M 70. Mittwoch, Jett 00. flupit. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, Petersstraße 18, F.Thiele, Emilienstraßc 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AbonnementSpretS: Für Preußen incl. Stempel- steuer 1KNgr.,für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quattal. Filialerpedition für die Ber- einigten Staaten: ?. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der soMl-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschaften. IiIoQAt!s-.A.d(mii6iu6iit: auf dm„Volksstaat" für 4 Ngr. nehmen sämmtliche nm an. In Leipzig und Umgegend nehmm unsere Kolporteure Bestel- lungen entgegen, sowie die IfonvtHtion des„Volksstaat", Petersstratze 18. An die Parteigenossen! Noch in letzter Stunde vor unserer Amts- niederlegung tritt au uns von Neuem die uuabweisliche Pflicht heran, Euch mit nach- drücklichster Dringlichkeit wiederholt zuzu- rufen: Verlaßt nnscrc zahlreichen Ge- sangenen nnd deren Familien nicht! Das Wenige, was bis jetzt auf unsere mehrfachen Aufforderungen für die Jnhaf- tirten bei der Parteikasse einging, reicht nicht im Entferntesten ans für die immer grötzer werdende Zahl Derer, die im gerechten Kampf für unsere Sache zn Untersuchungshaft nnd Kerkerstrafen verurtheilt sind. Es ist daher au- geublicklich die erste und größte Pflicht aller Parteigenoffen und Freunde, hier entschieden einzutreten, denn es wäre eine«chmach, wenn wir unsere Juhaftirten, hauptsächlich aber bereu Familien, dem Elende preisgeben würden. Wir erwarten, daß Keiner zurückstehe, sondern Jeder seine Pflicht erfülle! Leipzig, 28. August 1871. Der proy. Ausschuss. Au die Parteigenossen. In der Partei-Bersammlung vom 21. sind zu Mitgliedern der Kontrol-Kommission gewählt worden: Metzner, Milte, Reimann, Winden, Malewski, � Schettler, Mechler sen., Skladanowski, Josewicz, � Vogel und Kwa sniewski. Bei der gesteni, den 24., erfolgten Konstituirung der Kommission wurde Metzner zum Vorsitzenden derselben, Reimann zu dessen Stellvertreter, Kwasniewski zum ersten und Josewicz zum zweiten Schriftführer ernannt. Metzner, an den alle Briefe zu senden ersucht wird, wohnt Landwehrstraße 5/K, Keller, links. Berlin, 25. August. Th. Metzner, Gustav Kwasniewski Landwehrstraße 5/6. Scharrenstraße 7, III. Politische Nebersicht. Die Verhöre des Versailler Kriegsgerichts sind nun zu Ende geführt, der Schluß der Verhandlungen krönt das ganze Werk' Zu guter Letzt hat man nämlich einen„Zeu- .gen" Lasnier vorgeführt, welcher aus Ferr�'s Mund den Vefehl zum Anzünden des Finanzministeriums gehört haben will! Bekanntlich hat sich der Zettel mit dem Inhalt:„Lassen Sie das Finanzministerium anzünden", welcher von Ferie's Hand fein sollte, als eine elende und obendrein ungeschickte Fälschung herausgestellt. Wie anders kann man nun dem Fen6 beikommen, als indem man vor Thorschluß einen Belastungszeugen vereidet, zu dessen Widerlegung der Angeklagte 'eine Zeit mehr hat?— Solchergestalt sind nun alle Mittel, welche die Gemeinheit se ersonnen, um den Gegner zu verderben, erschöpft—, und jetzt kann der Henker sein Werk beginnen. Der Regierungs- wmnlissar Gaveau hat bereits die Anklageakte verlesen, der Eindruck aber, den dieses Monstrum von Staatsanwalt hinter- lassen hat, läßt sich annähernd begreifen, wenn man bedenkt, selbst kommunalistenfeindliche Reporters, wie z. B. der Pariser Korrespondent der„pieuen freien Presse", ihn nicht anders als den„dummen Gaveau" nennen. Mit den Ange- sagten ist freilich der genannte Korrespondent und das ganze seiner Kollegen ebensowenig zufrieden, wie mit Gaveau; w Bourgeois-Presse ist vielmehr außer sich darüber, daß die Angeklag- ftn während des Verhörs so wenig Sympathie für Feuer und Blut "' haben; daß sie vielmehr so„erbärmlich feige wa- ren, die Handlungen nicht einzugestehen und zu vertreten"— — welche der Kommune von den Preßturkos ange- logen und untergeschoben worden waren!.— Die Naivelät dieser Soldschreiber wird nur von ihrer Niedertracht übertroffen. Nachstehend noch Einiges aus dem Verhör: Präsident geht zum Verhör des Angeklagten Schuhmacher Trinquet über. Trinquet antwortete niil Bestimmtheit und ohne Ausflüchte zu suchen; er macht den Eindruck eines sehr kaltblütigen Menschen, der seine Sache für die gerechte, wenn auch für eine ver- lorene hält und Ausrede»»»S Zweideutigkeiten verschmäht. Er hat sich zuerst in die Politik gemischt aus Anlaß der Wahlen von Rochefort und Gambetta iin Jahre 1869; dann wurde er iin Marz 1870 wegen bewaffneter Theilnahme an einer Emeute zu sechs Mo- naten Gefängniß vcruitheilt und durch die Revolution vom 4. Sep- tember aus der Haft befreit. Am 6. April ohne sein Zuthun zum Mitglied der Äoinmune ernannt, stimmte er für das Gesetz über die Geiseln, wie er sagte, um auf die Regierung von Versailles eine Pression zu Gunsten einer Verständigung zu üben, verfügte die Durch- suchung von Kirchen, wie er behauptete, weil dieselben Waffen verbergen sollten, befahl die Verhaftung Eluserets, nahm aber an dem Votum über die Zerstörung der Vendomcsäule und des Hauses von Thiers keinen Theil; er hätte, sagte er, für die crstcre und gegen die letztere De- molition gestimmt. Im 20. Arrondissement wurde ein Friedensoffizier Ramens Rodde fusillirt, weil er sich geweigert hatte, auf die Armee zu schießen. Trinquet giebt zu, dieser Executwn beigewohnt, bestreitet jedoch, dem Opfer mit seinem Revolver den Gnadenstoß gegeben zu haben; er sei zugegen gewesen, weil er eben auf der Mairie eine Trauung vornahm. Die 1230 Frcs., die man bei ihm fand, will er von einer Spekulation her, die auö dem Jahre 1�59 datirt, besessen, nicht aber von der Kommune haben, wie denn auch Jonrde bestätigt, daß Trinquet stets sehr sparsam und ordnungsliebend war und in der Zeit, da er sein Handwerk trieb, nie die 6 Frcs. verzehrte, die er pro Tag verdiente. Ich habe mich, sagt Trinquet, für die Jache der Republik, der ich angehörte bis zum letzte».Tage geschlagen und mein Käppi und Mantel sind von Kugel» durchlöchert; ich bcdanre nur, San ich nicht getödtct wurde und das; cS mir nicht erspart blicv, zu sehen, wie ehemalige Kollege» von mir die Verantwortung für Akte ablehnen, die sie unter meine» Augen begangen haben.— Als Entlastungszeuge bekundet Devin ein Beamter der Mairie, daß die Nationalgarde sich oft darüber beklagt hätten, das; Trinquet sich der Hinrichtung der gefangenen Gendarmen nnd Jtadtjrrqeantcn widersetze. Eine bis letzt noch nicht ganz aufgeklärt« Rolle spielt der An- te Lullier. ie Zeugen Jall«, Camus undDutheil de laTucqne, welche im Auftrage von Versailles mit Lullier unterhandelten, haben sich sämmttlch mit Krankt, cnszeugn.ssen entschuldigt; ihre Zeugnisse werden verlesen. Du theil sagt aus.�dast der Minister des Innern l Picard) diese Verhandlungen sehr begünstigt und für dieselben dem Ingenieur Camus durch eine Frauensperson 50,000 Frcs. zur Verfügung gestellt bättc; auch sei es dieser Verschwörung zu danken gewesen, wen» die Truppen in Vatiguollcs»iid Mont- martre ohne Schwertstreich einrücke» konnten. Lullier und seine Genosse» Gasnier, David und de Bisson hätten sich für ihre Personen Straflosigkeit ausbcdnngen; Hr. Barihelemy, St. Hilaire, der Generalsekretär des Ministers, hätte eine schriftliche Erklärung in diesem Sinne nicht geben wolle», aber versprochen, dafür zu sorgen, daß Mac-Mah»n und sein Generalstab sie entschlüpfen lasse. Camus bestätigt diese Angaben mit dem Hinzufügen, das; Lullier eine Anzahlung von 30,000 Frcs. empfangen hätte. Lullier sagt, sein P.an sei gewestn, zuerst die Diktatur in Paris wieder an sich zu reißen und dann mit Versailles zu unterhandeln; er hätte sich nicht gegen die rechtmäßige Regierung empören, sondern nur die Republik vor den Anschlägen der reaktionären Majorität schützen wollen. Zeuge Falcet, ehemaliger Präsident des Klubs der Folies Bergsre, kennt Lullier seit langer Zeit als einen rechtschaffnen Republikaner, welcher„Gewalthätigkeiten ü la 1793"„verabscheute"(!!) und am 18. März Herr der Bewegung zu sei» glaubte. Zur Vcrtheidigung erhält Ferr�, der keinen Anwalt annehmen wollte, das Wort. Er verliest ein Schriftstück, welches er schon zuvor unter die Journalisten hat vertheilen lassen. Dasselbe lautet: „Nach dem Abschluß des Friedens, welcher die Folge der schmäh- lichen Kapitulation von Paris war, befand sich die Republik in Gefahr; die Männer, welche auf das in Koth und Blut zusammengebrochene Kaiserreich folgten, klammerten sich an die Gewalt und bereiteten, obgleich von öffentlicher Verachtung überhäuft, einen Staats- streich vor; sie bestanden daraus, der Stadt Paris die Wahl ihres Gemeinderaths abzuschlagen. Die ehrlichen und aufrichtigen Blätter wurden unterdrückt, die' besten Patrioten zum Tode veriirtheilt, die Royalisten schickten sich an,' Frankreich unter sich zu vertheilen. End- lich in der Nacht vom 18. März glaubten sie sich bereit und versuch- ten die Entwaffnung der Nationalgarde und die Massenverhaftung der Republikaner. Ihr Anschlag scheiterte all Sem Widerstände von ganz Paris»nd an pew Abfall ihrer eigene» Soldaten; sie mutzten selbst nach Versailles entweichen. In dem sich selbst überlassenen Paris versuchten nun muthiae und energische Bürger mit Gefahr ihres Lebens, die Ordnung und Sicherheit wieder herzu- stellen. Nach wenigen Tagen wurde die Bevölkerung zur Wahlurne berufen und die Kommune von Paris gegründet. Es war die Pflicht der Regierung von Versailles, die Rechtsgiltigkeit dieses Votums an- zuerkennen und mit der Kommune zu unterhandeln, um die Eintracht zurückzuführen. Aber gerade im Gegentheil und als ob der Krieg mit dem Landesfcinde noch nicht genug Elend und Verwüstung über uns gebracht hätte, ließ sie noch oen Bürgerkrieg folgen; aus Hätz gegen das Volk und aus Rachsucht griff sie Paris an und unterzog dasselbe einer neuen Belagerung. Paris wider- stand zwei'Monate lang und wurde dann erobert; zehn Tage hindurch lietz die Regierung die Viirger ohne Nrtycil maffakriren und crschietzen. Tief«»,,srli(ix„„ur in der VartholomäuSnacht ihres Gleichen; Jimt und Dezc über wurde» übcrtroffc» Wie lange noch wird das Volk sich zu- sammenschietze» lassen! Mitglied der Commune von Paris, bin ich in den Händen ihrer«leger; sie wollen meine»»ops, möge» sie ihn nehmen! Frel habe ich gelebt und so will ich auch sterben. Rur»och ein Wort: Das Glück hat seine Lau- neu; ich vermache die Sorge für mein Gedächtnitz und die Rache meines Endes der Zukunft. Th. Ferrö. Bei den letzten Worten läßt sich der Präsident die Aenßerung entschlüpf«»:„Das Gcdächtniß eines Mörders!" Der Vertbeidigcr Manchon nimmt dieses Wort aus und konstatirt, daß der Präsident dem Urtheil de» Gerichtshofes vorgegriffen habe, wovon Akt zu nehmen sei. Präs. Merlin antwortet gelassen, er bedauere, daß ihm jenes Wort entschlüpft sei; er hätte höchstens sagen sollen: Das Gedächtniß eines des Merdes angeklagten Menschen.(!)— Ein Zeugniß aus Feindesmund. Die Wiener „Tagespresse", Organ des Grafen Hohenwart und fanatische Gegnerin der Sozialdemokratie, bringt aus Paris(d.d. 14. August) folgende Korrespondenz über den VersaillerProzeß: „Kaum hat der Prozeß in Versailles begonnen, so stellt es sich heraus, daß die Reoolution vom 18. März nicht auSschltetzlich von der Kanaille ausging, und datz die Kommune»eben vielen ver- hängnißvollen und abstoßenden Ehaeatteren auch ausgezeichnete Per- sönltchkeiten in ihrer Mitte zählte. Vor Allem hat ihr AlterSpräst- dem, Herr Vcslah, ein Man» von eminenter Begabung und Geschäftspraris, sein langes Lebe» eines Ehrenmannes zekeönt, indem er die Bank von Fiankrcich renete, zn welcher ilm die Kommune delegirt Katte. Dieselbe hatte eine nicht minder glückliche Wahl für die Post getroffen, wo ihr Deleginer, Herr Theitz, rote Herr Besiav in der Bant verfuhr. Ihr Kriegsminister, Herr Roffel, stellt fich als das interessanteste Opfer der Exaltation eines durchdenBer- rath nnd die Kapitulationen empörten Patriotismus und getränkten Soldatencharakters dar. „Der FinanzmiiiisterderKommiine, Herr Jonrde, stelltsich geradezu als ei» Charakter dar, vor welchem man den Hut ziehe» mutz, und vor welchem schon der Hauptmann den Hut gezogen hat, der ihn verhaftete und zuerst verhörte. Bedenkt man die Umstände, unter welchen der 18. März zu Stande kam, �und die Kommune leben mußte, folgt man Herrn Jourde Schritt für Schritt in seiner politischen, finanziellen und administrativen Thätigkeit, hört man seinen Antworten auf die Anklag-punkte, so begreift man nicht, dag er nicht sogleich außer Unter- suchung gestellt wurde, wie Herr Beslay. Der junge Mann erregte die laute Bewunderung des Herrn Magne, gewesenen Ainanzmii'ifters, ob seiner Finanzverwaltung nnd ob der Klarheit und Schärfe. womit er dieselbe darzustellen und zu erklären wutzte.» „Seine Vcredsamteit in und mitZffsern eriilnerte an die unver- glcichlichen Budgetdisluffiooen des Herrn Thiers. Und dieser Finanz- minister, während täglich Millionen durch seine Hände gingen, veraus- gable in einem kleinen Speisehau« keine zwei Franks für seine Nahrung, schlief in seiner ärmlichen Wohnung, wo seine Frau, wie gewöhnlich, selbst ihre Wäsche wusch, und besaß am Tage seiner Verhaftung ein Gesainmtvermögen von 120 Francs. Dem Gerichte drängt sich jetzt die Giwißbeil auf, daß eine Versailler Bombe das Filianzmtnifte- rium in Brand gesteckt, und Herr Jourde es erst veelasieu hat, als er glaubte, dieses er,ie Feuer gelöscht zu haben. Unmöglich ist e« jedoch nicht, daß hinter ihm das Feuer von thatsächlich verbrecherischen Koni munisten wieder geschürt wurde. „Auch die Damen haben ihren Ehrenplatz in dem Prozeß. Eine einundzwanzigjährige Blondine, verhaftet und als Zeuge vorgeführt, machte Aufsehen durch ihre hocharistokratische Eleganz nnd Einfachheit, durch Takt nnd Geist und anmnthige, sittliche Würde. Sic bezauberte die Richter. Ihre revolutionäre Thäligkeu beschränkte sich darauf, Herrn Nrbai», Mitglied der Kommune und Arrondissement- Maire, als Sekretär gedient nnd in seiner Familie gelebt zu haben. „Ein anderer Monüreprozeß. welcher ein furchtbares Licht Über die summarischen Hinrichtungen und Verhaftungen werfen wird, bereiiet sich in Paris vor sein Zuchtpotizeigenchl wegen dreitausend falschen Tenunciationcn vor. Die Mehrzahl der Ange klagten gehört dem schönen Geschlcchte an. Und angesichts einer solchen Erscheinung müssen die Gefangenen auf den Schiffen in Brest erst noch den Minister Jules Simon an sein Versprechen erinnern, sie werden nächstens zu einem ersten summariichen Verhör begnadigt werden! „Bevor ein Jahr vergeht, wird die Kommune ihre Legende, ihre Romantik»nd ihre Gloire haben. Staatsmäancr müssen ,olchcn Encheuiuiigen unerschrocken und philosophisch ins Auge sehen, nicht aber sie blindlings hinwegläugncn wollen. Nichts ist hier schädlicher als Vcrsolgungswuth. Man muß sich wohl hüren, Märtyrer zu schaffen, und wende die Waffen des Gesetzes schonungslos nur gegen Jene an, welche sich in der Thai durch verbrecherische Attentate gegen die Gesellschaft, durch Brand und Mord besteckten. Es wäre Verblendung oder planmäßige VerfolgungS- sucht, wenn man z. B. zwischen einem Ferrö und einem Jourde, einem Regere und Billioray keinen Unterschied ziehen wollte. Es wird eben stets klarer, daß in der Kommune zwei Elemente vertreten waren. Die Einen schloffen sich der Beweguiiq ans politischen Motiven an, sie wollten in der That eine Umgestaltung des Staates und der Gesellschaft, während dem die Andern nichls als rohe Gewalt an- strebten, und kein Mittel scheuten, welches sie am Steuerruder zu er- halten vermochte. Während nun dieses zweite Element vpn der Gesell- schaff besondere Rücksichlen nicht erwarten kann, da es durch sein Gc- bahren bis zur Stufe gemeiner Verbrecher herabsank, hat das erftere das vollste Recht aus jene Milde des Gesetzes, welche in allen freien Staaten Männern zu Theil wird, welche nur durch ihre polulche Ueber- zengung mit dem Staate in Konflikt qerathen sind. Wenn ma» Männer wie Jourde, Btlliorah, Rossel, Courbet, und noch manche andere Männer, welche die rothe Fahne in dem un- glückseligen Bürgerkrieg geschwungen haben, als gemein« Ver- brccher behandelt, und mit der ganzen Wucht des Strafge- setzcs züchtigt, so schafft ma» tn der That Märtyrer, welche der AuSbreltung sozialistischer Idee»»ach ihrer Verurthei- lung noch förderlicher wecd.n könnten, als selbst tn den düsteren Tagen der Kommunistenherrschaft." Ans welchen Motiven der Verfasser vorstehender Korrespon- den; den angeblichen Gegensatz zwischen Ferro-Regöee undJourde-Bil» lioray w. konstruirt, ist nicht recht ersichtlich. Uns scheint Ferrä — siehe dessen Verhör in Nr. 67 d. Bl.— ein ebenso„respektabler" Mann zu sein wie Jourde, und wenn, wie es den Anschein hat, der Verfasser den Charakter der angeklagten Kommunaliften darnach schätzt, je nachdem sie mehr oder weniger Gewalt angewendet haben, so ist gar nicht einzusehen, warum Regere, der„Mäßigsten" einer, welcher seltsamerweise nicht einmal die Beschlagnahme des Kirchenoermögens zugegeben haben soll, hinter Billioray zurückstehen soll. Damit sei nur ange- deutet, daß die obige Beurtheilung des„Tagespresse"-Korrespondenten durchaus einseitig ist, und daß es einer vorurtheilslosen Kritik wohl gelingen dürfte, das Lob, welches oben einigen Wenigen, wie Jourde, Billioray, Rossel, Courbet gespendet wird, der über- iviegenden Mehrzahl der Angeklagten zuzutheilen. Doch lassen wir das. Wir wollten die Korrespondenz der„Tages- presse" ja nicht kritisiren, sondern bloß zeigen, daß der Eindruck des Versailler Prozesses ein überwältigend günstiger für die sog. Angeklagten ist.— Fortsetzung auf Seite 4. , Zur Sritlneruug für die deutsche« Mordspatrioten. 1806—1807. (Fortsetzung.) Kapitulation Nr. 16.— Danzig. Derselbe Kalckreuth, der nach den Saalenschlachten seine Truppen, als sie im Elende waren, schmählicher Weise ver- ließ, wurde als Gouverneur nach Danzig gesandt, wo er schon vor dem Kriege als solcher gewaltet hatte. Die im„Brock- haus� abgedruckte, so äußerst günstige biographische Notiz über diesen Menschen kann nur erkauft worden sein. Zwar ist„die Uebergabe der Festung Ende Mai", wie Generalmajor von Höpfner sagt, nach 76-tägiger Bertheidi- gung,„als gerechtfertigt betrachtet worden." Jedoch, da der Reinigungsprozeß vor den Kriegsgerichten gleich zur Zeit von den Sachverständigen und Eingeweihten als ganz ungenügend und trügerisch verhöhnt wurde, wie Droysens„Leben Uorts in Breite darlhut, so weiß man, was von vorstehendem mageren Zeugniß zu hallen ist. Aus Danzig wie aus Kolberg waren die Desertionen täg- lich, stelig und bedeutend. Die Deserteure gehörten meistens den Regimentern an, die aus den von Polen gestohlenen Pro- vinzen rekrutirt waren und wurden gemäß offizieller falschmlln- zender Kartographie und ethnographischem Schwindel„Süd preußen" genannt. Die Alliirten der Preußen, die braven, ehrlichen, erbfreund- lichen Russen, wurden von einem Blutstrolch, früheren hannö- verschen Lieutenant, Namens Bennigsen, befehligt. Dieses In- dividuum hatte sein kleines Krautjunkervermögen verpraßt, und, jpour corriger la fortune, suchte er sein Glück in Rußland als verbummelter Lanzknecht. Er hatte gegen Jemelian Pugat scheff, einen„falschen" Tsaren gekämpft für Katharine, eine unbezweifelt richtige Metze, und war ein Haupthelfer bei der Erwürgung des richtigen Tsaren Paul gewesen. Bei der Er- stürmung von Otschakoff, zu der die Russen weniger durch das Georgenkreuz als durch verpfefferten Branntwein augespornl wurden(Siehe: Herrmanns Geschichte des rrissischen Staats, Bd. 6, S. 178) und wo sie aus Befehl eines der vielen „Louis" der Katharina, Namens Potemkin, plünderten, sengten, brannten und buchstäblich im Blute der Türken wateten, war er zugegen, und auch bei der Erdrosselung der Polen im Jahre 1794. Einem Kerlchen von solchen Anlecedentien hatte der gaunernde Duckmäuser Alexander I. das Kriegsschicksal in die Hände gegeben— dem Mörder seines eigenen Vaters— und von solchen Kameraden sollten die Preußen ihr Heil erwarten! Fiel das preußische Danzig in die Hände der Franzosen, so konnte man es sich ja beim Friedensschluß von ihnen abtreten lassen, wie man es wirklich mit dem preußischen Bialystock gc- than hat, trotzdem Alexander, dieser„Grec du bas Empire" Anfangs April in Kidullen bei Georgenburg den König vor einer russischen Division, die in Paravc vorübergesührt wurde, umarmt und bewegt ausgerufen hatte:„Nicht wahr, Keiner von uns Beiden fällt allein? Entweder Beide zusainmen, oder Keiner von Beiden." Von großer Wichtigkeit für die V-rtheidigung Danzigs war die Behauptung der Danziger Nehrung, die der preußische General Rouquette besetzt hatte, dem jedoch zu geringe Streit- kläfte zugetheilt waren, und selbst diese wenigen waren jjnnz unverläßlich. Er bat Kalchreuth um Verstärkung. Dieser sandte ihm ein Pult Kosaken unter einem Obersten Malachow. Es waren nämlich so eben 3 Pulks in Danzig angekommen. Später, als die Nehrung schon verloren gegangen, trafen noch 3000 Mann russischer Infanterie ein.„Die russische Jnfan- terie war vom General Bennigsen nur unter der Bedingung der Garnison zugetheilt worden, daß das russische Reglement nicht verletzt würde, nach welchem keine Festung kapituliren durfte, ohne daß sämmtliche anwesenden russischen Chefs, Kom- mandeure und Stabsoffiziere mit ihrer Unterschrift in die Ka- pitulation gewilligt hätten. Der König hatte diese Klausel dem Gouverneur von Danzig mittheilen und deren Befolgung ausdrücklich befehlen lassen." Hiermit waren etwa 18,000 Mann preußischer Truppen unter die Kontrole von 3000 Mann Russen gestellt, der preußische„Edelmann" Kalckreuth unter den russischen Knjasen Schtscherbatoff, und wenn� etwa eine den Preußen zu günstige Kapitulation abgeschlossen werden konnte, die, bei Aussicht auf einen Separatfrieden zwischen Preußen und Frankreich, Danzig unter preußischem Kommando bleiben ließ, so durften sich die Russen, als slavische Prälen- deuten auf früher polnische Gebiete, tontraktgemäß wider- setzen. Die Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts sprudelt von Thatsachen, die den Beweis für die auf Westeuropa, ge- radezu auf preußischen Besitz gerichteten Diebsgelüste der Russen liefern. Danzig halten sie bis auf den heutigen Tag für ihnen entwendetes Eigenthum. Ein Vertreter dieser Richtung des russischen Plünderungsgeistes war Kutusoff, der Oberbefehls- Haber der Rpsscn, als sie 1812— 1813 gegen Europa vorrückten. Wie der russische Lügengeschichtler Michailoffski-Danilcffski berichtet—„Byzantiner" nennen ihn selbst solche borussischc Hofhistoriographen wie Droysen— schrieb Kutusoff an seinen Untergeneral, den deusschen Lanzknccht Wittgenstein 1813 deine Einrücken in Preußen, nachdem Bork die vielberufene Können- tion von Tauroggn abgeschlossen hatte:„Sie werden sich auch der Hauptarmee nähern, welche in der Richtung von Posen nach Glogau sich bewegt. Das preußische Korps unter Bork lassen Sie über die Weichsel gehen und gegen Neustettin vor- rücken; doch zur Blockirung vonDanzig dürfen preu- ßische Truppen nicht gebraucht werden; einige Eska- drons preußischer Kavallerie können Sie zu Ihrer Avantgarde schicken, damit sie sich bei der ersten Gelegenheit mit dem Feinde messen können." Danzig sollte sich auf keinen Fall an Preu- ßen zu ergeben haben, die Preußen aber, trotzdem die offizielle Allianz noch nicht verkündet war, jedenfalls gehörig kompro- mittirt werden. Und solche gemeine Betrugslümmelei ist der „konservative" Rückhalt der Bismarcke und Blücher, welchen die Junker frech anpreisen und die Mittclklassen-Schmerbäuche in- brünstigst anbeten. Die Sendung der Kosacken wurde von Rouquette wie Ver- höhnung aufgenommen. Er antwortete:„Er wollte sich zwar nach Kräften bemühen, den erhaltenen Austrag auszuführen, in- dessen bedürfe er dazu nothwendig anderer Verstärkungen als Kosacken." Diese belanztcn Strauchritter sind übrigens ganz verächtliche Gegner.**" I quettc, den Anführer zu einem ensschiedenen Angriff auf etwa' welche den Letzteren beim Eintritt ins Leben zufallen, gegen 60 Mann feindlicher Kavallerie zu bewegen, die dem linken eine soziale Organisation, welche die Menschen in zwei Gruppen Flügel gegenüber am Strande hielten. Endlich setzte sich der trennt: die Eine Herrin, reich und gebildet, die Andere Sklavin General selbst an die Spitze der Kosacken. Sie folgten, An- elend und unwissend. fangs in kurzem Trabe, doch als die Franzosen Kehrt machten, Deshalb verlangen die Proletarier, welche die Fortschritte wuchs ihnen der Muth; sie drangen nun, unterstützt durch das der Wissenschaft sehen, und welche, vom zartesten Alter an mit Vorgehen der preußischen Schützen und durch das Feuern bereden mühseligen Arbeiten des Landbaues und der Fabrik be- halben Batterie, die der General auf dem linken Flügel kon- zcntrirt hatte, entschlossen vor. Leider dauerte dies nicht lange; eine einzige Kanonenkugel brachte die Kosacken zum Stutzen, gleich darauf zum Umkehren, und nun waren alle Bemühungen, sie wieder zum Stehen und Vorgehen zu bringen, vergeblich." Eine nach dem Tilsiter Frieden eingesetzte Untersuchungs- kommission, deren Referent der Oberst Bülow war,„der nach- malige General Graf Bülow von Dennewitz", sprach den Ge- neral Rouquette von aller Schuld frei, verdammte dagegen als schuldig am Verluste der Danziger Nehrung: 1) das frühere Gouvernement von Danzig, dem Kalckreuth vorgestanden hatte; 2) den russischen Oberbesehlshaber der verbündeten Armee, d. h. den verkauften Säbcllumpen Bennigsen; 3)„den General Gra- fen Kalckreuth". Generalmajor von Höpfner sagt in einer Note:„Ossiziere, welche den General Grafen Kalckreuth näher kannten, behaupteten, er habe den General Rouquette nicht unterstützt, weil derselbe in den: zu seiner Zeit viel besprochenen Streit über den Vorzug der Verwendung zu Dreien oder zu Vieren bei der Kavallerie sein Gegner gewesen sei." Nach dem Verluste der Nehrung mußte das russische Oberkommando endlich— wenigstens zum Scheine— aus das Halten Danzigs bedacht sein, der General Kaminskoi erhielt den Befehl, mit 6600 Mann(5300 Russen und 1300 Preu- ßen) über Pillau und Neufahrwasser den Entsatz zu versuchen. „Die Disposition zum Angriff wurde dem Gouverneur Grafen Kalckreuth mitgetheilt und von ihm genehmigt." Punkt 4 be- stimmte:„Die Garnison von Danzig macht einen Ausfall aus dem Neugartener Thore mit allen disponiblen Kräften, denen der größte Theil der Kavallerie beizugeben ist. Diese muß sich zu den Enlsatztruppen durchzuschlagen suchen, selbst wenn es der Infanterie der Garnison nicht gelingen sollte, mit densel- ben in unmittelbare Verbindung zu treten." Kalckreuth machte aber keinen Ausfall, und Kaminskoi, der wohl das Mögliche geleistet hatte, mußte abziehen mit einem Verluste von: Russen: 14 Offiziere— 422 Mann tobt „ 41„— 895„ verwundet Preußen: 2„— 42„ tobt „ 4„— 110„ verwundet im Ganzen: 61 Offiziere— 1469 Mann. Der Gouverneur veriheidigte sick„eigenthümlich", wie Höpfner milde bxmerkt, in den folgenden Worten seines Berichts:„er habe nur eine Attaque des Generals Kaminskoi im Walde bemerkt, welche verunglückte und verunglücken mußte, und ohne die mögliche Hoffnung eines Entsatzes hätte von Seiten der Besatzung kein Ausfall unternommen werden können." Obgleich Bazaine von Mac Mahon gar nichts se- hen konnte, machte er dennoch am 31. August seinen Ausfall. chließlich hatte aber Kalckreuth noch die Frechheit, an K minskoi nach Neufahrwasser zu telegraphiren:„Ein Hundsfott giebt Danzig, so lange es zu halten; aber ohne Pulver und Menschen unmöglich. Erhält der Gouverneur Beides nicht, so macht er die Herren in Neufahrwasser vor Gott, König und Welt als Staalsverräther verantwortlich, die Danzig retten konnten und nichts thaten."„Die Antwort erregte mit Recht großen Unmuth in Neufahrwasser, da man überzeugt war, Alles gethan zu haben, was in Menschenkräflen stano, wogegen der Gouverneur Alles unterlassen hatte, wodurch er das Entsatz- unternehmen hätte fördern können." Während der Schlußverhandlungen Kalckreuths mit Le- fevre desertirten aus Danzig mehr als tausend Mann in eini- gen Nächten, weil sie, wie Höpfner sagt, kein Vertrauen zu dem französischen Versprechen freien Abzugs hatten. Kamins- koi und feine Russen verließen Neufahrwasser. Die Gemeinen der Garnison Weichselmünde revoltirten und gingen zum Feinde über. Gemäß der Kapitulation„rückte die Garnison von Dan- zig mit Waffen und Gepäck, fliegenden Fahnen, klingendem Spiele, brennenden Lunten und 2 bespannten Geschützen nach der Nehrüng in folgender Stärke ab: 335 Offiziere, 12,448 Mann, 1275 Pferde, wovon 33 Offiziere, 1034 Mann Russen waren." Diese Truppen hatten sich verpflichtet, ein Jahr lang nicht gegen Frankreich und seine Verbündeten zu dienen. Sie marschirten nach Pillau,„um dort fernere Verhaltungsbefehle zu erwarten." Lefevre wurde zum Herzog von Danzig ge- macht.„(Fortsetzung folgt.) Adresse der spanischen Internationalen. Hier folgt die Uebersetzung der(in der politischen Ueber- ficht erwähnten) Adresse der Internationalen Spaniens an den dortigen Ministerpräsidenten: (Aus der Brüsseler„Libertö") Internationale Arbeiter-Assoziation. Spanischer Föderal-Rath. Bürger Minister! Die ungerechten Verfolgungen, welche die Internationale Arbeiter-Assoziation nicht blos in den übrigen Ländern, Europas, sondern auch im freien(?) Spanien, einem Lande, das sich schmeichelt, die demokratischstes?) Verfassung der Welt zu haben, zu erdulden hat, zwingen uns, unsere Stimme laut und freimüthig zu er- heben. Die internationale Assoziation der Arbeiter hat es unter- nommen, in klarer und entscheidender Weise das Problem der ökonemisch-sozialen Emanzipation des Proletariats aufzuwerfen. Diese machtvolle Assoziation bezeichnet den Eintritt der Arbeiter in das Leben der Intelligenz. Ermüdet von der rein materiellen und mechanischen Rolle, welche ihnen in der Gesellschaft zuze- theilt ist, haben sie erkannt, daß die sozialen Kategorien und Unterschiede, weit entfernt, in der Natur begründet zu sein, dem einzigen Ursprung, auf den sie sich gründen könnten, nichts sind als Produkte von Jrrthümern und Uebereinkommen, welche der Vernunft gegenüber keinerlei Werth haben. Deshalb protestiren die Proletarier, indem sie sich als Menschen fühlen und verstehen, daß zwischen Ihnen und den „Vergebens bemühte sich der General Ron- 1 günstiger Gestellten keinerlei Unterschied ist, als die Privilegien,\ und daß ffchäftigt, dieser Fortschritte nicht mittheilhaftig werden konnten, ihren legitimen Antheil an der Wissenschaft, welche sie als ein universelles Erbtheil betrachten, das auf Dem ruht, was die Arbeit ganzer Generationen geleistet hat und nicht die Arbeit Derer, welche sie ungerechte Weise monopolisiren. Deshalb endlich fühlen die Proletarier, weil sie sehen, daß man von ihnen den Glauben an ein Dogma verlangt, welches sie in Ermanglung des Unterrichts nicht analysiren können und den Gehorsam einem Gesetze gegenüber, das ohne ihr Zuthnn von den Privilegirten gemacht wurde, ihre Menschen- würde erniedrigt und sie bereiten sich vor, sie zu erhöhen durch eine Organisation, welche alles zerstören wird, was sich dem Triumph der Gerechtigkeit widersetzt. Das Recht, welches die Arbeiter haben, ihre vollständige Emanzipation zu verwirklichen, ist auf die Natur selbst gegründet; außerdem daß es natürlich ist, ist es gerecht, und es muß ge- setzlich sein, wenn dos Gesetz nicht ein dem unglücklichen Prole- tarier ins Gesicht geschleuderter Hohn sein soll. Wir verstehen wohl, daß es nicht in allen Fällen voll- kommen hinreicht, zu behaupten, man erstrebe den Triumph der Gerechtigkeit. Es ist nothwendig, jedesmal zu definiren, was man unter Gerechtigkeit versteht und zu zeigen, wie und mit welchen Mitteln man den Triumph zu erringen hofft. Das römische Recht, von dem die Gesetzgeber der modernen Nationen beeinflußt waren und sind, sagt:„DieGerechtig- keit besteht darin, Jedem zu geben, was er verdient." Wir ziehen absichtlich diese Definition vor, weil sie aus einer bekannten und allgemein anerkannten Quelle fließt. Aber nun erhebt sich sofort die Frage: Was verdient Jeder? Nach uns hat der Mensch, mag er individuell oder in Beziehung auf seine Galtung betrachtet sein, physische Bedürf- nisse und moralische Bedürfnisse. Um die elfteren zu befrie- digen, hält er sich an die Produktion; um die zweiten— an den Unterricht; mittelst des Unterrichts erleichtert und ver- mehrt er die Produktion und vermindert mehr und mehr die materielle Anstrengung; durch die Vermehrung und Erleich- terung der Produktion, setzt er sich hinwiederum mehr und mehr in günstigere Bedingungen des Unterrichts. Dies vorausgesetzt, erklären wir: das, was jedem Menschen und allen Menschen geschuldet ist, ist die Freiheit und die Gleichheit; aber verstehen Sie wohl, Bürger Minister, was diese Worte für uns bedeuten; Sie können es verstehen, wenn Sie Ihre Aufmerksamkeil auf das Folgende richten: Gleiche und vollkommene Freiheit zur Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten; Gleichheit des Rechtes, um immer und jedes- mal die Mittel anzuwenden, welche die Nothwendigkeit der verschiedenen Absichten erfordert, wie sie jeder Mensch und alle Menschen verlangen. In der vollkommenen Harmonie dieser beiden Prinzipien kann man dahin gelangen, unter den Äenschen die Brüderlichkeit zu verwirklichen. Dies ist der praktische Sinn dieser erhabenen Formel: Freiheit, Gleichheit, Brüder- lichkeit, welche die Geburt ihrer erhabenen Synthese möglich machen wird: die Gerechtigkeit. Wie Sie verstehen, Bürger Minister, liegt die Bedeutung der Internationalen nicht bloß darin, daß die Arbeiter in der Erkenntniß ihrer Rechte ihre gerechten Bestrebungen formuliren und sich zu ihrer Verwirklichung organisiren. Die alte Aristo- kralie ist zerstört und der Mittelklasse ist es.'gelungen, deren Platz einzunehmen und die arbeitende Klasse, das Proletariat, zu ihrem niederen Vasallen zu machen, so daß dieses die schwere Last der beiden andern Klassen aus seine ermüdeten Schultern drücken fühlt: wer sieht nicht oder kann nicht sehen, daß in den Prärogativen und Privilegien des Kapitals eine Umwandlung der alten Adels-Feudalität in die kapitalistische Feudalität vor sich gegangen ist; wer sieht nicht, mit Einem Wort, daß diese Letztere in hartnäckiger und, wir dürfen es sagen, verhängniß- voller Weift die Pflichten von den Rechten zu sondern pflegt, indem sie sich die letzteren vorbehält und das ganze Gewicht der ersteren auf die Arbeiter fallen läßt;— das Proletariat, sagen wir, hat in diesem Streben die ungeheuerliche und frevel- hafte Blindheit erkannt, welche diese Klasse, gestern unsere Schwester, heute unsere grimmigste Feindin, irre führt und hat geglaubt, daß es die absolute Nothwendigkeit gebiete, Jedem zu geben, was man ihm schuldet, nicht mehr, nicht weniger, oder wie wir es selbst formuliren: daß Jeder das integrale Produkt seiner Arbeit erhalte: was in dieser Weise viel klarer ausgedrückt ist, Bürger Minister, weil es etwas ist, das man nicht oft genug wiederholen kann, daß der, welcher konsumircn oder genießen will, die Pflicht hat, in demselben Verhältniß zu produziren, wie er konsumirt. So wird sich unsere Formel realisiren: Keine Pf lich- ten ohne Rechte, keine Rechte ohne Pflichten, eine Formel, welche die strengste Kritik der Vergangenheit und Gegenwart enthält und das tröstlichste Versprechen für die Zukunft. Das sind die Bestrebungen der Internationalen, Bürger Minister; darum hat sich die arbeilende Klasse, endlich einmal ihre Interessen und ihr erhabenes Ideal verstehend, unter ihrem Banner gcschaart, ohne sich um die Kümmernisse und Gefahren zu kümmern, welche die Verwirklichung dieser Absicht mit sich bringt. Sagen wir es jetzt: wenn die Internationale die Gerechtig- keit zu realisiren im Begriff ist und sich der Glaube dem ent- gegenstemmt, so steht die Internationale über dem Gesetz- Die Arbeiter haben das unveräußerliche, unläugbare Recht, ihre Organisation zu Ende zu führen und ihre Bestrebungen zu verwirklichen. Sie werden es thun mit dem Gesetz, oder trotz des Gesetzes. Bis jetzt existirt diese letzte Alternative nicht. Die Ge- etze Spaniens, durchdrungen von den demokratischen Ideen der Septemberrevolution, heiligen die individuellen Rechte und er- kennen das Recht der Assoziation an für alle Ziele des inensch- lichen Lebens, mit der Einschränkung übrigens, daß alle Asso- ziationen mit der allgemeinen Moral im Einklang stehen müssen ihre Direktion nicht im Ausland ihren Sitz haben darf. Die Einschränkungen können als wahre Rechtsbeschränkungen betrachtet werden, zunächst, weil das Erstere dem Ermessen der Obrigkeit anheimgestellt ist und weil das Zweite die Assoziationen in die künstlichen Grenzen hineinzwängt, welche die Menschen zwischen den Nationen geschaffen haben; aber sie berühren in nichts die Internationale, weil diese mit der all- gemeinen Moral nicht iin Widerstreite lebt, denn sie prokla- mirt im Gegentheil das sittliche Leben, d. h. die Harmonie der menschlichen Beziehungen mit den Gesetzen unserer Mutter Natur, und weil sie andererseits ihre Direktion nicht im Aus- land hat. noch haben kann,— weil sie überhaupt keine Direk- tion hat/ Die Prüfung unserer Statuten, von denen wir ein Exemplar beilegen, wird es Ihnen beweisen und zu gleicher Zeit dazu dienen, den Jrrthum zu zerstreuen, worin Sie sich über diesen Punkt noch befinden, in Folge der von einem bekannten Oeto- nomisten in den Cortes abgegebenen Erklärungen, und in Folge des neuerlichen Cirkulars, das ein zu trauriger Berühmt- heit gelangter Staatsmann erlassen hat. Diese Assoziation, eine Feindin des Autoritätsprinzips, ganz besonders gegründet, um dieses zu zerstören, weil sie in ihm die Ursache der Unter- drückung sieht, welche uns verschlingt, und der Ungleichheit, welche uns vernichtet, hat nicht die schamlose Inkonsequenz be- gangen, dasselbe in ihrem Schooße zu bergen. Unter uns be- hehlt Niemand und gehorcht Niemand, in dein Sinne, wie ihn der allgemeine Sprachgebrauch diesen beiden Worten beilegt. Folglich gleicht die Internationale in nichts diesen von der Negierung autorisirten Handels-Gesellschaften, welche in Wahr- heil ihre Direktion außerhalb Spaniens haben. Sie ist ebenso wenig den vom Staat autorisirten und protegirten Kredit-Gesellschaftcn an die Seite zu stellen, deren wirkliche Direktion auch außerhalb Spaniens ist. Sie ist endlich nicht mit dieser religiösen vom Staat auto- üsirten, protegirten und bezahlten Organisation auf Kosten des Gewissens, der Freiheit und der Börse von zahllosen Taufen- den von Bürgern zu vergleichen, einer Organisation, welche ihr Direltions Centrum, eine wahrhafte Macht, auch außerhalb Spaniens hat. Nein, die spanische Föderation ist im Schooße der Jnter- nationalen Assoziation der Arbeiter ebenso frei, wie es Spanien in seinen Beziehungen mit den europäischen Nationen sein kann. Allerdings, Bürger Minister, wurde die Internationale Assoziation, obgleich sie der Gerechtigkeit und dem Gesetze ge- maß organisirt, ist und obgleich sie sich die Erfüllung einer gro- hen sozialen Mission zur Aufgabe gemacht hat, der Gegenstand thörichter Verläumdungen und Ber folgungen in ganz Spanien von Seiten höherer und niederer Beamten unter der Billigung des Ministers, Ihres Vorgängers. An verschiedenen Or- ten wurden ehrenhafte Bürger ins Gefängniß geworfen, un- ter mehr oder weniger besonderem Vorwand, aber in Wirklich- teil wegen des einzigen Verbrechens, der Assoziation anzugehö- J�n, ohne daß man auch nur beim Vorgehen' gegen sie die vom Gesetze vorgeschriebenen Formalitäten erfüllt hätte. In anderen Orten hat die Obrigkeit die Errichtung un- sirer lokalen Föderationen verweigert und endlich hat Herr Praxedes Mater Sagesta, bekleidet mit dem Amt des Minister- rathSpräsidenten, in der Erwiderung an einen würdigen Internationalen, Vertreter in den Cortes, welcher ihn über die Au- toritälsmißbräuche des Gouverneurs von Barcelona interpellirt hatte, erklärt, daß er die Verbreitung der Ideen der Jnternatio- nalen nicht erlauben werde. Seit diesem Ereigniß haben sich die Verfolgungen an vielen Orten vermehrt unter mehr oder weniger nichtssagenden Vorwänden und die Industriellen und Kapita- listen, den Gedanken der Obrigkeit unterstützend, hindern den ruhigen Weitergang und die Entwicklung der Internationalen. Dies darf nicht so fortgehen, Bürger Minister; Sie haben, als Chef des neuen Cabinets, im Angesicht des Landes die Politik der Bestrafung proklamirt; wir, wir ziehen sie vor imer einfältigen politischen Präventive; aber, wie Sie verstehen werden, die Versprechunzen genügen uns nicht, wir müssen Be- 1®% Ihrer laulern Absichten haben; man hat uns so oft mit Versprechen überhäuft und unsere Enttäuschungen waren so Zahlreich, daß wir nicht mehr in der Lage sind, uns damit be- gnügen zu können. Die Internationale sucht die Grundlagen dieser aus Skla- ven und Herren, Arbeitern und Müsstggängem zusammengesetz- len Gesellschaft vollständig zu verändern und sie durch andere iu verdrängen, damit die Arbeit, als alleinige Quelle des Reich- ihums und der Wohlfahrt der Völker, die soziale Kategorie �"wde, der alle Menschen zustreben, welche, verschmolzen in die ichzige Klasse der freien Produzenten, auf der wohlbebauten Erde bild en,'®en Prinzipien realisiren können, welche die Gerechtigkeit , Aber wir wissen genugsam, daß sich das weder durch grund- 0si Unordnungen, noch durch vorübergehenve politische Revo- mlionen verwirklichen kann. Es ist nur die Propaganda und ' lebendige Verbreitung unserer Prinzipien, durch die wir die «othwendige Einheit der Absichten zu erringen streben, damit "Ue Durchführung zur Thatsache in der sozialen Welt werde. Wir, auch wir verlangen die Ordnung, Bürger Minister, sieben sie mehr als Die, welch- sich zu ihren Vertheidigern uu werfen; wir wissen den Preis, den uns die Unordnung zu "Nserem Unglück kostet! Aber wir weisen die Ordnung der �wilegirten Klasse zurück;./diese Ordnung ist die Ruhe der raber, der bleierne Deckel, welcher auf die Rechte des Volkes Z ersen ist, das Reich der Gewalt, welches die starre «ttnunst beherrscht. � Wir halten uns an die Gesetze des Landes, an Gesetze, g,** ohne unser Zuthun gemacht und verbreitet wurden, die ST, in klarer und entscheidender Weise das Recht feststellen, b/ �ir haben, unsere Ideen frei zu verbreiten. Wenn die � gierung glaubt, daß wir gegen diese Gesetze fehlen und wenn . Wglich das Recht zu haben glaubt, uns bestrafen zu dür- d,.' ,1° sige sie es frei heraus und erkläre uns als außerhalb Gesetzes stehend; wenn das Gegentheil der Fall ist, so kS cJk und lasse sie achten in öffentlicher und feierlicher Weise Wechte, welche wir als Bürger einer freien Nation besitzen Verk'�*mn Namen wir verlangen, daß die beabsichtigten �lvlgungen unterbleiben, welche unter besonderen Vorwänden, UaiA1* stissagt haben, in Wirklichkeit aber, weil sie Jnternacio- lind, gegen viele ehrenhafte und steißigc Arbeiter eingelei- tet werden. Dies ist der einzige Weg, die Verfassung deS Staates zu achten und ihr Achtung zu verschaffen. Diese G arantie, welche wir so rechtmäßig fordern, kan dem Laude die Sicherheit geben, die zu erfüllen Sie Ihrem Versprechen gemäß bereit sind; wenn Sie dieselbe verweigern, so stellen Sie sich in eine Situation, um die Sie Männer von Ehre sicherlich nicht beneiden. In der Erwartung einer Antwort, Bürger Minister, wünschen wir Ihnen Glück und soziale Emanzipation. In Uebereinstimmung und im Namen des Föderal-Rathes: Der Sekretär L. August 1871. Franzisko Mora. Brüssel. Am 20. August hielten— wie die„Libertä" berichtet— die dortigen Maschinenbauer ein großes Meeting ab, auf dessen Tagesordnung 1) der 10stündige Normalarbeits- tag, 2) die Anwerbung von Arbeitern fürs Ausland stand. Als Gäste und zugleich Redner waren anwesend, für den ersten Punkt der Tagesordnung: Bonhomme, Delegirter von V er vi er s— wo die Maschinenbauer den 10stündigen Normal- arbeitstag bereits erlangt haben und die Weber, sowie die Bauarbeiter gleichfalls für denselben agitiren— für den zweiten Punkt der Tagesordnung: Cohn, Delegirter der englischen Maschinenbauerassoziation. Es sprachen außer den Genannten: Pierron, Brism�e Hins, Dumez und Flohaut und dann nahm die Versammlung folgende Resolution an: „In Erwägung, daß die gegenwärtige Arbeitszeit der Masch!- nenbauer von 11, 12 und 13 Stunden der Gesundheit der Arbeiter nachtheilig ist; daß sie das Familienleben zerstört, indem sie es für das Haupt der Familie unmöglich macht; daß sie überdies jede geistige Entwicklung bei ihm untergräbt und die Herrschaft des Kapitals durch die Verkümmerung des Proletariats befestigt; „In Erwägung, daß sie die absolute Negation jeder Solidari- tät zwischen den Arbeitern ist; daß sie eine große Anzahl von Arbeitern zum Feiern verdammt, welche infolge dessen gezwun- gen sind, ihre Arbeit zu niedrigem Preise anzubieten und den bereits angestellten Arbeitern eine unloyale, inhumane Kon- kurrenz zu machen— was eine beständige Ursache zum Herab- sinken des Lohnes ist; „In Erwägung, daß die Macht, die Dauer des Arbeits- tages zu verlängern, unter den Händen der Arbeitgeber aller industriellen Nationen ein verhängnißvolles Konkurrenzmittel ist; daß sie, um möglichst viel Vortheil zu erpressen, in jedem Lande dahin streben, nach und nach die Arbeiter zu einer übermäßigen Arbeit zu verdammen, ohne daß sie jemals deren wirklichen Lohn merklich oder dauernd erhöhen, und indem sie immer die Arbeiter einer andern Nation eines Theils ihrer Arbeit berauben; „In Erwägung, daß sie weiter zur Folge hat, die Industrie immer unbeständiger zu machen und das Recht auf Arbeit in eine Gnadenbewilligung seitens der mächtigsten Arbeitgeber an einen bevorzugten Theil der Arbeiter zu verwandeln; „In Erwägung, daß der wichtigste Ausgangspunkt einer Bewegung zu Gunsten der Verkürzung der Arbeitszeit das Zu- sammengehen aller Maschinenbauer ist— mögen sie in Arbeit sein oder nicht; Beschließt die Versammlung: „Daß es nothwendig, billig und den Prinzipien der Soli- darität entsprechend ist, daß die gegenwärtige Arbeitszeit auf 10 Stunden beschränkt werde. Weiter beschloß man, Alles zu thun, um den Zuzug belgi- scher Maschinenbauer nach England abzuhalten. Aus der Redaktion der„Staatsbürger-Zeitung" erhielten wir am 19. d. M. folgendes lustige Schreiben: „An die Redakiion des„Volkssiaat" in Leipzig. „Ich habe in der Schweiz die Erfahrung gemacht, daß in dieser faulen Republik die Bourgeosie, das Pfaffen- und Geldjunkerthum, kurz die Reaktion weit mehr vorherrschend sind als in Preußen. Infolge dieser Enttäuschung zog ich meine bewußte Broschüre*) aus dem Buchhandel zurück und fragte bei der deutschen Gesandt- schaft an, ob ich unbehelligt nach Deutschland zurückkehren könne. Da mir dies bejaht wurde, so begab ich mich hierher. Wer mich infolge- dessen für einen Agent provocateur halten will, den erlaube ich mir für einen unverbesserlichen— Esel zu halten. Halten Sie es nun, wie Sie wollen. Dr. Ed. Löwenthal. kltj. Daß unsere„StaatSbürger-Zeitung" nicht ein offiziöses, son- dem das selbstständigste und radikalste Blatt Berlins ist, kann Ihnen jeder Berliner bestätigen. (Also wer Herrn Or. Löwenthal nicht für einen ehrlichen Mann hält, der ist ein— Esel. Herr Stieber sder Ori- ginal stiebers ist etwas weniger grob; in einem köstlichen Brief, den wir unfern Lesern nächstens vorlegen werden, be- gnügte er sich. Jeden, der an der Tugend und demokratischen Gesinnung— Stiebcr's zweifelt, für einen Dumm köpf zu er- klären.)__ Leipzig. Eine Lüge und ihre Abfertigung.— Die Bismarck'sche„Norddeutsche Allgemeine Zeitung'� läßt sich „aus Leipzig" von einem beliebigen Blum oder Leonhardt schreiben: „Aus den jüngsten Verhandlungen des sozialdemokratischen Kon- gresses in Dresden ging unier anderem, wenn auch in etwas ver- blllmter Weise, hervor, daß die Redaktion und Erpedition deS„Volksstaat" in arge Differenzen mit dem Drucker desselben, einem gewissen Thiele, gerathcn sind. Der letztere erhält an rückständigen Drucklosten das Sümmchen von 2lXX)Thlrn. und besteht auf baldigster Bezahlung, wozu Hr. Bebel sammt seinem engem Anhange wenig Neigung zeigt. In solchen Dingen hört, wie es scheint, auch die sozialdemokratische Brüderlichkeit auf; wenigstens erklärte Hr. Bebel, als die Sache im Kongreß zur Sprache kam, ganz naiv, man habe es nicht mit dem „Parteigenossen", fondern mit dem„Unternehmer", also„Bourgeois" Thiele zu thun." Natürlich in allem Wesentlichen� erlogen! Dem Leip- ziger Lokalblatt, das die Braßiade zuerst abdruckte, ging folgende Erklärung zu: „Ihr Blatt druckte in seiner heutigen Nummer aus dem Organ Bismarcks, der„Norddeutschen Allgem. Zeitung", eine Notiz ab, wo- nach es auf dem Kongreß der sozial-demokraiischen Arbeiterpartei zwi- scheu der Redaktion und Expedition einerseits und dem D> ucker des „Volksstaat", Herrn Thiele, andrerseits zu„argen Differenzen" ge- kommen sei, weil wir uns weigerten, die angeblich 2000 Thlr. beiragenden Druckkosten zu bezahlen. Das Ganze ist eine Verleumdiing. Der Kongreß beschloß die Errichtung einer eigenen Genossei schaslsbuch- druckerei; hieraus beamragieHerrThiele, daß, wenn das Unternehmen zu Stande komme, der Kongreß zunächst für Deckung seiner Forderun- gen sorgen wolle, die, beiläufig bemerkt, nicht 2000 Thaler, sondern 1500 Thlr. betragen. Ich erklärte hierauf, daß Thiele, mit dem wir *)„Da» preußische Völkerdreffuc-System." hier als Unternehmer, nicht als Parteigenosse zu verhandeln hätten, selbstverständlich fein Geld bei Heller nnd Pfennig erhal- ten müsse, daß aber über die Modalitäten der Zahlungen stch zu ver- ständigen, nicht Sache des Kongresses, sondern Sache der Organe der Partei(Ausschuß, Redakiion und Expedition) sei. Damit war die Sache erledigt. Die„Norddeutsche Allgem. Zeitung" scheint zu glauben, daß die' Sozialisten»ach ähnlichen Grundsätzen verfahren, wie ihre Freunde, die Herren Stroußberg und Conlorten, welche Schul- den machen in die Millionen, Versprechungen vorschwindeln und schließ- lich die Gläubiger um ihr Geld betrügen; allein hierin irrt sie sich. A. Bebel. „Obige Darlegung deS Sachverhalt» bestätigt als der Wahrheit gemäß F. Thiele." Leipzig, 25. August 1871. Gewerkschaftliches vom Cougreft. Am Dienstag den 15.. traten nach Schluß des Partei-Kongresse» die anwesenden Delegirten und Vertrauensmänner der Gewerkschaft»- Verwaltungen unter vem Vorsitz von Uork zusammen, um über die Grundlage der Agitation zur Ausbreitung und Kräftigung der be- stehenden Gewerkschaften einerseits, so wie über Mittel und Weg« zur Gründung einer Gewerkschafts-Union andererseits zu be- rathen. Außer Do rk(Holzarbeiter) waren beaustragt an der Conferenz Theil zu nehmen: von dem Ausschuß der Metallarbeiter Reichelt (Hannover), von dem Ausschuß der Manufaktur- und Fabrikarbeiter Motteler(Crimmitschau!; von dem Ausschuß der Baugewerkt Müller und Gebler(Dresden) und von dem Ausschuß der Schuh- macher Ullrich(Leipzig). Als Referent befürwortete Bremer(Magdeburg) eine nach Ge- werkschastssektionen geregelte Centralisation an allen Orten. Von allen Delegirten wurde übrigens die Nolhwendigkeit einer Central- Organisation für die Gewerkschaften hervorgehoben, und nur über die Frage der praktischen Ausführung gingen die Ansichten nach zwei Richtungen auseinander. Während von Gabriel und Stclzer zur endgültigen Regelung ein besonderer Gewcrkschasts-Congreß für nothwendig erachtet wurde, entschied schließ ich die Versammlung auf Antrag von Bebel:„daß die anwesenden Vertreter der Gewerkfchasts- Verwaltungen als Commission zur Ausarbeitung eines Organisations- Entwurfes der Gewerks-llnion ernannt, und verpflichtet werden, diesen Entwurf der Diskussion und Urabstimmung zu unterbrci»en." Von dieser Commission wurde Unterzeichneter mit der Aussüh- rung dieses Beschlusses beauftragt, und sind an ihn alle auf die Einrichtung einer Central-Organisation bezüglicken Vorschläge so wie die Statuten der einzelnen Gewerkschaften einzusenden. Th. Jork, Schultzweg 23. St. Georg. Hamburg. Berlin. Nachdem am Donnerstag Vormittag im Konzerthaufe eine Vorversammlung der selbst ständigen Tischlermeister stattge- habt, fand am Nachmittage im Saa e des Schützenhauses eine be- schließende Versammlung statt, zu der wohl sämmtliche hiesige Meister sich eingefunden hatten, denn der Saal mit seinen Gallerien, die Vor- zimmer und der Garten waren dicht gedrängt voll, so daß wohl mehr als tausend Meister anwesend waren. Der Altmeister Eberhard eröffnete und leitete die Verhandlungen, in welchen zunächst die Fragen erörtert werden sollten:„Ist die Forderung der Gesellen gerechiserligt, und sind wir in der Lage, dieselbe zu bewillige»?" Ohne indessen ans diese Frage näher einzugehen, wurde das im Ko»zer:hause aufgestellte Programm den Verhandlungen zu Grunde gelegt und dasselbe nach unbedeuienden Debatten auch einstimmig genehmigt. Es lautet:„Die heutige Versammlung der Tischlermeister betrachiet die Arbeilseinst-llung der überwiegenden Mehrheit der Gesellen für eine ungcsetzlichel!!) Handlung und hat sich gegenseitig z» nachstehen- dem Programm vereinigt, so daß ein jeder der unterzeichneten Meister sich auf Wort und Unterschrift verpflichtet, nur auf Grund der nach- stehenden drei Paragraphen weiter arbeiieu zu lassen: Z 1. Das Haupt- Prinzip bei Festsetzung der Lohnsätze zwischen Meister und Gesellen ist die Accord-Arbeit und bleibt diese der gegenseitigen Vereinbarung vor- behalten. Z 2. Wenn Togelohnarbeilen nicht zu umgehen sind, so soll, wie bisher, der Dinchschnilt der vorhergehenden Accordarbeiten maß- gebend sein.§ 3. Die Arbeitszeit, während welcher in den Werkstätten gearbeitet wird, hat von 6 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abend» stattzu- finden." So berichtet die„Volkszeitung" vom 27. August, welche sich nicht sckiämt, weiterhin den„versöhnlichen Geist der Meister" zu rühmen, trotzdem dieselben die Striles für eine„ungesetzliche" Handlung ertlären. Diese Hotleiilotten sch-inen in der That von der Existenz und dem Wesen eines KoalilioiiSgesetzes und dergleichen nichr die blasseste Ahnung zu haben; sonst könnten sie unmöglich einen so blühenden Unsinn in Form einer denunziatorischen Resoluiion zu Tage fördern, welcher selbst den carrierelusiigsten und grimmigsten Ataalsanwalt zum Lachen zwingen muß. Ein- Versammlung von„mehr als tausend Meistern" in vollster Unkenntniß über die einfachste» Staatsgescye— ist das nicht ein erbauliches Z icheu v u„der Bildung der Bourgeoisie" iu der „Hauplstadl der Intelligenz"?— Die unverheiratheten Tischlergesellen haben beschlossen, Monlag am 28. Augusl Berlin zu verlassen,— Eine Resolution, welche am 21. August von den hiesigen vereinig- Bau-, Maurer- undZimmerermeistcr» zu Gunsten derTischler- mei st er angenommen wurde, sei noch nachlräglich erwähnt. Sie lautet: „In Erwägung 1) daß die Art und Weise, in welcher die StrikeS oder Strikeandrohungen in den verschiedenen Zweigen des BaugewertcS in letzter Zeit aufgetreten sind, unzweifelhaft darauf schließen lassen, daß dieselben nicht Nothständen, sondern sozialistischen Um- triebe» ihr Entstehen verdanken. 2) daß dem planmäßigen Borg-Hen der Strikesagitationen in den verschiedenen Zweigen des BauaewerkeS nur durch ein ebenso geordnetes Zusammengehen der Meislerschaft ein wirksamer Damm entgegengestellt werden tann, be- schließt die heutige Versammlung der Bau-, Maurer- und Zimmer- meister Berlins und Umgegend, nach allen Kräften zur Meisterschaft der Tischler zu halte», falls sich dieselbe willkürlichen, unberechtigten Forderungen ihrer Gesellen gegenüber demnächst in die Lage gedrängt sehen sollten, denselben mit vereinten Kräften Widerstand zu leisten, — sie beschließt namentlich den Tischlermeistern, welche ihnen gegen- über zu Lleserungen verpflichtet sind, eine enlspreckiende Verlängerung der Termine zu gewähren oder event. ihren Einfluß aufzubieten, daß ihnen solche von den Bauherren verlängert werden."— Lange, Vorsitzender des Maurerslrikc-Komitees ist aus der Un- tersuchungshast entlassen— 4 Wochen brauchte also das Gericht, »m die dem Vcrhasteten unterschobene Redensart als eine lügenhaste Denunziation zu erkennen.— Der Strike in der Norddeutschen Maschinenfabrik ist beendet, dadurch, daß die Mehrzahl der Strikenden nach England ausgewandert, und ein Theil wieder in die Werkstätte eingetreten ist.(Wir wollen hoffen, daß was über die Auswanderung der Mehrzahl nach England d. h. nach Newcastle gesagt ist, sich nicht bestäligen möge. W>r lesen zwar im„Neuen Sozialdemokrat", über tausend Berliner Arbeiter hätte» sich dem englischen Sklavenhändlern verkauft, allein zur Ehre unserer deutschen Arbeiter wollen wir annehmen, daß dies nur ein falsches Gerücht ist. Red. d. V.) Aus Barmen, den 26. August, geht uns folgender Ausruf zu: Metallarbeiter aller Länder! Wenn wir bis jetzt von einein allgemeinen Ausruf zu unserer materiellen Unterstützung Abstand genommen haben, so geschah dieses lediglich aus dem Grund, daß wir glaubten, der Kampf würde dahier nicht so lange dauern, sondern bald beendigt sein, so daß wir uns mit der hiesigen Hülfe begnügen könnten. Leider sind wir in beiden Hoffnungen getäuscht worden. Seit 4 Wochen sind wir hier in dem allerernslesten Kampfe für unsere gerechtesten Forderungen gegenüber der Kapitalmacht begriffen und haben in dieser Beziehung gezeigt, daß wir trotz aller Maßregeln es verstehen, einig zu sein und alles aufzubieten, was uns zum Siege fuhren muß. Die Uiiterslützun- gen von hier sind nicht in dem erwarteten Maaß ausgefallen; einigen Orten haben wir die kräftigsten Unterstützungen zu danken, doch waS ist diese bei der großen Anzahl, welche unterstützt werden muß? Wir wenden uns daher in diesem Augenblick an Euch, Metall- arbeiter aller Länder und aller Branchen, sendet schnelle Hülfel Es möchte sonst zu spät sein. I. A.: Jrming, Schrijtsührer. Geldsendungen sind an Julius Schmidt, Oberdeutmalstraß« Nr. 88, Barme», zu senden. Fortsetzung von Seite 1. In einer spätem Pariser Korrespondenz desselben Blattes (vom 22. August) wird über den Prozeß Folgendes gesagt: „Der Gemeinderath von Bordeaux hat mit großer Mehrheit eine Petition um die Amnestirung der Pariser Kommune votirt. In dem Prozeß gegen die Mitglieder der Kommune stehen sowohl die Anklage als die Angeklagten(? Ein Theil derselben) tief unter der Größe des Ereignisses, so daß dieser letzte Akt des Trauerspiels, der Bolkstragövie, kleinlich(!) und erbärmlich(!!) wird. Es befanden sich hinter der ÄONttNUNe Individuen, bonapartistische Banditen und sonstige Agenten, welche die Untersuchung und die Anklage aus dem Dunkel und dem Hintergrund der Ereignisse nicht zu ziehen vermochten(? wollten). Alle Gemeinplätze der Anklage und der Gesellschaftsretter richten sich gegen die Londoner Jntema- tionale. Aber es ergiebt sich aus der Untersuchung das; im tsentrallomitce von sechsunddreißig Mitgliedern nur zwei und in derUommume von achzig Mit- gliedern nnr siebzehn der Internationale angehörten. Diese neunzehn Mitglieder der Internationale be- wahrten eine gemäßigte, fast reaktionäre(!) Haltung und thaten Nichts, um ihre Ideen gewaltsam zu ver- wirklichen.(Also weil sie keine„Mordbrenner" sind, sind sie „fast reaktionär".) Die Untersuchung und die Anklage bringen nicht den geringsten Beweis einer unmittcl- baren Intervention der Internationale bei. Tie Ne- pressalien der Verzweiflung sind das Werk von etwa hundert Bösewichteru, welche ganz anderen Cinge bungcn und Instruktionen, als denen der Interna- tionale, folgte». Hierüber bleiben Untersuchung und Anklage jede Aufklärung schuldig. Damm hält sich der Prozeß ohne Charakter unv ohne geschichtliches Gepräge aui der Oberfläche der Ereignisse."— D iesoziali st ische Bewegung in Spanien,— wird der„Frankfurter Zeitung" geschrieben,— ist tiefergehend(?) und mehr verbreitet(?) als in andern europäischen Ländern und es tritt die Internationale, in der sich diese Strömling zumeist koncentrirt, dort offener auf, als anderwärts. Der Bundesrath der spanischen Sektion dieser Gesellschaft hat so eben an den Staatsminister unter der Form einer von ihrem Sekretär Francisco Mora unterzeichneten Petition einen langen Brief gerichtet, in der sie ihre Zwecke darlegt und die Erklä- rung abgiebt, daß sie dem Principe der Autorität feindlich ge� sinnt, ja hauptsächlich zu dessen Bekämpfung gegründet sei. Das Schreiben beklagt sich bitter über Bersolgung und Per- leumdung, der die Internationale in Spanien ausgesetzt sei und erinnert Zorilla daran, daß er das Princip der Prä- vention verworfen und lediglich das System nachträglicher Re- pression protlamirt habe. Die Internationale wünsche die Ordnung, aber nicht die von einer privilegirten Klasse octroyirte. Das Schreiben endet mit dem Satze:„Die Regierung glaubt, daß wir das Gesetz brächen. Wenn sie meint, das Recht zu > unserer Verfolgung zu haben, möge sie es offen sagen und uns außerhalb des Gesetzes erklären. Wenn nicht, so achte sie das Bürgerrecht einer freien Nation und verschaffe demselben allerwärts öffentliche und vollständige Achtung."— Vom Berliner Polizeipräsidenten v. Wumb ist den Berliner Blättern, welche die Notiz über die Vermehrung der Polizeimannschaften und die Repres sivmaßregeln gegen am 1. Oktober zu erwarteude Ruhestörungen:c. gebracht haben, folgendes De- menti zugegangen: „Die Notiz, daß zur Verhütung von Ruhestörungen, welche in Folge des Wohnungswechsels im Oktober eintreten lönnien, eine Reihe von Maßregeln, insbesondere die Aufstellung twn Doppelposten an die Straßenkreujunge», die Verstärkung der nächtlichen Polizei-Vateouillen, und die Heranziehung von Militär aus den benachoarlen Garnisonen angeordnet worden sei, erlläre sich hierdurch ihrem ganzeir Umfange nach als aus der Luft gegriffen." Wohlweislich demenlirt der Polizeipräsident nicht die Nach- richt von der Vermehrung der Polizeimannschaften überhaupt, sondern nur die Nachricht von der Verstärkung der nächtlichen Patrouillen, sowie den den fraglichen Maßregeln beigelegten Grund („Verhütung von Ruhestörungen beim Ouartalswechsel"). Die Berliner Blätter hallen denn auch, zum Theil trotz, zum Theil infolge dieses„Dementis", ihre früher gebrachte Mittheilung von der Vermehrung der Schutzmannschaft um 500 Mann aufrecht und überlassen es stillschiveigend dem Urtheile des Publikums, ob diese Maßregel wohl einen andern Entstehungs- grund haben könne, als den vom Polizeipräsidenten dementirten.— Vom 2—4. September findet in M ü n ch e n ein allgemeine deutsche Polizeikonferenz stall. Tagesordnung:„Das Nationalzuchthaus Und die gemeinsame Peitsche." Am Sonnabend Abends 0 Uhr wurde Most in Chem- nitz verhaftet. Ueber den Grund ist uns bei Schluß der Redaktion noch nichts bekannt. Jedenfalls hat die Bieder- mann'sche Denunziation sich auf ein zweites Mal wirksain er- wiesen. Um das häßliche Fremdwort„denunziren" zu ver- meiden, werden wir künftig sagen: biedermänneln. Der Fortbestand der„Freien Presse" ist nicht gefährdet. Im Lauf der verflossenen Woche— den Tag hat man uns zu nennen versäumt— ist Parteigenosse Lehmann inRochliy verhaftet worden und zwar wegen Verbreitung des bekannten Wahlaufrufs, der während der Wahlagitation des Frühjahrs schon zu mehrfachen Verfolgungen Anlaß lieferte, ohne jedoch den betreffenden Herrn Staatsanwälten bis dato eine wirklich greifbare Handhabe geboten zu haben. Daß man in einer so geringfügigen Sache— und noch dazu fast ein halbes Jahr nach Begehung der angeblichen Ungesetzlichkeit zur Verhänguug der Prävenlivhaft schreiten konnte, hätten wir für unmöglich gehalten, lautete unsere Information nicht so positiv und wären wir nicht durch die Erfahrung belehrt worden, daß in Sachsen Alles möglich!__ Auerbach, 27. August 1871. Die gestern hier stattgehabte Volksversammlung ist in jeder Hinsicht zufriedenstellend verlaufen. Von polizeilichen Schwierigkeilen, Verbot der Debatte oder dergleichen, war keine Rede.*) Bracke. Leipzig. Parteigenosse Im Hof ist nicht, wie erwartet *j Traurig genug, daß man solche Bemerkuuaen machen muß. Hin ausführlicher Bericht Bracke'« folgt in nächster Nummer. wurde, nach Erfurt ausgeliefert worden, sondern hat seine Strafe, 3 Monate Gefängniß, in Halle abzusitzen. Warnung ans Hof. Die Direktion der hiesigen Aktienspinnerei beabsichtigt, dem Vernehmen nach, ca. 50 Spinner und Ansetzcr zu entlassen und dafür Arbeiter aus Böhmen und dem Allgäu einzuführen. Etwaigen großen Versprechungen gegenüber theilen wir mit, daß Spinner hier 5 Gulden, Ansetzer 21/, Gulden wöchentlich verdienen bei 12stündiger Arbeitszeit und schlechter Behandlung. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Internationale Clewerksgenoffenschaft der Manu- faktur-, Fabrik- und Handarbeiter. Folgende Neuwahlen sind seit 1871 bekannt gegeben: Luckenwalde: F. Helsinger, Bevollmächtigter(Potsdamerstraße 56); W. ErHardt, Beitragssammler(Heidestraße 19); P. Dreßler, Kontroleur(Treuenbrietznerstraße 1001; Wandergeld wo?!— Pasel Ch. Schürman, Bevollmächtigter(Schneidergasse 12); Gottfr. Bau- mann, Beitragssammler(Webergasse 281; Hans Georg Frey, Contro- leur und Schriftführer; Wandergeld wo?!— Brockau bei Netzschkau: Joh. Hartmann, Bevollmächtigter; I. Ch. Lorber, Weber, Controleur; Gust. Trögel*) Weber, Beitragssammler; Wandergeld wo?!— Reud Nil; bei Greiz: LouiS Simon, Webermeister und Rcstauratenr, Bevoll mächtigter; Ferd. Reinhold, Feldhausbesitzer, Beitragssanunler; Fried rich August Richter, Controleur; Wandergeld wo?!— Groffenhain i. S.: Wilh. Günther, Tuchmacher, Bevollmächtigter(Amalienallee 563); Rob. Straßbnrger, Beitragssammler(Amalienallee 560); Jul. Zimmermann, Controleur(Marienallee 706); Wandergeld bei Günther von Mittags 12— 1 und Abends von 7 Uhr an.- Hohenstein- Ernstthal i. S.: Jul. Seifert, Bevollmächtigter(Weberzasse 3t)2>; Louis Pößneck, Beitragssammler(Dresdnerstraße 99); Herm. Wil- Helm, Controleur(in Ernstthal); Wandergeld wo?!— Wernsdorf bei Glauchau: Ferd. Fickenwirth, Bevollmächtigter; Carl Schildbach, Beitragssammler; Hugo Rathmann, Controleur; Wandergeld bei Fickenwirth von Mittags 1V,�3 Uhr.- Braunschwcig C. Walter, Bevollmächtigter(Gließmaroderfußweg 35); A. Isens«, Beitrags sammler; H. Kues, Controleur; Wandergeld wo?!— Hertzfcld in Kurhessen: Georg Wolfs, Bevollmächtigter; Beitragssammler und Eon- Iroleur Wer?; Wandergeld bei Carl Steru, Tuchmachergesclle im Steingraben 345.— Chemnitz: Th. Clemens Bachmann, Bevoll mächtigter(Paularnoldstraße 740); Beitragssammler, Controleur, Wandergeld???— Ronneburg i. S.: Eduard Glaser, Bevollmächtigter (Geraergasse); Zlug. Schuhmann, Beitragssammler(auf der Wiese); Carl Schmidt, Controleur und Schriftführer(Marktgasse); Wander ge!d wo?— Mrerane i. S.: Aug. Söllner, Bevollmächtigter(Lilien- straße 496); Gust. Krause, Controleur(Bahnhofstraße); Valentin Tau- bert, Beitragssammler(Roscnthal 283); Wandergeld wo?— Hos: Johann Wagner, Cassirer; Joh. Weidmann, Bevollmächtigter, Weber- meister(Ottostraße); Controleur und Wandergeld?— Lberfrohna bei Chemnitz: Ernst Jul. Bauch, Bevollmächtigter; Reinhardt Pester, Beitragssammler; Rob. Weiße, Controleur; Wandergeld wo? Die säumigen Mitgliedschaften werden abennals aufgefordert, Nachricht ic. zu geben und alle Bevollmächtigten auf uusre demnächsten «reuzbandsendunzen ausdrücklich aufmerksam gemacht. Mit Nächstem müssen wir die säumigen Orte namhaft macheu, damit unsere Reor- ganisation endlich vollendet werden kann. Crimmitschau, den 24. August 1871. Für die Vorortsoerwaltung: I. Moiteler, z. Z. I. Vorsitzender. Internationale Gewerkschaft der Holzarbeiter. Leipzig, de» 23. August. Geilem Abend fand in der Nestau- ratio» vo» Götz eine Versammlung der Stellmacher Leipzigs und Umgegend statt. Dieselbe war ziemlich stark besucht. Aus ihrer Tagesordnung stand: ,,Dec Sieg der Berliner Stellmacher und die Organisation für die Zukunft." Angeregt war die Versammlung durch«in Schreiben der Berliner Stellmacher, welche aufforderten, einem neu zu gründenden Vereine beizutreten. Der Bevollmächtigte der Internationalen Gewcrksgenossenschaft der Holzardeiter, Stelz er, sowie einige Stellmacher, welche ebenfalls dieser Gewerkschaft angehörten, legteil den versammelten Stellmachern die Prinzipien der Holzarbeitergewerkschaft auseinander und zeigten ihnen, daß es unzweckmäßig sei, etilen neuen Verein zu gründen, in- dem die Gewerkschaft der Holzarbeiter doch viel mehr biete und stets bieten kann, als ein neu zu gründender Verein der deutschen Stell- wacher. Die Versammlung nahm demnach folgende Resolution an: „Die versammelien Stellmacher Leipzigs begrüßen mit Freuden de» Erfolg, welchen ihre Berliner Kollegen in dem schweren Kampfe errungen haben. Sie halten es jedoch sür ihre Pflicht, von der Neu- bildung eines Vereins abzusehen und sich als Sektion der Stellmacher der Gewer ks genossen jchaft der Holzarbeiter anzuschließen, indem diese Gewerkschaft dasselbe bietet, ja noch weiter geht, als was ihre Berliner Kollegen als ihr Programm ausstellen. Ihre Kollegen werden zugebe», daß die Stellmacher kleinerer Städte, ihrer Minder- zahl zufolge, nicht im Stande sind, einen Verein der Stellmacher zu gründen, wohl aber sich der Genossenschaft der Holzarbeiter anschließen, oder, wo keine Mitgliedschaften vorhanden sind, solche gründen können. Diese Resolution wurde mit allen gegen Eine Stimme angenommen. Bruno Schräder, Schriftführer. Berlin, 26. August.(Zum Maurer-Strkke.) Sechs volle Wochen sino dahin! Sechs Wochen stehen die Maurer Berlins im Kampf um den Normalarbeitstag. Die Arbeiter Deutschlands haben Uiis als Pioniere bezeichnet und mit Recht; wir haben als Borkämpfer unsere volle Schuldigkeit bis jetzt geihan und werden es auch ferner ihun, sobald sich die Gegner erlauben, an dem bereits Zugestandenen nur im.Geriiigsten zu rütteln, selbst w.mn mau noch so viel Machina- tionen anwendet. So hat man z. B. Soldaten zur Maurer- arbeit kommandirt und Maurer aus Burg in Potsdam ein- quarlirt, welche täglich zur Arbeit und wieder zur Schlafstelle per Exirazug zwischen Berlin und Potsdam befördert weroeu. Wir warien es ruhig ab und lasse» uns durch Nichts beirren oder schrecken. DaS bewies heule der Fall, daß ein B ies anlangt-, worin ein Maurermeister in Cuxhaven 40 Maurer und 40 Handlanger bei 1 Thlr. 10 Sgr. Lohn verlangte, und doch Niemand daran dachte, Berlin den Rücken zu kehren. Der Geist lst und bleibt ein guter. Täglich hört man die Marseillaise vor Beginn der Versammlung erschallen. Wir fühlen uns wiederum verpflichtet, den Partei- und Berujsgenossen in Aschersleben, Altona, Brestau, Bieleseld, Bremen, Brauuichwetg, Charlottenburg, Celle, Cöln, CöSlin, Düsseldorf, Dresden, Duisburg, Egeln, Fraustadt, Frankfurt a. O., Friedrichshagen, Glückstadt, Hamburg, Hannooer, Harburg, Havelberg, Halle, Itzehoe, Kiel, Luckenwalde, Lüneburg, Lands- berg a. W., Minden, München, Mannheim, Neumünster, Naumburg a. S., Pinnederg, Prenzlau, Rigebüttel, Rohrsen, Schwedt a. O., Spandau, Schwert», Torgau, Wrieyen a. O. und Wandsbeck unfern tiefgefühlten Dank zu sagen für die kräftige Beisteuer zur Unterstützung der zahlreichen Familienväter. Treten sie in denselben Kamps ein, so werden wir ebensaUS ihre Sache zn der nnsrigen machen. Mit sozial- demokratischem Gruß Sieoert. („Neuer Sozialdemokrat.") Rcichenbcrg, Böhmen 23. August. Ich bin beauftragt, zu be- richten, daß der Strike der Metallarbeiter beendet ist—„aber ragt mich nur nicht wie"(Heine)— hingegen der der Kammsetzer ortdauert. Daß der Sinke der Metallarbeiter nicht ganz, sondern nur theilweise, zu Gunsten der Arbeiter ausfiel, daran ist einzig und allein die„unsterbliche Göttin mit dem gediegenen Bret vor dem Kopse:" Dummheit, und zwar Dummheit der Arbeiter Schuld. Den Metallarbeitern bei Herrn Logelacsang wäre wirNich dringend zu rathen, soziale Schrislen, so z. B. den jeden Samstag erschemeuNn „Voltswillen" zu lesen, und sich so bald als möglich dem Fachvereiu anzuschließen, damit sie sich liber die Arbeiterbewegung und die Vereins- fache Klaiheit verschaffen. Ei ist recht traurig, wenn sich Arbeiter von rhren Arbeitsgebern übertölpeln, verdummen und einschüchtern lassen, und es ist die höchste Zeit zur Umkehr, wenn ihr nicht in dem Sumpf der Unwissenheit verkommen wollt, Betreffend den Strike der Kammsetzer, so wurde bei einigen„Herren" schon unterhandelt, und wir hoffen auf ein günstiges Resultat. Ein „Herr" hat sich ausgesprochen, er würde die Forderungen gern bewilligen, wenn er sich nnr keine Feindschaft machen würde mit den anderen Fabrikanten. Kurz und gut: wir glauben, daß wir siegen müsse». Im Namen vieler Parteigenossen: Mit sozialdemokratischem Gruß und Handschlag Johann Till. Barmen, 28. August.(Proskriptionslisten des Kapitals.) Soeben erhalten wir von befreundeter Hand ein Eirkular, welches der Vorstand des seit Beginn des Strikes der hiesigen Metallarbeiter ins Leben getretenen Maschinen-Fabrikanten-Bereins an die Industriellen der Umgegend abzusenden im Begriff steht: � � Barmen, den 25. August 1871. In den letzten Wochen haben viele der strikeuden und wegen Be- theiligung am Strike entlassenen Arbeiter Beschäftigung erhalten und zwar zum Theil in Geschäften, deren Inhaber uns ihre Unterstützung zugesagt hatten. Genaue Erkundiguiigen habeil ergeben, daß die Arbeiter, um Be- schäftignng zu erhalten, ivlgende Wege einschlagen: 1) Die unlängst vom Militär entlassenen Arbeiter geben an, seit ihrer Heimkehr noch nicht gearbeitet zu haben. 2) Die nur kurze Zeit in Barmen beschäftigt gewesenen Arbeiter zeigen ihre früheren Entlassungsscheine vor und behaupten, seitdem gefeiert zu haben. 3) Viele Arbeiter haben für geringen Lohn oder umsonst in klei- neu Werkstellen oder gar auf dem Lande bei Gärtnern-c. ge- arbeitet, um ein neues Zeugniß zu erhalten. 4) Scheint es sogar, als wenn falsche Zeugnisse angefertigt werden. Da Sie mit uns der Meinung sein werde», daß es zur Be- kämpfung nicht nur des jetzigen hiesigen Strikes, sondern auch zur Verhinderung resp. Bekämpfung jedes später beabsichtig- ien Strikes in unserer ganzen Gegend von großer Wichtigkeit sein wird, daß die Arbeiter erfahren, daß die Arbeitgeber sich gegen- seitig ihatkräftig zu unterstützen gewillt sind, so'werden Sie gern bereit sei», unsere Bitte zu erfüllen, dir Namen der seit Ende Juli bei Ihnen in Arbeit getretenen Arbeiter mit ver bcitommcnde» Arbeiterliste zn vergleiche»»»S die etwa darin ausgeführten Arbeiter gesälltgst sofort zu entlasse». Sodann ersuchen wir Sre, gefälligst Kennlniß von dem Verzeich- n!ß der Firmen zu nehmen, die uns zu unterstützen bereit sind und die Ihnen bekannteil nicht verzeichneten Firmen Ihrer Gegend gütigst veranlassen zu wollen, uns zn unterstützen und ihre Arbeiter ebenso zu revidiren und die betreffenden Arbeiter zn entlassen. Ueber den Verlauf des Strikes werden wir Ihnen seiner Zeit noch Mittheilung machen und bemerken nur noch, daß wir fest eni- schloffen sind, unseren Arbeitern in keiner Weise nachzugeben. Sie können überzeugt sein, daß unser Verein Ihnen event. Falls freudig dieselben Dienste leisten wird, die wir heute von Ihnen er bitten und zeichnen hochachtungsvoll Der Vorstand des Maschinen-Fabrikanten-Vercins. A. A.: H. Blecher. Magdeburg. 2 Mitglieder des Strike-Komitee's, Sauer und Fleiicher sind verhaftet worden. Brockau.(Ein Renegat)..In nnserm Bersammlungs- Berein freute man sich nach der Reichstagswahl über den Sieg unsers Candi- raten Bracke am hiesigen Orte, als der Arbeiter und Kaffensammler Friedrich Tröget unsere Bemühungen mit den Worten kennzeichnete, „es wäre besser gewesen, wir wären zu Hause sitzen geblieben." Trotz- oem lreß er sich nach dieser Zeit bei der Genossenschast der Manufaktur- und Handarbeiter als Mitglied aufnehmen, woselbst er injolge seiner Schuikenntilisse als Sekretär fungirtc. Als wir in unsern Bestrebungen zur Errichtung eines FakwrgeschäsreS aus genvsseuschastlichcr Grundlage ichritten und betr. Trögel nebst seinen Sohn nicht sofort mit der Lei- tung betrauten, kehrte er uns den Rücken, mit der Aeußerung, von dem Jniemationalen Band nichts mehr wissen zu wollen unv verbrannte die Protokolle. Wir bezeichnen die« als einen Ausdruck seines unbefriedigten Ebr- geizes und freuen nns, diese Sorte so bald los zu sei». _ Die Parteigenossen Brockau'«. Berichtigung. In Ihrem Blatte,'Nr. 68, sagen Sie, ich hälie bei der Rcichsiagswahi drei Stimmzettel für Herrn Bicebürgermeistcr Stepham abgegeben, was ich Ihnen als unrichtig bezeichnen muß. In meinem Wahlbezirk war mein Name»ich' vorzufinden; da ich kurze Zeit vor der Wahl in einer anderen Straße gewohnt habe, so wies man mich in den betreffenden Wahlbezirk, um vielleicht dort meinen Namen vorzufinden, auch hier war derselbe nicht zn finde», mithin konnte ich keinen Stimmzettel abgeben. Da einer meiner Mitarbeiter traut war, so ging ich, da derselbe i» demselben Wahlbezirk wohnte, um in oesjenNanicn zu wählen; sein Name fand sich auch richtig vor; hier gab ich einen Ztiinin- zettel ab, wurde aber bei dem Fortge!,en zurückgerusen und ge fragt, ob ich dtrselbe Mann sei; so habe ich meinen Namen genannt, und per Stimmzettel, welcher aus Herrn Vicebürgermeister Sleohani lautete, wurde als ungültig erklärt; somit habe ich gar nichl(?)I gewählt. Theodor Blüthncr. (Unser Jrrthum war also nicht bedeniend. Wir meinten, Herr Blllthner hätte 3 Stimmzettel(1 berechtigten und 2 unberechtigte) ab- gegeben, und« selber beiehrt uns, daher nur 1 unberechtigten ab- gegeben hat._ D. R. d. B.l *) Siehe hierzu Brockauer Korrespondenz. Briestaften der Redaktion: E. O. L. in P.: Ja, im Redakiionslokal.' Für München. Der Unterzeichnete zeigt hiermit den Parteigenossen an, daß er zum Vertrauensmann gewählt worden ist. Alle Zusendungen vonBrie- fen und Schriften sind nur an mich zu senden. Unser BnsaminlnngS- 1 total befindet sich in der Ostend Halle, Reichenbachstraße Nr. 9, und! sind daselbst jeden Samstag, Sonntag und Montag mehrere Mitglie- der anzutreffen; mögen sich also Fremde, die hicrber kommen, nur dorthin wenden. Samstag, den 2. September, findet in der Oftendballe, Rei-I chenbachiilagc Nr. 9, eine öffentliche Parteiversammlung statt. Tagesordnung: 1) Der Normalal bellst, g. 2) Entrichtung ver rückstän- digen Monatsbeiträge und Aufnahme neuer Mit- 1 glieder. Der Bertrauensmann: Franz Gerstäcker, Gärinerplatz Nr. 4/4, links. Für Pforzheim.> Die Parteigenossen sind hiermit eingeladen, sich Samstag, den 2. September, Abends präcis8Uhr, im Nebenzimmer der Bierbrauerei I Hos zu einer Versammlung einzufinden. Auch Gäste sind willkommen._ I Für Rövlitz und Umgegend. Zu einem Arveitersest, bestehend in einer Festrede, Deklamation! und darauf solgendem Ball aus nächsten Sonntag, 3. September,! von Nachmittags 3 Uhr an im Saale des Herrn Jung in Röblitz! ladet alle Parteigenossen von Nah und Fern freundlichst ein Der sozial-demokratische Arbeiter-Bercin zn Rödlitz-Hohndors. Für Leipzig. Sozialdemotratischcr Arbeiterverein. Freitag, den 1. September, Abends pnnkt halb 9 Uhr: Ber sammlung im Saale der„goldenen Säge"(Restaurant Viktoria), Ecke der Dresdner- und Langenstraße. Tagesordnung: Sozialpolitischer Wochenbericht.(Ref. Jacob».) — Fragekasten. Um pünktliches Erscheinen wird ersucht. Gäste sind willkommen. _ Der Vorstan d. Leipzig: Berantw.Redallem A.Hep nersReoaklion: PeieiSsicinweg Druck u. Verlag: F. Thiel«.(Expedition: Peterlstr. 18.) v-x -