M 1. Mittwoch, de« S. Januar. 1872 Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen«lle Postanstalten und Buchhand- Inngm deS In- und Aui- landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Betel, Petersstraße 18, F. Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wSchmtlich 2 mal in Leipzig. AbonnrmentSpreiS: Für Preußen incl. Stempelsteuer 1KNgr.,für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Filialerpedition für die Ber- einigten Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der sozial-demokratischen Arbeiterpartei«nd der Internationalen Gewerksgenolsenschasten. Am 6.«nd 7. Januar Landesversammlung der sächsischen Sozialdemokraten in Chemnitz. 2) ») Bekanntmachung. Die Redaktion und Expeditto« des „Bolksstaat" befindet fich von nun an Holle Ltrasse Nr. 4 parterre Alle Briefe und Geldsendungen find dort- hin zu adresfiren._ Programm der sozial-demokratischen Arbeiterpartei. I. Die sozial-demokratische Arbeiter-Partei erstrebt die Errichtung des freien Volksstaats. H Jedes Mitglied der sozial-demokratischen Arbeiter-Partei verpflichtet sich, mit ganzer Kraft einzutreten für folgende Grundsätze: 1) Die heutigen politischen und sozialen Zustände sind im höchsten Grade ungerecht und daher mit der größten Energie zu bekämpfen. Der Kampf für die Befreiung der arbeitenden Klassen ist nicht ein Kampf für Klassenprivilegien und Vor- rechte, sondern für gleiche Rechte und gleiche Pflichten und für die Abschaffung aller Klas- senherrschaft. Die ökonomische Abhängigkeit des Arbeiters von dem Kapitalisten bildet die Grundlage der Knechtschaft in jeder Form, und es erstrebt deshalb die sozial-demokratische Partei unter Abschaffung der jetzigen Produk- tions weise(Lohnsystem) durch genossenschaft- liche Arbeit den vollen Arbeitsertrag für jeden Arbeiter. 4) Die politische Freiheit ist die unentbehrliche Vor- bedingung zur ökonomischen Befreiung der arbeitenden Klasse. Die soziale Frage ist mithin untrennbar von der politischen, ihre Lösung durch diese bedingt und nu- möglich im demokratischen Staat. In Erwägung, daß die politische und ökonomische Be- freiung der Arbeiterklasse nur möglich ist, wenn diese gemeinsam und eKtheitlich den Kampf führt, giebt sich die sozial-demokratische Arbeiter-Partei eine einheitliche .Organisation, welche es aber auch jedem Einzelnen er- möglicht, feinen Einfluß für das Wohl der Gesammtheit geltend zu machen. K) In Erwägung, daß die Befreiung der Arbeit weder eine lokale noch nationale, sondern eine soziale Aufgabe ist, welche alle Länder, in denen es moderne Gesellschaft gibt, umfaßt, betrachtet sich die sozial-demokratische Arbeiter- Partei, soweit es die Vereinsgesetze gestatten, als Zweig der Internationalen Arbeiterassoziation, sich deren Bestrebungen anschließend. III. Als die nächsten Forderungen in der Agitation sozial-demokratischen Arbeiter-Partei sind geltend zu machen: 1) Ertheilung des allgemeinen gleichen direkten und geheimen Wahlrechts an alle Männer vom 20. Lebensjahre an, zur Wahl für das Parlament, die Landtage der Einzel- floaten, die Provinzial- und Gemeindevertretungen, wie alle übrigen Bertretunzskörper. Den gewählten Ver- tretern sind genügende Diäten zu gewähren. 2) Einführung der direkten Gesetzgebung(d. h. Vorschlags- und Berwerfungsrecht) durch das Volt. 3) Aufhebung aller Vorrechte des Standes, des Besitzes, der Geburt und der Konfession. 4) Errichtung der Volkswehr an Stelle der stehenden Heere. b).Trennung der Kirche vom Staat, und Trennung der Schule von der Kirche. Obligatorischer Unterricht in den Volksschulen und unent- gcltlicher Unterrichtin allen öffentlichen Bildungsaustalten. Unabhängigkeit der Gerichte, Einführung der Geschwor- nen- und Fachgewerbegerichte, Einführung des öffentlichen und mündlichen Gerichtsverfahrens und unentgeltliche Rechtspflege. Abschaffung aller Preß-, Vereins- und Koalitionsgesetze; Einführung des Normalarbeitstages; Einschränkung der Frauen- und Verbot der Kinderarbeit. Beseitigung der durch die Zucht- und Arbkitshausarbeit den freien Arbeitern geschaffenen Konkurrenz. Abschaffung aller indirekten Steuern und Einführung einer einzigen direkten progressiven Einkommensteuer und Erbschaftssteuer. 10) Staatliche Förderung deL Genossenschaftswesens und Staatskredit für freie Produktivgenossenschaften unter de- mokratischen Garantien. der 6) 7) 8) S) Parteigmossen, thut Sure Pflicht! Ein Jahr de» Kampfs hak sich hinter un» geschlossen, ein �«hr de« Kampfs öffnet sich vor un», und noch manches Jahr de» Kampfs wird an das neue sich anreihen. Große Kultur- bewegungen, wie die, in welcher wir uns jetzt befinden, und welche die vollständige Umgestaltung der gesellschaftlichen und staatlichen Einrichtungen zum Ziel hat, vollziehen fich nicht in einem kurzen Zeitraum. Mächtige Hindernisse, aufgethürmt von Selbstsucht und Unwissenheit, müssen überwunden, und durch lange mühsame Arbeit die geistigen Grundlagen der Zu- kunftswclt gelegt werden, ehe dieselbe in die Wirklichkeit ein- treten kann. Rasche Erfolge find nicht für uns, die wir einen dauernden Bau schaffen wollen. Den blendenden Erfolg des Augenblicks überlassen wir gern den Götzen des Augenblicks und ihren Anbetern. Wir wissen, daß unsere Sache unaus- rottbar in den Verhältnissen wurzelt und mit Naturnothwen- digkeit zum Siege gelangen muß, und in diesem Gedanken schöpfen wir den Entschluß, auszuharren bis zum Moment des Triumphes,— trotz alledem und alledem. Hätten wir zweifeln können an der Lebenskraft und Berechti- gung der Sozialdemokratie,— das Jahr, welches soeben sein Ende erreicht hat, würde uns die Zweifel benommen haben. 3fte ist eine Partei größeren Verfolgungen ausgesetzt gewesen, nie haben sich Ver- folgungen so machtlos erwiesen. Wir reden hier nicht von den klein- lichen Maaßregelungcn und Chikanen, die in Deutschland und Ocstreichüber uns verhängt werden. Redender furchtbar grißar- tigen Tragödie, die sich in Frankreich abgespielt, schrumpfen sie zu Nichts zusammen. Während die Schüsse uns noch in den Ohren dröhnen, die das Herz der Kommune-Helden durchbohrten, geziemt es sich nicht, bei den Unbilden zu verweilen) welche uns selber betroffen. Dort hat sich glorreich gezeigt, was es heißt,„für eine Idee kämpfen.� Wohl ist die Kommune nach heroischem Ringen durch die vereinten Anstrengungen der fran- zösischen und der deutschen Armee zu Boden geworfen worden, wohl hat die Bourgeoisie unerhörte Racheorgien gefeiert, allein wo sind die„Früchte deS Siegs"? Aus dem gräulichen Blutbad, das die heutige After-Civilisation auf ewig brandmarkt, ist der Sozialismus neugestärkt hervorgestiegen, und bietet dem Feind stolz die Stirn. Die kurzsichtige Reaktion wollt« ein ab schreckendes Exempel geben in Paris, und sie hat nur die eigne Barbarei und Impotenz enthüllt; sie wollte den Sozialismus tödten, und hat nur den eigenen Bankrout verkündet u,'.d sich den Todtenschein ausgestellt. Welchen Gang die Bewegung von nun ab nehmen, ob ihr friedlicher Charakter durch neue Katastrophen unterbrochen wird— das hängt von unfern Gegnern ab: wir haben Sorge zu tragen, daß wir stets auf der Höhe unserer Aufgabe stehn. Vor Allem sind wir verpflichtet, uns klar zu werden über die Prinzipien der Sozialdemokratie und für deren möglichst weite Ausbreitung thätig zu sein. Ohne Prinzipienklarheit kein gedeihliches Wirken! Ohne aufopfrungsvolle Propaganda endlose Verlängerung der Krise! An jedem Einzelnen ist es, seine Pflicht im höchsten Maß seiner Kräfte zu erfüllen. Nähre» wir den Geist durch Studium, stählen wir den Muth, an dem glorreichen Beispiel unserer Märtyrer. Doch nicht ver- einzelt soll der Einzelne zu Wer? zehn. In engem, brüder- lichem Anschluß an die Mitstreiter verdoppelt er die eigne Kraft, hilft er die Gesammtkraft verhundertfachen. Einer für Alle— Alle für Einen! Organisation! Das sei dieLosung. Parteigenossen, thut Eure Pflicht! Politische Ueberficht. Während das Pariser Proletariat, das nicht in den Gefängnissen und auf den Pontons verfault, einem namenlosen Nothstaud überliefert ist, so daß in einzelnen Stadttheilen die Zahl der Unterstützungsbedürftigen buchstäblich die Mehrheit der Bevöl- kcrung bildet, entwirft ein Engländer von dem Leben der „guten", der„ordnungsfreundlichen" Gesellschaft in Paris fol- gende Schilderung: „Im Theater, wo Theresa singt und ein zahlreicheres und lustberauschteres Publikum versammelt ist, als je zuvor) in den wieder geöffneten Lukäs chantanta, wo man den ge- schminkten, aufgeputzten Frauenzimmern womöglich noch toller zujubelt als sonst; vor den Ruinen der öffentlichen Gebäude, zu denen sich die Menge drängt wie zu einem ergötzlichen Schauspiele; in den Ballgärten, wo man die Beine höher in die Luft schleudert als ehemals; in den Straßen, an den Häusern, auf der Börse, im Omnibus, in den Restaurants und Kaffeehäusern— überall glaubt man Carrikaturen an sich vorüberziehen zu sehen. Wenn man sich erinnert, wer diese ausgelassenen Menschen sind und was sie vor wenigen Wochen erst überstanden haben, so muß man an die„Lais ü Victime"*') der ersten französischen Revolution denken und bekennen, daß das heutige B»U von Paris seiner Bäter nicht unwerth ist. Das Ding, welches gewesen, ist das Ding, das da ist und sein wird, und mag man dagegen einwenden, was man will: Paris und die Pariser haben sich seit jener Zeit nicht um ein Haar geändert und werden immer und ewig sein, was sie gewesen— die Verkörperung des Leichtsinn» und der Frivolität. Mit solchem Elementen aber ist die Regeneration eines Voltes einfach unmöglich." •)„Opferbälle", aristokratische Orgien, an denen Niemand Thsil nehme» durfte, der nicht einen Angehörigen auf der EuiUo-ine ver- loren oder selbst an das Beil der Guillotine„gestreift" hatte. Ganz recht:„mit solchen Elementen ist die Regeneration eines Volks unmöglich." Wer sind aber diese Elemente? Ist es nicht die Bourgeoisie, die soeben„die Gesellschaft ge- rettet" hat? Liegt nicht in obigem Gemälde die beste Recht- fertigung der Pariser Kommune, die begriffen hatte, daß„mit solchen Elementen die Regeneration des Volkes unmöglich" sei? llnd erfüllen Diejenigen nicht eine soziale Pflicht, welche die Gesellschaft vor diesen„Gesellschaftsrettern" zu retten suchen?— Die Bourgeoisie kann infolge ihreS Gegensatzes zum Pro- letariat nicht liberal sein, und selbst Kenn sie hier und da in der Theorie ein wenig Liberalismus zeigt, ist sie doch nicht im Stande, in der Praxis davon Gebrauch zu machen. Ein ekla- tantes Beispiel von dieser Unfähigkeit des bürgerlichen Libera- lismus, sich zu verwirklichen, haben wir in Deutschland an der deutschen Fortschrittspartei, welche— so sehr sie auch in der Theorie die Trennung der Kirche von Staat und Schule verlangt— doch noch nicht den Muth gehabt hat, die Ent- fernung des Herrn von Mühler— und sei es auch nur durch die Verweigerung des; Kultusbudgets— kategorisch zu verlangen. Ein noch deutlicheres Exempel giebt der gegenwärtige französische Kultusminister, der honigsüße Jules Simon ab. Dieser unter dem Kaiserreich als Republikaner und Freigeist bekannte OppositionSrcdner wurde bekanntlich am 4. September 1870 Mitglied der provisorischen Regierung, und ist das einzige Mo- biliar, welches Herr Thiers aus der Regierung für die„National- vcrtheidigung" behalten hat. Schon dieses Vertrauen, welches Herrn Jules Simon seitens des französischen Heldengreises zu Thcil wurde, mußte jeden Demokraten stutzig machen. Wie kann Thiers— diese Frage drängte sich einem unwillkürlich auf—, nachdem er Leute, deren Republikanismns von so leichtem Kaliber, wie der des Ernst Picard und Jules Ferry, und deren Eifer gegen die Widersacher Gottes so rühmlich be- kannt wie der des Jules Favre, über Bord geworfen,— wie kann Thiers da noch einen Mann im Ministerium brauchen, welcher an die internationalen Friedens- und Freiheitskongresse be- geisterte Zustimmungsadressen gerichtet und berüchtigte Bücher, wie „der freie Denker", geschrieben hat? Wie kann er den Mann im Ministerium brauchen, welcher einige Monate zuvor dem Pariser Volke ein Untcrrichtsgesetz versprochen hatte,„wie es eine Republik nur haben kann"? Einen Mann, welcher, außer vielen Ketzereien, im November 1870 an den Bürgermeister von Paris schrieb:„Wir werden einen Menschenschlag erziehen, der der Furcht unzugäuglich ist und, der alten Vorurtheile ent- lcdigt, durch Aufklärung, Vaterlandsliebe und Tugenv würdig ist, den beiden größten Geißeln der Menschheit: Vorrechte ynd Krieg ein Ende zu machen"? Doch Thiers hatte sich seinen. Mann wohl angesehen uud sich auch nicht getäuscht. Jules Simon hat mit dem Herrn das Kleid gewechselt und ist unter Thiers's Ministern nickt der am wenigsten konservative. Am Büß- tag, den er gleich nach dem Sturz der Kommune Anordnete, hatte er Gelegenheit, seine freigeisterischen Ansichten zu demen- tiren, und gleich darauf folgten Zirkuläre an die Schulbehörden, welche ganz das Gegentheil von dem enchielten, was er unter der Septemberregierung dem Volle vorgeplauscht hatte. Von der Unentgeltlichteit des Schulunterrichts war keine Rede mehr, an den konfessionslosen gar nicht zu denken, und die Erziehung eines„Menschenschlags ohne Furcht" machte einem Bevormundungssysteme Platz, welches die Drillung zum obersten Prinzipe hat wie der Militarismus,— eine Drillung, welche sich gleichmäßig auf Schüler und Lehrer erstreckt, wie bei Herrn v. Mühler. Natürlich, Jules Simon hatte an der Pariser Kommune gesehen, wohin sein freisinniges Er- ziehungssystem führen würde und der Bourgeois in ihm ton- fiszirte sogleich aus seinem Kopfe den„freien Denker", llnd so wandelt er denn weiter in den Wegen des HERRN und publizirt soeben einen Unterrichtsgesetzentwurf, nach welchem in den Schulen alle Tage eine halbe Stunde Religion gelehrt und jede Klasse mit Gebet eröffnet werden soll.— Als neulich ein Deputirter von der äußersten Rechten Herrn Thiers Vorwürfe darüber machte, daß er einen Menschen von so kompromittirendcr Vergangenheit wie Jules Simon im Amte belassen habe, erwiderte ihm Thiers treffend:„Was wollen Sie? Jules Simon ist ja noch konservativer als Sie und ich?"— Also macht aus dem liberalen Bourgeois die Furcht vor dem Sozialismus einen Erzreaktionär! Was zu beweisen war. Man schreibt uns vomRhein:„Die,, Hamburger Nach- richten" brachten dieser Tage aus Metz eine Mittheilung, wo- nach die Lothringer Franzosen das Grabmal der 84er bei Somevillc mit Schimpfworten beschmutzt haben. Gemeine Rache dies, aber nicht so gemein, als es z. B. 1849 die königl. bairischen O b e r- Offiziere und Ob er-Beamten in Kirchheim-B olandcn machten, am Grabe der 14, imKampfe gegen die 24er Preußen für eine durchs Volt erstrebte Volks- thümliche Verfassung gefallenen rheinhesstschen Freischärler. Die nationalliberalen Kirchheim- Bolander können Stückchen davon erzählen." Ein nationaliikonomischer Vortrag. (Gehalten im Bevliner Demokratischen Arbeiterverein.) Herren! Gestatten Sie iltir, ehe ich mein eigent- Uches Thema beMnr, eine kurze Einleitung, die Ihnen einige, heute fast allgemein für richtig gehaltene Sätze in das Ge- dächtniß zurückrufen soll. Es ist Ihnen bekannt, daß der Staat im Mittelalter getragen wurde von der Idee der Herrschast. Nicht blos im Politischen, sondern auch im Wirthschafllichen galt der Satz, daß der Staat Alles zn ordnen und zu beaufsichtigen habe, da wurde bestimmt, welche Waaren einge- führt und welche ausgeführt werden dürften, Handel und Pro- duktion waren gebunden durch hergebrachte Gewohnheiten und Verordmnigen— ich erinnere Sie nur an die Zünfte. Als nun mit dem Beginn des vorigen Jahrhunderts die Ideen der persönlichen politischen Freiheit sich zu entwickeln und mehr und mehr um sich zu greifen begannen, endlich in der ftanzö- fischen Revolution von 1789 ihren Triumph feierten,— da entstand auch die Idee des wirthschaftlichen Lideralismus. Francois Lluesntiy, der LÄbarzt' Luswig XV., ist der Baler dieser Richtung; von ihm ausgehend, hat die Idee, daß auch in wirthschaftlicher Beziehung volle Freiheit herrschen müsse, sich imnter mehr Bahn gebrochen und ist heute in den bürger- lichen Kreisen Enropa's fast durchweg die herrschende geworden. „Der Stadt darf sich in die wirthfchaftliche Bewegung nicht einmischen", ist der, die ganze liberale volkswirthschaftliche Schule beherrschende Grundsatz. Während nun zu Anfang die folgende, von Quesnay aufgestellte Lehre galt, daß alle wirth- fthastlichtn Werthe, also alle Güter und Waaren, kurz Alles, was der Mensch besitzt, feine Entstehung der Natur verdanke, wurde durch den großen englischen National-Oekonomeu Abrnn Smith der Satz aufgestellt, daß die Arbeit die Quelle alle, Güter sei. Dbschon dieser Satz in der Wifsenschail noch heute als mibsstritte« gilt, wird er doch jetzt von der sogenannten Manchester-Part« bald entschiedener, bald nur bedingier ze- leugnet. Da mrn die dieser Schule angehörigcn Männer— Ihnen als die volkswinhschastliche Fraktion im Preußischen Abgeordneten- Hause bekannt,— um ihren Zeilunzs- und Journal- Artikeln, mit ihren Borirägen und Reden in den Mttgerlichen Kreisen als die Vertreter der Wiffenschast gellen oder doch gelten wollen, hielt ich eS für uöchig, diesen Punkt zu erwähnen. So sagt Herr Prince Smith in einem Artikel der Kancher'schen Vierteljahrs-Schrifi: Kapital besteht aus a.>- gesammelten Produkte« der mit Kapital vereinten geistigen mid körperliche« Arbeit." Wenngleich hiermit die Erklärung, was eigentlich Kapital sei, gar nicht gegeben ist, so gehl doch auS diesem Satze hervor, daß dem Kapitale eine Werth bildende Kraft zugesprochen wirb. Roch entschiedener spricht diesen Mancheftcr-Satz ein, derselben Richtung anzehönges Organ, das Krockerjche landwirthschaftliche Eentratdlatt aus. Sie können da lesen:„Da das Kapital für alles wirthschaftliche Leben die Lust ist, in der es gedeiht, da alle wirthschaftlichen Werthe, auch Rente«, aus dein Kapital originiren d. h. ern- springe« a. s. w." Sie werden das völlig Falsche dieses Satzes auS Kart Mar?' Untersuchungen später einsehen. Die großen englischen Forscher halten nun die Aufgabe, die Wissenschaft erst durch Beobachtung und Registürung der im Verkehr sich wiederholenden Vorgänge zu schassen, die Ge- setze dieses Verkehrs zu ergründen und festzustellen. Es ent- ging ihnen nicht, daß in einein völlig sich selbst überlasscnen Verkehr die Lage der Arbeiter eine traurige sein und bleiben müsse,— Ihnen brauche ich wohl nicht noch das sogenannte Ricardo�fche Lohngefetz zu citiren. Ich will nur dabei bemerken, daß mit viesem Gesetze ein stocus pocus gelrieben wird, der zur Verwirrung der Köpft viel beigetragen hat. Jene großen englischen Oekonomen bezeichneten dies Gesetz als die nalür- liche Folge des freien Verkehrs, als ein natürliches Gesetz,— heute sagt man, sie Hütten es für ein Naturgesetz erklärt, und Jeder, der nun dies Gesetz als richtig anerkenne, bekenne damit, daß den Arbeitest überhaupt nicht zu helfen sei, denn gegen ein Naturgesetz könne man doch nicht ankämpfen! Es ist abtr, wie gesagt, kein Naturgesetz, sondern nur die natürliche Folge unserer wirthschasrlichen Verhältnisse; mit Acnderung der Ursache, der kapitalistischen Produktion, fallen selbstredeno auch dre Folgen derselben fort. Dies hat Ihnen schon Roo- berius in seinem Antwortschreiben an das Zentral- Komitee der deutschen Arbeiter im Jahre 1863 besser, wie ich es kann, ausgeführt, aber im Parleigclriebe verhallt die Stimme der reinen Wissenschaft ungehört. Gerade Rodbertus hat das Verdienst, zuerst in der deut- schen Wissenschaft darauf aufmerksam gemacht zu haben, daß bei einem sich selbst überlasseneu Berkehr die Lage der Arbeiter verhältnißmäßig immer schlechter werde, daß der Lohn gerade bei juneymender Produktivität der Arbeit in einem immer kleineren Bruchtheil'e des Werths der geleisteten Arbeit bestehe und bestehen Müsse! Um ttlln den Werth der Marx'schen Untersuchungen besser beurthdilen ki können, wollen Sie die drei folgenden, von den Mänchester-MtnNern gepredigten Sätze festhalten: 1. Der Staat darf sich in den wirthschaftlichen Verkehr Nicht einmischen; (Sie werben sehen, wohin die Besolguna dieses Satzes England gebracht hdl.) 2. Das Kapital soll mehr oder minder produktiv, werth- schaffend, sein- 3. Das Ricardo'sche Lohngesetz sei falsch, oder— um mit Herrn Max Wirth zu reden— ein„faules". Ich komine nun zu dem Jahtflt des Marx'schen Werkes: „Das Kapital". Wie aus der Vorrede hervorgeht, soll die« Werk aus 3 tiilen bestehen, bis jetzt ist nur dieser eine Band erschienen, dessen reichem Inhalt ich Ihne» Einiges in möglichst populärer Weise vortragen iverde, und zwar gerade das, was zur Beleuchtung und Beurtheilung der vorher erwähnten An- sichten der Manchester- Partei � dienen kann. Das Buch ist übrigens so streng wissenschaftlich geschrieben, daß es nicht leicht zu verstehen ist; als Beweis dafür diene Ihnen folgende Stelle. Marx hat einen Theil, die Analyse der Waare, als An- hang noch einmal populärer behandelt, Und sagt dazu: „Es schien dies um so nölhiger, als selbst der Abschnitt von F. Lassalle's Schrift gegen Schulze-Deliysch, worin er die geistige Quintcssenz meiner Entwiifelükkg über jene Themata zu geben erklärt, bednttende Mißverständnisse enthält. „Wenn F. Lassalle die sämmtlichen allgemeinen theo- retischen Sätze seiner ökonomischen Arbeiten fast wörtlich, bis auf die von mir geschaffne Terminologie hinab, aus meinen Schriften entlehnt hat, und zwar ohne Quellen-Angabe, so war dies Verfahren wohl durch Propaganda-Rücksichten be- stimmt. Ich spreche natürlich nicht von seinen Detail-Aussührungen undNutzanwendungen, mit denen ich nichts zu thun habe." Carl Marx sagt in dem Vorwort:„Was ich in diesem Werk» zu erforschen habe, ist die kapitalistische Produklions- weise und die ihr entsprechenden Produktions- und Verkehrs- Verhältnisse. Ihre klassiscbe Stätte ist bis jetzt England; dies der Grund, wcShalb es zurHaupt-Jtlustration meiner theoreti- schen Entwickelüng dient. „Wie der amerikanische Unabhängigkeitskrieg dcS 18. Jahr- Hunderts die Sturmglocke für die europäische Mittelklasse läutete, kl-n W nr,»> n-i-ifraiiif-F.■ Ofl.'1.-■. A.iih 1, f. C 1~ pT orr cmrmrcnnjcyt �irrcpTrnvj ctö i?. ntr otr europäische Arbeiterklasse. In England ist der Umwälzungs- prozeß mit Händen greifbar. „An? einem gewissen Höhepunkt muß er auf den Kontinent zurückschlagen. Dort wird er sich in brutaleren oder humane- re» Formen bewegen, je»ach dem Enlwickelungsgrad der Ar- beiter selbst. Bon höheren Motiven abgesehen, gebietet also ben jetzt herrschenden Klassen ihr eigenstes Interesse die Weg- räumung aller gesetzlich kontrollirbaren Hindernisse, welche die Entwickelüng der Arbeiterklasse hemmen. Ich habe deshalb ter Geschichte, dem Inhalt und den Resultaten der englischen Fabrikgesetzgebung einen so ausführlichen Platz in diesem Bande eingeräumt. Eine'Ration soll und kann von der andern lernen. Auch wenn eine Gesellschaft dem Naturgesetze ihrer Bewegung auf die Spur gekommen ist, kann sie naturgemäße Entwickelungs- phase» weder überspringen, noch fortdekretiren. Aber sie kann die Geburtswehen abkürzen und mildern. „Zur Vermeidung möglicher Mißverständnisse ein Wort. Die Gestalten von Kapitalist und Grundeigenthümer zeichne ich keineswegs im rosigen Licht. Aber es handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie Persomsikaüou ökonomischer Kä- lezorien sind, Träger von bestimmten Klassen, Verhältnissen und Interessen. Weniger als jeder andere kann mein Stand- punkc, der die Entwickelüng der ökonomischen Gesellschafls- formaiion als eine» naturgeschichtlichen Prozeß auffaßt, den Einzelnen verantwortlich inachen für Verhältnisse, deren Ge- schöpf er sozial bleibt, so sehr er sick) auch subjektiv über sie zu erheben vermag."— Sie sehen, meine Herren, daß auch Marx es betont, wie der einzelne Kapitalist, der einzelne Grundbesitzer nicht verantwortlich gemacht werden kann, nicht verantwortlich ge- macht werden darf für das, was sich natürgeschichtlich ent- wickelt hat, für den Ausbeulungsprozeß des Kapitals! (Fortsetzung folgt.) Die Bsurgeoispresse. Unsere Leser wissen bereits zur Genüge, wie cS mit dem Institute der Presse, welche eigentlich zur Belehrung und Auf- klärung des Volkes dienen sollte, in der Well bestellt ist. Statt eines Bildungsmittels ist die Presse in den Händen des Kapi- käls zu einem der am unehrenhaftesten betriebenen Geldge- scbäfleund zu einerVerdummungs-undEntsittlichungs-Maschinege- worden, gegen deren Gemeinschädlichkeit die Pfafferei aller Confes- sionen als harmlos verschwindet. Der gegenwärtige Unfug der kapita- listischen Presse beschränktsich weder aus die Irreführung desVolkes in politischer, noch auf die schwindlerischen Geschäftsrcklamen in merkantiler Beziehung, sondern vereinigt in sich, in' einer früher ungekannten Ausdehnung, beide Symptome(Erscheinungen) der sozialen Korruption. In Bezug auf die Korruption der erstern Art— die Bearbeitung der Zeitungen durch die Re- gierungs-Preßburcaus, welche den Blättern Gratiskorrespon- denzeu schicken, resp. für die Aufnahme derselben noch ein Honorar zahlen, und die systematische Verdächtigung oder Jgnvrirung alle« Dessen, was der herrschenden Partei unange- nehm ist— sind unsere Leser durch die Polemik, welche unsre Partei ununterbrochen mit den gegnerischen Blättern zu führen hat, genügend unterrichtet. Wir haben es heute nur mit der Korruption der zweiten Art— der direkten Geldprellerei des Publikums durch marktschreierische Reklamen im Interesse reich- lich spickender Kapitalistenfirmen— zu thun. In Nord- Deutschland ist zwar dieser Unfug noch nicht zu so großer Aus- dehnung gelangt, wie in der Hauptstadt Deulsch-östreichs, allein die neuesten Vorkommnisse oieser Art in Berlin lassen inil ziemlicher Sicherheit erwarten, daß die neue„Kaiserstadt" der alten den ruhmvollen Rang als Hauptvertreterin des Bour- geoisschwindels streitig machen wird. Vorläufig aber ist Wien noch die Hauptstadt der deutschen Tagespresse und zugleich die ärgste Sünderin auf dem Gebiete des journalistischen Geld- erpressungssystcmS. Bekanntlich sind die beiden Wiener„Pressen" vor Kurzem Eigenthum von großen Bankinstituten geworden, nachdem sie ihren früheren Besitzern außer dem Regierungssolde— die„Neue freie" war bismarckisch, die alte war beustisch— von Börsenjobbern und Attienschwindlern der verschiedensten Art Millionen für Reklamcnmacherei„erworben" hatte». Außer den Aktien, mit welchen die Wiener Zeitungen von den Gründungskonsor- tien geschenkshalber bedacht werden, ist es in zweiter Linie baares Geld, womit die Preßturkos bestochen werden, und sei- lcns der Eisenbahngefellschaftcn in dritter Linie: Freibillets. Eine solche Freibilletforderung hat neulich in Wien, weil sie etwa« frecher, als sonst üblich, auftrat, nicht blos für die Be- treffenden eine ungeahnt unliebsame Wirkung gehabt, sondern ein« Skandalprozeß hervorgerufen, der die ganze Wiener Presse bloßlegt, obschon nur ein einziges Blatt an diesem Prozeß direkt betheiligt ist. Der Herausgeber des Witzblattes„Floh" begab sich nämlich im Sommer v. I. zur Direktion der Franz- Josephs-Bohn und verlangte 4'/, Freikarten 1. Klasse für den Miteigenthümer des„Floh" und Eigenthümer der„Tages- presse", seinen Schwager den Sektivnsralh GanS von Lu- d af i. Diese Forderung wurde, weil in etwas unhöflicher Form gestellt, abgewiesen, wofür sich der„Floh" rächte, indem er die Genera ldirektiou jener Bahn und letztere überhaupt tüchtig verarbettcle. Die Gencraldirektion verklagte den„Floh" wegen dieses Erpressungsversuchs durch die Presse und der Heraus- gebcr deZ Witzblattes wurde zu 4, der Redakteur zü 2 Mo- nüte« Arreststräfe vom Schwurgericht verurtheilt. Dieses Urtheil hat selbstverständlich bei allen anständigen Men- schen große Befriedigung, bei den Preßturkos heillosen Schrecken hervorgerufen. Die Wiener Literaten geberdcn sich nun aus ein Mal samnK und sonders, als hätten sie mit dem Personal des„Floh" nie etwas gemein gehabt, und als wären alle andern Wiener Blätter frei von den Uttfauberkeiten, welche den „Floh" soeben an den Pranger gebracht haben. Einer dieser An- standsherrchen flüchtet sich in die Arme der„Anstandsdawe" uyd sucht die Wiener Presse im Feuilleton der Biedermann- schen„Deutschen Allgemeinen Zeitung" folgendermaßen rein- zuwaschcn: „Der Prcßprozeß deS„Floh", beweist, daß das, was man die Korruption der wiener Presse nennt, eigentlich nur (!!) auf die Witz- und Wochenblätter Bezug hat. Die großen wiener Blätter sind allerdings zu kostspielig auge- legt(!!). Ihr Gagen-Etat ist enorm. Aber dafür ist auch ihre Leistung eine ganz achtbare(!!). Nur zahlen die Banken und Eiftnbahnen, was das Publikum zahlen sollte, d. h. die Blätter lassen sich die Inserate und die Reklamen enorm zahlen und brandschatzen(„achtbar" ysozusagen die Aktiengesellschaften, um dem Publikum gute und billigt Journale zu lieftr«. Dafür finden aber auch die Banken und die Bahnen eine sehr werthvolle Unterstützung in der Presse, und ist es auch nie(?!) vorgekom- men, daß sich ein größeres BlattErpressungen(bloß„Brandschatzun- gen"!)zu Schulden kommen ließ. Worin besteht denn aber trotzdem die viclgeschmähte Korruption der- wiener Presse? Ganz einfach in dem schamlosen Treiben der sogenannten Fax- und Witzblätter. Die meisten dieser Blätter werden von Leuten rcdjgirt und herausgegeben, die keinen andern Zweck vor Augen halml, als die Baaken und daS Publikum zu plündern, und da das nicht gutwillig geht, so werden die persönlichen Schwächen hervorragender Persönlichkeiten als Pressionsmittel benutzt. Wir haben hier eine ganze Reihe vsn Journalen, die Haupt- sächlich nur vom gemeinen Skandal leben und sich dabei ganz gut stehen. Kein Industrieller und keine Bank darf es wagen, diesen Blättern ein Inserat zu verweigern, weil man im Weigerungsfälle sicher sein kann, seine intimsten Familienver- hältnisse in der skandalösesten Weise vor die Oeffentlichkeit ge- zart zu sehen. Die Chantage und das Erpressungswesen mußte» in ihren Grundpfeilern zerstört werden, und hat man daher auch ein warnendes Exempel statuirt, das hoffentlich viel zur Läuterung der wiener Preßverhältnisse beitrage» wird." Diesen Unsinn— daß nur die Wiener„Witzblätter" korrumpirt.seien, die übrige Wiener Presse aber ihrem Beruft alle Ehre mache— druckt Biedermann, Exsozialist und Er- rcpublikaner, Professor, Redakteur, Landtags- und Reichstags- abgeordneter ohne alle und jede Bemerkung ab, obschon er, ats ein Mann, der seit mehr denn 30 Jahren publizistisch lhätig ist, die Schäden der Wiener Puffe ganz genau kennt. Wir rönnen darauf verzichten, die Enthüllungen, welche vor ungefähr 2 Jahren durch den Schäffle'schen„Oekonomist" über mehrere Wiener Blätter gemacht worden sind, und deren Inhalt sich durchweg als unanfechtbar erwiesen hat, hier zu reproduziren; denn wir sind im Staude, die Wiener Weiß- Wäscherin der„deutschen Allgemeinen Zeitung" und deren Ar- beitgederin, die Leipziger„Anftandsdame", aus der aller- ».euesten Geschickte der Wieper Presse zu wiederlegen. Und zwar handelt cS sich um die„Brandschützungen" durch„Reklame"! Im„ Korrespondent"(fürDeutschlands Buchdrucker und Schriftgießer") finden wir folgende interessante'Notiz: „Eine kürzlich neu gegründete Raten- und Rentenbank in Wien hat an die Journalistik 33,325 fl. für Reklamen gezahlt. Das„Geschäft" wird als ein so selbstverständltches betrachtet, daß ein Blatt, welches selbst 500 fl. bezog, der „ Kapitalist", die ganze ausführliche Liste der Empfänger mit- theilt. In der Liste figurircn die Neue und Alte„Presse" und das(Demokratische)„Tagblatt" mit je 2500 fl., das alte „Fremdenblatt" mit 15,000 fl.,„Warrens Wochenschrift", Scharff's„Sonn- und Montagszeitnng",„ Vorstadtzeitung" und die„Tagespresse" mit ie l200fl., däs„Neue Fremden- blatt" mit 700 fl.,„Morgenpost",„Wanderer",„Werthcimer's Geschäftsbericht, Montagsrevue"„Volkswirthschaftliche Presse", „Kapitalist" mit je 500 fl.,„Henop's Geschäftszeitung" und „Floh" mit je 400 st.,„Reporter" 300 fl.,„Gemeindezeitung", „Wiener Handelsblatt",„Vcrkchrszeitung" und„Volkswirth" mit je 250 fl., Stamm's„Böse Zungen",„Bombe",„Hans Jörgel",„Oesterrcichischer Geschäftsbericht" mit je 200 fl. Dann folgen Posten von 150 bis 50 fl.:„Salon- blatt",„Kikeriki",„Hand in Hand",„Fortschritt",„Expreß", „Glocke",„Aktie",„Opposition",„Assoziation",„Tschau", „Donau",„Punsch",„Adelszeitung". Die Pester Zeitungen erhielten 500— 300 fl. Der„Frankfurter Aktiouair" erhielt 500 fl. Hiernach sind noch eine Reihe von Namen unter Chiffcrn verzeichnet mit Preisen von 100—750 fl. Fürwahr eine lustige Gesellschaft, diese Journalisten— wie dieselben so besorgt um das allgemeine Wohl sind, wenn e« über das Fell der Arbeiter hergeht, wenn es sich darum handelt, diese letzteren niederzudrücken, alles, um den„Kulturfortschritt" nicht zu hemmen, und wie sie auf der andern Seite Alles empfehlen, wenn diese Empfehlung nur anständig bezahlt wird— und das nennt sich„Volkswirthschaft",„unabhängig" und dgl. m." Also der„Correspondent."— Herr Biedermann, der sich von Thiers nur dadurch unterscheidet, daß Letzterer„niemals fein Vaterland belogen hat und niemals es belügen wird" (siehe Thiers Ansprache an den Generalrath des Seine- und Oise-Departements am 27. Oktober 1871), während Erstcrer „nur Ein Mal in seinem Leben die Unwahrheit gesagt" hat, (nämlich als Kind, um seine kleine Schwester vor elterlichen Prügeln zu retten; siehe Biedermanns Selbstbiographie, als Vorrede zu seinen„Kulturbildern aus dem dreißigjährigen Krieg"! ohne— wie Thiers— auch für die Zukunft seine Wahrheitsliebe zu versprechen,— Herr Biedermann hat also nun zum zweiten Mal in seinem ganzen Leben die Unwahrheit gesagt und wird hoffentlich— aus purer Wahrheits- liebe— bei einer etwaigen zweiten jAuflage seiner Selbstbio- graphie.diese unsere TextcSverbesserung, sie benutzend, zu Ehren bringen. Uisserer ferneren unentgeltlichen Mitarbeiterschaft an dem Ruhmcsdenkmale eines der größten deutschen Patrioten( kann er auch iü Zuknlrft zwKftksohne sicher sein.— Wir sagten oben: die neue„Kaiserftadt" würde die alte/ in Bezug die Korruption der Presse bald erreichen. Die An-- zeichen dafür mehren sich. Ende November erzählte die„De- mokratische Zeitung":"* /."�n der„Tribüne" fiudea wir folgendes Inserat:„Fran- zoslsche Werlhpapiere werden angekauft und ausbezahlt. Näheres unter... Expedition der„Tribüne"".—Solche, die ftanzö fische Werthpapiere auf die gewöhnliche Weise, an der Börse oder bei einem Banquier erworben haben, bedürfen zur Verwerthung derselben keiner anonymen Äbsatzquelle. Es han- delt sich also offenbar um Solche, die dergleichen Papiere auf unredliche Weise erworben haben. Die Expedition der „Tribüne" dient somit dem Verbrechen. Und das schreit noch über die Unsittlichkeit!" Diese„Tribüne" ist die Tugendheldin, welche einige Wochen vor dem hier Erzählten die 200 Thater eineS Wründungsbörsenmanns so entrüstet zurückgewiesen hatte. Un- serc bei dieser Gelegenheit in einer Parallele mit der„Times" gemachte Anspielung auf die Zweideutigkeit, welcher jener „Entrüstung" der„Tribüne" anhaftet/ erhält dadurch ein- weitere Rechtfertigung, wenn es deren überhaupt noch bedarf gegenüber einem Blatte, das jahrelang im obern Theil stockkonservativ und im untern, dem Feuilleton, demokratisch war. Ein weiterer Beitrag zur Geschichte der Berliner Presse ist Folgendes: Die„Daubitz'sche Staatsbürger-Zeitung" wirft dem bekannten Held vor, daß er fünf Jahre hindurch aus dem Preßfond der Regierung mit 600 Thlr. pro Jahr bestochen und von Strausberg, während er als Chef- redaktcur der„Startsbürgerzeitung" das Thun und Treiben dieses Mannes geißelte, schließlich mit 500 Thlr. gekauft worden sei. Held will klagen und es wird somit diese schmu- tzige Wäsche an die Oeffentlichkeit kommen. So ist das Institut beschaffen, welches zur Bildung und Belehrung des Volkes dienen sollte. Aus Amerika. Rewyork, 7. Dez. 1371. In Massachuselt hat die politische Arbeiterpartei bei der letztenWahl eine arge Niederlage erlitten, da sie einige Tausend Stimmen weniger auf ihre Kandidaten vereinigte, als letztes Jahr. Ihr Organ, sowie aufmerksam und in der Nähe beobachtende MUglieocr der Partei schreiben diesen Verlust der Ausnahme des Frauenstimmrcchls in das Parteiprogramm zu. In Rewyork hat die kürzlich erwähnte Arbeiterpartei nicht ein- Mal Erwähnung gesunden in dem veröffentlichten Wahlresultat. Auch war zu guter Letzt nur ein einziger Kandidat davon übrig geblieben, eine Lehre, daß jedem Kampf eine Organisa- tion vorausgehen muß. Wendcll Philipps hielt gestern hier seine große Rede über die Arbeiterfrage. Er nahm wieder Gelegenheit, für die Kommune eine Lanze zu brechen und zur Theilnahine an einer für nächsten Sonntag anberaumten öffentlichen Leichenfeier für die gemordeten Kommnnenütglieoer aufzufordern.*) Sodann wies er nach, daß eine Zivilisation Wichts werth sei, welche die sich unfern Augen bietenden grellen Gegensätze von Reich- thum und Armuth, Uebcrfluß und Mangel, Schwclgerci und Elend hervorrufe. Der ärgste Vorwurf, den man uns mache, sei der der„Gleichmachung des Eigenthums" und diesen Bor- Wurf nehmen wir auf uns. Er begleitete seine Auseinander- setzungen mit zahlreichen Beispielen aus dem hiesigen Leben. Der Kongreß der Bereinigten Staaten ist Montag, 4. Dezember, zusammengetreten und der Präsident hat ihm seine Botschaft eingeschickt. Bemerkenswerth ist darin sein Vor- schlag, das bis jetzt in Privathänden bestndlichc Telegraphen- institut in die Hände des Staats zu nehmen und der Postvcrwaltung einzuverleiben. Auch einpfiehlt er alle Inland- steuern abzuschaffen, ausgenommen diejenigen auf geistige Ge- tränke und Tabak und die Stempelgrbühren. Die öffentlichen Ländereien sollten der Nation gewahrt bleiben. Sonst nichts BemerkenSwcrthcs. Es herrscht hier eine wahre Seuche der freimauerlichen Geheim-Organisation. Sämmtliche Baugewerke der Stadt Rewyork und Umgegend haben sich so organisirt und treiben Humbug mit Paßworten, Losungen und Erkennungszeichen. Sie haben sich vereinigt zu einer Building League, d. h. Bau- gewerksliga, welche ebenfalls geheim ist, und diesem gesonderten und geheimen Auftreten ist es ganz besonders zuzuschreiben, daß die Wortingsmens-Union,**) der Zentralkörper derNewyorker Stadtgewerksvercine, der Auflösung nahe ist. Wm. I. Jes- sup, der alte Kämpe der amerikanischen Arbeitergesellschaftcn, ist aus diesen Körpern herausgedrängt worden und es ist wahr- scheinlich, daß auch die WorkingineiLs Assembly, der Zentral- körper der Gewerksvereine des Staates Rewyork, darunter leiden wird. Unter den Laugewerkcn herrscht die Absicht, nächstes Frühjahr eine große Bewegung zu Gunsten der 8-S tundqn- arbeit ins Leben zu rufen.— Auch die unschuldige National- Labor-Union**�) legt sich auf die Geheim-Organisanition, stößt aber in manchen Distrikten dabei auf den durch geistlichen Ein- fluß hervorgerufenen Widerstand der katholischen Jrländer. Unsre Chicagoer Parteigenossen(die internationalen Sektionen) haben sich in dem großen Feuer hervorgethan durch Umsicht und Zentralisation deS zu leistenden Beistands. Mit Vereinten Kräften halfen sie stets den am nächsten Bedrohten, und es gelang ihnen auf diese Weise, die Verluste zu mindern. Sie sind schon wieder rüstig auf den Beinen und haben soeben wieder eine neue deutsche Sektion gegründet. Unter dein fa- moscn Kriegszustand hat ein hervorragender„Bürger", der Distriktsanwalt der Stadt, sein Leben verloren, indem er von einer Schildwache niedergeschossen wurde. Da gab es groß Geschrei, das Kriegsgesetz wurde natürlich sofort aufgehoben, und es ist sogar schwache Aussicht vorhanden, daß die ganze liederliche Wirthschaft einer Untersuchung unterzogen werbe.— In Los Angelos, Kalifornien, hat ein schmachvoller Auf- rühr und Angriff auf die Chinesen statt gefunden. Eine Anzahl dieser armen Opfer kapitalistischer Produktionsweise und Uintriebe ist dabei elendiglich um'S Leben gekommen und Scheußlichkeiten jeder Art sind an ihnen verübt worden.— Im Monat November traten dee Organisation der In« ternatidnalen A. A. in diesem Lande ferner bei: Eine deutsche Sektion von Philadelphia(Nr. 25), Delegat: C. Speyer; Eine amerikanische Sektion von Philadelphia(Nr. 26), Delegat: I. C. Elliot; Eine amerikanische Sektion von Vineland, New-Jersey(Nr. 27), Delegat: I. H. Blood; Eine irische Sektion von Stadt Rewyork(Nr. 28), Delegat Mc. Gonegal; Einip französische Sektion von Paterson, New-Jersey(Nr. 29), Delegat: P. Thidvon; Eine französische Sektion von Philadelphia(Nr. 30), Delegat: H. Charnier. Sektion 12(amerikanisch, Stadt Rewyork) hatte, wie schon neulich berichtet, einen Aufruf an die englisch sprechenden Bürger erlassen, der verschiedene Jrrthümer über die Organi- sation enthielt. Die eigentliche Arbeiterftage war fast ganz darin umgangen. Gegen dieses Schriftstück und seine Folgerungen wurde von verschiedenen Seiten,— zuerst von der amerikanischen Sektion in Washington— Protest erhoben, derselbe aber in zwei auf einander folgenden Sitzungen des Zentraltomitee's durch„auf den Tisch legen" beseitigt, das letzte Mal mit 11 gegen 10 Stimmen. Den älteren Anhängern der„Internationalen'" war die Absicht dieses Vorgehens der Sektion 12 klar. Sie kannten die Zusammen- setzung derselben aus alten verbrauchten Reformern und System- reiteru und wußten, daß dieselbe unter dem Vorgeben, aus einer Mehrheit von Lohnarbeitern zu bestehen, Einlaß und Aufnahme in das Zentralkomitee gefunden hatte. Fast die gesammte Sektion 12 war bcthciligt in einer politischen Bewegung zur Erlangung deS Stimmrechts für die Frauen, und zwei ihrer weiblichen Mitglieder, die Damen Woodhull und Claflin, waren die Führer eines Zweigs der amerikanischen Frauenstimmrechtsassoziation. Frau Woodhull hat sich sogar selbst schon seit ungefähr l1/» Jahren als Kandidaten für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten aufgestellt. Außerdem sind sie eifrige Fürspreche- rinnen und Anhängerinnen des Spiritualismus und was daran hängt u. s. w. Das Interesse der Partei war gefährdet durch solche Verbindungen und ihre Folgen. Die Anhänger deS erwähnten Protestes beriethen sich daher über die nöthigen Schritte und kämen zu der Ansicht, die Sache ruhen zu lassen, bis zur statutengemäß erfolgenden Auflösung des Zentral-Komitees, dann aber sich neu zu organisircn unter Bestimmungen, welche die Reinhaltung der Partei sicherten. Dies geschah am 19. Novbr. V.J., nachdem sich das Zentral-Komite mit 19 gegen 5 Stimmen sine die(ohne Nennung eines Tags) vertagt, d. h. ausgelöst hatte. Vierzehn(14) Delegirte von eben so viel Sektionen traten sofort zusammen und bildeten einen provisorischen Föderalrath und beriefen ihre nächste Sitzung auf Samstag den 3. Dezember. Da bestimmte Mittheilungen einliefen, daß die andem Delegirten des alten Zentral-KomiteeS dann eben- falls erscheinen, Zulaß begehren und s o die vorläuftge Organi- sation auf bestimmter Grundlage hindern würden, so wurde die Sitzung auf 2 Uhr anberaumt, um wenigstens das Roth- wendigste abmachen zu können. Die Sitzung wurde 21li Uhr „die Lansitzer Leinenindustrie gefährdet" würde? Ihr sagt, von den jetzigen Löhnen könnt Ihr nicht leben. Aber muß t Ihr denn leben? „Ich sehe die Nothwendigkeit dazu nicht ein," bescheidet Euch die Nationalökonomie, wie einst Napoleon jenen vornehmen Bettler.*) Pie Nationalökonomie Hai mit Euch gar nichii zu thun, sie hat bloß zu thun mit der„Lausitzer Leinenindustrie," und„vie Lausitzer Leinen- industrie würde gefährdet werden, wenn Ihr Löhne empfingt, mit mit denen Ihr leben könntet. Also macht keine Dummheiten mehr, fiudirt Nationalökonomie, lernt die Harmonielehre verstehen, und be- weist Euer Verständniß der„besten aller Welten� dadurch, daß Ihr forthungert, im Nothfall verhungert, in majorem dei gloriam, zum Ruhm der Nationalökonomie und zum Nutzen der Lansitzer Leinenindustrie, die sonst„gefährdet" würde. Denn das müßt Ihr Euch ein für Allemal merken, Ihr Lausitzer Weber und übrige» Arbeiter all überall: die Industrie ist nicht Euretwegen da, sondern Ihr seid der Industrie wegen da, und ob Ihr zu Grunde geht, ist völlig gleichgültig, wenn nur die Industrie, d. h. der Profit der Kapita- listen nicht„gefährdet" wird. Die Fabrikaliten machen in ihrer Antwort auch noch die weise Bemerkung,„es sei besser, die Weberjugend wende sich anderen Ge- schäften zu." Unzweifelhaft richtig. Um ivie viel besser ständen sich zum Erempel die jungen Weber, wenn sie sämmtlich Fabrikanten würden. Das ist ein sehr gutes„Geschäft" und hat den Bortheil, daß es nicht„gefährdet" werden darf, ohne daß gleich der Staat in Gefahr kommt und, die bloß dem arbeitenden Plebs(der Vits multituäö) gegenüber von der Äolkswirthschaftslehrc verpönte Staats Hilfe leistet. Ein Farbrikantenorgan, die„Laufitzcr Dorfzeitung," ist ordent- lich entrüstet über die einfältigen Weber, die ihre Kinder nicht— reich werden lassen, und„die Aussicht auf ein mehr ungebundenes, wenn auch kummervolles Leben" dem Schulz- Delitzschs cheu„Ent- beyrungslohn" des im Schweiß seines Angesichts sich für das Wohl „seiner" Arbeiter abschindenoen Kapitalisten, dieses bedauernswerthestcn Märtyrers der modernen Gesellschaft vorziehen.— Leuckertsdvrs, 21. Dezbr. Die hiesigen Arbeiter, mehrere hundert an der Zayl, haben seit einiger Zeit eine Krankenkasse gegründet, der löemcinderath aber, an dessen Spitze als Borstand ein gewisser Friedr. Ncnbert steht, will dies nicht dulden und verlangt, daß die Arbeiter in die von ihm gegründete O rtskrankenkassc treten. Diese steht aber so schlecht, daß seit Februar bereits mehr als 100 Thlr. aus der Gemeindekasse zur Deckung des Defizits genommen worden sein sollen. Da die Arbeiter freiwillig ihr« Steuern für eine Kasse, in deren Verwaltung sie nichts hiileinzureden haben, nicht geben wollen, läßt der Gemeindevorstand die Steuern durch Auspfändung der Betreffenden eintreiben. Wir möchten doch wissen, ob der uns die Bildung einer Krankenkasse verbieten kann? (Das kann der Gemeindcvorsiand nicht, überhanpt keine Be- Hörde. Das Gesetz schreibt vor, daß jeder Arbeiter bei einer Kranken- lasse sein muß; ist das nicht der Fall, so kann ihn die Behörde zwingen, in ein- allgemeine Krankenkasse, welche die Behörde für solche Fälle gründen darf, beizusteuern. Ist also eine lebeiisfähige Kasse vorhanden, dann kann der Arbeiter, sobald er seine Mitgliedschaft bei dieser nachweist, nicht gezwungen werden, einer von der Behörde gegründete» Kasse bei- zutreten. Freilich ist es bei zahlreichen Behörden Prafts geworden, der Gründung von Arbeiterkassen alle möglichen Hindernisse in den Weg zu legen und dadurch die Arbeiter zu zwingen, den offiziellen Kassen beizutreten. Wichtig und nothwendig ist, daß sich die Ardeiter solche Maßnahmen nicht gefallen lassen, sondern den Beschwerdeweg betreten. D. Red. d. V.) Hoycustellt-Grnstthal. ES ist Ihnen vielleicht noch UN- b-kannc, dag unser Bürgermeister Förster bei der letzten Reichstag«- wähl, obgleich er Wahlkommisjar für Hohenstein war, heftig gegen Bebel und für Schulze-Delitzsch agitirt hat. Er ist unter Anderm zu verschiedenen Bürgern ins Haus gegangen und hat sie zu bereden gesucht, die Wahlaufrufe für Schulze-Delitzsch zu unterschreiben. Andere hat er auf sein Bureau kommen lassen und ihnen dasselbe Ansinnen gestellt. Ebenso hat er zahlreiche Schriften von Schulze-Delitzsch vertheilt, um die Leute zu ködern. Allein der Lieb«: Mühe ivar vergebens. Neuerdings hat er gar dem Drucker und Verleger de» hiesigen eröffnet. Es wurde der wichtige Beschluß gefaßt, fernerhin nur'Sektionen auszunehmen, welche wenigstens zu a�i Dritteln| Hachens, einem gewissen Stuhr, die Weisung"zugehen lasse», aus Lohnarbeitern bestehen und dann»lll Komitee zur Prüfung s A�oncen der Jmemational-u Manusaktur-G-wertschaft ohne seine der Mandate erwählt, welches in der nächsten Sitzung Bericht j ausdrückliche Erlaubniß nicht avzudrucken. Woher der Herr erstalten soll. Als nun ein Rundschreiben an die verschiedenen Bürgermeister ha» Rechtzu solchem Borgehen hernimmt, swissen wirnicht. ») Ueber den günstigen Verlaus des Umzugs hat der„Volksstaat' bereit« nach dem Rew-Borker Privattelegramm derichtet. Red. d. V. —) Arbeiter-Vereinigung. **♦) National-Arbeiter-Beremigung. Sektionen über die Angelegenheit der Sektion �12 mit daran geknüpften Beschlüssen verlesen werden sollte, schritten die in- zwischen in großer Zahl versammelten Delegirten der andern Seklionen ein, protestirtcn in heftigster Weise gegen das Bor- gehen der vor ihnen Organisirten und brachten es dahin, daß sich die Versammlung auflöste, worauf sie sich in einem andern Lokal versammelten und ebenfalls einen Föderairath bildeten.— Es liegt mir fern, einen Stein zu werfe». Ich erwarte zuversichtlich, daß in Bälde die große Mehrheit der wirklichen Arbeitersektioncn vereinigt sein wird, unv nur dem Vor- wurf will ich begegnen, als ob die zuerst Organisirten den Uebrigen durch ihre auf frühere Zeit berufene Versammlung hätten einen Streich spielen wollen. Wenn sie sich als Ver- treter sämmtlich er Sektionen angekündigt hätten, würde der Vorwurf gerecht sein. Aber das ist Niemand eingefallen. Nach Auflösung des Zentral-Komitees haben sie einfach von ihrem Recht Gebranch gemacht, Schritte zur Zentralisirung und Vertretung ihrer Sektionen zu thun. Sie wollen und werden das thun auf Grund der Gcneralstatuten und Konferenzbeschlllsse, sowie auf diesem Lande angemessenen Bestimmungen und sie werden alle Diejenigen willkommen heißen, welche ihnen beistehen und beitreten wollen. Ihr Recht aber, sich nach Ans- tösunz des alten Zenrralkörpers eine neue Organisativn zu schaffen, ist unbestreitbar und greift nicht im Mindesten in das Recht Anderer ein.— ES sind nun kürzlich Mittheilnngen vom Generalrath ein- gelaufen, welche die Jntriguen der Sektion 12, sich zum Haupt der Bewegung in Amerika auszuwerfen, unzweifelhaft nachweisen und daher nur geeignet sind, die Delegirten des provisorischen Föderalraths in ihren Ansichten zu bestärken. Die älteren Mit- glieder der„Internationalen" aber werden aufmerksam gemacht auf die Aehnlichkeir dieser Wirreu mit den durch die„Zdlianeo de la dernoeratie socialiste" in der französischen Schweiz her- vorgerufenen Zwistigteiten.__ Aus der Lausilt In No. 101 theilteii wir die ebenso h-rzzerceiß-nd- al» demüihige Weverpelition nm Lohnerhöhung mit. Heute sind wir in der Lage) die Antwort der Fabrikaiuen mictheilen zu rönnen. Sie ist ausgefallen, wie zu erwarten stand. Die Herren Fabrikanten sind„außer Stand", auf die Forderung(richtiger Bitte) einzugehen, denn durch die Lohnerhöhung würde eine Benheuerung der Waaren herbeigeführt, und dadurch„die Lausitz-r Leinenindustrie gesährdet werden." Doch wollen die gntmüthigen Herren„sich bemühen,"„wenn möglich" eine Lohnzulage zu gewähren. lieber das„wenn möglich" wollen wir keine Belrachlunaen anstellen—' im richtigen Deutsch sollte e! jedensalls„niemals" heißen— was unS vor Allem interessirt, ist die Begründung der abschlägigen Antwort.„Die Lausitzec Leinen- industrie würde gefährdet werden." Die Lausitzer Leinweber ver- hungern, sie erliegen unter der Last der Arbeitszeit— 16 bis 18 Stunden täglich mit Frau undKind:— in ihrer furchtbaren Bedrängniß, lassen sie einen Hütf-ruf ertönen, der j-d.an jüylenden Menschen durch Mark und Bein dringen muß. Die Dummköpfe! Sie kennen die„Bolkswirlhschajt" der Herren Kapitalisten nicht.„Die Nationalökonomie(der Bourgeois) hat keine Familie," sagte einmal da« verstorbene Parlamentsmitglied Drummond in einer Rede gegen die Manchesierschnle— wa» kümmert sie der Ruf nach Brod des abgehärmten We>beS, der nie gesättigten Kinder, die, sobald sie die Hände zu rühren vermögen, in den Dienst deS ebenfalls, jedoch in anderem Sinn, nie gesättigten Kapitals gepreßt werden? Ihr wollt Lohnerhöhung, Ihr Thoren? Aber begreift Ihr denn nicht, daß dann (Wir auch nicht. Wir ersuchen unsere Parteigenossen, gegen das paschamäßigc Austreten deS hohensteiner SladtoberhaupteS energisch Beschwerde zu führen, wenn er seine Willtührinaßregel aufrecht erhallen sollte. D. Red. d. B.) Glauchau, 20. Dezember. Diejhiesige Stadtverordneten wähl ist, wie bereits gemeldet, für unsere Partei glänzend verlaufen. Unsere sämmtliche» Kandidaten sind mit sehr großer Majorität ge- wählt worden. Die höchste Stimmeiizahl für unsere Äandibaten be- trug 417, die niedrigste 402. Die Ersatzmänner erhielten gleichfalls Stimmen in's 4. Hundert; die Gegenkandidaten' von 93 an ab» wärtS. Die Gegner schienen im Voraus zu wissen, daß sie verloren waren, daher die geringe Beth iligung.— Die Bolksoerfnminlung'am Sonnabend, in welcher Bebel über seine Thätigkcit auf dem Reichstage Bericht erstattete, war unze- meiii zahlreich besucht und verlief aus das Günstigste. Wie in Meerane so waren auch hier drei Stenographen ans polizeiliche Anweisung erschienen, um Bebels Rede nachzuschreiben. Zum., Schluß beantragte Albert eineResolutio n, worin dem Reichstag ein Mißtrauens-, dem Vertreter unseres Bezirks ein Vertranensvotnm ertheili wurde, und welche von der ganzen Versammlung angenommen wurde**). Aus Antrag Härtels beschloß die Verjaminltng ferner eine Sammlung für die feiernden braudenburger Weber. Allgemeiner dcutschcr Schueidervereill. Berlin, uk. Dezember. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die mir zugegangenen Berichte aus verschiedenen Städten, wo in Folge des Krieges eine Verminderung der Mitgliederzahl staltgefunden hatte, einen erfreulichen Äufschivung najercs Vereins konstatiren. Möge Jeder, der die Nothwendigkeit unserer Vereinigung begreift, nach seinen Kräften wirken, um unserer Gewerksgenossenschafl immer mehr Mit- glieder zuzuführen und neue Mitgliedschaften zu gründe», damit ivir bei der nächsten Generalversammlung refp. dem einzuberufenden allgemeinen Schneidertag in imposanter Zahl vertreten sind. Dadurch wird es utis möglich werden, die etwa dort vertretenen lokalen Vereinigungen der Schneider, als: Fach-Vereine, Strike-Kassen u. s. w. zu überzeugen, daß nur eine große vernünftig organisirte Gemeinschaft im Stande ist, mit Erfolg für die Verbesserung der materiellen Lage Aller zu wirken. Das Weitere, ob eine Verschmelzung aller Schneider- vereine zu einen einzigen Berein, Kartellver träge, oder welche andere Form der Solidarität dort believt werden wird, ist zur Zeit noch gleichgültig. Ich ersuche daher nochmals alle Geschäfts- sowie Parteigenossen, welche Bildung von Mitgliedschaften in die Hand nehmen wollen, um nähere Auskunft sich an mich wenden zu wollen. Mit der Anzeige, daß in Dresden und Regens bürg sich neue Mitgliedschaften konstiruirt haben, lasse ich gleichzeitig die inir bis jetzt noch angezeigten Adressen der Bevolltnächtigten und Kassierer folgen. Es sind: in Fürth: Joh. Lauterbach, Kajsirer, Schwabacherstraße bOo, Nürnberg: Härtel, Plattnersgasse Nr. 5 lll, Bevollmächtigter Reisegeld dort zu jeder eageszeit. Passau: Nie. Landsherr, Bevoll- mächtigter, Jnsladt im goldenen Kreuz. Wiesbaden: Karl Bar- be he n»,.Bevollmächtigter, Wteingasse Nr. 26. Dresden: Kosak Bevollmächtigter, Töpsergasse Nr. 9. Regensburg: Heinr.März, Bevollmächtigter, Littera 0 Nr 93, Gesandtenstraße beim Schneider- meister Petz, und Georg Kirchberger, Kassierer, Littera lö Nr. 50 Krammgasse. In der Erwartung daß alle Bevollmächtigten resp. Kassierer ihre Pflicht in Belress der Einsendung der Abrechnungen und Gelder bi» spätestens den 15. Januar pünktlich erfüllen, und die noch fehlenden Namen der Bevollmächtigten mir gleichfalls bis da sin einsenden werden, zeichne ich mit Brudergruß und Handschlag A. Reimer, alt« Jakobstr. Nr. 6, Hof 3 Treppen. ») In einer Audienz, zu der er sich ge drängt hatte, schloß derselbe sein Bittgesuch mit den Worten: il kaut Nero— man mnß leben I, worauf ihm der obige Bescheid zu Theil wurde. **) Das Gleiche ist aus Ober.lungwitz und Hohenstein-Ernst- thal zu melden. Red. d. V. bei Zur Charakteristik�der Äuappschaftstasse«. (Die Matzregelung des Bergarbeiters Siegert zu Schedewitz Zwickau, von ihm selbst erzählt.) Bereits 11 Jahre arbeilele ich bei dem Erzgebirgischen Aktien- Stetnlohlei bau-Verein zu Schedewitz als Grubenhäuer, gehörte auch so lange dem bei genanniem Steinkohlenbauverein für die Ofstziante» und Arbeiter bestehenden Knappschastsverband an, habe zu dessen Kasse auch stets meine Beiträge pünktlich und uchlig abgeführt. Während dieser meiner bezisserten Dienstzeit bei dem Erzgebir- gischen Aklteu-Steinkohlenbau-Berein, uno zwar im Jahr 1866, erlitt ich bei Ausübung meiner Bergarbeit einen doppelte» Knoten- bruch, der heute noch nicht geheilt ist, vielmehr muß ich eine aus der Kasse des bercglen Knappschaslsoerbandes bezahlte Bruchbandage Nagen, und kann nur noch leichtere, die physischen Kräfte de« Wen- scheu weniger beanspruchende Arbeiten verrichten. Der benannte Knappschastsverband gewährt nun seinen Mitgliedern im Krankheils- oder Unglücksfaü freie ärztliche Behandlung, Medika- mente, sowie eine wöchentliche Gcldunterilützung(Krankenlohn); bei dauernder Arbeitsunsähigleit, eine wöchentliche Geldunierstützuiig aus Lebenszeit(Jnvalidenlohn), welche nach d-m Tode de« Ehemannes auf die überlebende Ehe>raii ur.d auf dessen Kinder, die das 14. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, übergeht(die sogenannte Witlwen- und Waisenunterstützung), auch zahlt der beregte Knappschastsverband für seine Mitglieder oder deren Angehörige im Todesfälle ein Begräb- nißgeld. Nach statutarischer Bestimmung zahlt jedes KnappschaftSmitglied zur Knappjchaslslasse einem monatlichen Beilrag von einem Neugloschen zwei Pienltigen(1 Ngr. 2 Pf.) von jedem Thaler seines verdienten monatlichen Lohnes.(Es ist anzunehnien, daß ein Häuer im Durch- schnitt monatlich 1 Thaler zur Knappichaflstasje Beilrag zahlt. Das Permögeu des bctiannten Knappschaftsverbandes, ist bereits bis auf gegen Thaler angewachsen). Im Monat Dezdr. 1869 und Anfangs Januar 1879 litt ich an lrampshailem Leibschmerz, der immer größere Dimeiifionen annahm, so daß ich am 12. Januar 1870 von der dazu beausiraglen ÄnappschaflS. Verwaltung einen Kurschei» erhob, auf welchen mir von dem Knapp- schaslsarzt freie ärztliche Behandlung und Medikainenle zu Theil wurde. (Der Äutscheltl unterscheidet sich von dem Krankenschein insoweit, daß auf deni Krankenschein, nebst freier ärztlicher Behandlung und Medikamenten, auch Kraitkenlohn gewährt wird, dem Kranken aber, welcher im Besitz eines Kranlenscheiiies ist, zu arbeiten solange untersagt bleibt, als bis der Arzt aus deni, der Knappschaitsvcrwaüuiig wieder betzudringenden Krankenschein die vollständige iAenesung des er- kraulten Mitgliedes konstatirt hat; auf den Kurschein dagegen wird lein Krankeiigeld, sondern nur freie ärztliche Behandlung und Medika mente gewährt, und dem Kranken, der im Besitz eines Äurscheines ist bleibt während der Kur zu arbeilen gestattet; es ist auch der Kranke nicht gehalten, den Kurschein an die KnappschastSverwaltung nach be endigler Kur wieder beizubringen, vielmehr besorgt dies der Knapp schaslsarzt.) Mir dem erwähnten Knotenbruche fällt nun die Lähmung der linke» Seite manes Körpers zusammen und ich glaubte, daß der mich qualtiide Lelbschmerz nur meinem kötperlicheu Gebrechen entstamme� der Knappschastsarzt fand dagegen, daß ich mit einem Bandwurm be Haftel sei, und trieb mir denselben auch glücklich ab, besreite mich dw durch von meinem so lange erlittenen Lelbschmerz, ohne daß ich ge nöthigt war, die Arbeit zu versäumen. Am 26. Juni 1879 ließ mich der, bei dem Erzgebirgischen Aktien Steinlohlenbau-Berein aitgestellte Obersteiger Kind in seine Erpedi- tion kommen und stellte daselbst die Frage an mich, ob ich noch einen Krankenschein bei dem Knappschaftsarzte hätte? Ich verneinte dies bemerlte aber, daß es der Eurschein vom 12. Januar sein könne. Desselben TageS(den 26. Juni) legte mir der fragliche Obersteiger den erwähnte» Eurschein mit dem Beoicrken vor:„Sie sind weaen Brand- Wundenverletzung in Eur gewesen, auf unserem W.rke sind Sie aber nicht verbrannt, folglich haben Sie sich zu Hause verbrannt, oder ver blüht und haben sich auf Kosten der Knappschaft heilen lassenl" Da- gegen erltärie ich dem sragli che» Obersteiger, daß ich an Brandwunden nicht gelitten und auch nicht wegen Brandwunden äiztlich behandelt worden sei; es sei im Attest ein Schreidsehler des Knappschaftsarztes, welcher mich wegen Belästigung des Bandwurms behandelt hätte. Ich ging daher selbst zu dem KnappschaftSarzte und bemerkte ihm, daß er auf meinen Eurschein vom 12. Januar 1879 irrthümlich.Brand- wunderwerletzung" angegeben, während ich doch wegen Bandwurm in Behandlung gewesen sei; der Knappschaftsarzt sah seinen Jrnhum sofort ein und gab mir eine schriftliche Bescheinigung an Obersteiger Kind, in welcher derselbe nachwies, daß ich nicht in Folge Brandwun- denverletzung, sondern daß ich mit dem Bandwurm behaftet und in Folge dessen behandelt worden sei. Diese Bescheinigung habe ich auch dem Obclsteiger behändigt und hatte nun mit dieser Sache eigentlich nichts mehr zu thun. Am 27. Juni, also Tags darauf, als ich im Begriff war, auf den Holzplatz zu gehen, um mir das vor Ort nölhige Holz zu schneiden, ruft mich im Borüdergchen der Obersteiger Kind:„Siegert, komme» Sie einmal'rem zu mir!" Daß ich sofort zu ihm kommen sollte, hat er nicht gesagt, ich kvnnte auch seine Worte in einem solchen Sinne nicht aufjassen, ging daher zunächst ans den Holzplatz und besorgte inein Holz, was höchstens eine Zeit von 5 Minuten in Anspruch ge- nommen hatte; darauf ging ich zum Obersteiger Kind; in des>«n Erpe- dition eingetliten, erklärte mir der fragliche Obersteiger,„daß ich aus der Arbeit des Erzgebirgischen Akt en-Steinkohlenbau-Vereins sofo-l entlassen sei/' Aus mein Befragen, warum ich sofort abgelegt werde, äußerte der mehrbenannte Obersteiger:„Sie sind nicht gleich zu mir gekommen, als ich Sie gerufen, und haben sich dadurch ein Subordina- tionsvergehen zu Schulden gebracht, auf das hin Sie sofort entlassen werden."— Meine ArbeitSentlassung wurde sofort vollzogen und die mir ertheilte Arbeit einem anderen Arbeiter übertragen. Nach jiatutarischer Bestimmung können nun solche Arbeiter und nach Beendigung des Gesprächs kam Obersteiger Kind zurück und er- öffnete mir, der Direktor Oppe sei nicht zu bewegen gewesen, mir wieder Arbeit zu ertheilen. Ich mußte daher abermals, und ohne mit Direktor Oppe selbst gesprochen zu haben, höchst unbefriedigt wieder abtreten.(Fortsetz, f.) Internationale Metallarbeiterschaft. Berlin. Inder am 19. Dezember a. c. einberufenen Vcrsamm- lung der Berliner Mitglieder wurde einstimmig beschlossen, zum Bor- ort Ehen, nitz und zum Sitz der Kontrollkoniniission Berlin vorzu- schlagen. Der Bevollmächtigte. Nürnberg. In der Versammlung der hiesigen Mitgliedschaft am 17. d. Monats wurde aus Veranlassung des Antrags(Verlegung des Vororts und der Kontrollkommission betreffend) beschlossen, letztere hier zu behalten bis zur Generalversammlung. Glaubt der Vorort, durch sein Abtreten der Gewerkschaft zu nützen, so ist es seine Sache, wir aber, die hiesige Mitgliedschaft, können unser« gewählten Kom- missionsmitgliedern dieses' Mißtrauenvotum nicht ins Gesicht schleu- den und, ohne allen Grund, uns vom Vorort andere wählen lassen; obne die Gewißheit, etwas dadurch zu verbessern, darf man vor der Zeit keine Wahl vornehmen. Die Verschweigung des Grundes seitens des Ausschusses ist für uns kein Grund, uns selbst zurückzusetzen oder uns zurücksetzen lassen. Ist der Vorort nicht im Stande, sein Personal zu erhalten, oder welcher Grund sonst vorliegt,— unsre Kontrollkommission ist vollzählig, und sind ihre Leute dem Ainte vorzustehen im Stande. Ohne Generaiverjammlung konnte sie ihre Ausgabe nicht erledigen, und auf eine Generalversammlung hat man seit zwei Iah- ren söbon gewartet und ist sie dcßhalb sehr nothwendig. Wir, die hiesige Mitgliedschaft, erklären deßhalb, dem Vorort nicht beistimmen zu können, da es ein Verstoß gegen die Statuten wäre, und wir erklären serner: da es jetzt nicht mehr möglich ist, bis Weih- nachten eine Generalversammlung einzuberufen, dieselbe, unter Zu- ziehung sämmtlicherVororte der Gewerkschaften, bis längstens Ostern abzuhalten, um die Gründung einer internationalen Gewerkschafts-Union zu bewerkstelligen. I. A.: der Bevollmächtigte. Joh. Faaz, untere Soldnersgasje 627. KnappschaftSirntglieder, die während ihrer Dienstzeit einen körperliche» unheilbaren Schaden erlitten, zwar aus der Arbeit, nicht aber ohne Jnvalidenlohn(Altersunterstützuug) aus der Arbeit entlassen oder abgelegt werden. Da ich nun, wie schon dargethan, während meiner Dienstzeit bei gedachtem Erzgebirgischen Aktien-«teinkohlenbau-Verein Lähmung der liuken Seile und einen Doppel-Knotenbruch erlitten, dem Knappschastsarzt die Heilung meiner kötperlichen Gebrechen auch voll- ständig mißlungen war, erkannte ich meine Arbeitsentlassnng ohne die statutenmäßige Altersunterstlltznng(Jnvalidenlohn) nicht an. Da gegen wurde mir durch die Knappschastsvcrwaltung, deren Vorsitzender der jedesmalige erste WerkSbeamie nach statutarischer Best! Bestimmung ist, Altersunteritlltzung be- (zur Zeil Direktor Oppe) die mir gehörige Harriich verweigert. Da ich nun ohne alle und jede Arbeit war, aber auch ohne alle und i-de Unterstützrlng, überhaupt in Folge meiner körperlichen Gebrechen aus einem der Stein kohlenwerke im Zwickauer JnspeltionSbe- ziike Arbeil nicht erlangen konnte, weil ich in keinem Knappschaftsver- band Aufnahme als Mitglied findeil konnte, die Arbeitserlheilung aber bedingt ist von der Mitgliedschaft beim Knappschaflsverband, wurde ich bei dem Obersteiger Kind mehreremale vorstellig über das mjr von demselben zugefügte Unrecht; dieser behauptete aber, daß Direktor Oppe am meiner Entlassung bestehe, auch in meine Altersuntcrstützung nicht einwillige. Bei meiner abermaligen und letzten Vorstellung bei Qbersteig:r Kind erklärte mir dieser, ich solle mit ihm zum Herrn Direktor Oppe gehen. In der Expedition des Direktor Oppe angekommen, ging der Obersteiger hinein, verschloß hinter sich die Thüre der Expedition, so daß ich vor der Expedition zu warten genöthigt war. Ich lauschte nun an der fraglichen Thüre des Gespräches zwischen Obersteiger Kind und Direkwr Oppe, wobei unterAnterm Letzterer äußerte:„Die dürren Schmelen m üsjen ausgerottet werden, die können alsPfer- dcsutter nicht gebraucht werdenl" Da nur von mir die Red- war, so hatte die bildliche Vergleichung nur auf mich Bezug; ich ge- Hörle zu den„dürren Schmelen"; ich hatte dem Aktien- Verein eine Reihe von Jahren mit meinen Kräften genützt.Zzur Zeit meiner Arbeitsentlassiing aber war ich nicht nur entkräftet, sondern körperlich so geschädigt, daß Direktor Oppe wohl annehmen dürfte, daß tth nach Verlauf einiger wen. gen Jahre der KnappschaflSkasse als Pen- ftonär zur Last fallen würde und müßte; sonach erachtete er es für da« Uugstc, mir Arbeit nicht mehr zu ertheilen, um die KnappschastS- fasse gegen meine späteren Ansprüche zu schützen. Kurz Lffeubach a. M., d. 29. Dezebr. 1871. Maßregelung. Am Morgen d-s 28. ds. gingen die hiesigen Hutmacher wie gewöhnlich an ihre Arbeit. Keiner dachte sich etwas. Kurz vor Mittag ließen die beiden hiesigen Fabrikanten ihre Arbeiter zusammen kommen und eröffneten denselben: Daß sie aus dein Hut- macher-Verein austuscheiden hätten, indem sie keinen Arbeiter der diesem Verein angehöre, fernerhin beschäftigen würden. Zum Neber- fluß erhielt jeder Aibeiter einige Exemplare des hier beiligenden Blattes Daß die Hutmacher auf solche schroffe Zumuthung nicht eingingen, ist selbstverständlich, und sind deßhalb sämmtliche Arbeiter der beiden Fabriken darunter viele Familien Väler arbeitslos. Mittags kamen schon Depeschen von Ulm und Kehl, worin gemeldet wurce, daß es dort grade so sei wie hier, die Kollegen aber den Kampf bis aufs Aeußerste aufnehmen würden. Dies ist der wahre Sachverhalt und noch will ich bemerken daß viele von den Hutmachern voriges Jahr im Felde standen und jeden- falls viel mehr für die Interessen der Fabrikanten als für ihr eigenes Interesse, und jetzt behandelt man dieselben auf so schmähliche Weise, N. Köhler, Mühlgasse 4. DaS in Obigem erwähnte Schriftstück lautet: A,i unsere Arbeiter'. Obgleich im vorigen Jahre die Hutmachergesellen bei der Gründung ihres allgemeinen Vereins niehrsach öffentlich erklärt haben, daß dieser Verein lediglich zur gegenseitigen Unterstützung in Roth- und Unglücks- fällen bestimmt sei, so treten doch in den inzwischen bekannt gewordenen Statuten, in der Zeitschrift des Vereins, in dem brieflichen Verkehr der einzelnen Brüderschaftene und in dem Gebahrcn(!) der Arbeiter an mehreren Orten ganz ander unzweideutige Tendenzen an den Tag, welche die Ordnung in den Fabriken untergraben, ruhige, zufriedene Arbeiter aushetzen, Uebergrifse in die Rechte der Hausherrn anstreben, altes verrostetes Zunftwesen wiedcraufrichtenund die freie Entwickelung(I) des ganzen Industriezweiges ernstlich bedrohen.— W, rUnterzeichnete, die wir mit unseren Arbeitern nicht aus ewigem Kriegsfuß, sondern in friedlichem Verhältniß leben und arbeiten wollen, sind dcßhalb übereingekommen, von heute ab keine Arbeiter mehr in unseren Fabriken zu'beschäftigen, welche jenem in Leipzig gegrüildeten allgemeinen Ge- sellenverein oder einem anderen ähnlichen, als Mitglieder angehören und kein Zeugniß ihres letzten Arbeitgebers besitzen. Indem wir diesen unabänderlichen Entschluß hiermit kund geben, fügen wir noch die ausdrückliche Versicherung bei: 1) daß wir nicht auein die seitherigen Arbeitslöhne beibehalten, sondern in dieser Beziehung den jeweiligen Verhältnissen billiger Weise stet» gerecht werden wollen; 2) daß wir den in unseren einzelnen Fabriken bestehenden Unter stützuugS- und Krankenkassen in jeder Beziehung, wie bisher, förderlich sein wollen, und sind wir lebhast überzeugt, daß sich dadurch die bei uns verbleibenden Arbeiter bei freier Verfügung über ihren wöchentlichen Erwerb ohne Zweifel wohlcr befinden werden. Am 27. Dezember 1871. F. Mayscr und Svhu in Ulm. Gnst. Schweis in Ofsenburg Kranier nus Söhne in Lahr. Rehfuf; und Comp, in Kehl H. Schuchard in Darmstadt. C Röffler in ftmnau. F. W. Mar ttui und Sohn in Offenbach. Ludwig und Comp, in Niederrad Ph. Möckel in Honibura. Gebr Merck in Offenbach. Gebr ÄelftuS in Darmstadt. Aug. Schatte in Altenburg. (Das Ansinnen der Hulfabrikanien ist ein so freches und die Sachl der Hutmachergesellen eine so gerechte, daß unsere Parteigenossen nich zaudern werden, was in ihren Kräften steht, für die Offenbacher Brüder zu thun, denen die reaktionäre Bourgeoisie das ohnehin so kärgliche, zubemessene Vereins-und Coaliffousrecht gänzlich zu entreißen sucht. -- R. d. V.) rn Wir enipsehlen unfern Parteigenossen folgende sozial-dcnio kratischen Blätter deutscher Sprache: „Der Bolkswillc". Organ der österreichischen Sozial- demokratie; erscheint wöchentlich 1 mal zu Wien und kostet vterteljährlich 12 Ngr. Die Tagwacht." Organ der Schweizer Sozialdcino- kratie; erscheint wöchentlich 1 mal zu Zürich und kostet viertel- jährlich 8 Ngr. „Der Borbote." Organ der deutschen Sektion der internationalen Arbeiter-Assozialion; erscheint inonatlich 1 mal Genf und kostet jährlich 10 Ngr. „Das Felleiseu". Organ der deutschen Arbeitervereine der Schweiz; erscheint monatlich 1 mal zu Zürich und kostet jährlich 10 Ngr. „Die Rentesis", erscheint monatlich 2 nial zu Schon- dau und kostet vierteljährlich 10 Ngr. „Hamburg-Altonaer Bollsfrcitnd", erscheint wöchent- lich 1 mal zu Hamburg und kostet vierteljährlich 10 Ngr. Ferner folgende täglich erscheinenden Blätter: „Der Dresdner Volksbote", kostet vierteljährlich 18-/. Ngr. „Der Crimmitschauer Bürger- und Bauern- freund" kostet vierteljährlich 12% Ngr. „Die Chemnitzer Freie Presse" kostet vierteljährlich mit der satirisch-belletrislischen Sonntagsbeilage„Der Nußknacker" 1ü Ngr. „Ter Brauuschweiger Bolksfrennd" kostet vierteljährlich 15 Ngr. „Die Demokratische Zeitung", Berlin, kostet vierteljährlich in Berlin 1 Thlr.'6 Gr. auswärts 1 Thlr 10 Gr. Briefkasten der Expedition: Marcov in Pancsevo f. Schrift und Wonn. 7 Thlr. erh.; Peter W. in Pest f. Aboan. 25 Gr f. Schrift 19 Gr. Milke Berlin die Annsnce f. letzte Nummer zu spät; haben 7 Gr. gut, 3 Gr. f. frühere Annonce erh.: I. Pier in Aachen: warum nicht bei der Post bestellen, da dies doch billiger? Kreuzbandsendung kostet 25. Gr. Dotzauer in Zwickau 26 Thlr f. Abon. 4. Quartal erhalten Fiedler in Leisnig, zur Filialezped'tion bedürfen Sie mindestens 25 Abonnenten. Zur Abrechnung des Chemnitzer Centralkomitee's. Unter der von Zwickau an das Chemnitzer Central-Komitee ge. sandten Unterstützungsgeldirn sind 2 Thlr. 9 Ngr. von der Gesellschaf' Eintracht gesteuert worden. Vervters. Die Parteigeuoffen werden ersucht, alle uns zu sendenden Briefe zu adressireu An Pet. Schlebach. S. A. nie du pont Nr. 2 VervierS. Die Parteigenossen zu Verviers. Soeben ist erschienen: 'S geht los aber nich— mit Chassepots, von H. Zilger, Dresden. Freunde eines gesunde» Humors, werden hierauf aufmerksam gemacht, a Exemplar 1% Ngr., bei Abnahme von 30 Exemplaren' 33' Wo Rabatt. Adresse: Heinrich Zilger, Dresden, Reitbahnstr. 5, Hof, parterre. Der allgemeine Arbeiterkalender heralisgegebei, von Joseph Dittrich und A. Otio-Walster ist sieben in zweiter Auflage erschienen, ä Stück 3 Gr. Bestellungen a» dir Expedition des„Dresdner Bolksboten" grosse vrndergaffe Nr. 11 S.«tage zu richten. Pailicpreis 25 Stück 2 Thlr gegen Einsenvung des Betrags, oder Postvorschuß. Ausländische Besteller erhalten die Kalender ungesteinpelt, (um Stempelbetrag billiger) und haben dieselben bei Ihrer St-nerbe- Hörde abstempeln zu lassen. Zur Rott;. Dieser Tage erscheint Castelars Rede in Separat-Abdrnck und ist durch die Expedition des Dresdner Volksboten zu beziehen._ rcmidc des Fortschritts! n l a d u n g zum auf Abonnements U „ConMolislog.' Organ des Verbandes freireligiöser Gemeinden und Vereine Sachstiis und der angrenjeiideil Landrstheiit. Erscheint am 8. und 22. jeden Monats in Dresden.— Vierteljährlicher Abonnementspreis 5 Sgr.— Bestellungen durch alle Posta»- ____' stalten._ Einladung zum Abonnement auf die „Demokratische Zeitung" in Berlin. � Die„Demokratische Zeitung' beginnt ein zweites Quartal. Sie richtet an alle Freunde der Bvtkssache, an alle Diejenigen, welche es ehrlich mit dem Volke und seiner Freiheit meinen, die dringende Bitte, mu allen Kräfte» für ihre Verbreitung einzutrete» und ihr immer weitere Kreise zu erschließen. Mehr denn je ist heute die Existenz eines demokratischen Blattes in der Hauptstadt Deutschlands eine Nothwen- digkeit, doch nur durch die regste Unterstützung von Nah und Fern ist es möglich, die„Demokratische Zeitung" der freiheitlichen Arbeit zu erhalten Die„Demokratische Zeitung" erscheint wöchentlich 6 mal. � Der Abonnementspreis beträgt für Berlin vierteljährlich 1 Thlr. 3 Sgr., monatlich II Sgr., wöchentlich 2 Sgr. 9 Pj.; für auswär- tige Abonnenten 1 Thlr. 19 Sgr.— Die JuscrtionSgebühren werden pro 4spaltig- Petitzeile mit 2 Sgr. 6 Pf. berechnet, Arbeits- markt 1 Sgr. 6 Pf.— vestellungen nehme» alle Postanstalten, Spediteure Berlins, sowie die Expeduion der Zeitung entgegen.— Haupt-Cxpeditio» für Berlin: die Mecklenbjurg'sche Buchhandlung, Kranseitst.aße 41.— Redaktion und Spezial-Krpeditton: Elisabethstraße 15.— Juseraten-Anuahme in dm Expedttione». Berlin, im Dezember 1871. (3» 2 C. Lübeck, Herausgeber und Redakteur der„Demokratischen Zeitung." Der Crimmitschauer „Biiraer- i nd Bauernsrcund" (Nr.«30, ieite 18 des Poft-Zeitungsratalogs für 1871), täglich erscheinendes Organ der Demokratie, bringt Original-Leitartikel, Original-FeuilletonS, fowie zahlreiche Nachrichten aus Sachsen und T huringe». Preis vierteljährlich nur 12'/, Sgr.(44 kr. süddeutsch) einschließ- lich Postgebühr._______(3�2_ „Deutscher Demokrat" in München(ftllh-r in Kaiserslautern) billigste demokratische Wochenschrift, lanter Originai-Znlialt, Verbreitung über ga») ventschland. Das Blatt erscheint zeden Samstag und kostet vierteljährlich blos 18 Kreuzer mit Einrechnung bcs Postzuschlages, in Norddeutsch- land 6 Sgr. 9 Pf. Alle Postanstalten und Postboten Deutschlands nehmen Bestellungen an. Größere Bestellungen effektuirt auch die Expedition. SM" Die Kolportage ist polizeilich verboten. (2) 2 Die Administration des. Deutsche« Demotrat". Frankfurt a M. lozialdemokra Die Mitglieder der �ozialdemokratlschen Arbeiterpartei ver- ämmeln sich regelmäßig alle Montage Abends 9 Uhr im„Gasthaus zur Stadt Kreuznach" Dominikanergaffe 10.(12) a_ Für München. Eine Fi lial- Expedition des„Volksstaat" bestndet sich auch für 1_.____ j � r e o �7.rt.- O: � r... l»»,,, l,« ,« s. ,......... r- das l. Quartal 1872 wie bisher in meinem Laden in der Kreuzga sse und nehme Abonnements fürs 1. Quarial und auch Monatabonne nents entgegen, auch sind einzelne Nummern bei mir zu haben. (2) 2 Altschäffl, Uhrmacher. Für Leipzig. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Bersammlung Dienstag,� den 2. Januar in der Restauration von Hascher Roßptatz Nr. 9 Trianon-Saal. Tagesordnung: Chemnitzer Laiides-Versammluilg. Der nächste _ Kongreß der Holzarbeiter. Für Leipzig. okr, Ioztal-demokratischer Arbeiterverein. Freitag, den 5. Januar Abends 8 Uhr: Versammlung im Saale der„goldenen Säge"(Restaurant„Vicloria") Ecke der Dresdner- und Laiigeiiltraße. Tagesordnung: Sozial- potilifcher Wochenbericht zc. Gäste sind kreundlichü willkommen._ Der Vorstand. Die Filialexveditionen werden ersucht, Geld und Abrechnung sofort eiuzu- senden. Die Expeditton des„Bolksstaat." Leipzig: Verantw. Redaclcur A. Hepil er(Redaclion u. Expebilion: Hohestr' 4) Druck u. Verlag von F. Thiele.