Sonuabend, de« S. Dezember. 1871. E. scheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Oestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- landeS an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstraße 18, F.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 ma in Leipzig. AbonucmenrspretS: Kür Preußen incl. Stempelsteuer 16 Rar., für die übrigen deutschen Staaten 12 Rgr. per Quartal. Filialerpedition für die Ber- etnigten Staaten: ?. A. Sorte, Box 101 Hoboken N.J. via Newyork Organ der soM-dtmokratlschm Arbeiterpartei und der Znternationaten Gewerksgenossenschasten. Mit dem 1. Januar beginnt ein neues Abonnement auf den„Volksstaat"; wir ersuchen unsere geehrten Leser, rechtzeitig das- selbe erneuern zu wollen, damit leine Unter- brechuug in der Zusendung eintrete. Der Preis ist derselbe wie bisher, und beträgt in Preufteu unter Zuschlag der Zei- tungssteuer pro Vierteljahr 16 Sgr., im üb- rigeu Dentschland nur 12 Sgr.-- 42 kr. süddeutsch. Die Vuchhändlerabounemeuts sehen wir nns geuöthigt für das Inland(für das Ausland tritt leine Veränderung ein) uom 1 Januar ab insoweit aufzuheben, l ls nicht mindestens 16 Expl. durch eine Vuchhand- lung bestellt werden. Die Abonnenten, wel- che also bisher Einzelbestellungen bei Buch- Händlern machten, wollen dies künftig beider ost thuu. Parteigenossen! Mit dem 1. Januar beginnt ein neues Abonnement auf unser Parteiorgan. Wir fordern Euch auf, kräftigst für dasselbe einzutreten und für seine weiteste Verbreitung Sorge zu tragen. In keiner Fabrik, in keiner Werkstatt, wo Sozial- Demokraten arbeilen, in keiner Hütte, wo Sozial-Dcmokraten wohnen, darf Euer Parteiorgan fehlen. Die Bourgeoisie de- kämpft uns durch ihre Presse, die Regierungen durch ihre Be- amten,— zeigen wir, daß alle Verfolgungen, weit entfernt, uns mürbe zu machen, nur unserlt-llW�und unfern Eifer für die gerechte Sache der Arbeiterklasse �Wen. Das Partei- organ ist die Waffe, womit Ihr falschen Wahn zerstört, Vor- urtheile beseitigt, Angriffe und Verleumdungen zurückweist und u>n wirksamsten für die Verbreitung der sozial-demokratischen Prinzipien kämpft. Thue also Jeder, was er kann zu dessen Unterstützung. Die Redaktion und Expedition des „Bolksstaat." ExelutiouJ*) «in trüber Morgen zieht herauf. Von Rebel ist Paris erfüllt. Doch trüber ist die Wolke, die der guten Bürger Stirn umhüllt. Wehrlos zu Hause grollen sie. Sie könnten draußen in dem Thal Dreitausend Bajonnetle sehn blitzen im ersten Morgenstrahl. Was steht Ihr Sklaven, Schergen Ihr! die hinter Frankreichs Henkern zehn! Schandbuben Ihr, so schaut nur hin! Hier könnt Ihr Männer sterben sehn. Ihr Aug' ist hell, ihr Blick ist stolz, es trübt kein Hauch die freie Stirn. Die Salve kracht. Hin stürzen sie, drei Leichen mit zer- schelltem. Hirn. Die Salve kracht. Hin stürzen si§. Es zuckt Paris bei diesem Ton. Und über einen neuen Mord schamlos aufjauchzt die Reaktion. Triumphiret nicht! Dem Volke schaut in's Auge, schaut in's Angesicht! Der finstre Schmerz, die finstre Wuth, sie mahnt Euch: Trium- phiret nicht! und wenn wir jetzt noch starr und stumm, ohnmächtig zähne- _ knirschend flehn �nieschlotternd werdet wiederum Ihr unser Banner wallen sehn. Denkt an die Pontons, an Cayenne, an die Galeeren! Zahn um Zahn, �lgt die Kommune. Kennt Ihr wohl bei Satory den blut'- . gen Plan? «ennt Ihr die Orte alle noch, die Stätten Eurer Henkerswuth? *Jenlt Ihr an unsrer Freunde Qual? Denkt Ihr an unsrer Brüder Blut? �ug! Die unterdrückte Wuth preßt mir die Brust, so daß z. sie stöhnt. Worte genug! Es folge die That!— Ihr habt uns o». Blut zu sehn gewöhnt. J*";»ollen Schurken sterben sehn und zittern bei der Todespein. �'st der Rache blut'ger Tag. Wir wissen: sie wird furcht- bar sein. x., Oben stehendes Gedicht, dessen Uebersetzung das französische MorÜrr"] lanüe nicht erreicht, möge Zeuzniß geben über die V"'che Wirkung, welche die neuesten Meuchelmorde der ----------- im Volk von Paris hervorgerufen haben._ Politische Ueberficht. �dvo, kie bereits gemeldete Hinrichtung des Marseiller tz� mten Gast on Crömi eux schreibt, der Korrespondent "lUb nicht kommunistenfreundlichen„Kölnischen Ztg.": e's i»1 Hinrichtungen hört man die schlimmsten Urtheile; " eine böse Saat, die über kurz oder lang traju- > Hinrichtung. rige Früchte bringen wird. Am meisten überrascht hat die Hinrichtung von Cr�mieux in Marseille, da derselbe jedenfalls zu den sogenannten„politischenBerbrechern" ge- rechnet werden muß. Man benachrichtigte ihn von seinem bevorstehenden Ende des Nachts um 2 Uhr. Er antwortete:„Jch werde zeigen, wie ein Republikanerstirbt." Nachdem er seinePa- piere in Ordnung gebracht, stieg er in den Wagen, der ihn nach dem Fort Nicolas brachte. Dort angelangt, verlangte er einige Minuten Zeit, um ein Gedicht, das er begonnen, zu beenden, und beauftragte dann den ihn begleitenden Rabbiner, Herrn Esquiros(Deputirten von Marseille) zu bitten, ein Theater- stück zu beenden, das er angefangen hat.— Um 7 Uhr kam ein Karren, um den Verurtheilten nach dem Richtplatze zu führen. Nach dem Vortrage des Urtheils bat Cr�mieux die Soldaten, auf das Herz zu zielen, da seine Familie seine Leiche abholen werde und er deßhalb nicht entstellt werden wollte. Nachdem er sich einige Minuten mit dem Rabbiner, den er küßte, unterhalten halte, näherte er sich dem verhängnißvollen Pfahl, der mit Ringen zum Anbinden versehen war, falls er schwach werden sollte. Diese Vorsicht war aber unnütz. Cr6- mieux blieb fest. Er zog seinen Rock und seine Weste aus und legte seine Halsbinde ab; dann, sein Hemd aufreißend, auf- rechtstehend, die Augen unverbunden, wie er es ver- langt, rief er:„Vo.rwärts! Feuer! Es lebe dieRe- publik...!" Das Wort erstarb auf seinen Lippen, wie vom Blitz getroffen, stürzte er zu Boden. Die Aerzte kon- statinen seinen Tod. Ungefähr 3000 Mann waren unter den 'Waffen. Viele Neugierige hatten sich eingefunden. Der Rab- biner verließ während des Defil�'s der Truppen die Leiche nicht. An den Pfahl gelehnt las er die Bibel und weinte. Die Familien Crömieup und Molina, die in Wagen angefahren kamen, brachten die Leiche nach dem israelitischen Kirchhofe. Wenn die Exekutionen von Versailles schon eine schlimme Stim- mung in Paris erzeugt haben, so ist die Entrüstung über die Exekution in Marseille eine noch größere. Rossel und Bour- gcois gehörten der Armee an, Ferr� war mehr oder weniger an den vorgefallenen Bränden(nach Aussage falscher Zeugen! Red. d. B.) schuldig, und man könnte daher ihre Hinrichtungen rechtfertigen. Cr6mieux hatte sich aber nur an der kommunalistischen Bewegung in Marseille betheiligt, die von den schrecklichen Exzessen, welche in Paris vorfielen, nicht begleitet war. CrF- mieux war also nur politischer Verbrecher, die doch ge- setzlich nicht zum Tode verurtheilt werden können. Man ist um so empörter, jals Crämieux der einzige der vier in Mar- seille zum Tode verurtheilten Kommunisten ist, welcher hin- gerichtet würde, und man behauptet, daß er nur deßhalb keine Gnade vor der Kommission fand, weil er es war, welcher der Nationalversammlung den Namen„Clmmdre rurale"(Bauern- Kammer) gab." Eine skandalöse Geschichte ereignete sich nach der Hin- richtung Rossel's. Der PfarrerPaffsa erhielt gleich nach dessen Hinrichtung den Besuch eines Journalisten, Namens Biscatel, der im„Gaulois" unter dem Namen Gaston de Ressac schreibt und welcher ihm in sehr gebieterischem Tone sagte:„Ich gebrauche die Dokumente von Rossel und Sie müssen mir dieselben geben." Der Pfarrer, dem dieses Auf- treten sehr befremdend vorkam und der keineswegs das Recht hatte, über diese Dokumente zu verfügen, weigerte sich, dieses zu thun, worauf ihm Biscatel drohte, Rossel in seinem Be- richt für den„Gaulois" mit Tropp mann zu vergleichen und ichn auf alle mögliche Weise schlecht zu machen. Ehe sich Passa noch weiter mit Biscatel erklären konnte, wurde er abberufen, da sich.die Familie Rossel bei ihm eingefunden. Als er zurückkam, war der Mitarbeiter deS„Gaulois" ver- schwunden. Groß war nun das Erstaunen des guten Pfarrers, als er am andern Morgen die Dokumente als Autographie im genannten Blatte fand. Der Mitarbeiter des„Gau- lois" hatte die Abwesenheit des Pastors benutzt, um in sei- nem Schreibpulte nachzusuchen und die Papiere ge- stöhlen. Natürlich ist der Dieb Biscatel ein fanatischer Ver- theidiger des„Eigenthums", und sein diebshehlerischcs Blatt gehört zu den berüchtigtsten Organen der Ordnungspartei. Da wir gerade von diesem gesellschaftsretterischen Gesindel reden, sei erwähnt, daß der wegen Erschießung Chaudey's*) vom Kriegsgericht zum Tod verurtheilte. Priau de Vedel von den übrigen Angeschuldigten, die man beiläufig nicht zum Tod verurlheilen konnte, als Agent der Versailler Regierung bezeichnet worden ist und dieß auch nicht in Abrede zu stellen vermochte. Ein neuer Bewei« dafür, daß die„Gräuel" der Kommune, so weit sie nicht Polizei er findun gen, Polizei- werk sind. Des Lumpen de Montaut— das Pack hat meistens den Adelstitel— der in dem Prozeß gegen Ferra und Genossen fungirte, werden die Leser sich gewiß noch er- innern. Er hatte Anhänger der Kommune zu den größten Scheußlichkeiten zu verleiten gesucht, und entpuppte sich als spezieller Abgesandter des Hcldengreises Thiers. Ueber die weiteren Rachepläne der Versailler Ordnungshel- den berichtet ein Pariser Korrespondent:„Der einmüthige Ruf der Nation nach unverzüglicher Amnestle wird mit der Meldung beantwortet, daß der Gouverneur von Neu-C aledonien ♦Vfcea" bekannten honneten Republikaner», der am 22. Januar aus da» den Verrath der Regierung ahnende Volk von Pari» feuern in der Stadt Numea bereits Auftrag erhalten hat, Quar- tiere für 6000 politische Deportirtc herzurichten. Der Ingenieur Garnier hatte in höherem Auftrag Neu-Cale- donien, Taita und überhaupt die dortigen französischen Be- sitzungen bereist. Er veröffentlichte hierüber neulich cin�n zwei- ten Band„L'Ocäanie". Obschon durch die Rücksichten auf seine offiziöse Stellung gebunden, deutet er an, daß der dortige Gouverneur sich durch seinen„Geschmack an Grausam- keilen" auszeichnet, daß die Deportirten bei dem geringsten Anlaß eine unmenschliche Behandlung erfahren, buchstäblich ge- foltert werden, daß die ganze politische Verwaltung und Staats- wirthschaft Frankreichs daselbst ein kolossaler Unsinn ist, wel- cher sehr bedeutende Auslagen ohne irgend ein Ergebniß ver- ursacht. Jener Gouverneur war zur Zeit des 2. December Direktor der Strafanstalten auf Cayenne gewesen und hat dort die Methode kultivirt, welche man die„trockene Guillo- tine" nennt. Handelsbriefe aus Numea vom September er- suchen dringlichst, die Aufinerksamkeit der Regierung, insbe- sondere des Herrn Thiers, auf Vorbereitunzen zu lenken, welche den ebenso theuren als barbarischen Mißerfolg der Colonisirung mittelst der 6000 Pariser Deportirten verbürgen. Die Re- gierung weiß dies Alles, aber alle Bitten und Mahnungen verhallen vor tauben Ohren."— Ueber die österrre ichischen Zustände schreibt der„Volks- wille":„Der Geist der Willtür und des Bevormundungssystems herrscht bei unseren Behörden noch in demselben Maße wie in der Türkei und in Rußland. Wir verweisen wiederholt auf die unerhört lange Dauer der Verwahrungshaft unserer Freunde Andreas Scheu, Peschan, Schäfftner und Kuttil. Wir verweisen ferner auf die Verhaftung von drei Mitgliedern des Wiener Gewerkvereines der Manufakturarbeiter. Man schreibt uns in dieser An- gelegenheit aus Brüsan in Mähren:„Die Wiener Delegirten zum Brünner Arbeiterfeste, die Bürger Neuwieth, Matschek und Preis benachrichtigten uns, daß sie bei ihrer Rückkehr unS einen Besuch abstatten würden. Zwei Weber holten sie an der Bahn ab, von wo sie in ein Gasthaus gingen. Dort trafen sie wider Erwarten eine große Anzahl von Arbeitern. Eine Versammlung war zwar nicht beabsichtigt und deßhalb auch nicht angezeigt bei der Behörde, doch besprach man die Gründung eines Arbeitervereines. Plötzlich erschienen mehrere Gendarmen und Polizeikommissäre. Sie erklärten unser Zu- sammcnsein für eine öffentliche Versammlung und lösten sie wegen Nichtanmeldung auf. Gleichzeitig verlangten sie, daß die Wiener Arbeiter sich legitimirten, was diese jedoch nicht in der Weise, wie verlangt wurde, im Stande waren. Die Po- lizisten entfernten sich wieder und wir begleiteten unsere Wiener Freunde bis nach Lettowitz. Unterdessen war auch die Gen- darmerie der Umgebung requirirt worden und bald darauf erfolgte die Verhaftung der Genannten in Lettowitz. Sie wurden znnächst nach M.-Trübau transportirt und von dort nach Wien". So weit der Brief aus Brüsan. Am Dienstag gelangte von Bürger Äkeuwinh die Nachricht hierher, daß sie Abends hier eintreffen würden. Eine große Anzahl Manufakturarbeiter hatte sich am Nordbahnhofe eingefunden, um ihre Freunde zu empfangen. Dieselben erschienen jedoch nicht, dagegen erfuhr man, daß sie unter Eskorte in das Wiener Polizeihaus geführt worden seien. Man verlangte dort eine Auskunft über diese räthselhaften Vorgänge, erhielt jedoch nur den cigenthümlichen Bescheid, daß die Demonstration am Bahn- Hofe(eine Ansammlung einiger Arbeitskollegen) neuerdings Anlaß zur Verhaftung gegeben habe. Bis jetzt sind die Ver- hafteten noch nicht entlassen, d. h. noch in Verwahrungshafl. Vielleicht beabsichtigt das Landesgerichl auch in diesem Falle zu- nächst zu untersuchen, was die Bürger Neuwirth, Matschet und Preis möglicherweise gesprochen haben können oder sollen." Ein Zeugniß für den Sozialismus. Der König von Sachsen sagte in seiner bei Eröffnung des sächsischen Landtags am �2. Dez. gehaltenm Rede unter An- derem Folgendes:„Das Steigen der Preise aller Lebensbedürfnisse hat für eine größere An- zahl der Staatsdiener eine gedrückte Lage herbeigeführt, die für die Dauer nicht ohne Abhilfe bleiben kann."j Wir stimmen dem Gesagten bei; nur möchten wir wün- chen, daß der Autor, der vor andern Monarchen den Vorzug wissenschaftlicher Bildung hat, die logischen Konsequenzen seines Ausspruchs ziehe, und 1) den Sinn des SayeS verallge�- mein er e und das Wort„Staatsdiener" durch„Staatsbürger' ersetze; und daß er 2) innerhalb der Monarchie Diejenigen iticht ver folgen lasse, welche derselb enAnstcht sind, nemlich,oaß„basStetzen der Preise aller Lebensbedürfnisse für eine größere Anzahl(wir würden sagen: für die größte Anzahl) der Staatsbürger etne gedrückte Lage herbeigeführt hat, die für die Dauer nicht ohne Abhilfe bleiben kann", und welche die Mittel zu dieser als unabweislich erkannten„Abhilfe" vorschlagen. Der Autor möge vor Allem die Beamten absetzen, welche in ihrem be- 'chränkten Gesichtskreis den Sinn jber obigen Worte nicht zu fassen vermögen und erst neulich die Sammlungen für die Chemnitzer Strikendcn verboten, welche Letztere doch weiter nichts als„Abhilfe" für ihre„gedrückte Lage" schaffen wollten. Die belgischen Mitglieder der Internationalen halten auf Weihnachten ihren Halbjahr-Ko ngreß in Brüssel ab. Menschenhandel. Aus Pest meldet die Wiener„Tageepresse:" „Am 15. d. M. kam eine sehr elegant gelleiteie Dame in den Os- ner Bahnhof und erkundigte sich, ob ein Koffer, welcher mit 218 fl. Nachnahme in Triest ausgegeben wurde, bereits angelangt fei. Jyr scheues Benehmen erweckte den Verdacht de« dort befindlichen Polizei- kommisiärs, welcher sie auch arrctiren ließ. Vor die dortige Sladt- hauptmannschaft gestellt, gestand dieselbe: sie heiße Anna Simoncsic«, wurde vor kurzem durch vcnselben P.. dessen jüngst in einem ähnlichen ftalle Erwähnung geschah, an ein Prostitutionshaus nach Triest um 200 fl. verlaust und nun wieder von der in Pest wohnhaften The- refia Grünfeld um den Preis von 213 fl. zurückgekauft, welche Summe aus ihren Koffer nachgenommen werden sollte. Die Osner Stadl- hauplinannschaft hat das Mädchen an die Pester Stadlhauplmannschaft abgeliefert, die Bestrafung des Verkäufers und der Käuferin gefordert und gleichzeitig bei der Triester Polizeidiiektion angesucht, diese möge auch eine m Triest wohnhafte gewisse Frau Witze, welche einen sönn ichen Menschenhandel nach allen Welttheilen treibt, in poli zciliche Untersuchung nehmen." Wohlgemerkt! Es handelt sich hier nicht um einen aus- nahmsweisen Fall; der„Menschenhandel�, von welchem hier ein Beispiel erzählt ist, wird nicht nur von der„Frau Witze „nach allen Welttheilen" getrieben, sondern wir haben es hier mit einem in allen„Kulturländern" wohlorganisirten, regulären Handelszweig zu thun, in dem Tausende von Personen beschäftigt und sehr bedeutende Kapitalien angelegt sind. Da standalisireu wir uns über den Handel mit Tscher- kessischen Mädchen, der in der Türkei in Schwung ist. Der- selbe ist aber hoch moralisch, verglichen mit diesem christlichen Menschenhandel. Die Tscherkessinnen werden allerdings auch verkauft und gekauft, aber die Käufer machen aus ihnen ihre gesetzmäßigen Frauen; und so wenig auch die türkische Haremswirth- schafl der Würde des Weibes im Allgemeinen entspricht, so steht sie doch im Einklang mit den unter den Muselmännern herrschenden sittlichen Vorstellungen und gibt der gekauften Tscherkessin nach dem Gesetz dieselbe gesellschaftliche Stellung wie der vornehmst gebornen Türkin. Nicht so die Opfer de: christlichen Menschenhandels. Sie werden in die Uberall de- stehenden, meist vom Staat sanklionirlen, und fast ausschließlich von den besitzenden und sogenannten gebildeten Klassen unter- haltenen Bordelle verschachert, wo Neun-Zehntel von ihnen, noch wenigen Jahren glänzenden Elends körperlich— von der Moral nicht zu reden— so heruntergekommen sind, daß sie auf die Gasie geworfen werden müssen, um schließlich auf dem Misthaufen der Bourgeois-Gesellschaft zu sterben— nein!„auf dem Altar der Familie!" Denn, hört es wohl ihr Arbeiter, das Einzige, was die Lobredner der heutigen Gesellschaft zur Beschönigung der Prostitution vorzubringen vermögen, ist, daß sie die schlechten Säfte der Gesellschaft sozusagen in einzelnen Eiterbeulen sammele, und dadurch die Reinheit des Gesammt- organismus, und namentlich die„Heiligkeit der Ehe" verbürge. Mit anderen Worten: die Töchter des Armen müssen Leib und Ehre verkaufen, damit die Töchter und Frauen der Reichen gegen die rohe Unsittlichkeit ihrer eigenen Klasse geschützt sind!*) Es ist wahr, das Gesetz verbietet diesen abscheulicken Menschenhandel. Allein es ist völlig ohnmächtig, weil derselbe durch die herrschenden Gesellschafts-Verhältnisse mit Nolhwen- digkeit bedingt wird. So lange die Prostitution, sei es regulirt oder-unregulirt, anerkannt oder geduldet, als soziale Institution existrrt, muß dieser Menschenhandel fortdauern; und so lange die heutige Gesellschaft mit ihren Klassengegensätzen, mit ihrer Ausbeulung der Besitzlosen durch die Besitzenden existirt, muß die Prostitution fortvauern,— kann sie nicht ausgerottet, sondern, wie alle Bourgeoisreformer jetzt zuzugeben gezwungen sind, höchstens mit einem Anstandsmäntelchen umhüllt werden. Und die Vertheidiger dieser Gesellschaft, haben die Stirn, den Sozialisten, welche die Ursachen der Prostitution beseitigen wollen, den Vorwurf der Jmmoralität zu machen! Pfui über die Heuchelei! (Nach Abfassung vorstehenden Artikels finden wir in der „Demokratischen Zeitung" Folgendes:„Gegenwärtig lesen wir in hiesigen Zeitungen Annoncen, wonach„wohlgebildete uud durch ihr AeußereS sich cinpfehlende junge Mädchen als Gouvernanten und Gescllschasterinnen in den angesehn- sten amerikanischen Familien äußerst gesucht und glänzend honorirt werden." Diese Anzeigen gehen von Hamburger Agenten aus, Sie mit den Bordellen New-Uorks, theil- weise auch Hamburgs in Verbindung stehen, und schon viele junge, gebildete, anständig: Mädchen auf diese Weise in die Bordelle New-Aorks unö Hamburgs gelockt haben. Möge diese Notiz die hiesigen StadlbehörSen zu strengen Nach- forschungen anspornen, besonders aber bewirken, daß eine strenge Revision der von Hamburg abgehenden Schiffe vorge- uomuien wird, um diesem so niederträchtigen und Deutschland «ntehrenben Handel mit Entschiedenheit entgegenzutreten. Es ist die Pflicht der deutschen Presse, entschiedene Schritte sowohl hier wie in Hamburg gegen diesen empörenden Seelenhandel zu veranlassen.) treter in solche zu wählen, gesetzlich gewährt worden, so seien sie doch thatsächlich verhindert, in erheblichem Maße solches zur Wirksamkeit zu bringen. Anstalt ihnen Gelegenheir zu geben, doch nun mit ihren Gefetzesvorschlägen hervorzutreten, damit das Volk darüber ausgeklärt werde, waS sie denn eigentlich wollten, rmd zu berücksichtigen, daß der- gleichen Vorschläge denn doch immer noch keine Geseve seien, hätten die anderen Parteien sich nach Kräften bemüht, die Wahl von Vertretern der sozialdemokratischen Partei zu verhindern, indem sie, häufig in Selbstnukenntniß der wahren Ziele derselben, eine große Masse des Volk« dnrch Andeutungen, es komme der Partei auf deci Umsturz alles Bestehenden an, dieselbe wolle„theilen," sie wolle sich ini Müssiggange au« dem Staatssäckel ernähren u. s. w., beeinflußt haben. Es sei da- her kein Wunder, wenn die Partei sich mit dem Gedanken an eine dereinslige Revolution vertraut gemacht; habe, woraus übrigens noch keineswegs folge, daß sie beschlossen Hab», eine solche zu machen Was die Pariser Kommune bekesse, so sei»och nicht aufgeklärt wem die Scheußlichkeiten, welche im Verjanse ihres Besiehens vorge kommen seien, insbesondere aber, daß solche den Sozialdemokraten zur Last zu legen seien. Im Grunde und wesentlichen Ziele sei daS Auf- treten der Kommune ein berechtigtes gewesen, wie ja selbst Bismarck gewissermaßen anerkannt habe. Die Nationalversammluitg zu Ver sailleS, welche doch nur gewählt sei, um über Fortsetzung deS Krieges oder Frieden zu entscheiden, habe sich eine konstituirendc Gewalt an gemaßt und der Stadt Paris sogar verweigert, sich in ihrer städtischen Verwaltung selbst rinzurichten. Die Zerstörung der Vendüme säule Hab? die ösjenllich e. klärte Bedeutung gehabt, daß die fran zösische lltaliou nicht ferner von ihrer Sucht nach Gloire, welche daS Unglück über sie gebracht habe, sich leiten lasse, sondern Frieden halten wolle mit allen Völkern. Im Jahre 1831 hätten die Braunschweiger da§ Herzog liche Residcnzschloß angesteckt: dürfe man denn daraus folgern, sie seien eine Mordbrennerdande? Er wolle nun sein politisches Glaubensbekenntniß mittheilen, nicht weil er glaube, daß dasselbe an und für sich für irgend Jemand von Interesse sein könne, sondern um damit dem Gerichte eine Handhabe zu geben, nach welcher auch daS Verfahren des Angeklagten deurtheilt werden könne. Er sei Demokrat, weil er annehme, der Staat, da! Volk, sei nicht da, um den persönlichen Interessen seiner Regierung zu dienen, sonder» tiefe sei nur im Interesse des Volks nothwendig, um demselben Sicher' heil und Wohlfahrt zu verschassen. Er sei aber dem Prinzipe nach nicht Republikaner, sondern An Hänger der konstitutionellen Monarchie. Zu dem wirklichen Vorhandensein einer solchen setze er aber vor' aus, daß der Monarch sich in seinen Regierun gShandlungcn von der Rücksicht leiten lasse, daß er nur um des Volkes willen da sei, also nicht darauf ausgehe, Rechte gegen daS Volk zu erlangen oder zu riickzuerobern, ferner, daß das Ministerium desselbeii nicht bloS dem Volke gerichtlich verantwortlich, sondern auch ehrenhaft genug sei, aus eigenem Antriebe zurückzutreten, wenii es das Vertrauen deS Volke! nicht besitze, endlich eine Vertretung deS Volks, welche in allen ihren Handlungen sich bewußt sei, daß sie nur dessen Interessen wahrzu nehmen habe und nicht statt dessen nach Oben hin liebäugele und gefällig sei oder für ihre persönlichen Interessen arbeite. Würde er die Erfahrung machen, daß es an einem dieser Faktoren fehle, und zu der Ueberzeugung kommen, daß Autsicht auf Besserung nicht vorhanden sei, so könne eS sich wohl ereignen, daß er über'Nach Republikaner werde. Mit diesem Augenblicke würde die Rechtsfrage an ihn herantreteu ES gebe dreierlei Recht, daS Vernunfrrecht, das positive Recht und das historische Recht, worunter er daS vcistehc, was durch geschichtliche Macht- und Gewaltakte zu Recht geworden sei. Seine vcrnunstrechtliche Ansicht, welche er bereits als Student im Jahre 1831 gehabt>l»d in einer unter Zensur gedruckten Broschüre zu begründen versucht und verbreitet habe, gehe dahin, daß daS Volk jederzeit befugt sei, seine Geschicke selbst in die Hand zu nehmen, inS besondere sich eine andere Staatsverfassung zu geben. DaS positiv« Recht, das ist dasjenige, welches durch die Gesetz- gebung im Staate u. f. w. geschaffen worden, komme für die vorliegende Frage nicht in Betracht. Was das historische Strafrecht betreffe, so habe, um bei der neu- ereu Zeit stehen zu bleiben, Napoleon durch Meineid und Mord sich zum Kaiser gemacht, und fast sämmtliche Fürsten hätten ihn al« Vetter und Bruder unter sich aufgenommen und fast 20 Jahre als den recht- mäßigen Herrscher Frankreichs anerkannt. Nachdem die Skation ihn de« Thrones für verlustig ec klärt, sei die von demselben gewählte Ler treiung als der belechiicjte Inhaber der Staatsgewalt betrachtet. Bis- marck l?abe als die einzige Politik zur Einigung Deutschlands die des Blutes und EisenS, also der Gewalt, proklamirt und dieselbe sei au! geführt durch die Vertreibung mehrerer deutscher Fürsten und Ein- ziehung der von denselben regierten Länder, obwohl die für ewige Zeiten abgeschlossene, also einen einseiligen Austritt au» dem Bunde ausschließende deutsche Bundesaktc bestimmt habe, daß kein Bund«! fürst gegen den anderen Krieg führen dürfe, vielmehr alle entstehenden Differenzen durch eineAusträgal-Justanz er ledigt werden sollten. Er, Vertheidiger, habe, wie er bereits bei einer kürzlich stattgehabten Verhandlung vor diesem Gerichte ausgesprochen habe, den da' durch herbeigeführten Zustand alS zu Recht bestehend anerkannt, obwohl er einen Rechtsbruch enthalten, weil nun einmal nach der Geschichte der Entwicklung des Menschengeschlecht! und der Staaten durch- Der vrauuschweiger Prozeß.(Forlsetzung.) VertheidigungSrede des Obergerichtsadvokaten Röpcke. Es sei ihm öslerS vorgekommen, daß er, wenn er sich längere Zeit ausschließlich oder hauptsächlich mit einer verwickelten Lache befchäfltgt habe und dabei bestrebt gewesen sei, zu einem bestimmten, ihm vorge- steckten Ziele zu gelangen, je mehr er darüber nachgedacht, um so un- klarer geworden und schließlich zu einer uur.chiigen Anschauung gelaugt sei. Möglich, daß ihm Solches auch im vorliegenden Falle, welcher mehrere Tage hindurch sein« volle Aufmerksamkeit und geistige Tbätig- krit in Anspruch genommen, passirt sei und er deshalb in seinem jetzigen Vortrage den einen oder aiidern Bock schießen könne. Er halte aber auch dafür, daß dem Herrn Staatsanwälte bei seiner mühseligen und langwierigen Arbeit in dieser Angelegenheit, wel- che daraus gerichtet gewesen sei, aus der Handlungsweise der Auge- Nagten etwas Strafbares herauszufinden, ungeachtet seine! sonst sehr Naren Berstandes, elwaS Gleiche» arrioirt sei. Es sei aber jedoch nur seine unmaßgebliche Meinung. Zur Sache selbst müsse er bestreiten, dag aus dem«erhalten der Sozialdemokraten seit dem Anfange dieses Jahr« und ihren Aeußerungen über die Handlungen der Pariser Kommune Rückschlüsse aus ihre Grund- anschauungen und früheren Pläne, wie der Staatsanwalt es gethan, gemacht werden könnten. Sie hätten erst nach und nach und immer mehr die Erfahrung gemocht, daß eS ihnen unmöglich gemacht werde, ihre Ziele im gesetzlichen Wege, insbesondere durch Vertretung in dem gesetzgebenden Körper zu erreichen. Obwohl ihnen das Recht, Bei- *) Der Schutz ist übrigens selbst bei der auSgebildetsten Prostitution nicht einmal genügend, z. B. hier in Leipzig kann während der Messe notorisch kein anständiges Frauenzimmer, sogar am Tag, ohne männliche Begleitung über die Stiaße gehn,— so energisch belhätigen die Herren„Metzsremden", d. h. die Blüthe derDeulschenBour- geoisre ihr« Begeisterung für die—„Heiligteit derFamrlie", und die von den bösen«ozialdemokralea bedroht«„Moral." greifende, den jezeiligen allgemeinen Ideen entspringende Umgestaltung! der Verhältiusse regelmäßig ohne gewaltsamen Umsturz des Bestehend' nicht herbeizuführen seien. Frage er sich aber bieruach, welche Aussicht auf Grund des histo riscken Rechts für die Zukunft vorhanden sei, so könne er sich folgender Betrachiuiig nicht verjchließeu. Im'Mittelalter seien vermöge des Grundbesitzes, als der damaligen haiipisächlichsten Produktionsquelle, unlsdeziehungsweise durch geistige Ueber- legeuheit der Adel uud die Gelstlichkeu die bevorrechteten Stände im Staate gewesen. Sodann hätten sich Handel und Industrie immer mehr und mehr gehoben und habe sich dadurch die Macht des Kapital« gebildet. Demzufolge fei die thatjächliche Geltung der übrigen Stände eine andere geworden, fei aber auch da» Gefühl und das Bewutztsein in denselben entstanden, daß ihre rechtliche Stellung zum Staate eine andere sein müsse; man habe zunächst in Frankreich das Bedürfniß empfinden gelernt, diese erringen zu müsse». eS habe der volle Stoff. welcher iiölhigenfalli zu einer gewaltsamen Umwälzuiig erforderlich sei, i» den Geniilthe.n sich angesammelt und eS habe nur deS Zunder! bedurft, um jenen. Stöfs zur Explosiou zu bringe». Diejen Zunder Hab« SieyeS in seiner Schrift geliefen:„Was ist der drin« stand? Nichts. Was sollte er fem? AlleS." Die französische Revolution fei auSgebrochcu und der dritte Stand sei zur rechtlichen Aneileiinung und zur Geltung als eine! mitbon chtigten Faktors in der staatlichen Gesetz- gebung gelangt. Unter dem dritte» Stande habe man und habe SieyeS allerdings das ganze Volk außer dein Adel und der Geistlichkeit verstanden, es sei solches auch dem besser sttuirten Theile so lang« ganz recht gewesen, bis der neue Zustand errungen worden, denir dazu sei ja die thätige Hülfe der ganzen großen Masse nötbig gewesen. Al? aber daS Ziel erreicht war, habe daS Bürgerthum, um die Früchte für sich nutzbar zu machen, es für angezeigt gesunden, unter dem dritten Staude nuc sich zu verstehen, die Theil nähme an der Gesetzgebung nur sich zu ver> schassen und zu sichern und somit einen besondere», einen vierten Stand inS Leben zu rufen, der im Beichäliiiisse zu ihm eine gleiche Stellung habe, wie er selbst früher im Verhältuffse zu Adel und Geist- lichkeit gehabt. Einen ähultcheu Verlans hätten die Dinge auch in Deutschland ge- nom- en, nachdem auch hier der revolutionäre Gedanke Eingang gefunden habe und durch Ei Hebungen deS Volkes zum Ausdruck gebracht sei. Um nun eine Verdesscrung der Lage der arbeitende» Klasse, deren Nothwendigkeit von Sachkennern aller Parteien erkannt»ud wozu Mittel der verschiedensten Art in Vorschlag gebracht worden, herbeizu- führen, habe nun auch Lassalle, dessen Anhänger die Angeklagten seien, dergleichen Mittel empfohlen, nicht aber etwa aufgefordert, solche unmittelbar und nöihigenfallS mit Gewalt zur Anwendung zu dringe», sondern daraus verwiesen, daß selbige im Wege der Gesetzgebung emzu- führen feien und daß die Arbeiter zu diesem Zwecke, und zwar auch nur auf gefetzlichem Wege, mit allen Kräften bestrebt fein müßten, da« allgemeine direkte und geheime Wahlrecht zu erlangen. Letzleres fei niul erreicht, er habe aber schon vorhin bemerklich gt- macht, wie dessen Ausübung und Mrksamkeit den Sozialdemokraten von den übrigen Parteien verkümmert werde. So zeige fich denn in der That, wenn nicht noch im gesetzlichen und friedlichen Wege eire Ausgleichung beschasst werde, der arbeitenden Klasse keine andere Hoffnung aus eine diirchgreifende Abhülfe, als die Aussicht auf eine dereinsiige Revolution. An keiner Stelle hätten aber die Angeklagten zu erkennen gegeben, daß ihre Partei diese Revolution machen wolle und solle, sondern stet« nur im Allgemeinen, insbe- sondere ohne auch nur das Wie? berathen zu haben, sich dahin gt- äußert, daß sie bei dieser Revolution, wenn sie eingettelen sein werde, sich zu betheiligen haben werde, um ihre berechtigten Ansprüche zur Anerkennung und Geltung zu bringen. Nun sei auch er, dem doch gewiß der Sinn für Gesetz und Recht mit Grund abzusprechen Niemand im Stande sein werde, der Ueber- zcugung, daß, wenn die allgenieinen Verhältnisse nicht noch eine andere Richtung aiL dujenigc, in welche sie geratheu seien, annehmen würden, eine gewaltige Revolution nach geschichtlicher Konsequenz eintreten müsse, und würde er, wenn er noch im Lebensalter der Angeklagten stände, darauf bedacht sein, wie tr sich zu derselben zu stellen haben werde. Er wünsche und hoffe aber, dieselbe nicht zu erleben. Durch die schon so gestiegene und vorauSsichrlich immer mehr zunehmende Großproduktion sei und werde der Handwerkerstand dem Verschwinden über- liefert, und der großartige Schwindel in der Begründung von Aknen- unternehmunge» all«tle> Art entziehe nicht allein dem allgemeinen kleinen Verkehre die erforderlichen Geldmittel, sondern locke auch einer Menge von Leuten ihr durch Solidität erworbenes Geld aus der Tasche, um cS in den Händen Weniger zu sammeln. Eine große Masse von Personen, welche zur drillen Klasse gezählt, würden in die vierte, ja in das Proletariat getrieben und dieses gailzc erwachsende Proletariat, nicht die Arbeiterklaise im bisherigen Sinne uud Umfange, werde es sein, auS desseu Magenfrage sich der Umsturz deS Bestehenden entwickeln »nd»ach einem eingeschlageneu Funken zur That gestalten werde. Wende er sich nun»ach diesen, für die Beurtheilung der Ge- fmnuiig und der Thätigkeii der Anzeklagien nicht unwichtigen Bemer- kungen zu der Beleuchtung der Frage, od dieselben durch DaS, waS sie bisher gelhan, dem Strafgesetze verfallen seien, so müsse er seine Ueberzeugung dahin aussprechen: Nach Anleitung de! 8 2 der einleitenden Bestiminungen zu dem Strasgesetzbuche für den ilorddentschen Bund sei im vorliegenden Falle, wo die zur Anklage verstellte» Handlungen der Anklage in die Zeit vor den 1. Januar dieses Jahres fielen, bies-S Gesetzbuch oder unser früheres Kriminalgesetzbuch einschließlich der ergänzenden Gesetze in Anwendung zu bringen, je nachdem daS eine milder sei als da! andere. Man muffe daher zunächst prüfen, ob die eine oder andere Hanv- Iiing der Angeklagte» unter irgend eiueBlstimmung de! Nvrdd.-Slras- Gesetzbuchs salle; sei solches der Fall, so habe man in unserm Krimi- iialgejetzbuche uachzusehe», ob sich in diesem eine entsprechende Beftim- mung finde; treffe dieses zu, so sei diejeuige von beide» Bestimmungen anzuwenden, welche die mildeste Strafe androhe; fehle es aber an jener Uebereinstimmung, bestnde sich also in dem N.-Slr.-G.*) ein Ber- brechen, welche« in dem Kriminal-Gesetzb. nicht enthalten sei oder um- gekehrt, so sei die Bestrafung überhaupt auSgeschlosseu, während, wenn lenes zu d m Thalbestande eines Verbrechens mehr erfmdere, als dieses, von einer Bestrafung nur dann die Rede sein könne, weim die jämmtlichen Thalsachen, deren Vorhandensein das erstere zum That- bestände voraussetzte, vorbanden seiest. Demnach seien diej��") und 130*") deS N. Str.-G. auf die Angeklagten nicht ailzuwenden, indem, abgesehen davon, daß die dann vorausgesetzten Thatsache» in deren Handlungen nicht zu finden, die darin aufgestellten Verbrechen dem Kriininal-Gesetz fremd seien. Von den sämmtlichen in der Anklage in Bezug aenommeuen ge« setzlichen Vorschnften de! Krtmtnal-GesetzbüchS und daS.Nordd. Straf-Ge- sitzeS könnten also iusoMt�eS sich um die Frage handele, ob die An- gellagten sich eincS j cht- noch strafbare» Vecbrcchens schuldig gemacht haben, lediglich die 8S HO, 129 und 131 deS letzten in Betracht kommen. Bei der Auslegung von Strafgesetzen müßte man nun im Wesentliche» davon ausgeben, welcher Gegenstand dadurch vor Verletzung g«' schützt werden solle und woram also der verbrecherische Wille gerichtet ftm muffe, wenn von dem darin mit Strafe bedrohten Verbrechen die Rede sein solle. Hiernach sei bei der Auslegung des§ HO der Unterschied zwischen Hochvenalh und dem Widerstände gegen die«laatSgewalt, unier welche» letzterem Tilel derselbe sich befinde, inS Auge zu fassen und festzuhalten. Während beim„Hochverrath" die Absicht deS Thälcrs auf die Ver- nichtung der Existenz der Staatsverfassung im Ganzen oder einzelner Organe derselben, deS Rahmens, welcher den Staat zusammenhalte, gcnchlet sei, kehre sich bei dem„Widerstande gegen die Staatsgewalt" der Wille des ThäteiS, indem er die Staatsversaffung überall»ichk antasten wolle, lediglich gegen die von der«laalsgewalt in Ausübung der ihr durch die Verfassung verliehenen Befugnisse ausgegangenen An- orhnunaen(Gesetze, Beroidnunge» und Verfügungen der Obrigkeit), welche die Regelung deS Verhaltens der Staatsbürger iunnerhalb der Bränze de! inneren Lebens im Staate, bezwecken. Es sei mithin fehl- sam, wenn die Anklage unter de» Z 110 diejenige Willensrichtung der Angeklagten gebracht wissen wolle, von welcher die StaatSverjassung, da«„LandcSgrundgejetz", betroffen fein rönnte. Diese Richtung würde in das Gebiet des Hochoerraihs gehören, dieser habe aber in den jjZ 80 bis 32 des Nordd. Strafgjetzei seine Abfertigung gefunden; denn § 110 habe man ei ausschließlich mit der Untersuchung zu thun, ob die Angeklagten zum Ungehorsam gegen Anordnuiig der Staatsgewalt im vorhin bezeichneten Sinne aufgefordert habe». Es widerspreche auch dem bisherigen Sprachgebrauch, die beabsichngte Vernichtung einer Per- son oder Sache als Ungehorsam zu bezeichnen. Handlungen der An- geklagten, welche auf die He. beiführung bloßen Ungehorsams gerichtet gewesen, habe aber die Anklage nicht anzuführen vermocht. Wen» dieselbe darauf hinan! wolle, daß es behuf Anwendung de!§ 110 i» keiner Weife erforderlich sei, daß bei der Aufforderung zum Ungehorsat» da! beireffendende Gesetz, gegen welches derselbe gerichtet werden solle, speziell bezeichnet woideu, und der Herr StaalSanwall in seinem heutige» Vortrage solches aus der Verglcichnng mlt 8 11t deduzirt habe, so könne er, Venheidtgr, solches nicht als richtig auerkeime». Schon die Rede? weise des 8 lO, indem derselbe nicht vom Ungehorsam gegen die&}' eye, sondern vom Ungehorsam gegen Gesetze spreche, weise teutlich darauf hin, daß doch wenigstens gewisse Gesetze bezclchnet sein müßttN, gegen welche mit Ungehoisai» vorgegangen werden solle; sodann ober folge Solches auch aus der Natur der«ache, indem Jemand, der le- digltch eine Aussordmmg. gegen die Gesetze ungehorsam zu sein, an Jemand richtet, ohne letztere,— zumal ans eine in einem solchen Falle t"* von selbst aiisdringeitde Frage deS Ausgefordertcn, gegen welche den»-M) ngend wle näher zu bezeichnen, offcnbaie Spnrcil der Verrücktheil-» d<> Tag legen würde. Der Unterschied zwischen dem 8 HO und z Hl ftl a°'s darr» zu sinden, daß.in demFrlle deS ersteren noch kein konkreter Akt<>'' zeichnet zu sein brauche, vermittelst dessen derUngehorsam zezen daS, jedoch 0«? zeichnete Gesetz bethätigt werde» solle und da» Motiv bei Handeln». der generellen Mißachtung des Gesetzes überhaupt liege, wahrend> 8 111 eine bcreilS präzistlte(bestimmt vez-lchime) ftr jbore Handln»» vorausgesetzt werde und et nur daraus ankomme, daß da» Gesetz>' diesim Falle verletzt werden solle, da! Motiv des Handelns sich a l auf diesen einzelnen Fall besckiränke. dem «n�utru(yuu ucfwiumr. Ein ganz gl-iche» Bewandlniß, wie mit dem 8 HO, habe es -. 129 deS lliordd.StrafgefetzcS, indem der Unterschied nur t-r' bestehe, dag m dem ersteren eine öffenlliche Aussord-rimg. im leyier- Theiinahme an einer Vr.bmc-i.ng al« Bestandtheil des subiekn»" bestände! verlangt werde.. WaS dagegen den 8 131 d«S N.-Str-G. betreffe, so sei nicht WZ! w.e.n früheren Gesetzen mehrerer Länder, insbesondere auch«»»'£ h'istg-n. die bloge Berachtlichmachnng, Verhöhnunq, Schmähung» k"k. ö0" �'nn'lltinncbmngen oder Anordnungen der Obrigk-'« � , trafbares Verbrechen dar.» ausgenommen, und würde sich solches U mit der Freiheit der Presse, dem Vereins- und Versammlungsr fl nicht vertragen, wenn man diese gesetzlichen Konzessionen nicht r-H vorn herein mundtot und, da der Zweck derselben doch unnlog I)„N. heißt hier immer:„Norddeutsches issral-. fttzbuch" und„zt.--G.", oder„Kriminalgesetzbuch" schlechtweg httB Braunschweigische„Kriminalgesetzbuch".. *) Stiftung von Vereinen oder Theiinahme daran, deren Verlast und Oberleitung geheim gehalten weiden soll.***) Allsreizung oeri deuer Klassen gegen einander zur Gewalithätigkeit. darauf beschränkt sein könne, daZ Bcstebende zu loben, der zutreffende Tadel aber häufig nur in einer verletzenden Form ausgesprochen wer den könne und im Flusse der Rede oder in tiesgefühltem Ingrimm leicht einmal in einen schroffen Ausdruck eingekleidet sein möge, werthlos machen würde. Es werde vielmehr zum Thatbestande des in Rede fiehenden Verbrechens gefordert, daß die Verächtlichmachung auf die öffentliche Behauptung oder Verbreitung von erdichteten oder entstellten Thatsachen, von welchen derThäter wisse, daß sie erdichtet oder ent- stellt seien, gegründet sein müsse. Dieses Ersorderniß sei aber in den tandlungen der Angeklagten nicht vorhanden. Was in der fraglichen ichtunq vorgekommen sei, beschränke sich auf die Bezeichnungen der preußischen Mi itäreinrichtung mit den Ausdrücken„preußische Kasernen" und„Säbelherrschaft" Darin liege aber noch nicht einmal eine Behauptung von Thatsachen, geschweige von wissentlich erdichteten oder entstellten Thalsachen, sondern höchstens ein schmähendes Urtheil vor. Die künstliche Operation des Staatsanwalts, bestehend in der Deduktion, durch eine derartige Schmähung werde auch drs Motiv, welches der Urheber der Einrichtung dabei gehabt habe, betroffen, dieses Motiv sei auch eine Thatsache und es liege mithin in jener Schmähung auch von selbst die Behauptung einer unwahren oder entstellten That- fache, sei nicht stichhaltig. Einerseits liege das Wesentliche des frag- lichen Verbrechens nicht darin, daß der Urheber der Einrichtung, son- der» darin, daß diese selbst verächtlich gemacht werde, andererseits könne allerdings im einzelnen Falle das Motiv diejenige fälschlich behaup- tete Thatsache sein, au' Grund welcher die Verächtlichmachung der Einrichtung erfolge, keineswegs aber könne dasselbe in der vom Staats- anwalt versuchten Art und Weise zu einer solchergestalt behaupteten Thatsache, wie sie zu dem fraglichen Verbrechen gefordert werde, erhoben werden. Denn wenn Jemand die Behauptung des Motivs zu einer Einrichtung nicht zur Grundlage seines Urtheils über dieselbe mache, sondern umgekehrt Thatsachen anführe, aus welchen erst das eine oder andere Motiv zn der besprochenen Einrichtung hergeleitet werde, was übrigens, wie schon bemerkt, im vorliegenden Falle noch nicht einmal geschehen sei, so könne dasselbe nur vermittelst einer Schlußfolgerung hervortreten, diese sei aber eine geistige Thätigkeit, deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit durch das logische Schlußvermögen bedingt sei und daher, insofern sie nicht aus wissentlich unwahren Prämiffen beruhe, die Bedeutung einer wissentlich falschen Behauptung gar nicht erlangen könne, weil es>a in Jedermanns Macht stehe, selbst zu prüfen, ob der Schluß aus den Prämisse» zu folgern sei, während die Wirk- samkeit behaupteter Thatsachen lediglich davon abhänge, ob ein Anderer solche glaube oder nicht. Der 8 l3l verfolge lediglich trotz bessern Wissens behauptete, nicht aber unrichtigerweise gefolgerte Thatsachen. Wenn z. B. Jemand sage, zum Studium der Theologie, Juris- prudenz u. s. w. gehörten 3 Jahre, er halte es daher für unmöglich, daß es auch 3 Jahre bedürfe, um einen Soldaten kriegstüchtig zu machen, zumal er nicht begreife, was dessen Leistungen außer der Erer- jiizeit dazu beitragen könnten, und die Erfahrung habe gezeigt, daß bei dem Eintritte eines Kriegsfalles daS ganze Heer binnen 8 bis 14 Tagen mobil gemacht werden könne, was allerdings, um einen Volks- ausstand zu unterdrücken, nicht möglich sei, er erkenne daher in dem großen stehenden Heere nur eine Stütze des Absolutismus,— so sei das reine Behauptung im Sinne des 8 131, fondern nur eine ausgesprochene Ansicht, welche Jeder mit der Bemerkung zurückweisen könne, er sei ein dummer Kerl, das vermöge er nicht zu beurtheile». Wenn dagegen Jemand sage, Fürst Bismarck habe sich dahin geäußert:„Da haben die Schreier von 1848 statt des stehenden Heeres rine Vollswehr, das Volk in Waffe»; haben wollen, jetzt haben die Nationalliberalen die glückliche Entdeckung gemacht, nun sei das Volk in Waffen da, während doch nach wie vor nur ei» Theil des Volks in Waffen ist gegen das Volk ohne Waffen; daS ist gut, indem damit das Volk über den Zweck des großen Heeres im Frieden getäuscht wird", so sei das die Behauptung einer Thatsache, welche zur Verfol- gung nach 8>31') geeignet. Eine Entstellung von Thatsachen würde es aber sei», wenn Jemand die Erklärung Bismarck'? daß die Generale wegen ihrer ausaezeich- neten Leistungen im Krieg« eine Dotation von 4 Mill. verdient hätten, dahur berichten würde, er habe gesagt, daß dieselben wegen ihrer außerordentlichen Leistungen zwar Belohnung haben müßten, da sie doch eigenttich nur für die Friedensuit angestellt ivären und man also nicht verlangen könne, daß sie für daS wenige Geld, was sie für >hre vielen Arbeiten bekämen,»och obenein einen Krieg führen sollten. Was schließlich die von der Anklage angezogenen vereinsgesetzlichen, »> Kraft gebliebenen Bestimmungen betreffe, so träfen auch die darin vorgesehenen Thatsachen bei den Angeklagien nicht zu. Dieselben halten im Jahre 1869 zu Eisenach, wo Solches nach den dortigen Gesetzen erlaubt gewesen sei, an einer Arbeiterversammlung Theil ge- Nammen und einen Verein unter dem Namen„Sozial-demokratischc Arbeiterpartei" mit begründet. Sie seien demnächst zum Ausschüsse dieses Vereins erwählt, und als Sitz des Ausschusses, als nächster Vorort des Vereins, Braunschweig bestimmt worden. Sie hätten hiervon der herzoalichen Polizeidirektion Hierselbst Anzeige gemacht und habe die- selbe Nichts dagegen zu erinnern gefunden. Em besonderer Verein, etwa in der Eigenschaft eines Zweigvereins, sei hier nicht gebildet. Folgeweis« sei auch kein hiesiger Verein vorhanden gewesen, welcher sich mit der Internationalen hätte in Verbindungssttzen können. Eben- sowenig habe sich der Eisenacher Verein mit dieser in Verbindung gesetzt, indem vielmehr nur mehrere Mitglieder deffelbe», insbesondere auch die Angeklagten, einfach als Mitglieder auch in die Juternatio- nale eingetreten seien. Daß aber Niemand Mitglied zweier Vereine sein dürfe, sei in den Gesetze» nicht vorgeschrieben. Wie demnach keine einzige Handlung der Angeklagten geeignet sei, dieselben strasbar zu machen, wen:, auch in anderer Beziehung dieselben vielleicht ein Vorwurs treffen könne, so beantrage er die Freisprechung. Vorgreifend geben wir im Folgenden das Urtheil, resp. den Wahrspruch und das Erkenntnis, dem Wortlaute nach. A. Wahrspruch. ES ist erwiesen: st) daß unter dem Namen:„Internationale Arbeiter-Affoziation" ein in London residirender, über viele Länder verbreiteter, und nach Volkern und Sprachen in Sektionen getheilter Verein, dessen obere relter, denen vorschriftsmäßig Gehorsam zu leisten ist, unbekannt(!?)') md, mit der ausgesprochenen Tendenz, die völlige Emanzipation der Leiter von der Herrschaft der besitzenden Klassen und von der poli- "schen Abhängigkeit zu erreichen, und zu dem Ende für die Arbeiter politische Macht zu eivbern, eristirt, welcher Verein in Wirklichkeit oen bestimmten Zweck verfolgt, die gesetzlich bestehende politische und Male Organisation der einzelnen Länder, namentlich der monarchischen «taaten, somit auch Deutschlands und der einzelnen Bundesstaaien, igensalls in gewaltsamer Weise, zu beseitigen, in gleicher Weise eren Statt eine anderweitige politisch- soziale Organisaiion, die '-demokratische srothe) Republik einzuführen, die sogenannte Ar- nö' an Ii*??rtei in den Besitz der Staatsgewalt zu bringen und die gesetz beitehenden Zustände in Beziehung auf Eigenthum, Besitz und Gunsten dieser Partei umzugestalten; ., � daß die Angeklagten Bracke, vcu Bonhorst und Spier liebst �.„�""""��"vsskn im August 1869 aus dem Arbeiterkongresse »I!0 vUntet dem Namen:„Sozial-demokratische Arbeiterparlei" fwins, 9"6|fn Theil Deutschlands verbreiteten, politische und ,ur«Ü �..„»� �"deit Arbeiterverein mit dem in den Anlagen � Programme und Organisation gebildet haben, welchem s�ter auch d-r Angeklagte Kühn beigetreten ist; nack Rilb»»« �«rocke, von Boi, Horst und Spier bald Mit»L'""malmten Vereins und späterhin auch der wnFir» w r�, s.«." den Vorstand(AnSschnß) dieser Partei ge- haituno°ns-"��d. k ,� llXn am 9- September 1870 erfolgten Per- 4.VI ÄLÄl" de«» Bestrebungen geleitet habe»; klaaten!« j« demokratische Arbeiterpartei, resp. die Ange- Füb»r�d?""d Spier, als reren Mitstifter iind CÄÖ iT f,f WS 3»«*« der internationalen Ar- Ä T-.Un.bJM deffe« Durchführung beabsichtigten Mittel u yadt und in der Absicht, durch rhre Thätigkeit uud d.e bezeichneten stellte?>S'sWtliche Behauptung oder Verbreitung unwahrer oder ent- ans h»�'isentlich die Unwahrheit gesagt! Das Gericht hat naleitsilv ten von Aktenstücken ersehen, wer die Leiter der Jniernatio- ""d, soweit überhaupt vo«„Leitern" die Red« sei» kann. Mittel die Zwecke der Internationalen zu fördern und erreichen zu helfen, die Partei in ihrem Programme als Zweig der Internationalen Arbeiter-Affoziation erklärt und deren Bestrebungen sich angeschlossen haben, obwohl sie den Zusatz gemacht:„soweit es die Vereinsgesetze gestatten;" 5) daß die aus dem Kongresse in Eisenach begründete sozial-demo- tratische Arbeiterpartei von ihrem hiesigen Vorstande bald darauf in Eisenach bei der dortigen Polizeibehörde als daselbst domizilirt ange- meldet und angenommen, diese Sachlage auch der hiesigen herzoglichen Polizeidirektion von dem Vorstande der mehrgedachtcn Partei und aus weitere Anfrage von der Polizeibehörde zu Eisenach mitgetheilt und dabei von Letzterer bemerkt ist, daß der das Vereinswesen beschränkende Bundesbeschluß vom 13. Juli 1854 und die zu dessen Ausführung erlassen« fernere Verordnung für das Großherzogthum Sachsen-Weimar- Eisennach außer Kraft gesetzt sei; 6) daß die Angeklagten im Laufe des Jahres 1870 einzeln und gemeinsam als Vereiusvorstand(Ausschuß) die mit den eben geschil- derten Tendenzen der Internationalen Arbeiterassoziation identischen Tendenzen ihrer eigenen Vereinigung durch Zulassung der Aufnahme verschiedener, in der in Leipzig unter Aufsicht des Aiisschnsses stehenden, als Parteiorgan gegründeten Zeitung:„Der Volksstaat" pnbli- iirter Schriftstücke, vergl. die in der Anklage bezeichneten Auszüge, ohiie dagegen eingeschritten zn sein, obschon ihnen die Anstellung und die Entfernung des Redakteurs zustanden, sowie durch Wort und Schrift verbreitet haben, indem in letzterer Beziehung in Betracht kommt: die von Bracke am 16. Juli 1870 zu Braunschweig gehaltene Rede. resp. abgefaßtes Resolution, vergl. der in Nr. 5 d.„Volksstaat" v. 1870 abgedruckte, von Bracke abgefaßte Artikel, vergl. der von Bracke verfaßte und von den Mitangeklagten von Bonhorst nnd Kühn genehmigte Aufruf an die Parteigenossen vom 94. Juli 1870, abge- druckt im„Volksstaat" Nr. 61, vergl. das von Bracke verfeßte, von den drei Mitangeklagten genehmigte, im„Volksstaat" Nr. 73 abge- druckte, als Flugblatt iw10,000 Eremplaren gedruckte und zum großen Theile zur Verbreitung an Parteigenossen versandte Manifest an alle deutschen Arbeiter vom 5. Sept. 1870. 7) Daß der in dem frogl. Aufrufe vom 24. Juli 1870 und in dem Manifeste vom 5. September 1870 gebrauchten Ausdrücke:„Säbel- Herrschast" und„preußische Kaserne" sich die Angeklagten wissentlich hedieut haben, und fälschlich oder entstellender Weise die Militärver- faffung des norddeutschen Bundes als eine Staatseinrichtung, nicht sowohl hauptsächlich bestimmt zur Sicherung des Staats gegen einen äußeren Angriff, als zur Niederhaltung der freien berechtigten Be- wegung der Staatsangehörigen im persönlichen und selbstsüchtigen Interesse der Regierenden in verächtlicher Weise hinzustellen, ferner, daß sie sich des in dem fraglichen Aufrufe vom 24. Juli 1870 vorkommenden Ausdrucks„Geldsack" bedient haben, um die besitzlose Klasse der Bevölkerung gegen die besitzende auszubringen; 8) daß der Geschäftsverkehr des Ausschusses der sozial-demo- kratischrn Arbeiterpartei mit der Oberleitung') der Internationalen Arbeite, assoziativ», insbesondere mit dem für Deutschland bestimmten Sekretär derselben, Karl Marx zu London fortwährend bis zu der im September 1870 erfolgten Verhaftung der Angeklagten bestanden hat, in welcher Beziehung vorzüglich hervorzuheben ist, daß die in der Anklage wörtlich abgedruckten Zuschriften zwischen von Bonhorst und Bracke wirklich gewechselt sind, uud daß in Folge einer Aufforde- rung des p. Marr der Mitangeklagte von Vonhorst den von der Herzog- lichen Staatsanwaltschaft nachträglich unterm 2l. d.M. zu den Akten überreichten Bericht Namens des Ausschusses der sozialdemokratischen Arbeiterpartei für den Generalrath der Internationalen Arbeiterasso- ziation erstattet hat; 9) daß die in der Anklage wörtlich ausgeführten Zuschriften zwischen Bracke und von Bonhorfl von diesen geschrieben sind, und daß der in der Anklage erwähnte Brief an Walfter von dem Mitangeklagten von Bonhorst verfaßt und von Brocke genehmigt ist, daß endlich die von dem I>r. Ladendorf in Zürich aus einem von diesem verwalteten Revolutionsfonds für den Ausschuß der sozialdemokratischen Partei anhcr gesandten Gelder von dem p. Ladendorf nur für die politische Agitation für die deutsche Republik bestimmt gewesen sind; 10) daß der sozialdemokratische Verein hier am 8. April d. I. polizeilich aufgelöst und die Anklacze erst im Oktober d. I. erhoben ist, ohne daß inzwischen eine gerichtliche Verhandlung zur Verfolgung der den Angeklagten zur Last gelegten Uebertretung stattgefunden hat; 11) daß die Angeklagten vom 7. Nov. v. I. bis zum 30. März d. I. eine unverschuldete Haft erlitten haben. v. Pawel. A. Moritz. Gerstell. 11. E rken ntni ß. Nach dem vorstehenden Wahrspruche habe» die Angeklagten: 1) indem sie die Verbreitung von Grundsätzen, durch welche die Eristenz des Staats gefährdet wird, mit einander verabredet nnd zu h o ch ver räth erischc n Zwecken aufreizende Schriften verbreitet oben, sowie aufreizende Schriften gegen die Landesregierung und andesverfassung verbreitet und sich aufreizender Aeußerungen gegen dieselbe und gegen Einrichtungen des Staats schuldig gemacht,, also durch ihre öffentlich vor einer Menschenmenge gehaltenen Reden resp, durch Verbreitung von Schriften zum Ungehorsam gegen Gesetze, ins- besondere des brannschweigischen Landesgrundgesetzes aufgefordert ha- den, die in 88 2 und 89 des braunschw. K.-G. und 8 3 des Ge- setzes vom 11. Januar 1852, sowie 8 110 des Bundes-Strafgesetzbuchs bezeichneten Vergehen, 2) indem sie wissentlich unwahre oder entstellte Thatsachen öffent- lich behauptet oder verbreitet haben, um dadurch Staatseinrichtungen (die Militärversassung des norddeutschen Bundes) verächtlich zu niachen, also durch Druck oder Schrift sich der Aufreizuug gegen die Einrich- tungen des Staats schuldig gemacht, die im§ 131 des B.-Str.-G. und des J 3 des Gesetzes vom 11. Januar 1852 bezeichneten Vergehen, 3) indem sie einen Arbeiterverein oder Arbeiterverbrüdermrg ge- bilde«, resp. daran Theil genomincn haben, welche politische, sozialistische oder kommunistische Zwecke verfolgt, das in§ 8 des Bnndesbeschluffes vom>3. Juli 1854 und tz 1 und 2 des Gesetzes vom 16. Nov. 1854 bezeichnete Vergehen, 4) indem sie bis zu der im Monat April d. I. erfolgten Auflö- sung des fragl. Vereins an einer Berbindung Theil genommen haben, deren Verfassung oder Zweck vor der Slaatsregierung geheim,!!) ge- halten weiden soll, oder in welcher gegen unbekannte Obere(Iff Gehorsam versprochen wird; das in§ 128 des Bundes- Strafgesetzbuchs bezeich- nete Bergchen, begangen, nnd werden dieselben daher auf Grund ml 1 des§ 110 des Bundes-Straf-Gesetz-BuchS als des mildern Gesetzes, a>1 2 des Z 3 des Gesetzes vom 11. Januar 1852 alS des mildern Gesetzes, ad 3 und 4 der allegirten Gesetze, sowie auf Gnind der§§ 2, 47, 73 und flg. des Bundes-Gesetzbuchs und zwar: der Angeklagte Bracke zu einer 16monailichen Gefängnißstrafe, der Angeklagte Bonhorst zu einer 16monatlichen Gefängnißstrafe, der Angeklagte Spier zu ciner12mcnatl.Gesäugnißstrafe,derAngeklagteKühnzu einer 5monatliche» Gefängnißstrafe, woraus jedoch bei jedem der 4 An- geklagten»ach§ 60 des Bundes-Strafgesetzbilchs die hier erlittene lliitersuchungshaft anzurechnen ist, sowie sämmtlichc 4 Angeklagre nach Z 67 der Str.-P.-O. zur solidarischen Tragung der Untersuchungskosteii mit Ausnahme deS Gerichtssportels, welcher von jedem und von den Angeklagten Bracke, von Bonhorst und Spier mit je 16 Thlrn. und von Kühn mit 8 Thlin. besonders zu bezahlen ist, oermtheilt. Dahingegen werden die Angeklagten a) wegen des im 8 130 des Bundes-Strafgesetzbuchs bezeichneten Vergebens'*) weil dieses nach der zur Zeit der begangenen Hand- lungen gültigen Strafgesetzgebung nicht mit Strafe bevroht war, b) wegen der in den 8s 38 des betreffende» Kriminalgesetzbuchs 8 32 des Ges. vom 4 Juli 1853 und 8 129 des Bundcs-Strasgesetz dilchs bezeichneien Vergehen,'") weil deren Thaibestand nicht vorliegt e) wegen der in 88 4 und 22 des Gesetzes vom 4. Juli 1853 bezeichneten Uebertretung*) weil dieselbe nach 8 67 des Bundes St.» G.-B. verjährt ist, von der Anklage damit freigesprochen. Endlich wird die Einziehung (Konfiskation) der in Beschlag genommenen Ereinplare des Manifestes vom 5. September 1870 damit verfügt. gez. o�Pawel. A. Moritz. Gerstell. (Schluß der Verhandlungen in nächster Nummer.) ') Da es im Absatz 1) heißt: Die oberen Leiter der Jnternatio- nalen sind„unbekannt",— wie können Sie es, geehrte Herren Richter, für„erwiesen" halten, daß seitens des Ausschusses ein„Ge- fchäftsverkehr" mit der„Oberleiung" stattgefunden hat?.— Umgekehrt: wenn es, erwiesen" ist, daß der„Geschäftsverkehr" mit„der Ober- leitung" stattgesunden hat,— wie kann da die Oberleitung„unbe- kannt" sein? U. A. w. a. **) Aufreizung verschiedener Klaffen der Bevölkerung zur Gewalt- thätigkeit gegen euiander. ***) Entkrästuug von Verwaltungsmaßregelii durch imgejetzlich« Mittel.. Hannover, den 26, November 1871. Unter genanntem Datum ist an die Ltrike-Kominission der Tischler zu Berlin folgendes Schreiben von hier abgegangen: „In der ain 20, d. Mts. abgehaltenen Versammlung der inter- nationaieu Gewerkschast der Holzarbeiter zu Hannooer kam Ihr uns zugesandter Verwaltungs Bericht zur Vorlage und erregte allgemeines Ei staunen; namentlich waren es folgende Posten, welche die höchste Unzufriedenheit hervorriefen: a) Zahluiigskosien bei den Kommissions-Sitzungen a Person 3 Groschen. b) Ein eiserner Geldkasten vo» 14 Thaler 2-. Groschen 6 Pf. c) DaS Depositum von 800 Thaler bei der Bank— und wurden folgende Einwendungen dagegen erhoben: ad. a) Da die Kommissionsinitglieder alle gut besoldet waren, da doch sicher, wie wir glauben, keirns unter 7 Thaler wöchentlich er- hallen hat. so begreife» wir nicht, wie dieselben außer ihrem Gehalte noch Zehrungskosten liquidiren konnten. War es nicht grade Pflicht der Kommissionsmitglieder, mit den Geldern der Arbeiter sparsam umzugkhen? ad. b) Wie kommt es, daß die Kommission eiueu Geldschrank aiigejchafft hat, da sie doch die Gelder stets bei der Bank deponirt hat? That nicht bei Sichkrheitsleistung des Eassirers irgend ein ver- schließbarer Kasten desselben dieselben Dienste für die wenigen Gelder, welche derselbe außer der deponirien Summe noch in Händen behielt? In wessen Elgenthlim geht er uu» nach beendigtem Strike über? Wird derselbe als werthlos nun verschenkt? Und wenn nicht, wo ist die Erstehungs- oder Werth- Sninme in der Einnahme enthalten und wo kommt diese Summe hin? Wo kommen die übrigen angeschafften Utensilien hin? ad. e. Warum sind die bei der Bank deponirten 800 Thaler Ueberschuß, die doch für Strckes bestimmt sind, nicht bei Beendigung des Tischler-Stritcs au ein anderes Strike-Komitce überjandl worden? Stehen nicht tausend unserer Brüder in demselben Kamps wie die Tischler und bedürfen dieselben keine Unterstützung? Es war nach allgemeiner Ansicht unserer Versammlung die heiligste Pflichst der Kommssion, den Ueberschuß s os o rt au eine andere Strike- Kommission zu übersenden. Welche Hülfe wäre z. B. den 8000 Me- tallarbeitern in Chemnitz diese Summe im ce sten Augenblicke gewesen? Hätte diese Summe nicht den Grund zur siegreichen Beendigung des «trikes legen können? Ist Euch nicht bewußt, daß ein Sieg der Chemnitzer auch Euer Sieg, deren Niederlage auch Eure Niederlage ist? Fast müßte maii annehmen, daß Ihr ein Interesse daran habt, das Geld für Euch in Anspruch zu nehmen. Beweist deshalb, oaß dieses nicht der Fall ist durch Uebersenduug der baaren Summe au unseie im Kampfe für das Recht des Proletariats stehenden Arbeiter irnd Brüder! Im Allgemeinen soll ich noch hervorhebe», daß folgende Posten starke Bedenken erregten: a) An den Vorsitzenden der Kommission incl. Reisevergütung 89 Thaier 2 Groschen. Derselbe bezog doch, wie jedes andere Kom- missionsmitglied, Gehalt und halte deshalb speciftcirt werden müssen, wofür derselbe die 89 Thaler 2 Groschen erhalten hat. b) Für Arbeilsversäumnisse und schüsiliche Arbeiter an einzelne Koiiimijsionsmitglieder 19 Thlr. 7 Gr. 6 Pf. Haben die Kommissionsmitglieder für empfangene Gehälter von 240 Thaler 15 Groschen Nichts thun wolle»? Waren dieselben nicht ohnedies brotlos, daß sie auch für„Arbeilsversäumiiiß" liquidiren? Büreaumiethe für 4 Monat ä 3 Thlr.— 12 Thaler. Konnten die Geschäfte der Kommission nicht in der Stube irgend eines Mitgliedes derselben erledigt werden? Mußte mit aller Gewalt Geld ausgegeben werden? c) Werden die an Grell man» resp. für denselben gezahlten Verläae nicht zurückerstattet? Ist uichi Klage angestreuat gegen den ExeedeiU? Ueber alle diese Punlre bitten wir um Rechtfertigung im„Volks- staat". Mit fozial-demokratifchem Gruß Die Mitglieder der internationale» Gewerkschaft der Holzarbeiter zu Haiiiiover. I. A. Wetnaild, Schriftführer. (Ohne über das Material der vorliegenden Streitfrage vollstän« big au tair") zu fein— indem uns seitens des Tischler-Strile-Komiiees keine Abrechnung zur Belösientlichunq zugegangen ist, obschon viele Leser des„Volkoitaat", welche zu een Sammlungen beigesteuert haben, ein dringendes Interesse daran hätten— glauben ivir doch einige Bemerkungen zu obigem Schreiben machen zu müssen. Wir halten die Ausgabe sür Büreaiiiuielhe nicht nur für sehr gering, sondern für unabw eislich. Ein Arbeiter, der ielber»ur ein einziges Zim- mer bewohnt, kann doch unmöglich 8 Wochen lang von Früh bis Abend ein aus 10—15 Personen bestehendes Komitee bei sich beher- beigen,— abgesehen davon, daß das Haus, worin das Komitee seinen Sitz hat, fortwährend von den feiernden Arbeitern, welche Rapporte erstatten oder sich ihre Unterstützungen abhole», in einem Maße fre- quentirt wird, daß nicht jeder Wirth üch diesen Massenbesuch gefallen lassen wird. Eine monatliche Miethe von 3 Thaleru sür ein größeres Zimmer ist für Berlin nicht theuer.— Ueber die Frage derZeyrungs- gelber und Zeitversäumniß-Erstatiung haben wir kein Urlheu, da wir oie Höhe des Gehalts der Kommissiousmitglieder nicht kennen. Was endlich die deponirten 800 Thlr. betrifft, so ersehen wir auS einer Erklärung des Strikekomitees in der„Demokratischen Zeitung", daß diese Summe»ich: von Sanimlungeu unter den übrigen Arbeitern herrührr, sondern von den regelmäßigen Einzahlungen der Tischler selbst in ihre Strikekasse— was die Sachlage aller- dings vollständig verändert.— Noch haben wir zu bemcrfen, daß seitens der Kölner Holzarbeitergewerkschasi eine der bereits mitge- lheilteu«lionaer analoge Resolution bezüglich der bei der Bank deponirten 800 Thaler gefaßt worden ist.— Red. d. Volksst.) Bern, 1. Dez. Ein Beispiel von der Harmonielehre. Veranlaßt durch einige Kollegen, sandeu Son»tag den 26. und Mon- tag den 27. Nov. Versammlungen der hiesigen Buchbindergehilfen statt, behufs Besprechung über Lohnerhöhung unv Verkürzung der Arbeitszeit. Mau einigte sich nach längeren Debatieu dahin: Die Meister zu ersuchen, die 11 stündige Arbeitszeit und 20 Prozent Lohnerhöbung zu bewilligen.(Der Lohn der Buchbinder steigt hier von 12biS l6Frcs. die Woche. Für Kost und Logis kann man 9 bt« 10 Frcs. U Frcs.— 8 Sar.) wöchentlich rechnen; dann Hai man aber»och keine Kleider, Stiesel, Wäsche u»d noch kein Glas Bier getrunken u. s. w.) Die Meister ivinden in Bezug aus obigen Beschluß, zu einer Besprechung darüber aus Freitag den 1. Dezember eingeladen, uin niil dem«ewähllen Komitee über die gestellten Forde, ungen zu unterhandeln. Eewanungs- voll begab sich am bestminnen Abend das Komitee in die Werner Haue, wo die Zusamineukunft siatistnden sollte; eS erfchieii 1' 0° cht ein einziger Meister, obwohl sie Alle durch ein gedeuckies tfittuiat höflichst eingeladen waren!—... Das verächtliche Benehmen der Meister, die es»lcht emmtu i Mühe werlh fanden, den gerechten und bescheidene» Forderungen oer hiesigen Buchbindcrgchiisen uisoweit Gehör zu schenken, wenigueni ihrer Einladung Folge zu leisten, hat neitürlich I rüsiung hervorgerufen, und es steht zu besürchie», daß die so verächilich Behandelten zur ArbeUSeiiistellung schielten, um ih" Forderungen mil Nachdruck durchzuführen. Eine weitere,«sonnlag den 3. Decemder statifindende Verlainmlung wird darüber das Nähere ve�chliegen. I» der Hoffnung, daß auch d,e Buchbinder infolge Ihrer Miserablen Stellung, die sie in der heuiigen GeseU:chaft einnehmen, bald von der großen Bewegung, die die ganze Welt ersulli-rsagt und em Glied der Bewegung bilde» werden, zelchnet mit sozial-demotraiffchem Gruß: Albin Germann, pr. Adr.: Zulauf und Sichler, Buchbiuderti. ') Verbindung der Vereine unter einander. *') unterrichtet; lies: ,,oh fäh." Unfve Gegner.„Den Sozialisten gegenüber sind alle � (anderen) Parteien eine reaktionäre Masse," sagt der„Neue Sozialdemokrat" und bewahrheitet das Wort, indem er seit drei Wochen fast ausschließlich mit Schimpfereien auf die In- ternationalc, Marx, Bebel, Liebknecht, und die Sozialdemokra- tische Arbeiterpartei gefüllt ist, die von der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" und der nationalliberalen Presse begierig abgedruckt werden. Ter„Neue Sozialdemokrat" muß einen sehr niedrigen Begriff von den Urtheilskraft seiner Leser haben, daß er sich für seine elenden Angriffe den Moment wählt, wo die Vertetcr unsrer Partei auf der Ebene von Satory ßestand- rechtelt, in Braunschwcig verurtheilt werden, in Wien und Pest seit Monaten eingekerkert, in Leipzig der Vorbereitung zum Hochverrath angeklagt, überall systematischen Verfolgungen und Maßregelungen ausgesetzt sind. Um den Anstand zu wahren, hätte der„Neue" wenigstens bei der Berliner Staatsanwaltschaft ein paar Prozesse für sich bestellen sollen— doch er genießt der Straf- losigteit des— Mouchards. Unter der Firma des, beiläufig nicht schreiben könnenden Lumpazius Joseph Schneider, Stutt- zarter und Frankfurter Angedenkens, der sich seit einiger Zeit in Lon- don aufhält, bringt der„Neue" u. A. ein langes Pasquill auf die Internationale, auf Marx u. s. w., das würdig wäre, von Stieber oder von Zabel geschrieben zu sein. Die Internationale ist nur ein„Generalstab ohne Armee", sie ist voll- ständig aus Rand und Band, in der deutschen Abtheilung ist „M arxKopf, Rumpf und Schwanz", er„setzt die Beamten ein, wie— der König von Preußen seinen Bismarck"(!Wir halten uns mit Bezug auf den König von Preußen und Bismarck die Sache bisher so ziemlich umgekehrt vorgestellt. Red. d. V.), die letzte Konferenz war das Produkt einer Marx'schen Laune und die ganze Internationale(die nicht vorhandene„Armee" des„Generalstabs") befindet sich deßhalb in voller Auflösung— kurz, die alten Polizeimährchen(S.„Herr Vogt"), mit einiger neueren Ingredienzen versehen, wie das im Rezepte der Brod- hcrren steht, welche der Internationalen Arbeiterassoziation gegenüber die doppelte Taktik haben, sie, je nachdem es paßt, entweder als lächerlich unbedeutenden Humbug, oder— wenn es sich um Verurtheilungen und sonstige Maßregelungen handelt— als gräuliches Schreckbild, als„Wauwau", der Staat und Gesellschaft zu verschlingen droht, hinzustellen. In Nr. 68 hat der„Neue" sogar den Muth, für den Spion Durand eine Lanze zu brechen, und sich namentlich da- rüber zu chikaniren, daß sich derselbe bloß für 725 Franken ver- kauft habe,*) woraus zu schließen, daß der„Neue" es nicht so billig thut. Ferner veröffentlicht der„Neue", in dem Bedürfniß, einen „Ehrlichen"— bei ihm aus guten Gründen ein Schimpfwort — als Zeugen zu zitiren, einen vor zwei Jahren ver- öffentltchlen Brief Leo Fränkel's gegen Liebknecht. Daß Fränkcl, der damals Mitglied des Schweitzer'schen Vereins war, sich seitdem von oer Niederträchtigkeit der Schweitzer- Tölcke-Hasselmann-Hasenclever überzeugt hat und jetzt im Ge- neralrath der geschmähten Internationalen sitzt, davon schweigt selbstverständlich der„Neue." Doch genug. Mit Leuten, neben denen Herr Braß ein Ehrenmann ist, mit Subjekten, die wegen unnatürlichen Geschlechtsvergehens verurtheili(Schweitzer), wegen gemeiner Verbrechen der bür- gerlichen Ehrenrechte beraubt(Tölcke), und als Preußische Polizeiagenten entlarvt sind(Schweitzer, Tölcke, Hasenclever, Hasselmann), können wir uns in eine Polemik nicht einlassen. Wir können höchstens, da das würdige(vier blätterige) Kleeblatt durch die königliche preußische Staatsanwaltschaft davor bewahrt wird, uns an- derweitig Rede zu stehn, die hervorstechenderen Leiftungei. desselben registriren und, erforderlichenfalls mit ein paar kurze» Randglossen illustriren. Bezüglich des im Braunschweiger Prozeß vielgenannten Briefs von Carl Hirsch an den Ausschuß(siehe die Anklage- akte in No. 97 d. Bl. und No. 104 d. Bl. Jahrgang 1870) schreibt die, von Hirsch redigirle,„Demokratische Zeitung": „eie,.Nvrdo.uischc üiUg.meiN- Zeitung-, tauchdas„AipstgerIag>blatt". Red. d. V.) wnverhvit im beult« im Tejtmbtr vorigen Jahic« gc biauchieS ÜJioiiövev, das|cbwi damals ii»„Voilsstaat" als aui Fa.jdiuiig bciuljciid uachgewin»» wuide. Der Brounschweiger Au«- schuß yaueHru. t�arl Hli den isniwurszum flaglichenMauisest, zur ideguluchiuug i.dcrichicki. Trejei haue Form und Inhalt deffeiden brieflich eingehend kniisi.t und verichiedriieModifikaiionen vorgeschlagen, da»aiiieuilich eine Wendung,„nach den ,nir der deutschen Zupiz ge- macht n tlrfayrungen, geeignet sei, eine genchiliche!turlheilung»ach sich zu ziehen.' üeht.rc« degründeie er dabei in folgender Form, unter huinoriiii>che> irvillicher Ansuhiung des bekannten Schlußpassus in Uitheuen Preugischer Gerichlshöie:„Von« chi« Wegen."— Nun zog die„Zcidler'sche Korresp." neb» Konsorten die di ei onmiöitn Worte zuchmiiien und läßt Husch schieiben,„es geschehe ganz von Rlchiewege», wenn die Uraunjchweiger bestraft wüide»!!" Und die„Norddeu.iche ü-llgemeine" wiederHoll diese erwiesene Fälschung, den Nachwci» beileibe» ignorirend." Sämmtliche 8 Mitglieder des Brandenburger Striketomitees sind wegen angeblicher„Aufhetzung" der Arbeiter verhastet worden, obschon einige derselben nie öffent- lich aufgetreten sind. Unterstützungen nimmt jetzt I. Kärnei, Besitzer des„Elysiums" in Brandenburg entgegen. Leipzig, 7. Dezember. Eine Anzahl hiesiger Arbeiter werden nächster Tage dem Abg. Prof. Wizard in Dresden eine Beschwcrdeschrift an den Landlag übersenden, worin über das nach Ansicht der Petenten ungcrechtfert igte Verbot der Leipziger Polizeidirektion, für den Chemnitzer Strike zu sam- meln, Beschwerde geführt und der Landtag ersucht wird, eine genaue Jnterpretatio» des bez. Gesetzes vom Jahre 1841 rcsp. eine Revision und Abänderung desselben, vornehmen zu wollen. Den Wortlaut des Schrfflstücks werden wir später mittheilen. Au die Buchbinder! (Schluß zu Nr. 95.) . um ich in meinem erste» Artikel speziell die Lage der GeHülsen (leschildert habe, so komme ich heute nothwendigerweisc auf den kleinen eldsiständtgen Handwerker und das Gewerbe selbst zu sprechen. Will man hier eine Parallele ziehen, so muß man ebenfalls die Lebensbedürfnisse als Maaßstab ansetzen. Wenn der kleine Selbstpro- duzent überhaupt Arbeit haben will, muß er billiger arbeiten, als die Konkurrenz und er ist mitunter schlechter daran, als der Eehülsel— Auf diese Weise ist es gekommen, daß die Buchbinderei, welche früher den Mann ganz anständig nährte, so heruntergebracht ist. *) Beiläufig ist nie behauptet worden, daß Durand nur 725 Francs bekommen habe; der Empsang dieser Summe ist ihm aber nachgewiesen. Alles Anwenden von Maschinen, alle Theilung der Arbeit, kann die Buchbinderei nicht hebm, wenn der ganze Segen in die Taschen der Buchhändler fließt. Freilich kann man für alle diese Manipulationen Einzelne nicht verantwortlich machen, denn sie sind nur die sozial-nothwendigen Konse- quenzen. Dennoch muß doch den Buchbindereibesitzern der Vorwurf gemacht werden: daß sie aus Pietät gegen die Buchhändler die Preise, anstatt sie durch Vereinigung zu heben, so herunter kommen ließen. Denir nichts ist wohl klarer als daß, wenn einzelne Produkte durch den Einfluß der ökonomischen Verhältnisse theurer werden, die ge- lammte Produktion in demselben Maaße theurer werden muß*). Abge- sehe» davon, hat man auch keine Rücksicht darauf genommen, daß die Bedürfnisse des Arbeiters gestiegen sind!— Nun, dies mill man heute noch nicht einmal acceptiren, und doch wäre es im Interesse der Ar- beitgeber, den gütlichen Ausgleich, welcher ihnen jetzt angeboten wird, an- zunehmen. Es dürfte sonst über kurz oder lang wohl etwas Entschiedenes gesprochen werden.— Allen Familienvätern aber möchte ich noch ins Gedächwiß rufen, daß es unsere Vorsahren für ihre heiligste Pflicht erkannten, daß sie ihren Kindern etwas zur Erleichterung oder zur Gründung ihrer Existenz hinterlassen konnten. Dieses Gefühl, das nur ein menschliches gegen die Kinder ist, es muß unS zum Aeußersten anspannen. H. R. Juteruationale Metallarbeiterschaft. Hnnnvver, den 5. D.zember. Die Generalversammlung betreffend. Der Ausschuß sieht sich in die Nothwcndiakeit versetzt, aus nicht näher zu erörternden Gründen(und mit der Verantlichkeit, welche daraus entspringt), die Gen eralversam ml u ng zu ve r- tagen. Um aber die vorläufige Tagesordnung zu erledigen, schlägt der Ausschuß als Vorort Chemnitz und als Sitz der Kontrol- kommission Berlin und Dresden vor. Die Mitglieder aller Ortc werden dieserhalb aufgefordert, über d«» Vorschlag zur Abstim- mung zu schreiten und das Resultat so rasch als möglich im„Volks- staat" bekannt zu machen. Jedoch bleibt es jeder Mitgliedschaft un- benommen, auch andere Orte vorzuschlagen. Das Resultat muß jedoch noch vor Neujahr zur Kenntniß Aller gelangen, damit der provisorische Ausschuß gleich nach Neujahr gewählt werden und seine Funk- tionen übernehme» kann. Auch werden die Mitgliedjchasten anfge- fordert, ihre Abrechnungen an untenstehende Adresse einzusenden, da- mit der neue Ausschuß geordnete Zustände finde, um mit frischer Thatkraft das angesange Werk weiter führe» zu können. In der Hoffnung, daß Jeder seine Schuldigkeit thut, zeichnet mit sozialdemokratischem Gruß und Handschlag Der Ausschuß. I. A. Der Geschäftsführer, S. Franke. Ballhosstr. 18. Berlin. In der am 2. Dezember»aligehabten Versammlung der berliner Miiglieder der Internationalen Metallarbeiter- genossenschast wurde nach Anhörung des Berichtes ihres zum Kongreß, behufs Centralisation der berliner Arbeiter, entsendeten Delegirten Herrn Kärger und der daran geknüpften Debatte einstimmig nach- siebende Eiklärung ausgesprochen mit dem Bemerken, daß eS Jedem Mitgliede selbstverständlich unbenommen bleibt, als Enizelner sich an besagter Centralisation zu betheiligen:„In Erwägung: daß der Kon- greß zur Feststellung eines Statuts für die Centralisation der Berliner Arbeiter das vom Komitee ihm vorgelegte Statut in allen Punkten ge- nehmigt hat; in fernerer Erwägung, daß die darauf begründete Or> ganisaiion der berliner Arbeiter, weil lokal organisirt, nicht geeignet ist, den Kampf gegen die internationale Organisation der Kapital- macht mit Erfolg durchzusühre»; erklärt die Mitgliedjchast der iuicr- nationalen MelaUarbeiterschaft zu Berlin, sich nicht an derselben be- theiligen zu können." Alle arbeiterst eundlichen Blätter werden um Abdruck dieser Erklärung ersucht. Der Bevollmächtigte im Auftrage der Mitglieder zu Berlin. Brünn. Die Vortheile der Gewerbegerichte unter de Herrschaft des Kapitals. Mehrere Arbeiter aus der Fabrik der Herren Morgenstern und Wawra halten wegen erlittenen Unrechts bei dem Gewerbegertchie Klage geführt. Als Zeugen waren auch einige Arbeiter bei der Verhandlung anwesend. Herr Wawra bestritt Alles und hatte die Kühnheit, sich an die anweienden Arbeiter zu wenden, indem er hoffte, sie würden au« Furcht und Respekt vor ihm für ihn sprechen. Aber er hatte sich geirrt. Die Arbeiter sagten das Gegen- theil von dem, was Herr Wawra behauptet, sie sagten ihm offen die Wahrheit i»S Gesicht. Die Folge war, daß zunächst der Meister sie entließ, und alS sie Herren Wawra fragten, warum sie entlassen würden, wurden fieznr Thür hinausgejagt.— Gewiß einsehr b. zeich- nender Zug für die Bildung des Herrn Wawra und für den Werth der Gewerbegerichtc.— Darum, Arbeiter, vergeßt nicht, daß all diese jämmerlichen AuSkunfts- und Trugmittel nichts helfen, wenn wir nicht mit vereinten Kräften den Uebermuth der Kapitalbesitzer brechen. Bildet Gewcrkvereine, tretet den bestehenden bei! Hört aus die Stimmen eurer Brüder und nicht aus die Stimmen nationaler Hetzer. Hütet euch vor den Klerikalen, die auch im nationalen Gewände einherschreiten. („Volkswille." Wien. Ders Gewerkverein der Holzarbeiter Wien! macht Mannt: daß das neue Vereinslokal sich von nun an in Ble- chers Gasthause zum Blumenstock befind«, Wieden, Müblgasse Nr. 1. Das«sie Lesezimmer ist in GranelS Gasthause zum Salzkubel, Als«- vorstadt, Alsnbachstraße Nr. 43. In beiden Lokalen ist die Arbeitjs- Vermittlung eingeführt. Das Bureau ist an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 1l Uhr Vormittag, an Wochentagen von halb 3 bis 9 Uhr Abends geössnet und wird die Auskunft unentgeltlich ertheilt, daher fordern wir alle Holzarbeiter um massenhaft- Betheiligung auf. Joh. Nowotny. Augsburg, 7. Nov. Samstag, den 4. Nov. fand hier eine öf- fentlicheParleiversammlung statt, die von 1000— 1200 AlPeitein b-sucht war und in welcher Parteigenosse Enders und Tauscher über soigende Punkte rejeririen: 1. der Normalarbeitstag; 2. die jetzige Theueiung der Lebensmittel und ihre Wirkung aus den Kleinbürger, niederen Beamten und Lohnarbeiter; 3. die Chemnitzer Arbeitseinstellung ver 8000 Gießer und Maschinenbauer. Die Versammlung verlief sehr würdig und waren alle Anwesenden vom besten Geiste beseelt. Da Sammlungen für Strikende i» Baiern polizeilich verboten sind, so mußte man sich darauf beschränken, den Anwesenden begreiflich zu machen, daß etwaige freiwillige Gaben pünktlich an die Strikenden abgeliefert werden, und nun zeigte es sich, daß die Arbeiter Augsburgs, wenn es gilt, gegen das Kapital kämpfende Brüder zu untei stützen, nicht die letzten sein wollen; Jeder trug sein Schn stein bei und sam- melte sich die Summe von 35 fl. an, außerdem wurden dem Unterzeichneten von den Arbeitern in der Klaaö'schen Eisengießerei 10 fl. 30 kr., von den Arbeitern der I. Haag'sche» Röhrenfabnk 9 fl., von Lechhauser Gesninungsgenossen II fl., von der hiesigen Bezirkswerkstätte wurden dem hiesige» Virlrauensmann 4 fl. 48 kr. übergeben. Es würben biS hellte in drei Seiibiingen 97 fl. abgeschickt. Aus eine dieses bezügliche Aussvrderung zeichnete» sich 25 Mitglieder in die Parteilistcn ein.- Bor einigen Wochen traten hier mehrere Tischler der Internationalen Holzaibeiiergeweikschaft bei: nun lesen wir in den hiesigen Lokalblätter», daß dieselbe auch schon als„politischer Berein" er- klärt sei.— Die hiesigen Zimmergesellen haben an sämmtliche Zimmer- meister ein sehr maßvoll gehaltenes und gut motivirtes Gesuch um Lohnerhöhung gerichtet,— der Erfolg bleibt abzuwarten. Die hiesigen Brauer, die einem Bierbrauerverein gegründet haben, uni des er organisirt zu sein gegenüber den Konsumenten,«-klärten in in der hiesigen Lokalpresse, daß der Preis des Wintcrbieres in diesem Winter aus 7 kr. per lllkaaß festgesetzt sei(sonst 5'/,— 6 kr. per Maaß) und motivirten diesen Beschluß dainit, daß es ihnen dadurch ermöglicht sei, auch das Sommcrbier uni diesen Preis abgeben zu lönnen.(Das- selbe kosteie hier nie mehr als 7 kr.) Bei der großen Tbeuerung 1817, als der bayer. Scheffel Geiste 60 fl. kostete, stand der Preis des Bieres hier per Maaß auf 7 kr. Heute kostet die Gerste 15—16 fl. per Scheffel, das Maaß Bier ebenfalls 7 kr.— Fortschritt!? Das Pubikum, und haupisächlich die Schenkwirihe, die unter dem hohen Bicrpreis sehr zu leiden haben, können das„Hochherzige" dieses Beschlusses nicht begreifen und hatten infolge dessen die Schänkwirthe gesierii 6. Nov. eine Besprechung in dieser Angelegenheit, deren Re- suliai noch nicht bekannt ist. Wir stehen möglicherweise vor eiuem Strske der hiesigen Bierwirthe. Alles organisirt und koalirt sich,— was sich die Arbeiter zu Herzen nehmen mögen. Mit sozial-demokratischem Gruß: I. EnderS. München 15. Nov. Zur Unterstützung des Waldenburg« Strikes vor 1% Jahren, war s. Z. hier ein Komltee gewählt, welches ein Gesuch behufs Erlaubiiiß zur Sammlung an die Behörde einreichte, darauf haben wir bis heute keine Antwort erhalte». Durch diese Erfahrung gewitzigt, fand steh das für die Unterstützung der Chcm- »itzer Sinkende r konstituirle Srrikc-Komite veranlaßt, von dem unnützen Petitionswcge abzustehen und einen praktischeren zu wählen. Wir ver- vielfältigten Ausrufe, sandten sie an alle größeren Etablissements und gäbe» i» de»„Nürnberger Nachrichleii" bekannt, daß sich das Komitee behufs Entgegennahme von Aufträgen!c. allabendlich im Wür- temberger Hof versamnielt. Dieses veranlaßte die Polizei, uns einen Kommissär mit einem Boten(welcher wahrscheinlich das angesammelte Geld, wenn sich solches vorfinden und dem Kommissarius zum Schleppen zu viel sein sollte, tragen helfen sollte) zu schicken. Wir waren auf solchen Besuch gefaßt. Ww antworteten auf seine Fragen, wo wir unsere Liste und Gelder hätten, da wir laut Ausschreibens i» der Zeitung sammeln wollten und hierzu um keine Erlaubniß nachgesucht hätten,— daß wir als Komitee nicht sammelten, somit einer Bewilligung nicht bedürften, und hielten ihm dos Inserat vor, in welchem sich kein Wort von Samm- lung befindet, somit hälUn wir keine Liste über gesammlte Gelder alS Komilee zu führen, und unier Ansträgen sc. sei nurVermittlung von Arbeit u. vgl. zu verstehen. Hierbei sei aber nicht ausge- schlössen: wenn einz ewe der Komiieemiiglieder Geldbeiträge persönlich zu iibeimitieln beauftragt würden, daß sie solche aiiiiehmeii und absenden. Hiermit war der Herr Äommiss'arilis adgesertigt. Er erklärte, daß er wahrscheinlich in dieser Sache noch an demselben Abend wiederkommen werde, wa« ad« unterblieb. Wir haben bis heute(15. November) 90 Thlr. an das Komitee nach Chemnitz abgesandt. Leipzig.(Eingesandt.) Bei den jetzt notorischen Arbeiter- bewegnngen wäre er wohl an der Zeit, unsere Aufmerksamkeit auch einmal auf die traurigen V.rhältnisie der größten Theile unsrer, von dem hiesigen Rath besoldeten Arbeiter zu lenken.— So sind es vorzugsweise die Arbeii« der hiesiAen Gasanstalt, welche sich leider mit einem wahren Hungerlohne begnügen.— Nach den mir gemachten Mittheilungen«hält z. B. daselbst ein Feuermeister 25 Ngr. per Tag, während die in den Feuerhänsern beschäftigten Arbeiter 15, höchstens 17 Ngr. per Tag erhalten.— Ist der für die Feuer- meist« bedingte Lohn schon ein ganz geringer, so muß der der Ar- beiter geradezu als ein Almosen betrachtet werden, wenn man bedenkt, daß es fast durchgängig Familienväter sind, denen man für schwere Arbeit einen solchen Sundengroschen zumißt.— Hierzu kommt aber noch die ungleichmäßige Vertheilung der Löhne; ein Arbeiter, der ein und dieselbe Arbeit, wie seine Kollegen verrichtet, hat doch un- streitig auch dieselben Lohnansprüche wie jene; derartige Ver- günsiigunge», wie sie eben hier stallfiiideit(15 bis zu 17 Ngr. per Tag aufsteigend), gelten nach meiner Ansicht für ein großes Un- recht.— Wie man mit Thlr. 3. sage: Drei Thaler per Woche in hiesiger Stadt und unter den jetzt so drückenden Verhältnissen über- Haupt eristiren kann, dieß zu beurtheilen, überlasse ich aerechtdenkenden Menschen.— Der Magistrat unsrer lieben Stadt Leipzig, welcher doch, wenn eS gilt z. B. den Patriotismus zu bethätigen, (bei welchen Gelegenheiten, nebenbei bemerkt, ojtmals enorme Sum- nien vergeudet werden) stets allen Anderen voraus ist, möchte er auch in dieser Beziehung nicht gegen andere Städte zurück- bleiben, sondern den bestehenden Verhältnissen schleuiiigst AbHülse verschaffen!— Durch eure gründliche Revision, verbunden mit Aus- besser un g der Löhne in jener Anstalt würde einein dringenden Be- d rsniß endlich entsprochen und so dem mehr und mehr um sich greifenden Elend der Arbeiter, wenigstens einigermaßen, ent- gegengewirkt.—_ Zur Notiz. Durch die in erster Linie nolhwendige Veröffentlichung de« Le- richicS über de» Braunschweigcr Prozeß, ist der Raum unseres BlatttS derartig in Anspruch genommen worden, daß wir eine Menge von Korrespondenzen und auch die noch nicht abgedruckten Reichstagsrede»Bebels zurückzustellen genöthigt waren. Wir werden dieselben in der nächsten, mit ein« Beilage«scheinenden Nunii»« bringen. D. Red, d. V. Für Ludwig Feuerbach." Erhalten 5 Thlr. von Moritz Dunkelsdühler Nürnberg. _ R. d. V. Für dir«hcmuilzer vemajzrcgclten. Ertrag eines Meetings in Gemereth II Frcs. 10 Cent, durch die Exped. d. Boltsst.— 1 Thlr. Sammlung bei einem Kränzchen der Arbeit« der Slarcke'schen Schneiderwerkstatt hier. Leipzig._ Hablich. vriefkasterr der Erpedition: R. Braunschweig: die höhere Preis»otirunU de« Hochverrathsprozesses ist Folge der Preissteigerung in Wien.— M. Berlin: für Schriften 1 Thlr.«h.— P. in Wien: 8 Gr.«halten, Schriften folgen.— G. München: 4 Thlr. 17 Gr. für Abonn.«halten. — Porck, Hamburg: Schriften an O. in Sch. abgegangen.— S. Ho- boken: 60 Thlr. erhalten; Schriften, soweit vorhanden, werden besorgt. — M. Berlin: für die Jnhaslirten 19 Gr. 1 Pfg. erh.— Sinz, Frankfurt: Sie haben 7 Gr. gut.— K. Frankfurt: die Annonce kostet 2 Thlr- sür's Vierteljahr. Karten nicht nvthig._ i Eine Nähmaschinenfabrik in Tarmstadt, in welcher meist Grov»r-Ba ker No. 19 verfertigt wttden, wnd an einen Sachverständigen vermiethet, der eine Kaution von 200 Gulden zu stellen im Stande ist; eventuell kann derselbe auch Theilhab« de? Geschäftes werden.— Näheres vermittelt die Erpedition dieses Blattes. _(311— Stelle-Gesuch. Ein jung« verheiratheter Mann, der mehrere Jahre in einer n"«en Gas- Anstalt als Feuermann thätig war und mit allen iesem Fach vorkommenden Arbeiten vollständig vertraut ist, such! vom 1. Januar 1872 an in oder außerhalb Sachsens eine andre Stelle. Geehrte darauf Reflektirende wollen die Güte haben, in der Erpedition d. Bl. nachzufrage r.(2) 2 Dem Heinrich Zmhoss zu seinem am 10. Dezember stattfindenden 21. ÄeburtSta» ein donnerndes Hoch von seinem J. J- Frankfurt a. M., 7. Dezember 1871. Bitte um Angabe Deiner Adresse_ Der Prozch gegen den Ausschvtz der sozialdemokratischen Arbeiter- Partei(Bracke, Bonhorst, Spicr und Kühn) in Braunschweig wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung— verhandelt vor dew hilsigeu herzoglichen Kreisgerichte am 23., 24. und 25. November 18" ist von uns gegen Frankoeinsendung von 5 Gr. zu beziehen. Wir empsehleii diese Verhandlung, welche vielfach an den Wie»�' Hochverralhsprszeß erinnert, allen Freunden der Arberterfache J"1 eingehendsten Lektüre. «raunschweig.«xpedition des Bolksfreund. 'Neue Str. 23. Zu beziehen durch die Expedition de« Volksstaat. Einige Ercmplare von: Wie und Wann! Ein ernstes Wort über die Fragen und Ausgaben der Zeit von! Joh. PH.Beckerj, Preis 1 Thlr. sind noch zu beziehen durchH.Knr� j ling, Dresden, Christianstr. 16, IV.____(3) 2 „Unsere.jtele". u. Auflage. Eine Streilschrist von Aug. Beb Mir zeitgemäßen Randglossen versehen. Kostet p« Exemplar 21/« 9 Ii. südd. Währ, in Parthien 2 Sgr.— 7 kr. südd. Währ.*a bei je 12 Exemplaren 1 Freiexemplar. (3) 2_ Dir Expedition de»„Bolksstaat".< Leipzig: Verantw. Redacleur». Hepner(Rdaction: Pelersstew'. weg 13.) Druck u. Verlag von F. Thiele(Expedition: PettrSstr. 1'