M 86. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, Petersstraße 18, F.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AbonueuientSpretS: Für Preußen wcl Stempel- ileuer 16 Rar., für die übrigen deutschen«tasten 12 Stgr. per Quartal. Filialerpeditivn für die Ver- einigten Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. vxaNevyork Organ der so�ial-demokratlschen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschasten. Geschäftsordnung der sozial-demokratischen Arbeiterpartei. Z 1. Die bestehenden Vereinsgesetze in den meisten Staa- len Deutschlands machen es der Partei unmöglich, sich als Mit- gliedschaften an den einzelnen Orten zu konstituiren oder mit bestehenden Lokalvereinen, als: Sozial-demokratische Arbeiter- vereine, Arbeiter-Bildungsvercine:c., in Verbindung zu treten. Demgemäß haben sich die Parteigenossen regelmäßig und zwar, wenn möglich, mindestens wöchentlich ein Mal auf Grund des bestehenden Versammlungsrechtes zu versammeln. § 2. Der Vertrauensmann hat zu diesem Zweck die recht- zeitige polizeiliche Anmeldung der Versammlung zu übernehmen, die Versammlung zu eröffnen und ein Bureau, bestehend aus einem Vorsitzenden und dessen Stellvertreter, einem Schrift- führer und einem Beitragsammler, wählen zu lassen. Die Wahl des Bureaus hat in jeder Versammlung stattzufinden.*) § 3. Jedes Parteimitglied erhält bei seiner Ausnahme eine Mitgliedskarte, das Programm, die Organisation und Ge- schäftsordnung der Partei und des Ausschusses eingehändigt. § 4. Für je 50 Exemplare des Aufnahmematerials haben die Parteigenossen 10 Sgr.— 35-Er, süddeutsch= 125 Centimes an die Parteikasse zu entrichten. tz 5. Alljährlich, und zwar innerhalb vierzehn Tagen nach stattgehabtem Parteikongreß, ist der Vertrauensmann neu zu wählen und zwar mit absoluter Stimmenmehrheit, illame und Adresse des Vertrauensmannes ist innerhalb 8 Tagen nach erfolgter Wahl dem Parteiausschuß anzuzeigen. § 6. Die Mitglieder sind berechtigt, eine Neuwahl des Vertrauensmanns vorzunehmen, wenn derselbe ihrem Vertrauen nicht entsprochen. Von jeder innerhalb des laufenden Geschäfts jahres erfolgten Neuwahl ist dem Ausschuß innerhalb drei Tagen Anzeige zu machen, unter Angabe des Namens und der Adresse des Gewählten. 8 7. Pflicht des Vertrauensmanns ist es, die Partei- steuern nach Ablauf eines jeden Monats und spätestens bis zum 15. des nachfolgenden Monats an den Parteiausschuß ab- zuliefern. Ist die Ablieferung der Steuer bis zu dem ange- gebenen Termin nicht erfolgt, dann kann der Parteiausschuß die säumigen Orte im Parteiorgan veröffentlichen und zur Zah- lung auffordern. § 8. Die Mitglieder an jedem Ort wählen vierteljähr- lich 2 Revisoren, welche die Kassirung und Ablieferung der Parteisteuern zu kontroliren haben. § 9. Zur Deckung der Lokalausgaben können die Mit- glieder an jedein Ort sich eine freiwillige Steuer in beliebiger Höhe auferlegen oder dieselben durch freiwillige Sammlungen decken. Die Parteisteuern sind voll und ganz— es sei denn, daß der Parteisslduß(s. 8- 2 der Organisation) anders beschließt — in der im§ 7 dieser Geschäftsordnung angegebenen Frist abzuführen. 8 10. Alle Briefe, Geld- und Kreuzbandsendungen an die Organe der Partei sind franko einzusenden. Formular jur polyrilichen Anmeldung von parteiver- sammlnngen:**! An das Polizei-Amt zu...... Der Unterzeichnete zeigt hierdurch an, daß er für.... (Vor-, Nachmittag oder Abend),... Uhr, eine Versammlung' der Mitglieder der sozial-demokratischen Arbeiterpartei in das Lokal(Name des Lokals).einberufen hat. Die Tagesordnung bildet:(folgt dieselbe). Ort und Datum. Unterschrift des Anmelders. *) Selbstverständlich können in das Bureau jedesmal dieselben ersonen wieder gewählt werden......... ") Es erscheint für viele Partelgenossen wünfchenswerth, hier »ige kurze Erläuterungen über die Einberusung von Bersammlun- " Eine�Uaubniß der Behörde ist, mit Ausnahme sürVersamm- naen unter freiem Himmel, nirgends nothwendig, sondern mur nfache Anmeldung, wie sie das oben abgedruckte Formular enthalt. ede Versammlung muß mindestens 24 Stunden vorher mit ngabe der Tagesordnung angezeigt werden. Die Anzeige muß außer- m enthalten: den Namen des Lokals, Tag und Stunde der Ber- mmlung. In den meisten deutschen Staaten schreibt das Jersamni- ngsgesey vor. daß der Anmelder resp. Einberu,er der Versammlung ns ä s s ig, d. h. Ortsangehöriger, Bürger oder«chutzverwandter an dem rte sein muß, wo die Versammlung stattfindet. Die Parteigenossen in Preußen thun gut, zwischen der behördlich igemeldeten Zeit und der Zeit der wirklichen Eröffnung der Versamm- ng nicht länger als eine Stunde verstreichen zu lassen. ES ist häufig irgekommen, daß die anwesende Polizei eine Versammlung, welche äter als eine Stunde nach der angemeldeten Zeit begann, als eine otto nnTtiotftrfi_____... f\pfrrtrfuptp llltb 116 »»vv v.,.v UUUf ÜCt UliyCUlClVt"'" i}***—v,».....,— ue, polizeilich nicht angemeldete, Versammlung betrachtete und sie :hot. Ein Ausweg gegen solche Polizeichitane ist, wenn die Ver- nrttiMtt* m-n-n Jit cSLf.Tx» Kp8 Referenten Sammlung eine yniocooeroreivlenet�tunvenacyjoer ossizieu uugcuiu- enZeit zu erössnen, das Bureau wählen zu lassen und dann die Berta- ßg der Verhandlungen aus eine halbe oder ganze Stunde, oder welche it sonst wünschenSwerth ist, auszusprechen. DaS oben abgedruckte Formular kann auch bei Volks- und Arbei- Versammlungen gebraucht werden. Nur ist alsdann an Stelle der orte: Versammlungen der Mitglieder der sozial- demokratischen Ar- terpartei, zusetzen: Volksversammlung, oder: Arbeiterversammlung. i der Titel der Behörde, welche die polizeiliche Anmeldung entgegen- nmt, ein anderer als Polizei-Amt, z. B. Genchtsamt, Bürgermeister- ot, so ist dieser elbstverständlich zu gebrauchen. Politische Uebersicht. Der Berliner„Reichstag" ist endlich„beschlußfähig" I geworden, d. h. jasagfähig; undBismarck wäre gewiß wieder rosiger Laune, wenn nur die vonB ened etti ausgekramte schmutzige Wäsche nicht mehr Seife in Anspruch nähme, als für die glorreichen„5 Milliarden" gekauft werden kann.— Aus Berlin theilt man uns mit:„Or. Gustav Rasch hat gegen das ihn wegen Beleidigung des Generals Vogel v. Falkenstein in Beziehung auf sein Amt verurtheilende Er- kenntniß des Kriininalsenats des Kammergerichts in dem bekann- ten Preßprozesse wegen der Einkerkerungen der Hannoveraner: Staatsminister v. Münchhausen, Or. Eichholz, Or. Oesterley, Or. Weichelt, Advokat Fischer) Pastor Grote und Kaufmann Ringlake in Königsberg uno Pötzen nun die Nichtigkcits- besch werde eingelegt. Zu gleicher Zeit hat sich derselbe, nach- dem er mit demselben Antrage bereits von der Kronanwalt- schaft zu Hannover und vom Kriegsminister aus dem formellen Grunde der Nichtkompetenz abgewiesen worden ist, mit dem An- trage, den General Vogel v. Falkenstein wegen der in Hanno- ver vorgenommenen Einkerkerungen, welche über|btei Monate gedauert hätten, vor ein Kriegsgericht zu stellen, an den Gene- ralauditeur der Armee, Fleck, gewandt, und zwar mit dem besonderen Ersuchen, falls auch er sich nicht für kompetent er- kläre, gegen den ehemaligen General- Gouverneur der Küsten lande vorzugehen, die Eingabe an die kompetente Behörde zu befördern und ihm darüber Mittheiluug zu machen, weil es doch schließlich eine Behörde in Preußen geben müsse, welche kompetent sei, gegen den General Vogel v. Falkenstein eine Untersuchung einzuleiten." Eine solche Behörde gibt es„natürlich" nicht. General Vogel von Falkenstein hat, wie seiner Zeit im Reichstag mit dürren Worten erklärt wurde, seine bekannten Polizeiheldentha- ten im Auftrag desKönigs vonPreußen verübt, durch dessen Autorität er vollständig gedeckt ist. Die Un tersuchung müßte sich also auf den König, jetzigen deutschen Kai- ser, erstrecken, und daß ein preußisches, überhaupt ein deutsches Gericht hierzu„kompetent" sei, wird Or. Gustav Rasch doch nicht glauben.— Zu den vielen Stimmungsberichten aus Elsaß- Loth- ringen die bereits in deutschen Blättern erschienen, bringt der nationalliberale„Fränkische Kurier" noch folgenden: „Lothringen und Elsaß sind wieder in unserer Macht; allein nur diese haben wir bisher errungen, der Zukunft muß es vorbehalten bleiben, uns auch die Herzen der uns leider sehr entfremdeten Bewohner dieserLänder zu gewinnen. Wie die Gesinnungen heute noch sind, scheint eine solche moralische Eroberung allerdings ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Das ganze Volk, und zwar wollen wir hier lediglich von dem Volke in Deutsch-Lothringen sprechen, in dessen Mitte wir nun seit einem Vierteljahre leben und täglich mit allen Schichten derBevölkerung verkehren, i st mitAb scheu gegen alles Deutsche erfüllt.-- In der Stadt Metz hat es den An- schein, als ob hier eine kältere und unbefangenere Beurtheilung der gegenwärtigen Lage Platz gewinnen wollte. Von dort sind wohl ungefähr 20,000 Einwohner und zwar meistens die reichen und unabhängigen Familien nach Frankreich aus- gewandert, so daß die Einwohnerzahl ohne Militär zur Zeit nur noch 32,000 Seelen beträgt. Der bürgerliche Mittel- stand, den seine Geschäfte und Arbeiten an ein Bleiben binden, ist jedoch geblieben, und in dieser Klasse tritt zuerst wieder eine etwas besonnenere Haltung an den Tag. Handel und Industrie fangen an sich zu regen. Einen Hauptantheil an diesem Umschwung zum Besseren trägt die Wiederübernahme der städtischen Verwaltung durch die Bürgerschaft selbst, sowie die Wiedereröffnung der Thätigkeit der ordentlichen Gerichte und des Handelsgerichts, jvelche seit länger als einem Jahre durch das s ch u l d h a f t e*>' Imstichlassen der französischen Richter geruht hatte.— Von alledem wird man jedoch auf dem Lande Nichts gewahr. Wiewohl auch hier seit längerer Zeit die Bc- Hörden und Gerichte ihre Wirksamkeit in wahrhaft auf- opfernder(!) und zuvorkommender(!) Weise entwickeln, verharrt das Volk, hoch und niedrig, in einem schweigsamen Widerstande. Der Deutsche, bis jetzt meistens nur Beamte, steht hier verlassen und allein; wo mehrere sich befinden, ist die Lage etwas besser, weil sich dieselben doch einigermaßen an einander anschließen können. Aber im Ganzen und Großen hat aller gesellige Geist, der früher hier herrschte, sein Ende gefunden.— Die Gewerbsleute und Bauern gehen wohl ruhig ihren Geschäften und Arbeiten nach, jedocb sie sinnen auch darauf, ihre Produkte den Deutschen um vielfach höhere Preise auf- zudrängen, als sie von ihren Landsleuten fordern: namentlich gilt dies von den Gastwirthen. In den Gegenden der Schlacht- selber, die sehr zahlreich von den Deutschen besucht werden, hat diese Ueberbietung der Preise geradezu das höchste Maß erreicht.— Sehr schlimm ist es insbesondere, daß die Geist- lichen, Notare, Gerichtsschreiber und Gerichtsvollzieher, die ineistens Alle aus ganz enragirten Franzosen Gestehen, sowie die vielen von der deutschen Regierung aus Luxemburg(wohl •) Verleumdung! Die elsäß'schen Richter haben sich während der Okkupation nach dem 4. September»ur deshalb geweigert, ihr Amt auszuüben, weil die preußische Regierung sie zwingen wollte,„im Namen des ftanzösischen Kaisers"(statt„im Namen der Republik") Recht zu sprechen. D. Red. d. V. der Kenntniß der französischen Sprache wegen) herbeigezogenen Unterbeamten sich alle Mühe zu geben scheinen, den Haß gegen alles Deutsche bei jeder'Gelegenheit zu nähren und zu schüren. — Bessert sich diese Stimmung in Lothringen nicht bis zum Wiederbeginn des vom ganzen hiesigen Volke, hoch und niedrig, reich und arm, von Neuem herbeigesehnten Krieges zwischen Deutschland und Frankreich, so ist sicher, daß dasselbe in einem solchen— übrigens nach unserer Ansicht in weiter Ferne liegen- den— Falle nur durch eine starke militärische Macht in Ruhe gehalten werden kann". Kurz, die Dinge stehen genau so, wie jeder vernünftige Mensch voraussehen mußte und wie die Sozialdemokratie voraus gesagt hat. Um es nicht voraus zu sehen, dazu gehörte eben die—„Genialität" eines„großen Staatsmannes."— Die Brüsseler„Liberi" erhielt vorige Woche aus Paris folgendes Schreiben: „Im Laufe des Monats Juni d. I. ging der Bürger Clam.ousse, Maschinenbauer, die Faubourg-du- Teniple- Straße entlang, als er von Polizisten verhaftet wurde— auf die Denunziation eines gewissen Terra i l hin, der sich„Schrift- steller" nennt. Dieser„Schriftsteller" Terrail klagte den Bür- ger Clamousse an, ihn unter der Kommune verhaftet zu haben. Clamousse, auf die Polizeipräfektur geschleppt, ward von da nach Versailles gebracht und vergangenen Freitag vor ein Kriegs- gericht gestellt— in dem irgend ein beliebiger Boisdemetz oder Merlin präsidirte und ein Gaveau assistirte— unter der Anklage der„Anmaßung von Aemtern und willkürlicher Seque- stration." Die Anklage unter 1) ward fallen gelassen; wegen 2) aber wurde Clamousse zu 10 Jahren Zwangsarbeit verurtheilt. Clamousse war i» der republikanisch-sozialistischen Partei mit Recht geachtet und geehrt; seine Hingebung an unsere Sache war unvermeidlich. Der„Schriftsteller" Terrail, sein Denunziant, spielte unter dem Kaiserreich die Rolle eines ageat provocateur. In seinem gerichtlichen Personalkonto figuriren mehrere unehrenhafte Verurtheilungen, darunter eine wegen Nothzucht. In der Person dieses Subjektes haben die Herren vom Kriegsgericht„die verletzte individuelle Freiheit" rächen wollen! Wie, Ihr Herren Militärs, konnte das Wort„indi- viduelle Freiheit" Euch über die Lippen kommen, ohne daß Ihr vor Scham roth wurdet? Ihr habt wohl die Pontons und dm Mai 71 vergessen? Wir nicht. Morean, Delegirter im 10. Bezirk."— Die„Neuen Bahnen", Organ des allgemeinen deuffchen Frauenvercins, schreiben:„Noch vor dem Ende dieses Jahres wird das Stimmrecht der Frauen in zwei Staaten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, in Utah und Nebraska, zur Ausübung gelangen. Die Frauen von Utah werden auf Grund einer Akte ihrer territorialen Gesetzgebung stimmen. Bereits im letzten Frühjahr haben mehrere von ihnen ihre Stimmen abgegeben, und es hat jetzt den Anschein, als ob sich der größere Theil derselben an den bevorstehenden Wahlen betheiligen würde. Da in Utah gerade jetzt eine starke Spal- tung zwischen den Anhängern der Vielweiberei und deren Geg- nern ausgebrochen ist, hat die bevorstehende Abstimmung der Frauen auch eine soziale Bedeutung, obschon dieselbe durch die starke Beeinflussung seitens beider mit Hochdruck arbeitenden politischen Parteimaschinen nur wenig zur wahren Geltung kommen dürste.— In der neuen Konstitution von Nebraska ist ein Artikel bezüglich des Frauenstimmrechls enthalten, über den das Volk des Staates im nächsten Herbst abstimmen soll. In einer besondern Clausel dieses Artikels ist bestimmt, daß Männer und Frauen über die Frage der Annahme oder Ver- werfung des Stimmrechts der Frauen entscheiden sollen, daß die Stimmen der Männer und Frauen in besondere Ssimmkasten gethan werden sollen, und daß der Artikel dann erst ein Theil der Konstitution wird, wenn er die Majorität der Stimmen jedes Geschlechts erhält. Das ist wieder so ein künstliches Aus- kunftsmittel, durch welches die„Herren der Schöpfung" über die immer mächtiger drängende Frage hinwegkommen wollen. Seiner Natur nach ist es unpraktisch und ungerecht. Ungerecht gegen die Frauen, da es einer Majorität der Männer die Bcfugniß einräumt, die Frauen von den politischen Rechten auszuschließen, selbst wenn deren Majorität das Gegentheil will. Ungerecht aber auch gegen die Männer, da die Majorität der Fraum be- 'chließen kann, am polisischen Leben nicht theilzunehmen, selbst wenn eine Majorität der Männer ihre Mitwirkung für durch- aus nothwendig erachtete. Auf diesem Wege wird die Frage kaum gerecht gelöst werden." In den Spanischen Cortes dauert die Debatte über die Internationale fort. In der Sitzung vom 19. d. erklärte C a st e l a r, Ätamens der republikanischen Partei,„daß dieselbe(die republikanische Partei) keineswegs mit den Doktrinen der internationalen solidarisch verbunden sei, daß sie aber die Legalität der Propaganda und Organisation der- elben anerkenne und unterstütze. Die Internationale u in England nicht verboten und rufe dort keine Konflikte hervor, jede Verfolgung werde aber zu ähultche« Kata- lrophcu führe«, wie die vou Paris. Die soziale« Frage« ersticken statt sie z« diskutire«, hiesze die Au- ternationale z« einer geheimen Gesellschaft«lachen und an die Stelle gesetzlicher Schritte revolutionäre „Barbarei" der Kommunisten (Für den„Volksstaat" übersetzt aus Nr. 1 der Bergeret'schen Wochen- schrist:„Der 18. März.") Es war am Tag vor der Räumung des Forts Jssy, beim Einbruch der Nacht. Von der Seite der Laufgräben waren die Versailler nur in sehr schwacher Entfernung, im Fort blieb nur eine kleine Anzahl Föderirten zurück. In einer Kasematte war ein Versailler Soldat eingeschlossen, ein Kriegsgefangener, welcher nun aus allen Kräften zu schreien anfing, um den Be- lagerern zu erkennen zu geben, daß sie, da das Fort keine Vertheidiger mehr habe, ohne Furcht vorgehen könnten. Da dieser Mensch sich sehr exaltirt zeigte und durchaus nicht stille sein wollte, faßte man den Entschluß, ihn— um ihn Vicht jtt fllsiltren— in eine andere Kasematte zu tragen, wo man die Todten hingelegt hatte. Am andern Morgen, als man glauben konnte, daß die Jsolirung und die Furcht sein stürmisches Rasen gezähmt hätten, kam ein Föderirten-Offizier mit einigen Mann, um ihn wo anders hingehen zu lassen. Aber kaum hatte dieser Offizier die Thür geöffnet, als der Gefangene sich wie ein wildes Thier auf ihn warf und ihn mit den Zähnen das letzte Glied des Zeigefingers an der rechten Hand abbiß. Man knebelte den Rasenden und— krümmte ihm kein Haar. Im Laufe dieses Tages machten sich die letzten Kommuna- listen, die im Fort geblieben waren, aus demselben, mit sich führend jenen gefährlichen Genossen, den sie nicht glaubten umbringen zu dürfen. Er hat ohne Zweifel in diesem Augenblick wieder Dienst bei der Ordnungsarmee genommen, wo er— wie sich das von selbst versteht— die Besiegten als„Banditen" traktirt— in militärischer Ausdrucksweise. Diese durch einen Augenzeugen von tadelloser Ehrbarkeit, welche in den Reihen der Kommunalisten stand, berichtete That- fache, ist nicht die einzige, welche die maßlose Langmuth der Vertheidiger von Paris und ihren fast abergläubischen Respekt vor dem menschlichen Leben bezeugt. Je nachdem die Gelegen- heit sich bietet, werden wir davon mehr erzählen; aber das Folgende ist von so merkwürdigen Umständen begleitet, daß wir glauben, es als besonders bezeichnend anführen zu müssen: Es ist bekannt, daß die Versailler, als sie in Paris ein- zogen, 37 Aerzte süfilirt haben, welche ihre Pflege den Ver- mundeten der Kommune angedeihen ließen.*) Man klagte dieselben natürlich an, Schüsse abgefeuert zu haben. 150 Andere, welche nur von ihren chirurchischen Messern Gebrauch gemacht zu haben schienen, wurden nach Versailles geschleppt, mit entblößtem Haupt bei glühender Hitze, die Hände auf den Rücken gebunden. — Es ist wahr, daß die Kommunalisten ihrerseits im letzten Augenblick als Repressalie, nach zweimonatlicher vergeblicher Som- mation(Warnung), 20 Priester, die als Geißeln gefangen gehalten wurden, füsilirt haben. Die bestehenden Kriegsgesetze sind nun ein- mal eine äura lex(hartes Gesetz). Nur darf man nicht aus den Augen verlieren, daß das Heil der Seele unendlich kost- barer ist, als das des Körpers. Das erklärt, warum die öffentliche Meinung Europa's Diejenigen, welche die 20 Priester füsilirt haben, als Verbrecher verabscheut, während sie im Gegentheil Diejenigen, welche die 27 Aerzte getödtet haben, als tadellose Leute betrachtet. Nach einem der ersten Gefechte mit den Bersaillern fand ein Augenzeuge, für dessen Wahrheitsliebe wir einstehen können, auf dem Wege von Rond Point nach Colombes die Leichen von ungefähr 60 Mann die Hände auf den Rücken gebunden und vom Feinde erschossen. Es ist eine bewiesene Thatsache: Die Belagerer haben, vom Beginn der Belagerung an, die einfachsten Gesetze der Humanität verletzt,— eine Handlungsweise, welche offenbar — nach den alten und modernen Kriegsgebräuchen— zu den schrecklichsten Repressalien berechtigt.— Man erinnert sich ohne Zweifel an die allgemeine Auf- regung, welche, während der zweiten Belagerung, die(von den Bersaillern schamlos geleugnete) Geschichte von jener Ambulanz- Wärterin des 4. Bezirks in Paris erregte, welche von der Ordnungssoldateska gefangen, geschändet und getödtet worden war. Man weiß ferner, daß die Versailler in der Regel die Marketenderinnen der Föderirten-Bataillone füsilirt haben, wenn sie in ihre Hände fielen. Erwähnen wir zum Andenken die, welche sich in der Kirche von Belleville befand, auf den Buttes Chaumont, wo 160 Pariser sich auf Gnade oder Ungnade den Siegern ergeben mußten I Im 8., 9. und 1. Stadt-Bezirk, den Ordnungsvierteln, ließen die Versailler Alles, was als republikanisch be- zeichnet ward, über die Klinge springen; die in den Häusern arretirten Frauen wurden nach dem Vendomeplatz ge- führt, und dort entkleidet, geschändet und massakrirt. Diese Thatsachen, welche wir anfänglich nicht glauben wollten und die jman für Entlehnungen aus den barbarischsten Erinnerungen eines andern Zeitalters— des Zeitalters der Raubritter und Lanzknechte— halten könnte, sind uns von einem Soldaten der Versailler Armee bezeugt worden, einem vor diesen Schreck- nissen schaudernden Zeugen. Einige Hinrichtungen von Frauen waren von Umständen begleite:, die notirt werden müssen. Hierher gehört die ganz authentische Geschichte jener Unglücklichen, welche von den Soldaten in der Straße Faubourg St. Denis, nicht weit vom Nord- bahnhof, ergriffen worden war. Sie wurde ihrer Kleider beraubt, rücklings zu Boden gestürzt, mit Füßen getreten, mit Stie- felabsätzen auf denLeib getrampelt und dann in einen Wagen geworfen, um am Nordbahnhof füsilirt zu werden. Und diese Thatsache ist keine Ausnahme. Sie wieder- holt sich— mit Abänderungen— an mehreren Punkten von Paris, namentlich im ZurUin des iWanteiä. Von allen Symptomen ist aber das ominöseste, wenn man Bataillone im Unterrock, wie die apokalyptischen Heuschrecken des jüngsten Tages, sich erheben und in den sozialen Kampf werfen sieht. Die Frau ist durch ihre physische und moralische Natur bestimmt, sich im engen Cirkel des häuslichen Herdes zu halten; wenn es aber geschieht, daß sie diesen Cirkel durch- bricht, dann könnt Ihr sicher sein, daß sie es nicht aus freien Stücken oder aus Zufall thut. Daß sie dazu ge- langt sind, sich für Fragen von allgemeinem Interesse fanatisirt zu zeigen,— dazu bedurfte es nichts weniger als eines unmittel- *) Von der Wattin eines dieser 37 unpolitischen Märtyrer eines edlen VerusS stehen uns nähere Berichte in Aussicht. Red. d. B. baren Widerhalls(und so zu sagen eines heftigen Ausbruchs) dieser selben Fragen im Heiligthum der Familie: des un- möglich gemachten Haushalts. Denn, nur dann, er- heben sich die Frauen wie wahnsinnig, wie Löwinnen, dmen ihr die Jungen getödtet. Das ist es, was wir gesehen haben. Ihr nennt sie„Furien". Aber die Gesellschaft, welche diese leidenden Geschöpfe zu„Furien" gemacht hat, und welche sie mitleidslos verstößt, ist selber verurtheilt— unwiderruflich und durch diese Thatsache selber— in den Augen der Economisten und der Denker. Alle Lügen, in die sie sich hüllt, alle Fiktionen,(Einbildungen), mit denen sie sich ziert, alle Spitzfindigkeiten der Lobredner, die ein Interesse daran haben, sie zu vertheidizen,— können ihr da nichts helfen. Da unten existirt mit Nothwendigkeit eine tiefe Ver- dorbenheit, mehr oder weniger heuchlerisch, welche heimlich Alles untergräbt und minirt, was es in der sozialen Wirklichkeit Heiliges und Wahrhaftiges giebt. Das ist ein unzweifelhafter Beweis, daß die Familie selbst schmachvoll geschändet ist— geschändet der Herd, geschändet das Ehebett, geschändet die Wiege, geschändet das Grab. Es ist nicht nöthig, die ver- borgene Ursache davon zu bezeichnen; man kann mit Sicherheit laut verkllnden: Wenn einmal die Frauen, wie die alten Belledas, ihre Verwünschung über eine Gesellschaft ausgesprochen haben— dann bricht sie zusammen. Wenn die Fackeln der„Petroleusen"— falls es solche gegeben Hut— das Feuer angelegt haben, dann ist eine Gesellschaft verloren; das darf sie sich nicht verhehlen. Wir haben soeben jenes Phänomen (Erscheinung) sich entwickeln sehen, als Vorläufer des unauf- haltsamen Jüngsten Gerichts auf Erden, wir haben es vor den Augen der erschreckten Welt sich entwickeln sehen, in bis dahin unerhörten Maßstabe. In dieser feierlichen(fasticziie) Revolution des 18. März, wo Alles neu scheint, haben wir die Frauen in die Straße hinabgehen sehen, die Nadel mit dem Chassepot zu vertauschen und in bewaffneten Banden pro natis et focis(für Kind und Herd) kämpfen sehen, mit einer wilden Energie, wilder, wie das natürlich war, als die der Männer. So geschah es, daß im Madeleine-Viertel eine Barrikade ausschließlich von Frauen gebaut und vertheidigt wurde. So etwas ist noch nie gesehen worden. Angesichts solcher Symptome(Anzeichen) ist es das Dümmste von der Welt— und gleichwohl hat man's gethan—, außer sich zu gerathen, anstatt zu begreifen. Ihr habt gut„das liederliche Gesindel peitschen",— wie Eure„anständigen" Journale Euch rathen— oder gar sie Dutzend- und Hundertweise füstliren— wie die Versailler Helden gethan haben—; Ihr werdet nichts ausrichten. .ÄpProdyie oder Marie, Nemesis oder Tisyphone— wie Ihr sie nennen wollt,— die weiblicheGottheit hat ge- sprachen. Ihr werdet sie nicht ungestraft miß- achten.— Die soziale Frage vor dem Lausanuer Friedens- und Freihcitskongreß. (Fortsetzung.) Die Sitzung vom 27. wurde mir der Vorlesung von Briefen und Zustimmungserklärungen eröffnet. Namentlich Italien war dabei stark vertreten. In fast allen, größeren Städten Italien« haben sich Gesellschaften unter verschiedenen Namen gebildet, um in corpore der Nga anzugehören. Aus Oentschland wurde eine im Auftrag Johann I a c o b y' s geschriebene Zustimmungserklärung»erlesen und mit großem Applaus ausgenommen; ferner Briefe von Guido Weiß, von 16 Bürgern aus Pforzheim, von Bebel und Liebknecht. Letztere sprechen die Hoffnung aus, der Kongreß iverde sich nach und nach ihren Ideen nähern. Sodann folgt die FoNsetzung der Debatte über die Anträge zur sozialen Frage. Zuerst erhält das Wort Paula Mink. Es ist das eine Daine polnischer Abstammung, aber in Frankreich geboren, klein, unansehnlich, mit ächt slavischen Zügen, und wildem, aufgelöstem schwarzen Haare. Sie entwickelt in freier Rede ein oratorisches Talent, das die ganze Versammlung in Erstaunen setzte und Manchen zu Thränen rührte. Sie schilderte die Leiden von Paris nach der Eroberung durch die Ver- sailler, erzählte aus eigener Anschauung, wie Kinoer und Greise ge- mordet worden seien und suchte die Thaten der Kommune zu recht- Artigen. Sie erwies sich als eine genaue Kennerin der verschiedenen ozialen Systeme, trat für die Frauenemanzipalion und endlich für die Internationale, als für die Zufluchtsstätte aller Unterdrückten, leb- Haft ein, und beantragte schließlich, der Kongreß wolle: 1) mit Eni- chiedenheit gegen die bcabsichliglen Maßregeln gegen die Internationale Ich aussprechen; 2) im Namen der Menschlichkeit und Gerechligkeil die Massacres der Versailler brandmarken. Die Rede dieses weiblichen Apostels der Kommune wurde häufig von Beifall unterbrochen, stieß auch manchmal au; Widerspruch. Allgemein aber wurde der großen Begabung, der glühenden Begeisterung der Rednerin Anerkennung ge- zollt, deren mächtiges und modulalionssähiges Organ lebhaft an die Schauspielerin Rachel erinnerte. Der erste Antrag Paula Mink's, für welchen schon am Tage vor- her mehrere Redner aufgetreten waren, wurde vom Komitee in einer etwas modisicirten Fassung adopiirt. Gegen den zweiten erhoben sich schwere Bedenken.„Wir sind nicht da, um Geschichte zu machen", rief Ludwig Simon von Trier.„Die Geschichte der Kommune ist noch nicht gefchrieben, der Kongreß kann darüber noch kein Urtheil abgeben." Lemonnier erklärte nach einer kurzen Pause, daß das Centralkomiiee nahezu einstimmig folgende Resolution vorschlage: „Der Kongreß, treu seinen Prinzipten, verurtheilt energisch im Namen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit die Mord- thaten und Hinrichtungen, deren Schauplatz Paris war, unter welcher Fahne sie auch geschehen sein mögen." Frau de Losme aus Marseille verliest eine Berurtheilung der gegenwärtigen französischen After-Republik in Versen. Rigondaud(Paris) für die Anträge von Paula Mink in ihrer ursprünglichen Fassung. Nach ihm erscheint auf der Tribüne G aillard- pöre, Mitglied der Kommune. Er trägt eine große Cocarde im Knopstoche. Von der Tribüne rujt man wiederholt:„Nieder mit der rochen Eocardel Zur Thür hinaus u. s. w." Der Präsident hat Mühe, die Ruhe wieder herzustellen. Der Redner erzählt, daß er schon privatim in einem Kaffeehause wegen seiner Cocarde insultirt worden sei, hält den Schweizern deshalb eine Strafrede, erklärt sich dann als Kommunist und sür den„Krieg bis auss Messer". Seine Ausführungen rufen häufig lebhaften Widerspruch hervor. Am höchsten steigt jedoch die Aufregung, als Marchand(Paris) nicht nur die Thaten der Kommune, sondern auch die Hinrichtung der Geißeln„aus Gründen der öffentlichen Wohl- fahrt" in Schutz zu nehmen wagt.s!) Die Erschießung Ehaud ey's soll da- mit entschuldigt werden, daß Ehaudey am 31. Oktober 1876 aus das Volk habe feuern lassen. Bei der Erwähnung Ehaudey's, des Mitbegründers der Liga, wird die Opposition so stark, daß der Präsident dem Redner das Wort entziehen inuß. Es wird sodann zur Abstimmung geschritten und der Antrag Mink's aus einseitiges!) Berurtheilung der Versailler abgelehnt, und der Antrag der Kvmmijstonangeiiommen. So weit der Bericht. Natürlich fällt es uns nicht ein, den ganzen Kongreß für das Benehmen und die Aenßerungen einzelner Theilnehmer verantwortlich machen zu wollen. Wir hallen uns deßhalv bloß an den Beschluß, der mit Bezug auf die Kominune gefaßt worden ist, und für den die g r o ß e Meh r- zahlder Mitglieder gestimmt hat. Dieser Beschluß spiegelt so recht deutlich die Confusion und Halbheit der Majorität wieder Ganz unbekümmert darum, daß der Kampf zwischen Versailles und Paris den Kampf zwischen zwei einander diametral ent- gengesetzten Prinzipien bedeutete, wird Versailles und Paris in einen Topf geworfen, der Prinzipienkampf eskamotirt, und ein süßlicher Humanitätsbrei an die Stelle gesetzt, welcher„im Namen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit" die häßlichen sozialen Gegensätze verkleistern soll. Durch diesen Beschluß hat die Friedens- und Freiheitsliga sich gerichtet: Indem sie erklärt, an dem einzig ernsthaften Kampf der Gegenwart— sei es aus welchen Motiven— keinen Anrheil nehmen zu können, verzichtet sie überhaupt auf die Prätension, eine ernst- hafte politische Gesellschaft zu sein. Was nun schließlich die theoretischen Verhandlungen über die soziale Frage betrifft, so waren sie genau so, wie sich von einer Gesellschaft erwarten läßt, deren Mehrzahl einen Be- schluß vom Caliber des obigen zu fassen kapabcl ist. Das Lemonnier'sche Referat zeugt von einer so gründlichen Abwesen- heit der einfachsten ökonomischen und historischen Kenntnisse und von einer so glühenden Verachtung für folgerichtiges(logisches) Denken, daß selbst ein Hirsch- Dunker'scher Arbeiterkongreß den Kopf dazu geschüttelt haben würde. Dem Reich der höheren Komik gehört der Hodgson-Pratt'sche Vorschlag an, dem Klassenkamps dadurch die Spitze abzubrechen, daß man„Internationale"(natürlich nicht Friedensligler) und Kapitalisten gemeinschaftlich k neipen läßt— also Lösung der sozialen Frage durch Brand/ and water*)— was wenigstens gemüthlicher ist als die Lösung mit Blut und Eisen und — ganz im Geist der Friedens- und Freiheitsliga. Der einzige Sprecher, welcher sich über das Niveau der geschwollenen Phrase oder des plattesten Dilettantismus erhob, war Sonnemann, mit dessen Ausführungen und Konklusiv- neu wir uns nun kurz beschäftigen wollen. (Schluß folgt.) Die Maderarbeit in Deutschland. Berlin, 11. Oktober. Unsere politischen Gegner werfen uns so oft die„Mißachtung der Gesetze" vor, oaß es sich wohl einmal verlohnt, sie auf einen Punkt hinzuweisen, wo nicht unsererseits die Gesetze auf's Schamloseste mit Füßen ge- treien werden. Bekanntlich war die Arbeiterpartei, als die norddeutsche Gewerbeordnung gemacht wurde, darüber nicht einig, ob sie dabei mitwirken und für die Arbeiter günstige Amendements stellen, oder aber, im Hinblick auf die moralische und intellektuelle Unfähigkeit der norddeutschen Regierung zur Durchführung einer zeilgemäßen Fabrikgesetzgebung, ihre Hände davon lassen solle. Die Zeit hat gelehrt, daß die letztere Meinung die richtige war: aus der Art, wie die wenigen und laxen Bestimmungen des Gesetzes in der Praxis gehandhabt oder nicht gehandhabt werden, kann man schließen� was ein besseres oder schärferes Gesetz für einen Effekt gemacht haben würde. Die norddeutsche Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869 enthält auch eine Anzahl von Vorschriften über die Beschäf- tigung von Kindern und jugendlichen Personen in denFabriken. Unter Anderem heißt es da: „§ 128. Kinder unter zwölf Jahren dürfen in Fabriken zu einer regelmäßigen Beschäftigung nicht angenommen werden. Vor vollendetem vierzehnten Lebensjahre dürfen Kinder in Fabriken nur dann beschäftigt werden, wenn sie täglich einen mindestens dreistündigen Schulunterricht in einer von der höheren Verwaltungsbehörde genehmigten Schule erhalten. Ihre Be- schäfligung darf sechs Stunden täglich nicht übersteigen. Junge Leute, welche das vierzehnte Lebensjahr zurückge- legt haben, dürfen vor vollendetem sechszehnten Lebensjahre in Fabriken nicht über zehn Stunden täglich beschäftigt werden. Auch für diese jugendlichen Arbeiter kann durch die Centralbe- hörde die zulässige Arbeits.muer bis auf sechs Stunden täglich für den Fall eingeschränkt werden, daß dieselben nach den be- sonderen in einzelnen Theilen des Bundesgebiets bestehenden Schuleinrichtungen noch im schulpflichtigen Alter sich befinden. Die Ortspolizeibehörde ist befugt, eine Verlängerung dieser Arbeitszeiten um höchstens eine Stunde und auf höch- stens vier Wochen dann zu gestatten, wenn Naturereignisse oder Unglücksfälle den regelmäßigen Geschäftsbetrieb in der Fabrik unterbrochen und ein vermehrtes Arbeitsbedürfniß her- beigeführt haben." „§ 129. Zwischen den Arbeitsstunden muß den fügend- lichen Arbeitern(§ 128) Vor- und Nachmittags eine Pause von einer halben Stunde und Mittags eine ganze Freistunde, und zwar jedesmal auch Bewegung in der freien Luft ge- währt werden. Die Arbeitsstunden dürfen nicht vor Uhr Morgens beginnen und nicht über S1� Uhr Abends dauern. An Sonn- und Feiertagen, sowie während der von dem ordentlichen Seelsorger für den Katechumenen- und Confirman- den-Unterricht bestimmten Stunden dürfen jugendliche Arbeiter nicht beschäftigt werden." „§ 133. Sollte durch die Ausführung der Bestimmun- gen der W 128 und 129 bereits bestehenden gewerblichen An- stalten die nöthige Arbeitstraft entzogen werden, so ist die Centralbehörde befugt, auf bestimmteZeit, jedoch höchstens ei» Jahr, Ausnahmevorschriften zu erlassen. In Betreff der beim Inkrafttreten dieses Gesetzes bereits beschäftigten jugendlichen Arbeiter ist die im ij 130 vorgeschriebene Anzeige bei der Ortspolizeibehörde binnen vier Wochen zu bewirken." Der Abgeordnete Braun sprach bei der Berathung der Gewerbeordnung die Ueberzeugung aus, daß dieselbe, auch ohne spezielle Fabritinspekloren„kein Stück Papier bleiben werde." Und nun gehe er mit uns in irgend eine Fabrikftadt und sehe sich um! Kinder unter 12 Jahren verbietet das Gesetz den Fa- brikanten. Viele Fabrikanten beschäftigen mehr Kinder unter 12, als über 12 Jahren, viele sogar ausschließlich Kinder unter 12 Jahren! Kinder von 11, 10, 9, 8, 7, ja 6 Jahren!! Die Kinder über 12 Jahren stellt das Gesetz den Fabri- kanten nur 6 Stunden täglich zur Verfügung. DieFabri- kanten, von anerkennenswerlhen Ausnahmen abgesehen, lassen *)„Cognac und Wasser",«in englisches LieblingSgetränk. die Kinder über, als die unter 12 Jahren nicht sechs, sondern 9, 10, ja 11, 12 und noch Mehr Stunden arbeiten! Die Kinder sollen täglich 3 Stunden Schulunterricht haben, sagt das Gesetz. In gewissen Orten haben sich Fa- bnkanten des Elementarschulwesens bemächtigt und dahin ge- wirkt, daß die Kinder, statt 3 nur 2 und noch weniger Stunden durchschnittlicher Schulzeit haben. Die Ferien kommen natürlich nicht den Kindern, sondern den Fabrikanten zu Gute. Knaben und Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren sollen täglich nur 10 Stunden beschäftigt werden, sagt das Gesetz. Diese Bestimmung ist vielen Fabrikanten ganz unbekannt. Die Kinder arbeiten nicht 10, sondern 14 und noch mehr Stunden! Die Vor- und Nachmittagspausen sollen j e Vs Stunde dauern, sagt das Gesetz. Viele Fabrikanten geben noch nicht einmal im Ganzen eine halbe Stunde! Vor �6 Uhr früh und nach �9 Uhr Abends darf nicht gearbeitet werden, sagt das Gesetz. Viele Fabrikanten lassen um 5 Uhr, viele aber schon um 1ji6 Uhr anfangen, und be- strafen zu spät Kommende!! Viele arbeiten bis 9 Uhr und länger. Am Sonntag darf der Fabrikant Personen unter 16 Jahren nicht arbeiten lassen, sagt das Gesetz. Mit polizei- licher Erlaubniß darf er nur Erwachsene des Sonntags be- schäftigen. Viele Fabrikanten verstehen das Gesetz so, daß sie eine polizeiliche Erlaubniß gar nicht einholen, und nicht blos Erwachsene, sondern auch jugendliche Personen, und nicht blos diese, sondern auch die kleinen Kinder, des Sonntags 7, 8 und noch mehr Stunden zu beschäftigen. Wir könnten noch eine ganze Reihe von Bestimmun- gen des Gewerbegesetzes aufführen, die ebenso, wie die obigen, als gar nicht vorhanden geachtet werden; wir behalten uns diese Arbeit für ein anderes Mal vor. Wo bleiben aber die Behörden gegenüber dieser offen- baren und unverschämten, in ganz Deutschland vorhandenen, in Sachsen am schamlosesten betriebenen Verhöhnung der Ge- setze? Sie sehen zu und thun nichts dagegen, oder sie sehen nicht, was alle anderen Leute sehen. In dem einen Falle sind sie unfähig, im andern gewissenlos und, als Hehler, schlimmer denn die Stehler der Arbeitskraft. Wir haben keine Hoffnung, daß das Gesetz, das von vornherein schon durch den Mangel an Ausführungsmitteln und die tragikomische Milde der Strafen seine Nichtdurchführung dekretirt hat, zur Wahrheit werde. Aber wir lvollten einmal der Welt zeigen, daß es keine Wahrheit ist. Es wird der Roth des Volkes keine Rechnung getragen werden, bis dieses seine Gesetze selbst macht. Schlechter wird es sie nicht machen können und wirkungsloser werden sie nicht bleiben, als die parlamentarischen Fabrikate, die trotz Braun's Emphase doch oft Papier bleiben! Karl Hirsch. Der sozial-demokratische Kougretz in Dresden. Bracke's Referat über das Haftpflichtgesetz. (Nach dem stenographischen Bericht.) Bracke: Bürger! Daß unser Reichstag die Interessen der Arbei- f.m,.'et letzte» Session, wie überhaupt seit seinem Bestehen, nicht sonderlich gepflegt hat, darüber sind wir alle zusammen einig. Heute isi mir die Ausgabe geworden, an einem besonderen Gesetze, von dem 1« gesagt wurde, es sei im Interesse der Arbeiter erlassen worden, nachzuweisen, wie der Reichstag gerade bei einem solchen specifisch für die Arbeiter berechneten Gesetze' gar keine Ahnung von dem gehabt hat, was eigentlich seine Pflicht gegenüber der großen Menge des Bot- les, was speziell bei diesem Gesetze seine entschiedene Pflicht gewesen wäre. Sie werden im Verlaufe meines Vortrags sogar finden, Bürger,— und ich bitte Sie, das ja zu beachten—, daß der Reichstag das Gesetz wie es von der Regierung vorgelegt wurde, noch entschieden verschlech- tert hat. Der Reichstag hat einen Paragraph in dies neue Gesetz hineingeschoben, der in der Regierungsvorlage nicht vorkommt, einen Paragraph, der das ganze Gesetz für die Arbeiter zn einem Gesetze macht, das ihre Interessen in der allermangelhafiesten Weise befriedigt, ja, der die wenigen Wohlthaten des Gesetzes geradezu wieder aushebt. Es ist der bekannte 8 4, und ich werde mir nachher erlauben, Ihnen, m. H., die Bedeutung dieses Paragraphen in seinem vollen Umfange klar zu machen. Daß dies Gesetz über die Haftpflicht im Allgemeinen von keiner Seite eine vollständige Billigung gefunden hat, das, meine Herren, will ich mir so im Vorbeigehen bemerken; denn ob die Herren National- liberalen und Reaktionäre das Gesetz des Reichstaas billigen oder nicht, has, m. H., kann uns am Ende ziemlich gleichgültig sein; wenn aber sii solchem Falle, wo wir die entschiedenste Ursache haben, uns von einem derartig erlassenen Gesetze nicht befriedigt zu erklären,— wenn wir tzaim auch mit den Nalionalliberalen, auch mit andern Parteien über- einstimmen, dann, m. H., können wir immerhin Akt davon nehmen. Betrachten wir uns das vom Reichstage erlassene Haftpflichtgesetz, "r H., so müssen wir anerkennen, daß gegenüber einem bestimmten Industriezweige, nämlich gegenüber den Eisenbahnen, die Vcrpflich- -ung zum Schadenersatz bei eintretenden Unglücksfällen, bei Beschädi- S»ng«n einer Person, bei Tödtungen, das Gesetz ein vollständig be- friedigendes genannt werden muß; denn wenn Sie den z 1, wel- cher folgenden Wortlaut hat:„Wenn beim Betriebe einer Eisenbahn em Mensch getödtet oder körperlich verletzt wird, so haftet der Betriebs- Unternehmer für den dadurch entstandenen Schaden, sosern er nicht be- chsist, daß der Unglücksfall durch höhere Gewalt oder durch eigenes Ver- schulden de« Getödteten oder Verletzten verursacht ist," ich sage, wenn Sie diesen Paragraph aufmerksam prüfe», werden Sie finden, daß da- iint allerdings gerechten Ansprüchen genügt werden kann. Bisher, M. H., war es in Folge der herrschenden Gesetze bei derartigen Unglücks- lallen die Regel, daß der Verletzte, im Tödtungsfalle die Angehörigen des Getödteten, zu beweisen halten, daß der Unglücksfall durch die Schuld der Eisenbahnverwaltung entstanden war, und erst nachdem dieser Beweis vollständig g-liesert worden, war der Ersatz des ange- richteten Schadens zu erreichen. Nun, m. H., wissen Sic aber, daß bei der allergrößten Menge von Unglücksfällen ein solcher Beweis gar nicht zu liesern ist. Denken Sie an die verschiedenen Unglücksfälle, welche in Ihrem Gedächtniß sein mögen und welche große Verheerungen angerichtet haben! Denken Sw daran, wie ganz unmöglich es da so »st gewesen ist, auch nur der Oesjentlichkeit gegenüber festzustellen, wer an dem Unglücksfalle die Schuld trug! Oft haben nicht einmal die Zeitungen nach den Gerüchten, die im Umlauf waren, mit Sicherheit angeben können: das und das war die Ursache des Unglücksfalls. Und, m. H., wenn man nicht einmal die Ursache des Unglücks genau zu begründen vermag, kann man noch weniger prozessualisch beweisen, daß Der und Der die Schuld trägt und in Folge dessen verpflichtet ist, den Schaden zu tragen. Nun, m. H., finden Sie in S 1, daß dieser lrüher nothwendige Beweis jetzt nicht mehr nöthig ist. Der Eisen- bahnunternehmer ist für jeden Schaden verantwortlich, der beim Be- triebe vassirt, es sei denn, daß dieser durch„höhere Gewalt oder eignes Verschulden des Verletzten" herbeigeführt worden ist und so, m. H., «st dem Beschädigten oder den Angehörigen des Getödteten der Ersatz des angerichteten Schadens gesichert, wenn nicht eben die Eisenbahn- Verwaltung ihrerseits zu beweisen im Stande ist, daß ein durch höhere Gewalt, etwa durch einen Blitz, oder durch eignes Per- schulden, durch Unvorsichtigkeit oder Muthwillcn verursachter Unglücks- lall vorliegt; und so, m. H., können wir also, was die Haftpflicht der Eisenbahnen anlangt, allerdings zugestehen, daß die Interessen der �sbeitcr, die uns in allererster Linie zu beschäftigen haben, sowohl nne nebenbei die Interessen der Passagiere, welch- die Eisenbahn be- nutzen, zu denen allerdings auch die Arbeiter, wenn auch in minderer Zahl gehören als die Bourgeoisie, durch die Haftpflicht der Bahn- Verwaltungen genügend gewahrt sind. Merkwürdig immerhin bleibt es, m. H., daß in diesem Falle die Haftpflicht wirklich befriedigend gesetzlich festgestellt worden ist. M. H., eine Erklärung mag man dafür in dem Umstände finden, daß die Herren, welche für diese Fassung im Reichstage stimmten, daran dach- t'en, daß ihnen oder ihren Angehörigen selbst einmal möglicherweise auf der Eisenbahn ein Unglück passiren könne und daß es da doch besser sei, die Entschädigungsansprüche nicht von dem Beweise einer Schuld der Eisenbahnverwaltung abhängig zu machen. Wenn wir nun das Gesetz weiter betrachten und den 8 2 in Augenschein nehmen, so finden wir, m. H., daß dieser Paragraph, welcher folgenden Wortlaut hat:„Wer ein Bergwerk, einen Stein- bruch, eine Gräberei(Grube) oder Fabrik betreibt, haftet, wenn ein Bevollmächtigter oder Repräsentant oder eine zur Leitung oder Beauf- sichtigung des Betriebs oder der Arbeiter angenommene Person durch ein Verschulden in Ausführung der Dienstverrichtungen den Tod oder die Körperverletzung eines Menschen herbeigeführt hat, für den da- durch angerichteten Schaden."— so finden wir, daß dieser 8 2 sich vom 8 1 dadurch auffallend unterscheidet, daß die Verpflichtung der ge- werblichen Unternehmungen gegenüber der der Eisenbahnen eine so u n- endlich geringere ist. Denn es wird hier keineswegs mehr vom Unternehmer der Beweis gefordert,— falls er sich von der Haft- pflicht befreien will— daß durch höhere Gewalt oder eigenes Ver- schulden des Verletzten das Unglück entstanden ist, sondern, m. H., es muß hier in allen Fällen der sehr schwere Beweis von Seiten des Verletzten oder der Angehörigen, welche auf Entschädigung An- spruch machen, erbracht werden, daß, wie hier steht, entweder ein Be- vollmächtigter oder Repräsentant, oder eine zur Leitung oder Beauf- sichtigung des Betriebs oder der Arbeiter angenommene Person durch ein bestimmtes Verschulden in Ausübung der Dienstverrichtun- gen den Unglücksfall herbeigeführt hat. Und da, m. H., sind wir ganz in der alten Rechtsanschauung geblieben. Es wird eben der Verletzte, besonders der verletzte Arbeiter und dessen Angehörige, selten das nöthige Geld in Bereitschaft haben, um im Wege des Prozesses sein Recht zu verfolgen, und unter allen Umständen'wird es deshalb sehr schwierig sein, die Entschädigung zu erlangen, wenn auch wirk- lich die Daten vollständig vorliegen, wenn man auch wirklich weiß, daß etwas versäumt wurde und durch wen es versäumt wnrde, und wenn auch Zeugen dafür zu erbringen sind. Der Schutz, welchen ein mittelloser Arbeiter auf Grund des Armenrechts in solchen Fällen ge- nießt, wird ein sehr illusorischer genannt werden müssen. Dieser Paragraph aber, m. H., hat nicht allein eine durchaus ungenügende Fassung, er führt nicht allein eine ganz ungenügende Hastverbindlichkeir für die genannten Gewerbe ein, sondern er schließt obendrein noch eine große Menge von Gewerben von dieser mangel- hasten Haftvcrbindlichkeit vollständig aus. Wenn wir nun diese beiden Punkte an einigen Beispielen ver- folgen wollen, so, glaube ich, ist das allerschlagendste Beispiel dafür, wie ungenügend die Haftpflicht der Unternehmungen, welche das Ge- setz überhaupt heranzieht, gegenüber den Eisenbahnen ist, das der Bergwerke. Nun muß ich allerdings gestehen, daß ich über Bergwerke sehr wenig Kenntnisse mir zu sammeln bisher Gelegenheit hatte; aber, m. H., dem einfachsten Verstände eines Laien muß Folgendes klar sein: Wenn eine solche industrielle Unternehmung, speziell ein Berg- werk, von Seiten der Unternehmer eingerichtet wird, so sollte man meinen, man könnte billigcrweise verlangen, und es eristiren aller- dings gesetzliche Bestimmungen darüber, daß bei diese» Unternehmun- gen alles Das geschieht, was zur Sicherung des Lebens und der Ge- sundheit der Arbeiter unbedingt nothwcndig ist. Nun, m. H., glaube ich, geschieht das in den Bergwerken sehr wenig; es wird oft in so leichtsinniger Weise gebaut, es wird oft vielen den Arbeitern drohen- den Gefahren in so unverantwortlicher Weise Trotz geboten, daß es wirklich sehr nothwcndig wäre, diesem Haschen nach Gewinn, wobei die Gesundheit und das Leben der Arbeiter leichtsinnig aufs Spiel gesetzt wird, einen Damm entgegenzusetzen. Man sollte vermöge einer entschiedenen Haftverbindlichkeisi vermöge strengerer Berggesetze, nur diejenigen Bergwerke überhaupt bestehen lassen, welche durchaus reell vorgehen, die Interessen der Arbeiter sichern und den Arbeitern im vollsten Maaße persönliche Sicherung gewähren. ES Tönnte dabei allerdings eine große Menge solcher Unternehmungen zu Grunde gehen, denn es ist allerdings richtig, daß die Verunglückungen in Bergwerken bisher sehr zahlreich gewesen sind, aber, m. H., es trifft dies gerade diejenigen Bergwerke, welche aus Sucht nach Gewinn in unverantwortlich leichtsinniger Weise gebaut worden sind. Ohne Sach- verständiger zu sein, habe ich mir sage» lassen, daß oft bei derartigen Unternehmungen, die gegründet werden, um möglichst viel Rente aus denselben zu ziehen, viel tiefer gebaut wird, als nach den Gesetzen zulässig ist, daß ohne vorgeschriebene Nebenschächte gebaut wird, daß die Sicherungsmaaßregeln ungenügend sind; und, ni. H., es geschieht dies zu dem einzigen Zwecke, wenn auch noch so viel Arbeiter an Ge- sundheit und Leben geschädigt werden, zu dem einzigen Zwecke, falls das Unternehmen rentirt, den Aclionären möglichst viel Dividende zu zahlen. Wenn nun aber eine solche Spekulation, bei der das Leben der Arbeiter auf dem Spiele steht, gesetzlich noch unterstützt wird durch ungenügende Haftgesetze, so ist das ein schreiendes Unrecht gegen das Volk.(Bravo.) M. H., wenn Sie nun ein Beispiel für diejenigen Gewerbe haben wollen, welche vollständig von diesem Gesetze, das in seinem 8 2 ja nur von Bergwerken, Steinbrüchen,<Äräbereien und Fabriken handelt, — wenn Sie ein Beispiel also für die Industriezweige, die vollständig ausgeschlossen sind von jeder Hastpflicht, haben wollen, dann, m. H., kann ich Ihnen das nicht besser zeigen, als indem ich Ihnen einige wenige Zahlen ans dem vom Direktor des statistischen Bureaus in Berlin dem deutschen Reichstage vorgelegte» statistischen Materiale mittheile. Es sind— ich greise wenige Zahlen heraus, die sich leich- ter behalten— beim Verkehre z» Lande inclusive der Eisen- bahnen in einem bestimmten Zeiträume tödtlich verunglückt: Arbeit geber 2, Arbeitnehmer 198, zusammen also 200. An sonstigen Ver letzungen kamen vor: an Arbeitgebern 7, an Arbeitnehmern 94, zn sammen 101. Sehen Sie weiter auf den Bergbau, so finden Sie, daß die Zahl der tödtlich verunglückten Arbeitgeber— 0 ist, die der getödteten Arbeitnehmer dagegen 523 beträgt. Die Zahl der verletzten Arbeitgeber sind wiederum— 0, die Zahl der verletzten Arbeitsnehmer dagegen beträgt 137. Sie sehen dabei gleichzeitig, daß die Zahlen für die Bergwerke noch größer sind, als beim Betriebe des Verkehrs zu Lande, incl. der Eisenbahnen. Ich will nicht verfehlen, hierbei auszusprechen, daß die geringere Haftpflicht der Bergwerks- Unternehmer gegenüber den Eisenbahnverwaltungen deshalb ein um so größeres Unrecht ist. Aber, in. H., wenn wir nun weiter suchen in diesem statistischen Material, so finden wir, daß z. B. bei den Bau gewerken, welche nicht unter die Bestimmungen des Haftpflichtgesetzes fallen, die Zahl der Unglücksfälle eine fast eben so große ist, wie bei dem Berg- bau. Es sind nämlich verunglückt in diesem selben Zeiträume tödt- lich: Arbeitgeber 17, Arbeitnehmer 325, also zusammen 342; verletzt: Arbeitgeber 7, Arbeitnehmer 219, also zusammen 226. Während Sie also bei den Bergwerken tödtliche Verletzungen 523 haben, beim Ver- kehr zu Lande, incl. der Eisenbahnen tödtliche Verletzungen 200, so haben Sie bei den Baugewerken die sehr bedeutende Zahl von 342 Tödtungen in demselben Zeiträume. Wenn wir weitergehen: Bei der Landwirthschaft sind tödtlich ver- unglückt in demselben Zeiträume 107 Arbeitgeber, 455 Arbeitnehmer, zusammen also 562(die größte Zahl von allen) nicht tödtlich 25 Arbeitgeber, 86 Arbeitnehmer, zusammen III. (Schluß folgt.) Weiteres zttr Parteisteuerfrage. Die Bedenken, welche Parteigenosse Geib gegen die Einführung der progressiven Einkommensteuer als Parteisteuer geltend gemacht hat, hätten uns schon eher zu einer Entgegnung veranlaßt, wenn wir nicht noch etwaige weitere Einwürfe von anderen Seiten hätten ab- warten wollen. Da aber der Hamburger Artikel keine Nachfolge ge- funden hat, so sind wir zu der Annahme berechtigt, daß wir uns im Uebrigen der Zustimmung der Parteigenossen zu erfreuen haben, und es bleibt uns nur die Erledigung der von Herrn Geib in Frage ge- zogenen Punkte übrig. Herr Geib sagt zu Beginn seines Artikels:„Der Breslauer An- trag"'(Nr. 74 d. Bl.), er könne„aus taktischen Gründen die An- schauungen der Breslauer Mitglieder nicht theilen", indem„die Par- teiagitation vorerst ungemein erschwert würde, wenn wir den neuein- tretenden Mitgliedern zuerst die Frage nach der Höhe ihres Einkommens vorlegen, dann denselben unsere Steuerskala er- klären und endlich nach Schluß dieser Verhandlung ihnen die Mt- gliedskarte verabsolgen" wollten.— Aus dem letzteren Satze geht nun mit vollster Deutlichkeit hervor, daß Herr Geib meint, das von ihm beschriebene absonderliche Verfahren entspräche der„Anschauung" ver Breslauer. Wir aber sind glücklicherweise in der Lage, diese Meinung, deren Entstehungsursachen uns durchaus räthselhaft find, als ganz unbegründet zu bezeichnen. Wir finden das angedeutete Verfahren für die Agitation nicht nur unzweckmäßig und hinderlich, sondern geradezu raffinirt ungeschickt, wir wissen, daß es auf die Mehrzahl Derer, welche der Partei beitreten wollten, etwa wirken würde, wie Tabaksdüfte aus Mücken, wir endlich fühlen uns demselben gegenüber noch reiner, als Herr Geib, denn wir haben es gar nicht einmal ge- dacht.— Herr Geib wünscht für die Agitation ganz bestimmte, ein fache Normen, wir auch. Herr Geib will eine Minimalbeitragsquote — wir auch. Herr Geib wünscht bei der Aufnahme von Mitgliedern keine langweiligen Auseinandersetzungen, die den Geldpunkt betreffen, wir erachten dieselben sogar für abgeschmackt und thöricht. Für uns gestaltet sich die bei der Aufnahme neuer Mitglieder vorzunehmende Prozedur höchst einfach wie folgt: Der Beitretende zahlt den Minimalbeitrag von 1 Sgr. 6 Pf. pro Monat(ek. Breslauer Steuerschemas oder einen beliebig höheren Betrag, und empfängt die Parteikarte nebst Programm und Organisation. Damit ist fllr's erste alles geschehen!— In jeder geschäftlichen Sitzung aber(die also keine Agitationszwecke verfolgt) wird vom Vertrauensmann kurz die Steuer- frage berührt und allen neueingetretenen Mitgliedern der zu diesem Zwecke mit den nöthigen Erläuterungen versehene gedruckte Steuertarif verabreicht. Es bleibt nun den Einzelnen anheimgestellt, ob sie ihre Beiträge gemäß den Bestimmungen des Tarifs regeln oder es dem Vertrauensmann überlassen wollen, sie auf die ihrem Beitrage ent sprechende Steuerstufe einzuschätzen.— Damit wird die Agitation natür lich nicht im Mindesten berührt oder gar erschwert, aber— und das ist nicht hoch genug anzuschlagen— einem unserer wichtigsten Prin- zipien genug gethan. Wir gewöhnen außerdem aber auch die mit uns einverstandenen Massen an die einzig gerechte Besteuerung, wir sitzen an die Stelle, der Willkür das System und üben auf die Beitragspflicht der Bemittelteren den denkbar höchsten Druck. Die anfänglich bestehende Freiwillgkeit aber wird sich, genöthigt von dem guten Beispiele der prinzipienklaren Parteigenossen, bald bei allen ihres Wesens entäu ßern und in völlige Unterordnung unter die Normen des Steuersy stems umschlagen. Das gute Beispiel ist neben der sorglichen Aus- klärung über die Zwecke unserer Maßnahmen übrigens der einzig wirksame Zwang, den wir auf die Handlungen der einzelnen Partei Mitglieder sie facto ausüben können. Die Breslauer. Augsburg, 16. Oktoberr. Das sozialdemokratische Gift hat sich von hier aus, auch auf das nahe gelegene und eine große Arbeiter- bevölkernng zählende Lechhausen verpflanzt. Es traten vor einigen Wochen mehrere Gestnungsgenossen, die bisher in Augsburg Mit- glieder waren, zusammen und gründeten einen Arbeiterverein„Bor- wärts" auf sozialdemokratischer Grundlage. Dieser Verein zählt trotz der kurzen Zeit seines Bestehens schon einige fünfzig Mitglieder und herrscht ein frischer gesunder Geist unter ihnen. So veranstalteten die Mitglieder dieses Vereins Sonntag den 15. Oktober ein Tanzkränzchcn, wobei abwechslungsweise sehr hübsche Deklamationen zum Vortrag kamen, wozu auch die Augsburger Äesinnungsgenoffen eingeladen waren. Hr. Jrlinger als Vereinsvorstand begrüßte die Augsburger Ge- sinnungsgenossen und dankte ihnen in kurzen kräftigen Worten für die Mühe und Ausdauer, die dieselben für die Ausbreitung der Sozial- demokratie an den Tag gelegt. Nach ihm trat Frau Jrlinger aus, die ein sehr sinniges Gedicht an die Angsburger Gesinimngsgenossen im'Namen der Frauen und Mädchen der VereinSnütglieder richtete, nach dessen Schluß ein schönes Blumenbonquet an Freund End reS aus Augsburg überreicht wurde. EndreS dankte in kurzen kräftigen Worten den Vereinsmitgliedern, sowie deren Frauen und Mädchen für diese Ovation, die er für die Augsburger Gesinnungsgenossen annehme, und forderte die Anwesenden auf, daß Jeder seine Schuldigkeit indem großen Lefreiungswerke des Proletariat« thun möge; so wie sich die Arbeiter Augsburgs und Lechhausens die Hände reichen, so möchten es alle Arbeiter allerorten thun. Er schloß mit einem Hoch aus das Proletariat der ganzen zivilisirten Welt. Ein anwesender Ge>innungsgenosse aus München überbrachte Grüße der Münchner Arbeiter und hob das erfreuliche der Betheiligung des weiblichen Geschlechts an der Arbeiterbewegung hervor und forderte ebenfalls die Anwesenden zu treuem, festem Zusammenhalten auf. Tanz mit abwechslungsweisen Deklamationen hielt die Anwesenden beisammen bis gegen Mitternacht. Habel Dank, Gesinnungsgenossen in Lechhausen, für Eure Gast- freundschaft und stehet fest im Kampfe für das Proletariat, bis uus der Sieg winkt! Spandau. Zur Arbeiterbewegung in unserer Provinz und besonders in Berlin. Unsere Arbeiter sind im Verhältniß zu andern Gegenden in pekuniärer Hinsicht iinmer noch: so leidlich situirt, sie wären gewissermaßen noch im Stande, etwas für unsere Organisation, resp. deren Verbreitung zu thun, wenn nur nicht der großen Masse die Erkenntnsß ihrer Klassenlage gänzlich seblic, und besonders der Phrajenkleister der Schulze-H i r s ch' sch e n-S e l b st Hilfe zu fest in das Gehirn gedrungen wäre. Ich weiß, was für Mühe es mir gekostet hat, der ich in politischer und religiöser Beziehung schon längst aus dem radikalsten Standpunkt stand. Uiuer uns wenigen im Verein, die wir meist früher auf Schulze'schem Standpunkt gewesen, hat in der kurzen Zeit die Erkenntniß unserer Lage mit sammt den Prinzipien unserer Partei vollständig und allgemein Platz gegriffen, nur die Massen bleiben uns noch fern; für alles Oberflächliche haben sie Sinn, auch lassen sie sich roch immer durch Halbheiten, Phrasen und selbst durch den nationalen Baterlandsschwindel bezaubern, gerade wie in der Metropole(des SicgeSjnbels*) Berli n. Und dennoch glaube ich, daß keine Zeit für unsere Agitation güustiger war als die jetzige, die Gesellschaft des Quacksalbers Max verliert von Tag zu Tag Anhänger und Terrain besonders iu Berlin. Dort sowie in der ganzen Provinz müßten anziehende zeitgemäße Flugschriften in die Massen geworfen werden, denn die Unzufriedenhell in betreff der Wohnungsnoth und des Steuerdrucks wird mit jedem Tage allgemeiner und größer, die Wirthe können sich heute leichter denn je ihre Steuern abwälzen; doch wo die Erkenntniß in den Massen fehlt, da hilft selbst die Einigkeit nichts, da gehts zu wie im Deutschen„einigen Reich". Agitatoren müßten, wenn die Mittel nicht fehlten, grade in Berlin und in unsrer Provinz überall erstehen und vou Ort zu Ort die Erkenntniß tragen. Mit sozialdemokratischen Gruß W. Fischer Parteigenosse. Ronneburg, d. 19. Oktober. Seither befanden sich am hiestge» Orte zwei Vereine, welche Ihnen unter den Namen Arbeiter- und Volksverein bekannt sein werden. Für ein so kleines Städtchen war solches gewiß ein Uebelstand, welchem nun endlich auch abgeholfen ist. Die beiben Vereine hatten am 7. d. M. ihre erste gern einsame Ver- sammlung und führen nun zusammen den Namen„ Sozial-dc mo- tratischer Volksverein" der stch z« dem Statut der Sozial-demo- kratischen Arbeiterpartei bekennt. Vorsitzender ist August Seebald, Schriftführer und Vertrauens- mann Karl Schmidt, Kassirer Ferdinand Fuchs. Berichtigung. Bei der letzten Abrechnung, der eingesandten monatlichen Parteibeiträge ist irrthümlich Dresden ausgelassen; ich, be- richtige nun hiermit, daß die Sienern der Dresdener Parteigenossen bis Monat Juni d. I. bei den Kongreßkosten als entrichtet verrechnet find. Leipzig, den 18. Oktober. Theodor Burckhardt. ») Mit dem Siegesdnsel soll es doch nicht mehr so weil her sein. Man schreibt uns, der Katzenjammer sei schon ziemlich allgemein.— Mit„Ruhm" buttert man kein Stück Brod, und von den„Dotationen" für die„Reservisten und Landwehrmänner" kann man»ich» einmal trocken Brod kaufen. Solch'„harte Thatsachen" müssen doch mit der Zeil auch den Duseligsten entnüchtern. R. d. V. Schritte setzen. Gr werde gegen eine so reaktionäre Matzregel ankämpfen, die nur zu neuen Revolutionen führen könne." Zu dieser sehr vernünftigen Ausführung macht die deutsche Denunziationspresse folgende Glosse: „Nach dieser Erklärung des Chefs der republikanischen Partei in Spanien werden die dortigen Internationalen fortan in dieser Partei ihre besten Verbündeten zu erblicken haben, die ihnen den leichteren Weg einer Revolution mittelst geeigneter Kammerbeschlüsse an Stelle des gefähr- ltchereu Weges der Gewalt eröffnen. Die gemäßigten Parteien wie die Krone in Spanien werden dem gegenüber ihre Maßnahmen zu treffen haben." Recht schön. Denkt was Ihr Lust habt—, thut was Ihr Lust habt, Ihr Herren; aber Eins laßt Euch gesagt sein, und das gilt für Deutschland wie für Spanien: Um die„Revollltion" kommt Ihr nicht herum. Ihr habt nur die Wahl zwischen der„leichteren Revolution mittelst geeigneter Kammerbeschlüsse� und der„Revolution auf dem gefährlicheren Wege der Gewalt". Gefällt Euch die letztere beffer— gut. Ihr habt zu entscheiden.— Wir haben heute einen Schritt zu verzeichnen, welcher be weist, daß die internationalen Ideen in den englischen Gewerk- schasten endlich auch praktisch Wurzel gefaßt haben, und von welchem— unserer festen Ueberzeugung nach— eine neue Epoche in der Arbeiterbewegung datiren wird: Die englischen Ci- garrenarbeiter haben auf den 10. Dezember einen Kon- greß nach London berufen und zu diesem Kongreß Vertreter der ausländischen, namentlich auch derDeutschenCigar renardeiter eingeladen, um die Frage der Errichtung einer internationalen Cigarrenarbeiter-Assozia- tion zu diskutiren. Schon früher wurden, veranlaßt durch den Baseler Kongreß, deutscher Seits, z. E. von Seiten unserer Holzarbeiter- und unserer Metallarbeiter-Gewerksgenos- senschasten, den entsprechenden englischen Gewerkschaften Kartell- Verträge angeboten, allein bisher stets ohne Erfolg. Die eng- lischen Arbeiter ließen es zwar nicht an Betheuerungen inter- nationaler Brüderlichkeit fehlen, zogen sich aber thatsächlich in ihr nationales Schneckenhaus zurück, bis jetzt dieCigarrenarbei ter— deren Kollegen in Deutschland ja ebenfalls zu den Pionieren und Vorkämpfern der Arbeitersache zählen— das nationale Vorurtheil durchbrochen und die Initiative zur Verwirklichung des internationalen Prinzips auf gewerk- schaftlichem Gebiete ergriffen haben. Unsere Parteipreffe hat abermals einen Zuwachs erhalten: Die Hamburg- Altonaer Genossen haben ein Lokal- organ gegründet, den„Hamburg-Altonaer Volksfreund", dessen erste Nummer am 21. Oktober erschien, und der unter der gediegenen Redaktion G ei b's gewiß seine Aufgabe erfüllen wird. Juteruatiouale Metallarbetterschast. Hannover. Durch ein Schreiben aus Wien an unseren Bevoll- mächtigten ist uns die Anzeige gemacht, daß die Wassenarbeiter in der Fabrik von L. Gasser in Wien die Arbeit einzustellen gezwungen worden und nachfolgenden Ausruf zur Veröffentlichung eingesandt habenf: Bürger! Arbeiter! Gezwungen durch immerwährende Lohnabzüge und unwürdige Behandlung von Seite des Geschäftsführers, sowie durch Entlassung sämmtlicher gewählten DeputaüonS-Mitglieder sehen wir uns genöthigt, nach reiflicher und ruhiger Ueberlegung von heute Mittag den 16. Ok- tober an in der W affenfabrik von L. Gasser die Arbeit einzustellen. Unsere gerechten Forderungen sind: 1. Einführung der I0stü>idigen Arbeitszeit und 10°/, Lohnerhöhung. 2. Uebergabe der Fabriks-Krankenkassc an die allgemeine Arbeiter- Krankenkasse. 3. Wiederaufnahme der gemaßregelten Arbeiter zur Arbeit. Bürger! Freunde! W,r appelliren an Eure Opferwilligkeit und Eure Bmderliebe, da es gilt, uns eine menschenwürdige Existenz zu erringen.— Heute mir, morgen Dir!— 380 Arbeiter, größtentheilS Familienväter, sind brodloS. Zeigt, daß Euch das allgemeine Interesse am Herzm liegt und daß die Wassenarbeiter auch zu den Euren zählen Um gütige Verhinderung von Zuzug wird gebeten. Wien. r, Zuzug wirv geoeten. Das Ttrike-Komitee Neubau, Kaiferstraße Nr. 100 „zum Hinterlader." Metallarbeiter. Gewerksgenosfen! Obgleich die Wassenarbeiter Wiens im engeren Sinne noch nicht zu den Unseren zählen, da die öfter- reichischen Gesetze das freie Vereins- und Versammlungsrecht nicht ge- statten, so erkennen wir doch durch die verschiedenen Arbeitseinstellungen in Wien und anderen Orten im Staate der Willkür und Pfassenherr- schaft, daß auch bei den dortigen Arbeitern aller Branchen die Mor genröthe der Freiheit zu tagen beginnt, und dieselben sich ihrer Klassen- läge bewußt werden; und hoffen wir, daß der Zeitpunkt nicht mehr fern sei, wo wir sie ganz zu den Unseren zählen können. Wir ersuchen ___.IV. CVTXii, STirtff OlrtOTt rtffptl flPV nun alle Mitgliedschaften sowie die übrigen Parteigenossen der Sozial- demokratie die Wassenarbeiter in Wien schnell und nach Kräften zu unterstützen, da wir der festen Ueberzeugung sind, daß sie in ähnlichen Fällen auch uns ihre Hülfe nicht versagen werden. Der Ausschuß der internationalen Metallarbeitcrschaft. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Aufnahme gebeten. Wien am 17. Oktober 1871. Strike der Waffenarbeiter. DaS erste Mal bitten Wassenarbeiter zür Erreichung einer menschlichen Existenz ihre Brüder Arbeiter um Unterstützung. Helft schnell, denn es find gegen 200 Familienväter unter uns. DieHal- tung der Streikisten gut. Gegendienst sicher. Für das Strikekomitee Franz Fortelka, Schriftführer(S. o.) München- Gladbach, den 20. Oktober. Unter den Webern München- Äladbach's ist am 0. d. Mt«. eine erhebliche Arbeits- einstellung ausgebrochen, und zwar in Folge der von Zeit zu Zeil immer tiefer gesunkenen Löhne, sowie der Beeinträchtigung unserer poli- tischen Rechte. Es wurden neulich Mehrere, welche sich am letzten Wahltage(29. September d. I.) an der Wahl für Wende detheiligt hatten, aus derArbeit entlassen. Hierüber entstand ein allgemeiner Unwille unter den Arbeitern, und wie oben gesagt, brach am 9. Oktober in neun Fabriken eine Arbeitseinstellung aus. Da nun die Arbeiter, deren Forderungen materieller sowie poli- tischer Natur sind, nicht im Stand sind, au» eigener Kraft den Kampf gegen die Kapitalmacht führen zu können, so wenden wir uns an die deutschen Brüder, daß sie uns eilig zu Hülfe kommen und, soweit eS in ihrer Macht liegt, Gelder für uns sammeln, und dieselben an den Kafsirer der strikenden Arbeiter. I. W. Pfeiffer, Mühlenstraße Nr. 22 MÄnchen-Gladbach, einsenden., r„r Die �ahl der strikenden Arbeiter, betragt ungefähr 1000 und find Alle entschlossen den Kampf mit aller Energie zu führen. Doch vermögen w.7 nichts ohne die Beihülfe der dem chen Bruder. Also helfet! helfet! damit der Sieg den Arbeitern mtxbt\ Im Auftrag des Strike-Koimtees Mit fozial-demokratsschem Gruß C�A. Küppers*) Dessau. Die Eigarrenarbeiter der Schmldt schen Fabrik hier in Dessau, 26 an der Zahl, haben in Folge gesteigerter Presse sast sämmtlicher Lebensbedürfnisse einen Lohnzuschlag von 5 Sgr. Aufläder bezog er monatlich 19V, Dhalec Lohn, hiecoo.i gingen aber pro Mille verlangt, welche Forderung vom Fabrikanten Schmidt mit 20 Neugroschen an die Kranken'- und Jnvalidenkasse der Bahn ab. Als der höchsten Entrüstung zurückgewiesen wurde. Es erfolgte Nachtwächter bezog er Anfangs nur 14 Thaler, erhielt erst in Folge hierauf sofort eine Arbeitseinstellung, in Folge deren 16 Familien- verschiedentlicher Bitten und Gesuche Zulagen, so daß er schließlich vater vorläufig brodlos und deshalb unterstützungsbedürftig sind. Da bei den in jüngster Zeit häufig vorgekommenen Arbeitseinstellungen wir die Auswahl hatten, wem wir unsere Unterstützung zuwenden 1 wollten, so hatten wir uns Halberstadt dazu ausersehen, was hossent-- sich durch veröffentlichte Quittungen auch in Ihrem geschätzten Blatte bestätigt werden wird. Wir haben überhaupt bei allen vorlommenden Gelegenheiten kräftig am Strange mitgezogen, der den Proletarier aus eine höhere Stufe menschenwürdigen Daseins befördern soll und hoffen deshalb auch, daß unsere auswärtigen Kollegen uns beistehen und uns durch Unterstützungen den Geldsack besiegen helfen. Auch warnen wir dringend vor Zuzug. Etwaige Unterstützungen, über welche Quittungen erfolgen werden, wolle man gefälligst senden an Herrn W. Ohle, Haidestraße bei Boas.*) Mainz, den 18. Oktober 1871. Die Arbeiter der Hessischen Ludwigsbahn haben, nachdem sie ihre Fordemngen größtentheils durch- gesetzt lwben, heute früh die Arbeit wieder aufgenommen. Somit wäre dieser Strike als beendet zu betrachten. Bitte, machen Sie dies im„Volksstaat" bekannt, damit keine Gelder an uns einkaufen. In einigen Tagen werden wir Näheres berichten. Mit sozial-demokratischem Gruß. B. I. Lemoisne. Die übrigen Mainzer Strikes sind noch nicht ganz beendigt, obschon eine Anzahl ven Meistern und Fabrikanten bereits nachgegeben hat. Der Sieg der Arbeiter ist gewiß. Die auch durch den Telegraphen verbreitete Nachricht, die Strikenden hätten Gewaltthätigk eiten ver- übt, ist eine jeder Begründung entbehrende Lüge. Breslau, den 19. Oktober. Am heutigen Tage fand eine All- gemeine Bäckerversammlung statt, in' der Endesunterschriebener einen Vortrag über die Lage der Arbeiter und deren Forderungen hielt. Die Versammlung gab nach Beendigung des Vortrages, ihre Zustimmung zu den sozial-demokratischen Prinzipien. Ein früherer Parteigenosse, jetzt Leiter einer Schneiderassociation, trat den im Vortrage ent- wickelten Ideen entgegen und forderte die Bäcker auf, eine Produktiv- association auf Selbsthilfe zu gründen. Derselbe behauptete u. A, Geld brauchten die Arbeiter gar nicht, sondern. nur„moralischen Werth." Er wurde gehörig widerlegt, und darauf aufmerksam gemacht, daß im wirthschaftlichen Leben Geld und nicht der„moralische Werth," die Hauptrolle spiele, er(der Selbsthilfler) sich in immerwährende Widersprüche verwickle n. j. w. Die Versammlung erklärte sich auch, mit ganz verein- zelten Ausnahmen, mit den sozial-demokratischen Prinzipien einverstanden. Diese Thatsache ist hauptsächlich deswegen erfreulich, weil sie das Wachsen der sozialistischen Bewegung am hiesigen Orte bekundet, wo wir mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, da hier die sogenannten 1848er Afterdemokraten eine bedeutende Popularität genießen. Besonders bei den Bäckern herrschte bis jetzt, sowohl in wirthschaftlichen als auch in politischen Dingen, völlige Gleichgültigkeit. Die Schuld trägt daran die ungeheure lange Arbeitszeit und insbesondere die Nachtarbeit, welche die Bäcker verhindert Versammlungen zu besuchen, da des Abends um 9 oder 9'/, Uhr die Arbeit beginnt, welche bis zum andern Tage 2 oder 3 Uhr Nachmittags dauert. Las Eis ist gebrochen und haben wir die feste Zuversicht, daß auch die anderen Arbeiterkreise in ihrer Gesammtheit alsbald erkennen werden, daß nur die Durchführung der sozial-demokratischen Prinzipien ihre Lage wirklich verbessern kann. Mar Kayser. Nürnberg. Bei Ihnen im'Norden giebt es gewiß Preßlakaien, welche im Dienste der Bismarck'schen Einheit die Lüge zur Wahrheit stempeln, aber Menschen, die sich mit diesem edlen Motive aus purer Narrheit(V) beschäftigen, sind dort wohl nicht sehr häufig. Seit Jahren vegeürte bei uns ein ursprüglich Plakat gewesenes Ding, genannt „General-Anzeiger". Der frühere Besitzer A. Serz, ein Landkarten- Fabrikant, gestaltete es zum Tageblatt, monatlich 12 kr., auf schönstem Löschpapier, sogar mit Feuilleton. Aber es zog nicht. Annoncen kamen so gut wie keine, die hat alle unser Käseblatt, der„Fränkische Kurier", gepachtet. Da fiel es dem Receptenverfertiger für Seife, Hefe, Essig, Liqueur, künstlichen Wein u. s. w., Herausgeber noch künstlicherer Handels-Adreßbllcher, ein, mit diesem Ding seinen längst gehegten Plan auszuführen und als„kostenfreies Volksblatt" die Kosten durch Annoncen zu decken. Diesem vielseitigen Genie, das früher in Radikalisimts machte, war es ein Leichtes, das Blatt in 5000 Exemplaren den guten Nürnbergern ins Haus zu legen. In 10 Tagen hatte er glücklich 400 fl. verpufft, denn die Annoncen wollten wieder nicht kommen Klug geworden ließ er sich nun mit dem 1. Okt. pro Monat 6 kr. bezahlen, und da nahmens so Manche des Papiers wegen, an dem trotz„Kurier' und Magistrat unsere Stadt derzeit großen Mangel leidet. Bis Anno 1870 schrieb Herr I. C. L e u ch s das erwähnte Genie, für den„An- *) Ein gedruckter Aufruf aus München-Gladbach ist uns für dies« Nummer zu spät zugegangen R. d. B. zeiger" in republikanisch freihändlerischem Sinne, Nordamerika war sein Ideal, und täglich sprudelten hundert Vorschläge in feinem Kopfe, die Well und ihre borifirten Einrichtungen zu verbessern. Aber der Krieg des Herrn von Bismarck, der die deutsche Größe uns Allen so mächtig offenbarte, verdrehte auch diesem klugen Manne den Kopf, er wurde Anbeter der preußischen Einheitserfolge. Seitdem gerieth er, wie so Viele, auf den letzten Grund seiner Weisheit: er setzt uns täglich diesen seinen Extrakt in unendlichen Leitartikeln vor, überzeugt, daß er den Nürnbergern bald mundet und ihre Annoncen ihm zuführt. Ich bezweifle vorderhand seinen Erfolg. Hören Sie nun, was der neue Paulus sagt:„Uebrigens haben Steuern keinen Nachtheil, wenn sie zum Besten des Volkes verwendet werden, im Gegentheil sivd sie dann nützlich." Wir wissen, was unsere Regenten das Beste des Volkes nennen; Herr Leuchs wird sie nicht ändern, er will es auch gar nicht Sein Talent zum preußischen Finanzminister verräth er in folgendem Satze:„Preußen verdankt seinen Wohlstand( I) die ostpreußischen, posen- scheu und schlesischen Kleingewerbsleute und Tagelöhner sind ein hübscher Beleg dafür, Anmerk. d. V.) und die große Entwickung des Acker- baues und der Gewerbe.. vornämlich den hohen Steuern und der Befreiung der Gemeinden von der Bevormundung, welche Stein und Hardenberg begründeten."'*) Ja, die Befreiung ist so groß, daß der Berliner Magistrat ungestört 150,000 Thlr. für Feierlichkeiten zum Fenster hinauswerfen darf, ganz abgesehen von republikanischen Diebereien ä I» New-Pork!„Stein ging nun von dem richtigen Grund satz aus, diese(die Güter) so hocb zu besteuern, als würdm sie gut benutzt, und dadurch den Eigenthümer zu zwingen, besser zu wirth- schasten oder zu Grunde zu gehen, oder die übergroßen Güter zu zer- theilen und zu verkaufen ic." Dritte Lüge! Wäre die Grundsteuer in Preußen so hoch, so würden nicht in Schlesien, Posen, Pommern sc. noch so immense Rittergüter eristiren. Man sieht, mit welcher Keckheit hier Thatsachen behauptet werden, die nur im Hirne eines— Weisen spuken, und was man heute Alles dem klugen Volke der Bourgeoisie vormalen kann. Die baiersche Regierung braucht solche nette Vor- schlüge nicht, denn das Budget pro 1872 enthält im Voranschlag Grund- steuer 7.409 821 fl.. Haussteuer 1.224,433 fl., Gewerbsteuer 1.7l'9.074 fl., Kapitalrentensteuer 848,628 fl. Die große Masse der kleinen Bauern erklärt bei uns zur Genüge obige Höhe der Grundsteuer und die niedrige Besteuerung des Kapitals, das überall wie eine Milchkuh gepflegt und gefüttert werden muß. Uns gebt ihr das sich anhäufende Geld, für welches der Arbeiter und Bauer die Zinsen bezahlt!— Leipzig, den 20. Oktober: Arbeiterloos. Was aus dem Ar- beiter wird und wie man ihn behandelt, wenn er alt und stumpf ge- worden, sich für den reichen Unternehmer sein ganzes Leben lang abgerackert, zeigt folgender Borfall. Der Arbeiter I. G. Fiedler von Bolkmarsdors war vom Jahre 1338 bis zum Mai 1870 auf der Leip- .ig-Dresdner Eisenbahn beschäftigt, also volle 32 Jahre. In diesen 3 2 Jahren war er 19 Jahre Aufläder, 13 Jahre Nachtwächter der Bahn. Im Jahre 1848 stürzte er bei den Aufladen und brach mehrere Rippen und verletzte sich außerdem Lunge und Leber. Er tag lange Zeit trank und trug, wenn auch genesen, von den erlittenen Schädigungen allerlei Nachwehm davon, in Folge deren er schließlich zum Aufläder untauglich wurde, worauf man ihn als Nachtwächter anstellte. Als *)„JnsertionZgebühren" nimmt der„Volksstaat" bloß für An- itoncen. Alle auf die Arbeiterbewegung und die Arbeiterverhältnisse bezügliche Mitcheilungen werden unentgeltlich aufgenommen, und würde anderenfalls der„Volksstaat" gar kein Recht haben zu existiren. Wir find im Gegentheil den Einsendern für alle derartige Mitthetluttgett verpslichtet, da ohne dieselben unser Blatt seine Ausgabe nicht er- füllen könnte.«. d. V. **) Die Bevormundung? Frage des Setzerlehrlings. wieder den früheren Lohnsatz erhielt, hiervon aber neben dem Kranken- kassengel d noch die Hundefutterkosten decken mußte. Im Mai vorigen Jahres wurde Fiedler durch den Jnspektor Dietze mitgetheilt, daß er seines Amt es entlassen und mit 10 Thale r monatlicher Unterstützung pensionirt sei. Das war ' für den 64 Jahre alten Mann, der eine alte, an mehrjähriger Krankheit siechende Frau daheim liegen hatte, ein Donnerschlag aus heiterem Himmel. Er fntg den Jnspcctor, ob er denn nicht seine Schuldigkeit gethan, daß man ihn jetzt so ohne weiteres entlasse und auf eine Pension anweise, mit der er unmöglich auskommen könne. Der Inspektor erwiderte kalt: seine Schuldigkeit habe er bisher gethan, aber er sei zu alt und nicht mehr jiu brauchen, zu dem seien ja die 10 Thaler ein S ta a ts- G e h a l t(wörtlich). Auf die weitere Einwendung F ie d l e r'S, daß er schon einige kleine Schulden habe, diese aber von den 10 Tha- lern erst recht nicht bezahlen könne, antwortete Herr Inspektor Dietze: „Haben Sie kein Geld, dann borgen Sie, und kriegen Sie keins, dann können Andere auch nichts kriegen." Gewiß eine hübsche Bourgeois- moral. Fiedler bat, man möge ihm dann doch einen anderen leichtern Posten als Thürstehcr oder sonstwas geben, allein der Herr Inspektor war unerbittlich. So ist der Mann nun schon seit IV, Jahren auf die geringe Pension gesetzt, die hinten und vorn nicht zureicht. Man vergegenwärtige sich, daß vie Leipzig- Dresdner Eisenbahn- gesellschaft zu den reichsten Bahngesellschaften Deutschlands gehört, jährlich enorme Profite an ihre Aktionäre vertheilt, daß Fiedler volle 32 Jahre, also über ein Menschenalter hindurch, seine Kräfte im Dienste dieser Gesellschaft aufgeopfert, daß die vorhandene Unterstützungs- lasse nahe an 300,000 Thaler Kapital besitzt, und man wird zu- geben, daß die Abspeisung mit 10 Thaler monatlicher Pension skandalös gering ist. Unter den frühern Leitern der Bahn, Busse und Harkort, bestand die Einrichtung, daß, wer 25 Jahre ehrlich seine Pflicht erfüllt mit vollem Gehalt pensionirt werden sollte, aber die Genannten sind seit lange todt und die Rachsolger rechnen kälter, zu ihrem eignen Besten und zum Besten der Aktionäre. Fiedler hat sich kürzlich an das Direktorium der Bahn gewandt und um eine bessere Unterstützung oder einen Posten petitionitt, der Be- scheid lautete abschlägig. Das ist Arbeiterloos; wie diesem so gehts Tausenden und aber Taufenden. Wann wird das Proletariat erwachen und Hand an seine Befreiung legen? Leipzig. In der letzten Sitzung des sozialdemokratischen Arbei- tervereins kam es zur Sprache, daß Dresdener Parteigenossen die Ab- ficht hätten, in Sachen U s e r t s eine P e t i t i o n an die Kreisdirektion und an den König zu richten. Es wurde einstimmig der Beschluß gesaßt, Mißbilligung dieses Schritts auszudrücken; entweder sei die Ausweisung Uferts gesetzlich, und dann müßten wir für die Beseiti- gung so schlechter Gesetze wirken; oder sie sei ungesetzlich, und dann hätten wir die nöthigen Schritte zu thun, um das Gesetz zur Gel- tung zu bringen. Um Gnade zu bitten, sei in jedem Fall ebenso unlogisch und zwecklos, als der Sozialdemokratie unwürdig. Mittweida, d. 22. �Oktober. Für Eckstein. Nachdem wir zu unserm Bedauern den Aufsatz von den angeblichen Parteigenossen zu Waldheim gegen Eckstein gelesen, so haben wir uns veranlaßt gesehen, die Sache näher zu untersuchen, und gefunden, daß derselbe schändliche Verleumdungen enthält und fühlen uns daher veranlaßt, folgendes im „Volksstaat" veröffentlichen ztt lassen: In Bezug auf den Aufsatz gegen Eckstein von den angeblichen Parteigenossen zu Waldheim fühlen wir uns veranlaßt, Herrn Louis E ck st e in das Zeugniß auszustellen, daß derselbe von uns das volle Vertrau en genießt. Die Parteigenossen zu Mittweida. (In dieser Angelegenheitjwerden wir jetzt nur noch eine etwaige Er- klärung Ecksteins, den wir schon seit 8 Tagen um eine solche haben ersuchen lassen, in's Parteiorgan aufnehmen. Sache des Aus- schusses ist es, die Wahrheit zu ermitteln, und die durch das Re- suliat der Untersuchung qebotnen Schritte zu thun. Der Redaktion des Volksiaat ist von 2 Seiten die Veröffentlichung der Anklage gegen Eckstein zum Vorwurf gemacht worden; darauf antworten wir: die Re- daktion des Volksstaat ist verpslichtet, derartige Einsendungen von Parteigenossen auszunehmen, und wir sind außerdem der Ansicht, daß es unter der Würde der Sozialdemokratie ist, etwaige Skandale inner- halb der Partei zu vertuschen.__" D. R. d. V.) � Briefkasten der Erpedition: Sch. Dresden f. Ab. 13 Thlr. erh. L. Rönne- berg f. Annonc. 3 V, Gr. erh. S. Hoboken 40 Thlr. erh. G. München f. Ab. 13 Thlr. 4 Gr. 8 Pf. erh. Von Arbeitern der Slrubell und Müller'schen Weberei inMeerane für den Diälenfond durch Julius Emmert 3 Thlr. Für die Gemäß- regelten vom Volksverein in Wilkau durch Häusler 1',, Thlr. Für die Gemaßregelten vom Erimmitschauer Bolksverein 1 Thlr. W. L. Den Parteigenossen, welche I'Ilotosr'rphi«» und Bpo- chHren haben wollen, hiermit zur Anzeige, daß ich die Reise über Lausigk, Nvchlil;, Waldheim nach Mittweida sc. machen werde, und bitte deshalb, die geehrten Bestellungen bei bekannten, in genann- ten Orten wohnhaften Schuhmachern, Sattlern und Schneidern auszugeben._ N e n h i r ebner, Handelsmann. Kür Korbmacher. Unterzeichneter wünscht mit einen licfcrungsfähigen Korbmacher in Verbindung zu treten, der gegen prompte Zahlung wöchentlich für -5 Thlr. geschlagene oder Gestellarbeit schicken kann. Otto Külbel Korbgeschäft. Hamburg, Niederstraße 30. Briese innerhalb 8 Tage.n. Cigarren. Zur gefälligen Anzeige, allen Arbeitervereinen und Interessenten, daß unsere Cigarrcit-Produktiv-Genossenschafttn Form einer K om- mandit-Gesellschaft nunmehr in Kraft getreten ist, und unter der Firma: Heinrich Hennig u. Co. in Waldheim i. S. ge> führt wird. Die zeftherige intermistische Leitung, welche Louis Eckst ein geführt, hat sich dadurch erledigt, und ist überhaupt bekannt zu machen, daß Eckstein genannter Gesellschaft nicht mehr angehört. Wir empfehlen daher auf's Neue unser Fabrikat allen Arbeiter- vereinen und Arbeitersreunden, mit der ergebensten Bitte, unser Unternehmen fördern zu Helsen. Wald he im, im Oktober. D er Aussichtsra th. Karl Rösger, Vorsitzender. Eduard Keßler, stellv. Vorsitzeuder. Karl Franke, Schriftführer. Karl Zimmermann. Eduard Deutscher._ 2)2_ Kür Hannover. tischer Arbeiterverein. Sozialdemokrati Sonnabend, den 28. Oktober Berfammluiig im Lokale des Herrn Bartling Knochenhauerstr. Nr. 59. Tagesordnung: 1) Sozial- politischer Wochenbericht, Referent: Weilop s. 2) Zweck, Mittel und die verschiedenen Organisattonen der ozialdemokratischen Arbeiterpartei, Reserent: Reich elt. Unterzeichneter ersucht um zahlreiches und pünktliches ErscheiueN der Mitglieder. Freunde sind willkommen._ Philipp Wiemer. � Sozial-demo�atischer �rveiter-Bereiu. Freitag, den 27. Oktober Abends 8 Uhr: Versammlung un Saale der„goldenen Säge"(Restaurant„Victona") Ecke der Dresdner- und Langenstraße. Tagesordnung: 1) Sozial-politischer Wochenbericht(Res. Heide' inann_— 2) Fortsetzung der Debatte von voriger Sttzung. Gäste sind willkommen. Der Vorstand. Leipzig: Verantw. Redakteur W. Liebknecht(Redaktion: Petersstetn weg 13.) Druck u. Verlag F. Thiele(Expedition: PeterSstr. I**-' m Hl