M 2. Sounavcnd. den s. Ja«««». 1872 Erscheint«Zchentlich 2 mal in LeiHzi». Distellungen nehmen alle Postanstalten und Luchhand- lungen de» In- und Aull- lande! an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: «. Bebel, Petersstraß- 18, F.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Abonnementspreis: Kür Preußen incl. Stempelsteuer IK Ngr, für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Zilialerpedition für die Ber» «tmgteu Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der soM-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationaten Gewerksgenossenschasten. Am k. und 7. Januar Landesversammlung der sächsischen Sozialdemokraten in Chemnitz. A« die Parteigenossen. Unter heutigem Datum sind an alle Orte neue Ab- rechnungsformulare versandt. Die Parteigenossen sind nochmals dringend aufzesordert, bis spätestens dem t.5. Januar die fälligen Gelder einzusenden, damit der Kassirer im Stande ist, über die ersten vier Monate der Verwaltung,(September bis Dezember incl.) einen möglichst vollständigen Kassenbericht zu veröffentlichen. Wir hoffen, daß jeder Ort unserer Auss. cde- rung vom 15. Dezember nachkommen und Sorge tragen wird, nicht zu den säumigen zu zählen. Hamburg, den 30. Dezember 1871. Th. Uorck, Sekretär Kl. Schäferkamp 46a. __ H. Bennete, Kassirer Kl. Schäferkamp 34 Ein Biedermann. tt. In der Brockhaus-Biedermann'schen„deutschen Allgemeinen Zeitung" vom 3. Januar ist aus dem„Volksstaat" die Notiz abgedruckt:„der Exsozialist Biedermann veröffentlicht nach- träglich geheime Beschlüsse der Londoner International- konserenz. Natürlich gefälscht zu Nutz und Frommen der gewiegten und ungcwiegtcn Demagogenschnüffler!" und mit fol- gender Biedermanniade begleitet: „Natürlich"! Wenn Hr. Liebknecht oder Hr. Bebel daS sagt, so ist es„natürlich" wahr, denn„Brutus ist ein ehrenwerther Mann". Bielleicht gibt es aber doch Leute, die nicht so verblendet sind, alles zu glauben, was im„VolkSstaat" steht, ja sogar einzelne, die gerade das nicht glauben, was da st-ht. DaS neue Prädikat„Ersozialist", das uns hier beigelegt wird, legen wir zu den übrigen. DaS Lexikon der Herren muß an solchen Eigenschaftswörtern, womit sie uns beehren, sehr arin geworden sein, daß sie zu einem greisen, daS von allen am wenigsten einen Sinn hat. Herr Biedermann meint also, daß das ihm beigelegte Prädikat„Exsvzialist"„von allen am wenigsten einen Sinn hat." Wahrhastig, der Mann hat ein schlechtes Gedächtniß. Im„Album fürs Erzgebirge"(Bon Mitgliedern des Schrift- stellervercinS. Leipzig. Brockhaus und Avenarius. 1847) be- findet sich ein Aussatz:„Zur Karakteristik deS Sozialismus und Kommunismus nach ihren� unterscheidenden Momenten. Von Karl Biedermann", in dem sich folgende Stelle befindet: �-,Jm jetzige« Bertehr ist es oftmals der bliude Zufall oder gar die rohe Gewalt und verjährtes 11«- recht, was die Bertheiluug der Arbeiten uud der Ge- «üffc regiert, was dem Eine« die schwere Arbeit, den» Andern den leichten Genusz zuwirst, den Einen zum Herr« der Arbeitskrast von hundert Andern, Diese dagegen zu Dienern und Sklaven Jenes macht. Im jetzigen Berkehr zieht oftmals der mühelose Besitz den besten Theil des Gewiunstes an sich, während die mühevolle Arbeit nur einen kärglichen Lohn da- vouträgt; wird oft die luftige Kunst, die einem eitlen Sinueurausche fröhut, mit Tausenden belohnt, während die schwielige Hand des Arbeiters, die das Noth- wendigste für die Gesellschaft bereitet, ihm selbst kaum die-.vthdürftigste Existenz zu schaffen im Stande ist. -„Von dem allerrohesten Kommunismus, dem sogenannten Theilungekommunismu! oder dem System der gleichen Ver- theilung aller Güter unter die Menschen, spreche ich hier nicht, da diese Form einer weit frühern Stufe der Gesittung angehört, gegenwärtig aber von keinem einzige« kommuuistt- scheu Systeme adoptirt wird. „Die Sache praktisch betrachtet, scheint also so Viel ge- wiß, daß, wenn überhaupt eine völlig veränderte Organisation der gesellschaftlichen und BerkehrSverhältnisse früher oder später nothwendig werden sollte(eine Möglichkeit, die ich wenig- stens nicht unbedingt leugnen möchte), diese uns zunächst wohl nur zur Gestaltung der Dinge im Sinne deS Sozialis- MUS jühren dürste, d. h. zu einer rationelleren Regelung der Arbeits- und Erwerbsverhältniffe, jedoch mit Bei- beHaltung des Grundverhältnisses �.selbst, der direkten Bezie- hung zwischen der Produktion und Konsumtwn des Einzelnen, und daß es dann erst wieder einer weiteren, vielleicht sehr langen Bildungszeit bedürfen möchte, bevor es der Gesell- schast möglich werden könnte, auch diese Schranke uiederzureltzen und die letzten Konsequenzen des Frei- heitsgedaukeus, wie der Kommunismus sie aufstellt, zu verwirklichen." Das schrieb der Exsozialist Biedermann 1847. Das Prädikat„Exsozialist" hat also doch wohl'„einen Sinn"! Höchstens könnte Herr Biedermann sich beschweren, daß wir ihn nicht Ex- Kommunist genannt. Im April 1848 bekannte sich Herr Biedermann auch offen als Republikaner. Obschoner im Vorparlament gegen das direkte Wahlrecht stimmte, erließ er am 27. April ein politisches Glaubensbekennlniß, worin er, weitergehend als die meisten damaligen Radikalen, die Republik„nicht nur in der Idee als die vollkommenste, naturgemäßesteStaatsform" anerkannte, sondern auch seine Ueberzeugung aussprach, daß die Republik„recht wohl, und zwar auch bei uns, prak- tisch zu verwirklichen sei."(Diese Belehrung über den früheren politischen Standpunkt des Herrn Biedermann ver- danken wir einein Aufsatze der Robert Blum'schen„Vaterlands- blätter" vom Jahre 1849, Str. 230, betitelt„Wandel eines Ehrgeizigen.") Die obigen Citate über den Sozialismus und Kommunis- mus hatten wir bereits vor einem Vierteljahr, in unserer Nr. 74, abgedruckt, ohne jedoch den Namen des Autors offen zu nennen; wir deuteten ihn damals nur an, indem wir den Ge- lehrten, welcher sich zu den Prinzipien der Internationalen be- kannt hat— das Datum 1847 verschwiegen wir gleichfalls — als„Geschichtsprofessor an der Leipziger Universität" be- zeichneten. Aus jene Provokation schwieg aber Herr Bie- dermann mäuschenstill, obschon Inserate in dem„Leip- ziger Tageblatt" die ProfessorenRoscher undWuttke als die muthmaßlichen Verfasser jener Aussprüche über den Sozialis- mus und Kommunismus dem Publikum denunzirten, und obschon alle Welt neugierig war, zu wissen, wer denn eigentlich der Sozialdemokrat sei, den die Leipziger philosophische Fakul- lät in ihren heiligen Hallen beherberge. Durch die Frucht- losigkeit unseres Appells)an das„Gewissen" des Herrn Bieder- mann noch nicht entmuthigt, begannen wir— nach mehrwöchentlicher Pause— unsere Polemik mit demselben wieder und siehe da!.— bei so geringfügigen Anlaß wie dem Prädi- kat„Exsozialist"— fiel er hinein. Er lesugnet, jemals Sozialist gewesen zu sein, und wir überführen ihn vor aller Welt des Gegentheils, überführen ihn einer Hand greiflichen, groben Lüge.— Das ist der„Biedermann", der „nur Ein Mal in seinem Leben eine Unwahrheit gesagt"- haben will.— Was nun Biedermann's Leugnung betrifft, daß die von der„deutschen Allgemeinen Zeitung" veröffentlichten„geheimen" Konferenzprotokolle gefälscht seien, so erklären wir hiermit, daß wir durch den Londoner Generalrath ermächtigt sind, das Machwerk der„deutschen Allgemeinen Zeitung" für eine Polizei- ausgabt der(nicht geheimen) Konferenzbeschlüsse zu erklären. Die Fälschung ist übrigens so plump ausgeführt, daß wir nicht erst den Brief von London abzuwarten brauchten, um sie zu denunziren. Ganz abgesehen vom Wortlaut der(, Beschlüsse", die eine sehr unkundige und übereifrigeHand verralhen(pas trop de z&le, Hr. Biedermann!), sind die Unterschriften unrichtig; und ferner wird von einer„sp ätercn Konferenz" gesprochen, in der die Biedermanniade angefertigt sein soll, während es jedem mit den Verhältnissen einigermaßen Ver- trauten bekannt ist, daß nur eine Konferenz stattgefunden hat und statututenmäßig stattfinden konnte. Wenn ein paar Stieber und Biedermänner sich zusammensetzen, so ist das keine Kon- fcrenz der Internationalen. Politische Ucbersicht. Wie unsere Leser wissen, brachte Fürst Bismarck auf der Salzburger Conferenz die soziale Frage zur Besprechung, und soll er sich dort mit seinem Freund-Feind Beust dahin verständigt haben, daß man die soziale Frage„studiren" und auf Grund der zu machenden„Studien" eine„Lösung", d. h. Ausbeutung derselben im Bismarck-Beust'schen Interesse an- bahnen müsse. Man munkelte von Denkschriften, die gewechselt sein sollten, und ganz neuerdings verlautete aus Berlin, daß dort im Handelsministerium Konferenzen über zu treffende Maaßregcln abgehalten worden seien, an denen u. A. auch Hr. Max Hirsch Theil genommen habe. Hr. Max Hirsch, der sich auf diese Weise von der Fama zum Regierungssozialisten befördert sah, hat in einer Erklärung gegen den„Neuen Sozialdemokrat" heftigen Protest erhoben und jede Betheiligung in Abrede ge- stellt. Wir müssen ihm glauben. Dagegen ersehen wir aus der letzten Nummer der Berliner„Volkszeitung", daß der Lehrer und Chef des Hrn. Max Hirsch, der Ex-Allv-rehrte Schulze wirklich in Regierungssozialismus macht. Das Organ des Hrn. Schulze schreibt nämlich('Nr. 1. vom 3. Jan.): „Wir haben bereits früher der Konferenzen erwähnt, welche der Herr Handelsminister in seinem Ministerium mit Abgeordneten und andern Personen über die Behandlung der sozialen Frage abgehalten; während es damals auffiels!!), daß der Abgeordnete S ch ulz e- Delitzsch zu diesen Berathungen nicht zugezogen war, vernehmen wir jetzt, daß der Herr Minister denselben noch kurz vor dem Eintritt der Weihnachtsferien des Abgeordnetenhauses allein zu sich einladen und im Beisein eines Regierungsrathes und unter Ausnahme eines Protokolls längere Zeit mit ihm verhandelt hat. Der Besprechung war ein schriftlich sormulirtes Programm des Ministeriums zu Grunde gelegt, welches von der Voraussetzung ausging, daß die zu erörternden Aufgaben solche sein müßten, zu deren Er- üllung der Staat seiner Natur nach berufen sein kann. Auszuschließen sei daher: 1) die Erörterung der Wissenschaft- lichen Kontroversen(was sich bei einer Verhandlung mit Schulze von selbst versteht. R. d. V.), welche dem Streit der Sozialiften mit ihren Gegnern zum Grunde lägen, 2)- die Erwägung von Maßregeln, durch welche eingegriffen würde in die wirth- chaftlichen Bedingungen der Produktion und der Kapitalbildung, ein Eintreten des Staates in das Gebiet der Privatwirthschaft init seinen finanziellen Mitteln, mit seinem Kredit oder durch Anwendung, von Zwang zu Gunsten �gewisser Geschäftsformen (Produktivassoziationen u. f. w.), 3) das Einmischen desselben in die Regulirung der Lohnsätze und fdie Vertheilnng des Ge- chästsgewinnns zwischen Unternehmers und Arbeiter. Es seien dagegen zur Erörterung zu stellen: 1) Belehrendes?) Maßregeln zur Versöhnung der Gegensätze und zwar in Bezug auf die Arbeitgeber über ihr eigenes Interesse an Befriedigung begründeter Anforderungen der Arbeiter und an der Fürsorge für ihr Wohlergehen, in Be- zug auf die Arbeiter aber Belehrung über das Fehlsame(So?) der sozialistischen Doktrinen, über die Nothwendigkeit der wesent- lichstcn Institutionen der bürgerlichen Ordnung und über die Nothwendigkeit des Zusammengehens mit dem Kapital. 2) Maßregeln zum Schutze der Arbeiter gegen die nach- theiligen Folgen der Konkurrenz, ein Maximum der Arbeits- zeit(ob auf eine solche einzugehen?), Ausschließung der Sonntags- arbeit— Schutz der Kinder und jugendlichen Arbeiter gegen Ausbeutung in Fabriken— Schutz der Frauen in Fabriken — Kontrole unbilliger Fabrikordnungen, Sicherung vor Ver- letzung(Unfalloersicherungen), Sicherung der Freiheit, die Ar- beit nach kurzer Kündigung zu verlassen,; Sicherung richtiger Lohnzahlung u. s. w., Bestellung besonderer Organe zur Auf- ficht über die Ausführung der in obigen Richtungen zu erlassen- den Vorschriften(Fabrik-Jnspektoren). 3) Maßregeln zur positiven Hebung der arbeitenden Klassen und zwar durch Unterricht(Mllhler!): Volksschule(Schul- regulative!) Fortbildungsschule(Mühler!), Haushaltskunde für Arbeiterfrauen und Mädchen, Volksbibliotheken(Mühler!), Lese- stuben, sodann durch Sorge für Befriedigung der Lebensver- Hältnisse: Wohnungsfrage, Konsumvereine, Speiseanstalten, ferner die Mittel zur Kapitalansammlung von Sparkassen, Lebensver- sichcrungen Baugenossenschaften, und als Vorsorge für Unglücks- fälle: Krankenkassen, Jnvalidenkassen. 4) Maßregeln zur friedlichen Erledigung von Streitig- keiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern: Einigung s- ämter— Schiedsgerichte. 5) Endlich etwa zu ergreifende Repressiv-Maßregeln gegen die Arbeiter wegen Mißbrauches(!) der(Stieber-Bis- marck-Mllhler'schen) Freiheit und zwar gegen Anwendung von Gewalt bei Ausübung des Koalitionsrechtes, gegen un- befugtes Verlassen der Arbeit und endlich gegen sozialistische Agitationen." Wir ersehen aus diesem Bericht, 1) daß der �Fortschritts- mann Schulze„längere Zeit"„allein"— nur„im Beisein eines Regierungsrathes"!— mildem reaktionären preußischen Hau- delsminister„verhandelt" hat, was sehr, sehr verdächtig ist; 2) daß der Selbst hilf ler Schulze über„Aufgaben" verhandelt hat, „zu deren Erfüllung der Staat seiner Natur nach berufen sein kann", was einer offiziellen Bankrotterklärung der„Selosthilfe" so ähnlich ist, wie ein Ei dem andern; 3) daß es„belehrende Maßregeln" gibt(z.B. daß man einen, nicht an die„Ver- söhnung der Gegensätze" glaubenden Arbeiter in's Loch steckt?); 4) daß die Hirsch- Duncker'schen Einigungsämter sich der Gnade des Preußischen Reaktionsininisteriums erfreuen, so daß also Mar Hirsch, wenn auch nicht Regierungssozialist, doch Mann des Regierungssozialismus ist, also Aussicht hat, trotz seines „verfehlten Berufs" es, gleich Hrn. Mühler, noch„zu etwas zu bringen". Und 5) endlich, daß sich die Spitze ber Ber- Handlungen, welche Hr.Schultze„allein" mit dem Preußischen yandelsminister gepflogen hat, sich gegen den gemeinsamen Wauwau:„die sozialistischen Agitationen" richtet.„Arm in Arm mit Dir(Jtzenplis), so fordr' ich mein Jahrhundert (die bösen Sozialdemokraten) in die Schranken" kann jetzt der „allverehrte" Regierungssozialist Schultze singen.— In Paris wird augenblicklich, aus Anlaß der in diesen Tagen stattfindenden Ersatzwahlen für die Ralionatversamm- lung, seitens der Demokratie stark für das imperative (bindende) Mandat agilirt. Das radikale Wahlkomitee der Rue Brea hat folgendes Manifest erlassen: „In Anbetracht, daß das imperative Mandat da! einzige Mittel ist, welches dem Willen deS Wahlkörpers Geltung verschafft und den- elben dem persönlichen und interessirten Willen des Abgeordneten überordnet; in Anbetracht, daß die Mehrzahl der Kaudidaten, einmal gewählt, die Absichten ihrer Wäbler, deren Bevollmächtigte sie sind, hintansetzen, haben die unterzeichneten Wähler folgendes Programm aufgestellt, welches sie in der Nationalversammlung von dem am 7. Jan. 1872 zu erriennenden Deputirten vertreten wissen wollen. 1) Desinitioe Proklamirung der Republik. Unverzügliche Auflösung der gegenwärtigen Nationalversammlung und binnen kürzester Frist Wahl einer konstiluirenden Versammlung zur Ausarbeitung einer re- publikanischen Constitution. 2) Rückkehr der Regierung nach Paris. 3) Unverzügliche Aushebung des Belagerungszustandes in Paris und den Departements; allgemerne Wehrpflicht. 4) Unentgeltlicher obliga- torischer und weltlicher Volksunterricht; unentgeltlicher uud weltlicher Unterricht in der Mittelschule. S) Absolute Trennung der Kirche vom Staat; Bezahlung der Priester eines jeden Kultus ausschließlich Denen obliegend, die sie verwenden. 6s Äbiolute Freiheit der Presse, deS Vereins- und Versammlungsrechts. 7) Ernennung der MaireS(Bürger» meifter) und Adjuricten«.Beisitzer) aller Gemeinden ohne Ausnahme durch Wahl. 8) Zurückgabe aller Geschäfte an das Departement, da! Arrondissement, den Kanton und die Gemeinde, die in ihren Wir- kungskreis gehören. 9) Reform des Richterstandes; Ausdehnung der Attributiorien der Jury(der Geschwornen). 10) Proportionirre Ein- kommensteuer. 11) Amnestie für alle politischen Vergehen. 12) Aus- schließung der Mitglieder der Familien, welche je in Frankreich regiert haben, von allen ossentlichen Aemtern. 13) Ausrechthaltung der D-cret- von 1852 rücksichtlich der Güter der Familie Orleans. 14) Das obige Programm ist ein imperatives Mandat, welches jeder Kandidat annehmen' muß. 15) Zur Bekräsligung des imperativen Mandats ist der Deputirle beauftragt, von der Kammer die Gleichstellung des- selben mit dem bürgerlichen Mandat zu verlangen, damit jede Ver- letzung desselben vor Gericht gebracht werden könne." Ein uationalökonomischer Vortrag. (Gehalten im Bnliner Demokratischen Arbeiterverein.) (Fortsetzung.) Folgen wir nun den Marx'schen Untersuchungen: Alle Dinge, die die Menschen sich aneignen oder erzeugen, haben einen Werth, denn ein durchaus werthloses Ding wird kein Mensch haben wollen. So weit die Sachen nun nützlich sind, zu irgend einem Zwecke brauchbar erscheinen, haben sie für den Menschen einen Gebrauchswerth. Robinson auf seiner ein- samen Insel schafft sich durch seine Thätigkeit nur Gebrauchs- werthe, und wie ihm, ist es auch wohl den Menschen in frühesten Zeiten allen ergangen. Durch die Theilung der Ar- beit ist es aber dahin gekommen, daß die Menschen nicht für sich, nicht für ihren eigenen Gebrauch die Gegenstände ihrer Kunstfertigkeit schaffen, sondern sie arbeiten in der Absicht, ihre Produkte gegen andere umzutauschen, die sie selbst nicht haben, aber gebrauchen. Es ist selbstverständlich, daß man nur solche Gegenstände, Sachgüter, eintauschen und vertauschen wird und kann, die Gebrauchswerthe find; man darf aber nicht glauben, daß Tanschwerth und Gebrauchswerth ein und dasselbe seien. Der Gebrauchswerth ist die zur Befriedigung menschlicher Be- dürfnisse den Gütern anhaftende natürliche Eigenschaft derselben; der Tauschwerth dagegen ist etwas Anderes, erst aus den ge- sellschastlichen Verhältnisien Entstandenes. Es giebt Gegen- stände, wie z. B. die Luft, der Sonnenschein, welche für die Menschen den allerhöchsten Gebrauchswerth haben,— denn ohne Luft und Sonnenschein kann der Mensch ja nicht eftstiren—, denen aber kein Tauschwerth anhaftet. Festzuhalten ist, daß der Tauschwerth einer Sache deren Gebrauchswerth voraussetzt. Letzterer, der Gebrauchswerth, ist der stoffliche Träger des TuuschweNhs. Sehen wir nun zu, worin denn eigentlich dieser Tauschwerth besteht und machen wir uns dies an einem Bei- spiel klar. Es hat, so wollen wir annehmen, ein Weber 20 Ellen Leinwand gewebt und diese gegen einen Rock vertauscht. Wir laffen dabei das Geld, welches heute dieses Tauschgeschä; vermittelt, vorläufig bei Seite und lassen Weber und Schneider ihre Produkte direkt austauschen. Der Weber gebraucht die Leinwand nicht, sonst würde er sie nicht weggeben; ebenso gel es dem Schneider mit dem Rock,— der Tausch kommt aber dadurch zu Stande, daß der Weber den Rock, und der Schnei- der die Leinwand gebrauchen. Es sind also Gebrauchswerthe, die ausgetauscht werden, und beide Theile, Weber wie Schneider, geben diesen gleichen Tauschwerth, sie meinen, derselbe sei gleich groß, denn sonst würde aus dem Geschäst nichts werden. Der Weber vertauscht nun zur Deckung seines Bedarfs wieder 20 Ellen Leinwand gegen 2 Scheffel Weizen, dann gegen 12 Scheffel Kohlen, dann gegen 1 Tisch und so weiter. Wir kommen durch diese Tauschgeschäfte zu dem jeden- falls richtigen Schluß, daß der Tauschwerth von 20 Ellen Leinwand gleich ist dem von 1 Rock, gleich dem von 2 Scheffel Weizen, gleich dem von 12 Scheffel Kohlen, gleich dem von 1 Tisch. Was ist das nun eigentlich für ein Ding, der Tauschwerth, der so verschiedene Sachen gleich groß machen soll, oder richtiger gesagt, der in so verschiedenen Sachen in gleicher Größe enthalten ist? Es klebt der Tauschwerth doch nicht außen an den Sachen, etwa wie der Zettel mit der Preisangabe an den Kleidern in einem Laden;— er muß in den Sachen drinsteckenl Untersuchen wir die einzelnen, von unserem Weber aus- getauschten Sachen näher, sehen wir nach, woraus sie eigent- lich bestehen, was in ihnen steckt. Vielleicht finden wir dabei den Tauschwerth. Die Leinwand war ursprünglich Flachs, der durch Weber- arbeit zu Leinwand wurde; der Rock entstand durch Schneider- arbeit aus Tuch; der Weizen ist eine durch landwirthschaftliche Arbeit erzeugte Frucht; die Kohlen sind ein durch Bergmanns- Arbeit an die Erdoberfläche geschafftes Naturprodukt; der Tisch ist Holz, durch Tischlerarbeit in diese Form gebracht.— Wir können die Materialien, aus denen die ausgetauschten Waaren bestehen, theilweise noch weiter, in ihre Bestandtheile auflösen und werden dabei finden, daß der Rohstoff aus der stiatur stammt; da nun aber, wie wir vorher gesehen haben, die Naturprodukte als solche keinen Tauschwerth haben, so kann in diesem Rohprodukt der gesuchte Tauschwerth auch nicht stecken. Man darf sich nicht dadurch irre machen lassen, daß einzelne Naturprodukte, die in geringer Menge vorhanden, z. B. gefundenes Gold, einen Tauschwerth haben,— wir werden später sehen, weshalb dies der Fall. Wenn nun also der von uns gesuchte Tauschwerth nicht in den Stoffen liegt, so muß er in der Arbeit liegen— wir haben in jedem der Tausch- objekte Arbeit: Weber-Arbeit, Schneider-Arbeit, landwirchschaft- liche Arbeit, Bergmanns- Arbeit und Tischler-Arbeit. Diese verschiedenen Arten der Arbeit sind aber so wenig gleichartig, ihr Unterschied springt so sehr in die Augen, daß sie nicht als gleich werthbildend angesehen werden können. Aber in einer Hinsicht sind sie doch gleich, sie sind alle Bethätigung mensch- licher Arbeitskraft, sind alle besondere Formen„allgemein menschlicher Arbeit." Um Weber zu werden, muß man allge- mein menschliche Arbeit leisten können; durch Unterweisung eines Webers und Uebung lernt man Weben. So ist es mit all den anderen Arbeiten, sie sind nur verschieden ausgebildete allgemein menschliche Arbeit. In dieser„allgemein mensch- lichen Arbeit" finden wir also allein Dasjenige, was in der Leinwand, dem Rock, dem Weizen, den Kohlen, dem Tisch Gleichartiges steckt; wir sind Dem, was den Tauschwerth aus- macht, damit auf die Spur gekommen. Wie sehr auch menschliche Arbeit von einander verschieden sein mag, sie wird immer nur, je nach vem Grade der Schwierig- keit und Langwierigkeit, welcher zu ihrer Erlernung nolbwendig, als mehr oder minder konzentrirle, verdichtete, allgemein mensch- liche Arbeit erscheinen, so daß z. B. die Arbeit eines Kunstschlossers noch dreimal so viel werth erscheint, als die eines Ackerknechts. Da nun jede Arbeit Bewegung ist und jede Bewegung sich nach der Zeitdauer messen läßt, so ist das Maß der Arbeit ebenfalls die Zeit, so erscheint uns in dem Rock die darin enthaltene etwa 12 stündige Schneiderarbeit als so und so viel Stunden allgemein menschlicher Arbeit. Wir hätten also gefunden, daß der in den Tauschobjekten steckende Werth sich reduziren läßt auf die Stundenzahl allgemein menschlicher Arbeit, welche zur Herstellung nöthig war. Rehmen wir nun an, unser Weber habe die 20 Ellen Leinwand in 1 Tage gewebt; sein Nachbar ist fauler, er braucht 2 Tage zu deftelben Arbeit, geht nun mit seinen 20 Ellen zum Schneider und verlangt, da in seiner Leinwand doppelt so viel Arbeitszeit enthalten ist, als in der seines Nachbars, auch den doppelten Werth, also 2 Röcke. Da wird ihm der Schneider antworten:„Mir kann es ganz gleichgültig sein, ob du einen oder acht Tage an der Leinwand gearbeitet hast, durchschnittlich kann man sie in einem Tage fertig machen, und hat sie für mich also auch nur denselben Werth, als ob sie in einem Tage gewebt sei." Der Mann hat recht, nicht die Zeitdauer, welche der Einzelne zur Herstellung der Waare gebrauchte, bestimmt den Tauschwerth, sondern derselbe hängt ab von der„gesellschaft- lich zur Herstellung nothwendigen Zeit." Wir haben also den Werth der Tausch-Objekte gefunden: die in ihnen steckende„ge- sellschaftlich nothwendige, allgemein menschliche Arbeit, gemessen nach ihrer Zeitdauer" ist es, welche den Tauschwerth der Waaren ausniacht. Daß diese Bezeichnung richtig, geht auch aus folgendem Beispiel hervor: Gesetzt, es haben sich zu einer Zeit doppelt so viel Weber an die Arbeit gemacht als früher, es ist doppelt so viel Leinwand da, als gebraucht wird, jetzt sinkt ihr Werth, der Schneider verlangt-10 Ellen für seinen Rock,— denn es war nur die Häiste der Arbeit„gesellschaftlich nothwendig", und es haben daher in diesem Falle 2 Stunden nur so viel Werth, als sonst 1 Stunde erzeugt. Die Gesellschaft braucht eine bestimmte Quantität Weber- arbeit; wird nun doppelt so viel geleistet, so ist die Hälfte über- flüssig, man kann aber den einzelnen Ellen Leinwand nicht an- sehen, welche von ihnen gerade die überflüssig produzirten sind, daher sinkt der Werth jeder einzelnen Elle so gut, wie der Ge- sammtwerth der ganzen Leinwand bis aus die Hälfte des ur- fprünglichen Preises,— ein Fall, den Fabrikant, Kaufmann und Arbeiter bei den durch Ueb erproduktion entstehenden Hau- delskrisen oft genug kennen gelernt haben. Wir wissen nun, daß der Tauschwerth— um die von Marr dafür gebrauchten Ausdrücke hier anzuwenden—„geronnene, festgewordene Arbeitszeit, Arbeitsgallcrte" ist. Wie reimt sich denn aber diese Erklärung damit zusammen, daß ein zufällig gefundener Diamant, ein Goldklumpen, doch unbedingt Tauschwerth haben, und doch hat deren Erwerb dem Finder gar keine Arbeit gekostet? Ich mußte diesen Einwand machen, um den früher ver- sprochenen Beweis zu liesern, daß die von der Natur ausge- botenen Gebrauchswerthe an sich keinen Tauschwerth haben. Der gefundene Goldklumpen hat denselben Tauschwerth, den eine gleiche durch Arbeit aus der Erde gegrabene Quantität Gold be- sitzt, nicht inehr, nicht minder. Er hat den Werth, d. h. also, in ihm steckt so und so viel gesellschaftlich nothwendige Arbeit, als eben solch eine Quantität Gold zu ihrer Gewinnung aus der Erde braucht. Wir können sagen, er hat denselben Werth, den die auf das Goldsuchen verwendete Arbeit darstellt; wäre Gold so häufig, daß man leicht und viel davon fände, so wäre der Werth desselben nicht größer, als heut zu Tage z. B- der des Bernsteins, oder der Kohle. Alle Naturprodukte bekommen erst durch die zu ihrer Gewinnung und Aneignung daraus ver- wendete Arbeit Tauschwerth; das Holz im Urwald hat keinen Werth; erst nachdem es gefällt und abgefahren ist, stellt es einen Tauschwerth dar. Halten wir also den Begriff des Tauschwerths fest: er be- steht in der, in dem Tauschobjekt steckenden, gesellschaftlich nothwendigen, allgemein menschlichen Arbeit. Betrachten wir nun die Art und Weise, wie der Tausch vor sich gegangen ist, so finden wir, daß Waare gegen Waare ausgetauscht wurde; auch wenn, wie bei einem gesellschaftlich ent- wickelten Verkehr, das Geld dazwischen tritt, bleibt dies Ver- hältniß dasselbe. Waare wird gegen Geld, dies Geld gegen Waare ausgetauscht, lind alle dabei betheiligten Personen tauschen gleich große Werthe gegen einander aus. Wenn auch dabei einmal Einer gegen den Andern zu kurz koinmt, es sind die- selben Werthe in der Gesellschaft geblieben, es ist nirgend Mehr- werth hinzugekommen. Unsere weitere Betrachtung bringt uns nun aber zu der Frage, wie denn eigentlich Mehrwerth entstehe, und wollen wir uns dies ebenfalls an einem Beispiel klar machen. Wenn ein Handwerker arbeiten will, braucht er neben seiner Arbeitskraft noch Rohstoff, den er verarbeiten kann, und Arbeitsmittel, d. h. Werkzeuge oder Maschinen, die ihm zur Arbeit dienen. Der Rohstoff, welcher bei seinem Einttitt in die Produktion einen gewissen Werth hat, wird durch die Ar- beit in eine andere Gestalt gebracht; dabei werden die Arbeits- mittel abgenutzt, zuletzt ganz verbraucht durch fortgesetzte Arbeit. Wird z. B. eine Feile durch das Bearbeiten von 50 Schlüsseln ganz unbrauchbar, so ist ihr Werth verschwunden und steckt nun in den 50 Schlüsseln drin, also in jedem einzelnen sitzt i/go Werth der Feile. Ein Mehrwerth ist direkt dabei nicht erzeugt worden, es ist nur ein vorhandener Werth von einem Gegenstände auf den andern übergegangen, hier auf das Roh- Material, wirklichen Mehrwerth hat nur die Arbeit des Schlossers hervorgebracht. Es scheint danach, als könne Mehrwerth ohne eigene Arbeit nicht erzeugt werden, und doch sehen wir, daß hcrtt u Tage der kapitalistische Produktions-Prozeß darin besteht, für Skid Waare zu kaufen und diese Waare gegen mehr Geld wieder zu verkaufen. Die Formel lautet hier nicht mehr: Waare— Geld— Waare, wie beim einfachen Tausch, sondern Geld— Waare— Mehr Geld. Daß es so ist, sehen wir beim direkten Geldverkehr am deutlichsten, wo das Mittelglied, die Waare, ganz fehlt, und Geld gegen Mehrgeld, Kapital gegen Kapital und Zins ausge- tauscht wird. Dabei ist jedoch hier nicht der kaufmännische Verkehr gemeint, in dem ja kein Mehrwerth erzeugt wird, son- dern der Produktions-Prozeß der Waaren, also das, waS im gewöhnlichen Leben die Fabrikation genannt ist. Es würde nun unmöglich sein, Werth zu kaufen und Mehrwerth zu ver- kaufen, wenn sich nicht auf dem Markt eine Waare vorfände, die im Stande ist, aus sich selbst Mehrwerth zu erzeugen; diese Waare ist aber auf dem Markt vorhanden,— es ist die Ar- beitskraft der Arbeiter. Schwerlich würden sich aber die Arbeiter dazu verstehen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, wenn sie für sich selbst produ- ziren könnten; nur dadurch, daß die Arbeiter von den Produktions- Mitteln getrennt sind, also nicht für sich selbst arbeiten können, wird ihre Arbeitskraft Waare. Es liegt irt der kapitalistischen Produktionsweise das Streben,— für das der einzelne Kapi- talist selbst nichts kann, und für welches also den Einzelnen auch kein Vorwurf gemacht werden darf,— die Arbeiter auch für die Folge von den Produktionsmitteln getrennt zu halten, da ohne dies die einzige Mehrwerth erzeugende Waare vom Markt verschwinden würde. Wie sehr dies, den Einzelnen un- bewußt, der Fall, möge folgende Stelle aus Marr beweisen. Er sagt paA. 561; /»In Folge des amerikanischen Bürgerkrieges und der ihn begleitenden Bauinwollennoth wurde bekanntlich die Mehrzahl der Baumwollarbeiter brodlos. Es erhoben sich nun Stimmen, welche verlangten, den überflüssig gewordenen Arbeitern die Mittel zur Auswanderung zu verschaffen. Damals, 24 März 1863, veröffentlichte die„Times" einen Brief von Ed in und Potter, früher Präsident der Manchester Handelskammer. Sein Bftef ward mit Recht im Unterhause als„Das Manifest des Fabrikanten" bezeichnet. Es heißt darin: „„Die öffentliche Meinung dringt auf Auswanderung! Ich möchte die Frage stellen, ist diese Industrie(die Baumwollen- Industrie Englands) wcrth, sie festzuhalten, ist eS der Mühe werth, dieMaschinefte(nämlich die lebendigen Arbeitsmaschinen) in Ordnung zu halten, und ist es nicht die größte Narrheit, daran zu denken, sie aufzugeben! „„Man sagt uns, die Arbeiter selbst wünschen die Emigra- tion! Es ist sehr natürlich, daß sie das thun. Reducftt das Baumwollgeschäft durch Wegnahme seiner Arbeitskraft und was wird dann aus der nächsten Klasse über ihnen? Ermuntert oder erlaubt die Auswanderung, und was wird aus dem Kapitalisten?" „ Die Times trat diesem Briefe entschieden entgegen und erklärte,„die Zeit sei gekommen, wo die öffentliche Meinung etwas thun müsse, um diese Arbeitskraft vor Denen zu retten, die sie behandeln, wie sie Kohlen, Eisen und Baumwolle be- handeln.""—(Fortsetzung folgt.) Die Bourgeoispresse. In Nr. 14 der von Hackländer redigirten illustrirlen Wochenschrift„Ueber Land und Meer"— aus der wir vor einigen Monaten(4. Okt. 71) den famosen Feldbostörief eines deutschen Offiziers abdruckten, welcher sich darüber erboste, daß die deutschen Soldaten den Versaillern zu Gefallen Paris cerniren und„für diese Lausbande" ihr Leben rjskiren mußten — finden wir eine längere,„ästhetisch" sein sollende ftisch- backen? Berliner Korrespondenz, Elwin von Waldow unterzeichnet, in der unter Anderm der Reichstag gefeuilletonl und einige seiner Mitglieder charakterisirt werden. Der Ver- fasser gibt sich den Anschein, als flössen die Urlheile über die von ihm geschilderten Persönlichkeiten aus seiner eigenen und zwar genauesten Beobachtung derselben, und man ist beim Lesen der Korrespondenz nicht abgeneigt, dem Autor die Mühe der Selbstanschauung zuzusprechen; denn wie könnte er, falls er nur vom Hörensagen erzählt, den unangenehm lauten Ton Treitschke's, die unstillbare Beweglichkeit und Lebhaftigkeit Windthorst's u. s. w. u. s. w. so drastisch schildern?— So denkt der Leser anfänglich und so dachten auch wir beim Lesen der ersten Zeilen. Doch bald wurde uns eine Ueberraschung zu Theil, welche uns einen überaus seltenen Ge- nuß bereitete und welche hoffentlich unfern Lesern nicht weniger Spaß machen wird als uns. Es heißt nämlich am Schluß der Reichstagsbetrachtung: „Die beiden Clowns der Versammlung aber sind Bebel und Liebknecht; sie sitzen immer kampsbereit, mit unterge- schlagenen Armen, und sowie sie ihre klanglose, belfernde Stimme erheben, sieht man auf der Zuschauerrribüne die Hoffnung auf ein Zankvergnügen entstehen. Beide sind klein und häßlich; es ist daher unglaublich, das; sie Glinst- linge der Gräfin Hatzfeldt sein solle», einer Dame, welche immer darnach trachtete, für eine Kenuerin von Männer- schönheit zu gelten". Geschätztester Preßturko„von"! Ihre liefe Kenntniß der politischen Tageszeschichte, auf Grund welcher Sie wissen, daß LiebknechtReichstagsabgeordneter ist; Ihr scharfesAuge, mit dem Sie ihn im Reichstag. neben Bebel haben sitzen sehen„kampfbereit, mit unterschlagenen Armen"; Ihr musikali- sches Gehör, welches durch die„klanglose, belfernde Stimme" jenes„Clowns" verletzt worden ist; Ihre gediegene Menschen- kenntniß, nach welcher eine Person von 6 Fuß Länge noch „klein" ist; Ihr ästhetisches Gefühl, welches über die natürliche „Häßlichkeit" der Sozialdemokraten auf's Tiefste beleidigt ist, und Sie bewegt, wenn auch mit der Eleganz eines adligen Kavaliers, Ihrer Standesverwandten, der gräflichen alten dicken Dame, einen leisen Vorwurf zu machen wegen der Verirrung ihres sonst so feinen Geschmacks; endlich und hauptsächlich aber Ihre für einen Zritungsschriftsteller immense Belesenheit in der Tagesliteratur, welche Ihnen die kleine unschuldige Verwechslung erlaubt zwischen Fritz Hatzfeldt geborn. Mende einer- seits und dem Abgeordneten Bebel sowie Nicht abgeordneten Liebknecht andrerseits; alle diese Ihre unschätzbaren Vorzüge, welche bei Ihren Kollegen, den anderen Preßlurko's, nur ver- einzelt, bei Ihnen aber in üppigst strotzender Vollzähligkeit an- zutreffen sind, setzen uns in die angenehme Lage, Sie zum Oberst des ganzen Berliner Preßturkoregiments zu ernennen, worüber hiermit urkundlich Bescheinigung erfolgt durch Unser Sozialdemokratisches Jnsiegel und Unsere Allereigenhändigste Unterschrift. Die Redaktion des„Volksstaat". Znr Plünderung där Deutschen in Frankreich. (Bon Einem, der dm„heiligen Krieg" mitgemacht hau) Vorvorigen Dezember brachten die„Kölnische" und„Nationalzettung" Berichte über die Erlebnisse de» 60. Regiments und die Ueberfälle der Franktireurs in Nogent,(zwischen Langre« und Chaumönt). Von dem wirklichen Thatbestand schwiegen jedoch alle Blätter. E« war am 6. D-zbr. 1870, als von C haum out sur Marne 60 Mann vom 60. Regt, aus kommandirt wurden, nach Nogent souragireu zu gehm, Vice- Feldwebel Hiller— später Lieutnant— war die Führung übertragen. Nachdem wir in Nogent—.25 Kilometer von Chauinont, 13 Kiloni. vonLangres— in einer Bergfestung etwasNahrung zu uns genommen hatten, und Heu und Sttoh am Markt angekommen war, besaht der Feld- webel den Ausbruch; kaum waren wir auf dem Markt, so fielen einige Schüsse und wir wurden überfallen, 2 Vorposten blieben tobt, einer stürzte durch seine Unvorsichtigkeit in einen Abgrund und einer fiel durch langes Verweile» in die Gesangenichast; die andern 56 suchte» ihr Heil in der Flucht, denn voii Benheldsgung war keine Rede, und wären wir dem Feldwebel, welcher nicht der erste unter de» Mulhigen war, gesolgt, so lebte heute keiner von uns mehr; so aber kamen wir des RachtS zu verschiedenen Zeiten und aui verschiedenen Wegen in Ehaumont an.. Nachdem nun die verschiedenen Berichte an den Stadtkommandant(??) (ein sächsischer Oberst) und den Obersten des 60. Regiments(von Tannenberg), überbracht worden waren, wurde sofort beschlossen, den andern Tag dieses Städtchen mit einem Ucberfall zu überraschen. An» 7. Dezbr. früh 4 Uhr brachen 2 Kompagnien(die Leute von der 2. Komp. mußten aber dieselben Strapazen wieder mitmachen, wie am 6ien) und 2 Geschütze auf. Aber die Franktireurs hatten sich nicht überraschen lassen, denn vor der Siadt halten sie eine förm- liche Vorpostenkelte gebildet. Beide Geschütze stellten sich vor der Stadt auf und richteten ihre Mündungen sofort nach oer Mairie. Von der Zweiten Komp. hatte der zweite Zug die Aufgabe, die Stadt links als Vorposten zu besetzen, wo sich folgendes ereignete: Wir standen immer uu Feuer, konnten jedoch nicht endecken, von wo dasselbe kam; endlich bemerkten wir, daß unter den Ziegeldächern der Häuser hervorgeschossen wurde, so daß der Rauch im Innern blieb. Sosort schickte der Vice- feldwebel einig- Leute in ein Hau-, um zu untersuchen. Diese brachten 3 Bürger hervorgeschleppt. Die Frauen, mit ihren Kindern auf den Armen, weinten, man möchte ihnen doch die Ernährer lassen. Ge- nannler Viceseldwebel Gelert, ein Steuerbeamtcr, forschte diese Leute aus, ob Franktireurs im Hause seien, worauf sie verneinend ant- worleten. Die drei Leute sollten nun mitgenommen werden, und als wir durch das Vordringen der Freischützen zurückgehen mußten, befahl der Feldwebel, die drei Männer niederzuschießen; er wollte selbst noch einen mit dem Degm erstechen, kam aber zu spät; sie ba- beten schon in ihrem Blute; die Weiber ließen ihre Kinder fallen und warfen sich verzweifelt über ihre Männer. Der dritte Schützenzug unter Lieutnant Loos mußte bis auf den Marktplatz vordringen, er bekam den Befehl, mehrere Häuser nieder- zubrennen; was diese Leute mitWassen fanden oder in wessen Häu- Inn Wassel, gefunden wurden, ward sofort niedergeschossen; es 'am Befehl, die Stadt zu plündern und dasGeplünderle später abzugeben, und endlich mehrere Geiseln mitzubringen. Dieser Bc- sthl wurde der 2. Komp. vom Hauptmann von Lahr ertheilt. Wir werde» sehen, in wie weil lieser Befehl, welcher von oben 'am, anSgesührt wurde: Alle Thüren wurden eingeschlagen, klin Fenster blieb ganz, aber zum Brennen gab eS keine Zeit, penn eS mußte der Maire gesucht werden, der Geistlich« ent- wischte und der Küster nebst noch 5—6 angesehene» Bürgern mußlin mit. Aber beim Plündern that man sein Möglichstes. In Nogent ist belanntlich eine der größien Messer faorikationen in Frankreich, desgleichen ist die dortige Goldarbeitenfabrikalio n sehr berühmt. Mehrcrc Goldarbeitcrläden, Uhrenläden, sowie Messer- und Jnslru- meruengeschäfte, welche ans dem Markt lagen, wurden ausgeleert, und was die«ootdaic» nicht mit fortbringen konnten, wurde auf das Pflaster geschmissen und zertreten; ganze Brotbeutel v okl Taschenuhren, Schmucksachen, Messern und Instrumenten brachte dieser Zug mit, sogar die Viceseldwebel hatten sich dabei betheiligt. Rcbenbei sah man nun noch die verschiedenartigsten Kleidungsstücke, Strümpfe, Schuhe, Hemden, Wäsche und viele kostbare Sachen, und dies alles war in eurer Zeil von dreiviertel Stunden ge- than. Abgegeben wurde jedoch nichts, obschon es der Befehl ver- laugte. Waren diese Vandalen des IL. Zahihunderts nicht gestört wor- den in ihrem. Morden und Rauben durch daS Hinzukommen der Franktireurs, so wäre wahrscheinlich nicht ein Stein auf dem andern ge- bliebe»; so aber hauen sie nur zu thuii, daß sie die Geiseln noch in Sicherheil brachten. Die Franktireurs halten mehr Muth zum Sterben als die Brandenburger, denn sie drangen bis auf 25 Schritte an uns heran; hätten wir nicht alle die Flucht ergriffen, so wären wir alle in chre Hände gefallen. Einige Geiseln wollten entwischen und wurden basür niedergeschossen. Beim Retirire» halte sich Alles wild aus- gelöst, eine Stunde weiter konnte erst gesammelt werden. Einige Stück Weh hatte man auch mugenamuien. Die Geiseln, welche bis auf drei erschossen war.n, wurden zusammengcbnnden; dem Bürgermeister hatte man die Aus;- nnd Kopfbeklcidung weggenommen; so mußte er ch> Kilometer(bis Ehauinonl) marschteren in Kälte und Schnee. Sollten sich dt« Franzosen dafür nicht rächen? Ja, und sie haben es auch gethan! Am 12. Dezbr. wurde dieses Städtchen mit einen, neuen Ueberfall bedacht; 4 Kompagnien und 6 Geschütze zogen aus; zwischen Langres und Nogent standen einige Regiincnter, daniit ersterer Ort keine Unter- stützung schicken konnte, mithin blieben nur einige hundert Franktireurs in Regent; düse wurden größlentheils niedergeschossen. So hatten die Preußen freies Feld. Was nun am 7. nicht vollendet wer- den toniile, wurde heute gethan. Die armen Bürger hatten sich aus einen solchen Akt nicht gesaßt gemacht. Es wurde alleS erst geplündert, was noch an dewegtichem Etgenthum vorhanden war, sogar die Herren Btcefeldwcbel Geleit, Bau,(ein Bauerssohn bei Wrietzcn an der Oder), Schmiede,(ein Forstkandidat bei Nordhause») hatten sich jeder eine herrliche Reisetasche angeeignet. Dann wurden einige -lst Häuser in Braud gesteckt und eine große Mesjersabrik niedergebrannt. Die Disziplin verbietet sonst bei Todesstrafe solche Ver- brechen uud hier wurden sie besohle».~ Am ersten Wcihnachlsseicilag ging ein Zug(ich glaube vom ?2. Regiment) von Chaumont sur Marne nach Chatillou sur Seine. Einige Stunden weiter liegt an der Bahn ein Dorf, dicht au diesem Torfe hatten es die Franktireurs versucht, den Zug anzuhalten, das Hecht: 160 Schritte davon gaben sie Fcuer nach diesem Zuge, wurden aber von den Preußen verjagt; Letzlere hatten jedoch mehrere Tode. Darauf wurde sofort von der 2. Kompagnie ei» Zug Nach diesem Dorfe geschickt, welcher. Alles in Ordnung brachte und den Bejehl Harle, alle Elnwohncr des Dorfes gesangen zu nehmen, das �-orj aber in Brand zu stecken. Die Soldaten verschonten nichts, auch wenn sie Jemand ohne Waffen trafen; viele Bauern brachte man niil den FrantmeurS in Ehaumont ein, daiDorf wurde ziemlich voll- ständig niedergebrannt. Von jetzt ab mußten bei jedem Zuge einige der angesehensten Männer der betreffenden O.tjchatteii als Geiseln auf der Lokomotive unter Bedeckung mitsahren, im Nothfall, d.h. wenn ein Zug angefallen ward, wurden diese Geiseln sofort erschossen. Kurz nach Neujahr, ich glaube, es war am 2. oder 3. Januar ksttl, fuyr das 60. Regiment von Chaumont per Bahn nach Cha- Ullon. Hier Harle» vor Kurzem die Franktireurs die daselbst liegende Landwehr der Jnsanterie und der Husaren gegen Tagesanbruch über- Mllen; die, welche sich zur Wehr setzten, wurden niedergemacht, die, Welche sich ergaben, gefangen genommen und weiter tranSportirt. Für. Meien Ueberjall mußte die Stadt furchtbar büßen. Eistlich mußte sie' Kontribution in G�ld zählen(wie viel weiß ich nicht mehr genau), zweitens mußte sie alle hier liegenden und nachkommenden Militärs ''halten. Fleisch, Gemüse, Wein, Eognac. täglich 5 Stück Cigarre» pro Plann mußte sie lieser». Auf diese Weise hatten die ersten Preu- °k», welche nach dem Ueberfall dort anlangten, die Stadt ganz aus- Rieert. Als das 60. Regiment binkam, waren alle Läden geschloffen, es war inchls mehr vorhanden, um sie zu öffnen; auch die Läden, weiche offen standen, waren leer, die Fenster und Thüren waren "ugeschtagen; ich fand nach Zählung ewige zwanzig Läden kjou Juwelieren, Uhren- und Schmuckhäiidlerii, aber Alles Kw) i.er. Was nicht von den Soldaten gebraucht ward, wurde °us die L-traße geschmissen und ruinirt.— Für jene oben an- Vsührlen Landwehrgesangcnen wurden von den nächsten Ortschaften erileii Bürger als Geiseln geholt und nach Preußen gebr cht. sind btos Thatsache», was ich hier anführe. Lesen wir aber alle Bourgcoiszciuingcn durch, so finden wir bloß, daß die Landwehr über- kallen woroen ist, und du Franktlreurs ihnen„die Hälse abgeschnitten" Wen. Tie Zahl Derer, denen dies pajfirt ist, gab die„National-" "d„Kölner Zeitung" Mute Dezember aus mehr als hundert an >»e Thatsache aber ist es. daß stch die Landwehr vertheldigt hat u«d nur msotge ihrer Minderzahl unterlegen ist. Nicht find geradezu oen Leuten die Hälse abgeschnitten worden, sondern durch beiderseitigen dasür� �nD tlit'ttb£a""'gotommen. Was konnten aber die Bürger Ich kann mich nicht mehr recht entsinnen: war-S am 21., 22. �3. Januar, als wir in Dole(5 Stunden von der Schweiz) ein- ucklen. Drei Tage zuvor war ein Pommersches Regiment unter General v. Hart mann vor Dole angekommen. Die Garibakdianer und p>e Truppe» von Bourbalt hatten die Gegeno verlassen, Boutbaki war nach der Schweizer Grenze getrieben, Garibaldi nach Dijon. Nur wige hundert Plann Freiwillige vettheidigten die Stadt. Unsere Ge- oh� �tlen nach einer Lolomolive eines absahrendeu Zuge» geschossen, '.kKoß die abfahrende Lolomolive mit einer Kasse davon kam, und diese soll noch in unsere Hände gekommen sein.— Die wenigen Vertheidiger der Stadt mußten sich auch zurückziehen, die Geschütz« hatten furchtbar in den Häusern gehaust. Dann haben unsere Leute ohne Befehl geplündert, aber nicht so arg, wie in andern Orten. Trotzdem mußte die Stadt die Soldaten auch verpflegen. Die Pom- mern hatten furchtbar gchaust, alles ausgeraubt, wo sie in die Quar- tiere kamen. Als wir dann einrückten, fanden wir alle Läden ge- schlössen, im Quartier alles kaput geschlagen. Es befand sich ein Konditorladen in unserm Quartier, aber das Zuckerwerk, welche! die Soldaten nicht genossen hatten, hatten sie auf einen Haufen ge- worfen und mit den Füßen zertreten. Darauf wurde der Beseht vom Major Müller(1. Bat. 60. Rgt.) gegeben, die Läden zu öffnen, und da waren die Bürger mit uns besser als die Deutschen: Erster« gaben Alles, was sie hatten. Major Müller sah aber, daß es die Mannschaften noch immer niit den Bürgern schlecht machten, woraus er den Beseht gab und ihn deutsch und sranzöstjch drucken ließ, den Soldaten nichts mehr zu geben, respektive, daß dieselben nichts mehr zu verlangen hätten. Es muß dem Major Müller die Ehre nachgesagt werden, jederzeit streng gegen Ausschreitungen der Soldaten und human gegen die so schon gedrückten Bürger verfahren zu sein, was ihm sehr semdliche Gesinnung im Bataillon einbrachte.— Wir trafen in Dole den ganzen Bahnhof von Waggons voll Heu, Gemüse�, Zucker, Kaffee, Rum, Speck, verschiedener Klcidnngs- und Montirungsstücke an, so viel, daß eine Armee, wie die Bourbaki'sche, einen Monat davon verpflegt und ge- Neidet werden konnte. Dieser Vorrath fiel nun in die Hände der Preußen. Unsere Hosen waren so ziemlich alle kaput und bekamen wirnun die Erlaub- niß, Franktireurhosen zu tragen; von Dole anhaben wir diese Hosen so lange getragen, bis sie nichts mehr taugten. Die Soldaten der Bour- baktschen Armee aber kamen zu Tausenden als Gefangene halb nackt durch Dole, vorzüglich barfüßig in dieser großen Kälte, und hier lag Alles massenhaft aufgehäusl Hier liegt der Beweis, daß in der Bourbaki'schen Flucht Verrath vorhanden war. In Chaumont sur Marne war die Stadt beim Anrücken der Preußen von den Franzosen desetzt, jedoch ohne großen Widerstand zu leisten, rückten letztere ab. Hiernach sollten die Preußen doch ruhig in die Stadt ziehen, nach Kriegsbrauch die Stadt besetzt halten und die Bürger von aller Kontribution frei lassen. Aber im Gegen- theil: die Preußen rückten allerdings nach Kriegsbrauch ein und besetzten die Stadt, verlangten aber eine Kontribution von Chaumont. an wcl- chcr eS vielleicht ein Jahrhundert zu verdauen haben wird. Diese Geldkontribution reichte indeß noch nicht hin und die Bürger mußten auch noch alle durchkommenden Truppen verpflegen. Ein Regiment l g für beständig in Garnison dort, und kein Tag verging, ohne daß ein Regiment durchkam, welches hier einen Tag oder mehrere blieb. Tie reichen Leu!« hatten Offiziere im Quartiere, die armen 10— 20 Mann Gemeine mit Verpflegung inklusive einem Liter Wein. Das 60. Reg. lag 7 Wochen da; es war manchmal ergreifend mit anzuscheii, wie mühselig die Armen die Lebensmittel beschaffen mußten. In der letzten Zeit wurden erst Aendcrnngen vorgenommen und be- stimmt, daß die Reichen wenigslens etwa» mehr belastet würden. Immer blieb uns diese Bevöltming in Erinneruiig, denn solche Quariicre hatte da« 60. Reg. in ganz Frankreich nicht auszuweisen. Also auch während des Krieges wurden die Armen noch aus- gebeutet und dieReichen verschont. DieseKontribuiion warübrigensnochnicht hinreichend, sondern es wurde auch noch von den Stadtvei ordneten täglich die Hälfte derselben,— also einen Tag um den andern kamen dieselben an die Reihe— in Arrest gehalten als Geiseln. In St. Didier(an der Bahnlinie von Nanzig nach Chaumont) hatten die Preußen die Stadt ebenfall« ohne Widerstand genommen, der Bevölkerung aber eine Kontributio n von 40,000 Frcs. auf- erlegt. Nicht genug damit: einige Zeit später wurde dem ganzen Departement nochmals eine solche Summe auferlegt. Diese sollte nun auch die Landbevölkerung mit tragen. In einem Dorf, wo wir im Quartier lagen, war es an der Mairie angeschlagen, daß die Bauern binnen einem Tag betreffendc« aus die Gemeinde fallendes Geld llberrcichen sollten. Wie kamen die arme» Bauern ohne Schuld dazu, mit zu zahlen? Danach fragten aber die Preußen nicht. Zur Charakteristik der Änappschastskaffen. (Die Maßregelung des Bergarbeiters Siegert zu Schedewitz bei Zwickau, von ihm selbst erzählt.) (Fortsetzung.) Die kritische Lage, in der ich mich befand, nöthigte mich zu dem Entschluß, mich persönlich dem Direktor Oppe vorzustellen und mit demselben über»ieine Entlassung zu sprechen, resp. denselben dazu zu bewegen, mir wieder Arbeit zu ertheilen oder die mir statutenmäßig zu- kommende Pension zu gewähren. Diesen Entschluß brachte ich den 15. August 1870 zur Ausführung. Ich ging zu Direktor Oppe; auf dem Wege dahin traf ich den Bergarbeiter Oeser und Strobeld, (damalsstn Schedewitz, jetzt in Oelsnitz bei Lichtcnstein wohnhaft) die, wie ich, ihre Angelegenheit dem Direktor Oppe persönlich vorzn- tragen beabsichtigten und ans dem Wege dahin sich befanden. (Die Bergarbeiter Ocser nnd Strobeld waren bei dem Erzgebirgischen Aktien-Steinkohlenbau-Verein deßhalb ihrer Arbeit entlassen worden, weil sich Hefelden an der im Monat Juli 1870 erfolgten Arbeits- einftellung der Bergarbeiter betheiligt hatten.) Ich ging nun mit Oeser und Strobeld gemeinschaftlich zu Direktor Oppe; vor der Erpedition des Letzteren angelangt, klopften wir an der Erpeditionsthüre an und ans das„Herein" traten wir bei Direktor Oppe ein, begrüßten denselben höflich und baten ihn, uns erlauben zu wollen, mit ihm einigeWorte zusprechen.„Ich habe mitEuch nichts zu sprechen,"wardie Antwort des DireklorOppe, der er noch hinzufügte:„Ihr seid entlassen, Eure Büchxr sind fertig, Ihr könnt dieselben mitnehmen!" Hierauf ergriff Oeser das Wort und äußerte in etwas lautem Tone welcher ihm eigen ist, Folgendes: „Wenn Sie, Herr Direktor, mit uns nichts zu reden haben, so haben ivir mit Ihnen zu reden; wir wurden ohne alles Recht und ohne allen Grund hier unserer Arbeit eiitlassen; durch die Arbeitsent- lassung verlieren wir alle erworbenen Rechte und geleisteten Beiträge im Knappschaftsverbande z wir haben nun schon viele Wochen keine Arbeit und haben Familie zu ernähren, ein solcher Verlust trifft uns zu hart; ich will Sie daher nur fragen, ob Sie uns unsere einge- zahlten Gelder zur Knappschaftskasse zurück zahlen wollen." Ich nahm nun selbst das Won und hielt Direktor Oppe vor, daß ich während meiner Dienstzeit bei dein Erzgebirgischen Aktien-Stein- kohlenbau-Berein Lähmung der linken Seite und einen doppelten Knotenbruch erlitten hätte, demzufolge könne ich nicht ohne Alters- Unterstützung entlassen werden; zugleich forderte ich noch einen vom Jahr 1866 restircnden Arbeitslohn im Betrage von 3 Thlrn 28 Ngr. (Im Jahr 1866, wo dieser Lohn zu zahlen war, schickte mich der Ober- steiger Weiß zum DireklorOppe, vorstehenden Lohnbetrag zu erheben; Direktor Op.e schickte mich wieder zum Obermeister Weiß, vorstehen- den Arbeitslohn zu.erheben; Letzterer schickte mich wieder zu Direktor Oppe und so ging das Treiben fort, bis ich ermüdete und diesen hier bezifferten Lohn anstehen lies; da sih nun auch jetzt Direktor Oppe noch weigerte, mir den rückständigen Lohn zu bezahlen, so äußerte ich:„wenn Sie mir meinen rückständigen Lohn nicht auszahlen, kann ich Sie einen Betrüger nennen.") Inzwischen halte Direktor Oppe Polizei herbeirufen lassen die derselbe bei ihrem Erscheinen beauftragte, mich nebst Oeser nnd Strobeld zu arrctiren und aus der Erpedition zu bringen, worauf Oeser erwiderte:„Wir sind nicht mit Polizei angelegt woroen, werden uns auch nicht mit Polizei ablegen lassen," worauf sich zunächst die Polizei und nach derselben sofort auch wir nns entfernten, ohne den Anstand irgend verletzt zu haben. Direktor Oppe hatte nun gegen mich Straf antrag wegen Haus- friedensstörung, wegen Erpressung und Beleidigung bei dem Königlichen Bezirksgerichtsamte zu Zwickau gestellt. Wie schon angeführt, war ich nicht in der Privatwohnung des Direktor Oppe sondern nur in dessen, von seiner Privatwohuung weit entferntem Arbeitszimmc r; auch waren wir nicht unerlaubt in dasselbe eingetreten, sondern gehörten mit unserem Anliegen, welches einzig und allein vor das Forum des Direk>or Oppe gehörte, in das fragliche Zimmer, da anderen Orts Direktor Oppe sich von Untergebenen nicht spreche» läßt..„... Schlechterdings kann hier von Hausiriedensbruch keine Rede sein, um j oweniger, da ich zu dieser Zert noch zu dem Ardeiterpersonal des Erzgebirgischen Aklien-Steinkohlenbau-Vereins gehörte. Die„Erpressung" bestand darin, daß ich Direktor Oppe gefragt, ob er mir die statutenmäßige Pension geben wolle oder mir wieder Arbeit ertheile? so wie darin, daß ich meinen rückständigen Arbeits- lohn vom Jahr 1866 im Betrage von 3 Thlrn. 23 Ngr. gefordert hatte. Daraus eine„Erpressung" zu fabriziren, ist nur dem Kömgllchen Bezirksgerichrsamte zu Zwickau möglich. Die„Beleidigung" gegen Direktor Oppe besteht darin, daß ich mir erlaubte zu sagen:„ich kann Sie einen Betrüger nennen, wenn Sie mir mein rückständiges Arbeitslohn vom Jahr 1866 nicht aus- zahlen." Im Jahr 1866 hat Direktor Oppe meine fragliche Lohnforderung nicht nur anerkannt, sondern mich beauftragt, dieselbe bei dem Obersteiger zu erheben; Letzterer aber wies mich, das fragliche Lohn zu erheben, zu wiederholten Malen an Direktor Oppe mit dem Bemerken: „das ist dem Herrn Direktor Oppe seine Sache." Was hier zu Grunde lieaen mochte, kann und darf ich nur denken aber nicht sagen; un- wiberleglich ist aber Direktor Oppe diejenige Person, welche mir den Betrag meines Lohnes zu zahlen hat; da ich aber meinen fraglichen Lohnbetrag bis heute noch nicht erhalten habe, bin ich um meinen Lohn betrogen, und wer mich um densetben betrogen hat, ist nichts anderes als ein Betrüger; ich kann einen solchen Menschen Betrüger nennen, wenn ich es thun will.— Trotz alledem habe ich Direktor Oppe keinem Betrüger genannt, sondern nur gesagt,„ich kann Sie einem Betrüger nennen, wenn Sie mir mein rückständiges Lohn nicht auszahlen."— Kurze Zeit, nachdem ich mit Oeser und Strobeld in der Ervedition des Direktor Oppe gewesen, erhielt ich Vorladung in das Königliche Bezirksgerichtsamt zu Zwickau, wo mir die Anklage de« Direktor Oppe bekannt gegeben und mit der Untersuchung gegen mich begonnen wurde. Ob nun auch von Hausfriedenstörung, von Erpressung und Be- leidigung keine Rede sein konnte, und die Angaben des Direktor Oppe vollständig ans Unwahrheit beruhlen, so ließ doch mein Untersuchungs- richter, Assessor von Mangold, nichts unversucht, die Anklagepunkte, Haussriedensstörung, Erpressung und Beleidigung, zu solchen zu machen. Ich will nun bloß ein kleines Bild, von dem Verfahren des Königlichen Bezirksgerichtsamte zu Zwickau, in den mattesten Farben geben.(Schluß f.) Aplerbeck.(„Grubenunglück.") Die„Kölnische Zeitung", ein Vollblut-Bourgcoisorgan schreibt: So eben komme ich von der Steiukohlcnzeche„Vereinigte Schür- bank und Charlottenbuia" hier bei Aplerbeck, wo heute Morgen gegen 9'/, Uhr eine Erplosion schlagender Wetter stattgefunden hat. Dieselbe hat auf der 30-Lach>er Sohle zwölf Menschen, oarnnler emem Steiger L., das Leben gekostet. Sie sind so eben als Leichen hetaufgebracht worden. Bei den wiederholten Grubenunglückeit drängt sich uns unwiderstehlich die Wahrnehmung auf, daß die Vor- kehrungen gegen solche Unglücke auf den Zechen mit den heute verfügbaren kechnischenMittcln durchaus noch nicht genügend Schritt halten. Wenn man es verstand, beim Baue des Tunnels durch den Moni Cenis frische atmosphärische Luft bis ans Tausende von Metern zu verfühen, so sollte sich das bei Kohlen-- zechen ähnlich bewerkstelligen lassen." Allerdings„sollte" es sich bewerkstelligen und läßt sich auch sehr leicht bewerkstelligen, allein es ist profitabler für die Kapitalisten, die Vorsichtsmaßregeln zu versäumen unh die gesunden Knochen„seiner" Arbeiter auf's Spiel zu setzen. Aus Mülsen St. Niklas erhalten wir eine Zuschrift, welche den in Nr. 72 des„Vollsstaat" angegriffenen Gemeindevorstand C. Mayer gegen den Vorwurf in Schutz nimmt, er habe bei der letzten Reichstag'swahl insgeheim gegen Liebknecht agitirt. Wir hatten sofort in einer Note unsere Zweifel geäußert, und freuen uns zu finden, daß dieselben begründet waren. Thal heim. Zu unsrer Befriedigung vernehmen wir, daß auch unter den Arbeitern München-Gladbachs die Crkmntmß zum Durchbruch gekommen ist, daß die künstliche Spaltung der Arbeiter duich sich feindlich gegenüberstehende Fraktionen nur der Reaktion zu Gute kommen und in ihrem Interesse liegen muß. Wahrhaftig, wenn wir zurückblicken, zu was für schmutzigen Zwecken sich die Arbeiter je nach der Laune ihrer jeweiligen Präsidenten mißbrauchen ließen, möchte man sich grämen, wenn man nicht wüßte, daß Erfahrung die beste Schule ist und die Menschheit größtentheilS erst durch Schaden klug wird. Schweitzer steht jedenfalls an jesuitischer Schlauheit größer da als sein DoppelgängerM e n de, wenigstens hat er von jeher feiner kalkulirt und geschickter operirt. Aber Mende,— von ihm gilt, was man mit Unrecht von den Franzosen sagt:„Klein in allem Großen und groß in kleinen Dingen." Zum politischen Führer völlig untauglich, weil er nie geistig bc- fähigte Leute unter sich dulde» konnte— das haben die zahlreichen und ohne Grund eigenmächtig verfügten Ausstoßungen klar bewiesen. Maßlose Arroganz, bornirter Stolz und geckenhafte Eitelkeit sind sicher jederzeit vereint mit totaler geistiger Unsäyigkeit, und wen dies« liebenswürdigen Eigenschaften zieren, der ist dann zum„Herrscher" geboren, weil er(nach Ceuine's Ausspruch)„zum Regieren nicht weise genug ist." Bei uns im Erzgebirge ist Wende längst ein todter Man», doch versuchen in neuerer Zeit die Schweitzer'schen Sendboten wieder, Terrain zu gewinnen, was Ihnen allerdings nicht gelingen wird. Die Herren Kapell und Stiegler hielten unlängst in Burk- hardtsdors eine Versammlung ab, allein ohne Erfolg. Doch ich habe wichtigere Dinge mitzutheilcn. Ein eigenthümlicher Strike hat sich vor Kurzem in der hiesigen Flachsspinnerei vollzogen. Die Arbeitszeit betrug, wie aus einer früheren Einsendung ersichtlich, 14 Stunden. Alle Welt war darüber einig, daß dies eine maßlose Vergeudung der Arbeiiskrast sei, die mit dem geringen Lohn, der fast durchgehends in den erzgebirgischen Fabriten gezahlt wird, trotz der Harmonielehre der Berliner Wunderdoktoren nicht Harmoniren will. Ein Mädchen(und meistens sind es Frauen» »immer, die man in jener Fabrik beschäftigt) verdient täglich 7, 3, höchstens 9 Groschen. Es ist nun die Einrichtung meistens getroffen, daß im Sommer die Arbeitszeit früh 5 Uyr bis Abends 8 Uhr dauert, hingegen im Winter von 6 bis 9 Uhr inklusive einer Mittagspause von einer Stunde, wobei freilich die Meisten nicht nach Hause gehen können, indem die Spinnerei ziemlich eirtlegen zwischen 3 Dörfern steht, Daß unter solchen Umständen sich die Arbeiter mehr und mehr dei Familienlebens entio ö h nen müssen, liegt auf der Hand. Doch waS hat der Arbeiter ferner zu beanspruchen? Der mag sich nach seiner Decke strecke», wie es andre Leute auch thun. Menschen sind sie ja erst in zweiter Linie.— Als nun letzthin die Arbeit von 6 bis 9 Uhr aufgenommen werden sollte, wollte man von Seiten der Prinzipale Abends'/» StunSe erlassen, allein sämmtliche Manchen legten um 8 Uhr Sic Arbeit nicScr unv erklärten, unter keine» Um- ständen länger arbeiten zn ivullen, worein sich schließlich die Herren j ügten, denn eine Ärbeitsemslellung wäre jedenfalls für die Madchen günstig ausgefallen, da dieselben sofort andre Arbeit, z.B. Strümpfe zu nähen bekommen könnten. Wie ich gehört habe, soll man auch beiden männlichen Arbeitern der Fabrik nachgeforscht haben, ob Einer oder der Andere dahinter stecke, daß man die hiesigen Arbeitsverhältnisse im„Bolksstaat" zur Sprache gebracht. Ob man diese dann auch gnädigst entlassen wollte, wie es bei der Wahlagitation geschah, wo man den Einberufer einer Bersainm- lung welche den Arbeitgebern nicht genehm war, bei Winterszeil die Arbeit kündigte, weiß ich nicht. Mußte doch sogar derTanzausseher seinen Posten verlassen im hiesigen Gasthoie, weil er treu zur Fahne der Demokratie stand, und nicht selbstmörderisch gegen seine eigene Ueberzeugnng Handelle. Dagegen schützt allerdings kein Haftpflichtgesetz. Ma» hört von verschiedenen Seiten Klagen im„Volksstaal", daß dai Gesetz betreffend dieKinderarbeit öfters in eklatanter Weise über- treten wird. Einen weiteren Beleg hierzu kann ich von hier aus liesern Ich meinerseits halte das Verbot der Kinderarbeit für den Schutz der Arbeiter als eben so wichtig wie das Haftpflrchtgesetz, was ja nach den Aussprüchen Sachkundiger sehr mangelhaft ist. Daß es von Seiten der Bourgeoisie womöglich in der Praxis noch abgeschwächt wird, liegt aus der Hand. In einer der hiesigen Fabriken wurde dieser Tage eine gerichtliche Untersuchung in dieser Beziehung vorgenommen, wobei man durch Winke die arbeitenden ttinder von ihrem Posten entfernt nnd vor de» Augen des Untersuchungsbeamte» ver- borgen haben soll. Wenn man sieht und lieft, wie oft die Bour- geoispresse die Arbeiter denunztrt, wer kann es dem Arbeiter verargen, wenn er auch einmal den Leuten auf- und nicht durch die Finger steht? Der Newyorker Berichterstatter der„Frankfurter Zeitung" meldet!, daß die Demonstration der Internationalen „in wirklich imposanter Weise" statt gehabt hat. Unser.Privat- Telegramm erhält dadurch von unparteiischer Seite die vollste Bestätigung und dem Zeitungstelegraph, welcher die Demon- stration als völlig unbedeutend hingestellt hatie, müssen wir wieder einmal das Täfelchen mit dem bekannten Wort: Lügner vorbinden. Mittweida. Auch hier ist, unter gleicher Begründung wie in Leipzig, die Mitgliedschaft der sozialdemokratischen Ar- beiterpartei ausgelöst werden. Erklärung. In Sachen der Madame Mina Puccinelli. Unsere neuliche Desavouirung der genannten Person hat uns mehrere Reklamationen eingebracht seitens der Parteige- Nossen von Berviers, Cöln und Mainz, in deren Mitte Frau Puccinelli einige Tage verbracht hat, ohne daß sie bei ihnen den Eindruck hinterlassen hätte, welchem wir durch die Bezeichnung„kompromiltirende Abenteurerin" Ausdruck zu ge- ben genölhigt waren. Die Parteigenossen von Berviers und Cöln— deren einige gleich dasselbe Mißtrauen gegen gedachte Dame hatten, wie wir— haben sich nun, wie es scheint, nach- dem wir ihnen eingehende Begründung unseres Unheils zuge- fertigt, damit zufrieden gegeben; die Mainzer Parteigenossen beharren aber auf ihrer Meinung, daß wir der Puccinelli Un- recht gethan. Daher fühlen wir uns gezwungen, den Hauptinhalt unserer Korrespondenz mit den Parteigenossen der obenge- dachten Orte zu veröffentlichen, indem wir erklären, daß die Puccinelli, als sie in Leipzig war, nach Mitternacht vom Nachtwächter betrunken auf dem Königsplatz vorge- funden und arretirt worden ist.*) Ihr ganzes, höchst exaltirtes Wesen, das auf uns— abgesehen von ihren albernen Ausschneidereien(sie will 7 Sprachen reden!, im vorjährigen Krieg als Kapitän gekämpft haben und 4Monate inBerlin Kriegsgefangene gewesen sein) und unbewiesenen Behauptungen (z. B-, daß sie in Brüssel an Tridon's Grab eine Rede ge- halten habe, welche von der„Liberle" erwähnt worden sei, obschon wir in letzterer kein Wort davon finden) und offen- baren Lügen(z. B. daß sie von Leipziger Geheimpolizisten auf der Straße angefallen und zu Boden geworfen worden sei, wodurch ihr wichtige Papiere abhanden gekommen seien) — wir sagen: ihr ganzes, höchst exaltirtes Wesen machte— auch abgesehen von den schlimmen Eigenschaften der Trunksucht, der Aufschneiderei und Verlogenheit— auf uns einen sehr widerlichen Eindruck. Dazu kommt, daß ihre völlige Legiti- mationslosigkeit— sie wußte nicht einmal einen bekannten Namen uuter den Brüsseler Parteigenossen zu nennen, obschon sie lange Zeit mit denselben verkehrt haben will— unser Mißtrauen von vornherein erweckte.— Wir bedauern, daß die Mainzer Parteigenossen durch ihre heftigen, gegen uns gerichteten Vorwürfe über die Desavouirung der Puccinelli uns zu dieser Erklärung genölhigt haben. Sie wäre erspart geblieben, wenn die Mainzer Parteigenossen sich bei unseren brieflichen Mittheilungen hätten beruhigen wollen. Schließlich glauben wir gut zu thun, wenn wir aus den neuesten Nummern des„Felleisen" und der„Tagwacht"— beide in Zürich erscheinend— die Stellen abdrucken, welche bekunden, was für Eindrücke Madame Puccinelli dort hinter- lassen hat. Im„Felleisen" befindet sich folgende Warnung. In den letzten Tagen lral die bereits von mehreren Seiten her ssgnatisirte sogenannte Mma Puccinelli auch hier aus und zwar in einer Weise, welche die Sache der Sozialdemokratie nur kompromittiren kann. Wir hätten lebhast gewünscht, einzelne Personen würden auf die Warnung des„VoUsstaal" mehr Gewicht gelegt und uns mit die- ser schlimmen Bekanntschaft oerschont chaben. Wir halten es nach den hier gemachten Erfahrungen für unsere Pflicht, alle Parteigenossen im Interesse der Sache auf's Entschiedenste vor dieser Person zu warnen, um so mehr, als auch ihreAussührung in den Wein lokalen anstößigster Art war. Die Redaklron. In der„Tagwacht" lesen wir: Zürich. Samstag den 23. Dez. Abends fand im alten Schützenhause eine öffentliche Versammlung statt; Brgr. Greulich eröffnete die Versammlung mit, der Mittheilung, daß man sür diesen Abend der Madame M i.n a Puccinelli Gastfteiheit gewährt habe. Hierauf wurde eine Kommission gewählt, welche mit der Untersuchung der Papiere dieser Dame betraut wurde, um auf Grund derselben eine öffentliche Erklärung zu erlassen. Darauf ergriff Mina Puccinelli bas Wort und verbreitete sich in einer längeren Rede über die republikanischen und sozialistischen Bestrebungen. Hier stellte es sich sehr bald heraus, daß die Dame die wirklichen Ziele der Arbeiterbewegung nu.r in sehr blassen Um- rissen kennt, denn während sie über die republikanisch politische, sowie über die frei-religiöse Bewegung eine ganze Reihe treffender. wenn auch bekannter Wahrheiten aussprach, zeigte sie in ökonomischen (wirthschaftlichen) Fragen viel Unkenntniß. Dabei war ihr südländisch- «raltirtes Austreten ganz dazu geeignet, die Angriffe der Gegner her- auszufordern und stieß sehr viele Parteigenossen ab. Die Anfangs erwähnte Kommission sah nun am Sonntag die ihr zur Versügung gestellten Papiere nach, konnte aber troß aller Mühe zu keinem genügenden Resultate gesangen, veranstaltete deshalb am Sonntag Abend uoch eine Zusammenkunft mit Mina Puccinelli, war aber durch die Art und Weise, wie diese Dame auf alle Fragen antwortete, ebenso wenig erbaut, wie belehrt und einigte sich deshalb auf folgende „Erklärung. Die von der öffentlichen Versammlung vom 23. Dezember im alten Schützenhause gewählte Kommission zur Untersuchung der Pa- piere der Dame Puccinelli erklärt: 1) Daß aus den Papieren hervorgeht, daß sie mit der rcpubli- kailischen Partei in Spanien bekannt und für dieselbe thätig ge- wesen ist. 2) Daß über ihre Herkunft aus diesen Papieren nichts ersichtlich ist. 3) Daß für die vielen andern Behauptungen der Dame, speziell daß sie Kapitän eines Freikorps oder überhaupt militärisch an dem deutsch-französischen Kriege betheiligt gewesen sei, kein Bewels vor- liegt. Ob aus Papieren, die ihr angeblich von den Preußen genommen worden sind und vorenthalten werden, irgend etwas Weiteres erficht- lich sein könnte,, kann die Kommlssion natürlich nicht wissen. Die Kommffsto»." Man hätte nun meinen sollen, nach den Erörterungen, welche zwischen der Kommission und Madame Puccinelli ftaltgefunden, hätte Letztere es für das Klügste halten müssen, Zürich zu verlassen. Nichts- dejtoweniger trieb sie sich noch einige Tage in ziemlich aussälli- ger Weil« in der Stadt herum und veranstaltete aus Mittwoch den *) Am anderen Morgen II'/, Uhr, als sie sich uns auf dem RedaktiouSlokal präsentirte, roch sie uoch nach Schnaps. D. R. d. B. 27. d. eine eovksrence publique in französischer Sprache im Saale des Cafino gegen 30 Cts. Eintrittsgeld. Diese war von etwa 100 Mann, Studenten und Bourgeois, besucht und flach bedeutend ab von der Versammlung im alten Schützenhause. Während jene die Red- nerin mit der größten Ruhe angehört hatte, veranstalteten in dieser Konferenz eine Clique von ungezogenen jungen Leuten einen Mords- spektakel mit Pfeifen und Hinausrufen. Madame sprach auch weit schlechter französisch wie deutsch, so daß auch die ruhige Mehrheit kein sonderliches Interesse hatte, sie lange anzuhören— genug— der Vortrag nahm ein sehr klägliches Ende. Schließlich erklärte Brgr. Greulich, ebenfalls mit Hobnrufen empfangen und oft unterbrochen, daß die Dame Puccinelli diese Konferenz auf eigene Rechnung und Gefahr, ohne irgend welches Wissen und Willen der hiesigen Sozial- demokraten, einberufen habe, und daß man sich deßhalb von unserer Seite des Entschiedensten vor jeder Unterschiebung einer Gemeinzchast mit dieser Abenteurerin verwahre. Hoffentlich werden dieanwesen- den Zeitungskorrcsponderten von dieser Erklärung Notiz genommen haben. Soweit die„Tagwacht." Die Redaktion des„Bolksstaat" hofft jetzt, nicht wieder von oder mit dieser Dame behelligt zu werden. Zur Fraae der Gewerkschafts-Uniou. Fürth. Sämmtlichen Internationalen Gewerksgenossenschasten bringen die Unterzcichnclcn zur Kenntniß, daß sich in Fürth eincGe- werkschafl gegründet hat unter dem Namen„Jntcrnationale-Ge- werksgenossenschaftS-Union." Zweck derselben ist die Erringung des lOstündigen Normal-Arbeitstages und Lohnerhöhung sür die zu gering bezahlten Arbeiten. Die Gewerkschafts-Union steht unter der Leitung eines Central-Komitee's, welchem Fachausschüsse zur Seite stehen. Aufnahmssähig ist jeder Arbeiter ohne Unterschied des Ge- wcrbes; der wöchentliche Beitrag ist sür männliche Mitglieder auf einen Groschen, für weibliche auf einen halben! Groschen festgesetzt; bei Maßregelungen, Arbeitseinstellungen, je hat daS männliche Mitglied eine tägliche Unterstützung von 40, daS weibliche von 20 Kr. zu be- anspruchen. Parteigenossen! So wenig wir Projekte machen wollen, oder Sek- tirerei treiben n.öchten, so waren es doch drei Wahrnehmungen, welche uns bestimmten, eine Internationale GewerkSgenossenschasts Union zu gründen: 1) wurde auf dem Dresdner Congreß der Beschluß gefaßt, einzustehen für den lOstündigen Normalarbeitstag: 2) tagten Dele- girte verschiedener Internationalen Gewerkschaften nach dem Congreß in Dresden behufs Gründung einer Gewerkschafts-Union, und 3) hat uns die Erfahrung gelehrt, daß die Internationalen Gewerkschaften im Allgemeinen, so wie speziell am hiesigen Ort, den richtigen Zu- sammenhang nicht haben, um gegebenen Falls mit der nöthigen Ener- gie und Raschheit vorgehen zu können. Zu Punkt I u. 2 müssen wir uns besonders dahin aussprechen, daß man Alles, was man be- schließt, durchzuführen bemüht sein und daß man die hiezu nöthigen Mittel und Wege in Anwendung bringen und einschlagen muß und als die geeignetsten Mittel und die geeignetsten Wege halten wir eine möglichste Centralisation. Es.wurde viel gesprochen und ge- schrieben über die Zweckmäßigkeit einer Union, man scheint aber bei dem Beschluß in Dresden stehen bleiben zu wollen, und haben wir auffallender Weise auf unsere Briefe, welche Götz an die Herren Bebel und Uork schrieb, und in welchen wir um einen" dahinzielen- den Statutenentwurf baten, nicht einmal Antwort erhalten; es ist seit dem Dresdner Beschluß mäuschenstill geworden und hat den An- schein, als sollte die ganze Sache aä acta gelegt werden, waS sehr zu bedauern wäre. Wir verkennen nicht, daß es seine Schwierigkeit hat, glauben aber, daß bei halbwegs gutem Willen von Seiten der ver- schiedenen Ausschüsse es nicht so gar schwer wäre, eine straffere Cen- tralisation zu schaffen. Das Haupthinderniß liegt nach unscrm Dafür- halten in den verschiedenartgen Beitragsscndungen an die Haupt-Kasse»; wäre hier ein gleichheitlichcr Modus eingeführt, so wäre es viel leichter, die Gewerkschaften an einem Orte unter ein Komitee zu vereinigen und ebenso im Allgemeinen unter eine Central- leitung zu bringen, und wir in Fürth hätten nicht nörhig gehabt, zu diesem Auskunftsmittel zu greifen. Offen gesagt, hallen wir die von uns geschaffene Organisation hier in Fürth sür mehr provisorisch und wünschten von Heizen, daß endlich einmal Schritte geschehen möchten, welche die Verwirklichung der in Dresden beschlossenen Gewerkschafti- Union zum Ziele haben, denn nur dann ist es möglich, gegen die brutale Gewalt des Fabrikantenthums mit Erfolg anzukämpfen. In der Hoffnung, daß wir nicht in den Wind gesprochen haben, zeichnet mit Gruß imd Handschlag im Namen und Auftrag der Internationalen GcwerkschaftS- Union. Paul Rüth seit, zweiter Schriftführer. Heinrich Maier, Vorsitzender. Briefe und Anfragen sind zu adressiren an Paul Räthselt, Schreiner, Wassergasse No. II. in Fürth.- Leiönig, den 19. Dezbr. 1871. Auch hier ist es gelungen, einen sozialdemokratischen Arbeiterverein zu gründen, und zählt derselbe jetzt 40 Mitglieder; auch Hab- ich den Grund zu einer sozialistischen Bibliothek, welche vorläufig aus 16 Büchern besteht, ge- legi, ferner hallen wir 6 Exemplare der„Chemnitzer Freien Presse" und 5 Exemplare des„Bolksstaat". Da wir nun für daS nächste Vierteljahr für diese beiden Organe der Sozialdemokratie eine Filiale gegründet, so haben sich bis letzt für den„Bolksstaat" 5, für die „Chemnitzer Freie Presse" 12 Abonnenten gemeldet. Di« Lage der Ar- bciicr ist hier eine so erbärmliche, wie ich sie nirgend« gefunden habe. Tuchinacherei und Schuhmacherei sind hier die vorherrschenden Gewerbe, und gibt eS von ersteren 4 bis 5 größere Fabriken sowie eine große Anzahl kleinere; die Arbeitszeit in diese» geistiqen und lörper- lichen Krnppelanstalten dauert von früh 5 bis Abenvs 8, auch biS 10 Uhr, und der Lohn sür diese unmenschliche Zeit beträgt pro Woche 2 Thlr. 12 Rgr. btS 2 Thlr..18 Rgr! Wer das ver- dient, muß aber ein ganz guter Arbeiter sein. Außerdem hat man in manchen Sälen noch die Einrichtung getroffen, daß die Arbeiter von früh 5 bis 12 und von 1 bis 8 auch 9 Uhr ohne Frühstück oder Vesper, also ununterbrochen arbeilen müssen, ja es gibt hier Fabriken, wo dem Arbeiter nicht einmal die Möglichkeit geboten ist, sein erbärm- lich karges Mittagessen aus oder in einem Ofen zu wärmen, sondern diese armen Geschöpfe sind gezwungen, ihre Cßlöpse in einen Behälter zu hängen, welcher mil heißem, ftinkendem Wasser angefüllt ist, und bei diesen schrecklichen Zuständen sind die hiesigen Fabrikanten noch so ge- mein, den Arbeitern mit Entlassung zu drohen, im Falle sie unsrem Verein beitreten. Zum Schlüsse will ich noch den Haushaltsplan eines derartigen Arbeiters den Lesern vor Augen führen. Wie muß eine hiesige Arbeiterfamilie von b Köpfen leben, wenn sie ein Einkommen pro Woche von 2 Thlr. 12 bis 18 Ngr. hat? 10 Gr. für Hauszins, 7 Gr. 5 Psg. sür Kleidung, 7 Gr. 5 Pfg. für Feuerung, wenn sie. dieselbe selbst auS der ein paar Stunden ent- sernicn Doisgrube hott,' 3 Gr. 5 Pfg. sür Leib- und Bettwäsche, 2 Gr. für Oel, 2 Gr. sür Abgaben, 1 Gr. für Seife, 20 Gr. für 20 Psd. schwarzes Brod, 16 Gr. für 4 Metzen Kartoffeln, 8 Psg. für 2 Lolh Kaffee, 1 Gr. für Runkelrüben, 2 Gr. sür Gemüse Sonntags, 3 Gr. 5 Pfg. für Kinder-, Kranken- und Begräbnißkasse, 1 Gr. für Salz und Gewürze, Summa 2 Thlr. 17 Gr. 8 Psg. Hier, Schulze von Delitzsch, großer Mann der bleiernen Wissen- schaft, hier lernen Sie„sparen"), A. F. Berichtigung. In einer der letzten Nr. des„Bolksstaat" befindet sich eine dem „Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreund" entnommene Zw ick au er Korrespondenz, in der gesagt wird, daß auf Veranlassung der hiesigen Polizeibehörde eine Annonce, enthaltend die Bekanntmachung einer Volksversammlung mit der Tagesordnung:„Die Handhabung des Vereins- und VerjammlungSgejetzes in Sachjen, und Beschlußfassung wegen einer an den Landiag zu richtenden Petition" nicht aufge- nommen worden sei. Der Versicherung des Stadtrath Urban zufolge ist dies jedoch nicht so. Wahr ist allerdings, daß er die Aufnahme«ner Annonce, enthallcnd die Bekanntmachnng einer sür den 11. d. M. anberaumten, von der Polizeibehörde aber verbotenen Versammlung hat unter- sagen lassen; in der Druckerei jedoch ist durch ein Versehen die Annonce der nicht verbotenen Versammlung zurückgelaffen worden. Zur Steuer der Wahrheit berichtigen wir dies hiermit. Zwickau, 27. Dezbr. 1871. Hofmann, Dotzauer. Warnung. Zu Nutz und Frommen für alle rechtschaffenen Arbeiter Deutsch' land's. Da es leicht möglich sein könnte, daß hie und da noch Arbeiter von Fritz Mende in die Agitation gezogen würden, um die persön- lichen Zwecke dieses„Präsidenten" seiner gräflichen Präsidentin zu sördern, so muß ich schon, wenn auch ungern, nachfolgende Zellen der Oeffentlichkeit übergeben. Ein alte« Sprichwott sagt:„Wer Pech angreift besudelt sich." So ergeht es Allen, die mit dem gräflichen Präsidentenpaar sich ein» lassen, so ist es auch mir ergangen, der ich auch von„Fritz" zur Agi- tation im Rheinland berufen war. Leider achtele ich nicht darauf, daß mehrere Arbeiter mich warnten, daß alle Agitatoren, die bis dahin von Mende benutzt waren, sobald sich dieselben mit den einfältigen Projekten dieses Herrn nicht mehr einverstanden erklären konnten oder wollten, von diesem Menschen als„Betrüger",„Berräther",„Hallunken" K. beschimpft wurden. Ich kann mich deshalb auch gar nicht wundern, daß mir, ais ich der Hohlheit und Phrasendrescherei dieses Kemödian- ten in der Arbeitec-Partei bis zum Ekel überdrüssig, mich von Mende und der Gräfin emanzipirte, dieselbe Ehre zu Theil wurde. Man lese-iiur die„Freie Zeitung", und bewundere, wie ein Organ, welche? Arbeiter belehren will, von den gemeinsten Schinipfereien überfließt. Ich tröste mich daniit, daß Lügen und Schimpfen nun ernmal zu MendeS zweiter Natur gehören, und er ohne dies nicht leben kann. Glücklicher Weise kann er weder mehr seinen Verein, noch seine Zeitung groß lügen. Ich bin au! Ueberzeugung von Mende abgetreten, weil ich mit diesem systematischen Berdummen und Belügen der Arbeiter nicht? ge- mein haben will. Ich habe meinen Zlustritt aus dem Verein de! Herrn Mende rechtzeitig angezeigt, weil ich zur Erkenntniß gekommen, daß auf dem Wege, den Herr Mende eingeschlagen, die Arbeiter niemals zum Ziele kommen können, und well ich nicht der Helfershelfer eines Menschen sein will, dem zur Erreichung seiner egoistischen persönlichen Zwecke die schlechtesten Mittel gut genug flnd. Großer Mendel erhabener Präsident, in dessen Augen alle Menschen „Schufte" sind, der nur allein ehrlich sei» will. Schade, daß ei sür diesen Helden nichts mehr gibt, die Arbeiter haben den Mann gewogen und zu leicht befunden überall. Früher brüstele sich dieser„Präsident" mit Chemnitz als seinem Hauptlager; die Arbeiter dort haben ihm den Rücken gewandt, und in München- Gladbach werden die Anhänger dieses sumpfgebornen Rohrsperlings, dessen Doppelzüngigkeit von dem letzten Slrike her noch in gutem Andenken ist, sehr bald schon eines Besseren belehrt werden. München-Gladbach, 18. Dezbr. 1871. C. A. Küppers. Zur Abrechnung des Chemnitzer CcntralkomiteeS. Berichtigung. Aus Zwickau sind noch 4Thlr. I7Ngr. 7 Pf. durch Herrn Dotzauer von Herrn Ernst Großer eingezahlt worden, welche irrthümlicherweise in der Summe von Chemnitz mit aufge- führt worden sind, und unter die Summe von 12 Thlr. durch Do- tzauer sind 2 Thlr. 9 Ngr. von der Gesellschaft„Eintracht" mit inbegriffen. Ferner au! Großenhain d.W. G. 3 Thlr. muß heißen Z0 Thl.; statt Gesammisumme 39 Thlr. muß eS heißen 66 Thlr. Herr Wilhelm Seickendorf(aus Greiz) wird die Quittung in der Abrechnung im„Bolksstaat" unter Greiz durch S. Rth. 4 vor- finden._ Der Vorsitzende Fr. HuSmann. ~ Anfrage. Während de! Chemnitzer Mafchnienbauer-StrikeS wurden von Breslau au! von den Cigarren-Arbeitern der Fabrik des Herrn Paschke 1 Thlr. 2 Sgr. 6 Pf. durch Rosentbal und vom Männer« gesangverew Teutonia 1 Thlr. durch Schaal«, UnterstützungS-Bei- träge an da! Zentral- Komitee in Chemnitz abgesandt. Wie kommt es, daß diese Beiträge in der im„Bolksstaat" veröffentlichten Ab- rechnung nicht mit aufgeführt sind? H. Oehme vrieskasten Die Redaktion: C. A. S. in Berlin) Herzlichen Dank. Ihr freundliches Anerbieten ist un! sehr willkommen. Wir bitten um Ihr« Adresse:— Nürnberg. Unsere Besprechung des Waldow'schen Elaborat! war bereits gesetzt, als die Ihr« eintraf. Jedenfalls für Ihre Freund- lichkeit besten Dank.— New-Uork:„Neue Zeit", schon seit vielen Woche» nicht erhalten. Für„Ls Socialiste" folgt ein Tauschexemplar in der Sendung. Fr. W. Gr.: Ihr Gedicht erscheint in nächster Nummer,— wegen der sich häufenden Feiertage, wo in der Druckerei nicht gearbeitet wurde, mußten wir sür die letzten Nummern hauptsäch- lich bereits stehenden Satz vcrwenben.— Parteigenossen in LeiSnig: Siehe Antwort an Fr.W. Gr. ES war unmöglich, den Bericht früher zu bringen.— Motteler in Kr.: GewerkschaftSstawlen ges. bald sendin an C. Mattern, Königsberg in Preußen, Brandenburgerstr. 17.— I. W. Leipzig: Die Angelegenheit der Laternenwärter wollen wir in nächster -Nummer ausführlich besprechen; au» diesem Grunde Ihr Eingesandt noch nicht veröffentlicht. Der Erpedition: Joh. Bl. in Lahr. Das Abonn. für 1 Erpl. unter Kreuzband bettägt 2b Gr.; haben b Gr. gut. Für II. Quart. beträgt das Abonn. 2 Thlr. 25 Gr. O. Faltlin Köln sür Abonnement IV. Q. 2b Thlr. erh.; S. Serebr. in. Zürich 2 fl. f. Abonn. I. Q. erh. Von Bgr. Leipa 1 Thlr. 8 Gr. erh. P. Schlebach in Ver- viers: Das Abonnement beträgt 7 Thlr. 6 Gr. und Porto 3 Thlr. j 41/, Gr.— 10 Thlr. 10'/, Gr.; für ein Eremplar nach Eupen 2b Gr. P. Tannwald 2 f. 5 kr. erh. Z. Zuchr. Salzburg 1 Thlr erh. Betr. folgt. P. Raffa in Pisfi. Ihrem Briefe lag kein Geld bei. Exp. Bolksb. Dresden. Um weitere Zusendung v. A.-Kalender» mit Phoiographieen v. Kn. bittet Neukirchner. Seifert, Baierischestr. 7. I — I. L. in Wien: 2 Dtzd. sind von hier abgegangen, die fehlenden». Dresden zu erhalten. C. Seifert.____. Für L. Fcuerbach. __ Eine kleine Festgesellichaft zu R. in Weflphalen 5 Thlr 24 Gr. 5 Pf. I Für die Jnhaftirten. 2 Thlr. von Apoldaer Paneigen. Erirag des Christbaume«. Exped. d. B. Für die Lhemnilzer. 2 Thlr. durch Dorn._ Hadlich. FürLeipzig? Versammlung der Schneidergehulfen Dienstag, den 9. Januar, Abends 8 Uhr im Lokal de» Arbeiter- Bildungsvereins, Nilterstraße 43. Tagesordnung: Forlsetzung der Verathung betreffend die Lohn- i _ und OrganisalionSsrage. Arbeiter- Bildungsverein. Mittwoch, den 10. Januar: Vortrag von Bebel über beut-! scheS Gewerbe- und Zunftwesen im Mittelalter.__ I Kür Leipzig.! Die Bevollmächtigten, Kassirer und Revisoren der hier bestehenden Gewerksgenossenschasten und deren Sektionen werden ersucht, Dienstag Abend im Arbeiierbildungsverein, zu einer Besprechung betreff» d-r Gewerkschaften zu erscheinen.___ Bruno Schräder. Kür Leipzigs Internationale Mctallarbeiterschaft. Montag, den 8. Januar Sitzung in der„Goldenen Säge" (Restaurant Viktoria). _ Aufnahme neuer Mitglieder.___ Kür Breslau. Sozial-demokratische Arbetter-Partei. Montag, den 8. d. M. Abends 8 Uhr, öffentliche Vcrsammlunß in Jentsch's Brauerei, Margarelhengasje 7, panerre. Tagesordnung:„Die Stellung der verschiedenen Parteien zul sozialen Frage." Vortrag von M. Kayser. Die Parteigenossen wer- den um zahlreiche Betheiligung ersucht. Gäste find gern gesehen. H. Oehme. Leipzig: Verantw. Redacteur A. Hepner(Re»ac»»n u. Expeoilt»» Hohestr. 4) Druck u. Verlag»on F. Thiele.