3. Mittwoch, de« 10. Januar. 1872 Erscheint Wöchentlich 3 mal in LeiHztg. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen de? In- und Auslände» an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstraß« 18, F.Thiele, Emilienßraße 3. Erscheint wöchentlich 3 mal in Leipzig. AbonnemcntSpreiS: Kür Preußen incl. Stempel- steuer 1SNgr.,fjtr die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. Filialerpedition für die Ber- einigten Staaten: ¥. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. yiaNewyork Organ der sofial-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschasten. Die Laudesversammlung der Sächfischeu Social- Demokraten ist in würdigster Weise verlaufen. Es waren 50— 60 Orte durch 120 Delegirte vertreten. Alle Gegenstände der Tages ordnung wurden am.Sonnabend in! zwei Sitzungen: von 10—12 Uhr Vormittag und' von 2 bis 9�, Uhr Nachmittag erledigt. Die Verhandlungen lieferten durch ihren geschäfls- mäßigen ernsten und entschlossenen Charakter den Beweis, daß die Sozialdemokraten Sachsens sich ihrer Aufgabe vollkommen bewußt und von dem festen Willen beseelt sind, die Pflichten, welche die Situation ihnen auferlegt, bis zu den äußersten Eon sequenzen zu erfüllen. Gewankt hat Keiner I Am Sieg gezwei felt hat Keiner I In nächster Stummer berichten wir ausführ lichcr, heute können wir nur die gefaßten Beschlüsse mit thcilcn. Am Samstag hatte im Apollosaal zu Chemnitz eine von 4000 Arbeitern besuchte Volksversammlung statt, der die Dclegirten beiwohnten, und die einen energischen Protest gegen die Maaß- reglungen einstimmig annahm. Der 6. und 7. Januar 1872 wird unfern Feinden gezeigt haben, daß sie durch die thörichten Verfolgungen der Sozialdemokratie nur ihren eignen Bankrout proklamirt, die Sozialdemokratie aber moralisch jund materiell gekräftigt haben. Die Beschlüsse der Landesversammlung lauten: Die Versammlung beschließt, eine Beschwerdeschrift an die sächsische Ständekammer und das Ministerium über die Maß- rcgelungen auf Grund des Vereins- und Versamm- lungsrechts zu erlassen, und beauftragt mit Ausarbeitung derselben eine Kommission von 3 Personen. Zu verlangen ist die Aufhebung der§§ 5 und 13, und 20 und 24 de» Vereins- und Versammlungs-Gcsetzes. Die Versammlung er- klärt dabei ausdrücklich, daß es ihr interessant ist, zu erfahren, welche Stellung die sogenannte„liberale" Mehrheit der II. Kammer gegenüber der Handhabung de» Vereins- und Ver- sammlungSgcsetzcS au» der Beust'fchen Reaktionsperiode ein- nimmt. TL Zu Punkt 2 und 3 der Tagetordnung, das Wahlrecht für die Landes- und Gemeinde-Vertretungen betr., erklärt die LandeS-Versammlung, daß durch die bis jetzt in Sachsen bestehenden VertretungS- und Wahlrechte sowohl, als auch die neuen Vorlagen hierüber nicht nur der erste Rechts- grundsatz:„Gleiche Rechte, gleiche Pflichten" zu Ungunsten der arbeitenden Bevölkerung auf da» Schwerste verletzt wird, sondern auch Rechtsfolgen hervorgerufen werden, welche die Rechte und Interessen genannter Bevölkerung schwer schädigen. Die Ver- sammlung protestirt deshalb im Vornherein gegen jedes Gesetz, welche» die Arbeiterklasse von der vollen Wahlbe. rechtigung ausschließt. Dahingegen fordert die Landesversammlung, daß jeder volljährige Staatsbürger das(gleiche und direkte) Wahlrecht habe, welches er für die Reichstagswahlen, für die Landtags- Wahlen des Landes, in dem er wohnt, und die Gemeinde- Wahlen der Gemeinde, in welcher er lebt, auszuüben berechtigt ist, so daß das Wahlrecht nur ein und dasselbe sür die verschiedenen Vertretungskörper ist. Das allgemeine Wahlrecht für die Gemeindevertretung bedingt, daß die Armenunter- stützung zur Reichssache gemacht und durch eine all- gemeine Reichssteuer, und zwar durch progressive Sin- kommensteuer, bestritten wird. III. Die LandeS-Versammlung vom 6. Juni 1871 zu Chem- Nitz erklärt: In Erwägung, daß eine feste, einheitliche Organisation resp. enge Verknüpfung aller Gewerks-Genossen- sch asten, behufS eines energischen thatträftigen Vorgehens gegen das Kapital, wie auch zur bessern Ausübung der gegen- seitigen Unterstützung absolut nöthig ist; In Anbetracht, daß es unter der bisherigen Gewerksge- nossenschafts-Organisation in kleineren Orten schwer fiel, für die Angehörigen einzelner Gewcrkc Mitgliedschaften von Ge- Werksgenossenschaften gründen, die Gründung von Mitglied- schaflen an solchen Orten aber nicht minder wichtig ist, al» in großen, soll so bald als möglich eine Gewerkschafts- Union gegründet werden: und zwar soll eine Kommission be- auftragt werden, ein provisorisches detaillirtes Programm einer solchen Arbeiterverbindung auszuarbeiten, dasselbe den Aus- schüsien aller jetzt bestehenden internationalen Gewerks-Ge- Nvssenschaften zuzusenden und sie aufzufordern, gedachtes Pro- gramm allen Mitgliedschaften zu übermitteln, deren Meinung hierüber einzuholen, dann baldigst einen allgemeinen Gewerkschafts-Kongreß einzuberufen; und, damit dieses mit möglichst geringen Kosten geschehen kann, empfiehlt die Landcs-Versammlung, daß dieser Kongreß zur Zeit des nächsten Kongresses der sozial-demokratischen Arbeiter-Partei in Mainz abgehalten werde. Ebenso empfiehlt sie, die Generalver- sammlung en der verschiedenen Gewerks-Genossenschaften eben- falls am gleichen Orte und zu gleicher Zeit anzuheraumen. Gleichzeitig empfiehlt die Landesversammlung den einzelnen Gewerks-Genossenschaften jeden OrtS, sich zu lokalen Zwecken iu vereinigen. 1) Die nach der Ansicht der Landes-Versammlung un- gefetzlichen Maßregelungen der Internationalen Gewerks- Genossenschaften sind überall da, wo solche stattgefunden, auf dem Rechtswege bis zur letzten Instanz zu be- kämpfen. 2) Ueberall da, wo die Gewerksgenossenschaften infolge von Maßregelungen zeitweilig in ihrer Thätigkeit gehindert sind, wird ihnen die Gründung von Lokal-Vereinen empfohlen. 3) Zur endgültigen Wahrung ihrer Interessen empfiehlt sich denselben, eine Versicherung bei einer bezüglichen Rückversicherungs-Gesellschaft anzubahnen. IV Die LandeS-Versammlung beschließt: die Aufhebung der Di en stb ot en-O r dn u n g ist vom Standpunkte der Menschenwürde und nach den Prinzipien der Humanität und der Gleichheit Aller vor dem Gesetz eine selbstverständliche Forderung. Eine bloße Reform der Gesinde- Ordnung ist eine Verletzung dieser Grundsätze. Die Parteiblätter werden aufgefordert, die Gesinde-Ordnung einer gründlichen Kritik zu unterziehen, und die Parteimitglieder sind verpflichtet, in allen Versammlungen, wo Dienstboten und ländliches Proletariat zugegen ist, auf dieselbe hinzuweisen. V. In Bezug auf Punkt 4 der Tagesordnung(Kirchen- vorstandswahlen), der zuletzt zur Besprechung kam, wurde beschlossen, bei dem Beschlüsse der vorjährigen Landes-Versamm- lung, die den Partei-Mitgliedern den Austritt aus der Lan- deskirche anempfahl, zu verharren. Herborn in Nassau. Am 30. Decbr. v. J. fand in der Anklage gegen unsere Parteigenossen Wilh. Schmidt und Jacob Schupp die Hauptverhandlung vorKgl. Straf- kammer zu Dillenburg statt, und dauerte solche von 11 Uhr Vormittags bis 1I39 Uhr Abends. Die Vertheidigung, welche Schmidt selbst führte, nahm allein 21/j Stunden in Anspruch Der Staatsanwalt hatte gegen Schmidt eine 3monatliche Haft unter Anrechnung der Untersuchungshaft von 6 Wochen, gegen Schupp eine 6wöchentliche Haft beantragt. Das Urtheil fiel jedoch anders aus, indem Schmidt zu einer 10 wöchentlichen Haft ohne Anrechnung der Unter- suchungshaft und Schupp zu einer sieben wöchentlichen Haft vcrurtheilt wurde. Außerdem wurde unsere hiesige Parteimit- gliederschaft als Verein betrachtet und dieselbe für aufgelöst erklärt. E» scheint fast, als habe man ein Exempel statuiren wollen. Gegen Schmidt wurde die Fortsetzung der Haft be- schlössen; wir haben aber Schritte gethan, um für Schmidt Caution.zu leisten, indem solche nach Angabe des Staalsan- walts höchstens 100 Thlr. beträgt. Appellation gegen das Er- kenntniß ist bereits angezeigt. Am gesttigen Tage fand auch die Verhandlung in Sachen Viktor Mayers zu Limburg gegen Schmidt statt, wozu 16 Zeugen aus Wetzlar und der Umgegend geladen waren, welcbe bezeugten, daß die ganze Gegend der Ansicht sei, die Schmidt in seinem Artikel vorgeführt; auch waren einige Zeugen da, welche aussagten, daß der Heizer wegen zu geringen Lohns fort- gegangen, wogegen ein Baumeister aus Wetzlar, welcher als Fachvcrständiger von W. Mayer vorgeschlagen war, bezeugte, daß da« Unglück hierdurch nicht vorgekommen, sondern Niemand die Ursache desselben wisse. In Folge dessen wurde Schmidt mit 14 Tagen Haft bestraft. Wir werden jetzt einen Arbeiterverein, Club, Casino oder dergleichen hier errichten. Wenn die Leute glauben, uns todt gemacht zu haben, so ind sie gewaltig irre, wir haben ein zähes Leben. Uebcr die Gerichtsverhandlung und Zeugenaussagen werden wir noch ganz interessante Aufschlüsse nächstens geben. Die hiesigen Parteigenossen. Pesth. Nach mehrmonatlicher Gefangenschaft sind in voriger Woche 24 von den 28 hier eingekerkerten„Hochver- rälhern" auS der Haft entlassen worden, ohne daß sich im Laufe der„Untersuchung" auch nur das Geringste hätte er- Mitteln lassen, was zu I einem Prozesse führen kann. Um den Schein des„Rechts" zu wahren, hat man 4„Führer" noch in Haft zurückbehalten; es ist aber zweifellos, daß gegen die- elben ebensowenig etwas vorliegt, wie gegen die entlasse- nen 24.—_ Der Braunschweigische Staatsanwalt Koch scheint das Bedürfniß verspürt zu haben, die Rolle, welche er in dem be- rüchtigten Prozeß gegen Bracke, Spier, Bonhorst und Kühn gespielt hat, zu rechtfertigen; wenigstens können wir es uns nicht anders erklären, daß dieser Herr eine Broschüre über diesen Prozeß geschrieben hat. Charakterisirt wird dieselbe durch nach- lehendc, der Redaktion des Braunschweiger„Volkssreund" zu- .egangcne Erklärung Bracke'ö: „Sie haben bereits im Allgemeinen berichtet, daß die Koch'sche Broschüre ziemlich objektiv au»gesall«n sei. Trotzdem sind Jrrthümer in derselben, welche öffentlich von mir berichtigt werden müssen.— Nach dem Staatsanwalt Koch ist meine und meiner Freunde Verhaf- wog am 3. Sept. 1870 nicht durch die Beamten der Polizeidirektion ausgeführt. Dem gegenüber erkläre ich, daß ich von einem Polizei- fergeanten auf meinem Zimmer verhaftet, von einem solchen mit Ketten geschlossen und dann erst einer Militärpatrouille ubergeben wurde.— In dem Bericht über mein Verhör läßt mich Herr Koch sagen:„Die Anklage bleibt nicht obiektiv, indem sie uns fähig erscheinen läßt, ähn- liche Schandthaten, wie die Kommilne, zu begehen." Danach muß leder Mensch annehmen, als ob ich von Schandthaten gesprochen, welche die Kommune wirklich begangen habe, während ich lediglich von den Schandthaten gesprochen habe, die sich als von der Kom- mune begangen, im Hirne des Staatsanwalts spiegeln:„das von der Kommune entworfene Bild ist nicht objektiv", waren meine Worte, und daran knüpfte ich die Bemerkung, daß die Anklage darauf hinaus- gehe, gestützt auf dies von der Kommune entworfene Bild und auf die vermeintlich von der Kommune begangenen Schandthaten die Richter dadurch gegen uns einzunehmen, daß wir als zu gleichen Schanb- thaten fähig erscheinen sollten. ES war dies ein staatsanwaltliches Verfahren, dessen Ehrenhaftigkeit ich auch heute noch nicht einzusehen vermag.— Ganz bequem für den bekannten 8 131 läßt mich der Staatsanwalt dann beziehentlich der„preußischen Kaserne" weiter sagen:„Damals(d. h. also am 5. Sept. 1870) waren die Einrich- tungen inr Militärwesen in Deutschland gemeinsam", während ich, wie auch der„Volksfreund" ganz recht berichtete, mich etwa so aui- gedrückt:„Ich habe von der in der preußischen Kaserne zu finden- den Einheit gesprochen, in welcher die Einigung indeß noch nicht dagewesen sei." Es ist ja auch männiglich bekannt, daß der Eintritt der Südstaaten in den Nordbund erst viel später erfolgte.— Ueberhaupt sei bemerkt, daß der Bericht iui„Volksfreund" ausführlicher, präziser und aufklärender ist, als der Bericht in der Koch'schen Bro- schüre.— Ich hätte nun über diese Broschüre, den Prozeß selbst und was damit zusammenhängt, dem Herrn Staatsanwalt, dem Herzog!. KreiSgericht und der Herzog!. Polizeidirektion noch sehr viel zu sagen; aber einestheils gebricht es mir ait Zeit, anderntheils ist mir das ewige Wiederkäuen desselben Gegenstandes schließlich zum Eckel qc- worden, weSbalb ich denn auch erst in diesen Tagen die Koch'sche Broschüre gelesen habe. Vielleicht gewinne ich'» aber noch einmal über mich, mich eingehend mit dem Gegenstande zu beschäftigen und werde ich mir dann erlauben, einigepassende Worte andie genannten Adressen zu richten. Für heute genug. W. Bracke. Bekanntlich ist Becker, Redakteur deS Braunschweiger „Volksfreund", jetzt wegen„PreßvergehcnS" in Haft. Obgleich der Begriff:„Preßvergehen" ein durch und durch reaktionärer und obgleich es ein Hohn auf unsere„Civilisation" ist, daß man die freie Meinungsäußerung mit Gefängniß bestraft, so haben die modernen Staaten doch der öffentlichen Meinung die Konzession gemacht, der Haft wegen„Preßvergehen" die mildeste Form der Freiheitsberaubung zu geben. Nicht so in Braunschwcig. Wie wir erfahren, ist Becker hermetisch von jedem Verkehr mit der Außenwelt abgeschlossen; nur in den dringendsten Ausnahmefällen wird die Erlaubniß er- theilt, ihn zu sprechen, und dann bloß in Gegenwart deS Ge- fängnißinspcktors. Die Braunschweigischen Behörden haben es offenbar darauf abgesehen, der annexionslustigen Preußischen Regierung den gewünschten Bewei» zu liefern, daß die Fort- existenz dieses Kleinstaats dem Zeitgeist zuwiderläuft. „Wie Stroußberg wohnt" und— wie Feuerbach wohnt: Eifrige Zeitungslescr werden sich noch der eingehenden Schilderung deS Stroußberg'schen Palais erinnern, welche unter dem Titel„Wie Stroußberg wohnt" vor längerer Zeit durch die Bourgeoisblätter die Runde machte. Nichts von den lururi- ösen Kostbarkeiten, welche in den Gemächern von Fürsten und Millionären vereinzelt anzutreffen sind, fehlte da; das Kunst- vollste und Schönste, was der Zauberarm der neuzeitlichen In- dustrie hervorgebracht, war da zu finden. Bibliothekzimmer und Kunstgallerie, Gesellschastssalons und Speisesäle, Wohnungspiecen undSchlafzimmer, Geschäftskabinette und Wartehallen,— Alles war auf das Feinste und Geschmackvollste austapeziert und ausmeub- lirt, dekorirt und illuminirt.„So wohnt Stroußberg" schloß euer Lobhudcl-Artikel, welcher zu den ekelhaftesten Mammons- Huldigungen gehört, die je im Tempel der Literatur dargebracht worden sind.„So wohnt Stroußberg", der Allerhöchst prioi- legirte Halsabschneider und Blutsauger, der Mann, welcher zahl- lose Eristenzenruinirt oder an den Rand des Abgrunds gestürzt hat, um auf deren Trümmern mit dem erschwindelten Glänze, dessen einst- wcilige Wirkung durch das bekannte Sprüchwort aus- gedrückt ist:„Kleider machen Leute", sich zum Gott- ohn des Gottvaters Mammon ausrufen zu lassen.„So wohnt Stroußberg", der Mann, dessen Leben und Thaten erst der krimi- nalistischen Literatur einverleibt sein muß, ehe daran zu denken ist, daß das ganze Volk sich für die Frage interessiren wird: „Wie wohnt Feuerbach?"—„Wie Stroußberg wohnt", haben wir gesehen; hören wir nun, wie Feuerbach wohnt. — Ein Breslauer Korrespondent der„Volkszeitung"— welche noch vor 14 Tagen die Stirn hatte, zu sagen, die Ausrufe (von Memminger und Genossen) für Feuerbach liefen auf(so- zialistische) Parteireklame hinau»— theilt aus einem ihm zu- gegangenen Privatschreiben über Feuerbachs Lage Folgendes mit: „Er bewohnt, um Ihnen nur Eines zu sagen, seit er hier ist, weit von der Stadt, eine Wohnung für 100 Gulden, wftl eS nie gelangt hat, eine bessere zu beziehen. Er hat ein Stu- dirzimmer, mit Stein gepflastert, das er im Winter voll- tändig unbenutztlassen muß, weil es nicht heizbar, und teckt in einer kleinen, erbärmlichen Kammer, daß es ein Januner ist. Sammeln Sie tüchtig! Es ist höchste Zeit. Sein Geist ist im Erlöschen. Es könnte Alles zu spät werden."— So wohnt Feuerbach._ In Schleswig-Holstein sind die Mitgliedschaftensdes allgemeinen deutschen Arbeitervereins(als„Zweigvereine") aufgelöst worden. Der„Neue Sozialdemokrat" bescheinigt den Empfang dieses offiziellen Winks mit dem Zaunpsahl durch verdoppeltes Geschimpfe auf die Internationale. Ein nationalökonomischer Vortrag. (Gehalten im Berliner Demokratischen Arbeiterverein.) (Fortsetzung.) Wir wissen also, daß der Arbeiter seine Arbeitskraft auf dem Markte verkaufen muß und verkauft; fragen wir nun, welches ist denn der Werth dieser Waare? Der Tauschwerth ist, wie uns bekannt, die zur Herstellung der Waare gesellschaft- lich nöthige Arbeitszeit.— Jede menschliche Arbeit ist ein Verausgaben von menschlicher Lebenskraft; Muskel, Skerven und Hirn werden dabei verbraucht und durch Wahrung wieder ersetzt;— die Arbeitskraft wird also durch ein gewisses Quan- tum von Nahrungsmitteln erhalten, resp., wenn erschöpft, wieder hergestellt, und der Tauschwerth der Arbeitskraft ist also nur gleich dem Werthe der zu ihrer Wiedererlangung nöthigen Lebensmittel. Da aber der Fortpflanzungstrieb der stärkste im Menschen ist und ohne fortwährende Wiedererzeugung die Ar- beirer aussterben würden, muß der für die Hingabe der Ar- beitskraft gezahlte Preis, d. h. ihr eigener Werth gleich sein der zur Erhaltung und Fortpflanzung der Arbeiter nöthigen Subsistenzmittel- Eie sehen, meine Herren, daß wir auf diesem Wege zu demselben Lohngesetz gekommen sind, welches die englischen Oekonomen durch Beobachtung der Wirkungen von Nachfrage und Angebot gefunden haben.— Der Arbeiter hat also seine Arbeitskraft verkauft, erhält deren Tauschwerth in seinem Lohn, und der Käufer der Waare tritt damit in den Besitz des Ge- brauchswerthes derselben. Er läßt den Arbeiter für sich ar- beiten und das Produkt der Arbeit gehört ihm. Setzen wir nun den Fall, der Arbeiter arbeite 6 Stunden und produzire in dieser Zeit denselben Werth, den er als Lohn erhält, so liegt eö auf der Hand, daß kein Mehrwerth erzeugt werden kann; denn es wird ja den Rohstoffen gerade nur so viel Werth zugefügt, als der Arbeitgeber im Lohn ausgiebt! Damit ist demselben aber nicht gedient, es soll Mehrwerth er- zeugt werden und geschieht dies auf dem einfachen Wege der längeren Arbeitszeit. Es leuchtet ein, daß, wenn 6 Stunden zum Ersatz des Lohnes ausreichen, jede fernere Stunde Arbeit den dadurch geschaffenen Werth in die Tasche des llnternehmers fließen läßt. Der Sprachgebrauch und die landläufige Anschauungsweise lassen es so erscheinen, als ob der Arbeiter seine Arbeit durch den Lohn bezahlt erhielte; Sie haben gesehen, daß dies nicht der Fall ist, sondern daß zur Zahlung des Lohnes nur ein Theil des von dem Arbeiter geschaffenen Gerthes verwandt wird, und— ich bitte Sie, dies nicht zu vergessen— auch nur verwandt werden kann, da das einmal eingeführte Institut des Zinses jeden Unternehmer zwingt, einen Theil des erzeugten Werthes aus Kapitalzins zu verrechnen. Wir wissen nun, daß! der Mehrwerth entsteht durch Ver- längerung des Arbeitstages über die zur Erzeugung des Lohnes nöthige Zeitdauer. Marx zeigt nun an der englischen Ar- beitergesetzgebung, wie es früher das Streben der herrschenden Klassen war, die Arbeitszeit durch Gesetze und Zwangsmittel immer mehr zu verlängern, bis der Druck auf die Arbeiter so groß wurde, daß sich unter ihnen die Forderung erhob, die Arbeitszeit durch Gesetz auf eine bestimmte Stundenzahl fest- zusetzen, d. h. den Normal-Arbeitstag einzuführen. Hiergegen erhob sich selbstverständlich ein großes Geschrei; hören Sie, was eine englische Zeitung, der London Daily-Telegraph vom 14. Januar 1860 berichtet: pag. 212. „Herr Broughton erklärte als Präsident einer Ver- sammlung, abgehalten in der Stadthalle von Nottingham am 14. Januar 1860, daß indem mit der Spitzenfabrikation beschäftigten Theile der Bevölkerung eiü der übrigen zivilisirten Welt unbekannter Grad von Leid und Entbehrung vor- herrscht. Um 2, 3, 4 Uhr des Morgens werden Kinder von 9— 10 Jahren ihren schmutzigen Betten entrissen und gezwungen, für die nackte Subsistenz bis 10, 11, 12 Uhr Nachts zu arbeiten, während ihre Glieder wegschwinden, ihre Gestalt zusammenschrumpft und ihr menschliches Wesen ganz und gar in einen steinähnlichen Zustand erstarrt, dessen war in England noch Mitte des 17. Jahrhunderts der nor- male Arbeitstag vollblütiger Handwerker, robuster Acker- knechte und riesenhafter Grobschmiede!"— Haben wir gesehen, wie der Mehrwerth durch Verlängerung der Arbeitszeit entsteht, so liegt mir nur ob, Ihnen zu zeigen, daß auch durch Verkürzung der zur Lohngewinnung nöthigen Zelt Mehrwerth geschafft werden kann. Marx giebt aus den Berichten der englischen Fabrik-Jnspektoren haarsträubende De- tails über die Art und Weise, wie die Arbeiter um die ihnen gesetzlich zustehende Essens- und Ruhezeiten betrogen werden; aus dem vielen Material nur Folgendes: pag. 208. Fabrik-Jnspektor Horner schreibt: 9. August 1859: „Der betrügerische Fabrikant beginnt die Arbeit eine Viertel- stunde, manchmal früher, inanchmal später, vor 6 Uhr Mor- gens, und schließt sie eine Viertelstunde, manchmal früher, manchmal später, nach 6 Uhr Nachmittags. Er nimmt 5 Minuten weg vom Anfang und Ende der nominell für das Frühstück anberaumten halben Stunde, und knappt 10 Minuten ab zu Anfang und Ende der für Mittagsessen an- beraumten Stunde. Samstag arbeitet er eine Viertelstunde, manchmal.mehr, ananchmal weniger, nach 2 Uhr Nach- mittags. Das macht wöchentlich 5 Stunden 40 Minuten, was mit 50 Arbeitswochen multiplizirt, nach Abzug von 2 Wochen für Feiertage und gelegentliche Unterbrechungen, 27 Arbeitstage giebt."— „Wenn Sie mir erlauben,— sagte ein sehr respektabler Fabrikherr—, täglich nur 10 Minuten Ueberzeit arbeiten zu lassen, stecken Sie jährlich 1000 Pfund Sterling in meine Tasche."— Beide bisher besprochenen Arten der Erzeugung von Mehr- werth gehen nun nur von dem Gesichtspunkt aus, daß der Arbeiter- in jedem Zeitabschnitt gleich produktiv, gleichmäßig werthschaffend arbeitet. Bei der Entwickelung der gesellschaft- lichen Arbeit tritt nun aber noch ein anderes Mo- ment hinzu, nämlich die Vermehrung der Leistungsfähigkeit des einzelnen Arbeiters durch immer größere Theilung der Arbeit. Während früher z. B. ein Tischler alle in dem Fach vor- kommenden Arbeiten erlernen mußte, sehen wir heute die Arbeiter in einer Werkstatt fast immer nur eine Art Arbeit verrichten; der Eine macht nur Stühle, der Andere Tische, Der Kommoden, Jener Sophagcstelle. Da wird dein einzelnen Arbeiter wieder nur ein Stück zu machen gegeben. Einer macht die Platte, Einer den Kasten, Andere die Füße, Einer stellt zusammen, zum Po liren kommt wieder ein Anderer an die Reihe. Selbstvev ständlich wird hierdurch die Arbeit produktiver, es werden in kürzerer Zeil mehr Stücke fertig,— aber es sinkt auch der in den fertigen Stücken sitzende Werth nicht blos dadurch, daß weniger Arbeit in ihnen steckt, sondern besonders dadurch, daß weniger kunstvolle Arbeit in ihnen steckt. Es ist selbstverständ- lich, daß es viel leichter ist, einen bestimmten einfachen Gegen stand zu machen, als ein ganzes Handwerk zu erlernen; es finden sich daher viel leichter und schneller die Arbeiter zu solchen Verrichtunzen. Denken Sie an die Buchbinderei, an die heute hier in Berlin in so großein Umfange betriebene Fabrikation von Lederwaaren! Es wird Ihnen klar, daß durch diese immer mehr vor sich gehende Theilung der Arbeit es möglich ge- worden ist, die für solche Zwecke unverwendbaren Frauen her- anzuziehen, und so sehr auch die Produktivität der Arbeit hierdurch gewonnen hat, so kann man doch nicht verkennen, daß die Einführung der Frauenarbeit, welche eben nur durch diese manufakturmäßige Theilung ermöglicht wurde, den Werth der Männerarbeit herabdrücken mußte. Neben dem Sinken der Löhne stellt sich aber noch ein moralischer Nachtheil für den Arbeiter heraus. Je einfacher und eintöniger eine Arbeit ist, je weniger sie alle körperlichen und geistigen Kräfte in An- spruch nimmt, desto weniger werden auch dieselben durch die Arbeit geübt. Ein Mensch, der sein Leben lang nur ein und dieselbe, wenig oder kein Nachdenken erfordernde Arbeit ver- richtet, sinkt zu dem herab, was Aristoteles in dem Sklaven sah, zu einem beseelten Werkzeug. Dies chat schon Adam Smith lichen Debatten, sondern sehr wohl möglich, weil die Oeffentlichkeit kamen. erkannt, der da sagt: � cm- nv...,„Der Geist der großen Mehrzahl der Menschen entwickelt blosier Anblick schauderhaft ist. Mr sind mch überrascht. � �thweitdig aus und an ihren Älltags-Verrichtungen. Ein daß Herr Mallet und andere Fabrikanten auftraten, um �er sein ganzes Leben in der Verrichtung weniger Protest gegen jede Diskussion einzulegen. Da-. Operationen vorausgabt, hat keine Gelegenheit, seinen System, w.e ber Rev. Mr� Monta gu Valpu es be- � � Ü6en.@r wird im Allgemeinen so stupid und un- schrieb ist ein System unbe chränkter Sklaverei, Sklaverei imc cä füt �e menschliche Kreatur.»öglich ist. Sein .n sozialer, physischer, moralischer und intellektueller B-- �schick in seinem besonderen Gewerke scheint so erworben auf Ziehung! Was soll man denken von einer Stadt, d.e e,n|jMten feinev intelllctuellen, soziale.: und kriegerischen Tugenden Aber in jeber industriellen und zivilisirten Gesellschaft ist dies der Zustand, worin der arbeitende Arme, d. h. die große Masse des Volks nothwendig*) verfallen muß."— Marx führt dies, wie Alles, was ich Ihnen nur andeu- tungsweise vorgetragen, eingehend aus, und kommt dann auf den Umschwung, den die Einführung der Maschinen, die Dampf- kraft in der Produktion hervorgerufen hat. Die Maschinen ersetzen nicht blos Werkzeug, sondern auch menschliche Arbeits- kraft; den Nalurkräften wird die Bewegung übertragen, nicht mehr treibt menschliche Kraft das Rad, der Dampf ist an die telle derselben getreten, und mit jedem Fortschritt in der Wissenschaft und der Mechanik wird die zur Bedienung der man denken von einer Stadt, die ein öffentliches Meeting abhält, um zu p etiti oniren, daß die Arbeitszeit für Männer täglich auf 18 Stunden beschränkt werden solle! Wir deklamiren gegen die virginischen Pflanzer! Ist je- doch ihr Ztegermarkt, mit allen Schrecken der Peitsche und dem Schacher in Menschenfleisch, abscheulicher, als diese langsame Menschenabschlachtung, die vor sich geht, damit Schleier und Kragen zum Vortheil von Kapitalisten fabri- zirt werden?"—, Marx schreibt(Seite 243): „Die Festsetzung eines normalen Arbeitstages ist das Resultat eines vielhundertjährigen Kampfes zwischen Kapi talist und Arbeiter. Doch zeigt' die Geschichte dieses Kampfes I M�chi�Vnoüyge'menschliche"Arbeit' leichter" zu'erlernen und zwei entgegengesetzte Strömungen. Man vergleiche die eng- 1 cn>,.„cx lische Fabrikgesetzgebung unserer Zeit mit den englischen Ar- beiterstatuten vom 14. bis tief in die Mitte des 18. Jahr- Hunderts. Während die moderne Fabrikgesetzgebung den Arbeitstag gewaltsam abkürzt, suchen ihn jene Statuten gewaltsam zu verlängern. Es kostet Jahrhunderte, bis der freie Arbeiter in Folge entwickelter kapitalistischer Produktionsweise sich freiwillig dazu versteht, d. h. gesell- schastlich gezwungen ist, für den Preis seiner gewohnheits- mäßigen Lebensmittel seine ganze aktive Lebenszeit, ja seine Arbeitsfähigkeil selbst, seine Erstgeburt für ein Ge- richt Linsen zu verkaufen. Es ist daher natürlich, daß die Verlängerung des Arbeitstages, die das Kapital von Mitte de» 14. bis Ende des 17. Jahrhunderts staatsgewaltig den volljährigen Arbeitern aufzuzwingen sucht, ungejähr mit der Schranke der Arbeitszeit zusammenfällt, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Verwandlung von Kinder- blut in Kapital hier und da von Slaalswegen gezogen wird. Was heute im Staate Massachussets, bis jüngst dem freiesten Staate der nordameritanischen Republik, als Staalsschranke der Arbeit von Kindern unter 12 Jahren proklamirt ist, teichler auszuführen. Der Mensch, früher selbstthätiger Arbeiter, wird, wie schon der von mir gebrauchte Ausdruck sagt, zum Diener der Maschinen, seine Arbeit wird so einfach, erfordert so wenig körperliche Kraft, daß nun neben den Frauen auch die Kinder zur Arbeit herangezogen werden können. (Schluß iolqt.) Der Klonflrck von Souvillters und die Internationale. Was die Lage der Internationalen Arbeiter-Associalion in diesem Augenblick ist, brauchen wir wohl kaum auszuführen Auf der einen Seile haben ihr die großartigen Pariser Ercig- nisse eine Macht und Ausdehnung gegeben, wie sie solche noch nie besessen; auf der andern finden wir fast alle europäischen Regierungen wider sie verbündet, Thiers mit Gortschakosf, Bis- marck mit Beust, Viktor Emanuel mit dem Papst, Spanien mit Belgien. Eine allgemeine Jnternationalen-Hetzjagd ist los- *) Dieses„nothwendig" läßt sich freilich nur auf die nach heu tige» Legrissen„eivilisirt" geiiaiinte Gesellschasi, nicht aus eine wirtlich civ>lisi.rle Gesellschaft anweuden, deren Merkmal es eben sein muß, Zustände, wie die geschilderte», nicht in ihrem Schöße zu bergen; es ist das„nothivendig" deö an die Nothwendigleit der kapitalistischen Produklion Glaubenden. gelassen, alle Gewalten der alten Welt, Kriegsgerichte und Ci- vilgerichte, Polizei und Presse, Krautjunker und Bourgeois wetteifern in der Verfolgung, und auf dem ganzen Kontinent ist kaum ein Plätzchen, wo man nicht Alles aufbietet, die schrecken- erregende große Arbeilerverbrüderung außerhalb des Gesetze» zu erklären. Es ist grade dieser Moment der allgemeinen, zwanzs- mäßigen Desorganisation durch die Mächte der alten Gesell- schaft, dieser Moment, wo Einigkeit und Zusammenhalten nöthiger als je, es ist grade dieser Moment gewählt worden von einer kleinen, nach ihrem eigenen Geständniß täglich mehr und mehr zusammenschwindenden Anzahl von Internationalen in einem Winkel der Schweiz, um durch ein öffentliches Cir- kular einen Zankapfel unter die Mitglieder zu werfen. Diese Leute— sie betiteln sich Föderation des Jura— sind im wesentlichen Dieselben, welche unter der Führung von. Ba- kunin seit mehr als zwei Jahren unablässig die Einigkeit in der französischen Schweiz gestört und durch eifrige Privatcorres- pondenz mit einzelnen verwandten Größen in verschiedenen Ländern dem Zusammenwirken in der Internationalen entgegen gearbeitet haben. So lange diese Jntriguen sich auf die Schweiz beschränkten oder im Stillen vorgingen, haben wir ihnen keine größere Oeffentlichkeit geben wollen; dies Zirkular zwingt uns zu sprechen. Die Föderation des Jura hat auf ihrem Kongreß zu Son- villiers am 12. Novbr.— sich darauf stützend, daß der Ge- neralrath dieses Jahr nicht einen Kongreß, sondern eine Konfe- renz berufen hatte,— ein Cirkular an alle Sektionen der In- ternationalen beschlossen, welches gedruckt in Massen nach allen Weltgegenden verbreitet worden, und worin die Sektionen auf- gefordert werden, auf sofortige Berufung eines Kongresses zu drängen. Weshalb der Kongreß durch eine Konferenz ersetzt werden mußte, ist, für uns in Deutschland und Oestreich wenigstens, sonnenklar. Wir hätten dort nicht vertreten sein können, ohne daß unsre Delegirten bei der Rückkehr sofort ab- gefaßt und in sichern Gewahrsam gebracht worden wären, und in derselben Lage hätten sich die Delegirten aus Spanien, Jta- lien, Frankreich befunden. Eine Konferenz aber, die keine öffent- nur Verwallungssitzungen hält, war die Namen der Delegirten nicht an Sie hatte den Nachtheil, daß sie keine Prinzipienfragen entscheiden, keine Stalutenveränderungen und überhaupt keine gesetzgebenden Handlungen vornehmen konnte, und sich ans Verwaltungsbeschlüsse zur bessern Ausführung der durch die Statuten und Konzreßbeschlüsse festgestellten Organi- sation beschränken mußte. Aber das war auch das unter den Umständen allein Erforderliche, es handelte sich um Maßregeln für den augenblicklichen Wothstand, und für diesen reichte sie hin. Die Angriffe gegen die Konferenz und ihre Beschlüsse jedoch waren blos der Vorwand. Das vorliegende Circular spricht auch nur nebenbei davon. Es findet im Gegentheil, daß das Uebel viel tiefer liegt. Es behauptet, nach den Sta- tuten und ursprünglichen Kongreßbeschlüssen sei die Jnternatio- nale Nichts als„eine freie Föderation von autonomen(selbst- ständigen) Sektionen," die die Emanzipation der Arbeiter durch die Arbeiter selbst bezweckt,„außerhalb jeder, selbst durch freie Zustimmung geschaffenen, leitenden Autorität." Demnach sei der Generalrath nichts weiter als„ein bloßes statistisches und Correspondenz-Bureau." Diese ursprüngliche Grundlage sei aber sehr bald gefälscht worden, zuerst durch das dem General- rath gegebene Recht, sich selbst durch neue Mitglieder zu er- gänzen, und noch mehr durch die Baseler Kongressbeschlüsse, die dem Generalrath des Recht gaben, einzelne Sektionen bis zum nächsten Kongreß zu suspendiren und Streitigkeilen vor- läufig bis zum Kongreßbeschluß zu entscheiden. Dadurch sei dem Generalrath eine gefährliche Macht in die Hände gegeben, die freie Vereinigung selbständiger Sektionen in'eine hierarchische und autoritäre Organisation„disciplinirter Sectionen" ver- wandelt worden, sodaß„die Sektionen ganz in der Hand deS Generalraths seien, der nach Belieben ihre Zulassung verwei- gern oder ihre Thätigkeit suspendiren könne." Unfern deutschen Lesern, die nur zu sehr den Werth einer Organisation kennen, die sich wehren kann, wird dies Alles lehr wunderbar vorkommen. Natürlich, denn die Theorien des Herrn Bakunin, die hier in ihrer vollen Blüthe erscheinen, sind bisher nicht nach Deutschland gedrungen. Eine Arbeitergesell- 'chaft, die vor Allem den Kampf für die Emancipation der Arbeiterklasse auf ihre Fahne geschrieben hat, soll an ihrer Spitze haben— nicht einen vollziehenden Ausschuß, sondern ein bloßes statistisches und Korrespondenzbüreau! Aber der Kampf für die Emanzipation der Arbeiterklasse ist für Bakunin und eine Gesellen bloßer Vorwand; der wahre Zweck ist ein ganz anderer. „Die zukünftige Gesellschaft soll nichts anderes sein als vie Verallgemeinerung der Organisation, welche die Interna- tionale sich gegeben haben wird. Wir müssen also dafür sorgen, daß diese Organisation sich so viel nur möglich unserm Ideal nähert... Die Internationale, der Keim der zukünftigen inenschlichen Gesellschaft, ist gehalten, schon jetzt das getreue Ab- bild unserer Prinzipien der Freiheit und des Föderalismus zu 'ein, und aus ihrem Schöße jedes Prinzip zu verstoßen, daS zur Autorität und zur Dictatur strebt." Wir Deutschen sind wegen unsres Mysticismus verschrieen, aber an diesen Mysticismus reichen wir bei weitem nicht. Die Internationale, ein Vorbild der künftigen Gesellschaft, wo es keine Versailler Erschießungen, keine Kriegsgerichte, keine stehen- den Heere, keine Brieferbrechungen, kein Braunschweiger Kriminal- gericht mehr geben wird! Grade jetzt, wo wir uns mit Hand und Fuß unsrer Haut wehren müssen, soll das Proletariat sich nicht nach den Bedürfnissen des Kampfs organisiren, den man ihm täglich und stündlich aufzwingt, sondern nach den Vor- stellungen, die sich einige Phantasten von einer unbestimmten zukünftigen Gesellschaft machen! Stellen wir uns doch unsere eigne, deutsche Organisation vor, wie sie nach diesem Muster ausseh n-würde. Statt gegen die Regierungen und gegen die Bourgeoisie zu kämpfen, würden wir darüber spintisiren, ob auch jeder Artikel unsrer Statuten, jeder Kongreßbeschluß daS getreue Abbild der künstigen Gesellschaft sein wird. Statt unfers vollziehenden Ausschusses— ein bloßes statistische» und Correspondenzbüreau, das selber zusehen mag, wie es mit den selbstständigen Sektionen fertig wird, die so selbstständig sind, daß fle nicht einmal eine durch ihre eigne freie Zustimmung ge- schaffene leitende Autorität anerkennen dürfen; damit verletzten ste ja ihre erste Pflicht, nämlich die, ein getreues Vorbild der zukünftigen Gesellschaft zu sein! Von Zusammenfassen der Kräfte, von gemeinsamer Aktion, ist keine Rede mehr. Wenn in jeder einzelnen Sektion die Minderzahl sich der Mehrzahl fügt, so begeht sie ein Verbrechen gegen dft Prinzipien der Freiheit und erkennt ein Prinzip an, das zur Autorität und zur Diktatur strebt! Wenn Stieber mit allen seinen Gesellen, wenn das ganze schwarze Kabinet, wenn sämmtliche preußische Offiziere auf Befehl in die sozialdemokratische Organisation eintreten, um sie zu ruiniren, so darf der Ausschuß oder viel- mehr das statistische Correspondenzbüreau ihnen das bei Leibe nicht wehren, das hieße ja eine hierarchische und autoritäre Organisation einführen! Und namentlich keine disziplinirten Sektionen! Ja keine Parteidisziplin, keine Centralisation der Kräfte auf einen Punkt, keine Massen des Kampfs! Wo bliebe da das Vorbild der künftigen Gesellschaft? Kurz, wohin kämen wir mit dieser neuen Organisation? Zu der feigen, kriechenden Organisation der ersten Christen, jener Sklaven, die jeden Fußtritt mit Dank hinnahmen und die nach dreihundert Jahren allerdings ihrer Religion durch Kriechen den Sieg verschafften — eine Methode der Revolution, die das Proletariat wahrlich nicht nachahmen wird I Grade wie die ersten Christen sich ihrsu vorgestellten Himmel zum Vorbild ihrer Organisation nahmen, so sollten wir uns den gesellschaftlichen Zukunftshimmel des Herrn Bakunin zum Vorbild nehmen, und statt zu kämpfen— beten und hoffen. Und die Leute, die uns diesen Unsinn predi- gen, geben sich für die einzigen wahren Revolutionäre aus! Um wieder zur Internationalen zurückzukehren, so hat es mit alle dent einstweilen gute Wege. Der Generalrath hat bis zum neuen Kongreßcntscheid die Pflicht, die Baseler Be- schlüsse auszuführen und wird seine Pflicht erfüllen. Und wie er sich nicht genirt hat, die TolainS und Durands auszustoßen, so wird er dafür sorgen, daß den Stiebers und Consorten der Zutritt in die Internationale verschlossen bleibt, wenn auch Herr Bakunin dies diktatorisch finden sollte. Aber wie sind denn diese schlimmen Baseler Beschlüsse zu Stande gekommen? Ganz einfach. Die belgischen Delegirten schlugen sie vor, und niemand hat wärmer dafür ge- sprachen als Bakunin und seine Freunde, namentl'ch Schwitzguebel und Guillauine, die Unterzeichner des gegeivär- tigen Cirkulars I Aber freilich, damals stand es anders. Da- mals hofften diese Herren, die Majorität zu erlangen und den Generalrath auf sich übertragen zu sehen. Damals konnten sie den Generalrath nicht stark genug machen. Und jetzt— ja, Bauer, das ist ganz was Anderes! Jcht sind die Trauben sauer, und jetzt soll er auf ein bloßes statistisches und Corre- spvndenzbüreau reduzirt werden, damit nur ja die Schamhaftig- keil der Bakuninschen zukünftigen Gesellschaft nicht zu erröthen braucht. Und diese Leute, Sektirer von Profession, die mit sammt ihrer mystisch' urchristlichen Doctrin einen verschwindend kleinen Theil der Mitglieder der Internationalen ausmachen, entblöden sich nicht, dem Generalrath vorzuwerfen, seine Mitglieder wollten ,,in der Internationalen ihr besonderes Programm, ihre per- sönliche Lehre vorherrschend machen; ihre Privatideen kämen ihnen vor, als die amtliche Theorie, die allein Bürgerrecht in der Association habe." Das ist in der That stark. Wer die innere Geschichte der Internationalen zu verfolgen Gelegenheit gehabt hat. der weiß, daß diese selben Leute seit beinahe drei Jahren sich hauptsächlich damit beschäftigen, ihre Sektenlehre der Association als das allgemeine Programm aufzudrängen und, nachdem dies nicht gelungen,-Bakuiiistische Phrasen unter der Hand für das allgemeine Programm der Internationalen aus- zugeben. Trotzdem hat der Generalrath nur gegen diese Unter- schiebung protestirt, ihnen aber bisher nie das Recht bestritten, der Internationalen anzugehören oder ihre Seklirerflausen, als solche, nach Herzenslust an ten Markt zu bringen. Wie der Generalrath dies neue Circular aufnehmen wird, wollen wir abwarten. Was diese Leute mit ihrer neuen Organisation ausge- Achtet haben, darüber haben sie sich selbst ein brillantes Zeug- "iß ausgestellt. Ueberall, wo die Internationale nicht auf ge- waltsamen Widerstand reaktionärer Regierungen gestoßen ist, hat sie seit der Pariser Kommune Riesenfortschritte gemacht. Im schweizer Jura dagegen, wo diese Herren seit andenhalb Iah- ren unbeschränkt gewirlhschaftet haben— was sehen wir da? Dkan höre ihren eignen Bericht an den Kongreß von Son- dilliers(Genfer„Revolution Sociale" vom 23. Rovbr.):„Diese schrecklichen Ereignisse haben einen theilweise demoralisi- �e nd�n, theilweise wohlthätigen Einfluß aus unsere Sektionen ausüben müssen,... dann kommt der Anfang des Riesen- kampfes, den das Proletariat der Bourgeoisie zu liefern hat, Und damit kommt das Rachdenken... die Einen drücken sich(s'en vont) und verbergen ihre Feigheit, die Andern schließen sich fester als je an das erneuernde Prinzip der In- iernationalen an.— Dies ist die vorherrschende Thatsache der Segenwärligen inneren Geschichte der Internationalen im AU- Semeinen und unsrer Föderalion im Besondern." Reu ist, daß dies in der Internationalen überhaupt vor- Aegangen sei, während gerade das Gegentheil stattfand. Wahr 'h, daß dies der Fall war in der Juraföderation. Hört nun hjt Herren selbst: Die Sektion Moutier hat am wenigsten ge- ! bsten, hat aber nichts fertig gebracht:„Wenn keine neuen Sektionen gegründet worden sind, so muß man doch hoffen ic.; ! Und doch war diese Sektion„ganz besonders begünstigt durch ! Uen vortrefflichen Geist der Bevölkerung";—„die Sektion �ange ist reduzirt auf einen kleinen Kern von Arbeitern"— toei Sektionen von Biel haben nie die Briefe des Komiles Antwortet, ebensowenig die Sektionen von Reuchatel und �sNe von Loclä;— die dritte Sektion in Biel ist„augenblick- j Jch tobt"... obwohl„nicht alle Hoffnung verloren ist, die �Uternationale in Biel wieder ausleben zu sehen"— die Sek- ' Saint Blaise ist todt, die von Val de Ruz ist verschwun- j �U, mau weiß nicht wie— die Centralsektio» von Locle - hotte sich nach längerem Todeskampf aufgelöst, ist aber, offen- [ ur zum Zweck der Kongreßwahl, mit Ach und Krach wieder \ f. Stande gebracht— die von la Chaup de Fonds ist in einer ! Nlffchen Lage— die Sektion der Uhrmacher von Courtelary l �Uiandelt ticki .-vandelt sich augenblicklich in eine Gewerksgenossenschaft un � Annahme der Statuten der Gewerksgenossenschaft schwei- zerischer Uhrmacher, nimmt also das Statut einer nicht zur Internationalen gehörenden Verbindung an— die Central- seklion.desselben Bezirks hat ihre Thätigkeit suspendirt, weil ihre Mitglieder in Saint Jmier und in Sonvilliers so eine Separatscktion gestiftet(was dieselbe Centralsektion nicht ver- hindert, im Congreß sich durch zwei Delegirte vertreten zu lassen, neben den Delegirten der beiden Sektionen von Saint Jmier und Sonvilliers/; die Sektion Catvbat, nach einer bril lauten Existenz, hat sich in Folge der Jntriguen der dortigen Bourgeois auflösen müssen, desgleichen die von Corgvmont; in Genf endlich existirt noch eine Sektion. Das ist es, was die Vertreter der freien Föderation un abhängiger Sektionen mit einem statistischen und Co respondenz- bureau an der Spitze, in anderthalb Jahren aus einer zwar nicht ausgedehnten und zahlreichen, aber doch blühenden Födera tion gemacht haben. Und das in einem Lande, wo sie voll- ständige Aktionsfreiheit hatten und zur Zeit, wo anderswo überall die Internationale Riesenfortschrilte machte! Und in demselben Augenblick, wo sie selbst uns dies Jammerbild ihrer Mißerfolge zeigen, diesen Angstschrei der Hülflosigkeit und Auf- lösung ausstoßen, in demselben Augenblick treten sie vor uns mit dem Anspruch, die Internationale aus ihrer bisherigen Bahn, auf der sie zu dem geworden, was sie ist, herauszu reißen und sie auf den Weg zu führen, der die Juraföderation von verhältnißmäßiger Blüthe herabgeführt hat zur vollstän digen Auflösung! Regierungssozialismus. Die hochkonservative„Berliner Revüe" erscheint seit et- niger Zeit unter dem neuen Titel:„die Wacht an der Mosel" und hat in ihrer ersten Nummer erklärt:„Es scheint das Zeit- alter des Sozialismus gekommen, wohlan, so wollen wir in konservativem Sozialismus machen." Diese sehr gut redigirte Wochenschrift hat seit längerer Zeit dem Treiben der Berliner Sozialdemokratie große Aus merksamkeit geschenkt, öfter Stellen aus dem„'Reuen Soziab Demokrat" abgedruckt und wiederholt ausgesprochen, daß die Ansicht dieses BlatteS in Bezug auf den Kapitalismus von ihr getheilt werde; vor der„internationalen Sekte" hat sie selbstverständlich einen„wohlbezründeten Abscheu". Wir geben unfern Lesern nachstehend einen Auszug aus ernem Artikel jenes Blattes, der wegen seines Inhalts und seiner Folgen bemerkenswerth erscheint. |„Die schlimmsten Feinde der Arbeiter sind Diejenigen, welche sie auf abenteuerliche Wege locken, ihnen Ziele vor- steckeit, die in langer, langer Zeit nicht, wenn überhaupt, zu erreichen sind, und zu denen der Weg durch Seen von Men- schenblut führen muß."„Die Führer der deutschen Sozial- demokratie hatten bisher in ihrer Partei eine beneidenswerthe Autorität. So Lassalle, so v. Schweitzer. Diese Autorität geht ihnen heute ab; die jetzigen Führer lassen sich von der Menge treiben; sie führen nicht mehr,—' sie glauben zu schieben und werden geschoben. Von Bebel und seiner inter- nationalen Sekte sehen wir natürlich ab; diese ist so staalSge- fohrlich, daß keine Regierung, die national ist, sie dulden kann. „Die Berliner Sozialdemokraten möchten wir die„na- tionalen" nennen. Sie gerathen jetzt auf Wege, die sie zur Unterwerfung unter Bebel führen müssen. Roch halten wir eS für durchaus möglich, dieselben dem nationalen deutschen Reich zu erhalten, wenn sie Kraft genug haben, die ökonomische Frage von der politischen zu trennen und wenn die Regierung und unsere Partei auf ersterem Gebiet ernstlich entgegen kommen." Es folgen nun Zitate aus dem„Reuen", aus denen der Beweis geführt wird, daß die„Rationalen" bedenkliche'Reizung zu internationalen und po i.ischen Agitationen zeigen, besonders beim Berliner Zentralisation'-Kongreß. „Wenn nun die Berliner Führer diese Grundsätze zur Ausführung zu bringen suchen, so treten sie damit zweifellos auS dem Rahmen des deutschen nationalen Lebens heraus. Sie werden offene Feinde des deutschen Reichs. Daß sie als- dann von der Staatsmacht bekämpft werden müssen, ist selbstverständlich. Wir haben ein Recht, die Arbeiter zu warnen vor dem falschen Wege, auf den man sie locken will. „Warum greift der„Reue Sozialdemokrat" Bebel an? Worin unterscheidet er sich denn mit solchen Grundsätzen noch von Bebel? Er ist ja in sein Lager übergegangen, und Bebel ist eigentlich heule schon der geistige Führer und Redakteur (sie) der Berliner sozialdemokratischen Partei! Hier existiren ja nur noch persönliche, nicht mehr sachliche Differenzen und da wird sich doch Herr Hasenklever Bebel unterordnen müssen, der früher und an anderer Stelle für die gemein- same Sache plädirt hat." Es folgt nun wieder ein Zitat aus Ro. 42 des„Reuen", in welchem auf die Junker losgezogen wurde, und da,u die Bemerkung:„Diese Vorwürfe sind unbegründet. Waren unsere Gegner in der Konfliktszeit etwa Sozialdemokraten oder Ar- beiter, waren eS nicht Liberale, Demokraten, Bourgeois?" Das Blatt erklärt dann, die Regierung habe uur noch nicht Zeit gehabt, sich mit der sozialen Frage zu beschäftigen; sie werbe dies jetzt, gestützt auf die konservative Partei, thun, und damit alle„national gesinnten" Arbeiter zu sich hinüber- ziehen; wer dann noch sozialdemokratisch gesinnt bleibe, müsse zu den Füßen Bebels liegen, mit den andern Führern sei es zu Ende, die„Internationalen" würden dann aber die Macht des monarchischen deutschen Staates kennen lernen. Rachdem die Revue den„Führern" bewiesen hat, daß ihr Reich zu Ende sei, wenn sie nicht mit der konservativen Par- lei gehen, folgt die Mahnung, von der Ausführung des im Kongreß beschlossenen 8 26 abzustehen und die Lockung, daß mau sich mit den„intelligenten Arbeitern" verständigen könne und wolle, wenn sie nur nicht politisch oder gar international sein wollten. Dieser, seinem ganzen Inhalt nach aus„Zuckerbrod und Peitsche" bestehende Artikel erschien im Heft vom 2ten De- zember v. I.; in dem„Reuen" vom 6. Dezember be- ginnen nun gleich die Angriffe gegen die Internationalen! Ist das Schatten? Ist's Wirklichkeit? Wie wird der Pudel lang und breit! Grotz zum Reuen Jahr. Hin»st ein J-hr; mit dumpfem««lockenschlage Ist es verhallt, so feierlich und schwer, Um zu begraben Freude, Schmerz und Klage, In der Vergessenheit tief, tiefem Meer. Ist es der Menschheit segensreich gewesen? Schuf's gold'ne Saat zum blühenden Gebe ihn? Wohl schleichen sich, vom Schmerz noch ungenesen, In manches Herz da bange Zweifel ein. �Jal Bange Zweifel werden wachgerufen, Sic sind cntkloimiien der betrübten Zeit, Dort, auf des Todtenaltar's Schreckensstufen Des Völlermordes, dort im blut'gen Streit. Das Blutgespenst der hingefloh'nen Tage, Der Menschenleben viel hat's weggerafft; es der Menschheit,— o, welch' bittre Frage?— bess'res Dasein dadurch auch verschafft?— Ein weite? Reich umschließt jetzt Deutschlands Gauen, Nun kann der Deutsche wohl zufrieden sein, Kann er doch nun mit innerem Vertrauen In seiner Hütte ruhig schlummern eml Der alte Glanz, der Glanz vcrgang'ner Tage, Der deckt ihn ja mit seinem Purpur zu; Der gold'ne Szepter der Kyffhäuser-Sage Verschafft ihm ja aufs neue Schutz und Ruh. Ach!— Alles dies im blendend güld'nen Scheine Umschwebt ein Hauch, gar schwer voll Düsterkeit; Nicht kann den Jammer drüben über'm Rheine Verdecken es mit seinem Purpurkleid. Wo dort die Fackel mit dem blut'gen Stahle, So treu gepaart, vernichtend um sich schlug; Mars und Minerva im Bacchant'schen Mahle, Den blut'gen Becher füllten Zug um Zug. Dies Jahr ist hin. Doch bluten noch viel Wunden, Und manche wird wohl nimmermehr geheilt; Wenn Jahr um Jahr, mit seinen flücht'gen Stunden, Im Strom der Zeit auch noch vorüber eilt.— Ein„Neues Jahr" ist jetzt herangetreten, Was birgt es im geheimnißvollen Schoost? Wird es den Völkern, wenn sie fleißig beten, Nun endlich bieten ein erträglich LooS? Dann hätte wohl geholfen längst daS Flehen, Das Roth und Schmach zum Himmel aufgcsandt; Es blieb ja stets dort in den höchsten Höhen, Wie auch auf Erden immer unerkannt.— Mög' nun die Zeit die schroffen Herzen rühren, Denen Macht und Reichthum stet« die Mittel bot, Mit Einsicht und Erleiintniß einzuführen, Bald Lind'rung der Bedrängniß und der Roth. Brod! Schreit das Volk! Das schwer in seinem Schweiße Geknechtet keucht, schon lange, früh bis spat; Auf das man blickt herab aus jenem Kreise, So kalt und stolz, das Proletariat, AlS wäre es zur Arbeit nur geboren, Zu fristen dürftig nur das eigene Sein; Zu Edler'm aber nimmennehr erkoren, 'Noch gar bestimmend mit zu treten ein. Wohl ist berechtigt ei, ein Wort zu sagen, Treibt man mit ihm doch ein entwürd'gens Spiel, Und wird's darum doch nimmermehr verzagen, Ihm leuchtet hell ein hocherhabenes Ziel!— Steht Brüder Alle, treu und fest zusammen In Einigkeit, stets geistig chell und klar, In Wort und That voll Feuer, voller Flammen, Für Recht und Wahrheit, auch im„Neuen Jahr!" Fr. Wilh. Gr....... Mecrane Fabrik antenspiegel. Wie Fabrikanten mit der Ehre ihrer'Arbeiter umgehen, davon hier ein Beispiel: Ein Mädchen aus der Fabrik von E. F. Schmied er u. Co. nahm ein Paket, daS te in eigenen Angelegenheiten zur Post zu tragen hatte, mit in die Fabrik. Dort begegnete ihr Frau jcaroline Schmieder, welche der Meinung war, das Paket sei„natürlich" von ihr gestohlen und das Mädchen barsch anruft:„Was hast Du in Deinem Paket? Gleich her damit! das will ich sehen! u. s. w." Das Mädchen, sich ihrer ge- rechten Sache bewußt, antwortet:„Das sind meine Sachen, und nicht Ihre" und geht ihres Weges an ihre Arbeit. Damit jedoch nicht zu- riede», läßt Frau Schmieder das Mädchen aufs Comploir kommen und hier wird auch wirklich das Paket geöffnet und Frau Schmieder cyt die darin befindliche» Sachen auseinander, ohne natürlicher Weise etwas von ihrem ersparten Entbehrungslohn zu finden. Und nun ent- ließ die gnädige Frau das Mädchen mit den Worten:„Ja wenn ich das gewußt hätte."— Wem fällt hierbei nicht das bekannte Wort ein: „Was ich denk und thu', trau ich Andern zu!" Leipzig. Sehr pfiffig! Die„Leipziger Nachrichten" haben von einer hiesigen Firma»achstehende Zuschrift erhalten:„Die Maß- regeln der Regierunge».(Sieh den Artikel der„Berliner Volkszeitug" in letzter Nnmmer; die Sächsische Regierung hat ihrerseits schon die Einführung von Fabrikinspektoren dem Landtag vorschlagen) die soziale Frage einer friedlichen Lösung entgegenzuführen, können wir nur als Vor'äufer einer ganzen Reihe von Re- formen, deren unsere sozialen Verhältnisse bedürftig sind, ansehen. Aber wir sind weit davon entfernt, alles von der Regierung zu ver- langen, vielmehr ist eS unsere Ansicht, daß jeder einzelne der Arbeit- geber das Seinige dazu beitrage, den Arbeiter sittlich zu heben und fein LooS zu verbessern. Einige hiesige Geschäfte haben in dieser Be- ziehung das Richtige getroffen, wenn sie ihrem Personal eine Tantieme oder ein Jnventurgefchenk(I> gewähren, jedoch nicht zur Aus- ahlung bringen, sondern dasselbe bis zurLösung desBerhält- lisses zinstragend verwalten. Der Arbester gewinnt hierdurch nicht nur für Nothfälle und für seine Familie ein kleines Kapital, onder» sein Interesse für den Erfolg de« Geschäftes wird auch wesent- sich gesteigert. Wir wünschen, daß diese Einrichtung Nachahmung finde, und daß die industriellen Aktiengesellschaften vervflichiet würde», einen Theil des Reingewinns in solcher Weise für die Arbeiter aufzusparen." Wir haben hier den bekannten Partnershipschwindel in neuer und verschlechterter Auflage. Der Partnershipschwindel beruht auf der Thatsache, daß der Mensch für seinen eigenen Nutzen eifriger ar- beitet, als für fremden Vorlheil, und hat zum Zweck, die VoNhetle der genofsenschastlichen Produkiion dem Kapital zukommen zu lafien. Durch die Ausficht aus einen„Antheil am Gewinn" wird der Arbeiter u intensiverer Arbeit angespornt, als sie bei dem einfachen Lohnver- izältniß zu erzielen ist, und der Mehrprofit, welcher das Resultat der intensiveren Arbeit ist, stießt, nach Abzug des den Arbeitern gnädig gewährten„Anlheils" in den Taschen oes Kapitaliften, der ans diese Weise mit seiner„Humanität" ein sehr gnlcs Geschäft macht. Bei der eigentlichen Partnership erhält der Arbeiter seinen Antheil am Schluß jedes JahrS. Die Leipziger Verbesserung nach Johannes Ballhorn nennt den„Antheil am Gewinn"„Tantieme oder Jnventurgejchenk", und beläßt ihn in ven Händen des Kapitalisten, der ihn„bis zur Lösung des Verhältnisses zinStrage» verwaltet", das heißt, in seinem Geschäft wuchernd anlegt, so dag er, außer dem Vortheil der inten- iveren Arbeit auch noch den Vorlheil hat, sich durch das dem Arbeiter mrch Zwangsanleihe abgepumpte Geld zu bereichern. In der That ehr pfiffig!' •i Ein Buchdrucker, der in den Ausgaben der klassischen Schrift- steller„Verbesserungen" anbrachte, welche aber in Wirklichkeit das Gegentheil von Verbesserungen waren. Häher der Ausdruck verball- Politische Uebersicht. Der Polizeistaat. Im Feuilleton der„Deutschen All- gemeinen Zeitung" vom 28. Dez. schreibt ein Berliner Jntelligenzstädtler: „Die Unsicherheit in entlegenen Straßen nimmt erschreckend zu. Geht daS so fort, so wird man sich mit einem Revolver bewaffnen müssen, um solche mit Stockdegen bewaffnete, nach Börsen, Uhren und Brieftaschen lüsterne Halunken von sich abzuwehren. Und dabei kostet der Stavt die Straßenpolizci jährlich 800,000 Thlr., und jener primäre Volksschulunterricht, von dem man sich so viele Gesittung und moralischen Halt in der Bevölkerung versprochen hat, jährlich über 1 Million." Der Herr Verfasser des Vorstehenden hat, vielleicht ohne es zu wollen, in obigen Worten nicht blos den„Sieger von Königsgrätz" blosgestellt; nicht blos den Tugendschleier der Ger- mania heruntergerissen und ihn in Fetzen der darob lächelnden „demoralisirten" Nation gezeigt; er hat uns ein Bild des Po- lizeistaates gegeben, wie es drastischer nicht gewünscht werden kann: der Auswand für die Stadtpolizei verhält sich darnach zum Aufwand für die Voltsfchulen wie 4:5; das heißt: Berlin verwendet auf die Volksschule nur'/i mehr als auf die Straßen- Polizei. Die Naivetät des Schreibers, der höchlichst verwun- dert ist, daß solche Schulzustände Straßeuräubereien im Ge- folge haben, wird noch interessanter, wenn man den Anfang seines Feuilletonartikels liest, in dem es über den Weihnachts- markt folgendermaßen heißt: „Kein noch so armseliger Hampelmann— Stück vor Stück man 1 Sgr., wie es im Volksmunde an der Spree heißt— der nicht das Gesicht von„Ihm" hatte, keine Festung, die nicht von den Rothhosen besetzt, von den braven, deuischen Blauröcken tapfer gestürmt wird. Kaiser Wilhelm, der „Ihn" an den Ohren hält und wacker springen läßt, wird auf keinem Weihnachtstische fehlen; er wird diesen jetzt noch kleinen, zukünftigen Ein- und Dreijäh- jährigen von vornherein ud oculos demonstriren*) daß dem deutschen Wasienhandwerk die Devise der Tapferkeit nicht fehlen darf. „Ihm, dem guten Kaiser, haben die Berliner eS in diesem Jahre auch zu danken, daß ihnen der alte, liebe traute Weihnqchtsmarkt erhalten bleibt." Das paßt freilich zu den Zuständen der öffentlichen Sicher- heit. Dem kleinen Kinde von vornherein„nd oculos demon- striren," daß der Endzweck seines Lebens ist,„Ein- oder Drei- jähriger" für„ihn, den guten Kaiser" zu sein, das ist eine Moral, deren Consequenzen allerdings nothwendig solche Resultate her- bessühren müssen, wie sie die Berliner Eriminalstatistik zu ver- zeichnen hat.— Vaterlandsdank. In der„Volkszcitung" lesen wir: Osterode, 30. Dezember. Der Mustelier Rudolph Gra- bowski aus der Gemeinde Sumpf, Kreis Rojenberg, der auch den Feldzug 1866 durchgemacht hat, war im letzten Kriege an einem Stuß- leide» erkrankt und in Kur gewesen. Bei seiner Rücktebr in die Heimath trat er bei einem Gutsbesitzer in Dienst, doch bald stellte sich das bös- artige siußleiden wieder ein und die zuständige Dominial-Behö> de brachte den Kranken zu dem Bezirkskommando in Riesen bürg, fand jedoch dort keine Ans»ahme für ihn. Dieselbe Abweisung ersolgte vom Kreislazareth in Rosenberg und vom städtischen Krankcnhause in St.-Eylau. Die beiden letzteren Heilinstitute begründeten die Ab- Weisung durch das Austreten der Cholera resp. der Pocken. Darauf blieb der Dominial-Bchörde nichts übrig als den Kranken in Privat- kur zuerst in Liebemühl und dann, durch private Vermittlung, in die Kur dei Kreisphysikus Dr. K. in Osterode zu übergeben. Hier erlag der Kranke seinem Leiden durch Hinzutritt des Brandes. Eine Verfügung des Kriegsministeriums, die durch Einsenden der betreffen- den Schriftstücke Seitens der Dominialbehörde für den vorliegenden Fall veranlaßt war und wonach zur Vernehmung des Kranken geschritten werden sollte, fand bei ihrer Ankunft bereits die Leiche vor.— Der Verstorbene hinterläßt Frau und Kinder in größter Arm uth. Wir sollten meinen, daß die oben genannten Institute, wenn auch Uebersüllung der Grund ihrer Abweisung gewesen sein mag, einem Manne, der für das Vaterland wiederHoll in den Kamps aus Leben und Tod auszog und in der Erfüllung dieser heiligen Pflicht den Keim feiner Krankheit legte, wohl ein Unlerkommen in irgend einer Weife hätten gewähren können, wo ihm augenblickliche ärztliche Un- terstützuug wuide, Run— der Mann braucht wenigstens den Leierkasten nicht herumzuschleppen!—, Man schreibt uns aus Nürnberg: „Hauptmann von Schoch, des militärischen Verbrechens der Feigheit vor dem Feind angeklagt, ist von dem militä- rischen Geschwornen- Gericht unter lauten Beisallsbezcugungen des dem Angeklagten sympathisch gesinnten Publikums steige- sprachen worden. Die Sympathie des Publikums für den An geklagten rührte nicht davon, daß der Nicht-Feigheilsbeweis ge- liefert wurde(von der Feigheit war jeder Einzelne überzeugt), sondern weil nach den bürgerlichen Rechtsbegriffen Feigheit kein Verbrechen, am Wenigsten ein todeswürdiges ist. Auf die Ordens- Verleihungen warf der Prozeß ein so sonderbares Licht, daß das- selbe geeignet ist, allen Ordenssehnsüchtigen diese Sehnsucht gründ- lich auszutreiben. Die Staatsbehörde hatte dies vorausgesehen und auf Grund der Verleihung des eisernen Kreuzes an den Angeklagten, da. die Besprechung dieser Verleihung geeignet sei, schädigend auf den Dienst zu wirkcn, die Ausschließung der Oefsentlichkeit beantragt. Der Antrag wurde jedoch vom Gerichtshof abgelehnt. Im Plaidoyer deutete der Ver- treter der Staatsbehörde an, daß feine militärische Stellung ihin verbiete, die Ordens- und Kreuzes-Verleihung eingehend zu besprechen. Weder vomRegiment noch von Vorgesetzten sei Hauptmann von Schoch zur Dekonrung vorgeschlagen. Dem Kommando wäre es nie eingefallen, den Hauptmann einen Orden zu ver- schaffen. Zur Verleihung des eisernen Kreuzes habe eine andere Triebfeder gewirkt als der Dienst. Auch die Bertheidigung sder nationalliberale Advokat undKammerabgeord- nete Fr ankenb urg er) gab vollkommen zu, daß eine Verur- theilung der Ordensverleihung ihren ganzen Werth beraube und nicht ain geringsten niag der Faktor auf das Urlheil gewirkt haben, daß— zufällig oder absichtlich— die Meisten der Ge- schwornen(blos Offiziere) bekreuzt und außerdem vielfach deko- rirt waren. „Ich werde gelegentlich auf den Prozeß zurückkommen und hauptsächlich der Offiziere gedenken auf deren Verhältnisse der- selbe ein ganz sonderbares, eigenthümliches Licht geworfen hat. Das Plötz-Roon'sche Osfiziers-Ehrgefühl ist sehr alterirt worden. Es ist der Ofsiziersehre ergangen, wie Butter, wenn sie an die Sonne kommt; sie ist zerschmolzen."— •) vor Augen führen. Bekanntlich hat der Schweizer Nationalrath(die Volks- Vertretung) einen Plan zur Revision der Bundesverfassung ausgearbeitet. Derselbe enthält manche unzweifelhafte Ver- besserungen und ist z.B. auch ein Fortschritt in zentralistischer Beziehung gegenüber dem noch herrschenden Cantönli-Partikula- rismus, allein den radikalen Anforderungen wird doch nur in sehr ungenügender Weise Rechnung getragen. Infolge dessen hat der sozialdemokratische Arbeiterverein vonBafel, gemäß einem Vereinsbeschluß vom 24. Dezember, einen Aufruf an alle Arbeiter und Arbeitervereine der Schweiz erlassen, in dem es heißt:„Unser Verein ist der Ansicht, daß der fcbweizerische Nationalrath bei seinen bisherigen Berathungen über die Revision der Bundesverfassung den gemachten Ansprüchen des schweizerischen Volkes bis dahin noch nicht genügend Rech- nung getragen hat und daß ein großer Theil der Mitglieder mehr ihre eigenen egoistischen Interessen, als die Förderung des Voltswohls im Auge hatte. Die Folge davon war, daß die bis jetzt durchberathenen und neu aufgestellten Artikel mehr eine Tendenz zur Erhaltung des Bestehenden, als die Absicht eines gedeihlichen Fortschritts zeigen. Ist auch die Zentrali- sation des Militärwescns mit großem Mehr durchgegangen, so sind dafür andere für das Wohl des Volkes ebenso wichtige und unentbehrliche Grundsätze trotz energischer Vertheidigung derselben durch einzelne Mitglieder von der Majorität über Bord geworfen worden. So hat man sich nicht zur Abschaffung des Ohmgeldes entschließen können, obschon dasselbe zum igrößten Theile auf dem Arbeiterstande lastet und eine ungerechte Steuer gegen unten ist. Von der größten Wichtigkeit für den Arbeiter- stand wäre ferner die volle Durchführung des Schweizer- bürgerrechts; aber auch hier ist man in der reaktionären Luft von Bern nur zu einem kläglichen Resultat gekommen. Wir verlangen, daß der" Nationalrath wieder auf diese beiden Artikel zurückkomme. Sollte das nicht geschehen und sollten die eidgenössischen Räthe nicht die direkte Betheiligung des Volkes an der Gesetzgebung im vollsten Umfange gewähren, so würden wir uns genöthigt sehen, mit allen Mit- teln auf dieVerwerfung der neuen Verfassung hinzuarbeiten." Aus den angeführten Gründen beantragt der Arbeiterverein von Basel„einen allgemeinen schweizerischenArbeiter- Kongreß, beschickt von Vertretern sämmtlicher Arbeitervereine, um sich über ein gemeinsames Vorgehen zu einigen, wobei natürlich gewünscht werden muß, daß dieser Arbeiterkongreß noch im Laufe des Monats Januar k. I. zusammenkomme."— Der Belgi sche Bourgeois-Musterstaat, welcher voriges Jahr durch den Dcutsch-Französischen Krieg daran verhindert wurde, die übliche Arbeitermetzelei abzuhalten, hat dieses Jahr die Feier des Festes recht früh vorgenommen, damit dasselbe nicht wieder durch ein unvorhergesehenes Ereigniß vereitelt werde. Nach einem Telegramm haben die Arbeiter in verschiedenen Fabriken und Gruben bei Namur(zu Sclaignaur und Vezin) die Arbeit eingestellt, und sind wegen dieses Verbrechens gegen die Interessen des Kapitals Truppen requirirt worden, deren Gewehre nicht verfehlen werden, die erforderlichen gesellschasts- rettenden„Wunder zu thun." Zur Plünderung der Deutschen in Frankreich. In unserm in voriger stummer gebrachlcn'.'Irtikel inil dieser Ueberschrift sind einige Druckfehler, welche der Verfasser hiermit be- richtigt: 1) Der Satz:„Nachdem wir in Nogent— 25 Kilonieter von Chaumont, 13 Kilometer von Langres— in einer Bergseflung etwas Nahrung zu uns genommen halten" muß heißen:„Nachdem wir in Nogent— 25 Kilometer von Chaumont, 13 Kilometer von Langres (Lcplercs ist eine Bergfestung)— etwas Nahrung zu uns genommen hatten". 2) Die beiden Kompagnien, von denen im folgenden Absatz die Rede ist, sind vom 66. Regiment. 3) Die Namen der Plünderer sind unrichrig gedruckt. Es muß heißen:„Sogar die Vicefeldwebel Gokert(statt Gekert), Boi(statt Bait), ein BrauerSsohn(stait Bauerssohn) bei Wriepen an der Oder, Schmidt(statt Schmiede), ein Forstkandidat bei Nordhausen, hatten sich Jeder eine herrliche Reisetasche angeeignet." Allgemeiner deutscher Schncidervcreiu. Berlin. Berichtigung. Unter dem Ausruf, der sich in No. 1 d. Bl. befindet, muß es heißen: A. Rciman»(Alte Jakobsstraße 6), nicht A. Reimer. Antcruationale Gewerksgenossenschaft der Schuhmacher nud verwandten Gewerbe. Zürich, d. 28. Dezember 1871. Obschon mehreremal die Be- amtin unserer Genossenschast auigesordert worden sind, den Briefwechsel etwas lebhafter zu führen, sehen wir uns genöthigt, von Neuem daran zu erinnern, die Briese und Sendungen von Pakeieu doch bald zu be- antworten. Noch möchten wir die Bevollmächtigten erinnern, daß wieder ei» Vierteljahr um ist, der Hauvikasfe aber sehr wenig gedacht worden ist. Möge also ein Jeder sein Möglichstes thun! Gelder sind zu senden an Joseph Gerster, Schlüffelgasse Nr. 12. Briefe an den Vorsitzenden. Im Auftrag des Verwaltungsrath Der Vorsitz. Wilh. Dahl, Kuttelgasse 5. Gapvillgen. Nachdem ich erst vor Kurzem von dem Inhalt de? rn.cb betreffenden Artikels in Nr. 17 des„Volksstaal" vom vorigen Jahre, welchen die Gewerkschaft der Schuhmacher zu Stuttgart gegen mich geschrieben, Kmntniß erlangt, auf brieflichem Wege mir aber nie Gehör geschenkt wurde, bitte ich um Aufirnhme folgender Fragen, an die Gewerkschaften von Stuttgart und Eßlingen: Was habe ich zu Eßlingen„unterschlagen"?— Die dortigen Ge- werksgenossen wissen es aus« Genaueste, daß E. das Inventar will- kürlich in Besitz nahm bei meinem Logisherrn. Von wem war er be- auslragi? Warum setzte man mich nicht in Kenntniß, wenn derselbe von der Gewerkschaft beauftragt wurde? Habe ich nicht nachgewiesen. daß der Kassenbestand so nar, wie ich ihn veriechnele? Zu welchem Zweck soll ich denn das Kassenbuch unterschlagen haben? War es E, der mich kurz vorher erstechen wollte, nicht auch zuzutrauen, genanntes Buch, um mich zu verdächtigen, aus die Seile zu schassen? Weiler frage ich die Gewei ksgeiiossen zu Stuttgari: Ist das genügender Grund, daß mir an de» 7 fl. 26 kr. fehlten, als man es von mir in Empfang nehmen wollte und mich bei der Arbeit antraf, mich zu verdächtigen, ich wollte Genanntes„unierschlagen"? Wer wurde sonst von mir beschwindelt, oder betrogen? Ich hatte zwar ein Paar Gulden Schul- den. Habe ich aber Euch, falls mein Ehrenwort nicht genügt, nicht das Recht eingeräumt, Beschlag auf meinen Loh i zu legen?- was zwar traurig ist aber ich halte nichts als einen kranken Körper und bis dahin noch meine Ehre. Habe ich nicht nachher, nachdem ich nicht eingeklagt wurde, an die �Adressen„Hirschmann" und„I. Moser" um die Adressen meiner Gläubiger geschrieben, um Alle« zu ordnen? Läßt es sich ferner mit der Ehre vereinigen, daß man mir, nach- dem ich vom Kassircr zu Siuilgart meine Krankenunterstützung erhob, dieses als Schwindelei ausposaunt, während ich schon l1/« Jahre steuerndes Mitglied war? Zum Schluß frage ich noch sämmuiche Parteigenossen: Zu wem tam ich als„politischer oder militärischer Flüchtimg/' um ihm etwas auszupressen? Falls diesen Anfragen nicht genügend und bald entsprochen und mir Genuglhuung geleistet wird, bin ich gezwungen, die Sache gerichtlich anhängig zu machen. ES können blos diejenigen Parteigenossen, welche die Verfolgungen, denen ich seit 1 Jahr ausgesetzt bm, kennen, meinen Schmerz theilen über diese Verläumdungen." I. Heinz. Mittweida. Ufert schreibt aus dem Gefängniß- unterm 36 Dezember:„Die Hoffnung auf meine Freilassung, welcher ich heute entgegensah, ist mir durch Einspruch der Staatsanwaltschaft wieder gründlich genommen worden. Es heißt: Ich würde meine freie Zeit, doch nur benutzen, um neue Vergehen zu begehen; dieselbe Sprache, wie beim ersten Beschluß". Die Herren vom hiesigen Gericht gehen jetzt mit Gott, für König und Vaterland in einem so unnatürlichen Sturmschritt ins Feuer, daß wir fürchten, sie werden sich an der Sozialdemokratie die Fuwer verbrennen. Am 28. Dez. wurde auf Requisition des hiesigen Gerichts Walster aus Dresden verhaftet und hierher transportirt Kaum war er aber zu Verhör gekommen, so stellte sich der„Zrrthum" heraus, der die Verhaftung veranlaßt hatte und Walster konnte wiede' freigehen. Selbstverständlich wird er die ihm gebührende„Sachsenr büße" vom Gericht einklagen.—(Wir ersuchen unsere Mittweidae, Parteigenossen, uns umgehend mitzulhcilen, wie der rothköpfigr Assessor dort heißt. Derselbe hat sich jüngst in einem Gasthause zu« einer Aeußerung über sein richterliches Verhalten gegen unsere Partei verstiegen, welche einen AmtSctVbrilch involvirt, und wir sind Willens- wegen dieser Angelegenheit beim Justizministerium vorstellig zu werden. ____ Red, d. Völksst.) Für L. Feuerbach durch Vermittlung des Exped. des Hamburg-Altouaer-Volksfreundes eingegangen 1 Thlr. 7 Ngr.; aus Hooge B. Pellworm 1 Thlr. Briefkasten biet Redaktion: A. K. in Eßlingen: In nächster Nummer. A. H. Graz: Brief erhalten. I. M. in Hannover: vielleicht kann Geib in Hamburg über die betrefseude Agentur Auskunft geben. Sic wissen »acürlich, daß wir prinzipielle Gegner der Auswanderung sind.— An die Redaktion der„Demokratischen Zeitung", des„Crimmilschauer Bürger- und Bauernsreund", der„Dresdner VolkSdole", des„Braun- schweizer Volkssreund" und der,, Chemnitzer Freien Presse": Ihre Blät- ter sind uns jepi zugegangen. LMff" Wir bitten unsere»orrcsponoente». wo nicht Gründe fürs Gegcntheil vorhanden sind, tu jedem Brief ihre Adresse mitzutheilrn; der Redaktion, der jetzt bei ihrer anSgrdchnten Korrespondenz viel Zeit mit Ermittlnna von Adrencn verloren geht wird dadurch eine groszelSrleichterung verschafft. Arbeitsgesuch. - ber ,a.Ui'üch"g ist in der Modelltischlerei. sucht Beschaitigung, am liebiten in Le,pz,g. Gest. Offerten sind an die Erpedition des„VolkSstaai" zu rich>en. Steinbauer gesucht auf Monumente und Grabsteine. Em sehr guter Sieinhauergehülfe, namentlich in Granit auch wünjchensiverth in Sandstein, der gut nach Zeichnungen arbeiten kann, kann auf mehrere Jahre bei mir in Arbeil lreien. Heide(Schleswig-Holstein.i ____ C. F, Petersen, Steinmetz.(2 S.) Anzeige. Von heute an sind gedruckte Manuale für Krankenkassen-c, wie dieselben von der Borortsverwaltung der Internationalen Manu- factur-, Fabrik- nndHandarbeitergewerlsgenossenschnstlempfehleo worden sind, stets vocräthig und werden a Buch(14» Folioscilen) ungebunden mit 15 Rar. berechnet. Wir machen hauptsächtich darauf aufmerksam, daß die Liniatur so eingerichlet ist, daß es für jeden Verein passend ist, sei ei Kraulen-, Begräbniß-, Arbeiter- oder Spinner- verein u. s. w„ und ersuchen die geehrten Abnehmer bei Bestellungen genau anzugeben, wie viel Folioseiten gewünscht werden. Der Versand erfolgt sofort. Die Erp. des Erimmitschauer Bürger- u Bauersreund. Im Verlag der«Spedition des„Bolksstaat" ist soeben«- schienen Zu Trutz und Schutz Festrede, gehalten von W. Liebknecht zum Stiftungssest des Vol»- Vereins in Crimmitschau. 2'/, Bogen. Ladenpreis 4 Sgr., durch die Expedition des „Volksstaat" oder deren Filialerpeditionen und Kolporteure bezogen 2'/, Sgr.__________________ Für Königsberg(in Preußen).— Maschinkildaner und Dreher, welche nach Königsberg übersiedeln wollten, um neben ihrem Arbeitsberufe— welcher daselbst einen annehmbaren Verdienst bietet— die sozialdemokratische Agi- tation zu betreibe», würden sich um die Partei verdient machen. Ad- reffen für Königsberg sind zu haben durch die Red. d. Bl. Für Spandau. Ocffentliche Versammlung des Arbeitervereins Montag, d. Ibten d. M. Abends 8 Uhr im großen Saale des Rothe» Adters. Tagesord.: die Adresse des Central- raths der Generalräthe der deutschen Gewerks-, resp. Ortsvereine über Einigungsämter, als Universalheilmittel zur Lösung der sozialen Frage allen Arbeitern empfohlen. Referent Herr Metzner aus Berlin; auch ist Herr Waldow, Ortsvereiner aus Berlin, hierzu ein- geladen; wir machen die Arbeiter aller Berufszweige sowie die Ge- »offen der sozialdemokratischen Partei hierauf aufmerksam und rechnen auf zahlreiches und pünktliches Erscheinen. Im Auftrage_ W. Fischer. Für Cöln. Sonntag den 14. Januar. Partei-Bersamwlung bei Herrn Wisdors, Thieboldsgasse 162. Morgens halb 11 Uhr, Tagesordnung. Neuwahl eines Vertrauensma uns w. Um recht pünktliches und zahlreiches Erscheinen bittet dringend .__ O. E. Falk, Für Weimar. Jnterliationale Gewerkschaft der Holzarbeiter zu Weimar Briefe sind zu richten an den Bevollmächtigte» C. K c l t e l jun. Schloßgassc 14. Reiseunterstützung zahlt aus der Kassircr Schuhmacher H. Scholz. Jakobsplan C. 143._______ Für Breslau. Allgemeines Arbeiter- Fest. Sonnabend, den13. Januar 1872, Abends 8 Uhr untergütiger Mitwirkung des Männergesanftvercins Teutonia im Springer'schen Saale. iWeiß-Garten.) Jiistruiuental-Aoilzert, Gesang, Festrede, deklamatorische Bortrage und Tanz. Alles Nähere besagen die Plakate. Alle Parteigenossen und Freunde ladet hierzu freundlichst ein _____ Das Fest-Komitee. Sozialdemo�arischer-AtPeitervcrciil. Freitag, den 12. Januar Abends Punkt 8 Uhr: Versammlung im«aale der„goldenen Säge",(Restaurant„Bikioria"), Ecke der Dresdener- und Langenstraße. Tagesordnung: 1) Sozialpolitischer Wochenbericht(Ref. Heidemann.) — 2) Bericht über die LandeSoersammlung.— 3) Kapital und Geld,(Vortrag von Liebknecht).— Gäste sind freundlichst willkommen. Der Vorstand. Die Filialexpeditiouen werden ersucht, Geld und AbrechnilUsi sofort einzn- 'enden. Die Expedition des„Bolksstaat." Leipzig: Verantw. Redacteur A. Hepner(Redaccion u. Expedition Hohestr. 4) Druck u. Verlag von F. Thiele.