M 78. Mittwoch, dkn S7. Ekptkmbrr. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen deS In- und Aui- lande! an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, Peteristraße 18, K.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AbonnemcntSpretS: Für Preußen incl Stempelsteuer IS Ngr, für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Filialerpedition für die Ber- einigten Staaten: ?. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. via Newjork Organ der sozial-demokratischen Ardeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschasten. Abomcments-Einladmg. Wir bitten alle Leser und Parteigenossen, sich zum neuen Quartal, welches mit dem 1. Oktober beginnt, für die weitere Verbreitung des„Volksstaat" zu bemühen.— Das Abonnement erneuere man jetzt schon, um die unangenehmen Verzöge- ningen, die sonst beim Quartalwechsel eintreten, zu vermeiden. Das Postabonnemcnt ist, mit Ausnahme der Orte, wo Filial- erpeditiunen bestehen, das beste, und liefert jede Postanstalt gegen ein Bestellgeld von 2�/, Gr. pro Quartal den„Volksstaat" tsei ins Haus. Kreuzbandsendungen sind also überflüssig, da diese bedeutend theuerer. Der Abonnementspreis beträgt, wie bekannt, 12 Gr.; für Preußen incl. Stempelsteuer 16 Gr. Die Expedition des Bolksstaat. Politische Uebersicht. Die Entwaffnung derNationalgarde ist, nachdem Lyon keinen Widerstand geleistet, durch ganz Frankreich in„voll- ständiger Ruhe" vor sich gegangen. Bekanntlich soll die Na- lionalgarde nicht wieder hergestellt werden, da das der Bersailler Versammlung vorliegende, und ihrer Annahme gewisse Armee- Reorganisationsprojekt keine andern bewaffneten Körper anerkennt, als die Polizei und das auf preußischem Fuß einzurichtende stehende Heer. Somit wäre die„glorreichste Institution" der französischen Bourgeoisie von der französischen Bourgeoisie selbst vernichtet worden!„In Frankreich, bemerkt dazu die„Frankfur- ter Zeitung", ist eben ohne Sang und Klang, ja fast ohne ein Wort des Abschiedes, eine Einrichtung zu Grabe getragen wor- ben, die in der Geschichte des Landes eine Rolle gespielt hat, die nur unter den heutigen Verhältnissen so vollständig ignorirt werden kann, wie es Seitens der Presse und der öffentlichen Meinung geschieht. Von allen französischen Blättern, die uns in den letzten Tagen zugegangen sind, widmet nur der„Avenir national" der Nationalgarde, deren Beseitigung zur vollendeten Thatsach« geworden ist, einen längeren Nachruf.„Vor achtzig Jahren entstanden, so schreibt das republikanische Bla t, um einer Revolution zum Triumphe zu verhelfen, zieht sich die Na- ttvnalgarde heute beim Beginn einer neuen Republik zurück, um dem gesammten Volk in Wassens!?) Platz zu machen; sie verschwindet, belastet mit den Schmähungen und Verleumdun- gen derjenigen, die durch sie aus dem Nichts hervorgezogen wurden. Aber das Werk der Nationalgarde wird bleiben und memals untergehen, besteht es doch in nichts Geringerem als der Schöpfung des modernen Frankreichs. Die Geschichte>der Nationalgarde ist die unsrige überhaupt." Gewiß ist, daß Ent- stehung und Untergang der Nationalgarde Erscheinungen dar- stellen, welche die größte Beachtung des Geschichtsschreibers ver- dienen. Das Bürgermilitär gelangt zum Dasein als wesent- liches Produtt des dritten Standes im Kampfe mit Adel und Klerus und es müssen, wie es der„Avenir" richtig darstellt, die Nachfolger ihrer Gründer arglistig die Nachwehen eines furchtbaren Krieges mit einem äußern Feinde benutzen, um eine der wichtigsten Schöpfungen ihrer Vorfahren zu beseitigen, da ste im Laufe derZeit aus einemJnstrumente der Bour- ßeoisie zu einemWerkzeuge des sogenannten„vier- ten Standes" geworden ist." So weit die„Frankfurter Zeitung". In den letzten Wor ten des bürgerlich-demokratischen Blatts liegt das Geständniß, dfsfi die Bourgeoisie überhaupt heutzutage durch ihre soziale Stellung gezwungen ist, die Demokratie zu bekämpfen, wenn ste ihr auch mitunter in heuchlerischen Phrasen huldigen mag. allgemeine Volksbewaffnung— und die französische National- garde war ein Versuch dazu, obgleich von Anfang an dem Grundfehler te>dend,das stehendeHeer alsSonderorganisation fortbestehen zu lassen � allgemeine Volkswaffnung ist eine Fundamentalforderung der Demokratie, eine Forderung, welche die Garantie aller übrigen Mithält, und ohne deren Verwirklichung„Freiheit und Gleich- Wt" nichts sind als hohle Worte; allein gerade deßhalb muß die Bourgeoisie, wie wir neulich schon kurz ausführten, eine Gegnerin' der allgemeinen Volksbewaffnung sein, welche die Klassenherrschaft unmöglich macht. Durch Zerstörung der Na- "onalgarde hat die französische Bourgeoisie blos ausgesprochen, vaß Bonaparte, als er nach dem Staatsstreich die National- Sarde auflöste(und bloß zum Scbein einen Schatten derselben be- stehen ließ) vollkommen in ihrem Sinne gehandelt hat, und daß Reich der Bourgeoisie gleich dem zerfallenden Römerreich "ur noch durch Prätorianer seine Existenz fristen kann.— Die Leser des„Volksstaat" werden sich erinnern, daß in v« letzten Adresse des Gmeralraths der Internationalen einigen Männern der französischen Regierung vom 4. September die «nklage zugeschleudert wurde, daß sie sich an der Verprovianti- �ung von Paris und bei dm Waffenankäufen bereichert haben. Pariser Korrespondent der„Times" giebt jetzt interessante Detailsdarübcr zum Besten. Er schreibt:„Je mehr über die Leiwng Jr Geschäfte durch die Naiionalverthridigungsregierung an den �3 kommt, desto weniger Rühmliches ist über dieselbe zu sagen. »"u dmBetrügereien beider Verproviantirung vonParis °wmen gegenwärtig Enthüllungen über die Schwindeleien bei f\A �ilffenkäufen, welche das bisher Bekannte noch hinter lassen. ES stellt sich heraus, daß ein nach Dekret vom y,-' September bestehmder Armce-Ausschuß sich mit dem Kriegs- >->.»!. aus dem englischen Markte Konkurrenz machte. Wäh- ° Agent dieses Ausschuß 30 bis 35 Frs. für Perkussions- gewehre gab, zahlten die Agenten des Kriegsministers 60 Frs. für dieselben Waffen und zwar demselb en Verkäufer. Währmd der Ausschuß nur einen Agmtm hatte, der die Sache zu erträglichen Preisen betrieb, verwendete der Kriegsminister alle möglichen Personen als Agenten, welche ihrerseits wieder die Waffen von allen möglichen Lmtm, wirklichen Spekulanten, Po- litikern, Abenteurern, und überhaupt der gemischten Gesellschaft erstanden, die sich durch die Welt schlägt, man weiß nicht wie, die aber in diesem Falle treffliche Geschäfte machte, indem sie die auf irgend eine Weise aufgetriebenen Artikel um das Doppelte ihres Werthes losschlug. Einer dieser Leute verkaufte Patronen für die Summe von 525,000 Frs., an welchem er 220,000 Frs. verdimte."— Charakteristisch für die Bersailler Regierung ist, daß sie selbst Kinder vor dafs Kriegsgericht stellt. Es sollen von demselben 18 Knaben unter 16 Jahren abgeurtheilt wer- den, die dann in Anbetracht ihres Alters, gemäß dem Art. 66 des Strafgesetzbuches, in ein zuchtpolizeiliches Erziehungshaus geschickt werden sollen. Diese achtzehn Kinder sind fast fämmtlich angeklagt, an den Barrikaden gearbeitet oder Flinten- schösse auf die Truppen abgefeuert zu haben. Es war anfangs die Rede davon, sie nicht vem Kriegsgerichte zu überliefern und dem Zuchtpolizeigerichte von Versailles die Entscheidung über ihr Loos anheimzustellen. Man hat jedoch auf diese Idee ver- zichtet, in der Hoffnung, daß die Enthüllungen, welche viese gequälten Kinder machen würden, dem Militärgericht Aufschlüsse in Bezug auf andere Prozesse geben könnten. Unter diesen 18 jungen Angeklagten befinden sich 11 uneheliche und 4 verwaiste Kinder; nur 3 haben eine Familie. Nach diesen Knaben wer- den vier junge Mädchen, wovon das älteste noch nicht 15 Jahre alt ist, vor dem nämlichen Gericht erscheinen.— Die vonFerr� gegen seine Verurtheilung zum Tode dem Prokurator der Republik überreichte Nichtigkeitsbeschwerde lautet in ihren Hauptpunkten wie folgt:„In Erwägung, daß in der Sitzung des 3. Kriegsgerichts vom 23. August, als Ferrä von seinem Andenken sprach, der Präsident ihn mit den Wortm unterbrach:„Das Andenken eines Mörders!", wogegen das Pro- tokoll den Präsidenten sagen läßt:„Wenn Sie verurtheilt wer- den, so wird es nur das Andenken eines Mörders sein!"; In Erwägung, daß diese Lesung des Protokolls, abgesehen davon, daß sie den Sinn und die Tragweite der Unterbrechung durch: aus ändert, eine falsche Thassache in einem öffentlichen und amt- lichen Schriftstück als wahr hinstellt; In Erwägung, daß der Regierungskommissär, Hr. Gaveau, in den Sitzungen vom 28. und 30. August den Platz des öffentlichen Ministeriums zwei: mal unbesetzt ließ, daß er in der Sitzung vom 2. September gar nicht erschien und nicht einmal der Verlesnng des Urtheils beiwohnte, daß also das öffentliche Ministerium zu drei verschie- denen Malen nicht vertreten war und die Unterschrift des Hrn. Gaveau unter dem Erkenntnisse, in dem sie seine ununterbrochene Anwesenheit behauptet, wiederum eine falsche Thassache in einem öffentlichen und amtlichen Schriftstück als wahr hinstellt; In Erwägung, daß der Art. 141 des Militärgesetzbuchs dem Re- gierungskommissär die Pflicht auferlegt, das Erkenntniß in seiner Gegenwart verlesen zu lassen, daß dies aber nicht geschehen ist, obgleich das Protokoll es fälschlich behauptet; In Erwägung daß nach Art. 140 dasUrtheil öffentlich verlesen und dann so- fort von dem Grefficr niedergeschrieben und von dem Präst- denten, den Richtern und dem Greffier unterzeichnet werden muß, daß dann ferner dieses Dokument dem Angeklagten vorgelesen werden muß, daß aber in dem vorliegenden Falle das Protokoll erst am Mittwoch, den 6. September, Abends, also vier Tage nach der Verkündigung des Urtheils, geschlossen worden ist; Ge- falle es dem Prokurator der Republik, Anstalten zu treffen, daß das in Rede stehende Erkenntniß zerrissen und vernichte werde und die Fälscher nach Vorschrift des Gesetzes zu ver- folgen. Versailles, 17. September 1871. Th. Ferr6." Und solche Männer vermißt sich ein knieschlottriges Philister- pack der Feigheit zu bezichtigen!— Der österreichische Bourgeois-Liberalismus tröstet sich jetzt über sein feiges Ausreißen vor dem Kampf dadurch, daß er sich und dem Publikum vorlügt, Hohenwart und Beust) oder auch bloß elfterer) hätten das Unhaltbare ihrer Stellung beo griffen und sich entschlossen, zurückzutreten, oder wie die andre Version lautet, sie würden demnächst ihre Demission vom Kaiser bekommen, wenn dies nicht etwa schon geschehen sei. Genau ebenso machten es die preußischen Fortschrittsphilister währmd des preußischen Verfassungskonflikts, wo sie nach jedem empfangenen und natürlich eingesteckten Fußtritt Herrn Bismarck, den„frechen" Verabreicher des Fußtritts, für„moralisch besiegt" und einen Ministerwechsel für unvermeidlich erklärten. Mit welchem„Er- folg diese Methode der„moralischen" Besiegung des Gegners in Preußen„gekrönt" wurde, ist weltbekannt, und falls nicht äußere Einflüsse einen ähnlichen Gang der Dinge in Oester- reich verhindern, so werden wir dort nach einiger Zeit die Bourgeoisie ebenso brünstig in Hohenwarr-Cultus machen sehen, wie die preußische jetzt in Bismarck-Kultus. Zu einer That können sich diese Menschen nicht aufraffen. Die Geschichte der deut- schen Bourgeoisie ist und bleibt die Aufzählung erlittener und geduldeter Fußtritte.— Der deutsche„R e ch t s st a a t": Die Mitglieder unseres früheren Braunschweiger Ausschusses hatten im Mai d. I. bei der dortigen Staatsanwaltschaft den Antrag gestellt,„die Urheber und Vollzieher der gegen sie im Sept. v. p. verfügten Jntemirung auf der Festung Lötzen festzustellen und zur Verantwortung zu ziehen." Dieser heikeln Aufgabe haben sich Staatsanwaltschaf wie Oberstaatsanwaltschaft dadurch entzogen, daß sie erklärten, der„Urheber" der Jnternirung, Vogel v. Falkenstein, sei rück- sichtlich der Verantwortlichkeit nicht der herzoglichen Staats- anwaltschaft unterworfen, und die„Vollzieher" hätten nur auf Befehl des gedachten Generalgouverneurs gehandelt, seien mithin von aller Verantwortlichktit frei. Ob die Maßregel der Jnternirung gesetzlich sei oder nicht, habe die braunschweiger Staatsanwaltschaft also gar nicht zu untersuchen.— Das Volk der Denker bekommt Alles fertig. Kaum hatten die Berliner Maurermeister ihre bekannte Agita- tion für die Aufhebung der Koalitionsfreiheit be- gönnen, so folgte die„Kreuzzeitung" mit ihrem Bannfluch ge- gen die Gewerbefreiheit undFrei zügig keit, und nun ko mmt der Lüneburger Gewerbeverein mit frommen Wünschen für Wied ereinführnng des Paßz wangs. Die Zeitungen be- richten: „In der letzten Generalversammlung deS Gewerbevereins für Hannover machten Abgeordnete des Gewerbevereins in Lüneburg den Versuch, die Versammlung für die Wederetnführuug deS Paff- Zwanges der Gesellen, bezw. für eine darauf gerichtete Petition an den Reichtag, zu intercssiren. Mit ihrem Ansinnen entschieden zurück- gewiesen, haben sie ihre Wünsche dennoch nicht fallen lassen, sondern oersuchen dieselben jetzt auf anderem Wege zur Geltung zu bringen. Der Bo> stand des Gewerbevereins in Lüneburg wird in den nächsten Tagen eine Petition an den Reichstag unter den Gewerbtreibenden jener Stadt umlaufen lassen, in welcher die Uebelstände geschildeA werden, welche angeblich den Arbeitgebern aus der Einführung der Paßfreiheit für Arbeiter, namentlich wandernde Arbeiter erwachsen sind."-- Weiße Sklaven. Das Leipziger„Tageblatt" vom 24. d. enthält im Jnseratentheil folgende Todes-Anzeige: „Am 19. d. starb mein innigstgeliebter Sohn, Ludwig HermannKrauße, Soldat der 5. Eskadron, 3. Reiterregiments in Pegau in Folge täglich fortgesetzter zu strenger Behandlung seiner Vorgesetzten. Nachdem derselbe das Unglück hatte, an einem Exerziertage 21 mal vom Pferde zu stürzen, wurde der Unglückliche auf Befehl seines Oberlieute- nants ohne alle Hülfe auf dem Platze liegen gelassen, den die übrige Mannschaft nach Beendigung der Exerzitien verlassen hatte. „Derselbe erfteute sich der Liebe und Freundschaft seiner Kameraden und Freunde nach kaum lOtägigein Eintreffen zur Garnison in vorzüglichem Grade, und sage ich der Stadt Pegau so wie seinen Kameraden und Freunden für die demselben be- wiesene Theilnahme meinen aufrichtigsten Dank. Möge der Allmächtige alle Eltern, welche ihre Söhne dem Dienste des Vaterlandes weihen, vor ähnlichen traurigen Schicksalen bewahren. „Technitz bei Döbeln, den 23. Sept. 1871. Hermann Krauße und Familie." Ist das nicht ein Stückchen Barbarei, das dem fünfzehnten Jahrhundert alle Ehre machen würde? Wir haben Schritte gethan, um den Namen jenes Oberlieutenants zu erfahren, der in seiner Art sicher nicht das einzige Exemplar ist, welches die deutsche Reichsarmee aufweisen kann. Wie viel ähnliche Fälle mögen Jahr aus Jahr ein vorkommen, ohne daß die Angehörigen des Gemarterten den Muth haben, damit in die Oeffentlichkeit zu treten? Mit dem Anrufen des„Allmächtigen" gegen solche Barbareien ist allerdings blutwenig gethan; hier muß die öffent- liche Meinung sich wie ein Sturm erheben und nicht eher ruhen, bis das moderne Landsknechtslhum aus der Welt gefegt ist.— Der Newcastlcr Strike dauert fort. Die Arbeiter in ganz England treten mit großer Opferfreudigkeit für densel- ben ein und es scheint, daß die Meister, am Sieg verzweifelnd, zu einem Compromiß die Hand reichen wollen, der den 9stün- digen Arbeitstag zugesteht, aber mit geringerem lLohn, als die Arbeiter fordern. Jedenfalls schweben Verhandlungen und der„Beehive", das Centralorgan der Englischen Gewerk- schaften, räth der Neunstundenliga, in der Lohnforderung 5 Pro- zent nachzulassen, d. h. die Hälfte des Lohns für die in Weg- fall kommende zehnte Stunde.— Der in Udinc tagende Kongreß der Seidenzüchter wurde geschlossen, nachdem der Antrag angenommen wurde, daß der internationale Seidenzüchter-Kongreß im Jahre 1872 Roveredo stattzufinden habe.„Man ficht, bemerkt dazu der wCrimmisschauer Bürger- und Bauernfreund", Alles vereinigt sich «nternattonal: Naturforscher, Polizisten, Statistiker, Schachspieler, 'Hutmacher, Seidcnzüchter; auch die Fabrikanten im Allgemeinen; nur die Arbeiter sollen sich nicht international verbinden!" Wie die Bersailler nach Parts kamen. In einem Artikel des„Neuen Sozialdemokrat" über den „Bürgerkrieg in Frankreich"(Nr. 33) lesen wir: „Obgleich die Bersailler durch den Verrath in Paris mit fast 100,000 Mann eingedrungen waren, neigte sich in den ersten Tagen des Straßenkampfes der Sieg durchaus nicht auf ihre Seite. Erst als durch neuen Verrath ihnen das nördliche Thor von St. Denis ausgeliefert wurde und sie von hier aus den nur spärlich besetzten Montmarte, die festeste Stellung der Sozialisten, besetzen konnten. Dies geschah in der Nacht vom 22. auf oen 23. Mai, und bei dieser Ge- legenheitgewährten die Befehlshaber der deutschen Kortsetzmtg auf Seite 4. Hat Jemand das Recht, einen Staatsbürger wegen Ausübung eines durch die Staats- gefetze garantirten Rechts zu bestrafen? Zu dieser Frage finden wir uns durch die Thatsache veranlaßt, daß die Fabri- kanten und Meister an mehreren Orten, z. B. in Barmen- Elberfeld, offenkundig sich dahin geeinigt haben, strikenden Ar- beitern, namentlich den sogenannten Führern der Strikes, keine Arbeit zu geben und ihnen womöglich jede Erwerbsquelle abzu- schneiden. Es ist wahr, der einzelne Arbeitgeber kann nicht gezwungen werden, einen Arbeiter, mit dem er Differenzen gehabt hat oder der ihm aus sonst einem Grund mißfällt, in seinem Etablissement zu beschäftigen, aber einem Arbeiter erklären: Ich habe keine Arbeit für Dich!, oder ihn auf eine Proskriptionsliste setzen, damit er nirgends Arbeit bekomme, das ist denn jdoch ein himmelweiter Unterschied. Ersteres ist ein durchaus berechtigter Akt der persönlichen Freiheit, letzteres ein Complot(„Oonspirao�") zur Schädigung eines Mitmen- schen und zur Bestrafung eines berechtigten' Akts der persönlichen Freiheit. Das Gesetz erkennt diesen Unterschied auch sehr wohl an. Jedermann steht es frei, seine eigene Kundschaft einem Krämer oder sonstigen Gewerbetreibenden zu entziehen. Wer aber mit Andern darauf hin komplotirt, einem Krämer die Kundschaft über- Haupt abzuschneiden, der macht sich einer gesetzlich strafbaren Handlung schuldig. Und um eines noch näher liegenden Fallsizu erwäh- neu, so ist es Dienstboten gegenüber gesetzlich verboten, die Dienstzeugnisse, falls nicht ein bestimmtes Vergehen oder grobe Pflichtversäumniß nachweisbar, so abzufassen, daß dem Inhaber die Möglichkeit, einen neuen Platz zu bekommen, entzogen wird. Hat der Lohnarbeiter weniger Anspruch auf den Schutz des Gesetzes? Das Koalitionsrecht ift, freilich unter gewissen Be- schräntungen, den Arbeitern ausdrücklich durch die Gesetzgebung garantirt worden. Darf der Staat es dulden, daß ein von ihm garantirtes Recht faktisch aufgehoben wird? Und das Koalitionsrecht wird faktisch aufgehoben,> wenn es den Arbeit- gebern freisteht, die Ausübung desselben mit Abschneidung der Er- werbsquellen zu bestrafen, d. h. Den, welcher Gebrauch davon macht, zum Hungertode zu verurtheilen. Hat der Staat nichtdie P f l i ch t, die Bürger in Ausübung ihrer von ihm garantirten Rechte zu beschützen? Und läßt sich die Verweigerung dieses Schutzes anders auffassen, denn als ein Geständniß, daß entweder der Staat nicht die nölhige Macht besitzt, oder daß er das Recht nur zum Scheine bewilligt hat? Wir fordern die Herren Staats- anwälte auf, diese Frage genau zu prüfen. Man mißverstehe uns nicht. Wir haben durchaus nichts dagegen einzuwenden, daß die Kapitalisten sich gegen die Arbel ter verbünden. Im Gegentheil, wir freuen uns über jeden derartigen Versuch, weil er nothwendig zur Stärkung der Ar- beiterorganisation führen muß. Aber, soll der Klassen kämpf auf demBoden desGesetzes ausgekämpft wer- den, dann darf der Staat auch die Arbeiter nicht der gesetzlichen Waffen berauben lassen. Die entlarvten Vaterlandslosen. (Erimmitschauer Bürger und Bauernfreund.) Aus Paris meldet man, daß die Pariser Buchdrucker sich geweigert haben, neben ihren zurückgekehrten deutschen Kollegen ferner zu arbeiten, und die Prinzipale dadurch gezwungen haben, die Deutschen zu entlassen. Der„Volksstaat" fand dies von Seiten der französischen Arbeiter ganz natürlich, da das deutsche Volk im Ganzen den Eroberungs und Vernichtungskrieg gegen Frankreich mit Jubel gebilligt und mithin Jeder, der mit den Franzosen heute gemüthlich verkehren will, zu beweisen hat daß er in diesen Jubel nicht mit eingestimmt habe, also die Brüderlichkeit der Franzosen zu beanspruchen als Mensch berech- tigt sei. Man sollte denken, das sei so einleuchtend, daß Jeder, der ein Vaterland hat und liebt, erklären muß:„Ich an Stelle des französischen Arbeiters möchte auch um keinen Preis mein Brod mit einem Erbfeinde theilen, ich würde glauben, einen Verrath an meinem Volke zu begehen, wenn ich mit Einem, der unser Erbfeind sein wollte und ist, zusammenarbeitete. Da für bin ich Patriot."— Aber nein, unsere Patrioten halten dies nicht für natürlich, sondern im Gegentheil für ganz un vernünftig und nennen den„Volksstaat", der es für natürlich findet, deßhalb unpatriotisch*). Sie geben also zu, daß sie selbst, wenn sie in der Lage der Pariser Buchdrucker wären, sofort wieder Kollegialität mit dem Erbfeind anknüpfen würden. Nch inen wir den Fall, die Franzosen hätten einen Eroberungskrieg gegen uns geführt, sich als unsere Erbfeinde bezeichnet, wären in Berlin eingezogen und hätten uns das schöne Rheinland oder die Pfalz geraubt und obendrein 1300 Millionen Thaler ab- genommen. Das„Zwickauer Wchbl.", das„Leipz. Tageblatt" und alle patriotischen Amtsblätter von Buxtehude bis Schöppen- stadt würden es höchst vernünftig finden, mit den Erbfeinjden gleich nach Friedensschluß sofort wieder zusammen zu ar- beiten, zusammen Wein zu trinken, Bälle zu besuchen u. f. w. *) Bewahre! So sanft sprechen unsere Gegner nicht. Das„Leipzr ger Tageblatt" besprach unsere Kritik des Verhaltens der Pariser Buch- druckcr in einem Artikel, welcher die Ueberschrist führte:..Fanatismus und Niedertracht"; die erstere Bezeichnung galt den Pariser Buch- druckern, die zweite uns.— Mittlerweile wurde uns übrigens von zuverlässiger Seite noch ein Fall mitgetheilt, welcher der Pariser Buch- druckerafsaire auss Haar gleicht: Ein scingebildeter junger deutscher Sprach- lehr«, Dr. Rippe, war vor dem Kriege Lehrer des Deutschen an der Handelsschule zu L. in Frankreich(wir wissen nicht ob in Lyon od« Limoges oder sonstwo). Beim Ausbruch des Krieges mußte er, da er militärpflichtig war, nach Deutschland zurück und gegen Frankreich kämpfen. Nach dem Friedensschluß aber hegte er den Wunsch, nach L. in Frankreich zurückzukehren, weil es ihm dort sehr gut gegangen war und er bei seinen Kollegen wie seinen Schülern und sonstigen Bekannten sich großer Beliebtheit erfreute,— wie man sagt— wegen seiner Tüchtigkeit und seines tadellosen Betragens. Er war nun so aufrichtig und ehrlich, in seinem Wiederanstellungsgesuche an seine früheren Vorgesetzten zu gestehen, daß er— durch das bei allen Völ- kern gleich gültige Gesetz über den Kriegsdienst gezwungen— für sein Vaterland gegen Frankreich gekämpft hat. Die Folge davon war, daß das Wiederanstcllungsgesuch des Herrn Dr. Rippe abschlägig bcschieden wurde, obschon der hierdurch für die L.'sche Handelsschule entstehende Nachtheil ein sehr empfindlicher ist. Denn schwerlich dürste es in Frankreich Leute geben, die das Amt eines deutschen Sprach- lehrcrs so voktheilhaft versehen können, iBtt_ in Deutschland geborne und auserzogene Gelehrte vom Schlage des Hrn. Dr. Rippe. Wir können auch mit Bezug aus diesen Fall nur sagen, was wir über das Benehmen der Pariser Buchdrucker geäußert haben:„Wir bedauern solche Vorgänge, aber wir finden sie ganz natürlich." Aptg für das„Leipziger Tageblatt", auf Scsse» zweiten Artikel ..Fanatismus und Niedertracht" wir nus hiermit ganz erge- peuft abonniren- D. Red. d.„Volksst." Sie selbst würden es also unbedenklich thun! Der„Volksstaat" dagegen findet das Gegentheil natürlich; es ist also klar, daß er sein Baterland achten und ehren würde, während jene sich beeilten, mit dem Feind von gestern, ganz nach Art käuf- licher, vaterlandsloser Lanzknechte, gemeine Sache zu machen. Es scheint hiernach doch nicht so ganz„festzustehen", wie das„Zwickauer Wochenblatt" meint,„daß den Sozialdemokraten die Begriffe„Vaterland" und„Vaterlandsliebe" völlig fremd sind". Es scheint vielmehr, daß die Sozialdemokratie mit diesen Worten blos nicht so viel selbstsüchtigen Schwindel treibe, wie die. Herren Nattonalliberalen, die bei der Beurtheilung der Pariser Buchdrucker sich ganz unversehens entlarvt und ihr wahres Gesicht gezeigt haben. Welch ein Gesicht! Von Vaterlandsliebe keine Spur, nichts als Machtanbetung, Mammonverehrung und wahnsinnige Angst vor den Arbeitern. Sollte man denken, daß unter der würdigen Patriotenmaske solche gräßlich verzerrte Züge lauern? Wie ungeschickt, sich vor der Zeit zu demaskiren! Zum Ltebesgabeuhaudel. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: „Leipzig, lü. Sept. Der„Volksstaat" macht aufmerksam auf mehrere Verkaussauzeige», denen zufolge ursprünglich zu„Liebes- gaben für die deutsche Armee" bestimmte Waaren von den betreffen- den Depots an Handeltreibende verkauft und nun zu billigen Preisen ansgeboten würden. Eine dieser Anzeigen(von Hr» LouiS Guttmann) findet sich im hiesigen Tageblatt vom 2 Sept.(S. 3512, Sp. 2 un- ten). Ohne natürlich daraus, wie der„Volksstaat", alsbald gehässige Schlüsse über das Gebaren mit den„Liebesgaben" zu ziehen, möchten wir doch glauben, daß eine öffentliche Erklärung, zunächst deS Hrn. Gutmann, von welchem Depot er jene Waaren erkauft, sodann des betreffenden Depot, welHe Bewandtniß es mit diesem Verkaufe habe, sehr wünschenswerth wäre, um die Verdächtigungen unseres ganzen Hülss- und Verpflegungswesens im letzten Kriege, in denen sich die sozial-demokralische Presse gejällt(!) abzuschneiden. Die„Lcip- ziger Nachrichten"(in deren Spalten sich gestern ein Inserat befand, welches den gleichen Wunsch ausdrückt) sind heute in der Lage, mit- zutheilen,„daß die belressenden Gegenstände aus einer Versteigerung herrühren, welche das königliche Montur- und Rüstungsdepot zu Mün- chen unterm 21. Aug. d. I. auch im„Leipziger Tageblatt" bekannt gemacht hat". Von„Liebesgaben" sei in dieser Bekanntmachung eben- so wenig zu lese», als mau ein königliches Depot und ein„interna- tionales Depot' für einen und denselben Gegenstand halten kann. Hiernach hätte Hr. Guttmaun zu erklären, wie er dazu komme, jene Depotgegenstände als„Liebesgaben" zu bezeichnen. Den„Leipziger Nachrichten ist außerdem»och eine Verwahrung zugegangen seitens des hiesigen Jnternationaleil Hülfsvereins gegen den Verdacht einer geschehenen Veräußerung von Depotaegenstäiideu,„deren Füglichkcit schon um deswillen siöh nicht so leicht ergeben dürste, als gegenwär- tig und anscheinend für längere Zeit noch durch die seit Beginn des Krieges unausgesetzt andauerilde Unterstützung der im hiestgen Re- servelazareth untergebrachtcu zahlreichen Kranken und Verwundeten sowie durch die Unterhaltung des Vereins-Asyl» in Teplitz die Vor rälhe des Vereins, dem seit Monaten Gaben nicht mehr zufließen, er- schöpfend in Anspruch genommen werden." Wenn die„Deutsche Allgemeine Zeitung" unsere in Rede stehende Notiz mit offenen Augen gelesen hätte, so würde sie gefunden haben, daß wir nicht„alsbald gehässige Schlüsse" gezogen haben, sondern dem internationalen Hilfsverein Gelegenheit geben wollten, sich von dem auf ihm ruhenden schweren Verdacht, Liebesgaben ihrer ursprünglichen Bestimmung entfremdet zu haben, zu reinigen. Das Leipziger Zweigkomitee des internationalen Hilfsvereins hat dies für sei neu Theil durch die an die„Leipziger Nachrichten" gerichtete Verwahrung in befriedigender Weise gethan; aber damit ist dem Verlangen der öffentlichen Meinung noch nicht Genüge geschehen; das Leipziger Zweigkomites würde gut daran thun, sein Central komitee zu einer Erklärung in dieser Angelegenheit aufzu- fordern. Wenn dieses bestimmt erklart hat, daß der inter- nationale Hilfsverein keine Liebesgaben an Handelsleute veräußert hat,— dann erst wird man über den gedachten Verein beruhigt sein können, und letzterem bleibt es nachher unbe- nommen, gegen Herrn Guttinann klagbar zu werden, weil dieser durch seine Behauptung,„von einem internationalen Depot Liebesgaben gekauft" zu haben, den Ruf. der an der Spitze des Hilfsvereins stehenden Personen zu kompromitliren versucht hat. Herr Guttmann hat nicht nur seine erste Angabe bis jetzt nicht widerrufen, sondern sogar dieselbe in einer zweiten Annonce, als Antwort auf eine an ihn gerichtete Anfrage, (f.„Leipziger Nachrichten" und„Tageblatt" vom 16. September) in recht kecker Weise indirekt aufrecht erhalten. Die Annonce lautet— nachdem wir uns etliche grammatische Reparaturen daran vorzunehmen erlaubt haben— wie folgt: „Erwiderung aus die so ungeheuer herausgesuchte und schlaue Anfrage des Hrn. 21. in den„Leipziger Nachrichten" vom 14. September: Wenngleich ich Jederzeit bereit und im Stande bin. Aufklärung über den Ankauf quäst. Sachen zu geben, so fühle ich mich weder gezwungen, Noch veranlaßt, leinen beschränkten und vom Geschäflsieben resp. Geschäftsgange wenig unterrichteten Menschen klug zu machen. Es läßt sich nicht anders annehmen, als daß die reizende Anfrage von einem Manne herrührt, der jedenfallz ein Dutzend Hemden und Strümpfe sortirl am Lager hat und sich jedenfalls durch meinen Ankauf bcnachtheiligt glaubt, event. selbst derartige Geschäfte macht, und leider durch sein« ungeheure Umsicht in geschäftlicher Beziehung zu spät dahinter gekommen ist, was mir nebenbei gesagt, sehr leid thut. „Kein umsichtiger Geschäftsmann macht solche Anfragen, weshalb ich mich jeder weitern Erklärung überhoben suhle, jedoch einem wohl- löblichen Internationalen Verein gern nähere Einsicht über den Ankauf der Sache» gewähre." Was die im Schlußsatz dem internationalen Hilfsverein gemachte Einräumung,„über den Ankauf der Sachen nähere Einsicht" nehmen zu dürfen, bezwecken soll, ist nicht recht er- sichtlich und macht die ganze Geschichte nur noch auffälliger. Nur zwei Fälle sind denkbar: Entweder Herr Guttmann hat in seiner Angabe, von einem„internationalen Depot Liebesgaben gekauft" zu haben,*) die Wahrheit gesagt, oder er hat aus strafbarer Gewinnsucht die Unwahrheit gesagt. Im ersten Fall will er also dem Leipziger Zweigkomitee im obigen Schlußsatz Folgendes sagen:„Von Euch habe ich zwar nichts gekauft, aber vom Zweigkomitee einer andern Stadt, die ich nur Euch privatim, nicht aber der Oeffentlichkeit nennen kann." Im zweiten Fall will er sagen:„Ich habe mich der ge- dachten Angabe bloß als Aushängeschild, als Reklame für mein Geschäft bedient; ich kann Euch zu Eurer Beruhigung privatim aus meinen Büchern nachweisen, daß ich keine Liebesgaben, überhaupt von keinem internationalen Hilfsverein, sondern recht- mäßige Handelsartikel und zwar von dein uns dem Fabrikanten •) Wie uns nachträglich mitgetheilt wird, sollen in Frankfurt m Main große Vorrathe von nagelneuen Bekleidungsstücken für Soldaten zu Schleuderpreisen verkauft worden sein. R. d.„B." gekauft habe. Der Oeffentlichkeit gegenüber kann ich freilich aus Geschäftsrücksichten diese Erklärung nicht abgeben."— Wir wissen nicht, ob das Leipziger Zweigkomitee sich den von Herrn Guttmann angebotenen Aufschluß ertheilen zu lassen gedenkt; wir hoffen aber, wenn dies der Fall ist, daß das Zweig- komitee die öffentliche Meinung über den Sachverhalt aufklären wird und wir hoffen weiter, daß � abgesehen von den nichtamtlichen Recherchen des Hilfsvereins— sich Staats- anwälte finden werden, welche sich erinnern, daßsie noch andere Pflichten zu erfüllen haben, als die Ueberwachung der Sozialdemokratie. Most's Prozetz. Wer kennt nicht die Anekdote von dem Hofnarren des „alten Fritze", der einmal einen Ballen Butter so lange von Hand zu Hand gehen ließ, bis schließlich fast gar Nichts mehr davon vorhanden war?— Gerade so oder ähnlich ging es mit Most's Prozeß zu; nämlich so: Gleich nach der großen Massenversammlung, welche am 24. Juni dieses Jahres am Chemnitzer Neustädter Markte statt- fand, haben bekanntlich der Erzdenunziant Biedermann und sonstige reaktionäre Federfuchser Zeter und Mordio über die daselbst gehaltenen Reden geschrieen und mit den scheußlichste» Grimassen die Polizei und den Staatsanwalt um Verfolgung der betreffenden Redner angewinselt. Zuerst nun zeigte sich die Leipziger Polizeibehörde dieser Meute gegenüber willfährig und wies Most unter Hinweis eines lügenhaften Berichtes über die Chemnitzer Versammlung, welcher in der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" stand, aus der Stadt. Kurze Zeit darauf erhob die hiesige Staatsanwaltschaft Anklage auf Hochverrath gegen Most; Becker und Ufert wurden ebenfalls angeklagt; ob auch auf Hochverrath, wissen wir nicht. Die Anklage aber wurde vom Untersuchungs- richter zurückgewiesen.— Nun ergriff der Staatsanwalt Rekurs, allein auch das Bezirksgericht wies die An- klage zurück, ittun wendete sich der Staatsanwalt an das Oberapcllationsgericht, aber auch dieses vermochte keilten Hochverrath zu entdecken, fand jedoch, daß ein Bergehen nach§ 131(Herabwürdigung staatlicher Einrichtungen durch Verbreitung entstellter Thatsachen) mögltcherweise vorliegen dürfte.— Inzwischen erhob auch der Staatsanwalt Anklage gegen Most wegen des in der„Chemnitzer Freien Presse" erschienenen Artikels„Das Volk steht auf, der Sturm bricht los!" und zwar auf Grund des bekannen 8 130.— Jetzt leitete man'also gegen Most, Becker, Ufert und Schubert(als Herausgeber) Untersuchung ein und Most wurde, wie bekannt, verhaftet.— Auf Wunsch desselben wurde nun die Untersuchung gelrennt und gegen ihn dieselbe speziell geführt.— Nach zwei Wochen war sie geschlossen und erhielt Most die Zusage, daß er gegen Erlag von 500 Thlrn. Kaution auf freien Fuß ge- stellt würde.— Was war das nun für ein emsiges reges Leben unter den Chemnitzer Parteigenossen! In Kurzem brachten sie auch das Geld zusammen. Hat dasselbe nun auch seinen Zweck nicht erfüllen können, so war die Aufbringung desselben � immerhin ein Akt, welcher Zeugniß ablegte, welcher Geist iit, den Chemnitzer Arbeitern wohnt. Nicht als Sympathie für I die Most'sche Person fassen wir die Sache auf, denn wir treiben keinen Persoitetikultus, nein, die Prinzipientreue,.das Zusainmen- gehörigkeitsgefühl sehen wir als Triebfedern zu dieser Opfer-! Willigkeit an. Die Arbeiter haben hierdurch gezeigt, daß sie! sich als ein Körper fühlen, als eine Familie gleichsam, welche kein Mittel unangewendet läßt, das einem einzelnen, momentan Bedrängten ihrer Angehörigen Hülfe schassen könnte. Indessen hatte auch schon ein Parteigenosse aus Leipzig seine ganze Baarschaft, welche unzefähr den obenerwähnten Betrag aus-. inachte,(ein Sparkassenbuch) an das Chemnitzer Bezirksgericht I eingesandt, um Most, wie er glaubte, hierdurch zu befreien.! Allein man täuschte sich. Die Staatsauwallschaft erhob, gegen die Freilassung Most's Einsprache und zwar aus dem| Grunde, weil— vernimm es ganze Welt!„Most seine: freie Zeit doch nur wieder dazu benützen würde, um neuerdings ähnliche Vergehen, wie die vorliegend den, auszuüben."—— Was denken wohl unsere Leser von einer solchen Begründung?-- Wir erlauben uns nur zu bemerken, daß die Konsequenz dieses Ausspruches doch nicht anders lauten könnte als: Darum muß er eigentlich lebenslänglich eingesperrt bleiben. Start aller! weiteren Bemerkungen machen wir nur noch ein paar Gedanken- I striche.--— So mußte also Most trotz allem Opfermuthe seiner Freunde und Parteigenossen weitersitzen.— Die Staatsanwaltschaft beantragte jetzt Anberaumung einer Schlußverhandlung und hielt ihre Anklage in allen Punkten aufrecht, jedoch das Bezirks)! gericht gab einen anderen Bescheid. Es beschloß, gegen Most in Bezug auf die erwähnte Vollsversammlungsrede die Weiter- 'ührung des Prozesses einzustellen und verwies die Angelegen- heil des Artikels vor den Einzelrichter. Nun wurde Most au! reien Fuß gesetzt und zwar ohne Kaution. Donnerstag Abends eilte er in die Arme seiner Freunde mit dem Vor- atze, jetzt wieder mit aller Entschiedenheit sein Pflicht zu thn»' Mit der Polizeidirektion in Leipzig wird er jedenfalls demnächst ein Wörtchen reden, da es sich nunmehr akten- mäßig herausgestellt hat, daß das, weßwegen sie ihn ausge- wiesen hat, rein Nichts ist. daher sich die Ausweisung aller und jeder Hinsicht als ungerechtfertigt herausstellt. Schlief tich sei noch erwähnt, daß zur Zeit der Verhaftung Most's! bei demselben auch eine ganz gründliche Hausdurchsuchung vor) genommen wurde, die sebstverständlich keine„Petroleumbomben' zu Tage gefördert hat. Was es für einen Zweck haben solltt, Hausdurchsuchung vorzunehmen, nachdem sich Most bereits al» Verfasser des incriminirten Artikels bekannt hatte, ist uns nicht geläufig. Wörter von der Volksversammlung wurdet jedenfalls auch nicht gesucht, also unbedingt etwas Andere� Was? das wissen die Götter! Die Moral von der ganzr» Geschichte können sich unsere Leser auch leicht zusammenbuk iadiren.(„Chemnitzer Freie Presse"-) 1 Crimmitschau, 16. September.(Verurtheilung-) Heute ist dem Redakteur des„Bürger- und Bauernfreund", Hirsch, das Erkenntmß des hiestgen Gerichtsamts in S>ach� der dem„Dresdner Bolksbote" entnommenen„Zehn Gebote 11 SReid� der Gottesfurcht und frommen Sitte" publizirt worden. @3 sind ihm in demselben weitere drei Monate Festungshaft zuerkannt, und zwar wegen Beleidigung des deutschen Kaisers. Motivirt ist dieses Urtheil u. A. damit,„daß der inkriminirte Artikel eine Verhöhnung alles dessen, was von deutscher Seite im letzten Kriege geschehen sei und damit auch als eine Bcleidi- gung des deutschen Kaisers, der von Alledem der Urheber, Leiter und bez. Vertreter sei, enthalte." Da nun der Verurtheilte glaubt, daß hier seinerseits eine Beleidigung des deutschen Kaisers nicht vorliegt, so hat derselbe auch in diesem Falle Einspruch erhoben. Die Untersuchungshaft unserer Parteigenossen in Offenbach liefert wieder einen recht drastischen Beitrag zur Pclizeiwirthschaft und Rechtspflege in Deurschland. Die Ver- Haftelen kennen den Grund, trotzdem sie nun schon gegen 8 Wochen im Kerker sich befinden, selbst noch nicht einmal voll- ständig. Zwei derselben sind verheirathet und wohnen in Offen- dach selbst, von denen durchaus nicht anzunehmen war, daß sie sich der Untersuchung durch die Flucht entziehen würden; trotzdem hat man sie festgenommen, wahrscheinlich nur deshalb, weil sie Sozial-Demokraten sind. Wenn unsere Freunde nun end- lich verurtheilt werden, so haben sie die Untersuchungshaft ohne irgend eine Entschädigung in den Kauf und werden sie auch freigesprochen, ist ihre Unschuld vollständig erwiesen— nun so hat man diese verwünschten Sozial-Demokraten durch die lange Untersuchungshaft doch recht mürbe gemacht. Fast scheint es uns, als ob man den Termin zur Aburtheilung nur deshalb von Seiten der Darmstädter Gerichtsverwaltunz so weit hinaus- zieht. Aber wahrlich, dies ist ein Verfahren, welches aller Hu- manilät und allen Rechtsbegriffen ins Gesicht schlägt. („Steuer Sozialdemokrat".) Der sozialdemokratische �ottgretz in Dresden. Jork's Referat über den Normalarbeitstag. (Schluß.) Unsere Aufgabe muß es sein, jedem möglichen Einwand, jedem Widerspruch von vornherein die Spitze abzubrechen, um zu beweisen, wie Theorie und Praxis bei unserer Agilation in vollständiger Harmonie mit einander sind. Ich habe deshalb auch den aelvichtigsteu, uns aus Arbeiterkreisen selbst gemachten Einwand gegen die Verkürzung der Arbeitszeit, gegen Einführung eines zehustündigeu Normalarbeitstages, bisher zurück- gehalten, um diesen Einwand desto eingehender und ausführlicher wider- legen zu können. Meine Freunde, ich sage, daß auch Arbeiter, selbst unserer Rich- tung angehörende Arbeiter, gegen die Einführung eines zehnstündigen Normalarbeitstages sind, und' dagegen geltend machen, daß die Ein- sührung einer kürzeren Arbeitszeit auch im Interesse der Unternehmer selbst läge, was dadurch bewiesen wäre, daß viele Fabrikanten schon die Initiative in dieser Richtung crarissen hätten, mithin also von uns schließlich wenigerdasJnteresseder Arbeiter als das ver Fabrikanten gefördert würde. Aber nicht gegen diesen Einwand, der nur in der Theorie, und auch nur scheinbar begründet ist, will ich mich wenden, sondern gegen die Zweifler unter den Arbeitern, gegen die Schwachen an Er» leuntniß, die da geltend machen, daß ja jetzt schon bei längerer Arbeits- zeit die Arbeiter kaum im Stande sind, sich und ihre Familie zu er- nähren, dazu also noch viel weniger bei kürzerer Arbeitszeit im Stande Ikm würden, und besonders die Akkord- oder stückarbeiter scheinen mit diesem Einwand Recht zu haben. Ja, meine Freunde, scheinbar wäre das wohl richtig, aber wenn nur.®ache aus den Grund gehen, so finden wir, daß dies auch nur scheinbar so ist. Es ist dies ganz einfach in den gegen- wartigen � Wohnverhältnissen begründet. Die Höhe des Arbeitslohnes > bekanntlich niemals nach der Höhe der Arbeitszeit, mit an- h""«*ten' n'tb' die lange oder kurze Arbeitszeit bestimmt die Höhe ®eS•ltotttSIohneS, soudern der Lohnprcis wird durch die Konkurrenz, rurch Angebot und Nachfrage von Arbeitshänden geregelt!; Der Arbeitslohn, der Marktpreis der Waare Arbeit, wird steigen, wenn wenig, er wird fallen wenn viele Arbeiterhände auf dem Arbeitsmarkte stch anbieten, Beschäftigung suchen. Der Arbeitslohn wird aber durch- schnittlich so viel betragen müssen, daß die Waare Arbeit überhaupt ans den Markt gebracht werden kann, also unbedingt so viel betragen müssen, als der Arbeiter zum Herstellen der Waare Arbeit— zum Leben— nöthig hat. Also, wie die Erzeugungskosten, wie die Produktionskosten es sind, die den Preis jeder Waare bestimmen, bestimmt sich der Preis der Waare Arbeit, der Preis, zu welchem der Arbeiter sich oder seine Waare, seine Arbeitskraft verkaufen muß, und den man Arbeitslobn nennt, durch die Herstellungskosten dieser Waare, Arbeit genannt; also durch den ortsüblichen Preis der Lebensbedürfnisse im Essen, Trinken, Kleidung �und Wohnung. Ob die Arbeiter täglich 12 Stunden oder stur 10 Stunden arbeiten, dies alterirt das Gesetz, nach welchem der Arbeitslohn sich regelt, eben so wenig, als die mehr oder minder lange Geschäftszeit der Unternehmer von Einfluß auf den Preis aller andern Waaren und Fabrikate ist) Also nochmal«; so lange unter den heutigen gesellschaftlichen Ein- nchtungen, unter der Herrschaft von Angebot und Nachfrage nach Arbeit, das sogenannte eherne ökonomische Gesetz bedingt, daß der Arbeitslohn durchschnittlich immer aus den nothwendigsten Lebens- unterhalt beschränkt bleiben muß, ist es vollständig gleichgültig, ob die Arbeiter 12 oder 10 oder 8 Stunden täglich arbeiten. Wir können bei angestrengtester zwölfstündiger Arbeit ans die Dauer und durch- lchnittlich nicht mehr verdienen, als wir zum Leben brauchen, das kr fahren wir ja täglich an uns selbst. Darum muß der Arbeitslohn als Entgelt dafür, daß der Arbei- ser sich, oder wenn Sie lieber wollen, seine Arbeitskraft verkauft(Beides st» vollständig gleichbedeutend— Beides deckt sich), immer so viel be- Eagen, daß der Arbeiter sich und, wenn nothwendig, auch seine Familie Davon ernähren kann, muß der Lohn so hoch sein, daß der Arbeiter gerade so, wie er jetzt bei lauger Arbeitszeit nur zu leben im Stande !st. später, bei kürzerer Arbeitszeit auch zu leben im Stande sein wird. �stv, ob lange oder kurze Arbeitszeit, das eherne ökonomische Lohngesetz, welches gewissermaßen wie ein Naturgesetz allein den Preis der Arbeit eegclt, muff diesen Preis immer, unter allen Umständeil, so hoch be- wessen, daß der Arbeiter so viel verdient, als er zum Leben braucht. Und so wie heule dieses Gesetz die Arbeiter zwingt, für einen gewissen �Dhil(Minimum der LebenSnothdurft) z. B. 72 Stunden die Woche Zu arbeiten, zwingt dieses selbe ökonomische Gesetz die Fabrikanten und �rbeitSherren. denselben Lohn(Minimum der Lebensnothdurft) für 60 ober 48 Stunden Arbeitszeit zu zahlen. Denn, meine Freunde, das logenannte ökonomische Lohngesetz wird nicht alterirt, nimmt gar keine Röcksicht darauf, ob die Arbeitszeit eine lange oder kurze ist, sondern bedingl nur, daß der Lohn immer nur so hoch ist, daß die Ar- beiter nicht verhungern. Deshalb ist es unmöglich, daß bei Verkürzung der Arbeitszeit der Lohn sinkt. Im Gegentheil, wie wir heute essen und trinken müssen, müssen wir auch später essen und trinken, und gerade so wie heute müssen auch danndieFabrikanteuundArbeitsherren uns so viel geben, als wir zum Leben nöthig haben, weil wir sonst nicht ar- beiten, die Arbeiterfamilien stch nicht fortpflanzeil. nicht mchr so viele Arbeiter produzirt, nicht mehr so viel Arbeitskräfte beschafft werden können, als noth- wendig ist, um die erforderliche Summe Arbeitserzeugnisse zu schaffen. Die Folge wäre, daß dann mehr bezahlt werden, und der Preis der Waare Arbeit M die Höhe gehen müßte. Es ist aber noch Eins insAuge zu sassent wir sehen 1«, daß gerade jetzt bei längerer Arbeitszeit durch die Konkurren; der Arbeiter unter einander der Lohn der Arbeit heruntergedrückt wird bis auf das äußerste Maß; daß daher in gleichen Geschäftszweigen in Gegenden. wo die Arbeitszeit kürzer ist, der Lohn ein höherer ist, das liegt klar aus der Hand, Meine Freunde, bedenken Sie doch, wenn es heute wöglich wäre, die Arbeitszeit von 1!2 aus 10 Stunden zu verkürzen, so würde sehr bald eine bedeutend größere Zahl Arbeiter Beschästigmrg finden, es würde dann die überschüssige Arbeitskraft, die gegenwärtig selbstunter demLohne, zu jedem Preis, sich anbietet, beschäftigt werden können zu den ortsüblichen Lohnpreisen. Der Arbeitslohn, der durch die Konkurrenz, die die Arbeiter fich machen, stets die Tendenz hat, herabzugehen, würde im Falle, daß die Konkurrenz der Arbeiter unter einander beseitigt würde, in die Höhe getrieben werden. Wenn wir jetzt täglich 12' Stunden arbeiten, und es waren 5 Arbeiter erforderlich. um eine bestimmte Arbeit fertig zn machen, so werden bei zehn- stündiger Arbeitszeit 6 Arbeiter beschäftigt werden müssen, um dieselbe Arbeit fertig zu schassen. Es werden demnach die vielen überschüssigen Arbeiter in die Reihe treten und die Konkurrenz, die zum Nachtheile der Arbeiter in allen Geschäfts- und Industriezweigen stattfindet, wird zum Vortheil der Arbeiterbevölkerung auf ein gerechtes Maß, auf ein geringes Minimum herabgesetzt. Während heute, wenn ein Arbeiter entlassen wird, schon 10—20 Andere als Ersatz bereit stehen, wird bei beschränkter zehn- stündiger Arbeitszeit eine so unleidliche Konkurrenz schon deßhalb nicht in solchem Maße stattfinden, weil alsdann auf je 100 Arbeiter 20 Arbeiter mehr beschäftigt werden können. In einem Geschäftszweige, wo 500 Arbeiter beschäftigt sind, werden deren 600, wo 5000, deren 6000 beschäftigt werden. Und eine in solcher Progression steigende Verminderung der jetzt überfchüsflgen, unbeschäftigten Arbeiter muß unbedingt von günstigem Einfluß auf die Lohnverhältnisse sein. Die Geschichte der 10 Stunden-Agitation in England giebt uns den unwiderleglichsten Beweis für unsere Behauptung. Ecc ariuI sagt in seiner Widerlegung der ökonomischen Lehren I. St. Mills pag. 71: „In allen der Zehnstunden-Bill unterworfenen Gewerben stieg der Arbeitslohn bei verminderter Arbeitszeit gleichzeitig mit dem Sinken des Arbeitslohns bei verlängerter Arbeitszeit in andern Gewerben. Die Länge des Arbeitstags steht in umgekehrtem Berhältniß zum Arbeits- lohn. Die Mitglieder der vereinigten Zimmermanns- und Schreiner- Union arbeiten in Hali'ax 52"2 Stunde wöchentlich für 27 Schillinge, in Norwich 59'/, Stunde für 24 Schillinge, in Penzance 63 Stunden für 20 Schillinge. In der Hauptstadt von Irland, Dublin, arbeiten sie 63 Stunden die Woche für 26 Schillinge, in den Provinzen, in Waterford 63 Stunden für 20 Schillinge, in Belfast 57 Stunden für 30 Schillinge. Mehrere Zweige der allgemeinen Zimmermanns-Union fragten neulich um Erlaubniß, im Frühling 1869 eine Verminderung ihrer Arbeitsstunden zu verlangen. Ein Zweig, der gegenwärtig nur 25 Stunden die Woche arbeitet, will die Arbeitszeit aus 49 Stunden reduzireu.(Die Erlaubniß ist nöthig, weil ohne vorherige Zustimmung der ganzen Union kein Zweig statutenmäßig Ansprüche aus Geld- Unterstützungen hat, falls seine Forderungen zu einem Strike führen.) Die Steinhauer von Lancashire haben der Baumeister-Association Notiz gegeben, vom 1. Mai 1869 an ihre Arbeitszeit zu verkürzen. Ich entnehme diese Beispiele den jüngsten Berichten über die Bestrebungen der Trades'-Unionen, welche meinen deutschen Arbeitsgenossen als Merkmale der allgemeinen Bestrebungen der Gewerksgenossenschasten dienen mögen." Kurze Arbeitszeit und höherer Lohn gehen unbedingt mit einer gewissen Naturnothwendigkeit, mit der Nothwendigkeit von Ursache und Wirkung aus einander hervor. Das läßt stch nicht bestreiten. Nun, meine Freunde, nachdem ich in so eingehender Weise die Vortheile, ja die Nothwendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit nachgewiesen, halte ich auch dafür, daß Sie Alle, durch Ihr eigenstes Interesse getrieben, sich verpflichtet halten sollten, dafür einzutreten. Meine Freunde, es wäre Thorheit, wenn ich mir nicht irgend einen Vortheil von der Bersamm- lung heut Abend versprechen wollte, wenn ich annehmen dürfte oder müßte, daß Sie Alle, nachdem Sie dieses Referat gehört, nach Hause gehen und Gott«inen gnten Mann sein sund König und Regierung allein für Sie sorgen lassen und denken wollten, es wird uns ja wohl von selber der Normalarbeitstag von 10 Stunden wie eine gebratene Taube in den Mund fliegen Nein, meine Freunde, das kann und wird nicht geschehen und wenn nicht die Arbeiter den Arbeitgebern gegen- über, die das Heft mit eisernen Fäusten halten, und die durch die Regierungsgewalr noch obendrein unterstützt werden, Zähne und Nägel daran setzen, das Heft in ihre Hände, ihr Recht zu bekommen, meine Freunde, dann werden wir immer und ewig als die dummen Lohn- sklaven von unfern Arbeitgebern betrachtet werden und es wird uns Recht geschehen, wenn wir es bleiben. Aber, meine Freunde, ich hoffe, daß Sie, nachdem Sie sich überzeugt, wie nothwendig eine Verkürzung der Arbeitszeit ist, auch dafür eintreten, daß Sie in dem Kreise ihrer Umgebung dafür wirken werden. Und wenn sich auch nicht leugnen läßt, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit, die Einführung des zehnstündigen Normalarbeitstages im- mer nur eine kleine Abschlagszahlung ist auf die vollberechtigte Forde- rung der Sozialdemokratie, auf die Forderung des vollen Arbeits- ertrages an Stelle des Arbeitslohnes für jeden Arbeiter; so bin ich doch überzeugt, wenn ich Sic auffordere, zunächst hierfür einzutreten, daß Sie nachher um so eifrigere, um so feurigere Apostel und Kämpfer sein werden, zu streiten und zu kämpfen für unsere ewigen unver- äußerlichen Menschenrechte. (Langanhaltender Beikall.) Nun, meine Freunde, ich habe mir erlaubt, die Grundgedanken der Frage über die Verkürzung der Arbeitszeit in einer Resolution nieder- zulegen, die ich Ihnen hiermit vorlege und die ich Ihnen, zur An- nähme empfehle: „Der heutige Cougrcff der social-deuiiikratischen Arbeiter- Partei erklärt es für die Pflicht eines jevcu Arbeiters» ein- zutreten für Erkämpfnng eines durch Gesetz festgestellten Nor- malarbeitStagS von höchstens 1« stunden zum schütze der Arbeiter gegen übermäffig lange Arbeitszeit. Aus der Schweiz. Die Arbeitseinstellungen der Appretirer und noch einiger an- deren Arbeitsbranchen in St. Gallen ist nun beendet. Haben auch die Arbeiter keinen vollständigen Erfolg zu verzeichnen, so sind doch ihre Hauptforderungen, verkürzte Arheitszeit und mehr Lohn, im Wesent- llchen Seitens der Arbeitgeber bewilligt worden. Anstatt daß früher von 6 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends gearbeitet wurde und der Lohn ein ausnehmend niedriger war, wird jetzt eine Stunde weniger gearbeitet bei wenigstens etwas verbessertem Lohn. Ist nun dieser materielle Erfolg immerhin ein nennenswerther, so wird er doch überwogen durch den moralischen Erfolg, welchen die sozialdemokratische Partei zu verzeichnen hat. In der deutschreden- den Ostschweiz waren nämlich die sozialdemokratischen Prinzipien lange nicht derart verbreitet, als man es erwarten durfte, und von einer selbstständig arbeitenden Arbeiterpartei keine Rede. Da plötzlich begeg- net man in St. Gallen, einer Stadt von circa 20,000 Einwohnern, einer mächtigen Arbeiterbewegung, welche ein Kontingent von 1100 Mann znm Internationalen Arbeiterbunde stellt. Und nun das Er- staunen und der Schreck der Bourgeoisie, deren Blätter dem in Ratio- nalbewußtsein beengten Philister tagtäglich die Behauptung vorheulten, daß die in Genf, Basel und sonst auftretende Arbeiterbewegung ledig- lich das Werk auswärtiger„Hetzer" sei, als sie sah, daß sich an dieser Bewegung fast uur die eingeborenen schweizerischen Arbeiter betheilig- ten!'Man glaube ja nicht,' daß die republikanische Presse der Schweiz gegen die Arbeiterbewegung eine wohlwollende oder wenigstens unpar- teiische Haltung beobachte. Lügen und Schwindel sind noch an der Tagesordnung. Um nur eines Falles zu erwähnen, so sei mitgetheilt, daß der Redakteur der demokratischen St. Galler Zeitung, E. F ä h, der durch sein wackeres Verhalten die dortige Arbeiterbewegung in Fluß gebracht hatte, sofort nach Ausbruch des Strikes von der Aktionär- Gesellschaft der„St. Galler Zeitung" e n t l a s s e n wurde— wegen Theil- nähme an der Arbeiterbewegung; und jetzt lügt und schwindelt diese demokratische Zeitung ungehindert und nach besten Kräften. Aeuherst interessant ist auch eine Verfügung des St. Galler Ge- meinderathes, in welcher der Polizeibehörde anbefohlen wird, jeden, dem internat. Arbeiterbunde Angchörige», der von seinem Arbeitgeber entlassen wird, aus dem Kanton St. Gallen zu verweisen.— Der Arbeiterverein ersucht die Regierung um Ueberlassung der Reitschule zu einer Volksversammlung. Die Regierung schlägt dies Gesuch ab, überläßt aber zur selben Zeit dem Pius-Verein Kanonen, um bei Gelegenheit des Papstjubiläums Freudenschüsse abzufeu rn I— Merkt man da, was eine Bourgcois-Republik ist? Gewiß! lind am besten die betroffenen Arbeiter, welche durch diese Handlungen der Bourgeoisie und durch das opferbereite Verhallen der sozialistische« Arbeiter(aus Genf allein wurden 1400 Franken nach St. Gallen geschickt) massen- hast in die Reihen der Zntcrnationalen Arbeiter-Ass'oziation geführt werden. Dem schweizerischen Arbeiter seine Freunde uich Feinde zei- gend, die Ansichten über die kapitalistische Produktionsweise klärend, der Ausübung der gemeinschaftlichen Solidarität Raum gebend,— bedeutet dieser Strike eine neue Äera in dem sozialpolitischen Leben der Schweiz.— Freitag den 8. d. M. wählten die 30 Genfer Sektionen der In- te.mationalen Arbeiter-Assoziation den Großrath Grosselin zur Iah- reskonferenz nach London.(Crimmitschauer Bürger- u. Bauernfreund.) Frankfurt a M lieber den hier vom 9.— 12. September abgi- haltenen deutschen Buchdruckertag entnehmen wir nachstehende No- tizen dem„Correspondent", Organ der deutschen Buchdrucker: Den Vorsitz übernahm der Präsident, Herr Richard Härtel; zum zweiten Vorsitzenden wurde Herr Schmidt(Frankfurt a. M.), zu Schristfüh- rern die Herren Carstens(Hamburg! und Gangnin(Berlin) ge- wählt. Der Namensaufruf am Sonntag früh ergab die Anwesenheit von 50 Delegtrten. Die Verhandlungen erfreuten sich zahlreichen Be- suches von Seiten der Frankfurter Kollegen; außerdem waren Besucher anwesend aus Ossenbach(Schriftgießer), Hanau, Mainz, Darmstadt, Wiesbaden, Stuttgart, Mannheim w. Begrüßungstelegramme liefm ein: aus Brünn von der österreichisch-ungarischen Buchdruckertags-Kom- Mission, aus Berlin, von Smalian und der Tarifkommission, aus Steiermark, aus Hildburghausen, aus Mainz, aus Worms, vom Alt- bairischen Gauverband, vom Gesangverein„Gutenberg" in Rostock, von Westermann's Offizin in Braunschweig. Der Geschäftsbericht des Prä- stdenten resumirte dahin, daß die Vereine sich bedeutend vermehrt und im Allgemeinen vergrößert haben. Die Frage der Produktivgenossen- schatten befindet sich noch vollständig in der Ventilation, weil vorläufig der Grundstein fehlt; hinsichtlich des Viatikums hat der Verband mit dem Beschluß des ersten deutschen Buchdruckertages, das Viatikum nur an Verbandsmitglieder zn zahlen, so ziemlich reiisfirt; die Statistik deS Verbandes liegt im Argen, weil an den einzelnen Orten die nöthigen Kräfte schien: das Unterstützungswesen ist noch in der Regelung begriffen, das Prinzip der Selbstverwaltung greift immer mehr Platz. Ein Antrag auf Anerkennung der Bestrebungen der sozial- demokratischen Partei wurde durch Uebergang zur Tagesordnung beseitigt. Zum Präsidenten wurde Herr Richard Härtel einstimmig wie- dergewählt, zum Vizepräsidenten Herr Wilh. Seydell in Leipzig. Sitz des Ausschuffes ist Stuttgart, Ort deS nächsten Buchdruckertags Dresden.— Königslutter. Die Maurergesellen Hierselbst, welche bisher alle Morgen um 4 Uhr aufstehen mußten, um schon Punkt 5 Uhr auf der Arbeit erscheinen zu können, reichten ihren Arbeitgebern schriftlich die Forderung ein, daß dieselben die Frühstunde von 5 bis 6 fallen lassen sollten, und gaben den Meistern eine achttägige Bedenkzeit. Drei Meister, Fricke Karl, Fricke Ernst und H amann unterzeichneten nach gedachter Frist; drei hingegen, Helmke, Schräder undWessel, traten den Maurern schroff gegenüber. Einer der renitenten Meister soll ausgerufen haben:„Und wenn mir das Messer an der Kehle sitzt, unterschreibe ich nichtl" Die gedachten Meister haben nun, um ihren Widerstand durchzusetzen, den Eisenbahn-Baumeister, sowie die Zuckerfabrik- Direktoren und Inspektoren aufgestachelt, den Maurern keine Arbeit zu Theil werden zu lassen, wozu denn diese Herren sich auch haben bereit finden lassen. Weil aber die Maurer sich hart- näckig zeigten, glaubten die Maurermeister Schräder und Wessel(um ihrer Klugheit die Krone aufzusetzen) noch ein anderes wirksameres Mittel ergreifen zu müssen, welches darin bestand, daß sie zum Bürger- meister(Arndt) ihre Zuflucht nahmen. In der That ließ sich auch der Vater der Stadt dazu bewegen, seinen wertsten Namen auf ein Stück Papier zu setzen und anzuordnen, daß der diensteifrige StationS- Kommandant Hahn mit Zuziehung noch eines PolizeijäzerS fämmt- liche ftrikcnden Maurer arrettre» sollte. Der 13. September war für diese Großthat auserkoren. In Folge hiervon bot stch den Ein- wohnern von Königslutter ein sehr heiteres Schauspiel dar. Denn überall wurden die Schutzmänner der Kapitalzwingherren mit Hände- klatschen und lauten Gelächter von Frauen und Kindern groß und klein empfangen, so daß sie zuletzt die ganze muntere Schuljugend um und hinter sich hatten, gleich als ob sie irgend einen Jahrmarktsauszug aufgeführt hätten. Die Maurer aber blieben ruhig daheim und harren heute noch der Dinge die da kommen sollen. -Im Namen sämmtlicher Maurergehilfen der Borstand. Plauen. Dann und wann ist es nöthig, daß wir kleine Proben aus der gegnerischen Lokalpresse unfern Lesern zum Besten geben, um zu zeigen: 1) auf welcher Bildungsstufe unsere Gegner stehen und 2) wie durch die Presse das Volk systematisch corrumpirt wird. Im „Vogtländischen Anzeiger und Tageblatt",„Ämtsblatt für das Kö- nigliche Bezirksgericht zu Plauen, sowie für die Königl. Gerichts- ämter und Stadträthe zu Plauen, Pausa, Elsterberg, Schön- seck, Adorf, Markneukirchen und Mühltroff, redigirt vonMoritz Wiep recht in Planen" vom 12. September findet sich folgende Betrachtung über die Gasteiner Diplomatenlonserenz:„Der Eine will erhorcht haben, es gelte einer Verbindung gegen einen ge- wissen Störenfried in dem Westen; der Andere weiß es besser und spricht höchst vorsichtig und weise nur von allgemeinen Verabredungen, die zu Gunsten des europäischen Friedens dort gemacht werden sollten; ein Dritter redet von einem Feldzugsplane gegen die Internationalen und ein Vierter von einem solchen gegen die Ultramontanen. Die Redaktion des„Voigtländischen Anzeigers" gesteht ehrlich, daß sie da- von gar Nichts weiß, eben so ehrlich aber auch, daß sie alle die vier genannten Punkte zugleich wünscht, am allermeisten aber die bei- den letzten. Denn einem ehrlichen Deutschen und rechtschaffenen Christenmenschen*) ist die rothe Bande justement so zuwider, wie die schwarze, und die Galle tritt ihm in den Magen, er mag an die denken oder an jene, an Bischof Heinrich von Passau, der neuerdings verrückt geworden sein soll, oder an Bebel, der eS noch werden kann, an Erzbischof Gregor ins von München-Freystng oder an Liebknecht von— ja was denn**)? An ein gemeinsames Einschrei- ten gegen die Sozialdemokratie läßt sich schon denken. Die Gesellschaft macht sich nachgerade in zu unangenehmer Weise bemerklich, als daß es Einem nicht plausibel erscheinen sollte, daß die Staatsgewalt damit um- gehe, ihrem Wahnsinne, der sich bei der Pariser Kommune gezeigt hat, bis zu welchen Schandthaien und Greueln er stch versteigen kann, ein Bis- che» die Zwangsjacke anzuprobiren. Denkt man an diese Pariser Ge- schichten, so ist ja das Wort Wahnsinn gar keine gehässige Uebertrei- bung, sondern weit mehr eine menschenfreundliche Entschuldi- gung. Daß aber so«in Stück Sonnensteinteise"*) wirklich dabei un- terläuft, sieht man an einem Hauptschreier der Internationalen in Eng- land, dem Odger. Denn wenn dieser Schuhmachergesellc-j-) sich hinstellt und dem Prinzen von Wales erklärt, er(der Schemel- prinz) werde es nicht dulden, daß er(der Kronprinz) nach seiner Mutter Victoria Tode den Thron besteige, so ist das doch halb verrückt, und wenn er dabei von der Mitwirktung der englischen Offiziere für seine Pläne haselirt, so fehlt jedenfalls nicht viel an dem ganz verrückt. Wie man fich aber die gemeinsamen Maßregeln Oesterreichs und Deutsch- lands denken sollte, darüber haben uns die Berichterstatter noch nicht viel gesagt; auch wird eS kaum sonderlich viel Tröstliches sein können. Wenn dieses Einschreiten auch, wie manu uns ausdrücklich versichett, kein Wiederaufleben der Karlsbader Beschlüsse mit sich bringt, so ist es doch— und das macht eben die soziale Bande so grimmig — nicht recht denkbar, wie es ganz ohne Beschränkung der Presse, de» Assoziations- nnd des Versammlungsrechtes, ohne polizeiliche Maßre- gelung und ohne Verkümmerung der Freiheit geschehen soll, in deren Genüsse wir Alle uns wohl befinden, auch die wir nicht aus den„Volks- staat" abonnirt haben." Wir rathen dem„Vogtländischen" recht schnell auf den„Volks- staat" zu abonniren; er wird dann weit besser über uns— schimpfen können. An Stoff wollen wir's nicht fehlen lassen. *) Hat ein gewisser Christus nicht einmal gesagt: Liebet Eure Feinde!, Sie„rechtschaffener Christenmensch"? **) von G ießen, Provinz Oberhessen, Großherzogthum Hessen. Dort auf die Welt gekommen, nach Art gewöhnlicher Menschenkinder am 29. März 1826, nnd einige Tage später sogar reglementsmäßig getauft. '**) Für Nichtsachsen sei zur Erläuterung bemerkt, daß Sonneustein seiner Irrenanstalt die freundliche Erwähnung durch den„Voigt- ländischen" verdankt. f) Leider hat dieser„Schuhniacherge>elle", der beiläufiz derJnter- nationalen Arbeiterassoziation nicht mehr angehört, noch in keinem skandalösen Ehebruchsprozeß sigurirt gleich dem ebenso geistlosen als lllderlichen Prinz von Wales, sonst würde der„Vogtländische" den ,,Schem lprinz" vcrmuthlich dem„Kronprinz" eherebenbürtig erachten. Truppenzum erst en(?)MaledcnVersalllern materielle Unterstützung. Preußische Gardepioniere mußten, wie wir direkt vo« diese« gehört habe«, bei St. Denis die Brücke schlagen, auf welcher die Ver- sailler die Seine überschreiten und das ihnen durch Spione geöffnete Thor von St. Denis erreichen konnten. Zugleich beganndie Absperrung von ganz Paris durch die deutschenTruppen und ohne Gnade wurden alle Flüchtenden wieder nach Paris hinein getrieben." Was der„N. Soz.-Dem." über das Schlagen einer Brücke bei St. Denis sagt, stimmt durchaus zu dem Verfahren der Preußischen(alias deutschen) Militärleiter gegenüber der Kommnne. Falsch ist bloß, daß die deutsche Aktion zu Gunsten der Versailler erst in der Nacht vom 22. auf den 23. Mai begonnen habe. Unsere früheren Mittheilungcn sind vollkommen wahrheitsgetreu und werden durch die Notiz des„N. Soz Dem." nicht berichtigt, sondern nur ergänzt. Der Redakteur des„Volkswille" in Wien, Andreas Scheu, welcher wegen zweier Zeitungsartikel über die Pariser Kommune der Anpreisung von Verbrechen angeschuldigt war ist am 20. dss. Mts� vom Schwurgericht freigesprochen worden.— Eine ähnliche Anrede, wie bei der Kontrolversammlunc� in Glauchau vom 15. Sept.(siehe vorige Nummer) ist auch, wie uns mugetheilt wird, bei derMee rane r Kontrolversammlung am 14. Sept. von dem dienstthuenden Offizier gehalten worden. Nur hat sich der Meeraner, ein Adjutant, etwas ungeschickler aus- gedrückt, als der Glauchauer. Während der Letztere die Sol- daten, welche die Presse von den Uebelständen im Militärwesen in Kenntniß setzen, rundheraus„Schufte" nannte, sagte der Elftere, er wolle sie„gerade nicht als Schweinehunde be- zeichnen." Es geht uns die erste Nummer einer von Jules Bergeret (Ermitglied des Centralkomitccs der Pariser Kommune) in London in Broschürenform herausgegebenen Wochenschrift zu, welche den Titel führt„der 18. März."(London und Brüssel. 50 Centimes(4 Gr.) pro Nummer). Wir werden in einer der nächsten Nummern eine Uebersetzung der beiden in der ersten Nummer enthaltenen Aufsätze„Lm terreurVer- sailleise"(der Versaeller Schrecken) und„Ffürocit� des com- rnunards"(„Barbarei" der Kommunalistcn) bringen. Sie ent- halten noch nicht veröffentlichte Mittheilunzen über die Straßen Metzeleien der Versailler und das großmüthige Benehmen der Kommunalistcn gegen gefangene Versailler.— Biedermann hat gelogen. Auf unsere zweimalige Anfrage hat Pros. Biedermann endlich in der letzten Sonntagsnummer der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" geantwortet und zwar so: „Leipzig, 23 Sept. Der„Volksstaat" fordert uns auf, zu sagen: wer der Sozialdemokrat sei, der angeblich sich der Erhebung von 30 Jiijurienprozessen gerühmt habe. Nun, unsers Erinner ns war es Herr Bebel, der.uns genannt ward. Wir begreifen übrigens nicht, warum die Herren so viel Geschrei darüber machen, daß sie sich eines Verfahren« gerühmt haben sollen, welches sie faktisch doch unleugbar einhalten. Denn daß sie ihre Gegner in der Presse mit Jnjurienprozessen verfolgen*), dafür sind wir selbst, das hiesige Tageblatt und andirc Blätter mehr lebende Zeugen. Freilich ist eö bei diesen Herren nicht das erste Mal, daß sie erst sich einer Th at als einer Heldenthat gerühmt und hinterher dieselbe That abgeleugnet habm." Am 16. September hatte Herr Biedermann gesckrieben:„Einer dieser säubern Herren hat sich unlängst össcntlich gerühmt, er verfolge jede ihm in der Presse widerfahrende Beleidigung aus gerichtlichem Wege und habe bereits wohl 30 Jnjurienprozesse angestrengt." Am 23. September, nachdem wir ihm zweimal die Pistole auf die Brust gesetzt,„erinnert" sich Herr Biedermann, daß es Bebel „war", der ihm„genannt ward." Am 16. war es cme Thatsache. Am 23. war es bloß unseres Erinnern«. Doch verweilen wir nicht bei dieser Kleinigkeit. Auf alle Fälle h ab enSie gelogen, Herr Biedermann, denn weder Bebel noch ein n derer Sozial-vemo kra that je eineähnlicheAl beruhe itg es agt. Was Sie am 16. d. schrieben, war möglicherweise blos eine Unwahrheit, zu der Sie sich durch Ihre Aufregung über unseren Artikel in Nr. 75 ver- leiten ließen. Seitdem haben Sie, wie aus dem Wortlaut Ihrer Antwort vom 23. d. deutlich hervorgeht, sich überzeugt, daß Sie am 16. d. zu viel gesagt hatten. Als Ehrenmann mußten Sie dies erklären und das am 16. d. Be auptete widerrufen— als Bie- der mann haben Sie das Gegentheil gethan und die Unwahrheit zur Lüge gesteigert.- � Und damit für heut Lebewohl, Herr Pro- fessor. Jedoch auf baldigstes Wiedersehen! Gewerkschaft der Holzarbeiter. (Krankenkasse. Beerdigungssteuer. Abrechnung.) In An- betracht der an vielen Orten herrschenden epidemischen Krankheiten, und da die Hauptkasse außer Stande ist, ferner noch Zuschüsse an die Orts- kassen zu leisten, sieht sich der Ausschuß veranlaßt, allen Milgliedschaftcn bis auf Weiteres eine Erhöhung der wöchentlichen Beiträge dringend anzuempfehlen. Der Ausschuß empfiehlt: Für die in der 3ten Klasse Berstcherien die Steuer der 4 Klasse(1'/, Sgr.) und für die in der 4. Klasse Versicherten, die Steuer der 5. Klasse, 2 Sgr.) zu erheben. E« ist diese Maaßregel um so nothwendiger. als die aus- zuzahlenden Unterstützungsgelder 2 Thlr. 12 Sgr. in 3., und 2 Thlr. 2b Sgr. in 4. Klasse so wie so schon, selbst für normale Verhältnisse, auf das höchste bemessen sind. Es muß also allerseits darauf geachtet werden, die Beiträge mit der zu zahlenden Prämie in Einklang zu bringen, und ist es durchaus unstatthaft(wieeS leider schon geschehen) die Gewerkschastsgelder mit zur Krankenunterstützung zu verwenden. Die Z. jj. 8 des Gewerkschasts- Statuts, und Z. 4 und 15 des Unlerstützungs- Bundes, müssen rücksichtslos in Anwendung kommen, da ohne die strengste Ordnung die Kassen zu Grunde gehen würden. Da wiederum 2 Todessälle in Toln und Altona vorgefallen, ist vom Ausschuß beschlossen, die zur Decku g der Beerdigungsgelder zu erhebende Exirasteu-r(8 17) mit 2'/, Sgr. für jedes bis zum 30. Sep- tember eingejeichnete Mitglied zn berechnen. Der Betrag ist aus den Orlskasseiibeständrn vorschußweise zu entnehmen, und mit der fälligen Abrechnung pro III. Quartal an die Haupikasse einzusenden. Quittung ist durch Absteutprln in der 5. Wochcnrubrik für Oktober zu leisten. Die OrlSvorstände werden hiermu wiederum dringend aufgefordert, die fälligen Abrcchnungswrmulare rechtzeitig und sorgsältig ausgefertigt einzusenden. Es ist äußerst nolhwendig, daß jede osseufteheno« Rubrik eer Formulare ausgefüllt wird, damit�endlich einmal ein allgemeiner genauer statistischer Bericht über den Stand der Gewerkschaft erbracht werden kann, was bislang der vieljach mangelhasleu Ausfertigung der Formulare halber ganz unmöglich war. Für den Ausschuß: Th. Dorck. Berichtigung: Durch einen Schreib- oder Druckfehler ist neulich der Name des Ausschußmitgliedes Militz in Wilip und des Revisors Marwedel in Harwedel verändert, was hierdurch berichtigt wird. *) Von dieser Biedermanniade in nächster Nummer. Jnteraativaale Gewerksgenoffenschaft der Schuhmacher and verwandten Gewerke. Leipzig. Vor einigen Wochen wurde uns mitgetheili. daß die Migliedschast Stuttgart eingegangen sei, indem gewisser Verhält»! sie halber die Berheiligung immer geringer wurde. Doch ist der Geist und Trieb der Vereinigung iu Aller Brust noch nicht erloschen, denn schon wieder wird uns von dort die Neugründung einer Mitgliedschaft augezeigt, in der Georg Kittler, Silberburgstraße l3I. als Bevollmächtigter, Georg Beil als Kassirer, Gottlob Giäßer als Schriftführer und Carl Heb als Controlenr gewählt und mit der Leitung der Geschäfte betraut sind Wir rufen unsern Freunden in Stuttgarl zu, mit Kraft und Much sestzuhalten an dem, was sie von Neuem begonnen haben; daß sie be- greisen mögen, daß Einigkeit stark macht und daß nur mit vereinten Kräften das zu erzielen ist, was wir erzielen wollen. Weiter fordert der Verwaltuugsrath Herrn Adolf Kammler, vov mals in Mainz, auf, seine Adresse einzusenden, indem ein schriftlicher Verkehr sich wegen einer Herrn Kanimler bewußten Sache zur Regelung derselben nothwendig macht. Noch ist zu berichtigen, daß das in Nr. 71 quittirte Geld von Dresden nicht 7 Thlr. 5 Groschen, sondern 7 Thlr 5 Pfennige waren Für die Verwaliung: Aug. Schäfer, Gewandgäßchen 5. Die College» Leipzigs machen bekannt, daß ihr B e r k e h r vom 1. Oktober an nicht mehr Packhosstraße, Stadt Mailand ist, sondern Gerberstraße 17 in der Restamation von Schädel, was zur weitein Verbreitung hiermit empfohlen wird. Wien. Warnung Wie uns aus Stuttgart berichtet wird, treibt sich dort seit geraumer Zeit ein Individuum, Namens„Auspttz", in Arbeilerversammiungen herum und versucht es, die österreichischen Arbeirer und ihre Wortführer zu verdächtigen. Es ist daher nolh- wendig geworden, dieses Subselr össentlich zu kennzeichnen. Auspitz hat nämlich in Wiener Arbeiterversammlungen Gelder für die vor einigen Monaten im Strtke begrisscnen Tramway- Arbeiter übernommen, hat aber dieses Geld nicht abgeliefert, sondern ist mit demselben durchgegangen. Wir ersuchen die be- freundeten Parleiblätter, von dieser Notiz Kenntniß zu nehmen. (Volkswille.) Wien. Wirkungen des Osscnbacher Strikes. Die Porte feuillewaaren-FabrilanIen Granz(Firma L. Hirschseld) aus Franko furt a. M. und Knipp und Lehmann aus Offenbach definden sich in Wien im Jnteresj�einer internationalen Fabrikantcn-Coalition.— Etwa 500 Hornspitzendrechsler haben die Arbeit eingestellt, weil sie bei aller Anstrengung in einer 12— 13sttindigen Arbeitszeit nicht mehr als höchstens 4—7 fl. verdienen konnten. Berlin. In einer Versammlung der hiesigen Schornstein- fegermeifter am 14. d. M. wurve eine schriftliche Aufstellung der Forderung der Gesellen eingereicht. Die Bedingungen, unter denen sie nach dem 1. Oktober d. I. weiter arbeiten wollen, sind: 1) Wieder- einführung der Kehrbezirke, 2) Antrag, daß die Witlwen der verstorbe- neu Meister die Arbeiten unter sogenannten Schutzmeistern nicht mehr fortfühien düifeii,*) 3) eine wöchentliche Lohnzahlung von 6 Thalern obne Beköstigung, 4) eine Arbeitszeit von täglich nur 10 Stunden, 5) Sonntagsarbeue» sollen extra bezahlt werden und die Erträge für das Reinigen der Dampfschornsteine, Kesselzüge, Maschinell u. s. w. an diesen Tagen sollen in die Hände der Gesellen fließen.— Namens- unterschristen trug das Schriststück nicht. Mit Rücksicht hierauf, sowie auf die Unklarheit in manchen Punkten, wurde beschlossen, daß sich das Komitee der Gesellschaft iiiiieryalb acht Tagen nochmals über ihre Forderungen auslassen und Vertreter in die dann neu anzuberaumende Versammlung der Meister. Kommission schicken möchte, um wo möglich eine Einigung zu erziele».— Der Weg der Verhandlung hat bei den Bildhauern wie bei den Posamenlieren die gewünschte Einigung herbeigeführt. Die Kiste um ach er dagegen haben die Arbeit eingestellt und verlangen wie die Tischler eine Lohnerhöhung um 25% und Verkürzung der Arbeitszeit von 11 auf 9% Stunden.— Die Böttchergesellen haben beschlossen, bis Mitte künftigen Monats zu warten, bis dahin aber mit den Meistern zu unterhandeln. Die Berliner Buch bind er-Gehülfcn haben ihre(bereits mitgetheil ten) Forderungen nicht aufgegeben, sondern eine Sirikekasse gegründet und wollen die Unterhandlungen init den Meistern fortsetzen.— Stralsund, 19. Sept. Die hier in Arbeit stehenden Schiffs- zimmergcsellen(etwa 100 an der Zahl) haben gestern früh die Arbeit eingestellt; 20 von ihnen find sofort nach Kiel abgegangen, wo der Lohn höher ist. Die hier gebliebenen älteren, meist verheira- lheten Leute verlangen für den Tag 25 Sgr., während die Schiffs- baumeister nur 22% Sgr. bewilligen wollen. Der bisher gezahlte Lohn betrug 18—20 Sgr.— Aus unseren Schiffswersien ist es in diesem Zahre.sehr lebhaft: 9 Seeschisse im Neubau stehen aus dem Stapel, darunter mehrere größere von etwa 2—300 Lasten. Die Schisssbau- Meister besinden sich in der peinlichsten Verlegenheit, denn sollte der Strike längere Zeit dauern, so werden die Kontrakte von ihnen nicht i»n« gehalten werden könne». Außer 25 Sgr. täglichem Arbeitslohn verlangen die Gesellen noch die Einführung von drei statt vier Winter monaten. Mainz, 23. September. Bil dhauer-Strike. Unter den hie- sigeii Bildhauern droht ein Slrite auszubrechen. Prinzipale und Ge- hülsen gehen mit einander Hand in Hand. Erstere gestehen ihre» GehiUsen eine Lohnerhöhnug von 25% zu. Nun wird es sich zeigen, was die Herren Möbelfabrikanten iu Beziehung auf die Lohner- höhung thun werden, wenn die Gehülfen nicht mehr um den seitherigen Huirgerlohn arbeiten wollen. Vor Zuzug werden die College» gewarnt und alle arbeiterftenndlichen Blätter um Ausnahme vorstehender Zeilen gebeten. Carl Huber. Rcgenshurg. Die Arbeiter der Ostbahn-Cenrraliverkstätte haben die Arbeit eingestellt. Allzu schlechte Behandlung und ein Hungerlohn von 48 Kreuzer(13% Sgr.) pro Tag sind die Ursache dazu. Ihre Forderung ist höchst mäßig— nur 10 Prozent Lohn- erhöhung— und ihr Sieg, da unter ihnen feste Einigkeit herrscht, mit Gewißheit vorauszusehen. Uiitersküßuugen wolle man senden an H. Korbacher, per Adresse F. M. Weber, rothe Sterngasse 147, Re- gensbnrg. Brüssel. Der Maschinenbauer strike ist noch nicht vollstän- diq beendigt, wie die„Liberte" meldet; es haben nämlich ein Paar Arbeitgeber ihre beim Ausgleich gemachten Versprechungen nicht gehalten. Die Genrer Maschinenbauer Gewerkschaft hat den Brüsseler Slrilenden ein bedeutendes Anlchen gewährt.— Ein Strike der Hut- macher und in einer Wachskerzensabrit in Brüssel steht in Aussicht. Limbach. Die Redaktion des„Volksstaat" ersuchen wir bierdurch um gefällige Aufnahme nachstehender Zeilen, da uns der„Neue Sozial- Demokrat", dessen Pflicht es gewesen wäre, die Ausnahme der- elben versagt. Erklärung. DaLouis Stiegler aus Ebemnitz auf letzter Generalversammlung de« Allgemeinen Deutschen Ardeiter-Vereins im Namen der Limbacher Mitglieder behauptet hat, das Peyold'sche Flugblatt fei ohne Zustimmung derselben mit dem Passus. „Im Rainen der Mitglieder des Allz-meinen Deutschen Arbeirer- Vereins zu Limbach" versehen worden, so erklären wir hierdurch Herrn Louis Stiegler als einen Lügner, indem wir demselben keinerlei Aus- trag erlhcilt haben, überhaupt seit wir ihn I nnen, in keiner Beziehung mehr zu ihm stehen; hingegen ist das Flugblatt in 2 Mitglieder- Ber- sammluiigeii durchberalhcn und von sämmilichen Mitgliedern unterzeichnet worden, waS wir hier zur Steuer der Wahrheit und zur Ehre des Herrn Petzold nochmats össentlich bestäl:gen. Die früheren Milgliever deS Allgemeinen Deutscheil Arbeiter-V-reins zu Limbach bei Chemnitz. Alle Zuschriften in allgemeinen Parteiangelegenheiten, nament- lich auch um Programme, Slatulen» Karten u. s. w. sind zu richten an. Sekretär Th. Horck, St. Georg Schulzweg 23 Hamburg. Die Parteibeilräge, freiwilligen Beiträge, Beiträge für •) Eine nähere Motivirung dieses sonderbaren Antrags finden wir in den Zeitungen nicht. Red. d.„V." den Fond der politisch Gemaßregelten u. s. w. sind zu senden an: Kassirer H. Bellvecke, Kl. Schäferkamp 46a. Hamburg. Znr Rotizvahme. Alle Freun.> und Parteigenossen, welche Gelder an den Parteikassirer einsenden, werden ersucht, dies nur per Post- anw e is umg, durch Baareinzahlung auf dem betreffenden Post- bureau zn thun, und etwa erforderliche Notizen, z. B. wofür der Be- trag bestimmt, auf den Coupon zu schreiben. Kleinere Beträge wolle man in Briefmarken einsenden. Niemals aber wolle man(wie es bereits mehrmals vor- gekommen) kleine Beträge von 1 oder 2 Thaler durch declarirte Geldbriefe übersenden. Das Porto per Postanweisung beträgt 2 Gr., ist also, selbst wenn ein Brief beifolgt, was oft unvermeidlich, immer noch 2% Gr. billiger als ein Geldbrief, der 5 Gr. kostet, und wofür hier am Orte noch s/4 Gr. für das Ueber- bringen bezahlt werden muß. Also in Zukunft nicht wieder unnölhiges Porto für Geld- briefe ausgegeben! Hamburg, 23. Sept. Der Kassirer Ben necke. (2)1_ Kl. Schäferkamp 46 a. Fond für politisch Gemagregelte. K. Breslau: 2 Thlr. L. Berlin: 1 Thlr. Auf Agitation erspart v. M. in Ronneburg: 1 Thlr. 9 Gr._ Die Expedition. Quittung über empfangene Beiträge zur Strikekasse der Berliner Tischler: Aus Hamburg haben wir erhalten: d. Hrn. Ed. Prep 9 Thlr. 18 Gr., 4 Thlr. 20 Gr., 13 Thlr. und 49 Thlr., von Hrn. Carl Ernst 16 Thlr. und von Herrn Jakob 8 Thlr. Aus Altona haben wir erhalten: von Hrn. Siewers 12 Thlr., von Hrn. Benthien 26 Thlr. und 12 Thlr., von dem internationalen Gewerkverein der Holzarbeiter durch Hrn. Tb. Jorck 40 Thlr. Berlin, 20. Sptbr. Das Strikekomitee der Berliner Tischler: _ gez. Otto Richter, stellvertr. Vors. Briefkasten der Erpedition: W.Hersseld: 5 Gr. für Schriften; Unsre Ziele nächste Woche. I. B. H. Mainz: 20 fl.— 1t Thlr. 12 8 für Abon. erhalten. Treuter in T. 1 Thlr. erhalten. In einigen Tagen. Sorge, Hoboken: 50 Thlr. für Abonnement erhalten. Sch. Neustadt: 17 Gr. für Abonn. Also doch Kreuzband? S. in Belgrad: 2 fl. 30 kr. erhal. Das Bestellte ging ab. der Redaktion. Dr. M. in K. bei E. Ich habe Ihren Brief erhallen und brauche Ihr Ex. nicht.— R. in M. Brief erhalten. Wollen Sie die Verösseiiilichung riskiren? Ich thue nichts, ehe ich be- stimmten Auflrag bekomme. Dr. B. in Gens. Schriften nebst Brief mit Gelegenheit nach Ba- sel gesandt d. 6. d. M., später d. 8. d. Gleiches mit Gelegenheit nach Genf an G. Seifert in Leipzig. für Stollberg. erln'üävrunsskest. Joimtag, den 1. Oktober d. I., im Saale des ZchiesthauseS zu Stollberg; Anfang 3 Uhr Nachmittags. Prograimu: Musik, Gesang, Setlamatorischc Vorträge, Fest- rede gehalten von Hrn. Liebknecht. Abends3 Uhr Ball. Eintritt gegen Karlen. Freunde und Parteigenossen sind zu zahlreicher Theilnahme freundlichst eingeladen. Ter ArbeiterbildungSverei» das.(2. 1) Für Solingen. Sonntag, den 1. Oktober, Nachmittags%6 Uhr findet im Lo- kale des Herrn B ö n t g e n eine Volksversammlung 5g statt. Tagesordnung: 1) Die internationale Arbeiterbewegung und der Zweck der deutschen Sozialdemokratie. Referent Herr Raspe (Essen). 2) Die dirette Gesetzgebung durch das Volk. Referent Herr H. Rittinghausen(Eöln). 3) Die Verschwörung der Fabrikanten Barmens gegen die strike»den Arbeiter. Res. Hr. Pieper(Barmen). _ Um zahlreichen Besuch bittet_ Carl Klein. Für Leipzig. Sozial-demokratischer Arveiter-Beretn. Freitag, den 29. Sept., Abends halb 9 Uhr: Versammlung im Saale der„goldenen Säge"(Restaurant„Victoria") Ecke der Dresdner- und Langenstraße. Tagesordnung: Sozial- politischer Wochenbericht(Ref. Dittrich). Ergänzung und Debatte über„die Bewegung im Jahre 1348 und 49 in Deutschland"(als Anschluß an die beiden Vorträge von Liebknecht). Gäste sind freundlichst willkommen. Die zur Messe nach Leipzig kommenden Parteigenossen werden hiermit besonders eingeladen. _ Der Vorstand. Für Glauchau. Da vom 1. Oktober an eine für den„Volksstaat" hier eröffnet wird, so werden alle Post- und Buchhandlungs- abonnenten gebeten, ihre Bestellungen sofort bei Hermann Albert, Gr. W-berstraße 4, ausgeben zu wollen. Der Vorstand des Volksvereins. Im Verlage der Lewent'schen Buchdruckern Berlin, LandSberger- Iraße 32, erscheint vom 1. Oktober 1871 ab die „Demokmüsche Zeitung". Der Name kennzeichnet die Tendenz.(2)1 Die neue Zeit hat durch den Rausch, den die Erfolge erzeugt, d«s Nationalttätspriuzip in den Vordergrund gedrängt und hierdurch das deinotratische Bewußtsein im Volke tief getrübt. Die„Demo- kratische.Zertung" hat es sich zur Ausgabe gemacht, thätig und kräf- tia mitzuwirken, dasselbe wieder herzustellen. Sie wird zu der großen Masse des Volkes in populärer Weise von dem Rechte desselben sprechen; ie hofft den Erfolg vorzugsweise von dem gesunden Sinne des Thei- les der Bürger, die durch die mühevolle Arbeit des Tages die wahr- 'laste Stütze des Staates sind und daher auch das meiste Recht zu Forderungen an denselben haben. Den Interessen der Arbeiter wird ein wesentlicher Theil der Zeitung gewidmet sein, uch kommn- munalt Angelegenheiten erhalten in den Spalten derselben einen hervorragenden Ptatz. Die„Demokratische Zeitung" vertritt das Prin- zip, daß auf Grundlage einer freien Gemeindcverfassnng der Staat Ich zu organisiren habe. Die neuesten Ereignisse in dem Leben der Stadl Berlin wird ein möglichst reichhaltiges„LokaleS" enthalten, der Erholung endlich von dem geräuschvollen Treiben der großen Welt ist ein Feuilleton gewidmet, das neben einer fortlaufenden Erzählung Aus- kunsi über, die neuesten Erzeugnisse aufdemGebieieder Literaturgeben wird. Die„Demokratische Zeitung" erscheint 7 mal wöchentlich, der AbonnementSPreiS fnr Berlin beträgt pro% Jahr 1 Thlr. z Sgr., pr. Monat 11«gr.. pr. Woche 2 Sgr.» Pf. tncl. Botenlohn, für answarttge«bonncntc» 1 Thlr. 1« Sgr. Be- tellungen nehmen alle Pojtanstalten, Spediteure Berlins, und die Erpedirion der Zeitung(Biichhandlung von Mecklenburg, Krau- enstraffe 41) entgegen. Die JnscrtionSgebühre» betragen für die mersp iluge Petit-eile 2 Sgr. 6 Pf., Arbeitsmarkt 1 Sgr. 6 Pf. Annahme Ver Inserate m der Expedition. Die Parteigenossen und Alle, weichen die Sache des Volkes wahr- hast am Herzen ti-gt, bitten wir, unser Unternebmen durch Abonne- ment, Verbreitung des Organs, journalistische Beiträge zu begünstigen und zu stützen. Die Redaktion der„Demokratischen Zeitung" L eipzig: Verantw.RedakteurA.Hep ner(Reoaktioil: Peterssteinw eg18. Druck u. Verlag: F. Thiel«.(Expedition: PeterSstr. 18.)