M 89. Sonnabend, de« 4. November. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- Landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstraße 18, F.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AbonuementöpreiS: Für Preußen tncl. Stempelsteuer IS Rar., für die übrigen deutschen«Staaten 12 Ngr. per Quartal. Filialerpedition für die Ber- einigten Staaten: F. A, Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der soM-demokratischen Arbeiterpartei nnd der Internationalen Gewerksgenossenschasten. Der Chemnitzer Maschinenbauer-Strite. Die Nachrichten über den Chemnitzer Strike lauten durchweg günstig. Obgleich von den Fabrikanten provozirt, ist der Strike doch nicht ins Blaue hinein begonnen worden, und, nach den uns gewordenen Mittheilungen stehen wir nicht an, unsere Ueberzeugung dahin auszusprechen, daß, auch bei einer Verlängerung des Kampfes, der Sieg den Chemnitzer Arbeitern gewiß ist, wenn die übrigen deutschen Arbeiter ihre Pflicht thun. Und dies ist mit Grund zu erwarten. Ueberall giebt sich in den Kreisen des arbeitenden Volks die lebhafteste Sym- pathie für die Brüder von Chemnitz kund, und an vielen Or- ten ist bereits ein energischer Anfang mit Geldsammlungen gemacht. Aber diese Anstrengungen müssen geregelt werden: Man berufe Volksversammlungen, um die Massen zu begeistern! Man veranstalte regelmäßige Kollekten in den Fabriken und Werkstätten! Wo keine Gewerkschaften sind, bilde man Unterst ützungskomitees! Wo Gewerkschaften sind, mögen diese das Unter- stützungswerk in die Hand nehmen! Thue Jeder seine Schuldigkeit! Wir lassen nun nachstehenden Bericht folgen: Chemnitz. Der Strike hat die besieAussicht auf Eriolg. Nachdem bis Sonnabend die Firmen E. G. Haubold jun., C. G. Beyer (Eisengießerei), Brauer und Ludwig nachgegeben, haben weiter am Montag nachitchende Firmen die Forderungen der Arbeiter bewilligt: Rockstroh(Eisengießerei), Aug. Schellenberg, Bernhard und Philipp, Beutels Nachfolger. Zunächst haben wir über die Geschichte des Strikes Einiges nach der„Chemnitzer freien Presse" nachzutragen.- Am vergangenen Freitag, gleich auch Feierabend, versammelten sich die Arbeiter der meisten Maschinenfabriken in diversen Sälen. Im Apollosaal tagte vollzählig die Arbciterschast der„Sächsischen Maschinenfabrik"(gegen JOOO Mann); in Stadt London das Zimmcrmann'sche und Schon herr'sche Personal; in Stadt Köln, im Tivoli, in Kurtz's und Fren zers Restaurationen und anderen Lokalitäten waren die?lrbeiter der kleineren Fabriken versammelt. Zunächst wurde im Apollosaal von den dort versammelten Arbei kern folgende Resolution in Borschlag gebracht und einstimmig ange- nommen: „In Erwägung, daß einige der hiesigen Maschinenfabrikanten die gerechten, zeitgemäßen Forderungen ihrer Arbeiter, wie sie von Seite des Zentralkomitees gestellt worden waren(60 Stunden wöchentliche Arbeitszeit und Erhöhung des Lohnes für Uebcrstunden um 25°/. und Beibehaltung der bisherigen Feiertage), anerkannt und sich mit dem von der Gesammtarbeiterschaft zur Regelung dieser For- derungen eingesetzen Zentralkomitee in's Einvernehmen gesetzt haben, während die Prinzipale der größeren Maschininbau-Etablissements sich beharrlich weigern, sowohl die Forderunge» ihrer Arbeiter als auch das Zentralkomitee anzuerkennen,� resp. mit demselben in Verbindung zu treten; und in weiterer Erwägung, daß dieselben ihren Arbeitern eine K2stündige Arbeitszeit aufoktroyren wollen, erklärt die Versammlung: Bei allen Fabrikanten, welche die Forderungen, wie sie durch das Zentralkomitee an sie gestellt wurden, nicht anerkannt haben, ist von morgen, Sonnabend, an die Arbeit einzustellen und nicht eher wieder auszunehmen, als bis alle Forderungen bewilligt sind und die Fabri- kanten sich mit dem Zentralkomitee in Verbindung gesetzt haben; fer- »er beschließt die Versammlung, treu auszuharren im Kampfe! und bei Wiederausnahme der Arbeit höhere Forderungen zu stellen, ßa durch die Arbeitseinstellung den Arbeitern ein immenser Schaden erwachsen wird und dieser ersetzt werden muß." Sodann gingen Stasiettcn nach allen Sälen ab und überall wurde mit großem Beifall die Nachricht aufgenommen, daß die Ar- beiter der„Sächsischen Maschinenfabrik" den Strike beschlosien haben. Die oben angeführte Resolution wurde hieraus allenthalben an- genommen. Die Begeisterung, welche in allen Versammlungen herrschte, überstieg alles bisher Dagewesene. Ueberall in den Straßen begegnete Man ernsten und schweigsamen Männern, aber keiner zeigte Muihlosig- keit; alle waren vom besten Geiste beseelt. Anders sah es in den Komptoirs der Fabrikanten aus. Da herrschte die reinste Konfusion; wirres Hin- und Herrennm, mürrische Gesichter, wilde Flüche und blinde Wuth trat überall zu Tage.— Man wußte sich nicht mehr zu Helsen und suchte seinem Aerger dadurch Luft zu machen, daß man lchimpste und drohte. Am Liebsten wäre es diesen Leuten— wie aus all ihren Redensarten hervorgeht— wenn die Arbeiter einen Putsch Machen würden; sie seufzen ordentlich nach einem Krawalle. Gerne würden sie einige Fensterscheiben opser», wenn es nur einen Straßen- skandal gäbe, damit doch— o wonniger Gedanke!— das Militär einschreiten könnte: damit doch endlich einmal auch Chemnitz so ein bischen„Arbeiter-Massakrc" erlebte. Mehrere haben sich bis jetzt nicht entblödet, össentlich auszusprechen, die Soldateska werde die„Kanaille" (damit sind die Arbeiter gemeint) schon zu Paaren treibe». Was das doch für fromme Wünsche sind!„Wenn man darauf rechnet,(sagt die„Chemnitzer freie Presse") daß es zu einem Straßenskandale kommt und in Folge dessen mittelst des Militärs die Ruhe hergestellt werden dürste, so gibt man sich einer totalen Illusion hin. Unsere Arbeiter sind viel zu gebildet, als daß sie das Zwecklose eines solchen Begin- Nens nicht einsehen würden. Sie müßten mindestens ein bedeutendes Duantum der Roheit besitzen, wie man sie in gewissen Kreisen der »höheren" Stände antrisit, wenn sie sich so weit vergäßen, daß sie un- leren Gegnern eine willkommene Handhabe zur Anwendung von so- genannten Ausnahmsmaßregeln geben würde».— Unter den Striken- ben befindet sich gewiß keiner, der so unvernünftig wäre, Etwas zu unternehmen, was den Arbeitern schaden tonnte, allein wir haben bis letzt die Wahrnehmung gemacht, daß von anderer Seite gekaufte Subjekte herumgcschickt werden, damit dieselben den V«r- such machen, Straßenkrawalle zu provoziren; darum sehen wir uns veranlaßt, den Arbeitern zuzurufen: Haltet die Ruhe und Ordnung aufrecht!" Diese Ermahnungsworte unseres Parteiorgans sind nicht vergebens gewesen. Die würdige Haltung der Strilenden setzt die Chemnitzer Bürgerschaft in Staunen und grimniig telezraphirt das enttäuschte Depesche, ldureau in die Welt:„Es sind keine Erzesse zu befürchten."— Am Sonntag fanden mehrere Massenversammlungen hintereinander statt. Gegen MO00 Personen mochten anwesend gewesen sein.— Nachdem»' der Trotz und die Hartnäckigkeit der Fabritanten . gejchilder eikenden zum milchigen Ausharren ermahnt Mv"de» sämmtliche Anweiende aller Versammlungen folgende, von Most eingebrachte Resolution einstimmig und unter großartigem Jubel an: „X. In Erwägung, daß der hiesige Maschinenbauer- nnd Gießer- Strike ganz besonders dem Prinzipe der Arbeitszeitverkürzung auf 10 Stunden gilt; in Erwägung, daß dies ein Princip ist, welches von allen Ar- beitern angestrebt werden muß; in fernerer Erwägung, daß die Fabrikanten auf das hartnäckigste die gerechten Forderungen der Arbeiter zurückgewiesen haben und eine Koalition bildeten, durch welche sie sich gegenseitig verpflichteten, immense Strafgelder im Falle der Nachgiebigkert zu zahle»; und endlich in Erwägung, daß überhaupt in letzterer Zeit der Uebermuth des Fabrikantenthums einen solch hohen Grad erreicht hatte, daß es absolut nöthig ist, demselben zu zeigen, was die Arbeiter durch- zusetzen vermögen, wenn sie einig und fest organisirt sind, erklärt das heute versammelte Volk von Chemnitz und Umgebung: 1) Die gegenwärtige Arbeitseinstellung der Ardeiter hiesiger Ma- jchinensabriken und Gießereien hat die vollständige Billigung Aller. 2) ES ist Pflicht eines jeden Arbeiters, die Strikenden nach Kräf- ten zu unterstützen. 3» Das hiesige Fabrikantenthum hat durch sein brutales Vorgehen jedwede Sympathie von Seite der Arbeiter verwirkt. B. I» Erwägung, daß selbst bei Einwilligung der Fabrikanten zur Festsetzung der 10 Stunden-Arbeit und bei allgemeiner Durchführung derselben in ganz Deutschland keine genügenden Garantien für die dauernde Anerkennung dieses Prinzips gegeben ist, ehe nicht durch ein Gesetz der NonnalarbeitStag festgestellt wird, ist mit aller Energie eine unausgesetzte Agitasion für Erringnng eines solchen ins Werk zu setzen; ist vom Staate, resp. vom Reichstage die gesetzliche Rormirung der Ar- beitszeit von vorläufig 10 Stunden so lange zn forder», bis diesem Verlangen Folge gegeben wird. C. In Erwägung, daß nur durch koinpatteü Auftreten der Ar- beiter-Massen das gegnerische Kapital zur Nachgiebigkeit bestimmt werden kann; in weiterer Erwägung aber, daß bei diesem Vorgehen die größte Besonnenheit an den Tag gelegt werden muß und nur so der Be- weis geliefert werden kann, daß die Arbeiter bereits gebildet genug sind. um ihre Angelegenheiten selbst zu regeln, und es daher die verwerflichste Ungerechtigkeit ist, sie in der Zukunft»och bevormunden zu wollen, verspricht die Versammlung, auf das Strengst« und mit allen zu Ge- böte stehenden Mitteln die öffentliche Ruhe und Ordnung während des StrikeS aufrecht erhalten zu wollen und selbst die geringste Störung derselben unter kernen Umständen zu dulden und v. in Erwägung, daß das hiesige„Tageblatt" und die„Ehern nitzer Nachrichten" nicht allein stet« eine höchst zweideutige Rolle spiel ten. sondern jetzt ganz und gar sich dazu hergeben, die Bestrebungen der Arbeiter und deren Vertreter mit Koth zu besudeln, sie auf alle erdenklich« Art zu verdächtigen, somie auch durch Aufnahme von lügen- hasten Artikeln die Arbeiterschaft irre zu führen bemüht sind, wird kategorisch erklärt: Diese Blätter besitzen nicht im Mindesten das Betrauen des Volkes nnd ist deren Inhalt als entschieden arbeiterfeindlich anzusehen, we« halb es Pflicht eines jeden Arbeiters ist, dafür Sorge zu tragen, daß künftighin Arbeitergelder nicht mehr in die Kassen solcker Jouruale fließen, welchedie Interessen der Arbeiterschaft nicht verirele», sondern dieselben auf die gemeinste Weise bekämpfen und ist vielmehr für die weiteste Verbreitung sozial-dcmokratischer Blätter zu agitiren."— Montag Morgens wurde der Strike im sgroßen Ganzen vollstän dtg aufrechterhalten; nnr Einzelne hatten sich ködern lassen und waren an die Arbeit gegange». Die großen Fabriken standen gänzlich stille, allern bei Louis Schönherr hatten ca. 85 Mann die Arbeit sortgesetzt. Es sind größtmtheilS Leute vom Lande, welche durch das Plakat, das so rührend von dem„guten Einvernehmen," welches in der Schön- herrschen Fabrik zwischen Arbeitgeber und Arbeitern bisher geherrsch haben soll, geblendet wurden.— Damit ist aber Nichts verloren. Es wäre allerdings besser, wenn Keiner arbeitete, allein da es nun einmal so ist, wird man sich auch zu trösten wissen, denn diese 1'/, Menschen reißm die Welt nicht ein. Die übrigen Arbeiter Schönherr s hatten sich versammelt und sind fest entschlossen, dem schlechten Beispiele ihrer Kollegen nicht zu folgen, sondern fest und unerschütterlich auszuharren. Fast zu allen Zeiten des Tages finden überhaupt abwcchslungsweise Versammlungen der verschiedenen Fabrikspersonale statt und ist durch- gängig die größte Entschlossenheit sichtbar.— Zahlreiche Ermunterungen sind dem Central- Koinitee von aus- wärts zugegangen(u. A. au« Dresden, Leipzig, Mittweida) und die Sammlungen nehmen erfreulichen Fortgang. Aus Cainsdorf bei Zwickau ging folgendes Schreiben ein:„...„Laßt Euch nicht ver- locken, nach Zwickau resp. Cainsdorf— Königin Marienhütte— zu kommen, um da zu arbeiten, denn hier ist der gewöhnliche Lohn 20 Ngr., auch nur 17'/, Ngr. für jüngere und zwar Jahre Fang. Die Lebensmittel sind hier theurer als in Chemnitz. Aus unsrer Hütte werden nur Ofsi zianten fett gemacht, die Arbeiter können ver- hungern, wenn sie wollen. Allmonatlich Lohntag, alle 2—3 Wochen Abschlagszahlung und die Behandlung— oft kaum zu schildern!"— Die bei dem Strike betheiligten Fabrikbesitzer haben im„Chemnitzer Tageblatt" folgende lächerliche Erklärung verösicntlicht:„Vor einigen Wochen, und zwar noch bevor(?) der hiesige Arbeiterverein die Frage der zehnstündigen Arbeitszeit in össentlicher Sitzung besprach, waren wir zusammengetreten, um über Einführung kürzerer Arbeitszeit ge- meinschaftlich zu bcrathen, und beschlossen dann, 62 Arbeitsstunden wöchentlich einzuführen, und dafür denselben Lohn zu zahlen wie früher für 65 Stunde», unter der Bedinguilg, daß auch an den Jahrmarkts- dienstagen gearbeitet werden solle. Wir gingen dabei von folgendem Gedanken aus: Es kann bei Verkürzung der Arbeitszeit unser» Leuten nur daraus ankoinmen, früher als sonst in ihre Familie zu- rückzukehren. Wenn wir nun an allen Arbeitstagen der Woche um 6 Uhr Feierabend mache», im übrigen aber die Einrichtungen unserer Fabriken vollständig beim alten belassen, so kommen eben 62 Stun- den per Woche heraus. Wir glaubten bei diesem Beschlüsse, daß es unser» Arbeitern lieber sei, wöchentlich 2 Stunden länger zu arbeiten, als daß diejenigen Feiertage abgeschasst würden, welche auch sonst überall in Norddcutschland nicht eristiren. Es sind die dritten Feier- tage, die 2 Jahrmarktstage:c., beiläufig 10 Feiertage im Jahre mehr als anderwärts. Die Emführung dieser verkürzten Arbeitszeit sollte geschehen, sobald derartige Wünsche an uns herantreten sollten. „So lag die Sache, als ossenbar eine Anzahl Agitatoren sich der- selben bemächtigen und sie gewaltsam zur Arbeitseinstellung hindrängten. Zum Beweises!) diene Folgendes: Man wählte ein sogenanntes Cen- tralkomiiee, von dessen Wahl uns von unsern Arbeitern kein« Anzeige gemacht wurde«das hatten sie auch gar nicht nöthig. Red. d. L.), das auch mit uns in kein« Unterhandlungen eintrat, ausgeuommen ein gedrucktes Circular, welches nur unterzeichnet war„DaS Central- komitee", ohne Angabe irgend eines Namens oder einer Legitimation. Innerhalb drei Tagen wurde nun bis zur Arbeitseinstellung vorge- gangen, ohne daß nur der geringste Versuch seitens der Arbeiter ge- macht wurde, sich mit uns zu v sandigen(Lüge!). ES ist uns ebenso wenig angezeigt worden, daß die Arbeitseinstellung stattfinde» würde (die Arbeiter wären auch sehr dumm gewesen, wenn sie das gcthan hätten! Red. d. V.), wir befanden uns darüber bis Sonnabend früh vollständig iin Dunkeln. Es geht aus allem diesem hervor, daß die Sache gewaltsam zur Explosion getrieben wurde. Die große Masse unserer Arbeiter ist aber von einem so durchaus guten und verstän- digen Kerne, daß wir die feste Ueberzeugung haben, sie werden bei ruhigem Blute einsehen, daß die Arbeitseinstellung für sie niemal s(!) zum gewünschten Ziele führen kann, und würden uns freuen(das glauben wir recht gern. R. d. V.), wenn sie zur Arbeit zurückkehren. Von ganzem Herzen wünschen wir, daß ein gutes Einvernehmen mit unsern Arbeitern bestehen möge, daß sie uns vertrauend(!) entgegen- kommen." Die Fabrikanten haben, wie aus der oben mitgetheilten Erklärung zu ersehen ist, die Stirn gehabt zu behaupten— und die Bourgeoispresse kolportirt es pflichtschuldigst—, der Strike sei das Werk einiger„Agitatoren". Diese unverschämte Lüge findet die beste Abfertigung in folgendem Beschluß des bus in die jüngste Zeit von den Nationalliberalen bevormundeten Chemnitzer Arbeitervereins: „Der Chemnitzer Arveiterverein bedauert die zur Thatsache ge wordene Arbeitseinstellung, und beklagt, das; die Mehrheit der Herren Maschtnensabrikaiiteii den vor kurzem vom Chemnitzer Arbeitervereine angebahnten Ausgleich durch ihr Nichterschei- nen ignortrte, und somit dem Ausbruch der Arbeitseinstellung selbst den Weg geebnet hat. Er erklärt zugleich, daß die Bewe- gung für Kürzung der Arbeitszeit weder neu noch künstlich er- zeugt ist. sondeni schon vor mehreren Jahren als Bediirs- nis; erkannt und bereits in dem Jahre 1 s«ß von dem genannten Vereine, in Verbindung mit dem Leipziger Fortbildungs- verein, durch Eingabe eines Erpofö an Sic dortige Handels- kammer, dehuss damaliger von dem königlichen Ministerium in Aussicht genommener Revision des Gewcrbegeseizes in Er- wäguug gezogen wurde. ES drückt gleichzeitig der Arbeiterverein seine Befriedigung über das einheitliche Vorgehen, ganz besonders aber über das wahrgenommene besonnene ruhige Verhalten der der Maschinen baubranche angehörigen Arbeiter aus. Der Verein dankt endlich den geehrten Herren Fabrikanten, die durch humanes Entgegenkommen die gewiß nicht unbilligen Forderungen ihrer Arbeiter gewährten und somit durch die That bewiesen haben, daß es ihnen wirklich Ernst ist, ein gutes Einvemehmen zwischen Arbeitgeber nnd Arbeitern zn pflegen und zu erhalten." Durch diesen Beschluß erledigt sich auch der nachstehend abgedruckte Wuth- und Denunziationserguß, des Bismark'schen Leiborgans(„Norddeutsche Allgemeine Zeitung"): „Das in dem Ausrufe(der Chemnitzer Arbeiter) unterschriebene Cen- tral-Komitee dankt nun Niemandem weiter, als seinem raschen Entschlüsse, sich selbst als solches der Bewegung aufzudringen, sein Entstehen; den Spielraum aber, der ihm belassen ivorden, dankt es nur der Schüchternheit, Feigheit und Verblüfftheit der ganzen nicht sozial-demokratischen Arbeiterniasse. Denn man kann mit Bestimmt- heit sagen, daß, wenn diese ihr Uebergewicht hätte geltend machen wollen/ der lügenhafte Aufruf in dieser Fassung unmöglich hätte ver össentlicht werden können... Eine ehrenvolle Ausnahme von den übrigen Chemnitzer Arbeitern, welche sich von den Sozialdemokraten ihaben übertölpeln lassen und welche damit vielleicht für längere Zeit hr sonst durchaus nicht unfreundliches Verhältniß zu ihren Arbeitgebern getrübt haben, machen die Arbeiter der Voigt'schen Maschinenfabrik zu Kappel, indem sie össentlich erklären, daß sie zwar den gerechten Forderungen derChemnitzer Arbeiter ihre ganze moralische Unterstützung angedeihen lassen wollen, im Uebriaen aber sich dem dabei zur Geltung gekommenen sozial-demokratischen Einflüsse fernstehend betrachten. Man hat bei dieser fast gewaltsam herbeigeführten Arbeiterbewegung die Frage aufgeworfen, ob dieselbe sich wohl zu der heutigen Gefähr- lichkeit hätte entwickeln können, wenn an der Spitze der großen Hart- mann schen, jetzt Sächsischen Maschinenfabrik noch deren Besitzer, statt wie jetzt eine Aktiengesellschaft, gestanden, deren Interesse hauptsächlich in der Erzielung einer hohen Dwidende liegt, und man ist geneigt zu glaube», daß persönlichem Einflüsse es danissdoch eher gelungen wäre, dieselbe zu verhüten. Freilich hat dieser andererseits auch nicht ge fehlt, da ja die Arbeitseinstellung sich über 20 Maschinenfabriken erstreckt." Wenn der demokratische Schleppsäbelrasiler von 1848 sel- der zugiebt, daß die Hartmann'sche Maschinenfabrik einzig und allein und zum Schaden der Arbeiter nach„hohen Dividenden" trachtet,— was raisonnirt er dann über die Strikenden? Privattelegramme des„Volksstaat". Offenbach, den 2. Rod. In Folge schroffer Behandlung wurde bei dem Maschinenfabrikant Heim die Arbeit niedergelegt und wurden darauf von allen Maschinenfabrikanten alle Werkstätten ge- schlössen; wir bitten Zuzug abzuhalten und um schnelle Unterstützung. L- Ungeheuer, Präsident des Maschiuenbauervereins im grünen Baum Offenbach a M. Weimar, 2. Rod. Arbeitseinstellung der Schuh- macher. Forderung: Lohnerhöhung von 20 Prozent. Zuzug nach hier bittet zu verhindern Das Komitee. Chemnitz, 2. Nov Mittags Alle Versuche der Fabrikanten, die Arbeiter heute zur Arbeit zu locken, blieben erfolglos. Man strömt massenhaft in die Versammlung und Alles ist vom besten Geiste be- seelt. Das Centralkomitee. Fr. Hnsmanu Der Kongreß zurVereinigung der Berliner Arbeiter soll am 19. unv 20. d. M. stattfinden. Jedes Gewerke, das sich betheiligt, h't für je 100 Mann 1 Delegirten zu senden Die Vertheidigvng von'Paris. Bon Blanqui.� (Fortsetzung.)£3; 12. September 1870. Es gilt jetzt, wenn es möglich ist, wieder zu Sinnen zu tommen. Die Deklamation(Phrase) will nicht würbe werden. Jedermann bereitet sich vor,„auf den B arrikaden zu sterben". Und die Phrasen lhürmen sich wie die Pflastersteine bis in's erste Stockwerk auf. Wenn man nur auf den Barrikaden stirbt, wird man lange leben und man kann in aller Sicherheit den Eid dieses heroischen Todes schwören: er wird kein Haar kosten. Es ist wahrhaftig zu stark, daß man sich nach unseren Aben- teuern der letzten 40 Tage noch darauf steift, die Preußen für Schwächlinge zu nehmen. Der Chauvinismus würde selbst in seinem letzten Seufzer davon nicht ablassen. Man wird ihn nicht von der Idee abbringen können, die guten Deutschen seien entschlossen, sich tödten zu lassen, um uns angenehm zu sein und uns Stoff zur Prahlereien zu liefern. Bombardirt also Straßburg 12 dächte nach einander, verbrennt die Bibliotheken, werft die Kathredalen um, Meister- werke von Jahrhunderlen, begrabt die Bewohner unter den rauchenden Trümmern ihrer Wohnungen, ohne die armirten Schutzwälle anzurühren, vertilgt die Menschen aber schonet die Steine, damit sich ehrenwerthe Städter überzeugen, ihr werdet euch als Zielscheiben vor ihre Barrikaden stellen! Aber ja: die Preußen werden absichtlich den Straßenkampf suchen! Sie werden, ohne zu geizen, vor jeden eurer Stein- Haufen sich hinstellen und 2 oder 3 Regimenter gern hinvpfern. Sic sind reich genug an Soldaten, ihren Ruhm zu bezahlen, nicht? Run gut: Lebt in dieser süßen Hoffnung und sorgt be- sonders für Vorrath an Geduld, um auf die Erfüllung bis zum jüngsten Gericht zu warten, denn ihr werdet alle todt sein, ehe ihr das Vergnügen haben werdet, Einen von ihnen zu sehen. Sie hallen viel darauf. Euch zu tödten, aber sehr weniz, mit Euch zu schwatzen. Hat man 1814 und den preußischen General Müffling vergessen mit seinen Zwölfpfünder-Batterien, auf dem Montmartre ausgestanzt, wie er mit einem Ton wilder Ironie zum Kaiser Alexander sagte:„Soll man anzünden?"—„O nein", erwiderte Alexander. Run, sie werden uns„anzünden"— diesesmal; denn sie haben keine Verbündeten, welche dagegen sind. Sie werden uns„anzünden", wenn sie die Enceinle durchbrochen, und selbst, ehe sie dieselbe durchbrochen haben. Man weiß schon, daß sie selbst von außerhalb der Forts die Quartiere der Peripherie bcmbardiren rönnen. Wenn sie ein Kort nehmen, werden ihre Geschosse bis weit»ach Paris hinein, vielleicht bis ins Ccnlrum der Stadt reichen. Aber wenn erst die Enceinte an einem einzigen Punkte durchbrochen, alsdann beginnt das Werk der Vernichtung. Die Preußen werden sich hüten, in die Straßen einzudringen. Vielleicht nicht Einer wird den Fuß über den inneren Abhang setzen; sie werden sich mit dem Sparen in dem Erdwall der Schutz- wehr den Weg bahnen, der inneren Seite derselben folgend. Aus der Tiefe dieses Grabens werden ihre Feuerschlünde Tod und Verderben auf Paris speien. Ein Regen vvnBom- den und Kugeln wird aus diesem Feuerzirkel heraus überall alles in Brand stecken und Ruinen aufthürmen, bis die große Stadt todt oder gefangen ist. Die beredten Beschwörungen Viktor Huzo's werden sie nicht retten. Ach! Großer Mann, Sie gießen ohne Wissen Oel ins Feuer. Sie glauben immer, das Herz dieser Barbaren rühren zu können, Sie verdoppeln nur ihre Wulh. Der Ruhm von Paris ist seine Veruriheilung. Im Namen der Mensch- heil erinnert sie Ihr Enthusiasmus an die schuldige Achtung vor der Slädle-Mutler, und sie träumen nur davon, die Ein- geweide derselben zu zerreißen und in die Winde zu streuen. Ihr Licht wollen sie auslöschen; ihre Ideen wollen sie in's Nichts zurückschleudern. Das sind die Horben des 15. Jahr- Hunderts, die sich zum zweiten Mal über Gallien ergießen, um die moderne Zivilisation zu ersticken, wie sie deren Ahnin, die griechisch-römische Zivilisation vernichtet haben. Hört ihr nicht ihr wildes Kriegsgeheul:„Nieder milder lateinischen Raffe"? Sie stimmen den Gesang der Jndianerstämme beim kannibali- schen Festmahle an:„Gepriesen sei der, welcher mit seinem Tomahawk die Schädel des feindlichen Stammes zerschmet- tert, und der sich weidet an ihrem Fleisch und ihrem Blut." Berlin muß die heilige Stadt der Zukunft werden, deren Glanz die Welt erleuchtet. Paris ist das räuberische, das ver- dorbene Babylon, die große Hure, welche von der Erde zu vertilgen der Gottgesaudie gekommen ist, der Engel der Ber- tilgung, die Bibel in der Hand. Seht ihr denn nicht, daß der HERR der germanischen Rasse das Siegel der Verheißung aufgedrückt hat? Sie hat größere Anlage zur Fettbildung als die unjrige.*) Veriheidigen wir uns. Die Wildheit Odins und die Wildheit Molvch's marschirt gegen upjere Städte, die Barbarei des Vandalen und die Barbarei des�emilen. Vertheidigen wir uns, und rechnen wir auf Nictyqph. Noch einmal, keine Illusionen mehr! Bauen wir unsere Hoffnung nicht auf die Enceinte, nicht auf die Forts, welche die Vorstädte mchr gegen das Bombardement schützen. Die Bomben müssen von' unserem heiligen Herd ferne gehalten werden. Nicht blos von der Höhe schwacher Citadellen aus, muß man den Angriff der Barbaren zurückweisen. Wehe dem, der sich furchtsam auf die Defensive beschränkt. Weit draußen in den Ebenen von Saint-Denis und Astnäres, auf den Höhen von Sannois und von Mcudvn, muß man den preußischen Colounen die Spitze bieten und ihnen die Annäherung an unsere Mauern verbieten. Der Angriff des Feindes wird wahrscheinlich gegen den Westen der Stadt gerichtet sein, welches der schwächste Theil ist. Man nimmt an, daß der Feind von Süden her Paris umgehen wird, indem er die Seine oberhalb des Zusammenfluffes über- schreitet, und dann durch den Wald nach Meudon ziehen wird. Die Wälder sind der Lieblings-Aufenthalt der Preußen. Unter ihrem Schatten gleiten die Massen stille heran, wie der Panther seine Opfer beschleicht. Sie werden ihre Batterien in den Schluchten von Meudon aufpflanzen, um die gerade Linie der Enceinte zu bestreichen,'!vom Thor'von Point-Du- Jour bis zum Thor Dauphine. Zugleich werden ihre Bomben den ganzen XV. Bezirk, d. h. Grenelle und Vaugirard, und den südlichen Theil des XVI., Auteuil und Pasiy beherrschen. Ein anderer Theil ihrer Armee wird bei Epinay mit Be- nützung der Inseln über die Seine setzen und über Genne- villiers und Asni�res vorrücken, um sich mit dem südlichen Angriff zu vereinigen und die ganze westliche Seite der Enceinte zu umfassen. Der Mont-Valerien kann weder den einen noch den anderen Angriff erreichen. Sie werden sich h.nter der Festung, durch die Wälder von Mzinet, Montenon, Houilles, und Sannois die Hände reichen. Im Jahr 1815 hatten die Preußen Blücher's Paris vom Norden her umgangen, waren dann bis zur Halbinsel von Vestnet weiter gezogen, bei Chatou über die Brücke gesetzt und über- rumpelten Versailles; dann postirten sie sich, durch die Wälder ziehend, um Meudon, Clamart und Jffy. Sie lieben diesen Weg, welcher ihnen der sicherste zu sein scheint, gedeckt, wie er ist, durch die Windungen der Seine und durch die Wälder, welche weit! in die ganze west-süd- westliche Seite der Haupt- stadt decken. Damals kamen die Preußen von Waterloo und'mußten Meudon von ihrer rechten Seite her erreichen. Sie scheinen heute zugleich von Norden und von Westen her auf Paris los- zurücken, was ihren doppelten Angriff von Epinay aus, auf die Ebene von Asniöres und aus den Schluchten von Meudon auf Passy voraussehen läßt. Die Armee, welche zwischen der Marne und der Seine von Westen kommt, wird den letzteren Fluß ziemlich weit südlich überschreiten, und gegen Nord-Westen hin die Wälder von Meudon erreichen. Die, welche von Laon kommt, wird ohne Zweifel den anderen Angriff, den von Epinay übernehmen. Der Feind, treu seinem System der List, läßt unter der Hand zu wissen thun, daß er von Romainville her anzugreifen beabsichtige, in der Hoffnung, seine vertraulichen Mittheilungen werden für Ernst genommen. Uebrigens, mag er sich auf dem einen oder anderen Punkte zeigen, das Wesentliche ist, seine Bewegungen von der Nähe aus zu überwachen. Die Klugheit würde gebieten, ober- halb Meudon's hinlänglich ausgedehnte Laufgräben anzulegen, um beträchtliche Truppenmassen aufzunehmen, welche durch sichere Verbindungswege leicht zu erneuern sein müßten. Denn wenn die Preußen Meudon als Angriffspunkt gewählt haben, werden sie es»m jeden Preis gewinnen wollen und nach ihrer Art Massen über Massen darauf werfen, um die Position durch die Ueberzahl zu gewinnen. (Forisetzung folgt.) *)'itwai mild übersetzt. Im Original heißt es " de tripe« de plus gue 1» nOtre eil«» u» Die Mormonen des Morgen-«nd Abendlands. (Aus der Brüsseler„Libertö".) Brigham Aoung, das Haupt von Utah und Ober- priester der Mormonen, ist jüngst inmitten der heiligen Stadt des Salzsees, ohne irgend welchen Widerstand von seiner Seite oder der seiner Anhänger, verhaftet worden. Ist es ein formeller Befehl Brigham Aoung's, welcher seine Getreuen verhindert hat, sich seiner Verhaftung zu widersetzen? Es giebt keine andere plausible(glaublich klingende) Erklärung. Der Mormonismus war im Abnehmen begriffen, aber er ist doch noch nicht zu dem Punkte gelangt, sein Oberhaupt zu ver leugnen und in einer sehr großen Stadt nicht einen einzigen Fanatiker zu finden, der fähig wäre, den Befehlen der Ver- einigten Staaten Widerstand zu leisten, selbst auf die Gewiß- heit hin, besiegt zu werden. Aber gerade weil der materielle Widerstand auf die Länge unmöglich war, wollte Brigham Noung ihn nicht wagen. Er hat vielleicht zu der von ihm geleiteten sozialen Organisation so große Zuversicht, daß er nicht fürchtet, sie dem Urtheil einer Civilisation, wie die Amerikanische ist, zu unterwerfen, oder sie einer Reibung mit derselben auszusetzen. Sein Benehmen während der letzten Jahre ist nicht im Widerspruch mit seiner Haltung von heute. Freilich 1857, als der Präsident Buch an an Utah militärisch anzugreifen drohte, erklärte Brizhain Aoung, daß er gewaltsamen Wider- stand leisten werde; und da sein Staat mit einem fast unein- nehmbaren Gürtel von Bergen umgeben ist, wäre das Unter- nehmen Buchanan's nicht ohne Gefahr gewesen. Aber als seit- dem die Vereinigten Staaten eine Eisenbahn bauen wollten, welche die Berge durchschneiden und durch die Mormonenstadt selber passiren sollte, hielt es Brigham Boung für vernünftige Politik, diesem Projekt nicht auf die Dauer Hindernisse in den Weg zu legen, und er hat in letzter Zeit selber den Bau der Eisenbahnen unterstützt. Es wäre interessant gewesen, zu sehen, welchen moralischen Widerstand die mormonische Organisation dem Einfall der Amerikanischen Civilisation geleistet hätte, wenn die Vereinigten Staaten dreingewilligt hätten, die Auflösung des Mormonismus von der Gewalt der Dinge selber abhängen zu lassen. Bon dem Moment an, als Brigham Uvung diese Art von Duell und Concurrenz annahm, hätten auch— so scheint es uns— die Vereinigten Staaten sie gleich ihm annehmen müssen,— besonders nachdem sie so lange die Existenz dieser rivalen(neben- buhlerischen) Organisation geduldet haben.„Dulden" ist sogar nicht das richtige Wort. Die Unabhängigkeit von Utah ver- diente ebenso viel Respekt wie die jedes andern Staates, und die Amerikaner, welche in guten Beziehungen zum Jslamismus stehen, hatten kein ernstliches Recht, speziell den Mo rmonism us zu bekämpfen, der sich übrigens durch eine beinahe muhame- danische Regelung der geschlechtlichen Verhältnisse auszeichnet. Aber die„Scham" der amerikanischen monogamischen*) Civilisation ist zur Empörung gebracht worden und selbst in Europa wird es schwerlich ein Journal wagen, Brigham Uoung's Partei zu ergreifen. Es wird gerecht erscheinen, ebenso seine zeitliche wie seine geistliche Macht niederzuschlagen. So wollen es die Prinzipien der christlichen Familie. Wir würden diese Strenge bei den Christen Europa's und Amerika's begreifen, wenn sie selbst die Monogamie anders als in der Theorie übten. Aber eine auch nur wenig aufmerksame Prüfung unserer Gesellschaft zeigt deutlich genug, daß die Monogämies hier nicht"meh als bei den Muhamedanern oder selbst bei den Mo: monen herrscht! Unsere christlichen Gesellschaften haben höchstens die Zuthat der Heuchelei dabei,— einen andern Unter- schied giebt es nicht. Im Mormonismus können die Staatsoberhäupter, denen man eine große wirthschaftliche Stellung gegeben hat, so viel Frauen nehmen, als ihre Mittel ihnen erlauben. Bei den Muhamedanern existirt die Polygamie gleichfalls nur für die reichen Leute. Da jeder Mann gezwungen ist, seine Frauen zeitlebens zu ernähren und zu beschützen, so folgt daraus, daß in Wirklichkeit nur eine kleine Anzahl Männer im Besitz mehrerer Frauen ist. Die Armen und die gemeinen Sterb- lichen sind Monogamen— aus Nothwendigkeit. Wohlan nun! Wie steht es denn nun um die Moral unserer christlichen Gesellschaft? Sind hier nicht auch die ge- schlechtlichen Verhältnisse durch die ökonomischen Verhältnisse geregelt? Wo ist der reiche Mann, der es wagen wollte, zu behaupten, er habe niemals Polygamie getrieben? Nun ist, da bei der„Polygamie aus Prinzip" die Beschützung der Frau permanent dauern muß, hier die Gesetzlichkeit des Eon- kubinals damit gleichzeitig verbunden. Bei uns hingegen, wo man den Gebrauch hat, ein Frauenzimmer im Stich zu lassen, sobald man ihrer müde ist, ist das Conkubinat ein sukzessives (aufeinanderfolgendes). In dem Maße, als ein Frauenzimmer verlassen ist, fällt sie Anderen anhei«; sie fällt von Stufe zu Stufe— solchergestalt, daß in Wirklichkeit die Polygamie Allen möglich wird, und zu einer allgemeinen Polygamie(Viel- weiberei) noch eine sehr ausgedehnte Pvly an drie(Vielmännerei) hinzukommt. Der Vortheil scheint Ms nicht auf unsrer Seite zu sein. Fügen wir schließlich dem noch hinzu, daß nicht nur etwas Heuchlerisches, sondern recht Gemeines in unsrer christ- lichen Art liegt, die Frauen im Stich zu lassen und cynisch aus dem Elend die mächtigste Triebfeder der Prostitution zu machen. Wenn man nicht die Prinzipien, sondern die That- fachen betrachten will, muß man anerkennen, daß die Organisationen Muhameds und der Mormonen vielleicht hoch über dem Christenthume flehen. Mal hat seit 2000 Jahren gut eine gewisse Moral predigen; wenn aber die Sitten beständig und allgemein die Moral dementiren*), dann giebt es keine Moral. Was noch thut, ist nicht:> predigen, sondern organisiren. Muhamed und die Mormonen, wenn sie auch die Vielweiberei organisirt haben, haben doch jedenfalls bis zu einem gewissen Punkte die Vielmännerei und die Prostitution verhindert; während die Christen, in- dem sie fortwährend die schönsten Sachen predigen, gar nichts organisirt haben und von Alters her die allgemeine Geschlechts- Vermischung vollständig haben bestehen lassen. Wenn die Mu-! hamedaner und Mormonen Polygamen(Vielweiöereitreiber) sind, so sind die Europäer Vulgi»ageii(Leute, die ganz un- I geregelte Geschlechtsvermischung treiben). Obendrein wird unsere vulgivige Gesellschaft, infolge der Konzentration der Reichthümer, durch den schönsten Mormonis- mus beherrscht. Die Christen sprechen viel davon, die Muhamedaner be- kehren zu wollen. In Wirklichkeit kann man, wenn man gerecht sein will, sagen, daß— abgesehen von den ungeheuren matenellen Eroberungen, welche der Mohamedanismus in Asien gemachthat— der Jslamismus es ist, welcherEuropa und die Christen schon seit lange erobert hat, ohne ihnen dabei ihre alten Laster zu nehmen.— Wenn Brigham Noung in diesem Sinne zu seine» Richtern spricht, wären wir neugierig, zu wissen, was sie ihm antworten würden.— Auch wir sind Anhänger der Monogamie(Ein- ehe), aber wir sind überzeugt, daß nur derSozialis- mus sie organisiren kann, indem er der Arbeit der Frauen einen Lohn sichert, so ausreichend, daß ihre materielle und moralische Unabhängigkeit stets die Bürgschaft ihrer Würde: ist. Die Frage der Monogamie ist nichts weiter, als die Frage � der Würde der Frauen. Wir müssen uns die Bemerkung erlauben, daß wir wissen, daß die Frauen fast alle pon Natur monogamisch sind, während die Männer von Natur zur Polygamie hinneigen. Die Männer werden durch den Lustreiz fortgezogen. Aber! für die Frau, welche empfängt, welche gebären, säugen und tausend Leiden ausstehen muß, ist die geschlechtliche Vereinigung immer etwas unendlich Ernstes, illvch in keinem Lande hat man's nöthig gehabt, Gesetze gegen die Verführung der Männer durch die Frauen zu erlassen. Wenn man also ernstlich die j Monogamie will, muß man nicht auf die Männer rechnen, wie es das Christenthum und die occidentale(abend- ländische) Civilisation thut; die Frau muß für die Monogamie zu haften in Stand gesetzt werden; und deß sei man sicher: sie wird es thun. Wenn die Frau nicht mehr in so verhängniß- j voller Abhängigkeit vom Manne sein wird; wenn sie weder j gezwungen sein wird, sich zu ergeben, noch sich zu verkaufen,— dann können wir sicher sein, daß, abgesehen von sehr sel- tenen Ausnahmen, die Monogamie respektirt werden wird.' *) Die griechische Wurzel„Äam" bedeutet„heirathen". Polygamie ist Lielneiberei: Monogamie heißt E. rehe. Sozialismus und Kommunismus. Von Dr. Boruttau. (Schluß.) Wenden wir uns nun dazu, die Beweisführung der an« dern Gruppe zu prüfen, derer, die aus taktischen, aus Zweck- mäßigkeitsgründen die politische Abstcntivn, die Enthaltung von der Theilnahme an dem' Getriebe der politischen Parteien von uns oerlangen, so ist bekanntlich das hauptsächlichste Argument dcrselden der Hinweis auf das natürliche Gefühl des Wider- willens, das man dagegen empfindet, mit einem Feinde mit gütlichen Mitteln weiter zu verhandeln, der uns bereits mit be- waffneter Gewalt gegenüber gestanden und nach gewonnenem Siege dieselbe so grausam mißbraucht hat. Es sei eine Würde- losigkeit, deren Grund nur in Eitelkeit oder Unklarheit gelegen sei, wenn ein Thell der Sozialisten fortfahre, mit den Vertretern der„Ordnung" mündlich und schriftlich über politische Rechte, wie Rede-, Preß- und Vereinigungsfteiheit zu verhan- deln, zu Parlamentiren, nachdem dieses längst bis zum Ueber- druß geschehen und der hinlänglichste Beweis geliefert sei, daß unser Gegner niemals seinen Willen ändern we�', vor einer andern Macht als der Gewalt des Schwer� chen. •) Lügen strafen. '\£ ®o die Vertreter der Ansicht, die aus taktischen Gründen die Enthaltung von der Politik verlangen. Mt einen: Unge- Heuer, das uns nicht hören und verstehen, sondern verschlingen will, verhandelt man nicht, sondern man schlägt es todt. Das klingt ganz richtig, und gewiß, die Vertreter dieser Ansicht wür- den vollkommen unsere Zustimniung haben, wenn es gänzlich nutzlos wäre, mit unfern Gegnern Worte zu wechseln. Spricht man doch nach allen Regeln des Duelles inii einer Person, die uns beleidigt und verhaßt ist, nicht mehr, nachdem die Heraus- forderung zum Zweikampf geschehen ist. Die Sache verhält sich aber in unserem Falle denn doch anders. In nianchen Parlanienten niag es allerdings verlorene Mühe und also fehlerhafte Taktik sein, Reden hallen und die Kammercollegen durch Worte zu einer andern Ueberzeugung bringen zu wollen. Die Herren aber, die in jenen Kammern Zu sitzen und durch ihre Zungenübungcn den jetzigen Zustand der heutigen Gesellschaft, weil sie ihn ihrem persönlichen Jnter- esse entsprechend finden, anzupreisen pflegen, sie sind unsere schwächsten Gegner. Sie könnten uns, so machtlos sind sie für sich allein, höchst gleichgültig sein. Nein, unsere eigentlichen Gegner, die unserem Leben, unserer Freiheit allein gefährlich sind, und die ivir vor Allem überwinden müsien, sie haben wir wo anders zu suchen. Das ist die Gleichgültigkeit und Un- wissenheit Derer, die ihrer traurigen Lage wegen das größte In- feresfe hätten, sich uns anzuschließen und die nur deshalb uns feindlich gegenüberstehen, weil sie sich darüber in Unkenntniß be- finden, was wir wollen und von der Gelegenheit, sich hierüber ju belehren, ausgeschlossen sind. Die große Masse des Land-Proletariats, die, zu den Was- fen einberufen, und in den bunten Rock gesteckt, un: den Thron, den Hort der bestehenden Gesetze und um seine Schwätzparla- mente gleich einer ehernen Mauer in Reih lind Glied geordnet- stehen und jeden Angriff darauf mit mörderischem Feuer zurück- weisen, sie bilden die eigentliche Macht unseres Gegners und, um ihren Widerstand zu überwinden, brauchen wir die söge- nannten politischen Rechte der Preß-, Versammlungs- und Ver- einigungsfreiheit. Wenn und insoweit man uns diese Recht? gewährt, werden wir uns ihrer bedienen und es würde ein übel- angebrachter Stolz oder vielmehr ein ans Lächerliche streifender Eigensinn sein, wenn wir, es für uncommentmäßig haltend, von unserem Feinde etwas anzunehmen, auf den Gebrauch die- ser Rechte verzichten wollten. Uin die Masse der bis jetzt als „Stimmvieh" gemißbrauchten Arbeiter, uni jeden Einzelnen ans dem Volke an die demokratische Arbeit, an den Berns eines jeden Republikaners, an die direkte Gesetzgebung zu gewöhnen, können wir das Preß-, Versammlungs- und Vereinsrccht nicht entbehren. Freilich, wenn man es uns vorenthält, wenn man forffährt, die Arbeiter vom offenen politischen Leben aus- zuschließen, wenn man ihre Schriften konfiszirt, ihre Versamm- lungen verbietet und ihre Vereine aushebt, dann müssen wir uns nothgedrungen des einzigen Mittels, das uns bleibt, der Conspiration bedienen; nur soll man sich dann nicht wundern, wenn wir in diesem Falle nicht im Stande sind, die rohen zerstreuten Kräfte in einer Weise zu organisireu, um unliebsa- mm tumultuarischen Erplosionen allerorts vorbeugen oder stenern zu können. Also den Vertretern der Ansicht, daß die Sozialisten aus lattischen Gründen sich von der Bethciligung am politischen Le- ben fern halten sollen, können wir nicht beistimmen; müßten sie doch, um konsequent zu sein, auch die bestehmden kirchlichen Einrichtungm und Anstalten völlig ignorirm, da ja der wissen- schaftliche Streit mit den Würdenträgern der Kirche über die Haltbarkeit oder Verwerflichkeit des Theismus nicht minder und sogar schon seit länger erledigt ist, als die theoretische Streit- frage ob Monarchie oder Demokratie. Die sozialistische Bewegung also ist keineswegs eine aus- schließlich ökonomische, sondern muß sich nicht minder als auf das wirthschastliche, auch aus das kirchliche und politische Gebiet erstrecken. Die sozialistische Bewegung als eine ausschließlich ökonomische aufzufassen, ist ein schwe- rer Jrr'thuw, sie ist nicht, wie die vom„Volksstaat" aufgestellte Definition angiebt, lediglich die Durchführung des Kommunismus, sondern ebenso die Durchführung des Atheismus und Rcpublika- niSmus. Doch, könnte mir vielleicht von Seitm des„Volksstaat" eingewendet werden:„Wozu dieser langweilige Wortstreit, da wir ja in der Hauptsache einig sind, daß die sozialistische Bewegung auf Einführung der Kollektiv-Wirthschaft, des Kommunismus gerichtet sein muß? Uns erscheint dieses so sehr als die Haupt- sache, daß wir die politische und kirchliche Agitation nur als Mittel zur Durchführung jenes Zweckes bettachten können. Uns erscheinen diese über das Bereich der materiellen, greifbaren Dinge hinausschweifenden Erörterungen als„philosophische Tüfteleien."„Die Philosophie,— so heißt es in einer(in Nr. 7b) gelegentlich eines Arttkels über die spanische Arbeiter- bewegung gemachten Anmerkung— die Philosophie wollen wir den Professoren, Studenten und Gymnasiasten überlasten und dafür recht fleißig Nationalökonomie studiren." Diese Einwendung, weit entfernt, mich von der Unnützlich- keit dieses Streites zu überzeugen, ist vielmehr ganz dazu ange- khan, mich in meiner Ueberzeugung zu bestärken, daß es sich hier um eine Meinungsverschiedenheit von sehr großer und zwar von eminent praktischer Bedeutung handelt. Die Wortführer unserer Partei haben es bekanntlich nie daran fehlen lassen, Spott und Hohn über Diejenigen auszu- gießen, welche, wie z. B. die Fortschrittspartei und die sogen. freien Gemeinden, die Hebung der sittlich-religiösen Volksbildung als alleinige Bedingung einer befriedigenden Lösung der sozialen Frage aufgestellt haben und darüber die Betheiligung an dem stampfe des Proletariats für Errinqunq ökonomisch-politischer Macht vernachlässigten. Ich sage nicht, daß dieser Spott unverdient gewesen sei. Im Gegentheil, ich habe ihn immer sehr in der Ordnung ge- funden, und ich habe z. B. die neulich dem Programm der „Friedens- und Freiheitsliga"(welches durch Unterricht, Erziehung und Freihandel die soziale Frage zu lösen vermeinte) von Sei- ten des„Volksstaat" widerfahrene lakonische Abfertigung ganz gerechtfertigt gefunden. Aber- ist es etwa eine weniger des Spottes würdige Schwäche, wenn eine Fraktion der Internationalen, und zwar zur Zeit im Generalrath die Majorität dil- den de Fraktion, es für nothwendig gehatten hat, den athei- stischen Charatter der sozialistischen Bewegung öffentlich zu verleugnen*) und so die Mitglieder dieses Vereines dem Ver- dacht ausgesetzt hat, als erachteten sie die sittlich-religiöse Bil- dung für Nichts, die ökonomisch-polittsche Macht für Alles?! Ich will mich hier nicht auf die Untersuchung einlassen, ob diese Verleugnung des Atheismus aus prinzipiellen oder tak- tischen Beweggründen hervorging; ich begnüge mich damit, zu konstattren, daß diese Vcrleugner im ersten Falle überhaupt keine Sozialisten sind, und im zweiten Falle prinzipienwidrig gehandelt haben. Es gilt,, um alles Gesagte schließlich kurz zuammenzu- fassen, es gilt von der sozialistischen Revolution das von Göthe über die Natur geäußerte Wort:„Sie hat weder Kern noch Schale, Alles ist sie mit einem Male"; will man aber durchaus Mittel und Zweck in ihr unterscheiden, so bedarf es wol weiter keines Beweises, daß man eben nur die Einführung so- zialistischer Sitte als Endzweck bezeichnen kann und daß zu diesem Zweck nicht nur die bestehende theisti- sche Kirche und der bestehende theistische Staat, sondern auch die bestehende theistische(patriarcha- tische) Sitte beseitigt werden muß. __ Boruttau. Hallelujah! Die Lösung der sozialenFrage ist entdeckt! Der Stein der Weisen gefunden! Und zwar gleich allen großen Entdeckungen zeichnet sich auch diese durch wunderbare Einfach- heit aus. Man setzt sich um einen Tisch zusammen— voilii tout. Ob der Tisch von„begeistetem Fichtenholz" ist und„gerückt" wird; ob Hodgson-Pratt'scher Brandy and water darauf zu stehn hat oder nicht— das ist noch dahin gestellt. Genug: man— nemlich„Vertreter" der Arbeitgeber und Arbeitnehmer(aliasArbeiter)„setzen sich von Zeit zu Zeit uin einen Tisch zu- sammen", und das„neue Wiedertäuferreich" ist in der Geburt erstickt, das„Netz des Kommunismus" zerrissen, und„Friede und gegenseitige Förderung herrscht zwischen Meistern und Ar- beitern"— genau so, wie im Musterland England, wo die böse sozialdemokratische Praxis der Strikemacherei bekanntlich zu den„überwundenen Standpunkten" gehört. Wer's nicht glauben will, der lese nachstehendes Circular der Hirsch-Duncker'- scheu Harmonieapostel, da steht's schwarz auf weiß: Das Streben der arbeitenden Klassen nach Berbesserung ihrer ge- drückten Lage wird immer allgemeiuer, immer drängender. Dieses Stteben ist an sich ein durchaus berechtigtes. Der Lohn muß winde- stens Schritt halten mit den steigenden Preisen der nothwendigsten Lebensbedürfnisse, die Arbeitszeit muß für Erholung, Bildung und Familienleben Raum lassen. DaS anerkennt die Wissenschast, das billigen selbst alle humanen und einsichtigen Arbeitgeber. Aber auch die Arbeitgeber haben Interessen, die gewahrt werden müssen. Die große Mehrzahl derselben schwimmt keineswegs im Heber- flusse, sondern müht sich im harten Kainpfe der Konkurrenz um ihr ehrliches Fortkomme». Sie können beim besten Willen nicht jeden Augenblick erhöhte Forderungen bewilligen. Sie besitzen auch eine Ehre, die rücksichtsloses und gebieterisches Drängen nicht verträgt.' Wie soll hier die Entscheidung stattfinden? Es gibt zwei Wege, zwischen denen es zu wählen gilt. Der erste Weg und der am meisten beschritt««- ist der der StrikeS. Die Arbeiter koaliren sich, verabreden ihre Forderungen, überreichen ihr Ultimatum und stellen, wenn dasselbe nicht alsbald bewilligt wird, die Arbeit ein. Die Arbeitgeber ihrerseits verbinden sich zum äußer- sten Widerstande. Die Gemäßigten beider Parteien müssen verstummen. Ein Kampf entbrennt, welcher Arbeitern wie Arbeitgebern ungeheure Opfer auferlegt, die Produktion, die Quelle des AejammUvohls, ver- stopft, die bösesten Leidenschaften weckt, und häufig erst sein Ende findet mit beiderseitiger Ohnmacht. Berlin hat sie kennen gelernt, diese Ar- beitsschlachten, die unfern gewcrbfieißigcn Klassen Millionen gekostet, und in denen beide Tbeile sich den Sieg zuschreiben— weil beide unter- legen sind! Die gegenwärtig von den Sozialdemokraten geplante Centralisation der berliner Arbeiter ist kein nelier Weg, sondern nur das äußerste ortschreiten aus dem alten, verhängnißvollen. Statt des einzelnen jewerkes soll die ganze Arbeitermassc in den Kamps getrieben werden. Hierin liegt der unbedingte Zwang für alle Arbeitgeber, sich gleichfalls ohne Uuterschied des Berufes zu vereinigen. Die ganze Gesellschaft zer- fällt dann in zwei„bis zum Messer" kämpfende Heerlager, Industrie und Handel werden vernichtet. Wer unterliegt? Der die geringsten Mittel hat, der Arbeiter. Wer gewinnt? Nicht der Arbeitgeber, wohl aber die Partei, die mit allen ihren Planen und Organisationeil nur bezweckt, die Kluft zwischen Besitz und Arbeit zu vergrößern, den Haß zu schüren, den Boden des Vaterlandes mit Trümmern zu bedecken, aus denen>ie ihr neues Wiedertäuferreich errichten will— in der That aber nur die Eäbelherrschast gründet. Sollte dieS wittlich der Ausgang einer tausendjährigen Eivilisation, das Ergcbniß einer Geistesarbeit sem, welche in Namen wie Lesstng, Schiller, Humboldt repräsentirt ist? Sollte es kein Mittel geben, zu verhüten, daß Kapital uno Arbeit, so innig aufeinander angewiesen, sich auch ferner als feindliche Brüder zerfleischen? Ja, es gibt ein Mittel, und dies ist der zweite, der allein richtige Weg zur Entscheidung gleichberechtigter Interessen: DaS EinigungS- amt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer wählen eine gleiche Anzahl Ver- treter, die sich von Zeit zu Zeit um einen Tisch zusammensetzen, die scheinbar streitigen Interessen und Forderungen unbefangen besprechen und mit oder ohne Obmann sich schließlich über Lohn, Arbeitszeit und sonstige ArbeitsverhälMisse einigen. Hierbei kommt jede Ansicht zur Sprache, jede« Interesse zur Geltung; statt Drohung und Zwang fällen Billigkeit und Recht die Entscheidung. Die Borurthcile und Leiden- schasren, die weit stätter scheiden als die Interesse», vergehen gleich bösen Dünsten vor dem Lichte friedlicher Diskussion. DieS, Arbeitgeber und Arbeiter Berlins, ist kein schmeichelndes Phantasiegebilde, sondern die erprobte Wittlichkeit. In England, der Wiege des Sttikes, bestehen seit einem Jahrzehnt zahlreiche EinigungS- *) ES ist dies ein vollkommen unbegründeter Vorwurf. Das Ak- tenstück, welches Boruttau im Auge hat, ist das in Nr. 50 des„Volksstaat" abgedruckte Schreiben des Generalraths an die„Times", und die betreffende Stelle lautet wie folgt: „Von allen Aktenstücken, welche er(Jules Favre) als Aktenstücke der Internationalen zitirt, gehött nicht ein einziges der Jnternatio- nalen an. „Er jagt zum Beispiel:„Die Gesellschaft.erklätt sich für atheistisch, jagt der im Juli 1809 zu London konstituirte Generalrath". Der Generalrath hat niemals ein solches Aktenstück erlassen. Im Gegen- theil: er erließ ein Aktenstück, welches die Orioinalstatuten der von Jules Favre zitirte»„Alliance"—„Alliance de la Democratie so- cialiste"— kassirte. In seinem ganzen Zirkular, welche» zum Theil auch gegen das Kaiserreich gerichtet zu sein vorgiebt, wiederholt Jules Favre gegen die Internationale nur die Polizei-Erfindungen der Staats- anwälte des Kaiserreichs, Erfindungen, welche selbst vor den Gerichts- Höfen dieses Kaiserreichs nicht Stich hielten." Dies der mißverstandene Passus. Es handelt sich in demselben, wie ein unbefangener Blick zeigt, nicht um die Frage des Atheismus, sondern um die Konstatirung der Thatsache, daß Hr. Favre in seinem berüch- tigten Zirkular gegen die Internationale Aktenstücke zitirt, die der In- ternationalen nicht angehören. Der Atheismus wird weder verleugnet noch proklamirt— proklamirt wird nur die Infamie Favre'« und verleugnet nur ein Statut, das schon vorher öfsentlich verleugnet wor- den war, und zwar nicht, weil es atheistisch, sondern weil eS mit der Organisation der Internationalen Arbeiter-Assoziation u n v e r t r ä g- lich. Oder sollte der Londoner Generalratb aus Fanatismus für den Atheismus sich das falsche Zeugniß deS Falschers Jules Favre gesal- len lassen? R. d. V. amter und gewähren Hunderttausende» von Arbeitern und Arbeit- gtbern die Wohlthaten freier, sicherer Verständigung. Wo sie einmal besteheu, ist es aus mit den Strikes— Friede und gegenseitige Förderung herrscht zwischen Meistem und Arbeitern. Diese EinigungS- amter haben schon vor drei Jahren, bei ihrer Gründung, die deutschen Gewerkvereine auf ihre Fahne geschrieben. Allein die Arbeitgeber schlugen nicht ein in die dargebotene Hand; hätten sie es gethan, eS wäre ihnen und uns viel Roth erspart geblieben. Aber gerade infolge dieser Roth hat sich die Idee jetzt mächtig Bahn gebrochen. Der volkswirthschaftliche Kongreß, der leipziger Fa- brikantentag, die liberale Presse, und nicht am letzten das preußische Ministerium für Handel und Gewerbe sind offen dafür eingetreten. Auch praktische Versuche in Grünberg, in Elbing, in Ossenbäch sind gemacht worden— itnd gelungen. Und somit fordern'wir, die Vertteter der Gewerk- und Otts- vereine, gegenüber dem Versuche der sozial-demokratischenStrike-Centrali- sation, die Arbeitsgeber und Arbeitsnehmer feierlich auf zur Gründung von Einigungsämtern! Arbeltgeber, die Sie bei uns gottlob noch keine geschlossene Klasse bilden, sondern in Ihrer großen Mehrzahl hervorgegangen sind aus dem Schöße der Arbeiter, die Sie als liberale Männer das Prinzip des gleichen Rechtes und der freien Vereinbarung bekennen müssen, helfen Sie mit zu dem Werke des Friedens und der Gerechtigkeit, das wir Ihnen vorschlagen. Viertausend berliner Arbeiter sind jetzt schon bereit dazu, und die ungeheuere Mehrzahl wird sicher folgen, sobald nur der Versuch ernstlich gemacht ist. Soll Berlin, die Hauptstadt des deutschen Reiches, sich in dieser großen Sache der Humanität noch länger von Provinzalstädten beschämen lassen? Sie aber, Arbelter, Kameraden, die Sie gleich uns den Krieg auch auf soziale»! Gebiete verdammeil, widerstehen Sie den Lockungen Jener, weiche den Köder der Lohnerhöhung nur auswerfen, um Sie im Netze des Kommunismus zu fangen. Wie kann Ihnen eine Partei Lohnerhöhung verheiße», deren erster Grundsatz, das ehenie Lohngesetz, jede dauernde Lohnerhöhung für unmöglich erklärt? Und die Centralisatton, wissen Sie, was sie bedeutet? Dieselbe Diktatur, die Schweitzer und Fritzsche vor drei Jahren in ihrem Arbeiterschastsverbande planten, und vor der die Selbständigkeit der Berufsgenossen nicht bestehen kann. Was ist aus jenen„mächtigen, glänzenden" Arbeiterschaften, was aus den Tausenden von Mitgliederbeitragen geworden? Zerstoben, ver- flogen! Die Kassen find leer, man muß wieder von vorn ansangen, um sie von neuem zu füllen— das ist die„Eentralisation der berlmer Arbeiter". Und dem gegenüber die vielgeschmähten Gewerkvereine? Sie bestehen, sie wachsen, sie haben Rechtsschutz, Arbeitsvermittelung, humane und gewerbliche Bildung gewährt und nationale Kassen ge- gründet, von denen allein die Jnvalibenkassen jetzt schon über 15,000 Thlr. Vermögen besitzen. An ihren Früchten sollt ihr sie erkenneil." Darum, Arbeiter Berlins, schließen Sie sich den deutschen Ge- werkvereinen an; auch sie erstreben Lohnerhöhung und Arbeitsvcr kürzung, aber nicht durch zweischneidige Gewaltmaßrcgeln, sondern durch nationale Organisation und Einigungsämter. Zum BeHufe der praktischen Gründung ver letztern sind die tlntei zeichneten beiden Theilen gern zu jeder Auskunft erbötig. Berlin, den 14. Oktober 1871. Im Auftrage der Versammlung des Centralraths, der Generalräthe und Ortsvereinsausschüsse Berlins. Die Kommission. H. Landgraf. Aug. Richter. Ruppelt. Adalbertstraße 69. Än die Weber von Rheinland und Westphalen! „Durch Einigkeit zur Macht! Durch Macht zum Sieg". Brüder und Geschästs-Kollegen! Die Kämpfe der letzten Jahre, insbesondere des zuletzt verflösse neu, zeigen zu deutlich, in welcher traurigen Lage gerade der Weber- stani- sich befindet. Die Lebeilsbedürfnissc steigern sich fort und fort und zwingen zunächst den Vater zu langer Arbeit; dennoch ist es ihm oft nicht möglich., feine Famille zu ernähren; die Frau, selbst die unmündigen Kinoer wero-.i in der frühesten Jugend zur Arbeit her- angezogen, damit die Famitiesjnur fortvegetiren kann. Aber das ist noch nicht genug: kaum regt sich nur das leiseste Lüftchen in der politische» Welt, so sind wir die Ersten, welche brodlos aufs Pflaster geworfen iverden. Der letzte Krieg besonders ließ dieses Uebel greller denn je hervortreten und zwang'uns, zu erwägen, ob wir lautlos untergehen, oder unsere Eristenz bessern und wahren wollten. Wenngleich äugen blicklich der Geschäftsgang ein flotter ist, so wird doch nach kurz oder lang die unausbleiblicheKrisiS folgen, und wiederumwird dann der Webcr schönungslos die Beute des unersättlichen und unerbittlichen Kapitals. Drum aus, Kollegen! Zeigen auch wir, daß wir nickt die letzten sein ivollen im Kamps für unser gutes Recht gegenüber ver Kapital- macht, welche auf uns lastet wie' ein drückender Alp,— gegenüber jenem Bampyr, der uns das Blut aussaugt. Aber um diesen Kamps nachhaltig und siegreich durchzuführen, fehlen uns bis dahin noch dt« Mittel,— das vornehmste unter Viesen ist die Einigkeit. Um die- selbe vollständig unter uns herzustellen, berufen wir hiermit einen rhetnisch-weftphältschen Weberta« ein, auf Sonntag, den 26. No vember nach Elberfeld, und ersuchen Euch, auf demselben Euch zahl- reich vertreten zu lassen, um gemeinsam zu berathen, was Roth thut, nur unsere Lage in Etwas zu verbessern. Darum, Ihr Weber und Weberinnen, gleichviel ob Haus- oder Fabrik-Arbeiter, schickt nur Delegirte! Wir leiden gemeinsam, drum laßt uns auch gemeinschaftlich kämpfen! Die Delegirte» wollen sich einige Tage vorher an das Lokalkomi tee, unter der Adresse Fr. Harm, Hochstraße66, Elberfeld, anmelden. Das Komitee. NU. Ueber die Tagesordnung siehe Annonce. EölN. 25°/„ Lohnerhöhung der— Geistlichen. Allgemein ist es hier aus sämmtlichen Dörfern ilin Cöln heruni ein uralter Gebrauck, bei den jährlichen Kirmessestlichkeiten eine Messe lesen zu lassen. Die in dem DorseSürth(nahe bei Cöln) an derSpitze stehenden Gelag- oder Reihjungen(Svitze des Festkomitees) gingen deshalb zu ihren« ' errn Pastor, um die übliche Jahresmesse zu bestellen. Der Herr iastor gab aber die Erwiderung: er könne diese Messe nicht mehr wie früher zu 1 Thlr. 15 Gr. lese»; die Bictualien jc. jc. seien im Preise gestiegen, folglich müsse er mit Messelesen auch im Preise stei- en, er verlange jetzt 2 Thlr.— 25° /„ Lohnerhöhung! Die Bauer», ie Gerechtigkeit der Forderung einsehend, willigten ei», ohne daß der ferr Pastor zur Arbeitseinstellung genöthigt war, und zahlten statt Thlr. 15 Gr.: 2 Thlr. für die Jahrmesse. Wenn nur die Arbeilgeber sich diese Handlung der Bauern zum Muster nehmen ivollten! Wie aber verträgt sich die Handlung des Pastors in Sürth mit Matthäi 10, 8 und 9?— Döbeln. Die am 23. Oktober abgehaltene Volksversami»- lung war von ungefähr 700 Personen besucht, so daß der Saal ganz gefüllt war. Ueber den erste» Punkt der ausgestellten Tagesordnung:„die Presse", ergriff unser vaterlandsloscr Freund Ufert das Wort; er wies ans die Eitlwickelimg der Presse in der Neuzeit hin, und wie sie in Deutschland namentlich seit dem Jahre 1866, besonders während des letzten Krieges, sich benommen hätte. Ufert schloß feinen, von begeistertem Beifall der Versammlung oft unterbrochenen Vortrag mit einem Appell an die An- wesenden: sich mehr den Arbeiterverbindungen anzuschließen und statt der Bourgeois- Schandblätter die Arbeiterzeitungen zu lesen, welche Ermahnung auch von der Versammlung mit Freuden be- grüßt wurde. Sicherlich hat dieser Vorttag dazu beigetragen, den, „Döbelner Anzeiger" den Boden immer mehr zu entziehen; besonders wird ihm beim nächsten Quartal so mancher Abonnent sehten. Auf mehrnralige Aufforderung des Vorsitzende», die Gegner möchten sich doch zum Wort melden, ergnss Herr Haberkamp, Handelsschul- direktor das Wort. Er hatte nichts Eiligeres zu Ihu», als den Ar bettern sich als einen„Bruder" zu legitimiren, und zog während der Rede seinen Uebcrzicher aus, als wollte er sich im Arbetterrock zeigen, iltdein er doch Lehrer sei. Seine Worte fanden jedoch keine» Anklang. Zahlreiche Einzeicknungen in unsere Listen erfolgten dann. Nächsten Montag, als den 7. November will Ufert eine Manu ssakturarbeitergenosscnsckaft hier gründen, woran sich auch unsere Frauen betheiligen sollen; besonders machen wir unsere Parteigenosse» in Nachbarstädten aufmerksam, uns am 7. November Abends 8 Uhr auf dem Schießhause zu besuchen A. Dittrich. Politische Ueberficht. Graf Hohenwart hat nach den letzten Nachrichten doch seine Entlosiung genommen und erhalten.— Wer nun? Und was nun? Das„liberale" Philisterthum triumphirt, obgleich es an der, vermuthlich bloß vorübergehenden Beseitigung des gehaßten Ministers so unschuldig ist, wie ein neugebornes Kind. Wir sagen„vermuthlich bloß vorübergehenden", denn es unterliegt keinem Zweifel, daß Beust, jetzt der Held des„liberalen" Philisterthums, mit Hohenwart unter Einer Decke steckt, und daß Beide von vornherein nur ein verabredetes Spiel gespielt haben. Eine ähnliche Rollenvertheilung hatten wir z. B. im Französischen Empire bei Bonaparte und dem„rothen" Plonplon, und im Preußischen Empire haben wir etwas Aehnliches mit — Bismarck und Mühler-Slieber.— Im Berliner Reichstag„viel Lärmen um Nichts," die Opposrtion womöglich Bismarck'scherals Bismarck selber; Erhöhuuz des Militäretats um die Kleinigkeit von 10 Millionen, ohne daß ein Hahn darnach kräht. Bebel riß diesem imperialistischen Parlamentarismus in einer der letzten Sitzungen die Maske ab; sobald uns der stenographische Bericht vorliegt, werden wir die Rede veröffentlichen.— Im Berliner Preßbureau koloffaler Seifenverbrauch. Der Mohr, von dessen Haut Benedetti die helle Schminke ge- kratzt, will nicht weiß werden,— will aber auch nicht„zehn", und Niemand denkt daran, ihn gehen zu machen— dazu sind wir zu„sittlich." In Metz kolossale Prügeleien zwischen preußischen und bayrischen Soldaten, um den Franzosen die„Deutsche Einheit" begreiflich zu machen; in der„gutgesinnten" deutschen Presse osfizielle Adleugnung dieser Schlägereien, um zu beweisen,"' das Lügen ein bloß französisches Laster ist.— Am 30. Oktober begann vor dem Schwurgericht in Beu- then die Gerichtsverhandlung gegen die„Exzedenten" bei den bekannten Vorgängen in Königshüt t;e. Aus dem uns vorliegenden Bericht der„Schlesischen Zeitung" ist nicht er- sichtlich, ob die Anklage außer ans Plünderung, auf Tumult oder Aufruhr lautet;„etwa ein Dutzend" figuriren als„Rädels- führer", sämmtliche Angeklagte— die Zahl ist nicht angegeben —„machen durchaus keinen ungünstigen Eindruck", und will es dem Hrn. Berichterstatter„schwer in den Sinn, daß die wüsten Tumultuanten vom 27. Juni und diese so ordentlich aussehenden Menschen dieselben Personen wären."— Einige, von Mazzini beherrschte Arbeitervereine— in's Italienische übersetzte Hirsch- Duncker'sche— haben die Beschickung des nach Rom berufenen italienischen Arbeiterkongresses abgelehnt. Garibaldi hat in Folge dessen entschieden m i t Mazzini gebrochen, der sich durch sein Austreten gegen den Sozialismus und die Internationale als Führer der Demo- kratie unmöglich gemacht habe. Gent. Die A r b e i t s e i» st e ll u n g der hiesigen Maschiiien-Arbeiter ist eine augemeine geworden; die Zahl der stnlenden Arbeiter beträgt etwa 3000.* Dortmund, 27. Oktober. Die Direktion der Köln-Minde- n er-Eisenbayii hat den Arbeitern, welche ausden hiesigen Maschinen- Werknälien, der Wagenbauanslalt ic. deschäsligt sind, von heute ab die zehnstündige Arbeitszeil bewilligt. Auch ist eine Lohnerhöhung in Aus- sichl gestellt worden. Nürnberg. Am 20. Okt. reichten unsere Buchdruckergehül- sen eine Vilte um Lohnerhöhung und zehnstündige Arbeitszeit sbiSher gewöhnlich II Siunden) bei ihren Prinzipalen ein. Kür Er- irasiunden jorderten jene von 7 bis 10 Uhr Rachls 18 Kr., nach 10 Uhr 21 Kr., Sonntags 24 Kr. Drei Buchdruckereibesitzer, Bauer, Dümmel und Himmer bewilligten sogleich, die übrigen wollen nur 10 Kr. pro 100(1», d. h. dieHäljie, geben, werden sich aber auch be- quenien müssen, dem Ganzen nachzukommen. Eine Druckerei, die des „Korrespondent', will erst die Meinung theilweis abwesender Besitzer einholen, die sich freilich bei ihrer Kalkulirsucht am meisten sperren werden. Unsere Lebensmittelpreise sind aus eineHöhe gestiegen, wie wir sie nur;?) einem Kriege preußischer Herrsch- und Habsucht ver- danken, weiche man blödsinniger Weise„deutsche Einheit" getaust hat. Zahlloses Bieh wird nach Frankreich ausgesührt, so daß z. B. Rind- fleisch von 18 aus 22 Kr.,«chassieijch von 12 aus 16 Kr., Kalbfleisch von 14 auf 18 Kr. gesliegen ist. Mehl, vor sechs Jahren 6 Kr., kostet jetzt 10 Kr. Und so stehls in allen Branchen. Da besitzen denn viele unserer Feinde noch die Frechheil, die naturwüchsig entstehenden Striles einem planmäßigen Ag tireu zuzuschreiben� bei der enisetzlichen Dummheil und Böswilligkeit unserer Bourgeoisie freilich kein Wunder. Folgt doch derjenige Theil von ihr, der dem Pjasienthume in den Armen liegt, mit christlichem Eiser dem hohen Vorbild ihres frommen Ober- Hirten in Berlin.— Es werden hier Anstalten zur Gründung einer Arbeiterherber ge getrosjen, welche dem Arbeiterstande zur„Heimath" und zum Sprechsaal dienen soll mit dem Zwecke„geistiger und sitl- .licher Hebung" und Förderung„deutsch-nationaler" Gesinnung. Ein .eoaugeli jcher Arbeiterverein" wird die Handhabe zu diesem frommen Uiilernehmen bielen, woran Pfarrer, Beamie und ähnliche Leute sich betheuigen. Gimpel werden sich immer finden, die in ihr Nep hiueinjallen, gibi es ja doch in dieser protestantischen Stadt längst auch einen„kalhoajchenGesellenverein".— Seit dein 23. Okt. erscheint unter Redaklion An ton Mem m ingers ein„Fürther Demokratisches Wochenblatt", dessen Tendenz:„radikal auf polilischein, freisinnig auf religiösem, furchtlos auf sozialem Gebiete". Memminger ist der radi- kale Mliardeuer a» dem von dem Hinundher rücksichtelnden F. Memmiiiger geleiteten„Nürnberger Anzeiger", der von diesem ober- flächlich sich demokratisch gederdeuden Manne dem nationalliberalen Lager wieder näher geführt wird.— Am gleichen 28. Okt. wurde Abends 8 llhr hier im Sächsischen Hofe eine Arbeiter-Verjamm- lung abgehalten für Einführung eine« Normalarbeitstags, dem anged.ich der Besitzer der Klettjchen Fabrik nicht abgeneigt lei» soll. Derjclbe Herr will auch, wie es heißt, einen unler„seinen" Ar- beirern deadsichligten Konsumvereii» mit Geld unterstützen. — lieber die von unserem Korrespondenien erwähnte Arbeiter- Versammlung, welche die großartigste war, die je in Nürnblrg staugehadt hat, berichtet der„Nürnberger Anzelger:" „Nürnberg, 29. Okt. Die gestern Abend stattgehabte Arbeiter- Versammlung war von ungefähr viertausend Peisonen besucht. Die- selbe deichlotz, für zehnstündige Albeitszeil, 2ü-prozentige Lohnerhöhung, Wegfall der Slrafüunden und festen Äkiord einzutreten. In der Ver- sammiung wurde auch ein Ausruf des Herrn Cramer-Klett an seine Aidelier verleseii, in dem er ihnen die Gewährung der zehnstündigen Aideilezeil ohne Lohuredukiion sowie die Revision der Ardeiislöhne, entsprechend der Steigerung der Led-nsmititlpreise, und die Regelung der Wohnungsfrage um« Beiziehung von zwei aus jeder Wcrkslätl- zu wahlenden VertrauenSniannern verspricht. Trotzdem sich die Ver- sammlung mit diese» Verfprechuugeii nicht zufrieden geslellt«klärte, glaubt man doch, daß die Verhandlungen der Vertrauensmänner mii Hrn. v. Eramer zu einem defiiedigenden(?) Ergebniß führen werden." Rüruberg. Eine'Notiz des„Nürnberger Anzeigers"(Nr 293) lautete:„Nurnderg, 21. Okt. Wie uns mitgetheilt wird, soll in den nächsten Tagen eine große Volksoersamlung einberufen werden, wozu alle Arbeiter, und besonders diejenigen der Cramer-Kleti'fchen Fabrik eingelaoeii werden sollen, um gemeinschaftlich auf friedlichem Wege die zehnstündige Ärbeiiszeit zur Einführung zu bangen. Herr v. Eramer soll sich nicht ungünstig geaußerr haben. Bei freundlichem Ent- gegenlomme» auf beiden Seiten dürfte ein für beide Theile nicht ungünsti- ges Resultat erzielt werden." Von Oden herab ist»och nie etwas Gutes für die Ardeiter in der Cramer-Kletr'jchen Fabrik gekommen. Die Sache scheint verdächtig, da bereits, wie es heißt, Herr Eramer- Klett sich„nicht ungünstig" geäußert haben soll. Es ist zu vermuthen, daß, um dem unausbleiblichen Verlangen nach einer 10 Stundenbill durch die Arbeiter vorzubeugen, man die 10 stündige Arbeitszeit selbst gewähren will, nur um sich die Ueberstunden zu sichern, die eines der schurkischsten Mannöver zur Ausbeutung des Restes der nach schwerer Tagesarbeit übrigen Arbeitskraft sind. Darum Vorsicht! (Als ein Tagesordnungsobjekt wäre wohl in einer Versammlung den Eramer-Klett'schen Arbeitern anzurathen, die Beseitigung der proviso- rischen Akkorde und ihrer sauberen Unterstützungskassen— dieser raffi- nirte Spitzbüberei, anzubahnen.) Lübau. Bourgeois-Humanität. Ich arbeitete als Modelltischler in der landwirthschaftlichen Maschinenfabrik desHrn. Behrisch ckCo- in Löbau 7 Wochen lang, ohne daß mir Jemand eineij Fehler nach; sagen konute; ich sollte in der 7. Woche Zulage am Lohn bekommenr ich war die letzten Tage ein wenig krank, schlevpte mich aber imme- wieder zur Arbeit, so gut es ging. Sonntag blieb ich im Bette lie- gen und als ich Montag erst um 8 Uhr früh zur Arbeit kam, wurde ich dafür mit 5 Neugroschen bestraft. Damit wurde mir aber nicht besser und ich mußte mich wieder zu Bette legen und konnte erst Dienstag Mittag zur Arbeit gehen. Kaum war ich aber wieder in der Fabrik so würde mir wegen„wiederholten Ausbleibens" die Ent- lassung gegeben, init dem Bemerken, daß ich froh sein könne, daß mir nichts abgezogen würde! Karl Beckert. Erfurt, 29.Oktober. ZumS tr ir e. Am Sonnabend, 21.Oktbr., annon- cirten wir im„Anzeiger" bchiifS einer wichtigen Besprechung eine Versammlung der Aib/tcr der Thüringischen Eisenbahn. Dieses fuhr den Hochgestellten derselben Bahn in den Kops, und der Obermaschinen- meister ließ alle Vorarbeiter auffordern, V-12 Uhr vorm Comtoir zu erscheinen. Er ging mit uns in dasselbe, erklärte uns, er habe, ehe er nach Hamburg gereist sei, von uns ein Gesuch erhalten, in dem wir um höheren Lohn nachgesucht. Er habe das Gesuch nicht befür- worten können, um das Interesse, den Lohn, nicht zu schädigen, wolle aber dafür bei der Direktion für die lvstündige Arbeitszeit sprechen. Er habe gehört, wir hätten beute Abend Versammlung, und da möchten wir uns berathen, wie die Arbeitszeit eingetheilt fein sollte; nach seinem Dafürhalten wäre es am Besten so: Morgens 6'/, Uhr anzufangen, 8'/,�9 Uhr Frühstück, 12—1 Uhr Mittag, 6 Uhr Feierabend.„Höheren Lohn kann ich nicht geben. Ich habe an verschiedene Bahnen geschrieben und da hat sich's herausgestellt, daß wir schon die höchsten übli- che» Löhne bezahlen." Hieraus erklärte der Schlosser Pellnitz, daß doch Alles in letzter Zeit so theuer geworden sei, worauf der Ober- Maschinenmeister sagte:„Ja! das weiß ich wohl,; aber ich kann nicht. Ru- dolph(zum Werkführer sich wendend), lesen Sie doch mal den Brie' vor." Derselbe las:„AusJhrSchreiben u. s. w. Arbeitszeit IvStundenjund zwar von 7—12 früh, von 1—6 Abends, ohne Frühstück und Vesp«. In den Monaten Mai— September erleidet die Arbeitszeit eine Abän- derung und zwar beginnt die Arbeitszeit morgen« 6 Uhr; dafür sind zwei Stunden Mittaaszeit." Der höchste Taglohn für die besten Arbei- ler ist: für Dreher 25 Sgr., Schlosser 26 Sgr., jedoch haben die mei- sten Akkord und verdienen alsdann bis 1 Thlr. 10 Sgr.„Nun, Leute, - sagte dann der Obermaschinenmeister— ich will sehen, Faß ich 1 Sgr. für die Unterarbeiter noch bei der Direktkon auswirken kann." Ich sagte ihm, daß wir hier nichts bestimmen könnten; wir müßten erst die Ver- sammlung abwarten, und daniil entfernten wir im«. Was dieVersammlung beschlossen, wissen Sie laut„Volkssl." Nr. 87. Montag, 23. d. kommt der Obermaschinenmeister zu mir und forderte mir den Brief vom Ma- schinenmeister Nagel(Leipzig-Dresdner Bahn) ab; ich gab ihm densel- den. Jetzt befahl er mir, die Arbeiter der; Werknatl mit der neuen Gewerbe-Ordnung bekannt zu machen, weil er wisse, daß ich dieselbe kenne. Ich empfahl mich, wie es dem Arbeiter zukommt. In demsel- den Augenblick kreuzt der Obermaschiuenmeister mit Pellnitz in der Hofthür. Der Obermaschinenmeister sagt:„Pellnitz, so ein unsinniges Verlangen, 25°/« zu fordern u. f. w."! Durch die Masse, welche durch die Fenster nach dem Hof sah, aufmerksam gemacht, ging ich auch heran. Pellnitz kam zurück, aufgeregt, und erzählte, der Ob«maschinen- meister habe gesagt, er könne auch nicht in Kutsch' und Wagen fahren obschon er 2000 Thlr. habe. Es gebe Leute, die 15 Sgr. verdienten, und denen es doch ganz gut gehe!!! Es trat inzwischen der Obn-Ma- schinenmeister ew:„Leute, Versammlungen werden hier nicht abgehal teu. Geht auseiander!" Ich forderte nun meine Kollegen auf, aus- einanderzugehen, was auch geschehen sollte; in diesem Augenblick sagt der Ober- Maschinenmeister:„und Sie, Pellnitz— daß Sie es wissen— hören in 14 Tagen auf; sich kundige Ihnen hiermit!" Die Umstehen- den wurden immer mehr ausgeregt; ich bemühte mich vergebens, den Obermaschinenmeister zu bewege», sein Wort zurückzunehmen; die Menge umströnlte uns immer mehr. Die Leute sagten nun»:„wir sangen nicht eher wieder an, bis die Kündigung zurückgenommen worden ist". Nachmittag 1 Uhr sammelt sich die Masse im Hof, und ich hatte da Gelegenheit, den Befehl de« Obermaschinenmeisters in Bezug auf die Erklärnng der Gew«beordnung auszuführen und den Arbeitern zusagen, daß sie vorm Sinke kündigen müß- ten, sowie ihnen klar zu machen, was das hieße: Strike machen. Ich machte sie auimerksam aus die Gefahre», welche ein Strike mit sich brächte; aber es war, als sei ihnen der seit Jahren vorhängende Schleier ge- nommen— es hieß: Einer für Alle, Alle für Einen! Ich war fertig, Pellnitz fing an zu sprechen, da kam der Obermaschinenmeister Brandt und der Maschinenmeister Geitel. Brandt wollte sprechen, allein die Menge bedeutete ihm durch den Ruf„aussprechen lassen", daß er ruhig sein solle. Ich machte der Menge bemnllich, daß der Obermaschinenmeister vorging und daß man ihn doch sprechen lassen möchte. Ich gab dem Odermaschinenmeister das Wort. Er sprach: „Ich komme jetzt von der Direktion und will Euch den Befehl auf den vorigen Exceß hin mittheilen. Sic hat mich beauftragt, Euch zu sagen, daß sie die lvstündige Arbeitszeit genehmigt habe. Ich habe um eine Lohnerhöhung angelragen und die Direktion hat sie genehmigt und zwar so, daß der Lohnsatz von 18— 25 Sgr. auf 20—27'/, Sgr. erhöht wird und die noch niedriger» Lohnsätze, wie z. B. 13— 15 Sgr. uml Sgr. erhöht werde» nach LeistuilgSfähtgkeit." Die Masse wußte nicht, wie ihr geschah; sie rief nur„Pellnitz". Ich sagte zum Ober- Maschinenmeister:„die Arbeiter haben noch eine Bitte, und die wäre: Sie niöchlen doch die Kündigung für Pellnitz zurücknehmen", woraus derselbe sagte:„wenn er mir ein gutes Wort giedt"; die Menge rief: „das braucht er nicht, er hat Keinen beleidigt; da hören wir Alle aus." „Nun da hört aus!"— und fort ging er. Ich ging mit ihm, und ersuchte ihn, mir doch zu sagen, warum Pellnitz Abbitte thun solle, er stand mir aber nicht Rede. Ich sagte ihm, er habe sich mit der Masse eingelassen und müffe auch derselben Rede stehen. Er darauf:„was wollen Sic denn von mir?" und damit war er fort.— Es wurde nun den, Herzen Lust gemacht in verschiedenen Reden, untcrdeß bekam ich Kunde, daß Leute in das Kesselhaus eindrängen, um die Kessel ab- zuschließen; ich eilte nach demselben und brachte die Leute zurück, weil ich mir vergegenwärtigte, daß ein großes Unglück durch eine Keffel- cdließung entstehen könnte. Man entfernte sich um/3 Uhr, um Abends im Kanhäuscr sich zu versammeln, und mit der Direction in VerHand- lung zutreten. Auch diesen Tag trat die Direktion nicht mit uns in direkte Verhandlung, immer nur durch den Obermaschinenmeister; ich bekam am selbigen Abende, Dienstag den 24. d. M. meinen EntlassungSbesehl durch den Obermaschinenmeister von der Direktion, am Mittwoch stand im„An- zeiger" und in der„ErsuNer Zeitung", daß nach$. III. Nr. 2 der Gewerbeordnung die Arbeiter entlassen sind. Die« jagte die Arbeiter in Furcht und Viele glaubten, v«loren zu sein; da aber dabei bemerkt war, wer Arbeft haben wolle, solle sich beim Werkstait-Borstand melden, so gingen schon Viele des Morgens früh 6 Uhr an die Arbeit, Viele aber meldeten sich nur, und Die ge- arbeitet hatten, ließen sich Urlaub geben, um doch wenigstens noch um 9 Uhr in die Versammlung zu gehen; sie war auch stark besucht, aber der Geist war geknickt. Es wurde abgestimmt, ob die Arbeit wieder ausgenommen werden solle oder»ichi, und Alle erhoben di» Hände für Nein; Pellnitz sagte, es solle Jed« seinen Nachbar ansehn, denn Mancher erhebe jetzt die Hand und ginge doch Nachmittag zur Arbeit; und wie gedacht, so geschehen— die große»Mehrzahl ging zur Arbeit, und nun wurde ich gefragt: was nun?— Um dem Elende der Ausgewiesenen zu steuern und wenigstens in der Werkstatt noch Gefühle anzuregen, für die außer Brod Stehenden sammeln zu wollen, was sie versprachen, sagte ich:„da nun einmal die Sache verloren ist, so gehe, wer will, und arbeite!" Und so sind denn 10 Mann freiwillig abgegangen, 14 Mann sind nicht wieder angenommen worden, weil man sie schon längst satt hatte wegen chreS Rechtlichkeitsgefühls; unte� diese» 14 find 13 Familienväter. Die Kapitalmenschen, Fabrikanten, Direktoren unsttes Umkreises haben sich besprochen, keinen dn Strikenden in Arbeit zu nehmen. Was mich nun anbetrifft, so habe ich nur noch de« Staatsanwalt! Wunsch abzuwarten, weil ich den Obermaschinenmeister, als ich von ihm verlangte, Rede zu stehen, am Arme festhielt; da die traurigen Kollegen nicht Stand gehalten haben, ist eS für mich nur titzlich« ge- worden. Doch wer 1868 in Eisenach geschworen durch Händeaufheben, weiß, was es heißt, für die Arbeiterjache leiden, weiß, auch, daß seine Partei in der Zeit der Roth seine Familie nicht hungern läßt. Mit social-demokratischem Gruß und Handschlag: Herrmann Oestreich. Unterstützungsgelder sind zu senden an Pellnitz, Pilze Nr. 2. oder Oestreich, Gartenstr. 53. Chemnitz, den 28. Oktober. Aufforderung und Bitte! An alle Holz- und Mitarbeiter aller Land«! Es ist unsre Pflicht, alle Holz- und Mtarbeiter aufzufordern, die im Strike der 8000 Metallarbeiter, mitinbegriffnen 3— 400 Holzar- beiter, zu unter stützen, damit derSieg in unsreHLnde fallen muß. Möge daher ein Jed« sein Scherflein dazu beitragen, um dem Kapital zu zeigen, daß wir einig sind. Mit sozialdemokratischem Gruß im Auftrag der internationalen Holzarbeitergewerkschaft zu Chemnitz und im Namen des Centralkomitees. C. Hertel, F. Delling. Gelder und Briefe sind einzusenden an das Centralkomitee zu Händen des Bürgers Fried. Husmann Färberstr. Strellers Restauration zu Chemnitz. Sämmtliche arbeiterfteundliche Blätter werden ersucht, obige Zeilen nachzudrucken._____ I Fm Sie strikenden M»schiileuhauer tu Chemnitz. Empsangen für die Chemnitzer Strikenden 15 Thlr. 16 Ngr. Ertrag der ersten Sammlung unter den Arbeitern der westlichen Staats- bahn. W. Liebknecht. 3 Thlr. von den Parteigenossen in Leipzig.— 2 Thlr. von der Erpedition des„Volksstaat".— 2 Thlr. von der Zieger'schen Werk- statt in Leipzig. Leipzig._ Hadlich. � Briefkasten der Redaktion: C. M. Königsberg. Sie werden aus Erim- mitschau das Gewünschte erhalten. Lehmann, Rochlitz: Ihre Anfrage bezüglich der Waldheimer Cigarren- Produktivgenossenschast vermögen wir nur durch Verweisung auf die hierüber geführte Kontroverse in diesem Blatte zu beantworten. Daselbst finden Sie, was Sie zu wissen wünschen.— Kl. München. Ihr Aufsatz„über Bildung" kommt nächstens.— Jos. in Fr. B.: die Schriften besitzen wir selber noch nicht.— Schi. Achim: Brief an Sie abgesandt.— Borut- tau in Gens: Für die Veröffentlichung des Manifesies sind bereits Schritte geschehen. Ich warte bloß auf ein kurzes Vorwort, das die Verfasser mir versprochen. der Erpedition: durch Trost von Tol. für Volksstaatskasse 1 Thlr.«halten. Sch. Glauchau f. Schrft. 20 Ngr. erh. Arbeiter-Ver- ein Jaquard Meerane f. Jnhaftirte 2 Thlr. erh. L. S. Meiningen f. Chemnitzer Strikenden 2 Thlr. erh. Aus Gohlis für die Ehem- nitzer Strikenden 10 Ngr.___ Den Parteigenossen zur Kenntnißnahme, daß Sendungen an Reichstagsmitglieder sich ebenso wenig, wie an andere Menschenkinder der Portofreiheit«freuen; man wolle also künftig Sendungen an mich gef. frankiren. Berlin, den 1. November 1871._ A. Bebel. Für Herborn._ HM" Volksversammlung"WU den 5. Novbr. l. I., Nachmittags 3 Uhrj, im Saale des Herrn t-rdinand Metzler. agesordnung: 1) Die Lage des Arbeiterstandes. 2) Prinzip und Programm der sozial-demokratischen Arbeiterpartei. 3) Die Maßregelung des Arbeiters Wilh. Schmidt durch die Firma Remy& Reisenrath. Die Parteigenossen von Marburg, Gießen, Weilburg, Lim- bürg, Höhr-c. werden speziell eingeladen. A. Heinz, _ Bevollm. für Herborn. Rheimsch-wcstphälischer Wcbertag »ui Soimtag, d«m 26. Novbr., /u Elberfeld, im Lokale des Herrn Nantluian, Hochstraße 66. Tagesordnung: 1.») Wie ist es gekommen, daß die Löhne so ge drückt sind? K) Wie sind sie zu heben? c) Wie sind sie den Zeitverhältnissen entsprechend zu erhalten? 11. Die Einführung eines Normalarbeitstages. III. Abschaffung der Sonntags- und Zuchthausarbeit. IV. Abschaffung der Kinderarbeit und gesetzliche Re- gulirung der Frauenarbeit. V. Die Organisation der Strikes, wenn sie»oth- wendig sind. VI. Der dculsche Fabrikanten-Bund. Kollegen, die üb« einen dieser Punkte referiren wollen, bitten wir, es uns brieflich mitzutheilen. Das Komitee. __ I. A.: Fr. Harm, Hochstraste 66. Kür Breslau. Sozial-demotratische Arbeiter-Partei. Montag, de» 6. November Abends 8 Uhr geschloffenc Mit- glleder-vrrsammlung im Warschauer Keller, Kupferschmiedestr. Tagesordnung: „Die lokale Agitation auf gewerkschaftlichem Gebiete." Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder bittet _ H. Oehme. Für Döbel«. Sozial- demokratische Arbeiterpartei. Nächsten Sonnabend, den d. November Mitgliederversammlung Abends 8 Uhr auf der Muldentyraffi._ A. Dittrich. Für Leipzig. Internationale Gewerksgenoffenschast der Holzarbeiter. Nächste Versammlung Montag, den 6. Novemb« Abends 8 Uhr in der Restauration von Götze, Nikolaistraße 51. sTagesordnung: Sozialer Wochend«icht. Vortrag über Produktiv-Assoziation. Ad stimmung üb« den Antrag Aorck's betreffend eine Aenderung der Krankenkassen-Statuten._ Für l5o««ewilz. Sozial-demokratischer Arbeiterverein. Sonnabend den 4. Novbr. Abends halb 9 Uhr Außerordentliche Generalversammlung, in der„goldenen Krone." Das Erscheinen all« Mitglieder ist dringend nothwendig. _ Der Vorsitzende. Anzeige. Für meine kitfliUaiitiluiix und Colporta�ejcescliäft suche ich in Neustadt a. d. Orla, Weida, Ronneburg und Auma sowie überhaupt in allen Orten Thüringens gewandte und solide Agenten. Parteigenossen, welche einen Nebenverdienst suchen, bitte ich, sich an mich zu wenden. C. Kettel, guu. Weimar. Schloßgasse Nr. 14. Aufforderung. Ich ersuche meine Freunde Ritter und Welze, mir ihren jetzigen Aufenthaltsort zu wissen zu thun, damit ich ihnen die vom vorigen Quartale vorhandenen„Volksstaate" und die für sie eingegangenen Briefe zuschicken kann. Mit sozial-demokratischem Gruße C. H. Müller, Scharnsiraße sttr. 22. Braunschweig. Leipzig: V«antw. Redakteur W. Liebknecht(Redaktion: Petersstein weg 13.) Druck u.«erlag F Thiele(Expedition: Petersstr. 16.)