päse- walk geschickt. Er wurde mit einem französischen Offizier nach Boldekow zurückgesandt und man schloß eine Kapitulation ab, gemäß welcher sich„25 Geschütze, 48 Munitionswagen, Vor- rathslaffeten etc., 14 Ossiziere, 250 Artilleristen, 300 Knechte und gegen 800 Pferde den Franzosen ergaben. Die ge- sammle Bedeckung hatte sich entfernt, um sich über die Peene zu retten." Unser Gewährsmann bemerkt trocken und einfach:„An eine Zerstörung des Artillerie- Materials und einen Versuch zur Rettung der Mannschaft auf den noch tauglich befundenen Pferden Hot Niemand gedacht." Kapitulation Nr. 10(Die Blücher'sche).— Rattkau. Das Blücher'sche Korps, mit welchem sich dasjenige des Herzogs von Weimar vereinigte, eilte seewärts, theils um möglichst viele Franzosen von der Oder abzuziehen und so den Russen Zeit zum Anmarsch zu gewähren, theils— und wohl hauptsächlich— um sich zur See zu retten. Schon am 28. Oktober, als man von Fürstenberg aufbrach,„ivar die Ermattung der Truppen so groß, daß Leute todt zu Boden fielen; die Anzahl der Maroden war außerordentlich gewach- sen." Am 29. hatte Blücher die Hohenlohe'sche Kapitulation bei Prenzlau erfahren. Sehr bald ließ ihn Bernadotte zur Kapitulation auffordern, die er entschieden abwies. Von dem Weimar'fchen Korps„desertirte eine große Anzahl des Jnfan- terieregimenls Tschammer, das in der Nähe(bei Pyritz und Wittstock) seinen Kanton hatte; in gleicher Weise und aus denselben Ursachen waren im Hildesheim'schen und Magdcbur- zischen einz.lne Truppentheile sehr geschwächt worden." Der Herzog von Weimar, nachdem er dem Generallieutenant Win- ning das Kommando übergeben, entfernte sich über Güstrow nach Holstein. Da Sachsen Frieden gemacht hatte, wurden die sächsischen Truppen heimgeschickt, jedoch in heimlicher Weise, „damit diese Trennung keinen Übeln Eindruck auf die Preußen mache." Der Plan Winnings, die Einschiffung aller Blücher-Wei- mar'schcn Truppen bei Rostock zu versuchen, wurde von Blücher nicht gebilligt, dem überhaupt viel daran zu liegen schien, die Mecklenburgischen Lande, denen die Königin Louise und er selbst entstammten, vor Kriegsunglllck zu bewahren. „Die Stärke der vereinigten Korps betrug etwa 21,000 Mann." Man hatte weder Winterbekleidung noch Kochge- schirre, auch war die zu durchziehende Gegend so arm, daß nicht bivouakirt werden konnte. Solche Umstände machten das Kantonniren nothwcudig, wobei die Truppen über Nacht stets weit auseinander gerieihen. Die Franzosen drängten, so daß Nachhut und Seilendetaschements täglich Gefeaste zu liefern hatten. Sehr bald erging von Bernadotte eine zweite Auf- forderung zur Uebergabe an Blücher, oie„aber kurz abgefer- tigt worden war", trotzdem daß es anfing, an Schuhen zu feh- len und der Hunger die Leute tödtete.„Schon auf dem Marsche von Fürstenberg nach Boitzenburg waren 50— 60 Mann von jedem Regiments liegen geblieben; das hatte sich von da ab auf jedem Marsche wiederholt, so viel Mittel man auch anwandte, es zu verhindern. Alle diese Leute fielen dem Feinde nothwendig in die Hände." Zum dritten Male wurde Blücher von Bernadotte zur Kapitulation aufgefordert, indem üian ihm vorstellte, daß er „bereits vollständig eingeschlossen sei". Es war auch diese Aufforderung vergeblich,„obgleich die Lage des Generals Blü- cher sehr bedenklich war". Als das Infanterieregiment Tschammer, dem die 12 6-Pfünder starke Batterie Thadden zugetheilt war, den Befehl erhielt, nach Bleese, auf dem Wege von Schwerin nach Ratzeburg, zu marschiren,„wußte kein Mensch, wo das Bleese lag." Auf dem Marsche, den es ins Blaue hinein unternahm, wurde es von der Soult'schen Avant- garde angegriffen. Der Koinmandeur sandte zu seinem Ge- neral Pelet um Hülfe;„jedoch alle Vorstellungen halfen nichts; der General war zu keiner augenblicklichen Hülfe zu bewegen." Der General Usedom mit einem Kavallerieregiment und der Major Pannewitz vom Infanterieregiment Kunheim muß- ten unterwegs bei Wismar kapituliren. Blücher warf sich mit dem Gros seiner Truppen nach Lübeck, wo er den Senat um Hülfe für sie bat, die„aus 80,000 Breden aus Roggen und Weizen, 40,000 Pfund Rind- oder Schweinefleisch, 30,000 Flaschen Wein und Branut- wein, Schuhe für die Infanterie, 50,000 Dukaten, augenblick- lich Quartier für die Truppen, Futter für 5000 Pferde und dem ganzen Vorrath von Pulver und Blei" bestehen sollte. „Wenn man sich diesen dringenden Forderungen füge, dann sollten die Einwohner auf das Schonendste behandelt werden." Man vergleiche Blüchers Benehmen gegen die neutrale „freie Reichsstadt" Lübeck mit seinem Verhalten in Mecklen- bürg, wo er z. B., als er bei Neustrelitz aukam, Wachen um die Stadt herum ausstellte, damit seine Soldaten ja nicht dort hineingingen, wo doch mehr zur Linderung ihres Elends zu holen sein durfte, als aus den weit von einander liegenden zerstreuten Höfen, an denen Mecklenburg reicher war als au Dörfern. Zwar freuen sich selbst so tüchtige Geschichtsschrei- ber wie Schlosser— jedoch ohne Ucbung von Kritik— der wackeren Vertheidigung Lübecks; es soll auch der verzweifelte Muth der verhungerten und von den Lübeckern der kurzen Zeit wegen kaum halb gesättigten Preußen nicht bekrittelt werden; jedoch die Besetzung, Verbarrikadirung und Vertheidigung dieser Stadt war unter den Umständen eine ganz verwerfliche, bar- barische Handlung. Leute wie Uork, Scharnhost und Muff- ling, die sich in der Umgebung oder Nähe Blüchers befanden, hätten doch wissen sollen, daß der Feind ihnen mit weit über- legenen Kräften, mindestens im Verhältniß von 3:1, auf den Fersen folgte. Es war unmöglich, der Kapitulation zu entgehen. Warum erst Lübeck opfern? Man kannte nicht einmal seine Topographie, wie daraus erhellt, daß mehreren Batterien eine Bastion zur Besetzung angewiesen wurde, die gar nicht mehr bestand, da sie zur Erweiterung der Stadt schon im Jahre zuvor abgetragen war. Als Scharnhost am hellen Tage endlich des nächtlich begangenen Fehlers inne wurde, konnte er die Kanonen nur noch so eng zusammen auf- stellen, daß sie dem koncentrischen Feuer der Franzosen, und zwar sehr schnell, erliegen mußten. Nicht den diese Artillerie befehligenden Lieutenants, Thadden, Kühnemann und Gelbcke, von denen der erstgenannte dort fiel, ist die Wirkungslosigkeit des Geschützfeuers zuzuschreiben, sondern dem Leichtsinn und der Unwissenheit des-Hauptquartiers, trotzdem Scharnhost Chef des Generalstabs war und der erzweise Müffling eins der Mitglieder. Ein Generalmajor Roth, als Augenzeuge der Vorgänge bei jener Artillerie, hat sich im Jahre 1855 gegen die ursprüngliche, einzig die Lieutenants verdammende Schil- derung Höpfners vernehmen lassen, und dieser es für nöthig erachtet, die Roth'sche Erörterung in der zweiten Ausgabe am Ende des 4. Bandes abzudrucken. Wollte man pro putria mori(für's Vaterland sterben), so konnte man das ja auf freiem Felde thun. Das hungrige preußische Junkerthum wollte doch nicht etwa die-reichen Handelsherren etwas brandschatzen? Am 5. waren, die Preußen in die Stadt gezogen; am 6. schon rückten drei französische Marschälle, Bernadotte, Mural und Soult gegen sie vor, und„um halb vier Uhr �Nachmittags war Lübeck vollständig in den Händen der Franzosen." „Um halb 9 Uhr Morgens war eine Deputation der Bürgerschaft zum General Blücher gekommen, um ihn zu be- wegen, die Stadt zu verlassen, wie er es am Tage zuvor ver- heißen habe. Der General antwortete, daß die Umstände sich geändert hätten, daß er den Feind nicht so nahe geglaubt habe; es sei daher nunmehr an einen Abzug nicht mehr zu denken; er werde sich bis auf den letzten Mann wehren; die Bürger sollten in den Häusern bleiben, Alles wohl verschlossen haltend." Diese„Schonung" wurde den Lübeckern zu Theil für ihren Schnaps und Wein. Blücher hatte„den Feind nicht so nahe geglaubt"! Wir haben bereits gesehen, daß er in einer Feldschlacht eine feind liche Jnfanterielinie für eine Hecke hielt. Dem Aork(eigent- lich Jarcken oder Joricke) wurden dort die Glieder zerschossen und im Handgemenge mehrere Brüche getreten, so daß es nicht überraschen kann zu hören, er wollte niemals an die Göttergleichheit Blüchers und seines Hauptquartiers glauben. Blücher entkam aus der Stadt.„Mit Lübeck verlor er einen großen Theil seiner Artillerie, 22 Geschütze ohne die Re- gimentskanonen, und die Hauptkräste der Infanterie." Da die Stadt von den Franzosen als eine eroberte angesehen wurde, verfiel sie während mehrerer Tage scheußlicher Plünderung und Nothzucht, denen Bernadotte nur mit großer Mühe steuern konnte. Bei dem Dorfe Krempelsdorf, da es unmöglich schien, „durch das Dänische zu entkommen," mußte der Major Ende mit 360 Pferden und 4 reitenden Geschützen kapituliren. Andere Truppentheile wurden zersprengt oder gefangen genom men. Um Mitternacht meldete der Herzog von Oels, ans er- logene Berichte hin, daß Travemünde in den Händen der Fran- zosen wäre.„Man mußte wohl endlich an die Wahrheit glauben, und damit war auch die letzte Hoffnung genommen, den Feldzug auf eine ehrenvolle Weise zu enden. Vorwärts in Spandau und Lübeck der Feind, zur Rechten die dänische Grenze, zur Linken die vom Feinde besetzte Trave, im Rücken das Meer und der Feind in Travemünde, dazu die Artillerie und die Infanterie, mit Ausnahme des Regiments Borcke und des Grcnadierbataillons Gaudi, ohne Munition, die Mann- schaft ohne Brod, die Pferde ohne Futter, Beide aufs Aeußerste erschöpft und erschüttert und nur noch etwa 8000 Mann übrig." Es stellte sich später heraus, daß Travemünde zur Zeit der Blücher'schen Kapitulation nicht in Feindeshän- den, sondern bis zum 8. Morgens voin Major Schwedern ge- halten worden war. Am 7. November mußte Blücher zu Rattkau in die Ka- pitulation willigen. Er wollte sie am Eingange des nöchigen Schriftstücks, wie folgt, moliviren:„Da es dem General Blücher an Brod, Fourage und Munition fehlt, so nimmt er die Kapitulation an, die ihm der Marschall Prinz von Ponte- corvo(Bernadotte) hat anbieten lassen." Die französischen Marschälle wollten dies, da es„ungebräuchlich", in Kapitu- lationen die Ursachen aufzuführen, warum man sie eingegan- gen, nicht zugeben. Der Hauptmann Müffling, als Dollmet- scher, verwies aus die Festigkeit des Generals,„der sich lieber bis auf den letzten Mann schlagen würde," anstatt hierin nach- zugeben, und die französischen Marschälle, über 60— 80,000 Mann gebietend, würdigten schließlich den theatralischen Humor Blüchers, indem sie ihm erlaubten, die Motivirung neben seine Unterschrift zu setzen. Blücher zeichnete demnach:„Ich kapi- tulire, weil ich kein Brod und keine Munition habe. Bln- cher." Abgesehen davon, daß er auch hätte kapituliren" müssen, wenn er Brod, Fourage, Munition und selbst die 30,000 den Lübeckern abverlangten Flaschen Wein und Branntwein noch vollzählig gehabt hätte, so erging es ihm wie dem weisen Müffling und den anderen pfiffigen preußischen Rathgebern, daß durchaus nichts Anzuerkennendes darin zu sehen ist, wenn man sich im Vaterlande ohne Brod und Munition herumzu- 'chlagen hat."Nach preußischen Angaben wurden bei Rattkau gemäß ungefährer Schätzung 4050 Mann Infanterie und 3760 Mann Kavallerie kriegsgefangen. Ohne die Regiments- kanonen wurden dem Feinde noch 16 Geschütze übergeben. Blücher erhielt die Erlaubniß, nach Hamburg zu gehen.„Eine ziemliche Anzahl Offiziere wußte sich durchs Dänische zu retten und der Kriegsgefangenschaft zu entziehen." Sie thaten also, ohne daß es gemißbilligt worden wäre, was Ducrot und An- dere neuerdings ausgeführt haben unter dem Lärmschlagen der neuesten großpreußischen patentirten Ehrenpächter. „So war nach Verlauf von noch nicht einem Monat nach Beginn der Feindseligkeiten die preußische Armee bis auf sehr geringe Abtheilungen vernichtet oder in die Gewalt des Siegers gefallen. Bis zur Oder war, mit Ausnahme des kleinen Korps an der Weser und der Festungsbesatzungen, kein Preuße zu finden." (Forrtsetzung folgt.) Bom Mittelrhein. Bei gründlicher Beobachtung UN- screr heutigen gesellschaftlichen Zustände lernt man immer mehr erkennen, daß es für uns Sozialisten vor Allem darauf an- kommt, festzuhalten an klar gestellten Fundamentalsätzen, und wie wichtig es deßhalb ist, sich nicht verleiten zu lassen, leicht ausführbar erscheinenden Verbesserungen zuzustimmen, die, bei Licht betrachtet, entweder unvortheilhafte Wirkung haben, oder unausführbar sind, ohne daß man vorher in anderen wichti- geren Dingen reformirt hat. Dadurch, daß die Sozialdemokratie, die in der Geschichte bis jetzt immer Recht gehabt, unerschütterlich fest hält an ihren radikalen Forderungen, dadurch ist sie willensstark und gefürchtet, dadurch überleben sich eine Masse sozialer Ein- tagsfliegen, die mit philanthropischen Heilmitteln die Gesell- schaftsinisere kuriren wollen. Und Millionen werden dadurch erspart, die schon verlaborirt worden wären, wenn wir nicht mit logischer Entschiedenheit allen Halbheiten entgegengetreten wären. So z. B. in der Schulfrage und in dem so viel ge- priesenen Wohlstand des deutschen Bauern. Vor Allem„Bildung"! heißt es da, und„Bildung macht frei"! Es ist nicht wahr, Ihr Schönredner! Wohlstand macht frei, denn da, wo Wohlstand schon ist, kann Bildung erst hin- kommen. Obligatorischer Unterricht ist auch eine Forderung von uns, aber nicht eine für sich allein einzuführende. Denn da, wo der obligatorische Unterricht eingeführt werden kann, muß der Wohlstand schon vorhanden sein, der den Eltern möz- lich macht, die Kinder ohne den Mangel am Nothwendigsten zu Hause zu vermehren, auch der Schule genügend zu über- lassen. Nehmt deßhalb Eure Phrase zurück, Ihr Halben, und helft dem bildungsbedürftigen Volke zum Wohlstande, dann seid Ihr schon näher dem Ziele, aber selbst das allem ist es wie-« der nicht, was frei macht. Das, was man heut zu Tage unter Wohlstand versteht, könnte man alsdann sehr leicht als Bedingung zur erwünschten Bildung halten. Und das möchten wir beileibe nicht. Gibt es doch wohl- und sehr wohlstehende Leute heutzutag, die aller Bildungsfähigkeit baar sind. Wie könnte es auch anders sein? Entsteht doch in unsren heutigen gesellschaftlichen Zuständen unter 10 mal, 9 mal der Wohlstand auf die allerunkultivirteste Weise, durch, mit vergif- tender Schminke überdeckte, offene oder versteckte Gewalt.— Soll nun der Wohlstand, der durch solche Quellen er- flössen ist, unserem verhältnißmäßig unverdorbenen Volke die Bildung beibringen, die zur Freiheit führt? Zur Erlangung eines solchen modischen Wohlstandes, muß Erwerben für sich, was Andere mit geschaffen haben, oder kein Mensch erworben hat, groß geschrieben werden. Und das ist doch wahrlich nichts Anderes, als eine auf ein Privilegium gestützte Gewaltthat. Darum die radikale' Kur: anderer Erwerb, anderer Wohlstand, andere Bildung und daraus die ganze Freiheit, Ihr Schulhelfer! So meinen wir's. Wie steht es nun mit dem Erwerb, dem Wohlstand und der Bildung des Bauern? Nach Aussage anderer sogenannter Mcnschenbeglücker, ja ganz besonders glücklich! Ja wohl. So was man als ober- flächlichcr Mensch unter Glück versteht. Laßt sehen, wie des Bauern Glück ohne blaue Brille, mit gesunden Augen aussieht, in was es besteht und wie es, bei nicht sehr Wenigen, aber bei den Hauptschreiern, den konservativsten, entsteht. Und da dräu- gen sich uns denn sofort einige Thatsachen auf, die eigentlich die Ursache zu gegenwärtigem Artikel sind. Ohne daß wir es suchten, und ohne daß es in Beziehung zum geschäftlichen Ver- kehr des Einsenders steht, ist es demselben so gerade entgegen gelaufen, was wir nun hierüber jetzt erzählen wollen. 1.) Ein Bauer im oberen Rhcingau ist jetzt ein zufriede- ner Grundbesitzer. Man sagt von ihm, wie er vom unzuffie- denen Knecht dazu gekommen: in die eine Tasche steckte er den Kuh- in die andere den Pferdedünger, den er auf der Straße fand. Muster von Erwerbsthätigkeit, sagen die Wohldenkenden. 2.) Ein anderer Bauer schlüpft des Morgens in aller Frühe mit seinem Fuhrwerke zum Stadtthore herein und annec- tirt, im besten Falle für ein paar Groschen Trinkgeld, die er den Kehrcrn gab, den hübsch angehäuften Straßenkehricht bester Qualität, der Eigenthum der städtischen Compostanstalt ist*) Ein Vierter und Fünfter im unteren Rheingau, der noch nicht genug hatte, ließ sich beim Morgengrauen in gewohntem Fleiße auf anderer Leute Becker beim Kartoffeldiebstahl erwi- scheu. Seine Strafe war ein„guten Morgen Hr. Nachbar! So früh und schon so fleißig?!" des im Kartoffelkraut versteck- ten Eigenthümers und der Lohn— eine Kiste Brabanter, die der diebische Grundbesitzer außer anderem hinterließ. Ein von den Gerichten dieserhalb auch verurtheilter An- derer konnte seine Finger nicht von den Marksteinen lassen, die sein Grundeigcnthum begrenzten. Die Folge davon war, daß er für seine Arbeit, die Steine an für ihn geeignetere Plätze zu versetzen, und für seineu dabei gehabten sauren Schweiß, nach mehrern Jahren in seiner Grund- und Bodenbilanz über einen Morgen reicher gcivorden war. Ein Weiterer von anderswo schaffte in demselben Grade, in dem sein Wohlstand zunahm, und ihn Kindersegen beglückte, Knechte und Mägde ab; Vieh hatte er keines, sonst würde der Sparsame es vielleicht auch mit diesem so gemacht haben. Er war aus einem erwerbsfähigen Mann ein wohlhabender Grund- bcsitzer geworden; an seinen Kindern aber schon wird es sich rächen, wegen der Art, wie er dazu kam. Gottlob, die rechtschaffenen Bauern bilden die große Mehr- zahl, aber ihre Minderheit belügen die Welt mit dem allgcmei- *) Andere kennt Einsender, die, vom Aroma des fetten Dungs ganz in Wonnerausch versetzt, ungenirt in die Häuser fahren, Pfuhl oder Dung ungefragt mitnehmen, weil sie meinen, er genire, und wis- sen, daß der Pfasse demnächst absolviren kann. i tten Bauernglück und die Brüder und Gevattern in der Stadt kreischen es nach. Wo bleibt nun aber der Wohlstand, der Bildung macht, bei den Bauern im Allgemeinen, wenn solche Tonangeber die Musterbauern werden oder sind? Und andrerseits, wie kann Bildung da einziehen, wo der Mangel an Wohlstand der äußeren Erscheinung des Bauern schon den Stempel der Entbehrung und Ueberarbeitung aufdrückt, oft einzelne Glieder, ja manches Mal den ganzen Körper verunstal- tend, wo Gang und Geberde bäuerisch unpolirt, Geschmack und Sinn für das Bessere, Schöne, weit hinter der voranstrebenden Zeit zurück ist? Oder wollt Ihr mit Schule da anfangen, wo der Magen knurrt, wo Kartoffeln und Dickmilch— Phosphornahrung icin soll, wo der Körper mehr konsumirt als er zu sich nimmt, wo die Angst und Sorge um das bischen Hab und Gut jeder unzeitige Regen, jeder sengende Sonnenstrahl fieberhaft steigern kann, wo Zufälle über das Wohl oder Wehe von Eristenzen entscheiden können, die ihr Leben fristen, so lange sie gesund und jung sind, aber darben, wenn der Hypotheken-Gläubiger, das Alter »der der Kinder Erbthcil pocht? O, Ihr Pharisäer, Ihr wollet das Wohlergehen der Bauern, der fleißigsten, bravsten der Staatsbürger? Ihr? Deßhalb der Eiser gegen uns Sozialdemokraten? O, Ihr Schelme! Bil- dung, so was Ihr darunter versteht, vom Herrn Bürgermeister und Pfarrer. Wohlergehen, so wie jetzt womöglich für immer. Nichts nehmen wollen wir diesem Bauer, sondern geben. Aus seiner sittenpolizeiwidrigen Lage, in der er geboren, die er noch zum Theil von alter Feudalzeit her an sich hängen hat, befreien wollen wir ihn, es ihm in die Ohren schreien, bis kr mit seinem Leidensgefährten in der Stadt, dem dahinsiechen- den, zum Proletarier werdenden Kleinbürger, es sich zur gemein- samen Ausgabe macht, mit uns Sozialisten die ganze alte Er- werbsweise zu reformiren, aus der individuellen(Einzeln-) Ar- beit die genossenchastliche herauszubilden, aus der genossenschaft- lichen Arbeit zu einem soliden Wohlstand den Grund zu legen und die Haupteinkünste des Staates für Bildungszwccke zu ver- wenden. Das ist der Boden, auf dem wir Sozialdemokraten weiter bauen wollen. Das die Ansicht des Einsenders über Schule und Bauern- glück.— # Aus Amerika. New-Uork, 16. Juli. Das 4. allgemeine Arbeiterfest verregnete auch an dem zweiten dafür angesetzten Tage, Sonntag dem 18. Juni, ganz- lich und manche schöne Hoffnung wurde dabei zu Waffer. Das Fest ist nun auf unbestimmte Zeit vertagt worden.— Am Satter Ereek, in den Minendistrikten Kaliforniens, brach neulich ein Ausstand der dort von reichen Compagnien beschäftigten Kohlengräber aus. Sie wollten sich nicht gewissen beleidigen- ben Zumuthungen der Unternehmer unterwerfen, welche unter Anderm bestimmt hatten, daß die Arbeiter beim Nachhausegehen in Gegenwart eines Angestellten ihre Kleider wechseln sollten. Als die Unternehmer den Forderungen der Arbeiter nicht nach- geben wollten und dieselben entließen und sich andere verschrie- den, ergriffen die verbündeten Arbeiter Besitz von den Minen. Die Umcrnchmer wandten sich an die Staatsbehörden, der Hr. Gouverneur versuchte eine Uebereinkunft zwischen den streiten- den Parteien herbeizuführen, dieselbe scheiterte aber an der Hartnäckigkeit der Unternehmer, und der Gouverneur rief dann die Miliz des Staats herbei, welche durch einen Handstreich die Minenarbeiter überrumpelte und die Minen besetzte. Die Milizen stehen noch dort, denn die Arbeiter stehen fest und yaben erklärt, daß sie beim Abzug der Milizen sich der Minen sofort wieder bemächtigen werden.— Der Präsident der Nationalen Arbeiter- Union, R. F! Trevellick, hat den jährlichen Kongreß derselben auf Mon- tag, d. 7. August d. I., nach St. Louis berufen. Die Bethei- ligung aus den industriellen Distrikten des Landes wird zwei- fellos eine geringe sein, und von den großen Gewerksverbänden des Landes ist mit Sicherheit nur auf die Theilnahmc der Bergarbeitervereinigung zu rechnen. Es wird dieserhalb auf frühere Mittheilungen im„Boltsstaat" verwiesen.— Das Beispiel der zu einem Geheimbund(Crispiner-Logen) vereinigten Schuhmacher hat Nachahmung gefunden. Die Anstreicher(jzuinters) und die Stuckatur- und Gypsar- beiter der Stadt New-Aork haben sich ebenfalls ick Logen or- ganisirt und machen jetzt Anstrengungen, diese neue Art von verband über das Land auszubreiten. Die Durchführung des von der letzten Gesetzgebung des Staats New-Uorck auf Wunsch der New-Aorcker Staats-Gc- werks-Bereinigung erlassenen Lehrlingsgesetzes beschäftigt einen großen Theil der hiesigen Gewerksvereine. Das Gesetz dechmint eine Lehrzeit von 3 bis 5 Jahren und enthält Straf- vestimmungen gegen Ueberlretungen. Die New-Aorcker„Workingmens-Union"(Arbeiter-Union) M bei ihrer letzten Wahlversammlung Anfang dieses. Monats J- Jessup zum Präsidenten erwählt und damit den Wiederbeginn ernster Thätigkeit angedeutet. Leider ist das Uächstwichtige Amt des korrespondirenden Sekretärs durch einen wit Recht verdächtigen Menschen, den vorjährigen Inhaber des Präsidentenstuhls, besetzt worden. Die Zeitschrift„Workingmen's Advocate" tA. C. Came- r°n) hat sich endlich veranlaßt gesehen, in ihrer letzten Rum- �ler eine Lanze für die Kommune einzulegen.— Eine neue deutsche Sektion(Nr. 11) der Internationalen Arbeiter-Assoziation aus der obern Stadt ist dem Centralkomitee beigetreten. Delegat istFilly. Ebenso eine zweite amerikanische(englisch- redende) Sektion(Nr. 12)— Delegat! West. Leider sind unter den sich neuerdings der Internationalen zudrängendcn Amerikanern zu viel Systemreiter, Schwärmer und Phrasen- wacher, so daß es wahrscheinlich einiger Kämpfe bedürfen wird, sie zu nüchterner Anschauung der Dinge und zu praktischen nützlichen Arbeiten zu bringen.— Die Internationale Arbeiter-Assoziation erregt in hohem Grade die Aufmerksamkeit der hiesigen Tagespreffe und jedes Zvößere Blatt versucht, sich Originalnotizen über dieselbe durch Aushorchung von einzelnen Mitgliedern zu verschaffen. Dabei wust denn viel dummes und schlechtes Zeug mit durch die Leitungen und es wird zuletzt unmöglich, alle Entstellungen:c. � berichtigen. Die Adresse des Generalraths über den„Bürgerkrieg in Frankreich"(die Kommune) hat großes Aufsehen hier gemacht. Ein bedeutender Auszug wurde in der„World",„Jrish People" u. s. w. gegeben. Sie soll hier in englischer und deutscher Sprache veröffentlicht werden. Sonntag, d. 2. Juli, fand im dem großen Saale des „Kasino" die früher erwähnte Generalversammlung der hiesigen Sektionen der Internationalen zur Erinne- rung an die Junischlacht 1848 und die Kommune 1871 Statt. Sie war zahlreich besucht und vom besten Geiste beseelt. Den Vorsitz führte C. O. Ward, ein Amerikaner, Schrift- führer warenBolte, Banks nndCharnier. In deutscher Sprache redeten De ttle, Carl, Homrighausen, Hoecker und Starcke; in englischer Sprache I. B. Davis, St. P. Andrews und Blissert, in französischer SpracheLangrand. Der letztere Redner machte besonders tiefen Eindruck durch die von ihm in ruhiger, überzeugender Weise gemachten Mitthei- lungen über seine eigenen Erlebnisse in der Kommune(er war in Paris während der Kommune), und die damit verbundene glänzende Rechtfertigung und Vertheidigung derselben. Ein großer Theil der Adresse des Generalraths wurde verlesen und gegen Mitternacht trennte sich diese erste Generalversammlung der hiesigen Internationalen.— Sonntag, d. 9. Juli, fand wieder eine gemeinschaftliche Sitzung der 1. und 6. Sektion(deutsch) Statt, in welcher die eiligst angefertigte Uebersetzung der Adresse des Generalraths in deutscher Sprache verlesen wurde. Die Versammelten be- zeugten dem Dokumente große Aufmerksamkeit und unterbrachen die 2V> Stunde dauernde Verlesung durch häufige Beifallsbezeu- gungen.—_ Der Normalarbeitstag und seine Wirkung*). Seit längerer Zeit ist in der Arbeiterbewegung sehr wesentlich für die Einsiihrung des Normalarbeitstages agitirt worden. Beson- ders hat es sich der„Allgemeine deutsche Arbeiter-Verein" angelegen sein lassen, in seinem Organ, dem„Neuen Sozial-Demokrat", in meh- reren Artikeln für denselben auszutreten. Es soll nun in diesem Artikel die Nichtigkeit einer solchen For- derung zu beweisen, versucht werden. Abgesehen davon, daß man durch den Normalarbeitstag wieder zwei Klassen von Arbeitern schassen würde,— wie ja der„Neue So- zial-Demokrat" selbst eingesteht, daß sich derselbe nur auf die Großin- dustrie anwenden ließe,— so würde er dennoch nicht dazu führen, zu was er geschaffen werden soll, nämlich, der Beraubung des geistigen Lebens und der körperlichen Kraft des Volkes vorzubeugen. Gesetzt, es würde in der Großindustrie der Normalarbeitstag eingesührt(die gewohnte Frühstücks- und Vesperstunde fiele von selber weg>, so würde der Fabrikant, um nicht zu Schaden zu kommen, die Arbeiter so trei- ben und so mit Arbeit überhäufen, daß dieselben Abends weit müder und abgespannter sein würden als vorher und weit unfähiger und stumpfer zu irgend einer geistigen Arbeit. Andrerseits würde dem Fabrikant durch den Normalarbeitstag eher noch Vortheil erwachsen, denn welch ungeheure Menge an Licht und Heizung würde gespart werden, wenn in den großen Fabriken die tägliche Arbeitszeit nur um eine Stunde verkürzt würde. Da nun der Fabrikant, wie oben schon gesagt, in seiner Ausbeutungssucht bemüht sein wird, in der nun verkürzten Arbeitszeit dasselbe Quantum von Arbeit zu liesern, so erhellt hieraus, daß derselbe durch die oben schon erwähnte Erspar- »iß zu einem bedeutenden Vortbeil gelangt, und dies ist der Grund, weßwegen gerade in den Gegenden, wo die Industrie zu einer bedeu- tenden Höhe herangewachsen ist, auch Stimmen, welche außerhalb im- serer Bewegung stehen, für die Einführung des Normalarbeitstages laut werden: es sind dies die„offenen Augen" Jener für die Leiden des arbeitenden Volkes. Außerdem gehören aber auch zur Großindustrie sehr viel Gewerke, bei welchen die Handarbeit nicht zu beseitigen ist, wie der„Neue So- zial-Demokrat" selbst anführt, und so würde der neue Segen nicht einmal die gesammte Großindustrie umfassen. Nun giebt es aber auch so und so viel Erwerbszweige, welche den Jahreszeiten, also der Mode unterworfen sind und ebenzalls zur Großindustrie gehören; wie unmöglich da der Normalarbeitstag ist, ist wohl einleuchtend, denn es muß in verhältnißmäßig sehr kurzer Zeit eine ungeheure Menge von Arbeit geliefert werden. Hier würde man sagen, daß alsdann mehr Arbeiter angestellt werden müßten und somit die Nachfrage vermehrt würde; dies ist jedoch keineswegs unbedingt nothwendig, denn in der Lohnarbeit würde der Arbeitgeber mehr treiben und in der Accord- oder Stückarbeit der Arbeiter felbst bemüht sein, das Quantum von Arbeit zu liefern, was zu seinem nothwendigsten Lebensunterhalt gehört. Gesetzt aber, es stiege die Nachfrage nach Arbeit nnd mit ihr der Lohn, so müßte doch der„NeueSozial-Demokrat" wissen, daß auch mit ihm der Preis der Produkte steigt und daß eben durch den, in Folge der geftei- gerten Nachfrage gestiegene» Lohn in der betreffenden Branche ein ge- Misses Wohlbehagen sich bei den Arbeitern einfinden würde; sie wur- den zeitigere und reichlichere Ehen schließen, und so hätten wir nach Verlauf von einigen Jahren nicht mehr Nachfrage, wohl aber ein lleberangebot der Arbeit. Der Normalarbeitstag ist also ei» direktes Verschleppungsmittel der sozialen Frage und wir würden in einem Zeitraum von fünfzehn Jahren eben da wieder anfangen müssen, wo wir heute stehen; er ist also in Folge des ökonomischen Lohngesetzes im heutigen Staate eine reine Unmöglichkeit. Auch würde man die große Menge von Land- arbeitern unbedingt ausschließen.— Wenn aber derselbe unter den heutigenVerhältnissen auch wirklich möglich wäre und es würde dem Ar- beiter wirklich daraus das erwachsen, zu was er geschaffen werden soll, so würde die Folge davon sein, daß die Arbeiter, welche von der Lehre Lafsalle's nicht bis ins Innerste durchdrungen wären, sich dem eigentlichen Prinzip der Bewegung fern hielten, denn man hat die Beweise gehabt, daß die unwissende Masse, wenn sie einmal einen Strike siegreich beendigt hatte, nun glaubte, daß sie nun weiter Nichts bedürfte und nach ihrer Meinung die soziale Frage schon für gelöst hielt. Als Mittel nun, welche zur Erreichung des Normalarbeitstages führen sollen, sind organistrte Strikes und die Einführung derselben durch den gesetzgebenden Körper angegeben worden. Auf Letzteres wird das größte Gewicht gelegt. Unser gesetzgebender Körper besteht doch meistentheils ans Kapitalisten und Bourgeois, und aus den oben angeführten Gründen haben wir gesehen, daß, von diesen den Normalarbeitstag zu erlangen, nicht zu schwierig sein dürfte, da ihnen ja dadurch eher Nutzen als Schaden gebracht würde; wenn auch In den einzelnen Fällen sich die Bourgeoisie so sehr dagegen sträubt, so ist dies jedoch nur der leere Schein, dem Arbeiter keine Koncessionen machen zu wollen. Beweis dafür ist, wie vor einigen Jalzren im „Sozial-Demokrat" stand, daß ein Fabrikant in Elsaß, dessen Name mir entfallen, selbst seinen sämmtlichen Arbeitern unter Entrichtung des alten Lohnes eine Stunde Arbeitszeit abnahm, denn er war durch eigene Berechnung zu der Einsicht gelangt, daß er trotz der verkürzten Arbeitszeit und des alten Lohnes, dennoch dasselbe Quantum von Ar- beit erzielte und auch noch die Ersparniß an Licht und Heizung hatte. Hier wolle man nie vergessen, daß unter den heutigen Verhälwissen das, was der Bourgeoisie Nichts schadet, auch dem Arbeiter Nichts nützt. Wir sehen also hieraus, daß eine solche Agitation dem Prinzip der Bewegung eher hinderlich als förderlich und darum gänzlich ver- werstich ist. Im sozial-demokratischen Staate, unter mir Hülfe des Staats gegründeten Produkrivassoziativnen, regelt sich die Arbeitszeit von selbst; dies muß denn auch dasjenige sein, was in unserer heuti- ') Wir brauchen nicht z» sagen, daß wir mit den Ausfuhrungen deS obiaen Artikels nicht übereinstimnien. Wir hielten uns aber für verpflichtet, auch einem sozialistischen Gegner des StormalarbeitStags die Spalten des Bariciorgans zu öffnen. Die Widerlegungen werden natürlich nicht ausbleiben. D. R. d. V. gen Agitation hauptsächlich hervorgehoben werden muß, dies ist der große Punkt, fum welchen sich alles Andere in näherer oder weiterer Entfernung anreiht, und hierzu gelangen wir durch die völlige AuS- Nutzung des freien und direkten Wahlrechts; nur hierdurch sind wir im Stande, uns der Lösung der sozialen Frage zu nähern, aber nicht durch solche Palliativmittelchen, durch welche wir uns die große Masse des Volkes nur entfremden, anstatt sie anzuziehen. Leipzig, den 8. August 1371. Im Namen der Lassalleaner zu Leipzig: H. Meier. Dr. Eduard Löwenthal. Die Redaktion des„Boltsstaat" erhielt folgenden Brief auS der Redaktion der„Staatsbürger-Zeitung", ä. ä. Berlin, 5. August: „Zu den vielen Unwahrheiten, die Sie bezüglich meiner schon ver- breitet haben, fügen Sie neuerdings wieder die, daß ich hier in einer Maurerversammlung gesprochen haben soll. Wenn Sie besser über mich informirt wären, müßten Sie wissen, daß ich überhaupt noch nie in Arbeiterversammlung en als Sprecher aufgetreten bin. Sie schaden in der That Ihrer eignen Sache durch nichts mehr, als durch solche leichtfertige Verdächtigungen. So theilten Sie auch einmal mit, ich hätte dem Ministerium Werren in Nassau gedient, während ich unter diesem Ministerium überhaupt nicht mehr in Nassau war— Daß ich je in offiziellen Beziehungen zur preußischen Regierung ge- standen haben soll, ist gleichfalls eineUnwahrheit, die Sie und Leop. Sonnemann in die Welt schleuderten. Ich bin stets selbst« ständig meinen Weg gegangen und meiner Ueberzeugung gefolgt— jclbstständiger, als Viele, die sich zu meinen Eensoren aufwerfen. Dr. Ed. Löwenthal." Wir haben daraus zu erwidern: 1) Im„Volksstaat" ist nicht gesagt worden, daß Löwenthal in einer „Maurerversammlung" gesprochen hat, sondern in der Bolksoersamm- lung, betreffend die Berliner Presse. Das Resumö der Löwenthallschen Rede findet sich in der von Löwenthal selbst redigirten Daubitz'schen Schnapsbllrgerzeitung Nr. 177. B.Seite l. Spalte 3. Zeile 22 bis 43. 2) Daß Löwenthal zur Zeit des Ministeriums Werren sich nicht mehr in Nassau ausgehalten hat, ist kein Beweis dafür, daß er diesein Ministerium nicht gedient habe. Ebensogut wie Löwenthal von Dres d e n aus für das preußische Ministerium gearbeitet hat, hat er auch für das nassauische außerhalb Nassau's gewirkt. 3) Das Stärkste, was Herr Löwenthal uns bietet, ist die Läugnung der allbekannten Thatsache, daß er ein preußischer Offiziöser sei. Da- mit läugnet er selbstverständlich auch, daß er in Dresden und Zürich viele Tausend Thaler in Zeitnngsgründungen verpufft hat; daß seine Cogitantenreligion-Annoncen viele Tausend Thaler gekostet haben; daß er vor einigen Monaten Mitarbeiter der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" gewesen ist und gegenwartig Mitredakleur der halbofstziösen, vom Krcuzzeitungs-Beutner redigirten„Staätsbürgerzeitung" ist.— Herr Löwenthal würde es wahrscheinlich nicht gewagt haben, uns obigen Brief zukommen zu lassen, wenn er gewußt hätte, daß sein eigener Vater zu unserm Freunde Carl Hirsch vor einigen Jahren ge- äußert hat:„Mein Sohn hat eine ausgezeichnete Stelle bei Bismarck." Hiermit erledigt sich der Löwenthalffche Brief und wir halten das in früheren Artikeln über das in Rede stehende Individuum Gesagte aufrecht, indem wir noch wiederholt darauf aufmerksam machen, daß der Verfasser der vor drei Vierteljahren, also nach Erlaß der preußischen Kriegs- Amnestie, erschienenen Majestätsbeleidigungs- und Hochverrathsbroschllrc„DaS preußische Bölkerdressur- System" sich überhaupt nicht ungehindert in Preußen aufhalten dürfte, wenn er kein Polizeispitzel und ageut provocateur wäre. Zu ge» legener Zeit werden wir einmal ein paar Proben aus der erwähnten Broschüre zitiren— Warnung für reisende Handwerksgesellen. ' In RcunDorf(im Anhalt'schen) sind am 1. August Abends mehrere reisende Gesellen von dem Ortsschulzen August Günther und einem Gemeindediener, in Gesellschaft des Oekonomen Droldenin, alle drei mit Knüppeln bewaffnet, auf offener Straße überfallen und, im Beisein vieler unthätigen feigen Zeugen, jämmerlich miß- handelt worden. Die Joftaldemolrateu von Neundorf. lstD. Für den Fall, daß die Anhalt'sche Jnstig nicht, wie die der andern Ländchen und Länder, durch die Internationale in Anspruch genommen ist, dürfte sie sich wohl mit den oben genannten Neundorfer Straßenräuber» zu befassen haben. Vom Rhein. Ein Moselaner, Soldat im 29.(preuß.) Regi- ment, erzählt mir nachstehende Charakteristik: „Auf unserm Heimmarsch von Amiens, Peronne sc. in die Eifel(Trier-Coblenzer Romel gekommen, haben wir von unfern Lands- leuten daselbst erfahren müssen, daß man uns als Nachspeise zu den Lorbeerkränzen den Heuspeicher oder den Schuppen als„ganz passen- den Schlafraum" angewiesen hat. In Frankreich hat uns das Nie- mand zugemuthet.— Ich wüßte nicht, wie Viele es hätten überstehen können, hätten wir nicht unsere leibliche Pflege von den Franzosen erhalten. Es war uns z. B. leid, als wir bei diesen aus- und aui die von uns besetzte Citadelle in Amicns einquartirt wurden. Oft hatten wir kein Brod, aber beinahe stets Schnaps. Dann glrb's wieder 2 Arode auf einmal, aber schimmlige, wir sollten uns davon abschneide», was noch genießbar wäre.— Daß uns unsere Landsleute in der Heimath das Heu und Stroh als Nachtlager anbo- ten, erkläre ich mir so: Diese betrachten den Soldaten als eine Staats- plage. Der Franzose(Bürger) hält aber den Feind selbst dann noch als Mensch, wenn er auch das Bischen, was er hat, mit ihm thei- len muß." So ein Kaiserschwärmer. Mainz. Vor mehreren Monaten, d. i. in diesem Frübjahr, hat die nationalliberale Majorität des hiesigen Gemeinderaths Strike gemacht, weil der Großherzog nicht diezenigen Personen zu Bürger- meister und Adjunkten gemacht hat, die ihnen für eine Bismarckspoli- tik im Gemeindeleben geeignet schienen. Sie haben's aber durchgesetzt und von Berlin aus war die Nachricht, daß die gewünschten Ge- meindevorsteher gewählt sind, eher hier, als die Nachricht von der großherzoglichen Ernennung kam. Jüngste Nachrichten aus unserem nationalliberalen Gemeinde- Kolleg sind, daß man den Gemeinde-Angestellten unmöglich machen will, ihre Nothschreie in der Presse zu veröffentlichen. Leipzig. In einer auch im„Bolksstaat" vorvielenWochenmitgetheilten Notiz, delressend die Mißhandlung eines Kindes durchdie Lehrerin Emilie R i ed e l in R e i ch e n b a ch, war gesagt, dieselbe habe eine Schülerin kraut und wund geschlagen. Jetzt erst, nach fast drei Monaten sendet Fräulein Riedel verschiedenen Zeitungen Berichtigungen ein, welche dahin gehen, daß das Kind wohl„einige Schwielen" von den Prügeln da- oongetragen habe, aber keine Wunden, und daß die ihr insiuuirten Redensarten gelegentlich jenes Strafakts gänzlich erfunden seien.— Wir hätten keinen Grund, uns über diese Affaire des Weiteren aus- zulassen und die vollkommene Wahrheit der Berichtigung, deren Re- surnc wir soeben dem Erimmitschauer„Bürger- und Bauernsreund" entlehnt haben, zu beweifeln, wenn nicht eine im„Leipziger Tageblatt" vom 25. Juli befindliche Berichtigung des Frl. Riedel uns dazu»öthigte. Darin sagt dieselbe, daß das in Rede stehende Schulkind, welches„seit °/« Jahren die Pestbeule der Klasse ist", wegen„hartnäckigen Lügen«" „nicht 126 aber vielleicht 26 Schläge" erhalten habe. Die Dame, die sich hier offenbar als eine Pädagogin seltsamer Art bloßstellt, muß vom öffentlichen Leben recht merkwürdige Begriffe habe», wenn sie darnach Folgendes schreibt: „Eine mir persönlich ganz unbekannte Sozial- Demokratenpartei hat die Stadt(durch das Gerücht von der üblen Behandlung des Schullindes) in Aufregung versetzt. Das ganze weitverzweigte Com- plort(!!), dessen Hauptziel meine Unterdrückung war, hat aber seinen Plan heimlich betrieben, und nur solche Subjekte zur Schau gestellt, denen wegen notorischer.Armuth kein Gericht etwas anhaben kann tili)." — Wenn das„Complott" etwa darauf hinausläust, den Kindern eine andere Lehrerin zu verschaffen, welche nicht solche Albernheiten in die Welt schickt, dann haben die Reichenbacher Recht.— (Nachträglich ersehen wir aus den Blättern, daß das Zwickauer Bezirksgericht das erstinstanzliche Urtheil gegen die Riedel„19 Thaler Geldstrafe wegen fahrlässiger mit Ueberschreituug einer Beruss- Pflicht begangenen Körperverletzung aufrecht erha.ten hat. Die„Berichtigungen" der Riedel sind demnach nicht wahrheitsgetreu.) _________ von Seite 1. Parent gab schon mii�fr Äpril feine Demission als Mitglied der Kommune. Auf ihm lastete der Verdachts!), den Befehl zur Anzün- düng des Borsenmertels gegeben zu haben; der schreibverständige Delarue hat indeß mit Bestimmtheit erklärt, daß die betreffende Unterschrift nicht von diesem Augeklagten herrühre.(So!) Die Art und Weise, wie die Verhandlungen geführt wer den, steht in Harmonie mit dem Wesen der Anklage und der Ankläger. Es sind Mörder, die über ihren Opfern zu Gericht sitzen, und deren einziger Zweck es ist, zu morden! Wie kön- nen wir uns daher wundern, daß sie ihren Opfern den Mund knebeln? Daß sie Ferre unter dem nichtswürdigen Vorwand, er„verherrliche die Brandstiftung und den Mord", zumSchwei- gen gezwungen haben? Fürwahr, neben diesen kaltblütigen Mördern„im Namen des Gesetzes" erscheinen die schnapstrun- kenen Verfailler Soldaten, die ihre Gefangenen zu Tausenden abschlachteten, als Engel der Unschuld! Und das sind die Vertreter der Bourgeoiszivilisation! Und das sind die„Ret- ter der Gesellschaft"!-- Das„Journal de Genive" veröffentlicht einen Brief von Charles Beslay, dem Mitgliede der Commune, das als De- lcgirter bei der Bank von Frankreich fungirte. Wir theilen aus dem Briefe, der bestimmt ist, gegen die Verleumdungen zu prolestiren, denen der Schreiber desselben ausgesetzt war, die Schlußstelle mit, in welcher es folgendermaßen heißt: „Für meine Person werde ich fürderhin alle Anklagen, die noch bis zn mir dringen können, mit vollster Gleichgültigkeit salle» lassen und mit größerem Muthe wie je das Studium der sozialen Probleme wieder aufnehmen, welches ich seit langem verfolge. Vielleicht werde ich bald in der Lage sein, eine gewisse Zahl der schwierigsten Fragen des Sozialismus zu lösen und diese Untersuchungen werden die An- gaben, die ich eben skizzirte, noch mehr beweisen. Ich resumire die- selben in wenig Worten: „Die Frage des Kapitals und der Arbeit ist heute das Hauptproblei», welches Europa zu lösen hat. Statt die Flucht vor ihm zu ergreifen, müsse» wir ihm näher treten, tudem wir mit Evolutionen, nicht mit Revolutionen vorgehen und an die freie DtScussion appcllircir und die Zustimmung der Mehrheit zur nnerläsilicheu Bedingung jeder Reform und jedes Fortschrittes machen." Unsere Gegner. Die„Wiener Presse"(Bourgeoisblatt, Jedem zur Verfügung, der es bezahlt) läßt sich aus Florenz schreiben: „Bekannrlich wurde hier kürzlich eine Art Filiale der Interna- tionale aufgehoben, bei welcher Gelegenheil einige Schriften in die Hände der Behörden sielen, welche auf das Treiben und die Zwecke dieser sauberen Assoziation ein sonderbares Streiflicht werfen. Unter anoerm wurde nämlich eine Art Instruktion des Londoner Central- komitees;!; vorgesunden, worin dieses das von der Pariser Kommune an- gewendete Mittel der Brandlegung nicht nur gut heißt, sondern sogar dessen Anwendung im Interesse der von der Internationale ver- sochtenen Ideen als uachahmungswerth bezeichnet, da mittelst desselben der doppelte Zweck erreicht werve, das Kapstal zu züchtigen und der Internationale Proselyten zuzuführen. Das Centralkomitee em- pfiehlt daher, b ei ev eutuellen Brandlegungen besonders größere Fabriken und Etablissements im Auge zu be- halten, da hierdurch erstens deren Besitzer im Herzen ge° troffen, zweitens die in denselben beschäftigten Arbeiter gewaltsam zum Striken veranlaßt und so der Interna- tionale in die Arme getrieben werden würden. Wenn man die Sache so liest, so glaubt mau zu träumen oder es mit einer müßigen Erfindung zu thun zu haben, und doch ist das Ganze eine Thatzache, für deren Richtigkeit wir garantiren können; die saubere I nstruktion existirt und liegt dem hiesigen Kommunalgerichte vor, ja man hegt sogar den Verdacht, daß die ungewöhnlich zahlreichen, in letzter Zeit vorgekommenen Brände in Italien nicht das Werk des Zu- falls, fondern der verbrecherischen Thaten der Jnternatio- nale seien. Und solche Elende wagen es, sich humanitärer Zwecke zu rühmen und das Wort Freiheit zu gebrauchen, welches in ihrem Munde nur entweiht und zum Schrecken und zur Geißel der Mensch- heil gemacht wird." Natürlich ist nie ein solches oder ähnliches Aktenstück von dem Generalrath der Internationalen Arbeiterassoziation ausgegangen. Entweder ist der Korrespondent der„Presse" ein infamer Fälscher, oder er ist das Werkzeug eines infamen Fälschers. Wenn in Wirk- lichkeit die saubere Instruktion existirt, dann hat sie nicht ein Mitglieo der Internationalen, geschweige den Generalrath zum Verfasser, sondern einen beliebigen Stieb er. Verstanden, ihr Denuuziantengesindel? Was aber den Korresponden- ten der„Presse" betrifft, so fordern wir ihn auf, den Beweis zu erbringen, daß ein derartiges Aktenstück(sei es nun Po- lizei- oder sonstiges Machwerk) im Besitz des Florentiner Ge- richts existirt. Er hat gesagt,„die Richtigkeit(seiner Angaben) garantiren zu können"; entweder macht er seine Behauptung wahr oder wir erklären ihn für einen nichtswürdigen Lügner! In einem„Einerlei Maß" überschriebenen Artikel be- tont der Stuttgarter„Beobachter" die Pflicht der Presse, dieses „internationalen Tribunals", an die Beurtheilung von Ver- hältniffen in- und außerhalb des Landes mit gleicher Unbe- fangenheit heranzutreten. Unrecht, von Deutschen an Deutschen verübt, sei nicht gelinder zu beurtheilen als das, was uns fremde Völker zufügten. In Nachstehendem werden diese Aus- führungen illustrirt:„Der„Schwäbische Merkur"(Nr. 177) erwähnt rühmend der aktenmäßigen Uebersicht der„Expressungen, welche die Franzosen während der Kriege von 1792— 1813 an Frankfurt a. Bf. verübt haben", berechnet und publizirt von Dr. von Oven, einem großem„Patrioten" und Senator, und fügt hinzu:„Der Verfasser will auch der jetzigen Genera- tion, die bis zum Kriege von 1870 gar sehr zu kosmopoliti- scher Sentimentalität und Bewunderung fremder Nationalitäts- »kzesse geneigt war, in dürren Zahlen das Unrecht wieder vor- führen, das der Väter Herz zwanzig Jahre lang empörte." Wozu thal er das? Ich kann keine andere Absicht herausfinden, als daß die Empörung, welche die Herzen der Väter empfunden haben, auch die jetzige Generation ergreifen solle. Und wo- zu dies? Daß sich die bedauerliche Kluft, die seit einem Jahre zwei Nachbarvölker, die ersten Nationen der Erde, getrennt hat, ja nicht zu bald schließe, vielmehr der Haß und das Miß- trauen fort unv fort genährt werde. Ist das patriotisch? Ich halte die entgegengesetzte Handlungsweise für diejenige, die dem Baterlande frommt, und daher für patriotisch. Aber ich gebe zu: was wahr ist, ist wahr und darf in der Erinnerurg der Völker bleiben. Auch ich theile vollkommen die Empörung über die von den französischen Heeren in den damaligen Kriegen gegen Deutschland erpreßten Kontributionen. Aber haben sich denn nur die Franzosen solche„empörende" Handlungsweise zu Schulden kommen lassen? Hat der„Merkur" die den franzö- fischen Städten auferlegten Requisitionen und Kontributionen je„Expressungen" genannt? Warum nennt er nicht das Gleiche mit dem gleichen Namen? Hat er eine andere Antwort als: „Ja Bauer, das ist ganz was anders"? Auch stimme ich darin dem„Merkur" völlig bei, daß die Summe jener Expressungen, von denen er selbst sagt, daß sie alle bisherigen Schätzungen hinter sich läßt(11,700,000 fl.) das Herz der Väter und aller Mitfühlenden mit Recht empören mußte. Aber ich sehe nur nicht ein, warum ich, wenn das Gleiche von Deutschen geschieht, anders fühlen und urtheilen sollte. Oder hat der„Merkur" vergessen, daß derselben Stadt Frankfurt im Jahre 1866 nicht innerhalb 21 Jahren, sondern auf einmal, mehr als die doppelte Summe als Kontribution auferlegt wurde; aber freilich nicht von Franzosen, sondern von Preußen? Hat er dieses je mit dem gleichen Namen wie die französischen Kontributionen be- nannt? Denn daß man diese Kontribution schließlich der Stadt nachließ, um sich den fetten Brocken, den man selbst zu ver- schlucken beschlossen hatte, nicht ganz unschmackhaft zu machen, ändert an der Sache nichts. Over glaubt der„Merkur", es sei nicht erst nöthig, den Frankfurtern dieses erst vor fün Jahren von Preußen erlittene„Unrecht vorzuführen," um sie mit diesen, nicht„dürren" sondern recht fetten Zahlen von der sentimentalen Bewunderung preußischer Nationalitätsexcesse zurück zubringen? Darin dürfte er Recht haben." Die„deutsche Einheit" ist einer großen Gefahr ent- roiinen: der Bayernkönig, welcher sich neuerdings in den Schmoll- winkel zurückgezogen hatte, ist plötzlich wieder„patriotisch" ge- worden und hat dem König-Kaiser von Preußen höchsteigenhändig die Hand gedrückt. Das Gleiche hat der östreichische Kaiser ge- than. Letzterer hat seinen Besieger sogar geküßt. Fürst schlägt sich, Fürst verträgt sich.— Der„sozialdemokratische Arbeiterverein" von New-Aork hat durch seinen Schriftführer an Hrn, Dr. Guido Weiß in Berlin folgendes Schreiben gerichtet: „Geehrter Herrl „Der unterzeichnete Verein hat mich beauftragt, Ihnen, in Ermangelung einer amerikanischen Arbeiterzeitung, mitzutheilen, daß in seiner letzten Sitzung Ihre ausgezeichnete Rede,„Das Recht der Kommune", wie sie im„Volksstaat" steht, unter großem Enthusiasmus vorgelesen worden ist. „Die Freude über die Thatsachc, daß in Berlin die Demo- kraten sich wieder rühren und, der schmachvollen Militärherr- schaft und der natioualliberalen Speichelleckerei zum Trotz, die viel geschmähte, heldenmüthige Pariser Kommune verlheidigen, war allgemein. Wenn man den europäischen Zeitungs- Nach- richten, die uns zu Gesicht kommen, Glauben schenkt, muß man annehmen, daß die Bevölkerung von Berlin nur eine Heerde von Bedientenseelen sei, die nichts Verdienstvolleres zu thun weiß, als bei jeder menschlichen und unmenschlichen That hoher Personen Hurrah zu schreien und in tiefster Demuth zu er- sterben. Sie können sich daher denken, wie angenehm wir durch die Gewißheit überrascht wurden, daß noch nicht alle Demokra- ten in Berlin in die Anbetung vor dem Erfolg aufgegangen und froinme Unterthanen geworden sind, daß sich vielmehr noch eine Anzahl wohl erhalten hat und ihrer Pflicht eingedenk ist, die angemaßte Herrschaft der Wenigen über die Vielen zu stürzen. Wir hoffen, daß sie in dem Kampfe für die Abschaffung der heutigen elenden Gesellschasts- und Staatsverhältnisse nicht erlahmen, sondern in immer entschiednerer Weise vorgehen werden, nicht vergessend, daß die soziale Ungleichheit, der Hunger, die unsichere Existenz der Arbeiter und die daraus hervorgehende dienstliche Abhängigkeit und Stellenjägerei die Hauptursache aller Uebel ist, gegen die wir anzukämpfen haben. In Gleichheit und Brüderlichkeit." zc. w. 2C." Estlingen. In Folge des Beschlusses der LandeSvcrsauimlung der württembergischen Arbeiter-Vereine: Direkte» Anschlus; an die sozial-demokratische Arbeiterpartei, hat der hiesige Ar- beilerbildnngS- Verein in seiner Versammlung vom 29. Juli sich für den direkten Anschluß an die Partei ausgesprochen, und führt nun den Namen„sozial-demokratischer Arbeiter-Verein." Wir ersuchen deßhalb alle Parteigenossen und Brudervereine, welche mit uns korrespondiren, ihre Adressen an C. May bei Stricker Braun Strohgasse No. 7 zu richten. A. Homminger, Schriftführer. Reutlingeii. Sonntag. 30 Juli. Die heute h!er abgehaltene Volksversammlung verlief günstig. 150—200 Personen meist Arbeiter, waren anwesend. Den Vorsitz führte Bürger Zirbs aus Reutlingen. lieber den ersten Punkt, die Stellung der sozialdemokratischen Partei jur Volkspartei referirte Bürger Schwarzinger, da Scheu wegen einer Ausweisung aus Württemberg verhindert war. Er wies am Ve halten der Volkspartei während des Krieges überhaupt und zur ozialen Frage insbesondere nach, daß es den Arbeitern unmöglich sei, ich länger von dieser Partei gängeln zu lassen. Bürger Mai von Eßlingen, der über den zweiten Punkt, den Normalarbeitstag, referirte, sprach für den zehnstündigen Arbeitstag. Beide Vorträge wurden mit allgemeinem Beifall aufgenommen. Am Schluß der Versammlung unterzeichneten sich sofort 29 Arbeiter als Mitglieder des neuzugründenden sozialdemokratischen Vereins.— Stockmayer, Schriftführer. Herborn in Nassau. Dem Aufrufe der Gießen er und Mar- burger Parteigenossen zu einer Zusammenkunft auf dem Staufen- berg folgend, fanden sich dort von hier ein: Heinz und Schupp und W. Schmidi, der früher in Holstein agitirt hat. Mit den Marburger und Gießener Parteigenossen— unter letzteren viele Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins— wurde nach erfolgter Be- rathung folgender Beschluß gesaßt: „Für die drei Orte Gießen, Marburg und Herborn einAgi- tations-Komitee zu gründen, bestehend aus 9 Mann mit Gießen als Vorort, wozu Gießen 5 Manu und Marburg und Herborn je 2 Mann wählen, um die Mittel zu beschaffen, in kürzerer oder längerer Frist die Agitation mit Erfolg betreiben zu können." Das Komitee in Gießen wird hierüber dem Ausschuß näheren Be- richt erstatten.— Die Zusammenkunft war für die Theilnehmer in jeder Beziehung anregend und sehr gemüthlich.— Harme». In den Zeitungen finde» wir folgende Annonce: „Den Arbeitgebern der Umgegend, die uns durch Nichtbeschäfrigung der wegen des Slrike entlassenen Arbeiter unterstützen wollen, zeigen wir hierdurch an, daß unsere Vereins-Glieder von jetzt an jeden Ent- lassungsschein eigenhändig unterschreiben und untersiegeln oder stempeln werden, und daß eine Nichtbetheiligung am Strike dem betreffenden Ar- beiter extra bescheinigt werden soll. Barmen, 1. August 1871. Der Maschine nfabrikanten-Verein. Härmen. Unterstützung für die strikenden Metallarbeiter ist noihwendig und zu senden an Jul. Schmitz, O berdeukmal- iraß e 88, Barmen. Breslau, den 10. August 1371. Auf die Erwiderung des Hrn. M. in Nr. 64 des Parteiorgans habe ich nichts zu entgegnen. Alle Parteimitglieder, welche die sozialistischen Schriften nicht blos gelesen, onderii auch durchdacht haben, werden mit.mir der Meinung sein, >aß diese Erwiderung sich selbst kritisirt. Eine Bitte härte ich' nur an Hrn. M. zu richten, nämlich die, mir gefälligst den Passus aus den Lassalle'schen Schriften zu zitiren, welcher die' von ihm projektirten Produktiv-Assoziationen für die Pioniere der zukünftigen hält. Ich würde ihm für diese Bereicherung meiner national-ökonomischen Kenntnisse sehr verbunden sein. Offen- bar hat Hr. M. jene Stelle aus dem Arbeiterlesebuch im Auge, welche die auf der Basis des Staatskredit errichteten Genossenschaften für die Bahnbrecher der künftigen kommunistischen Gesellschaft erklärt. Hin- sichtlich des mir gegenüber gestellten§ 7 des Statuts der deutichen Sektion der Jntematioiralen Arbeiterassoziation verweise ich ihn auf die voriges Jahr im Organ genannter Sektion— dem„Vorboten" — erschienenen Artikel mit der Ueberschrift„Die Arbeiterbewegung, das Genossenschaftswesen und die Revolution". Er wird dort die- selben Ansichten wiederfinde.», die ich in meinem ersten Artikel über besagte Assoziationen ausgebrochen habe. Dies mein letztes Wort hierüber: denn auch ich halte es für „Zeit- und Raumver,a,ioendung", die Seite 7—9 des„Offenen Ant- wortschreibens" entwickelten Grunde Lafsalles gegen die Schultze'schen Assoziationen hier nochmals wiederzugeben. S. Faerber. Berlin, 10. August.(Strike inderNorddeutschen Wägenfab- > ik.) Die Arbeiter genannter Fabrik haben am 9. August beschlossen, die Arbeit in der betreffenden Fabrik nicht wieder aufzunehmen, bis die Direktion ihnen Nachstehenves genehmigt hat: 1) Ihren Mitarbeiter Bischoff wieder in Arbeit zu nehmen. 2) Beibehaltung der jetzt be- stehenden Akkordpreise. 3) Erlaubniß des Tabakrauchens in den Eisen- Werkstätten. 4) Freien Zutritt eines jeden Arbeiters in das Restaura- tionskokal nach 6 Uhr Abends. 5) Einführung des Normalarbeitstages von 10 Stunden Arbeitszeit. Wegfall aller Ueberstunden und der Sonn« tagsarbeit. 6) Vergütung der Zeit im Lohne, wenn der Akkordarbeiter wegen Mangel an Material oder Werkzeug verhindert wird, weiter zu arbeiten. 7) Wegfall aller Zeitangaben bei Akkordarbeiten und unbe- dingtes Auszahlen des Verdienten. 8) Treten Fälle ein, daß ein Akkord- arbeiter entlassen werden soll, so muß ihm das Recht zustehen, den an- gefangenen Akkord fertig zu machen. 9) Bei erkrankten Mitarbeitern muß die Person, welche die Meldung resp. den Krankenschein oder den Lohn abzuholen sich als berechtigt legitimirt, freien Zutritt in der Fabrik haben. 10) Eine Lohnerhöhung für die Arbeiter, welche im Lohn arbeiten, auf 6 Pfennig pro Stunde. 11) Daß der Abschluß der Woche am Donnerstag Abend und nicht wie jetzt am Dienstag stattfindet.— Es wurde eine Kommission von 34 Manu gewählt, welche diese Forderungen der Direktion am Dienstag überreicht hat, aber ohne Erfolg. Dann wurde ein Strike-Komitö von 11 Personen gewählt. Zum Geschäfts- führer wurde Elsner, zu Kassirern wurden Brückner und Bischoff gewählt. Dieses. Komits hat seinen Sitz im Schneider'scheu Lokal, Ihoistr. Nr. 12, und bittet, etwa eingehende Unterstützungen direkt an dasselbe zn adressiren. Jnternatio«ale Gewerksgenossenschaft der Maurer, Zimmerer und verwandten Gewerle. Dresden. Die Hauptversammlung am Dienstage, zu welcher alle verwandte Baugewerke und Bauarbeiter eingeladen wurden, war nicht so zahlreich wie die vorige besucht, trotzdem die Tagesordnung aber- mals die wichtigen Fragen: über die Unterstützung der striken- den Berliner Maurer und ,den Normalarbeitstag zur Vera- thung brachte. Die erste Frage: Wollen wir die feiernden Kameraden unterstützen? ward von mehreren Rednern unter BeifallsbezDgunaen befürwortet, ungeachtet der im„Neuen Sozialdemokrat" gegen uuzere letzten Beschlüsse aus falscher Auffassung hervorgegangenen Verdächti- gungeu, welche beiläufig bemerkt unsererseits auf brieflichem Wege, im Vereinsorgan dem„Voltsstaat" aber durch Herrn Liebknecht, Bork und andere widerlegt worden sind. Dies geschah auch in der Ver- sammlung, indem nachgewiesen ward, daß' wir bei früheren Vor- kommnissen unserer Pflicht so viel als möglich nachgekommen sind, ohne zu fragen, von welcher Partei die Aufforderungen ergangen waren, und auch heute ward folgende Resolution einstimmig ge- nehmigt: „Die heutige Versammlung beschließt im Interesse sämmtlicher deutschet Arbeiter, die in Berlin strikenden Maurer nach Kräften zu unterstützen und auf allen Bauplätzen, Arberterstellen und Werkstätten Sammlungen vorzunehmen, überhaupt sich zu einer regelmäßigen Bei- steuer zu verpflichten." Hierauf bezüglich ward auf Vorschlag sofort ein Comitee gewählt, ivelches Sammlungen in die Hand nimmt und Geldsendungen besorgt. Die Gewählten waren: Gäbler, Müller, Kretzschmar, Knauth und Ettrich. Letzterer als Kassirer und wohnhaft Pragerstr. Nr. 10 im Hofe. Eine sofort ausgelegte Liste zu regelmäßigen Steuerungen während des Strike(welche' leider viel Hartherzige zum Verlassen des Saales veranlaßte) ergab das günstige Resultat, schon andern Tages 12 Thlr. absenden zu könne»', und hofsenttich werden namentlich die Herren Poliere ihrer Pflicht gegen die ihnen unterstellten Arbeiter nachkommen und die Sammlungen möglichst befördern helfen, anstatt sie zu unterdrücken, wie bereits schon von einigen geschehen. Der 2. Punkt der Tagesordnung enthielt ein Referat Herrn M ü l- lersüber den„Normalarbeitstag." Redner wies bis in die kleinsten Details nach, wie bei den noch seit 30—10 Jahren bestehenden Aecord- preisen der Arbeiter noch einmal so viel leisten müsse wie damals, um nur den zur höchsten Nothdurst erforderlichen Lohn zu verdienen und demzufolge die Sonntage und Nächte zu Hülfe zu nehmen ge- zivungen sei;c._(„Volksbote.") Luittung. die Jnhaftirten. Erhalten von W. Hock, Regensburg, 1 Gulden für _ W. Liebknech t. 'Ein Schreiber, welcher eine schöne Handschrift besitzt, wünscht seine freien Stunden durch Anfertigen von Reinschriften, Abschriften ic. auszufüllen: auch wäre derselbe geneigt, eiuem Geschäftsmanne die Kontobücher zu führen, und erbittet man gefl. Adressen unter I. jst. 80. in der Expedition d. Bl. niederzulegen._ Durch die Expedition des„Volksstaai" ist zu beziehen: Der üürKer�i'ieL- in �rnnlimdi Rdressc des Gcnei alrathS der Internationalen Arbeitcr-Asso- iatio» an alle Mitglieder in Europa nnd den Vereinigten Staaten. Separatabdruck aus dem„Votksstaat" Preis a Stück 2 Sgr., in Partien 1% Sgr._ Für Köln. Internationale Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnrag, den 20. August Morgens 11 Uhr öffentliche Ver- sammlung sämmtlicher Holzarbeiter Kölns und der Umgegend in der Bierbrauerei bei Wisdorf, Tieboldsgasse 102. Tagesordnung: Der Zweck der Gewerkschaften nnd die Wirkung des Krieges auf unser Gewerk. Der Zutritt ist Jedem frei. Der Bevollmächtigte. Jrür Frankenberg. ebeitcrverbrnderungSfest, Sonntag, den 20. August, Nachmittags 3 Uhr, im Saale des Herrn Benedix zu Frankeilberg. Das Fest besteht aus Konzert, deklamatorischen Vorträgen unter Mitwirkung tüchtiger Kräfte und einem darauf folgenden Hall. Für das Konzert HiitriSe S Xgr.» Ballabzeichea 5 Bfgr. Alle Arbeitervereine uno Gesinminzszenossen der Nachbar- tädte werden freundlichst um zahlreiche Pheilnahm: gebeten. Das Festkomitea d. sozial-demokratiachen (3) Arbaitervereins z. Frankanberg. Für Leipzig. Sozial-demokratischer Arbeiter-Verein. Freitag, den 14. August, Abends Vs9 Uhr: Versammlung. Tagesordnung: Berichterstattung über den Kongreß. Der Vorstand. I>a>» Lokal wird Im„Tageblatt" bekannt gemacht. Cntbiudungs-Anzeige. Heute Morgen 8'/, Uhr ist meine Frau Natalie, geb. Reh, mit einem gesunde» Knabe» niedergekommen. Leipzig, den 13. August 1871. MV. Liebknecht. Leipzig: Berantw.Redakteur A.Hepner(Redaktion: Peterssteinweg 13.) Druck u. Verlag: F. Thiele.(Expedition: PeterSstr. 18.)