M 98. E.scheint wöchentlich 2 mal in SeiUjif. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen deS In- und AuZ- lande! an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: K. Bebel, Peteristraße 18, F. Thiele, Emilienstraß« 2. Mttwoch, de« 6. Dezember. 1871. Erscheint wöchentlich 2 ma w Leipzig. AbounemmtSpreiS: Für Preußeu incl. Stempel- steuer 16 Nor, für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Filialerpeditwn für die Ber- einigten Staaten: ?. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. vixNewyork ©tstfln der soM-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschasten. ?)il» ilpr haben Zelt, lassen Sie mich erst mich ankleiden!" und JIUUJC Utl Ve-Z-IUIUti Ruhe brannte er sich eineCigarre an und wid- mete sich seiner Ordnungshelden. Die Kommunemitglieder Kommandant Rossel, Finanz- delegirter Ferr� und Sergeant Bourgeois sind am 28. November in Satory bei Pari«, der Advokat Gaston Cre mie ux am darauf folgenden Tage in Marseille den Henkern zum Opfer gefallen. Alle Vier starben den Tod von Helden und getreu der Ueberzeuguug, der sie gelebt haben.— Rossel und Ferr6, erzählt der„Gaulois", mußten das Schicksal, welches ihrer harrte, schon aus einer Förmlichkeit ahnen, die in dem Gefängniß unvermeidlich ist. Vorgestern verlangte der Greffier(Gerichtssekretär) von ihnen ihren ge Nauen Civilstand; daraus mußten sie erkennen, daß es sich um ihren Todtenschein handelte. Auch traf Rossel sogleich seine Vorkehrungen. Dann übergab er dem Geistlichen Hrn. Pas sa ein Exemplar seines Werkchens:„Die Vertheidigung von Metz und der Kampf auf's Aeußerste" mit der Widmung:„Hrn. Thäodore Passa, Geistlichen des reformirtcn Bekenntnisses, als Zeichen ver Dankbarkeit und Freundschaft. L. Rossel." Wo zu er noch folgenden Vers aus Hiob(Cap. 4, V. 3) beifügte »Siehe, du hast Viele unterwiesen und müde Hände gestärket." Louis Rathamcl Rossel war 27 Jahre alt; er stammt aus den Cevennen; sein Vater gehört der Armee an, seine Mutter ist eine Schottin, Namens Campbell. Er hat zwei Schwestern die ältere, 20 Jahre alt, ist ihm auffallend ähnlich; vie jüngere Zählt erst zwölf Jahre und heißt Sarah. Am Freitag sah in Gegenwart des Gefänguißdirektors und des Pastors die Seinen zum letzten Male; es war eine herzzerreißende Scene. Der Verurtheilte schloß Mutter und Schwestern an seine Brust dann rief er, sich von ihnen loßreißend:„Nehmt sie! Nehmt sie! Ach, ich habe nur zu�ei Kchwefter«!" Er verbarg sein Angesicht und seine Thränen, al�der Vater ihn segnete:„Gott sei mit dir und behüte dich wohl, Bater, antwortete Rossel/Gcttt sei mit uns und«l Euch!„Wir werden mor- Oen wi»�kcmn«n..." Morgen? fragte Rossel bedeutungs- ' er.'w": Jn�en letzten von Nouilles, Karl XII. von Gustav Albersfeld, die Schriften von Calvin und Corneille, seinen Lieblingen, die Geschichte des dreißigjährigen Kriege» von Schiller(in deutscher Sprache), die Gedichte von Tennyson(gleichfalls im Original) und cnd- "ch ein altes Gebetbuch aus den Eevennen-Kriegen; außerdem beschäftigte er sich mit einer vergleichenden Studie über die Armeen der heutigen Zeit und jene aus der Zeit des Mar schall Billars. Gern erging er sich noch in philosophischen und politischen Gesprächen mit seinem Vertheidiger Albert -wh, wobei er die größte Seelenruhe und Heiterkeit des Geistes a« de« Tag legte. Ktrr6 verkehrte zwar mit dem Abb� Folley, jedoch nur Lgjx„� jxhn, geistlichen Zuspruch wies er zurück. Sein ebenfalls gefangen gehaltener Bruder ist in Geisteskrank- Heu verfallen. Auch sein Vater befindet sich auf den Pontons; feine Schwester war ebenfalls eine Zeit lang verhaftet und K'ne Mutter ist aus Verzweiflung im Irrsinn ge- sivrben. Die Schwester sparte sich von ihrer Hand- urbeit wöchentlich 20 Francs ab, um sie ihrem «rüder zu überbringen. Außer Rossel und FerrF sollte die Exekution gegen Bour- giolS vollzogen werden. Letzterer war ein Sergeant vom 45 Men-Rezement, welchen das zweite Kriegsgericht wegen Deser- bon Un� �hrilnahme an dem Aufstand zum Tode verurtheilt bäu � ttfu�r zuerst, oaß die Stunde des Todes geschlagen �u(v �t-nn" h�und sich nicht, wie Rossel und Ferrö, in dem �Ustizgefängniß, sondern in den Chantiers, von wo man ihn ™n um 4 Uhr abholte, um ihn mit seinen beiden Leidens- 3 Vossen zu vereinigen. Er war sehr ruhig und verlangte nur "ve Cigarre für den Weg. in � schlief noch fest, als sein Bertheidiger Albert Joly l'1' ä«lle trat, um ihm die verhängnißvolle Eröffnung zu «il. �T- Joly mußte ihn zweimal beim Namen rufen. »uch, Sie sind es?" sagte Rossel endlich, indem er seinen Ad- °°ratcn erkannte.„Also ist es auf heute Früh?"„Leider ja!" antwortete Hr. Joly.„Weil es denn sein mußt" rief Rossel entschlossenem Blick und fester Stimme. Er bat den Gefängniß- obv?1' ncch einige Augenblicke allein sein zu dürfen; da ihm ex./ �er bedeutete, daß es ihm nicht mehr gestattet werden kleiü!.' Rossel rasch nach seinen 'bete sich an; sein"--. Sachen und ..,|v... Anzug bestand aus einem grauen Rock vvd Beinkleid, über welchen er einen dunklen Paletot zog. Da er bemerkte, daß Joly seiner Rührung nicht Herr werden konnte, warf er sich diesem mit den Worten in die Arme: "verzeihen Sie mir mein Freund, Ihnen eine so traurige �ache anvertraut zu haben, und beten Sie für mich!" Dann hatte er eine längere Unterredung mit dem protestantischen östlichen. Ferr6 sprang, als man ihm dieselbe Mittheilung machte, 3?sch von seinem Lager; dem gleichzeitig eintretenden Abbö Folley nef er zu!„Ich bin gleich zu Ihrer Verfügung, wir mu un= er Toilette so aufmerksam und minutiös, daß darüber mehr als eine halbe Stunde verging. Dabei plau- derte er mit seinen Wärtern, schenkte ihnen die Cigarren, die er, wie er sagte, nicht mehr würde rauchen können. Um den Geistlichen schien er sich nicht weiter zu bekümmern; all Versuche desselben, ibm den Trost der Kirche zu spenden, wurden ignorirt.- Bourgeois endlich, den man nach einer besonderen Zelle gebracht hatte, verlangte zu essen, trank und rauchte. Um 6 Uhr nahm eine Schwadron Kürassiere und eine Brigade Gensdarmen vor dem Gefängnißthor Stellung; drei Ambulancewagen fuhren unter Eskorte vor und bald öffneten sich die Pforten des Hauses. Zuerst trat Rossel festen Schrittes heraus; er hatte zu seiner Linken den Geistlichen und zu feiner Rechten einen GenSdarmen, der seinen Arm an einer kurzen Kette gefesselt hielt. Er trug einen niedrigen Hut von schwarzem Sammet und ein Lorgnon im Auge. Dann folgte Bourgeois in Begleitung des Abbe Folley das Käppi auf dem Haupte und die Cigarre im Munde, end lich Ferrv, mit seiner kleinen Gestalt zwischen zwei Gens- darmen beinahe verschwindend. Die drei Wagen setzten sich in Bewegung und fuhren im Galopp nach der Ebene von Satory, wo starke Truppenmassen unter dem Befehl des Obersten Mer- lin in einem ungeheueren Viereck aufgestellt waren. Um tll* Uhr gab der Oberst Merlin ein Zeichen. Die Trommeln wurden gerührt und der düstere Zug bewegte sich heran. Die Verurtheilte« stiegen mit feswm Schritt auS dem Wagen und gingen mit ihrer Begleitung in der Richtung des Platzes, wo die drei Exckutions-Pelotons aufgestellt waren; für Rossel so wohl als für Bourgeois waren die PiquetS aus ihren eigenen Regimentern(!) gebildet worden. Eine lautlose Stille herrschte über dem ganzen weiten Plateau, als den Dreien das Urtheil verlesen wurde. Jetzt gibt Rossel zu einer neuen Verzögerung Anlaß. Er verlangt zuerst, das Feuer selbst zu befehlen, was man ihm versagt dann wünscht er einen ihm befreundeten Kommandanten zu sehen, der zugegen wäre und dein er noch einmal die Hand drücken wolle. Man macht ihn darauf aufmerksam, daß er damit nur unnütz die Todesqual seiner Gefährten verlängere; er scheint dies einzusehen, denn er wirft rasch Hut und Ueber- zieher ab und läßt sich die Augen verbinden. Der Komman- dant de Crenitz entfernt sich von ihm, die Unteroffiziere des Pelotons senken ihre Degen und die Truppe feuert. Rossel fällt, wie vom Blitze getroffen, in seiner ganzen Länge auf den Rücken; der Armee-Chirurg tritt heran und constatirt, daß er eine Leiche ist. Der Sergeant Beourgeois hatte drei Kugeln in den Arm, eine in den Kopf und andere in den Leib erhalten; man mußte ihm den Gnadenschuß geben. Der mit dieser peinlichen Handlung beauftragte Sergeant war so verwirrt, daß er zweimal ansetzen mußte, um dem Verurtheilte« ins Ohr zu feuern. Ferre, der sich die Augen nicht verbinden lassen wollte, fiel nicht sofort, er blieb drei Sekunden lang aufrecht stehen und man mußte auch ihm den Gnadenschuß geben. Sämmtliche Truppen defilirten jetzt an den Leichen vorüber; sie sollten an diesem warnenden Beispiele sehen, wohin„Verrath" und Disziplinlosigkeit" führen. Rossel's sowohl als Ferres sterbliche Reste wurden von ihren Angehörigen rcklamirt, so daß nur Bourgeois auf dem Friedhose Saint-Louis seine letzte Ruhe- 'tätte fand.— Herr Seinguerlet, der den Kommunalisten bekanntlich nichts weniger als zugeneigt ist und natürlich ein Gegner Ferres war, schreibt doch in der„Frankfurter Zeitung":„Es scheint, daß Ferrö's Haltung bei der Hinrichtung, wie er dastand, die eine Hand in der Hosentasche, die andere an die brennende Cigarre gelegt, den Truppen am meisten imponirt hat." Von den letzten Worten, die Rossel an seinen Freund und Vertheidiger Joly richtete, verdienen einige der Vergessen- heit entzogen zu werden:„Ich sterbe, sagte er, für die bürger- lichen Rechte des Soldaten. Frankreich ist jetzt eine Republik, aber merkt wohl und sagt es Euren Freunden, wenn Ihr nicht vorher die Armee zerstört, wird diese Armee die Republik zer- trümmern. Seit dem Staatsstreich ward die Armee zu einem Prälvrianerheer umgebildet, die Partei des Cäsarismus, die von derselben Zeit datirt, ist auch heule noch trotz des Wider- willens gegen den Exkaiser mächtig. Der Bund Beider wird die Republik zerstören, wenn ihr nicht zeitig dafür sorgt, eine freinationale Armee zu schaffen." Als man ihm mittheilte, daß Ferrä gleichzeitig mit ihm den Tod erleiden solle, sagte er:„Sonderbares Zusammentreffen!"(Rossel wurde näm- lich s. Z. in Anklagezustand versetzt in Folge eines Berichts, den Ferrö und Raoul Rigault an die Kommune erstatteten, weil Rossel gegen die Mitglieder der Kommune ein Complott entworfen haben sollte.) Im Pariser„Radical" finden wir mehrere Abschieds-Briefe unserer Märtyrer abgedruckt; der eine ist von Rossel an seine Familie: „Adieu! 28. November 1871. 5'/, Uhr Morgen«. Mein vielgeliebter Vater! Meine vielgeliebte Mutter! Meine theure Bella! Meine theure Sarah! „Adieu, adieu, meine Vielgeliebten, oder vielmehr auf Wie- dersehn! Ich danke Euch für all die Liebe, die Ihr mir bis zum letzten Augenblick erwiesen habt. Ich bitte Euch um Ver- zeihung, daß ich Euch nicht mehr und stärker geliebt habe und Euch so viel Mühsal bereitet. Ich bin fest und guten Muths. Ich umarme Euch, ich umarme Euch von ganzem Herzen. Euer Kind Rossel." Der zweite Brief ist ebenfalls von Rossel, aber an den ihm assistirenden Geistlichen Passa gerichtet— Rossel war nämlich religiös—: „Mein lieber Herr Passa! „Ich beauftrage Sie, wenn einst die Partei, zu der ich gehalten habe, zur Macht gelangt und ihre Gegner mit Rache bedrohen sollte, von diesem Briefe Gebrauch zu machen, um ihnen*) zu sagen, daß ich in meiner letzten Stunde Diejenigen, welche die Ehre haben, die Freiheit zu vertheidigeu, inständigst bitte, die Opfer nicht zu rächen. Es würde das der Freiheit und unser, die wir für sie gestorben sind, unwürdig sein. Ihr ergebener Freund L. Rossel. 28. Nov. V/z Morgens." Der letzte Brief Ferrö's an seine Schwester lautet: „Meine geliebte Schwester! In einem Augenblick werde ich sterben; mein letzter Gedanke ist an Dich! Suche zu er- wirken, daß man Dir meine Leiche herausgiebt, und Du wirst sie dann so bestatten lassen, daß einige Freunde mich auf den Friedhos geleiten können. Ich sterbe treu, meinen Material»- stischen Ueberzeugungen, wie ich gelebt habe. Ich beklage Euch Alle, die Ihr zurückbleibt; was mich betrifft �so hal�mein� Leiden ein Ende und ich bin nicht zu beklagen. Ich kiNe Dich ein letztes Mal. � Th. Ferr6." Ferner schrieb er an den Kriegsminister: „Herr Minister!„In einem Augenblick werde ich todt sein; es liegt also kein Grund vor, meinen alten Vater auf den Pontons und meinen Bruder, welcher geisteskrank ist, in der Gefangenschaft zurückzuhalten. Ich bitte Sie daher, Beide »«einer Schwester zu übergeben, welche allein Sorge für sie tragen kann. Ich grüße Sie bestens. Th. Ferrö." An verschiedenen Orten— lesen wir»m„Radical"— und hauptsächlich in den Vierteln Popincourt und Charonne waren mehrere große Werkstätten a»n Nachmittag des 28. ge- schlössen. Als die Arbeiter jener Häuser die Gewißheit von der am Morgen stattgehabten dreifachen Hinrichtung erhielten, ersuchten sie ihre Arbeitgeber um die Erlaubniß, diesen Tag zu Hause in Ruhe verbringen zu können. Der größt: Theit der Arbeitgeber schloß sich von Herzen diesem Gesuche an.— Der Vater Rossel's erfuhr, wie die„Constit.ution" erzählt, die entsetzliche Neuigkeit von einem Milchmann; der ihm in Versailles die tägliche Proviston ins Haus zu bringen pflegt. Er eilt zu Herrn Passa, dessen Dienstmädchen ihin sagt, daß ihr Herr noch schlafe. Getröstet kehrt er nach Hause zurück; da tritt Herr Passa bei ihm ein und verkündet ihm tief erschüttert:„Ihr Sohn ist uicht mehr!"— Die Schandpresse— namentlich die„Figäro"— konnte es nicht unterlassen, die Märtyrer, deren Tod selbst von ihren anständigen Gegnern mit Schmerz gesehen wurde, zu beschimpfen. So meldete das genannte Blatt, zwei Hunde, die auf den Hügeln umherirrten, hätten sich auf den umsinkenden Ferrä, wie auf ein ihnen verfallenes Wild, gestürzt und mit Gewalt verjagt werde», müssen.— Em Augenzeuge berichtet aber im„Radical", daß die beiden Jagdhunde eines der Hinrichtung von ferne beiwohnenden Herrn sich von diese»« losgerissen hätten, als der Gnadenschuß auf Ferrö lvsgefeum wurde, und, ihrem Instinkt folgend, nach der Richtung des Schusses gelaufen wären; die Hunde seien aber von den Soldaten schon aus der Ferne durch Kolbenschläge zurückgetrieben worden. Dies die Details, soweit sie uns vorliegen. Wir stnd stolz auf unsere Märtyrer. Wir sind stolz auf unsere Sache, die solche Märtyrer hat. Am Tage des Gerichts, wenn die besiegten Mörder im Namen ihres Schlachtopfers Rossel um Gnade flehn, wird daS Volk wissen, was es sich selbst, was es den Mördern und was es den Ermordeten schuldig ist. bief< Ung-nauigkeit. welche sich im Ori- enk» � l-ch zur Genug., aus den Umständen. Die hatten Eile. Der Braunschweiger„Volkssreund" dält XI, i,� rief für eine Fälschung. Wohl mit Unrecht, da der)nhall desielb!« 9«ij der religiösen Naiur Rossel's entspricht.' Red. d. V. Der Vraunschweiger Prozetz. �Fortsetzung.) Dritter Tag der Verhandlung. Goiinadcud, d. 25. November, Äormiltags 9'/, Uhr, fängt das Plaidoyer a». Zunächst erhält der Staatsanwalt das Wort, um seine ! Anträge zu stellen und zu moriviren. Er bemerkt, daß Tags vorher das faktische Material verifizirt(als richtig anerkannt) worden sei und daß darüber kein sSireit herrsche.(Mit Ausnahme des räthsel- haften, plötzlich in den Akten aufgetauchten Flugblatts. Anmcrk. d. Redl) Es fragt sich, ob ein Strafgesetz verletzt ist oder nicht. Die Angeklagten hatten für erlaubt, was die Staatsanwaltschaft nicht für erlaubt hält. Die Staatsanwaltschaft mußre mit sich in's Reine kommen, welches System befolgt werden sollte: ob wieder einzelne Punkte vorgenommen, oder ob in allgemeinen von ihr der Angriff unternommen werden sollte. Die StaatsanwaUfchaft meint, ersterer Weg würde ermüden, und bei t inschlagung des zweiten stehe jn befürchten, daß ihr der Vorwurf der Oberflächlichkeit gemacht werde. Jndeß tröstet sich der Staatsanwalt damit, daß er die Achtung des Ge- richlshoses zu genießen hoffen darf, wenn er kurz ist. Er will einen slstick zurückwerfen aus die nach dem Eisenacher Kongreß verflossene Zeit und glaubt, auf oiese Weise zwei Epoche» der sozialdemokratischen Ärbeiielpartei zu erblicken. Diese beiden angenommenen Epochen unter- scheidest sich von einander dadurch, daß in der vorausgesetzten ersten P:rioi* die Sozial-Demokratie regelmäßig mit geschloffenem Vistr sich gezeigt und nur manchmal dasselbe gelüftet habe, während die zweite Periode, oder die Zeil seit Einführung des nordoeutschen Strajgefetz- buche?) die Sozial-Demokratie mit offenem Visit erblrcketi lasse. Jn der Zeil der eisten Periode sei man in einem ftiedlichen Gewände er- schienen und habe von der Verbesserung der iiage der arbeitenden Klasse» gesprochen; doch habe cS Momente gegeben, wo man in das innere Leben der Partei habe«inbltcken könne». Was seit der zweiten Periode gelhan worden sei, sei nötorisch. Nameirtlich durch Zeitungen und Reichstag.') Selt dem 1. Januars?) dieses Jahressgede es keineir Zweifel mehr über den republikanischen Charakter der Partei, wofern man nicht annehmen woPc, daß sie in der Neujahrsnacht den Sinn geändert. Tsie im September v. I. vorgenommenen Hanssuchungen lies er» in den Briefen und sonstigen weggenommenen Papieren einen Einblick. Der gestern vorgeführte kleine Theil werde die Intentionen(Absichten) zeigen.. Hieraus erkläre sich, weshalb Mancherlei hineingezogen war- Pen sei, welches im vorigen Jahre keinen Anlaß zum Einschresten ge- geben habe. Das Licht sei erst gekommen. Der Anlaß zur Eilt? deckmtg sei das Manifest gewesen. Der' Staatsanwalt will zurück gehen auf 1864, in welchem Jahre die Internationale gegründet wor; den sei. Schon an der Jnaugural-Adresse, die von Marx, einem sehr tüchtigen, wisjenschaftlicheu und hochgebildeten Manuell, angefertigt wor- Yen sei, habe sich gezeigt, weß Geisteskind die Internationale sei. Spä- ker' hitbe matt die ganze setzige Entwickcluna umwandeln, d. h. um- stürzen wollen. Eigcnthum, Erbschaft, Familie seien bedroht worden. Man habe die Republik als offenkundiges Ziel hingestellt. Marx und die übrigen Führer seien klug genug, um zu wissen, daß ihr Ziel nur durch die Revolution sti erreichen sei. Der Staatsanwalt erklärt hier, daß er, wenn er von Revolution, Republik und rother Republik spricht, immer in vulgärem Sinne spricht. . Zwar seien die Blätter der Geschichte noch nicht geschlossen, aber hpngoch könne man darüber urcheilen. In den spanischen Kortes habe man 14 Tage lang über die Jmernätionale verhandelt und zuletzt die Erklärfling abgegeben, daß, weil die Internationale eine Gefahr gegen die Familie, Eigenthum und kLott sei, diese Gefahr abgewendet werden müffe. Deshalb soll« dort gegen die Jmemationale eingeschritten wer- den. Ferner bestehe ein Zusammenhang zwischen der Internationale und der Koinnmne, und das Parteiorgan„Bolksstaar" habe sich mit der Kommurie identifizirt. Zwar will der Staatsanwalt, wie er erklärt, dieSchandshalench der Kommune nicht auf die Internationale wälzen, aber Zusainmenhastg ser da. Blanqui, Delescluze u. s. w. seien Mitglieder der Internationale. (Bestäusig nicht wahr! Anmcrk. der Red.) Und diese Männer haben schon 1848 die rothe Republik angestrebt. Jn Deutschland sei im Programm der sozialdemokratischen Partei die Identität mit der Internationale eingestanden. Auf die Einregifirstuüg sei kein Gewirbt zu legen. Das Dokument von Karl Marx habe nicht das Siegel und die Beglaubigung des Lord Mayors"*). Alles käme auf den inneren Zu- fammenhang au. Der innere Anschluß sei beschlossene Sache gewesen. Die Jdenrilar sei gefördert worden durch die Korrespondeuz der Führer mit London u«d der Schweiz. Es habe ein wirklicher Verkehr statt- gestiuZfei und die Korrespondenzen enthalten geschafttiche Mittheilimgen. Daß man es mit einem politischen Verein zu lhuu habe, sei ausgesprochen, wenn auch znerst in ganz zahmer Form. Auch die Resolutionen der Kongresse seien im St ne der Internationalen gehalten. Der Staatsanwalt meint: freilich sei durch Bracke ein ent- lastender Brief Ladcudorss vorgelegt worden, allein es sei natürlich, daß Ladendors seine Frennde im milden Lichte darzustellen suche. Es sei gar nicht wahrscheinlich, daß Ladendors jetzt noch gewußt, was er früher geschrieben.)!) Die jetztworgeschützte» bloßen republikanischen Grundsätze widersprechen Dem, was Ladendorf gethan. Also steht fest, daß die Angeklagte» die Beseitigung der jetzigen Ordnung und die Einführung der sozialen Republtt bezweckt haben. Hierdurch aber seien die Auge- schuldigten mit den Strafgesetzen im Allgemeinen und mit den Braun- fchweiger Strafgesetzen im Besondern in Widerspruch gerathen.— Von den Angetlagten sii sogar die Oberleitung des Generalraths der Internationalen ausdrücklich anerkanul. Allerdings habe man dieses Eingeständniß wegzuinterpretiren gesucht. Bracke sagte, er habe einen Unsiun geschrieben und durch angebUche Unwahrheit bei Bonhorst plaufrbet sein wollen. Spier und Bonhorst verwandeln die internationale Oberleitung in eine lustige Oberleitung des Gedankens. Daß aber die Angektagten nur auf revoluiionärem Wege ihr Ziel zu erreichen geglaubt hoben, zeige Geib's Rede bezüglich der am Bauine mit den goldenen Früchten liegenden„Schlange."�) Bxacke's„100,000 Manu" gebrauche man nicht ju einem bloßen Putsche, sondern zu einer wirk- lichen Revolution. Die„mit wildwehendem Lockenhaar einh�rschreitende Revolution" sei keine„Spitzenmaschinen-Revolution,"xx i nein, sie sei der gewaltsaine Umsturz nicht nur der staatliche», sondern auch, indem die Gefellschasb von dem Bestände der Gesetze abhänge, der gesellschaft- lichen Verhältniffe, mit Einem Worte, der Kamps der Besitzlosen gegen die Besitzenden. Bonhorst sage, als er von Bracke„unter-Schulzehcher Ideen" bezichtigt worden sei, in seiner Antwort:„Ich bin, was meine Anschauung anbelangt, so gut und prinzipiell Sozialist und Revolutionär, daß ich vor keiner Konsequenz zurückschrecke." Dieses sei nicht mihzuverstrhen. Bracke wollte die groß« Revolution durch den„West- wind" herbeigetragen sehen.— Zur geschichtlichen Erklärung des Manifestes diene der Umstand, daß damals kurz zuvor der Aufstand der Rothe» in der Psiriser Vorstadt Pantin vorgefallen sei. Von d a h c r sollte der„Westwind" Plitz und Donner nach Deutschland tragen. Der Staatsanwalt verwahrt sich gegen die Annahme, daß er die- jenigen Stellen, welche er hier nicht ausdrücklich erwähnt, etwa des- halb jür unwichtig halte. B«im Betrachten der Manifestationen aus Juli und September müsse man sich zurückversetzen in jene Zeit. Erst frivole Kriegserklärung seitens des sranzösischen Kaisers, dann bange Erwartung, dann freundliche Haltung der Südstaaten, hieraus das Einrücken und die Siege der dsutschen Heere in Frankreich: so daß man schon damals in dem preußischen äkörnge allgemein den Gründer der deutschen Einheit erblickr habe. Später sei das Ereigniß von Sedan eingetreten. Jeoermaun habe sich glücklich gefühlt.' Nur dü Sozialdemokraten, die Internatrölialen oder, wie sie sich selbst bisweilen genannt, die Vaterlaudstosen, haben den allgemeinen Enihnsiasmus — r---—'ff ihw *) Ei, Ei, Herr Staaisanwatt, kennen Sie nicht denVerfassüngs- Paragraphen, der Ihnen verbietet, von dem, was im Reichstag gesprochen und gelhan wird, amtlich Äenntniß zu nehmen? *•) Wird Der sich geschmeichelt sllhlett! ***) Der Herr Staatsanwalt spricht hier von Dingen, die er nicht versteht. Eine gerichtlich gültige schriftliche! Eidesanssage lAffidavit) kann in London(beiläufig vor jedem Polizeimagistrat) abgegeben wer- den, ohne daß der betressende Magistrat in Person das Aktenstück zu besiegeln und zu beglaubigen hat. Das gilt natürlich auch von dem Maiisivn-House, wo tder Lord-Mayor nur als ge- wöhnlicher Polizeiniagistrat fnngirr. D. R. d. B. ff) Haben Sie noch nie von der Setschlange gehört, Herr Staatsanwalt?.? i ffff) Revolution, hervorgebracht durch die veränderte und vervollkommnete Produttionchverse. Bracke hatte u. A. auf die durch die Spitzenmajchmeu ün Spitzengewerbe bewirkte Revolutton hingewiesen. nicht getheilt. Diese haben nicht, wie die Anderen, ein großes mäch- tiges Reich, sondern die Verwirklichung ihrer Pläne erwartet, wossie die jetzige Gesellschaft als ihre Beute erfassen könnten. Bracke sage in seiner Einladung zur Tu&hattenversanimlnug:.,Es gilt dem gemeinsamen Kampfe der Völker gegen jede Nnterdrückung; es gilt der Befreiung Frankreichs, Europa's, von seinem schändlichsten Tyrannen!" Hierin liege ein Hinweis auf thätigen Kampf. Ferner heiße es in der Resolution, die auf der VottSversammlung gefaßt worden, folgendermaßen:„Und so möge es renn- der französische» Nation gelingen, sich in einer großen Thal des' Tyrannen und seiner Helfeshelfer zu entledigen! Und möge auch für die deutsche Nation der Augenblick kommen, wo sie, im wahren Volksstäat freiheitlich ge- einigt, den Bruderbund mit der französischen Nation besiegeln kann!" Gleichzeitig seien im Organe der Partei Aufrufe von Genf, Lon- don und Paris veröffentlicht worden, und hierzu sei'später der hiesige Aufruf gekommen. Spier habe sich an diesem Aufruse allerdings micht betheiligt, aber damit übereingestimmt. Im Mifrufe sei hinge- wiesen aus baldigen Eintritt der gewaltsamen Revolution. Freilich seien im Manifeste auch noch nationale Anklänge vorhanden, aber nur insoweit, als das Erscheinen der Republik in Frankreich als der Vorhote der Revoliition begrüßt wurde. Es wurde gehofft, daß die sranzö fische Republik sich zur rothen gestalten würde, denn die sran- zöfischm Arbeit« war«, von London ansgewühli, und dann sollte der Westwind von Frankreich hierher komnien. Der Aiigeublick schien günstig. Im Rücke» der deutschen Heere, die sämmtlich in Frankreich gestandrrn habe mit Hütse drr srnnzofischen Gesungenen in Deutschland die Revolution losbrechen sollen. Unter diesen Umständen sei das Manifest vom 5. September abgefaßt worden. Dieses Manisest, welches die Brandfackel habe sein sollen, sei in 10,000 Exemplaren gedruckt worden, und es sei kein Putsch, sondern ein massenhaftes Borgehen der Arbeiter unter dem Beistaude ver französischen Gesaiigenen bezweckt worden. Der Le hrer(I) Karl Hirsch, da- maliger Redakteur des„Krimmitschauer Bürger- und Lauernsreundes," habe ebenfalls und zwar deutlich ausgesprochen, daß er darin die Brandfackel erkannt habe, weshalb er von 5— 10 Jahren Spinnen gesprochen, ein Ausdruck, von dem man recht gut wisse, was derselbe heißen solle.') Wenn eingewendet werde, daß wegen unserer Arbeiter, die viel gehorsamer und phlegmatischer als die französischen seien, und wegen der noch im Lande vorhandenen Ersatzbataillone wenig Ans- sicht ans däs Gelingen einer Revolution vorhanden gewesen sei, schwäche doch dieser Umstand nicht die Straffälligkeit ab. Im MaNi- feste sei von vereinzeltem Borgehen abgeraihen, man habe nichi einzelne Putschen machen, sondern warten sollen, bis das Kominand» von Oben käme.— Nachdem der Staatsanwalt versucht hat, ein Änklagebild im Gro ßen und Ganzen zu zeichnen, wendet er sich dem Einzelnen zu. Er erwähnt Eisenach, das gesetzliche Domizil des Vereins, wo die Hundes taglichen Vereinsbeftimmungen des Jahres 1854 allerdings ausgehoben seien, allein in Braunschwelg, wo der Ausschuß gewöhnt und gehan- delt habe, seien die bnndestaglichen Bereinsbestiimnnngen noch vor- Händen, hier gelte das braunschweigische Strafgesetz, däs in Weimar liegende Eisenach gehe uns in Braunschweig Nichts an. Frei- lich stehe im Eisenacher Parteiprogramm:„Soweit es die Gesetze gestatten;" allein nicht auf den formellen, sondern arff den inner» Zusammenhang komme es an. Ob die sozial-demokratrsche Arbeiter- partei ans der Liste der Internationalen gestnnden habe oder nicht, sei gleichgültig. Ein wirklicher Einfluß des Ausschusses auf die Redaktion des Parteiorgans„Volksstaat" habe bestanden, also sei immerhin ge- wissermaßen der Ausschuß für die citirten Stellenl im„Volksstaat" ver- antwortlich zu machen. sDie von den Angeschuldigten vorgebrachte .Interpretation der Wörter: Revolution, Gelosack. Säbel herrschaftj rothe Republik, läßt der Staatsanwalt nicht gelten. Affo(l) sei die Aus- reizung nn)weiselhajt und das Resimlü der Anklageakte, das heißt, jene angeblichen Gesetzesverletzungen, welche m der Anklageakte anget tührt sind, begründet. Schließlich beantragt' der Staatsanwalt, die Angeklagten Bracke, Spier, Bonhorst zu anderthalb Jahren, Kühn zu einem halben Jahre Gefängniß, sie sämmtlich zu solidarischer Tragung der Kosten zu verurtheile» und aus Konsiskatiou, respeciive Vernich- tung, des Manifestes zu erkennen. Vertheidigungsrede deS Obergerichtsadv vkaten Le iste.,, Selbiger beginnt damit, daß er die auhergewohnlichest Schmie- rigkeiten darlegt, welche in dem vorliegenvtn Fall« sich der Berthei digung entgegenstellen. Diese Schwierigkeiten..liegen� zunächst in dem massenhaft ausgehäuften Stoff. Eine weitere Schwierigkeit entsteht dadurch, daß die Form der Anklage dieBewgltiaüng Les Stoffes erschwert. Während sonst der jederAnklage b e sti m in t eH an b l n n gen der Ange klagten hervortreten als Das, roorlir die Strafivjdirigkeit enthalten sein soll, werden hier etliche Handlungen der Angeklagte» mit etliche» Handlungen dritter Personen kombinixt, und bei dtsjerr wie jene» Handlungen ist vielfach unklar, wiekern oreselbeu bws der Erläuterung wegen als historischeThatsachen referirk, wfttern in ihnen tn-irgend welcher Beziehung ein Verschulden der Angeklagten gesnndeii wird rt-- und, sofern dies Letztere indizirt, bleibt'wieder zwejsslhafff. wiefern darin direkt eine straswidrige Schuld vorliegen soll, oder nur ein Anzeichen für eine schlimme Gesinnung, aus der dann weiftr anff kriminelle Schuld geschlossen werden könne. Und ebenso zweiftthaft ist gelassen, gegen welches Strafgesetz diese oder jene Handlung verstoße, ober viel- mehr, ob die vielen angezogenen Strafgesetz« aus alle die Thatsachen bezogen sind. Aber die Undurchstchtigkeit der Form ist es rncht allein, was die Bewältigung erschwert. Eine weitere sehr erhebliche Schmie rigkeii entsteht dadurch, daß die angeblich ftrafgesetzwidrigen Hand- lunge» in das Jahr 1870 fallen, wo das braunschweigische Criminal- gesetzbuch galt, die Beurtheilung aber im Jahre 1§71 erfolgt, wo das norddeutsche Bundesstrafgesetzbuch gilt, und daß nach Maßgabe dieses letzteren die Bestimmungen des braunschweigiiöhen Gesetzbuches nur insoweit anzuwenden sind, als sie in das'nette Strafgesetz überge- gangen sind, und die des neuen Strafgesetzes wieder mjoweit, als sie bereits in dem draunschweigischen Kriminasgesstzbuch enthalten waren, daß demnach die hier fraglichen Strasgesetzwidrigkeiten zu bemessen sind nach einer aus zwei verschiedenen, sich keineswegs einfach deckenden Sirafgesetzgebungen erst zu konstruirenden strafgesetzlichen Richffchnur. Bei solcher Sachlage muß der Berthetdiger allerdings zweifeln, ob er beim besten Willen seiner Aufgabe gerecht werden kann. Der Verthei- diger ist mit seinem Klienten Bracke nicht gleichen Sinnes. Er hat die Vertheidignng desselben nur übernommen, ibeil er von früher mit ihm gut betannt ist. Bei der eigenihümlich gestaltete» Sachlage wird es aber auch dem Bercheidiaer erlaubt sein, mehr wie je an die Mög- lichkeit eines Jrrchums des Gerichts zu denken und auf den Schutz der Angeklagten gegen solchen Jrrthum Bedacht zu nehmen. Die Wege dazu sind ja fteilich ein für allemal durch die Strafprozeßordnung gewiesen. Aber gerade, weil diese nur das eine Mittel der Nichtigkeits- beschwerde kennt, weil ferner mit dieser der Wahlspruch nicht anzu- fechlen, in Bezug auf diesen vielmehr der erste Richter gleichsam souverän ist, doch aber die Gränze Dessen, was in den Wahlspruch, und Dessen, was in das Urlhell gehört, wie überhaupt, so besonders in dein vor- liegenden Falle etwas Schwankendes haben dürste, wird oie Bitte gestartet sein, i»i vorliegenden Falle diese Grävzlinie zwischen Wahrspruch und Uttheil mit äußerster Vorsicht zu ziehen, im Zweifel aber den Gränz- streit zu G Asten des Rechtsspruchs, zu Ungunsten des Wahrspruchs zu entscheiden, auch überall da, wo der Inhalt des Wahrspruchs aus Schluß- solgerungen deruht, dies deutlich erkennbar auszudrücken. Hauptgrundlage der Anklage ist der gegen die Angetlagten gerich- tele Vorwurs republikanisch-revolutionärer Tendenz. Dieser Vorwurf der Tendenz überwuchert die ganze Anklage. Selbst das Resumä läßt deutlich ersehen, welch' schweres Gewicht die Anklage daraus legt. Die Art, wie der Nachweis der Anklage geführt wird, ist als nnstatthajt zurückzuweisen. Zunächst ist der Vorwurf in dem Sinne, in welchem ihn die Anklage erhebt, nicht erwiesen; wäre sie es aber auch, würde sie für sich allein doch keinerlei Vergehen konstituiren. Die den Angeklagten beigemessenen äußern Handlungen, safer» die- selben an sich nicht als strafgesetzwidrig gelten können, dürfen nicht dadurch zu Vergehen gestempelt werden,' daß der zu ihrer Strafgesetz- Widrigkeit erforderliche clolus, um der anderweit gegen die Angeklagten nachgewiesenen republikanisch-revolutionären'Tendenz n illen, gleichsam von Außen in die äußere Handlung hinein interpretirt wird. An ge- *) Der scherzhafte Brief Hirsch's, der in der Anklage eine so große Rolle spielt, ist von dem Schreiber selbst bereits in Nr. l04 des„Voles- staat" von 1870 in das richtige Licht gestellt worden. gewaltsamen Umsturz ist nicht gedacht worden. Tie geschwungenen Heugabeln, von denen Lassalle sagt, daß sie in seinem Falle der Staats- anwalt gesehen habe, sind Kinderspiel im Vergleich Dessen, was im vorliegenden Falle der Staatsanwalt erblickt hat. M�rmals hat er das Bild der Kommune gesehen, und ihm zufolge ist es aus Blut- vergießen und allerhand Gräuel seitens der Angeklagten abgesehen ge- wesen. Eine solche Tendenz muß der Vertheidiaer entschieden ab- lehnen. Zwar will, er seinen Klienten nichi als däs Muster der Ruhe und Ordnung hinstellen, da Manches in moralischer(iUs Bezithnng wohl hätte unterbleiveü können; allein sein Klient hat Nichts gethan, was im juristischen Sinne strafbar wäre. Die Tendenz Bracke's ist ledig- lich gegangen ans die Herstelung des freien Volksstaats in Deutschland und auf Förderung deck Arbeiterinteressen durch Erstrebung einer internationalen Arbetter-Assoziation. Als letztes Ideals ist wohl auch die Republik, und zwar die rothe Republik, im Gegensatz zu der den Arbeiter-Jnieressen nicht gerecht werdenden blauen, im Hintergrunde 'gewesen, und dafür hat mit, gesetzlichen Mitteln agitirt werden sollen. Der Vorstellung des Angeklagten hat durchgeschimmert, daß Aende- rungen eintreten werden in Folge einer von Außen kommenden Gewalt. So beschasien ist des Vertheidigers AnsiassNng von der Wahr- heit. Das Weitergehende der Schlüsse des Staatsanwalts kann er nicht finden.— Die Handlungen, die Bracke beigemessen werden, will der Vertheidiger hÄ t dUrchuehe». Erstens liegt der Brief vor, worin vost dem„Westwinde" oie Rede ist und worin es heißt, haß Napoleon ein Knie auf die Brust gesetzt werden müßte. In dieser Aelißerung liegt die Hoffnung ans freiheitliche Ent-- ivickelung in Deutschland als Rückwirkung von dem Sturze des Kallers- m.Frankreich. Eine solche Bewegung ist bereits 1830 und M auch ohlü! Gewalt gekommen. Bracke drückt dies! in fftlicm schwunghaften Styl als Ititz und Donner'ans, die der Westwind herüber nach Dentschlmkd tragen iierde. Zwenens hat Bracke in einem in Nr. 6 de?„DNksstaat" des In ist es 1870 abgedruckten Artikel gesagt:„Ist die Einheit der Partei hc-rgestellt, so haben wir heut« schon die 100,000 Mann, die. Lasialle für ilothwendig hielt) und viel- leicht mit majestätisch-rnhigem Ernste im gesetzgebenden Körper, oder mit wildweheiidem Lockenhaar wird dann die Revolution fvollzogen werden, deren Zeit die Aufhebung der heiitigen ungerechien staatliche» »ild gesellschasllicheii Verhältnisse und die Einführung des sozial-demo- kratischen Volksstaats sein wird, der rothen Republik." Hier ist als das Wichtige der Stelle die Einigung der Partei'zu betonen, woraus die Wirksamkeit der Partei folge» soll. Das Endziel ist aller- dingS die Republik und zwar die rothe Republik, d. h. die Btrück- sichtigulig der Arbeiter-Jntcressen nach soziatlstischen Grundsätzen. Re- voliition ist deutlich im Lassalle'scheii Sinn gemeint, als Durchfüh- rung eines Prinzips oder wesentliche AeNderniig des Bestehenden. Die Einrede der Angeklagten ist nicht schlechthin abzuweisen. Wenn der Staatsanwalt gesagt hat, daß Lassalle diese Erklärung ebenfalls in einer gerichtlichen Bertheidigungsrede angesührt habe, so ist zu be- denken, daß er als wissenschaftlicher Maiin sprach und zugleich den Philosophen Schelling für sich zitirte)— Für Bracke's Auftichtigknt in dieser Beziehung sprechen manche ganz gewichtig« Gründe. So ist er durch das Studium der Lassalle'scheii Schriften zu dieser Ansiassuilg der Revoliltion gekommeii, zumal da er, wie ein Zeuge(Rieck) hier aussagte, tief!» die Nächte hinein über diesen Büchern geseffen hat. An blutige Rev flution hat Bracke nicht gedacht. Das sicherste Zeichen ist.daßeransdrücklichvoii den gesetzgebcnben K örpern spricht. Den Ailsdilick, Pockenhaar" hat er Lassalle entlehnt und dadurch wie- deruin gezeigt, daß er die Revolution im Lassalle'jchen Sinne gemeuit hat. Di« Deuiung ist die richtige und wird auch von seinen Zu- Hörern verstanden.' Er sagt also:„wenn- Das und Das geschehen ist, habe ich Hoffnung ans die Zuknifft in meinem Sinuc." Roth als Symbol der Liebe aufznsassen, ist Etwas ganz. Gewöhnliches. Roth ist schon im alten Deutschland die Farbe der Liebe gewesen. Bracke hat also die ideale Republik der Liebe gemeint. Er spricht vom. End- ziel, vom Ideal. Diese Deutung entsprickst Bracke's Natur. Jeden- falls hat er nicht von unmittelbärer Gewaltthat gesprochen. Die Er> kläriiiig, welche Bracke bezüglich der Stelle:„Vorbereitung aus Ge- wall" gegeben, harmonirt usit- dieser seuzer Auffassung.— Drittens, die im Briese an Bonhorst vorkotiimciedk Stelle:„Vorbereitung ans Gewalt", meint nicht die Vorbereitung für Gewalt, nicht das Wölk?» der Gewalt, sondern ist nur eine Betonung der Möglichkeit, wo eine von dem Angeklagten nicht herbeigeführte Gewalt eintritt. Sodann muß erwogen werden, daß die fragliche Aeußening nicht für die£)«fi sentlichkeit bestimmt war und keine Aufforderung an Andere«nthielh sondern nur durch die polizeiliche Haussuchnna an die Oessentlichkeit kam.— Der vierte Vorwurf wird gegen Brack« ivegen seines Briefes an Walster gerichtet. Hier handelt es sich aber'blos um eiiien Roma», und zwar um einen nnserligen Roman, der Brief war nicht für die Oefsenilichkeit bestimmt und der Roman wurde nicht vollendet." Der fünfte Punkt betrifft die Kommunikation mit Ladendorf. Freilich hat Ladendorf verlangt, daß das dem Ausschüsse geschickte Geld für die Einsührung der deutschen Republik verwandt werde; allein Brack« hat versichert, daß er an Ladendors zurückgeschrieben hat, dies könne nicht stattfinden, woraus sich Ladendors hierbei beruhigte. Die schliw-- mere Deutung ist also geschwunden. Um aus den Brieten Laden- dorf's zu schließen, scheint dieser de» Mund recht voll zu nehmen und bei Weitem mehr ein Schwätzer zu sein, als ein wirklicher Revolu- tionär. Uebrigens ist Ladendors allem Anscheine nach ein Gegner der rothen Republik. Jedenfalls smdei er die Bestrebungen!von Mark, dem Sekretär des Londoner Generalraths der Internationalen, verkehrt und iiiiwirksam, wie aus den'Briefen erhellt.— Der sechst« Punkt, welcher zum Vorwurf gemacht wird, ist, dast Bracke aus dem Eisenacher Kon- greß die politische Agitation empfohlen hat. Diese Empfehlung ist nicht in dem angezogenen Umfang für die Tendenz zu verwerthe». Bracke hat blos betont, daß die Partei in ihrem Interesse wissen müsse, daß die Arbeiter ihr Interesse beurtheilen! können, wenn große, viel- leicht revolutionäre Ereignisse eintreten; davon, daß Revolution her- beigesöhrt werde» soll, ist Nichts gesagt.— Die siebenle Handlung- welche die Anklage vorbrinal, bildet die Einladung zur Volksver- sammlung vom 16. Juli 1870, worin dir Stelle enthalien ist:„Es gilt dem gemeinsamen Kampfe der Völker gegen jede Unterdrückung'' es gilt der Befreiung Frankreichs, Europa's von seinen, schändstchste» Tyrannen." Diese Stelle.besagt offenbar nur: an der Befreiung Fraiikceichs von dem Tyrannen Napoleon' ist ganz Europa, sind sämmt- liche Völker intercssirt. Der achte Punkt der Anklage gegen meinen Klienten wird in dkl Resolution vom 16. Juli gefunden. Die betressende Stell« lautet: „ Und.so möge es denn der sranzöstschen Nation gelingen, sich in einer große» Tbat des Tyrannen und seiner Helfershelfer zu entledigen! Und möge auch für die deutsche Nation bald der Augenblick kommen, wo sie, Mi wahre» Voltssiaale sreiheilkich geeinigt, den Bruderbund mir der französischen Nation besiegeln kann." Durch diese Stelle wird wiederum die freiheiiliche Entwickelung des Volkes ausgedrückt. Daß unter wahrem Volksstaate eine Repnblil zu verstehen sei, ist rein willkürliche Annahme. Von gewaltsamen Mitteln ist Nichts gesägt. Bei Bracke ist der nationale Gedanke in Liebe vereinigt mit vem internationalen Gedanken, mit dem der Brüderlichkeit. Bracke hat gerade gegen Liebknecht diesen Standpnilll mit aller Entschiedenheit vertteten. Dieser Standpunkt findet sich überall, in der Einladung zur Volksversammlung wie im Manifest, gewahrt- Bracke betont bald die eine, bald die andere Seite, je nachdem ma» ihm in der einen oder ander» Richiung zn weit zu gehen scheint. IN' dem Bracke eine ideale Natur ist, dient er in dieser Bewegung als mäßigendes Element. Der neunte Punkt ist der Aufruf vom 24. Infi 1870. Jn dew' selbeii ist die Hoffnung auf das Durchdringen der Demokratie und des Sozialismus ausgedruckt, wenn Napoleon beseitigt ist. Der letzt« Satz gibt in schwunghafter Redeweise dafse'be wieder. Wenn es heißt, daß die Proletarier aller Länder fich sammeln, die rothe Fahne vorgetragen, die Trommel gerührt werden solle, so ist das nicht eigentlich, sondetN bildlich zu nehmen und so zu verstehen, daß nach Erledigung der erste» Kämpfe die innere Entwickelung im Sinne der Demokratie und des Sozialismus wieder vor sich gebeii wird, und daß eine kräftige Reg- samkeil der Arbeiter bezüglich Wahrnehmung ihrer Interessen gehofft und erwartet wird. Die rothe Fahne ist das Zeichen der sozialistischen Richtung.— Die Anklage gehl fehl; denn die nationale Idee komnsi noch am Schlüsse vor. Daß Geldsack und Säbelherrschaft bloß die lleberwucherung des Finanzschwindels, JndustrialiSMns und Milttaris- nmSs bedeuten, scheint mir unbestreitbar. Wenn vog Trommelgewjrbet gesprochen wird, so ist nicht an die wirkliche Trommel gedacht, sonder» ' ixie, 5 WM jüa *.0 nuc ein Bild der Zeit gebraucht. Der Aufruf mußte ja einen gewissen Schwung haben. Der zehnte Punkt, das Manifest vom 5. September 1870, betont immer die nationale Seite, indem es darin heißt:„Es lebe Deutsch- land!" Aber die Freude über das verjüngte Teutschland soll die Ar- bester nich: an der Wahrnehmung ihrer Interessen und an der inter- nationalen Gemeinsamkeit hindern. Das Vorhandensein republikanischer Form in Spanien und Frankreich legt die Hoffnung nahe, daß das Ideal, die Republik, wenn dasselbe auch jetzt noch nicht zu erreichen ist, dennoch wird schließlich erreicht werden können. Nichts wird gcsagr von gewaltsamem Streben nach Republik, Nichts von gewallsamen Mitteln, vollends Nichts von Mord, Brand und Schrideusregiment. Nirgends ist gesagt, daß die monarchische Einrichtung fovtgeschasst werden soll. Bei der Deutung muß man das Ganze zusammenfassen. Thut man das, so gelangt man zu immer milderen Gründen der Beurtheilung. Vor Allen, darf nicht unberücksichtigt gelassen werden, daß Bracke immer offen aufgetreten ist. Ein Revolutionär dagegen im Sinne des Staatsanwaltts, das heißt ein umsturzplanender Verschwörer, ist verschlossen und schwatzt nicht vorher aus, was er ausführen will. Auch ist, wenn den Angeklagren die Absicht einer gewaltsamen Erhebung schuld gegeben wird, wohl zu beherzigen, daß diese Unterstellung schon deshalb ganz unwahrscheinlich ist, weil die Mittel zur Jnswerksetzung einer gewalt- samen Revolution kcinesivegs vorhanden waren. Die Monarchie stand damals in Deutschtand aus dem Höhepunkte ihrer Macht. Wird jedoch, um die Wahrscheinlichkeit zu begründen, cinoewendet, daß damals die sämmtlichen deutschen Heere in Frankreich standen, uno eine Menge französischer Kriegsgefangenen in Deutichland waren, so ist zu erwrdern, daß der Nachschub oder die Etsatzbatgillone noch in zahlreicher Menge bei uns im haute standen, daß Vogel von Falkensiein über eine ganz bedeutende Macht verfügte und daß dagegen die Zahl der sranzösijchen Gefangenen in der Zeit, uni welche es sich hier handelte, noch sehr gering war. Jedenfalls stand in Deutschland damatS eine so gewaltige Heermasse, daß Nieiiiand an ihre Bewältigung denken ionnte. Und wie sah es damals mit der Partei selbst aus! Dieselbe war, wie aus zahlreichen Briefen hervorgeh:, damals, sozusagen, recht ans den Hund gekommen. ES fehlte ihr aw Geld und wiederum an Geld. Somit konnte von der Absicht einer gewaltsamen Erhebung gar nicht die Rede sein. Die Sache hätte eimgermaßen immer noch Sinn, wenn Bracke damvls zur uationalen Bewegung eliie schnurstracks oppositionelle Stellung eingenommen hättl Aber Bracke ihinpathisirte bis zu einem ge- wissen Grade uiit der nationalen Bewegung. Der Zeuge Professor Aßmann bat hier an dieser Stelle ansgesagl, er Habe-Äracke sagen hören, daß dieser sich mit der Herstellung des Kaiserreichs besreundeii lönite.*) Bezüglich der Kolportagekasse hat Bonhorst anerkannt, daß er sie allein flihrte.— Karl Heinzen, dessen Schrift angezogen worden ist, ist Gegner der Partei. Es wird das Programm der sozial-demokratischen Partei hervör- gehoben; allein in diesem Programm ist nichts Ungesetzliches enthalten. Was Liebknecht geäußert, war dessen persönliche Ansicht. Ritstnghausen hat sehr richtig gesagt, daß das Wort deniokratifch korrekter die frei- sinnig« Haltung der Partei bezeichne, als republikanisch, da es auch sehr undemokralische Republiken geben könne. Der Antrag Löwenslem's, statt Voltsstaat Republik zu setzen, wurde in Eisenach ohne Debatte abgelehnt. Was das anstößige Referendum ans Volk anbelangt, so har schon Spier dargelegt, daß dasselbe mir dem Fortbestande der Monarchie recht gm deutbar sei. Was sonst von den parlamentarischen Körpern beschlossen wurde, soll beim Referendum endgültig durch das Bolk selbst entscksieben werden. Mir scheint, sagt der Veriheidiger, in- dem er seine persönliche Ansicht hierüber kundgibt, daß darin, insofern es in kleinen Staaten eingeführt weiden soll, ein vernünftiger Gedauke- liegt. Allerdings haben es die Sozial-Demokraien allgeinem einführen wollen t�aber in den Kopsen dieser Leute spiegelt sich die Welt überhaupt anders. Eine demokratische Monarchie nithält doch nichts von Gewalt und Schreckensherrschaft! Der Polizei wurde das Parteiprogramm vorgelegt und sie hat Nickis dagegen zu erinnern gefunden. Im Programm der Inter, lationajen ist gleichfalls nichts Ungesetz- licheS enthalte». Es. ist schon daraus hingewiejeir worden, daß die Internationale sein« Zeit wohlthälig gewirkt, indem sie die Verwickelung England? ist den amerikanischen Krieg verhinderte. Aus das Eni- ichiedenste ist von der Internationalen der gesetzliche Standpunkt betont worden. Bon hochverrätherischer Tendenz ist ftt ihrem Programm Nichts enthalten. Uebrigens hat damit Bracke Nichts zu thun. Ebenso ist von Bebel, Gelb und ,,Lvlksstaat" auf B acke leine Schluß zu machen. Die Haltung des„Bolksstaat" ist immer schwankend gewesen**), die in der Anklage angeftihrten Punkte stehen zerstreut in vielen Num-- Mern und sind durch viele Zeitungen hindtttch gegangen. Es ist nicht tvidses«»., dag die Skngeklagte» vorher Kvnntnhz»cm den Stellen des „Bolksstaat" gehabt haben. Es ist' auch nicht bewiesen, daß sie auf die Redaktion des„Volksstaat" haben einwirken können. Sie haben zwar einmal einwirlen wollen; allein ihr Versuch ist schließlich gescheitert. (Pause von 5 Minuten.) Der Veriheidiger fährt fort: Die Anklage suchr ihre Hauptbegründung in der inneren Natur der Bncht. Sie mtyellt, cin� verständiger Mensch, wie Bracke, könne unmöglich erwarten, daß die Sachen sich mit gesetzlichen Nüttel» durch- sichren lassen, und er müsse sich sagen', daß, wenn die Massen, die er in seiner Hand hält, losbrechen und ihm nicht mebr gehorchen, dann ganz heillose Zustände kommen werden. Dieses Raisonnement wird noch verstärkt durch Bracke's Bekenntniß, daß er sich auch den Eintritt von Gewalt denken konnte und daß er thatsächlich Mitglied der In- ternaiionalen war, worin manche revolutionäre Elemente stecken. So ungefähr ist die Deduktion der Anklage. Jndeß ist hierbei übersehen, daß eine solche Berechnung von Schwiengkeüen nur stattgefunden haben konnte, wäre ein gesunder Egoismus zur Stelle gewesen. Allein bei den Angeklagten findet, wo der Sozialismus ins spiel kommt, keine Berechnung der Schwierigkeiten statt, wie bei uns Alltagsmenschen. Man fthe poch unsere Soldaten an! Diese dürfen ebenfalls keine ver- ständige Berechiluiig haben; bei ihnen verhindert die Idee der Pflicht Idde Berechnung. In Bracke waltet die Idealität»er allgemeinen Menschenliebe vor bchufS Bekämpfuna der gewaltigen Roth der Masse, u»d zwar nicht allein behufs Bekämpfung der Roth in ihren einzelnen Erscheinungen, soiiderii auch zur Bekämpfung des Grundes der Roth. Uebrigens haben sich in neuerer Feit viele Hervorraaende Männer mit der sozialen Frage beschäftigt. Professor Huber und Professor Schaessle, der neuliche österreichische Minister, daben sich gegen Schulze- Delitzsch sur Lasjalle ausgesprochen. Der Mainzer Bischof Ketteler und die Lords >n England haben sich gleichfalls der Hebung ves Nothstandes zuge- Maadt. Auch die Bismarck'sche„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat der Arbeiterbewegung häufig ihre Ausmerlsamkeit geschenkt. Zeichen dir ANafenimiuz seitens der gebildeten Welt bezüglich der sozialen pttag� fmh äußerst häufig. Die Regierüüäeii haben die Kinderarbeit verboten, sie haben den Schulzwang eingeführl u. dgl. Die allgemeine Menjchenliebe wendet Leute häufig diesen Be- strebungen zu. Männer von bedeutendem Vermögen haben sich ernstlich 'Mi der Nvthlage des vierten Standes beschäftigt. So Lasjalle und so Marx, b t Schwager des preußischen Ministers v. Weftphalen. Im Alrenhum ist bei den Griechen Soion in dieser Hinsicht zu nennen. Vom Heiland der Christen ist der Ausspruch bekannt, daß ein Kameel eher durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Reich Gottes romM, Beim Angeklaaten ist's gewiß, daß er, frei von jedem Egois- Ilms, von dieser allgemeinen Menschenliebe durchdrungen ist. Nach der Zeugeilaussage des Professors Aßman ist er wohlhabend, fleißig, energnck und handelt nach innerster llebevzenguiig. Solche Leute wie ,*) jedenfalls hat Bracke das nicht in dem Sinne genieint, als es nach der Vmheidizung des Herrn Advokat Leiste Icheinen könnte. �.. Red. d. Volksst. ..) Hvho. Dagegen mochten wir doch protcftiren. Entweder sind die Worte des Hrn. Vertheldigers falsch wiedergegeben, oder er hat et- was gesagt, was mit der Wahrheit und den j.n Prozeß vorkommenden Aktenstücken in dlametralem Widerspruch steht. Zahlreiche, im Akten- Material befindliche Briese beweisen, daß von verschiedenen Seiten ver Vepjuch gemacht wurde, die Hallung des,.V°ltLstaet"„schwankend" »u machen, daß aber al le diese Versuche gleich dem ciniae Zeilen weiter vom Hrn. Berlheidiger selbst erwähnten gescheitert find. Daß der "Vottsstaat" die verschiedenen iu der Partei vereteueu Anschauungen lvm Wort kommen ließ, das war seine Pflicht und rechnet er sich als °eso»deres Verdienst an. Das kann man aber unmöglich als„schwan- �vde Haltung" bezeichne». Neb. d. Volksst. er dürfen und lönnen keine Schwierigkeiten scheu, sie inüssen von der Möglichkeit gesetzlicher Durchführung durchdrungen sein und daran glauben. Ist ja doch schon gar Manches wie z. B. das Koalitionsrecht, erreicht worden. Von Spier ist bekannt, daß er ursprünglich Schulzeaner gewesen ist und nur infolge neu erlangter Ncherzeugiliiz sich dem Las- salleanismus zugewandt hat. Solche Leute" e> blicken in der Masie den leidendkn Bruder, der sich auch nur von der Idee erfüllen lassen wird. Die in der Anklage eiilhaltene Behauptung der Solidarität fällt zusammen. Unter den verschiedeilenFraktionen und Personen der Sozial- Demokratie herrschten Meinuitgsverschitdenheiteu. Plan darf daher nicht den Eilten zur Last legen wollen, was Andere geihan haben. Ein weit- gehendes System muß daruni, weil es weit geht, noch nicht die Gesetz lichkeit ausschließen. Auch im Christenthuine der ersten Zeit finden wir schon den Kommunismus. Aus der Apostelgeschichte ist aber auch be- k annl, daß Ananias und sein Weib mit dem.Tode bestrast wurden, weil sie hinterlistig Eigenthum behalten hatten. Man darf Leute, die aus Liebe handeln, nicht zusammenwerfen mit Personen, die nur vom Ehrgeiz getrieben sind. Aber von Bracke liegen auch positive Beweise vor. Selbiger hat Bonhorst von unbedachten Schritten abgemahnt, er hat das Kaiserreich begrüßt(!?). Ehlers, Sievers und Andere, die srü- her mit in die Festungshaft nach Lötzen abgeführt und mit in die Untersuchung gezogen waren, sitzen jetzt nichr mit auf der Anklagebank. Von den ursprünglich Bersolgten findet sich hier nur noch ein kteines Häufchen, die Creme der Gesellschaft. Und sehen etwa die Angeklagten wie Hochverräther aus? Mau sehe sich doch eineu nach dem andern an! Kühn mag ein sehr guter Schneider sein: allein zum Hochver- räther paßt er nichr. Bouhctrst ist bald so, bald so; jetzt wallt er auf und dann hat er wieder„unter-Schulze'sche" Ideen. Spier ist nr- sprünglich national-liberal gewesen, Bracke wird beherrscht von glühen-- der Menschenliebe. Alles zstsammengefaßt muß man sagen, daß die Anklage nicht stichhaltig ist. In der That ist der Radikalismus der Angenagten„papieren" und unpraktisch(?) gewesen. An sich aber ist auch die Tendenz nicht zu bestrafen. Es ist doch sicher eine Scheidung einzuhalten zwischen Recht und Moral. Ge- danken müssen zollfrei sein. Der hochverrätherischen Tendenz fehlt der Leib, der Körper, es fehlt ihr der Hochverrath nach Entscheidung des Obergerichts. Dolus und äußere That sind so organisch mit cinander verbunden, daß sie gar nicht ohne einander existiren können. In der Anklage ist die Ob- sektivität verletzt, es wird grell der Petroleur und das Bild des Schre- ckens herausgekehrt, während von dem allbeftimmcnden Untergrunde der Liebe Abstand genommen wird. Aber die bösartige Tendenz ist nicht erwiesen. Der Verteidiger geht nun auf die zwiefache Gesetzgebung, auf die verschiedenen Gesetzes-Paragraphen und andere juristische Einzelheiten ein. Hierauf zieht er die Schlußfolgerung, daß seinem Klienten Nickis nachgewiesen ist. Mindestens hofft er aus mildernde Gründe und aus Berücksichtigung der langen Hast.'(Fortsetzung folgt.) Pforzheim, LS. November. Wie der gestern erschienene„Genossen- schafter" mittheilt, steht iü Berlin eine Arbeits einitellung der Goldarbeiter bevor, da dieselben eine Lohnerhöhung von Lö pCt. beanspruchen, welche die Arbeitgeber nicht zugestehen wollen.— Der Ge- neralralh des Gewerkvereins hier steht schon seit einigen Wochen in Unter- Handlung mit den Lereinen der Goldarbeiter zu Genf und Wien, welche sich, soweit es die Gesetze gestatten, an ihn anzuschließeil beab- sichtigen. Gegen den Redakrenr des oben genannten Blattes ist wegen des i» der koiiftszirten Nr. 3l abgedruckten Artikels:„1 ossizielle Maß- regelung in Pforzheim" von der Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 100 fl. und eine Freiheilsstrafe von 8 Wochen Gesängniß bean- tragt.(„Frankfurter Zeitung".) Berlin. Nachdem die Brenner und Kohlen karrer der eng- lischen Gasgesellschast durch eine zweitägige Arbeitseinstellung esti Lohnzuschlag von 25 pCt. erzielt hatten, erstreben auch ihre BenisSgenossen von der städtischen Anstalt eine Besserimg ihrer Lage. In einer am Sonilaöend(ud.) stattgehabten Versammlung wurde der Beschluß gefaßt, eine Strikekasse zu gründen und zu derselben 2'/, Sgr. beizutragen.— Einen laudwirthschastlicheu Stri ke haben, wie uns aus Nauen initgetheilt wird, die Bauerknechte in dem bei Nauen gelege- nen Dorfe Tremmen ausge führt. Dieselben erklären insgesammt, nicht unter 80 Dhlr. Lohn zu arbeiten und überhaupt bei einem Bau- ern nicht, welcher keine Dreschmaschine hat. („Demokratische Zeitung.) Breslau. Unser Vereins- und Versammlungsrecht.)(Forlsetztiug iiud Schluß.) Die hiesige Polizei giebl ferner gr.che Beweise ihrer Ge- setzeskunde. Sie löst' nämlich Versammlungen auf, ohne daßein gesetz- licher Grund vorbände» ist. so wurde z. B. eine Versammlung aus- gelöst, weil«in Redner die Polizei als„silberbordirlc Diener der Ge- rechiigkeit" bezeichnete. Eine Anklage ist nicht erfolgt, solglich war nur das übergroße Selbstgefühl des überwachenden Polizeibeamlen verletzt; denil die Polizei ist wohl silberbordirt aber nicht Diener sondern Tyrann. Sobald es 11 Uhr geschlagen hat, beginnt hier beim überwachenden Polizeibeamten'die Gespeniterstundc. Es muß ihm nämlich das roihe Gespenst erscheinen, weil er mit dem Schlage Ii Uhr aufspringt und erklärt, es sei Polizeistunde, jetzt müsse die Ver- sammlung geschlossen werden. Ein Beschluß des Obett.ribunals hat zwar die Anwendung der-Polizeistunde auf Versammlungen verworfen, aber was geht einem P.lizeikomisiar der Beschluß des Overlribuiials an? Er ist unfehlbar, wenn auch nicht durch ein Koncil, so doch von Gottes Gnaden.— Ich könnte nock eine ganze Reihe solcher Unge- sealichkeiren ausühren, jedoch würde mich dies zu weit führen. Ich will daher nur noch Eines Falles erwähnen, der beweist, wie tief die Polizei in das Vereinsgesetz eingeweiht ist. Bei einer Versammlung verlangte ver amtirende Beamte, daß ein Anwesender seinen Platz räume, weil er(der Polizeibeamte) denselben einnehmen wolle. Es war dies der Platz am Ofen. Nach dem Vereinsgesetze muß dem Beamten„ein an- gemessener Platz angewiesen" werden, und er hal,»ach den Erläute- rungen des früheren Staatsanwalts, jetzigen Kreisgenchtsduokiors Thiel o, keinesfalls allein zu einscheiien, ob ein Platz„angemessen" ist oder nicht. Und Jeder wird anerkennen, daß der Platz anlJÖor- standStisch ein aiigeniesseiierer ist, als der beim Ofen. Das neue Straf- gesetzbuch hal nun einen$, nach welchem der Amtsmißbrauch bestiast wird. Wir richleten also Beschwerde an die Staatsanwaltschaft, aber vergebens. Hier gilt das sprüchworl: Eine Krähe hackt der anderen die Augen nicht ans. Die Strafgesetze scheinen nur für die Sozial- Demokraten zu existiren; auf die Polizei, unfehlbar von Gottes Gnaden. scheinen sie kcme Anwendung zu finden. Wir, die wir bei der gering- sie» Uebertreiung bestraft werden, müssen von der Polizei verlangen, daß sft, wenn sie uns auch sonst durch Machinationen m Pen Weg tritt, wenigstens die Gesetze, die sie bVwache» soll, nicht selbst nderrritt. Den Beamten stno die Verletzungen der Gesetze gab nicht so übel zu nehme», denn ihnen wird das Ueberwachen der Versammlung lang- weilig, da sie in Folge ihrer großen geistigen Kräfte und Kenntnisse das Vorgetragene urcht begreisen können. Neulich wurde von dem Viir- germeister von Schwerin— den Namen dieses guten Unterthailen habe ich veigessen,— deni Kaiser-König der Lobspruch gespendet: ER schirme mit Festigkeit das Recht. Unter„Schirmung des Rechts" wird doch jedenfalls ein Schirmen der bestehenden Gesetze verstanden.— Aus Obigem haben die Leser ersehen, wie gut die Gesetze„geschirmt" werden. Die hiesige Polizei hat keinen Tadel von Oben herab zn fürchten, sondern eher werden ihr Dekorationen und Avancements zu Theil für ihren großen Amtseifer und für die strenge Beobachtung der Gesetze. Parteigenossen aller Orlen! bringt alle Ungesetzlichkeiten der Polizei sofort zur Äuzeige, wir müssen sehen, wie es Mit der gerühmten Uiiparteitichkeit und Ge- setzlichkeit der deutschen Richter steht, und db sich nicht mit' itor Bildung des deutschen Kaistreichs auch die kaiserlich sninzösische Mode einge- schlichen hat, nur so zu richten, wie es in allerhöchsten Kreisen gefällt, um— eine bessere Stellung zujnlaugen. Wir müssen sehen, ob die Gesetze nur dazu da sind, um die Sozial-Dernokralen zu treffen und von den Machthavern übertreten zu werden. Königslutter. Maßregelungen. Bezüglich der Maßregelimgen, welche jetzt dw Maurer und Steiiihaner, weiche sich an dem letzten Sinke betueiligeil, treffen, können wir heute folgenden Bericht bringen. Der Steinhauer H. Mendt arbeitere früher als Polier bei dem Maurer- meister Wessel und Komp. an dem Stationsgebäude in Königslutter. Daselbst arbeitete auch der Stein bauer Christian Pegge. Al« der Strile ausbrach, nahm Wendt bei dem Maurermeister Homami, welcher die Forderungen der Gesellen als berechtigt anerkannte und bewilligte, Ar- beit. Meister Hamann führte damals ein Nebengebäude des Slations- hauseS auf. Die Maurermeister Wessel und Komp. ärgerte sich nicht wenig, daß sein Bau so prächtig sortschrüt und- sie dabei den ihnen verhaßten Wendt in nächster Nachbarschaft sehen muhten. Was war da zu thun? Ohne langes Besinnen gingen die Edlen zn dem Bau- meister Herrn Ebeling und schwindelten diesem vor, Homann hätte den ganzen Strike gemacht, indem es ihm darum zu thun gewesen sei, frische Arbeitskräfte zu gewinnen; würden die ihnen(Wessel ttnd Komp.) entgangenen Arbeiter nicht bei Homaun Unterlommen finden, so müßten sie den ,, hohen Ton" bedeutend herabstimmen. Auf diese Verdächtigung hin verlangte Herr Baumeister Ebeling von Homann, daß er, um. sich zu rechtfertigen, seine Arbeiter entlasse. Um es mit dem Baumeister nicht zu verderben, käm Homaun dieser Aussorderuug nach. Die Herren Wessel und Komp. täuschte» sich aber gewaltig, denn keiner der Gemaßregelten fing bei ihnen an. Der Steinhauer Pegge, welcher an der Bahnstrecke bei Königslutter als Erdarbeiter thätig war, bekam nach einigen Wochen von dem Schachtnieister Kindler seine Entlassung, weil der Ingenieur Knust durch ein Schreiben anbesohlen hatte, bei Vermeidung einer Strafe von 2 Thlr. keine Maurer und Stein- Hauer bei den Erdarbeiten zu beschäftigen. Nächstens mehr über diesen s Punkt. Erwähnt sei noch, daß eine Anzahl Steinhauer und Maurer ans Wernigerode den hiesigen Gesellen der genannten Branchen eine schmachvolle Konkurrenz machen und die LSHne herabdrücken.(„Brannschweiger Volksfreund.") Neuettdorf. Daß d e Frau unseres in der Grube veruy- glüchten Parteigenossen- Ro hkohl aus Grund des Hastgese�e? ihre Entschädiguugsansprüchc durchsetzen wird, glauben wir mit Be- stimmth'it voraussagen zu dürfen. Die Arbeit, an welcher Rohkohl iheiluahm, wurde � mit zwei Drittel betrieben, das erste von früh sechs bis Mittag zwei Uhr, das zweitejmn Mittag zwei bis Abends zehn Uhr. Dann ist den Leuten von Seiten der Beamten ein Gesetz auf- oktroy rr worden, welches dahin lautete, daß die Frühschichter vor ein viertel auf zwei Uhr, die Miltagsschichter vor ein viertel auf zehn Uhr bei Vermeidung einer halben Schickt Strafe nicht schießen; auch ist noch zu bemerken, daß halb zwei und halb zehn Uhr die Zeit zum Ausfahren ist; sonach bleibt den Leuten nur eine viertel Stunde zur Sicherstellnilg der Arbeit, welche aber die Leute nicht ein- mal benutzen konnten, denn wenn geschossen ist, muß mau we- iliastens z.chn Minuten warten, ehe sich der Pulverdampf verzieht, iverl dieser Augen und Brust ruinirt, wenn man sogleich hinein geht. So war es der Fall bei Rohkohls Tode; als er früh vor die Arbeit kam, hatte er mit keinem Kamerad, indem selbige die Arbeit verlassen hatten, sprechen können; daraus nahm Rohkohl eine Zweijpitze zur Hand, um die Arbeit zu untersuchen, aber kaum hatte er damit an- gefangen, so stürzte schon eine Salzmasse von mehreren Centnern aus ihn, so daß er, an allen GUedern zerschmettert, sofort tvdt war; auch ist keine gerichtliche Untersuchung verfolgt, slildern der Bergmeister Schön war an der Unglücksstälte, woraus nach Wegschaffung der Leiche wieder weiter gearbeitet wurde, wo es doch schicklich war, eine solche Arbeit drei Tage ruhen zu lassen. Dies wäre es, worauf sich Frau Rohkohl stützen kann.(Wie wir soeben erfahren, hat die Anhalt'schc Regierung trotzdem jeden Schadenersatz vc rweigert, und in Folge dessen die Wutwe Rohkohl den Fiskus verklagt. Red. d. V.) Zwickau, 26. Novbr. Der Ausnahmezustand, mit.dem uns die hiesige Polizeibehörde jüngst beglückt hatte, scheint aufgehoben zu sein— zu wenigstens ist die für gestern Abend angezeigte allgemeine Arbeiter-Versammlittig nicht verboten woxde» und yar darum»attge- silnden. Ob die Polizeibehörde dem Drängen der Arbeiter nachgegeben, sie ihr kategorisch erklärten, sie ließen sich nicht zurückschrecken uno würden trotz aller Verbote immer wieder von ihrem, ihnen gewährleisteten Versammlungsrechte Gebrauch machen und Versammlungen airmelden, oder ob sich die hiesige Polizeibehörde plötzlich zu einer andern An- schanung bekehrt hat, und aUgememe Arderlerversammtungen, in denen öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollen, nicht mebr für staatS- gefährlich hält,— wir issen es nicht. Sollte aber dies letztere der Fall sei», ist dann damit nicht unwiberlegbar konstatirt, daß eö nur aus die Anschauug der Behörden ankommt, ob der Arbeiter die gesetz- lich gewährleisteten Rechte ausüben darf oder nicht?— Die betr. Ver- sammlung war leider nur schwach besucht, denn wir zählten kaum 200 Personen, die anwesend waren,— eine verschwindend kleine Anzahl gegenüber der ungeheuren Arbeilermasse» in Zwickau. Rendel und Großer aus Chemnitz referirteil über vie gegenwärtige Simalion dar Arbeiterbewegung, an der Debatte betheiligren sich Uhle. Dotzauer, Hofmann und Bretschneider, die alle emhellig die Gründung von Gewerksgeuoffenschasten anempfahlen. War die Versammlung nur schwach besucht, so ist aber doch zu erwarten, daß Zwickau m t dieser Versaininlung wieder in die Bewegung eiuttetm wird; zum wenigsten beauftragten oie Anwesenden auf Vorschlag UhleS den Vorsitzenden, inner- halb der nächsten 8 Tage eine neue Versammlung zu berufe», in der dann weiter über die Interessen der Arbeiter diskutirt werden soll, um auf diese Weise auch die Gründung von Gewerksgenosseu- schasten und sozialdemokratischen Vereinen herbei zu führe«. München-Gladbach. ES hat sich hier i» letzter Zeit ein großer Umschwung in der Arbeit erwelt vollzogen; Müncheu-Gladbach, die letzte Beste„unseres Fritz" ist gefalle», die Arbeiter sind durch den letzten Strike, in dem sie ihre gräsliche Führerin so schmählich im Stich gelassen hat, belehrt worden, daß sie, w'enn sie ihre Forderungen durchsetzen wollen, außerhalb der Mauern München-Kladbachs Bundes- genossen haben müssen; daß eine Partei wohl, aber keine Fraktio n, heutzutage einen erklecklichen Erfolg erzielen kann. Diese Erkennrmß ist freilich bei den intelligentesten unter den dortigen Arbeitern schon vor geraumer Zeit zum vollen Durchbruch gekommen, allein bei vielen Arbeitern bedurfte es erst eines förmlich hauogreiflichen Beweises von der Wahrheit dieses Satzes, und diesen Beweis hat ihnen der verflossene strike bis zur Evidenz geliefert. Die Mende-Hatzfeldt'jche Führung halte die München-Gladbacher bisher zu deren eigenem Schaden wie zum Nachthcil der Arbeitersache überhaupt von der Übrigen Arbeiterwelt Deutschlands planmäßig ifolirt; jene Führung harte zugleich die München-Gladbacher zur Ohnmacht vekdammt und der Sozialdemo- kratie Deutschlands einen tüchtigen Kern entzogen. Nun ist die Beste gefallen, ohne daß von unserer Seite auch nur dir gelingste Versuch gemacht worden wäre, sie zu erobern; sie ist zu- sammengebrochcn unter der Last ihrer eigenen Fehler, 2.«in etlatanles Beispiel von ver uuwiderstehlicheii Macht der Idee, welche sich durch alle Hindernisse hindurch Bahn bricht und schließlich zum Siege gelangt. Hoffen wir, daß die Vereinigung aller deutschen Arbci er, welche hiermit wieder um einen großen Schritt vorwärts gegangen ist, in nicht ferner Zeit vollendet sein möge!-— Mütseil St. Micheln, 1. November. Seit mehreren Jahren besteht hier ein Ar beiterfortbildu n gs verein, welcher sich stets eines giiien Rufes bei der Sozial- Demokratie erfteute, denn er half stets rüstig, wo es einen Fortschritt galt. Bei den Reichstags- und Ge« meinde-Wahlen hatten wir jeder Zeit die Majorität, und in der Ge- meinde ward manche,» liberalen Pyrltster ein strich durch die Rechnung gemacht. So kam im Jahre 1ÄZ8 ein Gesetz, daß in jeder Kirchen- Gemeinde ein Kirchcn-Borstand zu wählen sei; der Arbeiterverein war nicht müßig und stellte Kandidaten auf, weiche auch alle durchkamen. Die>Wahl ist auf sechs Jahre, jedoch nach den ersten drei Jahren scheidet die Hälfte durch's Laos aus, darf aber auch wieder gewählt werden. Wir, die beiden Unlerzeichneten aber, chlugen das Laos aus und gingen freiwillig ab, indem wir von der Kanzel vermelde» ließen, daß wir die Wahl nicht wieder annehmeil würden. Trotzdem mit Majorität wieder gewählt, hielten wir uns verpflichtet, die Wahl an- zunehmen. Jedoch unserer freien Richiung nach konnte es uns nicht lange behagen und bald fühlten wir, daß, wollten wir unseren Ueber- Zeugungen treu bleiben, wir aus dem Kirchen-Borstand und der Landes- Kirche austreten mußten. Dies ging um so schneller, als in dem Verein der Wunsch auftauchte, auch einmal einen fteiretigiösen Bortrag zu hören, iu Folge dessen am 15. Oktober eine Volksversammlung hier einberufen ward, in der Hr. Bach manu aus Zwickau sprach. Dies erregte den Acrger uiis-rs Geistliche», der sich bemüßigt fand, am Sonntag und am Kirmeß- Montag m der Kirche Strafpredigten z» halten und sich dabei in so heftigen Ausdrücken gegen die Vertreter unserer Richtung erging, daß wir uns veranlaßt sahen, uiisern Austritt aus dem Kirchenvorstand und aus der Landes-Kirche anzumelden. Ehregott Frankd. Ernst' Hü hm er. Politische Uebersicht. Am Freitag wurde der Berliner Reichstag entlassen nachdem er seine Schuldigkeit gethan und zum Pauschquantum von 90 Millionen und der Verlängerung des eisernen Mili- tärctats auf 3 Jahre Ja gesagt hatte. Zur Charakterisirung des Bismarck-Simson'schen Parla- meutarismus haben wir bloß zu bemerken, daß Lasker(Kuppel- Lasker, es ist kein Druckfchler) in den betreffenden Debatten als Hauplsprecher der— Opposition fungirte. Die Herren Nationalliberalen sind vor Wuth außer sich über den traurigen Auslauf der Session, die, um dem Skandal ein Ziel zu setzen, von Delbrück so rasch geschlossen werden mußte, daß Simson um seine übliche Belobigung kam.— Seit einigen Tagen geht nachstehende, augenscheinlich offi- ziöse Notiz durch die Blätter: „Wir hatten schon vor einigen Tagen kurz angedeutet, daß der vielbesprochene Zusatz zum Strafgesetzbuch, welcher seine Spitze hauptsächlich gegen den Mißbrauch der Kirche zu poli- tischen Zwecken von Seiten katholischer Geistlicher richtet, im Schooße des Bundesrathes auf mehrfachen Widerstand ge- stoßen ist, und zwar auch bei den Vertretern der sächsischen Regierung. Wie man hört, schlug Sachsen folgende Fassung des Entwurfs vor:„Z. 130 a. Wer öffentlich die Verfassung deS Deutschen Reiches oder eines Bundesstaates oder Staats- einrichtungen oder die Rechtsinstitute der Ehe, der Familie oder deS Eigenlhums beschimpft, wird mit Geiängniß bis zu drei JahrenZuchthaus bestraft," und als der Bundes- rath diese Fassung verworfen, stimmten Sachsen und die beiden Mecklenburg gegen den Entwurf, während Hessen wegen mangeln- der Instruction sich der Abstimmung anfangs enthielt, in einer späteren Sitzung aber zustimmte. Man erzählt, Sachsen habe sein ablehnendes Votum hauptsächlich damit motivirt, daß es nur in einem allgemein gehaltenen Gesetze den Weg zur Be- seitigung von gewissen Uebelständen sähe, daß ein Herausgreifen einer einzelnen Klasse aber für empfehlenswerth nicht erachtet werden könne, auch seine politischen Bedenken habe. Wenn man täglich die Beschimpfungen der Sozialdemokraten und deren Angriffe gegen die Verfassung und die Gesetze ruhig hin- nehme, ohne deshalb das Strafgesetz abzuändern, und hier wegen derselben Aeußerungen Geistliche bestrafen wolle, so würde dies verletzen, Erbitterungen hervorrufen und am Ende nicht die beabsichtigten Folgen haben. Was die Ausschreitungen der Geistlichen.betrifft, so mißbilligt und verurtheilt die sächsische Regierung dieselben eben so wie die Bundesregierungen."*) Dieses verlegene Communiquö hat ein zwiefaches Interesse für uns.' Erstens zeigt es uns die Absichten der Sächsischen Regierung— und es ist immer gut zu wissen, was der Gegner will. Zweitens sehen wir, und das ist das Wichtigste für uns, daß die Sächsische Regierung ihrer eignen Auf- fassung nach keine gesetzliche Handhabe zum Ein- schreiten gegen die Sozialdemokratie hat— was, im Vorbeigehen bemerkt, ein sehr eigenthümliches Licht auf diesyslematischen Verfolgungen wirft, dieseit einigerZeit in Sachsen gegen unsere Partei gerichtet werden. Den durchgefallenen Antrag betreffend, so war derselbe beiläufig sehr harmloser Natur, sintemalen es uns noch nie eingefallen ist und auch nie einfallen wird,„die Verfassung des Deutschen Reichs oder eines Bundesstaats, oder Staalseinrich- tungen, ooer die Rechtsinstitute der Ehe, der Familie und des Eigenthums zu beschimpfen." Vermuthlich war es gerade der harmlose Charakter des Antrags, was der Grund zur Ab- tehnung bildete. In Preußen hat man„gewiegte Eriminalisten", die das Ding besser versteh».— Der„Demokratischen Zeitung" schreibt man: „Leipzig, 1. Dez. Der Braunschweiger Prozeß wird in nicht allzu ferner Zeit eine zweite und wahrscheinlich verbesserte Auftage in Leipzig erleben. Bekanntlich hat das im September 1870 bei Verhaftung des Ausschusses vorge- fundene Material auch die Veranlassung gegeben, im Dezember vor. I. Liebknecht, Bebel undHepner zu verhaften und in 3% monatlicher Untersuchungshaft festzuhalten. Der Staats- anwalt hatte die Anklage auf Versuch resp. Vorbereitung zum Hochverath zu stellen für gut befunden» nach Schluß der Untersuchung indeß es vorgezogen, die Anklage auf Versuch zum Hochverrath fallen zu lassen. In Folge dessen wurden die Angeklagten am 28. März a. c. in Freiheit gesetzt. Während nun das Obergericht in Wolfenbüttel die gleichzeitig vom Braunschweiger Staatsanwalt gegen die dortigen Ausschußmit- glieder erhobene Anklage auf Vorbereitung zum Hochverralh wegen mangelndenThatbestandes zurückwies, stimmte der Anklagesenat des Leipziger Bezirksgerichts dem hiesigen Staatsanwalt bei. Auf Grund dieser verschiedenartigen richter- lichen Entscheidung fanden. es die Leipziger Angeklagten für zweckmäßig, die Nichtigkeits- Beschwerde einzulegen. Heute wurde nun denselben der Entscheid des Oberappellations- gerichts mitgetheilt, welcher die N i ch l i g k e i t s- B e s ch w e r d e zurückw eist, so daß also die Anklage auf Bor- bereitung zum Hochverrath aufrechterhalten ist. Da bereits nächste Woche die vierte Schwurgerichtssession beginnt, so kann für diesmal der Prozeß nicht vorkommen. Er wird wahrscheinlich in einer extra einberufenen Session Ende Januar oder Anfang Februar zur Verhandlung kommen, und verspricht äußerst interessant zu werden. Das Anklagematerial umfaßt die Periode der Arbeiterbewegung von Veröffentlichung des kummunistischen Manifestes im Jahre 1848 bis zur Glieder- werfung der Pariser Kommune, die Angeklagten haben also ausreichende Gelegenheit, sich nicht nur über ihre eigene Hal- tung und ihre Prinzipien, sondern auch über die wichtigsten histo- rischen Momente jener Periooe auszusprechen, und sie beab- sichtigen, dies gründlich zu thun. Der Prozeß dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach mindestens eine Woche in Anspruch nehmen.— Eine zweite Anklage gegen Liebknecht allein als Redac- teur des„Volksstaat", wegen Schmähung der Religion erhoben, fand nicht die Billigung des Oberappellattonsgerichts. Die Nichtigkeitsbeschwerde wurde für begründet erachtet unv der Prozeß gegen Liebknecht in Folge dessen eingestellt." Dagegen— haben wir hinzuzufügen— ist gegen Liebknecht die Anklage wegen Beleidigung d erPreuß ische n Mili- täreinrichtungen, sowie wegen einer Anzahl von„Preßver- gehen" ausrecht erhalten, und mit dem Hochverralhsprozeß )*„Die Bundesregierungen" kann der 1. aber auch der 4. Fall jein. verbunden worden. Dasselbe ist mit einigen gegen Hepner angestrengten Preßprozessen der Fall. Preßmisere. Die Redakteure der Berliner„demokra- tischen Zeitung", Voigt und Lübeck sind wegen„Majestäts- beleidigung" und„Schmähung von Staatseinrichtungen", die in Leitartikeln und in der Novelle„die Vaterlandslosen" enthalten sein sollen, zu je 6 Monaten Gefängniß verurtheilt worden.— Das Urtheil des Braunschweiger Kreisgerichts gegen den Redakteur des„Volksfreund", Bernhard Becker, welcher wegen des Artikels„der Friede und das stehende Heer" zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt wurde, ist vom Wolfenbütteler Kassationshof bestätigt worden. Becker hatte zwar nachgewiesen, daß er nur von der preußischen und nicht von der deutschen Militaircinrichtung gesprochen habe, allein das Gericht behauptet, daß preußische und deutsche Militär- Verfassung in Eins zusammenfielen, und daß ferner das ganze deutsche Reich als„Inland" zu betrachten sei. Allerdings— so weit Kaserne und Zuchthaus in Frage kommen; in allen übrigen Punkten wird der Unterschied zwischen In- und Ausland iu jedem der Bundesstaaten noch ganz streng festgehalten, z. B. im Punkte deS Bürgerrechts. Parteigenosse Ufert ist vor einigen Tagen auf Verlangen des Mittweidaer Bezirksgerichts auf dem Dresdener Bahnhofe verhaftet worden, als er eben auf der Durchreise begriffen war und. nachdem er wegen verbotenen Betretens der Stadt Dresden im Polizeigewahrsam daselbst eine kurze Haft verbüßt hatte, nach Mittweida ausgeliefert worden. Das Motiv der Ver- Haftung ist eine in Lunzenau gehaltene Rede, in welcher Ufert gesagt haben soll:„Wir müssen dem Arbeiter mehr revolu- tionären Geist beibringen".— Aus Mittweida theilt uns ein Parteigenosse mit, daß es ihm von dem Gerichtsdirektor verwehrt worden sei, für Ufert V erpflegungs- gcld einzuzahlen. Diese Nachricht kam uns so unglaub- lich vor, daß wir uns an Ufert selbst mit einer dahingehenden Anftage gewandt haben. Die Antwort werden wir, sobald wir sie erhalten, mittheilen. Aus Nürnberg geht uns nachstehender Aufruf zu, der— wir bezweifeln es nicht— auch bei unseren engeren Parteigenossen ein Echo finden wird.*) Ludwig Feuerbach, der Zer- störer des Gott-Mnthus, der Vernichter der Theologie, hat sich unsterbliche Vertnenste um die Wissenschast erworben;— weil er nicht in die Dienste der herrschenden Klasse trat, läßt der heutige Staat, die heutige Gesellschaft ihn' verhungern! Arbeiter, zeigen wir, daß die Sozialdemokratie sich der Pflichten gegen die Wissenschaft bewußt ist, die von unfern Gegnern, welche stch selbst für die Träger der Cultur ausgeben und uns als „kulturfeindlich" hinstellen, so schmachvoll mißkannt und mit Füßen getreten wird. Der(zuerst in dem„Würzburger Journal" veröffentlichte) Aufruf lautet: An die Demokraten aller Länder! Nürnberg, 22. Nov. Die Völker klagen oft über den Undank der Fürsten, und sie haben Recht. Doch auch daran sollten sich die Völker erinnern, daß sie selbst am undankbarsten waren, zwar nicht gegen die Fürsten, sondern gegen diejenigen Männer, welche sie als Helden des Geistes, als Pioniere der Freiheit, als große Menschen vor allen Anderen hätten ehren sollen. Leider ist es fast zu einer Eigenthümlichkeit der deutschen Nation geworden, ihre bedeutendsten Männer, solche, die nicht durch Kriege oder Staatsstreiche, sondern durch ihr Wirken für die edelsten und erhabensten Ziele der Menschheit berühmt ge- worden sind, oftmals mit der bittersten Noth kämpfen, ja sogar verhungern zu lassen. Von den großen Geistern, welche nach den Freiheits- kriegen in Deutschland die Fackel der Aufklärung bis in die Hütten des Proletariats trugen, find nur noch ganz Wenige übrig, unter diesen der weltberühmte Philosoph und Gelehrte Ludwig Feuerbach. Hier in Nürnberg lebt er, der Mann, dessen Werke alle Nationen bewundern, der Mann, der in das Labyrinth der Theologie helles Licht brachte, der Mann, der die Philosophie vom Himmel auf die Erde verpflanzte. Hier in Nürnberg lebt er, draußen vor der Stadtmauer in einem einsamen Häuschen — arm und krank— ein Greis von 66 Jahren— körperlich ganz gebrochen— doch seines Geistes noch so mächtig, um den Undank seines Volkes zu verachten und das Bewußtsein mit in das Grab zu nehmen, daß die deutsche Äiation für ihre größten Männer nach dem Tode ein Denkmal von dem Stein bereit hält, den sie ihnen im Leben statt Brod gegeben. Hier in'Nürnberg, der„moralischen Hauptstadt Bayerns" lebt Ludwig Feuerbach, der beste Mensch, unserer Stadt größler Bürger, des Vaierlandes Ruhm und Zier.— Den Männern des Krieges und den Jüngern macchiavellischer Staats- kunst gibt mau Millionen und Paläste, aber von seinem größten Denker muß sich das„Volt der Denker" sagen lassen: Ludwiss Kcuerbach war in seinem Alter dem Hnngertode nahe. Darum, nicht an dieses deutsche Voll wenden wir uns,— unser Ruf ergehl au die Demokratie aller Länder, um dem großen Mann, der für die ganze Menschheit sein Leben gewidmet, in den letzten Tagen seines kummervollen Lebens eine Freude, vielleicht in der Form einer Weihnachtsbcscheerung, zu bereiten.. Für den Augenblick zwar sind Ludwig Feuerbach und seine Familie der drückendsten Nahrungssorgenfenthoben wordm. Pflicht der internationalen Demokratie aber bleibt es, die wenigen hiesigen Freunde in ihrem Wirken für den hochverehrten Frei- heitskämpfer thatkräftigst zu unterstützen. Demokraten, helft! (Die Redaktionen aller demokratischen Blätter ersuchen wir um Aufnahme dieses Ausruss. Briese und Anfragen sind an die Redaktion des„Würzburger Jour- nals" zu richten, die bereitwilligst Auskunft erlheilt.) Penzing, am 28. Novbr. Herr Müller, Drucksabrikant in Penzing, wollte seinen Druckern am 30. Oktbr. d. I. den Arbeitslohn verkürzen; da aber derselbe ohnedies zu niedrig war. um die nöthigsten Bedürfnisse davon zu bestreiten, stellten wir die»rbeit ein; unsere Kollegen unterstützten uns auf das kräftigste, worüber die Fabrikanten sehr erzürnten und sich koalirten; 3 derselben haben am 27. d. M. ihre Fabriken geschlossen; in einer andern Fabrik wurde den Ar- beitern gesagt, daß dieselbe Samstag.gesperrt wird. Durch diese Maßregel wollen sie die Unterstützungen schwächen und uns zwingen die Arbeit wieder auszunehmen. Durch dieses Vorgehen der Fabrilanten sind wir 400 ohne Arbeit aber fest entschlossen auszuharren, und ersuchen wir unsere Kollegen in Auslande uns zum Sieg zu verHelsen, und den Zuzug zu verhind ern. Mr ersuchen alle arbeiterfreundlichen Blätter von Obigem Kennt- niß zu nehmen. Das Komitee. Unterstützungen deliebe man zu senden an die Redaktion des „Bolkswille" in Wien oder an Josef Schneider, Penzing, Pfahi gasse Nr. 16. Stollberg Am 18. Nov. hielten wir behufs Gründung einer Gewerksgenossenschaft hier«ine Arbeiterversammlung ab, in welcher Albert(Glauchau) unter großem Beifall der Zuhörer vor- trefflich referirte. 60 Mann haben sich bereits zum Eintritt in die Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter ge- meldet; in diesen Tagen findet die definitive Constituirung statt. Zur Notiz Da das Chemnitzer Centralkomitee demnächst eine alpha- betarisch geordnete Generalquittung über alle für den Strike ein- gegangenen Gelder im„Volksstaat" veröffentlichen wird, glauben wir die uns zugegangenen Einzel-Quittungen von Sammlern vorläufig zurückstellen zu dürfen. Berichtigung. In der Anzeige der Leipziger Mitgliedschaft der Metallarbeiterschast in voriger Nr. heißt es irrthümlich„Vorstand", anstatt Bevollmächtigter. Sch. in Kür die Chemnitzer Cscmatzregelteu n Bützfleth 1 Tblr 24 Gr. Hl Hadl ich. Ouittuna. Für Ludwig Feuerbach. Bon Professor W. in Leipzig l Thlr._ Red. d. V. Briefkasten der Redaktion. E. A. in Leipzig:„Eingesandr' wird natür- lich aufgenommen.„Abonnent des Voiksstaat" in Hamburg: Maz- zini halte auch ich für einen„ehrlichen Mann", aber er ist Gegner der Sozialdemokratie, und die„Ehrlichkeit" verpflichtet mich doch nicht zur Uebereinstimmung; sonst müßte ich auch mit Wantrup übereinstimmen, den ich in seiner' Weise für„ehrlich" halte. WaS Kossuth angeht, so scheinen Sie diesen Theaterhelden und—(doch der Ausdruck ist Ihnen anstößig,) nicht zu kennen. Ich verwrise Sie auf Marr:„Herr Vogt". Steht ihnen das Luch nicht zur Verfügung, so bin ich bereit, Ihnen brieflich nähere Aufschlüsse zu geben. W. L. Hr. Wilhelm in Ernstthal: 1 Thlr. empfangen für die Jnhas- tirten(gesammelt bei einem Vergnügen des Arb.-B.-Vereins— ein zweiter Thaler wurde an Ort und Stelle einem gemaßregelten Partei- genossen ausgezahlt); ein Bericht von Ihnen ist uns' zugegangen. E. K. in T.: 1 Thlr. für die Flüchtlinge der Commune erhallen. Der Erpedition: C. R. Nürnberg: Bitte mir Ihren Bedarf an Schriften zc. nochmals auszugeben. Endres in Augsburg Thlr. 6. 26. f. Schrst. erh.; N. in Useinen 5 gr. f. Schrst. erh. L. in Stolp 12 gr. s. Schrst. erb. K. in Meerane. Sobald gewünschter Kalender erschienen, erhalten Sie die verlangten Erpl.«chm. Meern.: Ihre Schriften solge» nächstens. W-chfelberg, erhalten. Sch.-Dresden, Thlr. 5. 10 f. Ab. erh. K. Neukirchner: Das Uebrige ist besorgt. Für vreslau. Sozial-demokrattsche Arbeiter-Partei. Montag, den 1l. d. M., Abends 8 Uhr, Persamwlang iw neuen Partei-Lokale Neumartt Nr. 19 im Hinterzimmer parterre beim Restaurateur Herrn Sch ilg. Tagesordnung:„Bericht der Kommission über das Flugblatt und das Statut der Widerstands- und Unterstüyungs- kassen." Alle Diejenigen, welche zur Gründung der ersten Wider- standskasse beigesteuert haben, sowie auch alle andern sich dafür inte- ressirenden Parteigenossen werden hierzu eingeladen., H. Oehm«. Lessentliche *) In Sachsen können wir leider nicht sosort eine Sammlung veranstalten weil ein vorsintfluthliches sächsisches Gesetz die Sammlungen für Aus- länder— und jeder Nichlsachse ist Ausländer trotz der„nationalen deutschen Einheit"— von der Genehmigung de« Ministeriums ab- hängig macht. Es werden aber unverzüglich die gesetzlich nöthigen Schritte gethan werden' D. R. d. V. Für Odenbach und Umgegeud. Mitgliederversammlung, der soztal-demvrrattsche« Arbeiterpartei. Sonntag, den 10. Dezember, Rachmittags 3 Uhr. Tagesordnung: 1) Die Sozial-Demokratie. 2» Der Reichstag. 3) Der Normalarbeitstag. 4) Die Internationale und ihre Verfolgung. Morgens um 11 Uhr geschlossene Mitgliederversammlung und Aonfereuj. Hierzu laden wir alle Parteigenossen von Franksurt, Mainz, Darmstadl, Wiesbaden, Mannheim, Marburg, Gießen, Isenburg, Muhlheim und Sprendlingen höflichst ein. Diesenigen Parteigenossen, die ein Referat übernehmen wollen, bitte ich, mir bis zum 7. Dezember es anzumelden. Die Fremden bilten wir, sich bei Herrn Schmidt, Bieberer-Straße (Rebstock) einzufinden. Im Auftrag der Mitglieder: W. Kölsch Kl. Biergrund 22. Für Leipzisi. Nächsten Freitag, Abend 8 Uhr Parteiversammlu«g in dem Restaurant Viktoria(Goldene Säge). Tagesordnung: Besprechung der innern Parteiangelegeilheiteii, speziell des Borgehens der sächnschen Behörden in Bezug aus das Vereins- und Versammlungsrecht. Der Vertrauensmann.__ Stelle-Gesuch. Ein junger verheiratheter Mann, der mehrere Jahre in einer größeren Gas- Anstalt als Feuermanu thätig war und mit allen m diesem Fach vorkommenden Arbeiten vollständig vertraut ist, sucht vom 1. Januar 1872 an in oder außerhalb Sachsens eine andre Stelle. Geehrte daraus Reflektirende wollen die Güte haben, in der Erpedition d. Bl. nachzufragen.(2)1 Das sächsische Vereins- und Versammlungsgesetz� vom 15. November 1850 ist» Slück zu'/, Ngr. durch die Erpedition des„VolkSstaat" zu b«' ziehen. Bei Einzelsendnngen ist das Porto im L-lraq von Gr. beizufügen. Bei der Art und Weise, wie die sächsischen Behörden da» bettessende Gesetz auszulegen belieben, empsehlen wir die Anschaffung allen Vereinen und Parteigenossen, welch« mit der Agitation irgend- wie zu thun haben. „Uusere Ziele". U. Auflage. Mit zeitgemäßen Randglossen versehen. 9 tt. südd. Währ, in Parthien 2 Sgr bei je 12 Exemplaren 1 Freiexemplar. _ Die«itieSitioii de»..Bolksttnul" Sine Streitschrist von A u g. B e b c> Kostet per Exemplar 7 tt. südd. Währ.>ul° Fjir»e» 1?. siichfischei, Watstdczirt. In kürzester Ze.t beabstchnge ich. den Wählern des 17. BezrFs übet meine Thaltakeit aus dem Reichstag Bericht zu erstatten. 3* bU» deshalb d.e Parte.geiwssen zu Glauchau für Sonnabend de» 9. d M.. Meerane, urMomag den 11.. Lich.enstein-Callenberg wr Sonnabend den 16.. Ob. r l u n g w i tz sür Sonntag den 17. Nachmittag und H o h e n st e, n-Ernstthal für Montag den 18. d M. Bolksversamw lungen einzuberusen. In Mülsen St. Jacob, Thurm und Wald-" bürg toerbe ich torj nach Neujahr Bericht erstatten.. n, Zeit und x,tt der Versammlungen wolle man mir baldigst a zeigen.% Bebel. Leipzig: Verantw. Redakteur A. Hepner(Rdactiou:, PeterSste'� weg 13.) Druck u.«erlag vonF. Dh iele(Expedition-/Petersstr- 1°