M 94 Mittwoch, de« 22. November. 1871. Erscheint wichentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- hingen des In- und Auslandes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstraße 18, F.Thiel«, Emilienstraße 2. Erscheint wSchentlich 2 ma in Leipzig. AboimementSprei«: Für Preußen rncL Stempelsteuer 16 Nar, für die übrig« deutschen Staat« 12 Rgr. per Quartal. Ftlialexpedition für die Der- einigt« Staat«: F. A. Sorge, Boi 101 Hoboken N.J. vi* Newyork Organ der soMl-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Geweritsgenossenschasten. SM- Wegen des sächsischen «ummer einen Tag früher zur aeS" mutz die nächste ordert werden. I Der Strike in Chemnitz ist zu Ende. Mit Ausnahme des festen sozialdemokratischen Kerns, welcher zum Theil bereits ansgewandert. zum Theil von den Fabrikanten in die«cht erklärt ist, sind alle Arbeiter in die Fabriken zurückgekehrt. ES ist Pflicht der Parteigenos- srn, den zahlreichen Gema«regelten, welche in Chemnitz oder in Sachsen überhaupt keine Arbeit mehr bekommen, zur Ab- �reise von dort zu verhelfen»nd sie in der Bemühung des «rbeitsuchens zu unterstützen. Die Gemaszregelten find die Opfer unserer gemeinsamen Sache und werden auch in ande- ren Orten ihr zu dienen suchen. Die pasiende Unterbringung der Gedachten ist also von großer agitatorischer Wichtigkeit für uns. Mögen die Parteigenoffen allerwärts nach dieser Richtung hin bald und energisch ihre Thätigkeit entfalten und sich mit den Offerten, ebenso wie mit den Unterstützungen, an den Borfitzenden des ZeutraUomiteeS, Kriedr. HuSmanu StrellerS Restauration, Chemnitz, wenden. Politische Ucbcrncht. Recht für den Arbeiter. Wegen Theilnahme an den Königshütter„Unruhen" wurden im Juli d. I. 117 Arbeiter verhaftet, und, obgleich es sich sofort herausstellte, daß Verabredungen, Vorbereitungen nicht stattgesunden hatten und folglich kein planmäßiges Handeln oder gar Complot vorlag, so wurden doch fämmtliche Verhaftet� 5 Monate lang in Untersuchungshaft gehalten, bis zum Beginn der Schwurgerichtsverhandlungen in Be uthen. Die Verhandlungen bestätigten, nur, daß dein Exzeß jeder Eharakterzug einesjComplots abging, daß er Völlig spontan(nicht durch äußere Einflüsse veranlaßt) gewesen war, und„Rädelsführer" nicht exisiirten. Das Urtheil ist nun gefällt. Sechsunddreißig Arbeiter sind zu Zuchthaus von 1 Jahr bis 1 Jahr 8 Monate verurtheilt, neunundsünfzig zu Gefängniß von 4 Wochen bis 1 Jahr, und nur zweiundzwanzig freigesprochen. Was diesem drakonischen Urtheil einen noch gehässigeren Charakter giebt, ist, daß es weit über die vom Staatsanwalt gestellten Strafanträge hinaus- geht, und zwar, weil die Geschwornen die vom Gerichtshof an sie gerichteten Fragen in einer Weise beantwortet hatten, daß das Erkenntniß so scharf ausfallen mußte. Es liegt hierin ein neuer Beweis dafür, daß das Schwurgericht, wenn ihm nicht sein jetziger exklusiver Klassencharakter genommen wird, und so lange die Geschwornen bloß aus der besitzenden Klaffe ge- wählt werden, in allen das Interesse der Besitzenden berühren- den Fragen parteiisch ist, und darum unfähig, gerecht zu urcheilen. Ein Seitenstück zu dem Urtheil des Beuthener Schwurgerichts bildet das Urtheil des Kreisgerichts von Erfurt gegen unseren Parteigepossen Oestreich. Derselbe war angeklagt, während der in Nr. 88 d. V. berichteten Vorgänge sich thätlich an dem Obermaschinenmeister Brandt vergriffen zu haben. Obgleich durch Zeugen bewiesen ward, daß Oest- reich durchaus keine Gewalt geübt und sich nur defensiv verhalten hat, erkannte doch das Gericht am 16. d. auf eine sechsmonatliche Gefängn ißstrafe! Kann man sich wun- dein, wenn der Glaube immer mehr um sich greift, daß es im heutigen Staat und der heutigen Gesellschaft kein Recht für den Arbeiter gibt?— Die„Wiener Tagespresse", ein in österreichischen Ange- lcgenheiten höchst loyal-monarchisches, in auswärtigen aber sich sehr demokratisch geberdendes Blatt— wenigstens nimmt sie Artikel von Kolb, Temme und Ludwig Simon(Trier) mit großer Vorliebe auf— bringt unterm 2. Nov. eine Münchener Korrespondenz, der wir Folgendes entnehmen: „An der richtig« Erkenntniß des politischen Pharisäerthums der National-Servilen von Seiten des Volkes fehlt es nicht Es ward diesfalls kürzlich erst ein Beweis geliefert, als unter dem Schutze des PolizeidirektorS von Burchtorff und der beiden Bür germetster eine Versammlung über eine Arbeiter-Hausba»-Gesellschaft unter dem Namen„Arbeiterheim" berathen und beschlossen werden sollte Durch Ansammlung und Verzinsung von Ersparnissen der Ar- beiter und durch Zuschüsse anderer Kassen soll ein Baufondkapital er- worden werden, mir dem unter Haftung aller Genossenschaften Häuser gebaut und verkauft werden sollen, die zu Arbeiterwohnungen geeignet sind und allmählig ins Eigenthum der Arbeiter übergehen. Mitglied der Genossenschast kann Jeder sein, der sofort oder nach und nach Geschäfts- ~ u» o.e hierfür anruaeben,"— so daß man al o den Mnn»'cht genehme Leute, Sozialdemokraten ,c. zurückweifen kann. w auch sogleich die Arbeiter und war es namentlich der Schnstf� Kiefer, der die hinter jenem Satze steckende Tücke m schlagender Weise enthüllte; der Arbeiter solle eben wieder einmal Werk- zeug, und zwar um Preis des eigenen Herdes und seiner persSn- Ilchen Freiheit gefügiges Werkzeug einer politischen Partei werden. Em Ä" Lrf8.Ä daß damit noch nicht genug; der Arbeiter soll dadmch, daß auch Zuschüsse anderer Kassen erfordert wer- den, daß der Kredit des Kapital-z jür die Genossenschaft beansprucht werde, auch von diesem wieder ab hängig, wiederum Leibeigener des Kapitals selbst � seinem„Heim" werden. Die aame Sache sei aber nicht« als ein Humbug da Fortschrittspartei, der der Arbeiter triputpflichtig werden solle. Pflicht der Arbeiter fei, nach Erlangung des allgemein« und direkten Wahlrechtes zu streben, dann könne es besser werden. ,D>e Natronalliberalen sucht« alles Mögliche auf, um diese An- risse abzuwehrm, scheut« sich bei ihrer feigen Natur auch nicht, die Polizei selbst um Schutz gegen solche nur die Kommune hinter sich bergende Grundsätze anzurufen— aber die demokratischen Arbeiter liehen sich nicht mundtodt machen, trotzdem schließlich selbst derAllcrwells-, nur nicht des wirklichen Vollsrechtes und d.r wahren Freiheit Advokat, Dr. Gotthelf, ihnen zu Leibe rücken wollte. Da schließlich unter fortwährendem Lärm und Streit doch noch die Berufung einer Gene- ralversammlung zur Gründung der Genossenschaft beschlossen wurde, schreit die nalionalliberale Bande in die Welt, sie hätte den glänzendsten Sieg über die Demokraten errungen. Nun mag fie sich eines SiegeS freue», bei dem sie derartige Hiebe auf ihren charakterjosen Rücken und ihr Pharisäergesicht erhielt, daß bald kein Hund mehr ein Stück Brod von dieser Bande nehmen mag. Noch einen solchen Sieg, ZhrNalio- nalmiserabeln, und Euer Ende ist da!" lieber die Art, wie Jules Balles aus Frankreich ent- komuten, berichtet der„Rappel". Demnach hat der bekannte sozialistische Publicist vier Monate hindurch in einem der Hospitäler von Paris gelebt und dort den Diepst der Todten- Wärter verrichtet. Niemand hatte eine Ahnung, daß der ge- schickte und pünktliche Leichendiener der Cheftedakteur des„Cri du Peuple" gewesen sei. Nach langen Tagen des Zuwartens gelang es ihm endlich, im Costüm eines Geistlichen das Aus- land zu erreichen.— Preis des Menfchenfleisches. Ein belgischer Na- tional-Oekonom stellt eine sonderbare Rechnung auf, von dem Grundsatz ausgehend, daß der Krieg eine Schläch tcrei sei, und bestimmt in folgender Weise dm Preis des Menschen- fleischcs: Der Mensch, wenn er ein Alter erreicht hat, in dem er gut zum Schlachten ist, wiegt durchschnittlich 140 Pfund, der letzte Krieg hat ungefähr eine halbe Million Menschen ge- kostet, und die Ausgaben dafür betragen beiläufig 10 Milliarden, nämlich per Kopf 20,000 Francs, und per Kilogramm oder 2 Pfund 285 Francs gerechnet. Das Schlachten des Men- schenfleisches kommt also per Kilogramm auf 285 Francs zu stehen. Andrerseits repräsentirt die Aufziehung eines Menschen, im Durchschnitt täglich 1 Francs gerechnet, nach 21 Jahren 80,000 Francs oder 110 Francs per Kilogramm, es kostet somit um 175 Francs weniger, ein Kilogramm Menschenfleisch hervorzubringen, als zu verkaufen. Nun gehen die Aufziehungskosten verloren, weil dieses Fleisch nicht gegessen wird, sie müssen also zum Schlachtungspreisc zugeschlagen werden. Der Gesammtpreis eines Kilo geschlachteten Menschenfleisch beträgt also eine Summe von 395 Francs,(oder das Pfund s'/z Kilogramms 522/z Thlr.) die ein reuer Verlust sind, da sie wever den Züchtern noch den Schlächtern zu statten kommen. (Letzteren doch in Gestalt von—„Dotationen".)— Auch Nachtischreden,— aber keine Friesen'schen. Bei dem letztm Lordmayor's Schmaus in London bezeichnete derEnglische Lord Kanzler den Krieg als„einVerbrechen, als eine Sünde, als eine Schmach für das Christenthum, als Schmasi für die Moralität und eine Schmach für unsere bessern Gefühle." Bei derselben Festlichkeit sagte Glad st one über die Weltlage:„Wenn die beste Sicherheit für den Frieden in umfassenden Kriegsvorbereitungen liegt, dann hat es ohne Zweifel nie eine Zeit gegeben, wo die Sicherheit für den Frieden des europäischen Continentes größer gewesen wäre als im jetzigen Moment" Und diese Aeußerung hat de? offiziöse Wolffsche Telegraph in eine Erklärung ver- wandelt, der Friede sei gesichert. Fürwahr, Graf Bismarck hatte Recht mit seinem:„er lügt wie der Telegraph." Freilich er mußte es wissen, denn das Wolff'sche Telegraphenbureau steht ja unter der Ober-Leitung des— Grafen Bismarck. Berlin. Auf dem Congreß der Berliner Arbeiter zum Zweck der Centralisation sind 22 Geschäfte mit 137 De- legirten, gewählt, von 13,595 Arbeitern vertreten.— Jn's Bu- reau wurden Hasenklever zum 1., Otto Kapell zum 2. und Schmitz zum 3. Vorsitzenden gewählt; zu Schriftführern Derossi und Lange.— Sehr viele Redner betonten schon bei der Generaldebatte, daß es sehr gut sei, wenn sich die Arbeiter Berlins stramm zentralistisch organisiren, daß aber dem Proletariate nur gründlich geholfen werden kann, wenn sich die Arbeiter nicht blos lokal oder national sondern int er- national �vereinigen. Aehnliche Reden wurden stets mit großem Beifall aufgenommen, und muß daher daraus geschlossen werden, daß— mag nun geschaffen werden, was immer— schließlich die Arbeiter Berlins doch ins internationale Lager übertreten werden. _ I. Most. Wien. Der Prozeß gegen unsere Freunde Scheu, Pe- schon, Kuttil und Schäfftner wird in derselben Weise ver- schleppt wie der Prozeß in Pest.— Es ist fast unglaublich, daß ein Gericht in Wien, welches auf Grund von Zeitu ngs- Nachrichten die Verwahrungshaft ausspricht, nicht in der Lage sein soll, sich Aktenstücke zu verschaffen, mit deren Abschrist, nach Aussage des Untersuchungsrichters, sich die Pester Behörde schon vor Monaten beschäftigte. Jetzt dauert die Verwah- rungshaft schon über fünf Monate und die Wiener Staats- anwaltschaft hat noch nicht einmal das Material zur Einlei- tung einer Untersuchung.(„Voltswille.") Leipzig. Polizeiwirthschaft. Wegen Aufnahme der in Nr. 90 des Volksstaats enthaltenen Aufforderung, hier Sammlung en für die Chemnitzer Strikenden zu organisiren, ist Liebknecht vom Leipziger Polizeiamt zu einer achttägigen Gefängnißftrafe verurtheilt worde, weil nach früheren Ersah- rungen nicht anzunehmen sei, daß eine Geldbuße die gewünschte Wirkung haben werde." Die Herren glauben uns also durch Gefängnißstrafe einschüchtern zu können.„Sonderbare Schwär- mer." Natürlich ist Returs erhoben gegen das Urtheil, das wir einstweilen, ohne weiteren Commentar, dem Ehrenkranz der Leipziger Polizei einflechten. Um die Wirkung, welche der Hoffozialismus von dem Auftreten Bebels im Reichstag auf die Preußischen namentlich die Berliner Arbeiter befürchten mußte, zu neutralisiren, hat der„Neue S v z i a l d e m o k r a t", unterstützt von der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung", wieder einmal die bekannte Fluth von Berläumdungen und Beschimpfungen gegen Bebel und Liebknecht losgelassen. Die Hietzinger 600 Thlr., der Verrath von Murten und im Kölner Kommunistenprozeß, Bau- guter Frankel, der Oesterreichische Preßfonds— nichts fehlt. Wen dieser Schweitzer-Stieberische Schmutz interessirt, dem rathen wir, die früheren Jahrgänge des„demokratischen Wochenblatts" und des„Volksstaat" nachzulesen— da ist alles Kl finden� es nochmals abzudrucken, dafür ist der Raum des„Volksstaat" zu kostbar. Die„Nemesis" unseres Parteigenossen D i t t r i ch in Schau- bau hat der namensschwestcrliche Geist, den sie in der öfter- reichischen Regierung heraufbeschwor,— nämlich gleichfalls die Nemesis— erreicht. Es ist dem genannten fteireligiös-sozial- demoftatischen Blatt der Postdebit für Oesterreich entzogen werden. � R. Zimmermann,(früher in Graz, dann in Wien und später in Oedenburg) hält sich jetzt in Passau (Baiern) auf und gedenkt seine freireligiös-sozialdemokratischen Broschüren fortzusetzen. Die bisher erschienenen Schriften können durch Kaufmann Alex. Part m Oedenburg(Ungarn) bezogen werden. Seit den 18. d. M. erscheint in Lyon an Stelle des von der Ordnungspartei todtgemaßregelten„Defenseur des Droits de rhomme(„Bertheidiger der Menschenrechte") ein sozialdemokratisches Organ: Im liepublique republicnme(„Die republikanische Republik"). Der Selbstmord des Norddeutsche« Parlammtarism«». „Man muß den Parlamentarismus durch den Parlamen- tarismus zu Grund richten", so lautete Bismarcks Wahlspruch, als er in den„Conflikt" mit dem Preußischen Abgeord- netenhaus eintrat. Wir bezweifeln sehr, ob der Führer der Junkerpartei von seinem Standpunkt aus recht hatte, ein solches Ziel sich zu stecken. Wir sind im Gegentheil der Meinung, daß es in seinem und seiner Genoffen Interesse gelegen hätte, den Parlamentarismus, der ja auf dem Europäischen Continent und namentlich in Deutschland seiner ganzen Natur nach im- potent und nur auf Täuschung des Publikums berechnet sein kann, in jeder Weise zu hegen und zu pflegen. Die Menschen — und sind sie geduldig wie Deutsche, und in der Schule und Kaserne so gut gedrillt wie Preußen— haben nun einmal eine unüberwindliche Abneigung dagegen, sich schroff tomman- diren zu lassen, und thun lieber 10 Schritte für„gute Worte", als 1 Schritt auf herrischen Befehl, oder gar drohende Ge- berde, und Der versteht deshalb am besten zu herrschen, der am besten zu verbergen weiß, daß er herrscht. Die„guten Worte" spielen eine gar wichtige Rolle im öffentlichen wie i« Privatleben. Bonaparte erfaßte dies und beeilte sich nach seinem Staatsstreich die parlamentarische Wortfabrik wieder einzurichten, natürlich verbessert in usu« Delphini.*) Die Mitglieder seines Senats und Corps Legislatif waren Lakaien und hatte» nickt ein Titelchen von Macht, aber er behandelte sie Äußerlich mit dem studirtesten Respekt, um ihnen den S ch e i n der Macht zu geben. Nicht so Bonaparte's Schüler. Es ist wahr, auch Hr. von Bismark hatte, nachdem er der preußischen Berfas- sungspartei ihr Sadowa berettet, nichts Eiligeres zu thun, als eine parlamentarischeSprechmaschine nach Bonaparte'schem Muster zu„schaffen;" allein hier hört auch die Aehnlichkeit auf. In seinem junkerlichen Haß gegen das Bürgerthum— ein Haß, der ihn indeß nicht daran hindert, im„Geldpunkt" sehr bür- gerlich zu denken und z.B. die einträglichen Geschäfte der SchnapS- brcnnerei und Papierfabrikation zu betreiben, ganz abgesehen von den verschiedenen noch einträglicheren Dotationen— ver- legte Herr von Bismark sich darauf, seinen eigenen Parla- mentarismus. systematisch zu diskreditiren, ihn lächerlich und verächtlich zugleich zu machen. Niemals ist eine öffentliche Körperschaft, geschweige denn eine sogenannte Volksvertretung von Oben herab so— wenig achtungsvoll behandelt werden, wie der Norddeutsche, jetzt Deutsche Reichstag bei unzähligen Gelegenheiten durch Hrn. von(successtve den Grafen uud Für- sten) Bismarck behandelt worden ist. Selbst das Pariser Par- lement unter Lupwig XIV. mußte sich nicht Aehnlickes bieten lasten. Und es läßt sich nicht läugnen, daß der Preußische Junker- chef mit diesen seinen Bemühungen"Erfolg" hatte. Das Ansehn des Reichstags sank von Tag zu Tag, und die abnehmend« ')„Zum Gebrauch des DauphinS"(wie der älteste Sohn und Thronerbe der ftanzöstschen Bourbon-Könige genannt wurde.) Die für den Thronerben unter Louis XIV. gemachten sehr verstümmelteil Aus- gaben der lateinischen und griechischen Clasfiker trugen obige Inschrift (Fortsetzuug auf Seite 4.) Ew Geschichtsschreiber. Latter-Day Pamphlets. Edited by Thomas Carlyle. No. 1: The Present Time.— No. 2: Model Prisons. — London, 1850, des Jüngste» Tags. Herausgegeben von Themas Cavstste Skr. 1: Die Gegenwart. Nr. 2: Musterge- 'sänzniffö.— London 1850). (Schluß.) Man ficht, wie der„Edle" Carlyle von einer durchaus pautheistischen Anschauungsweise ausgeht. Der ganze geschicht- hche Prozeß wird bedingt nicht durch hie Entwicklung der le- bendigen Massen sechst, die natürlich von bestimmten, aber sechst Md�r histyri�ch erzeugten wechselnden Voraussetzungen abhängig ist; er wird bedingt durch ein ewiges, für alle Zeiten unverän- dcrliches Naturgesetz, von dem er sich heute entfernt und dem er sich morgen wieder nähert, und aus desicn ritbrige Erkenntniß Alles ankommt. Diese richsige Erkenntniß des ewigen Natur- aesetzes ist die ewige Wahrheit, alles Andere ist falsch. Mit dieser Anschaunngsweise lösen sich die wirklichen Klastengegen- .Me, so verschieden sie in verschiedeuen Epochen sind, sämmtlich aus in den Einen großen und ewigen Gegensatz Derer, die das ewige Naturgesetz ergründet haben und sdarnach handeln, der Wersen und Edlen, und Derer, die es falsch verstehen, es ver- drehen und ihm entgegen wirken, der Thoren und Schurken» Det historisch erzeugte Klassenunterschied wird so zu einem na- türlichen Unterschied, dm man selbst als einen Theil des ewigen Naturgesetzes anerkennen und verehren muß, indem man sich vor den Edlen und Weisen der Natur beugt: Kultus des Genius.'* Die ganze Anschauung des historischen Entwicklungspro- zesses verstacht sich zur platten Trivialität der Jlluminaten- nnd Freiyiaurer Weisheit des � vorigen Jahrhunderts, zur einfachen Moral aus der Zauderflöte und zu einem unendlich verkommenen und banalisirten') Saint-Simonismus. Damit kommt natürlich die alte Frage, wer dtnn eigentlich herrschen soll, die mit hoch- wichtiger Seichtigkeit des Breitesten diskutirt und endlich dahin beantwortet wird, daß die Edlen, Weisen und Wissendm Herr- schen sollen; woran sich dann ganz ungezwungen die Folgerung anschließt, daß viel, sehr viel regiert werden müsse; daß nie zu viel reglest werden könne, da ja das Regieren die stete Enthül- lüng und Geltendmachung des Naturgesetzes gegenüber der Masse ist. Wie aber sollen die Edlen und Weisen entdeckt werden? Kein überirdisches Wunder enthüllt sie; man muß sie suchen. Und hier kommen die zu rein natürlichen Unterschieden gemachten historischen Klassenunterschiede wieder zum Vorschein. Der' Edle >st chel weil er Weiser, Wissender ist. Er wird also zu suchen sein unter den Klassen, die das Monopol der Bildung haben— uitter den privilegirteu Klassen; und dieselben Klassen werden es sein, die ihn jn ihrer Mitte auszufindcn, die über seine An- spräche auf den Rang eines Edlen und Weisen zu entscheiden haben. Damit werden die privilegirteu Klassen sofort, wenn nicht geradezu zur edlen und weisen, doch zur„artikulirten" Klasse; die unterdrückten Klassen sind natürlich die„stummen unartiku- lirten" und so ist die Klassmherrschaft nm sanktionirt. Die ganze bochentrüstete Poltcrei verwandelt sich in eine etwas versteckte Aner- kennung her bestehenden Klassenherrschaft, die bloß darüber grä- melt und murrk, daß die Bourgeois ihrm verkannten Genies keine Stelle an der Spitze her Gesellschaft anweisen und aus sehr praktischen Rücksichtm nicht aus die schwärmerischen Fase- leien dieser Herren eingehn. Wie übrigens auch hier die hoch- trabende Salbaherei in ihr Gegencheil mnichlägt, her Wissende und S$ise in der Praris sich in den Gemeinen, Unwissenden und Narren verwandelt, davon liefert uns Carlyle schlagende Erempel. Er wendet sich, da bei ihm auf die starke Regierung Alles ankommt, mit höchster Entrüstung gtgen das Geschrei nach Be- freiung und Emancipation: „Laßt uns Alle ftei sein, der Eine von dem Andern. Frei ohne Band oder Berschlingung, ausgenommen der der baaren Zahlung ehrlicher Tägeslohn für ehrliches Tageswerk, festgesetzt dunh freiwilligen Vertrag und durch das Gesetz der Nachfrage nnd Zufuhr; dies, bildet man sich ein, sei die wahre Lösung aller Schwierigkeiten und Ungerechtigkeiten, die zwischen Mensch und Mensch vorgefallen sind. Um das Berhältniß, das zwischen zwei Menschen eristirt, zu berichtigen, giebr eS keine andere Methode als es ganz und gar zu beseitigen?" p. 29. Diese vollständige Auflösung aller Bande, aller Verhältnisse zwischen dem Menschen erreicht natürlich ihre Spitze in der Anar- chte, dem Gefetz der Gesetzlosigkeit, dem Zustand, in dem das Band d-- Die Andern, die noch stehen, ringen mit ihrm eig- nen Röthm, das kann ich Euch sagen; aber Ihr, durch man- gelhaste Energie und überflüssigen Appetit, durch zu wenig gethane Arbeit und zu viel getrunkmes Bier, Ihr habt bewiesen, daß Ihr es nicht könnt. Wißt, daß wer auch immer die Söhne der Freiheit sein mögen, Ihr für Euren Theil seid es nicht und kömtt es nicht sein; Ihr seid handgreiflich Gefangene, nicht Freie.... Ihr habt die Natur von Sklaven, oder wenn Ihr lieber wollt, von nomadisch vagabundirenden Knechten, die keinen Herrn zu finden wissen.... Nicht als glorreich un- glückliche Söhne der Freiheit, sondern als notorische Gefangene, als unglückliche gefallne Brüder, die verlangen, daß ich sie kom- mandiren und wmn nöthig, sie kontrolliren und unterjochen soll, könnt Ihr von nun an mit mir in Verbindung treten.... Vor demHimmel untz der Erde, und vor Gott, dem Schöpfer unser Aller, erkläre ich es für ein Aergerniß, solch ein Leben in Euch er- halten zu schen, durch den Schweiß und das Herzblut Eurer Brüder, und daß, wenn wir es nicht bessern können, der Tod vorzuziehen wäre.... Schreibt Euch ein in meine irischen. meine schottischen, meine englischen Regimenter der neuen Aera, Ihr armen wandernden Banditen; gehorcht, arbeitet, duldet, fastet, wie Mc von uns thun mußten.... Industrielle Obersten, Werkmeister, Auffcher, Herren über Leben und Tod, billig wie Rhadamanth3«) und unbeugsam wie er, die thun Euch Roth, und sie werden für Euch findbar sein, sobald Ihr ein- mal unter den Kriegsartikeln steht.... Zu jedem von Euch werde ich dann sagen: Hier ist Werk für Euch; macht Euch tapfer dran, mit männlichem, soldatischem Gehorsam und gutem Muth, und fügt Euch gemäß den Methoden, die ich hier dik- tire,— Lohn folgt für Euch ohne Schwierigkeit..... Weigert Euch, bebt vor saurer Arbett zurück, gehorcht nicht den Vorschriften, und ich werde Euch ermahnen und anzustacheln suchen; wenn vergeblich, werde ich Euch peitschen; wenn immer noch vergeblich, werde ich Euch niederschießen." p. 46— 55. Die„neue Aera," worin der Genius herrscht, unterscheidet .sich von der alten Aera also hauptsächlich dadurch, daß die Peit- sche sich einbildet, genial zu sein. Der Gouns Carlyle unterscheidet sich vom ersten besten Gcfängnißcerberus33) oder Armen- vogt, durch die tugendhafte Enttüstung und das moralische Bewußtsein, daß er die Paupers nur schindet, um sie zu seiner Höhe zu erheben. Wir sehen hier dm hochbetheuernden Genius in seinem welterlösenden Zorn die Jnfamieen des Bourgeois phantastisch rechtfertigen und übertteiben. Hatte die englische Bourgeoisie die Paupers den Verbrechern assimilirt,38) um vom Pauperismus abzuschrecken, hatte sie das Armmgesetz von 1833 geschaffen, so klagt Carlyle die Paupers des Hochverraths an, weil der Pauperismus den Pauperismus erzeugt. Wie vorhin die historisch entstandene herrschende Klasse, die industrielle Bour- geoisie, schon weil sie herrschte, des Genius theilhaftig war, so ist letzt jede unterdrückte Klasse, je tiefer sie unterdrückt ist, desto mehr vom Genius ausgeschlossen, desto mehr der tobenden Wuth unsres verkannten Reformators ausgesetzt. So hier die Paupers. Aber sein sittlich-edler Grimm erreicht die höchste Spitze gegen- über den absolut Riederträchttgm und Jgnobeln, den„Schurkm", 5) wirklichen und nicht eingebildeten. 6) das„Gehenlassen" der'.v ancheslerthcorie. ') Scheingeflaltrn, Trug, S. vor. N. 8) über ein eingebildetes Reich. ») herumziehend.">) ansässig.") Armen. '») Armenhaus, Arbeitshaus.") anreden. ") In der griechischen Sage ein Richter in der Unierwelt. lb) Cerberus— der Hund(in der griechischen Sage), welcher die Seelen der Abgeschiedenen in der Unterwelt bewacht. u) gleichgestellt. d. h. den Verbrechern. Von diesen handelt er inj cht Brochüre über die Mustergefängnisse. Diese Brochüre unterscheidet sich von der ersten nur durch eine noch viel größere Wuth, um so wohlfeiler, als sie sich gegen die von der bestchendm Gesellschaft officiell AuKgestoßenm, gegen Leute unter Schloß und Riegel richtet; eine Wuth, die selbst das Wenige von Scham zabstreift, was die gewöhntichm Bour- geois Anstandshalber noch zur Schau tragen. Wie Carlyle im ersten �Pamphlet eine vollständige Hierarchie der Edlen ausstellt und demEdelstm der Edeln nachspürt, so arrangirt er hier eine ebenso komplete Hierarchie der Schurken und Niederträchtigen und trachtet danach, den Schlechtesten der Schlechten, den größ- ten Schurken in England zu erjagen, um die Wollust zu. haben, ihn zu hängen. Gesetzt, er finge ihn und hing' ihn aus, so ist uns ein Andrer der Schlechteste und muß wieder gehangen wer- den und dann wieder ein Anderer, bis die Reihe endlich an die Edlm, und dann an die Edlerm kommt und zuletzt Niemand übrig bliebe als Carlyle, der Edelste, der als Verfolger der Schurken zugleich Mörder der-Edlen ist, und auch in den Schur- ken das Edle gemordet hat, der Edelste der Edeln, der sich plötzlich in den Niederträchtigsten der Schurken verwandelt, und als solcher sich selbst zu hängen hat. Damit wären dann alle Fragen über die Regierung, den Staat die Organisation der Arbeit, die Hierarchie des Edlen gelöst, und'das ewige Nawr- gesetz endlich verwirklicht. Aus Amerika. New-York, 25. Oktober 1871. Der den Lesern des„Volks skat" gewiß anderweitig bekannt gewordene Brand von Chicago hat eine Zeit lang alle Welt beschäftigt. Die zu Gunsten der Abgebrannten ver- anstalteten Sammlungen ergaben in der kürzesten Zeit große Summen und in unglaublich kurzer Zeit waren Lebensmittel, Kleider und Geld in großen Quantitälen aq Ort und Stelle. Die Stadtverwaltung von Chicago, natürlich in den Händen hxr Bourgeoisie, erwies sich ihrer Aufgabe keineswegs gewachsen, und Dummheit und Schlechtigkeit kennzeichneten ihre Maßregeln. Ein Parteigenosse aus Chicago schreibt:„... Da nun Chicago in Kriegszustand erklärt ist, so sind wir noch nicht im Stande gewesen, eine Versammlung zu halten, indem General Sheri- dan Jeden, der nach 9 Uhr Abends auf der Straße ist, als Spitzbuben behandeln läßt.!! Ich hatte im Sinne, Euch auf- zufordern, die New-Aorker Arbeiter zu bewegen, das von ihnen gesammelte Geld an uns zu schicken, da es, wenn an die be- stehenden Komitee's geschickt, doch keinem Arbeiter zu Gute kommt. Ja, die(Illinois)„Slaatszeitung" brachte sogar in ihrer ersten Nummer, welche nach dem Feuer erschien, einen Artikel, worin sie sagte, Chicago könne jetzt, wenn auch nur interimistisch, seine Arbeiter entbehren. Die Arbeiter haben ja nicht viel gehabt, konnten auch nicht viel verlieren, daher brauchen sie auch keine Unterstützung(also wie in Deutschland;) und alle die Millionen, welche gesammelt werden, werden nur gesammelt, um die Arbeiter wieder desto nachdrück- licher auszubeuten. Denn jetzt ist die Proklamation heransge- kommen-'„Wer(natürlich nur Arbeiter) ohne Beschäftigung auf der Straße getroffen wird, muß für l3� Dollar täglich Schutt abräumen oder wird eingesteckt." Und dies Alles nur, um den Leuten Angst einzujagen, damit sie nicht merken, daß allein unsere Behörde an ttan Feuer Schuld hatte. Auch lassen die Herren in der Stadt umhersprengen, es feien 500 Brand- stifter vom Süden hier in der Stadt, damit die Einwohner Chicago's ja nur keinen Augenblick zur klaren Besinnung kom- men. Denn, wenn das geschähe, so könnten sie ja einmal fragen: Wo war denn während des großen Feuers unsere theurr, so viele tausend Thaler(jährlich) kostende Feuerwehr? Wo war die Polizei und wo waren die andern Beamten?— Nun, die haben getrunken und geschwelgt bei Freunden, welche sich dafür eine Kandidatur für die nächste Wahl erkauften. Aber so geht's: wenn die Gefahr vorüber, dann haben Diejenigen das größte Wort, welche sich während der Gefahr nicht haben sehen lassen. Und um nun die Schuld von sich zu schieben, da sie in den ersten 2 Tagen das Gewitter heraufziehen sahen, haben sie die Stadt der fremden Brandstifter halber in Kriegszustand er- klärt." So weit unser Parteigenosse! Der Korrespondent der „World" schreibt unter dem 19. Oktober:„Das jüngste Un- glück hat den Bürgermeister Mason als gänzlich hirnlos und unfähig erwiesen.... Seine erste Handlung war, den Kriegs- zustand zu erklären und-die Stadt dem General Sheridan zu überliefern. Als ihm seine Rathgeber sagten, er habe kein Recht dazu, änderte er seinen Befehl und sagte, General Shc- ridan würde die Polizei in Aufrechthaltunz der Ordnung unterstützen.... Er war zu dumm, seine eigenen Depeschen zu schreiben, und hunderte von Hülfsangeboten blieben unbe- antwortet. Eine Proklamation folgte der ander», oft einander widersprechend. Einmal befahl er dem Polizeiches, alles Rauchen auf den Straßen zu verbieten... Sonntag Stacht wurde Ge- neral Sheridan nirgends in her Nähe des Feuers gesehen. Erst Montag Morgen, als das Feuer bereits im Geschäfts- centrum war, erschienen zwei Stabsoffiziere, aber zu spät, um nur Etwas von ihrem eigenen Hauptquartier zu retten. Nach 7 Uhr erst läßt sich Sheridan blicken.—... Einige alte Schwachköpfe, wie der Bürgermeister,� welche sich einen schreck- lichen Zustand der Dinge einbildeten, ersuchten den General, Truppen nach Chicago zu ziehen, und 1000 Infanteristen marschirten bald durch die Straßen. Aber ihre Diensie find nicht nöthig gewesen und sie waren nur ein Schrecken für die rechtschaffenen, anständigen Bürger, welche nicht ausgehen können, ohne Furcht, mit einem Bajonnett Bekanntschaft zu machen. Jeder Tag liefert Beispiele schamloser Mißhandlung von Bürgern durch den elenden Auswurf von Soldaten, und deren Offiziere lachen darüber. Um die Presse zu versöhnen, wurde ein Offizier und Wachmannschaft vor alle bedeutenden großen Zeitungsbureaux gesandt. Rur zwei Zeiwngcn„Tribüne" und„Journal", haben sich's gefallen lassen;„Times",„Post" und„Staatszeitung" verjagten die Soldaten von ihren Thüren; „Republican" und„Mail" verbaten sich die Geschichte ic." Es konnte nicht fehlen, daß die geängstigte Bourgeois- Seele hinter dem ungeheuren Brande ihr Schreckensbild, die Internationale, sah. Man hat allen Ernstes den„Jnter- nationalen" die Feuersbrunst auf ihre breite» Schultern ge- legt*) und die„World" hat heute einen scharfen Artikel gegen Die unsägliche Albernheit und Dummheit und Niedertracht (das böse Gewissen hat sie vergessen) der solches Zeug zusam- menschmierenden Zeitungsschreiber. Der'Artikel schließt voller Hohn und Ironie folgender Maßen:„Die Geschichte(von der Brandstiftung durch die Internationalen) ist' leider nicht voll- ständig durch die eigenthümliche Versäumniß des Schreibers, die Kuh, welche durch Umschlagen.der Petroleumlampe Chicago in Brand setzte, als eifrigen Führer der Internationalen zu denunzirem Cr sollte das Datum der Aufnahme dieses böswilligen Stück Viehs in die Gesellschaft angegeben und mit gefälschten Zeugnissen bewiesen haben, daß sie Einer der Haupt- chefs der Internationalen war."— Unsere zahlreichen Freunde in Chicago sind leider auch vielfach zu Schaden gekommen, aber der in der Internationalen Arbeiter-Affoziation gepflegte brüderliche Sinn bewies sich auf das Glänzendste, indem noch während des Brandes die Section 15 von New-Orleans an das Central-Komitee Anträge zur schleunigen Unterstützung telegraphirte. Die hiesigen Sectionen, welche ihre Opserwilligkeit bereits genügend in Unterstützung der Kommuneflüchtlinge gezeigt haben, werden ihre Pflicht thun. Zu bemerken ist, daß die Chicagoer Parteigenossen bescheidener Weise vorläufig Unterstützung abgelehnt haben.— Die mit so ungeheuerer sittlicher Entrüstung aufgenommenen Enthüllungen über die maßlosen Betrügereien und Schwin- deleien in der New-Norker Stadtverwaltung wer- den sich im Sande verlaufen.— Ein Krähe hackt der Anderen die Augen nicht aus! Das aus New-Aorker Bürgern, d. h. den reichsten Kapitalisten, Grundbesitzern und Kaufleuten, be- stehende Siebenzizer-Komitee zur Entdeckung und Bestrafung der Spitzbuben vermindert sich täglich dadurch, daß Einzelne die besseren Aemter und Andere die Kandidaturen dazu an- nehmen. Die Tammany- Gesellschaft(eine Gesellschaft von Anhängern der sog.„demokratischen" Partei, welche thatsächlich die Stadt und den Staat New-Uork beherrschen), welcher unzweifelhaft die Hauptschuld an den Spitzbübereien zur Last fällt, hat Einen der größten Reformschreier auf ihren Schild gehoben als Kandidaten für das Amt eines Richters im Obersten Ge- richt nnd damit einen kühnen Wurf gethan. Das Geld von Tammany wirkt in allen politischen Verbindungen und es sollte mich nicht wundern, wenn Tammany in der Stadtwahl, die Ansang November stattfindet, siegte*"). Ihre Taktik ist jetzt, die Gegner zu zersplittern und das ist bis jetzt gelungen, so weit, daß eine ganze Anzahl von Parteien und Parteichen alle gegen Tammany und gegen einander kämpfen. Leider hat es jetzt den Anschein, als wolle auch ein Häuflein Arbeiter in dasselbe Horn blasen, und— hoffentlich unbewußt— den Erz- schwindlern den Sieg verschaffen.— (Schluß folgt.) Der italienische Arbeitercongreft in Rom. Wir können unfern Lesern heute ein getreues Bild des Arbeitercongreffes in Rom und der Stellung der arbeitenden Klasse in Italien geben. In fast keinem Lande in Europa, ausgenommen Ruß- land und die Türkei, befindet sich der Arbeiter in einer so bc- schränkten Stellung als in Italien, und zwar hier durch die gegenwärtig sich am Ruder befindende„Consorteria", das heißt jene Ciasse Afteraristokraten, die durch Raub und Dieb- stahl am Volk, an der arbeitenden Classe, vermögend geworden sind, und die Schergen einer Regierung bilden, deren Zielpunkt die äußerste Reaktion, der wahre Jesuitismus ist. Während' in allen Ländern sich die Stimmen erheben, um dem Todfeind der Freiheit, dem verschmitzten Verräther am arbeitenden Mann den Garauslzu machen, ist es das Ministe- rium des Hrn. L an z a, jenes emporgekommenen„Doktors", welches um jeden Preis eine Versöhnung mit den Jesuiten und dem hohen römischen Clerus wünscht, um das Bischen Freiheit, welches noch dort herrscht, zu erwürgen. Kein Wunder, daß deßhalb eine solche Regierung erbebt und zittert, sobald sie nur das Wörtchen„Arbeiter" oder gar --Arbeiter-Congreß" hört, der doch nicht von Männern UlK„bleichem Stern auf der kalten Brust" b. h. von der Consorteria, zusammen berufen ist. So arbeitete denn die berüchtigte Regierung des Herrn ' �nza bereits längst daran, den Samen der Zwietracht unter °te Arbeiter und ihre Vereine zu säen. In keinem Lande der Welt wird ein solcher Mißbrauch mt der Presse getrieben seitens der Regierung wie in Italien,***) ./« der Presse ist in den Händen der Consorten und verfälscht cu einer ekelerregenden Weise die Wahrheit, so daß die libe- calen Blätter, welche die Rechte des Volkes vertreten, ihr ganzes Blatt nur den Entlarvungen und Entgegnungen opfern büßten, wollten sie alle oder nur die meisten Verläumdungen . widerlegen, mit denen die käufliche, aus den geheimen Fonds lebende Consortenpreffe, die Vertreter des Volks und der Ar- oeiter täglich verdächtigts-). Es ist demnach auch nichts so Außer- ordentliches oder Unerklärliches, daß die römischen Arbeiterver- eme, in der abscheulichsten Weise hintergangen, dazu gebracht vurden, an dem. Conzreß keinen Antheil zu nehmen und ihm lcrn zu bleiben. , Dennoch fand der Cougreß statt und die römischen Ar- ter kamen sM, aber sie kamen doch. Am 1. November Die„Chicago Tribüne" hat einen fast zwei Spalte» langen aUfiimnÄ�l.®estön6ntj5 eines Internationalen, der haarklein lammpiifnAh. e* Der elende Penny-a-liner, der die Beschichte zu- natürlich nur Ä i*? fau6ete Redakteur, der das Zeug aufnahm, haben "�Z��'-SenWon" machen und der erster« ein paar Dollars. überleat daii hirfHJ ra?*"Lnten gewinnen wollen; sie haben aber nicht an.».Anternatwnalen", und nun nehme man »eäen°�5� kene? �'°°"'' wahnsinnig aufgereaten Mob i J■mac Me Macht, einer Metzelei vorzu- � jDod| roaä'1�91 cit ein pcicit jDiilienh ober iiiiefi ein Düftt Hundert Arbeiterleben, wenn nur der Dollar im flinnt unb nne arme Seele in's Abonnement springi? lm � � aber"wr? 1°® Ä D°r Tannnany-Ring ist unterlegen- N ckt M"em Schw'ndA rem Z'-l gesetzt. Di- Sieger werden's r,l5 be�er machen. nihtÄ � W botin zu mästen? Und «ti�rnst nach Amerika zu 'wn.' �nlft Korrespondent ' mwen Sitte" nicht.-n.-o. dirf.il/ Das Gold des Italienischen Prehfonds hat offenbar genau wen Wirkungen wie daS des Berliner. R. d. V. Vereinigten sich die Vertreter der süd- und norditalienischen Arbeiter in dem Pavillon der Flora unweit des Volksthores in Rom. Die Regierung des Doktor Lanza hatte in ihrer Angst — denn nachdem die Polizeipräsidenten Berti und Albanese jüngst so schauerlich compromittirt worden*), riecht alles, was Arbeiter heißt, bei ihm nach Petroleum— eine Unzahl von Polizeidienern, in Civil und mit Revolver bewaffnet, ausrücken lassen zu dem Vereinslocal. Um II1/» Uhr eröffnete der alte Advocat Petroni den Congreß. Petroni war 21 Jahre vom Papste Pius IX. ge- fangen gehalten worden in der Engelsburg und im Zuchthaus von St. Michel. Seit dem 20. Sept. 1870 ist derselbe wieder frei. Er hatte jede Gnade stets abgewiesen, nur Prozeß verlangt und die Freiheit der Rechtfertigung!— Die provisorische Präsidentschaft verlangte, daß sofort die Frage entschieden werde, ob andere demokratischeBereinsvertreter, welche anwesend waren, zuge- lassen oder ausgeschlossen werden sollten. Mit einer fast ein- stimmigen Majorität wurde dann folgender Antrag des Herrn Macchi angenommen.„Der Arbeitercongreß nimmt alle die Gesellschaften und Vertreter in seinen Kreis auf, welche die moralische und materielle Hebung des Arbeiters zum Zwecke haben." Petroni, zum Präsidenten gewählt, ersucht die Vertreter, ein Hoch auf Mazzini und Garibaldi auszubringen, deren Hauptwerk das Bestehen des heutigen Arbeitercongreffes sei (Lebhafter und anhaltender Beifall!> Petroni beantragt hier- auf, den Verlauf des Arbeitercongreffes von 1864 in Neapel" zu verlesen und dem Volksverein in Rom den Dank des Kongresses für die geleistete Hülfe auszusprechen. Ferner den Dank auszu- drücken an die Schiffahrts-Gesellschaften Rubbattino, Adria- tico- Orientale und Florio dafür, daß sie den Congreß durch auf die Hälfte ermäßigte Fahrtaxe für die Vertreter unter- stützten. Circa 60 Vertreter waren bereits anwesend. Der Präsident erklärt hierauf die Abwesenheit-der Vereine von Rom selbst und verlangt ein fteies Urtheil über die permanente Coinmission von Ligurien. Der Verein erklärt hierauf ein Vertrauensvotum. In Folge der Abwesenheit der Römer entspinnt sich nun eine heftige Debatte, in welcher die Vertreter Cassaccia und Paterni die Affaire lebhaft erörtern und darlegten, wie sich gewisse Prinzen als Beschützer der Arbeier aufgeworfen haben, und wie die großen Grundbesitzer, meistens zur Eon- sorteria gehörig, sich in die Arbeitervereine drängen, um die- selben in der Dunkelheit und Unwissenheit zu erhalten; die Redner erwarten, daß Roms Arbeiter, getreu ihrer Vergangenheit, zur brüderlichen Vereinigung zurückkehren. Verschiedene Vertreter machen darauf aufmerksam, daß Einladungen, an die verschiedenen Vereine versandt, unterschlagen worden seien(vermuthlich durch den Quästor(Polizeidirektor) Berti, der der Unterschlagung von Briefen beschuldigt und überführt ist.) Deßhalb solle man die Verhandlungen gratis überall vertheilen und den Arbeitern selbst in die Hand geben. Wurde acceptirt. Der Präsident wurde hierauf ermächtigt, eine Deputation zu ernenneu, um die Arbeiter Italiens bei der Feier der Ge- fallenen von Mentana zu vertreten. Astengo erläutert hierauf, wie viele Arbeiter darin irrten, daß sie Generale und Prinzen als Protektoren der Vereine aufnahmen; wie der Arbeiter brüderlich sein könne ohne An- sehen der Person, aber seine Emanzipation nicht gefährden dürfe durch leichtsinniges Vertrauen auf die Mächtigen. Es wurde hierauf verlangt, die politische Stellung der Arbeiter zu dis- kutiren, welcher Antrag einen wahren Schrecken unter der.an- wesenden Polizei hervorrief. Jedoch wurde diese Frage ohne alle Störung unter dem nicht enden wollenden Beifall der Versammlung durch Herrn Romanelli ausgeführt. Am selben Tage noch erließen die römischen Arbeiter einen Protest gegen ihre Präsidenten, welche sich unbefugter Weise erlaubt hatten, die Einladunzen der ligurischen Vereine zurückzuweisen. Dieselben erklärten sich dem Arbeitercongreß anzuschließen. Um 7 Uhr Abends des 2. Nov. vereinigten sich circa 2— 300 römische Arbeiter in einem Sale in Via Carbognani, und nach einer höchst stürmischen und enthusiastischen Berhand- lung wurde Herr Coen zum neuen Präsidenten und Herr Richard Griffoni, einer der talentvollsten jungen römischen Bildhauer, zum Sekretair gewählt.(Derselbe Griffoni, wel- cher mit Bildhauer Schaeffer sich am 20. d. M. der Jesuitenpapiere bemächtigte, wovon letzterer bereits in 185 Fort- setzungen die ganzen Schandthaten und Fälschungen der Pfaffen in den politischen Prozessen in dem Volks- Blatt ,,La Capitale" veröffentlichte.) Herr Salvator Battaglia setzte hierauf die Stellung der Monopolisten**) auseinander, und wie der Arbeiter sich von der Stütze der privilegirten Classe emanzipiren müsse, und ein Protest müsse erlassen werden gegen die Handlungsweise des wrinzen Gaeteani, Präsident des römischen Arbeitervereins, Pelcher die Zwietracht bereits unter die Vereine säe. Herr Tagliacozzo, Rath des römischen Arbeiter-Veleins, erschien nun und versuchte den Prinzen Gaeteani zu rechtfertigen, fiel aber durch in Folge einer flammenden Entgegnung Cäsar Ster bin is, eines Arbeiters und Helden aus der Vertheidigung des Hauses Ajani gegen die Zuaven 1867, welche wehrlose Weiber und Kiuder in ihren Wohnungen ermordeten. Griffoni, ergriff dann das Wort, um den Vertheidiger des Prinzen ab- zufertigen, indem er ausführte, wie die Devise der römischen Arbeiter„für Vaterland und Arbeit" sei, aber Vaterland und Arbeit ohne Eintracht nicht gedeihen könne, worauf der Protest und das Erscheinen auf dem Arbeilerkongreß einstimmig votirt wurde. So wurde die soziale Reaktion des Prinzen in Rom niedergeschmettert durch ein gesundes Eingreifen junger und besonnener Männer. Cäsar Sterbini und Salöator Bat- taglia wurden hierauf als Vertreter gewählt und zum Eon- greß gesandt. Am 4. Nov. kamen dann auch noch die Deputirten der Arbeiterverein« von Alexandria an und wurden der Ber- sammlnng vorgestellt. Es entspann sich eine lange und höchst aufgeregte De- �*) Sie hatten u. A. Briesstiebereie» getrieben— bei uns„körn- promittirt" das freilich nicht. R. d. V. ") Der ausschließlichen Besitzer des Grund nnd Bodens und der Arbeitsinstrumente. batte über die Frage, ob man die'Regierung"noch einmal im Guten bitten soll, sich der Hebung des Arbeiterstandes anzu- nehmen. Die Debatte wurde aufs Höchste interreffant, als die Polizei anfing, sich zu bewegen und der Präsident Petroni sich bemüßigt sah, den Redner Marcora zu unterbrechen und ihm das Wort zu nehmen, um eine Auflösung der Versamm- lung zu verhindern.(So sind die Zustände in Italien I) ES wurde von Castagnol.a hierauf erörtert, wie der Arbeiter in Italien in Bezug auf das Wahlrecht beschränkt sei, was Raffaele Sonpo gno so glänzend schon im Jahr 186S in der Kammer ausgeführt hat, und daß Arbeiter gar nicht zum Stimmrecht kommen und in der Kammer nicht vertreten sind. Ein unendlicher Applaus brach dann aus, als Marcora einen Protest erließ und die stipendirte käufliche Presse der Con- sorten schilderte und ihre Redakteure als Meuchelmörder mit der Feder bezeichnete. Zu diesen zählt ein gewisser Constantin Chauvet, welcher, wegen gemeinen Diebstahls zu 3 Jahren Zuchthaus verurtheilt, zu Aleffandria nun als Re- dakteur der„Don Pirloncino" für die Polizei und gegen die Ar- beiter schreibt. Nachdem diese Episode vorüber war. wurden die geschäft- lichen Fccgen zur allgemeinen Correspondenz und Einheit aller italienischen Arbeitervereine erledigt. Herr S. Battaglia lud hierauf den Congreß im Namen der römischen Arbeiter zu einem von diesen veranstalteten Banket ein, sich wegen der Armuth der römischen Arbeiter entschuldigend, daß dasselbe nur sehr einfach sein werde, aber desto herzlicher. Es wurde hierauf in den folgenden Sitzungen unter Anderem darauf hingewiesen, wie schwer es für du arbeitende Klasse ist, in Italien*) eine unparteiische Justiz zu finden und das Thema wurde unwillkührlich ein Antrag politischer Natur, nach welchem die Delegirten sich für oder gegen die Nützlich- keit einerKonstituante**)aussprechen sollten; dies rief einen wahren Sturm des Beifalls hervor, denn es traf die offenen Wunden des italienischen Volkes. Ehe die Polizeikommissäre sich von ihrem Schrecken erholt hatten und ihr V e t o einlegten (daß nicht hierüber votirt werden dürfe), war der Ausspruch: „daß nur eine Konstituante das Land und den arbeitenden Bür- gerstand retten könnte", bereits fast mit Einstimmigkeit anze- nommen. In der Sitzung vom 6. d. M. wurden dann die Be- schlösse, welche früher schon in Bologna acceptirt waren, für ganz Italien angenommen, betreffs der Politik und Oekonomie, sowie auf eine Konstituante hinzuarbeiten. So sehr die Re- gierungsblätter und deren Korrespondenten für das Ausland nun auch den Kongreß verächtlich und als impotent, zcr- fahren darstellen wollen, so sehr zeigt das Ende desselben, wie das ganze Volk nach Gerechtigkeit dürstet und von dem einzigen Wunsche beseelt ist, von der den Arbeiter- und Bürger- stand aussaugenden„Consorteria" befreit zu werden, sowie von einer Polizei, die Meuchelmorde anordnet und mit Meuchel- Mördern operirt, wie der Fall Berti und der Quästor Alba- nesi von Palermo, welcher dafür gegenwärtig in Untersuchung sitzt, beweist. Herr Marcora schritt hierauf zum Schluß des Kongresse« durch Darlegung seiner Thätigkeit und Anfzählung seiner Beschlüsse. 135 Arbeitervereine nahmen Antheil und waren auf dem Kongresse vertreten. Vor dem Schlüsse wünschte der Präsident, daß der Kon- greß drei Grüße und Danksagungen ausspreche: 1) An die frei- sinnigen Blätter, welche dem. Kongresse Gerechtigkeit widerfahren ließen, indem sie die Heiligkeit seiner Aufgabe darlegten und seine Verdienste um die Arbeiter würdigten. 2) An Alle, welche den Kongreß mit Geld unterstützten. 3) An die Mär- tyrer, durch deren Blut und Leben, welches aufgeopfert wurde, es heute möglich ward, sich zum Müdesten frei hier in Rom auszusprechen, speziell an Mantovani, Cairoli und jene andern Römer, welche ihr Leben unter dem Bajonett der Priestersoldaten in Billa-Gloria verhauchten. Dank wurde dann an Mazzini und Garibaldi als Förderer der Arbeitersache durch ein Hoch auf sie ausgesprochen.— Jedoch, was in des Mannes Herzen lebt und was dem Volte fehlt,„Gerechtigkeit", das findet seinen Ausdruck und bricht sich durch.• Kaum erklärte der Präsident den Kongreß für geschlossen und die Versammlung für aufgelöst, als ein nicht enden wol- lendes:„Es lebe die Republik"! erscholl. Die Po- lizei stürzte hervor, aber Alles blieb ruhig und in der Orb- nung, nur noch ein Hoch auf die Republik ausrufend, endete Alles in der besten Ordnung. Als einige Verehrer Heinrich Cairoli's nachher'�den Ort, wo er unter den Bajonetten des Papstthums fiel, besuchen wollten, wurden sie durch den Besitzer mittels angelegter Flinten seitens des Dienstpersonals der Villa- Gloria abgewiesen.— Es folgte dann ein Bankett, auf dem besonders S a l- vatore Morelli hochleben gelassen wurde als der Erste, welcher in Italien entscheidend für die Arbeiter auftrat und seine Nächstenliebe mit 12 Jahrein Haft in Neapel büßte. S...... r. Iuteruatiouale Gewerkschaft der Holzarbetter. Altona, 18. Oktober. Die Altonaer Mitalieder der intemationalen Gewerkschaft der Holzarbeiter beschlossen in ihrer am Sonnabend den 11. November stattgehabten Versammlung bezüglich der ihnen vom Strike-Komitee der Berliner Tischler zugesandten Ab« rechnung über die Unterstützungsgelder, welche für den diesjährigen großen Strike der Berliner Tischler eingegangen waren, fol- gende Resolution:„Die Versammlung erNärt, nachdem sie von der Abrechnung Ken tum jj genoinmen: Daß daS Berliner Strike-Komitee eine eigenmächtige Handlung begangen hat, indem ei die bei Beendigung deSSinkeS noch vorhandenen Unterstützungsgelder im Betrage von 800 Thlrn. ohne weitere Moti- virung bei einer Bank deponirt hat. Tie Versammlung for- dert das Berliner Strike-Komitee auf, sich wegen dieser Handlung zu erklären und das depontrte«cld ungesäumt sür die strlkeuden Kollegen in Chemnitz und vffenbach zu verwenden. E.)Hochtmeyer, Beo. *) Nicht bloß in Italien. *) Verfassungsgebende Versammlung. Betheiligung an den Wahlen bietet den besten Gradmester für die wachsende Gleichgültigkeit des Volkes gegen die angebliche Volksvertretung. Wir wiederholen, es scheint uns höchst zweifel- hast, ob Bismarck hier von seinem Standpunkt aus klug vperirt hat. Ja, wir können nicht umhin, die parlamentarische oder Auf der Tagesordnung stand: I. Normal-Arbeitstag und II. Anschluß an die sozial-demokratische Partei. Ueber den ersten Punkt der Tages- ordnung referirte Herr Gnineberg, welcher in eingehendster Weise das Entstehen des Stücklohnes, sowie den Werth der Normalsarbeits- zeit und den heutigen Zustand der Ueberproduktion zur Zufriedenheit aller Anwesenden auseinandersetzte. Nach ihm sprachen noch einige geschickt m der höchsten Potenz zu halten. Jedenfalls ist sie cm,.,., 2.L L. widerspruchsvoll und inkonsequent. Entweder, und aus diesem Dilemma ist nicht herauszukommen, war es ein Fehler, den Reichstag in's Leben zu rufen, oder es ist ein Fehler, ihn zu maltraitiren, ja moralisch todtschlagen zu wollen. Doch, wie dem auch sei, die Bismarck'sche Taktik hat einen neuen Beweis für das Sprüchwort„die Extreme berühren sich" geliefert, denn sie stimmt ganz genau mit derTaktik unserer Partei über- eVil— was die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" in ihrem nächsten Artikel über„das Bündniß der Schwarzen und Rothen" hoffentlich nicht auszubeuten vergessen wird.„Den Parlamentaris- m«s durch den Parlamentarismus zu Grund richten"— das war unser Programm, als wir uns 1867 zum Wählen entschlossen; und unsere Vertreter iin Reichstag haben ihr redlich Theil zur Verwirklichung dieses Programms beigetragen, wofür dessen Urheber ihnen nur dankbar sein sollte. Allein die kombinirten Anstrengungen Bismarcks und der Sozialdemokratie reichten doch noch nicht aus, den beabsichtigten Zweck vollständig zu erreichen. Es ist merkwürdig, welch zähes Leben oft solchen Schein- existenzen innewohnt!— Dem Reichstag selbstiwar es vorbehalten, den Reichstag abzuthun. Wer hat nicht die Anekdote von dem Offiziere gelesen, der sich vor der Schlacht erschoß, aus Furcht durch eine feindliche Kugel zu fallen? Genau so machte es der Reichstag. Aus Furcht vor der Kritik Bebcl's ver- nichtete er durch sörmlichen Beschluß die Redefreiheit*), und da- mit den Parlamentarismus, sich selbst. Die Leser kennen die interessanten Details jener denkwürdigcy Sitzung, in der die par- lamenlarische„glücklicheAbferligung"**) stattfand: sie wissen wie Siuison, der menschgewordene Reichstag, den mörderischen Stahl führte, und Laster, der Einzige, der noch an den Parlamentarismus geglaubt hatte, Tölke's Stock schwingend dem Parlamentarismus die Grabrede hielt***')— ein Schauspiel für Götter und So- zialdemokraten. Fürwahr besser konnte unser Programm nicht erfüllt werden: wir wollten den Parlamentarismus durch de» Parlamentarismus tödten und siehe da! unser Wille ist ge- schchen: der Parlamentarismus hat den Parlamentarismus, der Reichstag den Reichstag todtgeschlagen.— Ob auch Fürst Bismarck sich über diese Verwirklichung seines Programmes freuen wird? Juteruationale Metallarbeiterschaft. An die Milgliedschaflen! Da niehrere der größten Mitgliedschaften entschieden verlangen, daß»och in diesem Jahre eine Generalversammlung abgehallen werde, so wird hiermit dieselbe ans Weihnachten den 26. 26. und 27. Dezember einberufen. E? werden die Mitgliedschaften aufgefordert, betr. Anträge und Vorschläge innerhalb 10 Tagen an den Geschäftsführer einzusenden. Auch werden die schon früher eingelaufenen Anttäge den Mitgliedern zur Itenntniß gebracht. Als porläufige Tagesordnung wird aufgestellt: n) Der Rechenschaftsbericht des Haupttasstrers. b) Wahl des Sitzes der Central-Kommission und des Ausschusses (Vorort), sowie Wahl des HauptkaffirerS. e) Anträge. Hannover, den 16. November 1371. Der Ausschuß: I. A. der Gel......... S. Franke. zu erlangen, da der Arbeiter sei, um der Ueberproduktion Nach Schluß der Debatte über den ersten wurde folgende Resolution einstiminig an- München, 10. Nov. Je größer der Kampf, desto größer der Sieg, so heißt es jetzt bei uns, und immer stärker dringt aus den Reihen der Arbeiter der Geist für Freiheil hervor. Aber wer sind Die- jenigen, welche die Veranlassung dazu geben? O, diese Bourgeotsie! Sie gräbt sich ihr eigenes Grab! O, wie sie sich im Gedanteu rauscht, wenn sie denkt, ein Bollwerk für sich geschaffen zu haben! Wenn die Bourgeois die Augen öffnen wollten, so würden ste finden, daß sich die Zahl der Sozialdemokraten durch die Bedrückung nur vermehrt, und daß ihre Hemmschuhe in der Bewegung einst zerspringen müssen, wie düimes GlaS auf hartem Stein.— Vor.«inigen Wochen fand hier eine. Versammlung der Schulye- Delitzsch'scheu Rettungspartei in Verbindung mit den hiesigen National- Liberalen ilait, in der man auf die Tagesordnung den„Häuserbau für Arbeitelfamiiien aus den Mitteln der Arbeit" stellte. O, diese edlen Herren, sie wollten in der großen Wohnungsnolh geschwind den Ar. deitern das„Sparen" lehren! O, die edlen Herren wollten das Geld dazu vorschießen— wenn die Arbeiter nur Aktien zu 10 st. zeichneten l Sie wollten gern Alles getreulich verwalten! Die Herren waren entzückt, eine große Menge in der Versammlung vorzufinden und be- gannen mit ihrem Projekt, nachdeni ste ihr Sparsysteni einpfohlen; was geschieht? Es taucht ein gefährliches Subjekt auf— Alles ap- plaudirt, der Vorsitzende verbietet zu applaudiren,„sonst müsse er dem Redner das Wort entziehen",— es war nämlich ein Sozial- demokrat! So konnten die Herren zu keinein Ziel gelangen und enl- fernten stch ohne Resultat.— Da, durch den ChemnitzerStrite veranlaßt, am 6. d.M. hier eine Volksversammlung stattfinden mußte, so stellten wir auch obigen Gegenstand, und zwar als 2. Punkt der Tagesordnung quf und wir sreuten uns, daß so Mancher, der sich einige Zeit vom poli» tischen Schauplatz etwas fern geHallen, von Simem seine Kräfte wieder der Partei zugeführt hat. Nachdem sich die Versammlung zu Gunsten des Chemnitzer Strikes ausgesprochen, nahm sie folgende Resolu- tion an:. „Die heutige Volksversammlung im Saale des Elysiums erklärt die Forderungen der Chemnitzer Arbeiter für gerecht, und spricht sich dahin aus, durch ihre Hülse ihnen zum Sieg, der allen Arbeitern der ganzen zioilifirteu Welt zu Nutze» komme, zu helfen. „Die heutige Volksversammlung spricht sich über die Häuserbau- genossen schajt Münchens dahin aus, daß dieser Bauoerein keine Besser- stellung deS Arbeiters herbeiführen kann, sondern, daß hiermit nur eiuem Ertrinkenden ein Strohhalm gereicht wird, um den Arbeiter vom politischen Leben fern zu halten; die Volksversammlung erklärt ferner, daß nur die Prinzipien der Sozialdemokratie zur Besserstellung des Arbeiters dienen können." Nach Verlauf dieser Volksversammlung haben wir gesehen, daß hier mit jedem Tage der Geist der Arbeiter reger wird und wir haben die feste Hoffnung, nachsVerlauf einiger Monate ein zweites Leipzig zu schaffen, indem wir neue Kräfte erhalten, die aller Gewalt zum Trotz das Evangelium der Sozialdemokratie verbreiten. München. Am 14. Nov. hielten wir hier eine allgemeine Vir- sammlung der Schneidergehilfen ab, welche gut besucht.war. ♦) Di« Geschäftsordnungskommission hat es gutgeheißen, daß Bebel das Wort entzogen wurde— das hieß noch den Sand streuen auf den Todtenschein. **) Engl. Happy dispatch— so nennt man in Japan die dort landcs-übliche Art des Selbstmordes durch Bauchaufschlitzung. "*i Laster hat den„Knüppel" durch Fälschung aus dem steno- graphischen Bericht entfernt. Von Bebel darüber zur Rede gestellt, Ileh er sich vom Reichstag die Fälschung sanktionirenl Nächstens wird wohl Jules Favre ins preußische oder deutsche Ministerium treten. i dieses das einzige Mittel einen Damm zu setzen. Punkt der Tagesordnung genommen. „Die heutige Versammlung der hiesigen Schneidergehilfen erkennt in der Einführung der Tagarbeit durch' gesetzliche Normirung der Ar- beits-Zeit das Mittel, durch.welches der heutigen Ueberproduktion einiger- maßen gesteuert wird und welches eine bessere und sichrere Regelung des Geschäftsganges gestattet, als die Palliativmittel, die bis jetzt an- gewendet worden sind, indem dadurch der Lohn von selbst steigen muß, weil die Nachfrage nach Arbeitskraft vermehrt wird und dieselbe den Konfektionsgeschäften entzogen wird, welche das Ergebniß der Ueber- produktionlund die Ursachesdeshmgeregelten Geschäftsganges unserer Branche sind."— Bei dem II Punkte der Tagesordnung, welcher eine leb- hafte Debatte hervorrief, traten einige Redner des Allgem. deutschen Arbeitervereines auf, welche zum Anschluß an denselben aufforderten. Da jedoch hier eine Mitgliedschaft der sozial-demokratischen Partei sich schon l.nra: gegründet hat, und wir ein Zusammengehen aller Arbeiter wünschen, so entschloß stch die Versammlung, nachdem die Herren Grüneberg, Oettrich, Riefer, Gerstmeier, Künzel lebhaft für die sozialdemokratische Partei gesprochen hatten, mit drei- viertel Majorität, sich an dieselbe anzuschließen und wurde folgende Re- solution angenonimen:„Die heutige Schneiderversammlung erklärt, einig ui'.d sest sich der sozialdemokratischen Partei anzuschließen." Friedrich Merkel, Schriftführer. Rheinprovinz. Wir erfahren au« mehreren Orlen derselben, daß„unser Fritz", nämlich Hatzseldt, geborner Mende, augenblicklich dieseGeaend unsicher macht. So hielt er am 8. d.M. in Elberfeld eineVolksversammlung ab, in der er„die Gründung einerVolks- dank aus den 6 Milliarden behufs Bildung von Produktio-Assoziatio- neu" von Bismarck erwartete.- Al«„unser Fritz" auf die Jnternatio- nale zu sprechen kam, hatte er weiter nichts an ihr auszusetzen, als daß sie„bloß Spanier, Italiener, Franzosen, Deutsche, Engländer, Amerikaner u. s. w. umfasse, nicht aber die ganze Menschheit und namentlich nicht die Hottentotten." Schließlich erklärte er auch noch die Saalmiethe für den betreffenden Versammlungsabend— 20 Thlr.— selber berappen zu wollen,— was seine Goldtante, deren Reichthum bekanntlich im umgekehrten Verhältniß zu ihrer Freigebig. keit steht— sicherlich sehr erbauen wird.— Lennep, 13. November.(Maßregelung.) Beim Beginn der gestrigen sozial-demokratischen Versammlung wurde der Agitator Piep er aus Hamburg auf Befehl des königlichen Oberprokurators zu Elber- feld durch Gensd'armen verhaftet. Als Grund der Inhaftnahme hört die„Elberfelder Zeitung" bezeichnen, daß Pieper jüngst in einer Ver- sammlung zu Hückeswagen gegen die 88 130 und 131 des Str.- G.-B. gefehlt haben— soll. Herborn, 6. Noobr. Unser Parteileben am hiesigen Ort hatte seit 2 Jahren so zu sagen todt gelegen und war es uns deßhalb sehr, erwünscht, daß Wilhelm Schmidt, bekannt durch seine Holsteiner Agitation, hier Arbeit bekam und die Organisation einer neuen Partei Mitgliedschaft in dies Hand nahm. Unsere Freude war nicht von langer Daner, denn Schmidt wurde von seinen Arbeitgebem, den Herrn Rem y und Rtzisenrath kontrolirt und ausjpivnirt, indem man ihn von einem Lump überwachen ließ; nachdem man den Beweis hatte, daß er Sozialdemokrat, wurde er einfach auf's Straßenpflaster geworfen. Wir waren aber nicht gesonnen, eine derartige Maßregelung ruhig hinzunehmen und Schmibt brachte dieselbe vor da« Gericht ber öffentlichen Meinung, welches aus der gestrigen Volksversammlung bestand. Die Heiren Remy und Reifenrath halten sogar den Much persönlich zu erscheinen, wurden aber so mitgeiiomuieit,*) daß sie bei fernerer derartiger Gelegenheft gewiß zurück bleiben werden. Am Samstag Abend hielten wir eiste Vorversammlung in dem hiesigen Rathha nssaal ab, in der Schmidt über das Verhältniß de« KleinmeisterS zum Großkapital sprach. In der gestrigen Volk« Versammlung, in der 5 bis 600 Personen erschienen waren, sprach zuerst Schmidt über die Lage des Arbeiterstandes. Darnach sprach Parteigenosse Schneider aus Marburg über die Lage der ländlichen Arbeiter.' Den 2. Punkt der Tagesordnung:„Prinzip und Programm unserer Partei" beleuchtete Schmidt in eingehender Weise. Als Gegner war Hr. Treupel von hier, Mitglied der hinkenden liberalen Fori schritlspartei, erschienen und er versuchte mehrmals nach bekannter Tak- tick dieser Leute, einzelne Worte aus der Rede herauszugreifen, die Worte zu verdrehen und zu entstellen, wurde aber von unserer Seite jedes- mal scharf widerlegt. Die Versammlung verlief gut und hatte das Resultat, daß unfre Mitgliedschaft von 17 auf 47 gestiegen ist. Vor Schluß der Versammlung ging uns von den Parteigenossen in Mar- bürg ei» Begrüßungs-Telegramm zu.— Nur noch einige derartige Versammlungen und die Bourgeoisie verliert den Boden hier gänzlich. Indem nun Schmidt außer Arbeit ist und wir die Gelegenheit fernes erzwungenen Feierns benutzen wollen, haben wir im Einverständniß mit den Marburger Mitgliedern br schloffen, daß derselbe die Agitation in der Dill- und Lahngegend in 'die Hand nehmen soll.(Bravo!) Ä. H- Schwäbisch-Gmünd. Unser Organ,„der Genoffenschaster", wel chcr unter Redatrion des Herrn F. Bischoff, eines wackern Kämpfers für die Ardeitersachc, erscheint, ist polizeilich mit Beschlag belegt worden, und der Borsttzende des Generalraths, Lehmann, ge maßregelt worden, nachdem 4 Wochen vorher auch unser Vorsitzender des Orts- Vereins Gmünd gemaßregelt worden warben war, was übrigens nur bewirkre, daß unser Verein um 65 Mitglieder zugenommen hat. Bis Ende dieses Jahres steht der Austritt au« unserm kaiserlichen Verbände in Aussicht. Ein Mitglied der Goldarbchterg ewerkschdst. Brandenburg. Der Tuchmacherstrike dauert fort. Leider haben sich einige Arbeiter aus Forst und Luckenwalde dazu bewegen lassen, in Brandenburg Arbell anzunehmen und damit igegen ihre feiernden Brüder Partei zu ergreifen. Der„Neue Sozialdemvtrai", dessen Talent zum Verdrehen und Lügen, seitdem Herr von Schweitzer nicht mehr der offene, sondern geheiine Leiter dieses Blattes ist, statt verringert, erhöbt ist, nennt Luckeiiwalde einen„Hauptort der Eisenacher Volkspartei", offenbar, um damit anzudeuten, uns ere,r Partei**) wäre die Schuld dafür, daß Luckenwalder Arbeiter nach Brandenburg gezogen sind, aufzubürden.— Abgesehen davon, daß in Luckenwalde, wie aus unserer Nr. 76 ersichtlich, im vergangenen Quartale nur 17 Cremplare des„Volksstaat" gelesen wurden— gewiß eine- sehr geringfügige Zahl für eine Fabriküadt—, Luckenwalde also nichts weniger als„Haupt- ort" unserer Partei ist, möchten wir doch einmal fragen, ob wir etwa die Schuld auf die Berliner Mtglieder des Allgem. deutschen Arbeiter- Vereins geworfen haben, al«,— wie bekannt— Berliner Maschinenbauer nachN e w c a st l e gingen, um die dort sstrikenden zu ersetzen? Und doch wäre ein solcher Vorwurf unjererscits noch eher gerechtfertigt gewesen, insofern als Berlin wirklich der„Haupiort" des„Neuen Sozialdemokrat" ist! Berlin. Die Holzschneider verlangen eine 16 prozentige Lohnerhöhung. Die Goldarbeiter verlangen eine 25 prozentige Lohnerhöhung.— Der Sinke der Schriftsetzer— dieselben haben bekanntlich die bestorgamsirte Gewerkschaft tu Deutschland— ist dadurch in ein neues Stadium getreten, daß die Gehilfen der Hofbuchdruckerei (Decker), der größten in Berlin, sich dem Sinke angeschlossen haben. Die Regierung hat nun der Decker'schen Druckerei Soldaten**) an *) Wohlgemerkt, in den parlamentanschsten Ausdrücken, Herr Las- ker! Glauben Sie nicht, wir seien Anhänger Ihrer Knüppeltheorie ge- worden. Dazu haben wir nicht die nölhige—„Bildung." '*) Der„Neue Sozialdemokrat" nennt unsere Partei nie anders als „Eisenacher Volkspartei".> *»*) Gegen diese Art der„Staatsindustrie"(und auch„Staatshilfe") haben die Herren Bourgeois nichts einzuwenden. Apropos,— Fürst Bismarck„studirt die sozial« Frage"— wie wär'S, wenn er das„Herr- liche Knezsheer" fpstematisch in dieser Weise verwendete?— Er könnte die Zahl der Soldaten in's Unendliche vermehren ohne Kostenerhöhung und gleichzeitig die Arbeiterbewegung„reguliren", schlüge also 2 Flie- gen mit 1 Klappe. R. d. Stelle der Strikenden zur Verfügung gestellt.— Auch die Roll- kutsch er haben sich der Arbeiterbewegung durch Forderung einer Lohn- erhöhung angeschlossen. In Wittenberg haben die Eigarrenarbeiter die Arbeit ein- gestellt. In Regensburg hat die Königl. Ostbahn, deren Arbeiter, wie die Leser dieses Blattes wissen, nach schmählich aufgegebnem Strike die Arbeit zum alten Hung« lohn wieder aufgenommen haben, böhmische Arbeiter importirt, welche sich mit noch geringeren(die„Augsburaer Zeimng" und die„Volkszeitung" sagen:„mit weniger hohen") Loh» neu begnügten. Die unglückliche Folge dieser Jmportirunz war ein Exceß, zu welchem die natürlicherweise erbitterten einheimischen Ar- beitcr fortgerissen wurden, und bei dem 7 Böhmen schwer verwundet sein sollen— wa« hoffentlich übertrieben ist. Brün» Arbeitseinstellung derWeber in der Fabrik Franz Kreczy. Hr. Kreczy zahlte früher die Sommerwaare per Elle mit 32'/, kr. und wurden bei 36 Ellen 75 Strähne eingetragen. Heuer zahlt er aber nur 30 kr. und werden 90 Strähne eingetragen. Am 13. begab sich eine Deputation von drei Webern zum Fabrik- Inhaber und ver- langte den vorjährigen Lohn und 1 kr. Lohnaufbesserung per Elle wegen der enormen Theuerung. Sie wurden aber zurückgewiesen. In LtNj ist eine Tischlerstrike ausgebrochen. Es striken ca. 130 Gehilfen, sowohl verheirathete als ledige und wurde auch beschlossen, die Akkordarbeiten sofort einzustellen, wo- gegen der Regrerungskommissär Einsprache erhob; es stellte sich aber heraus, daß keine Termine, bis zu welchen die Akkorde fertig sein müßten, gestellt wotden sind, und hat deshalb obiger Beschluß und seine Ausführung kein gesetzliches Hinderniß. Es ist deshalb auch gewiß klüger, Akkordarbeiten nie auf eine beüimmte Zeit abzuschließen,- damit einem allenfalls nothwendigen Strike keine Bleisohlen anhaften und die Bewegung sofort beginnen kann. Schließlich können wir mittheilen, daß die Herren Alois Hö- finger, Bautischler, Jos. Scheidler, I. Kölbl, Tischlermeister, die Iv-Stunden-Ardeit und 20 prozentige Lohiiaufbefferung bereits be- willigt haben.- Feldbach am Zürichsee. Infolge der ungemeine» Preissteigerung der Lebensbedürfnisse haben die Buckskinweber von Fleckenstein- Schultheß eine Lohnerhöhung von 14°/„, sowie statt der bis- herigen fünf- bis siebenwöchenilichen Kündigungsfrist eine solche von 14 Tagen gefordert. Obgleich in hiesigen Seidenfabriken der Lohn freiwillig erhöht und die Arbeitszeit vermindert worden ist, so wurde doch die Forderung mit großer Entrüstung zurückgewiesen und dem Komiteemitglied Seidel sofort gekündigt. Hierauf kündigten die übrigen zehn Weber den Fabrikanten, jedoch werden nur 6 auf ihrer Kündigung beharren. Die süddeutschen Buckskinweber, namentlich die Reuilinger, werden daher ersucht, den glänzenden Vorspiegelungen, un'er denen man sie höchst wahrscheinlich hierher zu locken suchen wird, nicht zu glauben und nicht hierher zu kommen. Das Logis und Kostgeld beträgt 17— 18 Franken(4 Thlr. 24 Sgr.) j der Lohn aber 26—27 Franken in 14 Tagen. Kost und Logis zu- s a ni m e ii ist außerdem noch kaum zu bekommen. Für ein Paar' Stiefelsohlen zahlt man 4'/. Franken(1 Thlr. 6 Gr.) und für ein Paar neue Stieseln 20 Fr.(5 Thlr. 10 Gr.) u. f. w. Leipzig. Am 17. Ätovbr. fand im Trianonsaale des Schützen- Hauses eine von ca. 900 Mann besuchte Versammlung der Buch- druckergehilfen statt. Aus der Tagesordnung stand die Besprechung der Berliner Tarifbewegung und deren Bedeutung und Folgen für Leipzig. Die Versammlung war darin einig, daß eine möglichste Gleichstellung der Löhne mit Berlin zu erstreben sei und wurde die Setzer- Seklion der ständigen Tariskommifsion beauftragt, schleunigst Schritte einzuleiten, um den Wlllen der Versammlung zu realisiren. j Schließlich wurde noch beschlossen, die Gründung einer Strikekasse sofort in die Hand zu nehmen und pro Woche und Kopf 2'/, Sgr. zu! erheben. Dieser letztere Beschluß zeigt unzweideutig, daß die Leipziger Buch- druckergehilfen entschlossen sind, die Scharte von 1865 auszuwetzen. Neben der Hülseleistung des vortrefflich organifirten Verbandes will man sich mit der Gründung einer Strikekaffe auch noch einen lokalen Rückhalt schaffen. Bemerkenswerth ist auch noch, daß die hiesige Tages- presse aus die gegen sie erfolgten heftigen Angriffe auch nicht mit einer Silbe antwortete, obgleich sie die Angriffe in den Bolksversamm- lungen stet« mit lächerlicher Ueberhebung zu pariren sucht«. Für die ftrikende« Maschinenbauer in Ehemnitz.' 2 Thlr. von einem Parteigenossen in Rudolstadt; 8 Thlr. 2 Ngr. 5 Pf. von den Arbeitern der Maschinenfabrik von Krause hier; 5 Thlr. 20 Ngr. von dem sozial»demokratt>ihen Arbeiterverein in Bremen durch Freitag; 10 Ngr. von E. Krieger hier; 2 Ngr. von einem Abonnenten des Bolkssiaat; 6 Thlr. 17 Ngr. 2 Pf. von der Mannsfeld'fchen Näh- Maschinenfabrik in Reudnitz durch Jakob?; 13 Thlr. 15 Ngr. von den hiesigen Buchdruckern durch Sezffert hier gesammelt; 1 Thlr. 5 Ngr. von der Reparaturwerkstatt der Leipzig-Dresdener Bahn; 5 Thlr. 10 Ngr. von O.Falk in Köln; 4 Thlr. 3 Ngr. 5 Pf. von den Arbeitern! der Götz& Neflmann'schen Fabrik hier; 4 Thlr. von den geselligen! Zusammenkünften d:S Arbeiter-Bildungsvereins hier; 1 Thlr. 6 Ngr. 2 Pf, von einem Vergnügen in Leisnig durch Fiedler; 8 Thlr. von Darmstadt') 6. Sendung, durch die Red. des Volksstaat. Leipzig, den 26. November 1371. Hadlich. *) Die braven Darmslädter haben, wie wir erfahren, gleichze an die Offenbacher Strikenden 57 Gulden 5 Kreuzer geschickt. R. d. V. Brieftaste» der Redaktion: Eckhardt in Waldheim: Da« Referat.kann nur auf Anordnung des Ausschusse« ins Blatt aufgenommen werden. N. in Neundorff: Haben Sie meinen Brief in der R.'schen Sache erhalten?! der Eipedition: O. Breslau: 2 Thlr. für Schriften erhalten- Redaktion des„Sozialisten" in Kopenhagen, oa« Gewünschte unter HBand abges. Betrag inkl. Porto 14'/, Gr. Seifert Leipzig. Bei meiner Abreife von hier nach Amerika rufe ich allen Frenn- den und Bekannten ein herzliches Lebewohl zu, insbesondere meinen Eltern und Geschwistern und allen Parteigenossen. Bremerhaven, den 18. November 1871. __ Pmillnc Kolbe aus Meerane. An die Nachbarstädte von Korst. Da ich hier in Forst arbeitslos geworden bin und abreisen muß> o ersuche ich diejenigen'Vereine in den Nachbarorten, welche wün' schen, daß ich bei ihnen Versammlungen abhalte, mich brieflich davon in Kenntniß zu.setzen. Fr. H. Simon. Forst in der Lausitz, Kottbusserstr. Nr. 215. � Kür Hannover. Sozial-demokratischer Arbetter-Berei». Nächsten Sonnabend den 25. Nov. Abends 3 Uhr eueral-Bersammluug der Bartling'schen Restauration, Knochenhanerstraße Nr. in der Bartling'schen Reftauratton, Knochenhanerstraße Nr. 5?. Tagesordnung: 1) Sozial-polilifcher Wochenbericht, Res. HerrLücho� 2) Vorstandswahl. Sämmtliche Mitglieder werden zum pünktlichen Erscheinen aufg<' fordert.________ Der Borsiizende.�. Das Tächfische Lereinsgesetz. Auf vielseitige Anfragen setzen wir die Parleigenossen in Sachsen hie� mit in Kenntniß, daß ein Abdruck des Sächsischen Vereinsgefetzes v"11 der Erpedition des„Volksstaat" franko gegen Einsendung von einet Groschenmarke(Parlhienweise natürlich entsprechend billiger) zu.beziehen ist Zuschriften, betreffend den Versandt des„Volksstaat�- Bestellungen auf Parteischriften, sowie. Geldsendnn' gen für das Blatt und entnommene Schriften sind t adressiren:| Expedition des„BoUsstaat", Petersstraße 18. Leipzig- Leipzig: Verantw. Redacleur weg 13.) Druck u. Verlag F. A. Hepner(Rdactiou: Petersstei"! Thiele(Expedition: Petersstr. l»./