M 101. SoulmbcnS, den 16. Tezember. 1871 E«.scheint wöchentlich 2 mal in Letl>zig. Bestellungen nehmen alle Postanstallen und Buchhand- lungen des In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstraße 13, F.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AbonnemrutSprei»: Kür Preußen incl. Stempel- fteuer 16Ngr.,für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Filialerpedition für die Ber- einigten Staaten: ?. A. Lora», Box 101 Hoboken N.J. via Newyork Organ der soM-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschasten. Bekanntmachung. Die Redaktion und Expeditwn des „volksstaat" befindet fich vom 1. Januar au Hohe Strasse Nr. 4 parterre Alle Briefe und Geldsendungen find von Reujahr au dorthin zu adresfireu. Mittwoch den 27. Dezember, als dritten Weihuachtsfeiertag, erscheint „Bolksstaat" nicht. am der Mit dem 1. Januar beginnt ein neues Abonnement aus den„Volksstaat"; wir er- suchen unserezgeehrten Leser, rechtzeitig das- selbe erneuern zu wollen, damit keine Unter- brechuug in der Zusendung eintrete. Der Preis ist derselbe wie bisher, und beträgt in Preutzeu unter Zuschlag der Zei- tuugssteuer pro Vierteljahr 16 Sgr., im üb- rigeu Deutschland nur lÄ Sgr.-- 42 kr. süd- deutsch. Die Vuchhäudlerabonnements sehen wir uns geuöthigt für das Inland(für das Ausland tritt keine Veränderung ein) vom 1. Januar ab insoweit aufzuheben, uls nicht mindestens 16 Expl. durch eine Buchhand- luug bestellt werden. Die Abonnenten, wel- che also bisher Eiuzelbestellungen bei Buch- Händlern machten, wollen dies künftig bei der Post thun. Zur Gesekzeskunde sächsischer TtaatSdiener. Wohl in keinem Lande herrscht unter den einzelnen Be- Hörden eine so maßlose Benvirrung der Rechtsbegriffe wie in Sachsen. Kaum hat das Dresdner Ministerium betreffs der ungerechten Ausweisung Most's dem Leipziger Polizeidircktor eine zurechtweisende Lektion ertheilen müssen*), so hebt auch die Kreisdirektion die von demselben Polizeibeamten verhängte Strafe(8 Tage Gefängniß) gegen Liebknecht wegen des Ausrufs für die Chemnitzer Strikenden, als ungesetzlich auf. Einige Tage vor dem Eintreffen des Kreisdirektions- Kescheids auf den Liebknecht'fchen Rekurs halten aber die Partei- genoffen Hadlich und Hepner Thlr. 1. 17. 5., resp. Thlr. 5. 23.— Strafe aus demselben Arunde zahlen müssen, aus welchem Liebknecht zu 8 Tagen Gefängniß verurtheilt worden war, nachdem sie die 10 Appellalionstage unbenutzt, und dies zum Theil auf Anrathen der Polizei, hatten verstreichen lassen. Nun weigert sich die Polizei, die unrechtmäßig er- hobenen Strafgelder zurückzuzahlen, weil die Betroffenen nicht Rekurs ergriffen und das Urtel haben rechtskräftig werden lassen; es wird daher seitens der Geschädigten gerichtliche Klage gegen das Polizeiamt angestrengt werden. Gleichzeitig geschieht in Krimmitschau ein Wunder. Tort hatte vor. einigen Monaten die nationalliberale Polizei eine Bürgerversammlung zur Besprechung kom- inunaher Angelegenheiten verboten, weil über letztere nur die Väter der Stadt zu berathen hätten. Dieser be- schränkten Ansicht trat(auf eingelegten Rekurs seitens der Ver- sammlungseinberufer) die Zwickauer KreiSdirektion bei, so daß das Dresdener Ministerium auch in diesem Fall den„liberalen" Pvlizeimännern rnoreL lehren mußte. Der Ministerialbeschcid, durch welchen der Uka« des Krimmitschauer Polizeibeamten auf- gehoben wird, wurde übrigens den Reklamanten nicht dem Wortlaut nach, sondern nur auszugsweise mitgethcilt,— was darauf schließen läßt, daß in dem Entscheid sich Manches be- findet, was der zurechtgewiesene Polizeibcamte der Oeffentlich- Kit zu übergeben sich genirte.— Den Bürgermeister von Mittweida lassen die Lor- beern der dortigen Richter nicht schlafen. Auch er will sein Scherflein zur Vernichtung der Sozialdemokratie beitragen und 'st zum„heiligen Kampf" für den bedrohten Thron und Altar ausgezogen. Ob er dabei über die Schnur haut und die Ge- setze verletzt— was kümmert das ihn, ist er ja doch der un- ümschränkte„Rath, gez. Dr. Stumm". Vor einigen Tagen erlaubte sich dieser Mann, eine Versammlung zu verbieten, weil die Einberufer ihm die Namen der Redner oder wenigstens des Referenten nicht im Voraus namhaft machen wollten. Und doch ist in dem ganzen, langen Versammlungsgesetz mit keiner Sylbe die Rede davon, daß hierzu eine Verpflichtung vorhanden sei! Giebt es im„Rcchtsstaate" denn gar keinen Schutz gegen die Willkür der Beamten, welche zu träge sind, sich mit den besetzen bekannt zu machen? Das Berliner Obertribunal hat vor einem halben Jahr den gewaltsamen Widerstand gegen eine seitens der Polizei ohne staatsanwaltlichen Befehl vorgenommene Haussuchung für berechtigt anerkannt. Sollten wir nicht ebenso gut berechtigt sein, die unerlaubten Versammlungs- verböte gesetzesunkundiger Beamten zu ignoriren?— Eine noch viel eklatantere Gesetzesverlctzung seitens der Behörde ist vor einigen Tagen in Zwickau passirt. Bon dort schreibt man unterm 10. Dezember dem„Krimmitschauer Bürger- und Bauernfrcund": „Am gestrigen Tage hatten wir eine Volksversammlung„zur Besprechung der Arbeiterfrage" Vormittags ange- meldet, erhielten aber hierauf vom Herrn Stadlrath Urban die Mittheilung:„Er verbiete die Versammlung, da offenbar die Principien der Sozial- Demokratie unter dieser Tagesord- nung besprochen werden sollten." „Nachmittags in der 4. Stunde wird darauf von einem anderen Veranstalter eine Versammlung auf dieselbe Zeit mit der Tagesordnung:„Handhabung des Gesetzes über das Vereins- und Versammlungsrecht und Berathung über eine deshalb an den Landtag zu richtende Petition" angemeldet, ihm darüber gebührende Anmeldebescheinigung ausgestellt, und glaubt der- selbe nun, seiner Sache ganz sicher zu sein, findet aber dann zu seinem Erstaunen, daß in der Sonntagsnummcr des„Zwickauer Tageblattes" die von ihm aufgegebene Bekanntmachung der Versammlung nicht enthalten ist, und hört zu noch größerem Erstaunen auf Nachfrage weiter, daß kurz vor Mittag ein Polizeidiener in der Druckerei die Nichtaufnahme der Bekanntmachung der Versammlung verlangt hat." „--- Wenn aber Jemand gemeint haben sollte, die Versammlung würde deshalb unterbleiben, so hat man sich«ge- täuscht; es werden Plakate gedruckt und die Versammlung wird doch stattfinden." Mit welchem Rechte, resp. auf wessen Geheiß, hat nun jener Polizeidiener dem„Zwickauer Tageblatt" die Aufnahme der Annonce„verboten", nachdem die Versammlung offiziell genehmigt worden war? Wobei freilich der Nase für Hrn. Rüder ein kleiner Genickschlag gegen die Sozialdemokratie beigefügt ward. Wir werden das merk- würdige Aktenstück in nächster Nummer mittheilen.> Zur ueuesten Sächsischen Reakttous-Aera schreibt die„Frankfurter Zeitung", die bekanntlich nicht auf sozialdemokratischem Standpunkt steht, in ihrer No.348 vom 14. Dezember wie folgt „Die sächsische Regierung beginnt jetzt auf eigene Faust zu thun, was nach ihrem Wunsche eigentlich von Reichs- wegen geschehen sollte. Bekanntlich wollte sie, die sich von den„Rothen" ebenso stark belästigt fühlt als die bayerische Regierung von den„Schwarzen", das Ausnahmegesetz gegen den Amtsmißbrauch der Geistlichen dahin erweitert und formu- lirt wissen, daß es sich auch brauchen ließe gegen die Sozial- demokratcn. Der Bundcsrath ist darauf nicht eingegangen. So sucht sich die Regierung Sachsens denn selbst zu helfen. Wir haben die Bekanntmachung des Leipiger Polizeiamts mit- getheilt, worin der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Urfehde angesagt, die bisherige Duldung aufgekündigt, und unter An- drohung einer vierwöchentlichen Haft Jedem die Betheiligung an dem auf Grund des Eisenacher Programms constituirten Arbeiterverein untersagt wird. Das Verbot ist charakteristisch nach zwei Seiten hin. Fürs Erste in Anbetracht des formalen Rechts, das dabei angerufen wird. Das Leipziger Polizeiamt reviviszirt*) plötzlich eine Clause! des Vereinsgesetzes aus der sächsischen Reaktionsperiode, die es bisher hatte schlummern lassen. Jahre lang bewegte die sozialdemokratische Arbeiter- Partei sich in Sachsen ungehindert trotz dieser Clausel. Sie hielt ihre Versammlungen, erließ ihre Aufrufe zum Beitritt. veröffentlichte ihre Statuten— keinem Diener des Gesetzes war es eingefallen, daß der Verein an sich ein ungesetzlicher sei. Jetzt mit einem Male will man, gestützt auf die„Aus- künftc" eines Schriftsetzers, entdeckt haben, daß der Verein ein „Zweizverein" sei, und entnimmt daraus die Berechtigung, ihn zu verbieten. Merkwürdiger als die formale Molivirung des Verbots ist indeß der materielle Grund, der dafür angeführt wird.„Fast jede Nummer, so heißt eS wörtlich in der Be- kanntmachung,„fast jedeNummer i es Vereinsorgans„Volksstaat" verräth als Zweck des Vereins, wenn nicht direkte Aufforderung zum Hochverrath, doch die Absicht, zu Gesetzesübertretungen nach dieser Richtung hin geneigt zu machen." Man sieht, das Leipziger Polizeiaint hat hier � förmlich in die Legislatur hinübergegriffen, over richtiger gesagt, hineingepfuscht. Vergeblich würde man im deutschen Strafgesetzbuch einen Paragraphen suchen, der etwas dem Aehnliches enthielte. Was das Leip- ziger Polizeiamt im Strafgesetzbuch nicht fand, schuf es sich selber. Es konstruirt ein ganz neues Vergehen, das in dem Verrathen der Absicht, zu Gesetzesübertretungen nach der Richtung des Hochverraths hin geneigt zu machen, bestehen soll. Es macht sich also— wenn nicht ein Spezialgesetz, das von Reichswesen versagt worden war, so doch eine Spezialdoktrin, eine Ausnahmetheorie zurecht. Und auf diese Kriminaltheorie stützt es sein Verbot. Es wird unnölhig sein, den Nachweis zu führen, daß die Theorie des Leipziger Polizeiamtes allen Rechtsdegriffen Hohn spricht. Man kann sie mit einem Worte abthun: sie ist polizistisch. Wir wollen deshalb auch nicht an- nehmen, daß der Ursprung derselben über die Leipziger Polizei- stube hinausreicht und daß etwa die sächsische Regierung dafür direkt verantwortlich zu machen wäre. Die Initiative zu dem verbot selber aber ist ohne allen Zweifel— der erwähnte Autrag Sachsens im Bundesrath gestattet ihn nicht— in Dresden ergriffen. Und das Verbot— ganz abgesehen von der monströsen Begründung desselben— ist ein ebenso verfehl- ter als bedauerlicher Schritt. Nach Castelar's Rede über die Internationale, welche wir vor wenigen Tagen'unfern Lesern in aller Ausführlichkeit mitgetheilt haben, wäre es unmöglich, in dieser Beziehung etwas Neues zu sagen. Aber was wir zu bemerken nicht unterlassen dürfen, ist, daß die ernsten Mah- nungen, die der beredte Spanier an seine heimische Regierung richtete, auch für Deutschland ihre volle Gültigkeit haben. Mit Verboten, mit polizeilichen Maßregeln, mit Äusnahmege- setzen erstickt man die sozial-demokratisckien Geoanken, erdrückt man die sozial-demokratische Bewegung nicht. Denn die letztere ist erwachsen aus den thatsächlichen sozialen Zuständen der Gegenwart und der Vergangenheit. Der Ruf nach Heilung der sozialen Schäden, den sie erhebt, ist das Symptom einer vorhandenen sozialen Krankheit. Die spezifischen Mittel, welche die sozialdemokratischen Heilkünstler empfehlen, mögen nicht die rechten sein— und auch wir halten sie nicht dafür— aber man heilt eine Krankheit der Gesellschaft nicht,, indem man jene spezifischen Mittel auf den Index setzt*) und indem man die Leute, die daran glauben, in die Acht erklärt. Mit dieser Methode treibt man Diejenigen, die für das Kollektiv- eigenthum schwärmen, die die Abschaffung der Lohnarbeit und den Krieg gegen das Kapital predigen, immer tiefer in die Svnderstcllnng und immer stärker in den Gegensatz zu der ganzen übrigen Gesellschaft hinein: Indem man sie anders und schlechter behandelt, als die übrigen Staatsangehörigen, indem man ihnen das Recht der freien Vereinigung versagt, das den Uebrigcn gewährt ist, gibt man ihnen ein Recht, diese Uebrigen als Privilegirte zu hassen. Mit dem. sich steigernden Haß werden immer neue und einschneidendere Maßregeln fich nöthig erweisen. Man wird von einer Beschränkung des Ver- einsrechts zur andern, von da zu' dechenigen der Preßfreiheit hinübergreifen, man wird die sozialdemokratische Agitation in das Dunkel der Nacht treiben, man wird Märtyrer in Masse erzeugen, und nachdem dann alle Ventile belastet und Überlastet sind, springt endlich' der Kessel. Wenn auf irgend einem Ge- biete, so gilt es auf dem der sozialen Bewegung und..Eut- wicklung, daß der Friede nur in der Sonne der Freiheit erblüht." Die 23jährige Wittwe des in Marseille fllsilirten kommunalistischen Advokaten Gaston Crvmieux hat an die dortige„Egalitä" ein Schreiben gerichtet, worin sie der Be- völkcrung von Marseille für die ihr bewiesene Theilnahme ihren Dank ausspricht und in dem sie unter Anderm sagt: „Wenn ich zu der zahlreichen Menge sprechen könnte, welche sich am Sonnabend vor der Wohnung der trauernden Hinterbliebenen drängte und am Sonnrag auf der letzten Ruhe- stätte des Opfers, würde ich sagen:„„Im Namen desjenigen, welcher nicht mehr ist, im Namen seiner 3 kleinen Kinder, ge- biete ich meinem grenzenlosen Schmerz einen Augenblick Still- stand, um Ihnen für die rührmden Beileidsbezeigungen zu danken, welche Sie uns erwiesen haben. Wenn die Ver- zweiflung, ivelche mich erfaßt, gelindert werden könnte, würden Ihre Trostspendungen diese Wirkung haben,— aber welche Linderung ist möglich in einer so schrecklichen Lage!...... lind gleichwohl bin ich stolz, mich die Wittwe von Gaston Crvmieux heißen zu können; Gaston's, welcher gestorben ist, wie Republikaner zu sterben verstehen, bis zum letzten Athcm- zuge die Gesinnungen seines ganzen Lebens behauptend.— Ich habe für Alle nur meine geringen Dankesbezeigungen; aber seine Kinder werden den verhängnißvollen Tag des 30. November 1871 nicht vergessen; sie werden sich dem Volte widmen, welches ihr Vater geliebt hat, und wie er, werden sie die Republik lieben, für die er gestorben ist. Es ist meine Aufgabe, ihnen diese Gefühle einzu- hauchen; das allein kann mich dem Leben wieder- geben." „Genehmigen Sie die Grüße Derjenigen, welche nur ist Wittwe Crvmieux." ») Ruft wieder in's Leben zurück. Aus Mittweida wird uns unterm 13. Dezember mit- getheilt, daß es vom Gericht endlich gestattet worden ist, für Ufert Verpflegungszelder einzuzahlen; Sammlungen für ihn bleiben aber verboten.— Bon den verhafteten Brandenburger Strikekomitee- Mitgliedern ist der Vorsitzende Knöllner zu 17 Tagen, 6 andere Mitglieder zu 14 Tagen verurtheilt und nur Einer freigesprochen worden. Auf Grund welches Paragraphen die Verurtheilung erfolgte, ist uns nicht bekannt.— Der Brandenburger Strike dauert fort und nimmt A. Kern ei, Besitzer des„Elysium", Unterstützungen entgegen.— In Berlin stehen fünf Sozialo.mokraten unter Ankla ge, in Versammlungen „zu Haß und Verachtung" aufgefordert zu haben.— Durch jüngst ergangenes Erkenntniß des Oberappellations- geeichtes zu DreSden find die wegen Veröffentlichung des „Wahlaufrufes" zur Reichstagswahl vom Zwickauer Ge- richtsamt verurtheilten Parteigenossen Carl Hirsch, Bahl- teich und Gnauk, von denen der erstere 4, der zweite 3 und der dritte 1 Monat Festungshaft verbüßen sollte, von Strafe und Kosten freigesprochen worden. *) Verbietet. Inder heißt Verzeichniß, und wird meist von dem Verzeichniß der vom Pa bst verbotenen Bücher gebraucht. GW Brief Garibaldi'«. Dem schon früher erwähnten Brief Garibaldis anPetroni (den Präsidenten deS Italienischen ArbeiterkongreffeS) entnehmen wir folgende Stellen über Mazzini, die Kommune und die Int ernati on ale: Die Anhänger Majzini's stellen mich als altrrkschwachen Narren hin, der sich von seinen Schleppträgern und Schmeichlern an der Nase hcrumsühren läßt. Wer waren denn diese Schleppträger und Schmei- ler? Waren eS die Männer, die 1848 mit mir an? Südamerika kamen? die ich 1849 in Rom sand? die 1859 und 1869 an meiner Seite gegen die Ocsterreicher und die Bourbdnen, und die jüngst mit mir gegen die Preußen kämpften? Das Andenken dieser Männer, so hoste ich, wrrd ewig im Herzen des dankbaren Italien leben. Aber es ist nicht einmal original von Euch, wenn Ihr sagt, daß der kindisch gewordeneGreis auS Nizza') von Schleppträgern und Schweich- lern an der Nase gcsührt werde. Während Du, Petroni, 18 Jahre lang in den Kerkern der Inquisition schmachtetest, wurden gerade die Mazzi- nisten von den Royalisten angeklagt, meine Schleppträger und Nach- treter zu sein. Lies das dynastische Gewäsch, besonders seit 1869, und Du wirst darin.finden, daß Garibaldi recht brauchlbar wäre, wenn er nicht das Unglück hätte, von Mazzini geleitet, und von den Mazzmisten umringt zu sein; es ist das Alles falsch. Frage Mazziniselbst, ob es ihm so leicht war, mich zu einer seiner unpraktischen Unter- nehmungen zu bereden. Frage Mazzini, ob nicht der Ursprung unseres Zeiwürsnisses darin liegt, daß ich ihm 1848 sagte, er thue unrecht, die Jugend von Mailand unter dem einen oder andern Vorwand zurückzuhalten, während unsere Armee dem Feind am Miiicio gegenüberstand. Und Mazzini ist ein Mann, der es nie vergiebt, wenn mau seine Unfehlbarkeit antastet. Im Jahre 1869«hat Mazzini sein Mög- lichstes, um unsere Erpedilion nach Sizilien, welche zur italienischen Sliugkett führte, zu vereiteln. Und als Mazzini von unserm Erfolg flärte, bestand er darauf, daß wir die Republik in Italien proklammn ollten, was unter den damaligen Umständeu abgeschmackt und thöricht war. Und jetzt diese schmachvolle Besudlung der Gefallenen von Paris durch Mazzini und seine Freunde I Wer verleitet Euch denn, gegen Jene das Anathema(den Bann- fluch) zu schleudern, welche gefallen sind, gegen die einzigen Männer, welche in diesen Tagen der Tyrannei, Lüge, Feigheit und Entwurdi- gung, gehüllt in ihre Mäntel, um zu sterben, das heilige Banner des Rechtes und der Gerechtigkeit schwangen? Ein Anathema über Paris? Und warum? Weil fie die Vendome-Säule stürzten und das Haus des Thiers zerstörten? Habt Ihr noch kein Dorf gesehen, welches den Flammen preisgegeben wurde, weil es einein Freiwilligen oder Franc-Tircur Schutz gewährte? Und zwar nicht allein in Franlreich, sondern auch in der Lombardei, im Venetianischen und überall sonst?„Aber diese Freiwilligen und Franc-Tireurs stände» �außerhalb des Gesetzes," werdet Ihr mir sagen;„sie trugen keine Epauletten, vertheidigten nicht die heilige Sache des Königs und des Glaubens, sondern die verjährte und illegale Sache ihres Baterlandes.' „Aber die Pariser bedienten sich des Petroleums, um Feuer zu legen." Und wenn gleich entschlösse», nicht mehr mein altes Lied zu singen, so bin ich doch gezwungen, von den Priestern zu sprechen, und sie, welche das Feuer der Hölle kennen dürften, zu fragen, welche Disje- renz denn zwischen dem Petroleumseuer bestehe und jenem, ivelches die Oesterreicher benützten, um die Dörfer der Lombardei und Benetiens in Brand zu stecken. Thiers und seme Ruralen") waren sicherlich zu liebenswürdig, als daß die Pariser sich ihnen sofort unterwerfen sollten, und sie gaben viele Beweise ihrer Liebenswüidigkeit durch die Vernich- tung eines Volkes, das mehr werth war, als sie. Heute hosie ich, daß die Dunkelheit, die bisher Paris verhüllte, zu schwinden beginnt, und daß endlich das Licht auf die schrecklichen Mordthaten der Versailler fällt, und Sie werden nun nachsichtiger über die Akte urtheilen, welche durch die verzweifelte Lage eines Volkes provocirt wurde, das, es ist wahr, schlecht geführt wurde,— wie dies gewöhnlich bei Völker» ge- schieht, die sich vom Geschwätz der Doktrinäre leiten lassen, welches aber im Allgemeinen heroisch für seine Rechte kämpfte. Mögen die Verleumder von Paris sagen, was sie woll. n, sie wer- den es niemal» beweisen können, daß eine kleine Zahl„Uebelgesinnter und Ausländer"— Namen, mit denen sie auch uns im Jahre 1849 bezeichneten— drei Monate lang einer großen Armee Widerstand geleistet habe, die noch dazu von der ehr mächtigen preußischen Ar- mee unterstützt wurde. Was konnte dieses arme Volk leisten unter der Führung so vielgespallener Behörden— der Kommune, eines Central- komiiee's, eines Wohlfahrtsausschusses, einer Ma>se mehr oder minder revolutionärer Klubs, von denen man heute weiß, daß fie mit reaktiv- nären Elementen aller Parteien geschwängert waren? Da- zu kam ein Civildelegirter für das Kriegswesen(man sehe den Wider- spruchl), ein General für die Armee, ein anderer für die National- garde; Gewaltai, die sich aneinaiiderftießen aber nicht verständigten, und die aus Paris ein Babylon aller Doktrinäre machten. Da waren Flourens, Dombrowski, Bergeret, Männer, die man gegenwärtig kennr, und die alles Vertrauen verdienten. Warum gab man den Oberbefehl über 159,999 Mann Nationalaarde nicht einem dieser Wackeren? Wenw dieser sich auf Versailles gestürzt haben würde, wohin der kleine feige Minister Louis Philippus mit 15— 29,999Mann geflüchtet war,— wo wäre heule, frage ich, der Präsident der monar- chischen Repuölik? Und die Internationale! Wo steckt die Nothwendiqkeit, eine Asso- ziation anzugreifen, die man fast gar nicht kennt? Ist sie nicht ein Ausfluß des avuormen Zustandes, in welchem sich die men>chliche Ge- scllschaf. befindet? Und wenn sie sich gew sser Toktrinen"') entledigen kann, die iyr v.eueicht durch das Uebelwollcn ihrer Feinde eingegeben morden sind, so wird sie zwar nicht den einsang, aber to.b die Fort- setzung der Emanc>pation des Menjch.rt bewerkstelligen können. M u ß nicht eine Gesellschaft sich meine die menschliche Gesellschaft), wo die große Anzahl bloS um den Levensunlerhall zu gewinnen arbeitet, und wo die Minderzahl sich durch Lüge oder Gewalt den größten Theil deS Ertrages der crsteren aneigne» will, anstatt ihn im Schweiße ihres Antlitzes zu erwerben, die Unzufriedenheit und die Rachegelüste Derer erregen, die leiden? Ich wünsche, daß es der Internationalen nicht begegnen möge, was dem Pariser Volke geschehen ist, daß sie sich nämlich nicht durch Theorienkrämer zu Ueberlreibunge» hinreißen lasse, die sie schließlich lächerlich machen könnten, sondern daß sie die Manner, die sie auf dem Pfade der moralischen und materiellen Vcr- besserungen leiten sollen, vorerst studiren möge, ehe sie sich ihnen an- vertraul.-f) Besonders aber möge sie sich der Uebertreibung enthalten, zu wklchen sie die Agenten der Monarchie und des Klerus hinreißen wollen, um sie in den Augen der wohlhabende» Klassen, welche imme, vor dem schrecklichen Schauspiele, der Agrargesetze1-si)zurückscha»dern, zu Grunde zu richten. Die wohlhabenden Elasten ihrerseits wieder mögen sich yx G.mülhe führen, daß die Sicherheit eines Staates und die des persönlichen Blzenthumes nicht durch die zahlreichen Stadtsergeanten und die stehenden Armeen begründet wird, sondern durch eine auf die Gerechtigkeit für Alle basirle Regierung. Die Jnternationalc begnüge sich mit dem, was sie für ihr Recht hält, ohne an dem Eigenthum oder der Erbschaft Anderer zu rütteln. Und dann rufe sie den Gewaltigen dieser Erde laut zu: „Ich komme, um meinen Platz bei einem Festmahle einzunehnien, au welches ich so gut ein Recht habe als Ihr. Ich greife mchr nach Eurem väterliche» Eigenthume, welches viel reichlicher ausgefallen ist als das m-inigd; greift aber auch Ihr nicht an das Wenige, welches ich im Schweiße meines Antlitze» erworben habe, mit den schändlichen Mitteln, die Ihr bisher in Anwendung gebracht habt, mit Mahl- und Salzsteuer, sowie anderen Ungerechligkeiten, die auf meinem Elende lasten... Besonders aber sprecht mir nicht unter den anscheinenden und lügnerische» Gründen der östenrlichcn Sicherheit von Euren Zoll- einnehmern, deren Ihr bedürft, und die ich bezahlen soll; von einer Armee, um das Baterland zu vertheidigen, die Euch oertheidigt, Euch und Eure Ueberiyacht, und mich der kräftigen Arme beraubt, die den Zustand des Landes und den meinigen verbessern könnten." ') bekanntlich Garibaldi's Geburtsort. **) Landjunker. ***) Doktrin— vorgefaßte Meinung, we'che die Probe des Lebens nicht bestehen kann. IT Die Jiiteruäiionalc vertraut sich Niemand an. tr) der ronnschiit Läsidvertheilungs-Geseche Gaübaldi ist ein Mann des Schwerts und nicht der Feder, der That und nicht der Wiffenschaft— einzelne Stel- len, die mangelhaft in der Form sind, zum Theil eine mangel- hafte Kenntniß der besprochenen Materien verrathen, dürfen deshalb nicht auf die Goldwaage gelegt werden. Der Inhalt des Briefs, dem ganzen Sinn nach genommen, offenbart die große, einfache Seele eines selbstlosen, nur für die höchsten Ziele lebenden Menschen, der keine anderen Leitsterne kennt, als Pflicht, Wahrheit und Gerechtigkeit. Hut ab vor dem braven Garibaldi, der, gestern noch Günstling der Bourgeoisie, heute auf Seiten des unterdrückten Arbeiters steht! Der Sozialismus des„Neue» Soztaldemotrat." (Aus der„Demokratischen Zeitung") Es ist recht erfteulich, daß der„Neue Sozial-Deinvkrat" nunmehr die Maske, die er bisher vorgehalten, fallen gelassen hat: er veröffentlicht in jeder Nummer Verleumdungen und Verdächtigungen gegen die internationale Arbeiterassoziation, in edlem Wetteifer mit der„Norvveulschen Allgemeinen" und der „Kreuzzeitung," welche mit vielem Behagen seine Ergüsse ab- drucken; dieselben rühren zumeist von einem gewissen Herrn Schneider, berüchtigten Stuttgarter Angedenkens, her und sind fast wörtlich identisch mit den bereits von Polizeispionen in deutschen offiziösen Blättern wiedergegebenen„Enthüllungen." Es ist außerordentlich billig, zu enthüllen, wo'Niemand etwas verhüllt, wo Alles öffentlich geschieht. Der„Neue:c." wirft der Internationalen vor, daß sie sehr schwach an Zahl sei und behauptet, sie hätte ihre Mit- gliederzahl in Deutschland auf 300,000 angegeben. Wir for- dern den„Neuen jc." auf, zu sagen, wo dies geschehen ist. Die Internationale hat niemals sich stärker gestellt, als sie ist; nur ihre Feinde haben sie vor Angst doppelt und dreifach und überall gesehen. Statt mit der Bourgeoispresse gegen den an- geblichen„Absolutismus" der Internationalen in ein Horn zu stoßen, thäte der„Neue zc." besser, letzterer nachzueifern. Die Organe, die in Deutschland ihre Prinzipien vertreten, haben zusammen über 20,000 Auflage, er dagegen erst 5000.— Und welche Prinzipien vertritt er? Ebenso wenig sozialistische, als demokratische. Er druckt Lassalle'sche Sätze ab, befolgt sie aber nicht. Lassalle verlangte Ehrlichkeit auch für' de» Gegner. Der„Neue-c." ist unehrlich selbst gegen seine Parleigenossen. Lassalle empfiehlt in politischer Hinsicht die am nächsten stehenden Parteien gegen die reaktionären zu unter- stützen. Der„Neue:c." stellt sich politisch auf den Boden der ihrem Programm zufolge royalistischen Fortschrittspartei und bekämpft die blauen Republikaner mehr als die Fort- schrittspartei.— Lassalle sagt: Jed.r ist Arbeiter, der den Willen hat, durch seine Kräfte und Fähigkeiten der Gesellschaft zu nützen. Der„Neue k." behandelt Jeden als Bourgeois, der weiße Wäsche trägt. Er weiß nicht oder er will nicht wissen, daß der Arzt, der Lehrer, der Beamte, der Kominis und insbesondere die kleinen Meister und kleinen Geschäftsin- haber ebenso gut Arbeiter, wenn auch nicht Lohnarbeiter indem engeren Sinn des Wortes, sind, als? der Tischler oder Maurer, und daß es gerade die Aufgabe der sozialistischen Presse sein muß, den Arbeitern der ersteren Kategorien ihre Jnteressenge- meinschaft mit den mehr körperlich Arbeitenden zu beweisen und sie so für die Emanzipation des Proletariats, dem sie, theil- weise ohne es zu ahnen, augehören, zu begeistern.— Lassalle war von Geburt ein Jude und führt sich selbst in seinem „Julia», der Literarhistoriker" scherzhaft als„jüdischer Setzer" ein. Der„Neue jc." strotzt in jeder Nummer von kvnfessio- nellen Ausfällen der widerlichsten Art. Sein drittes Wort ist „Mauschel",„Schacherjude" u. Vgl.— Lassalle widerlegte seine Gegner mit Gründen. Die Polemik des„Neuen jc." fängt an mit Schimpfwörtern und hört auf mit Schimpfwörter», so daß er oft über lauter Schimpfen vergißt, wovon eigentlich die Rede ist. Ein eklatantes Beispiel dieser Taktik ist die Po- leinik mit dem„Gewerkverein" des Hrn. Dr. Map Hirsch. Dieser hatte der Tischltt-Organisation ihre hohen Verwaltungs- kosten vorgeworfen und aus einer falschen Berechnung ungerechte Konsequenzen gezogen. Wenn der„Neue je." auf der Höhe seiner Aufgabe stand, so brauchte er als Antwort nur aus lllr. 42 des„Gewertverein" die Abrechnung der In- validenkasse der Ortsvereine über das 3. Quartal 1871 abzudrucken. Dieselbe weist, bei 6 Thlrn. ausgezahlter In- validenunterstütznng, an Verwaltungsunkosten die Gesammt- summe von III Thlrn. 24 Sgr. 3 Pf. auf. Es beweist dies, daß bei neu gegründeten Kassen ein Theil der Verwaltungs- ausgaben als Gründungskosten zu betrachten sind, deren Auf- bringung und Verwendung den wenigen Gründern nicht zum Vorwurf, sondern nur zur Ehre gereichen kann. Statt sol- cher Widerlegungen gebraucht der„Neue je." nur Schimpf- Wörter. Leider scheint es aber der„Neue jc." darauf abge- sehen zu habe», die Sozialdemokratie, soviel er vermag, in der öffentlichen Meinung lächerlich und verächtlich zu machen oder zur Abschreckung des Kleiubürgerthums als einen fürchterlichen Popanz hinzustellen.— Die Thatsachen, auf die sich Lassalle beruft, sind statistische Wahrheiten. Der„Neue je." kraint in jeder Nummer, wie ein recht schlechtes Bourgeois- bsatt, die kindischsten Lügen aus.— Der„Neue jc." hätte der Liebäugelei mit der„Berliner Revue" und den Konser- vativen nichl bedurft, um als ein Ableger der offiziösen Jour- nalistik zu erscheinen: seine Taktik ist dieselbe, z. B. auh da- rin, daß er Personen angreift, die sich nicht vertheidigen können. So neulich den Redakteur des„Braunschweigcr Volksfreund," Herrn Bernhard Becker, nachdem derselbe angezeigt, daß er eine dreimonatliche Haft antrete. Der„Neue jc." schwimmt eben so sehr im Fahrwasser der Persönlichkeiten, daß er die Sache ganz darüber aus den Augen verloren hat. Schuld seiner Unfähigkeit allein ist es, daß Berlin die einzige Stadt Deuschlands ist, in welcher die schwindelsozialistische Projekten- macherei eines Held Gläubige findet. Statt aufzuklären, fanatistrt er, verdummt er.— Der Vrauuschweiger Prozeß. (Schluß.) Als Bracke jbefragt wird, ob er»och Etwas zu sagen wünsche, antwortet derselbe Es sei erklärlich, daß die Rede des Staatsanwalts auch aus ihn als Angeklagten einen Eindruck hervorgebracht habe. Jvdeß sei dieser Eindruck der, daß der Staatsanwalt Nicht in der Lage gewesen sei, bei Besprechung der einzelnen angeblich oerletzten Paragraphen des Strafgesetzbuchs zu sagen, durch welche Handlungen eine Verletzung dieser Paragraphen bewirkt sei. Der Staatsanwalt sei zu seiiiem Resultate auf einem Umwege gekommen, nämlich, ausgehend von der Pariser Kommune, habe er der Internationalen Arbeiterassoziation, und im Anschlüsse daran auch der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Zwecke untergeschoben, welche diese Vereinigungen nicht hätten, und damit zugleich ein Bild von der Wirksamkeit der Angeklagten zu cnt- zollen gesucht, welches die Richter gegen sie hätte einnehmen sollen. Dabei sei dem Staatsanwalt eine große Menge von thalsächlichen Unrichtig- leiten unterlaufen, welche Angeklagter erst cinzein habe auszählen wolle». Er sei indes, überzeugi, daß die Verhandlungen der vorher- gehenden Tage noch frisch genug im Gedächtnisse der Richter gegen- wärtig seien, um eine Wiederlegung jeder einzelnen Unrichtigkeit un nöthig zu machen, auch sei gewiß, daß die Länge der bishengen Ver- Handlungen ein Sichkurzfassen zur Pflicht mache. Zwei Behauptungen deS Staatsanwalts indeß seien derart, daß es ihm iiniiiöglich sei, darüber zu schweigen. Zlinächst sei von demselben auch der Angeklagte ein„Vaterlands' loser" genannt. Es möge richtig sein, daß hie und da ein Einzelner aus den Reihen seiner Parteigenossen sich als vaterlandslos bezeichnet habe, indessen sei es uilerfiudlich, was den Staatsanwalt berechtige, einen derartigen Ausspruch gegen ihn und seine Mitangeklagten zu schleudern. Gerade von ihm sei der nationale und internärionale Gedanke zu versöhnen gesucht, uild bei aller Liebe zu der internationalen Verbüidling der Arbeiter sei gerade von ihm unter Billigung seiner Genossen auch die Liebe zmn Vaterlande mit Wärine betont worden. Er srage nochmals, was den Staatsanwalt berechtige, eine that- sächlich so»nlegriindete und erdichtete' Behauptung zu wagen? (Rufe der Zusiiininung. aus dem Pilblikum werden jetzt vom Prä- sidenten gerügt und es wird mit Räumung des Saales gedroht.) Zweitens aber sei vom Staatsanwalt Etwas behauptet worden, wofür auch nicht der Schatten etncs Beweises vorhanden sei. Oer Staatsanwalt habe gewagt, eS auzufprechen, daß nach liftlaß des Manifestes von den Angeklagten deabsichtigt gewesen sei, init Hülfe der französischen Kriegsgefangenen die gewaltsame Revolution im Rücken der siegreichen Heere in Szene �u setzen. Wo denn der Staats- anwalt auch nur eine Andeutung dafür gefunden habe, daß irgendwo und irgendwie eine Verbindung mit französische« Kriegsgesaiigencn bestanden habe? Er frage wiederholt, was den StaatSaiiwall be- rechtige. derartige Dinge, für welche auch nicht der Schatten eines Be- weises vorliege uild von denen der Staatsanwalt auch»ichl einmal behaupten könne, daß die Angeklagten auch nur eiilen Gedauken da von gedacht, zu behaupten?> Es sei mit all' Diesem und mit dem allgemeinen, von dev Par- tei eiltworfenen Bilde Nicht? weiter beabsichtigt gewesen, als Das, die Richter einzun-hnien gegen die Angeklagten, und sie vergessen z» machen, daß konkrete Handlungen, welche strafbar seien, nicht vor- liegen. Möge der Grrichtshos einer Meinung über da« Parteisireben der Angeklagten sein, welcher er immer wolle: das von viesein Streben entivorfene Bild und die damit den Angeklagten untergeichobene» Ab- sichten und Motive seien init aller Entschiedenheit zurückzuweisen. An- geklagter sei sich bewußt, seit dem ersten Augenblicke seines EiutretenS für die Arbeitersache einer guten und gerechten Suche gedient zu haben. Das Strebe», die bestcheuden ungerechten staatlichen und gesellschaftlichen Zustände im Sinne der Gerechtigkeit umzugestalten, lei das idealste Streben, das sich denken lasse, seine Theilnährne an diesem Streben sein Stolz. Angeklagter wolle gerne zugestehen, daß es gar nicht zu ver- wundern sei, wenn bei einem idealen Streben, das schon so manchen der Begeisteruiig fähigen Menschen vollständig erfüllt, eine lleber- tretung von Gesetzvorschriften vorgekommen, und das aus dein einfachen Grunde, weil die bestehenden Gesetze so ungemein zahlreich und ver- wickelt seien, daß es für unmöglich angesehen werden müsse, dieselben auch nur zu kenneil. Um so mehr aber würde eine Verletzuiig von Gesetzeil erklärlich sein seitens der Arbeiter, welche gar keine Zeit hätten, sich um die inancherlei Vorschriften und Verbote, die keines- wegs immer so nahe lägen, auch nur einigermaßen zu kümmern. Aber grade deshalb habe Angeklagter es für seine Pflicht gehalten, sich persönlich darum zu bemühen: wenn irgend Etwas von seine» Parteigenossen habe iliiternoinmen werden sollen, sei er jedesmal zu den Behörden gegangen, habe genau mitgetheilt, was beabsichtigt werde und sich nach den bestehenden Gesetze» erkundigt. Angeklagter wisse danach, daß eine Verletzung von Gesetzen nicht vorgekommen sei, gerade weil er sich bei jeder eiiizeliien Handlung, meist nach einer Erkundigung bei der herzoglichen Polizeidirektion, vorher gefragt habe, ob und wie sie mit den bcsiehenden Gesetzen harmonire. Er wiederhole, daß ihm auch nicht zum Vorwurf gemacht worden sei, da und dort dmchdicse oderjeneHandlung Gesetze verletzt zu haben. Es sei die mißliebige Tendenz, welche man versolqe; es sei die Tendenz, welche aus an sich crlaublen Thaten strafbare Handlungen zu macheil bestimmt sei. Offen aber, ivie daS ganze Auftreten seiner Partei, sei auch seine Handlungsweise gewesen, und es könne nicht möglich sein, ihn für seine gesetzlich erlaubten Handliiiigeii wegen einer salschlich ailgenoni- menen Tendenz auf gewaltsanien llvisturz zu bestrafe». Am 9. Sept. 1879 in einer Weise behandelt, welche von dem Vertheidiger seines Freundes Spier ganz richtig bezeichnet sei; darnach bis Mitte Novbr. gewaltsam in militärischer Hast seiner Freiheit beraubt, ohne daß die geringste Möglichkeit eines Rechtsschutzes zu erlangen gewesen; dann bis Ende Marz unschuldiger Weise in Untersuchungshaft gehalten; — freue er sich des Augenblicks, wo er endlich sein Recht finden werde, wo er endlich vor seinen Richtern stehe.— Auf die Anfrage des Gerichtspräsidenten, ob Bonhorst noch Etwas zu seiner Vertheidigung zu sagen habe, bemerkt derselbe, dast er einige Unrichtigkeiten zu berichtigen habe, welche dem Staatsanwalt in seiner Anklagerede mit»nterlaufe» seien. Er fährt dann fort wie folgt: Zunächst hat der Staatsanwalt eine periodische Uuterscheidilng in dein Auftreten unserer Partei machen z» müssen geglaubt. Der Scheidepunkt soll der 1. Januar d. I. sein. Vor dieser Zeit soll zu- folge dem Staatsaiiivalt die Partei mit geschlossenem Visir gekämpft haben. Das ist jedoch durchaus unrichtig Alles, was die Partei seit ihrem Bestehen gethan, hat sie ganz össentlich gethan. Zeugniß davon sind der Sisenacher Kongreß mit seinen Beschlüssen, der Inhalt des„Volksftaat", die össentlichen Volksoersaminlimgen, welche aller- wärts von den Parteigenossen abgehalten uird die stets polizeilich überwacht wurden, die allerwärt« gefaßten Resolutionen und endlich das Auftreten des Ausschusses selber. Unsere Partei kennt kein geschlossenes Visir. Am Wenigsten konnte uns die„scheinbare Milde des neuen Strafgesetzbuches" her- vorlocken. Aus Dem, was Bebel und' Liebknecht unter dem Schutze der Redefreiheit im Reichstage gesagt haben, mag man einen republi- kanisch-revolutionären Sinn herauslesen, der auch der ganzen Partei eigen. Aber ein Sinn, eine Gesinnung ist eben an und für sich nichts Strafbares. Mag immerhin der Staatsanwalt in dem Charakter der 1864 gegründeten Internationalen Arbeiterassoziation„eine politisch-revo- jutionäre Tendenz" entdecken! Damit weist er uns, den Mitgliedern, noch lange nicht nach, daß wir„einen gewaltsamen Umsturz der heutigen Gesellschaft und Ordnung vorbereitet hätten", wie er in seinem Plaidoyer indirekt uns anklagt. Was Bebel und Liebknecht im Reichstag, was wir als Mitglieder der Internationale» stets gethan, ist:— wir haben daraus hingewiesen, daß die heutige Gesell- zchast eine gewaltsame Revolution in ihrem Schooße birgt, die un- aufhaltsam ausbrechen muß, wenn nicht die heute lenkenden Faktoren des Staatslebens noch rechtzeitig solche einschneidende Reformen ein- führen, welche den gewaltsamen Ausbruch verhüten. Oder glauben etwa die Herren des Gerichtshofs, daß keine Empörung ausbrechen könne, wenn in einem Lande, dessen induftrielle und kommerzielle Eni- Wickelung, kurz dessen viel mißbrauchte„Zivilisation" einen so hohe» Gradwiein England einnimmt, war neben denWcnigen, welche dieser Zivilisation theilhastig werden, wie die Jnaugiiraladresse der Jnter- ternationalen nachweist, in ganzen Distrikten die arbeitende Bevölkerung nicht einmal mehr das Ouanium Kohlen- und Stickstoss in seine» Nahrungsmitteln erhält, ivelches nöthig ist, nur lim Hungerkrank- heilen abzuhalten? Der Gerichtshof wird die Mittheilliiig diejer That- jachen noch nicht vergessen haben! Aber auch aus dem Eldorado der international-ökonomischne Schule, dem zivilisatorisch so hoch stehenden Belgien, bin ich im Stands eine wirklich schaudernerregende Mttheilung machen zu kön- nen.(Redner verliest nun eiue auch im„Volkssiaai" abgedruckte, der„Kreuzzeitung" entlehnte Brüsseler Korrespondenz Äber die elende Lage der belgischen Kohleuarbeiler). Wenn wir nun in die Mitte unserer deutschen Arbeiter treten und denselben den Zusammenhang von den Ursachen mir diesen Wirkungen nachweisen und dann die Lehre daran aieknupfen, dah auch sie nicht sicher seien vor einem gleichen Schicksal, daß sie sich, um dasselbe abzuwehren, organisiren und politische Macht erringe» müssen,— dann komnit der Staatsanwalt und behauptet: wir be- reueten eine gewaltsame Revolution vor, oder unser Ziel könne nur aus dem Wege der Gewalt erreicht werden,— das Alles könne der hohe Gerichtshof aus der neuesten Literatur über die Internationale ersehen, die sehr bekannt sei. Was nun das Bekanntsein der neuesten Literatur über die In- lernationale anlangt, scheint der Staatsanwalt auf das famose Zirkular von Jules Favre hinzuweisen. Aus solch' trüber Quelle zu Ichopsen, will ich gern dem Herrn Staatsanwalt überlassen,(Der Staatsanwalt macht eine verneinende Bewegung mit dun Kopse.) Nun, dann ist vielleicht Das gemeint, waS die Herren Mazzini oder Johannes S cherr über die Internationale schwadronirt haben. Was aber so ganz außerhalb des jungen politischen Lebens Stehende lagen, kann durchaus nicht als Norm bei einer Rechtsprechung oder Anklage herangezogen werden.— Der Staatsanwalt zieht ferner noch zwei Momente, die e?„notorische" nennt, mit herbei. Dies ist erstens die Achterklärung der spanischen Kortes gegen die Interna- Uonale. weil Letztere Gott, Familie und Eigenthum angreife. Zunächst muß ich mich wundern, hier das„Baierland" vergessen zu finden, '>ch trage dasselbe noch nach! Wenn man aber mit Ausmerksamkeit einen Bericht wie den obi- sten liest, dann braucht man sich wahrlich nicht zu wundern, wenn alle diese Begrisje auch ohne die Internationale, u»o so erst recht, abhanden kommen. Denn, wo die Internationale bis jetzt nochmitgewirkt hat, war ihr Wirken immer regelnd und deshalb Segen bringend. So ihre Poliiischen Demonstrationen, so ihr praktisches Auftreten. Wählend Sie alle, auch die kolossalsten Arbeitseinstellungen, bei denen die Jnter- nationale mitwirkie, ruhig verlausen und zu einem auf die eine »der andere Weise befriedigenden Resultate führen sahen, will ich Sie nur auf die Arbeitseinstellung der Bergleute in Königshütte hin- weisen, die man von jeher so sorgsam vor dem Einfluß der Jnter- Nationalen gewahrt halte. Ist das nicht überwältigend, für die Internationale gewinnend? — Dort, selbst bei künstlich angelegten Aufreizungen, die eisernste»nd entschlossenste Ruhe der Arbeiter,— hier, bei geringsügigem Anlaß, losort die allergröblichsten Ercesse. Und nun kann man eS wagen, weil wir den Gesinnungen der Internationalen huldigen, weil wir die Ursachen einer herannahenden gewaltsamen Revolution wissenschastlich Nachweisen, weil wir aus den Weg zur Abhülfe mittelst der zu erobern- den Gesetzgebung hindrängen, uns als Solche anzuklagen, welche selber «nen gewaltsamen Umsturz gewollt, wirtlich vorbereitet hätten?! "i-as ist total unrichtig und ich muß eS mit Entrüstung zurückweisen! Der Staatsanwalt identisizirt aber auch, nur um uns Angeklagte dadurch schwärzer zu male», die Internationale mit der Kommune. �as ist einerseiis unrichtig, denn zwischen beiden bestand ein gewisser Gegensatz, das ist nur rnsofern richtig, als in der Kommune auch «lemente waren, die zur Internationale in einem„gewissen Gegen- latz" standen, der in vielleicht gar nicht serner Zeit zum Ausbruch ge- kommen wäre. Die Erklärungen des„VolkSstaat" für die Kommune und nur hervorgerufen durch die maßlosen und lügenhaften Artikel der logenannten liberalen Presse und können doch wir dafür keinesfalls ueramwortlich gemacht werden. Andrerseits ergreifr aber auch der Staatsanwalt enschieden Partei. Und da er sich den„Schandlhaten" der Kommune gegenüber- stellt, so steht er eben auf Seiten der Scheußlichkeiten und brand- markender, Gemeinheiten der Bersailler Mordbrenner. Diese Ehre kann ich ihm nicht raube». Wohl hätte der Staatsanwalt erst das ruhige Urtheil der Ge- schichte über die Koinmune abwarten sollen, ehe er, sie veiurtheilend, gegen uns zu Felde zog. Aber alle diese falschen Ableitungen des Herrn Staatsanwalts und Berrückungen des Standpunktes und der i Haisachen haben ihre llisachen in erner ganz falschen Grundanschauung. Der Staatsanwall hat nämlich heule Morgen den Ausspruch ge- chan:„Die gesellschaftlichen Zustände basiren auf den Gesetzen." Dieses ist nur zu einein verschwindend kleinen Theile richtig. Es gab, schon lange bevor man geschriebene oder ttaditiouell vererbte desetze halte, Aejellschasten und gesellschaftliche Zustände. Die Sache "kgt nämlich gerade umgekehrt: erst aus den gesellschaftlichen Zuständen «geben sich die Gesetze oder schleifen sich daran ab. Weil unsere jetzigen gesellschaftlichen Zustände in. einem so hohen !">ade gegensätzlich geworden sind,— deshalb drängen wir ja gerade mimer wieder die Massen aus den Weg der Gesetzgebung, und werden °?»ii für„praktische Revolutionäre" angesehen, wenigstens von den Staatsanwälten. . Wie sehr daS von mir Gejagte seine Richtigkeit hat, zeigt sich an oer Veränderung und Neuschaffung von Gesetzen in den gesetzgebenden Körper». Aber auch aus unserer eigenen Geschichte kann ich ein chlagendes Beispiel anführen. Hatte nicht einmal der kirchliche Ein- M eine solche Macht in dem gesellschaftlichen Leben erlangt, daß Iftdsr die Souveränetät der deutschen Kaiser darunter litt? Mußte "tcht ein Heinrich der Vierte im Büßerhemde gen Kanossa wandern u>d dort Abbitte thun? War das nicht ein Herrschen der qefellschafl- "che» Zustände über bestehende Gesetze? , Und so werden auch heute und immer die gesellschaftlichen Ber» Wtnifje die Gesetze überwuchern. Dies sind die thatsächlichen und tatkräftigsten Revolutionäre. Zum Schluß will ich noch darauf kommen, daß der Staatsan- .�alt für den Fall unserer Bestrafung beantragt, die unschuldig ver- "Ustte Voruntersuchungshast nicht mit anzurechnen. i. Ich möchte Sie dagegen bitten, meine Herren Richter, uns für �ksen Fall, an dessen Eintreten ich jedoch nicht glauben kann, nicht . lkein die Voruntersuchungshaft, sondern auch die Lötzener Kettenassaire " Anrechnung zu bringen. . Denn, wenn Sie, wie wir, in unserem„zivilisirten" Zeitalter, a Kelten geschlagen, durch weile Ganen Deutschlands transportirl ?.ad unterwegs— o Schmach! o Schande!—(Redner spricht mit ficht- �cher, imierltcher Erregung) theilS für französische Spione, theilS für Marodeurs der Schlachtfelder gehalten worden wären, würden Sie es saahl sicher unbegreifich finden, wenn Ihnen der Prozeß gemacht und 15, dem Straferkenntiiiß nicht einmal jene schmähliche Behandlung in bkkchmmg gebracht würde.— Als Bonhorst, dessen Worte selbst auf die Richter eine sichtliche Mrkung hervorbrachten, geendigt ha'te, wurde die Sitzung auf koiitag zur Urtheilsverlündigung vertagt. Das Urtheil haben wir bereits mitgetheilt. >. Als das Urtheil verkündet war, nah»» sich Hr. v. Pawel die wcheit, nach Arr der englischen Polizeirichter, wenn dieselben einen .scht grausigen Fall(stroeuinj- arse) vor sich haben, folgende vqter- b'che Ermahnung an die Verurtheillen zu richten:„Wie Sie gehört .„i ist der Gerichtshof genöthigt gewesen, Strafen gegen Sie aus- Sprechen; ich darf wohl sagen: leider! da wir nicht annehmen zu ."neu geglaubt habe», daß Sie aus selbstsüchtigen Zwecken gehan- k haben. Es steht Ihnen allerdings frei, über staatliche Einrichlun- !y> und dergl. zu denken, was Sie wolle», und eS wird auch Niemaird « daran hindern, dahin zu streben, daß im Wege friedlicher Reform aei Zustände an die Stelle der von Ihnen gemißbilligten Zustände Mtzt werden. Aber Sie dürfen dabei die durch das Gesetz gesteckte» lii�nken nicht überschreiten, wie Sie das bei Ihrem früher» ösient- btt» Austreten gethan haben. Wir, die Gerichte, sind dazu bestellt, C, Kniehen der Gesetze aufrecht zu erhalten und dürfen Verletzungen tzOTMi, nicht dulden. Mit der Hofsnung, daß Sie sich bei ruhigen, bell l"ke» leibst überzeugen werden, daß Sie nicht gesetzmäßig gehan- .» haben(Angeklagter Bracke schüttelt den Kopf!— und mit dem daß wir Sie in dieser Weise hier nie wieder sehen mögen, �"Be ich die Verhandlung." Zum Haftpflichtgesetz. (Noch ein Kapitel, das im Haftpflichlgesey fehlt.) Die„Schlefische Zeitung", ein„gemäßigt liberales" Blatt, das sich in Bezug auf die soziale Frage einer gewissen Unparteilichkeit befleißigt, schreibt unterm 7. Dezember: „In den verflossenen Monaten sind in der hiesigen Krankenau- stalt des Elisabethiner Klosters fast allwöchentlich ein oder mehreres weibliche Verunglückte aufgenommen worden, welche im Land- kreise Breslau bei derBeschäftigung an Dreschmasch inen mehr oder weniger Beschädignngen an ihrem Körper erlitten haben. Einige derselben hatten so schwere Verletzungen erhalten, daß gleich nach ihrer Unterbringung die Amputation der beschädigte» Gtiedmaßen vorgenommen werden mußten. Von eompetenter Seite wird es im Hinblick aus diese Unglücksfälle allein als sehr bedenklich bezeichnet, daß die Land» wirlhe weibliche Personen zur Beschästigung an der Dreschmaschine verwenden, denn in den meisten Fällen sind die bedauernswerthen Verunglückten von den Rädern der Maschine an den Kleid ersti ersaßt und damit ins Räderwerk hineingezogen worden. Es wäre in der That zu wünschen, daß Seitens der Behörde eine geeignete Verordnung er- lassen würde, um einem weiteren Vorkommen derartiger Unglücksfälle möglichst vorzubeugen. Es würde dies auch wesentlich im Interesse der Gemeinden liegen, da die aus dem Hospital entlassenen Ampntirten schließlich den betresienden Dorfgemeinden zur Last fallen, sosern die Verunglückten erwerbsunfähig geworden sind. Im Kloster der Elisa- bethinerinnen wurde erst gestern eine in dieser Weise verunglückte Frau aufgenommen, die in der Scholtisei zu Herrmannsdori beim Dreschen vom Göpelwerk der Maschine an den Kleidern erfaßt und ins Räderwerk gezogen worden war. Um die Unglückliche aus ihrer schrecklichen Lage zu befreien, hatte mau die ganze Maschine ausein- anderschrauben müssen. Die bedauernswerthe Frau ist hierbei aufs Schrecklichste verletzt worden. Durch den Schreck und die furchtbaren Schmerzen war die Unglückliche in einen solchen Zustand versetzt, daß sie nach ihrer Unterbringung imKloster wegen ausgebrochener Rajerei auf Anordnung der Aerzte ans Bett mit Riemen festgebunden werden mußte. So traurigen Erfahrungen gegenüber erscheint eine baldige Abhilfe dringend geboten." Die Gutsbefitzer stehe» bekanntlich nicht unter demHaftpflichtgesetz, an einen Ersatz re,p. Bestrafung ist in diesen Fällen also nicht zu denke». Weibliche Arbeit ist billiger als männliche, und, wenn die Weiber mit ihren Kleidein der Maschine zu nah kommen, so—„ist das ihre Schuld, sie hätten sich besser vorsehen sollen!" Was verschlägt es dem Guts- besitzer, wenn eine arme Frau durch seine Maschinen den Tod findet oder verslümmelt wird? De» nächsten Tag bietet sich an Stelle der Getödteten oder Verstümmelten eine Andere an, die, um nur den Kindern und sich Brod zu verschassen, ihr Leben für den nämlichen Hunger- lohn aufs Spiel setzt. Das ist die„beste der Welten." Lstendach. Abrechnung des am 25. Novbr. siegreich beendeten Maschinenbauer-StritcS. Gesammelt in verschiedenen Fabriken OsjenbachS: Von den Arbeitern der Fabrik PhillippS st. 13. 33. Arb. Fabr. Wecker, st. 56. Arb. Schmitt»nd Häuf st. 25. 46. Arb. Naumann fl. ö. 21. Arb. Fabr. Beker fl. 15. 36. Arb. Fischer fl. 2«. 54. Arb. Fabr. Kahn, fl. 3. Arb. Rudhardt fl. 3. Arb. Huck fl. 2. 3. Arb. Ditzel fl. 4. 6. Arb. Ruft fl. 3. 42. Arb. Fabr. Stoo» und Jung fl. 2.24. Arb. Ochsenhirt fl. l. 15. Arb. Huppe».Bender fl. 4. 6. Arb. v. Seebach fl. 5. 18. Arb. Mutzbauer fl. 1. 6. Arb. Lötz fl. 2. Fabr. Tebai und Kullmann fl. 3. 12. Arb. v. Mathias fl. 2. 30. Arb. Fabr. Flinfch. Schriftgießerei in Frankfurt fl. 22. Arb. d. Mack. Eisengießerei in Frankfurt fl. 8. 18. Arb. FrieS u. Sohn, Maschinenfabrik in Sachsenhansen fl. 1l. 23. Gesammelt bei Bäckern, Wirthe», Metzgern, Krämer», sowie bei sonstige» Private» von Ofsrnbach und den nächstliegenden Ortschaften: fl. 173. 3. Ertrag einer Versammlnng von verschiedenen Corporatione» st. 3. 25. Vom Maschinenfübrer-Verein fl. 24. 18. Vom SonntagS- Verein fl. 5. Schreiner-Verein fl. 31. 18. Schnhmacher-Verein fl. 4. 34. Hntmacher-Gesellschafi fl. 169. Neuer Buchbinder-undPortefeuille-Verein fl. 282. 23. Schleifer-Verein fl. 99. 30. Sattler-Verein fl. 72. 48. Gürtler- und Stahlarbeiter-Verein fl. 100. Manufakturarbeiter-Verein fl. 7. 42. Handarbeiter-Verein fl. 10. Von Barmen fl. 10. 5. Von Wasser-All- fingen fl. 28. Von Darmstadt fl. 57. 5. Von Hamburg fl. 44. 20. Von Pforzheim fl. 5. Von Weimar fl. 10. 30. Von Wien fl. 18. 50. östr. W. Von Griesheim fl. 5. Von Altona fl. 7. 47. Von Bern- bürg fl. 3. 56. Von Kiel fl. 14. 42. Von Karlsruhe fl. 10. 30. Voii Mainz fl. 6. Von Harburg fl. 2. 27. Von Linden bei Hannover fl. 14. Summa der Gesamnit-Einnahme 1,455 fl. 51 Kr. Für den Betrerg nochmals herzlich dankend, schließt mit sozial- demokratischem Gruß für den Vorstand Jascpli Müller, 2. Präsident. Brüder in der Ferne, veraeßt unsere tapfere», in Haft befindlichen Vorkämpfer Wolf und Häuser und des letzteren Familie nicht. Unterstützungen sind zu senden an I. Stürtj. Offenbach a. M. kl. Biergrund Rr. I Lahr in Baden de» 3. Deebr. Vor ungefähr 8 Wochen»ahmen wir uns vor, hier einen sozialdemokratischenVerein zu gründen; eine an die hiesigen beiden Zeitungen gesandte Annonce, enthaltend die Einladung zn einer Arbeiterverlammlung wurde aber nicht ausge- nonilnen. Auf meine persönliche Anfrage nach dem Grunde der Aus- nahmsverweigerung entschuldigte sich der Redakteur der ultiamoutaiien Zeitung in sehr hoflicher Weise, während der Redakteur des preußisch gesinnten Blattes, der zugleich Herausgeber des„Lahrer hinkenden Boten" ist, mich grob anfuhr. Als ich dem Herrn eine etwas spöttische Antwort gab, lief er:„Map, schmeißen Sie mal den Kerl hinaus!" — und wirklich erprobten Herr Schauenburg, der Geschäftsinhaber, und 2 Mann ihre Kraft an mir und spedirten mich hinaus.— Wir ließe» behufs gedachten Zweckes Plakate drucken und wurden durch zahlreichen Besuch der Bersammlung für unsre Bemühungen gelohnt. Der Seitens des Buchhändlers Schauenburg und Kaufmanns Somm erlatt gemachte Versuch, unfern Wirth durch Anerbietung von 10 fl. zur Verweigerung seines Saales zu bewegen, mißlang. Für die zweite Versammlung bekamen wir auch keine Plakate gedruckt; wir mußten letztere daher selber anfertigen, nämlich schreiben.— linser Verein, der sich nun definitiv konstituirt hat, zählt bereits 62 Mitglieder.— Für die Chemnitzer Sttikenden wurde nach Kräften gesteuert.— Seit»»se> er Bewegung haben schon 3 Fabriken eine Lohn- znlage gestattet: Lötz deck«Schniipftabalfab.), Tramspler und Völichen(Eigarrenfab). Die Lahrer Fabrikanten wollten meinen Arbeitgeber bewege», mich zn entlasten; aber er hat»iil inir selbst Rücksprache genommen und zu mir gesagt, er schicke mich nicht fort und ich sei in meiner Thärigkeit unbeschränkt. Am nächsten Sonntag halten wir wieder eine Versaniniluirg ab. Die hiesigen Hutmacher striken noch fest; einige sind abgereist Joh. vermel, pr, Ai Bierbrauerei zum Prinzen. Neu-Isenburg. Am Sonntag den 26. Novbr. waren mehrere Mitglieder unserer Partei von Frankfurt a. M. und Neu-Jsen- bürg in Sprendlingen bei einer Holzfällerverjammlung. Zur Erlangung höhere» Lohnes waren die Leute gezwungen, Strike zu machen und gelobten sich, die Arbeit nicht eher ausnehme» zu wol- len, bis ihre gerechten Forderungen von der Forstbehörde genehmigt seien. Es sprachen dann die HerrenWilheli», Ell ner u.Zollinger aus Frankfurt a. M. über die Prinzipien der sozialdemokratischen Arbeiterpartei und man sah recht deutlich, daß die sozialdemokratischen Idee» sich aus den Verhältnissen entwickeln, welche letzleren die Arbeiter allmälig zur Erkenntniß ihrer Klassenlage bringen. Die Leute erklärten sich schließlich für uns und wollen wir in nächster Zeit eine Volks- Versammlung dort abhalten, um den Boden für die Sozial- demokratie noch mehr zu ebnen. Es ist dies für uns von Wichtigkeit, umsomehr, als bei der letzten Reichstagswahl 90«/» der Wahlberechtigten für den national- liberalen Kanditaten stimmten. Tariustadt. Für die Ehemiiltzer. Nach dem Ausrus der Chemnitzer Strike-Komitee'S in 295 des„Volksstaat" waren noch un- gejähr 1000 der besten Arbeiter brotlos, und ihnen sogar durch de» .vabrikantenbuud sämmtliche Werkstätten verschlossen. Sollen diese Ar- beiter einen Fußsall thun und zu Boden kriechen, um da wieder die Arbeit ausnehinm zu können, wo sie vielleicht schwer zu entbehren sind? Ich erlaube mir in dieser Beziehung einen Vorschlag zu macheii. Da die Fabrikaiiten sich so organisirt haben, daß sie allen Arbeitern, die kein ordnungsmäßiges Zeugniß beibringen können, dieThüren ver- schließen, so glaube ich, daß es Sache der Arbeiter ist, Denjenigen, die man ausgesperrt hat, anders als bisher unter die Anne zu greifen, d. h. es nzuß unsere Pflicht sein, ihnen zur Selbstän- digkeit zu verhelfen. Ich denke mir, wenn. von Chemnitz aus ein Aufruf an die Arbeiter erginge, den strikende» Chemnitzern zu einer Produktivgenossenschaft zu verhelfen, so würde vielleicht eine ge- »ügende Summe zusammenkommen; die Darnistädter Arbeiter würden in dieser Weise jedenfalls ihre Schuldigkeit thun. Man könnte ja Darlehnscheine ausgeben, und alljährlich(wenn die Genoffenschaft Geschäfte machen kann) eine bestimmte Zahl zurück- bezahlen. Wenn die feiernden Chemnitzer, der Kern der Arbeiter, damit einverstanden sind, eine Genossenschaft zu gründen, werden die Mittel, wenn es richtig angefaßt wird, auch ausgebracht werden, und sodann wäre der Fäbrikantenbund den Arbeitern uur nutzbringend gewesen. Die Geldsamnilungen danern bei uns immer noch fort. Mit sozialdemokratischem Gruß Fr. Jos. Binkert. Landwehrweg Nr. 33/4. (In Chemnitz war bereits eine derartige Idee aufgetaucht, aber die Anlagetosten und das Betriebskapital wurden auf 25,000 THIr. veranschlagt— eine Summe, die allerdings bei der traurige» Lage un- serer Gew.rtschaften, jetzt unmöglich aufzubringen wäre. Jndeß hielten wir uns doch für verpflichtet, obigen Brief zu veröffentlichen. Vielleicht öffnet sich noch eine Aussicht. R. d. V.) Mainz. Fabrikanten-Moral. Wie sittlich entrüstet sich Fabrikanten stellen können, wenn Arbeiter es wagen, einige Wochen zu hungern, um etwas mehr Brod und eine etwas wärmere Stube zu erpressen(denn anders bekommrn sie es nicht), haben wir schon oft erlebt; daß man es Fabrikantenseits aber zum„Usus" machen will, plötzlich 50 Prozent mit den Waarenpreisen in die Höhe zu gehen, und eine solche abnorme Preiserhöhung auch auf alte ruckständigen Aufkräge ausdehnen will, ist iins neu Die westphälifchen Elsen- waarenfabrikanten sind nämlich übereingekoninieii, ihre Maaren jetzt 50 Prozent höher zu notireu und rückständige Aufträge auch dieser Preissteigerung zu unterwerfen. Wie sieht es nun hier mit der sittlichen Entrüstung und der Moral, wie ste uns übrigen Arbeitsmenschen noch gilt? „Ja, Bauer, das ist was Anders." Aus der Lausitz. Die Weber der Ortschaften Ringe Hain, Tautewalde,Nieder-Neukirch,Ober-Neukirch,Weisa,Soh- lan d a. d. Spr., Steinigtwolmsdsofrf und Wehrsdorf haben an die gesammten Fabriksbarone der s ü d l i ch e n L a n s i tz eine Petition gerichtet, in welcher sie ihre traurige Lage schildern und u.in Lohnerhöhung bitten Es wird in derselben zunächst auf iie hohen Lebensmittelpreise, sowie auf die Miethwohnungs- T heuerung und das iliierschwingliche Feuerungsmaterial hingewiesen und zum Schlüsse heißt es dann wörtlich: „Durch die ungewöhnlich niedrigen Lohnsätze ist die Eriftenz der Lohnweber gefährdet und das gleiche Fortschreiten mit der Zeit und anderen Professionisten.gegenüber nicht denkbar. Unser Verdienst ist bei einer täglichen Arbeirszeit von 16—18 Stunden wobei Frau und Kinder mit thätig sein müssen, wöchentlich 1'/, bis?'/, Thlr.— ein Betrag, der nicht ausreichen� ist, eine Familie bei den jetzigen täglich steigenden Produktenpreisen nur nothdürstig erhalten zn können. Diesen traurigen und kläglichen Verhältnissen des Webers abzuhelfen, das ist die Bitte, welche wir sämmtliche» Weber der süd- liche» Lausitz unsern geehrten Fabrikanten vortragen. So richten wir denn, in Anbetracht des oben Angeführten, an sämmtliche Fabrikanten der südlichen Lausitz das ergebene Gesuch, nach dem Beispiele der sich in Schlesien und der Rheingegeud besindlichen Fabrikanten, unter sich eine Besprechung zu veranlassen, um durch eine Lohnerhöhung von 20 pCt. der bedrängten Lage des Lohnwebers abzuhelfen." Die„Ergebenheit" dieser unglücklichen Verhungernden läßt ihr Elend nur um so greller hervortreten! Leipzig. Durch die progressive Steigerung der Preise aller Lebensbedürfnisse sahen sich die Glasergehülseii von Leipzig u nd llm- gegend veranlaßt, eine Lohnerhöhung von ihren Meistern zu fordern. Es wilide am 31 Oktober ein Komitee gewählt, welches ein Zirkular ausarbeitete, worin den Meistern die Ursachen klar gelegt wurde», die eine Lohnerhöhung nöthig machten. Auch wurde verlangt, daß die ArbeitSstmide von 6—7 Uhr Sonnabend und Montag wegfalle. Zu- gleich wurden die Meister zu einer Versammlung eingeladen. Es erschienen jedoch von den sechzig Meistern nur fünf. Die Glasergehülsen, überzeugt, daß die von ihnen gestellten For- derungen sehr gerechte und zugleich gemäßigte waren, mußten in der gelingen Betheiligung der Meister ,an der anberaumten Versammlung eine Geringschätzung seitens der Meisler finde». Es wurde deshalb der Beschluß gefaßt, aus ver Jsolirung, in der sich bis jetzt die Glaser- gehülfe» befanden, herauszutreten und sich fest zu organisiren. Die Organisalion der Internationalen G ewerksgenossenschaft d er Holzarbeiter wurde für die beste befunden, demnach wurde be- schlösse», sich derselben als Sektion anzuschließe». DieGrllnde für den Anschluß an die betreffende Gewerkschaft haben wir bereits in einer der vorigen Nummern dieses Blattes angeführt. In der Sitzung, die wir»ach der Konstituirung hatten, waren bereits einige über achtzig von den hundert hier arbeitenden Glasergehülfen der Sektion beigetreten, und die Mehrzahl des kleinen Restes, welcher sich noch nicht hat einschreiben lassen, werden es wohl in der nächsten Sitzung�thun. Als die Glasernieister sahen, daß es Ernst wurde mit der ganzen Sache, so beriefen sie eine Bersainmlung der sämmtlichen Glasermeister und selbststäi.dige» Glaser ein, in der sie nach längerer Debatte die For- derungen des Gehlllfcn für gerecht fanden und dieselben bewil- l igte n, sowie eine Kommission einsetzten, welche die Beschlüsse der Meisterversaminluiig dem Komitee der Gehülfen mittheilte. De in nach allen vom I.Januar 1872 die beiden bezeichnete» Arbeits- stunde» weg und tritt vom 1. März eine Lohnerhöhung von 20 Prozent ein. E.mnthigt durch den ersten Sieg, den wir durchs unsere Vereinigung eisochten haben, werden wir uns nun immer fester und fester schlteßen und können wir der Zukunft jetzt ruhig ins Auge sehen; in unseren Zusainnienkiinsten werden wir un« immer klarer werden, welche Stel- lung wir heute in der menschlichen Gesellschaft einnehmen, und welche »vir in der Zukunft einnehmen müssen; ivir werden uns klar werden über den Zweck der Genossenschaften und ihr Endziel: an Stelle de« Lohnsystems die genossenschaftliche Arbeit zu setzen, durch welche Jeder de» vollen Ertrag seiner Arbeit erhält. Wir dürfen uns Nicht verhehlen, daß wir für die Verwirklichung unserer Ideen un« noch viel berathen und noch viel lernen müssen. Dazu aber bieten die Gewerk- schaften die beste Gelegenheit. Möge dieser kleine Sieg, mit dem wir unser Werk begonnen haben, nicht nur eine Befestigung unserer Organisation bewirkt haben, sou- der» möge er auch unser» Arbeiterbrüdern allerorts zeigen, daß unsere ganze Macht in der Vereinigung liegt, einer Vereinigung, die für die Gegenwart und Zukunft alle Interessen des Arbeiters wahrt und vertritt; einer Vereinigung, die parallel mit dem fortschreitenden Zeitgeiste sich entwickelt, und von deniselben nicht überflügelt wird. Daruni rufen wir nochmals allen Glasern Deutschlands sowie allen Holzarbeitern und allen Arbeitern überhaupt zu: Ahmt unser Beispiel nach und vereinigt Euch! Unorganistrt sind wir nichts— organisirt sind wir Alles! Leipzig, 24. Nov. Aus der besten aller Welten. Vor einige» Tagen meldete das„Tageblatt", der Flurwächter Fischer aus Gohlis habe sich aus ilkahrringssorgeri daS Leben genommen. Dadurch ward folgende Annonce im heutigen Tageblatt hervorgerufen: „Widermfen. Fischer ans Gohlis ist kein Flurwächier, sondern Makler, und hat sich nicht aus NahriingSsorgen, blos aus Verzweiflung und Ehrgefühl das Leben genommen, da er, obdachlos keine Aufnahme von dem Inspektor des Bezirks-ArmenhauseS zu Möckern gesunden. Die unglückliche Witlwe, mit zwe, unerzogenen Kindern." (Wie in einer späteren'Nummer des„Tageblattes" bemerkt wird, hat der Inspektor nicht das Recht, über die Aufnahme ins Armenhaus zn verfügen; das sei Sache der Armendirektion. Ob„Inspektor" oder „Direktion",— genug, dem obdachlosen Fischer ist die Ausnahme in« Armenhaus verweigert, und er dadurch zum Selbstmord ge rieben worden.„Und das nennt fich ein christliches Land"! Ge- schrieben am Bußtag des Jahres des Heils 1871. D. R. d. V.) Politische lleberficht. Von welchem Geist die V er saill er Landjunkerkammer be- seelt ist, zeigen die skandalösen Szenen der Sitzungen vom 8. und 9. dieses. Ein Depulirter, Maillard, der in schüchter- ncr Weise die Aufhebung des Belagerungszustands beantragte, wurde acht reichstäglich niedergebrtillt.(Bis zur Rohheit des „Haut ihm!" verstieg man sich freilich nicht) Ein ähnliches Schick- sat halte der Antrag Rouvier's aufAufhedung des Belagerungszustands in Marseille, nur mit der Abwechslung, daß Rouvier zur Ordnung gerufen ward, weil er, erbittert über die rohen Unterbrechungen, ausrief:„Es liegt nicht an Ihnen, wenn Ruhe in Marseille herrscht. Sie haben der öffentlichen Mei- nung eine blutige Herausforderung ins Gesicht geschleudert! Ich will Riematldes Gewiffen richten; aber die Geschichte wird mein Urlheil bestätigen!" Aber dies war nur das Vorspiel der Szenen des nächsten Tags. Wir geben über dieselben den Bericht der(orleanistischen)„Jndepedance Belge.": „In der Samslagsitzung erlangie der radikale Deputirte Ordi- naire zu einer persönlichen Bemerkung das Wort:„Ich will", sagt er,„keine ausreizenden Worte vernehmen lassen, sondern nur eine ein- fache Berichtigung vornehmen. Man hat sich im Laufeder gestrigen Sitzung demüßigt gesehen, zu sagen, daß wir für alle unsere Handlungen soli- darisch seien; ich erkläre hiermit, was mich bekifst, daß ich die Soli- dariiäl für die Haudlungen der Gnadcnkommission nicht annehme." Diese Worte sind da« Signal zu einem heftigen Sturme; ein wilder Wortwechsel entspinnt sich; durch das verworrene Durcheinander der Stimmen ertönt von den Bänken�der Majorität der Ruf: Zur Ord- nungl Zur Ordnung! Ordinaire verläßt die Tribüne. De Kerdrel (von seinem Platze):„Die Änadenkommission und die Kammer ist eins und. dasselbe." Taberlet:„Möge das Blut auf Sie fallen!" Neuer heftiger Lärm; Grevy läutet mit der Präsidentenglocke und bringt den Tumgll endlich zum Schweigen. Eine Stimme auf der Linken: Sie haben uns aus dieser Koinmission ausgeschlossen. Ordinäre:„Es ist keine: Gnadenkommisston, es ist eine Kommission von Mörder,'!" Kaum ist dieses Wort erschollen, so erhebt sich aus der Rechten und im Zentrum ein so furchtbarer Lärm, daß man sein eigenes Won nicht verstehen kann; das Brüllen und Rasen der Ma- jorität, welche„zur Ordnung" schreit, kommt nicht eher zur Ruhe, als bis der Präsident, zum ersten Male in dieser Versammlung, dar Antrag stellt, die„Zensur" gegen Ordinaire auszusprechen. Fast die ganze Kammer erhebt sich, unter deni Freudengeh.ul der Rechten und des Zentrums, für diesen Antrag, welcher Ordinaire aus die Dauer von vierzehn Tagen seiner Rechte und Diäten als Deputirter be- raubt und den öffentlichen Anschlag dieses Beschlusses in allen Gemein- den seines Departements zu Folge hat. Einen wiirdigen Epilog zu diesem Zwischeufall bildet ein von Dusaure eingebrachter Gesetzvor- schlag, welcher fast geeignet ist, den verhaßten Justizminifter wieder in der Gunst der Majorität zu rehabilitircn.„Endlich! Endlich!" erschallt es von den Bänken der Rechte». Dusaure ersucht nämlich die Kammer um Ermächtigung zur gerichtlichen Besrsolgung der Jour- nale, welche die tsnadenkommission bAeidigl haben. Das Ge- setz von 1819, auf welches der Minister sich bezieht, verhängt über die Blätter, die sich eine Beleidigung der'Rationalversammlung zu Schulden kommen lassen, die strengsten Geld- und Gefängnißslrasen. Unter den lebhaftesten Beifallsrufen der Rechten motivirt Dusaure seinen Antrag. Die von ihm erlangte Dringlichteit wird genehmigt." „Versailles! O Ort der Abgeschloffenheit und der Ver- blendung, traurige Stadt!" so schließt der Berichterstatter des gutmonarchischen Blatts. Der Antrag Dufaure's wird selbstverständlich durchgehn, und Louis Ulbach, der bekannte republikanische Journalist, welcher neulich wegen eines einfachen Zeitungsartikels vom Kriegsgericht zu 3 Jahren Gefängniß und 6000 FrcS. Geldstrafe verurtheilt wurde, bald zahlreiche Gesellschaft finden. Was nun endlich die Maßregelung Ordinaire's betrifft, so bildet sie ein würdiges Seitenstück zu der Maßregelung Bebels im Deutschen Reichstag. Die Versailler Majorität kann gleich der Berliner die Wahrheit nicht hören, weil sie weiß, daß die Wahrheit ihr tödtlich ist.— Um gegen den Wiederkehr solcher Unannehmlichkeiten gesichert zu sein, wollen die Ver- sailler, da Ordnungsruf und„Censnr" ihnen nicht genügen, ein Gesetz anfertigen, das die vollständige Ausschließung mißliebiger Deputirten ermöglicht. Damit wäre der Stein der Weisen des modernen Parlamentarismus glücklich gefunden, und auch der Firma Lasker-Simson ein rettendes Brett hin- geworfen!— Zum großen Aerger der Bismarckjünger ist Beust auf der Fahrt nach London, wo er den Posten eines Oesterreichischen Gesandten betleiden soll, über Versailles gereist. Der Gedanke, daß dort von„Revanche" für Sadowa und Sedan geredet worden, lag unangenehm nah. Ein Pariser Telegramm spendet den Herren jetzt Trost. Es lautet:„Beust'S Rücksprache mit Thiers bezog sich, gutem Vernehmen nach, auf legislatorische Maßregeln gegen die Internationale. Es wird infolge dessen ein darauf bezüglicher Gesetzentwurf vop die Rationalversammlung gebracht werden." Also die Internationale ein Blitzableiter für das Bismarck'sche Preußen. Und doch ist man in Berlin so undankbar, uns alle möglichen und unmöglichen Polizei- direktoren, Stieber und Staatsanwälte auf den Hals zu hetzen! Die Herren sollten doch etwas erkenntlicher sein!— Der republikanische spanische Abgeordnete Castelar hat neulich, bei Gelegenheit des vom Minister des Innern in den Körles eingebrachten Gesetzentwurfs, betreffend das Ver- bot gegen die Internationale, eine Rede gehalten,, deren Haupt- theil wohl zu dem Besten gehört, was jemals in einem gesetz- gebenden Körper für die Gedankenfreiheit gesprochen worden ist. Castelar ist keineswegs Mitglied der Jnternatio- nalen, sondern— wie viele unserer Leser aus seinem vor un- gefähr 2 Jahren an die Wiener„Reue freie Presie" gerichte- ten Briefe sich vielleicht noch erinnern werden—»ur bürgerlicher Republikaner und dazu sehr religiös. In der gedachten Rede, in welcher er sich übrigens offen als Gegner des Kollek- tiveigenlhums und für Beibehaltung des Erbrechts— also gegen die Prinzipien der Internationalen— erklärt, plaidirt er nur für den Schutz oer Gedankenfreiheit und beweist, daß die Bestrebungen der Internationalen, selbst wenn sie un- praktisch oder lächerlich sein sollten, doch keineswegs mo- ralwidrig sind, also auch nicht straffällig sein können. Die Eigenthumsbegriffe seien zu verschiedenen Zeiten verschieden ge- wesen, folglich könne man auch der Internationalen nichts an- haben, wenn sie einen, von den augenblicklich gangbaren ab- weichendem EigenthumSbegriff lehre. Hier zitirt der Red- ner sehr geschickt mehrere Stellen aus der Bibel oes Reuen Te- ftamenls und aus den Kirchenvätern,— so die Erzählung in Lukas und Matthäus, in welcher gesagt wird:„Vertheile Alles was du hast, denn leichter geht ein Kameel durch ein Nadelöhr, als ein Reich, r durch das Himmelsthor/' ferner den Aus- spruch eines Kirchenvaters:„Jeder Reiche ist ein Dieb oder der Sohn eines Dieves," sowie den Ausspruch deS heil. Chry- soslomus:„Als oie Kirche von Jerusalem das Eigenlhum zer- störte, hat sie damit die Wurzel alles Bösen zer- stört", ferner die Worte des heil. Cyprian:„Sind Sonne, Luft und Regen nicht für Alle? Eben so sollen die ge- sellschaftlichen Güter sein; sie sollen unter alle Menschen gleich vertheilt werden," und endlich was der heil. Gregorius sagte:„Wer die geringsten Zinsen für sein Geld nimmt, gleicht dem Wegelagerer«ud Strafte«- räuber/'*)— und sagt:„Run meine Herren, wenn die Bücher, aus welchen Sie Ihre Moral schöpfen, so sprechen,— wollen Sie die Internationale verdammen? Verbrennen Sie doch zuerst das Evangelium und die K irch enväter!"— Wir werden diese Rede, sobald es der Raum unseres Blattes gestattet, möglichst ausführlich wiedergeben; sie empfiehlt sich zur Lektüre namentlich bornirtcn Staatsanwälten und Po- lizeimcnschen; aber auch unseren engern Parteigenoffcn; denn, wenn auch einzelne Unrichtigkeiten darin vorkommen, wie z. B. die(wie es scheint in Spanien ziemlich verbreitete) Meinung, daß Bakunin der Schöpfer und die Seele der Internationalen sei, so ist sie doch im Großen und Ganzen eine durch blühende Sprache, gedankenreichen Inhalt und geistvolle Beweisführung sich auszeichnende, hoch beachtenSwerthe oratorischc Leistung eines gesinnungstiichtigen Gelehrten. Landesversammlung der Sächsischen Sozialdemokraten. Auf vielseitig ausgedrückten Wunsch wird die Landesver- sammlung der Sächsischen Sozialdemokraten nicht am 3. Weih- nachlsfeiertag, wo Mancher durch Arbeit am Erscheinen ver- hindert wäre, sondern den erste« Sonntag nach Neujahr, also den 7. Januar, in Chemnitz abgehalten werden. Gegenstände der Besprechung: Die Maaßregelungen auf Grund desVereins- und Versammlungsgesetzes, Gcwerkschaflswesen, Gemeindewahlen und Gemeindewahlrecht, Kirchcnvorstandswahlen. Die Redaktion der„Chemnitzer Freien Presie", Lindenstraße 5, wird die nöthigen lokalen Borbereitungen treffen, und ist bereit, aus etwaige Nach- fragen Auskunft zu geben. Ktuder-Arbeit in de« Aabrike«! Wir veröffentlichen heute 2 beachtenswerthe Zuschriften, die wir der Aufmerksamkeit unserer Behörden— falls die „Wildgansjagd"**) auf die Sozialdemokratie ihnen Zeit läßt— aufs Ernsteste empfehlen. Krimmitschau, tt. Dezember. Das Verbot in der Gewerbeord- nung, daß Kinder unter 12 Jahren nicht in den Fabriken arbeiten dürfen, wird ungeachtet der größeren Strenge, welche die Behörden in Folge der Beschwerden der sozialdemokraiischen Presie beobachten, nochsiminer umgangen. Leider sind es viel« Arbeiter, die zu dieser Ausbeutung und dein Ruin jugendlicher Menschenkraft bereitwilligst die Hand biete». Zu bornirt, um einzusehen, daß ihnen in ihren eignen Kindern eine Konkurrenz erwächst, die naturgemäß ibren eignen Lohn drücken muß, zu demoralisirt undgewissen- los, um einzusehn, daß es ein Verbrechen a» ihrem eigne» Fleisch und Blut ist, wenn sie ihre Kinder dem sittenverderbenden, physisch nnd moralisch das junge Leben vernichtenden Einfluß der Fabrik preisgeben, bieten sie vielmebr bereitwilligst jede Hülfe, um sie aus dem Altar deS Mammonismus zu opfern. Unsere„gebildete und gesiltete" Bourgeoisie«der, welche die„Sitte," die„Tugend," die „Civilisalion" repräsentirt!, undZihre eignen Kinder sorgfältig davor be wahrt, daß sie ihre Kräfte in einer alles moralische, geistige und physische Leben tödtenden Arbeit nicht vernichten, hetzt die Arbeiter mit allen Miiteln gegen Diejenigen aus, welche die Kinderarbeit beschränken und noch lieber ganz unterdrücken wollen. Was kümmert sie die Vernichtung von so und so viel Wesen, wenn ibr Geldbeutel darunter nur nicht leidet? Was alteriren sie die Hekatomben von Kind erfleis.ch undKinderblut, welche im„Interesse der Industrie und des Fortschritts" vernichtet werden? Wen» sie und ihre Brut nur im Ueberftusse schweigen, ihre Lüste beliebig befriedigen und dabei auch noch für ihre„legitime" Nachkommen- fchaft— denn die„illegitime", die aber oft zahlreicher als die„legi- time" ist, bleibt außer Betracht— Kapitalien zusainmenhäufen kann, �roß genug, die„Herren der Erde" würdig zu spielen,— dann hat sie ihr„Ideal" verwirklicht. Und hindern sie bei diesem Geschäft die Gesetze, die Gesetze die von ihrer eignen Klasse gemacht wurden, so macht sie sich auch kein Gewissen daraus, die Gesetze zu umgehen. Die Gesetze sind ja nur für die„Kanaille", das Volk, besonders die Arbeiter; sie, die„Herren" brauchen ste nur zu halten, wo es ihnen paßt, wo das„Geschäft" keinen Schaden leidet und der„Profit" ungeschmälert slieht. In der Fabrik des H. Hüsfer hier, eines der bedeutendsten Fabrikanten, besteht zum Beispiel dt« schöne Einrichtung, daß der Aus- putzer aufpassen muß, wann die Polizei kommt. Sobald diese sich naht, giebt e! auf ein Zeichen«in erhebendes Schauspiel. Sämm t- liche Kinder unter 12 Jahren müssen ihre Plätze ver- lassen und in der Schlosserw erkst at t, auf dem Boden und sonstigen Räumsen, wo diePolizei erfahrungsgemäß nicht „vijitirt," untergebracht werden. Der Buchhalter Fucke bei Wipper und Wje hat alle Andreher als zwölfjährig angegeben und für sie von der Polizei Arbeitsbücher erhal- ten, obgleich, wie ällgeuiein behauptet wird, viele unter 12 Jahr alt sind. Fenrer werden Andreher(Kinder) versteckt bei Julius Birk» ner und Costrstantin Herbst. Oehler hat seine allzujugendlichcn Äudrcher geheißen, bis Nachmlitags 3 Uhr zu Haus« zu bleibe», bis die Polizei dagewesen sei. Ist das n icht nett? Und wie hübsch, daß die Herren so genau wissen, wann d,e Polizei kommt, damitjdiese genassührt werden kannl Es sind prächtige Zustände, in denen wir uns befinden, und damit Sie sehen, wie genau unsere Fabrikanten die Gesetze kennen und auch halten, wo sie ihnen nützen, will ich Ihnen in einem nächsten Artikel einiges über Verwirklichung des HaftpflichigesetzeS, speziell die Handhabung des famosen Z. 4, mitibeilen. Tanlchen LaS ter, die Mutier jenes Paragraphen, wird Freude dran haben. Gerdau, 8. Dez. Schon mehrmals sind uns Mittheilungen zu- gegangen, daß eineStheils die Fabrikanten, anderntheilt die städti- schen Beamten die Eltern, vorzüglich die Frauen der aus Arbeit kommenden Kinder, welche das zwölfte Jahr noch nicht erreicht haben, gegen die Arbeitervereine als die schuldige Ursache, daß Kinder unter 12Jahren in der Fabrik nicht arbeiten dürfen, auf he tzen. Heute hatte ich nun selbst Gelegenheit, dieS zu erfahren. Ich ging aufs Raihhaus, um ein Arbeitsbuch für meinen Sohn zu holen; als ich dasselbe erhalten, fragte mich der Aussteller, ob ich wisse, wer daran schuld sei, daß Kinder unter zwölf Jahren nicht mehr in der Fabrik arbeilen dürften? Natürlich war ich sehr gespannt, die Ansicht dieses Herrn zu erfahren:„Daran stnd die Arbeitervereine bei LindnerS und der„Krimmilschauer Bürger- und Bauemfreund" schuld", sagte er. Ich entgegnete, daß doch das Gesetz schon vor zwei Jahren im Reichs- tage, wo doch die Arbeiterpartei schwach vertreten sei, zur Annahme gekommen, mithin müßten die andern Abgeordneten doch auch mit dafür gestimmt haben., und auf dem sächsischen Landtage sei dasselbe beschlossen worden. Meine Anfichtset, daß die Fabrikherren der schul- dige Theil seien, diese hätlen durch die uuinenschlich lange Arbeitszeit von Morgens 6 Uhr bis Abends 9 und 1l) Uhr, Sonnabend sogar biS 12, es selbst dahin gebracht, daß endlich Stimmen gegen dies« schmachvolle Ausbeulung und die die Gesunvheii der Kinder unter- grabende Sitte laut geworden seien; das gab er schließlich auch zu. ') In Pecking aber kann man heute, selbst wenn man hohe Zinsen uinuur, Landtaasabgeordneier und Itadtverordneten-Bije- Vorsteher werden. Es sil etwas Eigcnthümliches mit der Moral der Eyiuesen! Red. d. B. ••) Wildgoosechage— so nennen die Engländer irgend ein Un- ternehmen mit unerreichbarem Ziel. Die Arbeitervereine bei Lindners und der.Krimmitschauer Bürger- undBauernfteund können stolz"daraufsein,als gesetzzebendeFaktoren für das ganze Reich von dem Herrn angesehen zu werden, diese» hat mau es also zu danken, wenn die Gesetze nicht bloS papierene bleiben, denn der Herr meinte: das Petitioniren hätte es so weit gebracht. Hierbei fällt mir der Ausspruch Bebels im Reichstage ein, daß die ganze Reichsverfassung das Papier nicht werth seij, worauf sie geschrieben.- Unsere Gegner. Das„Chemnitzer Tageblatt" brachte vor einigen Tagen nachstehende Mordgeschichte, die von der nationalen Presie natürlich mit Behagen nachgedruckt wurde: „Ein Vorfall", der sich in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag erreignet hat und den wir nachstehend mittheileu, gibt uns Vera«- lasiung, die Arbeiter darauf hinzuweisen, wie verkehrt es ist, wenn noch jetzt die früheren Delegirten des beendeten Strikes durch Beiträge der Arbeiter unterstützt werden, lediglich um das Nichrsthun derselben befördern zu helfen. In dem Saale der Stadt Mannheim erschien in später Nachrstunde derjBürger I. Most mit einer größeren Anzahl seiner Parteigenossen, die sehr bald mit den noch anwesenden Gästen .n heftigen Streit geriethen, so daß der Wirth, einen schlimmeren Aus- gang besürchtend, gegen'/t3 Uhr aus die Polizeiwache sandte und Hülfe verlangte. Währenddem hatte aber auch der Bürger Most nach Unterstützung ausaesaudt, da die Möglichkeit vorhanoen war, daß er mit seinem Anhang an die Luft gefetzt werde. Diese Unter- stützung war denn auch sehr bald bei der Hand. An der Spitze von 1V Mann erschien der Schlosser und Delegirte Linke, der, ein Doppel- terzerol aus der Tasche ziehend, sich sofort in den Streit mischte und, die Masse hoch in der Hand haltend, solche auf die Gegner richtete. Hierbei ward er aber von der inzwischen angelangten Polizeimanu-. jchaft abgefaßt und, nachdem die Ruhe hergestellt worden, auf die Wache geführt, woselbst man ihm die, wie es sich herausstellte, nicht geladene Waffe abnahm. Es ist, wie schon gesagt, ein eigenthümliches Gebahren dieser Delegirten, von den Unterstützungen der Arbeiter zu leben und dabei in den Wirthshäusern in solchem Uebermuthe auf- zutreten und zu rennoiniren." Darauf brachte die Chemnitzer„Freie Presse" am 13. De- zember folgende„Abfertigung", die von der nationalen Presie natürlich nicht abgedruckt wird: „Trotzdem wir unZ vorgenommen hatten, auf das Gesudel im„Tageblatt" keine Sylbe zu antworten, sehen wir uns doch veranlaßt, auf die vorstehenden Gemeinheiten eine Ab- fertigung zu erlassen. „Zunächst sei erwähnt, daß Most und seine Freunde von einem Arbeiterfeste herkamen und beim Vorübergehen in„Stadt Mannheim" eine Tasse Kaffee zu sich nehmen wollten; die Begleitung Most's stellte sich sofort als nothwendig heraus, da er sogleich von einer anwesenden Rotte auf das Gröblichsie beleidigt nnd insultirt wurde.— ES ist daher eine infamle Lüge, daß der Streit unserer Scics provozirt worden sei. Weiter ist eS total erlogen, daß Bürger Linke mit einem Doppel-' terzerol die Gegner bedrohte. Er hatte dasselbe einfach einem seiner Freunde gezeigt und daß er es mit sich führte, kommt daher, weil er bei der Darstellung eines lebenden Bildes bei obenangedentetem Arbeiterfeste mitwirkte und hiezu selbes be- nöthigtc. Eine freche Lüge ist es ferner, daß Most nach Unter- stützung ausgesandt hätte, denn er und seine Freunde wären im Falle eines Angriffes schon sallein mit den Gegnern fertig geworden; auch muß erwähnt werden, daß er die größtentheils betrunkenen Bierphilister öffentlich als unzurechnungsfähig er- klärte und seine Freunde ersuchte, dies als Milderungsgruud anzusehen. Falls indeß die Jnsultirung friedlich verkehrender Gäste so fortgehen sollte, müßte man allerdings schtießlich bei der Behörde um einen Waffenpaß nachsuchen, damit man sich Gauchen und Strolchen gegenüber schützen kann; vorläufig ge- nügt es schon, gruppenweise auszugehen, da das jammervolle Philisterpack nur dann unverschämt ist, wenn es einzelne Per- sonen vor sich hat, aber sofort die größte Feigheit an den Tag legt, wenn mehrere Gegner anwesend sind. Schließlich sei noch bemerkt, daß die Sozialdemokraten in nächster Zukunft die gehörigen Mittel in Anwendung zu bringen wissen werden, um einem stechen, verleumderischen, sich mcnschcnstesserartig betragenden Abhub gegenüber sich zu sichern. Dies zur Ab- 1 fertigung: Gust. Schubert, Herm. Müller, Eras. Willkomm, � L. G. Kiehaupt, Konr. Fischer, Jos. Schwarzinger,! Wilh. Hengst, I. Most." Für Ludwig Fcuerbach. I. Dbr. Schwelm 1 Thlr., von Landwirth R. in St. i» West- phalen 2 Thlr. D. Erp. d. V. . Für die Chemnitzer Gcüiaßrcgelte. Von einigen Arbeiterinnen 15 Ngr., von mehreren Arbeitern 26 Ngr. durch Anton Eckert._ D. Erp, d. V.'. Anfrage au Herrn H. Knieling. Chriftianstr. 16 IV. in Dresden. Haben Sie den Brief von 5. November d. I. nicht erhalten? Bitte um Antwort. Ronneburg, den 12. Dezember._ Georg Seebach. Für Pforzheim. Tie Parteigenosseu werden ausgefordert, sich Montag, de» 18. Dezember, Abend» 8 Uhr zu einer Versamiuluug im Reben- zimmer der Bierbrauerei Hof einzufinden. Tagesordnung: 1) Ueber Verfassungen. 2) Wichtige geschäftliche Besprechungen. Gäste find willkommen. Mit sozial-demok. Gruß Der Bev. ___________ Lrrdwig Scholl, Guillocheur. Kür Nürnberg. Die hiesigen Abonnenten des„Volksstaat" werden ersucht, ihre Bestellungen von nun an im Gasthause„Zum goldenen Baum" oder„Aeußerer Lauferplatz No. 9—11 im Hinterhaus beiBau- mann zumachen. Es sind dadurch den Abonnenten die Postplackereien erspart. Preis des Austrägerlohnes per Quartal 3 Kreuzer. _ Tie Ftlialerpedition. Für Breslau. Soztal-demokrattsche Arbeiter-Partei. Montag, den 13. d.M. Abends 8'/, Uhr öffeutliche Berfa«M luug in Je ntsch's Brauerei, Margarethengasse,? parterre. Tages- ord nung:„DaS wuchtigste Kampfmittel des Proletariats gegen die heutige Gesellschaft". Bortrag von B. Geiser. Die Partelgeuosse» werden um recht zahlreich« Bethciligung ersucht. Gäste find gern gesehen._ H. Oehm«. Kür Leipzig. Internationale Metallarbeiterschaft. Versammlung Montag, den 18. d. M. Abends'/,8 Uhr i» Restaurant Viktoria(Goldne Tage.) Tagesordnung: 1. Besprechung über die GeneralversammluuS Wahl des Vororts. s Das Erscheinen der Mitglieder ist dringend nothwendig. Auft nahm« nener Mitglieder._ Der Bevollmächtigte. � Telegramm. Glauchau, 14. December. Bei de» biefigen Stadtve»� v ordnetenwahle» hat die Sozialvemokratie glanjeuo gesiegt, ff»& g lebe vte Kommune. Leipzig: Berantw. Redacteur A. Hepuer(Redaclion: PelerSstei» weg IlC) Druck n. Verlag von F. Thiele(Expedition: PeterS str.