Mittwoch, de« 13. September. IV ii. Erscheint wöchentlich 2 mal-__. Erscheint wöchentlich 2 mal i" Leipzig. � i in Leipzig. Bestellungen nehmen alle � H A W � M � a M AbonnemenlsoreiS: �>Kl1li�1mm Für Leipzig nehmen J U. I T■■ I■/■ 1■ 1|■■ Filialerpeditian für die Ber- Bestellungen an: «.Bebel, Petersstraße 18, f F. A. Sorge, Box 101 K.Thiele, Emilienstraße 2.* Hoboken N.J. xiaNewyork Organ der sozial-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschasten. Politisch- U-bersicht. Man schreibt uns aus Weimar: „Warum unsere Soldaten in Frankreich frieren mußten, wird jetzt immer offenbarer. Vor ca. 8 Tagen machte eine hiesige Firma,--*) unter der Hand bekannt, daß sie eine große Partie Hemden und Strümpfe Paar 3Sgr.) und Zwar nach Frankreich gesandter und zurückgekommener Liebes- gaben, erhalten babe und verkaufen werde. Eine Anzahl guter Pelze werde folgen(und ist nunmehr gefolgt). Hemden und Strümpfe sind Weißwaarenhandlungen zum Verkaufe angeboten, auch im Einzelnen verkauft worden; die Pelze einem Kürschner. Trotz des lächerlichen Entrüstungsgeplappers nationalserviler Professoren, Redakteure und anderer Philister ist diese Thatsachc eine sehr natürliche Folge unserer ganzen sozialen Verhältnisse. Dem Volke aber ziemt's zu wissen, warum seine Söhne in Frankreich ohne Strümpfe und wärmere Bekleidung bleiben, trotzdem Massen von warmen Bekleidungsgegenständen nach Frankreich gesandt worden sind. „Wie herrlich weit hat es doch das edle, sittlich erhabene Volk der Denker den verkommenen Franzosen gegenüber gebracht! Kaum giebt es ein ekelhafteres Bild moralischer Verkommen- heil als dieser Verkauf von Liebesgaben- Betleidungsgegenständen durch den Prozcnipatriotismus." Kurz nach Empfang des obigen Briefes wurden wir auf folgende Annonce aufmerksam gemacht, welche sich— ein klassisches Stückchen unfreiwilliger Ironie— in der Sedan- festnummer des„Leipziger Tageblatts"(Amtsblatt des Sladtralhs und Bezirksgericht) befindet: „Soeben gelangte ich in Besch der zweiten großen Sendung gro- ßer pikfeiner wollener Hemden, sowie 10,000 Paar guter seiner gestrick- ter und gewirkter wollener Socken und verkaufe dieselben zu einem enorm spottbilligen Preise en gros und en detail. „Sä mmtliche Hemden und Socken sind ganz neu und lie- gen noch, genau wie sie aus der Fabrik kommen, im'/, und'/, drchend- weise verpackt. Es waren größtentheils seinerzeit LiebeSga- bcn und habe ich dieselben in voriger Woche von einem interna- tionalen Depot käuflich an mich gebracht. Louis Guttmann, Leipzig, Ritterslraße 87, 2 Tr. NU. Es ist keine Eommißwaare, son- der» von der allerseinslen Qualität und 50"/� unterm Kosten, reis." Es läßt sich kaum annehmen, daß die vorstehenden(theils nach dem Sinn, theils nach dem Wortlaut mitgetheilten) Annoncen der Weimarer und der Leipziger Handelsleute ihrem wesent- lichsten Inhalt nach— daß Liebesgabeu an die betreffenden Firmen verkauft worden sind— lediglich auf eine Mystifikation des Publikums berechnet� sind. Denn wenn auch sonst markt- schreierische kaufmännische Reklamen durch das Strafgesetzbuch nicht getroffen werden können, so handelte es sich doch, falls die Angabe, daß Komitee's des internationalen Hilfsvereins (diese meint Herr Guttmann offenbar unter„internationale Depots") Bckleidungs-Licbesgaben an Händler verkauft haben, (indeß die Soldaten im Felde froren) unwahr wäre, um eine durch das Gesetz verbotene, aus Gewinnsucht veranlaßte„Ver- breitung eines aufregenden falschen Gerüchtes." Es fragt sich nun: Welches Zweigkomitee unter den vielen des internationalen Hilfsvereins hat sich diese unver- antwortliche Verschleuderung ihm anvertrauter Liebesgaben zu Schulden kommen lassen? Wir sagen mit Bedacht: unverant- liche Verschleuderung. Denn daß Handelsleute, welche Engros- Gelegenheitskäufe, wie die hier in Rede stehenden, machen, nur „spottbillig" kaufen, sonst aber nicht, das weiß Jedermann, welcher derartige„Geschäfte" auch nur aus der Ferne kennt. Und auch angenommen, die Tausende von Soldatenbriefen, die über Mangel an warmer Bekleidung klagten, hätten allsamml gelogenund im ganzendeutschen Heere hätten sich keine bekleidungs bedürftigen Soldaten mehr vorgefunden — wissen die Leiter einer so weitverzweigten Gesell- schaft, wie der internationale Hilfsverein ist, denn keine andere Operation behufs Verwendung der Gaben im Sinne der Geber, als die, einen Theil des Werthes durch„spottbilligen" Ver kauf in die Tasche von Handelsleuten fließen zu lassen? Unseres Erachtens müßten 1) Diejenigen, welche an den internationalen Hilfsverein Liebesgaben entrichtet haben, das Centralkomitee um Aufklärung darüber ersuchen, welches Zweigkomitee an die Herren—— in Weimar und Guttmann in Leipzig Pelze, Hemden, Socken u. s. w. verkauft hat; 2) müßten, nachdem die fraglichen Zweigkomitee's auf diese Weise ermittelt worden, Diejenigen, welche den betreffenden Filialen Sendungen an Geld u. s. w. übermittelt haben, Rechnung ver- langen über die Verwendung der Gaben, speciell über den gedachten Verkauf.— Ter neureichliche Schwindler Stroußberg hat sich in die Böhmischen Wätder verduftet. Einige Zeitungen meinen, er werde sich wohl nach England„zurückziehen", doch das ist nicht wah, scheinlich, sintemalen er dort schon, unseres Wissens, in sehr schmutzigen Prozessen figurirt hat, und den Boden in Folge dessen„zu heiß" finden dürfte.— Da Hr. Stieber in Gastein bei der Kaiser- und Kanz- ler-Conferenz nicht zu entbehren ist, so hat der Polizeikon- greß vertagt werdei müssen und konnten sich in München bloß die Gefängnißoircktoren versammeln. Der Gegenstand der Berathungen blieb unverändert: Das nationale Zuchthaus.— Aus München, 6. 6. 8. September schreibt man uns: •) Unser Korrespondent bittet uns, den Namen vorläufig nicht zu Nennen D. Red. d. B „Wissen Sie, wie in„Münichheim, dem Nest" der landes- herrliche Zkamenstag gefeiert ward? Nun, die Soldaten be- kamen doppelte Menage! und 6 Kr. Zulage— versprochen, und die in der Artilleriewerkstätte beschäftigten Civilarbeiter inußten„striken", d. h. der aufgezwungene Ruhetag wurde j ihnen abgezogen.*) „Und da gibt es noch Leute, welche sonst keine Schmerzen haben, als daß am„hohen Namensfest unsers allgeliebten Königs die protestantische Kirche so leer war", wie ein„Protestant" in einem hiesigen Lokalblatt jammert; gelegentlich empfiehlt er, künftig die Soldaten dazu zu kommandiren, um„die Kirche zu füllen." Das ist ein rechter Protestant, der muß prolestiren und sei's selbst gegen ein irgendwo sich zeigendes Fünkchen Vernunft! „In unserer halb frommen, halb fortschrittlichen Stadt, die immer inehr Durst als Hunger hat, gäb's Allerlei, was auch ein Sozialdemokratenherz theils tragisch, theils komisch berührt; Agitationen für unsere Sache besorgen, wie obiges Beispiel zeigt, die Obermenschen in Kirche, Staat und Kommune — und Kaserne meist selbst. Sie wühlen mit solchen Hand- lungen die„unterste Schichte" des Staates auf und machen sie empfänglicher für die Samenkörner des Evangeliums der Sozialdemokratie. Mancher unschlüssige Arbeiter wird so noch schneller gewonnen für die rothe Fahne, als durch die beste Rede. „Im religiösen Gebiete zanken sich„Alt- und Neukatho- liken" allerliebst und zeigen das Wunderbare, daß zu den sog. „Altkatholiken" erklärte Akatholiken und Juden stehen, die „Nenkatholiken" aber gerade das Rad der Zeit rückwärts drehen möchten auf das Alle! In der Politik hapert's mit den Ministern, und obwohl des Landes erhabenes Oberhaupt in weiser Zurückgezogenheit dem Tumulte der Großstadt sich fern- hält, zieht es bald die schwarze Partei, bald die schwarzweiß- rothe, unter steler Betheuerung ihrer loyalen Gesinnung, auf oft sehr ungezogene Art in die Debatte. „Die Großthaten der Münchcner Kommune zum rechten Verständniß der Bevölkerung zu bringen, setzte sich ein Lokalblatt zur besonderen Aufgabe, dessen Raisonnement hierin und hierüber einen stark demokratischen Anstrich trägt.(In der Politik ist in dem Blattö,„freier Landesbote", aber kein Tröpfelchen demokratischer Oels!) Die Thaten unserer Kom- mune sind aber viel pfiffiger ersonnen als die der Pariser. Im Gegensatz zur Pariser Kommune fängt unser Magistrat praktisch auf breiter Grundlage— also„unten", bei den armen Leuten, zu sparen an und hört nach oben immer mehr zu sparen auf.**)— „Zur heurigen„Sedanfeier" troinmelte der Bürgermeister und sein Organ, die„Nenesten Nachrichten", die„Bürgerschaft" zum Flaggen zusammen. Solch„frischen ftöhlichen" Krieg mit dem beglückenden Resultat zu feiern, sind alleweil noch nicht genug Fähnleins geflattert! Doch die sonst so lenkbare „Bürgerschaft" wagte diesmal gegen das nationalliberale Kommando ein Subordinations-Vergehen und flaggte nicht.***) Das ist bedenklich— wohin soll das führen? Ein gar wider- haariger Patriot hängte gar an eine zur Huldigung des„neuen Reichs" bestimmte Flaggenstange eine zerrisseneHose! Ein Soldat sagte zu mir bei diesem Anblicke:„Das ist das rechte Wahrzeichen— dortmals hatten wir auch wirklich zer- rissene Hosen!" „Ueberhaupt schwören unsere Soldaten nicht durchweg auf den sogenannten„Fortschritt" und die„deutsche Einheit!" Der Krieg war für Viele— Sie meinen eine Erholungsreise?— eine sozialdemokratische Schule. Man hört mitunter pikante Anekdoten erzählen und entsprechende Kritiken dazu. Hier z. B- eine: ein Mann kroch unterm Kugelregen auf dem Bauche bis nahe an die feindlichen Vorposten auf Rekognoszirung, doch ging er leer aus beim Sternschnuppenfall; glücklicher war sein Kamerad, welcher auch unterm Kugelregen sich tapfer bewies und seinem Hauptmann Bier holte— er bekam das eiserne Kreuz. „Jüngst verbreitete ein hiesiges Blatt die Nachricht, der König von Bayern heirathe eine preußische Prinzessin. Jubel unter den Philistern unter dem Ausrufe:„Das ist gut für uns, jetzt werden wir(!) nicht gefressen"! Gleich schmeichelhaft für den Muth unserer Philister wie für den moralischen Ruf Preußens!"— Auch der Kommandant Rossel ist durch„Urtheil" der Versailler Schergen zum Tode verurtheilt worden. Gleichzeitig wurde in einer anderen Abtheilung des Kriegsgerichts die Ver- Handlung gegen die„ P e tr o l e u s e n" geführt. Von den Dausen- den von Frauenzimniern, welche in den Maitagen unter der Kollektiv-Anklage, daß sie„Petroleusen" seien, verhaftet worden sind, erschienen vor der Anklage— fünf; und diesen fünf sind keine Brandstiftungen nachgewiesen worden. Das veranlaßt selbst die„Deutsche Allgemeine Zeitung" zu folgendem Raisonnement: *) Und das von Mensche», welche für Krankheit und noch so langen Urlaub ihren vollen Gehalt— und noch dazu reichliche Pension für sich und für Weib und Kind aus dem Staatssäckel ziehen I A.d.C. '*) Wie überall I Diese BourgeoiSkommunisten können die Wurh, zu„theilen", nirgends verleugnen. —) Die„Sedanfeier" ist überall lämmerlich verunglückt— ein Beweis, daß Michel mit seinem Denkerschädel an verschiedene„harte Thallachen" angerannt ist. die zum„SiegeSjubel" passen wie die Faust auf's Auge. „Der Prozeß gegen die sogenannten„Petroleusen" scheint im Grunde auf sehr schwachen Füßen zu rühm.' Selbst der Anklageakt vermag nicht die Eristmz eines bestimmten Petra- leusenkorps, von dem man so viel gefabelt, geschweige denn nachzuweisen, daß die fünf Angeklagten Mitglieder dieses i m a- ginären(nur in der menschlichen Einbildung beruhenden) KorpS gewesen wären." Die„Beweisführung" gegen die gedachten 5„Petroleusen" geschah natürlich mit denselben Fälschungen und Verläumdungen, wie in dem Prozesse gegen die übrigen kommunalistischcn Ge- fangenen: außer der unbcstrcitbarm und unbestrittenen Theil- nähme am Kampfe— die eine hatte sogar ihren Geliebten förmlich an die Barrikadm getrieben— konnte den angeklagten Frauen Nichts nach gewiesen werden. Und um sich nicht noch mehr zu kompromittiren, als schon geschchen, hat das Kriegs- gericht nMrlich die Angeklagten(trotzdem sie unschuldig waren) zu den höchsten Strafen— 3 zum Tode, 2 zur Deportation — verurtheilt. Durch eine Freisprechung wären die Infamien der Regie- rung im Mai ja bloßgelegt worden. Die Journalisten des„Figaro" und ähnliches Gelichter, welche als Berichterstatter über die Versailler Gerichtsverhandlungen sich mit der Größe der Nasen und der Breite des Mundes einer jeden Angeklagten aufs Sorgsamste besag ten, zeigen bei dieser Gelegenheit, wie weit sie es in der Kunst der Darstellung gebracht haben; Keil's„Gartenlaube" wird hofsent- lich nicht verfehlen, nach den Erzählungen des„Figaro" eine „Furie" von Petroleuse„nach der Natur gezeichnet von un- serm Spezialberichterstatter" recht bald ihren Lesern vorzuführen. Wo die Unschuldigen verurtheilt werden, weil sie unschul- big sind, müssen folgerichtig die Schurken freigesprochen werden, weil sie Schurken sind. Mit derselben mathematischen Genauigkeit, mit der man die Verurtheilung der„Petroleusen" seitens des Kriegsge- r i ch t s berechnen konnte, war vorauszusehen, daß in dem„Ver- leumdungsprozeß" Jules Favre's gegen Laluy� und zwei Zeitungen, welche Favre der Erbschleicherei, Urkundenfälschnnz und Bigamie bezichtigt halten, das Civilgericht— unter dessen höchsten Beamten sich noch Veteranen des 2. Dezember befinden und sogar ein berüchtigter Kuppler(Devienne)— einen für den Exminister Favre günstigen Ausgang des Prozesses herbeiführen werde. Laluy6 und die beiden Zeitungen sind saus fayon verurtheilt worden, ohne daß der engelsreine Jules Favre eine Thräne der Unschuld zu weinen brauchte.*) In seiner Anklagerede konnte er natürlich nicht umhin, den durch ihn erschossenen Milliöre, welcher um die Enthüllungen über Favre ein Hauptverdienst hat, dadurch zu verdächtigen, daß er angab, Milliöre habe ihm(Favre) nach dem 31. Oktober „Dokumente" angeboten, wenn Favre veranlassen wollte, daß die gegen ihn(Milliire) eingeleitete Untersuchung wegen der Revolte vom 31. Oktober eingestellt würde. Selbstverständlich eine infame Lüge! Mne Stimme für den Sozialismus. Das Sprichwort hat doch Recht: Die Wahrheit bohrt sich durch. Trotz der Lügen und Verleumdungen, die„eine den schnödesten Klassenintercssen dienende Presse"**) gegen unsere Partei geschleudert hat und fortwährend schleudert, bricht sich die Erkenntniß doch immer mehr Bahn, daß die Forderungen der Sozialdemokratie berechtigt sind, und daß, ehe sie erfüllt, an eine Besserung der sozialen und politischen Verhältnisse nicht zu denken ist. Es freut uns, den sich mehrenden Zeugnissen von Män- nern der prioilegirten Klassen zu Gunsten des Sozialismus heute ein neues, gewichtiges beifügen zu können. Ein deutscher Professor, also— und das verleiht dem Akt erhöhte Bedeutung— Mitglied einer Körperschaft, die durch ihre fast sprichwörtliche Gesinnungslosigkeit den deusschen Namen in Verruf gebracht hat***), ein Kollege der Schmarotzer und Bettelbriefschrciber Mommsen und Ritschl, des Rinnsteinästhetikers Bischer, und des Gcschichts-Koulissenklerenden,Carlyle-karrikirendcn Fisch- weibs Schcrr— einer der renommirtesten Professoren der Leipziger Universität, dessen Name gerade bei unseren Gegnern einen besonders guten Klang hat(vorläufig aber noch aus nicht näher zu erörternden Gründen verschwiegen werden muß), hat den Muth gehabt, sich entschieden für die Prinzipien der Internationalen Arbeiterassoziation auszu- sprechen, und die Berechtigung des Sozialismus und Kommunismus rückhaltlos anerkannt. Für heute begnügen wir uns damit, der betreffenden Erklärung folgende Stellen zu entnehmen: „Im jetzigen Verkehr ist es oftmals der blinde Zufall oder aar die rohe Getvalt und verjährtes Un- recht, was die Bertheilung der Arbeiten und der Ge- nüsse regiert, was dem Einen die schwere Arbeit, dem Andern den leichten Genntz zuwirft, den Einen zum Herrn der Arbeitskraft von hundert Andern, Diese Wie der„Frankfurter Zeitung" berichtet wird, weinte er me h» rereThränen. *') So charakterisirte jüngst in einer Rede der Englische Minister- chef Gladstone— gewiß eine Autorität für unsere auioritälsbedürf- tigen Philister— die heutige Presse. •**)„Sänger, H____ u»d Professoren kann man immer fürGeld haben", pflegte Ernst August von Hannover zu sagen. Kortsetznug auf Seite 4. Zur Erinnerung für die deutscheu Mordspatrioteu. 1806—1807. (Forlsetzung.) Kapitulatien Nr. 21.— Kosel. Kapitulation Nr. 22.— Neiße. Kapitulation Nr. 23.— Gl atz. Napoleon betrieb den Festungskrieg in Schlesien ohne be sondern Elfer. Das Theater der enscheidenden Kämpfe war zu oiel entfernt, als daß die Vorgänge in Schlesien einen fühl baren Einfluß haben konnten, und die Dazwischenkunft Oest- reichs, das seit 179b alle Kämpfe gegen die Franzosen ohne die Hülfe der Preußen zu bestehen hatte, und mit scheelen Blicken auf den trügerischen Beistand Rußlands blickte, den es aus eigener Erfahrung kannte, war nicht zu fürchten. Die nachbar lichen Dienste Oestreichs beschränkten sich z. B. auf Handlungen wie die Sendung des böhmischen Oberpolizei-Kommissarius Eichler, begleitet von einem östrcichischen Remontekoinmissarius an den Fürsten Pleß, um ihm zu erklären, daß die Oestreicher bereit seien, die preußischen Remontepferde zu kaufen, falls der Fürst nach Böhmen hinein getrieben würde. Man war auch schnell über die Preise des Scheinkaufs einig. Die Pleß'schen Truppen wurden öfters über die Grenze gejagt; in Böhmen be gingen sie dann alle mögliche Ercesie.„Auf Zureden der Ein wohner desertirte die Masse der Reiter, um die Pferde für ei gene Rechnung verkaufen zu können." Jerome Napoleon wurde für gut genug gehalten, in Schle sien die Unternehmungen zu überwachen. Es war bekannt, daß die Festungstruppen großen Theils aus Polen bestanden, gegen die man die Baiern, Würtembcrger und Sachsen mit Sicherheit verwenden konnte. Kosel, Neiße, Glatz und Silberberg wurden ohne alles System berannt, eingeschlossen, beobachtet, bombar- dirt, und wenn ihnen auch die Lässigkeit des Angriffs ein Aus- spinnen der Vertheidigung ermöglichte, so kapitulirten doch end- lich die drei erstgenannten Festungen. Der Kommandant von Kosel, der 67 jährige Oberst Neumann, that seine Schuldig keit nach Kräften. Bei dem Bombardement des 4. Februar mußten die Bürger, als Feuer in der Stadt ausbrach,„durch Kavalleriepatrouillen mit Gewalt aus den Kellern zum Löschen hervorgebracht werden."„Die Besatzung hatte sich nicht beson- ders benommen; ein großer Theil hatie sich betrunken, war in die Bürgerhäuser eingedrungen und hatte Ausschweifungen aller Art begangen." Ein sich in Kosel aufhaltender Jngenieurlieutc- naut Liebenroth, der in Glogau gefangen worden war, mußte ausgeliefert werden. Desertionskomplotte gehörten bald zu den täglichen Ereignissen.„Von der Kobelwitzer Redoute meldete der Hauptmann Wostrowski:„„es haben sämmtliche Artilleristen, mit Ausnahme der Chargen und noch zwei Mann, sich mit der Nationalkompagnie Wostrowski und den Dragonern verabredet, die Offiziere u. s. w. zu überfallen und zu binden, die sich widersetzten, zu ermorden, die Kanonen zu vernageln und zum Feinde überzugehen"". Ein Mitverschworener machte von dem Ptane Anzeige, und„mit Genehmigung des Kommandanten wurde sogleich ein Kriegsrath zusammen berufen und beschlossen, da die Zeit zur weitläufigen Ermittetung der Rädelsführer fehle. solle der fünfte Mann von den bereits überführten Anführern crichossen werden. Die Erekution wurde sogleich an 3 Mann vollstreckt, der vierte aber, der das Komplott vor dem Ausbruch entdeckt hatte, nach dem Niederknien begnadigt." Nicht alle die Koseter Verschwörer scheinen Polen gewesen zu sein, denn Höpfner sagt:„der svlechtefte Theil der Garnison bestand jetzt offenbar auüs den Einländern, die durch die Ausländer bewacht wer- den mußten, ohne daß man auf diese unbedingt hätte zählen können." Mit„Einländer" will er nicht nur die„Südpreußen" bezeichnen, sondern die Preußen schlechtweg. Am 10. April starb der Kommandant Oberst Neumann, der schon lange kränklich gewesen war. Bei der Vertheidigung von Kosel scheint auch ein sogenannter Prinz Biron von Kur- land mitgewirkt zu haben. Er war ein Abkömmling des kur- ländischen Krautjunkers Bühren, der als Kebskerl der russischen Anna sich Namen und Wappen der französischen Herzöge Biron zugelegt hatte und Güter in Schlesien besaß. Warum die Franzosen ihm besonders grollten, wie der direkt an ihn gerich- tele Brief des Generals Hedouville beweist, wodurch er zum Verlassen der Festung bewogen werden sollte, ist aus den Höps- nerschen Mittheilungen nicht zu erkennen. Auch der uns schon von Schweidnitz her bekannte Prinz von Hohenzollern, der dies Mal als„Erbprinz" aufgeführt wird, erscheint vor Kosel und verlegt sich ganz besonders darauf, den Biron für die Ueber- gäbe mürbe zu schlagen. In Wiegschütz trafen die beiden„Prin- zen" zusammen. Der Hohenzoller machte dem Biron„Vor- würfe, daß er sich in Militärangelegenheiten mische, wozu er nicht bevollmächtigt sei, und drohte ihm, daß er, so wie alle unausgewechselten Offiziere, welche inKosel Dienste leisteten, erschossen werden sollte, wenn er, der Prinz, es nicht dahin brächte, daß die Festung kapitulire. Der Prinz Biron kam zurück(in die Festung), und der Kommandant ver- sprach ihm ein Attest auszufertigen, daß er sich nie in die eigent- lichen Vertheidigungs-Angelegenheiten gemischt habe, und daher auch über die weitere Vertheidigung oder die Uebergabe der Festung kein Wort mitzusprechen habe." Die Kapitulation von Kosel kam durch des Hohenzollern besondere Mitwirkung zu Stande. Es gab auch in Kosel eine Anzahl preußischer Offiziere, „die trotz des gegebenen Ehrenworts dennoch in der Festung Dienste leisteten." Gouverneur der Festung Neiße war ein Generallieutenant Steensen, 71 Jahre alt, Kommandant der 68 jährige Gene- ralmajor Wcger, Artillerieoffizier vom Platz der 66 Jahre alte Oberst Wernitz, Ingenieur vom Platz der Hauptmann Schultz II. unter dem Brigadier Major Harroy. Diese Festung kapitplirte am 3. Juni. Die Kapitulation wurde als vollkommen gerechtfertigt anerkannt. Daß die Belagerungen von Kosel und Neiße auf'geraume Zeit in bloße Einschließungen und Beobachtungen verwandelt worden waren, hatte seinen Grund in Jeromes faffcher Auslegung der Befehle Napoleons. Van- dämme machte bei der Uebergabe dem Gouverneur die folgen- den Komplimente:„Ihre Vertheidigung der Festung ist von der Art, daß wir die größte Achtung für Sie und die Garnison haben müssen. Aus dieser Ursache sind Sie, Herr Gouverneur, und Sie, Herr Kommandant, von der Gefangenschaft frei; auch, können Sie jeder 4 Offiziere bezeichnen, die sofort in die Dienste des Königs, wie Sie selbst auch, abgehen können/ Mindestens doch ebensoviel als Steensen und Weger haben Uhrich, Denfert und' die Besatzung von Bitsch geleistet, aber der anständigen Manieren gegen die momentan Ueberwundenen hat der germanische Ehrenphi.ister weniger selbst als der Brandschatzer Vandamme. Die Eintracht zwischen den siegenden Franzosen und den besiegten Preußen wurde hier in etwas durch einen Lieutenant Rotteuburg gestört, der, als Kundschafter mit gewissen Vollmachten verseben, vom Grafen Götzen aus Glatz nach Neiße gesandt worden war, und schließlich die Unumgänglichkeit der Kapitu- lation persönlich anerkannt hatte. Trotzdem setzte er sich wäh rend der Unterhandlungen mit seinem Aufttaggeber in Ver bindung, um die Umstoßung der Uebereinkunft zu bewerkstelligen. Es ist ganz natürlich, daß die Franzosen das Benehmen dieses Lieutenants als gegen die Kriegsgebräuche verstoßend be trachteten. Nur mit großer Mühe konnte Rottenburg sein Le ben retten. Er wurde lange Zeit als Spion in Frankreich gefangen gehalten. Unter der Regierung des Weltretters Boustrapa*) sind die französischen Festungen nicht so vernachlässigt worden, wie die prußischen damals unter dem Scepter der anständigen Hohen zollcrn.„In Glatz hatten die Vertheidigungsmaßregcln wegen Mangels au Geld sehr gestockt." Die Armirung des Schäfer berges war nicht vollendet; die während des Frostes gesetzte Pallisadirung„weichte los und mußte von Neuem gesetzt wer den." Die Anstalten zur Ueberschwemmung waren nicht voll endet.„In der Stadt fehlte es beinahe an allen Utensilien für das bei den zunehmenden Krankheiten angefüllte Lazarelh." Die Pulvermagazine, Brücken, Kommunikationen, Pallisadirungcn. Fraisirungen waren längst verfallen und nicht wieder hergestellt es fehlte Vorrathserde, Brennmaterial, Munitton, Holz, Schmie dceisen und Proviant und sogar an 1100 Gewehren für einen Theil der Besatzung, die 6000 Mann stark war. Nur ein einziges Bataillon hatte Patrontaschen.„Die leichte Infanterie hatte lauter in der Eile zusammengekaufte Jagdflinten mit höl- zernen Ladestöcken, zum Theil gänzlich unbrauchbar, ebenfalls keine Pattontaschen und meist keine Montirungen. Der Ka- vallerie fehlte es noch fast ganz an Armatur und Sattelzeug." (Fortsetzung folgt.) Diebstahl! Die„Gartenlaube", das größte belletristische Organ der deutschen Bougeoisie, welche bekanntlich das Menschenmög- lache im Chauvinismus geleistet hat, bringt im Feuilleton der Nr. 27 ein Geschichtchen aus dem letzten Kriege ungefähr fol- genden Inhalts: Ein bayrischer Korporal � RittiNger heißt der Ehrenmann), welcher sich durch„einen gewissen angebornen Spürsinn" bei seiner Division den Ehrennamen„Räuber- Hauptmann" erworben halte, beabsichtigte eines Tags, eine größere Entdeckungsreise nach verborgenen Weinkellern zu un ternebmen. Der Regimenlsarzt bittet besagten Korporal, ihm aus Lonjumeau und zwar aus dem„Gasthause zum Postitlon von Lonjumeau" ein„Andenken" mitzubringen, was bereitwil- ligst zugesagt wird. Der Korporal hat Glück auf seiner Ent- deckungsreise, denn bald hat er Wein im Ueberfluß requirirt. Als er in Lonjumeau ankommt, erblickt er das Gasthaus, welches durch ein über die Straße hängendes Scbild kenntlich ist; auf dem Schilde ist ein Postillon gemalt. Da das Gasthaus ge- schlössen und von seinen Bewohnern verlassen ist, geht unser Held in das Nachbarhaus, steigt dort auf das Dach, gelangt dann durch das Ausheben mehrer Ziegel„ganz gemüthlich" in das Gasthaus und beginnt dort ebenso gemüthlich das Schild los zuHacken. Nachdem diese Heldenthat vollbracht, steigt er durch das Fenster wieder in die Wohnung. Während das Schild losgehackt wurde, hatten sich auf der Straße viele Dorfbewohner versammelt, welche den Helden nach dem Zwecke dieser Requi- ltion befragten. Den Schluß mag unser Held selbst erzählen: Auch der nie fehlende Dorfgeistliche frug mich wiederholt nach dem Zweck meines, wie er meinte, sehr frechen Raubes. Zu ndernZeiten hätte ich jedenfalls nicht so vielellm- kände gemachts!), aber heute war ich grade durch das Ge- lingen des kleinen Streichs in beste Laune gebracht und so er- widerte ich dem Volkstribun in der Geistlichentracht, daß mich Bismarck selbst beauftragt habe, dieses Schild abzunehmen. Er sei ein ungemeiner Verehrer der Oper„Postillon von Lon- jumeau" und wollte uin jeden Preis das Schild haben. „Da standen sie denn da und rissen die Mäuler auf, ich aber stieg rasch zu Wagen und schon eine halbe Stunde darauf ;atte unser Regimemsarzt das„Andenken" und ich ein sehr 'plendides„Extra" in Form hochwillkommener Cigarren. „Etliche Wochen später war das kleine Schild mit einem � ttankentransporte auf dem Wege nach München, gegenwärtig bildet es ein werthvolles Stück derRequisitenkammer es Münchner Hoftheaters. Ferdinand Rittinger, Korporal." Wir fragen nun: war die Handlung des„Ferdinand Rittinger, Korporal," nicht ein D ieb stahl, ein gemeiner und noch obendrein unter erschwerenden Umständen begangener Diebstahl? Und diesen Diebstahl verherrlicht die„Gartenlaube", stempelt ihn zum Heldenstück. Freilich, daß unseren Bourgeois, die ür das Annektir en auf privatem wie auf politischem Gebiet clyvärmen, sehr konfuse Begriffe vom Mein und Dein haben, nur zu natürlich. Ebenso natürlich aber ist es, daß wir Kommunisten" Alles aufbieten, um unser Eigenthum vor den Langfingern dieser theoretischen und praktischen„Theiler" zu bewahren, deren Divise es ist: Der Diebstahl ist Eigenlhum. Militärstaatliches. In den„Neuen Bahnen", dem Organ des allgemeinen deutschen Frauenvereins, findet sich fol- gende Korrespondenz: Mannheim Wir entsinnen uns noch sehr gut, wie sehr Sie es beklagrni, Cap, als die sächsische Posioerwaltung t366 unter dem Namen einer norddeutschen an Preuße» überging, sofort der Post- und Tele- graphendicnst den ffrauen wieder entzogen, und später auch eine dessallsige Petition des Ällgemeinen Deutschen Frauenoereins an den Reichstag so gut wie abtchläglich beschieden ward. Damals freuten wir uns, dag so etw.iS in Siiddemschland nicht geschehen könne, hier, wo schon seit langen Jahren und ohne große Debatten darüber Frauen auf allen Poll-, Telegraphen-»nd Eisenbahnbnreaus, nicht etwa nur zur gelegentlichen Hille für ihre Bäter und Männer, sondern selbst- ständig von der Behörde angestellt sind, wie es in Sachjen doch nur erst seit wenig Jahre» der Fall war. Allgemein ist es anerkannt »>„Boustrapa" enthält die Anfangssylben der drei Schauplätze von Bonapattes(Sroßthaten: Bou(logne), Slra(ßburg), P g(rzs). worden, daß diese Frauen nicht allein eben so gut, sondern in vielen Beziehungen noch viel besser als die Männer zu diesen Fächern sich eignen Daß sie in Dienstsachen außerordentlich pünktlich und gewissenhaft und im Verkehr mit dem Publikum höflicher sind als die Männer, ward ihnen allgemein zugestanden. Es nahm sich, wie gesagt, gar Niemand mehr die Müh«, die Fähigkeiten der Frauen hierzu anzuzweifeln, ihre Anstellung war eine als zweckmäßig anerkannte Thatsache, durch die viele Frauen eine nüpliche und einträgliche Thätigkeit fanden und die Sorgen mancher Familie, deren weibliche Mitglieder ihr nun keine Last mehr waren, sehr gemildert wurden. Und nun dennoch auf einmal heißt eS, daß das einige deutsche Reich in gemeinsamer Post- und Telegraphenverwaltung auch bei uns den preußischen Grundsatz ein- führen werde, nach welchem die Frauen aus diesen Stellniigen durch Militärpersonen ersetzt werden sollen, um sür diese dem Staat die Pensionen zu ersparen! Man will auch bei uns die Frauen nur noch als abhängige Gehilfinnen von ihnen verwandten Männern dulden! Wir begreifen nicht, wie man bei einer solchen Um- gestaltung die Frauen entschädigen will. Nach diesem Prinzip können natürlich Diejenigen, die nicht zufällig Verwandte in diesen Stellungen haben, gar nicht bleiben und will man sie etwa, um die Härte der Maßregel zu mildern, einstweilen noch beibehalten und sie von irgend einem Beamten, nicht von der Behörde selbst abhängig machen, so ist dies doch eine»nwü.dige Zumuthung und die süddeulschen Frauen sind dadurch in nicht geringe Ausregung versetzt, welche ihre etwaigen nord- deulschen Sympathien sehr zu gesährde, droht. Die süddeutschen Frauen dürfen sich nicht„aufregen." Sie haben nun die Ehre, in einem Militärstaat zu leben und müssen die Folgen geduldig tragen. Zum Wesen des Militärstaates gehört aber, daß das Militär den Bortritt hat und alle andern Klassen bloß dazu da sind, das Militär zu erhalten. Drum ist es eben Militärstaat. Es ist dies beiläufig nicht das einzige Arbeitsfeld, welches der Militärstaat nichtmilitärischen Arbeitern entreißt. Auf den Eisenbahnen, im Postdienst u. s. w. hat bereits eine förm- liche Invasion von zivilversorgungsberechligten Militärs begonnen, und stkichtmilitärs werden hier bald vollständig verdrängt sein. Jetzt fehlt nur noch, daß man auch das ganze Schulwesen, wie bereits angestrebt wird, Militärs in die Hände spielt, und die Schulen in Kasernen resp. Kadettenhäuser verwandelt— und das Junkerideal vom„Neuen Reich" ist erfüllt.— Der sozialdemokratische Kongreß in Dresden. Nortis Referat über den Normalarbeitstag. (Nach dem stenographischen Bericht.) Parteigenossen! Freunde! Zunächst bringe ich Ihnen den Gruß der Parteigenossen aus Hamburg, Harburg und Altona, überhaupi vom Norden Deutschlands. Es srent mich/ daß ich Gelegenheit habe, heut an diesem Ort persönlich anwesend sein zu können, um Ihnen diesen Gruß zu bringen; es freut mich umsomehr, als Dresden mit zu den neun Städten zählte, die 1363 in Leipzig der Bewegung, die gegenwärtig eine so weite Ausdehnung über Deutschland gewonnen hat, den Anstoß gegeben haben. Es war auch ein Vertreter Dresdens unter Denen, die damals den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein gründeten; und wir Alle, die wir hier sind, sind ja mehr oder weniger in der Schule des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins großgezogen, und wir Alle huldigen ja mehr oder weniger den Ideen, die der ver diente Lassalte seiner Zeil als maßgebend sür die Arbeiterbewegung in Deutschland aufgestellt hat. Meine Freunde! Man hat es für nöthig gesunden, auf dem Kongreß rn Dresden als ersten Punkt der Tagesordnung den Nor- inalarbeitstag auszustellen und mir das Referat zu übertragen. ES dürfte wohl eigentlich, nachdem der Normalarbeitstag schon soviel' fach besprochen, in Broschüren erörtert, in Arbeitseinstellu igen zu er- kämpfen versucht worden ist; nachdem im„Reichstag" darauf aufmerk- sam gemacht worden, wie nothwendig dieje Forderung ist, kurz, nach- dem das Thema des Normalarbeitstags so häufig behandelt worden, daß es so zu sagen, die Spatzen von den Dächern pfeifen— es dürfte wohl fast überflussig erscheinen, darüber noch ein Wort zu sprechen. Aber, meine Freunde, ein altes Sprichwort sagti„Ein steter Trops höhlt den Stein", und vielleicht dürste es doch ße inqen, durch die Et- örterung dieser Frage heule Abend, wenn auch nicht den Stein des Anstoßes, der unserer Bewegung durch die lange Arbeitszeit hindernd im Wege steht, hinweg zu räumen, so doch dazu beizutragen, daß er recht bald ins Rollen kommt. Nun, meine Freunde! es ist gewiß eine große Bedeutung, welche die gegenwärtige Arbeiterbewegung in Deutschland hat. Wir sehen ja, wie die Wogen der Bewegung nicht nur in theoretischer Beziehung in den vielen Versammlungen, die ab- gehalten werden, um die Frage der Sozialdemokratie zu erörtern, hochgehen, sondern sehen auch, wie die Arbeitseinstellungen, das prak- tische Kampfmittel, welches dazu dienen soll, der Ueberinacht des Ka- pilais, dem Uebermuth desselben, Wiederstand zu leisten, immer mehr in Deutschland überhand nehmen, trotzdem auch von unsrer Seite mehr darauf hingewirkt wird, dap die theoretische Erkenntniß die Bahn zur Befreiung des Arbeiterftandes vollständig erst frei machen soll. Meine Freunde! Es dürfte aber doch wohl angemessen sein, daß wir uns frage», wie es wohl geschieht, daß gerade jetzt die Arbeiter- bewegung in immer größerem und größerem Maaßstabe sich Bahn bricht? Es dürfte deshalb doch auch wohl geboten erscheinen, daß wir einen Rückblick thun in die Vergangenheit ünd sehe», wie aus dieser heraus die gegenwärtige Bewegung sich entwickelt hat. Nun, wir wissen sehr gut, daß die Kämpfe der Arbeiter nicht erst von dem Heu- tigen Tage, nicht erst von dem Jahre 1363 her datiren, sondern daß jchon früher die Arbeiter, wenn auch in anderer Weise, Kämpfe durchgemacht haben, um ihr Recht zu sichern und ihre Interessen zu wahren. Diese Kämpfe haben natürlich eine immer größere Ausdehnung, sie haben an Bedeutung zugenommen, nicht alleim im Umfang der Sache, sondern auch in der Erkenntniß derselben. Jede Verbesserung der Industrie hat dazu beigetragen, ein Arbeiterproletariat zu schaffen, wie es früher niemals dagewesen ist, und dieses Proletariat ist es eben heut zu Tage, welches den gezwungenen Träger der Arbeiter- bewegung bildet. Meine Freunde! Durch die Großindustrie ist eine Konkurrenz großgezogen worden, nicht allein zwischen den Fabrikanten unter ein- ander, sondern auch zwischen den Arbeitern; die Einführung der Ma- chinen, die Anwendung der Dampfkrast haben nicht dazu beigetragen, ne Tagesmühen der Arbeiter auch nur im Entferntesten, auch nur um ein Quentchen zu erleichtern; nein, im Gegentheil; je mehr die Großindustrie fortschreitet, jemehr Verbesserunge» und Erfindungen gemacht wurden im Laufe der Zeit, um so drückender gestaltete sich die Lage der Arbeiter, um so mehr wurden dieselben zur Erkenntnis? hrer Klassenlage, zu dem Bewußtsein hingedrängt, ein Ende machen u müssen mit solchen unmenschlichen Zuständen, die nur dazu die» nen, die Sklaverei des Alterthums in weit verschärfter Form in die Neuzeit einzuschleppen. Es ist traurig, daß die Konkurrenz, die her- beigelührt worden ist und herbeigeführt wird durch jede Verbesserung der Maschinen, dazu beiträgt und beitragen muß, den Lohn der Arbeiter zu verkürzen, die Arbeitszeit aber zu verlängern. Ja, meine Freude! viel Arbeitszeit und wenig Lohn! Das ist heut zu Tage die Parole, die sich die Arbeitsherren gegenseitig zurufen, wenn es sich darum handelt, den Forderungen der Arbeiter entgegenzutreten, und wir se!>en ja: bei jeder Arbeitseinstellung, die slatlstndet, ist es das gleiche Stichwort, um welches sich die ganze Streitsrage dreht: die Arbeiter wollen eine möglichit kurze Arbeitszett erkämpfen, damit sie sich als Menschen fühlen, damit sie als Menschen leben können, und nicht unnöthig gezwungen werden, die halbe Zeit ihres Lebens im Sklavenjoch zuzubringen, sondern sich auch ihrer Menschenwürde freuen lernen. Meine Freunde! Das Entgegengesetzte bringt dieKonku-renz mit sich. In umgekehrter Weise sehen wir, wie bis auf den heutigen Tag Stunde auf Stunde die Arbeitszeit verlängert worden ist, und Gro° scheu aus Groschen dem Lohn der Arbeiter(ich möchte fast sagen) hin- weggestohlen wird. Wenn wir uns einen Augenblick zurückdenke» in die Zeit deS Mittelalters, wo es doch auch Arbetter und Meister gab, wo auch gea.beitet wurde in industrieller oder Handwerksbeziehung sowohl, wie m der Landarbeit, so sehen wir, ganz abgesehen von den vielen Feier- lagen, die ejrislirten,— die Alten waren frömmer, als die Leute heut- zutage; ich will den Arbeitern keinen Vorwurf daraus machen, daß de nicht fromm sind, es ist dies ja auch ein Segen der langen Ar- veitsteit, daß sie heute keine Zeit dazu haben, und wenn man in je- aer Zeit so fromm war, so beweist dies nur, daß man damals min- «estens in der Zeit, wo man betete, nicht gearbeitet hat; ich sag« alio, abgesehen von den vielen kirchlichen Feierlagen, die streng inne- gkhalten wurden,— deuten. lle Einrichtungen darauf hin, und beding- ten es, daß die Arbeiter im Mittelalter auch an den Werktagen nicht so lange zu aibeiten nöthig hatten als heutzutage, und der so sehr verschrieene, aus der Zunftverbindung bis aus die heulige Zeit hmeinragcude„blaue Montag" gibt den Beweis, daß die Arbeiter eher Gelegenheit zu feiern hatten, als die Handwerke zünftig bettie- den wurden, denn gegenwärtig, wo der Arbeiter nach dem Fabrik- reglement bestraft wird, wenn er eine Minute zu spät kommt, wo die Fabrikglockc das Signal gibt, wann der Arbeiter in sein Sklavenjoch «»treten muß. Bon diesem Gesichtspunkte ausgehend, will es mich doch bedüiiken, daß die Auflehnung der Arbeiter gegen einen so un- menschlichen Zustand gerechsiertigt ist und nicht minder die Forde- rung, die sie stellen, die Verkürzung der Arbeitszeit durch gesetzliche Bestiminung herbeizuführen. Nun, meine Herren, nichts ist wohl geeigneter, gerade im fZnter- esse der Arbeiter als ein segensreiches Ereigmß betrachtet zu werden, »ls wenn es gelingen möchte, durch unserc, durch die Agitation der Arbeiter in Deulschtand die Regierungen zu zwingen, die Arbeitszeit gesetzlich zu verkürzen; wenn es uns gelänge, die IS— k8>tündige Ar- deitszeit, die theilweisc an verschiedenen Orten in Deutschland noch stattsindet, in eine lö-stündige umzuwandeln. Aber, meine Freunde, ist ja auch unbedingt nolhwendig, daß wir in dieser Beziehung in Deutschland einmal den Ansang machen, und ich möchte fast sagen, endlich einmal hinter den Arbeitern anderer Länder herhinken, die uns in dieser Beziehung gewallig voraus sind. Es ist gar keine Frage, daß unter den industriellen Großstaaten Deutschland bei »em niedrigsten Lohn die längste Arbeitszeit kultivirt hat. Erlauben wir uns, eine Umschau zu halten über die Kulturlän- der, in denen die Großindustrie auf den Höhepunkt gestiegen ist, blicken wir zuerst hin auf das Land, welches von allen Nationalöko noinen als das industriell am weitesten vorgeschrittene Land bezeichnet wird. Blicken wir aus England. Da sehen wir, daß dort ein gesetz- üch normirler Arbeitstag bereits eingeführt ist. Die Arbeiter in Eng- land ha�en seit IVOiZ, also seit 70 Jahren, gegen die übermäßige Ar beits,eit ge.ämpft, und noch ist dieser Kampf nicht abgeschlossen. Im Jahre iKz kam dort das erste Gesetz zum Schutz der Kinder und lungeren Arbeiter gegen die maßlose Ausbeutung durch lange Ar- beitszeit in Anwendung. Zwar noch nicht in allen Fabriken, doch es wurde durch die Einsetzung von Fabrikinspektoren mindestens ernsthaft darauf geachtet, daß in ven vom Gesetz betroffenen Baumwollen-, Wollen-, Flachs- und Seideniabriken Kinder unter st Jahren gar wicht, Kinver von 9—13 Jahren nur 8 Stunden, und Personen von 13—19 Jahren nur 19'/, Stunde täglich arbeiten durften, und die Nachta beit für diese gänzlich verboten. Im Jahre 1814, 1847 und Isistt wurvcn diese Gesetze theilweisc verschärft, und auf weitere Industrie- Zweige und alle Frauen ausgedehnt, so daß immer größere Arbeiter- kreste diesem gesetzlichen Einfluß unterstellt wurden. Und im Jahre 1881 endlich wurde der Normalarbeitstag von 1l> Stunden auch für kleinere Werkstellen und die Hausindustrie gesetzlich eingeführt; freilich nur für so. che Etablijsements, in denen Frauen oder innge Personen unter 13 Jahren beschäftigt waren, allein die segensreichen Wirkungen bieses Gesetzes kommen nichtsoeftoweiiiger auch de» älteren Arbeitern zu Gute, weil es für den Fabrikanten in vielen Fällen unmöglich ist, nach Austritt der Frauen und Kinder aus den Fabriken, die Männer allein weiter arbeiten zu lassen. Deshalb ist auch in vielen Fabriken die Frauen- uns Kinderarbeit aufgegeben, und dafür die Schichtarbeit der Männer eingeführt worden. In England sehen wir also eine ganz selbstständig vorgehende Fabrikgesetzgebung zum Schutze der Arbeiter eingeführt, und den zehn- stündigen Normalarbeitstag, als das Ergebnis dieser Gesetzgebung. Wir sehen, wie unabhängige selbstständige Fabrikinspektoren darüber wachen, daß nicht durch die Minutenmauser unter den Fabrikanten das Gesetz umgaiigen oder illusorisch gemacht wird. Was in Eng- land nur langsam, gestützt auf praktische Erfahrung und auch dann noch n.chl radikal geschah, sehen wir in Frankreich durch die Revolu- tionsepoche von 1949 mit einem Schlage erreicht, und wenn auch '«cht eine IK-ftünsige Arbeitszeit, so doch einen Normalarbeitstag von 13 Stunden herbeigeführt, der alle Arbeiterkreise, alle Industriezweige umschließt. Aber, meine Freunde, weiter noch als England und Frankreich sst Amerika in dieser Richtung. Wenn schon die Gewerkvereine, die Trades'-Unions, in England durch ihre Agltalio» viel zur Verkürzung der Arbeitszeit beigetragen haben, so ist es denselben allein zu danken, baß die Gesetzgebung in Amerika der Dreitheilung des Tages in 9 Stuw ben Arbeit, bei 8 Stunden Erholung, Ruhe und 8«tunden Schlaf ihre An rrkennung gegeben hat, indem dortalsNorinalardeilszeit indenStaatSwerk- stälten fauf den Schiffswerften und in den Arsenalen, kurz in allen Etablisse- menls)die von SlaalSwegen geleitet werden, d ic 8 st ü n d i g e A r b e i t s z e i t kingeführt ist. Und wenn die Privalindustrie�in Amerika sich auch Uli«, dlrch dagegen sträubt, die Arbeitszeit auf 8 Stunden zu beschrän- ken, so ist das doch nur eben eine Frage der Zeil und die Arbeiter werden bei der ersten besten sonstigen Gelegenheit sich schon diese Ar- beitsziit von 8 Stunden auch in der Prioatindustrie erringen. Die Arbeiter in Amerika sind ebenso wie in England durch die großartige Organisation der Gewerlvereine eher besähigt als in Deutschland, durch Arbeitseinstellung eine Verkürzung der Arbeitszeit zu erzwingen und sie sind überall auf dem besten Wege hierzu.— Nur in Deutschland haben die Arbeiter bis»och vor kurzer Zeit, ich möchte fast sagen, die große Masse auch heute»och, die Schlafmütze solange über das Ohr gezogen, daß sie ihr eignes Interesse nicht einzusehen vermochten. Noch 'st es nicht gelungen, die große Masse der deutschen Arbeiter dahin zu bringen, daß sie durch so einmüchiges Dräugen, wie das in Amerika und England der Fall ist, eingetreten sind sür Verkürzung der Ar- beitszeit. Nun, meine Freunde, hoffen wir, daß im gegeuwärtigen Augen- blicke, wo aufgeklärte Acbeiierkretse diese Frage in ihren Versammlungen rrortern, wo die Vereine es sich zur Aufgabe gemacht haben, dafür ein- zutreten, wo einzelne Arbeitszweige im offenen Kampfe gegen das Ka dual für den Normalarbeitstag von 19 Stunden stehen, endlich der geeignetste Zeitpunkt gekommen sein dürfte, auch nach dieser Richtung zum Heil per Arbeiter in ganz Deutschland thätig zu sein. Und sage """r uns nicht, wir sollten die Arbeiiermasien nicht ausregen, uichl zu etwas verleiten, wozu sie selbst nicht einmal Lust haben. Das ist ein wörichter Einwand; ob die große Masse Lust hat oder nicht, das Ell uns vor der Hand wenig kümmern, es kommt zunächst daraus an. iu koustatiren, daß die Forderung eine berechtigte und gerechte ist. Sie wissen, meine Freunde, aus statistischen Tadellen, wie gerade die Lebens- dauer der indultriellen Arbeiter auch in Demschland eine so kurze ist, daß es uns mit Schauder erfüllen muß, wenn wir darüber nachdenken, datz im Durchjchnul lein Arbeiter älter wird, als 31 Jahre. Das ist wirklich eine betrübende Lehre, die unS durch die Statistik geworden 'st, und die eigentlich eine so durchgreifende Wirkung aus alle Arbeiter- kreise haben müßte, daß Jeder, der dies einmal weiß, Zähne und Nä- gel daran setzen sollte, eine Besserung dieser Verhältnisse herbeizusüh- ren. Während die«lassen der Bevöllerung, die gar nicht arbeiten, oder deren Arbeil nur nominell ist, z. B. im Koupoiradschlleideu be steht, einer viel längeren Lebensdauer sich erfreuen, so daß die Rentiers ».«. ein Durchschnursalter von 66'/, Jahren erreichen, werden die Ar- beuer kaum halb jo alt, ist das Durchjchirillsaller derselben nur 31 Jahre! Nun, meine Freunde, ist das nicht ein Beweis dafür, daß die Ar- bester durch die lange Arbeitszeit theilweisc bis zum Slelet ausge- wergelr werden uud rncht so viel verdienen, daß ste die Kräfte, die sie verbrauchen, wieder zu ersetzen im Stande sind und darum nach so kurzer Zen ins Gras beißen müssen? Die lange Arbeitszeit ist also »uch der meirfchlichen Natur widerstrebend. Wenn dem so ist, wer will uns verdenken oder wer will überhaupt der Forderung, die wir stel- wn, die Berechtigung ablpreche», wenn wir sagen, wir wollen, stau wie �ge»wältig 13, 14 ja 16 Stunden, nur 19 Stunden arbeiten. Meine Pfunde, wenn wir in den 19 Stunden auch nicht mehr verdienen als aeaenwärtig, wenn wir nur so viel verdienen, al« nöthig '!>, uns«» Hunger zu stillen, dann arberlen wir auch 2 Stunden weniger, wir opfern 3 Stunden weniger Arbeitskraft und Lebenssaft und machen in den 2 Stunden, die wir weniger arbeiten,'nicht den Geld- sack der Großindustrie voll und geben dadurch dem großen Kapital nicht immer mehr Mittel an die Hand, um uns tiefer und tiefer her- unterzudrücken.(Bravo!>_(Fortsetz, f.) Achim, 2. September. M u st e r sta at l i che s.AmJahrestage von Sedan, derGefangennahme Napoleons, erlaubeich mir, Ihnen eineGeschichte mit- zutheilen, welche darlegen mag, wie im Musterstaat die Gefangenen, welche keine Bonaparte's sind, behandelt werden. Heute vor einem Jahre wurden wir, Arbeiter in Burgsteinfurt, durch Schließung der Fabrik zur Jubelfeier abkommandirt. Infolge verschiedenartiger politischer Kundgebungen an diesem Tage kam es zu einem Tumult und drei Arbeiter wurden verhaftet. Schreiber dieses gehört zu den Dreien. In der Haft haben wir n cht„Brov und Wasser", sondern von Sonnabend Abend bis Montag Abend nur zwei Bierflaschen voll Waffcr geliefert bekommen. Von Sonnabend bis Sonntag Abend waren wir zwei Jnhaftirte, dann wurde uns noch ein dritter zugesellt. Die Pritlche, die wir zum Nachtlager hatten, bot kaum für zwei Mann Raum, und wir mußten die zweite Nacht nicht neben-, sondern aufeinander liegen. Wir hatten nur einen Bebäl- ter zur Befriedigung unserer Bedürfnisse; trotz mehrfacher Bitten, die- sen ausleeren zu dür>en da wir es vor Gestank nicht aushalten kann- ten, durften wir dies nicht eher, als bis wir ins GertchtSge- fängntfl abgeführt wurden. Auf unsere mehrfachen Vorstellungen wegen Verabreichung von Nahrungsmitteln wurde uns stets vom P olizeidiener, unter dessen Allmacht wir standen, zur Antwort: „Laßt Euch doch aus Euerm Kosthause holen!" Bei meiner Entlas- sung, welche eine provisorische sein sollte, sagte der Staatsanwalt: Da bis dato gegen Sie keine Anzeige oder Anklage erhoben ist, so sind Sie vorläufig entlassen, aber hüten Sie sich, sich von hier zu ent- fernen". Ich erwiderte ihm, daß ich bereits vernommen, daß ich, wenn ich das Gefängniß verließe, arbeitslos würoe; da antwortete der Herr Staaisanwalt:„Dann kommen Sie wieder zu mir, ich habe Arbeit für Sie."— Ich sagte, daß mir dies uichr einfalle, worauf er er- bittert ausrief:„Versuchen Sie dies nicht! Sie wissen, der Gesetzesarm geht weit; Sie werden per Schub wieder hergebracht." Richtig wurde ich, als ich die Fabrik betrat, entlassen; aus meine Vorstellungen weshalb, und daß mir über meine Arbeit noch nie ein tadelndes Wort gejagt worden sei, antwortete der Obermeister:„Blos wegen J.,res internationalen sozial-republikanischen Krams. Solchen Blödsinn können wir hier nicht brauchen." Es wird dies Keinen Wunder nehmen, welcher weiß, daß der Fabrikant eine Tochter vom Landrath, der Bürgermeister eine Schwester vom Fabrikanten hat. Da ich nun gänzlich mittellos war, so mußte ich abrelsen, ohne gegen den den Gesangenwärter spielenden Polizisten Schritte unternehmen zu können. Da ich bis zum 1. November ar- beilslos war, so hatte ich, als ich solche erhalten, wenig Muße, oder besser gesagt, ich war zu abgestumpft, um einen Kampf gegen diese Sorte Justizvertreter zu unternehmen; daher komme ich so spät mit obiger Notiz. Döbeln. Versammlung. Am 15. d.M. fand hier eine so über- aus zahlreich besuchte Volksversammlung statt, daß der Saal und Garten der„Mulden- Terrasse" kaum die anwesenden Arbeiter und Arbeiterinnen zu fassen vermochte. Die Parteigenossen JmhofundPork referiiten über den Dresdener Congreß und legten unter großer Auf- merksamkeit der Arbeiter die Bestrebungen und Ziele der sozial-demo kratischen Arbeiterpartei klar. Dagegen versuchten im Nebensaal eine Handvoll Leute, als Schullehrer damit natürlich ihrem Berufe alle Ehre machend, durch unanständiges Betragen und überlautes Pokuliren die Versammlung zu stören. Zn feige oder zu dumm, ihrer gegentheiligen Meinung in öffentlicher Versammlung Ausdruck zu geben, machten dieselben ihrem gepreßten Herzen in einer ihrem Bildungsgrade angem ssenen Weise Luft. Leider mußte der unerträglichen Hitze wegen die Ver- samm ring eher geschlossen werden als dies erwünscht war, denn lange Zeit nachher noch war das Lokal von Arbeitern überfüllt. Der gedrückten Lage der Arbeiter an diesem Orte, und dem da mit zusammenhängenden Abhängigkeitsgefühl ist es wohl zuzuschreiben, daß bislang nach nicht günstigere Resultate in dieser Gegend er- zielt sind. Mögen die Parteigenossen in der Umgegend nicht vergessen, daß hier noch ein guter Boden für unsere Bestrebungen brach liegt. Lnckenwälde, den 39. August. ES beginnt auch hier wieder zu tagen. In einer hier am 26. August stattgehabin Volksversamm- lung, welche von cicra 899 Personen besucht war und in welcher Hr. Metzner aus Berlin aus unsere Einladung über den Normal- Arbeitstag und die Arbeitseinstellungensprach, wurde folgende Re- solution einstimmig angenommen: „Die heutige Versammlung erklärt: mit allen Mitteln für „Einiühruilg des Normalarbeitstages zu wirken, unterstützt alle „dahinziclenden Arbeitseinstellungen, verwirft dagegen alle un- „organisirten Arbeitseinstellungen und fordert auf zu gemein- „samer Vereinigung aller Arbeiterbranchen auf internationaler „Giundlage." Nach der Versammlung gaben viele der anwesenden Mitglieder das Versprechen, den Arbeiterverein beizutreten. Mit sozialdemokratischem Gruß W. Eberhardt. z. Z. Vorsitzender des Luckenwalder Arbeitervereins. Löflmtz. Donnerstag, den 2. August berief der sozial-demo- kratitchc Arveiterverein Hierselbst eine Volksversammlung ein, zu welcher Herr A. Jmhof als Referent da war.— Unter dem zahlreichen Besuchern befand sich auch ein Pfaffe.— Nachdem der Referent Jesus als unfern Borgängerund Parteigenossen bezeichnet hatte, rückte der Pfaffe wie phantastrend auf dem Stuhle hin und her und sagte: „Diener, Diener!"— Nachdem der Referent seinen Vortrag gehalten. wurde znr Opposition aufgefordert.— Es wäre hier unbedingt des Pfaffen Pflicht gewesen, das Wort zu ergreifen und den Redner zu überweisen. Da er aber das nicht konnie, mußte er ganz ruhig abhalten und es blieb bei den bloßen Worten:„Diener, Diener!"— Stollberg. Der hiesige„Arbeiter-Bildungs-Berein" hat sich nach längerem Stillsein neu konsrituirt.') Briefe sende man: Eh. Friedrich Frenze!, Rechte-Brückenstraße. � Motto: Das war eine köstliche Zeit! RegcnSburg, 11. August. Erst sprach Uhlich von Magdeburg vor einer ziemlich gut besuchten Versammlung und zwar nicht, wie er im„Sonntagsblatt" aoisirtc, über die„Arbeiterfrage", sonder» über den gegenwärtigen„religiösen Wirrwarr" und behandelte dieses Thema, abgesehen von seinem pantheistischen Standpunkt, ziemlich ra- dikal. Unter andern drohte er sogar den Stolzen, Reichen und Herr- schenden und sagte, es sei die Zeit wohl nicht mehr recht fern, wo es zwar diesen nicht mehr, der verachteten Masse aber um so besser gefallen werde. Gefiel schon dies den hiesigen L— überall— en nicht, so verdarb er es erst gründlich mit ihnen, als er nach dem Vortrag eine ernste, all- gemein verständliche Mahnung an die Könige ergehen ließ. Die Folge wird sein, daß Hr. Uhlich in Zukunft nur durch die Arbeiter wieder berufen werden kann, benn die Besitzenden steuerten schon dich- mal gezwungen und blutwenig bei. Ein weiterer Genuß erwartete Regensburg am 8. ds. durch einen Vortrag des Herrn Dr. Mar Hirsch aus Berlin. Der dem Vortrag vorhergehende Verkehr mit dem genannteir Hrn. ließ einen humanen Gegner erwarten, leider nahm aber Herr Hirsch während desselben nicht als Gegner, sondern als bitterer Feind des Sozialismus Stellung. Es würde zu weit führen, den anderthalbstündigen Vortrag zu verfolgen, es war nach einigem Fraternisiren mit dem demokratischen Prinz p, wofür der Redner sich ein halb Dutzend mal entschuldigen zn müssen glaubte, um ja nicht in den leisesten Verdacht des Sozial- demokratismus zu kommen, das bekannte Sand in die Augen streuen Liberaliens, das Befürworten der Selbsthilfe, Selbstbildung»c. Daß aber alle Selbstbildung, Selbsthilfe und Anstrebung meiischenwürdiger Zustände vergebens ist, wenn die Regierungen und Volksvertretungen in ihrer heutigen Zusammensetzuilg bestehen bleiben, das ichien Herr 'Esch gar nicht zu ahnen.— Over wie? wird Herr v. Mühler der „onfesstonslosigkeit und das Großkapital den aufstrebenden Produktiv- genofsenschasten das Feld kampflos nberlaffen, oder Alles aufbieten, um der gewonnen Selbstbilvung zum Trotz, diese Bewegung mit aller Kraft daniederzuhalten? ») Derselbe tritt der Parteikasse bei. Der Herr Doktor verläßt sich immer auf das Appelliren an die Starken im Staate und hofft von diesen die Gewährung der Mög- lichkeit, bessere Zustände einzuführen, sagt aber kein Wort darüber, daß es ein unveräußerliches Recht jedes Menschen sei, an seiner ei- genen Regierung vollen Antheil zu haben und seine bindenden Gesetze sich selbst zu geben, nicht geben zu lassen. Sehr erheiternd war die'Argumentation, jeder Arbeiter könne reich werden, er möge nur etwas erfinden, z. B. wie Borsig Liebig zc., wie daß die Besitzenden fast durchweg Intelligenzen ihörr! hört!) seien. Die Heiterkeit verschwand jedoch plötzlich, als der Red- ner, auf den Sozialismus übergehend, durch vie liberale Behauptung seine Worte krönte: Die Sozialisten seien Mörder und Brandstifter (Paris), die größten Feinde des persönlichen Eigenthums und hätten darum alle Klassen zu Gegnern. Das war stark! eine ganze Partei mit Mördern und Dieben vergleichen, nur sich selbst sür infallibel zu halten! Hierüber etwas zu sagen ist unnöthig, sondern blos auf die Definition von Individualist und Kommunist in Nr. 64 des„Bolksstaat" zu verweisen. Nach der Rede des Hrn. Hirsch forderte der gern demokratelnde terr Vorstand in prooocirender W.-ise den einzigen anwesenvcn ozialdemokraten zur Gegencede auf. Als stch uun kein w iterer Redner meldete und Herr Dr. Hirsch die Vorstanoschast ersucht hatte, über seiueil heutigen Vortrag im Oc- gan zu referiren, nicht wissend, daß dec hiesige Arbeiter-Forlbiidungs- verein den„Gewerkoerein" auf Antrag des Vorstandes und laut Vereinsbeschluß gar nicht mehr hält, sowie für den jüngst in Berlin von Kapitalisten gegründeten Arbeiterfortbilduugs-llnter- stützungsverein Propaganda gemacht hatte, wurde die von Hrn. Dr. Hirsch selbst als die„ällerschwächste" vor der er je gesprochen, bezeich- nete Versammlung, geschloffen. Nürnberg, 3. September. Am 31. August d. I. berief dw Ge- werkverein dec Schreiner(Hirsch-Ouncker'scher Richtung) eineArbei terversammlung ein mit der Tagesordnung: Der Strike dec Ver- liuer Tischler. Nach Eröffnung der Bersaminlung ergriff, da Nie- mandem das Referat übertragen war, der Sozialdemokrat Auer das Wo.t, beleuchtete die Ursache und Wickung des Strikes, verlas die bekannte Resolution der Maurer- und Zimmecmeister unv erklärte, daß der Strike ein von Natur aus gerechlsettigter sei und nicht van sozia listischen Umtrieben herrühre und forderte aukzum allgemeinen Kampfe gegen das Kapital. Sozialdemokrat Meinitsck unterstützt den Vor- redner, erklärt, daß schon große Männe- mit der sozialen Frage stch beschäftigten, jedoch infolge ihrer egoistischen Zwecke niemals sich den Anforderungen der Arbeiter auch nur näherten. Herr Röthlings- höfer(Hirsch-Duncker) bemühte sich vergebens, seinen, wie er sagte, gegnerischen Vorredner zu widerlegeu, griff auf den alten Zunftzopf zurück und verirrte sich schließlich ms zur„Theilung"; er wuroe jevoch von den Vorrednern Auer und Meinitsck so gründlich wioerlegl, datz er bei nochmaligem Ergreifen des Wortes nicht einmal von seinem Verein unterstützt wurde. Zudem ist Herr Röthlingshöser Kleinmeister älteren Styls. Ein von Auer eingebrachter Antrag, d ihinlautend:„daß von allen hier vertretenen Parteien ein Komitee zur Sammlung freiw lliger Beiträge zu wählen sei", wurde von der von zirka 399 Mann besuchten Ver- sammliiitg mit allen gegen fünf Stimmen angenommmen. Kiiltngen, 6. September. Ucber die Fartfchritte der Partei hier am Orte kann ich Ihnen nur Gutes berichten. Der hier bestehende „Arbeiter-Bildungs-Verein" hat sich den Namen„sozial-demokrati- scher Arbeiterverein" gegeben; in Folge dessen traten eine kleine An- zahl Anhänger der Bolkspaitei aus, was uns nur angenehm sein kann. Die Mitglieoerzahl ist zwar durch den Krieg uno seine Nachwehen etwas geschmolzen, sie steht dafür aber um so fester. Letzten Samstag hielt der freireligiöse Agitatsr Schuster aus Karlsruhe in der„Traube" eine sehr stark besuchle Veriammlung ab. Er kritisirte Lassalle und Schulze und fand, daß Beioe den Arbeitern nicht helfen könnte», am meisten aber ichlug er aus die Sozial- demokraten, welche er als die gefährlichsten Gegner der Arbeit hin- stellte. Die Pariser Kommune malte er als das Schauerlichste, was je existirt, ab. S.ane Reden verfingen aber nicht, sehr wenig Beifall wurde ihm zu Theil. Parteigenosse Holzmarth entgegnete Schuster, widerlegte ihn Wort für Wort und wurde dafür von der Versamm- lung bei jedem Satz mit' dem stürmischsten Beifall unterbrochen. Er brachte zum Schluß eine Resolution ein, welchejingesäir dahin lautete: „Konfessionen oder Religionen sind nicht im Stand, die soziale Frage zu lösen, ebensowenig die auf sogenannten Humanitären Grunosätze» beruhenden Gesellschaften: dies kann vielmehr einzig und allein ge- schehen du-ch Berwirklichnng des Programms der sozial-demokra ischen Arbeiterpartei." Diese Resolution wurde mit Ausnahme weniger Bourgeois von der Versammlung angenomme». Viele Arbeiter ver sprachen, dem Vereine beizutreten. Die Bewegung ist jetzt in Fluß gekommen und wird Eßlingen bald eine feste Stütze der Partei wer den. T h. B. Hamburg*), 6. Sept. Am 4. September hielten wir hier eine gutbesuchle allgemeine Tischlerversammliing ab mit der Tages- ordnung: Ij Abrechnung über noch vorhandene Gelder der Arbeitseiustel- lung in Kiel, sowie deren Verwendung— 2» Die Arbeitseinstellung der Tischler Berlins. Zum Vorsitzenden wurde der Einbcrufer, Herr H. Bammann. zum Schriftführer Unterzeichneter gewählt. Die Abrechnung wurve genehmigt und beschlossen, das noch vorhandene Gelo im Betrage von 9 Thlr. 18 Scjr. sofort den Berliner Tischlern zn übersenoen; dann wurde über die Arbeitseinstellung der Letztern cge proiheii, die Noth- wendigkeit der Unterstützung betont und zugleich gerügt, daß nicht schon eher etwas in der Sache gethan wäre. Hierauf wurde ein An- trag zur Bildung eines permanenten Agitationskomitees, aus 7 Personen bestehend, angenommen und solzende Herren d azu gewählt: Beck, Prep, Drewien, Haustein, Eggers, Kurz uno Unter- zeichneler. Schließlich wurde bestimmt, Sammelbogen zirkuliren zu lassen und das einkommende Geld jede Woche den Sinkenden zu übersenden; zum Kassirer wurde Herr Prcy gewählt, dann wurde die sich durch Ruhe und Ordnung auszeichnende Versammlung gejchlossen. Am folgenden Abend wurde iu dcrKomitee-Sitzuncg beschloffen, regelmäßig jeden Sonnabend eine allgemeine Tischleroersamm- lung abzuhalten. E. Paulssen, Tischler. Leipzig. Seit bereits einem Jahr sind dec Reoaktion des„Volks- staat" eine Reihe Klagen in Hinsicht auf das hiesige Schulwesen zu- gegangen, wegen Mangels an Raum jedoch nicht genügend berückstch- tigt worden. Auf erneute Anregung geben wir vor der Hand unfern Lesern iolgenae Punkte zur Beurthcilung: In der 2. Bürgerschule soll beim Singen der Violinbogen an den Köpfen der Schäler fleißig probirt werden; ja, aus zwei Mittheilunzen ersehen wir, daß ein Schüler blutig, ein anderer so mit Ohrfeigen bedacht worden sein soll, daß die eine Seite ves Gesichts Tags darauf ganz an- geschwollen war. Doch was dem Ganzen die Krone aufsetzen würoe, wäre das: Ein Bater läßt seinen Sohn, um ihn vor solcher Justiz zu retten, durch den Direktor der Anstalt vom Gesangsunterricht bis- pensiren; der betreffende Lehrer zwingt ihn aber bald darauf, an den Gesangsstunden wieder Theil zu nehmen. In Betreff der Berlegung der Rathssreischule an das äußerste Ende der Stadt stimmen wir ganz oem amtlichen Bericht bei, denn auch wir sind der Meinung, daß eine Anstalt, welche von Kin d.wn aus allen Theilen der Siadt besucht wird, möglichst in der Mitte gelegen sein muß. Allein die Lokalitäten waren„nicht mehr gut genug";„es sehlte an Licht" u. dergl. mehr, und deshalb mußten dieKinder hinaus--— an das schöne stille Rosenthal. Nun soll aber in das verlassene Gebäude die neue höhere Töch- terschule gelegt werden! Siehe, die Töchter der Vornehmen müssen ihre Schule möglichst im Mittelpunkt der Staot haben, die Kinder der ärmeren Bürger sind schon mehr an Strapatzen gewöhnt und können schon ein halbes Stündchen weit zur Schule gehen.— Auch über die Besetzung der besser dolirten Lehrerstellen hört man Verschiedenes. Mancher Vetter dü fte dabei w eder Versorgung finden, wie schon neulich Einem von seinem Vetter Stadtrat; Zusicherung ertheill worden sein soll.— Wir benuven diese Gelegenheit, um oiffeni- aen Leipziger Lehrer, welche der Schule eine von der Cliquenwirth- schaft unabhängigere Stellung wünschen, auszuforderu, Lgre das Schulwesen betrefseuden, sür die Oeffentiichkeit sich eignenden Anliegen vre Redaktion d. Vl. mitzutheilen. *) Dieser Bericht, der an den„Vo ksstaat" und„Sozialdemokrat' gleichlaute, it> abgesandt worden ist, kam erst Freilag Morgen hier an R. d.„V." dog egcn zu Ticnern und Sftoden Jenes macht. Im jitzi�lN Verlchr zieht oftnols der mühelose Brntz den tlsten Thiil des GUnhUlsus an fch, während die wühlvodc Artcit nnr einen lärglichen Lohn da- vonträgt; wird ojt die lustige Kunst, die einem eitlen Einnrnrausche sröhnt, mit Zausenden belohnt, während die schwirlige Hand des Arbeiters, die das ftoth- wendigste snr die Grscltschast bereitet, ihm selbst kaum die uvthdürstigste Cristenz zu schastr« im Stande ist. „Bai Inn öUenohtsien Nommunieuius, dem sogenamnen Theilungskommuniemus oder dem System der gleichen Ver- theilung oller Güter unter die Menschen, spreche ich hier nicht, da diese Form einer weit siühern Stufe der Gesittung ange- hört, gegenwärtig aber von keinem leiuzigeu lommuuisti scheu Systeme advplirt wird. „Tie Sache praktisch betrachtet, scheint also so Viel ge- wiß.dast, wenn überhaupt eine völlig veränderte Organisation der gesrllschastlichen und Lerlehrsverhältnisje früher oder später uolhwnidig werten sollte(eine Möglichkell, die ich wenig- stcns nicht unbedingt leugnen möchte), diese uns zunächst wohl nur zu einer Gestallung der Dinge im Sinne des Soziais- muS führen dürfte, d. h� zu einer rationrUercn sttcgrlung der Arbeits- und Erwerbsverhältntsse, jedoch nul Beibehaltung des Gruudvcrhältnisjes selbst, der direkten Bezie- hung zwischen der Produktion und Komsumtion des Einzelnen, und daß es dann erst wieder einer weiteren, vielleicht sehr langen Bildungszeit bedürfen möchte, bevor es der Gesell- schast möglich werden könnte, anch diese Schranke niederzureißen und die letzten Konsequenzen des Frei- heitsgcdankcns, wie der Kommunismus sie ausstellt, zu verwirklichen." Karl Marx hat an den Redakteur des„Journal des Debats" folgenden Brief gerichtet:„International Working Men'a Association 256, High Holborn, London.— W. C. 30. August 1871. Herr Redakteur! Ter Sekretär des Generalrathcs der Jnteniationalen, Herr John Hales, hatte in „Taily-Rcws" von heute gelesen, daß Herr Renaut der Jntcr- nationalen ein Manifest unterschiebt, welches die französischen Bauern auffordert, sämmtliche Schlösier niederzubrennen, und so fort an Herrn Bigot, den Bertheidiger von Assy, das folgende Telegramm gesandt:„Die zum Brennen auffordernde Prokla mation, welche als von der Internationalen ausgegangen bczeich net wird, ist eine Fälschung. Wir sind bereit, diese Erklärung vor englischen Behörden abzugeben." Im Anschluß hieran be eile ich mich, dem französischen Volke durch die Vermittelung Ihres ehrenwerthen Journals mitzuthcilcn, daß alle Manifeste, die in Paris unter der Firma der Internationalen seit Einrücken der französischen Truppen verbreitet wurden, ohneAusnahme Fälschungen sind. Ich ver bürge die Wahrheit dieser Erklärung nicht allein durch mein Ehrenwort, sondern ich bin auch bereit, eine dahin gehende eidliche Aussage vor Englischen Behörden abzugeben. Ich habe Veranlassung zu glauben, daß diese iusa men Produkte nicht direkt von der Polizei, sondern von einem gewissen H. B... ausgehen, der Mitarbeiter eines Journals ist, das in die Ordnung gehört, welche das Tory- Organ, der „Standard",„Organe der Dcmi-Monde" benennt. Empfangen Sie«. K. Marx." Wie wir neulich schon von Genf erfuhren, und uns nun auch aus London mitgctheilt wird, befinden sich viele der zahl reichen kommunalistische» Flüchtlinge in äußerster Roth und sind dringend der Unterstützung bedürftig. Ter Breslauer Antrag. Hamburg. Zur Partei-Steuer-Frage sei bemerkt, daß ich auS latnjchen Gründen nicht die Anschauung der Breslauer Mitglieder theile. Es ist piinsip ell richtig, Jeden nach seinem Einkommen, be- ziehentlich unter Rücksicht auf die Glöße jeder eiuzelnen Familie zu besteuern, allein es würde die Parteiagilation vorerst ungemein er- schweren, wollten wir den neueintrelenden Mitgliedern zuerst die Frage nach der Höhe ihres Einkommens vorlegen, dann denselben unsere Steuerscala erklären und endlich nach Schluß dieser Verhandlung ihnen die Mitgliedskarte nebst Beitragsquittiing verabfolgen. Eine lebhafte und erfolgreiche Agitation kann beim Volle nur unier bestimmten, leicht verständliche» Normen vor sich gehen. Zu diesen Normen gehört zu- nächst eine feste Minimatbeilrogsquote, welche übrigens nicht ausschließt, daß sich die einzelnen Parteimitglieder möglichst selbst besteuern und die Höhe ihrer Beiträge durch ihr Einkommen bestimmen lassen. So hat dies auch der Stuttgarter Kongreß empsohlen. Gehen wir jetzt nicht weiter, abgesehen davon, daß wir es ohne Verstoß gegen unsere Parteistaluten nicht können. Die Einkommensteuer ist keineswegs der Zauberstab, wo- mit wir„aller sonstigen Finanzoperationen" enthoben werden. Dieser Zauberstab ist vielmehr die gewissenhaste Zahlung aller fälligwerdenden regelmäßigen Parleibeilräge. Gehen letztere pünktlich ein, dann können wir getrost aus sonstige Geldsammlungen verzichten, während wir dies sicherlich nicht durch die Einsührung der obligatorischen, direkten und progressiven Einkommensteuer vermögen. Was diese an Geld der Kasse einbrächte, würde sie durch Belastung der Agitation derselben Kasse entfremde». Halten wir darum aber doch in unseren Reihen am Prinzip der progressiven Einkommensteuer fest, pochen wir darauf, wo dasselbe— wie bei einer in unserer Lage nnvernicidlichen Exlrasteuer zum Besten der Partei— ohne Statu lenbruch und ohne Verwirrung zu bereiten, angewandt werden kann und muß.— Um die von Breslau vorgeschlagene Einkommensteuer für die Parteigenossen verpflichtend zu machen, bedarf es nicht nur eines Koitgrcßbeschlusse«, sondern auch einer Urabstimmung. Einzelne Mitglledichasten habe» nicht das Recht, einzelne Mitglieder zu der vorgeschlagenen Steuer zu zwingen, bevor Kongreß und Urabstimmung nicht entschieden haben. Bis dahin tritt an Stelle des Zwangs sür alle der gu e Wille und die gute Einsicht d-s E.nzclnen. Möge man dies beachten, um jeder Nergelei aus dem Wege zu gehen. August Geib. st) Es handelt sich nicht um eine obligatorische Progressivstcuer, die sich auch kaum durch Kongreßbeschluß durchführen ließe. 2) In den einzelnen Vereinen und Mitgliedschaften steht der Einführung der Progressivsteuer nichts im Weg. Das Bedenken der Siatutenverletzung wird einfach dadulch beseitigt, daß es Jedem, der sich aus d.n Buchstaben steift, freigestellt bleibt, den statutarischen Partei beürag zu zahlen. 3) Jetzt haben wir schon eine Progressivstcuer, nur in rohster Form, insofern der statutarische Beitrag das Maximum ist, unter welches der Ausschuß nach Äritdünken, je nach Abschätzung der Leistungs- fähigkeit derParleimitgliedschaften stufenweise hinninergreist. An Stelle dieser unvotikommeneii, und mehr oder weniger witlküilicheii Progressiv- steuer svll eine methodische und gerechte Progressivsteuer gesetzt weiden — da« ist Alles. W. Liebknecht.j Internationale Metallarbeiterschaft. RÜNlbtt'g. Die HiugUrder dayier yaden bifajiünen, bis Mitte oder Ende Otivber in Frantsurt a/M. einen Kougrrf; abzuhalten, und ersuchen wir den Voron sowie die Milgliebschasten, darüber zu be- rächen und gleich an den„Bolksstaat" die betresienden Vorschläge ein- zusenden. Im Falle der„Vollsftaat" Z u st i m m u n g e n der meisten Mitgliedschaften veröffentlicht, so hätte der Vorort den Kongreß end- gillig auszufchreiben. Die Gewerkschaft neu und fcster zu organisiren ist von Nöthen. Die Verwaltung. Die Adresse au die Komrolkommission ist von nun an: Seischab, „goldner Baum" Lammsgaffe. Auch sind die 3 Exemplare des„Vor- böte" von nun an dahin zu schicken. Wien. Sämmtliche» Klavierniacher-Gehilfen Deusichlands diene ,ur Nachricht das; jetzt i» den meisten Wiener tzlavierfabriken StritrS organifirt werden, und warnen wir deshalb vor Zu- zug währei> d der Dauer eines Monals, da bis dorthin sämmtliche Slrtkes hoffentlich beendet sein werden. I. A.: Anton Figl, Schriftführer des Fachvereins sämmtlicher Mu- sikinstrnmenienmacher Wiens. Elberfeld, 9. September. Albeiter, Brüder! In einer am 6. d. abgehaltenen Versammlung der Reimann u. Meyer'schen Westen- weder wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, die Arbeit sofort einzustellen, infolge der Halsstarrigkeit der betreffenden Fabrikanten gegenüber den gemäßigten Forderungen der Arbeiter. Unsere Forderun- gen lauten: 1) Eine sofortige Lohnerhöhung von 25°/„ kür alle Arbeiten. 2) Vergütung für die so häufig voikommcnden unbezahlten Ar- beiten, welche d>n W,ber im Verlauf der letztin Zeit gänzlich an den Bettelstab gebracht haben; betreffende Aibeilen werden nach dem Durch- tchnitislohn berichuet und theilweise aus Tagclohn festgesetzt. Wir sind öOE Strikende. Vor Zuzug wird gewarnt. Im Auftrag der internationalen Weber betresjender Fabrik: Das Komilee. Mühlhcim a. Rh., 8. Sevtbr. Wir erlauben uns, hiermit in Kürze anzuzeigen, daß seit dem 30. August ca. 250 Weber die Ar beit eingestellt haben. Am 27. August wurde eine allgemeineVcr sammluug der Weber abgehalten; anwesend waren 400 Personen. Et wuide ein Antrag an die Arbeitgeber gerichtet, betreffend 25°/« Lohm erhöhung, weil der Lohn den jetzigen ZeilvcrhäUnissen nicht mehr ent- sprechend sei, um als Mensch das Dasein ehilich zu sristen.— Der Duichschnittslohn bei de» hiesigen Webern steht nicht über 4 Thlr.— Ferner wurde die Abschaffung der Strafgelder, Elhöhung des Tagelvhns von 15- 25 Sgr. und Bezahlung der bisher umsonst ge tbanen Arbeit beantiagt. Die Antwort ans unsere Anträge lo.uiete, besonders aus der größtrn Fabrik von Christoph Andreae:„Wir geben keinen Psennia Lohn mehr; lieber lassen wir unsere Aibeilen in Schle� sien oder in den Zuchthäusern verferligm, wo wir sür 8 Sgr. Pra Tag die Arbeilen geliefert bekomme»". Es'war dies der Herr Nöll, t Affociä in der Adreae'schcn Fabrik und Sohn des hiesigen evangelischen Pfarrers Nöll), der uns diese liebreiche Antwort gab.— So steht es bis zu dieser Stunde und sind zwischen uns und den Arbeitgebern noch keine Verhandlungen cngekiiüpst, denn die Herren wollen sich zu Nichts verstehen. W>e'wir glauben, wird sich die Einstellung in die Länge ziehen, den» die bclrcffende» Herren sagen:„wir müssen warten; wenn die Li Ute bald verhungert sind, werden sie schon wieder kommen." Wir bitten daher sämmtliche Vereine, Brüder und Mitarbeiter, uns zu unterstützen; denn ohne auswärtige Unterstützung werden wir schwer- lich siegen, weil durch die schlechten Löhne besonders Lioth unter uns herrscht. Wir haben uns zu 500 an den„Internationalen Arbeiter- Verein" angeschlossen und die Zahl vermehrt sich mit jedem Tage; aber wir haben»och keinen Fonds um die Sache aus eigenen Mitteln aus zusllhreo. Für das Komitee der vereinigten Weber: Peier Lülsdorf, Wirlh, Freiheilsstraße, Mühlheim a/Rh. Hannover. Am Sonnabend den 20. August wurde hier von den Mitgliidern des Allgemeinen deutschen Aibeiter-Vereins eine von über 4000 Personen besiichteVolksversammlung im Posthorn inLin den abgibalten, in welcher Rudolph als Vorsitzender, Unlerzeichnetci zum Schriftführer einstimmig gewählt wurden. Frohme referirte über die Tagesordnung. 1. Der Strike der Metallarbeiter in Barmen-Elberseld ic. 2. DiefrühcreStroußberg'sche Fabrik jetzige Hannoversche Maschinen- Bau- Aktien- Gesel lschaft. 3. Die'Maßregelung der Arbeiter oaselbst. Nachdem Frohme hauptsächlich über den ersten Punkt der Tagesordnung referirt halle wurde folgende Resolution verlesen(von mehreren Rednern zur An nähme empfohlen, und einstimmig angenommen: „Die heutige Volksversammlung erllärt den Strike der Melall arbeiler in allen Theilen sür vollständig gerecht und verspricht, dem selben die Ihalkräfiigste Hülfe zu Theil werben zu lasten." Es wurde auf Vorschlag des Vorsitzenden ein Komitee von 12 Mann aus der Versammlung gewählt, welches sich die Aufgabe macht, Uiiterstülungen sür diese Strik.nden einzusammeln. Ferner wurde aus Vorschlag des Vorsitzenden eine Sammlung für die Sinkenden an der Ausganpslhüre des Lokals vorgenommen, welche die Summe von 25Thlrn. 10 Sgr. ein brachte. Das Komitee ist hier aus seinem Posten, Mit Gruß und Handschlag Paul Friedrich, Metalldreher, Gartenstraße 27. Köln. Die Polizeischwierigkeiten mehrensichanch hier. Das Haupiaugenmeik richtet man daraus, die Wirlhe zu beeinfluffen, uns ja ihr Lokal zu Versammlungen nicht zu geben.— In Folge dessen mußten wir auch die letzte Volksversammlung in unserm Vereiuslokal ab- hallen. � lieber den ersten Punkt der Tagesordnung:„Die Arbeiterbewegung in Berlin" sollte Herr„Hasenclever" referiren. Ueber den zweiten: „Die Vi er-Millionen-Dotation an die deutschen Heerführer und Diplomaten; sowie die Unterstützung an die Landivehrleuie", hatten wir das Referat Hrn. B e b e l zugetheilt.(Zu bemerken ist, daß da« Komitee zur Einberufung der Versammlung theilweise aus Mitgliedeni des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins besteht, theilweise aus Mitgliedern unsers Vereins, sowie aus Arbeitern, die außerhalb beider Organisationen stehen.) Eine Slunde vor Eröffnung der Versammlung war das Lokal schon gefüllt; tausende von Menschen mußten wieder umkehren. Fünf- zehn bis zwanzig Polizisten und Gendarmen hatten sich ebenfalls ein- gefunden, unter der Führung des Herrn Polizei-Jiisvektor« und eines Kommissärs. Glücklicher, oder besstr gesagt, unglücklicher Weise be findet sich neben dem Lokal ein großer Garten, welcher natürlich dem Wirlh gehört: derselbe war dicht von Menschen gefüllt. Aus Gesund hettsrilef sichten halten wir alle Fenster im Lokal geöffnet, indem man es bei der so sehr herrschenden Hitze nicht hätte aushalten können. Der Herr Polizeiinspektor verlangte aber, daß sdie Fenster geschlossen werde» sollten, weil sonst die Leute im Garten hören würd>n, was gesprochen müßte er die Persammlung als eine wird. Wenn dieses nicht linier freiem Himmel erklären. Nach Eröffnung der Versammlung forderte er die Leute im Garten auf, das Lokal zu verlassen oder viel- mehr den Garten.— Wir konnten dies natürlich nicht mit dem'Ver- saiumluiigsrecht in Einklang bringen, wollten auch den größten Theil der Anwesenden nicht hinausgemaßregelt haben, und schloffen indeß die Veisammlung.— Das ist die„Freiheit, die uns die deutsche„Einheit" gebracht hat. Einige Stunden vor der Versammlung hat man bei mir ausstiebern wollen, wo die beiden Herren logirien; auch am Tage nachher noch wollte man es noch gerne erfahren. Zu welchem Zweck weiß ich nicht.— Der gute Spitzel mußte natürlich uiiverrichtcter Sache abziehen. C. Berg. Leipzig, 7. September. In der Sitzung des„städtischen Vereins" am 15. v. M. stand die Landtag swahl auf der Tagesordnung. Stadtrath Häckel, der Vorsitzende des Vereins, wurde als Candidat sür L- ipzig vorgeschlagen. Die verschi denen Redner konnten im Angesicht des dasitzenden Candidaten nicht genug dessen Verdienste und„Charaklersestigkeit" rühmen. Nur ein Bedenken wurde laut, nämlich: ob der Heu Stadlratb die nölhige Redegewandtheit habe. Aber da tratHerrRäser, der Vorschlibvereiiisdireklor und Ex-Landlags- abgeordnete, auf und iikläite aus Grund seiner früheren Elfohrung als Landlagsabgeoidneter, daß große Redegewandheil nicht nvtvig sei Wozu wolle man dort aroße Reden halten, wo kci» Mensck daraus höre? Tie Einen feie» nicht da, Andere süfv« im Lese- ode, Rcstauratioiisztiumer, Andere unterhielten sich in, Saale, ans die Redner höre kein Mensch Diese sprächen nur sür die Stenographen und Zeltungsberichterstatter, damit das Boll was zu lesen habe. Es werde alles hinter den Eouliffcn ab- gemacht. iDieies naive Geslandniß eines„lideralen" Aogeordneiei leunzuchnet dmPailamentansmus, sür den unsere., Libelalm" schwärme») NachdtNi Herr Cavael noch die„persönliche Liebenswürdigkeit' des Eandidalen gebührend berausgestrichen, wuide derselbe einsnmmig als Eandidat proklamiri. Es entstand nun die Frage, ob man eine öffentliche Wählervcrsammlung abhalten wolle oder nicht. Einige Redner waren dafür, andern überlief bei dem bloßen Gedanken daran schon eine Gänsehaut. Einer der Redner frag>e, ob man sich denn vor Liebknecht, Bebel, Freytag fürchte, ein anderer aber meinte, es sei doch ein miß- lich Ding, wenn der Eandidat, den man aufstellen wolle, von einer Wählerversammlung verworfen werde. In diesem salalen Dilemma kam man auf den gescheidten Gedanken, dem gewählten Komitee z» überlassen, was eS lbun wolle. So ist die öffentliche Wählerveriamm- lung auf anständige Weise lodtgedrückt. Man wird in ein paar Wochen die Landtagswähler zusammenberufen, um sie über einen Eandidalen abstimmen zu lassen, den die meisten persönlich nicht kennen und über dessen Qnalisuation zum Laichtagsabgeordneten sehr erhebliche Bedenken am Platze sind. Wir hoffen, die Leipziger Wähler werden sich nicht als ..Stimmvieb" gebrauchen lassen. AnnouccngclS-RcftantkN. IV. Quartal 70. Soz.- demokratischer Arbeiterverein, Leipzig: 1 Thlr. 19'/, Gr. Soz.-demokratische Arbeiterpartei Leipzig: 4 Gr. Arbeiter-Bildunasvercin, Leipzig: 11 Gr. Internationale Gewerlschaft der Holzarbeiter, Leipzig: 9 Gr. Internationale Gewerkschaft der Holz- arbeiter, Zwickau: 3„ Gr. Sozial-demokratische Arbeilerpartei, Wei- mar: 3 Gr. Eckert, Nürnberg: 25'/, Gr. Sozial-demokratischer Ar- beiterverein, Ronneburg: 3'/, Gr. F. Friedrich, Waldenburg in S.: 9 Gr. Sozial-demokratischer Verein, Rochlitz: 3 Gr. Sozial-demo- kratischerArbeiterverein, Berlin: 3 Gr. Wimpessinger, Schneitteubach: 16'/, Gr. Sozial-demokratischer Arbeiterverein, Neviges: 4'/, Gr. Sozial-demokiatischer Arbeiterverein, Dresden: 2 Gr. Arbeiterverein, Mittweida: 4'/, Gr. Verein„Vorwärts", Lunzenau: 4 Gr. Sozial- demokratische Arbeiterpartei, Berlin: 4 Gr. Sturm u. Koppe, Leip- zig: 1 Thlr. 13'/, Gr. I. Quartal � I Arbeiter Bildungsverein, beiterpartei, Leipzig: 4G litz: 4 Gr. Knieling, Dresden: 14 Gr. Sozial-demokratische Arbei- terpartei, Weimar: 2'/, Gr. Sozial-demokratischer Arbeiterverein Köln: 3 Gr. Internationale Gewerkschaft der Holzarbeiter, Leipzig, 3 Gr.: II. Quartal 71. Soz.-dem. Arbeiterverein, Leipzig: 2 Thlr. 1 Gr. M. W. Quick, Hamburg: 15 Gr. Arbeiter-Bildungsverein, Leipzig:.3'/, Gr. Sozial-demokratischer Arbeiterverein, Stuttgart: 4 Gr. To- zial-demokraiische Arbeiterpartei, Leipzig: 2 Gr. Sozial-demokratische Arbeiterpartei. Dresden: 13 Gr. Sozial-demokratische Arbeiterpartei, Weimar: 2 Gr. Internationale Metallarbeiter-Gewerkschast, Zwickau: 4 Gr. Sozial-demokralischer Arbeiterverein, Köln: 20 Gr. Sozial- demokratische Arbeiterpartei, Chemnitz: 20'/, Gr. Sozial-dein.kraii- scher Arbeiterverein, Hamburg: 1 Thlr. 3'/, Gr. Internationale Ge- werkschaft der Holzarbeiter. Altona: 7 Gr. Sozial-demokratischer Ar- beiterverein, Hannover: 3 Gr. Sozial demokratische Arbeiterpartei: Waldheim: 3 Gr. Arbeiterverein, Wechselburg: 3 Gr. Voltsverei», Willau: 4 Gr. Sozial-demokralischer Verein, Rochlitz: 11 Gr. So- zial-demokratische Arbeiterpartei, Mainz: 16'/, Gr. Sozial-demokra- tische Arbeiterpartei, Breslau: 15'/, Gr. Bolksverein, Frohburg: 2 Gr. Sozial-demokratische Aibeitervartei, Hamburg: 5'/, Gr. Sozial- demokratischer Arbeiterverein, Colditz: 2'/, Gr. Fachverein der Tisch- ler, München: 3'/, Gr. Sozial-demokratischer Arbeiterverein, Geyer: 4 Gr. Sozial-demokratischer Arbeiterverein, Connewitz: 3'/, Gr. Wir ersuchen genannte Beträge durch Posteinzahlungen oder in Briefmarken einzusenden. _ Die Erpedition des„Bolksstaat". Fouv sür Politisch Gcmaszregrlte. Folgende Beträge sind bis jetzt noch an meine Adresse gelangt: Durch B. H. Sch. in Marburg 20 Ngr., von den Leipziger Partei- genossen 2 Thlr. 10 Ngr. durch Sch. in Mezingen 2 Thlr., vomVolksverein in Meerane 2 Thlr. 8 Ngr., durch G. St. in Gaithein, 3 Thlr., durch C. Z. von Frl. P. M. in Reutlingen 1 Gulden 12 kr., von B. in Annaberg 7 Thlr. 5 Ngr.. durch Oehme in Breslau 1 Thlr. 20 Ngr. durch Enders in Augsburg 2 Gulden, von Parteigenossen in Hersseld, (Hessen) d. G. W. 2 Thlr., W. H. in Regensburg 1 Gulden, Partei genossen in Reichendach d. M. 3 Thlr., Parteigenossen in Mylau d. R. 3 Thlr., von C. Nk. B. in Dresden 5 Thlr. _ Theodor Burckhardt. Nachruf. llnserm verstorbenen Freund und Kampfgenossen Rohkohl. Wo bleibst Du Freund? Wir sah'n Dich geh'n, Der Arbeit Angesicht zu seh'n; Du sah'st es, sieutest Dich; doch ach! Der Tod die Freudenblume brach. Nicht wieder kehrtest Du den Blick Zu uns, zu Weib und Kind zurück— Du starbst: und unser Auge weint Gar heiße Thränen, Herzensfreund! Du warst als Gatte, Vater, Sohn, Als treues Glied der Union, Sowie im Dienst, der Dir bescheert, Gar vielgeliebt und hochgeehrt. Dring'„Lebewohl!" zu ihm hinab Ins ferne, stille, dunkle Grab! Dir theurer Schläfer! sei gebracht Der Freunde letzte„gute Nacht!" Gewidmet von den Parteigenossen zu'Neundorf. De D o r 1> o t e. Politische und sozial-ölonomische Monatsschrift. Kentral'organ der Sektionsgruppc deutscher Sprache der iuternationaleu Arbeiterassoziation redigirt von Äoh. pH. Lecker, Genf. Verlag der Assoziation, krä-lblvegue, 33. Der halbjährliche Aboniiemeiitspreis für Deutschland und Oesterreich ist 10 Sgr.— 36 Xr. Es kann zu jeder Zeit und auch auf die schon erschienenen Nummern des laufenden Jahrgangs abonnirt werden. Auch sind die Jahrgänge 1366, 67, 63, 69 und 70, alle Eongreßbe- schlüsse und sonst wichtigen Dokumente der Intern. Arb.-Assoziation enthaltend, geheftet gegen 2 Franken jederzeit zu bezieren. (Pin Arbeiter für Tafel- und Brückenwaagen und andere in das mechanische Fach einschlagende Arbeiten findet gut lohnende Beschäftigung bei einem Parteigenossen in Mainz. Auskunft ertheilt A. Bebel, Leipzig._ Grabmonnment ür 2V, gr., Dutzend 26 gr., zu haben durch Leipzig._ E E. Seifert, Windmühlenstr. 23. Für Ettauchau. Einladung. Künftigen Sonntag als d. 17. d. M. beabsichtigen wir unser dies- jähriges öffentliches Stiftungsfest, bestebend ans Concert, Festrede und darauffolgeuvem Ball im Saale des Theaierlocal« abzuhalten. Das Fest rcsp. Concert beginnt Nachmittags 3 Uhr. Alle Freunde und Parteigenossen unserer Nachbarstädle werden hierzu freundlichst eingeladen._ Der Vorstand des Volksvereins. Für Leipuj. Sozial-demokratischer Arbeiterverein. Freitag den l5. Sepiemder Abends puiilt'/,9 Uhr, Vcrsamm- lnng>n dem Saale der„goldenen Säge." Tagesordnung: Sozialpoliiitcher Wochenbericht(Ref. Teubner).— Die Bewegung im Jahre 1843 und 49 in Deutschland, 1. Vortrag von Liebknecht. Gäste sind sreundlichft willkommen._ Der Vorstand. Leipzig: Veranlw.Redakleur A. H ep n e r(Redaktion: Peterssteinweg 1Ä Druck u. Verlag: F. Thiele.(Expedition: PeterSstr. 18.) j