M 85. Sotmabeud, de« 21. Ottover. Ivill. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstraße 13, F.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AbonnemrntSpret»: Wr Preußen incl. Stempelsteuer 16 für die übrigen deutschen Staaten 12 Rgr. per Quartal. Filialerpedition für die Ber- einigten Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der sosial-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationaten Gewerksgenojsenschasten. Au die Parteigeuosseu. Unserer Aufforderung in Nr. 76 d. Bl., uns die Namen resp. Adressen der nach§ 5 der Geschäftsordnung vorzuschlagenden Vertrauensmänner einzusenden, sind ferner nachstehende Orte nachgekommen, deren vorgeschlagene Vertrauensmänner hierdurch als bestätigt bekannt gemacht werden: Für........ Mittweida*) „ Celle») „ Mühlheim: Herr „ Pcnig: „ Coburg: „ LöMitz: „ Hohensteiu-Grustthal:„ „ Mains: Die große Zahl der noch nicht nochmals aufgefordert, ihre Vertrauensmänner in Vorschlag zu bringen. Hamburg, den 18. Okt. 1871. Th. Yorck. Th. Külbel. oh. Trach. 'ob. Rottluf. einrich Wagner. ilh. Rätsel. erm. Oedemanu. . Lemoisne. genannten Orte wird Politische Uebersicht. Der Berliner„Reichstag", der eigentlich am Montag hätte zu- sammentreten sollen, laborirte 3 volle Tage an der bekannten Krank- heit des Bismarckschen Parlamentarismus: Beschlußunfähigkeit. Dadurch ließ sich indeß der Kaiser-König nicht abhalten, der Minorität, die sich loyal eingefunden hatte, die Thronrede„mit fester Stimme" vorzulesen. Bon der Thronrede ist bloß zu sagen, daß sie die Pickelhaube aufhat, welche der Kaiser-König während der Dauer des Vorlesens abgelegt hatte. Sonst wüß- ten wir nichts darüber zu bemerken. Die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung" fühlt sich besonders angenehm berührt durch eine Stelle, welche die freundschaftlichen Beziehungen zu Oester- reich betont. Einen erbaulichen Kommentar zu dieser liedrei- chen Stelle bildet die NoteBenedetti's vom 3. April 1866 � man merke sich das Datum, über ein Vierteljahr vor Ausbruch des Krieges mit Oesterreich—, die wir hier nach Weglaffung des Einganges vollständig mittheilen wollen. Die Depesche ist an den damaligen französischen Minister des Aeußern, Drouyn de L'huis gerichtet. Nachdem Benedetti gemeldet, daß er Bismarck Vorstellungen wegen seines famosen Bundes- r e f o r m p l a n e s gemacht, und i hm auf die Aufforderung,„s i ch ü b e r die Garantien auszusprechen, die wir(Frankreich? glaubten stipuliren zu können", ausweichend geantwortet habe, fährt er fort: „Uebngeni verhehlte ich meine Ansicht nicht, daß sein Entwurf in Franksurt doch kaum aus eine günstige Ausnahme rechnen dürfe und daß derselbe wahrscheinlich einstimmig vom Bundestage verworfen werden würde.„Sie müssen diesen Fall doch vorgesehen haben", sagte ich,„und ich möchte mir erlauben, Sie zu fragen, welchen Entschluß Sie in diesem Falle sasien werden." Er(Bismarck) erwiderte:„Möglich, daß unser Entwurf verworfen wird. Aber er wird diskutirt werden, er wird die Zustimmung der öffentlichen Meinung in ganz Deutschland haben und man wird»ch hüten, so ganz summarisch über denselben hinwegzugehen. Sein Werth wird für uns darin bestehen, daß er einen Umschwung in der öffentlichen Meinung hervorbringt und die Ueberzengung erweckt, daß Preußen die einzige Macht ist, welche im Stande ist, die nationalen Wünsche zu erfüllen. Wenn es nöthig sein sollte, so werden wir den Bundesrath verlassen und unsere Entschlüsse nach den Umständen treffen." „Nach meiner Ansicht ist auf diese Anschauung wenig zu geben. Entweder bin ich im Jrrthum oder Herr v. Bismarck nährt sich von Selbsttäuschungen, wenn er sich-inbildet, sein Borschlag werde die Kraft haben, die öffentliche Meinung zu Gunsten seiner Politik umzu- stimmen. Das ist übrigens auch gar nicht sein eigentlicher Zweck. Das Ziel seines Ehrgeizes ist, Preußen das Uebergewicht in Deutsch- land zu verschaffen, und da er längst davon überzeugt ist, daß der Weg zu diesem Ziele nur durch einen K r i e g m i t O e st r e ich geht, ßo w i l l er d e n Krieg undsteuertaufdenselbenmit allen Mitteln, die in seiner tand liegen, los, im Widerspruche mit den persönlichen Gefühlen des önigs, der den Krieg fürchtet, gegen den Wunsch Oesterreichs, das ihm aus dem Wege gehen möchte, gegen die öffentliche Meinung in Deutsch- land und in Europa. Mit seinem Bundcöentwurfe will er weiter nichts, als das Wtcner«abinet reizen und Deutschland in Verwirrung setzen, um Zeit zu gewinnen und hübe» wie drüben zum Rüsten zu treibe»., �, „Das habe ich ihm gesagt und er hat eS nicht abge- leugnet. Sein Spiel bestehe darin, da» er Oesterreich nöthigt, mit seine» kriegerischen Vorbereitungen hervorzutreten und die Sachen in der Weise zu lenken, da» die Gcwaltmatzrcgcln Preunens aus der Rothwendtgkeit, sich zu vertheidigen, eitt- sprungen zu sein scheinen. Sind die beiden Staaten einmal unterWaffen, sagt er, so wird derKricg von selbst losgehen. „Die Wiener Regierung zu zwingen,«tte ihre militari- scheu«röste auf die«eine zu bringe» und ihr Schritt auf Schritt zu folgen, so daß sich die Armeen Oefterretchs und Preutzens endlich einander gegenübergestellt sehe», das yt in diesem Augenblicke das eigentliche Ziel aller Bemühungen des Herrn von Bismarck. Auch in dem Falle, dag derselbe den gegenwärtigen Augenblick für geeignet zur Herstellung eines engern Einverständnisses zwischen Frankreich und Preußen halten sollte, glaube ich, daß ihn einzig der Gedanke leiten würde, den König gegen eine Entmuthigung zu schützen, welcher derselbe durch die Bedenken, die ihm unsere Haltung einflößt, anheimfallen könnte. „Ich habe Ihnen gesagt, daß in jenen Bedenken das letzte Mittel liegt, dessen sich die Gegner der Politik Bismarck's bedienen, und daß Herr v. d. Goltz selbst durchaus über unsere Stimmung nicht beruhigt ist. Der Ministerpräsident ist sich bewußt, daß in jenem Punkte die größte Gefahr liegt, welcher er ausgesetzt ist. Kr möchte dieselbe vermeiden durch irgend et» Abkommen, welches unsern Anschlu« vermittelte und dem«önige seine volle Zuversicht *) Die Vertrauensmänner der beiden Orte wünschen, daß ihre Namen nicht genannt werden. wiedergäbe. Doch glaube ich, da» er irrt, wenn er meint, der König würde jetzt schon bereit sein, uns Opfer zu gewahren, die wir ihm abvcrlangejn könnten. „Ich glaube meinerseit nicht, daß Se. Maj. durch die Verhältnisse darauf hinreichend vorbereitet ist, und in dieser Ueberzengung bin ich den Einflüsterungen des Herrn von Bismarck aus dem Wege gegangen. Durch meine Korrespondenz sind Sie nur zu deutlich auf die Wechselfälle aufmerksam gemacht worden, denen wir entgegensehen müssen. Die Dinge hängen noch von einem einzigen Willen ab, dem des Königs, welcher den oringendsten und zugleich widerstreitendsten Einflüssen preisgegeben ist. Es ist also»och alles möglich, und ich möchte wohl an den Sieg der Friedensfreunde glauben wenn der König nicht durch seine Hartnäckigkeit und seine Ansichten über konstitutionelle Sachen im Innern eine Lage geschaffen hatte, bei welcher er persönlich betheiltgt ist Der Streit, den er gegen die Volksvertretung und alle Nuancen der liberalen Partei unterhalten hat, läßt ihm heute kaum die Möglichkeit offen. ohne seiner Würde etwas zu vergeben, die Zugestädnisse zu machen, bei welchen er den ersten Schritt thun müßte. Wollte er ein neues Ministerium bilden, so könnte er es nur aus den Reihen der Opposition nehmen. Wie er einmal die Prärogative der Krone anschaut, würden diese Konzessionen einen Einbruch in seine souverännen Rechte bedeuten Außerdem aber kennt man keine Persönlichkeit, die einen so großen Einfluß besäße, um ein Kabinct zu bilden, daS stark genug wäre, um den König in einer Wendung zu stützen, namentlich in einer Stunde. wo Preußen, vor der energischen Haltung Oesterreichs zurückweichend, eine Niederlage erlitten haben würde, die auf lange Zeit hinaus nicht mehr gut gemacht werden könnte. Davon ist man hier so fest über- zeugt, dag viele vernünftige Leute der Ansicht sind, der König sei ebenso gut wie Herr v. Bismarck vor der Alternative gestellt, entweder den Krieg mit Oesterreich anzunehmen, oder abzn- danken. Ich erwähnte dieses Aeußerstc als einen bemerkenswerthen Zug der Lage, ohne daß ich demselben übermäßige Bedeutung bei- legen will. „Ich füge indessen hinzu, daß, wenn Herr v. Bismarck sich den Ansichten des Königs in allen Fragen der inneren Politik gefügig gezeigt hat, dies nur in der Absicht geschehen ist, sich eine Stellung in der Leitung der Geschäfte zu sichern und um seinen Souvcrai« zu zwingen, ihm auf dem Wege zu folgen. der ihm beständig vor Angc» schwebte, seitdem er sich mit den öffenlichen Angelegenheiten beschäftigt hat, nämlich, datz Preuszcn mit einem kühne» Entschlüsse den Streit aufnehmen mu» wen» eS in Deutschland und in Europa die Stellung gewinnen will, welche allezeit Ziel seines Ehrgeizes gewesen ist. Ihm hat die Harinäckigkeit mißfallen, mit welcher der König die Anariffe der überwiegenden Mehrheit der Kammer auf feine Porrechte zurückwies; dennoch hat er dieselben leidenschaftlich vertheidigt, in der Ueberzeugung, daß er dadurch selbst eine größere Kraft gewinnen würde, um sich des Ersolgs seiner auswärtigen Politik zu versichern, mit oder ohne die steiwillige Zustimmung des Königs. Gestern sagte er mir: „Ich bin dazu gelangt, einen König von Preustcn zu bestimme», da» er die engen Beziehungen seines Hauses mit dem österreichischen KaisertLume brach, da» er cin Bündnis; mitdcm revolutionären Italien schloff, da» er einwilligte, auf ein eventuelles Ab- komme» mit dem kaiserlichen Frankreich einzugehen, daff er in Frankfurt die Umänderung der Bundes- Verfassung unter Mitwirkung einer Volksver- sammlnng vorschlug. Fch binftolzaus ein derartiges Ergebniff. Zwar weiß ich nicht, ob es mir vergönnt sein wird, die Fiüchie desselben zu ernten. Aber selbst in dem Falle, daß der König mich fallen läßt, so werde ich doch das Terrain vorbereitet haben, indem ein Abgrund zwischen Oesterreich und Preuffen gegraben ist, und die liberale Partei, wenn sie ans Ruder kommt, das Werk, das ich mir vorgesetzt habe, vollenden wird." Wir haben heute weder Zeit noch Raum, diese Depesche besprechen; wir glauben aber, daß Benedetti den telegra- der Bewegung(!) bis i konservativer Adeliger a zu..... phischen und photographischeu Fußtritt, den Bismarck ihm durch ven König von Preußen geben ließ, mit Zinsen und Zinses- zinsen zurückbezahlt hat.— Seit einigen Tagen spukt in der Presse die Mähr von einem Bündnißv ertrag, welchen in England Vertreter der konservativen Partei mit Vertretern der Arbeiter ab- geschloffen hätten. Die„Englische Korrespondenz" schreibt dar über: „Wie verlautet, datirt der Ursprung den letzten Januar zurück, wo eine Anzahl �............ u die Vertreter(!?) der Arbeiter die Einladung ergehen ließ, ihre poli tischen und sozialen Forderungen zu Papier zu bringen. Mr. Scoll Russell, welcher ausänglich die Unterhandlungen leitete, wandte sich zunächst au den Sekretär eines der Londoner Gewerkvereine. Dieser argwöhnte einen Plan der Konservativen, die Unzufriedenheit und Desorganisation in den liberalen Reihen zu vermehren und der eiae- neu Partei den Rückweg zum Staatsruder anzubahnen. Nichtsdesto- weniger fand eine Reihe von Berathungen statt, und andere Vcr- treter(?) der Arbeiterllaffen wurden hinzugezogen. Noch immer nicht ganz von der Ehrlichkeit der konservativen Absichle» überzeugt, brach- len sie allerdings ihre politischen Ansichten und Forderungen zu Pa- pier, legten dieselben aber nicht der konservativen Partei, sondern einigen Mitgliedern der Regierungspartei im Oberhause vor. Hier trafen sie auf nur wenig Theilnahme, und auch die liberalen Unter- Hausmitglieder wurden mit keinem besseren Erfolge über den Gegen- stand sondirt, und die einzige günstige Antwort seitens der Regierungs- parte! kam von Lord Lichfield und dem jungen Marquis of Lome (Schwiegersohn der Königin). Die 15 Arbeitervertreter(?) sahen sich sonach auf die konservative Partei zurückgeworfen und legten ihre An- sichten in sieben verschiedenen Vorschlägen nieder. 1) Daß gesetzliche Vorkehrungen getroffen werden, kraft deren etwa wie in den Vereinig- ten Staaten durch das Heimstättengesetz— die Arbeitersamilien auZ den übervölkerten Stadtvierteln entfernt und in abgesonderten Heim- stätten der Vorstädte untergebracht werden könnten. 2) Daß die Kam- mune eingeführt werde, insofern allen Grafschaften, Städten und Dörfern eiiie vollständige Organisation für Selbstregierung mit Voll- machten für die Erwerbung und die Veräußerung von Länvereien zum gemeinsamen Wohl verliehen werde. 3) Daß die Arbeitszeit für industrielle Arbeiter auf acht Stunden per Tag fest- gesetzt werde. 4) Daß auf Staatskosten Schulen für technischeu Unterricht errichtet werden sollen, und zwar inmitten der Heimstätten des Proletariats. 5) Daß öffentliche Märkte in jeder Stadt aus Staatskosten errichtet werden für den Verkauf von Waaren in bester Qualität in kleineren Quantitäten zu Engrospreisen. 6) Daß von Seiten des Staats öffentliche Plätze zur Erholung und Bildung eingerichtet werde», und 7) daß die Eisenbahnen voni Staate angekauft und auf Staatskosten zu gemeinsamen Besten verwaltet werden sollen, wie dies jetzt mit dem Postdienste der Fall ist. Die Peers, denen — wie es heißt— bisher die Namen der Arbeiter, mit denen sie in Unterhandlung standen, nnbekannt geblieben waren, unterzeichneten am 4. Aug. das folgende Uebereinkommen:„Der Rath zur Anstre- bung gesetzlicher Maßregeln für die Wohlfahrt der englischen Hand- werkerklaffe>i(I) nimmt die ihm von Mr. Scott Ruffell, dem Präsidenten des im vorigen Januar konstituirten RaiheS der Arbeiter, unterbreiteten Vorschläge an. Die Mitglieder des erstgenannten Rathcs über- nehmen die Verantwortlichkeit, in Gemeinschaft mit den Mitgliedern deS letztern die gesetzlichen Maßregeln zu beralhsn, welche nothwendig sind, um die physische, moralische nnd inullettuelle Wohlfahrt der Arbeiter zu fördern. Sie übernehmen ferner die Verantwortlichkeit, jene legislativen Maßregeln zur Erreichung d-r Zwecke der Arbeiter- klaffen vorzubereiten, sowie dieselben in seid»» Parlamentshäusern ein- und dlirchznbringeii. Sie verhehlen sich nicht die Schwierigkeiten und die Opposition, denen sie bei Ausführung vicser Uebereinkunst nnd bei der Bewegung des Parlaments zur Absafsung der verlangten Maßregeln begegnen werden; aber sie müssen sich auf den guten Willen und den Patriotisinus der aufgeklärte» öffentlichen Meinung des Landes verlassen, um schließlich den Erfolg zu sichern." Unter- zeichnet ist dieses Uebereinkommen von dem Earl of Lichfield, dem Earl of Carnarvon, dem Marquis of Salisbury, dem Marquis of Lorne, Lord Henry Lennox, Lord John Manners, Sir John Paking- ton, Sir Stafford Northcote und Mr. Gathorn Hardy. Die Name» des Marquis of Lome und de« Earl of Lichfield werden dadurch er- klärt, daß diese beiden, bei Beginn der Unterhandlungen zu Ruthe gezogen, sich weigerten, ihre Zustimmung zu den Arbeitervorschlägen zurückzuziehen, als sie sich plötzlich inmitten des Oppositions-Lagers wiederfanden. Der Herzog von Rlchmond, Lord Derby und M. Dis- racli haben, wie es heißt, mi den Verhandlungen theilgenommen, ob- wohl sie dieselben nicht mit unterzeichneten." Natürlich ist die ganze Geschichte theils Lüge, theils Ueber- treibung. Wirkliche„Vertteter" des englischen Proletariats lassen sich mit den Konservativen nicht ein, und die Schein- „Vertreter", die sich dazu hergeben, verlangen keinen acht- stund igen Normalarbeitstag, während die wirkliche Arbeiter- bewegung noch dem neunstündigen gilt. Daß Unterhand- lungen stattgefunden haben, bezweifeln wir nicht, aber wir be- zweifeln auch nicht, daß die dabei fungirenden sogenannten „Vertreter der Arbeiter" dieselben Hanswürste sind, die schon früher bei ähnlichen Gelegenheiten den„konservativen Charakter des echt englischen Arbeiters" zu demonstrircn hatten, und von denen in den Spalten des„Volksstaat" schon wiederholt die Rede war. Das Bestreben, die Arbeiter zu gewinnen, selbst- verständlich in der Absicht sie zu mißbrauchen, ist bei der eng: tischen Aristokratie ein sehr altes; es bildete z. E. einen Haupt- punkt in dem Programm des„jungen England", dessen vor- nehmster Wortführer Disraeli(der bekannte Torystaatsmann, mehrmals Minister, einmal Premier) in seinem, zu Anfang der 4()er Jahre erschienenen Roman„Sybil" die Allianz der Ari- stokratie mit den Arbeitern zuin Behuf der Erdrückung der „Mittelklasse" emphattsch befürwortete. Der Gedanke blieb from- mer Wunsch, weil die englischen Arbeiter zu gut organisirt und sich ihres Ziels und ihrer Macht zu wohl bewußt sind, um solchen plumpen Verlockungen zugänglich zu sein. Sie be- nutzen ihre Gegner, lassen sich aber von ihnen nicht benutzen.— In Newcastl e sind jetzt auch die Einzelheiten zwischen Fabrikherren und Maschinenbauern erledigt. Von den feiernden Arbeitern ist etwa die Hälfte. Tausend, wieder in verschiedenen Werkstätten beschäftigt, und von den übrigen hofft man während der nächsten 10 Tage ein Gleiches sagen zu können. Gestern hörten 3—400 Ausländer auf zu arbeiten und gingen die 9 Stunden- Liga um Unterstützung für die Rückreise an, doch wurde ihnen diese verweigert. Trotzdem glaubt man, daß binnen der nächsten Tage eine bedeutende Anzahl und in wenigen Wochen sämmtliche nach dem Continent zurückgehen werden. Augenblicklich sind noch etwa 1500 Ausländer in Rewcastle beschäfligl.— Die Arbeits- Einstellung in Drewsbury, in welche 15000 Mann verwickelt sind, ist in ein neues Stadium getreten. Die Arbeitgeber, welche die Fabriken geschlossen hatten, werden dieselben am Montag wieder aufmachen, nachdem die Ar- beiter sich dem Vorschlage einer schiedsrichterlichen Entscheidung gefügt haben.— Der Slrikc der Scheerenschleifer von Sheffield ist beendigt; die Arbeitgeber haben nachgegeben, indem sie die geforderte Lohnerhöhung von 10 pCl. zugestanden.— In Leeds haben zwei der größten Maschinenfabriken aus freien Stücken die 9stündige Arbeitszeit eingeführt nnd demnach eine Agitation zu diesem Zwecke vermieden.— Kuriostlätshalber sei noch mitgetheilt, daß in Newcastle die Polizeidiener Strike gemacht haben, und zwar weil die Behörden, durch die sie sich beleidigt glaubten, ihnen keine Genugthuung gegeben. Ein so lebhaftes Ehrgefühl pflegt die kontinentale Polizei nicht zu haben.— In Belgien hat die 10-Stundenbewegnng schon wichtige Siege zu verzeichnen; im Kohlenbecken von C Harleroi ist der 10-stündige Arbeitstag schon fast allgemein eingeführt. Die Kohlenarbeiter des„mittleren Beckens", denen er verwci- gert wurde, sind im Strike. In Gent Strike derSpinner und Maschinenbauer. Nach einem Telegramm aus Madrid, beantwortete der Spanische Minister des Innern in der Montagssttzung der Körles eine Interpellation von Hevia betreffend die Interna- tionale. Der Minister„erklärte die Jnternattonale als außer dem Gesetze stehend, und verurtheilte ihre Grundsätze auf das Entschiedenste." Sehr schön das! Wenigstens ehrlich. Run, ob vogelsrei oder nicht, die Internationale gedeiht vorttesflich in Spanien. Sie hat bereits 50 Bezirksverbände, und auf der kürzlich abge- Was die Rettung der Gesellschaft kostet. Die der sozialistischen Partei angehörigen Mitglieder des Pariser Gemeinde raths, Lockroy, Allain- Targ�, Murat, Mottu, Jobbö-Duval, Cantagrel, Ranc, Loiseau-Pinson, Bonvalet, Braleret und Pauthier haben über die gegenwärtige Lage des Handels und der Gewerbe von Paris eine Denkschrift verfaßt, welche gleich- zeitig in der ersten Nummer der„Municipalit�", eines Organs für städtische Interessen, erschienen ist. Das Aktenstück stellt die Lage der Pariser Industrie als eine schwer bedrohte dar. Es sei wohl richtig, führt es aus, daß es vielen Gewerben an Bestellungen nicht fehle; doch blieben dieselben noch immer weit unter der Höhe, auf die man sich nach einer so langen Unterbrechung der Verbindungen mit Frankreich und dem Aus- lande hätte Rechnung machen dürfen. Der Grund dieser Er- scheinung liege einmal an der unter der Gunst jener Unter- brechung in bedenklicher Weise erstarkten fremden Konkurrenz und zweitens an dem noch immer auf Paris lastenden B e- lagerungszustande, welcher kein Vertrauen aufkommen lasse, und jedes Geschäft auf längere Frist mit auswärtigen Plätzen verhindere. Lägen übrigens umfassendere Bestellungen vor, so könnten sie inFolge des Mangels au Arbeitern, deren viele in den letzten Ereignissen getödtet, gefangen genommen oder sich versteckt zu halten ge- zwungen seien, nicht ausgeführt werden. In allen Werkstätten klage man über den Mangel an Arbeitskräften, in Folge dessen sich die Bestellungen statt nach Paris nach Eng- land, Belgien, den Vereinigten Staaten und Deutschland wendeten. Dazu trete und damit hänge zusammen als drittes Moment eine in beunruhigenden Verhältnissen zunehmende Auswanderung, welche gerade für die geschicktesten Arbeiter am Verlockendsten sei. Ein hoher Beamter hätte die Zahl der Arbeiter, welche durch Tod, Flucht, Gefangenschaft und Auswanderung seit einem Jahre der Pariser Industrie entrissen worden seien, auf mehr als Ivt), 000 geschätzt.„Im Juni 1869 trug die städtische Mauth 8,505,076 Frcs., im Juni 1871 trug sie nur 6,330,052 Frcs. ein. Im Juli stellte sich das Gleichgewicht allerdings so ziemlich her; doch muß man in Betracht ziehen, daß damals Paris zum ersten Male seit der Belagerung sich wieder unter normalen Bedingungen mit Wein, Kohlen, Futter u. s. w. verschen konnte. In Bezug auf die einzelnen Gewerbe heißt es in der Denkschrift: „Von den Hotels und Restaurants lönnen sich die Luxus- Lokale noch am Wenigsten beklagen, obgleich ihre Einnahmen noch immer weit hinter jenen der lehtcn Friedensjahre zurückbleiben; in den Nestau- rants der mittleren Klassen, für welche die Speiseanstalten ä prix fixes(zu festen Preisen) im Palais-Royal als Typus gelten können, hat das Geschäft erst mit Mühe zwei Drittel von dem l5rträgnisse erreicht, das es in den entsprechende» Monaten früherer Jahre abwarf, und noch schlimmer stellt sich das Verhältniß in den Wirthshäusern für die arbeitenden Klassen.— Das Schuhmacherhandwerk von Paris ist bekanntlich, was wenigstens die Luxus-Artikel betrifft, das bedeutendste der Welt und eine recht eigentliche Pariser Industrie, da die Konkurrenz einiger französischer Provinzstädte, wie Nantes und Bordeaux, kaum in Betracht kommen kann. Diese Industrie beschäftigte in gewöhnlichen Zeilen nicht weniger als 34,000 Arbeiter, wovon etwa 10,000 Belgier und Deutsche waren; die Belgier gelten für besonders geschickt und anstellig, während die Deutschen mehr für die grobe Arbeit verwendet wurden. Von den 24,000 französischen Schustergesellen von Paris sind nun in den letzten Ereignissen— eine wahrhast erschreckende Thatsache I — 12,000 getödtet, ge sangen genommen worden oder flüchtig. Auch müssen alle größeren Fußberleidungsgeschäfte Bestellungen zurück- weisen, die sich nun zur großen Gefahr für das Pariser Gewerbe nach London und Belgien wenden, wo man sich auch alle Mühe gibt, sran- zöstsche Arbeitskräfte anzuwerben. Das Schneiderhandwcrk von Paris machte in gewöhnlichen Zeiten jährlich für 15—18 Millionen Frcs. Geschäfte mit Paris und für 30-30 Millionen mit dem Auslande; dies Jahr dürfte die erstere Ziffer höchstens auf 10, die letztere höchstens auf 16 Mllionen gehen und auch hier fällt die Erbschaft des Restes London und Brüssel zu. Von 30,000 Schneidergesellen fehlen 10,000, und die Auswanderung lichtet die Reiben der Verbliebenen noch mit jedem Tage. 5000 Deutsche, die man'vur dem Kriege beschäftigt hatte, kommen jetzt zurück, und man kann nicht umhin, sie wieder aus- zunehmen, da es an sranzösischen Arbeitern fehlt. Die Folgen sind hier um so trauriger, als in diesem Gewerbe oft die Frau mit dem Mann arbeitet, in Abwesenheit des letzteren also die ganze Familie brodlos wird.— In der Leinwäsch-Judustrie, in der Hand- schuh-, Hut-, Mieder-Fabrikation, im Posamentier- Gewerbe u. s. w. ist das Verhältniß ein ganz analoges: nur das Putz- und Blu men-Geschäit hat nicht gelitten, aus dem einfachen Grunde, weil hier nur Frauen beschäftigt werden. Gleichwohl hat das Ausland auch mit dieser Industrie zu konkurriren gesucht: ein Brüsseler Haus z. B. erhielt aus Newyork eine Bestellung von künstlichen Rosen in Höhe von 50,000 Frcs., eine Bestellung, die unter anderen Um- ständen sicher nach Paris gegangen wäre� und auch in Berlin hat das Mode- und Blunien-Geschäst seit dem Kriege einen gewissen Auf- schwung genommen. Wenn die Fremden noch lange von Paris fern geyalien würden, könnte die Herrschaft des Pariser Geschmacks auch auf diesem Gebiete Gefahr laufen. Die Bijouterie von Paris zerfällt in zwei gleichbedeutende Zweige, in die Fabrikation echter und falscher Schmucksachen; auf beiden Ge- bieten besaß Paris eine, übrigens sehr eingeschränkte, Zahl von außer- ordentlich geschickten Arbeitern, um welche sich die bedeutenderen Häuser sörmtich rissen: auch von diesen hat ein Theil den verlockenden Auer- bietungen des Auslandes nicht widerstehen können und einem der ersten Häuser, welches vier solcher Künstler besaß, sind drei davon»ach Eng- land entführt worden. Für echte Schmucksachen wird insbesondere auch in Amerika eine ernstliche Konkurrenz gemacht. DieMöbel-Jn- dustrie und die mit ihr verwandten Gewerbe sind bekanntlich ebenfalls eines der Hauptelemente des Wohlstandes von Paris. Ihr Sitz ist hauptsächlich im 11., 12. und 20. Arroudissement und sie beschäftigen mehr als 60,000 Arbeiter, wovon 20,000 allein auf die Kunsttischlerei entfallen. Diese letztere setzt in der Regel etwa hundert Millionen jährlich um; sie exportirt nach den Departements und außerdem nament- lich nach Süd- Amerika, wo sie aber seit den letzten Ausstellungen, welche die sranzösischen Zeichnungen und Modelle aller Welt preisgaben, auf eine nicht unempsindliche Koukurrenz der Vereinigten Staaten stößt; anderwärts hat sie mit der deutschen und belgischen Industrie zu kämpfen. Auch in diesem Gewerbe fehlt es jetzt an Arbeitskräften. Unter den 20,000 Kunsttischlergesellen zählte man 3000 Deutsche; alle sind nicht zurückgekehrt, aber sie kommen doch wieder und die Arbeilgeber müssen, von Bestellungen gedrängt, diese Arbeiter nicht nur aufnehmen, sondern ihnen den Platz französischer Arbeiter anweisen, welche verhaftet oder geflüchtet sind. Einer der bedeutendsten Fabrikanten des Faubourg St. Antoine schrieb an die Herren Lockroy und Genossen: Erwirken Sie, daß man uns unsere Arbeiter zurückschickt! Wir sehen mit Schrecken den Oktober herannahen; Sie wissen, daß dies unsere gute Saison ist, und wir können nicht absehen, wie wir den Ansprüchen genügen könnten. Eine besondere Erwähnung verdient die Lage der Holzschnitzerei, dieser so interessanten Panser Industrie; hier fehlt eS durchaus nicht an Arbeitern, aber diese haben wiederum nichts zu thun, weil die Tischler mit ihren Erzeugnissen im Rückstände sind. Die Fabrikanten benutzen diese Konjunktur, um dm Lohn zu drücken, und so verdient der Arbeiter nur noch 5 bis 6, statt wie ehedem 10 und 15 Frs. per Tag. Die M armor-Jndustrie klagt wiederum über die zunehmende Auswanderung nach Belgien und Amerika. Im Baugewerbe werden dieselben Klagen über den Mangel an Arbeitskräften laut. Maurergesellen mußten in Masse aus dem Centrum Frankreichs herbeigerufen werden. Blei- und Zink-Gießer, Dachdecker u. s. w. sind in Paris gar nicht mehr zu finden. Man muß, klage» die Baumeister, unerschwingliche Löhne zahlen und hat doch nur schlechte Arbeiter. Auch für die Straßen-Pflasterung ist man ge- genwärtig lediglich auf den Beistand der Provinz angewiesen. Die V e r- g°lder-Jndustrie war bisher eine der blühendsten von Paris; die größeren Häuser allein machten einen Umsatz von 18 Millionen und sieben ihnen bestanden noch etliche hundert kleinere Fabrikanten, die noch 'miner ein ansehnliches Geschäft machten. Man zählte 4000 C iseli re r, 2500 Drechsler, Gießer, Montirer u. s. w; die Namen Bardo- dienne, Ringault, Deniere sind weltberühmt. Seit den letzten Ereig- nissen fehlen diese 1500 Arbeiter. DieMechaniker undEisen- gießer haben sich eher über Mangel an Arbeit, als an Arbeitem zu beklagen. Eine Industrie, die in der letzten Zeit einen beachtenswerthen Aufschwung nahm, war die Fabrikation von Nähmaschinen; ihre Ausfuhr bezifferte sich auf Millionen jährlich. Ihre einheimische Kund- schaft bestand meistens aus unbemittelten Arbeiterinnen, welche den zwi- scken 200 und 500 Frks. variirenden Preis der Maschine in kleinen Monatwechseln von 20 oder 30 Frks. bezahlten. Diese Kundschaft ist durch die letzten Ereignisse vollständig versprengt; die Zahlungen gehen nicht ein und die ganze Industrie ist eine der am Empfindlichsten betroffenen, so daß viel« Fabrik«»- ten ihre Werkstätte schließen müssen. Einer derselben hat in seinem Portefeuille 400,000 Frks. solcher kleiner Wechsel von 20 und 30 Frks.; er würde sie gern für ein Viertel ihres WertheS her- geben. Die Schi ld ermal? rei ist schlechterdings zum Tode ver- urtheilt. Mau findet in diesem Augenblicke absolut keinen Arbei- t e r, der Buchstaben, Symbole u. dgl. zu malen verstünde. Die Pariser Buchdruckerei beschäftigt ungefähr 3500 Arbeiter. Nur etwa vierzig von diesen waren in den letzten Ereignissen kompromittirt und vier wurden erschossen. In Folge des Belagerungszustandes aber, welcher die Zahl der öffentlichen Blätter einschränkt und auch vor anderen literarischen Unternehmungen abschreckt, vegetiren 3000 Buchdrucker mit einem Lohne von höchstens 3 Frks. täglich, und 500 sind ganz ohne Ar- beit. Diese Thatsache laßt wieder auf die schlimme Lage der Schrift- steller schließen, wie denn auch die Künste und namentlich dieTheater- Unternehmungen so trübe Zeiten, wie die jetzigen, seit Menschen- gedenken nicht erlebt haben." Also die„Gesellschaft" wurde im Mai und Juni etwas zu gründlich„gerettet". Dein Vitzliputzli*) des Kapitals sind so viel Menschen geschlachtet worden, daß er sich den Ma- gen verdorben hat! Der Sozialismus sollte aus der Welt ge- schafft werden— um jeden Preis, und müßten Myriaden von sozialistischen Arbeitern dem Mordstahl verfallen.„Tödtet, tödtet, tödtet!" brüllte die französische Bourgeoisie bei ihrer Bluthochzeit, wie weiland der französische König(Karl IX.) bei seiner. Und es wurde getödtet, getödtet, getödtet— unter dem Beifallsgebrüll der Bourgeoisie aller Länder,— bis Müdigkeit, nicht Mitleiden, nicht Reue, zuletzt Einhalt gebot. Die Bourgeoisie aber warf sich auf ihr blutbespritztes Lager, im angenehmen Bewußtsein, ein gutes Wer? gethan zu haben, und träumte von der goldenen Zeit, die jetzt anbrechen würde: die Sozialisten geschlachtet, der Sozialismus todt, Vitzliputzli der alleinige Gott, der keine anderen Götter neben sich duldet! Und nun, aus dem sanften Schlummer erwacht, findet sie, daß Vitziputzli sich den Magen verdorben hat, weil ihm zu viel Arbeiter geopfert worden! Grausame Enttäuschung. Ja, Ihr Herren Bourgeois, Ihr habt im Mai und Juni zu gründliche Arbeit gemacht! In Eurer wahnwitzigen Wuth habt Ihr nicht bemerkt, daß Ihr tief in den Ast gesägt, auf dem Ihr selbst sitzt. Ihr wolltet die„Gesellschaft retten", das heißt Euer Ausbeutungsrecht, Euer Monopol der Kapitalanhäu- fung— und Ihr habt Diejenigen todtgeschlagen, von deren Ausbeutung Ihr existirt, deren Kapital in Euren Taschen!an- gehäuft ist. Ihr schafft ja kein Kapital. Wenn Ihr Euch alle zusammenthut, Ihr Kapitalisten und Unternehmer, und keine Arbeiter habt zum ausbeuten, so schafft Ihr, alsKa- pitalisten und Unternehmer, Euer Lebtag keinen Pfennig Kapital. Die Arbeiter waren es, die Euch die Taschen gefüllt, und die Arbeiter habt Ihr todtgeschlagen! Ihr Thoren! Ihr habt das Huhn geschlachtet, das Euch die goldenen Eier legte. Ihr wolltet den Sozialismus vernichten und habt Euch ins eigene Fleisch geschnitten. Der Sozialismus aber lebt und wächst wunderbarer Schnelle zur Riesengröße, unverwundbar, nur gestärkt durch das Blutbad, das Ihr ihm bereitet. Begreift Ihr bald, Ihr Bourgeois aller Länder, daß Eure Sache eine hoffnungslose ist'? Begreift Ihr bald, daß Eure Herr- schaft nicht nur mit der Humanität im Widerspruch steht, son- dern auch mit den Interessen der Gesellschaft? Begreift Ihr bald, daß jeder Versuch, jedes Mittel, die Fortdauer Eurer Herrschaft zu sichern, auch im Fall des augenblicklichen„Er- folgs", Euch zum Nachtheil ausschlagen muß? Daß Ihr durch Euer tolles Ankämpfen gegen den nothwendigen Gang der Ge- schichte das Verhängniß nicht von Euch abwendet, wohl aber Euren Sturz beschleunigt und damit unseren Sieg? Als es bekannt wurde, daß das französische Ordnungs- Banditenthum Skrupel gegen weiteres Blutvergießen empfand, und seine Schlachtopfer, statt sie füsiliren zu lassen, lieber der ebenso sicher aber weniger geräuschvoll arbeitenden„trockenen Guillotine" überantworten, d. h. zur Transportation resp. De- portation„begnadigen" wollte, regnete es miteinemmalZeitungsarti- kel, welche das Publikum belehrten, daß Transportation und Deporta- tion eigentlich gar keine Strafen, sondern weit eher ein Vergnügen seien, sintemalen die„Verurtheilten", abgesehen vom Verbot der Rück- kehr nach Frankreich, sich aller Annehmlichkeiten des Kolonisten- lebens erfreuen könnten, vor dessen Unannehmlichkeiten aber durch den wild helfenden Staat(„Staatshilfe" feinster Qua- lität) bewahrt würden. Diese schaamlosen Lügen, auf denen der Versailler Stempel unverkennbar, entlarvt ein franzö- stscher Flüchtling in den Londoner„Daily News". Nachdem er hervorgehoben, daß nicht das relativ gesunde Neu-Caledonien der Bestimmungsort der gefangenen Communalisten ist, sondern Cayenne, dessen pestilenzialisches Klima den kräftigsten und vorsichtigst lebenden Europäer mit mathematischer Gewißheit binnen 10 Jahren tödtet, fährt er fort: „Deporlasion ist mit größeren Leiden verknüpft, als der Unein- geweihte sich möglicherweise einbilden dürfte. Es bedeutet harte Arbeit unter einer sengenden und mörderischen Sonne, unter den Augen von Aufsehern; körperlicheZüchtiguna, wenn das geforderte Quantum Arbeit nicht geliefert wird; täglichen Verkehr mit gemeinen Züchtlingen und ähnliche Behandlung wie die der letzteren; Kost der schlimmsten Art, wie sie auf den Galeerenschiffen von Brest und Rochesort verabreicht wird; und brutale Behandlung von Seiten der Wächter, die ihr Miß- vergnügen, wenn auch nur für einen kurzen Zeitraum nach Cayenne beordert zu sein, an den Befangenen auslassen. Cayenne ist an und für sich schlimm genug, aber es giebt noch einen anderen Ort, der die Psesserselder und die Peitsche der Wächter an Entsetzen übertrifft. Die Jle du Diable,„Teufelsinsel", ist sünfzehu Meilen von der Küste des ftanzösischen Guiana entfernt und oerdient wahrlich ihren Namen. *) Der Gott der alten Mexikaner, dem massenhafte Menschenopfer gebracht wurden. Die Teufelsinsel ist ein schmaler, sandiger Landstrich von etwa drei Meilen im Umfange und gleichmäßiger Oede. Nach einem Baum oder einer Duelle wird man vergeblich suchen. Schwärme von Moskito's lassen die Deportirten bei Nacht nicht schlafen. Eine brennende Sonne strömt ibs Licht auf den trockenen Sand aus und verursacht eine unerträgliche Hitze. Zu einem Seebade— die einzige Hülfe gegen das Wetter— kann man kaum seine Zuflucht nehmen; Haie, die in den Gewäyern von Guiana in Menge vorhanden sind, werden durch die Leichen, welche ia begraben die Behörde sich nicht die Mühe giebt, angelockt und machen das Baden sehr gefährlich. Flucht ist an und für sich schon schwer genug, aber als weitere Vorsichtsmaßregel kreuzt eine Kriegsschaluppe um die Insel und vernichtet aus diese Weise die Hoffnung der Gefangenen in dieser Beziehung. Einige elende Hütten aus Hol; und Stroh bilden das einzige Obdach der in diesem öden Orte internirten unglücklichen Wesen. Ihre Nahrung besteht aus Zwieback und eingesalzenem Fleisch; ein Schiff bringt jeden Monat von Cayenne das erforderliche Quantum Lebensmittel und frisches Wasser. Da die natürlichen Hindernisse für ein Entweichen beinahe unübersteiglich sind, bleiben nur fünf oder sechs Aufseher und ein Dutzend Soldaten auf der Insel. Die Haifische sind übrigens die un verdrossensten Wächter, welche die�Regie- rung sich nur wünschen konnte, und zahlreich sind die Opfer Solcher, die zu irgend einem vorüberfahreuden Schiffe hmüberzuschwimmen ver- suchten." Der Haifisch als„Wächter" der Bourgeoisgesellschaft! Ein Beweis, daß es ihr nicht an Selbsterkenntniß fehlt! Die soziale Frage vor dem Lausauner Friedens- und Freiheitslougrch. Wir bringen nachstehend die Verhandlungen des gedachten Kongresses über das vorliegende Thema, soweit wir durch die Zeitungen davon Kenntniß erlangen konnten. Anfang und Ende des nachstehenden Berichts ist der„Frankfurter Zeitung" und der mittlere Theil der Wiener„Tagespresse" entlehnt. Die Verhandlungen des zweiten Tages waren ausschließlich der sozialen Frage gewidmet. Der Berichterstatter Lemonnier ging davon aus, daß die Legitimität des Eigenthumsrechtes untrennbar sei von der persönlichen Freiheit.„Alle anderen Fragen, die verschiedenen Arten des Erwerbs und der Uebertragung, Erbschaft, Schenkung, Ver- träge, Verkauf, Tausch, Zins und Pacht, Lohn und Gewinnvertheilung sind sekundäre Fragen und abhängig von der ersten Frage. Die Ba- sis des Eigenthums ist nicht die Thatsache der ersten Besitznahme, nicht einmal(?) in absoluter Weise die Arbeit, sondern die Autonomie der Person, dergestalt, daß das Prinzip des Eigenthums gleichbedeutend ist mit dem Prinzip der Mo- ral(!!). Die logische Folge des Gesagten ist, das N:emand in der Ausübung dieses Rechts beschränkt werden soll; die Hauptgrundlage der Gesellschaft müssen daher Einrichtungen sein, welche Jedermann den Erwerb von Eigenthum durch die Arbeit möglich machen." Dies vorausgesetzt, gelangt der Redner zu den Schwierigkeiten, welchen jede soziale Reform unterliegt.„Das Eigenthum leidet an dem Widerspruch, daß es gerade durch die Wirkung der freien Bewegung die Tendenz erhält, sich in einzelnen Händen anzusammeln. Es schafft Zustände, welche die Einen als zum Elend geboren erscheinen lassen, während die Anderen das traurige Privilegium des Müßiggangs haben. Diese Zustände, welche ein Produkt der Geschichte sind, lassen sich nicht mit einem Male hinwegzauberu. Man muß ihnen bis zu einem gewissen Grade Rechnung tragen. Die Verneinung und Zerstörung der Eigen- thumsverhältnisse, wie sie bestehen, würde aber in jedem Falle unge- recht und nutzlos sein. Ungerecht, weil das gegenwärtige Eigenthum, wenn eS auch zum Theil die Eroberung, die List, den Raub, die Ausbeu- tung als Quelle hat, ebenso aber auch zum Theil auf Arbeit, geleiste- ten Diensten, Sparsamkeit beruht. Eine Trennung des auf rechtmäßige und unrechtmäßige Weise erworbenen Eigenthums ist aber nicht mög- lich. Nutzlos, weil es keinen Weg gibt(?>, um an die Stelle der Gesellschaft, wie sie heute ist und bei der wir alle betheiligt sind, plötz- lich eine ideale Gesellschaft zu setzen, wie wir sie uns voritellen. Die Moralgesetze, deren freiwillige und allgemeine Ausübung allein die Grundlage dieser idealen Gesellschaft bilden könnten, geben es nicht zu, weil die Umgestaltung nur mit Gewalt durchgeführt werden könnte. Es bleibt demnach nichts übrig, als darauf hinzuwirken, daß die ideale Gesellschaft friedlich aus der heutigen hervorgehe vermittelst der Umgestaltung dessen was ist, in dasjenige was sein soll. Die prakti- sche Lösung kann also nur darin bestehen, Mittel zu suchen, welche je i, nach den Verhältnissen der Zeit und des Landes am meisten zur Er- reichung des Zieles:„Eigenthum durch die Arbeit" beitragen können." Der Berichterstatter schlägt, auf diese Darlegungen gestützt, folgende Resolutionen vor: 1) Der wichtigste Gegenstand jeder Sozialreform besteht darin, Jedermann die am leichtesten mögliche Ausübung des Eigenthums- rechts(?) zu sichern und zu garantiren. 2) Die wichtigsten Mittel zur Beschleunigung dieser Reform schei- iien dem Congresie zu sein: Die Einführung einer republikanischen Regierungsform bei jeder Nalion; die Bildung einer republikanischen Föderation der europäischen Völker; die Freiheit des Gedankens, des Wortes, der Veröffentlichung; das Vereinigungsrecht; die Gewissens- freiheit, hergestellt durch die Trennung der Kirche vom Staate; die kommunale Freiheit; das Recht des Krieges und Friedens direkt durch das Volk ausgeübt; die Freiheit des Vertrages; die Freiheit der Koa- lition und Assoziation; die Freiheit des Umlaufs und Tausches; die sofortige Revision aller Gesetze und Reglements, welche die Bezichun- gen zwischen Arbeitern und Arbeitgebern regeln, durch Geschworene, gebildet zu gleicher Zahl aus Kapitalisten und Arbeitern. Diese Re- vifion soll auf Grundlage vollständiger Gegenseitigkeit stattfinden; die Errichtung und Erhaltung von öffentlichen Kassen, welche den ver- lassenen Kindern, den Kranken und Arbeitsunfähige» die nöthige Unterstützung gewähren, aus Mitteln der Gemeinde, der Provinz, der Nation; vor Allem die Errichtung eines vollständigen obligatorischen Unterrichts- und Erziehungssystems, mit Ausschluß der Geistlichkeit, unentgeltlich für Alle und für alle Grade, wozu die Mittel durch eine Einkommensteuer aufgebracht werden. Goegg erklärt sich nicht einverstanden mit dem Bericht. Er ist zwar für das individuelle Eigenthum, wünscht aber durch eine Resolution ausgesprochen zu sehen, daß jedem Arbeiter der volle Ertrag seiner Arbeit garantirt werde. Sonne mann: Der Bericht des Herrn Lemonnier scheint mir an dem Grundfehler zu leiden, daß er sich eine Art Dogma von Ei- genthum konstruirt, welches weder durch die Geschichte, noch durch die Erfahrung eine Berechtigung hat. Das Eigeuthum ist eine menschliche Institution, die im Laufe der Zeit vielfache Veränderung erfahren hat und voraussichtlich noch sehr viele erfahren wird. In der Regel finden wir bei deu Völkern mit geringer Civilisation ein Bestreben nach Ausdehnung des individuellen Eigeitthums, dagegen zeigt sich bei den Völkern, welche eine hohe Entwicklungsstufe erreicht haben, eine Tendenz umgekehrter Art. Beide können berechtigt sein. Ein gewisser Besitz ivird allerdings immer von der Freiheit des Jndivi- duuins untrennbar sein. Dainit sei aber noch lange nicht gesagt, daß alle Arten des Eigenthums immer unveränderlich im Privatbesitze bleiben müssen. In Rußland besteht auf den Dörfern der Agrar- Kommunismus. Eine Folge davon(?) ist die schlechte Kultur des Bo- dens, der Despotismus der Gemeinde, die Prämiirung der Faullenzer. Im Ganzen befinden sich die meisten russischen Bauern trotz des Kollek- tivismus in einer weniger günstigen Lage als unsere meisten Lohn- arbeiter. Alles drängt in Rußland darauf hin, vom Kollektivismus zum Privateigenthuin überzugehen. Ebenso war es ein Fortschritt, daß man den irländischen Bauern die Ablösung ihrer Pachtgüter ge- stattet hat. Ju Deutschland, Frankreich und der Schweiz würde bei dem jetzigen Bildungsstande der Bauern, bei dem Mangel an Pflicht- gejühl und Interesse der Boden aus dem Wege des Kollektivismus stcher viel schlechter bebaut werden als gegenwartig. Uebrigens ver- langen ja die Kleinbauern dieser Länder keine derartige Reform; sie würden sie im Gegentheil verabscheuen. Wir können aber einer an- deren politischen oder sozialen Partei nicht das Recht einräumen, sich zum Advokaten der Kleinbauern auszuwerfen. Dies berechtigt mich aber noch lange nicht zu der Uebcrzeuguna, daß es immer so bleiben wird und so bleiben muß. Wenn die Betheiligung selbst und die> öffentliche Meinung eine Beschränkung des Privateigenthums ver« langen würden, so erkenne ich kein Dogma an, welches eine solche ver Bieten wurde. Aber es giebt andere Arten des Cigenthums, bezüq- ncy deren die öffentliche Meinung aufgeklärter und einiger ist. So yat man in England erkannt, daß der Privatbesitz der Telegraphen em gemeinschädliches Monopol konstituirt, man hat keinen Augenblick gezögert, dieses Privateigenthum zu erpropriiren und in Kollektiveigen- thum zu verwandeln. In Belgien hat der Staat soeben aus densel- den Gründen einen großen Theil der noch bestehenden Privateisenbahnen zurückgekauft und erst vor 8 Tagen hat der belgische Handelsminister in einem offiziellen Berichte gesagt, daß die Beseitigung aller Privatbahneu der Wunsch des Landes und der Regierung sei. Im Kanton Zürich hat der Staat für nöthig gefunden, den Kreditverkehr durch Errich- tung einer Staatsbank in die eigene Hand zu nehmen. Alle diese Umgestaltungen wären in politisch und volkswirthschaftlich weniger entwickelten Ländern(Beweise: Oesterreich, Rußland) vom Uebel ge- Wesen. In den genannten Staaten aber, wo die gesamntten Jnsti- tutionen dazu reis waren, beseitigen diese Reformen schädliche Mo- nopole des Privatbesitzes, welche zur Ausbeutung der Kleinen durch die Großen und zur Erwerbung von Reichthiimern ohne Arbeit bei- getragen hatten, einer gerechten Bertheilung des Provuktionsertrags also im Wege standen. Die Regierungen und Gesetzgebungen dieser Lander haben sich dabei wenig an das Dogma vom Privateigen- thum gekehrt. Auch in Bezug auf den Grundbesitz sind— abgesehen vom Landbau— Reformen dringend notbwendig, welche man als ,, Eingriffe ins Privateigenthum" bezeichnen skönnte. In allen größeren Städten ist die Wohnungsnolh besonders für die ärmeren Klassen zu einer der wichtigsten Tagesfragen geworden. Woher entsteht diese iwerall gleichmäßig auftretende Calamität? Einfach daher, daß die Preise des Grundeigenthums in der Nähe großer Städte in ganz anderen Verhältnissen steigen, als die Löhne der Arbeiter. Ein Morgen Landes, das als Ackerland IvEE Frcs. werth ist, erhält plötzlich einen Werth als Bauterrain von 25,000, ja 100,000 Frcs. und mehr. Der Besitzer hat keinerlei Arbeit verrichtet oder verrichten lassen, sondern verzehnfacht, verhundertfacht sein Verniögen durch das WachSlhum der Stadt, durch die Ausdehnung ihrer Industrie, durch die Arbeit Anderer. Und Die- lenigen, welche die Arbeit geleistet, können kein Unterkommen mehr finden. Wäre es nicht weit gerechter, das.Expropriationsrecht, welches Man in allen Fällen anwendet, wo„öffentlicher Nutzen" nachgewiesen werden kann, auch auf die Umwandlung von Ackerland tn Bauterrain nach Zonen auszudehnen, und zwar ohne dem Besitzer mehr zu geben, als für ein gleich gutes Stück Land in'etwas größerer Entfernung von der Stadt? Durch eine solche Maßregel wäre die ganze Wohnungsnoth mit einem Schlage gelöst. Nicht minder dringend bedürfen die Gesetze einer Umgestaltung, welche den Besitz des Grundeigenthums in der tobten Hand gestatten. Also auch diese Theile des Privateigenthums scheinen mir nicht unantastbar zu sein. Was kann der Kongreß ange- sichts einer solchen Situation in der sozialen Frage thun? Wir sehen auf der einen Seite die Schule der Ekonomisten, deren einziger Kultus die Vermehrung der Produktion ist. Auf der anderen Seite die Kollek- tivisten, welche eine gänzliche Umgestaltung der Glltervertheilung, der ganzen Produktion beabsichtigen. Beide Schulet- halten sich für unfehl- bar wie der Papst. Ich glaube, daß sie beide bis zu einem gewissen Grade Recht und wieder Unrecht haben. Die Kollektivisten rechnen ohne die menschlichen Leioenschafteu und Schwächen, ohne den Mangel an allgemeiner Bildung und Aufklärung. Sie wären in der größten Ver- legcnheit, wenn sie die Macht hätten, ihr System einzuführen. Die Ekonomisten berücksichtigen die hergebrachten sozialen Schäden, die thatsächlichen Privilegien, welche gerade durch die Freiheit der Bewegung geschaffen werden, zu wenig. Der Kongreß sollte die Dinge aus einem höheren Gesichtspunkte beurtheilen. Er sollte nur praktische, mit dem Stande der Civilisation vcreinbarliche Maßregeln vorschlagen. Er sollte alles verwerfen, was nicht auf Wissenschaft und Erfahrung beruht. Die Vorschläge, welche der Berichterstatter gemacht— deren Motivirung ich mich in keiner Beziehung anschließen kann— scheinen mir in dieser Beziehung nicht ausreichend zu sein. Ich kann mich den Anträgen begleitet, aus welchem Grunde sie auf das Wort verzichtet, da man nicht vernünftig genug sei, um sie zu verstehen.(Lebhafter Tumult und Zischen.) Unter andauerndem Lärm wird hierauf die Sitzung geschlossen. Ende um 6 Uhr. Die weitere Besprechung, vornehmlich über Herrn Lemonniers' Anträge wird auf den nächsten Tag verschoben.— (Schluß folgt.) unter 2 bis zum Schlüsse nur unter Hinzufügung folgender Sätze anschließen, ohne weitere Vorschläge in gleicher Richtung auszuschließen: a) Rückkauf aller Eisenbahnen und Concentration dieses Ver- kehrinnruments in der Hand des Staats; b) Uebernahme der Notenbanken durch den Staat, um den Kredit, dieses wichtige Arbeitsinstrunlent, allen Denjenigen zugänglich zu machen, welche sich dessen würdig erzeigen; e) Concentration des gesammten Versicherungswesens in allen seinen Zweigen in den Händen des Staats; ü) Anwendung des ErpropriationsrechtS auf alles Bauterrain, ohne dem Eigenthüiner eine andere Entschädigung zu ge- währen, als ein anderes Terrain vom selben Kulturwcrthe. Madame Audrö Leo(bekannte politische und Romanschriftstellerin) verliest eine in französischer Sprache abgefaßte Rechtfertigung der Pariser Komnillne lind herbe Anklage gegen Thiers. Rednerin wird oft von Zischen und Pfeifen unterbrochen. Präsident Eytel nimmt das Recht der Redefreiheit in Anspruch und sagt, in der Schweiz sei es Gebrauch, den Redner enden zu lassen und dann zn erwidern. Madame Leo sagte unter Anderm: Seit 48 tobt in Frankreich ein wüthender Kampf zwischen de» Klassen. Wo ist der Ungläubige, den die Kanonen von Paris und Versailles, den die Massacres nicht hiervon überzeugt hätten? Aber man heißt die Bestohlenen Diebe, die Getödteten Mörder!(Ein entsetzlicher Tumult entsteht, der sich legt, nachdem einige Ruhestörer aus dem Saale gewiesen worden.) Rednerin fährt fort: Der Krieg zwischen den beiden Parteien ist noch nicht zu Ende. Ungeachtet der Verleumdungen, die Thiers ausstreut, wird die Wahrheit an» Licht kommen. Nicht unter der Regierung der Kommune wurden die Häuser durchsucht und geplündert, aber J)ie Soldaten— die Handlanger Thiers— erhalten das Geld und die Schmuck- sachen der Erschossenen als Belohnung. Raoul Rigault und Ferro'), die sich von ihren Leidenschaften zu weit hinreißen ließen, sind allein an der Erschießung der Geiseln schuldig; aber damals, am 23., hatte die Kommime schon aufgehört, und die Versailler hatten angefangen, Weiber und Kinder zu Hunderten hinzumordeir. Die Feuersbrünste wurden theilweise von den Geschütze» der Belagerer angezündet, theit- weise aus strategischen Rücksichten angeordnet. Was kann man nicht voir Leuten erwarten, die seit dem 4. September ein monarchisches Eomplot gestiftet halten, und die einen Vorwand gebrauchte», um Paris zu zerstören und die Demokraten zu erschießen? Paris hat seine Helden verloren! Nie wird das Gesühl des Abscheues sich ver- ringern, welches wir für die jetzige Regierung hegen. Der Präsident versucht, den immer sich erneuernden Skandal, der von den Zuhörern ausgeht, dadurch zu unterdrücken, daß er Madame Leo auffordert, zur Tagesordnung zu sprechen. Redneriii verzichtet ans die beabsichtigte Vorlage einer Resolution und verläßt die Tribüne mit der Erklärung, auch in der Schweiz gebe es keine Redefreiheit. Der Ordnungsruf des Präsidenten wird vom Beifall der Zuhörer be- gleitet.— Herr Hodgson-Pratt von London will eine allmalige und praktische Reform. Bis jetzt hat man zu wenig für den Arbeiter ge- chan, und daher der Haß zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Herr Hadgson Pratt schlägt als Mittel zur Versöhnung zwischen den Klassen vor: 1. Antheil der Arbeiter am Gewinn und Theilnahme derselben am Geschäft als Aktionäre. 2. Gesellige Cirkel für Arbeiter. — Als Beispiel: 1. Ein Kohlenwerk in Yorkshire, das bls 1865 kaum fünf Prozent trug und wo häufige, sogar blutige«trikes stattfanden Und in dem seit der Aenderung im oben angedeuteten Glnne der Ge- winn 14 Prozent beträgt, aber kein einziger Arbeitstag nrehr verloren wurde. Der Einfluß ist nicht nur ungeheuer in ökonomischer, sondern auch in moralischer Hinsicht.— 2. Redner ist Sekretär einer Gesell- schast, die in jedem Oite einen Cercle(Club) stiften will, in dem die Arbeiter unter sich zusainmenkommen, gleichzeitig aber auch mit Leuten von höherer Bildung in Verbindtlng gebracht werden. An vielen Orten schon kommen Parlamentsmitglieder, Glieder der Internationale, Kapi- talisten und Arbeiter in tägliche Berührung und alle Theile lernen von einander, lernen einander achten, und Haß und Vorurth eile schwinden.— Madame Delhomme protestirt zu Gunsten der Frau A. Leo, die nicht von der Frage abgegangen sei. Vieles gelinge nicht, da man den Frauen nicht genug folge, ihnen, welche die Männer erziehen'*). Sie sei gleicher Meinung mit Madame Leo.— Ihre ganze Rede wird fortwährend durch ironische Bravo's und mit andauerndem Gelächter *) Dieser Name ist sicherlich nur irrthümlich von der„Tagespreise" Die Arbeit. (4ine Mscherbande deutscher Zeitungsschreiber hat sich das t kindische Vergnügen gemacht, statt„erziehen"„machen" zu setzen. ü Wohin, o Mensch dein Auge sieht, So weit auf reichbebaute Fluren. Der gold'ne Strahl der Sonne glüht, Schaust du der Arbeit Segensspuren. Sie sä't das Korn, sie pflegt die Saat, Und mäh't die Frucht der gold'nen Nehren, Sie baut der Mühle wuchtig Rad Und liefert Brot, uns zu ernähren. D'rum laßt uns ihr Panier entfalten, Stets höher, freier soll es weh'n Im Kampf mit feindlichen Gewalten; Die Arbeit hoch!— Sie wird besteh'n! Sie schürft das Erz in tiefem Schacht Und bringt's der Upp'gen Welt zu Tage, Sie baut Paläste voller Pracht Und zimmert Todten Sarkophage. Der Eisenwege fest' Geleis', Der Segelschiffe starke Planken; Der. Arbeit nur gebührt der Preis, Nur ihrer Hand sind sie zu danken. D'rum laßt uns ihr Panier entfalten, Stets höher, freier soll es weh'n Im Kampf mit feindlichen Gewalten: Die Arbeit hoch!— Sie wird besteh'n! Sie zeugt und schafft, und hält nicht Rast, Indem so Viel' bequem sich strecken, Sie wirket Seide und Damast, Hat Linnen kaum, sich zu bedecken. Sie wölbt den weichen Pfühl der Lust, Und ruht unsanft auf hartem Bette, Der eig'nen Kraft noch unbewußt Trägt sie des Goldes schwere Kette. Doch schon bricht an des Morgens Schimmer: Seht ihr das Nachtgewölk verweh'n? Die Kette bricht; und fällt in Trümmer; Die Arbeit hoch!— Sie wird besteh'n! Andreas Scheu. Zur Parteidisziplin. Breslau, d. 10. Oktober. Die Bestätigung der vorgeschlagenen Verkranensmänner in Nr. 81 unseres Organs gibt, wenn man die wenigen Orte, welche bis jetzt Vorschläge brachten, ins Ange saßt, zu verschiedenen Betrachtungen Veranlassung und ich kann nicht umhin, meine Meiniilig im Nachstehenden zu äußern. Gerade mehrere größere Parteimitgliedschaften sind es, welche bis jetzt der Aufforderung unseres Ausschusses, Vorschläge für Vertrauens- manner zu machen,' noch nicht nachgekommen sind. An wem liegt die Schuld? In erster Reihe natürlich an dem betreffenden bis jetzt fungirenden Vertrauensmann, welcher verpflichtet ist, die Wahl anzuordnen. Dann aber bin ich der ganz bestimmten Ansicht, daß jedes Parteimitglied iin Interesse unserer Organisation darüber zu wachen hat, daß die Anordnungen des Ausschusses rechtzeitig aus- geführt werden. Von allen Seiten hört man Verlangen nach einer strammen Organisation, und wenn nur das Geringste verlangt wird, so zeigt sich die größte Nachlässigkeit. Vorstehendes berechtigt mich zu der Aussage, daß ein großer Theil der Parteigenossen seine Schuldig- leit nicht thut, oder wenigstens nicht in dem Maaße, wie man es von Sozial-Demokraten, welche ein so hohes Ziel erreichen wollen, erwar- ten müßte. Wir bezeichnen als Ha-lpthindeririß für unsere Agitation, für un- ser Vorwärtsschreiten den JndifferentismuS, die Theilnahmslosigkeit der großen Masse. Dieselbe Theilnahmslosigkeit muß ich auch vielen unserer Parteigenossen, und solchen die es sein wollen, zum Borwurf machen. Mag für die Theilnahmslosigkeit ein Grund angegeben wer- den, welcher es sei, nicht einer kann dieselbe rechtfertigen. Betrachten wir nur unsere Versammlungen, wie spärlich dieselben trotz großer Mühe besucht sind. Was hält denn eigentlich viele Sozial-Demokra- ten ab, dieselben zu besuchen? Dem Einen erlaubt es, seiner Ausrede nach, seine Gesundheit nicht, ein Lokal zu besuchen, wo geraucht wird, obgleich seine schwache Brust den Cigarrendampf in Konzertlokalen wunderschön verträgt. Ein Anderer glaubt, wenn er die Uebungs- stunden seines Gesangvereins pünktlich besucht, seine Schuldigkeit in hinreichendem Maaße gethan zu haben. Ein Dritter wieder— und das sind wohl die meisten— glaubt, auf seine Person käme eS gerade nicht an: wenn es gilt, dann werde er schon auf dem Platze sein. Ist dies Angeführte etwas anderes, als die reine Theilnahmslosigkeit? Ich kann Denjenigen durchaus nicht für einen Sozial- Demokraten halten, der sich nicht zum kleinsten Opfer, sei es Parteisteuer, oder habe es einen andern Namen, verstehen kann. Durch die Parteistener sind wir erst im Stande, als Partei aufzutreten, als Partei zu agitiren. Durch den Besuch der Versammlungen erweckt man den Muth und die Lust bei den Anwesenden sicher in weit höherem Grade, als wenn sich nur immer die wenigen Bekannten zusammenfinden, währenddem die andern zu Hause hinterm Ofen oder m der Kneipe über schlechte Zeiten schimpfen. Parteigenossen, thue ein Jeder seine Schuldigkeit, dann wird unser Ausschuß nicht mehr veranlaßt sein, wegen Aussüh- rung so einfacher Anordnungen mehrmals erinnern zu müssen. Zum Schluß wollte ich Allen, welche noch nicht Parteigenosfen sind, die Worte Lassalle's zuzurufen(„Feste und die Presse" Seite 31): „Woher kommt es denn aber, daß Ihr, die Ihr unsere Ideen theilt, unsere Ansichten und Bestrebungen mit Eurer Sympathie be- gleitet, daß Ihr noch nicht eingezeichnete Mitglieder seid? O ich kenne den allbekannten Grund dieser Erscheinung wohl. Man klatscht Bei- fall, man sympathisirt, aber man läßt gewähren und behält sich vor, an den Früchten der Bewegung Theil zn nehmen, die Andere mit ihren Kräften erarbeitet haben werden! Ich aber frage Euch, ist das ein männliches, eines Arbeiters würdiges Benehmen? Welches ist der Unterschied zwischen einem Arbeiter und einem Schmarotzer, wenn nicht der, daß letzterer von fremder Arbeit leben und oa ernten will, wo er nicht selbst gesäet hat? Bedenket, das Wort Selbsthilfe, welches unsere Gegner mit Unrecht im Munde führen', bei ihnen ist es nur eine trügerische Illusion, unser Schild und unsere Devise ist es in der Wahrheit! Oder giebt es eine großartigere Selbsthilfe, als diejenige, den Staat umforme» zu wollen, um dadurch auch die sozia- len Verhältnisse zu ändern? Euch also, die Ihr Arbeitet sein wollt und nicht Schmarotzer, Euch, die Ihr nicht von ftemder Arbeit leben wollt und da ernten, wo Ihr nicht selbst gesäet, Euch, die Ihr mich mit Eurem Beifall und Akklamationen begleitet. Euch ermahne ich zur Schaaml An jene Tische mit Euch und zeichnet Euch ein als unsere Mitglieder, nehmt Euren Theil an unseren Mühen und An- strengungen." Die wirklichen Parteigenossen verweise ich auf die Worte desselben Mannes, nachdem er das Prinzip und die sittliche Idee des Arbeiter- standes entwickelt(Arbeiterprogramm Seite 43): „Der hohe sittliche Ernst dieses Gedankens ist es, der sich mit einer verzehrenden Ausschließlichkeir Ihres Geistes bemächtigen Ihr Gemüth erfüllen und Ihr gesammtes Leben als ein seiner würdiges, gestalten muß. Der sittliche Ernst dieses Gedankens ist es, der, ohne Sie je zu verlassen, vor Ihrem Innern stehen muß, in Ihrem Atelier während der Arbeit, in Ihren Mußestunden, Ihren Spaziergängen, Ihren Zusammenkünften; und selbst wenn Sie sich aus Ihr hartes Lager zur Ruhe strecken, ist es dieser Gedanke, welcher Ihre Seele er- füllen und beschäftigen miiß,_ bis Sie in die Arme des Traumgottes hinübergegleitet. Je ausschließlicher Sie sich vertiefen in den sittlichen Ernst dieses Gedankens, je ungetheilter Sie sich der Gluth desselben hingeben, um so mehr werden Sie wiederum, dessen seien Sie sicher, die Zeit beschleunigen, innerhalb welcher unsere gegenwärtige GeschichtSperiode ihre Aufgabe zu vollziehen hat, um so schneller werden Sie oit Erfül- lung dieser Ausgabe herbeiführen." Ich wünsche nur, daß diese beiden Worte unsers Vorkämpfers vqn allen Seiten recht beherzigt werden. Mit sozialdemokratischem Gruß Ein Breslauer Arbeiter als Parteigenosse. Jnternattonale Gewerkschaft der Manufaktur-, Fabrik- uud Handarbeiter. Folgende Neuwahlen sind neuerdings zu veröffentlichen: Mülheim a/Rh.!: Peter Bilstein,(Bevollm.) Dammstr. 15. Ernst Leonhardt,(Beitragsammler). Joseph Herkenrath, Bzich- heim(Kontroleur). Wo Wandergeld? Hati iiichen: F r a n z E n g e l m a n n (Bev.), Mittweidaerstr. 86. Wilh. Martin II.,(Beitragsammler), Tnchmacherherberge an der Mühle, Wandergeld daselbst, nachdem beim Kontroleur eine Marke gelöst ist. Wilh. Martin I., Kontroleur I., Turnerstr. 33. H. Martin, Kontroleur II. BraUllslhiveia: Wander- geld bei Jsensee, Bruchstr. 18. Reicheitvach i«.: Rob. Müller, Karolinenstr.,(Bev.) B. C. Rockstroh(Beitragsammler) Wander- geld. E. Berthold, Kontroleur). Glauchau: Hermann Albert. Webergasse 4(Bev.) Clemens Stäckel, Leipziger Vorstcht 5,(Bei- tragsamml). W. Rose.Krankenhausstraße(Kontroleur.) Meeraue: Valentin Taubert, Äosenthal 233, Waiidergeldkontroleur. August Söllner wohnt nicht Lilienstraße 496, sondern 466. Altendorf bei Chemnitz nebst Rottlufs, Ober- und Niederrabenstein. Fr. Th. Bochmann(Bevollm.)in Altendorf. Aug. Winkler jun.(Beitrag- sammler) in Niederrabenstein. Carl August Großer,(Kontroleur) in Niederrabenstein. Hohenstein: Wandergeld bei Wilh. Finsterbusch, Silbergäßchen 22. Basel: Wandergeld bei G. Baumann, Weber- gaffe 23, Mittags von 12 bis 1 und Abends nach 7 Uhr. Crimmitschau: (Provisorisch) H. E. Müller, Deutsche Eiche,(Bevoll). W. Stolle, (Kontroleur). Die Bevollmächtigten unserer Mitgliedschaften sind dringend er- sucht, Wandergeldentnahmen genau bekannt zn geben und wie in Hainichen Marken beim Kontroleur erheben zu lassen!— In Organisation begriffen sind: Treuen r/B. und Dresden. Interessenten für die Internationale Krankenkasse der Manufaktur Fabrik- und Handarbeiter-Gewerksgenoßsen- schast wollen sich stets direkt um Material zc. wenden an: Bürger C. Kirchhübel Tuchmachermeister in Crimmitschau, Scheunen- platz 757, da die Vorortsverwaltung mit Arbeit überhäuft.ist. Glauchauer Webertagsberichte und Eirkuläre des Tentralkomitee's der deutschen Manufakturarbeiter, sind gleichfalls immer direkt schnellstens zu beziehen durch Bürger H. Franz, Oststr. in Glauchau i/V. LausendeBeiträge allseitig erwünscht, an dieselbe Adresse. Mittweida, Brockau b. N., Reichenbach i/B., Gottes- arün, M ll hl wand,'Hof, Reutlingen, Pfullinge n, M.etzlngcn, Luckenwalde, Z ürich und Hard-Ausersthl werden um fernere Nachrichten gebeten und die Bevollmächtigten, sowie Genossen folgender Stationen ausdrücklich aufgefordert, ihre lokale Reorganisation, Neu- wählen w. nach Kräften zu beschleunigen, damit die Verwaltung nicht erschwertes Weiterarbeiten hat:— Apolda, Arzberg, St. Andreas- berg, Buckau, Erlangen, Eßlingen a/N., Gotha, Gera, Geyer, Groß-Ottersleben, Kirchberg, Lößnitz, Lunzeitau, Mylau, Mülsen St. Niklas, Netzschkau, Niederzwö nitz, Nowaweß, Stollberg, Waldenburg i/V, Werdau. Da der Unterzeichnete auf 4 Wochen durch eine Geschäftreile vom Hause abwesend ist, werden Briefe unter Adresse Stehf.est, C r i m in i t s ch a>l erbeten, und auf diesem Wege pünkuchjk erledigt werden. In Folge starken Verbrauchs sind Statuten-c. wieder in Druck gegeben, worauf bei Bestellung Rucksicht zu nehmen bitten. Unsere Sache läuft gut. Gewerlsgenossen rührt Euch, daß die letzte Staupe vollens überwunden ivird. Für die Vorortsverwaltung: Motteler z. Z. 1. Bors. Waldheim, den 11. Oktober 1871. tlontra L. Eckstein. In Nr. 82 des„Voltsstaat" befindet sich eine Notiz von Louis Eckfleiu aus Waldheim, daß alle Diejenigen, die Cigarren von ihm eutnom- inen, nnr Zahlung an ihn zn leisten haben, im entgegengesetzten Falle er dieselbe als geleistet nicht betrachte. Nun werden die auswärtigen Freunde und Parteigenossen nicht wissen, wie die Verhältnisse hier bei uns liegen und das Vorgehe» Ecksteins sich nicht erklären können. Darum hier in aller Kürze eine Auskläruna darüber. Die Parteigenossen werden wissen, daß wir eine Eigarren- Produktiv-Genossensch aft nach dein Muster der Crimmiffchauer Tuch- und Webgenossenschaft gegründet haben, unter der Firma Heinrich Hennig& Co. und daß Eckstein als Prokurist eingesetzt werden sollte. Da jedoch dem Gericht diese Statuten zur Genehmigung vorlagen und dieselbe» noch nicht bestätigt waren, erbot sich Eckstein, daß das Geschäft einstweilen ans seinen Namen geführt würde, wo hfl- gemerkt, nicht ans seine, sondernausRechnung der Produktiv- Genossenschaft!, den» es waren die Gelder der Produktiv-Genossen- schaft. Nach sechswöchentlichem Arbeiten fanden wir uns veranlaßt, einmal Rechnung von Eckstein zu verlangen, um den Stand des Ge- schäfts zn übersehen, und hauptsächlich aus dem Grunde, weil Eckstein Niemanden in die Bücher Einsicht nehmen ließ, sondern jedesmal, wenn dies verlangt wurde, es hartnäckig verweigerte, überhaupt ganz diktatorisch und willtührlich verfuhr, was sich natürlich die Betheiligten nicht ge- sallen lassen konnten, denn es waren die Gelder der Genossenschaft. Aus diesem Grunde wurde von dem Aufsichtsrath Rechnung verlangt, die Eckstein bis zum 1. Oktober ablegen wollte, die aber leider bis heute noch nicht erfolgt ist, trotz aller Ansforderung. Eckstein bat es von einem Tag zum andern verschoben und dabei ausdrücklich bemerkt, daß er nnr sein eigenes Ich im Auge habe» müsse. Was der Sache die Krone aufsetzt, ist Folgendes: Eckstein meldet am 3. Oktober Abends seinen sofortigen Ritcktritt aus der Genossen- schast und erklärt das Geschäft für seiu Eigenthum; alle Gelder, Blies«, Korrespondenzen, Bächer und Rechnungen hat er aus dem Geschäft lnitgenomine», und ist bis heute»och mit keinem Schritt wieder ip dasselbe gekommen,(also eine volle Woche) und erklärt alle Anordnuyaea, die im Geschäft gemacht würden, für ein Eigenthumsvergehen. Hat nun Eckstein die gefertigten Cigarren aus seine Rechnung verkauft, so ist dies eine Unehrlichkeit von ihm— oder hat er dieselben am Pcchnnng der Prodliktiv-Genossenschaft verkauft, so ist dies eine Schamlosigkeit, indem er das Geschäft sür sein Eigmthmn betrachtet. Wir fragen nun öffentlich: 1) Warum legt Eckstein keine Rechnung ab über den schon längst beendeten Strite der Cigarreiiarbefter? 2) Warum ließ er trotz aller Ansforderung keinen Strike-KasstW ans dem Komitee ernennen und behielt alle Gelder in seiner Ver- Währung? Und 3) warum wurden die Gelder, die bis 14 Tage nach dem Strite noch eingingen, nicht bei Empfang derselben in die Einnahmeljste ein- getragen, sondern die Briese und Coupons fortwährend verschlossen ge- halten? Den Parteigenosseir noch zur Nachricht, daß Eckstein aus den so- zialdemokratischen Verein gestrichen ist, was auch die höchste Zeit war, denn wir hatten Veranlaffniig, ihn auszustoßen. Es ist yemlich noch zu bemerken, daß uns von der Partei die in Kasse be- findlichen Steuern zur Deckung des WahlagftationKdefizits überlasse» worden sind, daß diese Summe— 1 Thlr. 20 Gr.— aber dennoch nicht in die Kaffe des Wahlkomitee's geflossen, sondern in Eckstein'« Händen geblieben ist. Vorstehendes bitten ivir, um der Wahrheit willen, zn die nächste Nummer des„Volksstaat" aufzunehmen, und sordern alle arbeite- sreundlichen Blätter auf, den Aufsatz abzudrucken. Die Parteigenossen Heinrich Hennig. Karl Grunwald. haltenen Delegirten-Konferenz in Valencia wurden dieselben im Interesse der Organisation in 5 Bezirke(Oomnrons) eingetheilt. Die Anzahl der Mitglieder beläuft sich auf mindestens 100,600. Das Resultat der soeben vollendeten Generalraths-� wählen in Frankreich hat nur in sofern Interesse, als die' Bonapartisten überall in verschwindender Minorität geblieben! sind, so daß das Geschwätz von„Bonapartistischen Umtrieben"! hoffentlich in den Zeitungen nun etwas nachlassen wird. Was scheert uns der Familienkrakehl zwischen Imperialisten, Orlea- nisten, Legitimisten, honneten und Honnetesten Republikanern? „Vaterlandsloses Gesindel". Das Sächsische Ministerium des Innern hat die Ausweisung Ufert s aus Dresden bestätigt.„Lieb Vaterland magst ruhig sein." Weiße Sklaven. Der Vater des„unglücklichen Rekru- ten" Krauße hat sich, wie begreiflich, durch die offizielle„Berich- tigung" weder überzeugen noch einschüchtern lassen und den Zei- tungen folgende Erklärung zugeschickt: „Bezugnehmend auf die offiziellen, den früher erklärten Sachverhalt bestreitende Berichtigung im„Dresdener Journal" Nr. 234, den Tod meines Sohnes betreffend, will ich zunächst auf die innere Unglaubhaftigkeit jener Darstellnng und insbesondere der Behauptung, daß mein Sohn sich wiederholt absichtlich vom Pferde habe gleiten lassen, hinweisen. Allen ihm näher gestandenen Personen war mein Sohn als ein äußerst gutmüthiger, braver und fleißiger Mensch bekannt, dem die ihm zur Last gelegte Renitenz und harnäckige Bös- Willigkeit durchaus nicht zugetraut werden kann. Alles Weitere wird die gerichtliche Untersuchung ergeben, die ich durchaus nicht scheue, da die Wahrheit meiner Angaben durch glaubwürdige Zeugen bestätigt wird, und werde nicht ermangeln, das Resul- tat derselben später zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Daß es höchst schmerzlich für mich ist, meinen guten braven Sohn, der wenige Tage vor seinem Tode das älterliche Haus gesund und ftohen Muthes verließ, auf solche Weise vom Leben zum Tode gebracht zu sehen, wird wohl jedes warmfüh- lende Herz empfinden. Technitz bei Döbeln, 13. Okt. 1871. Hermann Krauße." Wir werden diese Angelegenheit weiter verfolgen; was wir von der in Aussicht gestellten„gerichtlichen Untersuchung" halten und erwarten, haben wir schon gesagt. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sobald alle Orte, die pro 3. Quartal fällige Abrechnung ein- gesandt haben, wird ein Gewerkschasts-Cirkular erlassen werden. Wir ersuchen deshalb alle Mitgliedschaften, die in diesem Cirkular, welches allen Orten in gewünschter Zahl von Eremplaren zugehen wird, ir- gend etwas verössentlicht haben wollen, dies möglichst bald an Un- terzeichneten einzusenden. T-eSgleichen werden die Orte, welche noch nicht Abrech- nung eingesandt, aufgefordert, solches schleunigst ,u thun. Der Ausschuß: Dh. Aorck. Halberstadt, den 17. Oktober. Werthe Kollegenl Wie Ihr aus der Stummer des vorigen„Botschafters" erfahren habt, ist unser Sinke jetzt beendigt, und wir theilen hiermit der Ossentlichkeit mit, daß wir einen Sieg errungen haben, denn sämmtliche Fabrikanten, bis auf Einen haben zugelegt. Freilich ist die Zulage bei manchen eine winzige zu nennen, aber das wird sich mit der Zeit erst zwingen lassen, indem wir diesen Fabrikanten die Arbeitskraft zu entziehen suchen, und wir fordern in diesem Sinne alle auswärtigen Kollegen auf, den Zuzug nach Halberstadt abzuhalten, damit wir auf diesem Wege zu erreichen suchen, was uns bis jetzt nicht möglich war. Wir zweifeln nicht, daß die Kollegen, die un« so thatkräftig unterstützt haben, wofür wir ihnen unser» herzlichen Dank aussprechen, auch hierin noch unserm Wunsche nachkommen werden. Auch Halberstadt wird in der Zukunft nicht mehr todt liegen, und es hat hier der Strike das Gute gehabt, daß ein Theil der hiesigen Kollegen fest verbunden ist, und diese sind gerade die bravsten und besten Kräfte. Es ist nur zu bedauern, daß die Fabrikanten den Beschluß gefaßt haben, die Komitee- Mitglieder nicht wieder in Arbeit zu nehmen, und es bliebe uns also nichts weiter übrig, als mit Weib und Kind auszuwandern; doch wollen die braven Kollegen dahin wirken, daß das nicht geschieht, und wir sehen es auch lieber, wenn wir hier bleiben könnten, nicht unserer Person willen, sondern im Interesse der ganzen Arbeitersache; denn es würde doch schlimm wirken, wenn es den Vampyren der Jetztzeit möglich wäre, die Männer, welche durch das Vertrauen der ganzen Korporation an die Spitze gestellt worden find, auf diese Weise zu maßregeln. Doch wir sind aus das Schlimmste gefaßt, von dem unersättlichen Geldsack ist keine Humanität zu erwarten. Komme was da wolle, wir bleiben der Sache treu und die Sache wird siegen, Für da« Strike-Komitee: Richard Kahlenberg. Zum Strike der«igarrenarbciter. Einnahme vom 4.— 11. Oktober: Braunschweig durch Karl Streift Thlr. 3.—.— Berlin durch Hasait Thlr. 1L5.—.—.; Köln durch Dohm Thlr. 4.—.— Osnabrück durch Homeltenberg Thlr. 4. 5. 6.; Delmenhorst durch Bredenmeier Thlr. 5.—.— Dessau durch Locke Thlr. 2. 13. 6.: Burgsteinsurt durch Feld Thlr. 5.—.— Summa Zhlr. 153. 19.—. jRechnungSbeleg über die zur Unterstützung der ttrikenden Ctgarrenarbciter an uns eingesandten Gelder. Einnahme laut Quittung der jetzigen sowie früheren Nummer dieses Blattes. Summa Thlr. 1924. 22. 11. Ausgabe: Unterstützung an Arbeitslose Thlr. 1893, 17. 7.; für Bücher, Papier, Dinte und Federn Thlr. 1. 13. 9.; für Agitation Thlr. 18. 18.—.; für Brief-Porto Thlr. 3. 15. 4.; für Drucksachen Thlr. 2. 1. 3.; für InsertionSgebühren Thlr. 3. 22.—.; für Depeschen Thlr. 1. 25.—.; Summa Thlr. 1924. 22, 11. Für das Komitee: Richard Kahlenberg. Joh. Nolden, Kassirer. Berlin. Auch die hiesigen Schriftsetzer haben sich ver Bewe- gung zur Erlangung höheren Lohnes angeschlossen. Unter den Ossi- zinen, in welchen die Bewilligung eines neuen Tarifs verlangt, resp. mit sofortiger Arbeitseinstellung gedroht wurde, befindet sich die Druckerei der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", als eine der ersten. Sie sah sich, wie sie selbst meldet, gezwungen, die Forderungen der Setzer zu bewilligen, weil sonst das Erscheinen der Zeitung un- möglich gemacht worden wäre. Hamburg, den 16. Oktober. Heute hielten die Buchbinder Hamburgs eine Versammlung ab, worin folgende Beschlüsse gefaßt wurden:.. 1) Für Hamburg ist künftig die Arbeitszeit auf zehnStun- den festzustellen. 2) Ueberstunden werden künftig mit 4 Schilling die Stunde be rechnet. 3) Wurde beschlossen, einen Buchbinderverein zu gründen. Ein aus neun Mann bestehendes Komitee ist beauftragt, das Wei- tere zu veranlassen, sowie vorgenannte Beschlüsse mit aller Energie bei den Arbeitgebern durchzusetzend Die Kollegen allerorts werden nochmals ersucht, denZuzug nach Hamburg und Umgegend fernzuhalten. Das Komitee. Münchcn-Gladöach. Der Strike hier hat sich ausgedehnt— in 8 Fabriken ist jetzt die Arbeit eingestellt. Etzlinge» in Württemberg. Sennabend den 7. Oktober gingen einige Arbeiter der Eßlinger Tuchfabrik, denen ihr Lohn zu niedrig gestellt war, zum Meister und beantragten eine Lohnerhöhung von 8 Kreutzer auf 9 Kreutzer für Tausend Schuß; der Meister sagte, er wollte ins Comtoir gehen und die Antwort bringen. Den Montag darauf gingen drei Arbeiter wieder zum Meister, da rechnete er ihnen vor, daß ein Arbeiter den Tag lang lO.lXX) Schuß thun könnte und so glaubte er, wenn man den Tag 1 sl. 20 kr. verdiene, da könnte man zufrieden sein, und es gebe nicht mehr. Aber wer kann denn alle Tage dieses vollbringen? Keiner! Und die Nebenarbeiten, die Tage lang dauern, muß der Arbeiter noch obendrein zugeben. Als der Meister gesagt: es wird nicht mehr gegeben, so ließen daher die betreffenden Arbeiter die Arbeit stehn und gingen fort. Darauf kam der Geschäftsdirector in den Websaal und sah, daß die Arbeiter fort waren. Nun wnrde der Lohn erhöht, wie sie es ver- langt hatten. Eine kurze Zeit nachher kam der Meister und wir sollten zu ihm kommen, und es wurde uns dann der neue Lohntarif vor- gelesen; wo es erst 8 Kreuzer gab, gab eS jetzt 9 Kreuzer, damit waren sie einverstanden. Unterdessen kam der Geschäftsdirektor wieder und schimpfte auf die, welche„fortgelaufm" waren, wobei er auch sagte, „die Tagediebe von Arbeitern konnten auch warten bis sie Antwort erhalten hatten", und„da brauchten die Lausbuben nicht gleich fort- zulaufen", und so fort. Den Mittag über wurde es Denjenigen, die da fort waren, zu wissen gethan, daß der Lohn erhöht worden sei, wo sie dann die Arbeit auch wieder annahmen, aber daß sie Lausbuben und Tagediebe genannt worden sind, wollte ihnen nicht recht ge- fallen, und so sind denn auch drei Unverheirath ete ans der Arbeit ge- treten, die andern waren alle verheirathet und blieben in Arbeit. H- T. Augö5u:g, 16. Oktober. Die Arbeiter Augsburgs erwachen nach und nach wieder aus ihrer Lethargie; so haben die hiesigen Tischlergehülfen, durch einmüthiges Zusammenstehen ihre Forderung der Arbeitszeitverkürzung(Wegfall der Swnde von Abends 6—7 Uhr) ohne die Arbeit einstellen zu müssen, durchgefetzt, und was das erfreulichste dabei ist: es hat sich eine hübsche Anzahl derselben der Internationalen Gcwerksgenossenschaft der Holzarbeiter angeschlossen. Weiter haben die Schlossergehülfen, die bei hiesigen Meistern arbeiten und im Gegensatz zu ihren Kollegen in den Fabriken, auch bis 7 Uhr arbeften mußten, durch ihr festes Zusammenhalten und 1—2 Tage Arbeitseinstellung, diese Stunde in Wegfall gebracht; und dies alles ohne sogenannte«„Aufhetzen" der so verhaßten Sozialisten. „Und sie bewegt sich doch!"-- Schließlich können wir dreier Magistratssitzu Ilgen nicht UN- erwähnt lassen. Bekanntlich ist der hiesige Magistrat durchweg aus Anhängern der nationalliberalen Partei zusammengesetzt, was den hiesigen Einwohnern „sehr zum Vortheil"(?) gereicht. So wurde von irgend einer Seite angeregt, daß es an der Zeil sei, die Pfründner in einem hiesigen Spitale aufzubessern und der liberale Magistrath war großmüthig genug; das bisherige Wochengeld von 1 fl. 13 kr.(man höre und staune) auf 1 fl. 21 kr. zu erhöhen. Weiter reichten 19 Komunalbeamten eine Eingabe ein um Gehallsaufbesserung; der liberale Magistrat beschloß, es sei dem Gesuch eine Folge nicht zu geben, indem die betreffenden Beamten auch noch Nebenbezüge hätten. Und nun das Beste: in der Magistratsitzung vom 14. Oktober wurde bekannt gegeben, daß für Empfang, Bewirthnng der aus dem Feldezurückaekehrten Truppen, Festessen(der Offiziere und MagisiratSraths- Herrn» 27.099 fl. schreibe sieben und zwanzig Tausend Gulden be- willigt und auch bis aus einige Gulden verpufft seien. Wer hat diese 27,000 fl. bewilligt? Etwa die Steuerzahler? Nein;— Der Magistrat. Wer hat dieselben verpufft? Der Magistrat. Was sagen Diejed.igen dazu, die das Geld auszubringeu haben? Sie singen„die Wacht am Rhein" und— zahlen. Frankfurt, 17. Okt. Sämmtliche Arbeiter der Re iffert'schen Waggonfabrik in Bockenheim haben heute die Arbeit eingc- stellt. Dieselben verlangen eine Erhöhung des Lohnes um 30pEt., Herabinindcrung der Arbeilsdauer von 7 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends und Rechenschaft über die in die Krankenkasse eingezahlten Beträge. Mainz. 16.Oktober. Heute haben die Arbeiter der hessischen Ludwigs-Bahn 909 an der Zahl die Arbeit eingestellt. Ihre Forderung ist die zehnstündige Arbeitszeit und 25 Prozent Lohnerhöhung. Wir haben begründete Hoffnung, daß die Arbeiter siegen werden. Wahrscheinlich werden in der nächsten Zeit noch mehr Arbeitseinstellungen vorkommen, denn der günstige Verlauf der Arbeits- einstellung der Gastell-Harig' scheu Fabrik hat überall guten Muth her- vorgerufen. Für unsere Bewegung ist dadurch der Boden noch günstiger ge- worden, als er bisher schon war. Alle unserer Versammlungen sind sehr stark besucht, die Mitgliederzahl nimmt mit jedem Tage mehr zu und der Leserkreis des„Bolksstaat" erweitert sich ebenfalls immer mehr. Wenn jetzt von Seiten der Pattei in Süddeutschland eine kräftige Agitation ins Leben gerufen wird, denn zweifle ich nicht, daß der Boden hierfür sehr günstig sein wird. L. (Ueber die telegraphisch in unserer letzten Nummer gemeldete Ar- beitseinstellung von 5000 Mann, haben wir noch keinen direkten Be- richt erha'ten. Aus dem Mainzer„Anzeiger" und„Journal" ersehen wir, daß die Arbeit eingestellt ist: in der Lederfabrik von Maier, Michel und Deniger, in der Denniger'schen Fabrik und in der Schulze'schen Maschinenfabrik, sowie in allen Glaser Werkstätten. Ferner hätten die Dreher-, Tape-ierer- und Schreinergesellen mit ArbeitSein- stellung gedroht, weil ihnen keine Lohnerhöhung bewilligt worden. D. R. d. V.» Chemnitz. Nachdem sich Tags zuvor eine Massenversamm- lung für den zehnstündigen Arbeitstag erklärt, fand Sonntag den 15. Oktober, eine geschlossene Versammlung der Arbeiter aus dersächsische n Maschinenfabrik statt, welche von ungefähr 2000 Personen besucht war, die einstimmig folgende Resolution annahmen: „Die heutige Versammlung der Arbeiter aus der„Sächsischen Maschinenfabrik" erklärt sich mit der Einführung der zehn- stündigen Arbeitszeit unter Beibehaltung der bisherigen Löhne und der Feiertage sowie der Erhöhung der Entlohnung sür Ueber- stunden um 25 0'0 vollkommen einverstanden und verpflichtet sich, ohne Unterlaß sür die Verwirklichung dieser Forderung thätig zu sein, so- wie auch solidarisch für die zur Regelung dieser Angelegenheit gewähl- ten Delegirtei: einzustehen und dieselben unter allen Umständen aus das Thalkräftigste zu unterstützen. Indem die Versammlung an die Humanität des Direktoriums apellirt, hofft sie, daß dasselbe diese ge- rechten, zeitgemäßen Forderungen der Arbeiter berücksichtigen und die hierfür eingetretenen Delegirten nicht maßregeln wird." Leipzig, 13. Oktober. Die hiesigen Maschinenbauer fangen endlich auch an, sich zu rühren, freilich noch sehr langsam nnd be- dächtig um nicht zu sagen ängstlich. Es handelt sich um die allge- meine Einführung der 10-Stunden Arbeit, die ja bereits von einer kleinen Zahl hiesiger Fabrikanten eingeführt ist. Wir hoffen die Leipziger Schlosser und Maschinenbauer werden hinter ihren Mainzer Kollegen nicht zurückbleiben und im Bewußtsein ihres guten Rechtes als Männer, zwar nicht schroff, wohl aber fest und energisch auf- treten. Halten die Arbeiter einmüthig zusammen, dann ist gar kein Zweifel, daß sie jeden etwa versuchten Widerstand der Prinzipale mit Leichtigkeit überwinden. Es ist Zeit, daß die Leipziger Arbeiter mit der Forderung auf Ver- kürzung der Arbeitszeit entschieoen vorgehen! In den weiter vorge- schrittenen Ländern, wie England und Amerika, wird bereits ohne heftige Gegnerschaft die Einfuhrung der achtstündigen Arbeitszeit bis- kutirt, da ist es wahrhaftig kein uubescheidnes Verlangen die Arbeits- zeit auf 10 Stunden festzusetzen. Also frisch Hand an's Werk! Breslau, den 17. Okt. Bereits zweimal im Lause von 3 Tagen ist es uns passirt, daß die Wirthe der von uns gemietheten Lokale, jedenfalls auf Veranlassung der Polizei, die uns gemachte Zusage nach- träglich z u r ü ckg e n o m m e n haben; ja, der Besitzer des Hötel de silesie, der uns für gestern sein Lokal zugesichert hatte, hat sogar in seiner Angst vor den Sozialdemokraten den Polizei- und Re- gierungspräsidenten um den Schutz der bewaffneten Macht angesteht, nnd richtig waren Abends zur bestimmten Zeil beide Eingänge des tütels von Polizisten besetzt, welche jedem den Eintritt in die geheiligten äume verwehrten. Wir sind also thatsächlich beinahe auf dem Stand- punkte, selbst in dem großen Breslau kein Lokal mehr für eine öffent- liche Versammlung zu bekommen. Wien. Erwiderung. Bezüglich eines in No. 77 de« Volksstaates gebrachten Artikels, einen vereitelten Strikt in der Hetzer'schen Band- Fabrik betreffend, muß ich bemerken, daß ich allerdings in genannter Fabrik arbeite, aber erst dann' angefangen habe, als bereits mehrere alte Arbeiter von dieser Fabrik die Arbeit wieder aufgenommen hatten, und andere im Begriff waren anzufangen, und anfingen; ich muß also den Vorwurf von mir abwehren, mit dazu beigetragen zu haben, den Strike zu vereiteln. Bruno Damm. Geithain. Berichtigung. Bei dem, am 24. September hier abgehaltenen Verbrüderungsfest der Arbeitervereine des 14. sächs. Wahl- kreises wurde die Festrede vom Parteigenossen Leopold Eckhardt aus Waldheim und nicht wie in Nr. 83 d. V. vermuthet, von dem auS- gestoftenen Eckstein gehalten. Gotthelf Stahl, Vorstand. David HauSmann, Berttauensmann der Partei. Warnung. Rowawest. Ich warne hiermit jeden Webergesellen, wenn einer Gelegenheit haben sollte, hierher nach Nowaweß zu kommen, nicht sür da« Müller' sche Geschäft zu arbeilen, weil solches ein unreelles Ge- schüft ist; eigentlich wäre ein viel schärferer Name zu gebrauchen, denn man zog mir dort in einer und derselben Ketle 5 Ngr. für zu schmal ab, die zwei andern Stücke waren breit genug. Ich machte mich aus die Beine und ging in das Geschäft, wo man mir noch mit Her- auswerfen drohte. Pfui... Webergeselle Franz Louis Resch aus Meeraue. Briefkasten der Erpediton: D. in NiemeS: 1 fl. 30 kr. erh.— F. in Cöln: für Abonnement 5 Thlr. 5 Gr. 8 Pf., für Schriften 5 Thlr. 12 Gr. erh.— H. in Wiesbaden: 13 Gr. freiwilliger Beitrag erh.— K. in München: 4 Thlr. erh., Schriften folgen.— G. Hainburg 24 En 1. kosten 12 Ar.— W. in Kassel: 2 Thlr. für Schriften e ih. K. in Breilau: 20 Gr. für Schristen-erh. Buch folgt smit Picket. B. in Vervies 3 Thlr. f. Ab. erh. Empfangen von S. in B. 5 Thlr. für die Flüchtlinge der Pari- scr Kommune und 1 Thlr. für Parteizwecke. Leipzig, 17. Oktober._ W. Liebknecht. Für Waldheim. In Bezug der, dem Geithainer sozialdemokratischen Verein zu Ge- hör gebrachten Anschwärzung durch den ehemaligen Agitator, jetzt ausge- stoftcncn Eckstein, sehen sich die Geithainer Parleigenossen veranlaßt, dem Buchbinder Leopold Eckhardt in Waldheim, als aktivem Partei- genossen und Agitator, hiermit das höchste Vertrauensvotum öffentlich auszustellen. Gotthelf Stahl, Vorstand. David Hausmann, Vertrauensmann der Partei. Für Mainz. In Mainz liegt der„Volksstaat" in folgenden WirthSlokalitä- ten auf: Bei Herrn Ph. Boll, Weinwirth, Scharengaffe, Schülein, Bier- wirth, Rheinstr., Schollmayer, Weinwirth, Holzg., Badel, Weinwirth, Kapuzinerg., Blum, Weinwirth, z. Lnxemburgerhof, Burtschell, Gast- haus z. Stadt Bingen, Rentengasse, Schmidt, Bierbr. z. Alten Krone, Brand, St. Schmitt, Gafth. z. Täubchen, Brand, König. Weinwirth, Löhrgäßch., Bauenschläaer, Bierbr. z. Stadt Mailand,'Kleinwächter, Weinwirth, Clarastr., Schubert, Weinwirth, Mittlere Bleiche, König, Gasth. z. Griefenklauerhof, gr. Emeranstr. und bei Wittwe Krämer, Bierwirthschaft._ Für Marburg. Sonntag, d. 22. d.M., Nachmittags 4 Uhr: öffentliche Per- sammlung im Scharch'schen Saale am Markt. TageSorduuniz: 1) Die theure Lebensweise im Verhältniß zu den Arbeitslöhnen. 2) Der Normalar- beitstag. V. H. Schneider. NB. Jeden Samstag und Sonntag sind im obigen Lokale Mit- glieder des Vereins anwesend, dies den durchreisenden Partei- gcnossen zur Nachricht._ Mit Gruß D. O. Für Breslau. Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Da es uns bis jetzt unmöglich gewesen ist, ein Lokal für eine größere öffentliche Versammlung zu erlangen, so findet Montag, den 23. d. M. im„Warschauer Keller" eine geschlossene Mitglte- derversammlung statt.— Tagesordnung:!) NothwendigeReformen in der Partei-Organisation. 2) Wie ist es möglich, ein Partei-Lokal zu beschaffen? 3) Kassenbericht nnd lokale Agitation. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen sämmt- licher Mitglieder dringend geboten. H. Ochme, _ Adresse jetzt: Ohlauerstraße 42, im Hose 2 Stiegen. Für Leipzig. Gewerksgenossenschaft der Holzarbeiter. Generalversammlung der Ärankenkaffe, Montag, den 23. Oktober Abends 8'/, Uhr in der Restaurali- u von Götz, Nikolaistr. 51. Tagesordnung: Die Erhöhung der Steuer. Alle Mitglieder müssen erscheinen und werden die fehlenden aus Paragraph 25 der Statuten aufmerksam gemacht._ Ich habe meine Wohnung von der Landwehrstraße Nr. 5/6 nach dem grossen Jüdenhof Nr. 1 verlegt und bitte alle Sendungen an mich dorthin zu adressiren. Berlin, s. Okt. 1871. Zh. Messner, _ großer Jüdenhof Nr. 1, pari. Wichtig fit jeden Geschäftsmann und Ges werbsgehilfen! Bei Sturm u. Koppe in Leipzig erschien und ist durch jede Buch- Handlung zu beziehen: Rathgeber für Gewerbtreibende. Inhalt: 1) Deutsche Sprachlehre, zum Selbststudium für diejenigen, welche in der Rechtschreibung nicht ganz sicher sind. 2» Briefsteller, welcher über 400 Briefmuster sowohl für den Gewerksgehilfen als auch für den selbstständigen Geschäftsmann und außerdem alle nur denkbaren Verträge, Documente, Geschäftsanfsäye, Klagschriften ic. enthält, die bei dem Gewerbstande vorkommen. Es ist dadurch jedem Gewerbtreiben- den leicht gemacht, seine schriftlichen Aufsätzenach diesen Mustern selbst anzufertigen. 3) Buchhaltung. 4) Fremdwörterbuch. 5) Samn»- lung von Gelegenheitsgedichten. 6) Die sür Gewerbetreibende wiffenSuöthigstcn norddeutsche» Bundcsgcsesse. 7) Notizen über Gold-, Silber- und Papiergeld, mit Wmhaiigabe des Geldes aller Staaten. 8) Das neue Maass- und GewichtSsystem von Deutschland und allen Staaten der Erde. 9) Brief-, Packet- und Tepeschcn-Portotarif. 10) Statistische Uebersicht aller Länder der Erde, mit Angade der Größe, Einwohnerzahl, Land- und See- macht, Handelsflotie, Ausgaben, Schulden, des Papiergeldes ic. 11) Ortsbeschreibung der vorzügl. Städte von Deutschland, Oester- reich, der Schweiz und den anarenz. Ländern. 12) Reiserouten durch Deutschland, Oesterreich, die Schweiz bis in die Nachbarländer. 2. Aufl Pr. l1/» Thlr. Kann auch in 3 einzelnen Lief, ä 5 Sgr. bezogen werden. (Denjenigen unserer Leser, welche für ein Buch wie das hier ange- zeigte Bedllrfniß haben, können wir den„Rathgeber sür Gewerbtreibende" nur zur Anschaffung empfehlen; er erfüllt in vollem Maße was der Prospekt verspricht. Die Redaktion des„Bolksstaat.") Den Parteigenossen zur Kenntniß, baß die photographische Gruppen- aufnahm«: ver K.ouxre� der sojial'demokratischen Arbeiter-Vartei Veutschlands � � � in Dresden 1871, Preis a Stck. 25, 12'/,. 6 und 2'/, Ngr., pr. Dutzend 8 Thlr., 4 Thlr., 1 Thlr. 24 Ngr. und 20 Ngr., sowie Photographien Änzahl hervorragender Sozialisten k Stck. 10, 5 und l1/, Ngr., a Dtzd. 3 Thlr. 5 Ngr., 1 Thlr. 24 Ngr. und 15 Ngr. Zu benehen sind durch H. Ameling, 4)1 Christianstraße 16, IV, L e ipzig: Verantw. Redakteur W. Liebknecht(Redaktion: Petersstein- weg 13.) Druck u. Verlag F. Thiele(Expedition; PeterSstr. 18.)