J yt). Mittwoch, öe» 29. November. 1871. i? E. scheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- laudes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, Petersstraße 18, ö.Thiele, Emilienstraße 2- Erscheint wöchentlich 2 m m Leipzig. AbonnemeiltSprei»: Für Preußen incl. Stempel- neuer ILNar, für die llbriaen deutschen Staaten 12 Ngr, per Quattal- Filialerpedition für die Ber- eu.igten Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. vi* Newyork Organ der soMl-demokratischeilArbeiterpartei und der Internationalen GewerKsgenojsenschasten. Wie man uns ausPotsdam schreibt, hat dort diePostshellem und an einem Tage in zwei der �sowie auch ein Zeilungsezpediteur) Bestellungen auf dasPartei- Straßen drei freche Raube verübt, daß in organ zurückgewiesen, mit dein Bemerken, der„Bolksstaat" reichen Friedrichsstraße auf einen Pasianten ein werde alle Augenblicke koufisznt und erscheine in Folge dessen zu unregelmäßig. Wir werden bei der Generalpostdirektion Beschwerde führen. Politische Ueberficht. Die Afsaire Bebel-Simsvn hat einen, des Berliner Reichtags würdigen Abschluß gefunden. Die Geschäftsordnungs- kommission, wie' schon bemerkt, billigte das Verfahren Simsons und der Reichstagsmajorilat gegen Bebel, und brachte am Mittwoch einen Antrag in diesem Sinn ein. Durch ein Manöver des Hannoverschen Partitularisten Windlhorst wurde jedoch dieser Antrag bei Seile geschoben und ein anderer angenommen, der kein direktes Vertrauensvotuin für Simson enthielt. In Folge dessen fand Simson sich veranlaßt, abzudanken, unter der stillschweigenden Bedingung, wieder gewählt, zu werden, was natürlich auch geschah. Die Rede, welche Bebel in der Mitt- woch's Debatte hielt, und in der er unter Anderm die poli tischen Wandelungen des Chamäleons Simson schilderte, werden wir in einer der' nächsten Rumckern nach dem stenographischen Bericht bringen. Genug, Simson ist wieder Präsident, und der. Reichstag verdient diesen Präftdent. Der Reichstag hat auf Antrag des durch seine Anti Unfehlbarkeitsgesinnung zu einem lächerlich-wichtigen Renommee gelangten baierifchen CultusministerS Lutz mit 179 gegen 108 Stimmen ein Gesetz angenommen, dahingehend,-daß Geistliche, welche die Kanzel zu politischen Agitationen benutzen. mit Äefängnißstrafe bis zu 2 Jahren belegt werden Es liegt auf der Hand, daß dieses Ausnahmegesetz, flelchem gar kein vernünftiger Grund vorliegt, nur der Praxis, Ausnahmegesetze dann und wann bxliebig zu schas l.en, Bahn brechen soll. Eiu Geistlicher, der infolge der politischen Agitation sich gegen die Staatsgesetze versündigt, gc- hört eigentlich in die Kategorie der gewöhnlichen Gcsetzesüber- treter; eine Ausnahmestellung der Geistlichen aber sanktionirt die Ausnahmestellung verschiedener Klassen von Staatsbürgern überhaupt— und das ist der Sinn und Zweck desgauzcn Gesetzes. Hinter den Koulisien ist man gleichzeitig einig darüber geworden, der Regierung einen tiseNltN Mtlitäretat Von Vi) Millionen auf Z Jahre zu bewilligen. Innerhalb A Jahre darf demnach die sogenannte Volksvertretung aüch nicht einmal zum Schein in die Militärverwaltung mit hineinreden, und dabei hat die Regierung zum innern und äußern Krieg noch die konfiszirten Deposedirtengelder, den ReichSkriezs- schätz, den Jnvalidenfond r- also Millionen über Millionen, Uber die sie verfügen kann, ohne sich um den Reichstag zu kümmern.— Jntelligenzstaatlich. Ein Lebensbild, wie es trauriger nicht gedacht werden kann,. rollt der nachfolgende Brief, dessen Wahrheit amtlich bescheinigtest, vor unfern Blicken auf. Das Schreiben ist gerichtet an den Vorstand zur Unterstützung emeritirter Lehrer in Königsberg, der über sehr geringe Mittel verfügt, die ihm von Lehrern, welche selbst kaum ihr und ihrer Familie Leben zu fristen im Stande sind, spärlich zustießen. Der Brief, welcher den Poststempel„Jnsterburg lräzt, lautet: „Auxkallen, den 25. August 1871. Dem geehrten Vor- stände des Vereins zur Unterstützung emeritirter Lehrer sage ich vorerst meinen größten Dank für die früheren Unter- stützungen, bin qhsr gezwungen, demselben wiederum meine Roth zu klagen. Nachstehende Angaben dürften gewiß genü- gend sein, mein trauriges Dasein zu bestätigen. Meine ganze Pension beträgt haar sieben Thaler; davon 2 Thlr. 10 Sgr. Wittwengeld und 2 Thlr. 20 Sgr. Wohnungs- wiethe abgerechnet, bleiben mir 2 Thlr., dazu vier Scheffel Roggen und ein kleines Quantum Stroh und Heu und Vj� Morgen preußischen Acker. Davon ganz allein müssen 0 Personen leben, Darunter 4 kranke. Ich bin 83 Jahre alt und schon 12 Jahre ganz blind. Meine Frau ch 7ß Jahre alt u»d schon 1'/z Jahre bettlägerig krank. Eine Tochter ist bereits 26 Jahre krank und eine 12 Jahre. u�ie gesunde Person, ein. Mädchen, muß uns allen auswarten. �en geehrten Vorstand bitte-ich ergebenst, in Berücksichtigung meiner traurigen Lage, um eine milde Unterstützung." . cv. p�ßische Schulmeister, der zwei Menschenalter lang q. Ä' 3 e« z staa t Preußen gedient hat, im hohen Alter.eine .ylUlU UCjUliClk tVtVVl.4» uum, iuiv � Jnt hnT1.*' � � Jahre lang dem Militärstaat Preußen BiMosboilo � Mitttpn an Dotationen, die glänzende Besoldung mcht zu rechnen- allerdings em Kontrast!- . ,ei..Kie.§",tänl)e der öffentlichen Sicherheit oder viel- mehr�der chentl-chen Unsicherheit in der.Kaiserstadt a» er-opree finden nur in einer Berliner Korrespondenz der „Augsburger Allgemeinen Zeitung" folgende weitere Angaben: „Patrou.llen von Schutzmännern durchwandern nun bei Tag und Nacht dw Straßen, wahrend die Crimiualpolizei mit Eifer °'e verdacht, gen«-pclunken durchsucht und dabei viel legitimations- Gses und bestraftes Gesindel ausgreift. Außerdem sollen die- Pouzeireviere um sechs vermehrt werden. Aber das Laster lsi damit nur von der Straße in die Häuser ver- lcheucht, und die Unsicherheit der Personen und des Eigen- chums so wenig gemildert, daß in vorigerWoche noch bei belebtesten der Verkehrs- Revolver und auf einen Militärpvsteu vier Schüsse abgefeuert wurden. Die Verbrecher wären meist Bursche im Alter von 18— 20 Jahren, aber in ihrem sauberen Metier schon so ausgebildet, daß sie, bis auf einen, sämmtlich oer Verfolgung entwischt sind. Daran reihen sich der Ucberfall eines Herrn und einer Dame durch vier Banditen vor dem Potsdamer Bahnhofsgebäude, die Be- raubuug einer Dame durch einen kaum 14jährigen Lümmel und ähnliche räuberische Anfälle, die in der Regel von starken Banden unter Anwendung von Messerstichen verübt werden. Daß die Polizei in der Läge ist, bei ihrtt gegenwärtigen, 1200 Ztppse umfasseuden Stärke, bei dem schlecht fundirten Nacht- wachtwesen, bei ihrer durch das Gesetz sehr eingeschränkten Be- fugniß, bei der Indolenz(Lässigkeit) unserer Bürger und bei dem fortwährenden Zufluß, den das vorhandene Gc- sindel, Dank der schrankenlosen Freizügigkeit, von außerhalb erhält, diesem furchtbaren Unwesen zu steuern, muß um so mehr bezweifelt werden; als die trostlosen.Wohnungs- Verhältnisse, die wachsende Theuerung aller Lebensdedürft- nisse und der' beklagenswexthe Unfug hl) der Arbeitseinstellun- gen unendlich viel zur Steigerung der Demoralisation und zur Vergrößerung der Verbrecherwelt beigetragen. Wenn neulich in der Stadtverordneten- Versammlung konstätirt wurde, daß die Zahl derjenigen Individuen, welche in Berlin vom Raube. vom Diebstahl und von dem Laster der Siitenlosigkeit leben sich auf mindestens 40,000 belaufe, so erscheint diese Zahl jedenfalls viel zu niedrig gegriffen, da schon das Jahr 1869 weit über 6 0,00 0 bestrafte Personen aufweist, zu denen noch, eine sehr beträchtliche Masse unbestrafter Pro stituirten hinzutritt. Nichts weist aber schlagender die Un Möglichkeit nach, mit rein polizeilichen Mitteln unsere Gesell schaff von ihren Schlacken zu reinigen, als die traurige That fache, daß in den ersten neun Monaten dieses Jahres nicht weniger als 39t> ßll g e n d l i ch e Strafgefangene, d. h. Kinder meist unter 14 Jahren, in die hiesige Stadtvogtei abgeliefert ivorden sind." Wir haben die Auffassung des Korrespondenten hier nicht zu kritisiren: nur die von ihm gemeldeten Thatsachen haben ein Interesse für Uns, und zwar insofern, als sie die furchtbare Fäulniß unserer Gesellschaft beweisen. Für die Ver- ehrer des„Reichs der Gottesfurcht und frommen Sitte" muß der Beweis noch ganz besonders konklusiv sein, da ihnen zufolge Berlin, als Hauptstadt des moralischen, biedern, unverdorbenen Deutschland, unbedingt im Vergleich mit den Großstädten an derer Länder noch sehr moralisch sein muß. Wenn das nun am grünen Holz geschieht, was erst am dürren? In Zweifel zu ziehen sind diese Greuel nicht. Sie sind gerade von Solchen ans Tageslicht gezogen worden, die für die heutige Ordnung der Dinge, die gesellschaftliche wie staatliche, schwärmen, deren Zeugniß also vollkommen unverfänglich ist— überdies sind die angegebenen Ziffern amtlich konstätirt. Und nun fragen wir Sollen derartige Zustände fortdauern? Und wenn nicht, hat man ein Recht, unsere Partei zu verdammen, deren Zweck ist, diesen Greueln ein Ziel zu fetzen, die Quelle derselben zu verstopfen?— f In den Belgischen Kammern hat sich soeben einSkan- dal abgespielt, der, wenn anders den Zeitungen und Telegrammen irgend zu glauben ist, fast zu einer Straßen-Emeute in Brüssel ge- -ührt hätte. Vor einigen Jahren, wie die Leser sich erinnern werden, tauchte im parlamentarischen Musterstaat ein'Aben- teurer, Namens Langrand Dumvnceau, auf, der sich, ein umgekehrter Stroußberg, die Aufgabe setzte, das Kapital den jüdischen Händen zu entreißen und in„christliche", d. h. seine und seiner Helfershelfer Taschen zu locken. Diese Helfershelfer waren die Führer der Belgischen Schwarzen, darunter ein Bruder des Erzbischofs von Mecheln, Dechamps. Die Herren Langrand und Genossen gründeten zahlreiche„katholische Geld- instilule", die von der klerikalen Presse aufgepufft und dem Volk der Gläubigen mit solchem Nachdruck und Erfolg au das Herz gelegt wurden, daß die frommen Bauernfänger bald über Millionen verfügten. Ein Schwindelinstitut yach dem andern choß aus dem Boden hervor, und die Grenzen Belgiens wurden ür das„christliche" Geschäft-zu enge. Man breitete das Netz mit Hülfe der dortigen Pfaffen auch über Oesterreich aus, und erlangte sogar die Gönnerschaft des in solchen Dingen ehr toleranten Herr» Beust, den sein Haß gegen die Jnter- nationale doch nicht daran hindert, auf finanziellem Gebiet internationalen Prinzipien zu huldigen, und der bekanntlich den Verdacht nicht von sich ablenken konnte, für seine, Herrn Lan- grand bewiesene Freundlichkeit klingende Dankbarkeitsbeweise er- halten zu haben. Doch Herr Beust war nicht der vornehmste -Zrolektor der frommen Bauernfänger. Seme Heiligkeit, der unfehlbare Pio Novo spendete Herrn'Langrand und' Genossen in einem eigenhändigen Brief den päpstlichen Segen und ermahnte sie, zum Heil der Christenheil auf dem betretene.: Wege fortzufahren— ein Rath, der nach Kräften befolgt ward. Von der richtigen Ileberzeugung durchdrungen, daß der Besitz der politischen Macht ihnen die Früchte ihrer Schwin- deleien sichern würde, ließen sich die Hauptführer der Bauern- fängerbande, Dedecker, Nothomb, Dechamps in die Kammer- wählen; sie stürzten das sogenannte„liberale" Bourgeois- Ministerium Frere- Orbau- Bara, uud als schließlich, trotzdem S�gen des Unfehlbaren die Langrand'sche Blase mit Ver- breitung mephitischen Geruchs platzte, hatten die Herren sich in der Regierung so festgesetzt, daß sie dem Sturm trotzen, und den schwer kompromittirten Dedecker zum Gouverneur von Limburg ernennen konnten. Wie es scheint, hat diese letztere Frechheit nun dem Faß bürgerlicher Geduld den Boden ausgeschlagen. Am 22. d. richtete Herr Bara, Justizminister unter Frere-Orban, an das jetzige Pfaffenministerium eineJnlerpetlation betr. Dedecker. In längerer Rede wies er den Zusammenhang des Herr- schendcn Klerus mit den Langrand'schen Betrügereien nach, und zählte die kolossalen Summen auf, welche Herr Dedecker, der neue Gouverneur, dabei eingesteckt hat. Die Aufregung, welche in der Kammer hervorgerufen wurde, erstreckte sich auf einen Theil des Publikums. Menschenmassen durchwogten die Slra- ßen und es kam zu Demonstrationen, welche eineZeitlang einen dro- henden Charakter trugen. Jndeß scheint die„Ruhe" mittler- weile wiederhergestellt worden zu sein. Und das ist nicht zum Verwundern, wenn wir bedenken, daß Ankläger und Angeklagte im Punkt der öffentlichen und privaten„Moral" genau auf derselben Stufe steh». Wer ist Herr Bara? Der„liberale" Justizminister, welcher die Internationale verfolgte, die Arbeiter- Metzeleien der Jahrel 868, 1869 und 1870 mitanordnele und, sammt seinen gestürzten Kollegen, die Klasseninteressen der Bour- geoisie mit fanatischer Rücksichtslosigkeit vertrat. Sein Angriff auf Langrand-Dedecker war nicht durch höhere sittliche Motive eingegeben, sondern durch den Konkurrenzneid,— der Bourgeois mißgönnt dem Pfaffen das Privileg der Ausbeutung des Volks, das er für sich allein in Anspruch nimmt. Das ist Alles. Kein Wunder daher, daß die Arbeiter, die allein diesem parlamentarischen Wortkampf eine ernsthafte politische Bedeutung hätten verleihen können, mit gekreuzten Armen dastehn blieben, und, ohne einen Finger zu rühmen, ihre Gegner einander zerfleischen ließen. Dank dieser Neutralität der Arbeiter haben wir einen S k a n d a l zu verzeichnen und keine R e v o l u t i o n.*)— Herr Thiers� hat zur Abwechslung einmal 2 bonaparti- stische Zeitungen unterdrückt, und darob Zetergeschrei der ge- sinnungstüchtigen, respektablen Presse, die kein Wort des Be- dauerns hatte, als derselbe Thiers>nit einem Federstrich durch Proklamirung des Belagerungszustands die gesammte demokra- tische und sozialistische Presse Frankreichs vernichtete. Mr uns hat die Maaßregel nur insofern Interesse, als sie die ganze Jämmerlichkeit dieser Regierung enthüllt, die sich sogar von dem bankrotten Gesindel der Dezemberbandejin's Bockshorn jagen läßt. Die Versailler„Begnadigungskommisston"— ein von Thiers geschaffenes Instrument, um den Haß der Republikaner wegen der von Anfang an beschlossenen Hinrichtung der Ver- urtheilten" von sich auf Andere abzuwälzen— hat, dem Blutdurst der herrschenden Ordnungspartei entsprechend, die Be- gnadigung der zum Tode Verurtheilten endgiltig abgelehnt. Der Heldengreis Thiers, welcher jüngst von �„Mäßigung" sprach, die man fortan den Kommunalisten gegenüber müsse walten lassen, wird nun, nachdem er die Vollziehung- der Todesurtheile genehmigt haben wird, seinen vor einigen Wochen gethane Ausspruch„'Niemals habe ich mein Vaterland belogen", in zweiter Austage zum Besten geben.— Durch die Zeitungen geht die Notiz, der Londoner Zweig der Internationalen habe dem liberalen Parlamentsmitglied Sir Charles Dilke, der einige republikanische Phrasen vom Stapel gelassen, für seine„hervorragenden Verdienste um die Volkssache", zum Ehrenmitglied ernannt; und dasselbe Schick- äl sei vorher Herrn Ludwig Kossulh zu Theil geworden. fs, liegt hier eine Verwechslung mit einer andern Gesellschaft vor, die sich zur Täuschung des Publikums den Namen„Jnter- nationale" beigelegt hat, und in kontinentaler Schwatzdemokratie inacht. Auf diesen Doppelgänger, der jedes Einflusses ent- behrt, wurde schon früher im„Volksstaat" aufmerksam ge- macht. Die Internationale Arbeiterassoziation treibt nicht den Humbug der Ehrenmitgliedschaften, hat mit liberalen Salba- oerern ä in Dilke**) nichts zu thun, und würde den Russisch- Nap oleonischen'Agenten Kossuth, wenn er sich bei ihr präsentirte, snu« fa�ou zur Thür hinauswerfen. *) Die uns soeben zugegangene Brüsseler„Liberts" saßt die Sache genau so auf wie wir. Wir erfahren aus»nserm Schwesterorgan noch weiter, daß die Bara'sche Interpellation ein lange vorbereiteter Thcaterkoup war, und daß die furchtbare Ausregung, von der wir gelesen, sich wesentlich auffo und so viel Thalcr sürTelegramme und Zeitung« berichte zurücksühren läßt. Nach dem«prichwort: Take a tliief to cattli a thief(um einen Spitzbub zu fangen, nimmt ma» am besten einen Spitzbub) war Hr. Bara allerdings vortrefflich dazu besahigt, die Psassenschwindeleien an den Pranger zu stellen, aber es giebi auch ein anderes Sprichwort, das da lautet: Eine Krähe hackt der andern die Augen nicht aus— und aus der, Libertö" sehn wir. daß Hr. Bara in seineu Angnssen nicht über die Grenze hinausgegangen ut, welche das Bewußtsein der Schuldsolidarität ihm auferlegt. R. d. V. ") Die politische Intelligenz dieses Düke erhellt, aus nachstehendem Ausspruch, den er gegen einen Berichterstatter der.„New-Uork World that:„Sollte das Unterhaus je den Wunsch hegen, der Monarchie ein Ende zu machen, so li qt die Gewalt, djeses Ziel ohne Zuthun des Oberhauses zu erreichen,' in seiner Hand. Es braucht blas die Geldbewillungen einzustellen und.die Erneuerung der Meuterei-Acte zu verw igern, so muß die Monarchie in einem einzigen Tage ihr Ende erreichen" Was ungefähr so klug und weise ist, als wollte man agen: Wenn Bismarck, Noon, Stieber, Mühler, Blankenburg, Sensst-Pilsach, kurz alle Vertreter des Preußischen Militär-, Junker- und Polizeistaat« sich für die Republik erklären, muß in Preußen „die Monarchie in einem einzigen Tage ihr Ende erreichen." Der Brannschwciger Prozeß hat ain 23. November begonnen. Das Verhör dauerte zwei Tage; cun Sonnabend trug der Staatsanwalt sein Plaidoyer vor. Einen Bericht über die Verhandlungen— bringen wir lnach dem„Braunschweiger Volksfreund") in nächster Nummer. Für heute können mir nur die nachfolgende größere Hälfte der Anklageschrift geben, deren Inhalt zum Theil wörtlich mit der Anklageschrift des Leipziger Staatsanwalts*) gegen die Leipziger Angeklagten übereinstimmt. Wir bemerken dabei ge- legentlich, daß der„Lehrer" Carl Hirsch und„Eickhoff" die eigenen Entdeckungen des sehr sachkundigen Braun schwei- zischen Staatsanwalts sind, dessen Autorenruhm wir durch getreuen Abdruck feines Elaborats gewahrt wissen wollten. An Herzogliches Wreisgei icht Braunschweig. Anklage gege«l l) den Kausmann Wilhelm Bracke fun., 29 Jahre alt, Hierselbst; 2) de» Techniker Leonhard von B on Horst aui Caub, jetzt hier sich aufhaltend, 31 Jahre alt; 3) den srüheren Lehrer zu Wolfenbüttel Samuel Spier, 33 Jahre alt, jetzt in Frankfurt a. M.(Niedenau 10) sich aufhaltend; 4) den Schneidergesellen Joh. Äug. Carl Kühn aus Leipzig, jetzt hier sich aufhaltend, 42 Jahre alt; wegen Vergehe» gegen die öffentliche Ordnung. Es ist bekannt, daß den auf die Verbesserung der ba arbeitende» Elaffen gerichteten, und auf das schen Prinzip der Selbtthülse gestützten Bestrebnugen vonSchultze- Arbeiterpartei. Telitzjch zu Ansang der sechsziger Jahre Ferdinand von Lassalle unter Prollamirung des Prinzips der Staats- hülse entgegentrat. Nach Lasjalle's Tod spalteien sich seine Anhänger i» zwei Hauplfraktionen, die sogen, mann- lichc Linie(unter Führung von Bernhard Becker, hernach v. Schweitzer) und die sogen, weibliche oder Hatzfeldt'schc Linie(unter nomineller Führung von Mende). In der Stadt Braunschweig wurden die sozial-deuiokranschen (LassaUe'schcn) Ideen zuerst im Jahre 1865 össentlich verlieren, indem der Angeklagte Bracke derzeit der hie- flgen Polizeb-Direktivir die Anzeige machte, daß verschiedene hiesige Einwohner dem Allgemeinen Deutschen Ar- - � bciterverciue zu Leipzig al« Mitglieder beigetreten wären/ " Alien Äc'"ad daß der Bereiuspräsidenr Becker ihn zu seinem Be- Bersammlunaen vollmächtigten für Braunschweig ernannt habe. Als Zweck der hiesigen Mir- des Vereins war angegeben: für Herstellung des allge- «f ousiuen gleichen und direkten Wahlrechts zu willen.— Arbeiterverein? i»Me hiesigen Veremsmilglieder(im Jahre 1866 etwa i-ipsta betr. I5tt) hielten häufig Versammlunge», in denen neben der > Bervejserung der materiellen Lage der Arbeiter auch die- Z-vge- Pol.- jenigen staatlichen Einrtchwngen besprochen wurden, welche AficOoi PoaelS. lia�„„j, durch Erwerbung des allgemeinen Wablrechts zu schassen resp. zu beseitigen seien, wie insbesondere die (Lcwährung des Coalitionsrechls und eines Staatskredits zu gewerblichen Produktiv-Asioziationen, die Einführung einer direkten Einkommensteuer u. dergl. ES äußerte sich schon damals das bis in die neueste Zeit sortges.tzte Be- streben, der Partei durch äußere Anziehungsmittel(wie durch öffentliche Umzüge, Veranstaltung von Festlichk-ilen, inarktschrcierische Ankündigung von Versanimlungen und, in letzteren selbst, durch Entstellung deS Standpunkts der übrigen gcjellschastlichen Klassen und der Behörden, ge- genüber der„verfe hinten" Arbeiterklasse durch hochtra- bende ilketen und elektrisircnde Schlagwörter) einen grö- Heren Zuwachs von Mirgliedern zu verschaffen,— jedoch ohne erheblichen Erfolg. Bracke entfaltete in diesen, nicist von ihm veranstalteleu Berjammiuiiaen durch seine Reden eine hervorragende agitatorische Thätigkeit. Als im Jahre 1868 der Allgemeine Deutsche Ar- bcitcrverein zu Leipzig ausgelöst wurde und sich»nter v. Schweitzcr's Präsidentschaft zu Berlin neu konstituirte, stblojjeir sich die hiesige» Vereinsmitglieder beul neuen Vereine a». Eine inr Jahre 1369 zwischen v. Schweitzer und Meilbe verabredete Vereinigung beider Fraktionen ' rief unter den Parteigenossen Widerspruch hervor. Es wurde von den Berliner Wortführern eine, auch von Bracke, v. Bonhorst und Spier mit unterzeichnete offen« ErUärung erlassen, in welcher das eigenmächtige, diktatorische Vorgehen Schweitzers als nicht echt demokra- tisch geradelt, der Austritt aus dem Bereine erklärt und behus der Einigung der gesammten Arbeiter Teutschlands die M S. Anlagcii Vol. I. Druck suchen Nr. lt. S. Anlügen Vol. III. sozial-demokratische» Berufung eines allgememen Arbeiier-Cougrcsjes angekündigt wurde. Diese Berufung trsolgte im August 1869 nach Eisenach und wurde aus diesem Congresse,— auf welchem u. A. auch Bracke und Spier, sowie der Literat Liebknecht und Drechsler Bebel besonders Ihätig waren, ein« Bereinigung unter dem Name»: „Sozial-demokratische A rbeiterpartei" gegründet. Wenngleich(in der Absicht der Umgehung der Gesetze) der Ausdruck„Arbeiterpartei" gewählt, und der Ausdruck„Arbeiterverein" vermieden wurde, so wurde doch sin Wirklichkeit ein Verein gebildet und demselben ei» bestimmtes Programm und Statuten(Organisation) gegeben, ein gemeinsamer, den Verein leitender Vorstand (Ausschuß und Eontrolkommission) geschaffen, General» Versammlungen(Eongresse) angeordnet und Mitgliedskar- ten, sowie regelmäßige Beiträge zur Vereins-(Partei-) Kaffe eingeführt. Der Berein trat sofort in die genauesten Beziehungen zu der internationalen Arbeiter-Assoziation und betrachtete sich als einen Zweig derselbe». Ueber diese internationale Arbeiter-Assoziation ist Folgendes hervorzuheben:, Die Wortsührer der Feinde der monarchischen Staals- sorm, theils rein-republikanischen, theils sozial-republika- «erzl.d-nUcrichnstssäftn Bestrebungen huldigend, hatten, um ihre Ideen „Die Jntcraa in die Masse» des Volkes hineinzutragen und um diese z. P.?uacky°ck M Erreichung ihrer Zwecke zu benutzen, die London, ee. 3mi/™hwcndig?eit etiler einheitlichen Leitung erkannt. Zu ». INI» rr. Augusidiesrm Zwecke wurde im September 1864 die Interna- tabW'-xS.»omllcausemem zu London zu Gunsten der damals im PoNzei- Anzeiger, Aufstände bearissenen Polen abgehaltenen und von Vt n btr. r?, Eüglaiidern, Franzosen, Polen, Italienern und Deutschen besuchten Meeting begründet. Sie sollte ein die LW�hÄibftZ'deli-r-Jnteresseil aller Länder umfassendes Institut sein dzu thun ist.— Die Bourgeois-Republik oder Repräsenkativ-De mokratsic ist in der Schweiz im Absterben begriffen,- , und es tritt fortan die reine Demokratie auf den Plan, wo das Volk direkt an der Gesetzgebung Theil nimmt und dieselbe daher nach seinen sozialen Be dürfnissen umformen wird." „In dieser sozial-demokratischen Republik soll die Gesetzgebung direkt durch das Volk geübt werden; das Volk soll nicht bloß das Borschlagsrecht(Im tiative), sondern auch daS Abstimmunasrecht(Reseren- dum) haben; es wird beantragt, zu beschließen: c. Seit« 13.„Es sei eine Hanptausgabe der arbeitenden Klassen, dahin zu wirken, daß die sozial- demo kratische Republik verwirNicht werde, in welcher die Gesetzgebung direkt dur.h das Volk geübt wird." Ferner war auf der Generalversammlung der Deut- schen Arbeitervereine der Schweiz(welche von Anfang an der internationalen Arbeiter-Assoziation beigetreten waren) zu Neuenbürg(August 1868) das in Gens er- scheinende„Felleisen" zum Parteiorgan mit der Ver pflichtung bestimmt, ausschließlich den demokratisch-re- publikanischen Standpunkt zu vertreten und war als das Ziel aller politisch-svzialen Bestrebungen die Ein richtung eines europäischen Freistaatenbundes hingestellt.. Di« oben erwähnten Mrrr'schen Statuten der internationalen Arbeiter-Assoziation wurden auf dem Genfer Kongresse im Selember 1366 aenehmigt und damit der Einfluß des Generalraths auf die Arbeiter, bewegung der ganzen civilisirten Welt gesichert. Von da ab tritt der politische Charakter der Arbeiterbewegung Bericht über auch in Deutschland, immer mehr in den Vordergrund. durch tA Volt", Reserat und Antrag deiSektion Zürich a» de» am u. September 1809 in Basel>,» eröffnendeu Congreß der Jtiternalio- nalen Arbeiter- Affoziation. In de» Anlagen Vol. I. Nr. 3«. der Gründung der auf dem Eisenacher Dieses zeigte sich u. A.(schon vor �rbeitervereme sozial-demokratischen«rbeiterpartei vom 5.— r-Sev- Kongresse) auf dem 5. Vereinstage der Deutschen Arbeiter vereine zu Nürnberg(5.-7. September 1868), wo in u iv, unter Bebel s Vorfitz und Liebknecht's Mitwirkung ein In den Äniaarn: Mehrheitsbeschluß dahin zu Stande kam: Drucksachen Nr.37.„Der zu Nürnberg versammelte fünfte Deutsche Arbeitervereinstag erklärt in nachstehende» Punkten seine Uebereinstimmung mit dem Programm ver internationalen Arbeiter-Assoziation: 3)„Die politische Freiheit ist die unenlbehr liche Borbedingung zur ökonomischen Vefreiung der arbeitenden Klassen. Die soziale Frage ist mit hin untrennbar von der politischen, ihre Lösung durch diese bedingt und nur möglich im demokratischen Staat." Ferner in der außerordentlichen Generalversamm- lung des Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein» zu ,, � t raunschweig am 19. und 20. Mai 1867, in welcher Bracke als Protokollsührer sungirt-, und in welcher schweig am lg,„Clundzüge der Bestrebungen des Allgemeinen Deut» und Lv.Ntai 1887. schen Arbertervereins" diskutirt und angenommen wur- cin Äniaaen- hin, in denen es heißt: Drucks«S-8TO der durch deil„Ausschuß" repräseniirten Parter consorm ,Lshr habt das gehalten wurde. Was in dem„Volksstaat" unter aus- Recht, mich ab- drücklicher oder stillschweigender Billigung des das Blatt j"Ä-ibsivll beaufsichtigenden Ausschnsses gesagt wird, ist demnach yabt sclbstver-»n vtimiuvy standlich auch als der wahre und richtige. Ausdruck der Bestrebungen das Recht, de- der Partei anzusehen. dieHalwng des. Die aanze Haltung des von Bebel, Liebknecht und «loties euizu Hepner redigirten„Bolksstaat" laßt über die republi- wirken," kanisch-revolutionären Tendenzen der Partei -Riefschaften"' keinen Zweifel; das ganze Blatt durchweht der Geist der Vai.iii. Nr. i». Revolution; für sie werden die Massen bearbeitet, zu �... dem Kampfe im Dienste der Revolution werden die um» Nummm. Masse» bereit gemacht. So heißt es im„Bolksstaat": des Betksstaatö.(Folgen AuSzuge.),(Schluß f.) Tie Wohuuugsmisöre des Berliner Proletariats. Durch die deutsche Bourgcoispresse läuft folgender Korre- spondenzartikel: „Berlin, 31. Oktbr. Zur Illustration der Wohuungsnoth geht der„B. B.-Ztg." folgende haarsträubende Mittheilung zu: Die Bewohner des großen dreistöckigen Vorder- und Hinterhauses Schill- straße Nr. 22 wurden Sonntag frühzeitig mit denr Besuche des Ere- kutors und einer Anzahl handfester Leute beehrt. Das Haus war seit dem 1. Oktober in andere Hände übergegangen. Die Kündigung war rechtzeitig geschehe», die Bewohner waren aber nicht ausgezogen, da sie keine Wohnung auszutreiben vermochten. Man sing nun an, sämmtliche Fenster und Thüren auszuheben. Dies veranlaßt« euren Theil der Bewohner nach einem nahe gelegenen Rohbau« überzusiedeln. Der daselbst angestellte Vizewirth vermielhele die Stuben k 3 bis 5 Thlr. monatlich mit dem Hinzusügeu, daß Fenster und Thüren selbst zu beschaffen wären. Acht Familien waren nicht so glücklich, ein Un- rerkommen zu finden. Diese bivouakiren an dem Zaune der ErbS- wurstfabrik. Der Dienstmann Nolte, der ebenfalls schon vor einiger Zeit exnrittirt wurde, schläft mit serner Familie seit 14 Tagen auf freiem Felde. Bettstellen mit Strohsäcken sind vorhanden, in denen zu gleicher Zeit mehrere Personen liegen, dem Anblicke des Publikums freigegeben. Ein Kind des Rotte ist bereits durch die Nachtlust schwer erkrankt nach der Eharitö befördert und dort an den Augen operirt worden. Eine Fsan, die vor einigen Tage» ihren Mann verloren, kauert zwischen einige» Kasten an der Erde mit ihren drei hungernden Kinder». Heute wird die Räumung der Hinterhäuser des bezerchnewn Gebäudes von seinen Bewohnern zwangsmäßig stattfinden, und dies« Wiese wird dann noch ein lebhafteres Bild des menschlichen Elends anfzuweisen haben. Als gestern Abend spät der Schreiber dieses die Stätte, welche den ganzen Tag über mit zahllosen Neugierigen besetzt war, verließ, erschien der Lieutenant des betreffenden Polizeirevier? und ersuchte die am Hause aufgestellten Posten, die ausgesetzten Fa- mitten wenigstens des Nachts noch im Gebäude schlafen zu lasten, waS aber abgelehnt werden mußte(?) da die Huler hierzu keine Erlaubniß ertheilen dursten. Daß es an harten Aeußerungen über unseren Magistrat nicht fehlte, ist wohl nicht nöthig hinzuzufügen." Der Korrespondent findet diese Thgtsachen„haarsträubend", freilich ohne zu wissen, daß durch das bloße Mitleid mit den Armen die sozialen Uebelstände nicht ausgerottet werden. Da- zu bedarf es vielmehr außer dem Herzen des Verstandes; dazu muß man erst begreifen, daß die Beschlagnahme des Grund und Bodens durch eine winzige Minorität die Majorität der schrankenlosesten Ausbeutung durch die Besitzenden preisgiebt.— Eine noch„haarsträubendere" Geschichte ist sicherlich fol- gende, die unterm 1. November aus Berlin gemeldet wird: „Eine ergiebige polizeiliche Razzia wurde kürz- lich auf der Feldmark bei Rixdors*) abgehalten. Es wurden, wie hiesige Blätter melden, aus drei Düngerhaufen 27 Individuell mäuulichen Geschlechts, darunter mehrere Gesuchte, aufgehoben und hier eingeliefert." Der CyniSmus, mit welchem diese traurige Begebenheit erzählt wird, kann den Leser nicht verwundern, wenn er hört, daß Braß, Bismarck's literarischer Hausknecht, es ist, welcher in der./Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" so schreibt.— Unter 27 Unglücklichen, welche in der kalten Oktobernacht in Düngerhaufen übernachten miisseli, bloß„mehrere" Gesuchte, also vielleicht drei, während die übrigen ganz unbescholten sind — ein solches Bild,„ergiebige polizeiliche Razzia" zu über- chreiben, dazu gehört das ganze Talent des Verfassers des Tyrannenblutfärberlkedcs, der seine naturwüchsige Anlage zum Rohen und Gemeinen hier geradeso wie in jenem 48er Stra- ßendemagogenliede bewährt hat, der— um uns eines ander- weit gebrauchten Ausdrucks zu bedienen,—„sich in guten wie in schlechten Tagen hundemäßig treu geblieben ist."— Die„mehrere Gesuchte" sind jedenfalls durch die gesellschaftlichen Zustände, mangelhafte Erziehung, Elend u. s. w., und wahrschein- (ich auch erst, nachdem st« sich nächtelang obdachlos umher- treiben mußten, also in der Roth der Berziveiflung, zu einer strafbaren Handlung getrieben worden; im Grunde genommen sind also alle 27 Individuen ohne Ausnahme bloß das Opfer des Unglücks.— Ohne den Grund der alleräußersten Roth läßt sich jene Geschichte gar nicht erklären, und zwar einer so krassen Roth, daß die erlangte Zuflucht in einem„Arbeitshause" wie ein Wonnezustaud dagegen erscheint.— Und wie sieht es im„Arbeitshaus"— dem „Ochsenkopf" in Berlin— aus? Wenn die Wohnungslosen nach 4tägigem Aufenthalt im„Ochsenkopf" sich noch keine andere Wohnung beschaffen können, dann werden sie„eingekleidet", d. h. als Gefangene des Arbeitshauses betrachtet und be- •) einem Dorfe bei Berlin. handelt, nach dessen Hausordnung sie zu arbeiten und zu leben haben.— Und glaubt man etwa, daß diese barbarische Be- Handlung schuldlos Unglücklicher von der Zuflucht in daS Ar- beitshaus abschreckt? O nein! Die Roth zwingt die Ob- dachlosen ins Arbeitshaus zu gehen, trotzdem sie im'Voraus wissen, was ihrer dort harrt.*) Es ist daher die mehr oder minder starke Frequenz des Arbeitshauses in Berlin ein ganz untrüglicher'Gradmesser der Wohnungsnoth und des Pauperis- mus daselbst überhaupt, denn die Wohnungsnoth ist doch be- kanntlich nur ein Ausfluß des allgemeinen sozialen Elends. Hören wir nun, was aus den amtlichen Verwaltungsberichten über das Arbeitshaus pro 1879 hervorgeht i Schon im Jahre 1870 ist die Zahl der als obdachlos eingelieferten Familien und Personen gegen die Vorjahre be- deutend gestiegen. Durchschnittlich wurden nämlich täglich 559 Personen, gegen'463 des Jahres 1869, also 95 Per- sonen täglich mehr verpflegt. Bemerkenswerth ist serner, daß von 158 Familien, deren Familienoberhaupt, der Mann, doch mit obdachlos geworden ist, nur 19 Männer bei ihren Familien blieben, das heißt mit ins Arbeitshaus kainen, wäh- rend sich 139 Männer von ihren Familien trennten, jedenfalls, um ihrer Arbeit nachzugehen. Es geht hieraus klar hervor, daß die abgeläugnete Wohnungsnoth in hohem Grade schon 1870 vorhanden war und im Steigen begriffen ist. Der Bericht gesteht zu, daß die mit dem Jahre 1867 zunehmende Obdachlosigkeit am 1. Oktober 1870 eine solche Höhe aNge- »ommen hatte— 46 Familien mit 126 Personen wurden „eingeliefert"—, daß große Besorgniß vorhanden war, bei dem nächsten Quartalswechsel werde dem Bedürfniß nicht ent- sprachen werden könneu. Es ist dies auch im April dieses Jahres eingetreten, und nur durch diedurchPrivatwohl'- thätigkeit gegründeten Asyle ist eine theilweise Abhülfe mög- lich geworden. Also die Arbeit ist nicht im Stande, die nö- thigsten Bedürfnisse des Arbeiters und seiner Familie zu be- friedigen, er verfällt der„Privatwohlthätigkeit", d. h. er wird Almosenempfänger, obwohl er arbeitsfähig ist. Dies ist das amtliche Eingeständniß des wachsenden Pauperismus im Jahre 1870. Was wird der Bericht über das glorreiche „Gnadenjahr" 1870 sagen? Zu deu Hirsch-Tuncker'schen Etnigungs-Aemtern.**) Wir haben im ersten Artikel den Nachweis geführt, daß das Schiedsgericht des Glauchauer Webe, tags etwas ganz Anderes ist als die Hirsch-Tuncker'schen Einigungsämter, sowohl der in- neren als der äußeren Beschaffenheit nach. Namentlich betonten wir, daß die Einigungsämter von der(von uns geläugneten) Möglichkeit der„Beseitigung aller bestehenden Differenzen auf gütlichem Wege ausgehen", und die Thatsache außer Acht lassen, daß ihnen die Macht, ihren Beschlüssen bindende Kraft zu verleihen, vollständig fehlt. Ist somit die Grundidee dieser Einigungsämter eine absolut falsche und unausführbare, so ist es kaum nothwendig, auf alle Einzelheiten des Musterstatuts einzugehen. Einige hervorstechende Züge desselben mögen als Probe genügen. 1) Die Mitglieder des Einigungsamtes sollen(nach§ 2) *) Jüngst haben einige Insassen des Arbeitshauses, deren Be- i Handlung seitens der Hauspolizei eine die schlimmsten Erwartungen der Unglücklichen übertressende wqr, Feuer im Hause angelegt, um, infolge dieses Verbrechens, in das gelindere— Zuchthaus zukam- men. So konstatirt in der Gerichtsverhandlung. Achnliches kommt in den englischen Workhäusern nicht selten vor. Die Bourgeoisie ist sich eben überall gleich! sie erkennt es als ihre Pflicht an, für die Armen zu sorgen, erfüllt aber diese Pflicht mit einer so raffinirten Grausam- keit, daß die Armen es vorziehen, ins Gefänguiß zu gehen, wo sie bessre Nahrung finden und bcssre— Behandlung, ein drastischer Beweis dafür, daß in der heutigen Gesellschaft die Armuth daß größte aller Vrbrechen ist.... ") Wir habe» der„Volkszeitung" in voriger Nummer Unrecht gethan, als wir sagten, daß sie uns auf unsre Anfrage(„wann der .'.Vollsstaal" auf die Einigungsämter„geschimpft" habe") nickt ge- antwortet hätte. Die gewünschte Antwort befindet sich in der„Volks- zeitung" von 15. November— wir hatten dies leider übersehen— und lautet:„Volksstaat Nr. 89, Äolumme 3. Spalte 2, Zeile 21 u. f. w."— Da soll also„geschimpft" sein! Hr bii-u! Wir schlagen die betrejscnde Stelle nach und finden eine von uns verfaßte Einleitung zu dem Aufruf der Berliner OrtSvereine zu Gunsten der Einigungsämter, die wir— um zu zeigen, was die„Vollszeitimg"„schimpfen" nennt— hier wiedergebe»«ollen, mit dem Bemerken, daß die durch Anfllhrungs- zeichen(„") gekennzeichneten Stellen dem gedachten Ausruf der Orts- vereine selber entlehnt sind. Folgendes also so« nach Ansicht der »Volkszeitung"„geschimpft" sein: � � Hallelujah! Die Lösung der sozialen Frage ist entdeck, I Der Stein der Weisen gefunden!' Und zwar, gleich allen großen Ent- deckungen, zeichnet sich auch diese durch wunderbare Einfachheit aus. Man„setzt sich um einen Tisch zusammen"— voilk tout(das ist Alles). Ob der Tisch von„begeiftetem Fichtenholz" ist und„gerückt" wird; ob Hodgson-Pratl'scher Lranckx null watarf) darauf zu steh» hat oder nicht— das ist noch dahin gestellt. Genug: man— nem- lich„Vertreter" der Arbeitgeber und Arbeitnehmer(alias Arbeiter) „setzen sich von Zeit zu Zeit um einen Tisch zusammen", und das „neue Wiedertäuierreich" ist in der Geburt erstickt, das„Netz des Kommunismus" zerrissen, und„Friede und gegenseitige Forderung herrscht zwischen Meistern und Arbeitern"— genau so, wie im Mutterland England, wo die böse sozialdemokratische Praxis der Stritemacherci bekanntlich zu den„überwundenen Standpunkten" gehört. Wer'? nicht glauben will, der lese nachstehendes Circular der Hirsch- Duncker schen Harmonieapostel, da steht's schwarz auf weiß.' Es folgt nun der Aufruf der Ortsvereine, welcher außer einer sehr ungeschickten Apologie(Vertheidignng) der Einigungsämter(siehe besonders die m ihrer Art klassifche Stelle:„Der allein richtige Weg zur Entscheidung gleichberechtigter Interessen ist das Emigungsamt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer niüsfen eine Anzahl Vertreter wählen, die sich von Zeit zu Zeit um einen Tisch zusammensetzen und die scheinbar fumigcn Interesse besprechen") eine noch plumpere Denunziation der Sozialdemolratie enthält, z. B., daß die letztere„unr bezweckt, den Boden deS Baterlands mit Trümmern zll beedecken, aus denen sie ihr neues Wiedertänferreich errichten will— hl derThat aber nur die Säb elherrschast gründet."— Wir glauben e« den. Unheile selbst das zartstsühlenden Kritikers überlasstu zu dürfen, ob unsere oben citizte Einleitung des gedachten Denuiiziationsmachwerks ein„Sckimpsartikel" ist oder nicht. Nicht '.geschimpft" haben wir, sonder» jenk Stribelei bloß lächerlich ge- wacht und dazu hatten wir ein Recht. Nicht bloß das Recht der Noch- wehr gegen den böswilligen Denunzianten, sondern das Recht, den Gegner mit seinen eigenen Worten zu schlagen. Das haben wir gethan; unser Raisonnemenr beruht lediglich auf Citateu aus dem Ortsveroios-Aufms;»venu die.Aolkizeituitg" diese als„Schimpfe- rei" gekennzeichnet haben will,— dann mag sie Recht häbeul t) Hvdgson- Pratt war bekannllich daS Mitglied des Lausanner FriedeiiSkonaresses, welches zur Lösung der sozialen Frage Kneipabende anempfahl, an welchen Bourgeois und Proletarier gemeinsam ch-U- nchmen sollte«. ein ganzes Jahr lang amtiren. Wenn nun die Wähler sich in ihrem Vertrauensmanne getäuscht haben, so sind und bleiben sie demnach ein ganzes Jahr lang verkauft und verrat heu. Zum Mindesten müßte doch die augenblickliche Abberufung des Vertrauensmannes seitens der Wähler allezeit gestattet sein! 2) Einigungsämter, deren Existenz von irgendwelchem prak- tischen Nutzen sein soll, müsien vor allem eine rasch operirende Maschine sein. Dieses Hanpterforderniß wird aber durch das Musterstatut geradezu ironisirt, welches letztere(s.§ 6) eine vierteljährliche Versammlung des Eimgungsamtes zur Erledigung der Geschäfte festsetzt und die Anberaumung einer außerordentlichen Sitzung auf die Zeit von acht Tagen hinausschiebt� nachdem 3 Mitglieder des Einigungsamtes die außerordentliche Sitzung für nothwendig erklärt haben.— Wenn demgemäß die Arbeiter einer Fabrik am 1. des Monats mit ihrem Arbeitgebe.' über eine Lohnerhöhung unterhandeln, aber nicht einig mit ihm werden und die Angelegenheit am 2. dem Einiguugsamt übergeben, so hat der Fabrikant 8 Tage Zeit, um, für den Fall, daß das Einigungsamt gegen ihn ent- scheidet, sein Haus zu bestellen. Innerhalb der 8 Tage kann er sowohl Arbeitskräfte von auswärts sich parat stellen lassen, für die Eventualität, daß er ihrer bedarf, als auch mit seinen Geschäftskunden über Aufschub des Licferüngstermins unterhandeln. Kommt nun der 9. des Monats heran und das Einigungs- amt entscheidet gegen den Fabrikanten, so kann er einfach sagen:„Ihr Herren habt mir nicht das Mindeste zu befehlen! Unv Eures Raths oder Eurer Vermittelung bedarf ich ebensowenig; denn, ich brauche blos nach N. zu telegraphiren, so sind die 100 Arbeiter, welche mir meine Agenten seit 8 Tagen kündbar angeworben haben, morgen hier am Platze. Wenn meine Arbeiter also, da ich ihren Forderungen nicht nachzu- kommen in der Lage bin, striken wollen— nun, meinetwegen! Ich habe andere Arbeiter!"— So wird durch dieses Ei- nigungsamt, welches eine Angelegenheit, die einer möglichst raschen Erledigung bedarf, auf die lange Bank schiebt, und ö Tage wartet, wo es in 2, höchstens 3 Tagen schon gehandelt haben müßte, das Interesse der Arbeiter auf's Höchste gefährdet. Um wie viel besser sind doch dieselben heute daran, wo sie durch einen plötzlich ausbrechenden Strike, von dem der Arbeitgeber vorher keine Ahnung hat, diesen über- rumpeln und zum Nachgeben zwingen können! 3) Dem demokratischen Prinzip ist in dem Musterstatur geradezu mit Fäusten in's Gesicht geschlagen: es sollen(nach § 5) die beiden Vorsitzenden je ein Arbeitgeber und ein Ar- deiter sein und(nach§ 8) abwechselnd den Vorsitz führen. Bei Stimmengleichheit soll aber der Vorsitzende eine doppelte Stimme haben.— Wenn nun heute die Fabrik Schulze und morgen die Fabrik Müller vor das Einigungsamt citirt ist, welche beide ganz egale Streitpunkte mit ihren Arbeitern haben, so kann durch das Spiel des Zufalls Folgendes passiren: In der Angelegenheit Schulze giebt heute der Vorsitzende, welcher grade ein Arbeitgeber ist, seine Doppelstimme zu Gun- sten des Fabrikanten ab. Wenn morgen die Angelegenheit Müller, welche sich von der Schulze' scheu in nichts unter- scheidet, zur Verhandlung kommt, ist der erste Vorsitzeude gerade krank und der zweite, ein Arbeiter, giebt seine Doppelstimme zu Ungunsten des Fabrikanten ab.— Und einem Gericht, dessen Unheil einem so w?chselfälligen Schicksal unterworfen ist, söll man sich anvertrauen?— Doch setzen wir einen noch schlagenderen Fall, und gerade den, um welchem es sich hauptsächlich handelt': Rehmen wir an, es sei eine Differenz zwischen Arbeitern und Arbeilgebern aus- gebrochen, die, wenn nicht beigelegt, zu einem Strike führen muß. Das Einigungsamt versammelt sich. Der Vorsitzende� ein Arbeitgeber, und Verehrer der Harmonielehre, be- weist den Arbeitern, daß sie in ihrem wahren Interesse, im Verstandniß der Harmonie, sich unterwerfen müssen';"und, obschon die Arbeiter sich auf die Hintersüße stellen und von Strike reden, setzt er vermittelst seines Doppolvoiunis einen Beschluß im Sinne der„Harmonie" durch. Gut. Nächsten Tag, oder, unsertwegen auch erst nächste Woche, versammelt das Einigungsanrt sich wieder. Diesmal präsidirt ein Arbeiter. Die' betreffende Differenz wird wieder zur Sprache gebracht. Die Arbellgeber protestirep gegen die Wiederaufnahme der Sache, die in der vorhergehenden Sitzung bereits„harmonisch" erledigt worden sei. Hilft nichts. Die Arbeiter sind störrisch, der Vorsitzende entscheidet zu ihren Gunsten der Gegenstand wird von Neuem auf die Tagesordnung gesetzt: die Arbeit- geber predigen„Harmonie", die Arbeiter bestehen darauf, sich nicht länger„harmonisch" ausbeuten und maltraitiren zu laffen. Ein Antrag auf Strike wird von den Arbeitern gestellt; die Arbeitgeber protestiren. Ihr Protest wird aber durch den Vorsitzenden für unberechtigt erklärt— es kommt, zur Ab- stimmung: und Dank der Dovpelstirnme des Vorsitzenden, der heute ein Arbeiter ist, erklärt sich die Majorität für Pen Strike, also gegen die„Harmonie." Die Arbeitgeber pro- testiren nochmals, es sei statutenwidrig, einen einmal gefaßten' Beschluß umzustoßen, die Arbeiter antworten, jede Versammlung von Männern habe zu jeder Zeit das Recht selbstständiger Entscheidung; keine Gesellschaft,»oie kein Mensch, sei unfehlbar, man könne seine Meinungen und folglich auch seine Beschlüsse ändern, überdies handle es sich hier nicht um veränderteMeinnygen, sondern bloß um den Ausdruck der Thatsache, daß die Majori- tät von gestern(oder voriger Woche) heute Minorität sei �— die Minorität solle sich„harmonisch" fügen. Das fällt ihr aber nicht ein: Die Arbeitgeber sind, wo es sich um die Praxis handelt, so„unharmonisch", auf die Harmonietheorie zu pfeifen, und, das Klaffeninteresse voranstellend, geben sie nicht nach; die Arbeiter desgleichen und schließlich— löst sich das Ei- nigungsamt im Wohlgefallen auf— wir wollen bloß hoffen, ohne Anwendung der Lasker-Tölcke'fchen Knüppels. Und damit Gott besohlen, lieber Max!— Aus Paris. (Der„Frankflirter Zeitung" entnommen.) Alles ist einem unerträglichen Interim*) unterworfen, von dem man nicht weiß, was daraus werden soll. Die Republik besteht, doch ob sie noch lange bestehen'wird und welcher Art, ist bis jetzt trotz aller Fortschritte des republikanischen Gedankens *') Zwischenzustand. nur ein Wunsch. Bezüglich der Industrie aber läßt sich selbst kaum von einem Interim sprechen, denn dieselbe liegt arg darnieder und leidet nicht nur noch. an den Folgen der beiden furchtbaren Krisen, des Kriegs mit der Belagerung und der Kommunezeit, sondern sie muß für den Augenblick auch einen ganz bedeutenden Theil ihrer intelligentesten Arbeiter entbehren, welche zuTalisenden— allein 12,000Schuhmacher und 6000Schneider— in den Seehäsen und in Salory*) einem sich unendlich hinausschiebenden Urtheil entgegensehen. In Parenthese gesagt, erscheint es für die Versailler Regierung nicht gerade schmeichel- Haft, daß ein so bedeutender Theil der intelligenten Pariser Bevölkerung durch die Commune kompromittirt ist. Was nun aber Kunst und Wissenschaft und das, was man speziell unter„Pariser Leben" versteht, anbetrifft, so jherrscht auch hier ein Interim, für welches eine sehr baldige günstige und endgültige Aenderung zu wünschen wäre. Auf den Bon- levards wimmelt's wieder von grevös**)(oder petita gras, wie man jetzt sagt) und Kokotten; die Theater leben von Reprisen***); die Schandpreffe des zweiten Kaiserreichs, als „Figaro" und„Gaulois", nebst neugebornem Nachwuchs, wuchert in alter Ueppigkeit, und Mabille und Valentino-s-) haben ihre lichtbe- strahlten Hallen wieder klafterweit geöffnet.—— Das vornehme Paris, das Paris der Börscn-Spekulations- und Vergnügungswelt lebt von den Traditionen des Kaiser- reichs und das niedere Paris, das Paris der Vorstadtbewohncr, der Arbeiter und des Kleinbürgers ist snoch ganz erfüllt von der Eriinnerun'g an die Kominune. Eigenthümlicher Weise machen in diesen Kreisen sogar die Sympa- lhien für die Kommune großeForlschritte. Eine- be- zeichnende Erscheinung hierfür ist, daß man die Kommune im Volksmuno schon lange von den mit ihrem Todeskampfe zu- sammenfallenden Greueln reingewaschen hat. Immer allge- meiner wird die Ueberzeugung, daß die Kommune durch tirch- liche und politische Reaktionäre theil- verleumdet, theils mißbraucht worden ist. Man erinnert daran, daß sich did Versailler von vorne herein nicht gescheut haben, einige der schönsten und reichsten Stadtviertel von Paris, wie auch den Triumphbogen in Trümmer zu schießen. Weiter' hat sich her- ausgestellt, daß viele der zum Beweis gegen die Kommuste die- nenden Dokumente— von denen nur zwei oder drei. als offi- zielle Befehle zur Jnbrandsteckung öffentlicher Gebäude ausge- legt werden können— g efälscht sind. ZUM Schluß aber haben selbst reaktionäre Blätter die Unvorsichtigkeit gehtcht, dtii Preußen mit in'sSpiel zu ziehen, und so erscheint es Bielen als ausgemacht, daß jeder anderen Partei, ausgenommen der Kommune, die Verantwortung der Verwüstung von Paris aufgebürdet werden müsse. Freilich giebt es auch Leute, welche nicht daran zwdifeln, daß die Kommune Paris zerstöreü wollte, aber nicht Alle er- gehen sich darum in Flüchen und Verwünschungen. Sie suchen die Ursachen des Furchtbaren zu erkennen. Gewiß, sagen sie, die Ereigniffe waren entsetzlich, grauenhaft, aber ist es zu ver- wundern, wenn das Volk, welches sich noch in jüngster Zeit aus in der Thal für seinen Verstand unbegreiflichen Gründen von seinen sogenannten legitimen Leitern und Beschützern hat in einen Krieg führen lassen müssen, in welchem sich Dinge wie Jnbrandschießung von Städten, Erschießung von Geißeln, ja von Frauen und Kindern u. st f. jeden Tag ereigneten— also wenn das Volk, welches dieses Alles hat anschen und er- dulden müssen, nun zu dmsekbcn Mitteln greift, um zu einem ihm sehr begreiflichen Zweck, d. h. zur Verbesserung seiner erbärmlichen Lage und zur Erreichung eines ihm vorschwebenden Glückes zu gelangen? Doch, wie gesagt, ist das Paris der Commune in nächt- liche Schatten gehüllt � und darf vorerst nicht wagen, sich i»r einem Hellern Lichts zu zeigen. Denn noch ist dir schon mehr-- mcils angekündigte Aufhebung des Belagerungszustandes nicht erfolgt, und noch hängt das Dcunvklesschwert der wachsamen Polizei, über der geringsten verdächtigen Bewejjung. Ausruf an dir Mitglieder der Jnteruationale« Ge- werksgeuossenschaft der Schuhmacher und verwandte» Gewerkt. Bürqer! Da jetzt die Gemüther wieder ruhiger sind nachBeendignug des gewaltigen und blutigen Kampfes zwischen Deutschen und Fran- zofeu, müssen wir mit verdoppeltem Euer auch wieder für die Prin- zipien und die Organisation unserer ÄewerkSgelwfsenschast, für die Emanzipation de« arbeitenden Voltes eintreten. yu Es ist leider nicht genug, daß die Lasten eines jeden Krieges i« erster Linie auf die unteren Volksschichten, auf de» Arbeiterstand ge- wAzt werden; e« wird unS auch zugleich die Möglichkeit genommen, während der Dauer de« Krieges für die gemeinsame Sache des Pro- ietariats mit Erfolg zu arbeilen. E« ist daher dringend nöthig, daß wir au« solchen Ereignissen die Lehre ziehn:„die Arbeiter müssen sich vereinigen, sich klar' ihrer In- teressen bewußt werden; wenn dieses, erreicht ist, wird solche Störung aller gewerblichen Verhältnisse und solch ein« Austieulurig zu Gunsten der privilegirten Klaffen nicht mclw möglich seig, sondern friedlich werden die einzelnen Glieder der Gesellschaft, sowie die verschiedenen Nationen neben einander leben und nur mit den Arbeiten des Geistes und der Hände wetteifern.";" Um zu diesem Ziele zu gelangen, muß. vor Ätlsm unsere Gewerkschaft groß und stark»Verden; die in unserm Geschäfte noch vorhandene 12— Ittstündige Arbeitszeit muß einem Normalarbeiistag von lOSmude» Platz machen, damit wir Zeit für unsere geistige Ausbildung bekommen. Wir müssen serner dafür sorgen, daß die Organisation von Kranken.- und Jnvalidenkassen kräftig veranschreite, denn gerade an diesen Institutionen hat selbst derjenige Arbeiter ein Interesse, welcher noch nicht von dem Geiste unserer Prinzipien beseel, ist,»md dienen die gedachten Kassen bei richtiger Anwendung al» gewaltiges Agirationsmiltel. Wir müssen durch fortwährenden Zuwachs von neuen Mitgliedern dahin gelangen, daß unsere Kassen gefüllt,»ud dadurch Produktiv« Assoziationen ins Leben gerufen»verdeu, durch deren dereinstige Inangriffnahme seitens des Staat» allein eine gründliche Hülfe herbeigeführt werden kann.: Es muß enilich von Seiten aller unserer Mitglieder eine rege, lebendige-Bethätigung am politischen Leben obwalten, deu« nur durch das Errmgen politischer Rechte und Ausübung derselben können wir auf dem sozialen Gebiete mit Erfolg arbeilen. Unh nun, Gewerksgenossm.der Schweiz und Deutschlands, chasst fleißig im oben angedeuteten sinne; je mehr ivir, sehen, daß unsere Sache vorwärts geqt, um so freudiger werden wir unser Amt verwalten. Im Austrag des VerwalmngSrath«: Zürich. Wilhelm Dahl, Vorsitzender, Kuttelgasse 5.f ') Wo die Kommunegefangnea lebendig verfaulen. '*) Zierbengeln, die sich Mätressen halten, initnifter auch von ihnen gehalten werden; Kokotten,—.Dirnen, Mätressen.— Unter der Herrschaft der Kommune war dieses Gesindel der Bourgcoiswelt be- kanntlich nach Versailles, zu den Rettern der Gesellschaft und der Fa- milie, ausgewandert.***) altem Abhub. t) Zwei Sammelorte der Oemimond« und ihrer„honneten" Ver- ehrer; zu den Zeiten der Kommune waren diese Lokale geschloffen Auch in Dänemark hat die Internationale Wurzel ge-! Betheiligten gesetzlich einzuleitenden Strafverfahrens, bis zur ergehen faßt. Die Kopenhagen er Sektion nahm am 20. d. auf einer: den. richterlichen EMMdung für g-schwssen. Zugleich mache ich da- !.< j. t t j.. c» r v c r* ca z r nv! raus ausmerkiam, datz durch< 16. al 2 des Vereinsgesetzes Derjenige zahlreich besuchten Versammlung folgenve Resolution an:„Die ,v!lchcr sich bei einem auch nur vorläufig geschlossenen politischen Ver- Arbeitsniederlegungen sind allerdings ein gesetzliches Mittel,-ine als Mitglied serner belheiligt, mit Geldstrafe van 5 bis 50 Thlr. um eine Verminderung der Arbeitszeit und eine Erhöhung des oder Gesängnißstrafe von S Tagen bis zu 3 Monaten belegt ist. Arbeitslohnes herbeizuführen� doch sind sie so lange unzweck- �"vgermeifiet mäßig, bis nicht„Slrikekassen errichtet sind. Ferner hält Leipzig. Am 19. d. M. konstiiuirten sich die hiesigen Blaser- die Versammlung eine achtstündige Arbeitszeit für ange-.und Bötichergehülfen, und zwar jedes dieser Bemerke ätsselbstän- mesieil, will- sich indeß vorläufig auf di-Agitation für die! vige Sektion der internationalen Gewerrsgeuosseuschafr der Holz- zehnstündige beschränken." Einer Erklärung Beb els in der„Deinokr'atischen Zeitung" über die bekannten Verläumdungen seitens des„Reuen Sozial- demokrat" entnehmen wir Folgendes: Vor drei Jahren machte ich den Versuch, den wegen gemeiner Vergehe»»er bürgerlichen Ehrenrechte verlustig gewordenen Urheber jener Berläumdung, Herrn Zölcke, zu verklage». Der verstorbene Rechtsanwalt Herr Hirsemenzel lieg mir erklären, daß auf Grund jener Anschuldigungen eine Klage mit Eriolg nicht möglich sei, weil die Richter auf Grund des Gesetzes keine Berläumdung darin erblicken würde», denn die Lehauptuug, im Solde des Exkönigs von Hannover zu stehen und 600 Thlr. jährlich von demselben zu beziehen, enthalte au n»d für sich nichts Ehrenrühriges. Ich erklärte hierauf im„Vvlksstaat", daß ich in Folge dieses außer Stande sei, die gewünschte .nlage anhängig zu machen, richtete aber gegen Herrn Tölcke nun meiner- svls die deutbar schwerste Beleidigung und forderte ihn auf, nunmehr mich zu verllagen und zu beweisen: daß er ei»„Schuft", wie ich ihn genannt, nicht sei, indem er gegen mich sür die von ihm gemachte Behauptung den Beweis der Wahrheit antrete. Herr Tölke fand sür gut, die Beleidigung einzustecken,»nd nicht zu klagen. So steht die Äache bis heute, wo der„Neue Sozialdemokrat", seiner Natur eulsprechend, es angemessen findet, die alten Lügen, wieder aufzutischen. Ich gönne ihm das Vergnügen. Eine Thatsache will ich ausühren, die manchem Bethörten die Augen öffnen dürfte. Letzten Sonnabend sprach ich im Strikeverein der Sattler über die soziale Frage. Der Generalstab des„Reuen So- zialdemolrat", unter Leitung eines sogenannten Literaten Namens Hassel- mann, Redakteur des erwähnten Blattes, kommandirte denselben, und man versuchte nach meinem Vortrag in der Debatte, mich unter allen llmftänden moralisch zu vernichten.' Der Versuch mißlang vollständig und die Herren mußten mit langer Nase abziehen. Am Schluß der Bersainmlung kam ich in ein Wortgespräch mit den Mitgliedern des Generalstabs, den Herren Zielowsty und Ftyn; ich warf ihnen das Ungerechte ihrer Kampsweise vor und siehe da, Beide erklärten, wie aus einem Munde: sie uilisttc» uns bekämpfen, denn, würde eine Einigkeit zwischen der Sozialdcniokratie heute hergestellt, so schreite invrge» die Regterung mit aller Macht ein, um sie zu unter- »rücken. Ostener ttin» man wahrhaftig nicht sein. Bewußt nnd mit Vorbedacht arbeiten also diese Herren auf die Spaltung los und damit der Regierung in die Hände; mehr z» wissen, ist nicht nötbig. Berlin, den 21. November 1671. A. Bebel. In der„Deutvkratischcn Zeitung" vvin 25. Nov. finden wir folgende Erklärung: Die Eudesunterzeichnete» ehemaligen Mitglieder des Allgemeinen Deutsche» Arbeitervereins, jetzige Mitglieder der sozialdemokratischen Ar- beilerpartei lEisenacher Programms), erklären Namens sämmtlicher Breslauer Sozialisten die in Nr. 60 und 61 des„Neuen Sozialde- mokraten" enihaltenen Angrisse gegen die Beamten der sozialdemo- lratischeu Arbeiterpartei für infame Verläumdungen. Sie fordern die Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins auf, die Verfasser jener lügenhasten Artikel, welche das große Einigungs- werk unsere« am hiesigen Orte ruhenden unsterblichen Lehrers und Agi- tator» F. Lassalle aus so perfide Weise zu hintertreiben suchen, aus der Redaktion ihres Vereinsorgons zu entfernen. Breslau, den 20. November 1871. I. Schell, F. Helbich, E. Isaak, E. Wurche, W. Rhein, H. Scheil, W.„Sripfe, H. Krimichen, W. Heinerl, M. Kaiser, S. Farber. Das Parteiorgan erhielt dieser Tage von verschiedenen Milgliedschaften Zustiminuugserllärungen zu dem Verhallen Beb els im Rcichslag. Wir glauben, daß eine Verösientlichuilg dieser Erklärungen, welche sehr viel Raum in Anspruch nehmen würde, überslüssig ist, zumal in Äezug auf diese Angelegenheit innerhalb unserer Partei leine Meinungsverschiedenheit, herrscht. Eharakleristisch für die Zustände im„neuen Reich" ist fol- gender Bericht über die in letzter Nummer schon gemeldete Verhaftung Schmidt's: -Herborn, 21- Novbr. Unser, Parteigenosse Wilh. Schmidt, welcher stühei bin Gegnern in Wiebbaden und Mainz oft inS Auge geschaut, auch'W 2 Jahren die Agitation iu Holstein betrieb, wurde heuie Abend 7 Uhr durch die Staatsanwaltschaft von Dillenburg ver- hastet. Hierzu war nöthig ein ganzer Apparat von Beamten, Gens- barmen, Polizetdiener» jc. Der Grund ist, so viel uns bekannt, folgen- der: Durch tue großartigen Polizeimaßregelungen, denen wir ansge- fetzi süld, nämlich: daß sämmttiche Buchdrucker und zugleich Be- sitzer der Lokalblätter hier und in Dillenburg durch die Polizei veran- laßt wurden, keine Annonce sür uns m ehr aufzuuehme», keine Plakate sür uns zu drucken, sogar daß die Wirthe ver- aulaßt wurden, ihre Lokale zu unseren Bersammlungen zu ver- weigern*), sahen wir uns veranlaßt gefiel n Abend eine ösiemliche Bollsversammluiig auszuschreiben mit der Tagesordnung: Das Ber- eins- und Bersamialimgöicchll Schmidt kritisirle in dieser Bersamm- ung da» Versahren der Polizei rn hiesiger Gegend, sowie das Auf- treten„Lasterchens' mi Reichtstag Bebel gegenüber. Da durch Verfügung der hiesigen Polizeibehörde, welche deiliegt, unsere Partei- mugliedschost alS Verein betrachtet und in Folge dessen aufgelöst wurde, veennlaßte�unser Parteimitglied Schupp, in dieser Veisammlug zu erklären, daß diese« verfallen ungesetzlich sei, indem wir hier kemen Verein bildeten, sondern nur Mitglieder einer über ganz Deutschland verzweigten Partei, und daß sich Niemand vor der Polizei zu scheuen braucht unserer Partei beizutreten. In Folge dieser Aujjorderung schloß de» Bürgermeister- Stellvertreter, I. G. Hoismann von hier, die. Versammlung. Dieser Hostmann, 1848er Demokrat und als Pamphlettst in jener Zeil oftmals in Untersuchung gewesen, aber heule Nattonalliberaler reinpen Wassers, entblödete sich nicht, Schmidt in der gestrigen Versammlung zu erklären: Die Behörden legten die Gesetze aus nach ihrer Ansicht und hätteir ein Recht dazu. Wir find mit Ausnahme einiger Mitglieder neu in der Be- weguug, besitze» aber den Mmh Derjenigen, die semer Zeit„Lassalle auf den Kitiecu geschworen", und werden nie verzagen, trotz aller Po- lizeimastwgeluagen, sondern dieselben werde» uns zu neuem Kampf au- jporncn. Wir glande», daß wir einen Kampf hier durchfechten, der in Preußen noch nicht vorgekommen, wenn man bedenkt, daß, wenn wir nur auf ein gewöhnliches Dorf gehen, die Polizei deS ganzen Kreises uns folgen muß. Die hiesige» Parteigellosseir. fDie oben erwähnte Bekanntmachung lautet: Herborii, den 17. Novbr. 1871. Da eS erwiesen erscheint, daß Hierselbst unier dem Namen„Sozial- demokratische Arbeuerpanei" ein Verein begründet worden ist, welcher mit anderen Vereinen gleicher Art zu gememjämell Zwecken durch Aus- schüsse resp. Eentralorgane in Verbindung steht, so erkläre ich hiermit aui Grund des � 8. al. 2 der Verordnung vom 11. März 1850 über die Verhütung eines die gesetzliche Freiheit und Ordnung gesährdeudeu Mißbrauches des versammlungs- und Vereinsrechres den bezeichneien hiesigen sozial-demokratischen Ardeiterverein, vorbehaltlich des gegen die *) Dies scheint nachgerade zur Preußischen Justitutiou werde» zu wolleit, In Berlin, Breslau und zahlreichen andere» Orten sind .unsere Parteigenossen dieser Art von Maaßregelung ausgesetzt D. R. d. V. arbeite». Von der Ueberzeugug gedrängt, daß es»oihwendig sei, an Stelle der Zerrissenheit eine feste Bereinigung zu setzen, fand man die Organisation der Internationalen Gewerksgenossenschafr der Holzarbeiter für die beste und wurde desbalb der Beschluß gefaßt, derselben beizutreten. Doch glaubte mau die Jnteresie» ver einzelnen Gewerbe noch besser wahren zu können, wenn man zugleich für diejenigeu Branchen, deren Mitgliederzahl stark genug ist. selbständige Sektionen formirt, je- doch in der Weise, daß dies der aesammten Organisation nicht hinderlich wird. Es wurde feiner beschlossen, den Arbeitsnachweis durch die Sektionen iu die Hand zu nehmen und die Einrichtung der englischen Rufhäuser*) zu acceptiren. Der Entschluß, der Gewerrschast der Holzarbeiter beizutreten, ver- dankt sein Entstehen der Ansicht, daß es unmöglich sei, einen, isoiirien Verein der Glaser, desgleichen der Böttcher, zu gründen, welcher im Stande wäre, bei ausbrechenden Konflikleir mit den Arbeitgebern den Arbeitern I.uchh.:l!:ge lkiiterüützuiig zu gewähren, daß dies aber mög- lich sei iu einer Organisation, die a l l e Holzarbeiter in sich ausnimmt. Ferner sagte mau sich, daß es einem Verband der Glaser oder Böttcher unmöglich sei, seine verbinduilgen auch auf kleinere Städte fori- zupflanzen, in denen sie doch nur iu geringer Zahl vertteien seien, wohl aber sei es möglich, eluen Zweigverein der, iu allen größeren Städten Deutschlands besichenden In!e> nationalen Gewerkschaft der Holzarbeiter zu gründen, da dieselbe alle Holzarbeiter in sich ausnehme nnd selbst Arbeiler anderer Bernfszweige, welche an ihrem betresjenden Orte keine eigene Gewerkschaft gründen können. Man sah ein, daß die Interessen aller Holzarbeiter solidarisch sind, indem Einer für Alle nnd Alle für Einen eintreten Müssen im Kampfe sür die Rechte des Arbeiters.— Wir finden oielfach, daß wenn eine der Branchen im Kampfe mit den Arbeitgebern die Arbeit niederlegte, leider verwandte Gewerbe die Arbeit weiterführten, bis die sciernden Arbeiler durch Hunger ge- zwungeir waren, wieder zu ihrer Arbeit zurückzukehren. Dies wird aber nicht mehr möglich sein, wenn ein festes Banh alle Holzarbeiter in den GeweikSgenossenschaften umschließt. Noch größer und erhabener aber wirkt das Bewußtsein auf de» Arbeiter, einer großen Organisation anzugehören. Die als eine geschlossene Masse hinter ihm steht, bereit, gegen jedes ihm angelhane Unrecht Front zu machen. Jene Bchaiidliiug aber, die sich der Arbeiter nur zu oft von Dem muß gefallen laste», dessen Taschen er mit seiner Hände Arbeit füllt, jene Behandlung, die eines freien Mannes un- ivürdig ist, sie wird ganz bestimmt eine andere werden, wenn der Ar- bcitgeber sieht, daß man es nicht mehr mit dem Einzelnen zu thun Hai, sondern daß die geschlossene Masse von Tausenden hinter dem Arbeite» sieht, entschlossen, ihm Recht zu verschassen. Die Mitglieder der beiden Sektionen fordern nun hiermit die Kollege» ihrer Gewerbe, sowie alle Holzarbeiter Deutschlands auf, sich der Jnteruationalen Gewerksgeuossenschaft der Holzarbeiter anzuschließen und, wenn die Größe der Mugliederzahl darnach ist, selbständige Sek- lionen der einzelnen Branchen zu sormireu. Wir glauben durch Bildung von Sektionen dem ganzen Eniwicklmigsgange der deutschen GewerkS» genossenschafien neue Bahnen erösinet zu habe». Holzarbeiter Teutschlands, vereinigt Such! Eingedenk Eurer hohen Pflichten, die Ihr Euch und Euren Ge- uosten schuldig seid, jener Pflichten der Solidarität, welche alle Die- jenigen zwingt, sich zu vereinigen, die heute noch unter dem Sklaven- joch des Kapitals keuchen und ein elendes Leben dahin schleppen, gebt Euch nicht der eitlen Hoffnung hin, daß Euch eure Unterdrücker diese Fesseln von selbst abnehmen, unter denen Ihr entmenscht werdet. Seid Männer mit eisernem Willen und zerbrecht die Kelten, welche Euch drücken. Andere Hülfe giebt rs nicht. Ihr aber, die Ihr noch glaubt, eine etwas bessere Stellung zu behaupten, die Ihr noch nicht in den Abgrund de« allgemeinen Elends binabgezogen seid— auch Ihr seid Lohnsklaven; hoffet nicht, daß Ihr Euch und Eure, wenn auch vorläufig etwas bessere Stellung erhalten könnt. Bedenkt, daß wir im Zeitalter der Dampsmaschinen, der Eisew bahne» und der siekirischen Telegraphen leben, und daß Ihr zu ohn mächtig seid, das schnell ireibende Rad der Zeit auszuhalt-u; unaufhaltsam wird es Euch mir fortreißen in jenen Abgrund, in dem Eure Brüder zum größten Tbeil schon schmachten. Abmt unser Beispiel nach!— Tretet ein in unser» Bund und schließt den eisernen Zirkel fester. Unorganisirt sind wir lliichr«—»r< ganisirt sind wir Alles! I. A. B. Schräder. Offenbuch Die durch die Fabrikanien ausgedrungene Arbeilsein stellung der Maschinenbauer ist durch die Organisatio» der Ma- schmenbauer als siegreickv beendet z» betrachten. Am 24. November wurde von den Maschiuenbauer n die Arbeit w ie- der aufgenommen, indem man denselben die 10slündige Arbeitszeil(von Morgens 7 bis 6) genehmigt, außerdem eine durchschmtzllche Lohnerhöhung von 20�;silebeifeierabendstunden werden mit 33%% ve»' zütet. Wir sprechen den Arbeitern Deutschlands und den Arbeitern der Siegl.'schen Fabrik in Wien uusern größten Dank aus, u»d ver- weisen die Arbeiter auf die Lehre, daß durch Einigkeit und mit klarem Bewußtsein ein Kampf mit dem Kapital immer siegreich sür die Ar- beiter enden wird., Wir benachrichtigen die Arbeiter Deutschlands von diesem erjolgl reichen Ereigniß, und werden etwaö später du Abrechnung bekannt machen. Außerdem ist. wie bei jeder Arbeitseinstellung, hier die Folge, daß man die Führer gemaßregelt bat; 6 Mann sind es, leider Fa- milienväter, welche keine Arbeit hier mehr bekommen. Mit sozial-demokrarischem Gruß Joseph Müller. LtNttgart, den 23. Novbr. Die hiesigen Buchbindergehülfen, unter zahlreicher Beiheiligung von Seiten verwandter Geschästsbranchen, beschlossen in einer allgemeinen sehr zahlreichen� Versammlung, vie hiesigen Buchbindermeister ic. um eine Lohnerhöhung von 25% zu ersuchen, und haben in dieser Hinsicht schon Schritte gelhan. Wir -bitten, Zuzug von Blichbindergehllifen hierher möglichst abzuhalten, bis sich diese Sache erledigt haben wird. Im Namen der hiesigen Buchbindergehülfen: Die Kommission. Lunzenau. Am 11. d. M. hielt der Arbeileroerein„Vorwärts" eine Volksversammlung ab zur Besprechung des Normalar- beitStags und des Chemnitzer Strikes. Es waren, hierzu auch auswärlige Parteigenossen erschiene», unter welchen Usert alsReserent. Am 13. kam Parteigenosse Louis Resch aus Meerane hier zugereist. um in Arbeil zu treten. Da er si» zur Abhaltung einer LolkSver- sammln ng erbot, wurde dieselbe auf den 13. d. M. einberufen und auch abgehalten. Gegenstand der Tagesordnung war-wieder der Chemnitzer Strike, dessen Unglück ichen Ausgang Resch vurch den Mangel an Organisation erklärte. In beide» Versammlungen ginge» freiwillige Beiträge sür die Strikenden ein.— Am 20. wurde Rcjch, welcher am 13. beim Webermeister Gottlob Hönig in Arbeit getreten war, von demselben wieder entlassen, weil er. wenn er Resch bei sich behielte, scine:t Stühle Arbeit von der«ogel'scheu Fabrik einbüsien miisite. � r,. m Zwickau, 24. November. Gegen dem Verfasser des in Nr. 94 *) Englisch: Houses of Call. In diesen Rufhäusern sind Listen ausgelegt, in die jedes arbeilsuchende Mitglied der Gesellschaft(Gewerk- schafil seinen Namen einzeichnet. Die Meister, welche„volle- Löhne, d. h. den mit der Gewerkschaft vereinbartenILohn zahlen, jwenden sich, so- bald sie Arbefter brauchen, an das Rufhaus, von. wo ihnen nach der Reihenfolge der Einschj-ibung die Arbeiter zugewiesen werden. Diese Eimichtung ist so einfach, und das Praktische derselben so in die Augen springend, daß wir eine länger- Eiläuterung für überflüssig halten. des„Volksstaat" enthaltenen Artikels, und gegen die Redaktion de« .Vvlksstaat" ist von der hiesigen Polizeibehörde Klage erhoben wor- den, weil in dem betreffenden Artikel„Unwahrheiten und Verläum- düngen" enthalten sein sollen.— Nur immer zu! Vielleicht wird uns auf diese Weise Gelegenheit geboten, der hiesigen Polizeibehörde vor Gericht zu beweisen, daß sie ungesetzlich gehandelt hat, indem sie die Versammlung vom 11. d. M. verbot, in der über den Normal- arbeitstag gesprochen werden sollte, sich dabei auf 5 und 12 des betreffenden Gesetzes berufend. Vräunschweig, den 2? Nov.< Tel. Depesche!. Auf ISrnuS der litz. 110(Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze) und l:tl sBerächllichmachung von Slaalseinrichlungeu und Anordnungen der Obrigkeit) des BundcsstrafgescsibnchcS sind Bracke und Vonhorst zu je 10, Tpicr z» 14»nd Kühn zu Monaten Olefängnt« vorurtheilt worden; bei allen 4% Monat Untersuchungshaft abzurechnen. Erkläruug. Die„Freie Zeitung" fordert mich auf, dem„Präsidenten" Fritz Mende Quitlungen über von demselben erhaltene Gelder zu senden, mit welchen ich noch im Rückstände sei. Darauf erwidere ich: 1) Wer ist der„Präsident" Fritz Mende? Seit 18 Monaten hat keine Präsideiitenwohl starlgefunde», obschon sie statutengemäß alle Jahr vorgenommen weiden sollte. 2) Am 18. Oktober habe ich Herrn Mende Quittuitg über er- baliene Gelder eingeschickt nebst Rechnung über mir noch zustehende 22 Thlr. 7 Gr. Nachdem mich Mende bald darauf abermals in der„Freien Zeiluiig" um Quittung aufgefordert hatte, glaubte ich, mein Brief wäre unterwegs verloren gegangen und schickte ihm Anfaiig dieses Monats eine zweite Ouittung und Rechming, ncbst einem Briefe, den er sich gewiß nicht hinter den Spiegel gesteckt hat. Bei- läufig muß ich envähuen, daß die gedachten 22 Thlr. 7 Sgr. nicht lediglich von agiialorischen Auslagen, sondern zugleich von Auslagen für die Person des Herrn Mende(Cigarctten, Telegraphische Depeschen it. s. m.) herrühren. Wenn mir Metide die 22 Thlr. 7 Gr. einschickt, dann will ich ihm gern zum dritten Maie Quittung und RechnungS- ablege zuschicken. Herr Mende kann auch, wenn er will. 8 Thlr. 16 Gr., welche mir die Mitglieder als Vereinsbeitrag übergeben haben, und welche von mir zur Deckung der Agitationskosten verwendet worden sind, von meinem Guthaben in Abzug bringen.— Die Jnsinuaiion der„Freien Zeitung", als hätte ich den München-. Gladbacher Strike provozirt, und sogar ohne alle vorherige Anord' »ung, weise ich entschieden zurück. In der„Gladbacher Zeitung" vom 18. Nov. erklären die Borsitzenden jener Versaminluno, in wel- cher der Sinke beschlossen wurde, Rademacher und Jansen ans Viersen, die Behauptung der„Freien Zeitung" als vollständig er- dichtet. All- Gladbacher Arbeiter können inir übrigens bezeugen, daß nicht ich, sondern der erbärmliche Hungerlohn den Strike pro- vozirt hat, und daß uns Mende von der versprochenen Hilter- stützniig auch nicht einen Heller zlikvmmoir lieh.— Die„Freie Zeitung" wirst mir mit schwerem llnrecht vor, daß ich den Verenispräsidenten nicht rechtzeitig vom Sinke in Kenntniß gesetzt habe. Mende ist aber von hier abgereist, ohne mir eine bestimmte Adresse, au die ich Briefe sür ihn richten sollte, zu hinterlassen; viel- mehr sagie er mir vor Zeugen, daß er mir baldigst brieflich seine Adresse mittheilen wolle. Am 9. Oktober brach bekanntlich der Strike aus in der mechanischen Weberei von Böhmer, Eiklenz und Prinzen; dieser Strike endete£ags darauf, als die Geschäftsinhaber die Forde- rungen der Arbeiter aus Ehrenwort. bewilligten; einige Tage darauf stellten, ermuthizt durch den Sieg der Arbeiicr genannter Finna, die Arbeiter von 8 andern Fabriken ebenfalls die Arbeit ein, und die Ar- beiier der Finna Böhmer. Erklenz und Prinzen, deren Prinzipale ehr- loser Weise ihr Wort nachträglich nicht halten wollte», gleichfalls, d. h. zum zweiten Male. Ich setzte am 12. Oktober den Vizepräsidenteu des Vereins, Försterling in Dresden, von der Sachlage in Kennt- niß und erhielt am 13. von Mende einen Brief, den ich unverzüglich beantwortete. Diescr Per- Erpreß- Brief ist, wie ich mit Bestimmtheit weiß, an seine Adresse gelangt. Ich habe also meiner Pflicht voll- kommen genügt. Was nun die 12 Thaler anbelangt, die mir von der Frau Hätz- ieldt vor einem halben Jahre übergeben worden sindj, um den damals kranken SchwierS in ein Krankenhaus unterzubringen, und über welche jetzt zum soundsovielten Male Abrechnung verlangt wird, so bemerke ich wiederholt--- die Frau Gränn weiß es auch—, daß ich jenes Geld am Tage vor meiner Abreise zur Bremer Generalver- sammlung erhielt, den Austrag daher nicht selbst ausrichten konnte. Ich übergab das Geld meinem damaligen Freunde Kucks, mit dem Wunsch, es seiner Bestimmung gemäß Zu verwenden; es gelang dem Kucks aber nicht, den Schwiers in einem Krankenhaiise unterzubringen und so verwendete er für den Lebensunterhalt desselben während meiner Abwesenheit 5 Thlr. 22 Sgr.; den Rest von 6 Thlr. 8 Sgr. habe ich, der ausdrückllchen Weisung der Frau Hatzfeldt gemäß, ans mein Wochengehalt verrechnet. Die Wuth der„Freien Zeitung'' und ihrer Eigeiithuineri» gegen mich rührt lediglich daher, daß ichdie München-Gladbacher Arbeiter daraus aufmerksam gemacht habe, daß wir ganz isolirt stündeu in der so- zialen Bewegung und uns der Internationalen Ardeiterassoziation an- schließen müßten. Daher die zahllosen Verdächtigungen gegen mich, ihren früheren Agitator. So werden aber bei jenen Leuten die Agitatoren immer belohnt, sobald sie sich erlauben, eine selbständige Meinung zu äußern; so ist es meinen Vorgängern— z.B. Uhle in Zwickau— passirt, und so wird es meinen Nachfolgern, wenn sich überhaupt solche finden sollten, ergehen. C. August Küpper«. Müncheu-Gladbach, 25. November 1871._ V rieftasten. der Redaktion: W. M. Eßlingen: Stuttgarter Resolution der Voltspartei über die soziale Frage finden Sie im„Demotr. Wochen- blatt", Jahrgang 1368— Bücher über Genossenschasten sind in der Expedition zu haben.— Die Adresse„Bayrische Straße" ist richtig.— Simon: Ja, schicken Sie das weitere.— N. in N.: Ist angekommen und erscheint in nächster Nummer. Der Expedition: F. Hannover f. Schrift 2 Thlr. 29 Gr. F. Eöln s. Schrift 2 Thlr. 15 Gr. erhalten. Sch. in Herborn: Außer allenfallsigen Postabon. nichts. Das Vereins- und Versammlungs- recht in Preußen werden Sie höchstens aus Äuchhajidlungs- oder Au- tiquarialswege bekomme». Eh. V. in Vervicrs: wende» Sre sich gesäll. au Hrn. Hermann Franz iu Glauchau, Poslstraße,: von dorr können Sie die gewünschte Druckschrist beziehe». V. St. in richtiger Anzahl und in gleicher Zeit abgesandt. Aorck in Hamburg: an B. in Forst 100 Erp. heute gesandt. Wilhelm Morls ck Eßlingen: mir unerklärl., daß die Gelds nicht angek., da alles Andere eintrifft. 3 Thlr. 8 Gr. 6 Pf. v. d. Arb. der Holzbausabrik u. 2 Thlr. v. Mitgl. d. Int. Holz-Arb. Gewerksch. am 7. Növbr. für die Chemnitzer Strikenden von hier abgeschickt._____ C. E Seifert. Für Hannover. Tozial-Temokratischer Arbciler-Verein. Nächste» S onnabend, den 2. Derbr. d. Z. findet im Lokale deS Herrn«artling, Kiiochenhauerstraße 59, punkt 8 Uhr Versammlung statt. T. O. 1) Sozial pol. Wochenbericht, Res. Kaiser, 2) Vortrag über GenossenschastswBen, Ref. Wi einer. _' Der Vorsitzende. Nächste Sitzung des Zozialdemokrntischen Arbeitervereins: Freitag Abend in dem gewöhnlichen Lokale. Tagesordnung: Sozial- politischer Wochenbericht. Diskussion über die Parteilage. _ Der Vorstand. Für Buchbindergehülfen. Ich suche 2 lüchtige GeHülsen bei gutem Loh» und zehnstündiger Arbeuszeil. Vergulnng Fahrgeld IV. Klasse. Hannover, 26. Nov. i.,| Buchbindermeister, Radmacherstraße 8. Leipzig: Verantw. Redactenr A. Hepner(Roactioa: Pelergstein- weg 13.) Druck u. Verlag F. Thiele(Expedition: Peteristr. 18.