JTB. m emM Erscheint wöchentlich 2 mal in LetHzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, Petersstraße 13, F.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AbonnemcntSpreiS: Für Preußen incl. Stempel- steuer 16 Ngr., für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Filialerpedition für die Ver- einigten Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der soMl-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationaten Gewerksgenossenschaften. Abonnements-Einladung. Wir bitten alle Leser und Parteigenossen, sich zum neuen Quartal, welches mit dem 1. Oktober beginnt, für die weitere Verbreitung des„Volksstaat" zu bemühen.— Das Abonnement erneuere man jetzt schon, um die unangenehmen Verzöge- uingen, die sonst beim Ouartalwechsel eintreten, zu vermeiden. Das Postabonnement ist, mit Ausnahme der Orte, wo Filial- erpeditionen bestehen, das beste, und liefert jede Postanstalt gegen ein Bestellgeld von 21li Gr. pro Quartal den„Volksstaat" stei ins Haus. Kreuzbandsendungen sind also überflüssig, da diese bedeutend theuerer. Der Abonnementspreis beträgt, wie bekannt, 12 Gr.; für Preußen incl. Stempelsteuer 16 Gr.■ Die Erpedition des Vollsstaat. Ein Biedermann. Durch unsere so betitelte Charakter- studie Nr. I. in Nr. 75 des„Volksstaat", die ihm nicht schmei- chelhaft erscheinen mochte, hat Professor Biedermann sich in Nr. 217 seiner„Deutschen Allgemeinen Zeitung" zu einer Ant- wort fortreißen lassen, die wir zur Vervollständigung des Por- träts hiermit unverkürzt mittheilen. Sie lautet: „Leipzig, 16. Sept. Der„Volksstaat" thut uns, be- ziehungsweise dem Redakteur dieses Blattes persönlich, die Ehre(?) an, eine Reihe von Artikeln(darauf weist wenigstens die I über dem ersten derselben in der heutigen Nummer hin) über ihn und uns zu eröffnen. Was darin geschrieben stehe, wußten wir natürlich im voraus, sobald wir nur die Ueber- schrift:„Ein Biedermann" gesehen. Für uns und über uns sagt der„Volksstaat" nichts Neues, wenn er uns der Denun- ziation, der Reaktion und aller sonstigen Schlechtigkeiten be- schuldigt. Aber zu seiner eigenen und seiner Partei Charakle- risirung liefert dieser Artikel keinen ganz unwichtigen Beitrag. Wir ersehen daraus(nicht zum ersten mal zwar, aber aufs neue), daß diese Partei einen Unterschied zwischen repressiven und präventiven, zwischen Rechts- und Polizeigesetzen nicht kennt oder nicht kennen will, daß ihr die Verfolgung einer Person nach dem klaren Buchstaben des Strafgesetzes für gerade so unrecht und verwerflich gilt wie die polizeiliche Ausweisung einer andern oder das polizeiliche Verbot von Versammlungen. Neu, wie gesagt, ist uns das nicht. Hat doch unlängst auch der„Volksstaat" geäußert: ein Preßgeselz und Preß frei- heit sei ein innerer Widerspruch. Freiheit ist ihm blos da vorhanden, wo jeder absolut thun darf, was ihm beliebt. Jeder? Nein! Wehe dem, der sich die Freiheit nehmen will, auch frei zu sein und über die unfehlbaren Päbste der Sozial- demokratie seines Herzens Meinung offen herauszusagen! Er wird nicht etwa blos in den Blättern dieser Partei auf das gröblichste behandelt(das ist ihr Recht und ihre Natur, wider die sie nicht können), sondern— und das ist allerdings skurios — er wird von den Betheiligten auf Grund der bestehenden Strafgesetze(!) vor Gericht verklagt. Also für sich die Gesetzlosigkeit, gegen andere das Gesetz: Uns selbst haben die Her- ren Bebel und Liebknecht mit zwei Jnjurienklagen bedacht, während sie in ihrer Presse und in ihren Versammlungen uns, den Redakteur dieses Blattes, und wen sonst noch alles, fast Tag um Tag auf das allerärgste beleidigen und verleumden, so daß der Stoff zu Klagen gegen sie nie ausginge, wenn wan sie mit den Waffen bekämpfen wollte, welche sie wider ihre Gegner anwenden. Einer dieser säubern Herren hat sich unlängst öffentlich gerühmt: er verfolge jede ihm in der Presse widerfahrende Beleidigung auf gerichtlichem Wege und habe bereits wohl 30 Jnjurienprozesse angestrengt. Man sieht, diese falschen Freiheitsapostel spielen mit den Begriffen von Freiheit und Gesetz wie Gaukler mit den Kugeln, die sie bald erscheinen, bald verschwinden lassen. Will das Gesetz ihnen zu Leibe, weil sie es verletzt haben, so ist das Gesetz willkührlich und despotisch; thut aber ein anderer gegen sie etwas, flugs wird dasselbe Gesetz zum Schutz angerufen! Bedient sich ein anderer der Freiheit, ihnen die Wahrheit zu sagen, so wird er wie ein Verbrecher von ihnen behandelt; ihnen aber soll frei- stehen, nicht blos die Wahrheit(was jeder Verständige sich gern gefallen lassen wird), sondern die baare Unwahrheit, die schamlosesten Lügen über andere zu sagen. Wohlan denn! Schimpft, verleumdet, lügt und lästert immer frisch zu! Es ist das einzige, was ihr könnt." Also der Biedermann. Betrachten wir kurz, was er ge- sagt hat. Was wir über ihn schrieben, wußte er„natürlich im Voraus." Natürlich, denn der Biedermann ist klug und weise und hat genügende Selbstkenntniß, um zu wissen, daß, wenn man von ihm die Wahrheit schreibt, nicht geschrieben werden kann, er sei kein Denunziant, lein Reaktionär und wie die epitsim ornantia sonst lauten mögen. Der Biedermann meint, wir„kennten nicht den Unter- schied zwischen repressiven und präventiven, zwischen Rechts- und Polizeigesetzen." Der Biedermann hat Recht, den Unter- schied, welchen er macht, kennen wir nicht. Es ist uns höchst gleichgiltig, ob man uns repressiv oder präventiv einsperrt, ob die bestehenden Polizeigesetze, die er gegen uns anruft, von ihm, weil sie bestehen, Rechtsgesetze genannt werden, ooer nicht.„Eine Rose duftet, auch wenn sie nicht Rose heißt." i�in Polizeigesetz ist reaktionär, auch wenn es„Rechtsgesetz" �ißt. Die Maaßregeln, die Braß in der„Norddeutschen" gegen uns forderte, sollten gleichfalls im„Weg Rechtens" erfolgen, gleichfalls „Rechtsgesetze" sein. Was scheert uns das Datum? 1850 oder 1871? Und wir haben ja dem Biedermann zugegeben, daß er die 1850er Polizeigesetze— Verzeihung„Rechtsgesetze" richtiger beurtheilt habe als Braß, indem es unmöglich sei, dieselben„präventiver"— Verzeihung„repressiver" zu machen. Der Biedermann skandalisirt sich darüber, daß der„Volksstaat" erklärt, ein Preß ge setz und Preßfreiheit sei ein innerer Widerspruch. Hat der Biedermann nie gehört, daß es in England, der Schweiz, Amerika:c., kurz, in den einzigen Ländern, wo Preß frei heit existirt, kein Preßgesese'tz giebt, weil dort die Presse unter dem allgemeinen Gesetz steht, das zur Verhütung sogenannter„Ausschreitungen" genügt? Hat der Biedermann, dem allerdings oie Erinnerung an die Vergangen- heit unangenehm sein muß, denn etwa vergessen, daß seine Partei und, wenn wir nicht irren, er selber in den guten Zeiten des Liberalismus sich nachdrücklich gegen Ausnahmsge- setze jeder Art �ausgesprochen haben? Und ist ein Preßgesetz nicht ein Ausnahmsgesetz? Der Biedermann huldigt der sonderbaren Schwärmerei, wir könnten es nicht ertragen, daß uns der Biedermann seines „Herzens Meinung offen heraussage." Fehlgeschossen. Wir amusiren uns blos, daß der Biedermann so sehr verschieden- artige„Herzensmeinungen"„heraussagt", und wünschen nur herauszubekommen, welches denn eigentlich die wahre„Herzens- Meinung" des Biedermann? Doch hiervon mehr in Nr. II. Der Biedermann findet es kurios, daß die Sozialdemokratie „die bestehenden Gesetze" benutzt. Sie soll sich wohl selbst vogelfrei erklären? Der Biedermann beklagt sich, daß wir— Bebel und Liebknecht— ihn„mit zwei Jnjurienklagen bedacht". Nun, das geschah, als wir in Haft waren, und der Biedermann diese Gelegenheit benutzte, durch sein Blatt die niederträch- tigsten Verleumdungen über uns zu verbreiten, Ver- leumdungen, deren einziger Zweck sein konnte, die Richter und Geschwornen zu unfern Ungunsten zu beein- flussen. Der Biedermann begreift natürlich micht die Ehr- losigkeit einer solchen Handlungsweise, allem, da er sich so gerne mit seiner Kenntniß englischer Verhältnisse brüstet, wollen wir ihm doch ins Gedächtniß rufen, daß es in Engtand nach herrschendem Gebrauch für infam gilt, wenn bei obschweben- den Prozessen, namentlich Kriminalprozessen, ein Blatt die öffentliche Meinung gegen die Angeklagten, und handelte es sich um die gemeinsten Verbrechen, aufzuhetzen sucht. Und hier eine Frage an den Biedermann: Durch seine Denunziations- Artikel wollte er wohl unsere Präventiv-— Verzeihung— Represstv-Haft, nein doch Prävcntiv-Haft ver— kürzen? Er haßt ja die Präventiv-Maßregeln so! Wir kommen nun zu dem Histörchen von den 30 Injurien- Prozessen, die einer der„sauberen" Sozialdemokraten ange- strengt haben soll. Unsere Leser wissen bereits, wie der„sau- bere" Biedermann mit seiner„sauberen" Biedermanniade aufs Eis gerathen ist. Wir haben heute noch Einiges beizufügen. Als Biedermann in der bekannten Notiz(S. vor. Nr.) Bebel genannt hatte, schrieb dieser an die„D. A. Z.": „Soeben wird mir niitgelheill, daß die heutige Nummer der Deut- schen Allrjemeineii Zeitung mich als denjenigen bejeichne, welcher laut einer Notiz in der Nummer vom 17. d. M.„sich unlängst öffentlich gerühmt: er verfolge jede ihm in der Presse widerfahrene Beleidigung auf gerichtlichem Wege und habe bereits wohl 30 Jnjurienprozesse an- gestrengt". Ich muß diese mir in den Mund gelegte Aeußerung ihrem ganzen Umfange nach als eine Unwahrheit bezeichnen. Ich habe bis zum Schlüsse des vorigen Jahres trotz der vielen Verleumdungen und Beleidigungen, welche von feiten der Presse infolge meiner öffent- lichen Wirksamkeit seil Jahren gegen mich geschleudert worden sind, nie ein Blatt verklagt, und würde auch die jetzt schwebenden fünf In- jmienprozesse nicht angestrengt haben, wenn es sich hier nicht um Be- teidigungen handelte, welche während meiner dreimonatlichen Untersu- chungshaft gegen mich begangen wurden, d. h. zu einer Zeit und un- ter Umständen, wo mir jedes andere Mittel der Vertheidigung abgeschnil- ten war. Ich ersuche Sie um Aufnahme dieser Erklärung in die nächste Nummer Ihres Blattes. Achtungsvoll A. Bebel." Leipzig, 24. Sept. 1871. Hätte Biedermann diese Berichtigung einfach akzeptirt, wie er als ehrlicher Mann hätte müssen, und seine Behauptung noch nachträglich zurückgenommen, so würden wir uns für verpflichtet gehalten haben, auch das Wort Lügner!, das wir ihm in letzter Nummer ins Gesicht schleuderten, zurückzunehmen. In- deß Biedermann ist Biedermann, und schrieb,„sich selbst getreu,,*): „Wir haben dem Verlangen des Herrn Bebel sofort entsprochen Möglich, daß wir falsch berichtet worden, aber daß unser Gedächtniß uns getäuscht hat und unS ein anderer Name als der des Herrn Bebel genannt worden ist. Uns interessirte an dieser Notiz nicht das, ob es gerade Herr Bebel, sondern daß es überhaupt einer der sozialdemokra- tischen Agitatoren war.(!> Der von Herrn Bebel für seine neuern Jnju- rienprozesse angeführte Grund scheint uns übrigens schwach: schwerlich würde ihm auch während seiner Haft eine journalistische Abwehr dessen, was er als„Beleidigung" oder„Verleumdung" betrachtet, versagt ge- Wesen sein." „Uns interessirte in dieser Notiz-- daß es überhaupt einer der sozialdemokratischen Agitatoren war." Man sieht: der Biedermann lügt fort! Bebel hat in Folge der obigen Unverschämtheit an den „sauberen" Herrn folgenden offenen Brief gerichtet, in dem auch noch eine andere Lüge des Biedermann abgefertigt ist: *) Sein Motto, wovon gelegentlich mehr. Herr Pros. Biedermann! Sie haben sich auf meine Erklärung in der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" vom 23. d. M. in einer Weise herauszureden gesucht, die mich zu einer Charakteristik Ihres Verfahrens nöthigcn würde, wenn Ihnen nicht bereits in Nr. 78 des„Volksstaat" die gebührende Ab- fertigung zu Theil geworden wäre. Auf eine Bemerkung von Ihnen muß ich aber noch antworten. Sie sagen:„schwerlich würde ihm(d. h. Bebel) auch während seiner Haft eine journalistische Abwehr dessen, was er als„Beleidigung" oder,„Verleumdung" betrachtet, versagt ge- Wesen sein." Unzweifelhaft verleitet Sie zu diesem Ausspruch die Erinnerung, daß Sie in den letzten Wochen meiner Haft auf die unausgesetzten Angriffe gegen meine verhafteten Freunde und mich ein Schreiben von mir erhalten haben, worin ich Ihnen auseinandersetzte, daß kein Mann von Ehre sich dazu verstehn würde, durch die Haft mundtodt ge- machte Gegner überhaupt anzugreifen, geschweige in so gemeiner Art, wie Sie es thaten. Wir hätten uns auch damals vielleicht herbeige- lassen, dm Kampf mit Ihnen in der Presse aufzunehmen, aber von Seiten des Herrn Untersuchungsrichters wurde uns bemerkbar gemacht, daß einer Zuschrift an Ihr Blatt voraussichtlich eine Antwort von Ihnen folgen und so ein Schriftwechsel entstehen würde, der unter be- wandten Umständen allerlei Unzuträglichkeiten mit sich führen müßte. Sie begreifen, Herr Professor, was ein solcher Wink unter solchen Um- ständen bedeutet. Wir unterließen jede Entgegnung. Dock gesetzt den Fall, die Polemik mit Ihnen wäre von uns aus dem Gefängniß heraus geführt worden, was wäre unzweifelhaft die Folge gewesen? Sie und Ihre Parteipreffe würden die Denunzianten- natur in diesem Fall nicht unterdrückt, sondern im Gegentheil sie nur noch nach einer anderen Richtung hin bethätigt haben, Sie würden aus einer solchen Freiheit, welche der Richter uns gestattet hätte, nur den Schluß gezogen Haben, daß für„schwere Verbrecher" wie wir— das waren und sind wir ja in Ihren und Ihrer Freunde Augen— die Behandlung eine viel zu milde sei, und Sie würden es sich nicht haben ver- sagen können, zu denunziren, daß die sächsischen Richter grade so auf derSeite der Sozialdemokratie ständen, wie Sie dies von der sächsischen Regierung kürzlich zu behaupten albern genug waren. Was die letztere Behaup- tung betrifft, so werde ich hoffentlich Gelegenheit haben, mit Ihnen im Reichstag noch ein Wörtchen darüber zu reden. Ich werde durch That- fachen beweisen, dak seit der schwärzesten Reakttonsperiode zu Anfang der fünfziger Jahre keine Partei so viel Maszrege- l»» gen erlitte» hat, als die unsere in neuester Zeit, und daß speziell die sächsische Regierun»»ud die sächsischen Behörden, und insbesondere die„liberalen" städtischen Beamten hierin das Aeustcrste geleistet. Richten Sie sich, Herr Professor, nur immer auf eine Wlverlegung ein! Noch ein Wort habe ich Ihnen zu entgegnen: In der oben angezogenen Numufer sagen Sie an einer andern Stellt, um zu beweisen, wie die konservative Partei der Sozialdemokratie Vorschub geleistet, folgendes: „Herr Bebel hat sich laus einer Reise im Erzgebirge) öffentlich dessen berühmt, daß der(seitdem verstorbene) Geheimrath von Friesen auf Rötha, Präsident der ersten Kammer, ihn in Leipzig besucht habe." Leute Ihres Schlages finden dies natürlich bedenklich. Ich will Ihnen das Geheimniß meiner Begegnung mit Herrn von Friesen im Vertrauen mittheilen: Im Winter 1867 wurde ich, wie Sie sich, Herr Professor, erinnern werden, in den konslituirenden norddeutscheil Reichstag gewählt. In jener Session sprach ich gegen die in Berathung vorliegende Nord- bnndsversassung. Ich brandmarkte sie als ein reaktionäres Volksfeind- liches Instrument in den Händen der preußischen Regierung, den Nord- bund bezeichnete ich als eine große Kaserne. Wenige Monate nachher und zwar im Mai kam eines Tages Herr v. Friesen, den ich bis dahin nur dem Namen nach gekannt, in mein Arbeitslokal, frug, ob ich der„Re.chstagsabgeordnete" Bebel sei und, als ich dies bejaht, erklärte er, meine Rede habe ihm sehr gut gefallen und sagte mir noch einiges andere für die norddeutschen Zu- stände und die leitende Regierung wenig Schmeichelhafte. Nach zehn- minütiger Unterhaltung empfahl sich Herr von Friesen und ich habe seit jener Zeit von ihm nichts mehr gesehen noch gehört, ausgenommen das, was zeitweilig die sächsischen Zeitungen über ihn berichteten. Mich dieser Begegnung zu„berühmen", wie Sie sich auszudrücken belieben, ist mir nie eingefallen, wohl aber habe ich keinen Anstand genommen, sie mehrfach im Kreise meiner Gesinuungsgenossen privatim zu erzählen, und ich denke dies, so wie der Umstand, daß Sie dieselbe erfahren haben, wäre wohl der beste Beweis für ihr« Harmlosigkeit. Sie kleinlich nörgelnder Geist erblicken darin einen Akt gemein- samer Konspiration gegen Ihre Partei. Ich lasse Ihnen das Ver- gnügen, dies zu glauben. Wir wissen, daß Ihre Partei und die konservative sich hundert Mal um denHals fallen und ein Herz und eine Seele sind, wenn esder Sozialdemokratie an den Kragen gehen soll. Jeder Tag bringt hierfür Beweise. Leipzig, den 27. Sept. 1731. A. Bebel. Für heute verabschieden wir uns von dem Biedermann. Halt. Noch Eins! Im Schlußsatz seines Nolhschreis ruft er uns mit Bezug auf unsern Artikel in Nr. 75 zu: Schimpft, verleumdet, lügt und lästert immer frisch zu!" Es freut uns, einmal mit dem Biedermann übereinstimmen zu können: jener Artikel in Nr. 75 enthält ja im Wesentlichen nur Cilate aus— Biedermann. Berichtigung. In der Notiz„Biedermann hat gelogen" in voriger Nummer wurde das Wort„ward" durch ein Versehen mit fetter Schrift gedruckt.— Zur Beachtung. Unter heutigem Datum ist von uns ein Cirkular an die Vertrauensmänner der sozial- demokratischen Arbeiterpartei ver- sandt worden. Die Empfänger sind verpflichtet, dasselbe den Parteigenossen in einer in kürzester Zeit zu berufenden Partei- Versammlung vorzulesen, oder sonst in geeigneter Weise zur allgemeinen Kenntniß zu bringen. Sollten an irgend einem Orte(etwa in Folge mangeln- der Adressen) Parteigenossen dies Schriftstück nicht erhalten haben, so wolle man sofort bei Unterzeichnetem unter Angabe der Adresse reklamiren. Hamburg, den 30. September 1871. Der Ausschuß der sozial-dem. Arbeiter-Partei. i. A.: Th eodor Jork, Schulzweg 23, St Georg. G. A. Müller, Ztalieuische Briefe a« deu„Volksstaat"' Mailan��en'iZ. Sept. 1871. Wenige Leser des„Volksstaat" haben gewiß Gelegenheit, italienische Reisebeschreibungen zu lesen, wie sie von sentimen� mentalen Frauenzimmern oder Überspannten herumziehenden Roman-Schmierern geschrieben werden;' wer aber derartige Be- schreibungen gelesen hat, der wird finden, daß nachstehende Schilderungen gewaltig verschieden sind von den ersteren. Warum findet aber diese Verschiedenheit statt? Ich will es Euch sagen: Der reisende Bourgeois, mit dem rothen Buch unter dem Arm, und den taufenden, seinen Arbeitern ausgepreßten Franken in der Tasche, bewundert nur die„Schätze und Denk- mäler" der Zeit des finstersten Fanatismus und der des üppig- sten Schwelgerthums, was je die Welt erlebt, Schätze, hervorgebracht durch die unumschränkteste Gewalt über das Leben und die Arbeitskraft des Voltes, Schätze, die Milliarden und aber Milliar- den gekostet haben, und mit deren Geldwerth man das Volk seit Jahrhunderlen hätte lehren und bilden können! Diese Schätze und deren Werth, umgewandelt in nützliche Arbeit und angewandt im Sinne der Humanität, würden die Mittel ge- liefert haben, den sozialen Krisen und Revolutionen vorzubeugen, ein Meer von Blut und Schweiß und Thränen in den Adern der unglücklichen Bevölkerung zum Wohle Aller zirkuliren zu lassen!— Doch zurück zu unserem Bourgeois-Reisenden: Er geht in die feinen Hotels, die ihm sein Handbuch anweist, er sieht nicht das Elend der Bettler und Vagabunden, die außer- halb der Stadtmauer herumliegen und für 20— 30 Pfennige ihr Läuse- und Lumpenleben fristen, er lernt nie die Verhält- niste der Arbeiter kennen, die hier nach einem viel grausameren System ausgesaugt und mit Füßen getreten werden, als bei Euch zu Hause, weil dem Arbeiter hier die Euch schon in der Jugend zu Theil gewordene Bildung abgeht, weil er und sein Weib, von Kindesbeinen in der Gewalt der Pfaffen, von letzterem nur zum kriechenden Gehorsam gegen seinen Signor erzogen wird, weil ihm der gesunde Sinn, sich mit seinen Leidensge- fährten zu verbinden, abgeht, weil er sich nicht denken kann, daß es ein Menschenrecht, eine Gleichheit, eine Brüderlichkeit giebt! Der reisende Bourgeois kennt die hiesige Sprache selten, liest deshalb auch die italienischen Journale nicht, sonst könnte er nicht derartig kindlich naive Phantastereien und oberfläch- liche Schönheits-Schwärmereien zu Papier bringen. Man lese nur 3 oder 4 Journale verschiedener Richtung und der ganze Abgrund von Korruption und Niederträchtigkeit jener Bande, die sich italienische Regierung nennt, tritt Einem lebhaft vor die Augen!— Aber der deutsche Arbeiter, der mit klarem Blick alles beobachtet, derunterhiesigenVerhältniste sein Brotzu erwerben gezwungen ist, weil die feigen und ängstlichen Bootsknechte des heimathlichen Staatsschiffes ihn vom väterlichen Heerde ver- trieben, der Arbeiter, der mit seinen Brüdern in der Heimath durch dieselbe Anschauungsweise, durch das Streben nach dem- selben Ziele geistig verbunden ist, unternimmt es. Euch von Italien, seinen Schäden, seinen Leiden und seinen Hoffnungen ein einigermaßen anschauliches Bild zu unterwerfen.— Ihr wißt, daß zu den Zeiten der Römer von Italien aus die Welt be- herrscht wurde, daß hierher alle Schätze der„eroberten" Reiche geschleppt wurden, dadurch aber die stolze Republik, zu über- müthig geworden, in Sorglosigkeit und Schwelgerei verfiel, daß aus den verweichlichten Helden und deren Nachkommen ein ganz liederliches Gesindel wurde, welches schließlich von Barbaren- Horden besiegt, seine Paläste in Feuer aufgehen und deren Herrlichkeiten verschwinden sehen mußte. Die Republik wurde zum Kaiserreich, dieses wurde über den Haufen geworfen,(wie auch nachher so manches über den Haufen geworfen werden muß und wird!) und in kleine und kleinsten Tyrannenstäätchen zertheilt; unter diesen waren allerdings Republiken, aber die- selben wurden von Pfaffen und Räubern beherrscht und geben in der Erpressung von Blut und Geld aus den Völkern den heutigen Bourgeois- und Säbel- Konstitutions-Monarchien und Republiken nichts nach. Im Mittelalter finden wir, schlimmer als in allen Ländern der Erde, Italien in den Händen von herrschsüchtigen grausamen Pfaffen, demoralisirten Herzögen und anderem Gesindel, deren Sprößlinge bis Anfang dieses Jahr- Hunderts ihr Wesen trieben und auf Kosten der Einwohner in Saus und Braus lebten. Aber die Stunde dieses Gelichters sollte geschlagen haben— die Ideen der französischen Revolu- tion fingen auch hier an, auf günstigen Boden zu fallen, die Grausamkeiten der Bourbonen und Oesterreicher,(welche letztere sogar Frauenziminer öffentlich mit Stockprllgeln zu traktiren beliebten) hatten den freiheitlichen Ideen gut vorgearbeitet und 1848 jagten die Römer den„heiligen" Vater zum Teufel, kvnstituirten eine Republik, desgleichen entledigten sich Mailand und Venedig ihrer verhaßten Peiniger, kurz aller Orten regte sich der Geist der Freiheit. Aber nur zu natürlich mußte das Werk der Freiheit unterliegen, es ging unter an mangelhafter Organisation, die den schon seit Jahrhunderten zu„regieren" gewohnten Gegnern nicht abging. Trotz alledem war der gute Anfang gemacht, der Volksgeist war erwacht und schlief nicht wieder ein; er mußte aber mit großer Mühe wach gehalten werden von den intelligenteren Elementen, welche unter Leitung von Mazzini und Garibaldi die Opposition organisirten, Journale gründeten, Vereine in's Leben riefen, und unaufhörlich an der Bildung und Ermuthigung des Volkes arbeiteten. Es erwachte dann die Nationalitäts-Jdee, welche sich der ehrgeizige jetzige„König" von Italien zu Nutze machte, und vermittels welcher es ihm auch gelang, der„von der Nation und Gott" gewählte König von Italien" zu werden. Die Italiener haben jetzt nur den Vortheil anstatt von mehreren Tyrannen, von den Polizeiagenten eines einzigen, zwar gutmüthigen, aber von Pfaffen und Schmarotzern am Gängelbande geführten Wollüst- lings, in die Bahn geleitet zu werden, die genannten Gängel- bandhaltern die einträglichste scheint. Das italienische Volk ist ein von der Natur äußerst begünstigtes, und nur der Jahrhunderte dauernden Verdummung und systematisch organisirten Beraubung und Unterdrückung hat dasselbe es zu verdanken, daß es hinter den nordischen Völkern, die nur mit Mühe und Roth ihr Korn dem Boden abgewin- nen können, weit zurückgeblieben ist. Der Deutsche, der Eng- länder, der Amerikaner müssen arbeiten, schwer sich plagen, ihren Geist und ihre Fäuste anstrengen, wenn sie iin Kampfe um das Dasein nicht unterliegen wollen; diese ihre Arbeit hat die Intelligenz der nordischen Völker hervorgebracht, die Folge der Intelligenz auf wirthschaftlichem Gebiete war der Drang nach Freiheit auf politischem, folglich kann es nicht fehlen, daß die nordischen„Herrscher" nach und nach gezwungen wer- den, ihr Territorium dem Volke abzutreten und es bei der Be- stimmung seines Schicksals selbst mitreden zu lassen; dieser all- mählige Fortschritt läßt mit Gewißheit auf Erfüllung aller unserer Wünsche schließen, und der unerbittlichen Logik der Thatsachen zu Folge können wir muthig behaupten, daß der Tag nicht fern ist, an welchem die Gewalt vollständig dem Rechte gewichen sein wird, der Tag der Versöhnung— und der Vergeltung? nein! vergelten wollen und werden wir nicht, die Ver- nunft ist edel, sie rächt sich nicht, sie macht es nicht wie ihre Gegner, sie vergibt und vergilt Böses mit Gutem, aber sie hält es für Pflicht, ihre unverbesserlichen Gegner— unschädlich zu machen, sie von ihren blutdürstigen Leidenschaften zu heilen! — Die allgemeine Lage der Dinge in Italien heute ist folgende: Die Masse des Volkes ist in bedeutenderem Maße als in an- deren Ländern, die sich zivilisirte nennen, verdummt und in Folge dessem stumpfsinnig und unfähig, selstständig zu handeln; da aber die glänzenden Eigenschaften, mit denen die Natur die süd- kicheren Völker ausgestattet hat, sich leichter und schneller zum Guten entwickeln, so kann man hoffen, daß in einem oder zwei Jahrzehnten unter Mitwirkung einer guten Presse die Borbe- dingungen zur selbstständigen Leitung der Staatsgeschäfte durch das Volk vorhanden sein werden.— Wie bekannt, hat Italien die freisinnigste Gesetzgebung aller bekannten konstitutionellen Staaten"), die Presse ist freier als in Amerika und der Schweiz, von Deutschland und Frankreich nicht zu reden,— die östreichische Presse ist nicht frei, sondern polizeigeknebelt zu nennen—. Die kommunalen Freiheiten lassen, wenigstens den jetzigen Begriffen zufolge, wenig zu wünschen übrig, das Vereins- und Versamm- lungsrecht kennt keine einzige der hinterlistigen Beschränkungen wie andere„aufgeklärte" und„gebildete" Nationen sie sich jetzt noch gefallen lassen, die Kirche ist vollständig vom Staate ge- trennt, keine einzige Vereinigung von Faullenzern, Betbrüdern und Dummheitsverbreitern, Orden genannt, die sich in söge- nannten Klöster verbergen, um ihre Demoralisirungskünste zu bedecken, ist erlaubt; die Civilehe ist obligatorisch und eine Staats- religion existirt nicht. Nur Eines fehlt: das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht, es ist ein Klassenwahlgesetz vorhanden, und scheint vorderhand auch kein Bedürfniß nach er- sterem vorhanden zu sein, weil erstens die Landbevölkerung Mir klerikal wählen, die Arbeiter der Städte aus Faulheit und Indolenz sich der Wahl enthalten würden(?), und auf diese Weise bekäme man vielleichteine Kammer, dienoch weniger freisinnig wäre, als die jetzige. Trotz aller dieser Freiheiten, die natürlich„auf dem Papier stehen", sieht es in vieler Beziehung trauriger wie anderswo aus, weil das Volk gar nicht weiß, daß ihm diese Güter gehören, und weil, diese Unkenntniß benutzend, die vor- sorgliche Mutter des Volkes, die Polizei, ihren Launen vollstän- dig die Zügel schießen läßt und in der althergebrachten Weise „schaltet und waltet", wie es ihr„gut"-dünkt. Die republikanische Partei Italiens ist eine sehr starke, aber, von Mazzini erzogen und immer noch bevormundet, wie ein unmündiges Kind, ist sie durch diesen armen hartköpfigen Pedanten, der von vorgefaßten Vorurtheilen, seines Alters we- gen, nicht mehr lassen kann, eine Partei von Phantasten und Schwär- mern geworden, die bombastische Reden und Manifeste tagtäg- lich vom Stapel lassen, und nichts wissen von den gründlichen Mitteln, um dem sozialen Elende abzuhelfen, und allgemein ist bekannt, daß diese große Partei sich gespalten hat, daß der eine Theil am Mazzinismus festhält, während der andere den- selben bekämpft. Garibaldi hat sich durch seinen letzten Brief an Terzaghi ebenfalls als einen Gegner Mazzini's erklärt, indem er schreibt: „Lieber Terzaghi! „Dank für den„Proletario"(Journal), den ich mit gro- ßem Interesse lese.— Die Internationale will die Brüderlich- keit aller Menschen, sie verdammt die Pfaffen und bekämpft jedes Privilegium. Ich sympathisire natürlich mit ihr. „Ihr dankbarer Guiseppe Garibaldi.""") Mazzini hat den Bruch durch sein Verdammen der Mate- rialisten herbeigeführt, weil er gesagt hat: Kein Mensch, der nicht an einen Gott und an eine Seele glaubt, kann ein ehr- licher Republikaner sein." Auf diese Weise haben wir jetzt wie bei Euch, Bourgeois- und Sozial-Republikaner; Ihr seht, daß also auch hier die Vernunft anfängt, Terrain zu gewinnen. Der nächste Brief soll ein wenig eingehender das Spezial-Thema „die Polizei in Italien und ihre Kollegin im Vaterlande" be- handeln. Gruß und Handschlag von 0. i Das Ordnuugsbanditenthum. Als wirjin Nr. 46 des„Volksstaat" uns solidarisch mitder Pariser Kommune erklärten, richteten wir gleichzeitig an unsere Gegner die Frage:„Seid Ihr bereit, das Gleiche zu thun? Erklärt Ihr Euch solidarisch mit den Besiegern der Komviune?—— Billigt Ihr die in der modernen Geschichte beispiellos dastehenden Greuelthaten Eurer französischen Ordnungsbrüder? Heraus mit der Sprache! Ja oder nein! Und Schweigen heißt ja!" Direkt uns zu antworten hat nicht ein ein- ziges Organ unserer Gegner den Muth gehabt. Wohl aber machte sich in verschiedenen Blättern das Streben bemerkbar, die Versailler auf eine Linie mit den Parisern zu stellen, und die wirklichen Schandthaten Jener gleich den crdich- teten. Dieser dem deutschen Mords- und Prozentpatriotismus •) Dieß ist unbedingt zu günstig geurtheilt; ist die italienische Gesetzgebung auch im Ganzen nicht schlechter, als in andern konstitutionellen Staaten, so ist sie doch jedenfalls auch nicht besser. Eins steht fest: kein anderer Staat— Preußen ausgenommen— hat das Unwesen der französischen Präfeltenwirthjchaft so getreulich kopirt wie Italien. Was speziell die Presie betrifft, so eristirt die„Preßfreiheit" nur auf dem Papier. Jedes Blatt, das der Regierung im Weg steht, wird in der skandalösesten Weise gcmaßregelt. Bekannt ist, daß von den Organen Mazzini's eines nach dem andern durch Beschlagnahmen, Polizeichikane und Prozesse vernichtet wurde, bis— manj entdeckt hat, daß Mazzini eineziemlich harmloseund nichts weiter als revolutionäre Natur ist. Jetzt ist es die„Internationale", welche herhalten muß. D. Red. d. V. •♦) Seitdem hat Garibaldi an den„Romagnolo" folgenden Brief gerichtet, in dem er sich noch direkter für die Internationale erklärt: „Caprera, SS. August 1871. Lieber Freund! Die Internationale vertritt jenen zahlreichen Theil der Gesellschaft, welcher um der wenigen Privilegtrtcn willen leidet. Folglich müssen wir für die Internationale sein, und wenn in ihren Einrichtungen Fehler sind, so müssen wir sie verbessern. Immer Ihr Garibaldi." als Beweis für die„Verkommenheit der gesammten französischen n Nation" vorzuführen— ein Mannöver, dessen widerliche Heu- u chelei allerdings durch die in den nämlichen Blättern sich äußernde bacchantische Freude über den Fall der Kommune entlarvt wird, b Erst in jüngster Zeit hat sich ein gegnerisches Organ zu einer, ob- 3 schon nicht direkten, doch hinlänglich deutlichen Antwort auf Z unsere Frage ermannt, und zwar gerade dasjenige Organ, wcl- d ches vor allen anderen dazu berufen ist, im Namen der deutschen si Ordnungsparteien zu sprechen: wir meinen das Bismarck'sche a Leibblatt, die„Norddeuffche Allgemeine Zeitung". Dieselbe � � schreibt über den Prozeß gegen die gefangenen Pariser Kommu- u nalisten wie folgt: „Hat schon der Verlauf des ganzen Prozesses, hat namentlich das in seiner Niedrigkeit(den Braß!) anekelnde Bestreben fast sämmtlicher Angeklagten, 3 die eigene Person auf Kosten der Spießgesellen rein zu waschen, nicht sj nur den letzten Nimbus hinweggefegt, von welchem die Männer der sj Kommune empfindsamen Gemüthern als Opfer ihrer politischen lieber-> zeugung vielleicht noch umstrahlt erscheinen konnten, sondern auch die 11 absolut verbrecherische Natur der jüngsten pariser Erhebung in ihrer ganzen Nacktheit enthüllt, so wäre der Schlußakt, die Urtheilssprechung, d beinahe geeiguet, den Verurtheiltcn bei der Mitwelt jenen letzten Rest menschlicher Sympathie zu rauben, der in der Regel auch den größten Verbrecher auf seinem letzten Gange begleitet. Denn das mensch- � liche Mitgefühl für den gestraften Sünder kann nur dort wieder in sein Recht eintreten, wo nach menschlichem Er- messen die Schuld ihre entsp rechende Sühne gefunden hat, nuH gcraSe dies kann bei den vernrthcilten Kommunchänptcrn kaum als erfüllt anerkannt werden.... Dast aber dieser Prozeß so ausgesallc», dies tzrgcbniß ist mit dem ganzen an- widcrnden Verlaufe der Verhandlungen ei» weiteres«hmptom der ungesunden Grundlagen, ans denen gegenwärtig die staat- licheu und sozialen Verhältnisse Frankreichs ruhen. Es ist fern von uns, rücksichtslosem Terrorismus das Wort sprechen zu wollen, aber es gibt Situationen, in denen, wie schon die Römer wußten, summum jus summa injuria ist, und wir stehen nicht an, zu behaup- ten, daß der sittliche Eindruck auf die Nation ein viel wirk- samercr gewesen wäre, wenn der Lbcrstkommandirende der nationalen Ttrcitkräfte gleich nach dem Ziege das Schwert des Richters selbst in die Hand genommen hätte. Wollte man schon dem Ehaos gegenüber das Banner der gesetzlichen Ordnung hoch halten, wollte man sich angesichts der bluttriefenden Unförmlichkeit nicht von der Form lossagen, dann mußte doch im Hinblick aus Frankreich selbst und dessen Ruhe in erster Linie immer maßgebend sein, daß der unerbittliche Ernst der Situation gewahrt blieb, und daß nicht die posthume Procedur*) fast wie eine Herausforderung a» alle Phantasten und Utopiker sich gestalte, zu so billigem Preise lich gleichfalls den stiimbus und die Piärtyrerglorie»»glück- sicher politischer Heroen zu erwerben." Daß die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" von der Hal- tung der Kommunalisten„angeekelt" worden, begreifen wir,— es wäre ihr natürlich weit lieber gewesen, die Pariser Sozia- listen hätten die infamen Lügen, welche die europäische Presse' über sie verbreitet, für lautere Wahrheit erklärt. Doch das ist Nebensache. Wichtig für uns ist bloß, zu konstatiren, daß das persönliche Organdes Grafen Bismarck, des Abgotts der deutschen Bourgeois und Junker, des Hauptträgers der heutigen staat- lichen und gesellschaftlichen Ordnung in Deutschland, nicht nur die Greuelthaten der Versailler Banditen billigt, sondern letz- teren sogar den Vorwurf macht, nicht radikal genug zu Werke| gegangen zu sein, weil sie nicht alle Gefangenen massa- krirt haben. Wir danken dem Bismarck'schen Organ für die cynische Offenherzigkeit, mit welcher es— in dein eine berechtigte Eigenthümlichkeit des„Neuen Reichs" bildenden Mucker-Jargon — den bestialischen Landsknecht-Instinkten Ausdruck verliehen hat: wir wissen nun, woran wir sind und wessen wir uns von den Berliner Versaillern zu versehen haben, welche die Original-Versailler an Rohheit und Blutdurst noch über- treffen. Der obige Artikel der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" gehört aber nicht bloß der Tagesgeschichte an, sondern auch der Kulturgeschichte, die ihm die Unsterblichkeit sichern wird — die„Unsterblichkeit der Infamie". Da wir gerade bei diesem Thema sind, sei noch nach- stehende stiotiz über den Versailler Prozeß, die durch alle Bourgeoisblätter gegangen ist, hier mitgetheilt: „Im Hinblick auf die Urtheile des Kriegsgerichts zu Versailles richtet die„Pattie" nachstehende hübsche Variation über das Thema: „Die kleinen Spitzbuben hängt man, die großen läßt man lausen", an die noch in den Gefängnissen befindlichen Kommunisten:„Seht doch, Ihr unglücklchen Föderirten in den Kerkern von Versailles, Ihr armen Thoren, die Ihr auf den Pontotts seufzt, deren Familien vor Hunger sterben, seht doch, wo Ihr seid und wo Jene sind, die Euch verteilet, fortgerissen, kommandirt und schließlich verlassen haben. Felix Pyat ist frei und erfreut sich als guter Bürger seine« Vermögens, Cluseret weilt ruhig in Amerika, seinem Adoptivvaterlande, Razoua spazirt in der Schweiz umher, und von den in die Hände der Sieger Gesallenen sind Parent und Descamps freigesprochen, J»urde's und Rastoul's ganze Strafe desteht in einfacher Deportation, also etwas Klimawechsel mit beinahe halber Freiheit Courbel hat nur sechs, Clement gar nur drei Monate Gefängniß erhalten. Rossel aber, der den Pyat, Razoua, Courbet und Elemetil gedient hat, der Nachfolger Cluserets, ist zum Tode verurtheilt. Cavalier, dessen grotesker Bei» name hinreichend die groteske Rolle andeutet, welche derselbe stetS gespielt hat, ist zur Deportation nach einem befestigten Orte verurtheilt, die einsältigen Soldaten, die zur Jnsuttektion übergegangen waren, sind erschossen worden, und was die der Verlockung so zugängliche Masse anbetrifft, die den Führern gefolgt ist, so mag Gott wissen, mit was i für Elend sie ihre bezammernswerihe, schuldvolle Thorheit büßen werden. Wann wirst Du armes Volk denn aufhören, watin wirst Du begreifen, daß es nicht die anständigen und achtbaren Leute sind, welche Dich ausbeuten, sondern daß das Letztere nur jene Revolutions macher, jene elenden Banditen thun, die Dich den Kanonen entgegenschleudern, die Dich vor die Gcwehrläufe führen und sich dann ans dem Staube machen, um andere Opfer ihrer Ehrsucht zu versühren? Wann wirst Du denn diese Verbrecher sich selber, überlassen� u. s. w:" So die „Patrie", und wer möchte bezweifeln, daß ihre Mahnungen auch an so manchem Orte außerhalb Paris nicht mnider am Platze wären7 Die Rädelsführer der Pariser Kommune sind nicht die Erste» und nicht die Einzigen, welche die Leichtgläubigkeit und Erregbarkeit der großen Masse für ihre verbrecherischen persönlichen Zwecke miß- brauchten." Den besiegten Feind höhnen, war von jeher Gebrauch und Merkmal der Feiglinge, also auch der Bourgeoisie. Daß es der„Patrie" und ihren deutschen Gesinnungsgenossen sehr an- genehm gewesen wäre, wenn sämmtliche Communemitglieder sich den Ordnungsbanditen zum Füsilirtwerden präsentirt hätten, bezweifeln wir keinen Moment, aber da es nun einmal nicht geschehen ist, wird man sich in Geduld fügen inüssen. Wenn aber die„Patrie" den„Revolutionsmachern" auf's Fell steigen will, so kann sie das leicht haben: die ächten„Revolutions- macher" haben sich nicht aus dem Staub gemacht, sondern sitzen ♦) posthum, eigentlich was nach dem Tod erfolgt; die Römer nannten so besonder« nach dem Tod des Vater« geborene Kinder. Die „Norddeutsche" meint, als Vertreterin„frommer Sitte", daß man sich die unbequeme Nothwendigkeit einer„posthumen" Prozedur lnach dem Fall der Kommune) durch die viel einsachere n ich t-„posthume" Prozedur der Abschlachtung aller Kommunalisie,> und Kommunalistinnen(Kinder mit eingeschlossen) hätte ersparen müssen. icn :u- ibe rd. -b- tuf el- len ruhig auf ihren Thronen, Ministersesseln, Richterstühlen und Abgeordnetensitzen. Was endlich den in Deutschland verfertigten Schlußsatz betrifft, so richtet er sich an unsere Adresse und bestätigt von Neuem die Erfahrung, daß der Mensch in seinem Mitmenschen Zewöhnlich nur das eigene Bild sieht. Diese Spekulation auf vre„Leichtgläubigkeit der großen Masse" zur Förderung„per- sönlicher Zwecke",— sie sahen gewiß in den Spiegel als sie den Schlußsatz schrieben und abdruckten— die j Herren vom Preßbureau. Was„Herren"? Die Soldknechte und Bedienten der Inhaber des Reptiliensfonds. Vor mehreren Wochen ging durch die Zeitungen die Notiz, der Postdirektor der Kommune, Theisz, sowie der Vankdirektor derselben, Beslay, hätten von der Versailler Negierung nach dem Falle der Kommune Freigeleitschcine erhat | ten wegen ihrer ausgezeichneten Anitsführung. Da Feindeslob allemal von zweifelhaftem Werth ist und das erwähnte Gerücht Herren Theisz und Beslay in den Verdacht bringen konnte� �it den Bersaillern ihren Frieden geschlossen zu haben, so ist ber nachfolgende, von Theisz an unsere Brüsseler Parteiorgane ge achtete Brief ein Wort zur rechten Zeit: i„London, 11. September. Nachdem der Prozeß meiner ! Nollegen von der Kommune zu Ende geführt, halte ich mich berpstichtet, aus die verschiedenen Behauptungen, welche au: Heine Kosten zum Besten gegeben worden sind, zu antworten .„Nachsunserer Niederlage haben verschiedene Journale versichert, 'ch hätte von der Regierung einen Geleitschein erhalten, um H:ch ins Ausland zu begeben. Vor dem IV. Kriegsgericht I glaubten mehrere Advokaten im Interesse ihrer Clienten sich j Zum Echo dieses Gerüchts machen zu müssen. Schließlich meldet j ein englisches Journal, der„Daily Telegraph",— das einzige hiesige Blatt, welches mit dem bonapartistischen„Standard" das Privilegium theilt, die Besiegten der Kommune zu schmähen und � verleumden— daß ich ruhig in Paris lebe und täglich einige Stunden ins„Caf6 de Madrid" gehe. -„Auf all dieses Gerede antworte ich mit einem bestimmten ' Dementi: Ich habe von der Versailler Regierung weder einen 1 �eleitschein, noch einen Paß erhalten, und nur durch die Hilfe i �gebener Freunde, welche mir eine Zuflucht gewährt, konnte ech am 29. Juli Paris verlassen, um mich nach London zu be- ! geben, wo ich, um mir die Mittel zu verschaffen, anständig zu i leben, mein Ciseleurhandwerk wieder ergriffen habe. Ich be- baure, daß all dieses Gerede mich zu Erklärungen zwingt, die ich °»f bessere Zeiten zu verschieben wünschte, aber da mein Name angeschuldigt worden ist, muß ich doch das Wort ergreifen, wenigstens um jede Gemeinschaft von mir zu weisen mit Denen, welche Paris durch Verrath zu einer eroberten Stadt gemacht haben, um es zu besttafen daftir, daß es gegen den ausländischen Feind kämpfen wollte und seine kommunalen Rechte zuvückver langte; mit Denen, welche den Namen der Republik besudelt, indem sie ihr ein Bastardregiment aufgehalst haben, welches den Despotismus der Bonaparte's im Schatten stellt. Wie könnte ich die Leute um eine Gefälligkeit bitten, welche die soziale Revolution, der meine Ueberzeugung angehört, erstickt und w meine Familie Trauer und Schmerz gebracht haben? „Von der Kommune zum Direktor der Posten ernannt, das einzige Amt, mit dem ich betraut wurde— habe ich gewissenhaft mein Mandat erfüllt, und wenn ich den von den Pariser Handels',- Syndikatskammern gemachten Vorschlägen im Interesse des Postdienstesmeine Unterstützung lieh, habe ich doch nie an den Versöhnungsversuchen Theil genommen, denn ich war überzeugt, daß in dem Kampfe des Volks gegen die Leute ohne Treu und Glauben, die es ausbeuten, es keine andere Versöhnung giebt als den Sieg des Volkes.— Als Kommunemitglied gehörte ich zu der(kurz vor dem Ende der Kommune abdankenden) Minorität, weil die von der Majorität eingeschlagene Richtung meinen anti- autoritären(autoritäts- feindlichen) Prinzipien widersprach und sie mir die Revolution, deren Triumph ich wünschte, zu kompromittiren drohte. Aber, welches auch meine Ansicht über den Werth der Menschen gewesen sein möge, der Kommune bin ich treu geblieben, den föderalistischen unv sozialistischen Ideen, welche sie zu verwirk- iichen den Beruf hatte. „Obwohl Feind des Krieges, besonders des Bürgerkrieges, habe ich an dem Kampf theilgenommen bis zum letzten Tage; ich stand neben Vermorel, als er an der Barrikade von Chüteau- d'Eau verwundet wurde. „Wie konnte man ein Mitglied der Kommune schonen, wenn man eine Menge Bürger verhaftete, deren Verbrechen blos darin besteht, der Nationalgarde angehört zu haben? Ich habe von der Versailler Regierung nichts erbe- ien, und sie hat mir ebensowenig etwas angeboten, das ist die Wahrheit.— „Verbannt von meinem Lande, fern von meiner Familie, habe ich mir wenigstens meine vollständige Urtheilsjreiheit über b>e letzten Ereignisse erhalten und bin ich treu geblieben sowohl weinen früheren Ueberzeugungen als meinem Glauben an den schließlichen Triumph des Volksbesreiungs-Kampfs. Ich bin Zeuge gewesen der schauderhaften Szenen, welche unsrer Nieder- läge gefolgt sind, und nach den Füsilladen von Paris, nach den Vtasseuverhaftungen und den Verurtheilungen ohne Ueberführung Ziehe ich die besiegte Partei der Kommune der Partei der„ho- netten" Leute von Versailles vor. „A. Theisz, Jslington 21, Vincent Terrace." �ommuualismus, Sozialismus und Kommunismus. ' Barmen. Im Anschluß an die Erklärung des ungenannten leipziger Prosessors in der Nummer 74 des„Volksstaat" sehe ich mich Veranlaßt, dieWorte„kommunalistisch"„sozialistisch" und„kommunistisch", welche jetzt in der deutschen Presse in unverständiger Weise durcheinander geworfen werden, genauer zu definiren. . Die letzte Pariser Revolution war eine„kommunalistische" Bewegung. Die Pariser kämpsten sür eine radikale Republik und für die Selbstver- waltung der Kommune in derselben*). Die einzige sozialistische Maß- *) Das obige Urtheil über die Kommune können wir nur als durchaus unrichtig bezeichnen. Wahr ist, daß die Kommune sehr wenig sozialistische Maßregeln getrosten hat, allein dies war die nothwendige Folge der Berhällnisse, unier denen sie bestand und ändert nichts an der Thatsache, daß sie im Wesentlichcn eine Regierung des Prole- luriats war, obgleich auch bürgerlich- demokratische Elemente, sich be- dbeiligie». Wäre die Kommune das gewesen, was W. in ihr sieht, s° wurden die Vertreter der alten Gesellschaft, die Thiers und Bismarck, nicht Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt haben, um sie im Blut in ei stufen und zwar unter wahnsinnigem Zubel der g-sammten Bour- Leoisi«, die wohl wußte, daß, wenn es dem sozialistischen Proletariat regel war der Beschluß der Kommune, durch welchen die Vorstände der Arbeitergenostenschastcn beaustragt wurden, zu prüfen, wie es möglich sein würde, die von ihren Eigenthllmern verlassenen Werkstätten und Fabriken in Genossenschaften umzuwandeln. Also ein leiser Versuch auf sozialistischem Gebiet. Dennoch mußten sich bei dem bloßen Kampf für politische und kommunale Freiheit radikale Republikaner wie Deles- cluze, welcher durchaus nicht Sozialist war, die sozialistischen Jnter- nationalen und selbst die wenigen Kommunisten mit gleichem Interesse zusammenfinden und betheiligen, da der Kampfpreis:„staatliche und kommunale Freiheit" Vorbedingung für den Sozialismus und Kominunis- mus ist. Es ist vollständig falsch, die Pariser Revolution eine „kommunistische" zu nennen; selbst sie sozialistisch nennen ist nicht genau, Bebels Bezeichnung für den Pariser Kamps, Vorpostenzefecht des Sozialismus" trisst zu. Der Sozialismus will die genossenschaftliche Arbeit im freien Volksstaat durch die Mittel des Staats. Die Uebelstände des jetzigen Staatswesens und der jetzigen Produktionsweise liegen so aus der Hand und sind so groß, die Forderungen des Sozialismus sind so klar und greifbar, die Möglichkeit der Durchführung der Forderungen ist so ge- wiß, daß die Zeit der genossenschaftlichen Arbeit, das sozialistische Zeit- alter, nicht fern sein kann. Wenn wir uns die Erde, welche recht schön ist. und welche für alle Menschen Raum für ein glückliches Daheim bietet, also unser Himmelreich sein müßte und könnte, genau betrachten, so kommen wir zu dein erstaunlichen Resultat, daß es der großen Masse der Menschenj vollständig gleichgültigist, ob sie unter den jetzigen staat- lichen und sozialen Verhältnissen lebt oder gar nicht. Man sieht dieß recht deutlich an der Todesverachtung der Pariser Arbeiter in dem Kampf mit den dressirten Versailler Menschenschlächtern, welche selbst einst Menschen waren, aber jetzt willenlose Mordinstrumente in den Händen der Reaktion und Bourgeoisie sind. Da die arbeitenden Klassen in der ganzen civilisirten Welt das gleiche Interesse an der Erringung einer bessern Zukunft haben, da ihnen das jetzige Leben ebenso gleichgültig ist als den Pariser Arbeitern, sie sich also mit gleicher Todesverachtung schlagen werden, so kann der Ausgang des Kampfes nicht zweifelhast und das sozialistische Zeitaller nicht mehr fern sein. Ob der Kampf überhaupt ein harter sein wird? Ich glaube es kaum. Noch ein paar Kriege, Ihr Herrn Potentaten und Ihr macht Euch selbst unmöglich. Die schönsten Orden, die glänzendsten Sieges- feste entschädigen dann nicht mehr für die Strapazen der Feldzüge. Was hat der wackere Krieger sür ein heutiges Dasein! Wie schön ist für ihn eine„Erholungsreise" in eines der schönsten Länder dieser Erde, aus welcher auch er Raum für ein glückliches und friedliches Da- sein mit den Seinigen hätte. Sehen wir so den sozialistischen Staat fast greifbar vor Augen, wann wird die Menschheit reif sein für das schönere und erstrebens- werthere Zeitalter dcsKommunismus? Wir haben im Kommunismus das Höchste, was der menschliche Geist sich an Freiheit und Glückselig- keit bis jetzt vorstellen kann. Das Wort:„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" ist schon vor fast 2000 Jahren gepredigt, wann wird es zur Wahrheit werden?- Die Forderungen der Pariser Kommune-Revolution waren also staatliche und kommunale Freiheit, gleichbedeutend mit einem für Ein sührung des Sozialismus reisen Boden. Der Sozialismus will auf diesem Boden: genossenschaftliche Arbeit mit Wegsall des Unternehmer- gewinns in allen Werkstätten und Fabriken, sowie aus sämmtliche» iändlichen Gütern. Der Sozialisntus fordert nicht die Abschaffung des Privateigcnthums, welches der Konimunismus nicht mehr zuläßt. Als Uebergang vom Sozialismus zum Kommunismus dürfte zu bezeichnen sein: Die Abschaffung des Eibrechts. Der Kommunismus bedingt die höchst denkbare Vollkommenheit des Menschen. Gleicher Genuß für alle Menschen an allen Gütern der Erde. Das Ziel des Sozialismus: Freundschaft unter allen civilisirten Völkern, erträgliche Lebenlage für alle Menschen ist so hoch gegen die jetzige aus einem Krieg in den andern treibende, dem Willen der Fürsten und der Bourgeoisie unterworfene Weltlage, gegen die jetzige kümmerliche Epistenz des Proletariats, daß es des vollen Kampfes des Menschenge- schlecht« werth ist und das begeisternde Ziel unseres Kampfes sein soll. W. Nürnberg. DieRedaktion des„Fränkischen Kurier" filldetden Ar tikel über den hiesigen Krawall in Nr. 76 des„Volksstaat"„ergötzlic zu lesen, aber doch zu lang, um ihn mitznlheilen." Der Herr Dr. ist deshalb so schlau, nur einzelne Sätze wiederzugeben die er aus dem Ganzen herausreißt, um den Sinn zu entstellen, andere entstellt er wegen der einsachern Prozedur gleich selbst. So schreibt er gleich an fänglich:„Derselbe(der Artikel im„Volksstaat") beginnt mit einer Schilderung des Nothstandes in der„reichen" Stadt Nürnberg und sagt, derselbe könne in ganz armen Distrikten nicht erschreckender vor kommen."(Gefälscht Herr Dr.! Der Artikel sagt:, als Folge des Kriegs entwickelt sich allmählig hier in der reichen Stadt Nürnberg ein Nothstand" jc) Die Schilderung de« Nothstandes mag dem Herrn Dr. recht„ergötzlich" und spaßig zu lesen sein, wir glauben's recht gern. wollen auch für heute nicht untersuchen, wie weit der Herr Dr. in sei ner friihern Charge als Armenpflegschaftsrath sich am Nothstand„er- götzt" hat und in christlicher Liebe darüber schweigen. Daß dem auch heute noch in der Umgegend einquartiertem Militär das Betreten der Stadt verboten sei, druckt er mit fetter Schrift. Der Herr Dr., scheint's, bezweifelt die Wahrheit. Wir können ihm zur weitern Notiz wahrheitsgemäß erzählen, daß ein Herr Oberlteute- nant, der mit seinem reqnirirten Zug in der Schweinauer Gegend ein- quartiert ist, als er vom Neumarkt mit seinen Leuten in der Marien- vorstadt ankam, denselben 2 Eimer Bierjaufwichste»nd sie aufforderte, ja recht etnzuhaucn: � Neu ist dem Herrn Dr., daß die hiesige Turner-Feuerwehr die all- gemeine Verachtung für ihre Polizeidiensle errungen hat. Dem Herrn „Polizeivorstand" hier scheint dies nicht so neu, macht er doch in Nr. 316 des„Fränk. Kurier" mit Unterschrift bekannt: „Bekanntmachung. Vom Magistrat der k. b. Stadt Nürnberg. Gelegentlich des am 6. d. M. dahier vorgekommenen Tumultes be- theiligtcn sich auf Wunsch SeS Polileivvrstandcs Mitglieder der freiwillige» Feuerwehr in anertenneuswerther Weise bei Uebung des Sicherheitsdienstes hiesiger Stadt durch Bewachung der Messe w., blieben jedoch dem Einschreiten der Militär- und Polizei- Organe fern und waren namentlich bei den vorgenommenen Arreti- rungen unbetheiligt. Obwohl nun sicherlich jeder friedliebende, ordent- liche Bürger für diese Theilnalnne dankbar ist, so wurde doch von gewisser Seite einzelnen Mitglieder der freiwillige» Feuer- wehr nicht nur herber Tadel und Verspottimg, sondern sogar auch thätliche Mißhandlung zu Theil und zwar nur, weil man des Glaubens ist, daß sich die Feu-rwehrmitglieder auch mit Arrettrun- gen von tzrzedentcn beschäftigt haben. Ausklärend wird deshalb oer allgemeinen Kenutniß gebracht, daß. wie bereits oben erwähnt, die freiwillige Feuerwehr lediglich zur Uebung des Sicherheitsdienstes, dann zur besonderen Wachsamkeit Behufs Verhütung von Brand- Unglücken, welche bei solchen Vorkommnissen gewiß bedeutend gefahr- drohender für die Stadt wären, angezogen war, daß aber dieser Dienst mr Aufgabe einer thätigen Feuerwehr gehört und nichts mit dem Polizeidienst gemein hat. Nürnberg, den 11. September 1871. Der Magistrat, v. Stromer. Pabst." Die ganze Absicht dieser magistratlichen Ehrenwaschung ist doch nur die Feuerwehr zu rchabilitiren in der Achtung des Publi- kums. u-berrafcht hat es den Herrn Dr., daß der Artikel„einer Polizeifeder entstammt." Um Verzeihung, geehrter Herr, da nüaiici- ren wir Sozialdemokraten nicht so fein und jcheeren gar viel über einen Kamm: Bürgermeister und Bezirksgerichtsrath, Aktuar und Po- lizeidiener sind uns alles Polizei. Wenn den Nürubergern unbekannt ist, daß die Krawaller„die Wacht am Rhein" fange» und der„Kurier' deshalb vermuthet, der Arsikelschreiber sei nahe dabei gewesen, so thut es uns leid, ihn enttäuschen zu müssen; diese Notiz war gar nicht Original von uns, die haben wir im Referate eines hiesigen Blattes gefunden.—... Nachschrift. In einem Polizeiartlkel aus Fürth schrieb der „Kurier":, „Fürth', 11. September. Wir haben zwar noch keine Ruhe- störungen, wie in Mrnberg. gehabt, wenn aber nicht alle Anzeichen trügen, so stehen uns solche noch bevor. SS ist dies auch ganz natürlich. Fleisch- und Brodpreise sind die- selben wie in Nürnberg und die Arbeiter-KIigue, die, wie man mit ziemlicher Gewiszhcit vermukhen darf, den Nürn- berger Skandal in Szene gesetzt hat, ist auch hier leider zur Genüge vorhanden Tie hiesige Bürgerschaft ist durch diese wenig tröstlichen Aussichten um so mehr beunruhigt, als auch von einem Btcrkrawall und von Gewaltthätigkeiten gegen die Hausbesitzer die Rede ist.— Eine Stadt von der Grötze Fürths, mit Elementen in der Bevölkerung, die schon mehr als einmal ihre Retgnng zu Erzessen dokumcntirt haben, eine solche Stadt: hnc Garnison ist ein Unding, das wohl kaum in Deutschland seines Gleichen finden dürste.(!)"— Endlich habe ich Ihnen mitzutheilen, daß unsere Partei am 16. d. M. eine Volksversammlung zur Besprechung desKrawalls ab- gehalten hat, welche uns viele Gesinnungsgenossen zugeführt hat. Der Reihe nach sprachen Hagenbauer, Meinisch, Auer, Leib, Kraus- s�er und Sei schab über den sozialen Nothstand im Allgemeinen! und über die verläumderische Beurtheilung des Krawalls seitens der Presse*) insbesondere, und schließlich wird folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung erklärt, daß weder die Arbeiter der Kramer- Klett'schen Fabrik noch irgend eine Arbeiterpartei den jüngsten Krawall organisirt, unterstützt oder angeführt hat und erklärt jede in diesem Sinne gemachte Aeußerung als charakterlose Verleumdung, ferner er- klärt die Versammlung, daß der„Fränkische Kurier" schon seit längerer Zeit in arbeiterfeindlichem Sinn schreibt, und sie empsiehlt den Arbei- tern die Lektüre der Arbeiterorgane; sie erklärt ferner, daß der Arbeiter nur durch staatliche Produktiv-Assoziationcn zu dem wirklichen Ertrag seiner Arbeit und zu einem menschenwürdigen Dasein gelangen könne und verspricht die dahiiistrebende' Partei und deren Vereine auf's Kräftigte zu unterstützen." Ein an demselben Tage im Auftrage der hiesigen Parteigenossen von Baumann, Seischab und Hertel verössentlichtes Flugblatt „Zur Abwehr", welches den.(.Fränkischen Kurier" als das charakteri- sirte, was er isi, wurde von der Polizei als Plakat an den Straßen- ecken anzukleben nicht erlaubt und zwar ohne Angabe des Grun- des. Die„Frankfurter Ztg." sagt in einer hiesigen Korrespondenz vom 21. September darüber:„Die Flugschrift enthält Nichts, was ge- gen das Strafgesetz verstößt, allein das Polizeiorgan ist angegriffen und das ist gefehlt!" Hcrsfeld d. 24. Sept. Beijeiner 10 bis 20prozentigen Lohnerhöhung, welche theilweise, hier stattgefunden'hat, theilweise noch stattfinden wird, wo- rüder wir später ausführlicher berichten werden, setzte der Tuchfabrikant, Kommerzienrathund Neichötagsabgcordnete A u g u st« r a u n**), seinen Webern einen Pfennig auf den großen Strang zu(Arbeit: Atlas auf Kraftstühlen) und den übrigen Arbeitern einen halben Pfennig pro Stunde, theilweise auch gar nichts, weil ihm, wie er sagt, das Geschäft keinen Spaß mehr mache. Sem erster Geschäftsführer, ein gewisser Merd oder Merthen, eine Bourgeois-Seele reinsten Wassers, welcher jährlich einen Gehalt von 1000 Thlrn. beziehen soll nebst freier, allerfeinster Kost, wollte noch weniger zusetzen, d. h. gar nichts, weil er lieber für die Weberei lau t er Mädchen nehmen will, und für die andern Arbeiten Bauern. Der gute Mann scheint gar nicht zu wissen, daß es hier an Mädchen fehlt, und daß denselben auch größtentheils eine heillose Furcht an- kommt, wenn sie nur die kastcnartigen Arbeitslokale sehen, in welchen an eine Aussicht durch Fenster, welche aus einer einzigen, wenigstens Zoll dicken Scheibe bestehn, nicht zu denken ist. Der letztgebaute Kasten dieser Art, welcher erst vor Kurzem fertig geworden und für die Walker bestimmt ist, hat gar keine Seitenfenster, sondern cmpsängt sein Licht von oben, so daß die Arbeiter weiter nichts sehen als da« blaue Himmelszelt— wahrscheinlich ist es der Gesundheit zuträglich! Es werden sich nun, wie schon bcmerkt, hier wenig Mädchen dazu bereit finden, bei Braun in Arbeit zu treten und wir fürchten deshalb, daß schwedische Kinder dazu bestimmt sind; dieses wäre sehr traurig. Bor den Bauern haben wir weniger Bange, denn die laufen fo leicht nicht iu's Messer. Es ist dies übrigens die einzige Fabrik hier, in welcher Sonnabends nur■/« Stunde Mittagszeit ist, und Abends bis 7,7 Uhr gearbeitet wird, wenn es nicht die Nacht durchgeht, wo in allen andern Fabriken um 6 Uhr Feierabend ist. Wir beklagen jetzt tief, daß wir uns für besagten August Braun bei allen Wahlen als„Stimmvieh" benutzen ließen. Freilich fehlte es auch hier an Verspiechungen vor den Wahlen nicht; so erklärte Herr Braun bei einer kleinen Zeche, welche er seinen Ar- beitern nach der Niederwerfung Frankreichs gab, er„wünsche nur, daß das Geschäft erst wieder ordentlich gehe",„damit er auch nun einen tüchtigen Lohn geben könne." Wie werben doch den Arbeitern die Augen geössnetl Sie werden gewiß in Zukunft heller sehen. Und wie werden sich die armen Bauern gefreut haben, als sie im hiesigem Kreisblatt eine« langen Artikel fanden, in welchem Braun den Oekonomen der Umgegend anrieth, eine Zuckerfabrik hier zu gründen,(zu welchem Unternehmen er, wenn er vom Reichstag komme, gern bchülflich sein wolle!) weil der Kartoffel- und Getreidebau zu wenig Gewinn abwerfe, hauptsächlich wegen des hohen Arbeitslohnes! Der höchste Lohn eines Tagelöhners bei den Oekonomen war aber voriges Jahr, so viel wir wisse», 77, Sgr. Früher 6 Sgr.) pro Tag, ohne Kosi excliisive zweimal de« Tages Branntwein. Wie ungeheuer dieser Lohn! Dann essen die Bauern aber auch Zucker sür Brod,— wie süß!— und arbeiten vielleicht in einem Kasten, wo sie sich durch Mangel an Aussicht die Augen nicht verderben, — wie geborgen!— und machen den Oekonomen den Geldsack voll! Der gute Mann! Stuttgart, 24. September. In der von 3—400 Arbeiter» be- suchten Volksversammlung vom 2 l. September(Tagesordnung: 1. Die Gewerkschaften. 2. Der Normalarbeitstag.) wurde folgende von Bürger Schwarzinger eingebrachte Resolution, ttotz heftiger Opposition seitens des Bevollmächtigten des Allgemeinen deutschen Arbeiieroercins, der sich in den nichtigsten Ausfällen gegen den 2. Theil derselben erging, mit überwiegender Majorität angenommen. „Die �Volksversammlung der soiialdemokratischen Arbeiterpartei vom 21.«eptember erklärt es für die Pflicht eines jeden Arbeiters, einzutreten für Erkämpfung eines durch Gesetz festgestellten Normal- arbeitslcges von höchstens 10 Stunden zum schütz der Arbeiter gegen übermäßig lange Arbeitszeit, und ist vollständig einverstanden mit der Arbeitseinstellung der Berliner Schreiner und anderer Arbeiter, welche den Kampf sür Verkürzung der Arbeitszeit aufgenommen. „Ferner erblickt sie in der Gründung Internationaler Gewerkschaften das beste Mittel, um derartigen Arbrnseinstellungen zum Siege zu verhelfen und die Solidarität der Arbeiter herzustellen, und fordert die Arbeiter StMtgart's auf, solche zu gründen." L. Werner, Schriftführer. Penig. Es hat sich hier ein Volksverein mit vorläufig 25 Mitgliedern gebildet, welcher sich zu unser» Prinzipien bekennt. Forst. Am 3. M. sprach Freund Metzner(Berlin) hier in einer von uns anberaumten, stark besuchten Bolksoersammlung, welche unS viele Parteigenossen zuführte. Uuser Berein, der beständig im Wachsthum begriffen ist, zählt jetzt 63 Mitglieder. Mögen nur recht oft Agitatoren hierherkommen!***) gestaltet wurde, Paris, die politische Hauptstadt der Welt, die Mutter der Revolutionen, mit seiner Bevölkerung von über 2 Millionen, sozia- listisch zu regieren, dies gleichbedeutend sei mit der moralischen Vernichtung der alten Gesellschaft, der die materielle Ver- nichruug aus dem Fuß folgen mußte. R. d. B. *) Das„Leipziger Tageblatt" hat die Unverschämtheit, über die Nürnberger Krawalle dieselben Lügen zu verbreiten, wie die Berliner„Volkszeitung." Es behauptet in jeiner.Sonntagsnuinmer dreist, der Krawall sei„von den Sozialisten angestiftet" und die Stadt habe für zerstörtes Eigenthum 15,080 fl. bezahlen müssen. In der Nr. 76 des„Volksstaat" ist nachgewiesen, daß die Sozialisten mit dem Krawall nicht das mindeste zu lhun haben und der angerichtete Schaden sich nicht auf 15.080, sonbcrn auf 640 fl. beläuft. Aber das verschlägt nichts. Die Gelegenheit, den Sozialisten eins auszuwischen, ist gar zu günstig uno da wird nach alter Gewohnheit brav fortge- logen. *') Nicht zu verwechseln mit Karl Braun in Wiesbaden, genannt „Unser Braun." ***) Aus den beiläufig im Briefe unserer Forster Genossen ausge- sprochenen Wunsch, daß Bebel einmal dorthin kommen möge, sind wir in der Lage, daran erinnern zu müssen, daß Bebel, gleich den andern Leipziger Angeklagten, das Weichbild de« Leipziger Kreis- direktiousbezirls vorläufig nicht ohne richterliche Erlaubniß verlassen darf. D. Red. d.„Volksstaat." Es wird weiter gebettelt. Der„Kronprinz des Deutschen Reichs und Kronprinz von Preußen" hat an den Verwaltungsausschuß der Kaiser-Wil- Helms-Stiftung für deutsche Invaliden das folgende Handschrei- den erlassen: Durchdrungen von dem Gefühle, daß es eine heilige Pflicht unseres Volkes ist, ungesäumt sich derer anzunehmen, welche in dem Kampfe für das Vaterland ihr Ganzes freudig eingesetzt, ist von mir durch den Aufruf do dato Rheims, 6. Sept.' 1870, und auch von anderer Seite die Mahnung ergangen, daß die ganze Nation in freier Thätigkeit zur Begründung einer Stiftung sich vereinigen möge, um den heim- kehrenden Invaliden und den Hinterbliebenen der Gefallenen ihre Hin- gebung zu lohnen, ihre Leiden und Entbehrungen zu mildern. Wie sehr unsere Fürsorge während der Dauer des Kriegs vor Allem unsern unter den Waffen stehenden Soldaten und deren Angehörigen in der Heimat gewidmet war, so hat es der Jnvalidenstiftung dennoch an hochherzigen Gaben aus allen deutschen Gauen und von unsern in fremden Ländern und fremden Zonen weilenden Brüdern nicht gefehlt. Aber überaus zahlreich sind die Opfer des gewaltigen Krieges, dem Deutschland seine Wiedergeburt schuldet, und' groß wie unsere Erfolge muß auch der Dank unseres Volkes sein. Der Hülfe des Staates, so reich sie bemessen, sind natur- gemäss Schranken gesetzt, über welche hinaus manches Bcdürf- niss zu befriedige», mancher billige Anspruch zu bcrücksichrigcn bleibt. An der Nation ist es, in freier LiebeSthätigkeit zu gewähren» was das Loos unserer Invalide» und das herbe Schicksal der Hinterbliebene» unserer gefallene» Krieger er- leichter» kann.: Der zu allem Großen bereite herrliche Sinn unseres Voltes, der sich vor Jahresfrist einmüthig erhob und während des ganzen laugen und furchtbaren Kampfes in herzerhebender Weise bewährte, wird sich, deß bin ich sicher, auch bei diesem Liebeswerke nicht verleugnen. Nachdem nun die für alle Theile des Deutschen Reichs bestimmte, unter dem Protektorat Sr. Majestät des Kaisers stehende Kaiser Wil- Helms-Stiftung fest begründet ist, richte ich an den Verwaltungsaus- schuß derselben die dringende Aufforderung, unverweilt seine Thätig- keit zu beginnen und Schritte zu thun, um die Theiluahme der durch den Krieg geeinten Nation für die Opfer desselben in Anspruch zu nehmen. Neues Palais, 1. Sept. 1871. (Gez.) Friedrich Wilhelm, Kronprinz. „Der Hülfe des Staats, so reich sie bemessen, sind natur- gemäß Schranken gesetzt"— allerdings, aber wir dächten, wenn man die„ Hülfe bes Staats" etwas weniger„reich be- messen" hätte für die Herren Staatsmänner, Generale u. s. w., die derselben wohl allenfalls hätten entbehren können, ohne Hunger zu leiden, würde sich recht gut auch„manches Bedürfniß be- friedigen, mancher billige Anspruch haben berücksichtigen" lassen. Mit den 7 Millionen Dotationsgeldern für die vorneh- men Herren und mit den Retablissementsgeldern für die ohnehin vortrefflich gestellten Offiziere wäre es schon möglich gewesen, eine beträchtliche Anzahl von Invaliden und Hinterbliebenen der Gefallenen vor dem Leierkasten und Bettel zu bewahren. Und haben wir denn nicht die„5 Milliarden?," Sind denn nicht bereits zwei davon in„unseren" Händen? Können„wir" denn von dem„heidenmäßig vielen Geld" nicht noch etwas mehr geben, als die gnädig bewilligten Lappalien? Das Bourbonen-Frank- reich bezahlte nach der Restauration dem Adel, der die Monarchie zu Grundgerichtethatte,eineMilliarde Enschädigung. Warum nicht eine Milliarde für die Soldaten, welche die Hohenzollern-Monarchie gerettet haben? Warum fnicht eine halbe Milliarde? Eine Viertels- Milliarde? Eine Achtelsmilliarde? Ein Hundertstel von einer Milliarde? Noch weniger— so wenig es ist, es wird immer mehr sein, als auf dem Weg der„freien Liebesthätigkeit", das heißt des Privatalnwseus, zusammenkommt. Belisar, die Hand ausstreckend nach dem Obolus�), ist das klassische Bild kaiserlicher Undankbarkeit. Freilich, unsere Be- lisare, wir meinen die Feldherren und Führer, haben ihr Schäfchen in's Trockne gebracht, aber es will uns schier bedünken, jenes Bild ivürde in Schatten gestellt durch das, wel- ches man uns jetzt bieten will: eine Armee, für die der Sohn des Fürsten, den sie zum Kaiser gemacht, in dem„Reich", das sie geschaffen hat,— nun, wie sollen wir's choch ausdrücken? — den Hut herumgehen läßt: einen Obolus für die Sieger im„heiligen Krieg!" Leipzig. Der Ankkagesenat des Leipziger Bezirksgerichts hat am Mittwoch dem Antrag der Staatsanwaltschaft, gegen Liebknecht, Bebel und Hepner die Anklage auf Vorbereitung zum Hochverrath zu erheben, Folge gegeben. Die wegen Be- leidigung des deutschen Kaisers gegen Liebknecht erhobene Anklage wurde hingegen als gewöhnliches Preßvergehen vor den Einzelrichter verwiesen. Der„Hochverrathsprozeß" kommt im Dezember vor den Gcschwornen zur Verhandlung. Regensburg, 26. Septbr. Der Strike der hiesigen Ost bahn- arbeiter ist gescheitert. Gestern Mittags fingen ca. 175 Mann wieder an zu arbeiten, worunter mehrere mit langen Messern be- Waffnet, um Denen, die sie allenfalls aufhalten wollten, mit Gewalt entgegenzutreten. Heute folgten denn auch alle andern Arbeiter.— Die Arbeit wurde aufgenommen ohne Zusage einer Aufbes- serung der Löhne, aus purer Feigheit und reinem Unverstand, trotz- dem die Bewohnerschaft Regensburgs mit den Strikenden jpmpathisirte, trotzdem von allen Seiten Unterstützungsgelder flüssig wurden, ja sogar die Bäcker unentgeltlich Brob an Sie Berhei- rathetc» verabreichte» und ein Aehnliches in Bier von den Bräuern in Aussicht stand. Es ist daher die Wiederaufnahme der Arbeit unbedingt gar nicht zu rechtfertigen. Wenn Sie Gelegenheit hätten, zu sehen, wie diese Arbeiter, unter der Mittagsstunde laufen müssen, um zum Essen und wieder rechtzeitig in die Arbeit zu kommen, oder wie sie trotz Sturm, Regen oder Schnee, in Kälte oder Hitze unter den Bäumen und im Grase der Anlagen kauernd ihr dürstiges Mittagsmahl verzehren, so müßte es Ihnen wie uns rein unbegreiflich erscheinen, wie sich der Mensch so degradiren lassen kann und alle Kraft verloren zu haben scheint, sich wieder geistig aufzuschwingen. Es ist oeshalb der Unwille gegen die Ostbahnarbeiter ein allge- meiner und es ist sehr traurig, daß dieser jämmerliche Ausgang so un- geheuer deprimirend auf die andern Arbeiter einwirkt, nachdem sie vor Kurzem so viel Feuereifer hatten. Hannüv.-Münben. Strike. In der am 6. September abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen: Daß, nachdem in Folgeder schlechten Ar- beitslöhne(Carmen mit Brasil 1 Thlr. 20 Gr., Deckblatt sehr schlecht auf der Winkelmann u. Hartmann'schen Fabrik di« Arbeit einge. stellt worden, dieselbe unter solchen Umständen nicht wieder aufzunehmen fei. Der Bevollmächtigte Hermann Stemmer, welcher auf der Winkel- mann u. Hartmann'schen Fabrik arbeitet, erklärte die Sachlage wie folgt: Der Cigarrenarbeiter Herm. Diese wurde als Deputirter ins Comptoir geschickt, den Prinzipal zu bitten, uns auf die beste Arbeit, welche gegenwärtig hier gefertigt wird, 5 Sgr., und auf die ordinäre Arbeit 2'/, Sgr. mehr zu geben. Diese gerechte Forderung wurde aber, obgleich Wiese die derzeitigen Verhältnisse m Betreff der Lebens- mittel klar auseinandersetzte, dennoch ganz entschieden verweigert; darauf erklärte Wiese, die Arbeit nicht wieber aufzunehmen, welcher ') Belisar, der dem oströmischen Reich Idie wichtigsten Dienste geleistet, fiel bei Hos in Ungnade und mußte betteln. Obolus, eine steine Kupfermünze. Anficht sich sämmtliche Kollegen anschloffen. Die Arbeiter der Fuhr- m an n'siben Fabrik erklärten, für die hier noch weilenden verheiratheten Kollegen pro Mann 5 Sgr. jede Woche zu steuern. Leider ist die Zahl derselben, welche sich auf 18 Mann beläuft, zu gering, uni die zwar nur wenigen verheiratheten Kollegen genügend zu unterstützen. Wir bitten daher die auswärtigen Kollegen, uns in unserer gerechten Sache zu helfen.— Gelder wolle man an Hrn. Th. Kal danke, Burgstraße senden. Das StrUe-Komitee: Th. Kaldauke. I. Schendirth. A. Ludowig. C. Schwartz, Schriftführer. XL. Der Meister auf der genannten Fabrik heißt Deichmann. Es ist dies derselbe Meister, welcher bei der Arbeitseinstellung bei Koch in Karlshasen sagte:„Die Arbeiter müssen noch Steine--". Vor Zuzug wirb streng gewarnt. Offenbach, den 26 September. Sieg. Morgen kehren die seit her hier strikenden Portfeuillesarbe iter in ihre Fabriken zurück. DieVereinbarung wurde in folgender Weise abgeschlossen: Es wurde ein Schiedsgericht erwählt, dessen Entscheidung sich die streitenden Par- teien unterwarfen. Dasselbe bestand aus Fabrikanten, Arbeitern und unparteiischen hiesigen Bürgern und bestimmte: 1) Die strikenden Ar- beiter beginnen sofort wieder zu arbeiten, 2) die Stückarbeiter erhalten 25 pCt. Lohnerhöhung, 3) die Wochenar beiter haben eine tägliche Arbeitszeit von 10 Stunden und muß der Fabrikant Sorge tra- gen. daß ein fleißiger Arbeiter, der etwas leisten kann, wöchentlich 12 Gulden, ein besonders geschickter Arbeiter mehr bei ihm verdient. Berlin. Deutsche Ordnungsbanditcn. Ueber eine Veejainmlung der Tischlermeister, welche am. 15. dss. Mls. staltgefunden hat, berichtet die„Staatsbürgerzeitung" Folgendes:„Die Meisterversammlung war von nur etwa 200 bis 250 Meistern besucht. Ueber die Verhandlung und deren Resultate könne sie(so bemerkt die Staatsbürgerzeitung) nicht berichten, weil den Referenten der Eintritt verwehrt wurde. An die Versammlung reihte sich eilt blutiges Nachspiel, dessen letzte Szenen sich jedenfalls vor dem Kriminalrichter abwickeln dürften. Zu gleicher Zeit tagte nämlich in dem neuen Gesellschaftshaufe eine Versammlung von Tischlermeistern und Gesellen, nach deren Schluß der Tischlermeister Herr Gatwinkel die Mitglieder des Gesellcnkomitces aufforderte, die Mcisterversammlung im Sckiützenhause zu besuchen, um dort möglicherweise in fortgesetzter gemeinsamer Berathung eine Basis zum Ausgleich der zwischen Meistern und Gesellen schwebenden Differenzen zu finden. Nachdem der ein- ladende Meister die erhobenen Bedenken wegen des zu erwartenden Empfanges durch Versicherungen der besten Ausnahme seitens der Meister zerstreut hatte, fuhren die Arbeiter Blankenburg, Schulz, Bauer, Schmitz, Wolfs und Grellmann mit Gatwinkel in das Schützen- Haus und suchten die Herren Meister auf. Dort wurde die eingeladene Deputation jedoch übel empfangen; der Tischlermeister Par tz packte den arglos eingetretenen Grcllmann an die Gurgel, fuhr mit ihm in eine Ecke und begann dort mit brutaler Rücksichtslosigkeit den Ueberfallenen mit einem wuchtigen Rohrstock über den Kopf zu schlagen, wobei ihm rasch l, inzugesprungene fünf bis sechs Meister in nachdrücklichster Weise halfen, so dass der Geuiisshandclte, mit Blut überströmt, stöhnend zusammenbrach; auch der Geselle Schmitz erhielt mehre Stockschläge, während die übrigen Eingelade nen hinausgeworse» wurden. Der bei diesem Attentat sich erhebende Lärm verursachte einen starken Auf- lauf, der erst durch polizeiliches Einschreiten zerstreut werden konnte. Der verwundete Grellmann wnrde von seinen Kameraden schließlich in Empfang genommen und zu einem Heilgehilfen gebracht, der ihm den ersten Verband anlegte. Daß unser Bericht(sagt die„Staatsbürger- zeitung") nicht übertreibt, dafür spricht das uns im Original vorliegende Attest des Arztes, der den Patienten Abends 8'/, Uhr besichtigte." Zu dieser Afsaire veröffentlicht der Vorsitzende des Tischlerstrike- Komitee's, Schmitz, im„Neuen Sozialdemokrat" Folgendes: „Berlin, 20. September.(Zur Rohheit der Tischlermei- st er.) Der am vorigen Freitag von den Tischlermeistern mißhandelte Tischlergeselle Grellmann befindet sich in einem höchst bedauernswerthen Zustande. Sein Kopf ist so zerschlagen, daß man befürchtet, der Arme würde seine geistige Kraft niemals wiedererhalten; so wenigstens haben die ihn behandelnden Aerzte erklärt. Der Kreisphysikus Kcblank, über die unglaubliche Rohheit der Thäter empört, stellte sofort bei der Be- Handlung des Verwundeten die Frage, ob auch dieses Verbrechen schon der Staatsanwaltschaft angezeigt sei, da er c« sonst thun müsse. Den Zeitungen der Bourgeoisie und der Reaktion, und ganz besonders der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" diene dies zur gefälligen Berück- sichtigung, da sie erklärten, der Geselle Grellmann habe bei der Assaire nur einige leichte Verletzungen davongetragen. Ueberhaupt ist das Ver- fahren der meisten Berliner Zeitungen dem Tischlerstrike und besonders diesem Vorfall gegenüber so niederträchtig, daß dadurch der Grimm der Arbeiter gegen das verläumderische Vorgehen der Presse immer mehr aufgestachelt wird. Der Sozial-Temokratie aber kann es nur angenehm sein, wenn sich diese große Buhleriu in ihrer ganzen Schamlosigkeit entblößt, auf daß jeder ehrliche Mensch sich mit Ekel von ihr abwendet. Der Borsitzende des Strikekomitees der Tischler: Schmitz."— Bei Beginn des Tischler-Strikes hatten die Berliner Tischlermeister gegen alle diejenigen Gesellen, welche die von ihnen übernommenen Akkordarbeiten unvollendet ließen und sich am Strike betheiligten, beim Gewerbegerichte Klage auf Wiederaufnahme der Arbeit gerichtet. Gegenwärtig soll nun(wie die„Volkszeitung" berichtet) die Entscheidung dahin ergangen sein, daß die sämmtliche» Akkordarbeiter bei Vermei- dung der Personalhaft die von ihnen unvollendet gelassene Arbeit auf- zunehmen haben.— In der am Freitag stattgehabten Generalversammlung derTisch- lerm eiste r bildete die Berichterstattung des Ausschusses über seine Thätigkeit den Gegenstand der Verhandlungen. Die Vermittelungs- versuche der aus Gesellen und Meistern zusammengesetzten Komitees sind ohne Resultat geblieben. Das Gesuch zweier Mitglieder des Strike- Komitees um die Erlaubniß, der Meisterversammlung beizuwohnen und an den Debatten Theil nehmen zu dürfen, ist abschlägig be- schieden worden, doch hat sich der Ausschuß selbst zu Konferenzen be- reit erklärt. Außerdem hat der Ausschuß beschlossen, sich mit einer längeren Erklärung an die Behörden(!!!) und das betheiligte Pub- likum zu wenden, in welcher die gegenwärtige Lage der Meister ge- schildert wird. Nach Wiederholung der Forderung der Gesellen er- klärt die Meisterschaft zu einer Aufbesserung der'Löhne im Hinblick auf die gesteigerten Preise der Lebensmittel und Miethen geneigt zu sein, eine Verkürzung der Arbeitszeit vermöge sie jedoch nicht zu bewilligen, da thatsächlich die festgesetzte Arbeitszeit nicht innegehalten werde.(7) In der Erklärung wird ferner konstatirt, daß die Arbeitseinstellung noch fortbesteht, schließlich jedoch die Hoffnung auf baldige Einigung ausgesprochen. Leipzig, 21. Septbr. Ein Humanitätsakt des Leipziger Raths gegen einen seiner Mitbürger. Auf eine, aus der Phantasie eines Mannes entstandene, dem Rathe erstattete Anzeige über in meinem Lokale abgehaltene Tanzmusik am 2. April d. I., Palmsonntag, verfügte der Rath 5 Thaler Strafe und 21 Ngr. 6 Pf. Kosten. Hierüber nicht wenig verwundert, da keine Tanzmusik stattgefunden, richtete ich, um nicht gerade dem Rath nnd seinem, durch die unrich- tigc Anzeige entstandenen Jrrthum entgegenzutreten, an denselben ein Bitt- und Gnadengesuch(!!!) mit Darlegung der Thatsachen und Bean- tragung der Untersuchung, zugleich um Erlaß der Strafe bittend.— Der Rath verweigerte Untersuchung und Erlaß der Strafe. Ich richtete ein gleiches Gesuch an die Kreisdirection, doch mit demselben Erfolg. Der Bescheid lautete von da: Zahlung von 6 Thlr. 2 Ngr. 6 Pf. Strafe und Kosten. Zahlung konnte indeß nicht erfolgen. Da es sich hier jedoch um Geld handelte, wurde mir von dem eröffnenden Referendar ein Vorschlag zur Abzahlung ä Woche 1 Thlr. gemacht. Da ich auch dies nicht zahlen konnte, wurde ich bald darauf zur Zahlung der ganzen Summe von 7 Thlr. 4 Ngr. 4 Pf. vom Rathe aufgefordert, mit dem Bemerken:„widrigenfalls das Königl. „Gerichtsamt hier wegen erekutivischer Beitreibung dieser Beträge von uns requirirt werden wird. Stephan!." Das Gerichtsamt wurde jedoch nicht requirirt, dagegen erhielt ich einen Bestellzettel, des Inhalts: zu einer Eröffnung vor dem Assessor Mechler zu erscheinen, mit der schmeichelhaften Bemerkung: bei Vermeidung der Realcitation zu erscheinen, also thätlicher, ge- wallsamer Abholung. Zur Eröffnung erschienen, wurde mir gesagt, daß der Rath be- schloffen habe, die fünf Thaler Strafe in fünf Tage Gefängniß-' häft umzuwandeln, und ich dieHaft sofort anzutreten habe. Auf meinen Einspruch, daß ich zwei Geschäfte betriebe, wofür ich Steuern zahle, und mithin noch Anordnungen zu treffen habe, umso- mehr da ich nicht von Hause, sondern von Geschäften komme, wurde mir erwidert, daß, wenn ich meiner Frau etwas zu bestellen habe, ihr dies durch einen Beamten gesagt werden würde. Während dessen wurden schon ein paar Polizei- oder Rathsdiener beordert, mich zu bewachen und sofort in das Gesängniß-Local abzuführen. Im Gefängniß des Leipziger Stockhauses angekommen, wurde ich aufgefordert, die Kleider abzulegen und die Stieseln auszuziehen, worauf meine Kleider visitirt und ich, nach Abnahme meines Geldes (7 Thlr. 9 Ngr. 9 Pf.), welches ich zur Uebergabe an Lieferanten soeben erhalten hatte, so wie aller Effekten entledigt, in eine Zelle geführt wurde,(welche in fünf Tagen nicht Ein mal gereinigt und dadurch in den heißen Tagen von Ungeziefer, Flöhe» nnd Wanzen") Z» einer höchst angcnehmen'Häuslichkeit eingerichtet ist,) bei Wasser NN» Brod, gleich einem schweren Verbrecher, bebandelt wurde; Be- suche wurden nur nach hoher Erlaubniß und strenger Aufsicht der Beamten gestattet,'was jedoch nicht verhinderte, daß, wenn es dem Schließer nicht paßte, sein Amt zu versehen, es von Kindern von 8 bis 14 Jahren versehen wurde. Und um den Detinirten die Wichtigkeit seines Aufenthaltes recht anschaulich zu machen, wies man mich auf die Gefängnißordnungs-Tafeln, wonach auch der geringste Verstoß mit körperlicher Züchtigung zu bestrafen angedroht ist, wovon die Wirklichkeit am 5. d. M. Morgens in der fünften Stunde ohne alle Veranlassung einen Knaben traf, nur durch das Unglück, daß er Morgens in der fünften Stunde eingeliefert wurde. Nach dem fünften Tage unter Polizeibegleitung über die Straße zu dem Assessor Mechler geführt, wurde mir von Letzlerem eröffnet, daß meine Haftzeit um sei und der Rath beschlossen habe, daß die t a f t k o st e n"m i t 3 T h l r. 27'/, N g r.�") von dem bei mir vorgefundenen elde in Abzug gebracht werden sollen, welches Geld mir auch, trotz- dem ich-den Nachwies geführt, daß es nicht mein Eigenthum, sondern, bevor ich das Rathhaus betreten, mit von einer andern Person zur Ablieferung eingehändigt worden sei, nicht zurückgegeben wurde. Ueber dies Verfahren des Leipziger Rathes gegen einen seiner Mitbürger, welcher noch unbestraft ist und nur das Unglück hat, ein Leipziger Bürger zu s in, ist sofort an das Königl. Sächsische Mini- sterium berichtet worden, und wird das Resultat seiner Zeit durch den „Volksstaat" veröffentlicht werden. _ C A. KlauS, Restaurateur, Goldhahngäßchen. *)„Mein Bezirksgericht lob' ich mir!" Nur Flöhe findet man allhier! D. Red. d. V. **) Das macht pro Tag 28'/- Sgr'. So theuer bezahlt man das Pfund Brod beim Bäcker freilich nicht! _ D. Red. d. Volksst. Berichtigungen. Gelegentlich einer Erwähnung des Kölner Kommunistenpro- zesses(1851) sagt der„Neue Sozialdemokrat"(Nr. 28), die im Prozeß verurtheiltcn Arbeiter Roth jung und Leßner„sind im Elende verloren gegangen". Diese Angabe ist— was den Zweitgenannten betrifft— irrig. Roth jung ist allerdings vor mehreren Jahren in Breslau in großem Elend gestorben; aber Leßner lebt in Lonoon und ist beiläufig Mitgli ed des Generalraths derJnternationalen. In unserer letzten Abrechnung muß es statt: Sumnia 429 Thlr. 12 Sgr. 9 Pf. heißen: 529 Thlr. 12 Sgr. 9 Pf. Für das Ctgarrcnarbeiter-Strike-Komitee; Halberstadt, d. 26. Sept. Richard Kahlenberg. Fond sur politisch Gcmassrcgcltc. Parteigenossen in Asch d. B. und H. L Thlr. Arbeiter der Cramer und Klett'schen Maschinenfabnk in Nürnberg d A 2 Thlr E. P. in Leipzig: 15 Gr. Die Erpedition. Briefkasten der Redaktion: I. K. Köln: Kam für vorige Nummer zu spät an. Bitte künftig direkt an die Redaktion— nicht Expedition— zu adressiren.— Achim: Weder Bebel noch Hascnclever hatten von der fraglichen Versammlung gewußt.- Verein der Lassalleaner in Leipzig: Der Festbelicht kommt in nächster Nummer ganz bestimmt. Ent- schuldigen Sie, daß uns Raummangel bisher verhinderte Ihrem Wunsche nachzukommen. der Expedition: I. B. H. Mainz: 2 fl. crh. Sch. Dresden: 4 Thlr. 1 Gr. für Abonnement erh. K. Berlin: 25 Gr. füi Abonne- ment erh. Hartmann in M. Sch. 1 fl. erh. Der österr. Papierqulden zu 16 Gr. Dr. D. de Bernardo: Dresdner Volksbote, Braunschweiger Volksfreund, Chemnitzer Freie Presse, Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreund und Berliner Demokratische Zeitung. Diese Adressen sind bei Bestellung genügend. S. in Stolpe: Brief erh. Ö. Breslau: Sobald die � 3 Referate vom Dresdener Kongreß im„Volksstaat" er- schienen, wird das Protokoll als Brochüre versandt werden können- W. Debler in Schwäb.- Gmünd: 1 Thlr. für Volksstaatsond und 2 Gulden für Schriften erh. Mit dieser Nr. schliejzt das III. Quartal. Allts die»och nicht bestellt haben, mögen dies ungesäumt thun, da sonst Verzögerung unausbleiblich ist. Arbeitsnachweis. Für meine Buchhandlung und Colportagegeschäft (uche ich ln allen Orten Thüringens gewandte und solide Agenten. Parteigenossen, welche sich einen Nebenverdienst verschaffen wollen, bitte ich, sich an mich zu wende». eimar, im September 1871. C. Kcttel,.juu. Für Vreslau. Sozialdeuiokrutische Rrbciter-Partei Montag, den 2. Oktober c., A.ends d Uhr: Bcrsammluttg im C'are National im Glassalon, parterre, Malergaffe Tagesordnung:„Die direkte Gesetzgebung durch das Volk". Vor« trag von M. Reißer. Die Parteigenossen werden zu zahlreichem Erscheineu aufgefordert Gaste sind gern gesehen._ H. Oehme. Für Hannover.. . Internationale Mctallarbciterschast. Bersamuilung am 2. Oktober, Abends 8 Uhr, im Lokale des >errn Habcnicht, Ballhof- und Kreuzftraßenecke Nr. 12. agesordnung: 1) Berathung und Beschlußfassung über eine dem- nächst einzuberuseude Genera lversammlung- 2) Wahl eines provisorischen Rechnungsführecs wegen Abreise des Hrn. H. Cammann. 3) Der Strike der Barmer Metallarbeiter. Der Dringlichkeit der Sache wegen werden sämmtliche Mitglieder ersucht, pünttlich zu erscheine». Der Bcvollm.: F. Weyhopf, Sandsiraßc 16. Für(5oln. Sonntag, den 1. Oktober, im neue n K uhberq auf der Ehre"' straße zweites Ntirtnngsrest der HolzarbeUerirewerkS' genoMensehaft, verbunden mir Konzert und Fettball, zuis Besten des Krankenbundes. Anfang 6 Uhr Abends, Eniröe 5 Sgr-, Damen stet. Auswärtige Parteigenossen haben gegen Vorzeigung der Leg.ttmat.onskarten Zutritt. Das Festkomitee� � Für Hamburg. £fratM�er Arbeiterverein. Berfammlui g am Sonntag ven 1. Oktober, präcise 3'/, Uh bei Eöerhahn, Zeughausmarll 31. Tagesordnung: Die im 1. Hamburger Wahlkreise am d .......„_ Oktober stattfindende Reich�tagswahl. * �'tglleder uns von Mitgliedern Persönlich eingeführt Freunde haben Zutritt. August G?id. Leipzig: Verantw.RedakteurA.Hep ner(Redaktion: Peterssteinwcglb Druck u. Verlag: F. Thiele.(Expedition: PeterSstr. 18.)