i?. Sonnabend, de« 23. September. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Pvstanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, Petersstraße 13, F.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Nbonnementsprei»: Für Preußen iucl. Stempelsteuer Iii Rar., für die übrigen deutschen Sraaten 12 Stgr. per Quartal Filialerpeditum für die Ber- einigten Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. mNewyork Organ der soziat-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gtwerksgenojsenschasten. An die Parteigeuoffe«. Vom S. Juli d. I. ab bis zum Tage der Amtsnieder- legung des prob. Ausschusies, haben noch folgende Orte Partei- beitrüge an Unterzeichneten eingesandt: Berlin: April, Mai, Juni. Breslau: Juli. Burgstädt: Januar bis Juni. Bayenthal: Januar bis Juni. Cassel: Juni, Juli. Cöln: Juni, Juli. Crimmitschau: Januar bis Juli. Fürth(durch Petz): April, Mai, Juni. Franlenberg: Mai, Juni. Giengen: April, Mai, Juni. Geithain: Juni. Hainichen: April, Mai, Juni. Hohenstein-Ernstthal: Juli, August, September. Hannover: Juni. Hamburg: Juni. Leipzig(durch Seyfert): Juli. Lunzenau(durch Endtemann): April, Mai, Juni. Mezingen: April, Mai, Juni. Marburg: Juli, August. Mainz: Juli. Mühlheim b. Offenb.: Juni. Neu-Isenburg: Juli. Rochlitz: Mai, Juui, Juli. Reutlingen: August. Ravensburg: Januar bis Juni. Spandau: Juli. Wieda: April, Mai, Juni. Zürich, für sämmtliche Schweizer Parteigenossen: Januar bis Juni. Freiwillige Beiträge sind dem Unterzeichneten vom 9. Juli ab zugegangen wie folgt:*) Für die Partei: Von H. S. in Jena: 5 Thlr.— Von W. L. in Luxem- bürg: 5 Thlr.— Durch O. F- in Cöln: 1 Thlr.— Von B. in Heide ijH.: 5 Thlr.— Durch C. K. in Solingen: 9 Thlr.— Frohburger Arbeiter-Verein: 1 Thlr.— Durch Heidcmann(Petroleumfond): 1 Thlr. 23 Sgr. Für die politisch Gemaßregelten: Durch B. von C. Hirsch in Crimmitschau: 3 Thlr.— Bon W. L. in Luxemburg: 10 Thlr.— Von den Leipziger Parteigenossen: 14 Thlr. 17 Gr.— Von den Leipziger Parteigenossen: 2 Thlr. 10 Gr.— Von den Leipziger Lassalleanern: 1 Thlr. 18 Gr.— Durch C. K. in Solingen: 1 Thlr.— Durch C. Sch.: in Mittweida 1 Thlr.— R. N. in Coblenz: 3� Thlr.— Durch B. Sch. in Marburg: 20 Gr.— Durch Sch. in Mezingen: 2 Thlr.— Volksverein in Meerane: 2 Thlr. 8 Gr.— Durch G. St. in Geithain 3 Thlr.— Frl. P. M. in Reutlingen: 1 Gulden 12 Kr.— Bon B. in Annaberg: 7 Thlr. 5 Gr.— Durch H. O. in Breslau: 1 Thlr. 20 Gr. Durch Enders in Augsburg: 2 Gulden.— Parteigenossen in Hersfeld(Hessen) durch G. W. 2 Thlr.— W. H. in Regensburg: 1 Gulden.— Parteigenossen zu Reichenbach(durch M.): 3 Thlr.— Parteigenossen zu Mylau(durch R.): 3 Thlr. C. M. B. in Dresden 5 Thlr. Für die Strikenden: Von W. L. in Luxemburg: 5 Thlr.— W. K. in Witten a. d. Ruhr 1 Thlr. 9 Gr. Für die Reichstagswahlschuld: Parteigenossen zu Rochlitz: 7 Thlr. Ii Gr. Ich kann nicht unterlassen, bei meiner letzten Abrechnung allen Parteigenossen, insbesondere den Vertrauensmännern dringend ans Herz zu legen: entrichtet d:m neuen Ausschuß iss Hamburg Eure Parteisteuer in Zukunft mit größerer Pünkt- lichkeil als Ihr dies bisher dem provisorischen Ausschuß gegenüber gethan habt. Roch sind es ziemlich zwei Drittel ber Orte, wo wir Parteigenossen haben, die ihren Partei- Pflichten in diesem Jahre noch mit keinem einzigen Steuer- beitrug nachgekommen sind. Ihr Alle, die Ihr Euch Sozial- demokraten nennt, thut endlich insgesammt mit männlicher Ausdauer und eiserner Beharrlichkeit Eure Schuldigkeit! Dann wird auch unsere Partei mit Riesenschritten vorwärts gehen und eine ungeahnte Macht erlangen.' Mit sozialdemokratischem Gruß Leipzig, den 19. Sept. Theodor Burckhardt. Politische Neberficht. Das Versailler Ordnungsbanditenparlament hat sich bertagt, nachdem es noch durch Annahme eines von Bismarck an- gebotenen Vertrags zur rascheren Räumung Frankreichs sein Ver- standniß des internationalen Charakters der Reaktion bethätigt hatte. Besagter Vertrag, der darin besteht, daß gegen gewisse, mit Bezug auf Elsaß und Lothringen bewilligte Zoll-Konzessionen, die deutsche Okkupationsarmee bis auf 50000 Mann sofort zurückgezogen wird, beweist schlagend, daß der„geniale Staatsmann" aus dem furchtbar gespannten Verhältniß zu Frankreich herauszukommen wünscht— ein Wunsch, der natür- uch unerfüllbar ist.— Telegraphischen Nachrichten zufolge, ist die Entwaffnung der Nationalgarde von Lyon ohne jedweden Widerstand durch- geführt worden. Jetzt wäre Widerstand allerdings Wahnsinn gewesen;— warum aber Lyon(und die übrigen Arbeiterstädte Frankreichs) sich ruhig verhielten, während Paris mit Versailles rang, das freilich ist noch immer ein unaufgeklärtes Räthsel.— Wer ist an demTode derPariserGeiseln schuld? �er GeneralrathderInternationalen sagte bereits in seiner bekannten Adresse:„Der eigentliche Mörder des Erzbischofs istHr. Thiers", da- durch nämlich, daß er die Auswechselung Blanqui's gegen die priesterlichen Geiseln verweigerte. Das Londoner Journal„The Brammer" veröffentlicht nun einen aus London unter dem 19. August b? den Advokat Bigot(Vertheidiger im Pariser Kommuna- 'stenprozeß) gerichteten Brief des Kommuneflüchtlings E. Fon- jd,*) Auf etwaige Jrrthümer oder hier nicht verzeichnete Posten, bitte '"uch gefälligst aufmerksam zu machen. Burckhardt deville(Eigenthümer in St. Macaire), welcher sich über diesen Gegenstand verbreitet. Fondeville schreibt: „Etwa am 15. April druckte ein Pariser Journal einen an Thiers gerichteten Brief ab, in welchem ein Individuum er- klärte, die Geiseln im Mazas-Gefängniß besucht zu haben, und die Kommune barbarischer Maßregeln gegen dieselben beschuldigte. Da ich mich durchaus von der Wahrheit solcher Behauptungen überzeugen wollte, begab ich mich in das Gefängniß, wo ich mich des Gegcntheils versichern konnte. An diesem Tage un- terhiclt ich mich mit den Herren Darboy(Erzbischof), Bon- j can, Degucrry, und Herrn Petit, dem Sekretär des Erz- bischofs, welcher, da er noch lebt, Ihnen Aufschluß über diesen Gegenstand geben kann. In der Folge machte ich ihnen häufige Besuche und einige Tage vor dem Fall der Kommune übergaben mir die Herren Darboy und Bonjean Autographen(von ihnen selbst geschriebene Schriftstücke), von derm Inhalt ich Sie hiermit in Kenntniß setze. Der gedrängte Inhalt der Schrift Darboys, welche den Titel führt:„Meine Festnahme, meine Haft und meine Betrachtungen in Mazas", ist folgender: Er geht davon aus, daß, abgesehen von seiner Festnahme, deren er die Kommune beschuldigt, die Verantwortlichkeit für seine weitere Haft auf die Versailler Regierung fällt. Er klagt die letztere überhaupt an, daß sie die Geiseln opfere, um sich eine Art von Recht der Repressalien für die Zukunft vorzubehalten. Er stützt sich hierbei auf seine brieflichen Bemühungen bei Hrn. Thiers einerseits und auf die Schritte seiner Freunde andererseits, die zu nichts geführt hätten, namentlich nicht der Schritt des Herrn Lagarde. Er versichert, daß es sich nicht bloß darum gehandelt habe, die Geiseln gegen Blanq ui auszuwechseln, son- dern auch gegen die Leiche des Generals Duv al. Er erklärt außerdem, daß er gut behandelt worden sei und lobt des Längern das Benehmen des Bürgers Garau, des Gefängnißdirektors. Er ahnt bereits seinen Tod und schreibt darüber Folgendes: „Es ist klar, daß Versailles weder den Austausch(der Geiseln) noch Versöhnung will; andrerseits fleht fest: wenn die Kommune die Macht gehabt hat, uns zu verhaften, so hat sie nicht die Macht, uns in Freihett setzen; denn unsere Freilassung ohne Austausch würde sofort in Paris eine Revolutton herbeiführen, welche die Kommune stürzen würde." „Herr Bonjean übergab mir eine längere landwirthschaft- liche Abhandlung, die er im Gefängniß ausgearbeitet hatte, zwei Briefe für seine Familie, und eine Art Tagebuch über seine Haft. Obwohl dieses Tagebuch für unsere Vertheidigung nicht denselben Werth hat, wie das Darboy'sche, so beweist es doch, daß die Geiseln mit Humanität behandelt worden sind. „Ich will Ihnen nun erzählen, wie es kommt, daß ich die gedachten Dokumente nicht mehr besitze: „Montag, den 22. Mai Morgens, als ich gezwungen war, das Ministerium der öffentlichen Arbeiten zu verlassen, mußte ich mich in das einzige Etablissement, welches sich in der Templestraße offen befand, flüchten; da legte ich meine Tasche und meine Papiere nieder. Als Donnerstag den 25. die Versailler sich dieses Viertels bemächtigt hatten, war ich darauf bedacht, die Dokumente in Sicherheit zu bringen, bevor ich mich verbärge. Der Hausmeister, dem ich mich glaubte anvertrauen zu dürfen, überließ mir einen Wandschrank eines Zimmers in der zweiten Etage, dessen Schlüssel ich mit mir nahm. Außer den oben citirten Munuskripten ließ ich noch 5 Briefe von Mac Bkahon da, die mir auf der Polizeipräfektur übergeben worden waren, ferner mehrere offizielle Dokumente, darunter meine Vollmacht als Delegirter in Neuilly während des Waffen- stillstondes vom 25. April, zwei Verkehrsbillete, einen aus London an Thiers gerichteten Brief und einige Photographien verschiedener Kommunemitglieder. Am 27. Mai schickte ich zwei Leute nach der Templestraße; sie sollten mir meine Tasche und die Papiere holen. Der Hausbesitzer antwortete auf ihr Begehren, er habe es für rathsam gehalten, als seine Nachbarn ihm wiederholt gesagt, daß sich ein Kommunemitglied zu ihm geflüchtet, den Wandschrank zu sprengen und die Papiere zu verbrennen. Die Tasche wurde mir gebracht; sie war auch gewaltsam geöffnet und meine Papiere herausgenommen. Trotzdem mir der Haus- meister die Vernichtung dieser Gegenstände versichert hat, bin ich jetzt von dem Gegentheil überzeugt, und Nachrichten, die mir aus Paris zukommen, versichern mich, daß Der, dem ich sie übergeben, sie entweder noch besitzt, oder vor Kurzem der Polizei zugestellt hat." (Folgen dann die Anweisungen für Advokat Bigot, wie er sich in den Besitz der bezeichneten Dokumente zu setzen ver- suchen soll.)— Man schreibt uns aus Bremen d. d. 17. September: „Vor 2 Tagen endlich sind die Handwerker-Abtheilungen bei den Regimentern des 9. Armee-Korps auf den Friedens- Etat zurückgebracht worden. Endlich, so scheint es, ist man hinsichtlich der Bekleidungsgegenstände für den nächsten Krieg fertig, denn weiter hatte es eben keinen Zweck, wenn man die Reserven und Ersatzreservcn der Oekonomie-Handwerker, die, wie alle andern Reservisten nur zum Dienst für die Dauer des Krieges verpflichtet sind,— trotzdem 4� Monate nach definitivem Frieden, und si1/* Monate nach dem Präliminar- Frieden, im Dienst behalten hat. „Wenn so manche Klagen laut geworden sind über Be- Handlung und Verpflegung der Truppen in Frankreich, so be- merke ich, daß auch wir, obschon blas Handwerker und immer in der Garnison, doch auch sehr viel Anlaß zum Klagen gehabt. „Um von der Behand lung zn sprechen, erwähne ich hier blos eines Falles: Als die Schneider, 93 an der Zahl, am Donnerstag dem 15. September entlassen wurden, sagte der Hauptmann, daß er mit dem Bettagen der Leute während der 14 Monate zufrieden sei, und im Allgemeinen mit ihnm wohl hätte auskommen können, trotz einiger Bestrafungen, die er vor- genommen hätte; er wünschte dann„für die Zukunft Wohler- zehn und glückliche Reise," und entließ die Leute mit den Worten: „So will ich Euch denn Adieu sagen!— Also: Adieu Leute!"— Aber o weh!— keiner von den 93 hatte ein„Adieu Herr Haupt- mann" für ihn, und obgleich er später zu den Unteroffizieren gesagt hat, es wäre blos Unbildung, ihm nicht zu danken, so weiß er doch jedenfalls am besten, was es war, und warum ihm nicht gedankt wurde,— eben bloß wegen schlechter Behandlung, und daß dieselbe gründlich schlecht war, beweist gerade der Um- stand, daß von 93 auch nicht Einer dem Hauptmann Adieu sagte, obschon keinerleiVerabredung stattgefunden hatte."— Man schreibt uns:„Bei der Kontrolvsrsammlung in Glauchau den l5.sSeptember d. I. äußerte Oberstlieutnant Jonas vom 7. Regiment No. 106 gegen die versammelte Mannschaft sein Mißfallen über die angeblichen„Schufte," welche Uebelstände und Ungerechttgkciten des Militärwesens ver- öffentlichten. Das sei um so schändlicher, da dies die„Schufte" gar nichts angehe. Es seinöthig, dergleichen„Schufte" anzu- zeigen und gerichtlich abstrafen zu lassen. „Zugleich bemerkte er, daß wir der„strammen, deutschen Disziplin" unsere Siege über die undisziplinirten Franzosen ver- dankten. „Hierbei fragt sich's: 1. Wer sind die Schufte, die Militärsachen nichts angehn? Sind es die Soldaten, welche darunter leiden, oder das Volk, das seine Söhne und sein Geld dazu steuert? 2. Sind die Preußen bei Jena, die Russen bei Sebastopol, die Oestreicher bei Solferino ebenfalls aus Mangel an Disziplin von den Franzosen geschlagen worden?— „Einsender dieses ist nur durch gerichtliche Anfrage zu erfahren."— Ueber den Strike in Newcastle laufen fortwährend die günstigsten Berichte ein, und ist das Gelingen mit Sicher- heit zu erhoffen. Der in voriger Nummer erwähnte Artikel der„Times" lautet wie folgt: „Seit mehr als drei Monaten legt ein verbitterter Konflikt zwischen Meistern und Arbeitern eine der wichtigsten Industrien Nordenglands lahm. In Northumberland, Durham und dem Westriding von Aorkshire hatte vor Ausbruch dieses Konflikts eine Bewegung um sich gegriffen, deren Zweck es war, die Arbeitszeit in den Geschicklichkeit erfordernden Beschäfttgungen (skilled occuputions) herabzusetzen; und der„Neun- Stunden- Liga", wie sie sich nannte, war es in Sunderland, und zum Theil auch an anderen Orten, gelungen, ihr Ziel zu erreichen. Allein die Mehrzahl der Arbeitgeber verweigerte die von den „Männern"*) geforderte Reduktion der Arbeitszeit. Namentlich die großen Maschinenbau-(Ingenieur)- Firmen, die ihre Werk- stätten in der Nähe von Newcastle und Gateshead haben, lei- steten hartnäckigen Widerstand. Sir William Armstrong, und die Herren Hawthorn entschlossen sich, den Kamps mit den Tradesunionisten aufzunehmen, und lieber zu jedem Mittel zu greifen, als nachzugeben. Wir sind geneigt, dasBenehmen der Arbeitgeber während dieses ganzen Streits als unklug und unpolitisch zu betrachten.(We are mclined to consider the conduct of the employera throughout thxa dispute as imprudent and impolitic). Wir billigen nicht die allgemeine Politik der Trades- Unions, und sind ent- schiedne Gegner ihrer Art zu handeln, aber wir hätten es doch gern gesehen, wenn man auf Grund einer anderen Frage den Trades-Unions entgegengetreten wäre. Es wird behauptet, und wir glauben mit Recht, daß das Maschinenbau-Geschäft in Nord- england jetzt sehr blühend ist, und daß die Meister große Profite machen. Wenn es billig ist, daß die Arbeiter von Zeit zu Zeit einen Antheil an dm verinehrten Geschäftsprofitm bekommm, dann gibt es für die Arbeiter gewiß keinen ver- nünftigeren Weg, sich diesen Vortheil zu sichern, als eine Verkürzung der Arbeitszeit. Aus sitt- lichen und gesundheitlichen Gründen ist eine kurze Arbeitszeit wünschenswerth, und was die Jnter- essen der Industrie angeht, so ist anzunehmen, daß sie bei weiterer Verkürzung der Arbeitszeit eher ge- Winnen als verlieren würde. Das Maß der Fähigkeit des Menschen für anhaltende Arbeit ist ziemlich genau festgestellt, und die Forderung der„Neunstundenliga", daß von ge- schickten Arbeitern nur 54 Arbeitsstunden in der Woche verlangt werden sollen, wird durch sehr gewichtige physiologische und praktische Argumente unterstützt. Es ist sogar sehr zweifelhaft, ob die Meister irgend etwas durch längere Arbeit gewinnen— ob neun Stunden fleißiger Arbeit(active work) nicht das Maximum der täglichen Arbeit einesDurch- schnitts-Arbeiters bilden. Können die Arbeitgeber nach- ') blasters and Men—„Meister" und„Männer" ist jetzt in der gegnerischen Presse der gewöhnliche Ausdruck, der den früher üblichen: „Meister" und„Hände" zu verdrängen scheint. Die Kapitalisten habet» sich nachgerade davon überzeugt, daß die Arbeiter Männer sind. Kortsetzuttg ans Bette 4. Aus Amerika. New-Uo rk, 2S� August 1871� Die Nationale Arbeiter-Union(National Labor Union; N. L. U.) hielt vom 7.— 10. August ihren Kongreß zu St. Louis. Es ist kürzlich hier darauf hingewiesen wor- den, daß der Wendepunkt für diese Organisation eingetreten sei, daß sie nun entweder entschiedene Forderungen ausstellen oder im alten Parteischlendrian auf- und untergehen müsse. Das Ersterc ist nicht geschehen und das Zweite läßt nicht auf sich warten. Die leitenden Persönlichkeiten der alten Organisation, die N. F. Treoellick's, A. C. Cam eron's, Puctt's, Camp- bell's, Day's, Delanep's:c. sind gleich den Bourbonen— sie lernen Nichts und vergessen Nichts! Die Zeichen der Zeit gehen spurlos an ihnen vorüber! Seit dem letztjährigen Kongreß zu Eincinnati sind alle größern Gewcrksunionen, mit alleiniger Ausnahme der Bergarbeiter, aus der Nationalen Arbeiter-Union geschieden, und während der Cincinnatier Kongreß über hundert wirkliche Vertreter zählte, brachte es derjenige zu St. Louis mit Ach und Krach am letzten Tage zu ein und zwanzig. Trotzdem wurde das alte Programm einfach wiederbestätigt mit seinem Unsinn von Zinserniedrigung, seiner Papiergcldmühle k., und neu ist nur der staunenswerthe Beschluß, daß die Regierung dafür sorgen solle, daß das in Eisenbahnen, Telegraphen k. angelegte Kapital nur 6 Prozent Zinsen trage. Ten Aufruf des hiesigen Central- Komitees und des Gencralraths an die anierikanischen Arbeiter wegen des Betragens des Hrn. Wash- burn e beseitigten sie mit Ernennung eines Komitees zur Unter- suchung und sorgfältiger Vermeidung des Worts„Kommune", und dann vertagten sie sich nach drei Tagen auf nächstes Jahr nach Nashville, Tennessee, d. h. immer weiter weg von den in- dustriellcn Bezirken.— Friede ihrer Asche! Seit die Nationale Arbeiter- Union den Gewerksvercincn so frenid geworden, regt sich unter den Letzteren das Bestreben, eine große, reine Gewerkvereins- Union zu bilden, und es schweben darüber Verhandlungen. Näheres folgt darüber zu geeigneter Zeit.— Von Wichtigkeit ist das Vorgehen der Gewerkvereine der Stadt New-Aork in der Acht-Stundcnfrage. Es ist Gesetz des Staats New-�ork, daß bei allen öffentlichen Arbeiten, d. h. bei allen Staats-, Grafschasts- und Gemeinde- Arbeiten acht Stunden das gesetzliche Tagewerk bilden sollen. Bekannt ist aber, daß das Gesetz nirgends gehalten wird. Der gebräuch- lichste Vorwand zur Uebertrctung desselben ist, daß die Arbeit in Accord— Kontrakt— gegeben sei, die Behörden daher Nichts niehr dabei zu sagen hätten. Natürlich hohle Ausrede, denn die Kontrakte dürfen nur aus Grund des Gesetzes abgeschlossen wer- den. Indessen werden die großartigsten Bauten, die viele Millionen kosten, wie das neue Gerichtshaus in der Stadt New-Pork, das neue Staatskapitol zu Albanp und A. m., aufgeführt unter offner Hohnsprcchung der gesetzlichen Vorschriften. In der Stadt New-Aork nun besteht ein aus mehr als 2000 Mitgliedern be- stehender Gewerkverein der Stonecuttcrs, Steinhaucr, Stein- wetzen-, welcher in Folge harter Kämpfe seit Jahren die Wohlthat der Achtstundenarbeit genießt und diese durch Nicht- achtung des Achtstundengesctzcs gefährdet sieht. Von diesen gut organisirten, tüchtigen Leuten geht nun eine Bewegung aus, die darauf berechnet ist, die Behörden zur Beobachtung des Gesetzes zu zwingen. Sie beschlossen, eine großartige Demon- stration in's Werk zu setzen und wandten sich deshalb zunächst an die Workingmens- Union, die Delegirtcnversammlung von ungefähr 30 cnglischredcnden Gewerkvereinen. Zum ersten Male seit langer Zeit nahm diese eine spezielle Arbeiterfrage auf und setzte ihre ganze Maschinerie in Bewegung. Die Vor- bereitungen werden nun eifrigst betrieben und es gewinnt den Anschein, daß der Erfolg nicht hinter den Erwartungen zurückbleibe. Der deutschen Arbeiter- Union bietet sich jetzt Gelegen- heit, sich wieder aufzuraffen, und die Scctionen der Internationalen, auch zur Theilnahme eingeladen, werden ebenfalls ihre Pflicht thun. Am 2. Mittwoch des September soll die Kund- gebung stattfinden und wird Bericht darüber folgen. An den Gouverneur des Staats New-Aork war von der Workingmens- Union eine Anfrage wegen Durchführung des Achtstundengesetzes gerichtet worden. Die Antwort desselben, aus einem Seebad datirt, war ausweichend und es wurde beschlossen, eine bestimmte Antwort darüber zu verlangen, ob er gesonnen sei, das Gesetz in Ausführung zu bringen. Gleicherweise wur- den Betteffs derselben Angelegenheit Schreiben an den Präsiden- ten der Vereinigten Staaten und deren Finanzministcr gerichtet und ein Komitee an den Bausuperintendenten des neuen Postge- bäudes der Stadt New-Aork geschickt. In Lyn n, einem der bedeutensten Fabrikplätze für die S ch uh- machermanufaktur in Massachusets, sind die Fabrikar- bciterinnen, zu Tausenden zählend, in großer Bewegung wegen drohender Bedrückung seitens der Fabrikherren und wer- den sich wahrscheinlich in großer Zahl dem Orden der Töchter des heiligen Crispin(Daughters of Saint Crispin, D. O. S. C.) anschließen. Tie Sektionen der„Internationalen" mehren sich. Es sind kürzlich beigetreten eine neue deutsche Sektion(13), aus dem Bunde der Freidenker entstanden, in Neu-Aork, eine französische Sektion(14) in St. Louis, eine französische Sektion(l5) in New-Orleans, und ein: deutsche Sektion(16) in San Fran- cisco. Delegaten in der angegebenen Reihenfolge sind Dr. Stie beling, Th. Millot und Debuchy. Der Delegat von Nr. 16 ist noch nicht bestimmt ernannt. Besonders unter der eigentlich nicht zahlreichen französischen Bevölkerung regt sich's sehr, und französische Sektionen tauchen überall aus. Die Adresse des Generalraths über den„Bürgerkrieg in Frankreich" ist in New-Aork und Washington in einigen Tausend Eremplaren nachgedruckt und verbreitet worden.— Von hervorragenden Politikern haben sich Wendel Philipps und B. F. Butler öffentlich aus Seite der Kommune gestellt.— Der Auf- ruf des Gencralraths der Internationalen Arbeiter-Assoziation an das Nordamerikanische Central-Komitee wegen des infamen Venehmens des Hrn. Washburne in Paris ist von dem Central- Komitee mit einer begleitenden Ansprache an die amerikanischen Arbeiter veröffentlicht worden.— Die endgültige Organisation der Internationalen Arbeiter Assoziation in diesem Lande steht Ende dieses Jahres bevor und wird nächstens den Gegenstand ernster Verhandlungen in den einzelnen Sektionen bilden.— Es wird beabsichtigt, die gemein- schaftlichen Monatssitzungen der Sektionen 1 und 6 in allge- meine Versammlungen der hiesigen(New-Aorker) deuffchen Sek- tionen zu verwandeln.— Tie Chicagoer Parteigenossen sind besonders thätig und zeigen die bevorstehende Bildung von meh- reren neuen deutschen Sektionen daselbst an.— Ueberhaupt ist seit der„Kommune" und dem pöbelhaften Geschrei'der Tages- presse über dieselbe die Bewegung in hiesigen Arbeiterkreiscn eine regere geworden. Mögen die Früchte nicht ausbleiben! Aus dem ausgezeichneten Bericht für das Jahr 1870 des Prä- sidenten der New-Aork Staate Workingmen's Asiembly(Gewcrk- schaftsverband des Staats Ncw-Aork) gebe ich folgenden Auszug, dem andere nächstens folgen sollen: Es sind im Staat New-Aork ungefähr 350 Gewerks- und Arbeitervereine. Davon kommen auf die Schuhmacher(Cris- piner) 49, die Maurer 29, die Cigarrenmachcr 23, die Eisen- sormer 21, die Maschinisten und Grobschmiede 13, die Setzer 13, die Lokomotivenführcr 12, die Küfer 11, die Handarbeiter (Taglöhner) 9, die Zimmcrlcute 7, die Lokomotivenseuerleute 7, die Steinmetzen 6, die Schneider 6, die Maler und Anstreicher 5, die Kutscher und Fuhrleute 5, die Hutmachcr 5, die Hafen- arbeiter 4 u. s. w. Im Jahre 1870 wurden 28 neue Gewerkvereine gebildet, darunter 4 dcuffche. Tagegen lösten sich 18 auf.— Durch unfern New-Uorker Korrespondenten sind die Leser des„Volksstaat" genau von dem Stand der sozialdemo- kratischcn und internationalen Bewegung in den Vereinigten Staaten unterrichtet. Ter nachfolgende Brief aus Ncw-2)ork, den die„Kölnische Zeitung" veröffentlicht, zeigt wie sich die Sache in einem Spießbürgerhirn ausnimmt: „Während jenseit des Ozeans nicht allein die Blicke der Alltags- Politiker, sondern auch die der Staatsmänner mehr denn je auf das Treiben der„Internationale" gerichtet sind, schenkt man derselben hier fast gar keine Beachtung, und doch hat sie bereits auch bei uns ihre Wurzeln unter der Arbciterbevölkerung geschlagen. Freilich isi Alles noch im Entstehen begriffen nud zur Vlmhetreibuiig ist die Internationale uoch nicht gelangt, aber— wie gesagt— festgesetzt hat sie sich. Hier, wo das Rowdywesen in vollster Blütbe steht, nimmt man daher auf die ihm verwandte*) Erscheinung der Internationale weniger Acht, als sie es verdient. Man verschanzt sich dabei hinter den wenig stichhaltigen Grund: bei einer republikanischen Verfassung, wie wir sie haben, liegt für das Staatswesen gar keine Gefahr in der Jnter- nationale und sie wird deßhalb in den Vereinigten Staaten in sich selbst zerfallen. Das ist ganz schön gesagt, aber schlecht berechnet. Gerade der kcrrumpirtc Boden New Aorks, auf dem eine städtische Räuberbande, wie es der Tammany-Ring ist, in Blüthe und Früchte schießen koiiute, ist das rechte Feld für die Internationale, die sich unter Fühlung politischer Jesuiten der besseren Stände aus der Hefe des Arbeiterstandes zu rekruliren pflegt. Durch die abscheulichen Bei- spiele von sauknonirtem Diebstahl, wie sie unsere städtische Verwaltung seit Jahren dem Publikum darbietet, befördert, muß sich— falls nicht bald eine Radikalkur eintritt— das internationale Uulraut auf unse- rem Boden rasch und üppig entwickeln. Ihr Korrespondent ist in de» Stand gesetzt, Ihnen über die Ver- breiwng der Internationale in den Vereinigten Staaten, in so weit sie bis jetzt organisatorisch gediehen ist, autbenlische Mittheilungen, welche bisher den Weg in die Presse noch nicht gefundm haben, zu machen. Seit Kurzem erst hat sich die Internationale bei uns eingebürgert und besteht jetzt in zehn Abtheilungen: dieselben verlheilen sich, wie folgt: 1. Sektion: Cieneral German Workingmen's Society(Labor Union Nr. 5). New-York; 2. Sektion: Frencb Sectio» Nr. 1, New- York; 3. Sektion: Czecbian Workingmen's Society, New-York; 4. Sektion: Social Political Workingmen's Society öir. 1 in Chicago (Illinois); 5. Sektion: Social Political Workingmen's Society Nr. 2 in Chicago(III.):.6. Sektion: Social Democratic Workingmen's Society, New-York; 7. Sektion: Irish Sectio» of the Irish Workingmen's Association, New-York; 8. Sektion: Social Democratic Society in Williamsburg(Staat Nerv-Nork); 9. Sektion: American (native) pection of the Workingmen's Association, New-York; 10. Sektion: Frencb Section Nr. 2 of the Workingmen's Association, New-York. Diese zehn Ablheilmigen bilden einen innigen Verband, der seine besonderen Weisungen von London aus empfängt. An jedem ersten und dritten Sonntage eines jeden Monats finden in einem mit schauSerhast gemalten Emblemen, unter denen Revolver und Tvlch die Hauptrolle spielen, verzierten kleinen Saale einer obskuren Kneipe des zehnten Siadiviericls Sitzungen der in New-Aork ansässigen Seitionen der Internationale Statt, zu welchen auch Iheilweise Delegirle von den auswärtigen Sektioueii sich einfinden. Die Debatten sind der lei- denschaitlichsten Natur und drehen sich um den Umsturz aller bestehen- den Verhältnisse, welcher Art sie auch sein mögen— sozial oder pvli- tisch. Daß natürlich der Kultus des Kommunismus in seiner krasse- sten Form an der Spitze aller Grundsätze unserer Internationale steht bedars gewiß kaum der Erwähnung. Neu") dagegen dürfte die That- sache sein, daß der zweite Abschnitt der Statuten das Prinzip der „freien Liebe" als Satzung einführt. William Pearl Andrews, der bekannte Bertheidiger der„sreien Liebe," hat die Paragraphen verfaßt, welche sich für eine aussührliche Mittheilung nicht eignen. Erwähnt sei nur, daß die 9. Sektion, an deren Spitze besagter William Pearl Andrews steht, in dem Bureau des von den Misses Woodhall and Claffliu herausgegebenen„Weekly Journal" tagt und dort der zweite Abschnitt der Statuten ins praktische Leben getreten ist. Unsere Polizei oder vielmehr die städtische Verwaltung sieht der Sache ruhig zu, denn ihr kann, nachdem ihre eigene unsägliche Korniption bloßgelegt ist, nichts willkommener sein, als in Kreisen einer andern Korruption, wie sie durch die verschiedenen Sektionen der Internationale so glänzend vertreten wird, Helfershelfer zu finde», und es darf als sicher ange- nommen werden, daß die Internationale aus Seiten der hiesigen de- moralistrten demokratischen Partei stehen und für sie wie Ein Mann stimmen und wirken wird.***) Zum Schluß noch die Bemerkung, daß die zehn Sektionen der Internationale aus Arbeitern der niedersten Gattung bestehen, nur die Führer gehören den besseren Ständen an; zusammengesetzt sind sie aus allen Völkerschasicit und Racen, selbst der Neger ist darin vertreten. Anerkennenswerth ist es, daß Geary, der Gouverneur von Pennsyl- vanien, der bei dem Riesenstrike der pennsylvanischen Bergleute, wel- cher mehr als sechs Monate gewährt und über den Arbeilcrstand so arges Mißgeschick gebracht hat, eine so große Energie gezeigt, berests auch die Frage, in wie weit man von Staatswegen gegen die Ver- breitung der gcmeinschädlichen Internationale, falls sie sich auch in Pennsylvanien festzusetzen versuchen sollte, einschreiten könnte, in Be- trachtuug gezogen hat. Wie man hört, ist derselbe fest entschlossen, mit allen ihm zu Gebote stehenden rechtlichen Mitteln gegen die Bei drei- tnng dieser Arbeiterpest vorzugehen. Nach sorgfältig von ihm einge- zogenen Erkundigungen bat man zwar bereits Seitens des deutschen sozial demokratischen Klubs in New-Dork bei den Bergleuten des WH-ming-Distrikts Versuche zur Gründung von sozial-demokratischen Vereinen im Sinne der„Internationale" gemacht, dieselben find aber bis jetzt als gänzlich gescheitert zu betrachten. Sie sehen, Europa hat aufgehört, die alleinig« Brutstätte der ') Rowdies sind Lumpen, die nicht arbeiten und von anderer Leute Schweiß leben. Der Kölnische-Zeitungskorrespondent verwechselt hier offen- bar die internationale Arbeiterassoziaton mit der internationalen N ich t- arbeiterassoziation der Bourgeois, Junker und Pfaffen. ") Nicht-im Geringsten. Jeder deutsche Philister v'eiß aus unser« wahrheitsgetreuen, deutsch-sittlichen Zeitungen, daß wir die Weiber- ge'meinschaft längst praktisch durchgeführt haben. ♦♦•) Daß die Internationale in Amerika für die Wiederein- führung der Sklaverei wirkt(bekanntlich trägt die Sklaven hal- terpartei dort den Namen„demokratische Partei"), ist ebenso natürlich, als daß sie sich in Europa mit den Jesuiten und Ultramon- tauen gegen die liberale„Bourgeoisie" verbündet hat. Also richtig gerochen, Sie scharffinniger Psennigzciler der„Kölnischen"! Internationale zu sei», unsere Republik bekommt jetzt auch ihr The von dem Satanswerke." Möge das„Satanswerk" gedeihen— mit„Gottes gnädiger Fügung!"_ ft. fl Justiz. An die Redaktion des„Volksstaat". In Nummer 68 des„Volksstaat" bringen Sie einen Artikel über K. K. Justiz, welcher zwar im Allgemeinen viel Richtiges, über die Person des Sekretärs des Bundesober- Handelsgerichts aber nur Irriges enthält.— Da ich weiß, daß Sie Preßaitgriffe auf Personen, welche der Politik fern siehen prinzipiell zu vermeide» suchen, so werden Sie wohl gern folgende Berichtigung, für deren Wahrheit Ihnen mein Naine bürgt, aufnehmen. Der 2. Sekretär des Bundcsoberhandelsgerichts, Hr. von Tümpling, war vor seiner jetzigen Anstellung nicht Referendar, sondern Assessor und zwar ältester Assessor beim hiesigen Handels- gcricht. Hatte er als solcher schon die nächste Anwartschast auf die gedachte Sekretariatsstelle, zu welcher ein sächsischer Richter, der das Rathscramcn bestanden hatte, bestimmt war, so konnte auch sonst kaum eine bessere Wahl getroffen werden; denn als Assessor beim hiesigen Handelsgericht zeichnete sich Hr. von Tümpling,— wie alle bei dem Handelsgerichte verkehrenden Sachwalter wissen— als sehr fleißiger Arbeiter, als gediegener, praktisch und wissenschaftlich gebildeter Jurist und als ein gegen das Publikum höchst zuvorkommender Beamter aus.*°) Uebrigens ist die Sekretariatsstelle beim Reichsoberhandelsgericht keineswegs eine sehr wichtige Stelle und nicht mit 1500 Thalern—— sondern nur mit 900 Thalern-- dotirt. Got ha. Gegen den Parteigenossen Sauer te ig wurde am 4. d. M., ehe er aus dem Gefängniß entlassen wurde, eine neue Maßregelung vorgenommen. Der Artikel in Nr. 65 des„Volks- staat" vom 2. August sollte in den Gedankenstrichen eine Belei- digung des Militärs enthalten; Sauerteig wurde vernommen undver- gebliche H aus su chung nach dem Manustript gethan. Obschon Sauerteig am 1. August seine Strafe angetreten, nahm man doch an, daß der Artikel im Voraus abgefaßt sein könne, und außerdem wurde ihm als Verdachtsgrund mitgetheilt, daß unter den Parteigenossen in Gotha„kein Anderer die Intelligenz be- sitze, einen solchen Artikel abzufassen"(!); den zweiten Artikel von Gotha in derselben Nummer will der Staatsanwalt nemlich nicht sehen, denn er widerlegt den ganzen Verdacht, da dieser eine spä- tere Festlichkeit beschreibt, während welcher Sauerteig im Ge- sängniß war.— Das hiesige„Tageblatt" enthält folgenden„Steck- bries" gegen Nippoldt: „Der unten beschriebene Privatschreiber Joh. Jakob Nippoldt aus Mühlhausen,— seil Jahren bis vor Kurzem beim Spezialkom- mijjär Müller hier beschäftigt und als Führer ver sogenannten sozial- demokratischen Partei hier bekannt gewesen,— hat sich der Vollstreckung j längerer im Landesgesängniß zu Hasscnberg zu verbüßender Strafen, welche ihm durch unlängst erst rechtskräftig geworden« Urtbeile des Her- zoglichen Kreisgerichts, bezüglich des Hzgl. Appellationsgerichis zu Eisenach wegen Aussoi derung zum Ausruhr, ingleichen wegen Widcrjetzung gegen die öffentliche Autorität und wegen Verläumdung öffentlicher Beamten zuerkannt sind, durch die Flucht entzogen. „Es ergeht deshalb an alle Polizeibehörden das Ersuchen, den| :e. Nippoldt im Falle der Beiretung verhaften und unter sicherer Be- gleitung mir zuführen zu lassen. „Dabei wird bemerkt, daß:c. Nippold nach einer eingelangten Mit-| lheilung auch durch jüngst rechtskräftig gewordenes Erkenntniß des Königl. Appellationsgerichts zu Naumburg wegen öffentlicher Ausreizung zu Verbrechen zu einer längeren Gesängnißstrase verurtheilt ist. „Gotha, den 10. Augustj1871. Herzog!. Sächs. Kreisgericht. „E. Spielberg.' „Signalement: „Alter: 36 Jahre, Stand: verheirathet, Sprache: deutsch, Religio»: sreigeineindlich, Größe: 5' 2", Haare: dunkel, Stirn: niedrig, Augen- brauen: dunkel und ausfallend stark, Augen: braungrau, Nase: an der Wurzel eingedrückt, Mund: gewöhnlich, Kinn: oval/ Bart: dunkel, Ge- "ichtssorm: oval, Gesichtsfarbe: blaß, Gestalt: mittlere. „Besondere Kennzeichen: kurzsichtig, trägt Brille." Der sozialdemokratische«ongretz in Dresden. Aork's Referat über den Normalarbeitstag. (Fortsetzung.) Es ist aber überhaupt auch nicht noihwendig, daß die Arbeit, ge- j labe so wie es heutzutage der Fall ist, in einer Hetzjagd sondergleichen! besteht. Denn da es früher möglich war, daß die Arbeiter j Zeit halten, mehr Fleiß, mehr Aufmerksamkeit aus die Qualität der � Arbeit zu wenden, während sie heut systematisch gezwungen sind, große Quantitäten fertig zu machen, dürfte man doch wohl zu der Frage berechtigt sein, ob und warum dies heute nicht auch so sein könnte, und in wessen Interesse das heutige System aufrecht erhallen wird 7 Nun, ich nehme keinen Augenbrick Anstoß, zu erklären, daß wir längst! die Grenze überschritten, wo der aufgewandte Fleiß und Thätigkeit 1 uns nur Nutzen schafft, und noch lange nicht an dem Ziele angelangt md, wo für uns die Arbeil nicht mehr ein Fluch, sondern ein Segeil ein wird. Durch dcir in Deutschland systematisch kultioirtcn Akkord- oder Stücklohn ist es längst dahin gekommen, daß die Tugend des Fleißes selbst den Arbeitern nicht einmal mehr Nutzen bringt, die sie üben, �hundert Andern aber Leben und Wohlsein schädigt. Mehr als die Sklavenarbeit die Sklaven, schlägt das heutige Löhnungssystem die freien Arbeiter zu Boden, degradirt und demoralisirt sie. Das klingt stark, aber wenn man heul Gelegenheit nimmt, zu sehen, wis durch Akkordpreise, die überall in den Fabrik-Etabliffements, die bei 'ast allen Handwerken eingeführt sind— wie da durch ein Abhetzen, ein Ad- jagen der Arbeiter herbeigeführt, einem Gaunern und Abstehlen des Arbeitslohnes so Thor und Thür geöffnet wird, daß es wirklich etwas Skandalöses ist— dann natürlich müssen wir ganz von selbst zu der Ueberzeugung kommen, wie dieser Hetzjagd gegenüber es um so noth- wendiger ist, die Arbeitszeit zu verkürzen; damit wenigstens nach einer Richtung hin diese wilde Jagd etwas mehr beschränkt wird. Ich glaube, daß bei verkürzter Arbeitszeit die Einsicht, das Berständniß des Ar- beiters zunehmen, und mehr und mehr dazu beitragen wird, daß die Arbeitslast für jeden Einzelnen etwas weniger drückend wird, als es heutzutage der Fall ist. Schaden, meine Freunde, kann es nicht, inindestens unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht, wo wir keine» Mangel an Arbeitern, sondern Mangel an Arbeit haben. Aber, meine Freunde, man macht uns einen Vorwurf daraus, daß wir von StaatSwegen, durch Gesetze, eine Normirung der Arbeitszeit bestimmen wollen, weil damit ja die persönliche Freiheit des Einzelnen beschränkt würde. Es ist allerdings wahr, daß dies geschieht, und eS fragt sich nur, ob ein solcher Eingriff in die persönliche Freiheit des Einzelnen nicht im Interesse der Gesammtheit nothwendig ist. Abgesehen davon, daß die lange Arbeitszeit weniger durch den freien Willen der Arbeiter, als durch die heutigen gesellschaftlichen Zustände herbeigeführt ist, wird durch Einführung eines Normalarbeilstages zwar nicht die persönliche Freiheit der Arbeiter, sondein nur deren Ausbeutung durch das Kapital, beschränkt, und darum also das wohlwollende Geschrei der Kapitaliste» und Unternehmer über Beschränkung der persönlichen Freiheit, d. h- ihrer Freihell, der Freiheit, die Arbeitskraft ihrer Ardeiter 14— 1ü Stunden jeden Tag ausbeulen zu dürfen. Jndeß gesetzt auch, es läg« *) Den nämlichen Ruf genießt derselbe, wie ich Ihnen versichern kann, in Reichenbach, seinem früheren Aufenthaltsort. .. Jfl. ine Beschränkung der persönlichen Freiheit des Einzelnen vor: wir vzialistischen Arbeiier sind längst zu der Ueberzeugung gekommen, und in unseren Verbindungen, in unseren Gewerkvereine», haben wir es längst praktisch erfahren, daß ohne Unterordnung der Interessen Ein- zelner unter die gemeinsamen Interessen Aller, wir nicht vorwärts kommen können. Dieser Einwand, daß wir, die wir sonst doch die Freiheit in jeder Beziehung erstreben, nun plötzlich die persönliche Freiheit der Arbeiter, die persönliche Freiheil des Individuums vernichten wollen,— dieser klägliche Vorwurf kau« von uns auf das Glänzendste zurückgewiesen werden durch den Hinweis auf Bestimmun- gen, die längst schon von Staatswegen durchgeführt sind. Ich ver- weise Sie zunächst daraus, daß der allgemeine Schulzwang, die allge- meine Wehrpstichr Beschränkungen der persönlichen Freiheit sind, die außerdem noch besonders die Arbeiterklassen ani meisten tresien. Das Gesetz bestrast Denjenigen, der durch Selbstverstümmelung versucht, sich dem ivkiliiärdienst zu' entziehen, auch der Versuch des Selbstmords wird unter Umständen bestraft, und erst in neuerer Zeit ist durch Aufhebung der Koalitions-Verbote eine Beschränkung der per- sönlichen Freiheit der Arbeiterklassen beseitigt worden, die lediglich im Interesse der Arbeitsherren stattgefunden hatte. Dem gegenüber haben wir wohl das Recht' zu verlangen, daß die persönliche Freiheit der Einzelnen, sobald sie der Gcjammtheit Schaden zufügt, beschränkt wird. Und daß durch die übermäßig lange Arbeitszeit der Berdummung, Verkümmerung und Verjumpsung des Volksgeistes zum großen Scha- den des gesammten Volkes, am meisten der Arbeiier selbst, Vorschub geleistet wird, kann nicht bestritten werden. Aber es könme scheinen, daß Denen ein Unrecht geschieht, die gern länger arbeiten wollen, wenn man durch Einsührung eines zehnstündigen' Norinalarbeirstages die Arbeitszeit beschränkt, sie also verhindert ihre Arbeitskraft, ihr„Ka- pital" so zu verwerihen wie es ihnen beliebt. Ach! wenn wiche arbeitswüthige Sonderlinge mir sich allein scha- deten, ihr Eigenthum allein entwertheten und verschwendeten, könn- ten wir noch ruhig darüber sein. Leider aber zwingen solche Packesel ihre Mitarbeiter, ebenjalls so lange zu arbeiten, um eristiren zu kön neu. Sie entwerlhen also nicht allein ihr eigenes„Kapital", sow dern das aller andern Arbeiter in demselben Maße, sind also viel schlimmer als die bürgerlichen resp. adeligen Verschwender, die als un- zurechnungsfähig»mer Kuraiel gestellt werden und denen jede willkührliche Disposition über ihr Eigenthum gesetzlich entzogen wird. Und da soll es ein Unrecht sein, wenn wir ein Gesetz haben wolle», welches ver- hindert, daß stupide unzurechnungsfähige Arbeiter sich selbst und ihre Mitarbeiter mit langer Arbeitszeit körperlich oder geistig zu Grunde richte»? Im Gegentheil, ich meine, daß ein solches Gesetz nicht scharf genug sein kann. Ich wiederhole es nochmals: die persönliche Freiheit des Einzelnen muß beschränkt werden, wann und wo ste Anderen Scha- den bringt, und besonders muß sie da beschränkt werden, wo Andere nicht selbst sich dagegen zu wehren im Staude sind. Und in dieser Lage befinden sich die Arbeiter in Bezug aus ihren Kampf gegen die zwölfftündige Arbeitszeit. Denn, meine Freunde, wenn die Arbeiter s>hne ein Gesetz gegen die Ausbeulung, gegen das Zugrunderichteu ihrer Arbeitskrasl durch zu lange Arbtilszeil sich selbst schützen könnten, dann wäre» wir wahrhaftig die Letzten, die vor einem solchen Kampfe zurückschrecken würden. Da das aber nicht der Fall ist, und wir gesehen habe», daß Englands Arbeiter mit ihren großartigen Arbeitcrverbin- düngen(Trades-Uiiions), deren bedeutendste, die der Maschinenarbeiter, 30-— 40,000 Mitglieder zählt, doch deS gesetzlichen Schutzes sich erfreuen und eine Beschränkung der Arbeitszeit durch Gesetz erhalten haben, so ist klar, daß auch wir das um so mehr verlangen müssen, als wir »och nicht derartige Organisationen gebildet, noch nicht so weit sind, uns heute so wehren zu können, wie die Arbeiter in England und Amerika gewöhnt und im Stande sind.(Beifall.) Nachdem wir also die Vorwände, die uns von den Gegnern des Normalarbeitstages gemacht worden sind, haben Revue pajsiren lassen, können wir jetzt zu den halben Gegnern übergehen, die auch gerade nicht gefährlich sind— gefährlich sind sie alle klicht pHeiierkeit.)— aber doch immerhin einen Hemmschuh bilden für unsere gegenwärtige Bewegung. Ich meine, es sind dies die Freunde und Verehrer der sogenannten Selbsthülfe. Meine Freunde! Ich habe schon gesagt, daß wenn wir im Stande wären, duich die Selbsthülse eine Verkürzung der Arbeitszeit, einen Normalarbeitslag vollständig zu erreichen, daß wir dann nicht erst »vthig hätten, ein Gesetz zum Schutz der Arbeiter zu verlangen. Zu- gleich habe ich angedeutet, warum dies nicht möglich ist. Höchst interessant aber ist cö, daß gerade jene Leute, die behaupten, daß die Arbeiter durch die Selbsthülfe die heutigen jämmerlichen Zu- stände, durch die sie in einer so gedrückten Lage sich befinden, zu än- ver» rm Stande wären, ich sage, daß gerade diese Gegner der Sozia- tlsten sofort mit sich selbst i» Widerspruch gerathen, wenn die Arbeiter die Selbsthülse praksisch zur Ausführung bringen; und es kann nicht schaden, wenn man sie einmal auf die Konsequenz hinweist, die bei ihrer Selbsthülfe herauskommt. Die Freunde der Selbsthülfe, unsere Gegner, machen gegenwärtig den Sozialdemokraten bei jedem Strike, der ausgebrochen ist, den Vorwurf, daß wir, daß die Sozialdeinokraten es gewesen seien, welche die Arbeitseinstellung prooozirt chatten. Die Strikes, mögen sie aus- brechen wo sie wollen und wann sie wollen, immer sind es die bösen Sozialdemokraten, die von den liberalen Zeitungen dafür verantwort- lich gemacht werden. Und doch sollten,»ach ineinem Dajürhalten, diese liberalen Zeitungen, die ja den Arbeitern die Lehre von der un- fehlbaren Selbsihülfe bis zum Ekel gepredigt haben, sich freuen, wenn viele Strikes zum Ausbruch kämen. Wenn wir auf dem Standpunkte der Selbsthüljc ständen, wir würden uns schämen, die Vaterschaft der Strikes als Kinder der Selbsihülfe abzuleugnen, wir würden uns im Gegentheil freuen, wenn wieder neue Strikes ausbrächen, dann wäre ia die Theorie von der Selbsthülfe nur praktisch zur Anwendung ge- kommen. Die Arbeiter aber, die so lange von den Dienstleuten der Boun geoisie am Narrenseil der löfchpapiernen Theorie der Selbsthülfe sich haben herumführen lassen, werden durch das jämmerliche Gewinsel und Geheul der Bourgevis-Presje aller Schattirungen, die bei jedem Strike gegen die Arbeiter Partei nimmt, doch wohl endlich zum Nachdenlcn kommen. Wir Sozialisten sind gar nicht Gegner der Selbsthülfe, bewahre! w r wenden sie an, wo wir sie für zweckmäßig hallen und gebrauchen jsie folglich auch z. B. bei Arbeitseinstellungen. Merkwürdig aber ist, daß gerade die Doktoren und die Presse jener Partei, die für alle soziaten Schäden und Gebrechen des modernen Staatskörpers das Universalmittel der Selbsthülfe anpreisen, sofort WA ihrer Weisheit am Ende sind, wenn die Arbeiter von diesem Re- zept Gebrauch machen wollen. Darf es uns da wundern, daß diese -spostel der Selbsihülfe uns, den Sozialisten, die Schuld an den Arbeits- ilnstellungen nun in die Schuhe schieben? Es ist aber auch zu arg. Da haben jene Herren sich die unsäg- uchste Mühe gegeben, und unter den Fittiaen der liberalen Bourgeoisie n»d von'fortschrittlichen Musterknaben Gewerkvereine als Bollwerke lligen die sozialistischen Irrlehren gegründet. Das Geschäft der Firma Schulze, Dunker und Hirsch war in lchonster Blüthe. Die Lehre von der„Harmonic zwischen Kapital und Arbeit" löste alle Konflikte zwischen Arbeiter und Unternehmer ni Wohlgefallen auf, und es war gar nicht abzusehen, wie viele Gim- tzel noch auf dieser Leimruthe sich würden sangen lassen.» Und doch!„Keine Hossnung ist Wahrheit geworden" könnte jetzt Htrr Hr. Max Hirsch fingen. Das Kapital, die großen Fabrikanten, die ia die Produktionsinjirumenle, also alles Kapital zur Verfügung haben, die wissen es sehr gut, und gerirten sich gar nicht, als ob eine Harmonie zwischen Kapital und Arbeit jemals von ihnen gewünscht worden wäre. Die Arbeitseinstellunq der 8000 Bergleute im Walden- bniger Kohlenrevier war der erste schreiende Mißton in den Akkorden dieses harmonischen Duetts, und demoiistrirte den Arbeiier» so recht all oeulos, daß unter den heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen, unter den gegenwärtigen ökonomischen Einrichtungen die Interessen der Ar- bert und des Kapitals höchst u n h a r m o n i s ch e, daß sie unvereinbare Gegen- idtze sind. Du>ch jeden ausgebrochenen Strike sehen wir diese söge- nannte Harmonie-Theorie vollständig aus den Kopf gestellt, und unsere Agitation für den Normalarbeitstag von 10 Stunde» wird ehr bald "'t Nichtigkeit dieser Harmonielehre vollends blosstelle». Und die Arbeiter, die heule noch jener Richtung anhängen, werden ','°!gen schon, sobald sie von der Theorie zur Praxis übergehen, den Lösbaren Widerspruch erkennen, und durch die unerbittliche Logik der '«Wen Wirklichkeit in unsere Reihen gedrängt. sSchluß folgt.) Mühlheim a. Rh. Bom Komitee der vereinigten Weber ist gegen die verläumderische» Annoncen der Miihlhcimer Arbeitgeber im dortigen Lokalblatt ein Eircular erlaffe» j worden, in dem es heißt: „Wir erklären nochmals, daß bei unserer Forderung höherer Löhne ! und Abschaffung der Strafgelder ursprünglich von einer Ar! eitseinstel- ! lung gar keine Rede war, denn selbst das Komitee hätte niemals ge- glaubt, daß es zur Arbeitseinstellung kommen würde. Ferner, daß wir nur einige Stunden Bedenkzeit gegeben, ist unbegründet. Die Firma Christoph Andreae erwähnte gar nichts in ihrer„Aufklärung" davon, daß schon vier Wochen oder noch länger vor der Arbeitseinftel- lung ein Schreiben mit vielen Unterschriften um Erhöhung der Löhne an sie gerichtet wurde; man hielt es nicht einmal der Mühe werth, darauf zu antworten. Es wurde fortwährend von einzelnen Arbeitern derselbe Antrag gestellt, doch jedesmal der Bescheid: die andern sind doch zufrieden, warum denn ihr nich.? Darauf erst sahen die Arbeiter ein, daß Einigkeit nöthig war; deßhalb traten sie alle zusammen, wähl- ten ein Komitee und beauftragten dasselbe, im Namen sämmtlicher Kollegen vorzugehen, und so geschah es. Der Antrag wurde gestellt, man wollte sich uns gegenüber zu nichts verstehen und nur Kleinig keiten wurden gewährt, nämlich Erhöhung des Tagelohnes von 15 au 20 Sgr. Weil die Arbeiter damit nicht zufrieden, trat das Komitee nochmals den Arbeitgebern mit der Bitte entgegen, doch eine Antwort zu geben, ob sich vielleicht in drei oder vier Tagen oder noch später etwas thun ließe, worauf Herr Noell die entschiedene Antwort gab! „Nicht in acht Tagen, njcht in vierzehn, nicht in drei Wochen, ja nicht in drei Monaten; wir geben keinen Pfennig mehr Lohn, wir lassen lieber unsere Waaren in Schlesien machen, wo man täglich für 8 Sgr. gearbeitet bekommt, oder in Zuchthäusern." „Dieses ist die reine Wahrheit, worauf wir fest stehen bleiben, weil wir es mit Recht und Gewissen beweiseu können; und jetzt urtheile man, ob die Arbeitseinstellung Recht oder Unrecht war.— „Auf Abschaffung der Strafgelder wurde deshalb augetragen, weil es 1) bei der Bestrafung unrecht zugeht, da Diejenigen, welche aus Gewohnheit immer zu spät kommen, weniger gestrast werden als Die, welche sich dies nur selten zu Schulden kommen lassen. 2) Was that man in den Reihen von Jahren mit den Strafgeldern? Nur erst seit kurzer Zeit, als das Murren der Arbeiter immer lauter wurde, hat man bei Herrn Andreae eine Kasse gegründet, woraus dem kranken Arbeiter täglich 2 Sgr. zufallen. Wir bezahlen aber unsere Steuer in die Krankenkazse, deßhalb haben wir keine Strafkrankenkasse nöthig Mögen die Herren einmal den Versuch machen, die Strafgelder an diejenigen Arbeiter am Schlüsse des Jahres zu vertheilen, welche nicht bestrast wurden, so glauben wir, wird bald Nichts mehr in die Straf- kasfe fließen. „Ferner erkennen unsere Arbeitgeber an, daß die Zeit für unsere Forderilngen gut gewählt sei; wenn das der Fall ist, so wird die gut gewählte Zeit doch auch etwas dazu beitragen, unfern Antrag zu be- friedigen.— Weiter lesen wir, daß schon ein Theil der Kunden 10% für die Waare mehr bezahlen; möchten dann doch die Arbeitgeber auch 10% drauflegen nnd wir lassen 5% nach. Sollten denn auch wirklich bei der jetzigen Bestellung nicht gar so viele Prozente abfallen, sie wer- den dann doch bei den zukünftigen wieder herauskommen. Wir arbei- ten schon so viele Jahre, aber wenn wir unsere Neujahrs-Rechnung machen, so haben wir bei unserer Mühe und Arbeit und bei dem küm merlichen Leben noch so und so viel Prozent Schulden gemacht und die Steuerzettel sind dann auch noch nicht quittirt; da hat denn der liebe Mann, der Executor, auch schweren Dienst; aber woher nehmen und nicht stehlen? Und das wird nicht besser, sondern von Jahr zu Jahr schlimmer. Deshalb glauben wir, daß 20% vorläufig nicht zu viel für uns wären, und würden wir dann die Arbeit wieder auf- nehmen; die 5% würden dann wohl noch später kommen.— Noch haben wir zu erwähnen, daß wirsämmtlicheKomitee-Mitgliedervon den Arbeitgebern unsere Entlassung erhalten haben, weil sie unser erstes Flugblatt für eine Schmähschrift halten. Wir haben Niemand geschmähet, aber wenn die Wahrheit eine Schmähung ist, so schmähen sich die Arbeitgeber selbst. Wir haben unsere Entlassung mit Stolz entgegew genommen und sagen den Arbeitgebern für diese so kleinliche Revanche unfern verbindlichsten Dank mit her festen Ueberzeugung, daß sie noch einmal froh sein werden, solche Arbeiter beschäftigen zu können. Wir haben uns nicht selbst zum Komitee gewählt, sondern unsere Kollegen thaten dies und wir würden es uns für eine Schande anrechnen, wenn wir es ihnen verweigert hätten, so wie es auch eine Schande ist für diejenigen Mitarbeiter, die uns gewählt haben, um ihre gerechte Sache zu vertreten, wenn sie davon zurückstehen. Als wir unsern Abschied erhalten hatten, wollten wir unser Amt niederlegen, aber sämmtliche Arbeiter waren dagegen, so wurde dann noch ein Hülss-Komitee ge wählt nnd dasselbe überbrachte den Arbeitgebern am 14. d. M. ein Schreiben im Namen sämmtlicher Kollegen, um einen Vergleich her- öeizusühren. Es wurde besonders daraus aufmerksam gemacht, die Arbeitgeber möchten noch einmal überlegen, ob sie auch nach Recht und Gewiffen handeln, und daß ihnen der Kern ihrer Arbeiter verloren geht, wenn auch einige die Arbeit wieder aufgenommen. Hierauf kam der Bescheid, vor den Arbeitgebern zu erscheinen nebst Mitgliederu aus dem entlassenen Komitee; wir kamen, aber was verlangte man von uns?— Wir sollten Alles, was in unserm Flugblatt steht, widerrufen, und das, was die Arbeitgeber im Miilheimer Kreisblatt zur Aufklärung brachten, für Wahrheit proklamiren; sogar der Herr Noell trat wieder gegen uns auf mit der Behauptung, er öabe uns keine solche Antwort gegeben. Das war uns denn doch zu viel und hätten wir solches be- sonders vom Herrn Noell nie erwartet. Ferner sollten wir uns noch verpflichten, nie wieder so etwas anzufangen, dann könnten auch wir wieder in Arbeit treten und wolle man 10% mehr Lohn geben. Aber mitStolz traten wirwiederzurück; denn wir wollten die Wahr heit nicht mehr verläugnen, sondern ste zur Geltung bringen, lieber wollen wir untergehen; nun urtheile man!— Wir werden die gerechte Sache so lange vertheioigen, so lange es unsere Kollegen von uns verlangen; nur dann erst werden wir Mülheim Lebewohl sagen, wenn einstimmig beschlossen ist, die Arbeit wieder aufzunehmen." Wir». In der Hetzer'schen Bandsabrik Hierselbst brach wegen einer inhumanen Fabrikordnung vor einiger Zeit ein Strike au«, welcher alle Aussicht auf Erfolg hatte, zumal die Stnkisten von ihren Geschästsgenossen wacker unterstützt wurden. Da kamen einige Schwaben und Sachsen gen Wien gezogen, und halsen den Strike vereiteln, indem sie in obenbezeichneter Fabrik Arbeil nahmen, trotz- dem sie wußten, daß daselbst gestrikt wurde. Die Letztern sind aus Mittweida und heißen; Gustav Streubel, Gustav Müller, Aw ton Harter und Bruno Damm. Wenn nun gleich die Arbester in Mittweida sich freuen können, einige Troitel losgeworden zu sein, möge man doch bedenken, daß wir hier an der schönen blauen Donau selcht noch Vorrath an solchen ha- den, daher auf derlei Zuwachs und Nachschübe großniüthig Verzicht leisten. Franz Schnabl, Bandmacher, Schriftführer der Unlerrichlssektion der Manufakturarbeirer- Genossenschaft. Dresden. Unsere inodernen Großwerkstälten bekommen immer mehr und mehr einen zuchthausähnlichen Anstrich. Was soll man dazu sagen, wenn wie in der Schijjbaufabrik von Otto Schlick die Arbeiter während der 10'/, stündigen Arbeitszeit eingeschlossen und mit 5 Gro- scheu bestraft werden, wenn sie ihren Durst mit einem Schluck Bier oder ihren Hunger mit einem Bissen Brod beschwichtigen? Gegenüber solchen Arbeitssklaven waren die Leibeigenen noch wahre Freiherren. Ob dieser Prinzipal wohl einen richtigen Begriff davon hat, daß die Arbeiter es sind, die ihm im Schweiße ihres Angesichts seinen Rcichthum schaffen?(„Dresdener Volksbote.") Würzen. Die Waschfrauen zu Würzen haben nach ge- meinsamer Berathung nachstehende Erklärung im dortigen„Wochenblatt nnd Anzeiger" erlassen:„Zur gefälligen Beachtung. Den geehrten Herrschaften in Würzen die ergebene Nachricht, daß in Anbetracht der hoch gesteigerten Miechzmseii und aller übrigen noihwendigeu Le- bensbedürsnisse und in Erwägung, daß allen Beamten deshalb ihre Dienstgenüsje ausgebessert worden sind, jeder Professionist seine Erzeug- nisse und jeder Arbeiter seine Arbeitskrasl höher verwerthet, als sonst auch wir eine Lohnerhöhung eüitteien lassen müssen und zwar dergestalt, daß wir von jetzt an für daS Waschen von früh 5 bis Abends tz Uhr 10 Sgr. und von früh 6 bis Abends 7 Uhr 7% Sgr. mit der Kost beanspruchen. Sämmtliche Waschweiber von Würzen." Schwarzenberg. Ueber die sächsische Spitzenindustrie und die au« Siaatskassen unterstützten Klöppetschulen im Jahre 1870 ent-, nehmen wir einem uns vorliegenden Auszuge aus dem Jahresbericht des Klöppelschulinspektors Hrn. C. A. Richter in Schwarzenberg fol- gende Mittheilunge»: Ein großes Glück, ein wahrer Segen für unser i Gebirge war und blieb es, daß bei der fast allgemeinen Gewerbsstockung seine Luxusindustrie, das Spitzenklöppeln, von den großen und gewal- tigen Ereigniffen des vorigen Jahres nicht nur unberührt bleb, sondern rrotz derselben sich kräftig entwickelte und erweiterte und seinen 20,000 ! bis 22,000 Arbeitern außer vollster Beschäftigung auch gute Arbeits- ! Verdienste bot. Nach der Statistik der aus Sta'tskassen' unterstiitzten Klöppelschulen brachte das Jahr 1870 zu den in Aue, Bermsgrün, Breitenbrnim, Crandorf, Crottendorf, Grünhain, Hundshllbel, Marien- berg, Neuftädtel, Pöhla, Naschau, Rittersgriin, Rothenkirchen, Schlema, Schneeberg, Schwarzenberg, Ober- und Unterwiesenthal, Ehrenfrieders- darf, Jöhstadt, Drehbach, Elterlein, Thum und Zschorlau bereits be- stehenden derartigen Anstalten 3 neue: zu Königswalde, Nendorf und Hammeruntcrwiesenthal und erhöhte deren Zahl damit auf 30. Die- selben wurden von 26 Lokalinspektoren mit 107 Mitgliedern geleitet und beaufsichtigt. Für Unterricht und Erziehung sorgten 34 Lehrerinnen. Die Durchschnittszahl der Schüler war 1799, von denen 363 an dem Nähunterncht Theil nahmen. Die Arbeitsverdienste dieser Schüler be- liefen sich auf 14,699 Thlr., die der bessern Schüler bei täglich 6stün- diger Arbeit auf 35 bis 40 Tblr. jährlich. Die Gesammteinnahme belief sich auf 5774 Thlr.(darunter 3038 Thlr. Staatsbeihstlfeir) Die Ge- sammtausgabe betrug 5130 Thlr. An Kassenbeständen verblieben 668 Thaler.(„Zwickauer Tageblatt") (Wir bitten unsere Freunde im Erzgebirge nni Auskunft darüber, was erwachsene Spitzenklöpplerinnen durchschnittlich verdienen. Der oben auf 30— 40 Thlr. jäh rlich angegebene Verdienst der„bessern Schüler bei täglich 6 stündiger Arbeit" läßt das„große Glück" und den„wahren Segen", welche die Spitzeuklöppelei den Bewohnern des Erzgebirges gebracht haben soll, in sehr zweifelhastem Licht erscheine». D. R. d.„V.") Breslau. Der Artikel:„Zur Parteisteuer-Frage"(Nr.72d.V.) enthält einen scheinbaren Rechnungsfehler, der geeignet sein könnte, gerechte Zweifel an der Rechenfertigkeit der Breslauer zu erregeil. Die dort ge- gebene Berechnung der ungefähren Steuerkrafi von 10,000 Steuernden giebt ein Resultat, das weit hinter dem zurückbleibt, welches sich heraus- stellen müßte, wäre diese Berechnung auf Grund des zugleich gegebeneu Steuerschema's angestellt worden. Dem ist aber nicht so: dieselbe stützte sich vielmehr auf ein ftllheres Schema, das, als mangelhaft, kurz nach der Absendung des Antrages nach Leipzig verworfen wurde. Der end- gültig angenommene Steuertaris wurde nun zwar sofort nach Leipzig nachgesandt, auch bci der Ausnahme des Antrags in's Partei-Organ berücksichtigt, aber ohne daß man daran dachte, daß man damit der ge- gcbeuen Berechnung ihre Basis völlig entzog. Um übrigens dem Vorwurf zu begegnen:„wir hätten bei der Auf- stellung des Exempels die thatsäcklichen Verhältuiffe zu wenig ins Auge gefaßt", wollen wir dasselbe wie folgt modifiziren: Angenommen unter 100 Parteigenossen befinden sich 15 auf der 1., 30 aus der 2., 20 aus der 3., 10 auf der 4,, 10 aus der 5., 5 auf der 6., 5 auf der 7., 2 aus der 8., 2 auf der 9., und 1 auf der 10. Steuerstufe, so würden 10,000 Mitglieder jährlich 14,507 Thlr. 15 Gr. steuern. Damit denken wir den Verbältnissen genügend Rechnung getragen zu haben. Frankenhausc»-ITH. den 13. Sept. Die„Nordhüuser Zeitung" bringt in ihrer Nr. 203 vom 6. Sept. unter den„Lokal-Nachrichteu" folgenden Artikel:�) „Nordhausen, den 5. Sepl. Man wird sich erinnern, daß vor einiger Zeit hierorts eine öffentliche Agitation der s ozialdemokratischen Partei stattfand, welche von den auswärtigen Sendlingen Herrn Leine- weder und Klinghardt geleitet wurde. VonErsterem, welcher jetzt in einem hiesigen Etablissement engagirt ist, geht uns nun folgende Erklärung zu: „„Aus vielseitige Anfragen und Verdächtigungen erkläre ich hierdurch, daß ich nach gewonnener bessererUeberzeugung dersozialdemo- kratischen Arbeiterpartei nicht mehr angehöre. A. Leineweber, Dreher."" Darauf hin sandte ich an den Redakteur der„Nordhäuser Zeitung" W. Mühlberg, Folgendes: „In der Mittwochs-Nummer(208) vom 6. Sept. befindet sich unter den Lokal-Nachrichten eine Erklärung von einem Individuum Namens Leineweber, Dreher. Darauf hin erlaube ich mir zu er- klären: „A. Leineweber hat noch nie einer sozial-demolratischen Arbeiter- partei angehört, sondern er hat für seine und Anderer persönliche, pekuniäre Zwecke agitirt, also den Namen Sozialdemokratie gemiß- braucht. Aus Ve langen stehen die Beweise zur Verfügung. „Ich weiß nun zwar nicht ob Sie, Herr Redakteur, diese meine Erklärung veröffentlichen werden; ich glaube aber, daß die Veröffent- lichnng durch die Konsequenz erheischt wird, da schon voriges Jahr in Ihrem Blatt eine Bemerkung über das„taktlose Vorgehen" Leinewebers gestanden hat. „In dem Glauben, daß Sie meine Bitte erfüllen werden zeichnet Hochachtungsvoll A. Welke." Bis Dato hat die„Nordhäuseriii" noch nichts von meiner Er- klärung gebracht, wohl aber über Leinewebers Vorgehen gegen die sozialdemokratische Arbeiterpartei, welcher in Vereinen Aufschluß über die Partei gegeben haben soll; veröffentlicht ist noch nichts davon. Nun erlaube ich mir folgende Bemerkung: Leineweber ist hier ge- boren,(sein Vater ist Stadtpolizeidiener, sein Bruder dasselbe) ich habe mit ihm in einer Fabrik gearbeitet und könnte ihn sehr genau beur- theilen, will mir aber das vorbehalten bis zu gelegener Zeit. Es bleibt abzuwarten, ob in einem Buschner mehr Leineweber, oder in einem Leineweber mehr Buschner stecken. A. Welke. Jntcruationalc Gewerksgenossenschaft der Holzarbeiter. Für Holzarbeiter». s. w. Wien. Die Holzarbeiter, Tischler, Wagner, Korbflechter, Drechs« ler jc., welche in Wien Arbeit suchen, werden aufmerksam gemacht, daß der Fachvereiii der Holzarbeiter iu Wien, Neubau, Kir- chengasse Nr. 6, die Arbeitsvermittlung täglich von 7 bis 9 Uhr Abends besorgt und werden dieselben in Ihrem eigenen und Aller In- teiesse ersucht, sich dahin zu wenden. Für den Ausschuß: Franz Wiesböck, Obmann, Vl. Liniengasse Nr. 37 in Wien. Dresden. Zum Berliner Tischlerstrike. Dem hiesige» Komitee der Holzarbeiter ging von den strikenden Berliner Kollegen unterm 14. d. M. folgendes zu: „Geehrte Kollegen! Euer Schreiben nebst Geldsendungen im Be- trage von 13 Thlr' resp. 35 Thlr. haben wir erhalten. Ihr werdet wohl entschuldigen, wenn nicht immer gleich Antwort kommt, denn die Arbeit ist jetzt eine furchtbare, die Geldsendungen kommen täglich vom Süden und vom Norden, aus Ost und West, jedoch steht Ihr in erster Linie, denn Ihr zeigt Euch am rührigsten. Die Vergeltung wird hoffentlich von unserer Seite nachkommen, denn unser wieg soll für Euch die Vorarbeit sein, damil wir sämmtliche Tischler in der Provinz uns folgen sehen. Was nun unsern Strike anbetrifft, so werden wir hofseiltlich in 14 Tagen zu Ende sein, wir haben am 15. September Nachmittags 4 Uhr eine Versammlung, wo wir(die Kommission) zum ersten Mal mit den Meistern in Verhandlung treten werden. Bis jetzt hat uns der größte Theil der Meister die Unterschrift verweigert, von den 2500 Meistern, welche wir hier haben, haben uns vielleicht 500 die Unterschrist gegeben, und so haben wir von den 10,000 Gesel- ten jetzt 2000 in Arbeit. Nun Kollegen, da könnt Ihr Euch denken, welche Arbeit wir(die Kommission) habe», um eine solche Menschheit mit so verschiedenen Meinungen zu befriedigen. Wir zahlen zetzt eil 3 Wochen den Verheiratheten 2 Thlr., den Unverheiratheren l1/» Thlr. pro Woche. Welche Summen dazu gehören, 7öiiiit Ihr Euch denken; die Kollegen stehen ziemlich fest, wir halten bis jetzt noch auf 25% Lohnzuschlag und 9'/,stüiidige Arbeitszeit. Wir wollen nun das Resultat der Meisterversammlung abwarte», da sie sich im Anfang ge- äußert haben, man wurde uns erst einmal 4 Wochen hungern lassen, aber Brüder, wir haben noch nicht gehungert, wir werden ihnen zeigen, daß nicht allein dieTischlergejellen Norddeutschlands einig sind, nein, auch die von Wien und München stehe» zu uns. Mit brüderlichem Gruß Otto Richter, stellv. Bors. d. Strike-Komitee hier. *) der natürlich von der Bourgeoispresse portirt wurde. herunilol- Red. d. P. weisen, daß'ihr Profit durch Annahnie der Neunstundenarbeit in einer Weise geschmälert. würde, welche es ihnen unmöglich machen würde, die Fabrikation mit Vortheil fortzusetzen, dann wären natürlich die Forderungen der Liga beantwortet.(?*) Unter allen Umständen war es jedoch ein Fehler, ausländische Arbeiter einzuführen, deren Sympathien, wie sich voraussehen ließ, auf Seiten der Strikenden sein mußten. Die letzteren, weit ent- sernt, muthlos zu sein, triumphiren jetzt und ihr jetziger Triumph wird vielleicht zu Folge haben, daß man bei einer künftigen Gelegenheit schwerer mit ihnen fertig wird, wo die Meister das Recht klarer auf ihrer Seite haben und wo die Männer den Bedürfnissen der Industrie, von der sie eristiren, nicht Rechnung tragen." Eines Commentars bedarf dieser Artikel nicht, dessen Motiv in dem Schlußsatz ziemlich klar zu Tag tritt. Rur möchten wir bitten, den Ton, in welchem das vornehmste Bourgeois- Organ des ökonomisch entwickeltsten Landes— das Weltorgan der Bourgeoisie,— die Arbeiterfrage bespricht, mit den theils kindischen, theils gemeinen Ergüssen über die soziale Bewegung zu vergleichen, in welchen die deutsche Bourgeois- presse seit einem halben Jahr ihre denkervolkliche Ignoranz, zu- gleich mit ihrer politischen Unreife, bekundet. Roch charakeristischer vielleicht ist der nachstehende, ebenfalls schon erwähnte Brief eines englischen Bourgeois an die „Times": „Als langjähriger Arbeitgeber erlaube ich mir, Sie mit folgenden Zeilen zu belästigen und Ihren mächtigen Beistand zur gütlichen Schlichtung eines Streits anzurufen, der sehr ge- fährliche Dimensionen anzunehmen droht. Ich halte es für wichtig, zum Bewußtsein zu bringen, daß der gegenwärtige Kampf kein bloßer lokaler Trades-Unions-Streit ist, der bloß lokale Interessen eines einzelnen Geschäftszweigs berührt. Wäre dem so, dann könnte man unbedenklich die Sacke von den beiden Parteien ausfechten lassen. „Die gegenwärtige Agitation hat in der Eisen- Industrie begonnen, allein die Führer der Bewegung stehen nicht an, zu erklären, daß es sich in letzter Instanz um die Verkürzung der Arbeitszeit um ein Zehntel für alle Lohnarbeiter des Lands Handell. Durch dieses Verlangen wird der Kampf aus einer lokalen zu einer, das ganze Land angehenden Reichsange- legenheit erhoben. Die Arbeitszeit um Vio einschränken,/?) heißt thatsächlich die Produktionskraft des Lands einzuschränken und seine Weltstellung verändern. Ferner wird der Preis der Waaren, von welcher Art sie auch seien, in ähnlicher Weise asfizirt. Die Frage affizirt so direkt und dauernd das Land und erheischt die ernsthafteste Aufmerksamkeit der tüchtigsten Geister der Nation. Wenn es nach gründlicher und unparteiischer Prüfung sich ergiebt, daß diese Einschränkung der Arbeitszeit für die Wohlfahrt der arbeitenden Klassen wesentlich ist, dann ist es eine unzweifelhafte Nothwendigkeit, sich zu fügen und die tikachtheiles?) der Einschränkung hinzunehmen. Aber ich meine, die Sache sei viel zu wichtig, als daß man die Lösung dem Zufall überlassen dürfte. Es giebt, wie mir scheint, nur Einen vernünftigen Weg: Die Ernennung einer Parlaments- Kommission, welche vorurt heilsfrei und leidenschaftslos die ganze Frage zu untersuchen, und wenn nöthig, die Schritte der Gesetzgebung zu leiten hat. Fährt man fort, nichts zu thun, so werden die ohnehin schwer geschädigten Beziehungen zwischen Arbeitern und Arbeitgebern noch mehr verbittert und die Massen der Arbeiterbevölkerung in die Arme von Männern getrieben, deren Zweck mehr das Zerstören, als das Aufbauen ist. Ich schreibe, von dem auftichtigen Wunsche beseelt, das gegenseitige Verhältniß von Arbeitgeber und Arbeiter so zu gestalten, daß kein Antagonismus(Widerstreit) besteht, sondern ein gemeinschaftliches Interesse." So weit dieser bemerkenswerthe Brief. Die Frage des Normalarbeitstags ist neuerdings inner- halb unserer Partei so gründlich diskulirt worden, daß es hier nicht nöthig ist, bei den„Nachtheilen", welche der englische „Arbeitgeber" von der Einführung der llstündigen Arbeit be- fürchtet, zu verweilen. Jedenfalls bleibt es eine Thatsache von hoher Bedeutung und ein glänzendes Zeugniß für die Mäch- tigkeit der englischen Arbeiterbewegung, daß ein„langjähriger Arbeitgeber" den vom Staat festzusetzenden Normal- arbeitstag befürwortet und zwar als Rettung vor gewalt- samer Revolution(vor„Männern, deren Zweck mehr das Zerstören als das Aufbauen ist") und um„das Verhältniß der Arbeitgeber und Arbeiter so zu gestalten, daß kein Antagonis- mus besteht, sondern ein gemeinschaftliches Interesse", mit an- dern Worten: um Kapital und Arbeit in„Harm on i e" zu bringen — mit gütiger Erlaubniß des Hrn. E)r. Max Hirsch, der hoffentlich nicht in Ohnmacht fallen wird.— Herr Prof. Biedermann in Leipzig hat auf unsere Anfrage in voriger Nummer noch nicht geantwortet. Wir wiederholen hiermitdie Anfrage und erklären, daß, wennder betreffende Sozialdemokrat mit de» 30 Injurien- Prozessen nicht bis zum nächsten Montag namhaft gemacht ist, wir darin das Ge- ständniß erblicken müssen, daß Herr Professor Biedermann wieder einmal— ä la Biedermann mit der Wahrheit umge- sprungen ist. sondere aber unsere Ortsvereine, für deren Verbreitung Sorge zu tragen. Der Generalrath des Gewerkvereins der deutschen Gold- und Silberarbeiter n. verw. Berufszenossen. Aus Schwäbisch Gmünd erhalten wir folgende Warnung für Gold- und Silberarbeiter. Im Interesse unseres Gewerkes sowohl, als auch im Interesse unserer Schwäbisch Gmünder Berufsgenossen, ersu- che» wir alle Gold- und Silberarbeiter, so lange den Zuzug nach Schwäbisch Gmünd zu vermeiden, bis die dortigen Fabrikanten bereit sind, auf Einführung einer beiderseits zu vereinbarenden Fabritordnung Mit zehnstündiger Arbeits- zeit einzugehen. Alle resp. Arbeiterzeitungen werden ersucht, diese War- nung in ihre Spalten aufzunehmen; ebenso ersuchen wir die Fachvereine der Goldarbeiter in Wien und Genf, insbe- *) Falsch! Wenn die B-rkürznna der Arbeitszeit im Interesse der Arbeiter nolhwendig ist, sich aber nicht mit den Interessen der Heu- ligen Produktionsweise verträgt, so ist damit der Beweis geliesert, daß die heutige Produktionsweise sich überlebt hat uud je früher je besser abgeschafft werden muh. Brüssel. Die strikenden Maschinenbauer haben die von den Arbeitgebern gestellten Bedingungen nicht angenommen. Nur bei drei Fabrikanten, welche auf den von der Maschinenbauer-Assozialion ange- bahnten Vergleich— Illstündiger Normalarbeitstag, 50% Lohnerhöhung für lieberarbeit, Abschaffung der Strafgelder mit Ausnahme für Ver- säumniß am Montag und Führung der Hilsskassen, durch die Arbeiter selbst— eingegangen sind, ist die Arbeit wieder aufgenommen, Internationale Metallarbeiterschast. Hannover, den 17. September 1871. Der Aufforderung des Ausschusses in Nr. 65 des„Volksstaat" sind nur einige Orte nachgekommen und fordern wir nochmals die Beamten aus, ihre Adresse nebst Angabe der Stunden für Auszahlung der Reiseunterstllhung zur Kenntniß des Unterzeichneten gelangen zu lassen. Dann werden die Ortsvorstände in Kenntniß geseßt, daß Mitgliedsbücher vorhanden sind und je nach Be- darf verlangt werden tonnen. Auch habe» wir die erfreuliche Mittheilung zu machen: daß außer Chemnitz«'welches den Glanzpunkt dieser Ge- werkschaft bildet) auch in Cßlingen, Dresden und Königsberg Mitgliedjchaslc» gegründet sind, welche zu den besten Hoffnungen be- berechtigen. 526 Bücher sind bis Dato an die neuen Mitgliedschaften verausgabt und sind ihrer wieder 1000 Stück im Druck begriffen. Was den Borschlag Nürnbergs in Nr. 74 des„Volksstaat"(General- Versammlung betreffend) anbelangt, könnten wir Fraulurt a/M. als Ort der Generalversammlung nur empfehlen; dahingegen halten wir die Zeit als zu knapp beincssen und empfehlen wir darum die Generalversammlung Weihnachten abzuhalten— da jetzt der dringenden Geschäfte wegen nur wenige Delcgirte anwesend sein könnten, ohne ihre Stellung aufs Spiel setzen zu müssen. Deshalb ersuchen wir die Orte, ihre Ansicht in dieser Beziehung kund zu thun und darauf Bedacht zu nehmen, duich freiwillige Beiträge die Kosten der Delegirten bis dahin zu erschwingen, damit es auch der kleinsten Mitgliedschaft möglich werde, einen Delegirten zur General. Bersamm- lung zu entsenden. Die Abrechnung der Hauptkaffe wird Mitte Oktober im ,, Volksstaat'' zur Kenntniß der Mitglieder gelangen, auch werden die säumigen Orte bekannt gemacht: also: suche jeder Ort bis dahin seine Pflicht zu thun, damit es nicht nöthig werde, Säumige anzu geben. Außerdem beabsichtigen wir, alle Orte, welche nichts von sich hören und sehen lassen, zu kontroliren, damit endlich einmal konstatirt werde, woran die Schuld' liegt. Also frisch ans Werk, damit Letzteres nicht nöthig werde. Der Ausschuß: S. Franke, Geschäftsführer, Ballhofstr. 18. Hannover. XL. Die Adresse des Hauptkassircrs ist: H. Cammann in Linden vor Hannover, Ricklingerstr. 38. vhemnitz den 18. S pt. 1871. In der am 17. d. Mts. abgc- haltenen Gewerkschaftsversammlung kam der Nürnberger Antrag zur Diskussion. Nach kurzer Debatte stellt Großer folgenden Antrag: In Erwägung, daß ein einzuberufender Kongreß mit bedeutenden finan- stellen Opfern verknüpft ist, welche der Gewerkschaft mehr zum Schaden als zum Nutzen unter den jetzigen Verhältnissen sein dürften, beschließt die Versammlung, dem Nürnberger Antrag, welcher übrigens in keiner Weise motivirt sei, ihre Zustimmung nicht zu geben, Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Ernst Großer, Schriftführer. RowaweS, den 17. Septbr. Wenn wir ausrufen wollten: endlich fängt es auch bei uns an, zu tagen, so würden wir Unrecht thun, weil es hier schon lange getagt hat, durch schlechte Führer aber unsre Sache auf den Rückschritt geführt wurde. Vor diesem Eisern-Kreuz- Kriege bestand hier eine recht hübsche Manufakturarbeitergenoffenschaft. ziemjich 200 Mitglieder stark, und eine ebenso starke Mitgliedschaft des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins; erstere wurde aber von dem Bevollmächtigten Ste inert aufgelöst und die andere ließ der nächste Bevollmächtigte eingehen, und so blieb Alles ruhig bis zum Juli. Am 12. Juli hielt der Weber Resch aus Meerane hier eine Weber- Versammlung ab, wo Mentzel und Kühn aus Bernau undllhl- mann aus Berlin anwesend waren. Ich kritisirte den Obermeister Schmidt, welcher die Bewegung im Frühjahr unterdrückt hatte; ani nächsten Tag kam Schmidt und forderte meinen Meister auf, mich zu entlassen; da dieses nicht geschah, verklagte er mich wegen persönlicher Beleidigung,'worauf ich einmal beim Polizeikommiffar war, bis jetzt aber noch keinen weitern Bescheid erhalten habe. Was der Kläger für ein Mann ist, möge Folgendes zeigen: Aufsein eigenes Risiko bestimmte er ZOP Thlr. für eine neue Fahne der Weberinnung, welche mit dem Fahncnweihesest auf 300 Thlr. zu stehen kam. Die Meister murrten zwar darüber, aber in den Versammlungen waren sie ruhig. Zu dem Fahnenweiheseste wurde der Landrath und der Polizei- kommissarius eingeladen; ersterer schlug den ersten Nagel'(!?) in die Fahne, die andern Schmidt. Beim Umzug ging der Militär- verein mit Büchsen herum.(!!>— Am 15. Juli wohnte icheinerWeberversammlung inBeruau bei, wo auch Brand aus Berlin anwesend war; Zweck der Bersamm- lung war, einen Prooinzialwebertag einzuberufen, aber es kam zu keinem Resultat.— Am 6. August wohnte ich ebenfalls einer von dem Glauchauer Delegirten einberufenen Versammlung in Berlin bei; 250 Personen waren anwesend. Die alten Zünftler und die Fortschrittler ließen es aber zu keinem Ziel kommen; der eine Antrag von Scholz, an den Glauchauer Beschlüssen festzuhalten, wurde angenommen. Wir können ' ier nicht früher auf eine Besserung hoffen, als bis der Webertag in Ber- :n im nächsten Frühjahr stattgefunden hat.— Ich habe bis jetzt auf alle mögliche Weise versucht, Propaganda zu machen, bei den Gcsellenversammlungen, im Handwerkcrverein, aber vorläufig mit wenig Erfolg; es sind hier nichts als Arbeiter, und die sich dünken, etwas„Besseres" zu sein, haben etwa Tausend Thlr. im Vermögen, sehen aber keinen Aermern an; an Großindustriellen sind hier und Neuendorf— beide Orte hängen zusammen mit Potsdam — die Besitzer von vier Spinnfabriken und einer Fabrik Handstühle. Aber der Dummstolz gegen die Fremden, der hier herrscht, ist nicht zu beschreiben.— Am 13. Sptbr. berief ich eine Arbeiterversammlung ein, in der Herr Metzner aus Berlin anwesend war und einen Vortrag über die heutigen Arbeitcrverhältnisse und den Normalarbeitstag hielt. Einige Faktoren theilten Geld unter die Gesellen, welche die Versammlung sprengen sollten, aber es doch nicht ausführten; nur als ich mir Die- jenigen notirte, welche in einen zu gründenden Verein treten wollten, machten die Bezeichneten Skandal. Der Polizeikommissar fragte mich, was das für ein Verein wer- den sollte? Ich sagte ihm, daß ich dieses selbst noch nicht wisse. Da agte Metzner, ich hätte dem Herrn gar nichts zu sagen. Der Kom- mrssar darauf zu Metzner:„Sie schweigen! Ich spreche mit Hrn. Simon!" Darauf ergriff Metzner doch das Wort und legte dem >rn. Polizeikommissar dar. daß er gar nicht danach zu fragen „abe, es schiene, als wenn er das Gesetz gar nicht kennes; worauf jener erklärte, er würde AnNage gegen ihn(Metzner) erheben.— lieber den hierorts bestehenden Handwerkeroerein werde ich näch- stens berichten, für heute nur soviel, daß Resch wegen Theilna hme an der Politik ausgestoßen worden ist und mir auch schon das Gleiche gedroht worden»st Simon. Arbeitsnachweis. Zwei Stuhlarbeiter, erprobte Sozial-Demokraten, werden baldigst nach Potsdam gesucht, einer auf Birken-, einer aus Mahagoni-Slühlc. Für Birke a Dtzd. 4%— 6 Thlr., für Mahagoni ü Dtzd. 9—14 Thlr. ohne Kost. Reisegeld wird zur Hälste vergütet. Lachenmacher, Stuhlarbeiter IN Potsdam, Hodetzstraße 3. Fond für politisch Gemaffregelte. Von Hamburg 1 Thlr. 17 Gr.— Von Glauchau 4 Thlr.— Von der Gesellschaft Olympia in Neudörfel durch I. D. Häußler 2 Thlr. 2 Gr.— von Wilkau durch I. D. Häußler 11 Gr.— Bon I Limbach durch C. W. Schumann 1 Thlr 4 Gr.— Von Ronneburg durch F. Fuchs 6 Gr.— Von Cöln durch K. IV. 7 Thlr.— Von Breslau durch H. Oehme 3 Thlr.— Von Cöln durch O. E Falk 5 Thlr.— Von Bremen durch E. Freitag 5 Thlr. 12 Gr 6 Pf.— ! Von Berlin durch Havenith 2 Thlr.— Vom Arbeiterbildungs-Verein in Lunzenau durch E. Streume 1 Thlr. Der Parteikassirer: H. Bennecke, Kl. Schäserkamp 46a. 2 Thlr. 13 Gr. 9 Pfg durch C. u. K. Spandau erb., erzielt durch den Verkauf der„Zehn Gebote". 3 Thlr. von Parteigenossen in Röblitz, Hohenstein, Lichtenstein, Callnberg und Mülsen St. Riclas. _ Die Erpedition des„Volksstaat". Briefkasten der Expedition: K. u. C. Spandau: 15 Thlr. 23 Gr. 3 Pfg. für Abonnement, 9 Thlr. 3 Gr. 8 Pfg. für Schriften erh. S. Hoboken: Brief erh.; ä. cl. 30. August. B. Lahr, W. Cassel, Sch. Marburg. V. Asch: Das Bestellte abgesandt. F. Nürnberg: Sobald Preisver- zeichniß fertig, werden Sie dasselbe erh. H. Ronsdors: 1 Thlr für Schriften erh. M. S. Belgrad: 2 fl. 40 kr. erhalten.__ Tie geehrten Abonnenten, welche bei unser« Filialexpeditionen abonnirt haben und mit dem Abonnementsbctrage noch im Rückstände sind, werden dringend ersucht, die Beträge zu bezahlen, um den Filialen pünktliche Abrechnung zu ermöglichen. Tie(?i'pcditioll des„Bollsstaat." Aufforderung. Bürger Peter Boel'), Schuhmacher von Mainz, wird alles Ernstes aufgefordert, innerhalb 14 Tagen Nachricht zu geben. Der internationale Verein Zürich. Zürich, den 18 Sept. 1871. Chr. Gaiser, Schriftführer. *) Ist damit nicht etwa Peter Bvll gemeint? Für Mylau. _. Die Internationale Gcwcrkögenosscnschast der Manu- faktnr-, Fabrik- nnd Handarbeiter beabsichtigt, nächsten Sonntag, den 24.' d. M. ihr � zu Mylau, Anfang Abends 6 Uhr, abzuhaiten. Partei- und Gesinnungsgenossen sind willkommen. Im Namen der Genossenschaft: _ Franz L. Reichelt sen., Bevollmächtigte». O-H-PHlincrcfbcf mit Festrede und Ball � Ii-IT Li U-l-Lg} U im SchieMNhaaBMaal Für vamburg. Sozialdemokratischer Arbeiter-Verein. Versammlung. Montag d. 25. September, Abends 9 Uhr. in Tü ige's klein em Saal, Valentinskamp 41. Tagesordnung: Vortrag vom Unterzeichneten über das allge- meine, gleiche und direkte Wahlrecht für Staat und Gemeinde, insbesondere für Hamburg. ZM" Nur Mitglieder und Gäste mit Einfuhrnngskarte» haben Zutritt. Diese Karten sind zu haben bei F. Ä. Ackermann, gr. Neumarkl unter 30, sowie bei dem Unterzeichneten, Rödingsmarkt 12. August Geib. Für diejenigen Parteifreunde, welche der letzten Möntagsversamin- lung nicht beiwohnten, zur Nachricht, daß diese starkbesuchie Versamin« lung von etwa 50 Alwnacr Mitgliedern des Allgem. Deutsch. Arb.-V. lärmend gestört wurde. Uni.einer Erneuerung solchen Skandals vor- zubeugen, werden diesmal Einsührungskarten ausgegeben.___ Für Hamburg. Beim Ouartalswechset erlaubt sich Unterzeichneter u» Erinnerung zu bringen, daß die Bestellungen aus den„Volksstaat" womöglich bis zum 27. d. M. gemacht werden müssen. Abonuementspreis unvecän- dert Crt.-Mk. 1. 8. Sh., wovon 12 Sh. mindestens einzuzahlen sind. Bestellungen sind zu machen beim Unterzeichneten und werden selbige von A. Geib, Rödingsmarkt 12, entgegengenommen. H. F. W. Schultz, _ Platz beim grünen Sood, Hos 34, Saal 2. __ Der Crimmitschaurr__ „Bürger- und Bauerfreund" (Ar.«!i», Seite 18 de» Poft-ckcitiiiigsratalond 1870, täglich erscheinendes Organ der Demolratie, bringt Original-Leitartikel, Original-Feuilletons, soivie zahlreiche Nachrichteil aus Sachsen und Thüringen. Preis vierteljährlich nur 10 Sgr.(35 kr. süddeutsch) ein- schließlich Postgebühr._(3)1 Im Verlage der Lewenl'schen Buchbruckerci Berlin, Landsberger straße 32, erscheint vom 1. Oktober 1871 ab die „Demokratische Zeitung". Ter Name kennzeichnet die Tendenz.(2)1 Die neue Zeil hat durch den Rausch, den die Erfolge erzengt, das Nationalitätsprinzip in den Vordergrund gedrängt und hierdurch das demokratische Vewnfztsei» im Volke tief getrübt. Die„Temo- kratischc Zeitung" hat es sich zur Aufgabe gemacht, thätig und kräf- tig mitzuwirken, dasselbe wieder herzustellen. Sie ivird zu der große» Masse des Volkes in populärer Weise von dem Rechte desselben sprechen; sie hofft den Erfolg vorzugsweise von dem gesuiiden Sinne des Thei- les der Bürger, die durch die mühevolle Arbeit des Tages die ivahr- hafte Stütze des Staates sind und daher auch das meiste Recht z» Forderungen an denselben haben. Den Interessen der Arbeiter wird ein wesentlicher Theil der Zeitung geividmet sein. Auch koillUIU' munale Angelegenheiten erhalten in den Spalten derselben eine» hervorragenden Platz. Die„Demokratische Zeitung" vertritt das Prin ip, daß auf Grundlage einer freien ozemeilldeversaffung der Staat ich zu organisiren habe. Die neuesten Ereignisse in dem Leben der Stadt Berlin ivird ein möglichst reichhaltiges„Lokales" enthalten, der Erholung endlich von dem geräuschvollen Treiben der großen Welt ist ein Fcuulcton geividmet, das neben einer fortlaufenden Erzählung Auskunft über die neuesten Erzeugnisse auf dem Gebiete der Literatur geben wird. Die„Demokratische Zeitung" erscheint 7 mal wöchentlich, der Abonuementspreis für Berlin beträgt pro% Jahr l Thlr- S Sgr., pr. Monat II Sgr., Pr. Woche Ä Sgr. S Pf. inel- Botenlohn, für auswärtige Abonnenten 1 Thlr. 10 Sgr. Be- stellungen nehmen alle Postanstalten, Spediteure Berlins, und die Erpedition der Zeitung(Buchhandlung von Mecklenburg, Kraw senstrasze 41) entgegen. Die Jnsertionsgcbuhren betragen für die vierfpaltige Petitzeile 2 Sgr. 6 Pf., Arbeitsmarkt 1 Sgr. 6 Pf- Annahme der Inserate in de» Erpedition. Die Parteigenossen und Alle, welchen die Sache des Volkes wahr- hast am Herzen liegt, bitten»vir, unser Unternehmen durch Abonne- � ment, Verbreitung des Organs, journalistische Beiträge zu begünstige»! und zu stützen. Die Redaktion der„Temvkratischcn Zcitnngd Den Parteigenossen zur Kenntniß, daß die photographijche Grup- penaufnahme: Der Kongress der sozial-demokratischen Arbeiter-Partei Deutschlands in Tresden 1871, Preis a Stück 25 und 12'/, Ngr., im Dutzend 20 und 10 Nar., C wie Photographien einer großen Anzahl hervorragender Sozia listen ä Siück 10, 5 und 1'/, Ngr., ä Dutzend 3 Thlr. 6 Ngr- i 1 Thlr. 24 Ngr. und 15 Ngr. zu beziehen sind durch II. Huieling, UreHden, _ Chrislianstraße 16, IV.___ Telcgraphische Depesche. Freund Most heute freigelassen, groffe Freude Näheres folgt._ Chemnitzer„Freie Presse". Leipzig: Berantw.RedakleurA.Hep ilerlRedatlion: Pelerssteinwegiri- ' u. Verlag: F. Thiele.(Erpedition: Petersstr. 18.)