M 73. S,»«bei>», de« 9. September. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, Petersstraße 18, F.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AbonnemotttSpreis; Für Preußen incl. Stempelsteuer 16Ngr., flir die übrigen dentscken Staaten 12 stfgr. per Quartal. Filialerpedition für die Ver- einigten Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der soslal-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenojsenschasten. Wir machen unsere Leser auf die!in der heutigen Nummer de- findliche Partie aus der Geschichtsabhandlung„Zur Erinnerung sllr die deutschen Mvrdspatrioten" ganz besonders aufmerksam, wegen der darin geschilderten Rolle, welche ein Hohenzoller vor 64 Jahren in Deutschland spielte. Alle Zuschriften in allgemeinen Parteiangelegenheiten, nament- lich auch um Programme, Statuten, Karten u. s. w. sind zu richten an. Sekretär Th. Aorck, St. Georg Schulzweg 23 Hamburg. Die Parteibeiträge, freiwilligen Beiträge, Beiträge für den Fond der politisch Gemaßregelten u. s. w. sind zu senden an: Kassirer H. Beuueckt, Kl. Schäferkamp 46u. Hamburg. Beiträge für den„Volksstaat" und Briefe in Redaktions- angelegenheiten müssen adressirt sein: An die Redaktion des„itolksstaat", Petersftcinweg 13. Leipzig. Zuschriften, betreffend den Versandt des„Volksstaat", Bestellungen auf Parteischriften, sowie Geldsendun- gen für das tBlatt und entnommene Schriften sind zu adressiren: Expedition des„Bolksstaat", Petersstraße 18. Leipzig. Beschwerden über den Ausschuß und die sonstigen Partei- organe sind zu richten an den Vorsitzenden der Kontrol- kommission: Theodor Metzver, Landwehrstr. 5—6 Berlin. An die Parteigenossen. Da der deutsche„Reichstag" wahrscheinlich schon in 4—5 Wochen zusammentritt und es dringend nothwendig ist, daß die zahlreichen Maaßregelungen unserer Parteigenossen in dem- selben zur Sprache gebracht werden, so ersuchen wir dringend, alles auf diese Maaßregelungen(Einsperrungen, Haussuchungen, Ausweisungen jc.) bezügliche Material, namentlich auch die Denunziationsartikel der Bourgeois- und sonstigen Rcaktions- presse, die zu den betreffenden Maaßregelungen provozirten, unfern Reichstagsabgeordneten möglichst bald und in möglichster Vollständigkeit zugehen zu lassen, damit den Gegnern der So- zialdemokratie von der Tribüne des Reichstags herab die ver- diente Berücksichtigung zu Theil werden kann. Politische Uebersicht. Am Sonnabend(2. September) verkündeten die Schergen der Versailler Mordbande ihr„Urt heil" über die gefangenen Kommunalisten; von den Zeitungen wird dasselbe wie folgt resumirt: F errö wird in allen Anklagepunkten für schuldig erkannt: Attcn- tat gegen die Regierung, Aufreizung zum Bürgerkrieg, unberufene Aus- Hebung von Truppen, Anmaßung öffentlicher Aemter, Mitschuld an der Ermordung der Geiseln, an den Brandstiftungen und an der Zerstörung der öffentlichen Denkmäler und Privat-Gebaude, an den willkürlichen Verhaftungen und Sequestrationen. Assy schuldig in den vier ersten Anklagepunkten, nicht schuldig an den Ermordungen, Brandstiftungen und Zerstörungen, schuldig der Fa- brikalion von Leruichtungswerkzeuge» für den Krieg, sowie willkürlicher Verhaftungen und Sequestrationen. Urbain schuldig in allen Punkten mit Zulassung mildernder Um- stände. Billioray schuldig in allen Punkten, mit Ausnahme der Ermor- düngen und Brandstiftungen. Jourd e schuldig in den vier ersten Punkten, nicht schuldig an den Ermordungen,� Brandstiftungen, Zerstörungen, Verhaftungen, Erbre- chungen von Siegeln und Entwendung öffentlicher Gelder, das Ganze unter Zulassung mildernder Umstände. Trinquet, wie Urbain. Champy schuldig in den vier ersten Punkten, ferner der Zer- störung von Denkmälern und willkürlicher Verhaftungen. Regöre schuldig in den ersten vier Punkten, nichtschuldig in den übrigen. L ullier schuldig des Attentats gegen die Regierung, der Aufreizung zum Bürgerkrieg, Aushebung von Truppen, Verleitung zum Abfall und Befehligung einer bewaffneten Truppe. Rasto u l, wie Regöre, jedoch nicht schuldig an der Zerstörung von Denkmälern und mit Zulassung mildernder Umstände. Paschal Grousset schuldig in den vier ersten Punkten, uichtschuldig der Entwendung von Documenten und des Diebstahls voil Papier. Berdure, wie Rastoul, jedoch ohne mildernde Umstände. Ferral, schuldig der drei ersten Punkte. Descamps, nicht schuldig in allen Punkten. Clement, schuldig der Anmaßung öffentlicher Aemter mit Zu- lassung mildernder Umstände. Eourbet, schuldig der Theilnahme an der Zerstörung der Ben- domesäule. Parent, nicht schuldig in allen Punkten. Demgemäß werden Ferrö und Lullier zum Tode, Assy. Bil- lioray, Ehampy, Regere, Paschal Grousset, Berdure und Ferrat zur Deportation nach einem befestigten Platze, Urbain und Trinquet zu leben Slän glicher Zwangsarbeit, Jourde und Rastoul zu einfacher Deportation, Eourbet zu sechs Monaten Gefängniß und 500 FrancS Strafe, Clöment zu drei Monaten Gefängniß ver- urthcilt, Descamps und Parent aber freigesprochen. Also— und einer weiteren Kritik dieses„Urtheils". wie der ganzen Versailler Justizfarcc enthalten wir uns für heute— also unter den kompromittirtesten Männern der Kommune hat dieses Kriegsgericht, das nicht zusammenberufen worden, um zu rieh-- ten, sondern nur um zu verurtheilen, zu morden, bloß zwei Männer zum Tode zu verurtheilen vermocht, und von diesen zweien ist Einer ein Agent der Versailler Regierung! Und die zwanzigtausend Männer, Frauen und Kinder, die in der zehn- tägigen Bartholomäusnacht erwürgt wurden, und von denen der„Schuldigste" weniger„schuldig" war, als der„Unschuldigste" Derer, über die das Kriegsgericht soeben sein Urtheil gefällt! O ihr Mörder! Mörder!— Am selbigen Tage, wo das Kriegsgericht sein Urtheil ver- kündete, das ein moralisches Todesurtheil der Versailler Gesell- schastsretterbande ist, nahm Hr. Thiers, der Hauptmann dieser Bande, nach zweitägiger Entleerung der parlamentarischen Wind- säcke, den Titel„Präsident der Republik" an. Zum Wappen soll er sich ein weinendes Krokodil erwählt haben.— Im„Correspondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer" lesen wir:„Ein Maschinenmeister, bereits seit 19 Jahren in Paris konditionirend, lheilt in einem Briese u. A..Folgendes mit:„„In einer Generalversammlung der allgemeinen Buchdruckergesellschaft wurde beschlossen, daß inner- halb 24 Stunden alle Deutschen aus den Buchdrucke- reien ausgewiesen werden sollen; im Falle einer Wider- setzung der Buchdruckereibesitzer sollen sämnitliche Franzosen ihre Arbeit einstellen."" Der Beschluß wurde durchgeführt trotz Vorstellungen der Faktore und Prinzipäle. Man hat bisher behauptet, daß die französischen Arbeiter in sozialistischer Hinsicht am weitesten vorgeschritten seien, solche Beschlüsse lassen das Gegentheil vermuthen." Solche Vorkommnisse sind gewiß sehr bedauerlich, aber gewiß auch sehr natürlich nach den Ereignissen der letzten 12 Mo- nate. Nehmen wir an, der Krieg hätte den umgekehrten Ver- lauf genonmien: die deutsche Armee wäre besiegt worden, die französische Armee hätte in Deutschland gehaust wie die deutsche in Frankreich: nicht zufrieden mit dem Sturz der Regierung, die den Krieg angefangen, hätte der französische Kai- ser einen Vertilgungskricg gegen das deutsche Volk begonnen, und unter dem Jubel des gesammten französischen Volks, dessen Presse uns Tag für Tag als verkommenes, unsittliches Bandi- tengesindel traktirt, das Morden, Sengen und Brennen so lange fortgesetzt, bis wir in die Abttetung der Rheinprovinz gewilligt — würden wir die einzelnen Franzosen, von denen wir nicht den Beweis des Gegentheils hätten, nicht für die Akte der französischen Regierung verantwortlich machen? Und würden wir es nicht mit Recht? Wie Viele sind aber im Stand, eine solche Verantwortlichkeit auf ihr richtiges Maaß zurückzu- führen?— Das Bismarck'sche Leiborgan die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" enthält folgenden Not hschrei, der so recht die Er- bärmlichkeit des, trotz aller„Siege" am Ende seines Lateins angekommenen Stieberthums enthüllt: „Eine große Anzahl von Blättern hat offen erklärt, daß, falls Frankreich z» schwach wäre, Revanche für Sedan zu nehmen und die deutschen Provinzen wieder zurückzuerobern, die Revolution von Frank- reich aus importirt und der Internationalen die Revanche übertragen werden würde. Diese Drohung, die diesmal keine leere ist, hat die deulsch-österreichische Annäherung,(?) ob dieselbe nun aktenmäßig nieder- geschrieben ist oder nicht, nothwendig gemacht, und wird und muß auch Italien, Rußland, England, kurz alle Staaten gegen das Ele- mmt verbünden, welches den Begriff„Staat" auflöscii'will. Gegen diesen Feind, den»ns Frankreich über den Hals schicken will, sind alle Völker)!!) solidarisch verpflichtet, und wie man bei ansteckenden Sen- chen einen Eordon gegen das inficirte Land zieht, so werden sämmt- liche Regierungen Europas, welches auch ihre sonstigen Interessen sein mögen, gegen die in Frankreich heimische soziale und politische Revo- lutionspest einen gemeinsamen Sanitätscoroon bilden und jeden ver- brecherischcn Versuch, den Krankheitsstoff aus Frankreich über die Vo- geseil nach Deutschland und von da aus weiter zu schleppen, als eine allen drohende Gefahr nöthigenfalls mit Gewalt und mit vereinten Kräften zurückweisen. Eine solche europäische Allianz ist die einzige Rettung für Staat, Kirche, Eigenthum, Gesittung, kurz für alles, was den modernen Staat ausmacht, und man kann sich darauf verlassen, daß ein solches Bilndniß nothwendiger und zugleich auf festerer Basis ruhend ist, als die französische Presse es haben will und wünscht, denn es bildet die sicherste, ja die einzige Garantie für den Frieden und das Wohl der Völker Europas." Man muß in Berlin große Furcht haben!— Ueber das Benehmen der deutschen Arbeiter in Newcastle schreibt der„Northern Daily Expreß": „Am Dienstag Nachmittag stellte das deutsche Kontingent in den Werken von Sir William Armstrong— etwa 130 an der Zahl— die Arbeit ein mit dem Programm:„neunstündige Arbeitszeit und höhere Lohnsätze(wie sie die Strikenden beanspruchen) und bessere Kost." Wie sich herausstellte, ist es auf genannten Werken Sitte, die neu ein- treffenden Arbeiter die drei ersten Tage nach ihrer Ankunft umsonst zu verpflegen, während später für Kost und Logis ein Abzug gemacht wird. Die deutschen Arbeiter nun waren außer der gewöhnlichm Nahrung au den ersten Tagen reichlich mit Bier und Tabak versehen worden; als dann aber am Dienstag nach Ablauf dieser„Gnadentage" an Stelle des Bieres Wasser auf den Mittagstisch kam, scheint eine„offene Rebel- lion" stattgefunden zu haben. Die Deutschen nahmen das Wasser, gössen eS über die Tische und den Fußboden und verlangten Bier. Als ihnen dies nicht gegeben wurde, weigerteil sie sich, nach Tische zu arbei- ten. Sie hielten eme Versammlung und ernannten eine Deputation, welche zu den Geschäsisführern ging und bessere Nahrung, höhere Löhne, sowie neunstündige Arbeits; est verlangte. Die beiden erstercn Forderungen wurden zugestanden, die letztere dagegen abgeschlagen, und in Folge dessen verließen die sämmtlichen Deutschen mit Ausnahme von zweien das Etablissement und zogen in corpore nach dem Haupt- quartier der strikenden Arbeiter. Eine große Menschenmenge folgte ihnen und begrüßte sie ebenso laut mit Hurrah, wie sie sie erst vor wem- gen Tagen ausgeschimpft und ausgezischt hatte. Im Ganzen genommen scheinen die Scenen, als eine Gruppe nach der andern über die Straße zog, sehr aufregend gewesen zu sein. Als sie dann mit einer Musik- bände an der Spitze im Versammlungslokale der Liga anlangten, ga- den sie die folgende Erklärung ab: Sie wären Alle in der Norddeut- schen Maschinenfabrik zu Berlin engagirt worden unter der Vorspiege- lung, daß nur noch 2000 Maschinenschlosser in Newcastle seien, während 6800 in den letzten drei Monaten nach Amerika ausgewandert. Man habe ihnen 24 bis 27 Sh. für die Arbeitswoche von 57 Stunden versprochen mit Aussicht auf Akkordarbeit, und int Allgemeinen sollten sie etwa doppelt soviel verdienen, wie daheim. Im Gegensatze zu diesen Vorspiegelungen sei ihnen bald klar geworden, daß man sie nur in Dienst genommen habe, um die Agitation für die neunstündige Arbeitszeit zu vereiteln, daß die Lebensmittel theurer seien, als man ihnen gesagt, und daß auch in jeder anderen Beziehung die ihnen gegebenen Versprechungen nicht gehalten worden seien. Nachdem ihnen ze'drei ein anständiges Logis versprochen, habe man sie in einer Schule einquartiert, wo etwa 36 in einem Zimmer auf Schultischen anstatt in Betten schlafen müßten." Dem Londoner„Standard" vom 2. d., welchen man uns übersendet, entnehmen wir folgendes Weitere: „Newcastle den 2. August. In Folge der Handlung� weise der frisch hergekommenen Deutschen herrscht hier seit einigen Tagen lebhafte Aufregung. Das Beispiel hat sämmtliche neu eingestellte Arbeiter mehr oder weniger angesteckt, und, hätte die Neuiistundenliga gewollt, sie hätte mindestens drei Viertel der in den letzten Wochen in die Stadt gebrachten Arbeiter heim- schaffen können. Die Leute, ob aus Deutschland, Belgien, Dänemark oder London erklären einstimmig, daß ihnen die Lage der Dinge falsch dargestellt worden sei. Es wurde ihnen gesagt, 6000 Arbeiter hätten die Stadt verlassen, nur 2000 seien zurückgeblieben, und diese wünschten die Arbeit wieder anzufangen; es sei aber nöthig, diese 2000 durch neue Arbeitskräfte zu verstärken, da sonst die Fabriken nicht in Gang gebracht werden könnten(!). Man spiegelte ihnen vor, sobald sie angekommen seien, würden vie 2000 sich mit ihnen vereinigen, und sie würden dann zusammen kürzere Zeit arbeiten, als vor dem Strike. So berichten die Neuange- kommenen, Einer und Alle; und sie versichern, daß sie nicht gekommen wären, wenn sie den wahren Stand der Dinge ge- kannt hätten. Die Deutschen, welche die Armstrong'sche Fabrik verließen, zogen am Dienstag Abend nach dem Hauptquartier der Neunstundenliga, und suchten um die Mittel zur Abreise nach. Sie erklärten sich bereit, an jeden Ort zu gehen, den die Liga ihnen anweisen werde— zurück nach Deutschland, nach London, oder sonstwohin, nur fort von Newcastle. Am folgenden Morgen hielten sie eine Versammlung ab und wählten De'legirte, die mit der Liga eine Zusammenkunft hatten. Es wurde denselben mitgetheilt, der Fond der Liga sei ausschließ- lich für den Unterhalt der Arbeiter, die den Strike unter- nommen, zusammengcsteuert worden, und bis jetzt sei jedes Gesuch Seitens der Neuangekommenen Londoner Arbeiter zurück- gewiesen worden, um so wehr, als diese Arbeiter so unfähig seien, daß die Meister froh sein würden, sie sich wieder vom Halse zu schaffen. Anders stehe es aber milden von Berlin gekomme nen Maschinenbauern, die tüchtige Arbeiter seien, nicht blos fähig selber zu arbeiten, sondern auch Andere zu lehren. Die Liga habe deshalb für diese einen besonderen Fond ausgesetzt, und fei bereit, einer bestiinmten Anzahl das Reisegeld nach Hamburg, London, oder sonstwohin zu geben. Der Vorschlag wurde von den Deutschen angenommen und 95 aus ihrer Mitte gewählt, die nach London gehen sollten. Den Meisten von diesen bezahlte die Liga das Reisegeld, während ein Theil es aus eigener Tasche bezahlte. Die Deutschen, für deren Abreise Vorbereitungen gemacht waren, verließen das Westgate Jim(Gasthaus) um 1 Uhr, geleitet von einer großen Volksmenge, die ihnen die herzlichste Sympathie zu erkennen gab. Das Gepäck wurde auf zwei Wagen nach der Dampfboot- Werfte gebracht. Bei ihrer An- kunft auf dem Quai wurden die Deutschen von einer unge- heureu Volksmenge umringt, und die Abfahrt bot Anlaß zu außerordentlichen Demonstrationen des Jubels. Viele der Deutschen küßten, nach kontinentaler Sitte, ihre neugewonnenen englischen Freunde, und sie schifften sich ein unter den Cheers (entsprechend unserm Hoch!- und Bravo!-Rufen) der Bevölkerung und den Klängen der„Wacht am Rhein" und anderer National- Melodien(?). Als der„C. M. Palmer" fortdampfte, wurde den Deutschen an Bord noch ein begeistertes Lebewohl! mit den herzlichsten Glückwünschen zugerufen. Viele der Deutschen haben im letzten Krieg mitgefochten und einige tragen 5— 6 Medaillen; ihr Führer war in den Schlachten bei Wörth, Forbach und Gravelottc, bei der Uebergabe von Metz und später bei den Schlachten um Orleans. Es waren aufgeweckte und intelligente Leute; und es lag ihnen sehr am Herzen, das Komitee der Liga zu überzeugen 1) daß sie nicht aus Furcht vor der feindseligen Haltung der Bevölkerung vonNewcast(e handelte; von Männern, die dem Feuer der Mitrailleusen getrotzt,-sei nicht zu erwarten, daß sie sich durch Steinwürfe vonWeibern und Kindern einschüchten ließen; und 2) daß sie nur in Unkennt- jnß der Lage hergekommen seien, und daß sie in einem Konflikt zwischen englischen Arbeitern und Kapitalisten nimmermehr gegen die für ihr Recht kämpfenden Arbeiter Partei er-greifen würden. Sie sagten, wenn englische Arbeiter in ähnlicher Weise nach Deutschland gekommen wären, um sich auf Seiten der Meister zu stellen, würde man sie wahrscheinlich schlimmer empfangen haben, als die Deutschen in Newcastle empfangen wurden. Sie meinten, die Neunstundenliga sei nicht energisch genug in Führung des Strikes." Im„Neuen Sozialdemokrat" veröffentlichen 17 heimge- kehrte Berliner Maschinenbauer folgende Warnung für Maschinenbauer. Berlin, 4. September. Sämmtliche Maschinenbauarbeiter Deutsch Fortsetzung aus Seite 4. Zur Erwuermtg för die devtsche« Mordspatriote«. 1806— 1807. (Fortsetzung.) Kapitulation Nr. 20.— Schweidnitz. Diese Festung hätte sich nach Höpfuers Angabe mindestens 120 Tage halten können. Im Jahre 17L2, trotzdem die Werke viel schwächer waren, als 1806, wiederstand sie 67 Tage. Am 10. Jaruar, dem Tage der durch Vandamme unternommenen Berennung, zählte die Garnison 96 Offiziere, 6065 Mann, 262 Pferde. Die Festung besaß247 Geschütze verschiedenen Kalibers und 127 eiserne Handmörser. Erster Kommandant war der Oberstlieutenant Hacke, zweiter Kommandant der Mineur-Major Hombold, Jngenieuroffizier vom Platz der Major Kämpf,„der indessen bereits beim Be- ginn der Einschließung vom Schlage getroffen wurde," Ar- tillerieosfizicr vom Play der Hauptmann Bach. Als der Fürst von Pleß bei seiner Anwesenheit in Schweidnitz die Komman- danten zur ernstesten Vertheidigung aufforderte, antwortete Hom- bold:„Die zu vertheidigenden Außenwerke sind als selbstständige Werke zu betrachten, deren jedes vom Feinde besonders belagert wer- den muß; und wenn wirklich Eins derselben emportirt wird, so liegt unter jedem eine Mine— und was dem Menschen wehe thul, muß der Soldat thun— ich sprenge das ganze Werk in die Luft, und der Feind hat noch nichts gewonnen." Sprachs— und that wie wir bald sehen werden.— Aufforderungen, tägliche Desertionen, Alles spielte sich wie überall ab. Der Feind schmuggelte einen Zettel in die Stadt, „auf welchem er jedem Mann der Besatzung, der mit Gewehr und Tasche desertirte, 5 Thalcr und jedein berittenen Kavalle- risten 2 Friedrichsdor versprach." Erst zu Ende Januars traf von Breslau ein Belagerungspark ein. Die Entsatzversuche des Prinzen Pleß wurden im Keime erstickt. Bei dem Bombar- dement des 4. Februar verfeuerte die Garnison 16592 Schuß, wodurch der Feind nur 2 Tobte, 3 schwer Verwundete und 6 demontirte Geschütze verlor; gegen das Bombardement des 5. spendete sie 37437 Schuß, womit sie dem Feinde 3 Mann tödtete, 3 verwundete und 5 Geschütze demontirte. Nur ver- rückte oder verkaufte Kommandanten konnten der Art mit der Munition umgehen! Ain 6.„erschien in der Person des Prinzen von Hoheit� zoller», Adjutanten Jercme's, ein feindlicher Parlamentär. Der Kommandant ritt ihn entgegen, um ihn auf dem Glacis ab- zufertigen. Der Prinz ersuchte indessen den Kommandanten, ihn nach seiner Wohnung zu führen, was auch bewilligt wurde, und wurden zu der hierauf folgenden Unterredung der Major Hombold, der General Kropf und der der französischen Sprache mächtige Justizralh Steinbeck, eingeladen." Also, um mit einem Hohenzollern zu sprechen, dem hier nicht einmal die Augen ver- bunten waren, bedurfte man der französischen Sprache! Der Prinz von Hohenzollern log die Kommandanten im Namen Vandammes fürstlich an. Von Danzig, das noch gar nicht einmal eingeschlossen war, sagte er:„es ist zweifelhaft, ob es sich noch hält." Auch Kolberg, das gar nicht genommen wor- den ist, bezeichnete er als schon in den Händen der Franzosen befindlich. Wie die französischen Marschälle bei Prenzlau dein Hohenlohe mit imaginären Armeen auf den Leib gerückt waren, so that es auch dieser gelehrige Hohenzoller gegen die Befehls- Haber von Schweidnitz. Der Hauptlilge aber entlud er sich, als er sagte:„die Garnison von Schweidnitz hat sich mit Ehren vertheidigt." Diese Versicherung konnte man ihm besonders deßwegen glauben, weil er hinzufügte:„Prinz Jerome wird keinen Anstand nehmen, das Zeugniß ihr öffentlich zu geben." Noch zeigte sich der Kommandant spröde. Der Hohenzoller drängte heftiger und erklärte endlich, er wisse, daß es an Fleisch und Getränken, wie auch an Geld fehle, daß„die Be- satzung höchst unzuverlässig und schlecht bewaffnet sei und daß die Garnison gefährliche und ihr unbekannte Feinde in der Festung besitze." Generalmajor von Höpfner sagt, er führe alles dies an,„damit man sieht, welche Künste der Feind an- wandle, um die Treue der Kommandanten wankend zu machen." Und hier wgr der Künstler noch gar ein Hohenzoller. Alle seine Erklärungen waren in seiner Gegenwart von dem Justiz- rath Sleinb.ck zu Protokoll genommen worden; er bestätigte auch schließlich seine Angaben„auf das Ernsthafteste,"„doch lehnte er die Unterschrift des aufgenommenen Protokolls ab." So bestätigte er also, daß er wissentlich gelogen hatte, was für einen Adjutanten Jeromes oder Vandammes wohl stets schwer zu vermeiden war. Die preußischen Offiziere beriethen sich nun in einem Ne- benzimmer. Der wülhige Minensprenger Hombold machte den Vorschlag:„gegen die Bewilligung eines Waffenstillstandes bis zum 24. Februar, der Sendung eines Offiziers an den Ge- ralgouverneur und gegen, freien Abzug der Garnison zum ferneren Kriegsdienst, die Festung zu übergeben. Er wurde von seinen Kameraden gebilligt. Der Prinz von Hohenzollern bezweifelte, daß auf solche Bedingungen eine Kapitulation bewilligt werden würde. Nochmals aufgefordert, das seine Angaben enthaltende Protokoll zu unterzeichnen, lehnt er die Aufforderung wiederum ab. Bevor er schied, versuchte er es noch, den Komman- danten zu erkaufen, indem er im Namen Jeromes anbot, ihm die Bestände der öffentlichen Kassen bei der llebergabe zu überlassen,„ein Antrag, der indessen entschieden abgelehnt wurde." In der Nacht kehrte der unermüdliche Hohenzoller zurück und bot einen Waffenstillstand bis zum 16. Februar an und die Bedingungen der Kapitulation von Breslau. Die Festungs- kommandanlen, ohne diese zu kennen, gingen hierauf ein. Da das Schießen am 7. nicht wieder begann, so baten die Offiziere des Galgenforts den Kommandanten um Aufklärung. Er antwortete:„daß sie nichts zu thun als zu gehorchen hätten, er ihnen aber die Versicherung gäbe, daß, so lange er Kom- Mandant sei, eine Kapitulation unmöglich wäre; tx wollte wohl als Bettler, aber auch als ehrlicher Mann sterben." Am 8. Februar unterzeichnete der„ehrliche Mann", Oberst- lieutenant Hacke, die Kapitulation und brach dabei in die Worte aus:„Ich unterzeichne hier das Todcsurtheil meiner Ruhe; aber Gott ist mein Zeuge, als Mann von Ehre und treuer Diener meines Königs kann ich nicht anders handeln." Am 16. streckten 92 Offiziere und 4001 Mann das Ge- wehr; desertirt waren in den letzten Tagen, sobald der Waffen- stillstand bekannt geworden, 41 Unteroffiziere, 1425 Gemeine, meistens Ducrotirte, die nicht zum zweiten Male gefangen sein wollten.„Einige Offiziere wußten beini Ausmarsch ver- kleidet zu entkommen und haben noch später gute Dienste ge- leistet." Das heißt: sie ducrotirten, und Höpfner verliert auch weiter kein Wort hierüber. Ducrot, Barral und wie die vom ehrlichen Michel angeprangerten Franzosen alle heißen mögen, sie können sich auf zahlreiche preußische Muster berufen. Dem Feinde wurden übergeben:„4218 Centner Pulver, 257841 Kugeln und Bomben, 249 Geschütze, 296 Laffetcn, 507 Wispel Roggen, 764 Wispel Roggemnehl, 354 Scheffel Weizen-, 464 Scheffel Gerstenmehl, 599 Scheffel Erbsen, 200 Scheffel Gerstengraupen, 106 Centner Butter, 25 Fässer Sauer- kraut, 225 Wispel Hafer, 514 Centner Heu, 40 Schock Stroh." Für einen neuen am 8. zu unternehmenden Entsatzversuch hatte der Fürst Pleß dio nöthigen Dispositionen getroffen. Er unterblieb, weil man am 7. Abends erfuhr, daß Schweidnitz kapituliren wollte. Uni die llebergabe wenigstens zu verzögern, wollte der Fürst dem Major Gfug die Ordre zustellen, die ihn zum alleinigen Kommandanten machte und ihm austrug,„die beiden Kommandanten zu arretircn, die Kapitulation umzustoßen und die Festung auf's Hartnäckigste zu vertheidigcn." Dem mit diesem Schriftstück betrauten Lieutenant Negro gelang es nicht, in die Festung zu dringen. Ein Soldatenweib schlich sich end- lich mit einun Zettel durch,„der in Gegenwart des Komman- danken von Glatz an den Hauptmann Löwenstcrn geschrieben war."„Der Zettel enthielt die Versicherung, daß die Komman- danten vom Generalgouvernement abgesetzt und der Major Gfug an deren Stelle zum Kommandanten ernannt worden sei, und stellte die Aufforderung, die Verräther über den Haufen zu stechen, den Waffenstillstand zu benutzen, die Unterhandlungen rückgängig zu machen, und auf demselben Wege Nachricht zu geben, wie man sich zu benehmen gedenke. Der Hauptmann Löwenstern gab den Zettel dem Major Gfug, der ihn dem Oberstlieutenant Hacke einhändigte, so daß er ohne weitere Fol- gen blieb." So erstach der Major Gfug den Kommandanten, Oberstlieutenant Hacke! Der Hacke wußte nicht, was seine Magazine enthielten, oder that wenigstens, als ob er es nicht gewußt hätte. Er war ein so Erzbraver, daß er zu seiner Vertheidigung sogar Toku- mente fälschte. Obgleich er am 6. anfing zu Parlamentiren, hatte er doch nicht vor dem 13. vom Artillerieoffizier vom Platz einen Bericht über den Zustand der Geschütze eingefordert, und diesen„hat er zu seiner späteren Rechtfertigung auf den 7. zu- rückdatiren lassen." Es ist überflüssig, in eine Erörterung der versuchten Recht- fertigung der Kommandanten einzutreten. Genüge es, mit Höpfner zu sagen:„Wollte man diese Gründe zur Kapitulation" — wie sie nämlich diese Schwcidnitzer Gesellschaft vorbrachte —„gelten lassen, so würden die Festungen dem Staate nur zum Schaden gereichen." „In Betracht dieser schmählichen, mit höchster Pflichtver- gessenheit eingegangenen Kapitulation sprach das niedergesetzte Kriegsgericht über die beiden Kommandanten die Strafe des Erschießung aus. Der König ließ den Schuldigen das Todes- urtheil mittheilen, indessen nicht an ihnen vollstrecken, sondern sie zu lebenswieriger Festungsstrafe unter Kassation begnadigen." „Um einen Beweis zu liefern, in welchem Rufe der Ge- neral Lindener durch sein Verhalten sich gebracht hatte, mag hier noch angeführt werden, daß man preußischer Seits glaubte, der General habe die Anlage der feindlichen Batterien vor Schweidnitz geleitet." (Fortsetzung folgt.) Tie Konimune. Die Sektion der Internationalen Arbeiter-Assoziation von Liege(Lüttich in Belgien) hat eine Kommission ernannt mit dem Auf- trag, eine möglichst vollständige Arbeit über die Gemeinde im Allge- meinen und im Besonderen über die Gemeinde von Paris vom sozialistischen Standpunkt aus auszuarbeiten. Diese Kommission trat denn zusammen und wir geben heute das Resultat ihrer ersten Sitzung: Vorwort. Für die große Klasse der Proletarier, welche weiß, was ihr fehlt, und folglich, was sie will und wohin sie geht, ist die Revolution von 1871, welche wir die Revolution der Gerechtigkeit nennen werden und deren Hauplsitz Paris gewesen ist— ist die Revolution von 1871, sagen wir, eine durchaus de- sinirte Sache, welche zum mindesten in ihrem Gcsammtbild und in ihrem Endzweck von den Arbeitern vollständig verstanden worden ist: Diese Revolution ist die natürliche Folge und das unvermeidliche Resultat der früheren Empörungen des Proletariats und der hundertjährigen Unterdrückung durch die ausbeutende Klasse. Diese selbst, wir sind davon überzeugt, kann die wirklichen Ursachen dieser kolossalen Auflehnung des Rechts gegen die Ge- walt nicht verkennen; die angeblichen Untersuchungen, denen sie sich, wie siesagt, hingibt, um ihrGewissen aufzuklären, sind gänzlich überflüssig; wenn ihr einiger Zweifel bliebe über die wirklichen Motive dieses bedeutsamen Abschnitts der sozialen Revolution, dessen Vorwort sich in der wahren Geschichte des Sozialisten Jesus findet und dessen Nachwort nicht auf sich warten lassen wird, so hätte sie sich nur� an die zahllosen Re- vvlten zu erinnern, welche zu allen Zeiten und in allen Län- dern gegen die ewige monarchische, feudale, administrative und kapitalistische Reaktion aufgelodert sind; sie hätte nur in den umfangreichen Büchern des Leidens und des Pauperismus zu blättern, sie hätte nur ein wenig das Ohr zu leihen den Echo's aller Jahrhunderte, welche bald mit klagender Stimme, bald mit schrecklichem und drohendem Ausdruck die Klage der gallischen Sklaven, der feudalen Leibeigenen, der von der In- dustrie und der Geldwirthschaft Ausgebeuteten widerhallen. Aber die Klasse, von der wir reden, hat nicht das Bedürf- niß, diese Beweise zu Rathe zu ziehen oder diese Stimmen zu hören, welche Rache schreien oder Gerechtigkeit verlangen. Sie steht seit lange über all'dem fest; sie kennt sehr gut alle Kla- gen, alle Reklamationen; wenn sie das dumme Thier macht — um so zu sagen— so thut sie es mit Wissen und mit Berechnung; sie fühlt, daß sie nur mehr von Fristverlängerun- gen, von Vertagungen lebt; deßhalb heuchelt sie, in dem Wunsche, Zeit zu gewinnen, eine falsche Unwissenheit und den heuchlerischen Wunsch, sich fester zu begründen. Nicht für sie also unternehmen wir eine Arbeit, die be- stimmt ist, deutlich aufzudecken und zu kennzeichnen die Prin- zipien der Gemeinde, den Zweck derselben, die fundamentalen Reformen, iwelche ihre Durchführung im sozialen System nach sich ziehen würde, und weiterhin die Geschichte der Gemeinde von Paris zu liefern und die Analyse der Akte, die sie voll- führet. Die moderne Reaktion, ähnlich der alten Reaktion, ähnlich den Reaktionen, welche folgen werden, will nicht die Polemik, nicht die Besprechung, nicht das Licht; ihr Wort ist: ausrotten; ihr Mittel die Vertilgung; da sie keine Justiz hat, tödtet sie; da sie keine Prinzipien hat, deportirt und knebelt sie, aber sie spricht nie. Lassen wir sie also. Sie wird früher oder später gestraft werden für das, was sie seit lange gesündigt und wir werden sie bald die Gnade Derer anflehen sehen, welche sie mitleidslos ermordet hätte. Kein Mitleid also für sie am Tage der Ge- rechtigkcit, denn diese herz- und ehrlose Stiefmutter würde bald die Hand fesseln, welche ihre Bande gelöst. Nein, wenn wir die Aufgabe übernommen haben, diese bedeutende Frage der Gemeinde zu studiren, welche sich jeden Tag mehr dem Denken und Untersuchen gerader und unpar- teiischer Geister aufdrängt, so geschieht es besonders, zunächst, um uns selbst aufzuklären, um keine derFrüchte verloren gehen zu lassen, welche im blutigen Thaue der Vertheidiger der Pa- riser Gemeinde emporkeimen werden, weiterhin endlich, um der unentschiedenen und verwirrten Bourgeoisie alles zu zeigen, was diese erhabene Empörung von Paris an Ideen, Reformen und Zukunft in sich schließt. Während die autoritäre und ungesunde Regierung, welche die Kommune vernichtet hat, von Fall zu Fall in die ungeheuer- lichsten Orgien des Despotismus und der Ungerechtigkeit zu- rücksinkt, während sie alle Tage tiefer fällt und ihre verdorbene Nichtswürdigkeit bloßstellt, wollen wir zur selben Zeit diejeni- gen, welche sich vorder Kommune gefürchtet haben, diejenigen, welche nicht die Gesammtheit ihrer Prinzipen anzunehmen wagten, sehen lassen, daß sie allein in ihrem Schooße die Keime der sozialen Wiedergeburt und der definitiven Durchführung der Gerechtig- keit barg.' Unsere Arbeit wird in drei Theile zerfallen: 1) Die Gemeinde. 2) Geschichte der kommunalen Revolution von 1871. 3) Analyse der Akte der Kommune von Paris. („CutiierL du Travail", orgaue des sections du bassin de Liege.—„Hefte der Arbeit", Organ der Sektionen des Lüttichcr Kohlenbeckens.—) Der sozialdemokratische Kongrcs; in Dresden. Referat über das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht für die Landtage und Gemeinden. (Schluß von Bcbel's Rede.) Wenn wir in Kürze einen Blick auf die verschiedenen Gcsetzge- bungen in den größeren Staaten Deutschlands werfen— wir haben ja eine ziemlich reichhaltige Musterkarte,— werden wir allerdings große Verschiedenheiten in den Gesetzgebungen in Bezug auf die Ge- Währung des Wahlrechts an die Staatsbürger finden; aber das Eine, das charakteristische Merkmal werden wir ohne Ausnahme in den verschiedenen Gesetzgebungen erkennen, den einen Zug werden wir in allen finden, nämlich daß das arbeitende Volk wenig oder kein Recht hat, und wo ihm ein gewisses Recht eingeräumt ist, daß dies in allen Fällen nur ein Scheinrecht ist. Einen wirklichen Einfluß auszu- üben ist nirgend die Möglichkeit vorhanden. Ich kann nicht umhin, hierbei zu erwähnen, welch einen spaßhaften Eindruck es mir gemacht, als die oft radikal thuende Berliner„Volkszeitung" vor einigen Ta- gen— ich weiß augenblicklich nicht aus welcher nächsten Veranlas- sun;— auf die Sozial-Demokratie in gewohnter Weife zu schimpfen begann nnd unter anderm sagte:„daß die Sozial-Demokratie mit dem allgemeinen Wahlrecht nichts anfangen kann, das hat die Reichs- tagswahl bewiesen. Sie hat 1—2 Abgeordnete im Reichstage, nnd was Lassalle von dem allgemeinen Wahlrecht hoffte, ist keineswegs eingetroffen, im Gegentheil, wir— die Volkszeitung, wir, die Fort- schrittspartei, in deren Namen wir sprechen— sind der Meinung, daß für die Herren von der Sozialdemokratie, oder besser,„Sozial-Dema- gogie",— wie sie uns in der Regel zu nennen beliebt— nichts besser ist, als das radikalste Wahlgesetz." Nun, meine Herren! gnt, die Herren von der Fortschrittspartei, die Herren von der liberalen Partei, sie sollen es nur ernsthaft meinen und das denkbar radikalste Wahlgesetz für Staat und Kom- mune uns erobern helfen. Wir nehmen das dankbar an. Unsere Sache soll es sein, ihnen zu beweisen, daß wir das erlangte Recht in einer den Herren Libera- len wenig erfreulichen Weise zu benutzen verstehen. Auch muß ich ei- neu Punkt zur Sprache bringen� den die liberale Presse seit Monaten weidlich ausgebeutet hat, obgleich er direkt nicht mit der Sache zusammen- hängt. Die liberale Presse lagt mit scheinbarer Genugthuung:„die So- zialdemokratie kann mit dem allgemeinen Wahlrechte nichts ausrichten; früher hatte sie 7, jetzt hat sie nur 2 Vertreter im Reichstage." Ist dies ein Beweis für den Niedergang der Sozial-Demokratie, warum wird denn Tag für Tag auf die Sozial-Demotralie geschimpft? Es ist doch Schade um den Setzerlohn und um die Druckerschwärze, die man an diese Schimpfartikel wendet, wenn die Sozial-Demokratie wirklich so unbedeutend ist. Und die armen Redakteure, sie müssen schwitzen, um die Artikel anzufertigen. Was für Mühe aeben sie sich, solche Lügen auszuklügeln! Wozu das Alles?(Bravo!) Das ist ein unlöslicher Widerspruch. Nun aber, meine Herren, haben wir in Deutschland bei der letzten Reichstagswahl unendlich mehr Stimmen bekommen, als bei jeder früheren Wahl. Und um speziell von Sachsen zu sprechen: obgleich im vorigen Reichstage 5 Sozialdemokraten saßen und ini dies- maligen nur 2, haben wir doch bei der diesmaligen Wahl 16,lXX> Stim- men mehr bekommen wie früher. Während früher 27,(XX) auf uns fielen, haben wir diesmal 43, Durchlaucht Fürst Bismarck. Bismarck sagte 1867 im 1. konstituirendcn Reichstage, als es sich um die Aus- nahine des allgemeinen Wahlrechts in die Verfassung des norddeut- scheu Bundes handelte und ihm Gegner von Seiten seiner Partei entgegentraten— Sie können die Rede in dem offiziellen stenogra- phischen Berichte lesen—, das Dreiklassenwahlsystem in Preußen sei das allerclendeste, miserabelste, was sich nur denken lasse. Wenn ein Anderer in Preuße» in einer Volksversammlung gesagt hätte, daS Drei- klassensystem sei das allcrclendeste Wahlsystem in ganz Deutschland, so wäre er gewiß wegen dieser Aeußerung vom Staatsanwalt angeklagt worden, weil er Haß und Verachtung gegen bestehende Staatseinrich- tungen predige. Bismarck hat dies gesagt und. obgleich 4 Jahre ver- strichen sind, noch keinen Finger gerührt, es abzuändern. Die Fort- Ichrittspartei, obgleich sie m der Minorität und demnach keine Gefahr yorhanden ist, daß ihre Anträge angenomme n werden und sie dadurch 1° zu sagen, zwischen 2 Stühle käme, hat nicht gewagt, einen Antrag auf allgemeines Wahlrecht einzubringen, weder für den Landtag noch lur die Kommunalwahlcn. Sie sehen daraus, was es mit den Worten zu �bedeuten hat. In Preußen besteht also das Dreiklassenwahlsystem. Der ganze Staat wird darnach mit den annektitten Provinzen ungefähr in 450 Wahl- bezirke cingetheilt. Es komnien auf den Wahlbezirk im Durchschnitt 50— 00,000 Einwohner. Alle männlichen über fünfundzwanzig Jahre allen Einwohner, welche direkte Steuern zahlen, werden, je irack der Hohe der von ihnen gezahlten direkten Steuern, in 3 Steuerklassen ein- getheilt, und zwar so, daß alle drei Klassen einen gleich hohen Steuer- laß repräsent iren. Nach dieser Eintheilung bilden also die Groß- fabrikanlen, großen Grundbesitzer und Rentiers, Bankiers, großen Kaufleute und höchsten Beamten die erste Klasse, der mittlere Kauf- Manns-, Fabrikanten- und Grundbcfitzerstand die zweite Kkasfe, Klein- burger, Bauern und Arbeiter, also das Gros der Bevölkerung, die dritte Klasse. Jede Klasse hat ohne Rücksicht auf die Zahl der Per- lauen, welche ihr angehören, gleich viel Stimmrecht. Kommt auf einen Wahlbezirk von 00,000 Seelen beispielsweise eine direkte Steuerquote »on 400,000 Thlr., so hat die erste Klasse, welche e'wa 100 Wähler besitzt, so viel Stimmrecht, wie 5 oder 000, welche dem Mittelstände aber der zweiten Klasse angehören und so viel Stimmrecht wie 2000 bis 2500 Wähler, welche der dritten Klasse angehören. Sie sehen, daß bei diesem Wahlsystem in der 1. Klasse unter Umständen ein Wähler 20— 25 mal so viel Stimmrecht hat, wie einer in der dritte» Klasse. Es hängt dies von dem Unterschied in der Steuerquote ab, welche die Wähler in einem Wahlbezirk zahlen. In jedem Wahlbe- jirke stellt sich das Verhältniß anders, so daß, wenn man eine Ver- tzleichung der Steuersätze anstellen wollte, man finden würde, daß in großen Städten, wo mehr reiche Leute wohnen, Jemand mit 5 Thlr. Steuern in der dritten Klasse steht, während er auf dem Lande mit 4 Thlr. Steuer zur zweiten Klasse gehört und also 0—8 mal soviel Stimmrecht hat, wie der, welcher 5 Thlr. zahlt in der großen Stadt. In dieser willkührlichen, jeder vernünstigen Basis entbehrenden Weise 'st das Wahlrecht in Preußen beschaffen, und darnach wird zum Landtage gewählt. Obendrein eristirt noch die indirekte Wahl, indem erst Wahlmänner zu wählen sind, die ihrerseits erst die Abgeordnete» zu wählen haben. Damit aber noch nicht genug, kommt noch das Aller- Ichlimmste hinzu: die Abgabe der Stimmen ist nicht geheim, sondern wird östentlich geübt. Jeder, der seine Stimme abgeben will, tritt vor das Wahlbureau, also der Arbeiter vor seinen Arbeitsgeber, der Geschäftsmann vor sei- nen Kunden, der niedere vor den höheren Beamten, um zu erklären, den oder den will ich wählen, und das wird prototollirt. Es ist dies die größte Beschränkustg des Wahlrechts, die sich den- ke» läßt, denn die große Mehrheit der Wähler befindet sich in der einen oder andern Weise in abhängigen Verhältnissen. Der Gewerbs- mann wird sich hüten, seine Kunden vor den Kopf zn stoßen, die seine»Stimmabgabe erfahren können, der Arbeiter wird sich hüten, seine Stimme abzugeben, weil eS der Arbeitsgeber erfährt, wenn er gegen ihn gestimmt hat. Wir sehen ja, welche Maßregelungen bei der Ausübung des Wahlrechts zum Reichstag vorkomme», wo doch die Stimmabgabe eine geheime ist. Kurz, meine Herren, solche Monstrositäten weist das preußische Wahlgesetz aus und wir haben, soweit meine Bekanntschaft mit deut- scheu Wahlgesetzen reicht, kein reattionärcres. Das allgemeine Wahl- recht haben wir allerdings in den übrigen Staaken auch nicht. In Süddeutschland, wo, trotz der Aeußerung Bismarcks, daß die Norddeutschen den Süddeutschen z» liberal seien, im Allgemeinen das konstitutionelle Rcgierungssystem, jenes Regicrungssyfteni, welches recht eigentlich das Regierungssystem unserer Bourgeoisie ist, sich weit mehr eingebürgert hat, dort finden wir im Allgemeinen eine freisin- »ige Entwicklung der Wahlgesetze. In Würtemberg besteht die Kammer aus circa l>0 Abgeordneteni Allerdings sind darunter 28 söge- nannte Privilegirte, bestehend aus de» � protestantischen Prälaten, dein katholischen Bischof, dem Kanzler der Universität und den Ver- treterir der 7 größten Städte und eiiitgen anderen Privilegirten: sie oilden nahezu ein Drittel der gesammten Kammer. Die Uebrigen werden vom Volke insofern gewählt, als zwar ein allgemeines und direktes Wahlrecht besteht, aber nur für alle Staatsangehörigen, welche ansässig sind, welche irgendwie eine selbstständigc und ilnabhängige Stellung einnehinen, welche als Gcmeindeanqehörige. Bürger n. s. w. sich im Staate befinden, während die Industriearbeiter von jedem Wahlrecht ausgeschlossen sind. In Bayern haben wir die Verhältnisse llanz ähnlich. In Bayern besteht zwar auch das allgemeine Wahlrecht, aber wieder indirekt: es müssen Wahlmänner gewählt werden; und man beschränkt die Wählbarkeit insofern, als sie an ein Alter von 30 Jahren geknüpft ist. Dasselbe ist in Preußen, Würtemberg und Sachsen der Fall. Dann ist in Bayern noch die Bestimmung in Gel- kling, daß nur Der Wähler ist, welcher eine direkte Staatssleuer be- Zahlt, eine Bestimmung, die uns in Sachsen, und noch mehr in Preu- ßen, sehr aujsällt. Niemand eristirt wohl in Sachsen und Preußen, der keine direkten Steuern zahlt. Die Steueiverhältnisse in Süd- beutschland sind thatsächlich dnrchichnittlich günstiger wie in Nord- »nd Mitteldeutschland und die Zahl Derjenigen, welche in Bayern keine direkten Steuern zahlen, ist groß. Es gehört dazu ein großer Theil der Arbeiter in der Industrie und im Wesentlichen der Arbeiter- siand auf dem Lande. Von einem allgemeine» Wahlrechte kann also >n Bayern nicht die Rede sein.. Gehen wir aus Sachsen über, so finden wir hier die Verhaltmste sehr viel schlimmer. In Sachsen besteht die Bestimmung, daß Jeder, der das Wahlrecht zum Landtag ausüben will, 4 Thlr. dirette Steuer bezahlen muß. Wenn man annimmt, daß für die Wahl zum norddeut- scheu Reichstag auf jeden Wahlbezirk 20,000 Wähler durchschnittlich kom- wen, so kommen in ganz Sachsen unge'ähr 400,000 über 25 Jahr alte Aänner heraus. Durch den I-Thalcr-Census dürfte die Zahl der Wähler für den Landtag allerhöchstens auf 80,000 sich belaufen z also wer Fünftel der Reichstagswähler sind von jedem Einflüsse aus die Landtagswahlen ausgeschlossen.— Es kommt noch hinzu ei» zweiter höherer Eensus für das passive Wahlrecht. Diejenigen, welche einen it|chauer„Bürger und Bauernfreund.") Internationale Gewerksgenossenschaft der Manu- faltur-, Fabrik- und Haudarbeiter. An den Vorsitzenden Hrn. Mottet er. In Nr. 7l des„Volksstaat" von Ihnen aufgefordert, Ausschluß über das Verbleiben des mir von Ihnen zugeschickten Materials, als Ouittungsbücher, Karten>c. zu geben, theile ich Folgendes mit: 1. Was zunächst die Zahl der Bücher und Karten anbelangt, so müssen Sie doch wissen, daß ich Ihrer Anweisung gemäß die Hälfte an Hrn. Bracke in Braunschweig sandte, mithin nur über die übrige Hülste verfügte. 2. Nachdem ich damals in Düren und Birkesdori Mitglied- schaften gegründet hatte, inAachen und Eilendorf solche in Bildung begriffen waren, mußte ich ungefähr 2 Monate im Aachner Gefäng- niß zubringen. Hierdurch, und noch besonders durch die Wühlereien de« Herrn von Schweitzer, der, nachdem er vernommen, daß unsere Partei dort Boden gewonnen halte, 3—4 Agitatoren hinschickte, um unfern Sieg zu hintertreiben, wurde die Agitation gehemmt. 3. Was von dem Material noch übrig geblieben, habe ich den Parteigenossen in Eschweiler übergeben, mit dem Bemerken, wenn man es nicht brauche, es Ihnen wieder zuzusenden. Hr. Kölsch aus Mainz, der aber um diese Zeit ebenfalls in Eschweiler ansässig war, und speziell diesen Auftrag übernommen hatte, mußte ebenfalls die Gegend verlaffen, und so wird der Rest des Materials noch in Eschweiler sein, Crimmitschau am 30. August.„Unser Anzeiger", in treuer Bundes- genossenschaft mit dem Meeraner„Tageblatt", bringt neuerdings und zwar von ein und demselben Tage(218) folgende Annonce: „Hat sich denn die Gesellschaft „Internationale Gewerksgenossenschaft der Mann- faktur-, Fabrik- und Handarbeiter," deren Sitz in Eßlingen ist und welche auch im Jahre 1870 einen Lokal- Verein in Griinberg und Merlach und dgl. noch in vielen andern Orten gegründet, gänzlich aufgelöst, und wenn dies der Fall sein sollte, aus welchem Grunde? „Ferner: Zu welchem Zwecke ist der vorhandene Kassenbestand dieser Gesellschaft verwendet worden? „Da man seit Jahr und Tag hierüber trotz aller Nachforschungen nicht das Geringste hat in Ersahrung bringen können, so bittet um baldgefällige Antwort Das Mitglied p. ft. in G." Auf d-ete Annonce wurde sofort am 2S. August geantwortet: „Beschwerden gegen Lokalbevollmächtigte werden laut Statut bei der unterzeichneten Verwaltung angebracht, ebenso sich als berechtigt Legitimirendeu jede gewünschte Auskunft ertheilt. Für die Borortsverwaltnng: Julius Motteler, Vorsitzender, Jakobsgasse Skr. 338." Da nun diese Antwort heute wiederholt im„Bürger- und Bauern- freund" zu lesen ist, so kann man wohl annehmen, daß die Annonce des Herrn H. K. in G. im Crimmitschauer„Anzeiger" entweder eine jener Finten oder Verdächtigungen ist, die stets mit offenen Armen begrüßt werden und womit sich unsere ehrsame Presse schon manchen Dummen gesangen hat, oder daß Herr K. ge-„Buschnert" worden ist, aber sein Buch nicht in Ordnung, also keine Ansprüche hat! Und— wer den Sitz seiner Gewerkschaft weiß, der müßte doch unbedingt auch deren Verwaltung, Statuten und Organ kennen, und wer diese nicht kennt, ist ein faules Mitglied. Daß unsere Verwaltung den Bruder Griineberger nicht im Crimmitschauer„Anzeiger" antwortet, ist selbst- verständlich, und wir senden diese Notiz nur in der Absicht, den Ge- „offen zu zeigen, mit wie viel Verstände unsere Feinde für ihre gläubigen Brodgeber den Popanz machen. Die nationalliberale Denunziationsseligkeit wird noch lange an- alten, und trotz täglicher Blamagen sind diese stupiden Schwätzer immer frech wie die M... Fliegen. An den Pranger mit ihnen! Halberstadt.(Zum Strike derCigarrenarbeiter.) Nach- dem bis jetzt der Strike hier 8 Wochen glänzend behauptet ist, haben die Fabrikanten von Neuem beschlossen, bis zum 1. Oktober auszw harren, indem sie hoffen, daß grade zu dieser Zeit durch die fällige Miethe die Arbeiter in die äußerste Roth getrieben werden, und daß das Elend bis auf's Aenßerste gesteigert werden muh, um die Arbeiter dann desto mehr zu knechten. Kollegen! Wir haben einstimmig beschloffen, unter keinen Um ständen zu weichen, und auch jetzt noch fest auszuharren; wirwissen, daß wir dann siegen müssen; wir sind der festen Zuversicht, daß unsere Kollegen uns nicht verlassen werden. Hülfe thut Roth, und das schnelle und kräftige. Darum Kollegen,»och einige Wochen Hülse, so wird nicht blos unsere Sache, sondern schließlich die Sache der gesammten Arber terpartei zur Geltung kommen. Unterstützungen bitte zu adressiren an unfern Strike- Kassirer Johann Nolden, Kornstraße 20. Mit kollegialischem Gruß für das Komitee: Richard Kahlenberg. Berlin. Aitch heute noch sind wir nicht im Stande, über das Resultat des verfloffenen Maur erstrikes ein positives Urtheil abzugeben, — so einander widersprecbend sind die uns zugegangenen mündlichen und schriftlichen Berichte. Hoffentlich bringen die nächsten Tage etwas Licht in diese Angelegenheit, deren baldige und sorgsame Prüfung wir namentlich unseren Berliner Paiteigenosscn ans Herz legen wollen.— Der Tisch lerstrike hat alle Aussicht auf günstigen Erfolg. Aus den Bourgeoisblättern ersieht man, daß die Meister die Berechtigung der Forderungen der Gesellen wohl einsehen und die Lohnerhöhung gewähren wollen; nur möchten sie dies in einer Art thun, welche nicht wie eine „Konzession" an die Gesellen Gussieht. Zu den strikendcn Tischlern haben sich auch die Feilenhauer ge- sellt und werden diesen die Böttcher, Drechsler uud Bildhauer Berlins bald folgen. Da die Forderungen der Arbeiter der drei letztge nannten Kategorien sehr mäßig sind und ihr Lohn anerkannt unzu- reichend ist,— die Drechsler beispielsweise verdienen jetzt weniger als vor 10 Jahren— so dürfte sich hier die Differenz auch ohne die Krisis eines Strikes theilweise beseitigen lassen. Buckau. In der„Magdeburger Zeitung" fanden wir die An- nonce, daß für eine rheinische Fabrik Dreher, Schlosser, Modelltischler, und Former gesucht wurden. Wir erblickten in dieser Annonce eine Hinterlist, begaben uns sofort»ach dem in der Annonce benannte» Lokal und hatten uns auch nicht getäuscht, denn wir fanden da— zwei Bariner Agenten. Nach unserm Befragen, ob es eine neue Fabrik wäre, sagte der eine: nein, die Arbeiter, hatten die Arbeit ein- gestellt, sie aber wieder aufgenommen und durch das Abreisen vieler Arbeiter mangele es jetzt an Arbeitskrästen. Wir sagten den beiden Herren derb unsere Meinung. Nun hatten wir nichts Eiligeres zu thun, als die Arbeiter der verschiedenen Fabriken zu warnen. Aber es giebt in dieser Gegend noch Individuen in Masse, welche ihren hun- gernden Brüdern den Kamps erschweren und nach Barmen abreisten. Dieser Schlechtigkeit entgegenzutreten, wurde durch den Unterzeichneten eine Versammlung anberaumt mit der Tagesordnung:„Die Ar- beitseinstellung in Barmen und das Verhalten der Fabrikanten daselbstn Zum Vorsitzenden wurde Dremel und Unterzeichneter gewählt. Referent Bremer aus Magdeburg wirft folgende drei Fragen auf: l. Wodurch entstehen die Arbeitseinstellungen? II. Sind diese!- beu gerechtfertigt? III. Kann durch dieselben der Arbeiter wirklich eine menschenwürdige Existenz erringen? 1) Die heutige Vertheilung der Produktionserzeugnisse ist im höch- sten Grade ungerecht. Der Arbeiter, welcher alle Werthe, solglich alle Kapitalien schafft, wird vermöge dieser um die Frucht seiner Arbeit betrogen und erhält einen kleinen Theil in Form des Lohnes. Durch das Lohnsystem wird der Mensch mit seinem Schaffen der todten Waare gleichgestellt und verfällt gleich dieser dem Gesetze der Konkur- renz, dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Innerhalb der heuti- gen Arbcilsverrichtung ist der Arbeiter, seines Äenschthums beraubt, zur Maschine, dem todten Arbeitsinstrument, degradirt. Jemehr der Arbeiter zur Erkenntniß gelangt, destomehr sträubt sich sein ihm inne- wohnendes Menschenthum gegen diese unwürdige Organisation der Arbeit, daher die krampfhafte' Anstrengung zur Erreichung seines ihm geraubten Menschenthums und des ihm genommenen Ertrags seiner Arbeit. Da haben wir die Ursache; die üble Wirkung— das sind die Arbeitseinstellungen. 2) Da wir nachgewiesen haben, daß der Arbeiter, um als Mensch zu seinem Rechte zu gelangen, nothwendigerweise selbst Hand anlegen muß, so müssen wir auch bekennen, daß, da der Arbeiter sich inner- halb der Strikes im Kampfe für Recht, im Kampfe gegen seine ihn des Arbeitsertrags und des Menschthums beraubenden Gegner, befindet, die Arbeitseinstellungen als Kampsmittel ihre Berechtigung haben und so lange auftreten werden, bis die Ursache, wovon sie die Wirkung sind, beseitigt ist. Deshalb ist es die Pflicht der Arbeiter, ich zu organisiren, unddaß die Arbeiter eines Orts mit denen aller übrigen Orte eines Landes in eine nationale Verbindung treten, welche wie- derum in Kartellvertrag mit den Verbindungen der Arbeiter aller;i- vilisirten Länder zu treten hat. Alle für Einen— Einer für Alle! 3) Da wir gesehen haben, daß der Arbeiter, wenn selbst politisch frei, vermöge des heutigen Lohnsystems seines Menschenthums beraubt, der todten Sache gleichgestellt ist, so kann er sich nun und nimmermehr vermöge der Arbeitseinstellung, durch welche er den Ber- such macht, sich als lebendiger Mensch zu bewegen, von dieser ihm auferlegten drückenden Last befreien. Die Arbeitseinstellungen rei- chen nicht hin, um das Lohnsystem zu beseitigen, deßhalb muß der Arbeiter von der politischen Seite angreisen, die Macht der Gesetzge- bung in seine Gewalt zu bringen suchen und vermöge dieser die heutige Produktionsweise umformen, an Stelle des Lohnes den Arbeitsertrag stellen. Er muß den Staat dahin reformiren, daß alle Privilegien, alle Ungerechtigkeit beseitigt wird, daß Niemand Knecht ist und Kei- ner Herr sein darf, daß Alles geschieht, was Jedem nützt und Keinem schadet, daß Niemand Rechte ohne Pflichten hat: das ist die wahre Aufgabe der Arbeiterklasse, das ist der einzig erfolgreiche Weg, der zum Ziele der Wahrheit, der Freiheit, der Gerechtigkeit, also zur Beseitigung der Roth und des Elends der unteren Volkslasse führt. Hierauf wird folgende Resolution verlesen und angenommen: „In Erwägung, daß die heutige Versammlung erkannt hat, daß die Arbeitseinstellung der Metallarbeiter zu Barmen-Elberfeld gerecht ist, erklärt dieselbe, daß es ungerecht ist und die eignen Jnteressendes Arbeiters schädigt, wenn nicht Jeder den Zuzug von Metallarbeitern dorthin ab- zuhalten strebt." Nach einer kurzen Beleuchtung des Haftpflichtgesetzes wurde be- kannt gemacht, daß am Montag Abend in Magdeburg eine öffent- liche Versammlung stattfindet. Alsdann wurden die Arbeiter aufge- fordert, sich mehr um die Arbeiterinteressen zu kümmern, und daß sie Blätter lesen, die die vollen Interessen der Arbeiter vertreten; als solche wurde der„Volksstaat" und der„Sozialdemokrat" empfohlen. Vor Schluß der Versammlung wurde nochmals aufgefordert, die kämpfenden Brü- der in Barmen durch �reichliche Geldmittel zu unterstützen; aber es kam nur die winzige Summe von 3 Thlr. für die strikenden Mptall- arbeiter zusammen und der Unterzeichnete und Schwarzstein wurden beauftragt, sie nach Barmen zu senden. Immerhin scheint hier der Siegestaumel zu schwinden und der sozialdemokratische Geist die Ober- Hand zu gewinnen._ Mit Gruß_ A. Probst. Zur Roliz. Es werden von Bourgeoisspekulanten sogenannte„Geschichten der Pariser Kommune" verkaust, die nichts anderes enthalten, als die be- kannten Lügenmärchen der Tagespresse. Wir warnen diePartcige- nossen vor diesen Machwerken. Sobald das nöthige Material beisammen ist, wird die Redaktion des„Volksstaat" in Uebereinstimmung mit dem Generalrath der Internationalen Arbeiterassoziation und unter Mitwirkung der überlebenden Kommunemitglieder eine aktenmäßige Gesch chtc der Pariser Kommune veröffentlichen.__ Quittung. Der Unterzeichnete hat sür die strikenden Tischler Berlins erhalten: Von den Arbeitern der A. H. Franke'schen Pianosortefabrik 3 Thlr. 17 Gr. Von J)e,t Tischlern der Z. W. Müller'scheu Werkstatt 17 Ngr. Ertrag der Sammlung bei der Tischler- und Pianosotte-Arbeiter-Versammlung in der Westendhalle, nach Abrechnung der Kosten sür die Plakate 4 Thlr. 13 Ngr. Von den Arbeitern der Baufabrik 3 Thlr. 22 Gr. Von den Arbeitern der Königl. sä ch s.Hos-Pian'o forte fabrikBlüthner 2Thlr. 5 Pf. Von den Arbeitern der A. H. Franke'schen Pianosortefabrik 1 Thlr. 18 Gr. Freiwillige Steuer der Mitglieder der Internationalen Gewerksgenossenschaft der Holzarbeiter in der Versammlung am 2. ds. 1 Thlr. 4 Gr. Von den Glasergehülfen gesammelt und abgegeben durch Arnold 3 Thlr. 15 Gr. Am 29. August 10 Thlr nach Berlin abgeschickt, ebenso am 3. d. M. 10 Thlr. 10 Ngr. 5 Pf. Leipzig._ Bruno Schräder. Quittung. 10 Thlr. durch B. Schräder, Leipzig, sür die strikenden Tischler mit herzlichstem Dank erhalten. Otto Richter, proo. Vorsitzender Berlin, 31. August. der Strikekommission derBerliner Tischler. Unter heutigem Datum 10 Thlr. 10 Gr. 5 Pf. von LePzig durch B. Schräder mit herzlichem Dank erhalten. Berlin, 4. Sept. 1871. Otto Richter, prov. Vorsitzender der Tischler-Strike- _ Kommission._ Für die Juhastirten und deren Familie» 1 Thlr. 20 Gr. erhalten durch Oehme als freiwilliger Beitrag der Breslauer Parteigenossen. W. Liebknecht. C. M. B. Dresden: 5 Thlr._ Die Erpedition. Briefkaste» der Redaktion. C. M. Königsberg: Ihren Brief an deu Aus- schuß der Met'llarbeiter behuss Erledigung gesandt.— Luckenwalde: lieber den berüchtigten Buschner finden Sie Aufklärung in Nr. 65 d. Bl.— H. in B.: Sie fragen, warum wir der Ausweisung Reu- sche's aus Oestreich nicht gedacht? Antwort: Weil wir glaubten, er sei allen Parteigenossen bekannt, und wir nicht gern iin Schmutz wühlen.— Becker in Genf: Ihr dürft nicht bös sein, wenn wir die „L�alitö" weniger als sie es verdiente und es unsere Pflicht war, berücksichtigt haben. Es fehlte uns bisher wirklich an der Zeit, grö- ßere Artikel oder Aktenstücke zu übersetzen, die nicht ganz direkt aus die Pariser Kommune Bezug hatten. Ihr sollt aber in Zuknifft keine Ursache mehr haben zu klagen. Dein W. L. 3£. in W.: Brief erh. Für nächste Nummer. M. in H.: Dank. Sie werden die Notiz schon in voriger Nummen gesunden haben. der Erpedition: Weller, Nürnberg: 1 Thlr. für Schriften erh. — L. Eisenach: Brief erh.— C. H.Bremen: 1 Thr. 5 Gr. erh. Bei der Adresse ist die Straße nicht leserlich. Es kommt überhaupt unange- mehm oft vor, Namensunterschrift durch Krakelei in-mystisches Dunkel zu hüllen. Während sich der Inhalt eines Briefes, wenn undeutlich geschrieben, ans dem Sinn ergiebt, ist der Name, gerade das Nothwendigstc zur Rückantwort, oft nicht z» entziffern.— G. Scharmbeck: 22 Gr. sür Schriften erh. I. Tarnowitz: 11 gr. für Abonnement erhalten. C. H. Leipzig: 2 Thlr.„freiwilligen Beitrag sür den Volksstaat" erhalten. W. Cassel: 1 Thlr. sür Schriften erhalten. K.Weimar: 11 Thlr. erh. Gesucht wird ein akkurater Tischler, unverheirathet und militärfrei, auf feine Holzarbeit, sür dauernde Beschäftigung. Zu erfragen in der Erpedition d. Bl._ Für Weimar. Jeden Dienstag Abends 8 Uhr findet im Gasthaus zum Schwan eine Versammlung der intcrnatiönale» gemischte» Äctverksgenoffcnschaft sowie der sosial-dcinvkratischcn Arbeiter-Partei statt, und richte ich an alle Freunde und Parteigenossen hier und Um- gegend die Bitte, sich zu diesen Versammlungen pünktlich einzufinden. _ E. Kette l, jun., d. Z. Schriftführer. Für Hamburg. Sozial-dernokratischcr Arbeiterverein. Bersammluitg. Montag d. 11. September, Abends 9 Uhr. bei Eberhahn, Zeughausmarkt 31. Tagesordnung: Vortrag von Herrn Rose: Geschichte der Arbei- terbewegung in Oesterreich. Gäste haben Zutritt. Vor allem aber werden die Parteigenossen ersucht, mit ihren Freunden zu erscheinen._ August Gelb. Für Rältt. Sonntag, den 10. September, grosse Bolksversanimlung: Fortsetzung der am 3. d. M. nicht erledigten Tagesordnung. Lokal wird durch Plakate angezeigt. I. A.: V. Falk. Aussorderung! Die Vorstände oder Vertrauensmänner der Arbeitervereine von Pegau, Borna, Lansigk und Frohburg werden freundlichst er- sucht, ihre Adresse schriftlich an den Vertrauensmann sofort einzusen- den. David Hausmann in Geithain. Allgemeiner deutscher Arbeiter-Verein. Die Mitglieder zu Leipzig versammeln sich jeden Montag Abends 8 Uhr im Lokale des Herrn Tcuscher, Brühl 71. I. C. Munkwitz, Bevollmächtigter. Leipzig! Verantw.Redakteur A. H e p n e r(Redaktion: Peterssteinweg 13 Druck u. Verlag: F. Thiele.(Erpedition: Petersstr. 18.)