M 87. Zonnabcnv, Ben W. Oktober. 1871. Erscheint wöchentlich 2 mal m Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstraße 13, K.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AbotmementspreiS: Kür Preußen incl. Stempel- fteuer 16 97«., für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Filialerpedition für die Ber- einigten Staaten: IT. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der soM-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschasten. Au die Parteigeuoffeu. Trotz mehrfacher Aufforderung haben bis heute nur 50 bis 60 Orte ihre Vertrauensmänner bei uns angemeldet, oder sonst uns Notiz gegeben. Wir haben nicht Lust, noch länger um etwas zu bitten, wozu im gesammten Partei-Jnteresse jeder zur Partei-Organi- sation sich zählende Ort, ganz von selbst verpflichtet ist. Eine solche Gleichgültigkeit und Theilnahmslosigkeit kann nicht scharf genug gerügt werden, mehr noch: dem muß ein Ende gemacht werden. Wir erkläre» deshalb, daß die Parteigenossen eines jeden Ortes, der bis zum 15. November seinen Vertrauensmann nicht bei uns angemeldet hat, auch nicht mehr als der Organisation unsrer Partei an- gehörend von uns betrachtet werden. Parteigenossen>. Wir haben erklärt, daß Ordnung in un- seren Reihen geschafft werden muß, und werden dies um jeden Preis durchsetzen, hoffend von Allen unterstützt zu werden, denen das Wort Organisation mehr als eine schöne Phrase ist. Wem das nicht gefällt, gut! der mag fern bleiben. Auch außerhalb unsrer Organisation stehenden Parteigenossen werden wir als Freunden in jeder Beziehung zu Diensten sein, falls man unsrer Unterstützung bedürfen sollte. In erster Linie aber und vorzüglich ist unsere Pflicht, die einheitlich organisirte, fest geschloffne und prinzipientreue sozialdemokratische Arbeiter- Partei zu fördern und zu kräftigen, so weit dies in unsrer Macht liegt, und dies wollen, dies werden wir thun. Für den Ausschuß: �_ Th. Külbel, Th. Yorck. An die Parteigenoffen. Unserer Aufforderung in Nr. 76 d. Bl., uns die Namen resp. Adressen der nach Z 5 der Geschäftsordnung vorzuschlagenden Vertrauensmänner einzusenden, sind ferner nachstehende Orte nachgekommen, deren vorgeschlagene Vertrauensmänner hierdurch als bestäligt bekannt gemacht werden: Für Gotha: Herr G. Augusttn " Lichtcuft. Hallnberg:„ C. K. Koelz. .. Burgstädt:„ B. Drescher. .. Mittweida: „ Geyer: Münchenberusdors: „ Reichenbach, i. V. Für den Ausschuß, Th. 9) o r ck. A. Bernd. Louis Schreiber. Frd. Frz. Hammau«. Politische Uebersicht. „Die ganzePreußische Rechnungskontrole ist bloß Gaukelspiel", rief Herr Richter, fortschrittlicher Abgeordneter jüngst im Reichstag aus. Nun, noch viel mehr ist„Gaukel- spiel." Und daß man solche Reden hält, wie Herr Richter und schließlich das Budget bewilligt, wie das fortschrittlicher Eomment ist, das gehört auch zu diesem„Gaukelspiel".— Aus der Benedetti'schen Pandorabüchse sei heute die folgende, Brünn, den 15. Juli 1866,— also 11 Tage nach der Schlacht von Sadowa— datirte Depesche mitgetheilt: Herr Minister! Vom Beginne unserer Unterredungen an hat Herr von Bismarck mir die Bedingungen mitgetheilt, von denen der Botschafter des Königs in Paris die Zustimmung Preußens zu einem Waffenstillstand abhängig machen sollte, und ich habe kaum nöthig zu sagen, daß er die Annexion Sachsens, des Kursiirstenthums Hessen und Hannovers als eine durch die Kriegsopfer und die Erfolge Preußens vollständig gerechtfertigte Forderung mir darzustellen versuchte. Ich habe mir vom ersten Augenblicke an erlaubt, eine solche Forderung nicht als ernstlich gemeint zu betrachten und bemerkte Herrn von Bis- waick, daß Europa nicht mehr in der Zeit Friedrich's des Großen lebe, wo das, was gut zu nehmen, auch gut zu behalten war. Ich habe, ungeachtet der Hartnäckigkeit mit der er mich zu überzeugen ver- suchte, daß leine Macht Preußen wegen dieser Annerion tadeln werde, hinzugefügt, daß die Mächte im Gegentheil sämmtlich durch eine» solchen Mißbrauch der Gewalt und des Sieges verletzt sein wurden. Der Ministerpräsident verzichtete darauf, mich zu seiner Anschaungsweise zu betehren, gestand mir aber ohne Schwierigkeit in einer anderen Unter- Haltung, daß die dem Herrn von der Goltz ertheilten Instruktionen nichts Absolutes hätten; daß ihr Hauptgewicht vielmehr darin liege, ein Ein- verständuiß mit der Regierung des Kaisers zu finden, und Herr von Goltz ermächtigt sei. dergestalt zu verhandeln(„transiser") daß die Forderungen Preußens dem Preis entsprechen, welchm Frankreich darauf setzt, mit uns zu einem Einverstandniß zu gelangen, vorausgesetzt nur, daß man in Paris gewissen Klauseln zustimme, von denen die Regierung des Königs entschlossen sei. nicht abzugehen. Während dieser neuen Unterhaltung bestand Herr von Bismarck, indem er sich nachgiebiger hinsichtlich der Borrheile zeigte, die nach seiner An- sicht für Preußen erworben werden müssen, ganz besonders auf der Zweckmäßigkeit, daß Frankreich und Preußen sich einigen und ver- st and igen. Ungeachtet meiner wiederholten Erklärungen, daß ich weder mit den nöthigen Instruktionen noch mit Vollmachten versehen fei, bot er mir an, mit mir die Grundlagen zu eineni Waffenstillstand zu dis- kutiren und sestzusetzen; sobald wir zu einem Entwurf gelangt seien, werde er dem König die Einstellung der Feindseligkeiten unter Vor- behalt der Zustimmung der Regierung des Kaisers vorschlagen. Dem- selben Gedankenzuge folgend ging Herr von Bismarck ohne irgend eine Ermuthigung von meiner Seite noch weiter; er versuchte mir zu beweisen, daß die Niederlagen Oesterreichs, Frankreich und Preu- Sen gestatten, ihren Gebietsstand zu ändern und fortan die Mehrzahl der Schwierigkeiten zu lösen. welche den Frieden Europa's noch bedrohen würden. Ich rief ihm ins Gedächtniß zurück, daß doch Verträge eristirten und der Krieg, dem er zuvorkommen wolle, gerade das erste Resultat einer solchen Politik sein werde. Herr von Bismarck antwortete, daß ich mich darin irre, daß Frankreich und Preußen, in dem Willen vereint und entschlossen, ihr« Glänzen zu ver- bessern, sobald sie sich durch seierliche Verträge verbinden, vollkommen in der Lage seien, diese Fragen unter sich zu regeln, ohne einen bewaffneten Widerstand sei es von Seiten Englands' sei es von Rußland befürchten zu müssen. Ich resumire hier nur den Gedankengang, mit dem mir der Ministerpräsident seine An- sichten über den Gegenstand auseinandersetzte, und ich habe dabei einzig den Zweck im Auge, Ihnen einen Maßstab für den Werth zu geben, den Herr von Bismarck darauf zetzt, sich der Controle Europa's ent- ziehen zu können, und an deren Stelle nur ein Einverständniß mit der Regierung des Kaisers zu setzen." Benedetti fährt sodann in seinem Buche fort: „Bereits zu dieser Zeit war es offenbar die Absicht des Herrn von Bismarck, mir zu verstehen zu geben, daß die Erfolge Preußens ein Hinderniß für die Vortheile geworden seien, die man uns vor dem Kriege am Rhein hätte zugestehen können. Einige Tage später, am 25. Juli, erhielt ich die Weisung, ihn über diesen Punkt zu sondiren; ich sah ihn am folgenden Morgen und er verhehlte mir in der That nicht, da« es ihm schwer sein werde, den König, den Besicgcr Oesterreichs, zu bestimmen, uns einen Theil des preußischen Gebietes am Rhein abzutreten, und daß er auf jeden Fall Seine Majestät zu einem solchen Cntschluffe vor- bereiten muffe. Cr fügte hinzu, daß man vielleicht in der Pfalz die Kompensation finden könne, weiche wir zu verlangen für billig hielten. Aber er neigte sich weit mehr dem Gedanken zu, daß es vorzuziehen sei, eine andere Kombination zu sinden, und ich konnte damals eine meiner Depeschen mit den Worten schließen:... „Ich berichte Cw. Exzellenz nichts Neues, wenn ich sage, daß Herr von Bismarck der Anficht ist, das wir in Belgien unsere Kompensation suchen und daß er mir angeboten hat, sich Sarüber mit uns zu verständigen." Auf die Tragweite dieser Benedetti'schen Enthüllungen, brauchen wir nicht besonders aufmerksam zu machen. Graf Bismarck hat die geradezu zerschmetternde Wirkung derselben durch eine Gegenenthüllung, oder wie Studenten das zu nennen pflegen, durch eine Retourkutsche zu entkräften gesucht und im„Staatsanzeiger" den Beweis geliefert, nicht daß Bismarck unschuldig, sondern daß Bonaparte ein Lump— was nicht zu beweisen war. Im„sittlich verkommenen" Frankreich, war das öffent- liche Sittlichkeitsgefühl stark genug, einen Minister(I. Favre) aus dem Amt zu treiben, obgleich derselbe seinen Verbrechen den Stempel des„Erfolgs" aufgedrückt hatte. Im„sittlichen" Deutschland— Stieberei. Herr Lübeck, Redakteur der„Demokratischen Zeitung", richtet an das München er Polizeipräsidium folgende bescheidene Anfrage:„Seit dem 1. Oktober wurden von mir sieben Briefe, welche Manuskripte enthielten, an den Redakteur des„Deutschen Demokrat", Dr. Goldmann, nach München gesandt, was durch Zeugen nachgewiesen werden kann. Von allen Briefen ist auch nicht einer an seine Adresse gelangt. Exemplare des„Deutschen Demokrat", welche von München an den Absender dieser Briefe geschickt wurden, sind merkwürdiger Weise gleichfalls nicht einge- troffen. Vielleicht weiß das Münchener Polizeipräsidium oder gar der Minister v. Pfeuffer, wo diese Briefe und Zeitungen hingekommen sind?"— Aus Bremen theilt man uns einen Fall höchst eigen- thümlicher Militärpraxis mit, dessen Gesetzlichkeit uns sehr problematisch erscheint, und der jedenfalls einer genaueren Untersuchung bedarf. Unser Korrespondent schreibt: „Als am 15. September c. die Schneider von der Handwerker- Kompagnie des hier garnistonirenden 75. Infanterie- Regiments ent- lassen wurden, hatte sich Einer der zu Entlassenden, noch ehe die Pässe enipfangen waren, ziemlich stark betrunken, und soll in diesem Zustande den Posten wie den Hauptmann der Kompagnie beleidigt haben— ob ihätlich, weiß ich nicht. Die Folge war, daß er nicht entlassen wurde, sondern in Untersuchungsarrest kam, worin er sich augenblicklich noch befindet und seiner Bestrafung entgegen steht. Das Schönste nun aber ist: noch zwei andre Reservisten, ebenfalls Schneider— davon einer, der 4 Jahre aktiv gedient hat,— hatten sich aus Freude über ihre Entlassung ebenfalls etwas angetrunken, dies jedoch erst nachdem ie bereits ihre Sachen abgegeben und die Militär-Pässe empfangen hatten, d. b. also: vom Militär eittlaffen waren. Gm— acht Tage nach ihrer Entlassung erhalten die 2 Betreffenden Ordre, sich sofort wieder zu stellen, und werden wieder einquartirt und eingekleidet, mit einem Wort, wieder ZU Soldaten gemacht. Jedoch brauchen sie keinen Dienst zu thun; man sagt ihnen aber auch nicht, warum sie wieder eingezogen sind. Aus dm Verhören, welche dieselben zu bestehen hatten, zu schließen, glauben die Beiden nun. daß sie eigentlich nur als Zeugen dienen sollen in Sachen des ersterwähnten Soldaten. Das Staunen erregende an der Geschichte ist: daß die Militärbe- Hörde das Recht haben soll, Leute die zur Reserve entlassen sind, weil sie ihre aktive Dienstzeit— in diesem Falle der eine 3 der andere 4 Jahre— um haben, so mir nichts Dir nichts wieder einzuziehen. Oder sollte das etwa eine Eigenmächtigkeit seitens der laiserlich königlichen Militärbehörden sein, eine schöne Frucht— des„heiligen" Krieges? Muß man nicht gegenüber solchen Vorkommnissen in beständiger Angst leben, daß man gezwungen wird, eines schönen Morgens mitten im Frieden den„blauen Kaiserrock", mit dem so viele— Annehmlichkeiten verknüpft sind,— wieder anzuziehen?'' Die„Demokratische Zeitung" in Berlin, welche in diesen Dingen besser bewandert ist als wir, wird die Rechtsfrage wohl beantworten können.— Wie uns Herr Hans Blum in seinen„Grenzboten" zu wissen thut, will er den literarischen Nachlaß seines Vaters, RobertBlum herausgeben und daraus den Beweis liefern, daß Robert Blum eigentlich ein Hans Blum gewesen, und folglich Hans Blum der wahre Robert Blum sei. Armer Robert! Und nun nochmals die Frage: Gibt's denn kein Gesetz, gegen den moralischen Vatermord?— In Oesterreich ist alles ruhig. Diej Ministerkrisen- gerüchte waren Schwindel, und ebenso die Revolutionsgerüchte. Hohenwart denkt nicht daran, zu zehn, und die Bourgeoisie nicht, ihn zehn zu machten, sintemalen etwas mehr dazu ge- hört als Worte._ Man schreibt uns aus Belgrad 6. ä. 6/18.�) Oktober. „Ihre brüderliche Neigung gegen uns, gibt uns neue Kräfte für die heilige Sache des menschlichen Geschlechts. Wir sehen keinen Unterschied zwischen den Serben und den Deutschen. Mensch istMensch. Die Natur ernährt Einen wie den Andern. Warum sollte ein Serbe einen Deutschen hassen? Dieser Haß ist nur zu erklären aus Unbewußtsein des wahren Ziels des Menschengeschlechts. Aber wir sollen und wollen dieses Unbewußtsein durch Bildung ausrotten. Wir gehören zu der sozial- demokratischen Partei. Unser Organ „Radenik"(„Arbeiter"), welches seit Juni dreimal wöchent- lich erscheint, hat jetzt über ein Tausend Abonnenten. Obgleich wir in Serbien nur Anfänger in diesem Prinzip sind, so hoffen wir dennoch, schöne Fortschritte zu machen." Internationale Gewerksgenoffenschast der Schuhmacher und verwandten Gewerbe. Nach Beschluß der Mitgliedschaften ist der Vorort bis zur nächsten Generalversammlung nach Zürich verlegt worden. Durch eine noth- wendige Verzögerung in Betreff der Revision ist der zeitherige Auf- sichtsrath behindert gewesen, nachstehende Bekanntmachung zu ver- öffentlichen: In der am 13. September d. I. in Zürich abgehaltenen außer- ordentlichen Mitgliederversamluiig sind nachstehende Mitglieder in den Verwaltungsrath gewählt worden: Wilhelm Dahl, Vorsitzender, wohnt Kuttelgaffe 5 in Zürich, an welchen alle Briese und Berichte zu senden sind; Joseph Gerster, Hauptkassircr, wohnt Schlüßelgasse 12 in Zürich, an welchen alle Geldsendungen zu richten sind; Joseph Firmkäs, Schriftführer; Sebastian Wachtmeister, Georg Hagen und August Lohr als Stellvertreter der 3 Erstgenanten; G. Kirchmann, I. Franck und G. Ries als Revisoren; sowie A. Schönbächler und I. Witzin an ii als Ersatzmänner. Die am 23. d. M. von unterzeichnetem Aufsichtsrath vorgenommene Revision ergab folgendes Resultat: Lt. Protokollbuch hat der Ver- waltungsraty in Leipzig 23 Sitzungen nach der Generalversammlung in Bamberg abgehalten, wovon 15 auf dieses Jahr kommen. Nach dem angelegten Mitgliederverzeichniß betrug die Mitgliederzahl 1065; wobei indeß die meisten der in diesem Jahre neu eingetretenen Mit- glieder nicht verzeichnet sind, da leider die Bevollmächtigten mit dem Einschicken der Mitgliederlisten es nicht allzu genau zu nehmen scheinen. Aus dem Kassabuch führen wir folgende Zahlen auf: Einnahme 1870. Im Juni Kaffenbestand 32 Thlr. 12 Ngr- 4 Pf., Monat Juni aui> Mainz und Leipzig 3 Thlr. 18 Rar. 2 Pf. Monat Juni aus Weimar 3 Thlr. 25 Ngr.— Ps., im Juli auS Dresden, Wandsbeck und Leipzig 7 Thlr. 5 Ngr. 2 Pf., 4m September aus Leipzig 1 Thlr. 17 Ngr. 9 Pf., im Oktober aus Stuttgart, Nürn- berg, Gotha und Viölu 17 Thlr- 26 Ngr. 6 Pf., im November auS Zürich IL Thlr. 13 Ngr. Pst, im Dezember aus Lohr und. Leipzig 5 Thlr.— Ngr. 1 Pf.; Summa 89- Thlr. 28 Ngr. 4 Pf. Ausgabe 1870: Im Juni 24 Thlr. 7 Ngr. 7 Pst, im Juli 3 Thlr. 21 Ngr. 5 Pf., im August- Thlr. 16 Ngr.- Pf., im September— Thlr. 25 Ngr.— JPst, im Oktober 14 Thlr. 16 Ngr. 7 Pst, Noveniber 4 Thlr. 24 Ngr. 5 Pst, Dezember 23 Thlr. 18 Ngr. — Pf., Summa 72 Thlr. 9 Ngr. 4 Pf. Verblieb ein Kassenbestand von 17 Thlr, 19 Ngr.— Pst Da indeß bei Uebergabe der Kasse im Juni v. I. der ehemalige Kassirer Hr. Windler zu seinem Schaden eine Differenz von 10 Ngr. 9 Pf. der Kasse gut geschrieben, so betrug der Kasseilbestand im Dezember 1870— 17 Thlr. 29 Ngr. 9 Pf. Einnahme 1371. 1. Januar Kassenbestand 17 Thlr. 29 Ngr. 9 Pf. Vom Januar bis März sandten Stuttgart, Wandsbeck, Dres- cen, Zürich und Leipzig 31 Thlr. 23 Ngr. 2 Pf. Vom April b:s Juni sandte Zwickau 2 Thlr. 28 Ngr.— Pf. Vom Juli bis Sep- reinber sandten Fürth, Leipzig, Dresden und Mainz 18 Tblr. 24 Ngr. R 3 Pf. Zinsen von 20 Thlr. auf 5 Monate— Thlr. 8 Ngr. 9 jj Summa 71 Thlr. 29 Ngr. 3 Pst Ausgabe 1871: Januar— März 7 Thlr. 20 Ngr. 8 Ps. April- Juni 15 Thlr. 5 Ngr. 4 Pst Juli— September 17 Thlr. 16 Ngr. 8 Pf. Summa 40 Thlr. 13 Ngr.— Pf. Verblieb ein Kaffenbestand von 31 Thlr. 16 Ngr. 3 Ps. Da es deni Verwaltungsrath in Leipzig gelungen war, sämmtliche Schulden der Gewcrksgenossenschaft, trotz der ungünstigen Zeiwer- hälnisse, zu decken, so sandle nach Abzug von eimgen Verlägen der. zeitherige Kassirer Hr. Ullrich den Betrag von 30 Thlr. 25 Ngr. an uns, welches wir heut dem neuen Kassirer Hrn. I. Gerster in Zürich schickten. Nach dem vorliegenden Resultat können wir gettost in die Zu-- kunft sehen; es mögen aber auch allerwärts die Mitglieder mit erneuter Thätigkeit vorgehen, um die große Masse unserer Berussgenossen aus ihrer Theilnahmlosigkeit aufzurütteln! Die Wogen des Klassenkampses brausen immer mächtiger an uns heran, mag Jeder bedenken, daß nur eine große Vereinigung im Stande ist, diese» Kampf aufzunehmen und siegreich durchzuführen; denn vereinzelt sind wir Nichts, vereinigt Alles. Dresden, den 24. Oktober 1871. Der' Aufsichtsrath. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Zur Beachtung. Der 8 16 des Statutes unseres Kranken-llnkerstützungs- Bundes hat zu einer Streitfrage Veranlassung gegeben, die der Aus- schuß durch eine allgemeine Abstimmung der Mitglieder zu erledigen für nothwendig erachtet. Durch 8 16 wird bestimmt, daß das Beer- digungsgeld in Todesfalle eines Mitgliedes, nur an die hinterlassene Wittwe oder Kinder ausgezahlt, also nur den Verheiratheten zu Gute kommen soll. Gegen diese Fassung des 8 16 ist Einspruch erhoben; deshalb schlägt der Ausschuß vor, die Worte—„an die hinterlassene Wittwe oder Kinder"— umzuändern in— legitime Erben. Durch diese einfache Veränderung wird alle» Anforderungen vollständig Genüge geleistet. Die Bevollmächtigten werden hierdurch aufgefordert, innerhalb vier-. Wochen die allgemeine Abstimmung zu veranlaffen. Spätestens aber bis zum 1. November ist das Resultat dieser Abstimmung unter An-,' gäbe der für und gegen stimmenden Mitgliederzahl an Unterzeichneten- einzusenden. In Serbien wird, wie in Rußland, noch nach dem alten Julianischen Kalender gerechnet, der von dem Gregorianischen jetzt um 12 Tage differirt. (Fortsetzung aus Seite 4.) Die Bertheidiguug von Paris von Blanqui. (Fortsetzung.) S. September 1870. Nie hat das Boll von Paris sich größer, einmüthiger ge- zeigt, als in dieser schrecklichen Krisis. All' seine Klagen sind vergessen. Die Neuerungsideen, welche es jüngst allein noch in Leidenschaft versetzen konnten, finden keinen Platz mehr in seiner Verwirklichungsarbeit. Kämpfen bis in den Tod, Paris retten und Frankreich und koste es den letzten Blutstropfen, das ist der feste Gedanke. Man spreche ihm von nichts anderem, es empört sich. Das Aufopferungsfieber verschlingt es, es wird der Regierung fol- gen gesenkten Hauptes, blind, vorausgesetzt nur, daß die Re- gierung es gerade auf die Preußen losführe. Dagegen versetzt es der geringste Verdacht von Schwäche, von Zaudern in Wuth. Eine vage Unruhe beginnt es zu durch- zittern. Es hat den patriotischen Enthusiasmus der Presse ernst genommen, und nun scheint ihm das Handeln nicht gleichen Schritt mit dm Worten zu halten. Es zweifelt. Vielleicht ist eS Jrrthum oder Ungeduld seinerseits, aber das Mißtrauen bricht sich Bahn. Zwei Umstände tragen besonders zu seinen Befürchtungen bei: Der Verzug einer offiziellen Entscheidung über die Ex- garde von Paris und die Polizeisoldaten(sergents de ville) und der augenscheinliche Mangel aller Vorbereitungen zum Widerstande. Warum nicht die Streitkräfte der alten Polizei entfernen? Man fürchtet die 4 oder 5000 Polizeisoldaten mehr im Bour- geoiSrock als in der Uniform. Ihre Feindschaft wird so noch viel Jefährlicher sein. Andererseits erscheinen die Exgarden in ihren asernen als eine Drohung. Die so sanftmüthige Februar- revolution hatte sie doch verabschiedet. Warum sie nicht unter die Truppen einreihen? Auch über die unzureichende Armirung ist die Unruhe leb- Haft und wird nur größer durch das Stillschweigen der neuen Machthaber. Man versichert, daß die Arsenale leer, die Ar- tillerie mehr als unvollständig sei. Warum hierüber nicht die ganze Wahrheit sagen? Die Stummheit ist nicht mehr am Platze. Man hat Frankreich so nichtswürdig getäuscht, unter jenem schlech- testen Borwand: man wollte den Feind nicht aufklären. Heute gilt es zu sprechen. Was das Volk bewegt, ist, daß man einerseits zugiebt, Kanonen und Gewehre fehlen, und daß es andererseits mit eigenen Augen die Unthätigkeit der Kriegswerkstätten sieht. Es giebt in Paris eine Menge großer Werkstätten, ausgerüstet mir mächtigen Werkzeugen, um die alten Gewehre umzuformen, Chasse- pots und Mitrailleusen zu fabriciren, Kanonen zu gießen. Nun, diese Werkstätten sind nicht in Thätigkeit. Die einen sind schon geschlossen, andere werden es bald sein. Keine fabricirt Waffen, obgleich sie alles Werkzeug dazu haben. Warum? Die Bevölkerung will die Wahrheit wissen. Sie fordert die- selbe mit lautem Ruf. Ein nicht minder peinlicher Grund zur Angst sind die ungenügenden Befestigungsarbeiten. Unglücklicher Weise ver- steht daS Publikum nichts von diesen Fragen und, selbst nicht urtheilsfähig, weiß es nicht, an wen sich halten. Man hat es mit hohlen Phrasen über die Bedeutung der Befestigungen und der Enceinte(Umwallung) genährt. Boll Glückseligkeit hat es dieselben verarbeitet. In Wahrheit sind die Forts Papierschachteln, welche die heutige Artillerie in einigen Tagen zertrümmert. Die Enceinte ist außer Stande, in die Vertheidigung einzugrei- fen. Der Weg ist ihren Geschossen versperrt. Man müßte zunächst daS Gehölz von Bincennes und von Boulogne rasiren, was ziemlich leicht geht, dann die zwischen der Enceinte und den Forts ge- legenen Häuser zerstören, eine Sache, die zur Stunde absolut unausführbar ist. Ich zweifle sogar, ob man, mag der Grund sein, welcher er wolle, sich entschließen könnte, alle zur Stadt gehörigen Gemeinden zu opfern. Ueberlegt ein wenig! Man müßte rasiren, auf dem rech- ten Ufer: Alfort, Charentonneau, Conflens, Charenton, Saint- Maurice, Saint-Mandä, Vincennes, Charonne Exterieur, Bag- nolet,Montreuil,Fontenay-aux-Bois,Romainville, Les Pr�s Saint- Gervais, Pantin, Aubervilliers, Saint-Ouen, Clichy, Courcelles, Neuilly, Villiers, Levallois, Alles was im Gehölz von Bou- logne steht, Poinl-du-Jour, Billancourt. Auf den linken Ufer: Jssy, Vanves, Montrouge exterieur, Gentilly, Arceuil, Bicetre, Jvry! Welch furchtbare Hakatombe Von Städten und Dörfern! Man kann nicht daran denken. Grade diese Masse von Gebäuden, welche zwischen der Enceinte und den Forts liegt, paralysirt das Feuer der En- «inte und erleichtert die Annäherung des Feindes. Ein in erster Linie kompetenter Mann, Herr Brunei, ein alter Artillerie-Offizier, hat in einem sehr klaren Artikel des Siecke dieser Gefahr vollständig Rechnung getragen. Er schlägt zur Milderung des Uebels die Befestigung der Ausgänge all die- ser Dörfer vor. Aber er muß selbst einsehen, daß dies ein schwaches Palliativmittel ist, fähig den Belagerer wenig, sehr wenig zu hemmen. Denn derselbe wird immer durch die massiven Gebäude geschützt bleiben. Im Jahr 1840 hatten diese Mängel nicht dieselbe Be- deutung. Die Artillerie war weit entfernt, die heutige Wirkungs- kraft zu besitzen. Von den zwei konzentrischen Zonen um die Enceinte, nehmen wir an, sie seien ganz nackt, hat die nächst- liegende eine Breite von 600 Meter, eine wirksame Büchsen- schußweite; die andere 1200 Meter, eine wirtsame Kanonen- schußweite. Ich sage: nehmen wir an, sie seien ganz nackt, in Erwägung, daß das Bauen immer nur auf der ersten Zone, der von 600 Meter, verboten war. Man konnte nach Belieben auf der zweiten bauen. Man hat aber ebenso auf der ersteren gebaut trotz des Verbotes, weil die Belagerung von Paris damals ein Hirngespinnst schien. Der Geniestab legte kein Hinderniß in den Weg und behielt sich nur die Rücknahme des TerrainS im Falle der Nothwendigkeit vor. Was ist heute die Tragweite von 600 Meter? Die eines Percusstonsgewchrs. Die Chassepots tödten auf mehr als 1200 Meter, die alte wirksame Kanonenschußweite. Um die Wahrheit zu sagen, man hat die Enceinte niemals im Ernst genommen. Louis Philippe wollte sie nicht und be- quem« sich nur dazu, um die detachirtm Forts zu erhalten. Im Prinzip sollten die Forts allein die Vertheidigung oder besser den Angriff auf sich nehmen. Denn sie wurden einzig und allein gegen Paris errichtet. Der Beweis ist, daß die Regierung die Kühnheit gehabt hat, das erste(das Fort Epine,) auf den Höhen des Pöre-Lachaise zu errichten. Ein Zornschrei erhob sich in der ganzen Bevölkerung. Der Gedanke war zu klar. Die Männer der damaligen Zeit können sich der langen und wüthenden Polemik in der Presse gegen diese Bombardirungsprojekte erinnern. Man willigte gerne ein, Paris zu befestigen, aber gegen den Fremden. Die Opposition schlug eine durchlaufende, die Stadt nicht bedrohende, sondern beschützende Enceinte vor, welche nur dem äußeren Feind furchtbar sein konnte. Das lag nicht in der Absicht des Monarchen. Ihn kümmerte wenig die Gefahr der Invasionen, die er nie provo- ziren durfte. Worauf es ihm ankam, waren die Citadellen, um die liebenswürdigen Vorstädte im Schach zu halten, wie er sich selbst ausdrückte. Diese Worte finden sich in einem Brief von ihm, der in feindliche Hände fiel und von der Gazette de France veröffentlicht wurde. Darob ungeheurer Skandal. Die Aa ficht dieses gnädigen Monarchen liegt außerdem in der Anlage der Forts selbst klar zu Tage. Er wurde ge- nöthigt, sie auf entfernteren Punkten zu errichten, als der ur- sprüngliche Plan wollte. Man sieht, daß sie auf der Seite der Stadt zusammengedrängt sind, welche am wenigsten des Schutzes bedarf. Die Höhen von Belleville sind von Natur sehr stark. Es ist wahr, daß sie beim Anrücken einer fremden Armee zunächst bedroht sind. Aber der Feind kann diese Hügel vom Norden herumgehen. Im Jahre 1815 hat man die Preußen nach Waterloo stromabwärts von Paris über die Seine setzen, auf Versailles, dann auf Meudon, Clamart und Jssy losziehen sehen, indem sie so die Hauptstadt von Südwest her angriffen, während die Engländer unter Wellington von der Ebene von Saint-Denis her die Stadt einschlössen. Was noch mehr die schuldvolle Absicht Louis Philippes beweist, ist, daß man im ursprünglichen Plan eine mehr als 6000 Me- ter breite Spalte zwischen dem Fort von Pantin und westlichen Fort auf der Straße nach Norden freigelassen hatte, die jedes natürlichen Schutzes entbehrt und dem von Belgien her kommen- den Feind offen steht. Diese Lücke, welche die geheimen Absichten der Regierung verrieth, verursachte einen solchen Skandal, daß man ihn nicht ignoriren konnte, und man baute, uin die öffentliche Meinung zu be- schwichtigen, das Fort von Aubervilliers, welches noch sehr un- genügend ist. Endlich, als letzte Enthüllung des königlichen Gedankens, ist der ganze Westen von Paris ohne Forts geblieben. Es gibt auf dieser Seite keine liebenswürdigen Vorstädte. Die Festungen waren also unnütz. Ihr Fehlen ist heute ein grausamer Nachtheil. Diese ganze große Ebene ist den An- griffen der Preußen freigegeben. Der Mont- Valerien schützt einen ziemlich ausgedehnten Rauin. Aber man hat ihn nur als Waffenplatz erbaut, um den Rücken der Tuilerien und der Champs-Elysees zu decken und als Operationsbasis zu dienen gegen den Osten der Stadt, wo die Arbeiter-Massen Hausen. Der Streit zwischen dem Projekt einer fortlaufenden Enceinte und dem detachirter Forts wurde so heftig und er- bittert, daß Louis Phillipe die Unmöglichkeit eines vollständigen Sieges wohl einsah und zu einem Kompromiß seine Zuflucht nahm. Er gab die Enceinte zu und die Opposition gestaltete die Forts. Diese etwas lange historische Auseinandersetzung über die Befestigungen hat zum Zweck, die Ursache ihrer Mängel auf- zudecken. Sie wurden nicht im Hinblick auf einen Krieg mit auswärtigen Feinden gemacht, sondern im Hinblick auf eine innere Unterdrückung. Dem unpopulären Monarchen lag wenig daran, ob die Enceinte durch die Masse Dörfer lahmgelegt und zu nichte gemacht wurde. Schwach gegen Belag erungsge- schütz, hatten diese Forts von Insurgenten ohne Kanonen nichts zu fürchten. Es gibt nur Eine wirksame Art die Hauptstadt zu ver- theidigen d. i. ein Krieg mit Erd werken 3000 Meter vor den Forts. Schwache Aufwürfe genügen, die Artillerie zu decken, Erdaufwürfe, die mit Raschheit ausgeführt werden können. Die erste Bedingung für einen Kampf dieser Art ist eine zahlreiche Armee. Denn das ist keine Belagerung mehr, sondern eine in die Länge gezogene Schlacht auf der Ebene, hinter den Verschanzungen und unter dem Schutze der Forts. Diese Verschanzungen können zusammenhängend mit Zwischen- räumen zum Durchgang der Kavallerie oder über die Peripherie hin zerstreut werden in mehr oder weniger großen Zwischen- räumen von einander. Ihre Kraft liegt in ihrem Zusam- menhang, und die Artillerie ist dabei das wesentliche Element. Konstruirt seit lange her auf einer Peripherie von 80,000 Meter(20 Meilen) hätte diese Befestigung nicht mehr als ein Viertel oder Drittel ver heutigen Enceinte gekostet, deren innere Böschung 12 Meter hoch ist. 5 Meter Höhe über dem Boden des Grabens, die innere und äußere Böschung gemauert, eine ganz sanfte Abdachung und der Kamm der Brustwehr in der Richtung des Glacis, um dem Schuß aus der Ferne zu entgehen, mußte diese Linie von Laufgräben Zwischenräume zwischen sich lassen, breit genug um während der Schlacht die Kavallerie durch zu lassen. Heute ist diese Arbeit nicht möglich. Die Vertheidigung durch Erdwerte mit schwachem Aufwurf ist dagegen sehr leicht durchführbar. Man muß den Feind aufmerksam überwachen und sich nicht durch seine Finten irreführen lassen. Sobalo sein An- griffspunkt demaskirt ist, beginne eine Armee von Arbeitern, während der Nacht die Linie von Erdwerken zugleich auf der ganzen Angriffsfront. Man armire sie rasch mit Artillerie und die Schlacht kann sofort beginnen. Wenn der Feind mit dem Spaten gegen die Erdwerke vorgeht, so rücke man auf dieselbe Weise gegen ihn vor, und erlaube ihm nicht auch nur einen Zoll an Terrain zu gewinnen. Dieselbe Front, dieselbe Anzahl Truppen, und der Vortheil ist auf Seiten der Vertheidigung. Der überreizte Chauvinismus wird vielleicht sagen, daß bei gleicher Anzahl die Franzosen nicht nöthig haben, so vie Federlesens zu machen und die Preußen in aller Gemüthsruhe vernichten können. Man hat uns darauf abgerichtet, solchen Chauvinisten das Ohr zn leihen. Hüten wir uns vor solchen Kindereien. Sicherlich sind bei gleicher Anzahl geschult? französischeSolda- ten den Preußen vollständig gewachsen. Aber die Armee von Paris wird aus verschiedenen Truppen zusammengesetzt sein, Linien- soldaten, Mobilen, Freiwilligen, seßhaften Nationalgarden jeden Alters. Die große Mehrzahl wird nur sehr wenig in den Waffen geübt sein. Deßhalb gilt es, vorsichtig zu sein und nichts aus Tollkühnheit zu riskiren. Die Zeit ist für uns in einem derartigen Kampf. (Fortsetzung folgt.) Der sozial-demokratische Kongreß in Dresden. Bracke's Referat über das Haftpflichtgesetz. (Nach dem stenographischen Bericht.) (Schluß.) Im Vorbeigehen einen Blick aus die Anzahl der getödteten Arbeitgeber! Bei dem Bergbau ist diese— 0, bei dem Landverkehr— 2, welche Zahl wohl ohne Frage auf die Passagiere bei den Eisenbahnen ic. fällt; bei den Baugewerken, bei welchen es bereits eine Anzahl kleiner, selbst mitarbeitender Meister giebt, steigt sie auf 17 und bei der Landwirthschast sogar aus 107. Bei der letzteren ist aber zu beachten, daß alle kleinen Brinksitzer, Köthner ic. als Arbeit- geber betrachtet werden, obschon sie meist auch für Andere gegen Lohn arbeiten. Möchte aber auch die Anzahl der getödteten Arbeitgeber in diesen Gewerben eine noch so große sein, so wäre daraus ein Ein- wand gegen die Hastpflicht der Unternehmer in diesen Gewerben nicht herzuleiten.' Denn: hatten die 325 Bauarbeiter und die 455 armen Tagelöhner und Knechte vom Lande nicht denselben Anspruch ihrer Rechte, auf Schutz gegen Gefahren an Leib und Leben, wie die 1S8 Arbeiter, welche in demselben Zeiträume bei dem ganzen Verkehr zu Lande das Leben einbüßten? Und gerade z. B. die Guts- und Domänenpächter, die Gutsbesitzer, die Landlords, sollten gesetzlich ge- zwungen werden, das Leben und die Gesundheit ihrer so oft miß- achteten und mißhandelten Arbeiter heilig zu halten und bei ent- stehenden Vernnglückungen mit entsprechenden Entschädigungen einzu- treten, während heute den ländlichen Arbeiter und seine Familie meist ein grauenerregendes Armenhaus erwartet! Nun, m, H., wenn Sie die beiden großen Zahlen aus den Bau- gewerben und der Landwirthschast; wenn Sie diese beiden großen Zah- ien und die aus dem Verkehr zu Lande incl. der Eisenbahnen gegen einander halten, so sehen Sie aus den ersten Blick, daß bei einer gro- ßen Menge von Verunglückungen auf Grund des Hastpflichtgesetzes dem Beschädigten oder seinen Angehörigen gar keine Berechtigung zu- steht, Entschädigung zu beanspruchen gegenüber den Unternehmern, in deren Dienste, in deren Interesse der verunglückte Arbeiter sich den Gefahren ausgesetzt sah. M. H., wenn Sie die Zahlen weiter durch- gehen, so kommen Sie sogar zu dem Resultate, daß von allen mög- lichen Verunglückungen nur die geringere Hälfte von dem Hast- pflichrgesetz getrosten wird, und ich glaube weiter Nichts nolhig zu haben, als eben diese Mittheilung zu machen, um zu beweisen, daß das Haftpstichtgesetz auch in dieser Beziehung im höchsten Maaße ungenügend ist. � Mag auch die Frage der Entschädigung bei der Landwirthschast schwierig sein, mag auch manche andere Frage in Betracht kommen— das ist nicht abzustreiten, daß dieses Hastpflicht- gesetz nicht allein insofern mangelhaft ist, als es durchaus nngenü- gende Bestimmungen über die Entschädigung bei Unglücksfällen für eine große Menge von industriellen Unternehmungen.4 gar � nicht darinnen enthalten wäre; und gerade dadurch, daß der Reichs- tag, weit hinausgehend über die Wünsche der Regierung selbst, diesen Paragraph dem Gesetze noch einverleibte, hat er den Beweis geUefeit, daß er nach den Interessen der Arbeiter wenig fragt. Dieser D 4 lautet:.. „War der Getödtete oder Verletzte unter Mitleistung von Prämien oder anderen Beiträgen durch den Betriebsunternehmer bei einer Versicherungsanstalt, Knappschafts-, Unterftutzungs-, Kranken-, oder ähnlicher Kasse gegen den Unfall versichert so ist die Leistung der letzteren an den Ersatzberechligten aus oi Entschädigung einzurechneii, wenn die Mitleistung des Betriebsunternehmers nicht unter einem Drittel der Gesammt- Vor" allen Dingen ist es„othwendig, m. H., haß wir uns klar machen, was in diesem etwas weitschweifig abgefaßten Paragraphen eigentlich steht. Es ist das am besten an etnem kurzen Beispiele nachzuweisen: In einer Fabrik arbeiten 100 Arbeiter; diese liefern wöchentlich jeder 1 Silbergroschen und der Unternehmer se>nerse.ts für jeden Arbeiter wöchentlich Silbergroschen m lolche ftasse, da ! m. H., hat der Unternehmer die Berechtigung, welche ihm der gewährt; er zahlt V. der gesaminten Beitrage, welche in diese Kasse stießen. Jetzt geschieht ein Unglück; es stirbt-m Arbeiter, e.ne Ma- schine hat ihn erfaßt, oder es ist sonst etwas geschehen. Es wird nun auch nachgewiesen, daß der Betriebsunternehmer die Schuld tragt an diesem Unglück, daß ein Ausseher, ein Betr.ebSbeamter seine Pflicht verletzt, dadurch das Unglück verschuldet hat. Bcr UiUeriichmer mutz also bezahlen. Nun erhält aber in diesem Falle d.e Wittwe des Ar- beiters aus der betressenden Kasse, aus deren Kosten.vielleicht da Begräbniß stattfindet, außerdem eine bestimmte Summe Geldes, ich will sagen 50 Thlr Das Gericht setzt die Entschädigung, welche die Witwe von dem Unternehmer zu beanspruchen hat, vielleicht aus 100 oder 200 Thlr. fest. Da tritt nun der Fall em, daß die S» Thlr., welche die Wittwe aus der Kasse erhält, dem Unternehmer zu Gute gerechnet werden; diese Summe braucht der Unternehmer nicht mehr ZU zahlen, und warum? Weil der Arbeiter wöchentlich 1 Silber? groschen, er aber'/, Groschen in eine Kasse gezahlt hat, welche bei diesem Unglücksfalle einzutreten hat. Während er ohne alle Frage ver- pflichtet war, den vollen Ersatz, so weit e.n solcher überhaupt gele.- stet werden kann, an die Hinterbliebenen oder an den verletzten Arbeiter zu zahlen, findet er sich für einen Theil dieses Schadenersatzes mit einem Drittel desselben vollständig ab! Das, m. H., hal eine sehr natürliche Folge, und wir würden uns sehr darüber wundern müssen wenn dieser V 4. den in seiner hohen Weisheit der deutsche Reichstag noch in die Regierungsvorlage hineingebracht hat, wenn dieser �4 nicht die Folge hatte, nicht die Unternehmer anspornte d>e Kassen der Arbeiter zu diesem spezielle» Zweck auszunutzen, dieselben derartig zu organifiren und die Beiträge der Arbeiter derartig zuerhohendnßsie für alle eintrete nde n Unglücksfälle vollständig ausreich e nde Unterstützung gewährte». Denn dann, m. H., �t der Unleriiehiner in Unglücksfällen gar nichts zu bezahlen, well die Kasse Alles bezahlt, was än den Entschädigungsbercchtigten auszuzahlen lst. Da aber die Arbeiter und der Unternehmer nur'/» i" den Beitragen der Kasse bezahlte, so hat er glücklich»/- seiner Pflichten, ich sage% seiner„Haftpflicht", die er eigentlich nach den Bestimmungen in V 1 und 2 ganz allein bezahlen sollte, auf die Schultern der Arbeiter abgewälzt! Diese Bestimmung ist so verlockend, daß man sich nicht lehr wundern darf, wenn demnächst aus ganz Deutschland, wie jetzt aus Chemnitz, die Kunde kommt, daß die Arbeitgeber sich zufammengethan, eine solche Kasse organisirt und die Arbeiter in ihren Etablissements gezwungen haben, die nothwendigen Beiträge in dieselbe zu leisten. Sie wissen, m. H-, was es mit diesen Fabrikkassen auf sich hat; die Arbeiter haben nicht die Macht, sich loszuwinden von der Verpflichtung gegen die Kasse; die Bergwerksarbeiter würden hundertmal lieber in die Genossenschastskassen steuern, würden hundertmal lieber ihre Kassen selbst in die Hand nehmen, allein sie werden gezwungen, in die Knappjchaftskasse zu steuern; die Fabrikarbeiter würden lieber selbst ihre eigene Krankenkasse haben, aber sie sind ja großentheilS gezwungen in die Kranlenkasse, in die Sterbekasse, in die Uiiterstutzunas- kasse, die der Arbeitgeber eingeführt hat, einzutreten, denn sonst 1>e- kommen sie keine Arbeit in der Fabrik, kerne Arbeit in den Berg- werken. Die Arbeitgeber haben also eine sehr große Macht in Händen- die Arbeiter zu/zwingen, die Kosten ihrer Hastpflicht, d. h. der Haft, pflicht der Unternehmer, in überwiegendem Maaße selber zu tra- gen und da sehen Sie, m. H., wie das ganze fiiesetz auf nichts Anderes hinausläuft, als darauf, daß die Arbeiter durch den Arbeitgeber gezwungen werden, sich gegen derartige Unglücksfälle selber zu ver- sichern und daß die Arbeitgeber dabei nur verpflichtet werden, ein Drittel zu der Versicherungsquote beizutragen. Das ist der ganze Werth des Gesetzes, wie er sich nach§. 4 desselben schließlich herausstellt; denn das der ff. 4 diese Folge haben muß, darüber kann kein Zweifel obwalten: die Unternehmer verstehen ihre Interessen und, unter uns gesagt, sie wären Esel, wenn sie dieselben nicht verständen; und die Möglichkeit, die das Gesetz gewährt, ihre Interessen auszu- beuten, auch ihren Arbeitern gegenüber auszubeuten, diese Möglichkeit werden sich die Unternehmer nicht zweimal bieten lassen; sie werden sie sofort ergreifen und mit aller Kraft durchzusetzen suchen, und es wird energische Kämpfe kosten seitens der Arbeiter, sich gegen die Fol- gen dieses reichstäglichen Jf. 4 zu schützen. Nun, m. H., ich hoffe, daß aus diesem Kampf heraus die Arbeiterbewegung neuen Auf- schwung nehmen wird, und infofern will ich nicht bedauern, daß der deutsche Reichstag in§. 4 eine Bestimmung getroffen hat, welche die Arbeiter drückt. Ich will dies aus dem Grunde nicht bedauern, weil es die Arbeiter veranlassen wird, einen Gegendruck auszuüben und sich mannhaft zusammenzuschaaren und diesen Zwang, diesen§. 4 über den Hausen zu werfen, eigene Kassen zu gründen, und es durch- zusetzen, daß ein anderes Haftgesetz von den gesetzgebenden Gewalten erlassen wird, ein Gesetz, in welchem allein Derjenige haftbar für den Schaden gemacht wird, in dessen Interesse das Geschäft betrieben wird.("Vielfaches Bravo!) Nun, m. H, ich bin noch nicht ganz zu Ende. Es ist noch ein einziger Punkt von mir im Fluß der Rede nicht angedeutet worden, den ich aber andeuten muß, nämlich die Folgen, welche stch aus der Organisation dieser Zwangskassen durch die Arbeitgeber höchst wahr- scheinlich entwickeln werden, die Folgen, welche diese Organisation auf die Arbeiterkreise auch in einer andern Hinsicht ausüben wird. Sie wisse» Alle, m. H., daß ein Arbeiter, welcher so und so lange einer bestimmten Knappschafts-, Kranken- oder ähnlichen Kasse angehört niid wesentliche Rechte durch seine sortgesetzten Beiträge erworben hat, diese Rechte nicht leicht ausgiebt. Der Grund, derartige Rechte nicht aufzugeben, wird aber verstärkt, wenn die Rechte selbst größere ge- worden sind und wenn diese Kassen gegen Unglückfälle im großen Maaßstabe eingeführt werden, dann sinh die Ansprüche, welche die Arbeiter an diese Kassen zu stellen haben, die Entschädigungen, welche sie aus diesen Kassen zu erhalten haben, bedeutend größere als es heute bei solchen Kassen der Fall ist. Da wird sich dann der Arbeiter, wenn er vielleicht die Arbeil verlassen oder durch einen Strike den Arbeitgeber zwingen möchte, einen höhern Lohn zu bewilligen,— da wird er sich sagen müssen: wenn ich aus der Arheit gehe, oder meine Enlassung hervorrufe, so habe ich gar keine Rechte mehr an die wohl- thätige Kasse, und so, m. H., werden die Kassen, wenn man sie auf- kommen läßt, ivenn man sich nicht mannhaft zusainmenschaart, um sie zu verhindern, nur dazu beitragen, daß die Löhne gedrückt und die Arbeiter immer mehr abhängig gemacht werden von den Arbeit- gebern. Diese Aussicht aber wird hoffentlich auch dazu beitragen, die Arbeiterbewegung in neuen Wogen gehen zu lassen, die Arbeiter zu neuer Kraftentfaltung anzuspornen, und ich wenigstens bin nicht dar- über zweifelhaft, daß dieses so eigenthümliche Haftgesetz sein bescheidenes Theilche» mit dazu heitragen wird, die sozial-demokratische Arbei- terbewegung ihrem vollständigen endlichen Sieg entgegenzusühren. Im Vorübergehen wird unsere Bewegung vorher die Regierung von heute gezwungen haben ein Haftgesetz zu erlassen, welches die Arbei- ter möglichst vollständig schützt gegen die Gefahren an Leib und Leben und welches den Arbeitgeber, so lange der heutige Zustand überhaupt dauert, in dem weitgehendsten Maaße verpflichtet, bei allen derariigen Unglücksfällen einzutreten und alle berechtigten Entschädignngsansprüche im vollsten Maaße ganz allein zu befriedigen! M. H., ich mochte Ihnen die Gedanken meines Vortrags kurz in einer Resolution zusammengefaßt vorlegen. Dieselbe lautet: Der Kongreft erklärt: der Reichstag hat. wie über- Haupt, so besonders bei dem, angeblich im Interesse der Arbeiter erlaffene» Haftvslichtgcsetz. dieses Interesse in so mangelhafter Weise berücksichtigt, dasz das erlassene Gesch weit davon entfernt ist, die ge- rechten Forderungc» der Arbeiter nach ausreichen- dem«chut; gegen ttcfahr an Leib und Leben iind »ach genügender Kntschadignng bei eingetretenen Unglücksfälle» zn befriedige».(Lebhafter Beifall.) (An sozialistisches lvrcmpcl. Die Zeitungen berichten:„Nach einer amtlichen Zusammenstellung über den Steinkohlen-Bergbau im preußi- sehen Staate während des Jahres 1870 sind im Ganzen 466 Millionen Centner Steinkehlen iin Werthe von 46 Mill. Thlr. auf 427 Werken von 107,782 Arbeitern gefördert worden." Gesetzt, diese Bergwerke gehörten nicht— wie jetzt zum großen Theil— Kapitalisten, sondern dem Staate, und zwar einem Staate, der dem Fleiße die Frucht der Arbeit nicht bloß gönnt, sondern sogar garantirt— einem sozialischem Staat; wie würden sich da die Löhne der Arbeiter dem heutigein Stande derselben gegenüber gestalten? Der Kohlenbergbau würde in dem von uns angenomme- neu Fall von den 107,782 preußischen Kohlenarbeitern gemein- schaftlich, genossenschaftlich betrieben werden unter zentralisti- scher Staatsleitung; und zwar so, daß der Staat die Koh- lenproduktion ohne Profit betreibt, lediglich im Interesse der Gesamintheit. Andererseits braucht auch der Staat keine Zu- schüsse zum Betrieb des Bergbaues zu leisten; letzterer soll sich vielmehr durch sich selbst, d. h. durch den Erlös der Kohlen- ausbeute, erhalte». Wir fassen dabei dasjenige Stadium der Entwicklung ins Auge, in welchem der Sozialismus noch nicht bis zum Kommunismus durchgeführt ist, sondern sich in den ersten Anfängen der Verwirklichung, in den ersten Jahrzehnten seiner Praxis befindet.— Die 107,782 Bergarbeiter wurden nun— wenn wir unsere soeben gemachten Voraussetzungen mit den oben amtlich zilirten Ziffern in Verbindung setzen— den Erlös der erar- beiteten 46 Millionen Thaler unter sich vercheilen, also den Ertrag ihrer Arbeit genießen. Ihr Durchschnittsverdienst würde unter diesen Umständen das Doppelte des heutigen Arbeitslohnes betragen. Denn, wenn wir annehmen, daß der durchschnittliche Arbeitsverdienst des Kohlenbergarbeiters 4 Thlr. die Woche beträgt, so erhalten wir, indem wir 107,782 mit 8 Thlr.(dem voraussichtlichen Wochcnlohn) multipliziren, die Zahl 862,256; und vervielfältigen wir diese letztere Zahl mit 52(Wochen), so erhalten wir als Jahresverdienst der 107,782 Arbeiter die Summe von 44,837,312 Thlrn. Da aber der Gesammtwerth der Kohlenausbente 46,000,000 Thlr. beträgt, so setzen wir die nach Abzug der Arbeiterlöhne noch übrig bleibenden 1,162,688 Thlr. für die Gehälter der Berg- beamt en fest, welche anscheinend unter den 107,782 Arbeitein nicht inbegriffen sind. Von der letztgenannten Summe(1,162,688 Thlr.) kann man noch etwas mehr als 500 Beamte ä 300 Thlr., 500 k 400 Thlr., 800 k 500 Thlr. 400 k 600 Thlr., 120 ä 800 Thlr., 60 k 1000 Thlr.(zusammen 2380 Beamte mit 1,162,000 Thlr. Gchalt), anstellen.— Die Gehälter setzen wir deßhalb nicht über 1000 Thlr., weil im sozialistischen Staat die höheren Schulen ebenso wie diemederen nue ntg-elt- lich besucht werden können, demgemäß ein integrirender Be- standtheil des Gehalts, welchen heute die Universitätskosten für die„Herrn Söhne" der höheren Beamten in Anspruch nehmen, in Wegfall kommt.") Doch— um zu dem Verdienst der Arbeiter znrückzu- kehren— haben wir noch eine, unsere ursprüngliche Rechnung wesentlich alterirende(verändernde) Bemerkung zu machen. Wir rechneten als Durchschnittslohn per Woche 8 Thlr. heraus. Da wir indeß von einem Zeitalter reden, welches den Sozia- lismns zu verwirklichen beginnt, so wird man gewisse Um- stände mit in Betracht ziehen müssen, auf welche man im kom- munistischen Zeitalter nicht Rücksicht zu nehmen brauchen wird. Der Kommunismus begreift nämlich die gemein- schaftliche Erziehung der Kinder auf Staatskosten in sich— von und bis zu welchem Jahrgange, das wollen wir hier da- hingestellt sein lassen; der Sozialismus nimmt diese soziale Umgestaltung nicht wahr."*) Es wird daher nicht mehr als billig sein, daß wir einen Unterschied zwischen dem jungen und alten, dem ledigen und verheiratheten, dem kinderlosen und kinderrei- reichen Bergarbeiter in Bezug ans das Einkommen, machen, — einen Unterschied dadurch, daß wir dem Unverheiratheten 2 Tblr. von seinem eigentlichen Verdienst wegnehmen und sie auf die Familienväter übertragen, so daß sich der Wochenlohn der 107,782 Arbeiter etwa so stellen würde: 32,782 Arbeiter k 6 Thlr.== 196,692 Thlr. 30,000„ ii 8„= 240,000„ 24,436„ k 9„— 219,924„ 20,564„ ä 10„— 205,640„ 107,782 Arbeiter 862,256 Thlr. 862,256 Thlr. mit 52(Wochen) multiplizirt, ergiebt die be- kannte Summe von 44,837,312 Thlr.— Soviel über den Arbeitsertrag ver Kchlenbergarbeiter.— Daß, wenn der Staat alle Kohlenbergwerke in Händen hat, gleichzeitig auch die durch die Kohlen w ncher er(Ober-, Zwischeu- und, Unterhändler) bisweilen künstlich erzeugte„ Kohlennoth" unmöglich gemacht ist,— sei hier wenigstens im Vorbeigehen erwähnt.—_ H— r. Chemnitz, 20. O, tober. Folgenden Aufruf, der nicht in der sozial-dcmokraiischen„Freien Presse" sondern im„Chemnitzer Tageblatt, Amtsblatt der Königlichen städtischen Behörden in Eiiemnitz" ver- össenijicht wird, empfehlen wir der Beachtung aller Derjenigen, welche die Roth der Arbeiterklasse für eine sozial-demokratische Lüge, und die sozialistische Bewegung für das Machwerk einiger„gewissenloser Schreier" erklären: „Roth bricht Eisen. In der gedrücktesten Lage, in welcher wir uns als Handschuhweber befinden, treten wir än das Form» der Oefsentlichkeit und suchen Abhilfe in unserer Roth. Wir bitten daher die hohen Behörden, den Kaufmannsstand und die Arbeitgeber im Zufammengreisen unsere Lage zu bessern. In sehr vielen Fällen sind die Arbeitslöhne gesteigert woiden, nur wir sitzen noch bei den zurück- gesetztesten Preisen. Geschieht uns nicht Aufhilse, so müssen wir völlig verkümmern. „Der Verdienst der thätigsten Handschuhweber beläust sichr wenn Weib und. Kind mit arbeiten/nur auf 2'/, und in seltenen F ä l> e n a u s 3 T h l r. Daß dieser Erwerb bei den gesteigerten Nahrungs- Mitteln und andern Bedürfnissen nicht ausreichend ist, wird Jedem begreiflich werden, wenn wir nur im Geringsten darstellen, was eine Familie mit Mann und Weib und 4 Kindern wöchentlich braucht: 5 Brote l Thlr.; 2 Pfd. Butter 22 Ngr.; 2 Pfd. Fleisch 10 Ngr.; Kartosselu, Mehl und Gemüle 15 Ngr.; Kohlen und Holl 15 Ngr.; Salz, Kaffee, Milch und andere zur Speise nöthigen Gewürze 10 Rgr.; Oel und Seife 5 Ngr.; Kleider, Schuhwerk und Bettwäsche 1 Thlr. das Instand- halten des Stuhles und Handwerkszeuges 7 Ngr. 5 Pf.; Hauszins 10 Ngr.; Abgaben für Schule, Kirche, Gemeinde und Staat 4 Ngr. Summa 5 Thlr. 3 Ngr. 5 Pf. „Niemand wird im Stande sein, diese Vorlage der Bedürfnisse einer mäßigen Familie als zu hoch angeschlagen zu finden. Welche Entbehrungen— und noch größer bei stärkerer Kopszahl. , Wir bitten freundlichst unsere hohen und höchsten Behörden, so- wie den geehrten Kausmannsstand und unsere Arbeitgeber, unsere Roth zu mildern, unsere gerechtesten Bitten zu erhören und verharren in tiefster Verehrung und Hochachtung als die ergebensten Handschuhwe- der in Grüna und Oberlungwiy." Wir sind begierig, was auf diesen Aufruf der„Handschuhweber in Grüna und Oberlnngwitz" erfolgen wird. Nicht von Seiten der „hoben und höchsten Behörden, des geehrten Kanfmairnsstandes und der Arbeilgeber",— denn die werden selbstverständlich nichts Ihun— nein von Seiten der Handschuhweber selbst, wenn sie merken, daß mit„ergebenssen" Bitten ihrem Elend nicht abgeholfen wird. Selbst ist der Mann, lautet das Fränkische Sprichwort. Wenn sich die Ar- bester nicht selbst helfen, dann wird ihnen sicherlich niemal« geholfen werden. Landshut, 22. Okt. Der hiesige Arbeiterverein, aus sozial- demokratischen Grund gebaut, gewinnt trotz des ungllnstiaen Bodens nach und nach Terrain. Leider haben wir hier eine Masse Bergnü- gnngs-Vereine, meist aus Arbeitern bestehend, und diese Vereine, welche immer nach neuen Mitgliedern haschen und sich in den Un- terhaltungen gegenseitig Konkurrenz bieten, agitire» gegen uns; die guten Arbeiter sehen nicht ein, daß sie dadurch in ihr eigenes Messer rennen. Das Mastbürgerthnm ist auf die Sozialdemokraten auch nic�t gut zu sprechen, wofür natürlich, wie überall, die Flegelhaftigkeit der hiesigen Käseblätter sorgt. Der liberale„Kurier für Niederbayern" brachte unlängst in einem Leitartikel, überschrieben die„Juternatio- nale", nebst anderem Blödsinn solgenden Passus:„Den deutschen Reichsdrechsler Bebel schaut in Süd und Nord kein gesunder Hund mehr an". Recht gebildete Menschen, diese Lohnschreiber, nicht wahr? — � Die Schreiner und Hafner haben die Arbeitszeit umLStun- den verkürzt(früher arbeiteten selbe von 5-7, jetzt von 6— 6 Uhr). Möchten die übrigen Arbeiter diesem Beispiele folge»!— Sollte ein- mal ein Agitator in unsere Nähe kommen, so möge er eS nicht machen, wie der deutsche Kaiser in Heidelberg(Höchstdersel be ist bekannt- lich dort nicht ausgestiegen, sondern durchgefahren, worüber di« Her- delbcrger Nationalmiserablkn tn tiefe Trauer versetzt sind).— Etwaig« Zuschriften wolle man senden an Ernst Geithe, Schriftsetzer, Tho- mannssche Buchdrnckerei in Landshut.— Alle Samstag Abend sin- den Versammlungen statt.— •) Doch wohl vor Allein, weil der Sozialismus jede gesell- schaftlich nothwendige Arbeit für gleichberechtigt(und na- türlich auch gleich ehrenhaft) hält, und keine Bevorzugung einer Ar- beit vor der anderen eintreten lassen, keine Aristokratie inner- halb der Arbeit dulden kann, ohne seine Prinzipien zu verletzen. Die heutige Gesellschaft, welche auf der Ausbeutung der Arbeit beruht, läßt folgerichtig Diejenigen darben, welche die gefellschaft- lich nothwendige Arbeit verrichten, und wirft das Geld Denen in den Schooß, die entweder nicht arbeiten, oder überflüssige ja gemeinschäd- liche Beschäftigungen— Arbeit wäre ein zu ehrliches Wort— trei- beu. Der Verfasser des obigen Aufsatzes hat nur ein Uebergangs- stad iu m im Auge, sonst könnte er überhaupt keine Ungleichheit in der Belohnung der Arbeit annehmen. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten—ist sozialistischer Wahlspruch. R. d. B. **J Gegen diese Unterscheidung von Kommunismus und Sozia- lismus ließe sich doch Manches einwenden. Ohne hier bei der, ein andermal näber zu behandelnden Frage zu verweilen, ob überhaupt ein Unterschied zwischen Kommunismus und Sozialismus besteht, wol- len wir den Verfasser nur daraus aufmerksam machen, daß er wenig So- zialisten finden dürste, die nicht eine„gemeinschaftliche Erziehung der Kinder auf Staatskosten" anstrebe».'«. d. V. Zugleich wird in Erinnerung gebracht, daß jede Mitgliedschaft, die Anspruch auf Auszahlung des Beerdigungs-Geldes macht, verpflichtet ist, einen beglaubigten Todtcnschein an die Centralverwaltung einzu- senden.' Für den Ausschuß der Gewerkschaft: ?b. Yorck. AuaSburg, � 22. Oktbr. Bei Gelegenheit einer Besprechung der hiesigen Ti schlergesellen hat sich eine Mitgliedschaft der In- ternationalen Holzarbeiter-Gewerkschaft gegründet. Als Bevollmächtigter wurde gewählt: Konrad Knöller, Schmiedberg Nr. lK3s3; als Kassirer: Joh. Schreqle, Windgasse Nr 6; als Re- visoren: Felix Ranzinger, Josef Schmidt und Josef Renk. Wien, am 24. Oktober. Die Arbeiter der Schmieder'schen Seidenzeugfabrik hier, wendeten sich vor einiger Zeit an ihren Arbeitsgeber um eineLohnerhöhung, indem sich dieselben nur 4—7 Fl. wöchentlich verdienten. Da ihnen dieselbe verweigert wurde, stellten sämmtliche Arbeiter in dieser Fabrik die Arbeit ein. Herr Schmieder lief zu wiederholten Malen zu sämmtlichen Seiden- zeuqfabrikantcn Wiens, und beredete dieselben, aus seiner Fabrik keinen Arbeiter aufzunehmen, und brachte in der That einige wieder um ihre Arbeit, die sie anderwärts gefunden. Dieser Menschenfreund wendet sich nun an die Arbeiter in den Provinzen, um von dort Arbeiter für sich zu rekrutiren, indem er ihnen vorspiegelt, es wären bei ihm wöchentlich 10—12 Fl. zu ver- dienen. Wir warnen unsere Collegen allerorts, sich vor jeglichem Schwindel zu hüten. Einige Zugereiste haben diese Fabrik bereits wie- der verlassen. Andreas Preis, Seidenzeugmacher. Wien, Vll. Bezirk. Erfurt, den 24. Oktober. Sämmtliche Arbeiter der Reparatur- werkstätie der Thllringer-Eisenbahn zu Erfurt haben gestern die Arbeit eingestellt. Nachdem dieselben in einer am Sonnabend, 21. ds., im Saale der Karthause von circa 500 Arbeitern der Werkstätte besuchten Ver- sammlung den Beschluß gefaßt hatten, von der Direktion der Thüringer- Eisenbahn eine Lohnerhöhung von 25°/,,, sowie die Reduzirung der Arbeitszeit auf täglich 10 Stunden zu erbitten, welche Forderung in ein Bittgesuch abgefaßt wurde, das sämmtliche Anwesende sofort unterschrieben, sah sich der Obermaschinenmeister Brandt veranlaßt, durch schrosies Auftreten die ohnehin schon gereizte Stimmung noch zu vermehren, und zwar indem derselbe die von der Versammlung qe- wä lten Vertrauensmänner maßregeln wollte. Er drohte den Schlosser Pöllniy zu entlassen, und erkühnte sich, gegen den Schlosser Oestreich mit seinem Gehstock zum Schlag auszuholen; hierdurch ward die Er- bitterung aufs Höchste gesteigert, und sofort stellten alle Arbeiter die Arbeil ern. Die Stimmung derselben ist ruhig und fest und glauben wir mit Zuversicht, daß diese Arbeitseinstellung nur von kurzer Dauer sein wird, indem die Direktion der Thllringer-Eisenbahn wohl nur durch den Obermaschinenmeister Brandt über die Stimmung der Arbeiter dupirt$) wurde. Es geht daher an alle Mitglieder der verschiedenen Arbeitervereine die Ausiorderung, den Zuzug vonSchlossern. Schmieden, Dre- er n, Kupferschmieden, Stellmachern. Tischlern, Sattlern ackierern u. s. w. fern zu halten. Insbesondere werden alle Arbeiter der andern Eisenbahnwerkstätten unv sonstigen Etablissements aufgefordert, sich nicht verborgen zu lassen. Der Sieg ist uns gewiß, wenn Jeder seine Schuldigkeit thut. Unterstllhungsgelder sind zu senden an Herrn Pöllnitz, Bilse. Im Auftrage des Strike-Comitös. Mit sozial-demokratischem Gruß Fr. Wilh. Gramann. Mainz, 21. Oktober. Unser ziemlich allgemeiner Arbeiterstrike hat bis jetzt schon annehmbare Erfolge für die Arbeiter erzielt. Borthcilhaftere hätte er gehabt, wenn man, den Lllgenberichtern reak- tionärer Blätter gegenüber, täglich Berichte über die mit großer Mäßigung Seitens' der Arbeiter beobachteten Schritte veröffentlicht hätte. Auch eine Auseinandersetzung der allgemeinen Lohnverhältnisse sowohl als speziell derer in den Fabriken wären gut gewesen. Füttert man doch hier, wo die Natur alles bietet, noch mit 54 Kr. bis 1 Fl. tag- lich für 12 und mehrstündige Arbeit ab. Unser gelesenstes Blatt hier, der„Mainzer-Anzeiger", hat sich während der gegenwärtigen Arbeiter- bewegung sehr anständig verhalten, nur allzu schonend noch gegen die verschiedenen Vorkommnisse Seitens der„Herren", die immer noch meinen, sie seien es, die den Arbeiter erhalten. Diese Herren sind in dieser Meinung so verrostet, daß sie schließlich gar noch fest glauben, nicht ihrem„Mein", sondern ihrem„Dein" zu Gefallen beschäftigten sie die Arbeiter.— Der erste Strike, der der Wagenfabrikarbeitcr, war rasch, vielleicht allzu rasch beendet; die Besitzer sind sehr humane Bour- geois, es ist mit ihnen zu reden. Der Erfolg dieser Fabrik-Arbeiter ist nur ein halber, viele nahmen bedingungslos die Arbeit wieder auf. Ob aber jetzt nach diesem Strike die Arbeiter in dieser Fabrik nicht abermals von den Vorarbeitern(Meistern) darin zunächst ausgebeu- tet werden, steht dahin. Gut Ding will Weile kiaben. Die großeLederfabrik hat viele ländliche Arbeiter, die zu Hause noch etwas Nebenverdienst haben. Hier war deßhalb die Einmüthig- keit der Strikenden nicht von langer Dauer, obwohl die Arbeit Aller anstrengend und schlecht bezahlt ist. Den Reingewinn der vielen ein- zelnen Ehefs dieser Fabrik schätzt man auf 30,000 Fl. jährlich, und täglich 6 Kr. mehr will man endlich doch den Arbeiter zugestehen. Vcrheirathete arbeiten indeß nur dafür, 200 Ledige striken noch. Be- wußte Bourgeois zählen zu den Chefs dieser Fabrik, und diese glauben, nur„die Internationale" sei daran schuld, daß der Arbeiter mit seiner bisherigen Lebensweise nicht mehr zufrieden sei. Die„Herren" kön- nen zum Thcil recht haben. Wer mag es aber, menschlich rechtlich der„Internationalen" verdenken, wen» sie den Arbeitern zuruft: auch ihr seid Menschen? Hätte aber die„Internationale" den Strike organi- sirt, es hätten die Herren etwas mehr zugestanden. Das glauben wir annehmen zu können. Hier möchte ich etwas einschalten. Der hiesige Bischof hat in seiner neuesten Broschüre„Liberalismus— Sozialismus und Religion",*) Mainz bei Kirchyeim ganz recht, wenn er sagt:„von dem Momente an, in welchem die bürgerliche Demokratie, unser dritter Stand, sich mit der Arbeiterklasse im Kampfe mit dem Adel und der Geistlichkeit für gleichberechtigt erklärte, zu diesem Zwecke die Zwei- Klassenherrschaft und die Souveräniiät des Volkes stürzte, von diesem Augenblick an, war es nur nothwendige Folge, daß auch ein vierter Stand die alte gesellschaftliche Ordnung aufheben kann und wird. Nur setz« der Herr Bischof nicht hinzu, daß nothwendiger Weise mit der Herrschast des vierten Standes eine Herrschast einer privilegirtcn Minderheit unmöglich ist, weil da, wo die 90 pCt., die zur vierten Klasse gehören, herrschen, das Volk herrscht. Und sein Rath ist des- halb Zurückführung der modernen menschlichen Gesellschaft zur mittel- alterlichen Standesherrschaft und zur frommem Unterthanensitte, Zu- rücksührung zur Alleinseligmachenden zc. Unseren liberalen Bourgeois aber mag dies bischöfliche Wort zur Beherziguna dienen, namentlich in Bezug aus den Bestand der ver- leumdeten Internationalen. Daß es die kirchliche Reaktion in dieser Broschüre endlich erklärt hat: mit den Sozialdemokraten können wir nicht einig gehen, wenn gleich alles das, was die Sozial-Demokraten wollen, in der herrschenden Gesellschaft seine natürlichen Gründe findet, kann uns nur erwünscht sein. Wir sind überzeugt, die Bourgeois be- herzigen, was der Kirchen-Oberst gesagt. Nicht lange mehr wird es jetzt dauern, und die liberalen Herren werden mit den Pfaffen gehen wie jetzt mit demAdel. Wenn sie in ihren ersten liberalen Regungen, als sie unbekannt waren mit dem eisernen Willen der Arbeiter, für deren Sache d.i. die Sache Aller, und noch vor Kurzem(1866) für Abschaffung der stehenden Heere plaivirten, so werden sie bald plaidiren für Aussöhnung mit der Geistlichkeit. Mit Proklamirung der Volkssouveränilät hat die Bourgeoisie das Volk hinter sich gelockt, jetzt wo sie von Privilegien lebt, oerleugnet sie diese Parole. Solche Rechtsbegriffe, die der Bourgeois aus seinen Gewinn- und Verlust- Conto entnimmt, sind für kurze Zeit so einträglich, daß auch die Bourgeois werben wollende Kleinbürger ein gut Stück davon profilirl haben, und ihr Recht w eder wie jene nach ihrem Vor- lheit deuten. Den Fabrikan en gegenüber, so sagen sie, haben die Arbeiter vollständig recht, wenn sie striken, dieselben zahlen zu schlecht zc., wir Kieinmeister aber zahlen den Arbeiter viel mehr, haben die strengen *) Wir werden dieselbe nächstens besprechen. R. d. V. Fabrikordnungen nicht, und es ist deßhalb eine Schande, daß man so uns unseren Verdienst erschwert. Diese Kleinbürger sehen in den Fabriken die Macht des Kapitals und ahnen ihren Untergang, wagen aber nur nach unten zu opponiren und meinen, weil sie wenig ver- dienen, deßhalb müßte der Arbeiter Roth leiden. So zeigte es sich bei den G l a s e r-und Drehermeistern, derenArbeiter striken, und so sprechen die Meister der Gewerke, die die Strikes in ihren Werkstätten hatten oder haben werden. So endlich sprechen die Basen- und Gevatterleute, die selbst oder deren Eltern gestern noch Arbeiter waren. Die Glaser striken alle noch fest und einig. Sie wollen gleichfalls 10 Stunden und 25pCt. Einzelne kleine Werkstätten haben diese For- derungen zugestanden. Was nun die Werkstatt- und Hallen-Arbei er der Ludwiqs-Eisenbahnbetrifft, so haben diese durch ihren Strike lOstündige Arbeitszeit und 10 bis 15pCt. Lohnerhöhung erreicht. Die Ledigen darunter sind vorher ausgetreten. Etwas mehr Ausdauer und Energie und ihre Resultate wären günstigere gewesen. Eine schlagende Episode fiel bei den Unterhandlungen der Abge- ordneten von der Bahn-Direktion und deren Arbeitern vor.„Wie können wir den unfähigen Arbeiter so hoch bezahlen wie den Fähigen?" riefen sie, und sie glaubten das kräftigste Schlagwort gesprochen. Da fiel aber ein unscheinbarer Arbeiter ein:„Bezahlt man doch den dummen Cisenbahnverwaltungsrätben gerade so viel Tantieme, wie den gesibeuten!"— Und Stille ringsum. Ferner istin einer Maschinenfabrik Strike circa 100 Mann. Ein Chef derselben soll, als die Arbeiter um höheren Lohn und kürzere Arbeitszeit schriftlich supp�icirten, das Schreiben zerrissen und vor die Füße der abgeordneten Arbeiter geworfen haben. Auch diese Arbeiter verlangten 10 Stunden und 25pEt. Lohnerhöhung.— Aber kein Erfolg. Die sämmtlichen Arbeiter haben ihre Entlassung gefordert und er- halten. Ein Möbelfabrikant gleichfalls von 100 Arbeitern etwa, bewilligte vor begonnener Strike l0 Stunden und 25pCt. Die Militär- und Polizeihlllfe, die bei Beginn der Ludwigs-Bahn- Arbeiter Strike erbeten wurde, hatte nichts zu thun. Auch sie drückt der Schuh der Arbeiter. Im Allgemeinen können wir Sozial-Demo- kraten mit den hiesigen Strikes zufrieden sein. Die Lohnfrage, die ver- kürzte Arbeitszeit, das Recht der Arbeiter wurde zur Tagesfrage. Wie und wo zu belehren und zu agitiren ist, haben wir zu lernen Ge- legenheit gehabt. Heute, Sonntag den 22. Oktober, haben wir eine von den Arbeitern berufene Volksversammlung in der Fruchthalle. Tagesordnung: Wohnungsnoth. Der Vorschlag des Comitös lautet: „Die allgemeine Volks. Versammlung in der Fruchthalle, in Erwä- gung, daß, wie die Erfahrung lehrt, jeder Bauunternehmer oder baulustige Kapitalist lieber Häuser baut mit größeren Wohnungen für die Ver- mögenden, denen er vertraut, als er Häuser baut mit kleineren Woh- nungen für die Unvermögenden, denen er mißtraut, daß daher mit jedem Neubau, während der Preis der Wohnungsmiethe in gleichem Maaße steigt, die Zahl der kleineren Wohnungen sich vermindert, und aus demselben Grunde auch mir Ausführung der projektirten Stadt- erweiterung nach dem Gartcnfelde weder eine Zahlvermehrung noch eine Preisverminderung solcher Wohnungen eintreten wird, daß ein solcher Wohnungsmangel nothwendig den Gesundheits- und Sittlichkeits-Zustand der arbeitenden Klasse untergräbt, daß eine Abhülfe dieses Noihstandes weder von Bau- und Spar- Vereinen, noch von Bau-Aktien- Gesellschaften, noch in ihrer Eigenschaft als Arbeitgeber von den großen Grund- und Fabrik- Herren zu erwarten ist, erklärt, Daß der Staat, beziehungsweise die Gemeinde, im Interesse der allgemeinen Wohlfahrt verpflichtet erscheint, die erforderliche Anzahl von Häusern mit kleineren Wohnungen erbauen zu lassen und dieselben den bcnöthigten Arbeiter-Familien miethweise zu überlassen, und ernennt aus ihrer Mitte einen Ausschuß von sieben Mitgliedern— zusammengesetzt aus Orlsbürgern und Arbeitern— mit dem Auftrage: 1) in diesem Sinne zur Erörterung der Wohnungsfrage mit der Großherzogl. Bürgermeisterei, bcuehungsweise mit der betreffenden gemeinderäthlichen Kommission, die kein Lebenszeichen von sich gibt, in Beziehung zu treten, 2) binnen 4 Wochen eine zweite Volksversammlung einzuberufen, um derselben das Ergebniß dieser Verhandlungen mitzutheilen und weitere Vorschläge zu machen. Mainz, den 22. Oktober 1871. Das Komitee. Entgegnung. Wald heim, den 22. Oktober Wie den Parteigenossen bekannt, war ich durch Maßregelung gezwungen, schon vor Jahresfrist auf eigne Rechnung zu arbeiten, welches ich qethan bis zum Entstehen der Ge- nossenschaft. Daß ich bis heutigen Tages noch Außenstände habe, wird Jedem der nur einigermaßen Geschäitskenntniß besitzt, einleuchten, zu- mal wenn ich kund gebe, daß während der Arbeitseinstellung sogar Einige für mich gearbeitet, und die gefertigten Cigarren erst nach Eut- stehung der Genossenschaft von mir noch verkauft werden mußten, also mein rechtmäßiges Eigenthum waren. Außerdem haben Arbeiter, welche im Staude waren, auf eigne Rechnung zu arbeiten, mir Ei- garren zum Verkauf zur Verfügung gestellt, wofür ich ebenfalls noch Forderungen habe. Als bereits Gelder für die Genoffenschaft von Mit- gliedern im Betrage von 240 Thlr. eingezahlt waren, beantragte ich, das Geld nicht todt liegen zu lassen, sondern mit demselben zu pro- duciren; es wurde ferner auf mein Anerbieten hin beschlossen, daß bis zu, gerichtlichen Bestätigung dieser Genossenschaft das Geschäft in meinem Namen geführt werde. Beim Einkauf von Tabak ward mir vom betr. Hause eröffnet, daß, so lange noch kein Statut vorhanden, und die Genossenschaft noch nicht eingetragen sei, der Credit auf meine Person laute, mithin auch die Rechnungen auf meinen Namen ausgestellt waren. Als ich durch verschiedene Jntriguen, welche sich hinler meinem Rücken abwickelten, mich veranlaßt fühlte, meinen Rück- tritt zu erklären, kamen von vielen Mitgliedern die Aufforderungen an mich, ihre eingezahlten Beiträge ihnen zurück zu zahlen, indem sie die Gelder an mich gezahlt, und auch von mir Quittung erhalten hätten, Andere wollten sie nicht mit ihrem Gelde schalten lassen. Unter diesen erwähnten Verhältnissen war ich es mir unbedingt schuldig, mich zu sichern. Die betreffenden Schriftstücke und Bücher habe ich in Gegenwart des Herrn Hen»ig und mehrerer Aufsichtsrathsmitglieder mit nach Hause genommen, um meine Abrechnungsvorlage ausarbeiten zu können. Gelder, welche zu dieser Zeit vorhanden waren, reichten nicht einmal aus zur Deckung meiner persönlichen Verläge für die Genossen- ichast, und habe ich sonach an selbigem Tage, zur selben Stunde Herrn pennig noch zwei Thaler aus meiner Tasche zur Bestreitung der Tages- ausgaben verabfolgt. Doch nun zur Rechnungsvorlage. Wenn eine Rechnungsvorlage erfolgen soll, so erfolgt dieselbe doch regelmäßig beim Monaisschluß. Man verlangte Rechnnngsvorlage zum 1. Oktober. Nun weiß aber Niemand besser als Herr Hennig. daß am 2. Oktober noch Cigarren an ibn abgeliefert worden sind, welche auf Monat September zu verrechnen waren, daß, an demselben Tage noch Tabak von Arbeitern zurückgewogen wurde, außerdem Herr Hennig erst am 3. Oktober den Bestand von Tabak vermögen hat; ich sonach erst im Stande war mit der Berechnung zu beginiieii, nachdem Herr Hennig seine ihm obliegende Thätigkeit erfüllt hatte. Wer Geschäftskenninitz besitzt, wird aber auch wissen, daß eine derartige Rechnung genau er- wogen sein will und sich nicht im Handumdrehen vorlegen läßt. Der Beweis ist bereits geliefert, daß ich im Rechnungswesen nicht so leicht- ertig verfahren bin, als dieses von Selten der Leute geschehen ist, welche mich beschuldigen. Diesen würde ein Elementarunterricht noch von großem Vorlheil sein. Am 7. Oktober waren einige Aufsichts- rathsmitglieder in meiner Wohnung und frugen: Ob ich gewillt sei meine Stellung zu behalten, wenn man an die Stelle Hcnnig's eine andere Person wähle? Ich habe jedoch keine bestimmte Erklärung abgegeben. Tags darauf erfahre ich, daß von Seiten des Aufsichts- rathes Annoncen an verschiedene Zeitungen abgegangen seien, welche ja auch bekannt sind. Später haben mir unterzeichnete Aufsichtsraths- Mitglieder selbst erklärt, daß ohne ihr Wissen und Willen ihre Namen unterzeichnet worden sind. Wie ehilich! Welches Schamgefühl! In Folge dieses Vorgehens und des Drängens vieler Mitglieder sah ich mich zu meiner Rechtfertigung den Beschuldigungen Einzelner gegenüber veranlaßt, Rechnung nur nach endgültiger Entscheidung öffentlich abzulegen. Als ich am 9. Oktober zu verreisen geiiöthiat war, setzte ich den Vorsitzenden des Aufstchtsraths brieflich, unter Kund- gebung obiger Erklärung, davon m Kennlniß. Obwohl man nun wußte, daß ich verreist war, berief man Abends zwischen 6 un.., eine Generalversammlung auf Abends 8 Uhr ein, so daß es Müglieder erst eine halbe Stunde vor Beginn der Versammlung erfuhren. Welche Gewiffenhaftigkeit! Montag den 16. c. war auf mein vorheriges Ver- langen eine Generalversammlung einberufen worden, in welcher ich nach vorheriger Enthebung aller auf mich lautenden Rechnungen,(denn nur unter dieser Bedingung hatte ich erklärt, sämmtliche Bücher und Belege aus den Händen zu geben, indem ich dieses mir selbst .schuldig sei) Gelder, Rechnungen, Briefe u. s. dergl. übergab. Am 16. d. geschah dieses und am 21. d. finde ich den Artikel im„Volks- staat." Ist dieses auch ehrlich? Ist es ferner ehrlich, wenn Grunewald in genannter Versammlung behaupter: es sei nicht nöthiz über das Resultat der Rechnungsablage,(welches ich, nachdem die Rechnung geprüft worden sei, verlangte,) öffentlich zu berichten. Die 3 vorgelegten Fragen erkläre ich theils als Lüge, theils liegt die Schuld nicht an mir, theils giebt man gerade zu, daß ich gewissen- Haft gehandelt, indem ich heute noch im Stande bin, Briefe undCou- pons vorzulegen. Doch nach vollzogener Thatsache auch hierüber mehr. Nur soviel sei noch erwähnt, daß sich Herr Hennig erdreistet hat, in meiner Abwesenheit einen Brief, welcher nur mich anging, ohne irgend welche Erlaubniß dazu zu haben, zu erbrechen und zu lesen. Welche Ehrlichkeit! Welches Schamgefühl! Was den nberlassenen Betrag betrifft, welcher uns vom Ausschuß überwiesen worden, so beläust sich derselbe auf 1 Thlr. ÄÄ Ngr. und habe ich sowohl als Herr Grunewald noch Ansprüche daran. Wenn nun Herr Grunewald soviel Ehrlichkeitsgefühl besitzt, warum hat er nicht wenigstens im Verein einmal Rechnung abgelegt über die Wahl- agitationskaffc? Habe ich den obigen Betrag etwa verheimlicht? Habe ich nicht mehrmals selbst im Verein darüber gesprochen? Schließlich frage ich noch an: Sind Leute Parteigenossen, welche wie Herr Hennig und Herr Grunewald, über ein halbes Jahr keinen Pfennig Parteisteuer gezahlt haben? Ferner möchte ich den Grund wiffen, warum man mich im Ver- ein gestrichen? Hinter dem Rücken kann viel geschehen. Daß aber die Parteigenossen in Geithain von einer zu Gehör gebrachten An- schwärzung Eckhardt'? reden, so kann ich mich nur wundern, da ich auch nicht einen Geithainer Parteigenossen kenne noch einer mich. Die Art und Weise, wie ste dazu gekommen, bürgt mir für den greifbaren Urheber der ganzen Geschichte.— Ich erkläre hiermit, daß ich meine Zeit in Zukunft besser anwenden werde, als derartige Klatschaitikelzu be- antworten. Die Antwotten werden von anderer Seite kommen. Mögen die Parteigenossen, die mich seit Jahren kennen, ihr llrtheil über mich abgeben. Ich habe die Ueberzeugung, daß alle arbeiter freund- lichen Blätter auch, der Gerechtigkeit wegen, meine Entgegnung aufnehmen werden. Louis Eckstein. Briefkasteit der Redaktion: Polling in Dessau: wenden Sie sich direkt an den Ausschuß; B. in Gera: Ich kann, so lange der„Hochverathsprozeß" schwebt, auf keine Agitationsreisen zehn, auch wenn ich Zeit hätte.— O. in B. G. Hase, Schlosser, Reuschestraße 24, 4 Tr.— G. in L. „Unsere Ziele" werden in den nächsten Tagen versandt.— Lehmann in Rochlitz: ein Brief mit den von Ihnen erwähnten Anfragen ist mir nicht zugegangen. Schreiben Sie also noch einmal. Becker in Genf: das Protokoll des Dresdner Kongresses wird veröffentlicht wer- den. Leider ist der stenographische Bericht so umfangreich ausgefallen, daß die Bewältigung dieses entsetzlichen Papierbergs mehr Zeit er- fordert als wünschenswerth und auch als statutengemäß. der Erpedition: Mainz für Partei-Annonce 16 Gr. erh.;E.Augs- bürg f. Abonn. 3. Quartal 19 Thlr. 10 Gr. erh.; F. Nürnberg 25. Gr. f. Volksstaat, 5 Gr. f. Annonce erh.; T. Greiz Dresd. Protokoll noch im Druck, folgen bestellte Schriften dann zusammen; P. Mainz f. Abonn. 34 Thlr. 25 Gr. 7 Pf. erh.; K.München: wollen die übrigen Nummern vorerst aufbehalten; P. Tannwald 1 Gld. erh.; O. Bres- lau 5 Thlr. 20 Gr. f. Abonn. erh. Sch. Zwickau f. Abon. 9 Thlr. erh; St. Meerane: schicken Sie die Schriften; W. Arnsberg f. Annoncen 5 Gr. 5. Pf.; f. polit. Gemaßregelte 24 Gr. 5 Pf. N. Neundorf f. Schriften 2 Thlr. 21 Gr. 3 Pf.' C. E. Hackebeil in L.: sobald„Unsere Ziele" fertig, erfolgt Zu- sendung._ Leipzig. Seifert. Empfangen durch a. Kaufmann für die Flüchtlinge der Pariser Kommune 12 Thlr. 3 Gr. gesammelt auf dem Stiftungsfest des Crimmitschauer Volksvereins:_ W. Lieb knecht. Für Pforzheim. V e r s a m m l u n g der hiesiegen P a r t e i m i t g l i e d e r nächsten Montag, den 30. Oktober Abends 8 Uhr im Nebenzimmer der Bierbrauerei Hof, wozu wichtiger Besprechung wegen alle Mitglieder dringend einge- laden sind. Mit sozial-demokr. Gruß _ Ludwig Scholl, Bevollm. Für Breslau. Sozial-demokratische Arbeiter-Partei. Montag, den 30. Oktober Abends 8'/, Uhr Versammlung im Felsenkeller der W eber bauer'schen Brauerei. Zwingrrstraße. Tagesord- nung:„DerKommunismus und die Kultur." Vortrag von B. Geiser. Da wir uns diesmal des Lokals bestimmt versichert haben, so ersuche ich die Parteigenossen um recht zahlreiche Betheiligung. Gäste sind gern gesehen. H. Oehme. Für Rochlitz Di nstag, den 31. Oktober zum Reformationsfest Nach- mittag 3 Uhr im Gasthof zu Stvljdorf, gelegen zwischen Rochlitz und Geithain, eine Unterhaltung von deklamatorischen Vor- trägen, Gesang mit Konzertbegleitung, von Abends 8 Uhr an Baumusik, wozu wir alle Parteigenossen und Freunde dieses Ver- gnügens von Nah unds Fern freundlichst einladen, zahlreich zu erscheinen. Entröe für die Unterhaltung mit Konzert 15 Pfennige, �ür die Ballmusik 6 Ngr. Noch müssen wir bemerken, daß Niemand christlich eingeladen wird, sondern die Borstände es ihren Verein durch die Annonce bekannt zu machen haben. _ Das Komitee. Für Lcipziy. Internationale Gewerksgenossenschaft der Holzarbeiter. Die Mitglieder werden hiermit aufgefordert, zu der am Montag, den 30. Oktober Abends 8'/, Uhr in der Restauration von Götz, Ni- kolaistraßc Nr. 51 stattfindenden allgemeinen Versammlung der Leip- ziger Gewerkschaften zahlreich zu erscheinen. Tagesordnung: Besprechung der Gewerkschaftsuiiion. Für Leipzig. Die Mitglieder der Internationale» Genossenschaft der Schuh- macher Leipzigs werden eingeladen, Montag, den 30. Lktober, zu einer Besprechung wegen Verschmelzung der Genossenschaften, in der Restauration des Herr» Götz, Nikolaistraße recht zahlreich zu erscheinen._ Der Vorstand. Für Lcipug. Sozial-Demokratische Arbeiter-Partei. Dienstag, 31. Okt.(Refoe mati ons-Feft), Abends 8 Uhr. Partei-Persammlung im Lokale des Arbeiter-BildungSvcreinS(Ritterstraße bei Schatz). Anfrage. An Herrn Louis Eckstein in Waldheim zum Drittenmal die Aufrage: Haben Sie den Thaler vom Waldcnbnrger Volks-Percin, bestimmt für die strikenden Cigarren-Arbeiter Waldheims, erhalten? Der Postschein verliert nunmehr seine Gültigkeit! Waldenburg(Sachsen), den 25. Oktober 1871. Friedrich Friedrich, _ Vorsitzender des Vereins. Aufforderung. Der Bevollmächtigte der Internationalen Gewerksgenossenschaft derManusaktur-, Fabrik- und Handarbeiter. Eduard Gläser>n Ron- neburg, wird hiermit ausgezordert, dem Inhalt meines Brieses vom 3. Oktober d. I. zu entiprecheu, wo nicht dann mehr auf diesem Weg. Glauchau, den 23. Oktober 1871. Adolf Uhlig. Leipzig: Vcrantw. Redakteur W. Liebknecht(Redaktion: Petecsstein- weg 13.) Druck u. Verlag F. Thiele(Expedition: Petersstr. 13).