M 67. SoimnlifiiO,, Ocii:l'.l. fluiiuft. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Nuchhand- lungen des In- und Auslandes an. Kür Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, Pctersstraße 18, F.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipztg. AbonneulenrspretS: Für Preugen incl. Stempel- steuer 16 Rar., für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Kilialerpedition für die Ber- eti. igten Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. riaNewyork. Organ der sozial-demokratlschenArveiterpartei und der Internationalen Gewerksgenolsenschasten. Politische Uebcrsicht. Der Prozeß der Versailler gegen die Kommune ist, trotz aller getroffenen Vorsichtsmaßregeln der Ordnungsban- diten, sofort am ersten Tage zum Prozeß der Kommune gegen die Versailler geworden. Die sogenannten Ange- klaaten benehmen sich würdevoll und mulhig, wie Männer, die ein Ideal haben, und bereit sind, für dasselbe zu sterben; die sogenannten Richter dagegen sind frech, pöbelhaft, schaamlos parteiisch, und die Zeugen, auf welche sie rechnen, sind Mouchards, Pfaffen und sonst anrüchige Subjekte. Daß die Anklageschrift (die beiläufig theilweise vonHerrn Thiers verfaßt ist) zuerst im Schandblatt„Figaro" veröffentlicht ward, haben wir be- reits erwähnt: als Parallelthatsache ist heut mitzutheilen, daß der Zutritt zu den Verhandlungen nur gegen Karten erlaubt wird, und diese Karten sich fast ausschließlich in den Händen von Cocottcs(Prostituirten) befinden. DiePro- stituirten— das ist freilich die passendste„Gesellschaft" für die tugendhaften Vertreter der„Familie"! Indem wir uns vorbehalten, den Prozeß, sobald er sich abgewickelt hat, im Ganzen zu besprechen, geben wir jetzt einige charakteristische Auszüge aus den uns vorliegenden Berichten. Zunächst Fol- gendes über das Verhör Ferrv's: Präsident: Angetlagter Ferrö, Sie haben in der Untersuchung jede Antwort auf die Ihnen vorgelegte» Fragen abgelehnt. Wollen Sie in diesem System verharren? Ferrö verliest folgende vom ihm vorbereitete Erklärung: In Er- wägung, daß ich die Ehre hatte) im 13. Arrondissement mit 3500 Stimmen zum Mitglied der Kommune von Paris ernannt zu wer- den; in Erwägung, daß ich dieses Mandat annahm und meine Pflicht war, es ehrlich auszuführen; in Erwägung, daß, nachdem die Kom- mune von Paris erlegen und ihre Mitglieder getödtet oder gefangen >mon»nen worden, der Charakter, die Lehren und Handlungen der- silben auf das Gehässigste entstellt worden sind; in Erwägung, daß die Häupter der Kommune getödtet, verhastet, oder gezwungen sich zu verbergen, die Wahrheit nicht a» den lag bringen und ihre Verlenm- der nicht brandmarken könne»; in Erwägung.... Regierungskoinin ssar Gaveau: p>r.' Präsident: CS kann Nicht gestattet werde», das; ei» Angeklagter in dieser tftjlcife die Apologie der Kommune vortrage. Pritfident: An der That, e» ist diese»«ine NnckstchtS- losigkcit Ferro: Gerade um mich nicht zu einer Rücksichtslosigkeit hin- reißen zu lassen, habe ich nieine Erklärung niedergeschrieben. Ich habe übrigens nur wenig hinzuzufügen, Ich spreche von mir und nicht von der Kommune. Präsident: Wir haben in Ver teilt hier nicht die Politik der Koulmune zu dtstutiren, sonder» über ihr Verbrechen z» erkennen. Ferrö: Der Herr Präsident hat uns gestern gesagt, daß wir vollkommene Kieiheit haben, uns zu vertheidigen. Davon mache ich Gebrauch. Lassen Sie mich also fortfahren: In Erwägung, daß ich und meine Familie seit meiner Verhaftung der Gegenitand der un- würdigsten Behandlung war und dies dem wahren Republikaner seine Pflicht genügend vorzeichnet, erkläre ich, daß ich, abgesehen von den Fragen, welche meinen Civilstand betressen, keine Antwort geben werde. Der Regierungscommissar: Cs fehlt nur noch, Herrn Ferr», den Brandstifter, eine Lobrede aus die Kommune halten zu lasse». Der Fall des Angeklagten ist im Art. 109 der Straf- Prozeßordnung vorgesehen: der Gerichtshof hat ihm einen Bertheidiger von Amtswegen bestellt. Man sucht den Prozeß schon ohnehin mit Zwischensälleii hinzuhalten. Advokat Dupont de Bussac: Was ist denn mit diesen letzten Worten gemeint? Sic sollten lieber trachten, auf unsere Anträge besser Zu antworten, als sich über dieselben beklagen. Ferrö: Der Gerichtshof wolle»ach seinem Gutdünken� handeln; ich habe nach meiner Ueberzeugung verfahren. Auf alle Fälle muß ich jede Erklärung ablehnen, so lange ich nicht mit den Zeugen kon- stontirt worden bin. Ado. Manchon(sürBerdure) wirst noch einmal die Competenz- frage auf. Der Regierungstommissar entgegnet, daß diese Frage offen- bar schon für alle Angeklagten entschieden sei. Dus führt zu einer gereizten Diskussion zwischen de» Berthcidi- gern und dem öffentlichen Ministerium. Gaveau: Ich habe keine Lection von der Bertheidigung zu ein- psangen. Dupont de Bussac. CS ist aber auch»icht erlaubt, eine solche RcchtSunkcnntnist zu vcrrathen. Gaveau: Das ist uu» eine neue Iiisolenz(Frechheit). Dupont de Bussac: Ihre Utliform verlangt nicht mehr Ach- i.ung als meine Robe; ich hoffe, daß man uns gegen die Ausfälle des öffentlichen Ministeriums schützen wird. Der Präsident meint, daß die gestrige Entscheidnng offenbar für alle Angeklagten gelte. Die Advokaten bestreiten das, nehmen indeß von der Erklä- rung des Präsidenten Akt. Der Gresfier Barcq verließt das Protokoll des ersten Verhörs fuit Ferrö. Wie er zu dem angeblich von dem Angeklagten unter- schriebenen Dokument gelangt:„Lassen Sic das Finanzministerium m Flammen aufgehen") sagt Ferrö. Das ist ein anonhnies Aktenstück, welches keine Berücksichtigung verdient.! Präsident: Bestreiten Sie, es unterschrieben zu haben? F i rv 6: Da ich einmal in der Voruntersuchung die Thorheit be- gangen habe, �darüber zu antworten, so muß ich mich auch jetzt er- klären. Der Sachverständige hat gesagt, daß das Dokument von mir herrühre und daß ich nur meine Schrift verändert hätte. Ich gebe Ihne» aber ulem Wort. dast das Schriftstück falsch ist. Hätte >ch diesen Bekchl gegebeu, so hätte ich ihn auf ei» mit dcui «»tetci„Kopl" i>»e>»es Amtcs versehenen Papier gesetzt»ud ganz foruilich gesagt: ,,Cs wird Befehl gegebe», das Sinauzmini- sterium in Brand zu stecken." Das Schriftstück ist eine un- würdige Fälschung. Regicrungscommisiar: Dieser Ausdruck„uuwürdig", kann im Munde eines Angeklagten nicht erlaubt werden. Ferrö: Ich spreche von dem Untersuchungsrichter. Regierungscommissar: Gleichviel, wen» Jemand hier �würdig ist, zo sind Sie eS. Präjidcnt: Das Schriftstück wurde bei einem hinter einer Bar- '"de getöoteten Insurgenten gesunden. Ferro: Als ich verhaftet wurde, hatte ich dasselbe bereits in der„Liberi»" gelesen und mir de» Kopf zerbrochen, von wem die Fälschung herrühren könnte. Die republikanische Po- lizei war einer solchen nicht fähig, aber es waren ehemalige Agenten des Kaiserreichs im Spiel, denen es wohl zuzutranc» ist. Man hatte lauf dem Kriegsministeriuvl einen Brief von mir an den Bürger Lacord gefunden und wahrscheinlich nach diesem de» Befehl an Lucas gefälscht. Man vergleiche die Handschriften, und man wird finde», das; hier ein Falsnm vorliegt. Präsident: Erkennen Sie an, am 21. Mai den Befehl geschrie- den zu haben, die gefangenen Gendarmen und Stadtserzeauteu aus La Roquette hervorzuholen? Ferro) Ja wohl, dieser Befehl rührt ganz von meiner Hand her; ich erliest ihn aber nicht, um die Leiste füsilirc» zn lassen, sonder» um sie in Freiheit zu scsten. Präsident: Sic wissen gleichwohl, daß dieselben füsilirt wor- den sind. Ferro: Dafür bin ich nicht verantwortlich; ich befahl, sie i» Freiheit zn festen. Ich protestire noch einmal, weil man mir nicht die Zeugen gegenüber gestellt hat. Präsident: Haben Sie Sie Brandstiftung in der Polizei-Präsec- tur ttnd im Justiz-Palaste geleitet? Ferro: Jetzt antworte ich nicht mehr. Es wird nun zur Vernehmung der Zeugen geschritten. Valentin, Burcaudicner»n der Polizeipräfcktur, weiß keine Auskunft zu geben, nicht einmal warum er verhaftet worden ist. FrauEampagne, welche die Polizei-Präfektnr bewohnte, sagt ans: Am 21. Mai. herrschte in der Präjettur große Bewegung. Bald sah ich die Flammen hervorbrechen. Ich eilte zu der Concierge und sah, wie der Zeitungskiosk, in welchen man Petroleum gegossen hatte, in Feuer aufging. Von ihrem Fenster aus sah ich einen Mann im grünen Paletot mit schwarzem Sammtkragen und einem Gewehr über ver Schulter Befehle geben. Er»ahm den Hut ab, um sich den Schweiß zu trocknen; er hatte schwarzes Haar und schwarzen Bart und zog sich am letzten von allen zurück. Präsident: War es der Angeklagte? Zeugin: Das kann ich nicht sagen, da der Mann mir den Rücken kehrte. Der Schreibveritänoige Dclarue gibt, von beständigem Lachen Ferres unterbrochen, sein Gutachten, wonach der Befehl zum Anzün- den des Finanzministeriums, obgleich die Handschrift verstellt sei, un- vcrkennbar(!) von Ferro herrühre. Der Schlosser Casord bekundet, Ferro hätte ihn in seiner Werk- statt in der Polizei-Präfektnr getroffen und gesagt: Gehe» Sie schnell fort, denn wir stecken Alles in Brand! vieacau, Nnrerbrigadier in dör Polizei- Präsektur am 21. Mai tam Ferrö in Begleitung von Fönet, Wurtz und Anderen in den Depot, ließ sich einige Gefangene vorführen und zuletzt einen gewiffcn Beysset. Ich erfuhr, daß dieser aus Befehl Ferro s erschossen und sein Leichnam in die Seine geworfen wurde. Ferrö trug einen Spazier- stock und sagte: Sputen wir uns; es geht nicht rasch genug! Ferrö erhebt sich und scheint etwas bemerken zu wollen. Da der Zeuge ihn ansieht, sagt er indeß, wie wenn er selbst die Autorität im «aale ausübte: Schon gut, Sie können sich zurückziehe».(Gr murmel.) Verguerie, ein anderer Beamter des Polizei-TepotS: Am 21. Mai kam Ferrö auf die Präfiktur und erklärte, er wolle eine Richtung unter den Gefangenen vornehmen: Alle, welche dem Kaiserreich oder der Regierung von Versailles gedient hätten, sollten crschffsen werden. Er ließ sich Einige vorführen/ darunter Beysset, und gab einem von einem gewissen Grefsier befehligten Peloton Ordre, diesen zu fitsiliren, wobei er unter die Mörder Geld, Silberstücke von 2 oder von 5 Fr., austheilte. Tesseray, ein dritter Beamter der Präfektur, bestätigt diese Aussage; Ferro hatte zu ihm geäußert, daß Beysset die Thore von Paris an die Versailler verrathen hätte. Frau Marguerite Forcy, eine Freundin Bcysset'S, war selbst verhastet und mithin nicht Zeugin dieser Scenc. Sie weiß nur, daß Beysset, als er am 2t. Mai in St. Ouen verhaftet wurde, 20,000 Francs bei sich führte, die man nicht mehr vorgefunden hat. Polizeikommiffar Räbut, eine von der Kommune ergriffene Geißel, erzählt seine Schicksale. Er befand sich in Einzelhaft in Ma- zas. Am 22. Mai erfuhr er von dem Wächter Monnier, daß die Truppen eingerückt wären, am folgenden Tage wurde er aber zu sei- nein Schreckeil nach La Roquette gebracht, wo er den Bischof Darboy, den Präsidenten Bonjean u. s. w. wiedersah und stündlich seine Hin- richtung erwartete. Am 21. hörte er von seiner Zelle aus eine An- zahl von Opfern abführen, am 25. wiederum den Bankier Jecker und nun gab er schon jede Hossiiung auf Rettung auf. Zwei Tage später wurde ihm seine Freiheit angekündigt; er hielt dies sür einen Fallstrick, konnte aber unter der Panik, welche das Herannahen der Truppen hervorrief, glücklich das Weite gewinnen. Hz. Trinquart, der Apotheker von La Roquette, hat Ferro in diesem Gesängniß kurz vor der Hinrichtung der Geißeln ankommen sehen. Ferro: Das ist keine Kunst, ich habe ja selder gesagt, daß ich dort gewesen bin. Der Abb» Fero n hat auf dem Stadthause den Bürger Rogeard gesucht uno da er diesen nicht fand, sich später an Babick mit der Bitte gewendet, seinen Bischof sehen zn dürfen. Babick vertröstete mich auf einen nächsten Täg. Als ich ihn wieder im Stadthause aufsuchte und in seinem Vorzimmer wartete, fragte mich ein kleinerJiNann in keckem Tone, was ich dort zu suchen hätte und ließ, da ich ihm aus- weichende Antworten gab, einige grobe Redensarten fallen. Babick kam dann und sagte mir in seinem Kabinet, daß ich ihn durch meine bloße Gegenwart lomproinittirte. Während ich da war, unterhandelte ein Amerikaner mit der Kommune über den Ankauf von Kunstgegen- ständen für den Preis von zehn Millionen. Später wandte ich mich, immer in der Absicht, bei dem Bischof Zutritt zu erhalten, an Protot und endlich durch einen Advokaten an Raoul Rigault, auf den mich alle Welt gewiesen hatte. Mein Freund sprach Rigault von einem Geistlichen, der den Bifchof sehen möchte, wenn man ihm'zusichere, das Gesängniß wieder verlassen zu dürfen; Raoul Rigault lehnte eine solche Zusicherung ab. Braquord, ein Brigadier des Depots, hörte von Ferro, daß die Präseklur in Brand gesteckt werden sollte. Cr erwirkte von Ferr» die Crlanbnifz, die ünschuldigen Frauen i» Freiheit zu setzen, und dehnte diese Mafzregcl aus eigener Machtvollkoulnienheit auf alle«efangcnc» aus. Als er zurückkam, war Ferro schon fort und das ganze Gebäude sich selbst überlasse». Zeuge erzählt weiter: Eines Tages kam Raoul Rigault mit Ferro, ließ sich die Zelle des Präsidenten Bonjean össne i und sagte zu diesem:„Nun, wie findest du die Versailler? Sie jüsiliren unsere Leute; jetzt werden wir dasselbe thun. Ich habe schon Thiers(I) und die anderen erschießen lassen; bald kommt die Reihe auch an dich." Bonjean enthielt sich achsei- zuckend jeder Antwort. Die Frau Braquord bestätigt die Aussagen ihres Gatten; auch sie hat gezehen, wie Ferro Geld unter seine Leute vertheilt«. Noch mehrere audere Zeugen haben Ferro vor der Erschießung Veysset's im Depot gesehen. L amo t te, ein Warter von La Roquette, mußt«) nach der Hl». richtung der Geißeln einen Wagen holen, um die.Leichen fortzuschasten; er erfuhr von seinen Kameraden, daß Ferro die Erecution geleitet hätte. Die Leichen wurden ausgeraubt und die Sachen, die man bei ihnen fand, zu Franyois. dem Direktor des Gefängnisses, getragen; die Kleidungsstücke wurden am 25. auf demselben Platze, wo die Hm- richtung stattgefunden hatte, verbrannt. Eine erheiternde Episode bildet schließlich die Vernehmung des Zeugen Frangsis. Es besanden sich nämlich zwei Gefangene dieses Namens in Satory, und statt des Direktors von La Roqueite unter der Kommune hatte sein Namensbruder die Vorladung erhalten, ein Portier aus dem Madeleine-Viertel, der von den an ihn gerichteten Fragen nichts versteht und die Gelegenheit benützt, sich über seine un- gerechte Verhaftung zu beklagen. Noch werden einige untergeordnete Zeugen vernommen, darunter der Abb« Guoraud, Direktor des Seminars der auswärtigen Mrs- sionen, welcher von seiner Zelle ans ebensalls dem letzten Gange des Erzbischofs und seiner Genossen zugesehen hatte. Di« Sitzung wird um 6 Uhr ausgehoben. Schon aus diesem lückenhaften Berichte über die so genannte Gerichtsverhandlung sieht man, wie den Verleumdern das Material für ihre„Anklage" unter den Händen entschwin- det. Mit Recht„lächelte" Ferre— wie es oben heißt— als der„Schreibverständige" Delarue behauptete, der Befehl zum Anzünden des Finanzministeriums sei aus FerrF's Hand, „obgleich die Handschrift verstellt sei." Der Grund dieses Lachens wird Jedermann noch klarer werden, wenn wir bezllg- lich dieses Punktes uns an den stenographischen Bericht der Verhandlung(nach der Brüsseler„Liberle") hallen. Der Präsident sagte nämlich auf die Behauptung FerrF's, daß die fragliche Anzündungsordre nicht seine Handschrift trage:„Mau kann zugeben, daß Sie beim Schreiben in g roß er Eile ge- wesen sind, auf dem Sprunge, davonzugehen und sich in Sicher- heil zu begeben." Und der„Schreibverständige" sagt bald darauf:„Zum Beweise, daß die Handschrift verstelllt ist, verweise ich auf die drei �verschieden geschriebenen R in diesem Briefe." In dem Augenblicke also, wo(nach Au-> ficht des Präsidenten) Ferrci„in großer Eile" und auf Rettung seines Lebens bedacht gewesen sein soll, hat er(nach dem „Schreibverständigcn" so viel Muße gehabt, sich drei ver- schiedene R-Züge zu ersinnen!! Die ganze Infamie des Prozesses wird ins rechte Licht gestellt durch den französischen Hentze— einen gewissen Montan t. Graf Charles Montant,„Oberstlieutnant der Kom- mune", ist nämlich nach seiner eigenen Aussage„Agent des Herrn Thiers"; er schrieb„insgeheim mehrere Briefe an Thiers" und„schlug der Kommune eine Art von Höllen- Maschine vor."Montant ist nicht nur mitmachender und berichten- der Spion Thiers', sondern auch eigentlicher a�ent provo- cateuv, indem er, seinem eigenen Geständniß nach, absichtlich und mit Vorbedacht, durch einen Bericht über die schmäh- liche Ermordung einer Ambulanzwärterin von Sei- ten der Versailler den Antrag auf Füstliruug der (Heitzeln Seitens der Kommune provozirte. Also dreifach ist Thiers der Mörder der Geijzeln: i) weil er den Auslausch derselben gegen Blanqui verweigert, 2) weil er durch die Siiedermetzlung der Verwundeten und Gefangenen zu Repressalien herausgefordert, und 3) wie jetzt herausgekom- men, weil er durch seinen bezahlten Agenten direkt diesen Akt provozirt hat. An den Schandpfahl mit dem weinerlich- blutdürstigen Ober-Ordnungsbanditen! Sehr brav Hut sich der Finanzdelegirte Jourde verthei- digt; selbst die gehässigsten, uns vorliegenden Verhandlungsbe- richte erwähnen des günstigen Eindrucks, den Jourde's Rede beim Publikum hervorrief. Ueber den Brand des Finanz- Ministeriums berichtet er, daß dieser durch eine Bersatller Bombe entstanden sei, welche um 7'/, Uhr ftüh in einen mit Archiven angefüllten Speicher fiel. Er, Jourde, selber habe vie Feuerwehr kommen lassen und um 4'/, Uhr Nachmittags sei man Herr des Feuers gewesen.— Freilich wollte der Prä- sident darauf nichts geben, indem er einwendete, durch ein „Bombe" könne wohl eine so große Feuersbrunst nicht entste- heu! Die reine Unschuld— diese Versailler Bomben! Man lese aber, was Assy in seinem Verhör über die Beschaffenheit derselben ausgesagt hat: Assy behauptet zuerst!, daß er nicht mehr Mitglied der Internationale sei; er sei von Rechts wegen aus dieser Gesellschaft ausgeschlossen, da er ihren Sitzungen schon lange Zeit vor der ersten Belagerung von Paris nicht mehr angewohnt habe. Assy leugnet, daß er in der Rue des Rosiers, wo die beiden Generale ermordet wurde», gewesen sei. Er gibt zu, daß er Freimaurer ist. Während der ersten Belagerung diente er in einem Freicorps und wurde von Trochu z um Infanterie, lieutenant befördert. Assy erstattet dann Bericht über feine Theilnahme au den Ereignissen vom l8. März. Zu seiner Rechtfertigung bringt er vor, daß es sich in seiner Idee nur um die gemeinschaftliche Bertheidigung gehandelt habe, damit die Nationalgarden Nicht wie beim Staatsstreiche 1851, einzeln hingemordet würden. Der An- geklagte spricht sodann von seiner Verhaftung, die vom 1.— 15. April dauerte, und von der Verwaltung der Kriegsvorräihc, die er unter sich hatte. Die Lieferanten hatten, wie er mittheilt, nicht an die Kom mune verkaufen wollen, da sie an deren Bestand nicht glaubten, so- daß eine besondere Koinmisston habe ernannt werden müssen, um die Rohstoffe, das Papier, den � Pappdeckel, die Kohle, das Salpetei-c. anzuschaffen. Fortsetzttvg a»f Seite 4. Zur Erinnerung für die deutschen Mordspatrioten. 1800—1807. (Fortsetzung.) Kapitulation Nr. 1l.— Küstrin. Am 17. Oktober hatte der Kommandant Oberst Ingers- leben den Defehl erhalten, Kustrin gegen einen Angriff zu sichern. Es wurden für 3 Monate hinreichende Lebensmittel in die Festung geschafft, und am 30. Oktober waren alle Dor- bereitungen fertig. Geschütze waren genug vorhanden, und an Munition fehlte es nicht.„Im Ganzen betrug die Besatzung etwa 2400 Mann, worunter 1600 völlig dienstfähige Mannschaften." Am 31. erschien die Avantgarde der französischen Divi- sion Gudin in der Nähe. Die von der Festung zum Re- kognosciren ausgesandte Kavallerie wurde zusammen mit der Infanterie zurückgeworfen, und der Feind drang gleichzeitig mit den Preußen in den Brückenkopf. Der Kommandant brannte schnell die Brücke ab und wollte die Franzosen durch bloße Redensarten zur Ruhe verweisen. Der Jngenicurosfi fer vom Platz, Lieutenant Thynkel, machte ihm das Lächerliche dieses Derfahrcns deutlich. Nun sing Ingersleben mit den Franzosen zu unterhandeln an. Der General Gudin forderte die Ueber- gäbe und drohte mit Bombardement. Gleich darauf erhielt er Befehl abzumarschiren und ließ nur das 85. Regiment vor der Festung. In einer Bersammlung der Stabsoffiziere der Garnison wies der Kommandant sofort auf das Trostlose der Lage hin. Der Oberst Weyherr vom Regiment Prinz Hein- rich und der Oberst Manteufsel vom Regiment Zeuge erklärten sich für die Uebergabc; der Oberst Bouinann von der Arlil- lrrie„antwortete, der Kommandant könne thun und lassen, was er wolle". Der brave Jngenieurlieutenant Thynkel sprach sich zu Gunsten ernsthafter Denheidigung aus. Ingersleben, Ka- pitulard vom reinsten Wasser, übergab die Festung; selbst das flehentliche Gesuch seiner Frau, die ihn anhielt, als er sieb auf seinem Gange zu den Franzosen über die Oder setzen las- fe» wollte,„er möchte seine Familie nicht unglücklich machen," konnte ihn nicht erhärten. Die Kapitulalionsbedingungen wur- den von dem französischen General Gauthier dlktirt. Der Lieutenant Thynkel verweigerte die Unterschrift. „Gleich nach vollzogener Unterschrist fuhr der Komman- dant in Begleitung des(französischen) Obersten Duplin und zweier Soldaten über die Oder zurück, und in geringer Zeil war die Festung durch hinübcrsetzende Grenadiere besetzt. Die auf dein Marktplatz versammelte Besatzung warf theils aus Unwillen, theils unter Jubel und Geschrei die Gewehre, Ta- scheu und Säbel auf den Boden, und der Oberst Ingersleben mußte sich, überhäuft vom den Borwiirfen der Sobaliernofsi- ziere, vom Marktplatze retten. Die Artilleristen auf den Wäl- Uli mußten mit Gewalt von den Geschützen entfernt werden*)." „Ter Kommandant wurde wegen bewiesener Feigheit durch Kriegsgericht zum Todtschießen verurtheilt, doch vom Könige mit lebcnswieriger Festumgsstrafe begnadigt." Kapitulation Nr. 12.— Magdeburg. „Magdeburg konnte bei irgend ernster Gegenwehr nur durch einen förmlichen Angriff erobert werden." „Die Festung besaß 577 Stück Geschütz, überflüssige Mu- nitio», 20�33!) Manu Infanterie, 2110 Mann wirkliche Artilleristen, 510 Mann Kavallerie, 1159 Mann von den Pon- ton- und anderen Trains, zusammen 24,118 Mann und 6563 Pferde." Es fehlte fast ganz an Kavallerie, und Mineurs wa- rcn gar nicht in der Festung. An Mehl und Getreide war kein Mangel. Vieh hätte während 10 Tagen, vom 13.— 27. Oktober aus der reichen Gegend tes rechten Elbufcrs wohl in die Stadt getrieben wer- den können; es war aber hierin Nichts gethan worden. Gouverneur war der 73jährige Greis, General der In- fanterie von Kleist,„ein stolzer, harter Mann." Er setzte fein volles Vertrauen auf den in der Festung zurückgebliebenen General Grasen Warlensleben, den wir schon in den Schlach- te» des 14. und auf der Flucht kennen gelernt haben. Wie übergebungswülhig dieser Brave war, ist aus den Worten zu erkennen, die er, wie die 1807 bei Gulstadt aufgefangene Korrespondenz des Marschall Ney an Napoleon bezeugt, schon am 23. Novemb r, also vor der völligen Einschließung, an einen französischen Parlamentär richtete, der sich über den Ei- gensinn deö alten Gouverneurs beklagte:„Werft erst"— sagte er—„brav Bomben und Granaten iu die Stadt, so wird der eigensinnige Gouverneur wohl auf andere Gedanken konimen." Kouimandant war der Oberst du Trossel. Die Gesinnung der Bewohner von Magdeburg war verläßlich. Be- lagert wurde die Festung vom Ney'schen Korps. Schon am 27.„beantragte der Gouverneur eine Unterredung, die auch am 28. zwischen ihm und dem General Vandauririe zu Stande kam, aba keine» Erfolg Halle." Am 31. gab sich der ehe- matige Rittmeister Willisen, Bürgermeisier von Siaßfunh, dazu her, das französische Bulletin, die Kapilrilalivn von Prenz- lau enthaltend, dem Gouverneur zu überbringen und ihm im Rainen Neys die Unmöglichkeit eines Entsatzes vorzustellen. In der Nacht vor» 4. zum 5. wurde Magdeburg bonr- bardirt, aber nur schwach, da es den Franzosen an Belage- rungsgeschütz fehlte. Am 5. forderte'Ney wiederum die Ueber- gäbe. Ter Gouverneur wollte sich erst durch Absendung eines preußischen Offiziers von der Auflösung der Armee überzeugen. Arn 6. sandte» die Franzosen den bei Prenzlau gefangenen Major Wedell vor» Leib- Kürassierregiment irr Begleitung zweier franzönscher Offiziere hineiu, der authentische Ans- kunfl über die Vorgänge bei der preußischen Armee erthei- len sollte. Der: Gouverneur wagte nicht, einen förmlichen Kriegsrath zu berufen, zu dem alle Stabsoffiziere der Garnison hätten Zutritt haben rnnssen, sondern versa, iririelte nur die in Magde- bürg anwesenden Generale und den ihm sklavisch ergebenen Kommandanten. Es waren die Generale Graf Wartensleben, Nenouard, Tschepe, Alvensleben, Schack, Schimonsti, Graf Knnheiur und Holtzendorf. Obgleich„außer dem General Graf Warlensleben, dem ältesten General nach dem Gorrverneur, alle Generale sich der Uebergabe der Festung mehr oder min- der abgeneigt gezeigt halten", leitete der Gouverneur dennoch ') Weil sie nicht so viel(Plötz-Roon'sches) Ehrgefühl wie die Herren Lsfizim hatten. die Versammlung, als ob er ihnen nur seinen feigen Entschluß mitzutheilen und sie ihn zu billigen hätten.„Er forderte kei- neu Rath von den Generalen, wies alle Entgegnungen barsch zurück und kommandirte die Bersammlung förmlich zur Unter- schrift des aufgenommenen Protokolls." „Als der General Alvensleben fragte, wozu sie eigentlich berufen worden, und dabei äußerte, daß ihnen ja noch nichts fehle, sie noch alle rolhe Backen hätten w., wies ihn der Gou- verneur mit den Worten zur Ruhe:„„Generalmajor von Al- vensleben, Sie sind hier im Kreise der Jüngste, sprechen Sie, wenn Sie gefragt werden."" An sprachlichem Mrrth fehlte es diesem Kleist also nicht. Dieser 73-jährige„Edle" verstand nur nicht zu sterben. Die der Vertheidigung durchaus günstigen Berichte des Ingenieurs vom Platz, Hauptmann Kleist, der ebenso wie der Artillerieoffizier vom Platz, Major Hüser, nicht zur Konferenz hinzugezogen war, blieben ohne Wirkung auf den Gouverneur. Am 7. Nachmittags wurde ein Waffenstillstand, am 8. die Kapitulation abgeschlossen. Am 11. streckte die Garnison das Gervehr. Außer den oben genannten, wurden noch die folgenden Generale, die„theils schwer krank, theils verwundet" waren, gefangen: Müffling, Kaufberg, Errrest, Wedell, Vüiitiirg, Reitzen- stein und Graf Henckel. Marschall Ney giebt an, daß den Franzosen in die Hände fielen:„22,000 Mann von allen Waffen, 20 Generale, 600 Oisiziere, 700 Kanonen, eine Million Pfund Pulver, 80,000 gefüllte Bomben, Eisen im Ueberfluß, ein Pontontrain, 54 Fahnen und 5 Standarten, mehrere silberne Trompeten, und, im Zcughause vorgefunden, 346 frcmdherrliche Fahnen und 10 vergleichen Standarten. Unter neu eroberten Geschützen befanden sich 39 Positionsgcschiitze der Feldartillerie." Die Franzosen glaubten, der Kurfürst von Hesse« hätte feine Schandjchätze in die Festung gerettet, mid hielten sehr genaue jedoch vergebliche Durchsuchungen ab. Brauchen sich die Franzosen des Vergleichs solcher Ver- lheidigung wie die Magdeburgische mit den allerneuesten Straß- burgs, Pf'.lzburgs und Belforls zu schämen? Die plebejischen Uhrich und Denfert sind brave, anständige Leute. Den Kleist, Ingersleben, Nomberg u. f. w. muß rnau zurufen, wie Fried- rich II. ei» versagendes Bataillon angeheult haben soll:„Wollt Ihr verdammtes Kroozzeug denn ewig leben?!" Kapitulation Nr. 13.— Die Plassenburg. Die Feste Plassenburg bei Kulmbach konnte nicht durch einen Handslreich genommen werden, sondern nur durch eine regelmäßige Belagerung oder durch Aushungern.„In jenem Falle konnte sie sich 30 Tage nach eröffneten Laufgräben halten." Erster Kommandant war der 64-jährige,„körperlich sehr gcschwäckrte" Generalmajor Uttenhosen; zweiter Kommandant der Major Rüville. Die Besatzung bestand im Ganzen, eini- ge Invaliden eingerechnet, aus 629 Köpfen. Am 11. Oktober in der Nacht legten die Franzosen in eine von der Mauer herabgelassene Büchse ein Schreiben, wel- ches die Aufforderung zur Uebergabe enthielt,„in französischem Style". Die Antwort in preußischem Style sprach„von Der- lheidigung bis auf den letzten Mann". Arn 15. erging die zweite und dritte, am 19. die vierte Aufforderung an die Beste. Am 11. November wurde eine fünfte gesandt, mit einer Drohung an den Major Rüville als geborenen Franzosen. Am 20. erfuhr man vom Feinde die Uebergabe Magdeburgs. Am 23. war man im Errtgegenkom- rnen schon so weit gediehe», daß einem französischen Regimeute gestaltet wurde,„ungehindert bei der Beste vorbei nach Hos zu marschiren". Als arn 25. mit förmlicher Belagerung gedroht wurde, beeilte sich der General Uttenhosen, die wackere Uebergabe zu vollziehen. „So fiel die Beste Plassenburg, ohne daß der Feind ein Geschütz abgefeuert, und daß es der Besatzung an etwas?lir- derem als an Rauchtaback gefehlt hätte." Ter III. sozial-dcmokratischc Partci-Kongres;.�) Bor Versammlung, Son»ut>e»d Nachmittag, im Müuchncr Hof. Ärnuefend jiiiD 36 Delegirte.�) Gabriel, Lorsinenter des Ausschusses, eröffnele nm 4 Ubr die Versaminliing mit einer Ansprache an die Anwejeuv.n und hob h rvor, wie Lüge»nd Aerläumdung soriwälrend gegen die Partei aiigenririm seien, otrne etwas ansznrrchten, daß vielrncrrr trotz aller Verfolgungen die Zahl der Par-eigenosse» mächtig gewachserr. Es wurde nun;>rr Watit ei ire« Vorsitzenden gcschiitieu. Als solcher wurde Bebet »nt 34 von 36 Stininien gewählt, währeud aus Bracke nrid Wal- st er je eine Siirurne fiel. Z»»r zweiicn Vorsitzenden wurde Brack, arrs Brannschwcig gewählt, zu gfchrisnllhree» Hepner, Mottetler, Walster»rid Most. Hieraus schritt der Kongreß zur weiteren Tages- ordnuirg über. In die Maiidats-PrüfiingS-Kommiss iort roc den gewählt: Burckhardt aus Leipzig, Ehregott Müller und Weinert aus Dresden. Es wird ferner beschlossen, da Liebknecht nrögllchcr Weise be- hindert sein dürfte, das Rrferar über die> otitische Stellnna der Partei zu gederr, dasjett>e ans vre Tagesordnung h« zweuen ösfent- l che» Sitzung z» setzen»nd eveilrnell das Referat darüber Mo» z» über ir.igeri. Start Visses Gegritstandes wird der dritte: Das allgemeine Srrrniniecht für die Vertretung der Eiuzelstaaten und Kor» rnlir en, aus die Tagesordnung der erste» össeutlichen Vessamr»- tung genellt. B�bct beantragt hieraus, den Antrag der Dresdener Paeteigenos- sen(Bieder mann), drtrrssend die rttigiösen Ausgaben der Parier. aus die Tagesortnrrng der öfseiiilichen Versanttnlnngen zu setzen, da er seiner ganzen Narrir nach sich hierfür eige e. Walster ist zwar in Beziig aus die Wichtigkeit d>s Gegen standeS mit den, Voeredner rinotr- staildrii, deiürchrcl aber, daß hierzu die Zerl der östrnrlichen Veriamm- lrrrrgen nicht ausrrichcnd sein würde. Bracke ertläet sich für die hsseiltliche Behandtnng dieses Gegenstandes, Bieder», an» ans Zweck- mastiateitsgrürrdert dagegen, worauf der Kongreß von der Behandlung in öfsemlichir Sitzung absieht. �_ Die Zerl für die geselilossene-Sitzung deZ Sonntags wird»ach lebhaften Debaiterr aur Nachiurtiag'/,6 Uhr bestimmt und eine Abart- dernirg der Anzeige hierüber dejchlosseri. Der Kongreß hat zwar beschlösse», daß der„Bolksslaat" blos die 3 Referate(nach der stenographischen Nnderjchrstt) nebst den Be� schlüsselt zu veröjfentliche» brauche, da es genüge, wen» die Berhand- jnrrge» drrrch das als Broschrrre erscheinende Protokoll den Parrcige- »osjcri zirr Keriiitiriß gebracht wü den; allein da die Uebertragring des Stenogramms uns erst in nächster Woche zugehen kann irrrd ir»„Lresdeiier Voltsbotcn" derril« ein ziemlich aussuhrtrcher Bericht über die bjfeittlichen Sitzungen vorliegt, gtauvten wir denrerbeit— mit reu nothwerrdig er: chrinerrden Alläuderungen— uusren Lesern nicht vorenthalte» zu dür- en. Die Red. d..VolkSsiaat." **).'im folgenden Tage trafen noch 1V Delegirte ei»: mrbt einge- rechnet in diese Zahl, sind die ut Dresden ansässigen Delegtnen. In Bezug auf die Reihenfolge der übrigen BerathungsgegenstSnde beläßt es der Kongreß vorläufig bei derjenigen, welche die gedruckt« Vorlage darbietet. Erste öffentliche Sitzung den 12. August, Abends. Eerilralhalle. Die Sitzung wird durch einen Gesang:„Eintracht", ausgesührt von den Särrgern des Arbeilerbildungsvereins, eröffnet. Walster: Bürger! Delegtrteder sozial-demokranschen Arbeiterpartei Deutschlands! Die Dresdner Parleigeirossen haben gewiiirschr, daß ich sllr sie den Gefühlen der Freude Ausdruck verleihe, welche sie beHerr- schar darüber, die Dtlegirien ihrer Parieigenossen ans allen derrischen Landen und darunter so manchen wackeren Borkänrpser sllr unsere ge> meinsame Sache hier in Dresden begrüßen zu köirncii. Bieler Worte bedarf eS hier nicht, hat doch Jeder von Euch, Bürger, Delegirte, den Weg zum Kongreß zurückgelegt mit dem volle» Bewußtsein der hohen und ernsten Aufgaben, die ihm bevorstehen und mit dem sisten Enl- schlusse, sie zum Segen der Menschheit mit lösen zu helfen. Der Geist der Eintracht und des Gemeirisinns, der immer unter uns waltete, und selbst die berechliglsten Gefühle deö Einzelnen bescheiden vor dm An- sprüchen der gemeinsamen hohen Interessen zurücktreten ließ, dieser Geist wird sich auch hier nicht ver leugne». Ihr kommt h er, Bürger Delegirte, in die Hairptstadr desjenigen Landes, welches seinen allge- mein aiierlaiinierr hohen Kulturftandpurikt insbesondere und ganz rra- türlich auch dadurch dosumenlirr, daß es die meisten Sozialdemokraten unter den Bewohnern seines Bodens vor allen andern deutschen Ländern zählt. Die Dresdner Parteigenossen hatrert es als Ehrensache anges.hen, Euch hier durch ein Preßorgan begrüßen zu köiriieii, welches hanpljächlich der Berbreiiung unserer Ideen und der Bekämpsrrng des FrindeS gewidmet ist, und welches Dank der Regsamkeit der hiesigen Parteigeriosserr und besonders auch der unseter hiesigen Freunde vom allgemeinen deutschen Ardeiter-Lereirt in wenig M.nalen die sestert Äruiidlageir seiner Existenz gefunden hat. So möge denn nun der Geist, der diesmal unseren Kongreß be- herrscht, so hrll, klar und weithin strahlend sein, wie der Hinrrnel ist, der heule ans den Kongreßort herniederschaut. Und nun, Freunde, stimmt mit mir ein in den Ruf: Hoch lebe die Eriöserin der Mensch« beil. hoch die Bahnbrecherin einer anlere» besseren Zeit, hoch lebe die Sozial-Demokralie!(Bravo. Die Anwesende» stimmen ein.) Bebel weist in Beantwortung des Grußes daraus hin, welches die Angriff« uiiscrer Gegner gewesen seien, wie aber alle diese Angriffe nur dam gedient hätten, uiisere Partei mächtiger zu machen. Auch hier in Sachsen wären die Berkolgnngen bedeutend gewesen, aber die b:- währte Tapserkcit der Partei würde sich nicht verleugnen. Zum ersten Gegenstand der Tagesordnung ergreist dann Uork das Wort und bringt zunächst den Gruß der nordische» Slädte. ES freut ihn, sich in Dresden ,u sehen, der Stadt, die schon gleich beim Ansang der Bewegung 1863 sich betheiiigle. Ueber den No: malarbeitsiag bemerkt Pork, daß die Forderung schon hänsig vergeblich gestellt worden, daß aber die Tropfen zuletzt den Stein höhle», und darum müsse auch bei dieser Gelegenheit der Gegen- stand neu in Anregung gebrachr werden. Unsere Ideen datire» nickt erst seit 1863, sie sind die nothwendige Consequenz der Bourgeois°Ge- sellschaft. Die Lage der Arbeiter ist durch die Industrie lind ihren Fonschrstt nicht gebessert worden. Im Äegentbeile haben die Perbesje- ruiigen der Maschinen die Lage des Arbeiters verschlimmert. Damit ist aber auch das Bewußisein der Arbeiter wacher geworden, um so lebhafter, je mehr sie mit den Fortschritten der Industrie in eine Lage versetzt werde», die sie al« eine menschenwürdige schon längst nicht mehr erkenne» könnet-. Trotz der Erleichterung der menschlichen Ar- beirskrast, welche die Maschinen darbieten sollten, haben sie mrr eine größere Belastung herbeigeführt, da sie die Nachfrage nach Arbeitskräs- teil vermindert und dadurch die Konkurrenz derselben vermehrt, die Arbeitslosigkeit crasser gemacht haben. Das beste Besserun gSmittel solchir Verhältnisse sei die Beschrän- kung der Arbeiiszcit ans das benöihrgte Maß, auf ein Maß, welches znnächsl Verbindern würde, daß die Arbeiter insolge von Ueberbürdi-ng durchschnittlich kaum ein Lebensalter von 30 Jahren erreichten.(Bravo.) Obwohl nun aber die Forderung, nicht mehr als»öthig Lebenssaft der Großindustrie zu opfern, eine so na ürliche sei, stoße der Normal- arbeitstag doch aus vieie Gegner. Man sage, die Preise der Waaren würden dadurch theurer. Das sei falsch, wie daS Beispiel Englands beweise. Eoenso falsch sei, daß Freirügiglcit und Gewerbesrerhcit die Dinge von selbst ins Gleichgewicht brächren. Freizügigkeit und Gcwer- bcfreiheit hätten nur die Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit ge- schärst und würden dicS auch senierhi» thun. Die Deutschen haben ihren anSländrschen Arbeitsbriident durch übermenschlich verlängerte Arbeitszeit bisher schädliche Konkurrenz ge- machl und den Lohn herabgedrückt. Die deutschen Arbeiter sind j-tzt zu einer besseren Erkennmiß gekommen, und wie es sie nnangenemn berührt, wenn ihnen jetzi durch schwedische Arbeiter Konkurrenz gemacht wird, so aaben die französischen und englischen Arbeiter die Konturrenz der deutschen empfnnden. Man sage auch: der Nationalreichthum werde dadurch geschädigt i» seiner Blüthe. Dieser Nationalreichthum läge aber bekanntlich nur in den feuersesteii Geldkrsten der Kapitalisten. Dann solle es die„reine Fautbeit" sein, daß die Arbeiter weniger arbeiten wollen, sie würdet! dann länger i» Wirthschasien sitzen»nd mehr Geld verbrauchen. Da würden sie höchsten« in ganz bescheidenem Maße das Beispiel der Fabrikanten nachahmen. Im llebrigeu würde der verkürzter Arbeitszeit mehr mit Lust und Liebe gearbeitet werden. Ist es iroihiveiidig, daß die Arbeit in einer sörmlichen Hetze auSgesüh.t wlid? Die Solidität leioet darunter, die Quantität werde gefördert durch diese Hetzjagd, aber die Oualirät verschlechtert. Dann solle die„Freiheit" deö Arbeiters dadurch verletzt werden, daß durch Gesetz die Arbeitszeit beschränkt werde. Da möge man wohl bedenken, daß alle Gesetze, welche das Wohl der Gesaininiheil söcdern, »ochwenbiger Weise die persönliche Freiheil deö Euizelnen beschränken müssen. Man wehre doch auch den Selbstmördern, Denen anch, die sich selbst verftümmeln wollin ic. Nach dieser Richtung könnten die Gesetze nicht scharf genug sein. 'Nun gäbe eS»och halbe Gegner, die Freunde der sogetmirnten Selbsthilfe. Immer mache man die Sozialdemokrnien dasär verant- worrltch, wenn ein Sinke gemacht wird. Eigenitich sollte» sich die An» hänget der Selbsthilfe freuen, wenn dieArdeuer sich durch einen Smke irlblt zn h Isen suchen. Diese.ben Herren predigen anch von der Har- nionie zwi.cheil Kaprlal und Arbeit und sehen sich durch Srrikes fort» wäh.env wtderleat. Auch in unseren Kreisen giebt es noch unklare Elemente, die da meine», es müsse bei Verkürzung der Arbeitszeit anch der E werb sin- len. Da möge man bedenken, daß sich der Lohn nach dem Angebot ver Ardeiiskrasl richier. Auch»inß d.r Ärdeiislohn immer so hoch sich orinesjen, daß der Aibeiter dabei leben kann. Bei vrrkurzler Stedens- zeit wiid mehr ArdeirStrasi gebraucht, dnselbe steigt also im Pree«. Zn den Ländern, wo die Arbeitee am meisten arbeiten, verdienen sie anr wenigste». Wenn aber dec Aebeiter nicht selbst Hand ans Weil legen, dann weiden sie ewig Lohnsllaoe» bleiben. Rezereirt deamragr oeshatb folgende Resolution: „Tor heutige Ktingres; der sozistl-deniokratischen Arbeiter- pitrtcr erklärt a s.ir oic Pflicht ein.'» searn A.vettcrS, ein- jetlretc» s,tc Ertampsnng e nes durch G ssctz scjtgcjreUicn Nor- .»rlarveilstages von höchstens 10 Itundeu zum Schutze ver Arbeiter gegen üvermatztg lriiigeAroeitszelt, mtd i,r voflstii»- oig ciitvcr,t.»idcu mit ver«rvetrscinstelluiig ver Berliner Maurer»no«noercr Arbeiter, welche ocn Kainpj für Per- kärzung der Arocitszeit ausgniomme»." Jury»! zEriuri) wein daeauz hl», daß in den amerikanischen Itaatsiverkiiätieir nur 8 Stunden geardeilet würde, während wir»och bei der Foroerung von 16 Slnnden stehen. Aus stattstrschen Nach- iveisen legr er die deutsche Arbeitstage dar., Dilirich(Schandau) vermijzl, die Landlente erwähnt zu setzen, von denen die Meisten die schwerste»nd längste errbeit zu leisten haben, bei denen folglich auch am Meisten die noihwendigste Bildung vermißt wird, so daß sie sich jeder Zeit als Werkzeng der Psasse» und folglich I auch der Gewalt hergeben. (Eine grotzc Unterbrechung tritt insolge de« Ansströmens von Gas s in einer Ecke des Saales ein, die Lichrer des dichtgesüllten Saales j verlöschen, eine allgemeine Bewegung tritt ein, nur die sichrer des Biireaus bleiben dreiinend, in Folge beruhigender Wort« vom Präst- I dialtisch legt sich die Unruhe und es ergreift da« Wort) Müller(Dresden.) Derselbe gehl gleichfalls näher aus die Lag« I kt8 ArbtlierS tht, weist vorzüglich daraus hin, wie zerstörend die übliche lange Arbeilszei! auf das Familienleben einwirkt und jedes menscheiiwihdige Dasein umuöalich macht. Bis jetzt ist der Arbeiter so gestellt gewesen, daß er nicht einmal über seine Lebenslage ordentlich nachdenken kann. Ein Antrag ans Schluß der Rednerliste von Burckhardt und Stelz» er(Leipzig) wird angenommen. iWost(Juififlburg). Bestreitet, daß noch Nichts für die Feldarbeiter gethan worden sei. Sieif sti allerdings geschehen, aber die Wirkung sei eine geringfügige gewesen, weil die Bewegung nur da kräftig ei>� trete, wo durch die Jndiistiie große Massen von Arbeitern rersammelt siren. Das Ziel sei übrigens, daß an Stelle des Arbeitslohnis der Arbeiisertrag treten müsse, das sei die Radikalkur, inzwischen «der und bis wir soweit find, inuß das Uebel geniildert werden. Heuipel(Dresde). In Bezug aus die ländlichen Arbeiter empschle sich in Berücksichtigung der herrschenden Beihältnisse eine Jahresrechnuiig von Arbeitsstunden. Im Nebrige» bemerke er, daß bei den Staatsbeamten eine Kstiindige Arbeitszeit gelte bei hoverern Gebalt, ohne daß der Sdrat deshalb als in Gefahr befindlich Zugesellen würde.(Bravo.> . Röthing(Leipzig) bosjt von der Einführung der Normalarbeits- Zeit»och keine gniiiduche Heilung. Rescreut Uorr zum Schiiih"weisl dem gegenüber darauf hin, daß der Kamps sirr den Normalarbciistag in andern Ländern, England J- B. den Ucbergang zu ki ästigen Kämpfen bilde, weil diese Verbefierung die Arbeilcr in jeder Hinsicht stärke. Die Resoluiion wird einstlmmig angenommen und ist hiermit der erste Gegenstand der Dagesordnung"erledigt. Bracke übernininit dcn Borsitz. Bebel spricht zum 2. Gegenstand der Tagesordnung. Er weist darauf hin, daß die Arbeiter ihr Ziel nicht eher erreichen werden, bis sie ihre Sliiiime in die Wagschaale legen löniren. Bei dem deuischen Reicks- >ag sei das allgemeine Wahlrecht namentlich durch Eniziehnng der Diäten für die Abgeordneten, durch Beschräiikung des Vereins- und Bersamnilniigsrechies, der Preßsreiheit u. s. w. verkümmert. Bei den Eiuzellaiidtagen undGeineindevcrtretuii gen sebl« das allgemeine Wahlrechi überhaupt, das liege eben an der sozialenUngleichheit. Ungleiche soziale Verhältnisse bedingen die politische Ungleichheit. Bei Gewäh- rung des gleichen Wahlrechts habe die Bourgeoisie darum auch gehosst, die Arbeiter würden sich als„Siimmvieh" gebrauchen lassen. Seitdem aber die Arbeiler das Prinzip ausgestellt, nur Leute, welche ihr Pro- grainni verlreten wollen, zu wählen, geht die gesammte liberale Bourgeoisie niit der Reaklion in allen ihren Aeußerungen Hand in Hand. Das beweist, daß die Vertuschung der wahren Sachloge nicht viehr möglich,»nd daß demnach der Sieg der großen Aibeuerklasje immer näher rücke. Dazu gehört, daß wir das Recht der Wahl für Alle auch bei den Landiagen und in der Kommune aus unsere Fahne schreiben. Redner eröiteri die Berechtigung und Pflicht hierzu aus den viele» Lasten der Aibeiler, der Gelt- und Bluisteuer, und den in- direkien Stenern(pro Kops 1'/, Thalcr jährlich). Das preußische Wahlrcchi sei das schlechieste— nach Bismarcks eigenem Ausdruck. Ter Redner erörtert nun die Bedingungen, die in den verschiede- nen deutschen Ländern dem Wahlrecht zu Grunde gelegt werden. Er geißelt vor Allem den Ceirsns, der z. B. in Sachsen den Mann, der 1(1 Thlr direkte Steuern zahlt, für intelligent genug hin- stellt, gewählt zu werden. Wir»rnssen uns aber alle Tribünen erobern, nur den Gegnern auch alle ihre Ungerechtigleiien vorwerfen zu können. Bon diesen Tribünen aus kann am Besten für unsere Sache agitiri weiden. Es ist charakteristisch für das Regierungsvermögen unserer Herrichenden Bvurgevine»nd Reaktion, daß sie in ihrer Verwaltung der Staats- und Kotnmiitiegelder immer großartigere Schulden machen»nd die Zinse» von den Arbeitern ausbringen lassen, deshalb aber auch die Arbeiter von den Verwaltungen auszuschtießen versuchen, damit ihre Wiiihichasl nicht ins gehörige Licht ge,etzt werde. IlmsomeHr müssen die Ai deiter ihr Recht zu eiobern strebe». W r brauchen dazu keine Gewalt, wenn die Arbeiter in Masse iür ihre Idecti eintretet,; die Idee» kann man n cht todtjchießen, das hat z. E. das Cbristenlhnm bewiesen, Er empfiehtl deshalb folgende Resolution, die mit lebhaftem Beifall auf- genommen wird: ..Ter Zlougreiz cnipftrhlt dc» Partcigciltisse». mit allen zu vcbote stcäcudcil Äitttcl» für die Einführung vcS allgemeine», glnchcii, vircktr» und liehrimeii Wahlrechts für die Wahle» zu den Panstagr» der tzniizelsteiaten»nd der VZemcindcvcrtrc- luugeu z» agittren." Kojack(Dresden) will nur zur Bestätigung ans die letzte Wahl- campagnc, namentlich in Dresden, eingehen. Der Reichstagsabgeordnete Wigard habe die soziale Frage als..noch nicht spruchreif" befunden. Hirsch(Erimmitschau). Es ist ein Zeichen der Zeit, daß sich die Sozialdemokratie auf die Kommuiealangelegenheiteii wirst. DaS all- gemeinc gleiche Wahlrecht in den allgemeitien Staalsangelegenheiten genügt nicht, wir braiicheu die d irckteGejetzgebnie g durch das V olk. Z» der Kommune sei dies möglich. In Crimmitschan habctr die Geg- »er den Sieg der Sozialisteie einer Vernichtung der Bourgeoisherrschai. gleiehbedentend angesehen. Leider hätien bei der letzten Wahl die Gegner gesiegt und seil der Zeit würden die Gemeindegelder säst nur für die Interessen der Levorrechrele» ausgegeben. An dem endgültige» Erfolg de, Sozialdemokratie ist nicht zu zweisel». Die Zukunft bangt uns den Sl.g. Konnten doch unsere sranzösijchen Brüder soeben nur durch das Zusammenwirken der deutschen wie der französische» Armee uiedergcwoeien weeden! Reichelt(Hannover). Man muß für eine solche Resolution nicht bloß stininren, sondern auch aui ihre Erfüllung hinwirke». Wie das Wahlrecht jetzt»i, da hätte Einer, der mit ab Ochs.» seine Wirihschasi betreibt, ein bevorzugtes Wahlrecht zu genießen. Ter Mann lönne de- schasie» sein, wie er wolle. Es stimmte a so nicht die Intelligenz des Mannes, sondern die Lü Och en. Grund genug, ein solches Wahlrecht alö verwerstich mit allen Mitiel» zu bekämpfen. Kein Redmr hat sich weiter zu Worte gemeldet, töfhel schließt deshalb die Versammlung, nachdem auch diese Resoluiion einslimmig angenommeü, mit der Bemerkung, daß die nächste össentliche Bersamm- lung morgen Sonntag ll Uhr beginnen werde. Zwciti: öffentliche Sitznng, Seil 13. Angust, im Saale der Central Halle. Bebel eröffnet die Sitzung um 11 Uhr Vormittags und theil! Mit, daß Liebt» echt um t'ck Uhr eintreffen und jein Referat über- nehme» werde. Er bitte dcßhaib, die,e» Gegenstand zuletzt vorzunch- Men und in i dem Hafip slichtgej etz zu beginne». Die Bcrjammlung ist bamit einverstanden und es ergreift das Wort der Reserenl Bracke(Braunjchweig): Daß der Re.chstag die Jntereffen der Arbeiter mchi besonders beeücksichligt und gepflegt hat, ist eine allgc- Mein dekaienle Thalsache. Ganz bejoiuers zeigt sich dich beim HastpsUchtgesetz und nainent- l ch bei S 4. Ii; Bezug auf die Haftpflicht der Etfenbahnen ist der Gerechliijkfu Genüge g tchehe». Hier hätte es sich allerdings zugleich nm den Schutz der anderen Klaffen der Bevölkerung gehandelt. Statt aber die Konsequenzen d eses Paragraphen auch an, die übrige» gewerblichen Unternehmungen anszueehneii, um Leben und Gesund- heil besonders der Arbeiter zu schützen,, ei der Reichstag auf h.ilbei» Weg stehen geblieben und habe sich aus dem Gebiet der eigentliche» Industrie ganz aus Seite der Arbeitgeber gesl.llt. Hier seien die gesetzliche» Bestiuemungen derartig, daß es dem Arbeilcr, zumal bei seiner notorische» Mi leUosigkeit in den wenigsten Fällen gelingen würde, die Ar- betlgcber bei durch ihr Verschulden herbeigejuhrten Verletzungen zur Schaoloshaitimg zu zwingen. Ziamenllich geschehen derartige Unglücks- fälle durch leichtfiimiges Gebareil aus Gewinnsucht, besonders häufig in Fabriken und Bergwerken. Redner verlieft als Beleg verschiedene stall, tische Zusa»ii»eii,ieUuiigen des Geheimraihs Engel in Berti». Taiaus ergicbt sich, daß nur die bei We UM kleinere Hälft« der sich ereignende» UngiückSsälle v n dem Haslpslichtgejetz delroffen werde. Ansgeschlosje» sei auch die Schädigung der Arbeiter duich ungesuiue Ardeieslvkate, schlechte Kost und Wohnung, wo solche voi» Arbeitgeber getiiuel werden. Was für dauernde Schädigungen geschehen dadurch! Aber auch der Umjang der Entschädigungen sei ein vollftändig unge- »Üg.nder., Tie jüngeren Geschwister haben z. B. kein Recht der Entschä- higungsjorderuilg, wenn ihnen durch Veruiiglückung des älteren Bruders die Stütze verloren geht. Auch die Herzeiisbündiiisje würden dich! berückjichtigl, wenn sie mchl durch Pfaffe oder Gericht sanktionirt sind. Auch das gerichtliche Berfahren sei wenig zufriedenstellend. Wer würde z. B. wohl als Sachverständiger gewählt? A beiter sicher- lich nicht. Im Momente, wo ein Unglück stattgefunden, müssen Vorkehr»»- gen möglich sei», die den Thatbestand des Falles feststellen lassen, statt daß jetzt hinreichend Möglichkeit gegeben ist, denselben zu ver- tuschen. § 4, welcher von dem Reichstage der Negierungsvorlage beigefügt worden, bestimmt, daß, wo der Unternehmer'/- iur Bet räge in eine Krankenkasse, zu welcher der Verletzte gehört, gezahlt, ihm das als Entschädigung angerechnet werden solle, so daß die'Äibeitgeber in solchen Fälle» bloß'/z des Schadens tragen müssen*). Mi'telsZlvangstaffcn tön- neu die Arbeilgeber sich also auf d-e leichteste Weise freimachen zu Un- gunstcn der Arbeiter. Energische Kämpfe wird es von Seiten der Letzteren kosten, gegen die Folgen des 8 4 anzukämpfen. Er wird aber infolgedessen die sozialistische Bewegung sich stärken, und diese wird zu einem besseren Hapstpfltichtgesetze sühren. Redner stellt hieemit folgende Resolution: „Ter Sonarcs; rrtkürt: Der RcichSta» hat. wie überhaupt, so bcsonVcrS bei Sem, angeblich im Jntcrcffc der Arbeiter er- laffenc» Haftpffichtgrsetz, Sicscs Interesse in so inangrlhaftcr Weise berücksichtigt, dafz das eilaffene kieset; weit davon cnt- sernt ist, die gerechten Forderungen der Arbeiter nach ans- reichendem Schuh gegen Grseihr an Leib n»d Leben»nd nach genügender Entschädigung bei eingetretenen Unglücksfälle» zu befriedigen." Ufert(Chemnitz) geht auf die Einrichtung der Krankenkassen ein, der Ardeiter erfährt von derselbe» häufig gar Nichts und welches Zwangs- mittel, welches Hemmniß für die freie Bewegung der Arbeiter, die sich erst wieder in eine neue Kasse einiaufen müßten, liegt darin! Er erörtert weiter, daß die Unglücksfälle gar nicht so häufig vorkommen würden, wenn die Arbeiter Geld kostete».(Bravo!) Großer(Chemnitz) weist darauf hin, wie häufig die unter Ver- ivaltimg der Arbeitgeber stehenden Kassen veruntecut würden, ohne daß die Arbeitgeber dafür verintwortlich gemacht würden. Jork(Hamburg) will sich weniger mit dem Gesetz, als seinen Urhebern beschäsiigen. Diese Ordnungsbande hätte wohl gefühlt, daß es an ihre Taschen gehen würde, wenn sie den§ 4 des Hastpflichlge- setzes weiter ausgedebilt hätten. Der weise Laster habe deßhalb den famosen 8 4 gebracht. Er bedauert, daß die Arbeiter sich nicht in an- derer Weise gegen dieses Gesetz gewendei. Der Reichstag hat sich da- mit um de» letzten Kredit gebracht, viel Kredit habe er überhaupt nie besessen. Der anwesende Polizeikommissar Weller macht bemerkiich, daß er dem Redner wegen Beleidigung des Reichstags würde das Wort entziehen lassen müssen. Pork: Ich werde es darauf ankommen lassen. Der Reichstag hat durch sein Verhalten in dieser Frage bewiesen, daß er das Recht der Arbeiter mit Füßen tritt. Der Polizeikommissar Wellcr verlangt, daß Bebet dem Redner das Wort eiitziehc. Bebel sieht sich dazu genö higt nnd thut dies»m so bereitwilliger, als eben Redner seine 10 Minuten Redezeit ei schöpft hat. Aork verläßt unter einem donnernde», anhaltendeir Beifallssturm die Tribüne. Engelhardt(Zwickau): Die Wahr eil wird bei Unglücksfällen häusig vertuscht, Polizei nnd StaalsanwaUschaft sind da nicht so schnell zur Hand,»nd selb» iinter den Arbeitern giebt es Subjecte, welche zur Vertuschung durch ihre Aussagen beitrage».(LautcS Pfui.) Als die Arbeiter das Gesetz des Reichstags lasen, da schlugen sie die Hände über dem Kopfe zusammen und nescn:„Daß Göll erbarm!" (Bravo.) Der Schluß der Debatte wird angenommen; Bracke's Resolution desgleichen. Bebel theill mit, daß Liebknecht»och immer abgehalten sei und Most cklso das Referat übernehme, daß ihm aber der anwesende Polizei- komneiffar erklärt habe, die Redner dürste» die Pariser Kommune nicht ermähnen. (Sensation. Gelächter.) Most beginnt damit, das seltsame Verhalten der Behörde zu dem Eongreß und seinen beabsichtigten Verhandlungen zu erörtern, wird aber von dem Polizei-Koinmijsar unterbrochen, welcher mit ihm spricht. Bebel erklärt hieraus, daß es des Kongresses durchaus-unwür- big sei, sich von der Polizei in seinen Meinungs-Aeußerungen schul- meislern zu lassen; er protesliri iin Namen des Congresses gegen ein solches Verfahren und bittet dcn Referenten, nur die Resölu- tion zu verseseu, aus gedachten Gründen aber auss weitere Wort zu verzichten. Most entspricht dem und stellt folgende Resolution: „Ter»oiigrei; erklärt s ine volle Zustiinmniiq z« der Haltung des PartcioraanS„Polksste,at" negeniibcr dcn politi- schc» und sozialen Frauen des veraangcne» Jahres. Znsbc- sondere billigt der Kongretz dcn durch den.'Lolkostaat" unter- haltcacn geistigen Znsuiumclihang der deutschen Sozial-Tcmv- tratie mit der Iniernationalen Arbritcr-Affoziation." Tie Resolution wird mit großem Iubet angenemmeii und unter lebhafter Demonstration gegen die polizeilichen Maßregelungen. Metzner(Berin) fragt an, vi eh den überwachenden Polizeibe- amte» in Sachsen gestattet sei, sich mit den Rednern in Dukiissio» einzulassen, statt, wie es im preußischen Vereinsgesetze vorgeschrieben sei, sich nur mit dem Präsidentcil in Verbindung zu setzen. Bebel bemerkt, daß wir in eiiinn Polizeistaate lebten, wo der Polizei außerordentliche und nicht definirbaie Machtbesngn sie eiiegeräumt seien. Er ermahnt sodann noch zur t.ätigen Theiinahme an den Arbeiterbestrebungen und Ichließt mit einem Danke für die rege Theiinahme der Dresdner Parteigenossen die zweite öffentliche Sitzung des Congresses. Allgemeincr deutscher Tchncidervcrcin. Nürnberg, de» 12. Augiill. Auf»lijeie AiiffoideiiiNg im„Volk?- iiaat' sind bis>etzt leine beiiimmtcn Anträge in Betreff der General- versamiiilieng bei uns eingelaufe», und wir sehen»»s deßhalb;» ictgendem Vorschlag veranlaßt: da e« unter den gegenwärtigen Ver- häliiiissen niimögiich ist, eine Geileralve>sainml>»lg abzuhalten, indem an»leheeren Oite» die Mitgliedcezahl zu schwach ist, um einen Delegiriem iendcn zu können, da serner einige Milgliedschafien seit geraumer Züt nichts mehr von sich(öeeil lassen, die Mitgliedschaft in Nürnberg sowie der Ausschnst aber dieVerlegung desVororieswünschen, so bringen wir hiermit folgenden Antrag zur U rab stim ninng. „Die Miiglietschafte» des allgemeinen deutschen Schneidervereins be- ichließen, unter Umgehung des§. 14 den Vorort aus die Dauer eines Jahres»ach Bertin z» verlegen." Wir fordern säntiutliche Mitgliedschaften ans, diesen Antrag bald- »löglichst in Versamnilungen z» dtSkutire», und darüber zu beschtieße»; »nd den Beschluß uns späiesteiis bis zum 15. September zugehen z» lassen. Es in jedoch nothiveiidig, daß überall beigefügt wird, wir viel Mitglieder iür diesen Antrag stimmten, nnd wie viel dagegen. Zugleich müssen wir die Aiiffordening ergehen lassen, die noch fälligen Adeechnnng«» bis spätestens 30 Aiigust kinzusenden, damit die Haupt- kasse ebenfalls abrechnen kann, nnd dann eine geregelie Uebergabe möglich ist. � � Da die Mitgl edschaficn zu Mainz und Wiesbaden trotz er- gangencr brieflicher und öffentlicher Mahnung weder Bericht»och Abeechnng bis jetzt eingesendet haben, sehen wir uns zu folgender Er- ktärung veranlaiit: „Sollten die betreffenden Mitgliedschaften ihren Verpflichtemgen gegen den Vorort bis zum 30. August a. c. nicht nachkommen, so be- leachten wir dieselben als aus dein Verein ausgetreten." Ferner diene noch zur Beachtung; daß der bisherige Geschäftsführer Baumann sein Amt niedergelegt hat, und der Unterzeichnete provisorisch mit der Leitung der Geschäfte beauftragt worden ist. Es «od deßhalb alle Bliese, Zuschriften ie. an letzteren zu richten. Gelder sind wie bisber an den Hariptkassieer Nikolaus Müller, Jud-n- gaffe No. 22 I. Etage zu sende». Mit loziatdemokranschen Gruß für den Ausschuß: Georg Hertel, Platnersgaffe 5 LH. ») Und dieses Drittel ziehen sie den Arbeitern am Lohn ab, so daß sie folglich nichts zu zahlen haben. R. d. V. verltn. Am letzten Freitag fand hier eine General-Ber- sammlung der hiesigen Schneidergeselletzschaft behufs Unter- stützung der Berliner Maurer in ihrem Kampf für die 10-stü»dia« tägliche Arbeitszeit statt. Die Versammlung war von rliiseren Mit- gliedern im hiesigen Strike-Berein der Schneider angeregt, und von Letzterem beschlossen worden. Obgleich der Anzahl der hiesigen Schnei- dergesellenschast nach nicht genügend besucht, zeinte die Versammlung doch volles Verständniß für die Wichtigkeit der Sache und nahm die gestellten Anträge und Resolution einstimmig an. Es wurde in der Resolution aiisgesprvchen, daß es Pflicht jedes Kollegen sei, den Skrtke peeiiniär und moralisch zu unterstützen, und dadurch thatsächlich die Solidarität der Arbeiter- Intereffen zu dokumentiren. Die Anträge gingen dahin, eine Kommission zu beauftragen, mittelst Listen in den Werkstellen wöchentliche Sammlungen, so lange der St ike dauert, zu veranstalten. Der Ertrag einer sofortigen Sammlung wurde dem an- wesenden Vertreter der Maurer, Herrn Vanl, eingehändigt, und hat die gewählte Kommission innerhalb 4 Tage» schon circa 70 Thlr. gesammelt und an die Maurer abgeliefert.' Unsere Bestrebungen finden überhaupt unter den hiesigen Kollegen immer mehr Anerkennung, und dient z. B. schon als Beweis datür die 4 hatsache, daß der größte Theil des Gesammtvorstandes des Srike- Vereins, welcher(beiläufig bemeekt) circa 100 Mitglieder zählt, ans Mirgliedern unseres Vereins besteht. Es wurde in einer der letzte» Versammlungen des betreffenden Vereins eine Kommission gewählt, welche eine sanitätsplckizrtliche Nntersnchung der ungesunden Werkstellen veranlaffcn s ll. Nächstens kommt der Nvrmal-ArbeitStng, die Zuchthaus- und «oiifrltions- Arbeit zur«erHandlung. Der größu Theil der Sttike- Vereins- Mitglieder ist mit unseren Prinzipien vollständig eiiiverstan den. Nächstens darüber mehr. Was nun unseren, den Allgemeinen Deutschen Schneider- verein betrifft, so haben die hiesigen Mitglieder in der letzten Ver- sammlung beschlossen, da nach den uns zugegangene» Nachrichten eine Generalveisammlung leider dies Jahr nicht möglich erscheint, beim Ausschuß und der Eentralkommlssion den Antrag zu stellen, mittelst Urabstimmung den diesjährigen Sitz des Vororts und der Eontroi- kommission feststellen zu lassen. Motive: Eine Generalversanimlunz ist ohne schwere finanzielle Opfer der Haupt- wie Ortstassen und der einzelnen Mitglieder nicht möglich, auch sind nach unserer Ansicht we- sentliche staintansche Veränderungen nicht erforderlich; jedoch ist dnech die 88 1 und 14 des Statuts der jährliche Wechsel des Vororts und der Controlkommission Bedingung, auch im Interesse der Kassenverwal- tung sowie der einzelnen Mitgliedschaften unbedingt»othwendig. Dieser Beschluß ist dem Ausschuß und der Controlkommission bereits mitgetheilt; inwieweit die Sache gediehe», ist uns nicht bekannt, da eine Veröffentlichung darüber»n„Volksstaai" noch nicht stattgefun- den hat,*> und brieflich uns nichts zugegangen ist. Wir halten im In- teresse des Vereins dringend geboten, daß die Sache beschleunigt weide, damit beim Eintritt der Herbstsaison durch den neuen Aus- schuß resp. Centralkommission ganz entschiedene Schritte gethan wer- den, um die Ausbreitung des Vereins zu befördern. Als eins der da- zu geeigneten Mittel eischeint uns ein Rnitdschrcibc» an brkelNNte Partei- nnd EZcschästSlicnoffcn, lvort» zur Gründung von Mitgliedschaften auigefordert, und die Nothwendigkeit des gemeinsamen Handelns gegenüber der Konfektion-- und Ziichlhausarbeit dar- gcth.'.n, sowie die Folgen der Indifferenz nnd Zersplitterung unter den Kollegen klar gelegt werden müssen u. s. w. Im Austrage der Berliner Mitglieder ersuche ich nun hierdurch alle Mitgliedschasten, ihre Ansichten über unsere Borschläge schleunigst dem Ausschuß resp. der Eontrotkommisffon zugehe» zu iasse», damit es möglich werde, das Resultat der Abstimmung bis 1. September d. I. zu veröffentlichen, um in kürzester Zeit die Ueberführung der Ge- schäfte an die Neugewählten bewerkstelligen zu können. Mit sozial-demokratischem Brudergruß und Handschlag A. Reimann, Levollm. des allg. deutschen Schneidervereins, alte Jacobstr. 0. Juternatiouale Gewerksgcnosscnschaft der Schuhmacher und verwandte» Gewerkt. Rvchlty. Ich möchte an de» Vorstand der inrernationalen Schuh- inachergenossenschast die Frage richten, warum er die Resolution der Rochlitzer Schuhmacher vom 15. Juni d. I., betreffend dieEinberiisung eines allgemeinen Schuhmachertags, nicht im„Volksstaat" veröffent- licht hat? Wilh. Lehma»». Hanau, ven 16. August. Siegreicher Kampf sämmtlicher Bijontcric-Arbcirer. In Folge d-r allgenieinen Erregung in hiesigen Arbeiterkreisen haben die Bljouteeie-Arbeiter im Laufe dieser Woche eine Forderung um Lohnerhöhung den hiesigen Fabrikanlen gestellt, welche von der Mebrzahl der Herrn Fabrikanlen sofort ohne alle Weiterung ge- nebniigt wurde. In fünf Fabriken kam es zu einem 1>/,stündigen St'rite, welcher schnell und siegreich endete. Der Cigarrenarbeiterstrike steht sehr gut. Seit gestern finbeu mit einem der größten Fabrikanten Verhandlungen statt und scheine» dieselben einem giiiistigen Abschluß nahe. Der Fabrikanlenbund ist gesprengt Richter-Wandideck. Halberstadt. Werthe Kollegen! Wie Ihr Alle wotzk schon er- fahren habt,»l unser Strike so hartnäckig, daß wir uns veran- laßt sehen, an Euren Gerechtigkeiti-Siiin zu appellire»; e» steht hier- orts für die strikenden Kollegen sehr traurig, es sind duxb die Hart- näckigkeit der Fabrikanten viele Arbeitee, worunter eine Anzahl mit sehr stai ker Familie, in eine höchst bedenkliche Lage versetzt. Die Herren Fabrikanten haben sich geeinigt, keinen Pfennig' Lohnerhöhung zu ge- währen, wie aber sind fest emichlossen, die Aibeit nicht ehee aufzunehmen, als bis unsere gereckten Foidernngen dewilligt sind. An Euch ist es also, uns in unserer bedrängten Lage beizustehen, um uns zum Siege zu verHelsen, den» unser Sieg ist ja auch der eueige; wir richten deh« halb an Euch die Bitte, uns nach Kräften zu unterstützen; denn wenn die Hülfe von Euch nicht ausbleibt so muß der Sieg unser werden, und werden wir dann gern bereit sei», in jebem ähnlichen Fall helfend eiiijuircien, wie wir es ja feiiher stet» getba» haben. lieber die einlaufenden Gelder weichen wir im„Voischafter",„Voltt- staat"»nd„Neiien Soziai-Demokral", Ouittnng abiegen. Etwaige UiiUrstiitzuirgen wolle man an unsern Strike- Kassirer Herr» Johann Nolden, Kornstraße No. 26 einseiideil. Mit lollegialischem Gruße Das Komitee der strikeiiden Cigarrenarbeiter. I. A.: Richard Kahle berg. Rcichcnberst, den 13. August. Sämmlliche Arbeiter der Kratzeujabrikallon in Reichenberg haben die Arbeit einae- stellt. Wir gebe» hiermit zur Kenntniß, denZuzug nachReichenberg zu verhindern. Unterstützungen sind zu senden an Hrn. Johann Schossig, Aastbaus zum Hirschen. Mit demokratischem Gruß und Handschlag DaS Komit-e. Reichenberg, 14. August.(Weiterer Strike.) Wir Arbeiwr der Kammsetzer-Fabriken in Reichenberg und Umgebung haben, da unsere Forderungen nicht berücksichtigt wurden— wir verlangen die Ivstündige Arbeitszeit und 30»/„ Lohnerhö hung uns geeinigt, Montag, de» I-t. Anglist, die Arbeit ein- zustellen. Wir ersuchen daher alle Freunde, Brüser und Fachgenos- U», welche unsere Lage zu würdigen verstehen, alle Mühe au zubieten, daß das Banner der Arbeit nicht in den Staub getreten werde. Also reicht die Bruderhand und helft schnell, daß wir der vereinig- te» Kapitaimacht auch erfolgreich die Stirne bieten können! Haupt- sächlich warnen wir strengstens»orZnzug, da dieFabrikau» teil beabsichtigen, Arbeiter aus Deutschtand heranzuziehen. Für das Strike-Komilee: Johann Till. Unterstützungen bittet man zu senden an Josef Ulbrich, Schützen- gaffe Nr. 60/1, Reichenberg. Der Strike der Metallarbeiter, welch« schon acht Tage feiern, dauert fort. *)Siehe die vorstehende Nürnberger Korrespondenz. D. Red. Fortsetzung von Seite 1. Präsident: Und das Petroleum? Assy: Nein'. Präsident: Zie'haben'Petroleilmbomben sabrijtrt. Assy: Tie Petrolbomben wurve» während der ersten Be- IcJgeruttfl fabrizirt. Die Nationalgardcn hatten vor Grün- ouim»Ver Kommune Kugel« mit eiserne» Spitze» und Spreng- Regierungscommissar:� Ties ist eine Infamie'. Präsident: Wir rönnen"dies nicht zularfc». Reqierungscommissar: Gehen Sie nicht weiter in diesen vehanptungcn.. a. Assy: Ich fand, und bin Nicht der Einzige, Rakete» ans sink, von denen eine grojze Anzahl im Jndustricpalast lag. die dazu bestimmt waren, während der Belagerung dnrch die Preutze» Petroleum auf sie zu werfen. Regierungscommissar: DieS ist nicht.'zulässig. ES ist «»cht erlaubt, solche Dinge zu sagen. Ein prächtiger Regierungskommissär das, ein wahrer Simson ins Französische übersetzt!„Es ist nicht erlaubt, solche Dinge zu sagen"—„solche Dinge das heißt die Wahr- hcit."„Es ist nicht erlaubt", die Wahrheit zu sagen. Denn die Wahrheit ist das höchste Verbrechen in den Augen der Lüge. Das Werk soll den Meister loben. Wie es mit dem„glorreichen Frieden" steht, welchen der große Bismarck mit Frankreich abgeschlossen hat, das zeigt folgende offizielle Jeremiade der Berliner„Spener'schen Zeitung" „Die Friedensverhandlungen in Frankfurt a.M. nehmen keine erfreuliche Wendung. Die französischen Bevollmächtigten finden in ihren Instruktionen, wie es scheint, nur Wünsche und wissen dieselben unaufhörlich geltend zu machen. Dagegen ist von einem Eingehen auf unsere Wünsche nirgends die Rede. Stets begehren und keine Gegenleistungen bieten, das ist nicht die Art des Unterhandelns. Auf diese Manier kommt man keinen Schritt einander näher. Oder ist man französischerseits gemeint, das Entgegenkommen sei Auf� gäbe des Deutschen Reichs? In Betreff des Modus der Räumung des besetzten Gebiets, worauf das Bestreben Frankreichs gerichtet sein mag, wäre wohl zu verhandeln gewesen. Aber es fehlt an jeder Geneigtheit zu Gegenleistungen. Die Wünsche Deutschlands gehen hauptsächlich darauf hin, Erleichterungen für Elsaß zu erlangen; sie fanden bisher nicht das mindeste Gehör. Beim Abschlüsse des Friedensvertrages durfte(?) man sich der Erwartung hingeben, zu Frankfurt a. M. das Frie- denswerk zu baldigem Abschluß zu führen. In dieser Er- Wartung sieht man sich nun getäuscht. Die Verhandlung geräth ins Stocken; mau hat sich darauf gefaßt zu machen, daß sie abgebrochen wird. Deutsch- land würde in diesem Falle mit voller Rühes???) den Franzosen Zeit lassen, um zur Besinnung zu kommen und um die Wie- dcraufnahme der Unterhandlungen durch entsprechende Anerbie- tungen zu ermöglichen." Run,„abgebrochen" werden die Verhandlungen so schnell nicht werden; aber sie werden sich in die Länge ziehen, bei jedem Schritt werden Hindernisse auftauchen— mittlerweile nehmen die Reibungen zwischen unfern Okkupalionstruppen und den Franzosen einen immer gewaltsameren Charakter an, und eines schönen Morgens geht die Blut- und Eisenarbeit von Neuem los— weil Bismarck ein„genialer" Staatsman ist.— Gott behüte mich vor meinen Freunden! kann der Fürst Bismarck ausrufen. Vor einigen Tagen erlebten wir, daß ihn einer seiner knechtseligsten Bewunderer, Hans Blum, der Fälschung bezüchtigte und ihm die furchtbare Blutschuld des letzten Kriegs aufzubürden versuchte; und heute finden wir in dem ebenso knecht- und Bismarckseligen Leipziger „Tageblatt" folgenden wüthigen Angriff auf die Ehre des „großen Staatsmanns": „Das neueste Heft der„Preußischen Jahrbücher" enthält u. a. einen interessanten Aufsatz des in Florenz lebenden Dr. H. H om- berger über die preußisch-ila lienische Allianz von 1866, welcher die Triebfeder der zweideutigen Politik Lamar- mora's enthüllt. Charakteristisch für den Fernblick Bismarck's — der im Jahre 1859 bei dein Ausbruche des italienischen Krieges die für Oesterreich schwärmende Bürgerschaft der freie» Reichsstadt Frankfurt dadurch in Entrüstung versetzte, daß er Arm in Arm mit dem piemontesischen Gesandten Graf Barral durch die Straßen Frankfurts wanderte— ist die Mittheilung datz der preußische Ministerpräsident wenige Wochen uach seinem Eintritte in das Ministerium gegen Ende 1862 bereits in Turin aufragte, welches die Haltung der italienischen Regierung im Falle eiues preußisch österreichischen Krieges sein würde? Die Antwort der italienischen Minister ging dahin, Italien werde mit jedem Feinde Oesterreichs zusammenstehen. Bismarck kam dann lange Zeit hindurch auf diese Angelegenheit nicht wieder zurück, so daß die italienische Regierung ganz irre an ihm wurde, vollends, als sich die preußisch- österreichische Allianz gegen Dänemark bildete. Als der italienische Gesandte da-�über dürfe'er sich�riicht äußern mals bei Bismarck deshalb anfragte, gab dieser ihm zu verstehen, daß diese Allianz blos vorübergehend sei. Von der von B ismarck erkannten Raturnothwendigkeitf!) eines entscheidenden Zusammenstoßes zwischen Osterreich und Preußen hatten Lamarmora so wenig wie die übrigen Politiker Italiens eine Ahnung." Wir wissen nicht, worüber wir uns mehr wundern sollen: über die— Indiskretion der offiziösen„Preußischen Jahr- bücher", die dieses Pasquill veröffentlicht, oder die Raivetät des ' Leipziger„Tageblatt.", das es in seines Herzens Unschuld ab- gedruckt hat. Bekanntlich hat Fürst Bismarck amtlich erklärt, und zwar zu wiederholten Malen, schriftlich und mündlich, erzielen. Ganz wie in Preußen. Wir sind neugierig, wer zu- erst abgewirthschaftet hat: der Oestreichische Bismarck oder der Preußische Hohenwart. 1871, Von Herrn Dr. Map Hirsch geht uns folgende B e r ich- tiauna&u: Berlin den 14. August Redaktion des„Volksstaat" Leipzig. In den Nummern 63 und 65 Ihres Blattes lassen Sie sich aus Nürnberg berichten, daß ich in meinen Borträgen dort und in Fürth die Königshütter Vorfälle der „Internationalen" in die Schuhe geschoben. Ich erkläre dies hiermit als eine vollständige Unwahrheit, da ich im Gegentheil in beiden Reden die Königshütter Revolte ausdrück- lich den ultramontanen Unfehlbarkeitsmännern(freilich auch einer internationalen Partei) zugeschrieben habe. Wie trefflich Ihr würdiger Korrespondent die Kunst des Verdrehens ver- stcbt, erhellt auch daraus, daß er die Worte des Herrn Starke: „Wir sind nach diesem Gewäsche um kein Haar klüger ge- worden als zuvor" unmittelbar hinter meinen Vortrag stellt und auf diesen anwendet— während Herr Starke diese Worte nach den Ausführungen Ihrer Freunde und mit Bezug auf dieselben vorbrachte, um den Schluß der Versammlung zu motiviren. Der umgehenden Aufnahme dieser thatsächlichen Berich- tigung gewärtig, zeichnet Dr. Max Hirsch Verbands-Anwalt der deutschen Gewerkvereine. Preußen sei 1866 von Oestreich angegriffen worden und der Krieg preußischer Seits ein reiner B er theidigungs- krieg gewesen; es ist serner notorisch, daß Fürst Bismarck die Zustimmung des Königs von Preußen zur Ueberrumpelung Oesterreichs nur dadurch erlangt hat, daß er dem Monarchen be- greistich zu machen wußte, er— der König von Preußen— solle von Oestreich zum„Marquis von Brandenburg" degradirt werden. Und da kommt nun ein offiziöses, für Bismarck schwär- mendes Blatt und posaunt in alle Welt, derselbe habe der Welt und seinem König— das Gegentheil der Wahrheit ge- sagt, und den 1866er Krieg in ähnlicher, nichts weniger als ehrenwerther oder gar ritterlicher Weise zu Stande gebracht, wie nach Hans Blums Behauptung den 187()/1er Krieg.-- In Oestreich sind Reichsrath und Einzellandtage aufge- löst worden, um eine Majorität für den Verfassungsbruch zu Als Sitz des Ausschusses fürs nächste Jahr ist Hain- bürg, als Sitz der Kontrollkommission Berlin und als Kongreßort Mainz gewählt worden. Hamburg, 13. August. Gestern Abend fand in Tütge's kleinem Saal eine öffentliche Versammlung des sonal-demokratischen Arbeiter- Vereins statt, welche von mehreren hundert Personen besucht war. Zur Tagesordnung, lautend: Die Strikes und die Gewerkschaften, ertheilte der Vorsivende Geib Herrn Hockemeyer das Wort. Letzterer legte die Ursache und Geschichte der Bewegung klar, schilderte die Organi- ätion und Bestrebungen der englischen Gewerkvereine, ging dann über auf die Gewerkfchaftsfrage in Deutschtand und schloß mit einer kriti- schen Beleuchtung der Strikes. als deren hauptsäckilichste Forderung er den Normalarbütstag von Morgens 7 Uhr bis Abends 6 Uhr, niit lV, Stunde Mittagspause, befürwortete. Alsdann sprach Herr Gla- s er, ein Mitglied des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. Der- selbe erging sich in heftigen Ausdrücken gegen die„Ehrlichen", wollte von diesen keine Unterstützung der Strikes und macht- seiner„Borurtheilslosigkeit" Luft durch die Behauptung, daß der , Bolksstaat" 14 täglich nur ein mal, der„Sozialdemokrat" dagegen wöchentlich drei nial erscheine Diesem Redner folgte Herr Rose, welcher in ruhiger Weise für die Versöhnung der Arbeilcrsraktionen eintrat und schließlich folgende Resolution beantragte: „Die versammelten Arbeiter Hamburgs erklä cn die strikes für ein gerechtes Mittel, den furchtbaren, ungerechten Druck der Kapital- macht zu hemmen.". Außerdem beantragte Redner eine Sammlung für dre stri- kenden Maurer Berlins mit dem Motto:„Brüder, harret aus in dem Kampfe für die gerechte Sache!" Es sei hier schon bemerkt, daß diese Anträge später mit großer Mehr.heit angenommen wurden. Nach Rose sprachen nochGeib, L eh der, Burmester(Geg� ner), Rhedeker, Hillmann(dieser vorzüglich über die Organisa tionsfrage im Sinne der Internationalen), Schneider(über die Ver einigung Schweitzer s mit Menoe, die eine Komödie gewesen sei), Köhler u. s. w. Die Versammlung währte bis gegen 1 UhrNachts und hat für unsere Sache den günstigsten Verlauf genommen. Leipzig, 17. Aug. 1871. Das„Dresdner Journal" und„Leip zigcr Tageblatt" haben über den Partei-Kongreß Berichte verösfent licht, welche Bebel zu nachstehender dem Leiziger Tageblatt zugesand ten Berichtigung veranlaßten.> „Sie bringen über den Kongreß der sozial-demokratischen Ar- beiterpartei in Dresden in der heutigen Nummer des„Tageblatt einen Bericht, der verschiedene Unrichtigkeiten enthält. Zunächst ist es unrichtig, daß der Kongreß nur von 36 Delegiiicn besucht gem sen sei. Diese waren vorhanden bei Eröffnung der Vorversktmm- lung, Sonnabend Nachmittag und stiegen im Lause des Sonn- abend und Sonntag Vormittag bis auf mebr als 70. Unrichtig ist ferner, daß ich der Versammlung in der öfsentlichen Sitzung am Sonntag mitgetheilt, daß die Delegirten sich aller Aeußerungen zum „Lobe" der Pariser Kommune zu enthalten hätten. Die Mittheilung, die der anwesenden Polizei-Kommissar, Herrn Weller, vor Beginn der betreffenden Sitzung persönlich machte, lautete dahin: daß der Referent wie die übrigen Redner sich jeder Erwähnung der Pariser Kommune zu eathalten hätten, widrigenfalls er zu polizeilichem Einschreiten verpflichtet sei. Ich erklärte, daß ich dies dem Referenten zu wissen thun aber auch der Versammlung anzeigen werde. Der Herr Polizei-Kommissar hatte gegen die Art und Weise, wie ich dies that, nichts einzuwenden. Als dann Parteigenosse Most, eilt- rüstet über diese Art der polizeilichen Maßregelung, sich in einigen scharfen Worten erging, fand es der Herr Polizei-Kommissar für au- gemesse», ihn zu unterbrechen und sich in eliic längere Privat- Unterhaltung mit ihm einzulassen. Der Inhalt dieser Unterhal- tung war, daß er, Most, das Verlangen der BeHorde falsch aufge- faßt, es solle ihm keine Fessel in der Melnungsaußerung auferlegt werden. Als nun dies Most, wie natürlich, auch dahin intePretirte, sich über die Pariser Kommune äußern zu dürfen, erklärte der Polizei- Kommissar ihm, was er mir gegenüber bereits ausgesprochen: dar- über dürfe er sich nicht äußern. Most sowohl als wie ich, hat- ten also das größte Recht nicht nur, sondern auch die Pflicht, ge- gen dieses gewaltsame, die freie Meinungsäußerung mißachtende Ver- tahren der Polizeibehörde zu protestiren. Maßregelungen dieser Art gegen die Sozialdemokratie sind seit mehr als dreiviertel Jahren, namentlich bei den töniglich sächsischen Behörden, so im Schwange, daß ich mich nur wundern muß, wenn das offizielle„Dresdner Journal" noch den Versuch macht, den gan- zen Vorgang als einen durch Most und mich absichtlich herbeigesühr- ten zu schildern. �,.,._ Ich ersuche Sie ergebenst, diese Berichtigung in die Spalten Ihres Blattes aufzunehmen und erwarte, daß auch das„Dresdener Jour- nal" wie alle diejenigen Blätter, welche jene Darstellung resp. die des „Leipziger Tageblattes" abgedruckt haben, hlervon Notiz nehmen. eipzig! den 17. Ang. A. Bebel. welche die Unterschrift„Eckert" tragen, wird dem Ausschuß mitgetk dürfte aber schwerlich als berechtigt befunden worden.— W. in Barme» � in nächster Nummer mit unsrer Antwort. der Expedition: Wolff i. H. 12 Gr. für Abo», und Schriften und 2 Thlr. für Jnhaftirte erhalte». Löschenkohl, New-Jork: Brief erh. W. K. in W. 27 Gr. für Schriften und 1 Thlr. 3 Gr. für die strikenden Metallarb. in Barmen erh. vr. K. Hannover. Kam leider zir spät, um noch rechtzeitig abzugehen. E. Lunzenau: Leider für diese Nr. zu spät. Sorge, Hobokeu: 56 Thlr. erh. Brief und Mehrbestelliinz abgegangen._ An alle in dem Weber- und Wirkersach iubegriffene Arbeiter, Zeug-, Lein- und Wollcnwcber, Tnch-, Zeng- und Raschmacher, Band-, Seiden-, Sammet- und Fabritweber u. s. w. Wir ersuchen hiermit die Angehörigen aller dieser oder gleicharti- ger Geschäftszweige an allen Orten des Rheinlands ui-d Wellphalens, sich an der am Sonntag den 27. August Morgens 9'/, Uhr in der St. Scbastians-Schützenhallc an der Buchheimer Straße in Miihlheim am Rhein stattfindenden Voltsversainmluua be- theiligen zu wollen, um aus der Sache ein Ganzes machen zu rönnen. Zur Tagesordnung sind nachstehende Punete aufgestellt: 1) Die Aufstellung von Lohntarifen. 2) Die bisher unbezahlte Arbeit. 3) Die Bereinigung der verschiedenen' Gewerksgenossen unseres Geschäfts. 4) Wie ist es gekommen, daß die Löhne so gedrückt sind? 5) Wie sind sie zu heben? 6) Und wie sind sie den Zeitverhäklnissen entsprechend zu erhalten? 7) Wie ist es zu ermöglichen, in den Fabriken die Frauen von den Männerarbeite» zu entheben? Und nun, College» allerwärts, bedenkt, es liegt Euer und Eurer Familien Schicksal in Euer» Händen! Von der Etumülbigkeil, in welcher sich die deutschen Weber vereinigen, von der Besonneiiheit, mit welcher die Vereinigung beraihet und beschließt, endlich von der Energie und Pünktlichkeit, mir welcher die Beschlüsse allenthalben ansgeführt werden, wird es abhängen, ob sich unser Stand aus seiner jetzigen Lage heraus in eine menschenwürdigere zu erheben vermag. Möchten doch gütigst einige Parteigenossen aus der Nachbarschaft uns in dieser Versammlung unterstützen, indem hier wenig Redner sind und bitten wir etwaige Anmeldungen zu richten an Peter Bil- stein, Dammstraße 15 in Mühlheim am Rhein. Mit sozialdemokratischem Gruß _ Mühlheim o. Rh. das Komitee. Für den Matngau. >Vall!fC8t Sonntag, den 20. August in WllhelniMbad. Richter. Für Breslau. Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Sonntag, tniR). d. M. Rachmittacs 3 Uhr, gemeinschaftlicher Spaziergang nachCirttt»*«;I»e« iuMchalSky'sGarten. Sammelort: o oh»euplatz. Montag, den 21. d. M. Abends 8 Uhr gesellige Zusammen- kuiifl im„tiainbrinuB'S Messergasse 24. Zu beiieu Zusammeulünften ladet um zahlreichen Besuch ein _ H. Lehme. Berichtigung. In dem Cüate aus dem„Sozialvemokral" in Rr 64 d. Bl. sehten in dem Satze:„Doch müssen die Sammlungen nlit Eifer fortgesetzt und der Zuzug fern gehalten werden" die Worte „mit Eifer fortgesetzt." Der„Sozialdemokrat" widmet diesem aus dem Zusammenhang sofort erkennbaren Druckfehler eine ganze Spalte, indem er ihn zu einer absichtlichen„Fälschung" stempelt. Durch den Kongreß waren wir verhindert, diese Berichtigung früherer folgen zu lassen._ Quittung. Petroleumfonds. Von mehreren Kogreßmiiglieder.t sind auf dem Burgberg in Loschwitz bei Dresden' 1 Thlr. 23 Sgr. zusammengelegt und unter obigem Namen als Beitrag zur Deckung der Kongreßkosten durch Hepner an den Schristsührer des Ausschusses abgeliefert worden. _ Heidemann. Für Hamburg.*)' Liedertafel„tzgalit�." Konzert zum Besten der strikenden Arbeiter Deutschlands, Sonuadend, den 19. August, Abends 3'/, Uhr, im rotale des Herrn Tütge, Valentinskamp 41. Preis der Eintrittskarte: 4 Schillinge. Karten sind zu heiben bei dem Kolpoiteur des„Voltsstaat", Henn Schultz, sowie bei dem Unterzeichneten. Ich fordere alle Partei- und Kesiuiiungsgenossen aus, sich an diesem Konzert zum Besten der strikendeu Arbeiter zu betheiligeu. August Geib, Rödingsmarkt 12. *) Zu spät jür die Mittwochsnummer eingelrosjeu. D. R. d. V. Für Hamburg. Sozial-demokratischer Arbeiterverein. Montag, d. 21. August, Abends 9 Uhr, bei Ederhabu, Zeug- bausmarkt 31. Tagesordnung: Bericht über den Dresdener Congreß. Gäste haben Zutritt.__ August Geib. Für Barmen.*) Sozial-demokratischc Arbeiterpartei. Samstag, deii 49. August, Abends 8 Uhr bei Wilhelm Trurnmel, Gewerbeschuistraße, BersammlUNg. Reue MitgheZer werden aufgenommen. spät für die Mittwochsiiummer eingetrossen. D. R. Für Waldenburg. Künstigen Sonnlag, den 20. August beaviichligt der BolkSverein zu Meeraue eine Parthie nach Waldenburg zu mirernehmen, ivozii wir säuimtliche Nachbarorte freundschaftlich ciiiladen. Sammelplatz Vormittag 10 Uhr in der Bierhalle. Der Volksverein zu Waldenburg. Anfrage au Hrn. Loui« Eckstein Waldhciin. Haben Sie den Thaler für die Stiiteudeu erhalten? Desgleichen an Hrn. Sig. Goldstein in Pest. Haben Sie den Thaler für die Jnhastirten'er- halten?_ Der Volksocrein zu Waldenburg. Die Lorständc der Arbeitervereine des 14. sächsische» Wahl- brzirts, besonders die von Lunzenau, Wechselburg, Geithai-Ii, Eolditz und Rochlitz, werden eingeladen, Sonntag den 20. August, Nachmittag 3 Uhr in der B ahnhossrestauration Starsdors sich einzufinden zur Berathung über ein abzuhaltendes Arbeiterver- brüderun gsfest. Rochlitz.__ Ed. Dittri ch. Für Reichenbach i B. Einladung. Künstigen Sonntag, als den 20. d. M., beabsichtigen wir ein .�i'bvHei'vei-brnd�i-imissl'est, bestehend in(CoilfClst, Festrede und darausjolgcndem Ball im Saale der Turnhalle ubulyatten. Auch soll NachiNlttagS V-3 Uhr daselbst eine Volbsver- »animlnug nbgeyaltciupetoen, wo unter als Kandidat aufgestettl gewe» jener W. Bracke jun. ans Brauuschweig über den Reichstag referiren wird. Das Fest, resp. Concert beginnt um 6 Uhr Abends. Alle Freunde und Parteigenossen unserer Rachbarstävtc werben hierzu freundlichst eingeladen._ Das Festkomitee. Für Leipzig. Sozial-Semotratischcr Arvciter-Berein. Freitag, den 18. August, Abends V-3 Uhr: BersammlUNg im Restaurant„Victoria",(Goldne Säge) Ecke der Dresdener- und Langenstraße. Tagesordnung: Berichterstattung über den Kongreß. Der Vorstand. Briefkasten der R edaktion: S. in N. bei O.: Ntetzner wohnt Landwehrstraße 5— 6. Bremer: No. 52 d. Bl.— Rochlitz: Dittmar wohnt in Hof, bei Webermeister Weidmann, Ottostraße.— S. Nürnberg. Ihr Wunsch, daß nur solche Nürnberger Korrespondenzen aufgenommen werden sollen, Tic Filialexpebitionen werden gebeten, die übrigen Rummern so bald� als möglich retour zu seudeu. Hauptsächlich Rr. 53, 54,»5, 58 und 02 sind er- wünscht.__ Rübner. "" Für Leipzig. Internationale Gewerkschaft der Holzarbeiter. lliächste Bersaminlung Sonnabend 7,9 Uhr in der Restauration von Götze, Nilolaistraße 51.' Tagesorditung: Stelzner: Kongreßbericht. Gäste werden hiermit freundlichst eingeladen._ Leipzig: Veramw.Redakteur A. Hepner(Redaktion: PeterSsteinweglll. Druck u. Verlag: F. Tbiele.(Expedition: PeierSstr 18.)