M 4. Erscheint»ichentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Suchhand- lungen dei In- und AuS- lande! an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, Petersstraße IS, F. Thiele, Emilienstraß« 2. Sotmatieit», de« 18. Jdiuiar. 1872 Erscheint wöchentlich 2 mal m Leipzig. AbonnementSprei»: Für Preußen incl. Stempelsteuer IG Nar., für die übrigen oeutfchM Staaten 12 Rgr. per Quattal. Filialerpedition für die Ber- einigten Staaten: ?. A. Sorge, Bor 101 Hobokeu N.J. viaNewyork Organ der soM-demokratischm Arbeiterpartei und der Internattonaten Gewerksgenosseiischasten. Politische Uebersicht. Der als„liberal" gefeierte preußische Finanzminister von Camphausen hat dem Abgeordnctenhause eine Steuerre- formvorlagc übergeben, nach welcher angeblich die untersten Schichten der Bevölkerung von der direkten Staatssteuer ent- lastet werden sollen! Welcher„Liberalismus"! Die indirekten, den armen Mann am Meisten schädigenden Steuern auf die uvthwendigsten Lebensmittel läßt man bestehen und die direk- t en, dieses vorzügliche politische Aufklärungsmittel, schafft man für die unterste Klasse ab. Und damit hat man zugleich einen kleinen, aber recht pfissigen Staatsstreich gemacht, indem so und so viele Tausend Proletarier, welche von der direkten Staats- steuer entbunden werden, infolge dessen ihr Wahlrecht für den Landtag verlieren. Und das ist die eigentliche„Moral von der Geschicht'". Denn: hat auch das Stimmrecht eines preußischen Wählers der dritten Klasse an sich nur wenig Bedeutung, so enthält es doch die prinzipielle Anerkennung der politischen Gleichberechtigung; und was praktisch von größerer Wichtigeit: durch dieAusmerzung einer uamhaftcnZahl von Wählern der dritten Klasse, und, zwar geradedesdemokratischstenElements, wird dasD reiklassenwahlsystem zu einem weit gefügigerenRe- gierungswerkzeug gemacht, als es bisher war, und der schlimmen Eigenschaften entkleidet, die ihm weiland den junkerlichen Zorn Bismarcks zuzogen.— Die Entrüstungsnotc B i s marck's an Thiers wegen der Freisprechung des Mörders oder Todtschlägers Tonnclet, worin Repressalien in Form von Geiselwcgführung angedroht werden, ist von der deutschen Bourgeoispresse mit lebhaftester Befriedigung aufgenommen worden. Mau wird daher den Franzosen fortan noch weniger als früher Unrecht geben können, wenn sie uns Deutsche„Barbaren" nennen. Bisher bcurtheilten sie uns nur nach den tollen Wuthausbrüchen unserer Presse während deS Kriegs und nach dem Gebühren einzelner Soldaten, welche, in Nichtachtung der Disziplin, Plün- derungen und vandalische vewaltthätigkeiten in Feindesland verübten, allein jetzt haben sie Gelegenheit, zu sehen, wie die G es ammt presse des„Denkervolks", mit Ausnahme eines Dutzends sozialdemokratischer und demokratischer'Zeitungen, mitten im Frieden und nach erlangtem Sieg sich nicht scheut, eine Maßregel zu billigen, ja als„staatsmännisch" zu preisen, welche schon im Alterthum in den Augen der Gebildeten verpönt war, und höchstens dem Unterliegenden als Akt der Rothwchr verziehen, gerechtfertigt aber nur da werden kann, wo sie, wie bei der Pariser Kommune, durch das völkerrechtswidrige, allen Gesetzen der Humanität Hohn sprechende Verfahren der Gegner hervorgerufen wird. Dafür daß Tonnclet von 12 Französischen Geschwornen freigesprochen worden ist, wird das ganze französische Volk ver- antwortlich gemacht, geradeso wie es für alle Schandthaten der bonapartiftischen Klique verantwortlich gemacht wurde. Nun, abgesehen davon, daß nach der bestimmten Aussage von Tonnelets Vertheibiger Ersterer in betrunkenem, also un- zurechnungsfähigem Zustande den Mord verübt hat, und daß deßhalb die Freisprechung erfolgt ist, nicht aber aus Rachegesühl gegen Deutschland,— eine Ansicht, die unsere beiden französischen Parteiorgane,„der Radikal" in Paris und die„Republique rcpublicaine" in Lyon, gleichfalls vertheidigen, obschon sie nichts weniger als chauvinistisch sind')—, abgesehen davon, kann man, selbst wenn die Freisprechung ein Justizvcrbrechcn war, daS ganze Französische Volk nicht solida- risch haftbar dafür erklären und ihm alles„Sittlichkeitsgefühl und Rechlsbewußtscin" absprechen. Wie würdeesdenn den Deutschen gefallen, wenn man ganzDeutschland verantwortlich machen wollte für die Freisprechung von Mördern deutscher Bürger und Soldaten seitens— deutscher Gerichte? Wie oft schon haben deutsche Ossiziere Hausknechte(Magdeburg), Schuhmacher (Berlin), Studenten(Halle), und wehrlose Mädchen(Glogau) ermordet, ohne daß die Schuldigen bestraft worden wären? Und sind denn die nicht tödlichen Säbelhiebe zu zählen, die von bewaffneten Militärs schon an friedliche Bürger ausge- theilt worden sind, ohne daß die Welt je erfahren hätte, was den Raufbolden dafür geschehn ist? Und was ist wohl schlimmer: Die Freisprechung eines Mörders, der wenig Monate nach einem furchtbaren, sein Baterland verwüstenden Krieg in der Hitze der Leidenschaft einen in seinem besiegten Vaterland einquartirten Sieger gelödtet hat oder die Freisprechung eines Mörders, der im tiefsten Frieden auS bestia- lischer Mordlust den eigenen Mitbürger erschossen hat? Un- zweifehaft dasLetztere. Äkun, wir wissen einen derartigen Fall, in welchem die offiziösen Kreise Berlins, der allgemeinen europäischen Stimmung entgegen, dem freigesprochenen Mörder in schamlosester Weise ihre Sympathien entgegentrugen: Es ist bekannt, daß im Januar 1870 ein Vetter des Kaiser Napoleon, Peter Bonaparte, ein viel verrufener Todtschläger, den Redakteur der *)„Die Revanche mit den Massen," sagt der„Radical",„erfordert ein vollständiges Zurückkehren Frankreichs zu dem Kriegszustände und bringt daher alle äußeren und inneren Gefahren und die schrecktichsten Eventualitäten mit sich, als da sind: materielle und moralische Erschöpfung de! Landes, Stillstand der Arbeit, der Wissenschaften und Künste, blo! zu den Zwecken der Zerstörung; im Fall der Niederlage die vollkommene Zerstückelung und Knechtung des Vaterlandes, im Falle des Sieges sein Versall in Militarismus, der Verlust aller seiner politischen Rechte und Freiheiten, die Vernichtung der Republik." „Marsaillaise", Victor Noir, als dieser ihn in Duellange- lcgeuheitcn eines Dritten in Auteuil besuchte, meuchelmör- d e r i s ch umgebracht hat. Bonaparte wurde— trotzdem ihn die europäische öffentliche Meinung mit beispielloser Einmüthig- keit verurtheilte— von dem Schwurgerichte zu Tours frei- gesprochen. Gegen diese unerhörte Infamie der Justiz war ganz Europa entrüstet; keine einzige deutsche Zeitung wagte es, für Bonaparte Partei zu ergreifen— mit Ausnahme des Bismarck'schen Organs, der„Norddeutschen Allgc- meinen Zeitung". Sie schrieb Ende März 1870 wörtlich Fol- gcndes: „Die Freisprechung des Prinzen Peter Bouaparte, welche der Telegraph aus Tours gemeldet, darf, wenn man die hef- tigen Anklagen erwägt, welche aus Anlaß des Vorfalls in Auteuil innerhalb und außerhalb Frankreichs gegen die Napo- leonischc Familie geschleudert worden sind, als ein Ereigniß von nicht zu unterschätzender politischer Tragweite angesehen werden. Niemand, der die seiner Zeit über das Ereigniß selbst veröffentlichten Darstellungen sowie die Berichte über die gegenwärtigen Verhandlungen des Prozesses mit Aufinertsam- keit gelesen und das Verhalten und die Lage des Angeschul- digten mit der seiner Gegner unparteiisch verglichen hat, wird ein Gefühl von Sympathie mit dem Angeklagten und den Wunsch nach Freisprechung desselben haben verleugnen können. Die Geschwornen in Tours haben diesem Gefühl Ausdruck gegeben, indem sie die Frage, ob der Angeklagte des Todtschlags schuldig sei, verneinten. Die Ge- schworenen haben also die Absicht der Tödtung, welche bei dem Begriff Todtschlag vorausgesetzt wird, in Abrede gestellt." Dasselbe Offiziöse Blatt nun, welches dem Mörder eines Demokraten seine Sympathien offen bezeigte, ist jetzt auserkoren, dem französischen Volke Lettionen zu halten über daS„Abhan- densein alles Rechlsbewußtseins und Sittlichkeitsgefühls unter den Franzosen"— weil im vorliegenden Falle der Mörder kein Mitglied der Familie des„guten Bruders-" ist, sondern ein simpler Franzmann, und der Gemordete kein Demokrat, sondern ein deutscher Soldat. Glückliches„Reich der Gottesfurcht und frommen Sittel" Ganz im Geist der Bismarck'schen Geisel-Depesche sind einige Bemerkungen, welche der preußische Kriegsminister von Roon soeben, gelegentlich der Richter'schen Interpellation über die„Vermißten" im Abgeordnetenhaus, zu thun den traurigen Muth gehabt hat.„Nicht überall sind die ge- sangenen deutschen Soldaten in Frankreich mit der Wildheit und kannibalischen Bosheit behandelt worden, wie dies letder vielfach erwiesen ist."„Nicht überall",„Wildheit und kani- balische Bosheit", das heißt(so deutlich als Worte e« aus- drücken können):„Die Wildheit und kannibalische Bosheit" war die Regel, humane Behandlung die Ausnahme. Wir haben von verschiedenen Soldaten, die in Frankreich gefangen waren, mündlich, von vielen anderen schriftliche, Berichte über ihre dortigen Erlebnisse empfangen, und alle Berichte stimmen darin überein, daß, mit den seltensten Ausnahmen, die Behandlung eine äußerst humane, ja häusig geradezu herzliche und liebenswürdige war. Der Preußische Kriegsminister weiß das gerade so gut wie wir, und er weiß ferner, daß seine Vorwürfe sich viel eher nach der Deutschen Seite, speziell ver Preußischen Seite hätte richten können, wo skandalöse Barbareien an Französischen Gefangeneu ver- übt worden sind, z. B. in Thorn— Barbareien, von denen wir uns nur im Interesse des guten Einvernehmens der zwei Nationen bisher zu reden enthalten haben. Jetzt aber die Frage: Warum verbreitet Herr von Roon solche Unwahrheiten, die unS dem Haß— und waruin schreibt Fürst Bismarck eine Depesche, die uns der Verachtung der Franzosen preisgeben muß? Warum? Wir machen unsere Leser auf den in heutiger'Nummer be- findlichen Schlußartikel des Aufsatzes„Zur Charakteristik der Knappschaftskassen ic." ganz besonders aufmerksam wegen der darin von dem gemaßregelten Bergarbeiter Siegert erzähl- ten, fast unglaublichen Verbrechen der Justiz, welche im Zwickau er Gericht passirt sein sollen. Wir trugen in An- betracht der Schwere der erhobenen Anklagen Anfangs Be- denken, die fragliche Denkschrift, welche dem Abgeordneten Bebel ursprünglich zur Mittheilung an den Reichstag zugegangen ist, zu veröffentlichen; aber durch eingezogene Erkundigungen und durch den wiederholt ausgesprochenen Wunsch deS Betroffenen resp. des Verfassers, der die volle Verantwortlichkeit zu tragen bereit ist, sind unsere Bedenken weggeräumt worden. Die Laudesversammlnng in Chemnitz. Zunächst wollen wir diejenigen Orte, welche nach unfern Notizen aus der Landesversammlung vertreten waren, anführen, da die Lokal- blätter unsrer Partei selbst hierüber verschiedene Notizen bringen und o den Gegnern Gelegenheit zu allerlei absprechenden Bemerkungen geben. Vertreten waren: Dresden, Schandau, Döbelu, Leiintg, Leipzig, Frohburg, Penig, Geithain, Lunzenau, Rochlitz, Lurgstädt, Mittweida, Waldheint, Frankenberg, Hainichen, Ehemnitz, Nettkirchen, Schottau, Leukertsdorf, Stollberg, Geyer, Müssen St. Niklas, Thurm, Zwickau, Wilkau, Reichenbach, Mylau, Crimmitschau, Werdau, Mcerane, Glauchau, Wennsdorf, Lichteustein, Eallnberg, BernSvorf, Hohenstein, Ernstthal, Oberlungwitz, Lößnitz. Eine Anzahl Vertreter verschiedener Orte, welche erst im Lause des späteren Nachmittags eintrafen, sind der Versammlung nicht vorgestellt worden. Die meisten Otte waren durch zwei: Dresden, Leipzig, Crimmitschau, Chemmy, Waldheim, Hainichen k. durch mehr als 2 Parteigenossen vertreten. 1. Vorsitzender war Bebel, 2. Most, Schriftführer: Dittrich. Schandau, Kiehaupt-Chemnitz. Nachdem die Tagesordnung festgestellt und eine gegenseitige Vor- stellung der Anwesenden stattgefunden, wurde in die Berhandlungen einaetreten, und zwar zunächst die Debatte über die Maßregelungen auf Grund desVereins- und Versammlungsrecht. Außer den in Nr. 3 bereits bekanntgemachten Beschlüssen, wurde noch beschlossen, in nächster Zeit überall Volksversammlungen zu veranstalten, in welchen diese Maßregelungen besprochen und jene Res«- lutionen zurGenehmigung vorgelegt wurden. Wir erwarten, daß die Parteigenossen diesem Beschluß überall nachkominen. Ferner wurde ein Komitee, bestehend aus Liebknecht, Bebel, Hepner ge- wählt, welches eine'Beschwcrdeschrift ausarbeiten und ein anderes Komiteejbestehend attsWaister.Radestoch Biedermann, M o st, Liebknecht. Dittrich(Schandau), welches die Denkschrift den Präsidenten der beiden Ständekammern und dem Minister des Innern überreichen soll. Sämmtliche Parteigenossen sollen aufgefordert werden, das Material für diese Schrift schleunigst eiuzusenden.(Wir fordern hiermit dazu auf. D. Red. d. B.) Die Debatten waren sehr mtressaitt und ammirt, eine große Zahl der Deputirten betheiligten sich hierbei, und jeder wußte Neue« zu er- zählen über die Maßregetungcn, welche gegen un» ausgeübt worden. Namentlich sind eS die Polizeibeamten zu Zwickau, Glauchau und Limbach, welche sich durch besondere Naivität bei der Begründung ihrer Maßregeln auszeichneten. Bei Berathung des 2. und 3. Punktes, betreffend das Wahlrecht für den Landtag und die Gemeindewahlen, wurde hervorgehoben, wie die neuerdings dem Landtag zugegangene Vorlage in Bezug auf letzteres noch reaktionärer sei als daS schon bestehende Wahlrecht. Bisher habe Jeder sich das Bürgerrecht erwerben und dadurch sein Wahlrecht ausüben können, ohne Rücksicht auf die Höhe der Staatösteueru, künftig hin solle daS erst bei Zahlung cineS Thal erS direkter S t aatssteuer möglich sein. Dadurch werde die gesammte Arbeiterklasse erst recht aus- geschlossen. Ein maßlose! Unrecht sei es auch hier wieder, die direkten Steuern als Maßstab kür die Rechte des Staats-Bürger« aufzustellen und die in- direkten Steuern außer Betracht zu lasseu. Letztere betrügen nach dem vorgelegten Budget an 3 Millionen Thaler, wobei noch festzuhalten, daß die Grundsteuer mit 1,752,000 Thlr. gleichfalls al! eine indirekte Steuer zu betrachten sei, da der Betrag derselben in den Preisen der Ack-rbauerzeugnisje und der Miethen durch die Konsumenten mit be- zahlt würde. DaS ergebe also einen Steuerbeitrag für einen Familien- vater von mindestens 7—3 Thlr. indirekter Steuer. Wie beim Staat, so müßten auch bei der Kommune die Arbeiter das Meiste zahlen, weit mehr als die begüterten Klassen. In Chemnitz müßte jeder Arbeiter und jede Arbeiterin bi« zu einem jährlichen Einkomnien von 100 Thlr., das kaum vor dem Ver- hungern schütze, 16 Ngr. Kommunalabgab- m geben. Aehnlich sei eS überall. Dabei wolle man neuerding! deinGritnd- besitz abermals bedeutende Vorrechte einräumen, indem er mindestens die Hälfte der Koinniunalvertreter an» seiner Mstte stelle. Ein solche» Lorrecht ließe sich selbst vom Standpunkt der Regierung um so weniger rechtfertigen, al» diese gleichzeitig damit umgehe, die Grundsteuern um ein volles Dritttheil, von 1,669,150 Thlr. auf 1,070,933 Thlr., zu er- mäßigen, die Gewerbe- und Einkommiiisteuer von 1,179,516 auf 1,331,497 Thlr. zu erhöhen, also um mehr al» ein Dritttheil. Von den anwesenden Vertretern der Landgemeinden wurde lebhaft« Beschwerde geführt über die noch weit schlimmeren Zustände, welch« die Landgemeindeordnung herbeigeführt. Die größeren Bauern hätten die ganze Gemeinde im Sack, sie oerführen ganz nach Wlllkühr, vertheilten die Lasten nach Belieben, die Häusler und ganz besonder« die Unan- gesessenen ständen so gut wie rechtlos da. Es sei in den Landgemeinden eine wahre„Schweinewirthschaft." Auch darüber wurden interessant« Mittheilungen gemacht, wie die in der Gemeinde herrschenden Großbauern sich die Verpflichtungen de» Gesetze» über den Unterstützungswohnsitz von» Halse zu schassen suchten. Leute, bei denen man befürchtete, daß sie der Geincinde je einmal zur Last fallen könnten, fänden nirgend» LogiS undllnter- kommen. Der bäuerliche Grundbesitzer verstehe, wie der beste Bourgeois, sein materielle! Interesse zu wahren. Diese letztren Ausführungen trugen namentlich dazu bei, die Unterstützung HülfSbedürftiger au» Reichsmitteln in die»ä 2 und 3 gesetzte Resolution aufzunehmen. In der GewerksgenossenschaftSfrage bewegte sich die Debatte nach zwei Seiten hin. Einmal berieth man, in welcher Weife die jetzt schon bestehende Organisation erweitert und vervollständigt werden könnte, andrerseits, welche Mittel in Anwendung gebracht werden müßten, um bei beut Vorgehen der sächsischen Behörden gegen die G-- werkjchaften letztere vor dem Untergang zu retten. Die in-Nr. 3 d. V. ab- gedruckten Resolutionen sprechen sich hierüber klar au». Bedauert wurde allgemein, daß die Besprechungen nach dem Dresdner Kongreß über die GewerkschaftSfrage viSher ohne Resultat geblieben sind. Hervorge- hoben wurde ferner, daß die Abhaltung von so und so viel General- Versammlungen der Gewerkschasten zu nichts führen und häufig un- möglich sein dürste. DaS Beste sei, diese Generalversaininlungen am selben Ort und zu gleicher Zeit, wie den Parteikongreß abzuhalten; da» gebe Kosten- und Zeitersparniß. Den ausgelösten Mitgliedschaften wurde ganz besonder« empfohlen, sich aus lokaler Grundlage sofort zu konstituiren und dadurch zu retten, wa» zu retten ist. Chemnitz, das beauftragt wurde, die Gewerkschaft«organisation auszuarbeiten, soll sich ittSbejondere mit Uork, als Vorsitzendem der Holzarbeiter-Gewerkjchaft, in Verbindung setze». Empfohlen wurde den aufgelösten Gewerkschaften, den Beschwerde- weg bis in die letzte Instanz zu verfolgen. Diesen Weg einpfehlen wir allen Denen, welche sich Uber polizeiliche Matz- nahmen zu beschweren haben. ES mutz konstatirt werden, datz die Behörden biS in die obersten Instanzen eS auf die Unterdrückung und Bernichtung der Arbeiterorganisationen abgesehen haben. DaS Resultat einer jeden Beschwerde mutz sosort int„BolkSstaat" und in de» übrigen Parteiorganen ver- öffentlicht werben. � � lieber den 5. Punkt der Tagesordnung, die Dtenstbotenord- uung, werden wir in einem besouderu Artikel unS aussprechen. Wir werden dabei insbesondere eine Reihe sehr charakteristischer Aeußerungen hervorragender„liberaler" Abgeordneter in der sächsische» zweiten Kammer über die Gesindeordnung einer näheren Kritik unterziehen, dabei auch die wichtigsten Vestitnmmigen der Gesindeordnung hervorheben. Vei Verathung dieses Punktet auf der LandeSversammlung war eS na- meuttich Parteigenosse Simon, welcher fei te reichhaltigen Erfahrungen über die wahrhaft unmenschliche Vehandlung, welche theilweise Gesinde wie ländliche Arbeiter namentlich aus großen Gütern erfahre», mit- theilte. Kortsetzuug«ms Seite 4. Ein uattonalökonomischer Vortrag. (Gehalten im Berliner Demokratischen Arbeiterverein.) (Schluß.) Sie erinnern sich,„daß der Werth der Arbeitskraft be- stimmt war nicht durch die zur Erhaltung des erwachsenen Ar- beiters, sondern durch die zur Erhaltung der Arbeiter-Familie nöthige Arbeitszeil. Indem die Maschinerie alle Glieder der Arbeiter-Familie auf den Arbcitsmarkt wirft, vertheilt sie den Werth der Arbeitskraft des Mannes über seine ganze Familie. Sie entwerthet daher seine Arbeitskraft." Man wird ent- gegnen, daß der Lohn, welchen die Familie nun verdient, ge- stiegen und dadurch die pekuniäre Lage derselben besser ge- worden sein müsse;— aber man bedenkt dann nicht, daß die Arbeiten, die der Familien-Konsum erfordert: Nähen, Flicken, Waschen, nun durch Kauf fertiger Waaren oder Löhne ersetzt werden müssen, daß damit der vermehrten Geldeinnahme auch eine nothwendig vermehrte Geldausgabe gegenübertritt. Und die sittliche Grundlage der Gesellschaft, die Familie, wird durch dies System der Frauen- und Kinderarbeit untergraben. Während in England in nicht industriellen Gegenden die Sterb- lichkeit der Kinder unter 1 Jahr zwischen 9(100 und 13,000 von 100,000 schwankt, steigt dieselbe in Nottingham, Stock- port-Bradford auf 25,000, iu Manchester auf 26,125 von 100,000. Marx zeigt aber auch nun, daß selbst in rein Ackerbau treibenden Bezirken dieselbe Kindersterblichkeit zu finden ist, und weist durch die Berichte der Untersuchungs-Kommissionen nach, daß die Beschäsligung der Frauen außer dem Hause die Ur- fache sei.— Es würde zu weit führen, wenn ich den höchst interessanten, aber das Herz des Menschenfreundes zusammenschnürenden Be- richten noch weiter folgen wollte;'ch gehe daher zu etwas An- derem über und zeige Ihnen nun noch, wie sich in der heutigen Produktionsweise das Kapital neu erzeugt. Wir wissen, daß zur Produktion Arbeitsmittel und Ar- beitskraft nöthig sind. D'e Arbeitsmittel: Maschinen, Werk- zeuge, Nohmaterial, repräsentiren einen Theil des Kapitals, den man konstantes, feststehendes, die Arbeitslöhne, den andern Theil, den man variables, veränderliches Kapital nennt. Denken wir uns allen Besitz eines Landes in einer Hand, als Gesamml-Eigenthum einer Person, so finden wir, daß ein Theil der Güter zum Unterhalt der Menschen gebraucht und im Laufe des Jahres verzehrt wird. Der Rest wird bestehen in solchen Wertsten, die nicht direkt verbraucht werden können, in Häusern, Maschinen, Werkzeugen und dergl. Alle diese Güter sind durch Arbeit hervorgebracht, sie werden, wenn auch nicht im Laufe eines Jahres, doch ziemlich schnell abgenutzt und immer wieder durch Arbeit ergänzt.— Die Gesamml- summe der zur Erhaltung der Arbeiter nöthigen Güter ist die Suimne des variablen Kapitals, die Gesammlsumme der an- deren Werlhe die des konstanten Kapitals,— beide zusammen das Produkt der Arbeit in dem Lande. Je größer nun der eine Theil, desto kleiner muß selbstverständlich der andere werden. Je größer also der Werth des in den Maschinen«. angelegten Theils des Kapitals ist, um so geringer muß der zum Arbeitslohn übrig bleibende Theil sein. Mag dieser„Ar- beitsfonds" nun aber größer oder kleiner sein, immer ist er nichts weiter, als ein Theil der von den Arbeitern er- zeugten Gesammtwerthe.— Nehmen wir einen Frohnbauer. Er arbeilet auf seinem eigenen Acker mit seinen eigenen Ge- rälhen z. B. 3 Tage in der Woche, während er die anderen 3 Wochentage Frohndienst'leistet auf dem herrschaftlichen Gut. Er prvduzirt also seinen eigenen„Arbei tsfonds" beständig, und dieser nimmt nie die Form von einem Dritten für seine Arbeit vorgeschossener Zahlungsmittel an. Nimmt aber der Feudalherr dem Frohnbauer Acker und Geräthe weg, so wird derselbe von nun an als Lohnarbeiter ruhig seine 6 Tage arbeiten und t» denselben neben seinem eigenen Unterhalt den Mehrieerlh jür den Herrn produziren müssen; nur gewinnt es dann durch dle Lohnarbeit und Lohnzahlung den Anschein, als erhielte der Herr den Bauer durch Zahlung aus dem Lohn sonds, als schösse der Herr aus seinem Kapital dem Arbeiter den Lohn vor. Wie heule die Sachen stehen, schießt allerdings der Kapitalist dem Arbeiter den Lohn vor, ehe er die Arbeit in Geld umsetzt, ,aber wenn man den Produktionsprozeß als in beständigem Fluß befindlich denkt, findet mau, daß der Ar- beitcr in diesem Jahre das als Lohn erhält, was er im vorigen Jahre selbst prvduzirt hat. Ebenso wie also der Lohnfonds des Kapitalisten immer vom Arbeiter selbst erzeugt ivird, gehl es, genau genommen, auch mit dem körtstanteu Kapital. Jedes Haus, jede Maschine wird in wenigen Jahren verschleißen, sich avnutze», letztere— die Maschinen— ohne Benutzung ebenso schnell verderben; erst die Arbeit ergänzt immer wreder das Verbrauchte. Der Verbrauch des Kapitals ist ei» so schneller, daß dasselbe in wenigen Jahren ohne die es immer wieder neuschassende Arbeit verschwunden sein würde I Denken Sie, um sich dies klar zu machen, nur an eine Geldsumme, deren Zinsen vom Eigenthümer verzehrt werden. Ohne Zinse» zu erhalten, würde der Mann gezwungen sein, vom Kapital zu zehren und hätte dasselbe in circa 20 Jahren verbraucht. Unter den heurigen Verhältnissen erscheint es so, als würbe das Kapital, mag es in Geld, oder in anderen Werthen be- stehen, immer erhalte», und nur der erzeugte Mehrwerth kou- sumirt; in Wahrheit geht das Kapital durch den Produktions- prozeß ganz in die neugeschaffene Waare übe*, verschwindet ganz, und ist nur durch die Arbeit zugleich mit dem Mehr- werth immer wieder von Neuem erzeugt.— Meine Herren! Ich habe Ihnen aus dem reichen Inhalt des Marx'schen Werkes nur einzelne Bruchstücke vortragen können, Sie werden aus denselben aber die Ueberzeugung ge- wonnen haben, daß die Arbeit, nur die Arbeit, nicht das Ka- pital, die Werthe erzeugt; daß— mag man die Untersuchung beginnen, wie man will— man immer die Richtigkeit des Rlcarbo'jchen Lohngesetzes bewiesen findet, und daß dies, wie viele andere Uebelstände der heutigen Gesellschaft, einzig und allein die Folge davon ist, daß der Staat sich in keiner Weise in die Verkehrs-Verhältnisse einmischt�)! *) Wir können mit der hier geäußerten Ansicht keineswegs über- einstimmen. Erstens ist es satsch, daß das Ricardo'jche Lohngesetz, wie überhaupt das heutige Lohnjystem die Folge staatlicher Verhältnisse Aus den letzten Ihnen mitgetheilten Sätzen, die den schnellen Verschleiß des Kapitals behandeln, scheint mir hervor- zugehen, daß es nur einer energischen Gesetzgebung bedürfe, welche dem Arbeiter einen größeren Antheil an dem von ihm geschaffenen Mehrwerth sichert, um die ganzen sozialen Ver- Hältnisse umzuformen. Je größer dieser Antheil der Arbeiter, desto größer ist also der Lohnfonds im Lande, um so kleiner wird dadurch— wie wir gesehen haben— das konstante Kapital; je größer der Antheil der Arbeiter am Ertrage, desto geringer der Unternehmergewinn und der Zins, und in noth- wendiger Folge davon auch die Uebermacht des Kapitals. Nach meiner Auffassung ist also die, von Bielen geträumte und gewünschte Aufhebung des Privat-Eigenthums durchaus nicht nöthig, um die soziale Frage zu lösen; nur der Staat muß sich frei machen von den übertriebenen Konsequenzen dieses wirthschaftlichen Liberalismus, er muß sich erheben zu der In- stitution, in der sich die ganze Tugend der Menschheit ver- wirklichen kann. Einer der edelsten deutschen Dichter, Anasta- sius Grün, hat es in diesem Jahre im österreichiscben Reichs- rathe treffend ausgesprochen, was die Freiheit sei: Freiheit ist nichtnGcmiß, Freiheit ist Arbeit, unausgesetzte Arbeit an den hohe KuUur-Aufgabcn des modernen Staates! Diese Frei- Heils des Staats, wie der Bürger fordern wir! Wir fordern nicht, daß der Staat hemmend eingreife in den wirthschaftlichen Betrieb der Bürger, aber schützend soll er seine Hand über dem Arbeiter halten, über der Masse des Volkes, ohne die er fernen Wohlstand, wie seinen Bestand verlieren würde!— C. A. S. Eiu nationaler Held. Seit einiger Zeit ist vom Berliner Preßburean die Losung ausgegeben, den Amerikanischen Freistaat, jedoch unter obligaten Schmeicheleien für dessen Präsidenten, als eine politische Fehlge- burt hinzustellen, die mit dem„glorreichen neuen Reich" nach keiner Richtung hin den Vergleich aushalten kann, und sogar (hört es und staunt!) weit weniger„wahre Freiheit" gewährt. „Wahres Freiheit" ist selbstredend„die Freiheit, die ich meine", und der„ich" das ist der ER/ nämlich der geniale Bisinarck. Besonders muß die korrupte Amerikanische Städteverwaltung herhalten, wobei es natürlich nicht an selbstzufriedenen Seiten- blicken auf das sittliche Deutschland fehlt, wo es keine Stadt- räthe gibt, die betrügerische Kontrakte abschließen, und keine Stadtverordneten, bie sich von Bordellwirthen traktircn lassen. Die erste Flöte in diesem Schimpfkonzert spielt ein gewisser Friedrich(tapp, der lange Zeit in Amerika als 1849er Flüchtling gelebt hat und zum Dank für das gmosiene Gast- recht jetzt die Amerikanische Republik mit Kvlh bewirft. Im Noveinberheft der(offiziösen)„Preußischen JalHbiicher" schreibt dieser„sachverständigste Bcurtheiler Amerikanischer Zustände" über die Korruption unter dem höheren amerikanischen Beamten- stand unter Anderm: „Das eigentliche Uebel liegt in der Uebertragung und An Wendung des allgemeinen Stimmrechts auf die städtische Verwa ltung, in der Ausdehnung der po litischen, der Staats- rechte aus die kommunalen Angelegenheiten. Ursprünglich war die Ausübung der kommunalen Rechte in den amerikanische» Städten ebenso wie in den englischen von bestimmten Bedingungen abhängig gemacht, als da sind: dauernder Hausstand, Beitrag zu den städtischen Laste», Theilnahnie au der Geschworencupsticht und au den städtischen Aemtern und Dienste». Die Stadt war eine Korporation, und über Pflasterung, Beleuchtung»nd Reinigung der Straßen, Über Gesundheitspolizei k. hatten nur Diejenigen mitzuieden, welche für alle diese Zwecke des Gemeinwesens initbezahlten. Diese Aussassung erhielt sich auch nach der Losreißung von England und Gründung der Verfassung von 1787. Erst im Jahre 1826 schaffte man diese Beschränkung ab und räumte jedem ciuundzwanzigjätirigen männlichen Weißen das Stimmrecht ein. Ein Gesetz von 1833 versügie dann die Wahl des Mayors d r Stadt Neuyork direkt durch das Volk, während er bis dahin durch die Stadtverordnete» alljährlich neu ernannt war. Im Lause der Jahre wurden fast alle flädtischeii Aemter am die Pollswahl gestellt, und die noch heute geltende Perfassung von 1846 sichte diesem System die Krone aus, indem sie sogar die Wahl derRichtcr durch das Volk verfügte. Die verderblichen Folge» der neuen Gesetzgebung in achten sich nicht sogleich fühlbar. In den vierziger Jahren galt es noch in Neuyork als Ehre, zu den StadtverordiMeii gewählt zu werden; seitdem aber wurde der solide Bürgeistuild mehr und mehr aus der Perwaliung zurückgedrängt, und die Bäter der Stadt rekrutirten sich aus SchnapSwirihen und demagogische» Bummlern. Bis in die fünfziger Jahre hatten ehrenwerihe Kausleute die höchste Ehrenftelle des Bürgermeisters bekleidet, dann aber kamen bankiolle Schwindler, welche für ihre Wahl als Mayor« bei den Wahlen so viel Geld anfwandten, daß sie, schon um ,u ihren Unkosten zu kommen, ihr Amt zu Unterschleis und Erpr>ssiiiig benutzen mußten. Zu derselben Zeit taiichten in Neuyork auch die ersten käuflichen Richter aus. Mächtige Eisenbahngesellschaften konnten sich rühme», daß sie ihre eigenen� Richter im Solde hätten. Es gab im Jahre 1876 in der Stadt nur 7l,l)06 eingeborene Stimm- geber, dagegen 113,060 frenidgelwrene Unter den lctzterii lieferten die Jrländer das stärkste Kontingent. Auf diese Uiiwissenden und rohen Massen stützten sich nun die Demagogen. Die Stimmen der besitzen- den Äiitielklassen verschwanden gegenüber dieser Ueberzah; auch waren diese Klassen viel zu schlaff(a al), viel zu sehrin ihre eigenen Geschäfte versenkt taha!), als daß siedein össentlicheit Unwes'cn mit Energie entgcgeiigetrele» wären. Die radikalen Politiker von Neuyork erHobe» das Wahlgeschäft zu einein Jiiduftriezweige. Die Stiminen wurden iin Engrospreise zu 2 Doll., im Detailpreise zu 21/a— 3 Doll. verhandelt. Bezahlte Bummler gaben bei einer einzigen Wahl in ver- ichiedenen Stadlbezirken zwölsmal ihre Stimmen ab, indem sie sich den Namen irgendeines iin Bezirke wohnenden Bürgers aneigneten. Und diese U bel waren nicht etwa lokaler Naiur, sondern sie brachen in ähnlicher Weise überall in Nordamerika hervor. Die Be» wohncr von St.-Louis oder Chicago, die Wähler des jungfräulichen Staates Minnesota haben ebenso gut ihre Politiker, welche die össent- lichen Kassen bestehlen, wie Newyork. Soll die städtische Verwaltung zu Sit.e, Anstand und Recht zurückgeführt werden, so gibt es dafür »ur Ein Mittel, und dieses Mittel heißt— A bh ch a f f n n g des all- gemeinen Stimmrechts in Kommunalangelegenh'eiten. Also das„allgemeine Sliinmrecht" ist der Quell des Uebels und„Abschaffung des allgeiueinen Stimmrechts" lautet die Panazee. Nun— in Deutschland fließt dieser Quell des Uebels nicht und doch haben wir mindestens ebenso viel Korrup- tion wie in Amerika; nur wird das Uebel bei uns mehr ver- tuscht, weil es, beim Mangel eines gesunden öffenh- lichen Lebens, an Männern fehlt, welche dieamtiren- den Spitzbuben am Kragen packen. Man erinnere sich blos an das Jahr, 1848! Welch' kolossale Unterschleife kamen zu allgcmeinein Erstaunen damals zu Tage I Wie viel tausend Biedermänner, die bis dahin den Diebstahl an öffentlichen Kassen als langjährige Sinekure betrieben hatten,— und zwar sei; und zweitens ist es falsch,„daß der Staat sich in keiner Weise in die Vetkehrsverhältnisse einmische." Dagegen bestreiten wir natürlich nicht, daß der Staat dieM'acht hat, die kapitalistische Produktionsweise abzuschafsen, und durch die sozialistische zu ersetzen. D. R. d B. meist unter hoher obrigkeitlicher Aufsicht,— wurden nicht plötzlich in ihrem stillen Vergnügen gestört! Nein, nicht das allgemeine Stimmrecht ist der Quell des Uebels in Amerika— hätten wir es in Deutschland, wir wollten manchem Gemeinde- Plünderer dasHandwerk legen!— sondern die heutige Klassen- herrschaft, unter deren Einfluß die Gemeindever- waltung nothwendig auf Ausbeutung und Raub hinaus- laufen muß, wie das ja bei der ganzen modernen Gesellschaft der Fall ist. Die Klassenherrschaft also gilt es zu beseitigen; und dazu brauchen wir das allgemeine Stimmrecht, das zwar uicht„Wunder" thun kann, aber doch mit Sicherheit allmählig zur Beseitigung des Ausbeutungs- und Raubsystems auf kommunalem wie auf staatlichem und ökonomischem Gebiet führen wird. Indem Herr Kopp gegen das allgemeine Stiinm- recht eifert, erklärt er sich(trotz seines Tugend-Gefluukecs) für dieses Ausbeutungs- und Raubsystem; wer gegen dieses Aus- beulungs- und Raubsystem ist, muß für das allgemeine Stimm- recht sein. Doch wir reden da von Friedrich Kapp, und unsere Leser wissen zum größten Theil nicht, wer und was diese, von unsrcn Nationalen jetzt so hochgefeierte Personnage ist; der nachstehende Brief, den man uns aus New-Aork zugeschickt hat, beautwvrlet die Frage: Hoboken, den 3. Juli 1871. Herrn Dr. K. Sie fragen mich:„Was trieb Friedrich Kapp, der vor wenigen Monate» ein fürstliches Geleite auö Ncw-Iork aus den, Wege nach seiner alten Heimath empfing und jetzt als moralisch todt erklär: wird, daß er»ich: einmal durch neue, gegen ihn und jetnen sittlich-politischen Werth zu Felde ziehende Thalsachen„tödter" geschlagen werden kann, (s. N. I. Staalszeitung vom 3. Juli), ehB er in dieses Land kam 7 lind da er hier als deutscher Patriot galt und sich als solchen gerirte, welches sind die Thaten, die er im Interesse der deutschen Freiheit und Einigkeit vollbracht hat, so lange er auf altvaterländischem Boden ver- weilte?"— Wie es kam, daß er Deutschland verließ, darüber will ich Ihnen pünktlich Rechenschaft geben und die getreue Wahrheit in zier- pewam rei memoriam verzeichnen.— Unser Fiiedrich Kapp ist der Sohn des StudiendirckwrS F. Kapp in Hamm, Westphalen; er stu- bitte in Heidelberg einige Jahre Rechtswissenschaft und fand, ohne ein Staatsexamen gemacht zu haben, Beschäsligung auf ivcstphälischen Ge- richten. Das Jahr 1848 rief ihn nach Frankfurt, von wo aus er trotz des erbärmlichen Styls, den er noch in seiner Geschichte der Sklaverei beknndete, Korrespondent, der„Neuen Deutschen Zeimng" von Lüning in Darmstadt und Ruge's„Reform" in Berlin wurde. Er wußte sich in den Frankfurter Arbeiterverein einzudrängen und wurde auf ganz kurze Zeil dessen Präsident, da er doch etwas mehr Bildung als die übrigen Mitglieder besaß. Der 18. September 1848 erschien und der Hauptschlag sollte durch den Franksurter Arbeiterverein, Friedrich Kapp an der Spitze, ansgesührl werden. Am Abende vor deni verhängniß- vollen Tage wurde eine äußerst trotzige Petition des Arbeitervereins an das deutsche Parlament entworfen und vom Herrn Kapp imtcrzeichnet Sic wurde nicht durch ihn, sondern durch eine Delegation des Vereins am 18. September 1848, Morgens 9 Uhr, in der Paulskirche über- reicht, während zur selbigen Stunde Kapp auf der Barrikade des Arbeitervereins iu der Ziegelgasse eine feurige Rede.hielt und seine Arbeiter zu Muth und Begeisterung entflammte, vm 9'/, Uhr Vor- mittags kam Friedrich Kapp zu mir in die Paulskirche, ganz außer Athem, und erbat sich den Schlüssel zu meiner Stube, weit er sich dort verstecken wollte, indem er sicher arretirt würde,— verstecken, ja ver- stecken, während der/von ihm angefachte blutige Kampf iu Heller Lohe emporschlug. Ich gab ihm deir Schlüssel zur Thüre meines Zimmers, das mit dem des Privatsekretärs des Fürsten von Leiniugen, Mar Schüller aus Bayreuth, zusammenstieß, und Kapp brachte eiueu großen Thcit des übrigen Tages dort zu. Meine Wohnung war nahe dem Bundespalais in der Eschenheimer Gasse. Nach Tische kam ich nach Hause und fand den jungen Freiheitsheldeu buchstäblich von Blut triefend. Seine Aufregung war eine entsetzliche. Er blutete sortwäh- rend aus der Nase und ich fand später mehrere gelbe, ganz mit Blut getränkte Foulards. Schüller kam auch bald»ach Hause und erzählte mitten unter dem Kanonendonner eine der drolligsten Anekdoten, die ich je hörte. Er war nämlich vom Fürsten Leiningen, dem Premier- Reichsminister, zum Reichsverweser, der an der Bockenheimer Straße wohnte, geschickt worden, um bei diesem anzufragen, was in der ge- wältigen Krise zu thun. Der Reichsvcrweser war im Hose seines Hauses damit beschäftigt, seinem vierzehnjährigen Sohne Uulerricht im— Stel- zengehen zu erthcilen. Er ließ sich darin vom Boten des Reichsini- nisters nicht stören, sonder» antwortete in gnnz gemüthlicher Weise: „Dös waaß i a nit."(In den Münchener„Leuchtkugeln" wurde der Austritt herrlich illustrirt.) Zugleich verbreitete sich die Nachricht von der Ermordung Auerswald's und Lichiioivski's. In Beck'schen Garten, ganz in der Nähe des Schauplatzes der Greuelthat, an der Straße nach Bornheim, wohnte Ludwig Fenerbach, der die größte Zeit der Parlamentszeit über in Frankfurt zubrachte, und ich hielt es für meine Pflicht, ihn dort, wenn er vom Pöbel zernirt sei, aufzusuchen. Er war nicht dorr, sondern hatte mich in meiner Wohnung aufgesucht, wo ich ihn in Gesellschaft Kapps und Schüllers fand. Es war gegen sechs Uhr, und die Kartätschen pfiffen ganz lustig um die Barrikaden der Zeil, an der Stelle, wo die Fahrgaffe einmüdet. Wir vier, Feuer- bach, Kapp, Schüller und ich,'begaben uns hierauf aus der Eschen- heimer Gasse nach der Zeil, wo wir bis zum Poftgebäude gelangten und dem Pfelsen der Kartätschen, zuhörte». Ich sehe Herrn Kapp heule noch, wie er sich hinter eine Säule duckte und in den Kampfes- stürm hinauslugte. Schüller nahm ihn hieraus in seinen Schutz, sie ersrcuten sich des Weins und des Mahls und ain anderen Mor- gen war Herr Kapp als heldenmüthiger Kämpfer bei dem Frank- 'surter Ausstand verschwunden. Er fand in Paris im Hause des russischen politischen Agenten Alexander Herzen Aumahme. In New- Bork verband er sich mit Julius Fröbcl zu einem GelSu ulcihegcschäste. Vielleicht gibt es später Gelegenheit, auf diese prästabilirle") Harmonie zweier schöner, politischerSeewn einige Streiflichter zu wersen.— Treten politlsch thätige, zweideutige Jndiviouni, welche den harmlosen Arbeiter zu gewaltsamen PolkSbewegnngen drängen und Hetzen, im Momente persönlicher Gefahr vom blutigen Kampfe zurück, so laden sie, wenn sie später in die Dienste derjenigen Regierungen sich begeben, gegen welche sie den Ausstand anstisteten, den Verdacht auf sich, die Rolle von ülouebarlls und-IZsut« provaeateurs gespielt z» haben, deren sich jede Regierung beim nahenden Sturme eines Bolksaufstandes bedient, wofür aber unsere edle deutsche Sprache glücklicher Weise noch keine entsprechende Bezeichnung hat. Wie dem sei, Eines steht fest, Herr v. Bisinarck konnte sich keines unglücklicher gewählten„spiritu- alislischc» Mediums" bedienen, Deutschland und die Bereiingten Staa- ten im Momente hinter einander zu hetzen, wo sich aus letzterem Lande eine so reine, hohe Begeisterung sür deutschen Waffenruhm, deutsche Ehre und deutsches Recht kund gab, als eines politischen ChamäloenS wie Friedrich Kapp.— Hr. Karl Riedel. Zur Charakteristik der Knappschastskasscn und dersäch- fischen �ustizpstege. (Schluß) Nach dem Gesetze sind Arme>md Reiche, Adel und Gemeine, Studirte und Laien vor dem Richter gleichgestellt, das heißt Keiner soll vor dem Anderen ein Vorrecht dem Gisetze gegenüber haben, einen Vorzug darf demnach auch der Unterj>ichnngSrtchter weder dem Ankläger noch dem Angeklagten einräumen, welchen Standes auch der eine oder der andere sein mag. Direktor Oppe hatte mich angeklagt, daß ich meine geleisteten Bei- träge zur Kiiappschasiskasje ihm„abznp ressen" mich untersangen hätte. Ob ich nun auch bei meiner Vernehmung durch den Unter- suchungSrichter,(ich harte keinen beitimmten Uulersuchungsrichter, bald Den, bald Jenen) enischicden dies verneinte, dagegen behauptete, nur Arbeit, oder die statutenmäßige Pension gcsordert zu haben, da ich nach meinen körperlichen Verhältoisseu das Eine oder das Andere zu B vorausbestinimte. fotbern berechtigt sei, stellte der Untersuchungsrichter die Frage an mich,„Wie viel haben Sie zu der Knappschaftskasse Beiträge ein- gezahlt?" ich nun zu„erpressen" mich unterstanden übrigen Anklagepunkte entschw 130 Thalern zusammen, die haben sollte! Ebenso wies ich die sämmtlichen den, als unwahre, zurück. Am ö. November 1870 wurde ich gefänglich eingezogen und in dem Bezirksgerichtsgesängniß zu Zwickau intcrnirt. In der Nacht vom 10. zum 11. November 1870, ohngesähr bei «cginii der 10. Stunde, während ich mich bis aus die Hosen entkleidet hatte, wurde meine Gesängnißzelle eiligst geöffnet, der Erecutor Günther trat in meine Zelle, während ein Gesangenwärter mit der Laterne in der Hand air der Thüre meiner Zelle stehen blieb. Erecuter Günther, Bruder des Inspektors des Bezirksgerichtsgefängnisses, trat auf mich zu und, ohne ein Wort zu äußern, schlug mich dieser mit zusammengeballter Faust so furchtbar über den Kopf, dag ich eigentlich nicht wuszte, wie mir geschah; ich fragte benannten Exekutor, warum er mich so mißhandle? Die Antwort war:„Lege» Sie sich zu Haufe auch so nieder?" Ich erklärte demselben, daß ich noch nicht zu schlafen beabsichtigte, einen Bruch hätte und mich vor Erkältung hüten müsse, in der Zelle es aber sehr kalt sei. Daraus schlug mich der fragliche Erctutor mit der geballten Faust nochmals und dermaste» zwischen die Schultern in den Rucken, das; ich besinnungslos zu Boden stürzte. In diesem bewustt- losen Zustande habe ich gelegen bis den 11. November früh 3 Uhr, wo ich durch die Morgenglocke zu Zwickau zum Bewußtsein gelangte. Bei Wiedererlangung meines Bewußtseins lag ich Mit dem Kopfe auf dem Rachtkübcl, der übrige Körper auf dem Fußboden, von Frost vollständig erstarrt, so daß ich nur mit größter Anstrengung mich aufzurichten im Stande war. Die Gcsäng Nißzelle war wie gewöhnlich verschlosten, es hatte mich also mein Peiniger in nieinem bedeicklichen Zustande verlassen, und wäre ich mit Tode abgegangen, war ich jeden Falls ein„Selbstmörder."— Mehrere Wochen habe ich an den Theilen meines Körpers, an denen mich der benannte Erekutor hingeschlagen, die größten Schmerzen zu ertragen gehabt. Ich habe nun durch Herrn Advokat Reinhvld Schraps in Cr im- mitzschau gegen Erekutor Günther, wegen Mißhandlung gröbster Tri, bei dem Königl. Gerichtsamt im Bezirksgericht zu Zwickau' Straf- antrag gestellt. Es hat nun anfänglich genannter Günther diese meine Mißhandlung geleugnet, meine darüber gemachten Angaben aber wurden durch den Gesangenwärter, welcher die ganze Mißhandlung mit angesehen hatte, bestätigt, es hat endlich auch Erekutor Günther die an mir verübte Mißhandlung zugestanden. Trotzdem, daß meine Angaben über meine Mißhandlung von den Zeugen bestätigt undvon'deni Beklagten zugestanden worden ist, sieht doch das Königliche Gerichtsamt im Bezirksgericht zu Zwickau von der Bestrafung des Angeklagten ab, weil ich zu keinen andere» Angaben zu bringen wäre.— Ich soll jedenfalls An- gaben der Wahrheit zuwider machen, auf die hm Erekutor Günther freigesprochen werden kann. Man verzeihe diesen kleinen Abstecher! Ich wende mich nun wieder zu dem Gerichtsversahren in der Klagesache zwischen mir und Direk- tor Oppe. Ich sagte, daß ich am 9. November 1870 gesänglich eingezogen und im Bczirksger'chtsgefänanisse zu Zwickau internirt wurde. Am 10. November stellte ich an meinen Untersuchungsrichter Assessor von Mangold den Antrag,„mich der Untersuchungshaft zu entlassen." Dieser erklärte mir:„wenn Sie eine Caution von b00 Thal er» stellen, können SieJhrer Hast entlassen werden, andern Falls aber nicht, weil Sie ein Ausländer sind." Ich bin in Trautliebersdorf', Kreis Landeshut in Schlesien geboren. Es fragt sich nun, ob das große„einige, Deutsche Reich" den Kreis Landeshut im Königreich Preuße» ausschließt.— Da ich nun eine Kaution in der aesordcrteu Höhe nicht aufzu- bringen im Stande war, muhte ich in oer Hast verbleiben. Endlich wurde» meine Untersiichungsacteu geschlossen und ich zur öffentlichen Verhandlung verwiesen, dem ohngeachtet aber der Hast nicht entlassen.— Ich erbat, meine Untersuchungsacten an Herrn Ad- volat Reiuhold Schraps in Crimmitzschau, zu senden, was mir Ge- richtSrath Klaus ausdrücklich abschlug; derselbe äußerte darüber Folgendes:„Aovokat Schraps erhalten See zum Vertheidiger nicht; da können Sie machen, was Sie wollen, Sie brauchen überhaupt keinen Vertheidiger; der Vertheidiger- kostet Ihnen viel Geld; wie Ihre Sache liegt, haben Sie nur eine ganz geringe Strafe zu er- warten; sollteJhne» eine höhere Strafe zuerkannt werde», so bin ich auch noch da. Wollen Sie sich aber durchaus einen Vertheidiger an- nehme», so wählen Sie sich jeden beliebigen Advokaten— nur Ad- vokat Schraps nicht; den lassen wir Ihnen nicht zu,— da können Sie machen, was Sie wollen!" Dagegen hat der I n s p e c t o r des Bezirkszerichtsgesängnisses meiner Ehefrau, die mich wegen eines Bertheidigers zu sprechen wünschte, mitgetheilt:„Ihr Mann hat Advokat Schraps zu feinem Vertheidiger erwählt, Sie brauchen also mit Ihrem Mann darüber nicht;» sprechen." Eine Bespiechung mit meiner Ehefrau wegen eines Bertheidigers für mich hat er mir auch nickit gestattet; da ineine Ehefrau Herrn Advokat Schraps unbedingt zu meiuent Vertheidiger berufen hätte, darum mußte sie dupirt werden.— Ich selbst war gefangen, ich konnte für mich nichts thun, und so kam die öfsentliche Verhandlnng, ohne daß mir ein Vertheidiger zur Seite stand. In der Verhandlung führte den Borsitz mein gewesener Unter- suchungsrichter, Gerichtsrath KlauS, welcher mir während der Ver- Handlung, als ich die Angaben oder Vorbrinaungen des Direktor Qppe und seines Markscheiders widerlegen wollie, drei Mal den Mund verbot, so daß ich selbst zu meiner Vertheidigung das Wichtigste nicht sagen durfte. Alles, was Direktor Oppe und sein Markscheider vorbrachte», erkannte der Vorfitzende der Verhandlung als lautere Wahrheit an. Znm Beweis diene: Direktor Opve behauptete unter Anderem: „Ich habe Siegert gesund entlassen; derselbe ist körperlich nicht ge- brechlich, sonst hätte ich ihn nicht aus sein Vergehen aus der Arbeit entlassen können." Der in der öffentlichen Verhandlung funqirende Protokollführer stellte auf die vorstehende Behauptung au den Vorsitzenden die Frage: „Soll ich die Behauptung des Herrn Direktors in das Protokoll aufnehmen?"„Es ist nicht Nvthtg war die Antwort des Vor- sitzenden. Direktor Oppe hat auch diese vorstehende Behauptung be- eibet. Eine Entgegnung wurde mir durch den Gerichtsrath Klans verboten. �,„,.,, Der Markscheider bei dem Erzgebirgischen Aktien-Steinkohlenbau- Verein hat nun in der gedachten öfsenilichen Verhandlnng Folgendes angegeben und beeidet: 1)„Siegert hat eine Forderung au Direktor Oppe gestellt von. 150 rhlr., die Direktor Oppe zurückzahlen sollte; selbst nachdem Direktor Oppe dem Siegert begreiflich gemacht, daß er (der Direktor) diese Summe nicht auszahlen könne, ist Siegert von seiner Forderung nicht abgestanden."— Ich habe, wie schon bemerkt, nur auf Arbeit oder auf der mir rechtlich zustehenden, statutenmäßigen Pension bestanden. Selbst wenn mir Direktor Opve eines Abschlagssumme von 150 Thalern geboten hätte, ich würde diese Summe gar nicht angenommen haben Ich bin zur Zeit erst 37 Jahr alt,— 150 Thaler würden kaum meine mir rechtlich zustehende Pension auf 4 Jahre decken, während ich, trotz meiner körpeilichen Gebrechen, eine viel größere Zahl von Jahren noch erleben kann. 2)„Da Direktor Oppe in die Forderung Siegerts nicht ein- willigte, hat Siegert den Direktor Oppe um die Tafel herumge- trieben."._ Die ArbeitS-Tafel des Direktor �ppe steht unmittelbar an der Wand, derart, daß nur die eine Seite der Länge nach frei steht, die andere Längeuseite aber dicht an der Wand steht, also ei» Zwischen- räum gar nicht vorhanden ist. 3)„Wir wären in die Erpeditlon gekommen, nicht wie Menschen, sondern wie das Vieh." Wir haben erst angeklopft, aus das„Herein" sind wir rn die i Erpedition des Direktors getreten, haben denselben freundlich be- j grüßt u. s. w. Bei �lnserm Eintritt in das Zimmer des Direktors, sowie während der fragliche Markscheider nicht einmal zu der Zeit, als wir im Begriff waren, hat also von Allem weder Etwas gesehen»och gehört. 4)„Siegert sagte, wenn der Direktor Oppe das Geld nicht'raus- gebe, so hätte derselbe es ihm gemaust." Diese Aeußerung ist meinerseits nicht gefallen, ich habe aber eine solche auch nicht von Oeser und Stobeld gehört. Auf alle diese Angaben durfte ich nichts erwidern, da mir Gerichtsrath Klaus abermals zu sprechen verbot. Ich wurde ohne Sang uitd Klang zu einer ArbettShausftrafe von K Monaten und'2 Wochen verurtheilt, wurde wieder bei- geführt und sollte meine Ablieferung den ersten Dezember 1870 in das ArbeitShaits oder die Strafanstalt erfolgen. Vor meiner Wiederbeiführung erwartete ich Gerichtsrath Klaus dieser erschien vor Eingang des Saales und ich hielt ihm vor:„Sie haben mir stets abgeredet, einen Vertheidiger anzunehmen; Sie sägten� ich hätte nur eine ganz geringe Strafe zu erwarten; Sie selbst wollten für mein Recht nöthigen Falls eintreten, und jetzt bin ich mit einer solchen Strafe belegt worden!" Gerichtsrath Klaus antwortete: „Dem Großen zur Ehre, den Anderen zum Beispiel mußten wir Sie bestrafen; auf Ihre Sache kounten Sie nicht bestraf werde u." Da mir nun Advokat Schraps zu benennen nicht gestattet wurde, erwählte ich mir Advokat Grimm in Glauchau zu meinem Ver- theidiger, welcher zunächst meine Freilassung bewirkte und für inich ein Gnadengesuch fertigte und dasselbe nebst ineinen Akten an den König abgehen ließ; auf Grund dessen wurde mir die Hälfte meiner Strafzeit„in Gnaden" erlassen, die andere Hälfte meiner Strafe wurde in Gefängnißstrafe unkgewandelt. Ich beauftragte nun meinen Vertheidiger, die Meineidsunter suchung gegen Ditektor Oppe und dessen Markscheider zu beantragen aber er zuckte mit den Schultern und gab mir deutlich zu verstehen. daß ihm daran nicht viel liege. Ich entzog ihm daher meine Voll macht, und da ich frei war, nahm ich nun Advokat SchrapS zu meinem Vertheidiger an; dieser griff nun meine Sache ernstlich an. studirte zunächst meine Akten und stellte das Gesuch an das Justiz- Ministerium in Dresden um Wiederaufnahme der Akten. Bei dieser Gelegenheit ließ mich Assessor Kästner, dem meine Sache übertragen worden war, zu sich kommen und sagte:„Sie wollen wohl Direktor Oppe und seine Zeugen meineidig machen, meinen Schwager auch mit? Soweit bringen Sie es ntcht; dafür bin ich auch noch da." Unser Gesuch um Wiederaufnahme der Akten wurde von dem Justizministerium abgelehnt, worauf ich mich persönlich an das Justizministerium nach Dresden wandte und mit dem(nun verstorbe- nen) Jusiizministcr Schneider über mein gedachtes Gesuch persönlich conferirte. Justizministcr Schneider versicherte mir nicht nur, daß ein Gesuch weder von mir noch von meinem Vertheidiger an ihn gelangt sei, sondern beauftragte mich auch, dies dem Königlichen Bezirksgerichts- amte zu Zwickau zu sagen. Als ich nach Hause zurückgekehrt war, ging ich zu Assessor Kästner und erklärte diesem, daß ich im Justiz- Ministerium gewesen wäre, und Justizwinister Schneider mich beauf- tragt habe, dem Königlichen Bezirksgcrichtsamte zu sagen, daß mein Gesuch»in Wiederaufnahme der Akten an ihn gar nicht gelangt sei. sarauf äußerte Assessor Kästner:„Ihre Akten werden nicht wieder aufgenommen; das kommt ganz aus mich an; da hat mir d>er König und der Minister nichts zu sagen." Darauf hat nun Herr Advokat Schraps eine Rüge gegen Assessor Kästner beim Justizministerium eingebracht, deren Erfolg mir zur Zeit unbekannt ist; so viel weiß ich aber, daß ineine Sache einem anderen Assessor übertragen ist und Kästner bis heute meines Wissens noch nicht zurückgekehrt ist,' vor seincrAbreise aber michundHerrn AdvokatSchraps noch mit einer Anklage bedacht hat wegen„Verleumdung beim Mi- nisterium."— Ich habe nun den ehemaligen Gerichtsdiener Eisen- hu der als meinen Zeugen abhören lassen f welcher obige Aeußerung des Affessor Kästner nicht nur gehört, sondern auch vor Gericht be- stätigt hat. Bei meinem Gesuch« nm Wiederaufnahme meiner Akten gab ich zu letzteren eine genaue und vollständige Darlegung des ganzen Sachverhalts; diese Schrift ist aus meinen Atte» vollständig ver schwanden. Inzwischen habe ich nieine Gefängnißstrafe von 3 Monaten ver- büßen inllssen, obgleich meine ganze«achc als erledigt noch nicht an- zusehen ist. Ich habe nun zum Ueberfluß noch 23 Tage Gefäng nißstrase mehr verbüßeii.müssen, weil die Untersuchungshaft bei inei- ner Strafe in Abzug zu bringen unterlassen winde. Am 23. Aug. 1871 stellte ich das Gesuch au Inspektor Günther, mich bei dem Gerichts- amt tnelden zu wollen, weil ich in Erinnerung zu bringen hätte, daß ineine Untersuchungshaft von meiner Strashaft in Abrechnung zu bringen sei; ich wurde aber nicht vorgeführt, sondern muslte noch 2'i Tage Strafe verbüszen. Bei meiner Freilassung führte ich gegen Inspektor Günther des- halb Beschwerde, derselbe wurde auch in meiner Gegenwart verhört, gestand auch zu, daß ich das Gesuch, mich zn melden, an ihn gestellt hätte, der Herr Gerichtsrath hätte aber gesagt:„Lafsen Sie diesen Mann in Ruhe." Dabei hatte es sein Bewenoen. Der Herr Gerichtsrath hat jedenfalls Recht und Fug, einen Menschen beliebig gefangen zu halten! Ist das ntcht ein herrliches Gerichtsverfahren, und verdient dies nicht, in aller Welt bekannt zu werden? Ferdinand Siegert in Schedewitz bei Zwickau. Lssenbach. Zur Aussperrung. Wiederum ist ein Akt größter Willkühr von Seiten sämmtlicher deutschen Hulfabrikanren gegen ihre Arbeiter vor sich gegangen. Am Tage nach dem Weih- nachtsfeste sind bekanntlich aus 12 groß en Hu t f abriken sämmt- liche Arbeiter entllassen worden und täglich mehrt sich die Zahl der ihre Arbeiter ausfperreuden Fabriken. Sammtliche Arbeiter glaub- ten im besteir Einvernehnien mit ihren Arbeitgebern zu sein, und doppelt empörend ist deshalb dieses Vorgehen der Fabrikanten. Die Arbeiter hatten in einem Kongresse, welcher im Juli v. I. in Leipzig abgehalten wurde, aus dem veralteten Zustande des frühe- Zunftwesens einen allgemeinen Verein organisirt unter dem Namen „Central-Verein", tvelcher den Zweck hatte, eine gemeinschaftliche ander-, Kranken- und Jnvaliden-Unterstutzungskasse zu bilden. Es war gewiß lobenswerth von den Hutmachern, ihre College» zu unterstützen,' dieselben vor dem Fechten auf der Landstraße zu bewahren, ihren Kranken ein angemessenes Krankengeld und ihren arbeitsunfähigen Mitgliedern eine Invaliden-Pension aussetzen zu können, welche dieselbe vor dem Unglück, an dem Hungertuche nagen zu müssen, beschützte. Im nächsten Monat August hatten die Fabrikanten Deutsch- lands eben-salls einen Koitgreß in Berlin, und wurde denselben von einem Deputirtcn der Arbeiter die bessere Organismion der bisher bestandenen Hutmacher-Verbrüderung detaillirt, und dieselbe von den Herrn Fabrikanten als ein Fortschritt der Arbeiter mit Frxuden begrüßt. Doch aus Furcht, daß sie von den Arbeiter» hintergangen und betrogen würden, indem sie glaubten, der Verein sei nur ein Vor- wand, um eine Strikekasse vorzubereiten, hielten die Fabrikanten wieder eine Versammlung in Karlsruhe ab und beschlossen, ihre sämmt- lichen Arbeiter, welche sich nicht vom Verein lossagen, zu entlassen. Cirka 5sX) Hutmacher wurden auf ein Mal brodlos und täglich mehrt sich noch die Zahl. Die Arbeiter sind jedoch fest ent- ~!osseit, dem beigetretenen Verein treu zu bleiben und sich nicht der illkühr der Fabrikanten zu unterwerfen, welche freie Männer unter ein Sklavenjoch stellen wollen; die Arbeiter sind gesonnen, ihre alt- herbekanuten freien Zustände mit dem letzten Hab und Gut zu ver- theidigen. Von jeher sind die Hutmacher eine Gesellschaft, welche allen Slür- men der Fabrikanten mit Energie und Thatkraft entgegen trat, und oft schon riefen sie die Bewunderung aller andern Arbeiter hervor. Stets gingen die Hutmacher siegend ans ihren harten Kämpfen mit den Fabrikanten hervor. Doch jetzt, wo gleichsam ganz Deutschland sich gegen die Hutmacher verschworen, droht ihnen die Niederlage und rufen wir deshalb sämmtlichen Arbeitern Deutschlands und des Auslandes zu, uns kräftigst zu unterstützen. Zu allen Zeiten haben die Hutmacher sich auch gegen Andere hilfreich bewiesen und alle Arbeiter-Strikes nach Kräften unterstützt. Wolle man alle Anfragen und Unterstütztingen senden an die Adresse: Job. Walser, Sekretär des Central-Vereins deutscher Hutmacher. Sandgasse im grünen Baum Offenbach a./M. In München sind die- Hut machergehilfen auf gleiche Weise wie in Offenbach ausgesperrt worden. Die Fabrikanten erließen folgende Erklärung. Die Hutsabrikanten und Hutmachermeister Münchens bitten eineit hohen Adel und ein geehrtes Publikum bis zur Regelung der gegenwärtig schwebenden Arbeiterfrage, welche sie veranlaßte, die Fabriken resp. Werkstätten zu schließen, um gütige Nachsicht. Der Ausschuh. Ehlingen den 7. Jan. Diesmal haben wir einen Fortschritt zu melden. Die in No. 101 d. Bl. vom vor. Jahre erwähnte llstündtge Arbeitszeit der hiesigen Maschinenfabrik hat sich durch einheitliches Zusammenstehn�der Arbeiter auf 10 Stunden reduzirt. Der Hergang der Sache ist folgender: Der Bierlieferant Bierbrauer Kugel hatte das Maaß um 8 Kr. abgegeben. Am I.Januar hatte er gleich das Litermaah eingeführt, und' fürs Liter 6 Kr. gefordert. Diese plötzliche Veränderung hat die Arbeiter stutzig gemacht; umso- mehr, als sie bei Vergleichung des Maaßsystems sahen, daß 9 Liter genau 20 Schoppen sind, und obendrein daß das Maaß um 2'/» Kr. iheurer ist, da riß der Geduldsfaden;— von sämmtlichen Werkstätten lhaten sich Arbeiter zusammen, und einstimmig beschloß man, kein Bier zu trinken, und 10-Stuilvenarbeit zu verlange». Als Lieferant Kugel das sah, fing er zu unterhandeln an und das Liter zu 5'/» Kr. anzubieten. Doch das half nichts. Die Arbeiter, 1600 an der Zahl, haben kein Bier angenommen, und der Direktor der Ma» schinensabrik, Herr von Keßler, bewilligte nun auch die Forderung der Zehnstundenarbeit. Ein Gegenstück zur genannten Maschiuensabrik bildet die Sch aaf- Wollspinnerei� von Merkel und Kühnle, welche auf ihre Arbeiterinnen einen furchtbaren Despotismus ausüben; denn in ge« nannter Fabrik ist es eine Kleinigkeit, neben der ILstündigen Arbeits- zeit noch 5 Stunden Ueberzeit schaffen zu lassen; sein Theil der Ar- beiterinnen muß dann um Mitternacht den eine Stunde entfernten Heimweg antreten. Und der Verdienst beträgt für dies« Zeit 28—34, allerhöchnens 36 Kr., das ist ein Lohn, bei welchem man nicht leben und sterben kann, sondern langsam verhungert. Die Arbeiteriimen lassen sich Alles gefallen, UNI nicht im Weigerungsfalle entlassen zu werden, denn solche Beispiele sind leider nicht sellen. Am 31. Dez. war Kölsch aus Offenbach hier und hielteinen Vortrag über„die Arbeiterfrage und ihre Gegner." Er referirte zur allgemeiuen Befriedigung der Zuhörer, von denen er mehrmals mit Begeisterung unterbrochen wurde. Zwickau, 27. December. Der etwas flottere Geschäftsgang um die Weihnachtszeit verhinderte uns, Ihnen in der letzten Zeit über die hiesigen Vorgänge Bericht zu erstatten. Bekanntlich hatte die hiesige Stadtpolizeibehörde die für den 11. v. M. anberaumt« öffentliche Versammlung, in der über die Arbeitersrage ge- sprvchett werden sollte, verworfen; die am selbigen Tage an di« Königl. Kreisdirektion deswegen gerichtete Beschwerde hatte nur den Erfolg, daß dieselbe dem Beschluß des Raths der Stadt Zwickau bei- getreten ist. Aus der Abschrift dieser beiden Bescheide ersehen wir nun auch die Gründe, weßhalb sich die hiesige Polizeibehöroe veran- laßt fühlte, die oben angezogene Versammlung zu verbieten. Das Schriftstück lautet: „Resolution: Da, wie aus den Vorträgen der in der Versammlung vom 25. vor. Man. aufgetretenen Redner und dem über diese Versammlung in Nr. 93 des„Volksstaats" enthaltenen Referate einer-, sowie aus den Angaben des Veranstalters der für den 11. d. M. neuerdings beabsichtigten Arbeiterversammlung andererseits sich ergiebt, der Zweck der letzteren die Verbreitung der Prinzipien der sozialdemokratischen Ar« beiterpartei unter der hiesigen Arbeiterbevölkerung, beziehentlich die Begrün- dungvon mit dieserPartei im engsten Zusammenhange stehenden interna- iionalen Gewerksgenossenschaften und eines sozialdemokratischen Arbeiter- vereiits am hiesigen Orte ist, und da ferner mit Rücksicht auf die ge- nugsam bekannten,(insbesondere auch durch die Eingangs erwähnte Zeitschrist, das Organ der sozialdemokratischen Partei und der inter- nationalen Gewerksgenossenschaften) vertretenen Bestrebungen der mchrgedachten Partei— Bestrebungen, deren Verwirklichung, wie wohl kaum hinzugefügt zu werden braucht(!), auf gesetzlichem Wege und ohne gewaltsame Beseitigung der Grundlagen' des gegenwärtigen Staates, offenbar nicht zu erreichen ist— die Behörde fortwährend der Ansicht ist, daß dem Treibet! jener Partei und vornehmlich ihrer Agitatoren möglichst Einhalt gethan werven muß, so trägt man Be- denken, die für den 11. d. M. von dem Händler Hofmann angezeigte Arbeiterversammlung abhalten zu lassen und wird daher dieselbe aus Grund 88 5 und 12 des Gesetzes„das Vereins- und Versammlungs» recht betreffend" vom 22. November 1850 hiermit verboten. Der Rath der Stadt Zwickau. Urban, Stadtrath." Wie schon oben erwähnt, hat sich die Königliche Kreisdirektion diesen hier angeführten Gründen angeschlossen, und es bleibt den Einberufern der betreffenden Versammlung jetzt noch der Beschwerde- tveg an das Ministerium, tvelcher auch betreten wird. Eine Jllustra- tion zu dieser stradträthlichen Resolution bildet die neulich gegen den Schreiber Dieses gethane Aeußerung des Herrn Stadtraths Urban. Schreiber Dieses hielt dem Herrn Stadtrath nämlich entgegen, ob er durch derartige Verbote wohl die Bewegung zu unterdrücken glaube, worauf der Herr Stadtrath erwiederte:„Sind die Prinzipien der sozialdemokratischen Arbeiterpartei wirklich gut, so schaden ihr meine Verbote durchaus nichts, andernfalls aber, d. h. taugen diese Priiizipien nichts, dann wird, wenn ich deren Verbrei- tung möglichst verhindere, großes Uebel verhütet." Daraus folgt, daß man hier mit uns blos expcrimentirt, und wenn der Herr Stadtrath als Ergebniß seiner Erperimente bemerkt, daß sich trotz- dem die sozialdemokratischen Prinzipien verbreiten, tvas also ein B e- weis dafür sein dürfte, daß sie gut sind, so gewinnen wir wohl demnächst in dem Herrn Stadtrath einen eifrigen Partcige- nassen, oder mit andern Worten, aus dem Saulus kann bann noch ein Paulus werden. Denn das können wir dem Herrn Stadtrath versichern: keine Macht der Erde und des Himmels, nicht einmal die Bajonnett«, die doch so allmächtig sind, am allerwenigsten aber eine Versammlungsverbote halten die Verbreitung der sozialdemo- kratischen Prinzipien auf. Lausigk, 21. Dezember. Am 1. Oktober d. I. trat hier eine iädtischeKrankenkasse in'sLeben. Kurzdarauf berief der hiesige Weber Obermeister die Gehülfen und frug sie, ob sie der städtischen Kasse beitreten oder ihre eigne behalten wollten. Sie entschieden sich ür des Letztere. Hierauf erklärte sich der Obermeister bereit, den vor- handelten Kassenbestattd an die Gehülfen auszuliefern. Als einige Tage darnach die Arbeiter kamen, um den Kassenbestand in Empfang zu nehmen, erhielten sie aber den Bescheid, er habe die Gelder aus Ver- angen des Stadtraths an diesen abliefern müssen. Die Gehülfen entwarfen sofort ein Statut und reichten dies beim Stadtrath zur löenehmigung ein; der aber verwarf es. Sie wandten sich hierauf an die Kreisdirektion; diese bestätigte das Statut und sandte den Bescheid dem Stadtrath zu. Der Stadtrath aber benachrichtigte die Gehülfen nicht von dem Entscheid, worauf diese, als es ihnen zu lange dauerte, ich wiederum an die Kreisdirektion wandten und die Antwort erhielten, daß ihre Kasse genehmigt sei.. Vor Kurzem gingen nun die Gehlllfen zum Bürgermersler Fabian und ersuchten ihn, den Kassenbestano von 32 Thlr. auszuliefern, erhielten aber die Antwort daß er ihn noch nicht auszahlen könne. Leipzig. Elwin von Waldow, dessen Machwerk wir in von- ger Nummer besprochen, scheint ein Pseudonym(geborgter Name) tu sein. Ein von uns an den unfreiwilligen Herrn Mrtarbeiter unseres Blattes geschenkweise abgesendetes Exemplar ist von der Post mit der Bemerkung„Adressat nicht zu ermitteln" an uns zurückgeschickt worden. Fortsetzung von Seite 1. Bezüglich der Handhabung de» Haftpflichtgesetze» von Seiten einer großen Anzahl Fabrikanten wurde beschlossen, für die nächste Neichbtagssession eine allgemeine Agitation gegen den bekannten§ 4 des Gesetzes ins Leben zu rufen und dessen Beseitigung vom Reichs- tag zu verlangen. Zu dem letzten Punkt, die Kirch envorstandswahlen, haben wir nichts zu bemerken. Die LandeSversammlung ging in dem Be- wufjtsein, daß mit kirchlichen Angelegenheiten die Zeit zu vertrödeln der Sozialdemokratie schlecht anstehe, über diesen Punkt zur Tages- ordnung über, den Parteigenossen auf« Neue empfehlend, aus der Landeskirche auszutreten und dadurch mit Kirche und Kirchenwesen radikal zu brechen. Zum Schluß der Verhandlungen nahm der Lorsitzende daß Wort und wies draus hin, wie Jeder, der an den heutigen Beschlüssen Theil genommen, auch für ihre Ausführung zu wirken verpflichtet sei. Aber es gelte, neben dem Näheren das Allgemeine nicht zu vergessen und hier wolle er in erster Linie darauf ausnierksam machen, dag die Pflichten, namentlich in materieller Beziehung gegen die Partei erfüllt werden müssen, damit der Ausschuhdurch prompte Ablieferung der Steuern in die Lage gesetzt werde, für die Ausbreitung der Parteibesser zu sorgen, als es bis- her ihm möglich gewesen sei. Es sei nicht zu verkennen, daß für die Ausbreitung der Partel im letzten Jahre mehr die Verhältnisse gewirkt haben als die Partei selbst. Noch gebe eS in Deutschland viel zu»hun, und das könne nur durch eifrige Pflichterfüllung eneicht werden. Auch in Sachsen seien noch etliche Bezirke so gut wie gar nicht von unsern Bestrebungen und Organisationen berührt. Dahin rechne er das Voigtland, die Freiberger Gegend mit ihrer großen Arbeiterbe- völkkrung utid besonders die Lausitz. Im Voigtland möchten zu- nächst die Parteigenossen in Reichenbach, M ylau, Netzschkau, unterstützt von den hinter ihnen liegetiden Orten, Verbindungen anknüpfen. Die Freiberger Gegend müsse durch Chemnitz Utid Dresden beackert werden, die La it sitz zu erobern sei in Anbetracht der größeren Mittel, die s erheische, Sache der Gesammtheit. Leipzig müsse die Gegend nach Dlesden: Grimma, Würzen, Oschatz und die Umgegend Zwenkau, Pegau, Markranstädt bis lach Halleund Merseburg iruchlbarzu machen suchen. WaSdieAgita- tion in der Lausitz betreffe, so fordere er auf, daß jeder Ort, der es könne, hierzu einen freiwilligen Beitrag steuere. Als über die hier angeregten Punkte sich mehrere zum Worte meldeten, legte der anwesende Polizeivertrcter, Stadtrath Poll track. hiergegen Verwahrung ein. Es sei das ein Punkt, der nicht auf der Tagksördnung gestanden habe, also auch nicht dkbatilrt werden könne. Der Vorsitzende antwortete, daß es sich allerdings hier um eine De- hatte nicht handeln k nne, Jeder in der Versammlung wisse, was seine Schuldigkeit sei und schloß init einem Hoch! auf die«ozial-Demotratie, in das die Versammlung begeistert einstimmte. Wir glauben es aus- sprechen zu dürfen, daß diese Versammlung wie keine zuvor den Much und die Begeisterung der Genossen gehoben hat. Internationale Metallarbeiterschaft. Braunschweig. Die hiesigen Mitglieder der Internationalen Metallarbeiterschaft hielten am'Mittwoch den 2. d. Mts. eine ge- schlossene Mitglieder-Versammlung ab. Der erste Punkt der Tagesordnung war Vorstaudswahl. Es wurde gewählt C. H. Mül- ler 1. zum Bevollmächtigten. C. Schütte zumKassirer, Mül- ler lll. zu Kasfirer der Krankenkasse, Wünsch, Engelke und Wei- demann als Revisoren. Ferner wurde einstimmig beschlossen, Chemnitz als Vorort, Berlin als Kontro l kom mit s, on vorzuschlagen. Schließlich forderte Unterzeichneter dieses noch die Versammlung ans, kräftig für die Genossenschaft zu agitiren, damit sie endl.ch stark werde und die Arbeiter gegen Matzregelungen Seikens der Arbeitgeber sichern könne. Ich rufe Euch allen nochmals die Worte unseres großen Mei- sters Lassalles zu: Haltet fest an der Organisation! C. H. Müller. Bevollmächtigter. Schornstrasse 22 II Trp. NB, Reiseunterstützungen werden Mittags zwischen 12 und 2 Uhr, Abends 7—8 ausgezahlt. Um vielen Uebelständen abzuhelfen, halte ich's für zweckmäßig, wenn sich sämmrliche Bevollmächtigte der Gewerkschaft ihre Adresse zu wissen thun, um die Reisenden davon in Kenntuiß zu setzen, an wen sie sich in nächster Stadt zu wenden haben, damit sie nicht erst st undcnlang zu suchen brauche», ehe sie jemand finden, und dadurch vielleicht in ihrer Weilerreise verhindert werden. Diesem Vorschlag nachzukommen bittet D. O. Hannover, 7. Januar 1872. Auf die Erklärung der(in der am 17. Dezember vorigen Jahre») in Nürnberg abgehaltenen und im „Volksstaal" Nr. 1 d, I. zur Kenntniß gebrachten Mitglieder-Ver- sammlnng betr. den Vorschlag deS Vororts wird hierdurch erwidert: Da durch einen Fehler die noch zu Recht bcstehkiide Kortrol- kommission übergangen wurde, so hat eS bei demalten Sitze derselben sein Bewenden und die zul.N Arnberg ihren Sitz habende Kontrol- kommission ihre Fnuktionen weit e r zu führen. Essollte alsoin keiner Beziehung ein Mißtrauensvotum gegen dieselbe ausgesprochen werden. Jedoch war es ihre Pflicht, schon vor der Wahl auf das Unstatthafte derselben aunnerksam zu machen, da doch zu gleicher Zeit mit dem Einlausen der Bekanntmachung des Vorschlags im„Volksstaat" ei» Schreiben vom Vororte an die Kontrolkommission einlief, worin die- selb« uni ihre Zustimmung ersucht und die Griinde der Vertagung klargelegt wurden. Es muß also um so mehr befremden, daß dieselbe nicht gleich, sondern erst jetzt, nachdem die Vorschläge von sämmtlichen Orten(außer Nürnberg) accepiirt worden sind, hervortritt, um an- scheinend die Flamme der Zwietracht zu schüren. Darum scheint es fast, als wenn erst ein Einfluß von Außen nöthig gewesen wäre, um sie aus ihre Rechte aufmerksam zu machen. Doch zur Sache. Als Vorort wurde Chemnitz von sämmt- lichen Orten(mit Ausnahme Nürnbergs) einstimmig ernannt und ist es deshalb Pflicht der Chemnitzer Mitglieder, die provisorische Wahl des Ausschusses, so wie die Wahl des Hauptkassirers sobald als inög- lieh vorzunehmen und im„Volksstaat" zur Kenntniß der Mitglieder gelangen zu lassen, damit die Generalversammlung nach dem Wunsche der Kontrolkommission auf Ostern stattfinden kann. Da» Eigenthum der Gewerkschaft wird gleich nach der Wahl dem neuen Vororte eingeschickt. Auch wird durch Cirkular der Stand der Gewerkschaft klargelegt und davon jedem Orte nach Bedürfniß zugeschickt werden. Die Abrechnungen werden noch bis zum 15. d. M. entgegenge- nommen. Glück auf zum neuen Jahre! S. Franke, Geschäftsführer. Ballhosstraße 18. NB. Sämmtliche Bevollmächtigten, welche ihre Adressen noch nicht eingesandt, werden ersucht, die» baldigst zu thun. iBNJst Wien striken die Bier b r anerge h il fen und Schmiede, sowie die. Arbeiter der ersten öfter. Thüren-.Fenster- und Fußboden- fabrik. In Cvblenz sind die Ci g arr ena r be i ter von den Fadrikauten ausgeschlossen worden, weil sie sich der Maßregelung des Bevollmäch- ti�ten des Allgemeinen Deutschen Cigarrenarbeitervereins protestirend widersetzten mid in Brandenburg striken die Tuchmacher fort. Der B u chd ruck erst ri ke, welcher seit einigen Wochen, von Ort zu Ort ziehend fast alle größeren Städte Deutschlands ergriffen hat und in den meisten Fällen guasi im Handumdrehen stegreich beendigt war, zeigt, was eine gut organisirte Gewerkschaft zu leisten im Stande ist. ' Leipzig. Maßregelung von Arbeitern der Gasanstalt u. Laierue nwärteru. In der Woche vor Weihnachten machten die Arbeiter der hiesigen Gasanstalt eine Demonstration, indem sämmtliche Nachtschichtarbeiter(148—150 Mann) sich am 23. Dez. v. I. Abends jö Uhr in ihrem Arbeitsanzuge vor die Wohnung des Herrn Direktors begaben, um eine Lohnerhöhung zu verlangen. Dieselben schick- ten einen Deputirten in die Wohnung desselben, uni ihr Anliegen oorzu- b�stgen. Der Herr Direktor gab dem Deputirten zur Antwort, daß eS ihm seit 10 Jahren nicht vorgekommen sei, in seiner Behausung „gestört" zu werden, aber er habe ein Herz für die Arbeiter und werde die nöthigen Schritte thun, und er empfahl schließlich den Leuten, an ihre Arbeit zu zehn, worauf dieselben die Arbeit sofort wieder aus nahmen. Die„nöthigcn Schritte," wodurch der Herr Direktor sein „Herz für die Arbeiter" zeigte, waren, daß am andern Morgen sofort Recherchen angestellt wurden, wer die Urheber dieser nächtlichen Störung gewesen wären, und die Arbeiter Thierbach und Wießenfeld wurden, Thierbach zu Mittag und Wießenfeld Nachmittag 3 Uhr entlassen. Beide sind Familienväter, aber durchaus keine„ioziali- stischen Hetzer."— Als die beiden Eingesandt in No. 99 und 100 d. Bl. vom vor. Jahr die Gasanstaltsarbeiter und die Laternenwärter betreffend) erschienen, wurde am Sonntag darauf(den 7. Dezember v. I,) dem Laternenwärter Herrler der Dienst gekündigt, mit der„Ver- günstigutig," wenn er wolle, auch sofort zu gehen, wovon derselbe aber keinen Gebrauch machte. Er fragte zunächst den Ausseher der 4. Laternenwache, Herrn Wollmann, weßhalb die Kündigung er- folgt sei; derselbe erklärte, daß er dies nicht wisse, da kein dienstliche» Vergehen vorliege, und der Dienst von Seiten Herrlers stets gewissen- Haft und pünktlich besorgt worden sei; er erklärte ferner, daß er auf Befragen des Herrn Direktors ihm dieselbe Antwort als der Wahr- heit gemäß ertheili habe, und wünschte, daß Herrler sich deßhalb selbst an den Direktor wenden möge. Herrler ging in Folge dessen am andern Vormittag zum Direktor und fragte ihn in höflichster Weite, weßhalb die Kündigung erfolgt sei. Derselbe antwortete eben so höflich, daß er es nicht nöthig habe, ihm den Grund anzugeben; er hätte ihm eben gekündigt, und damit sei die Sache abgemacht. Es ist nun möglich, daß der Herr Direktor geglaubt hat, die oben erwähnten Eingesandt rührten von Herrler her, was jedoch nicht der Fall ist, oder es ist ihm durch Spione verrathcn worden, daß Herrler die beiden Verbrechen begangen hat, Abonnent des„Volksstaal" zu sein, und im Juli die Petition formulirt und in Reinschrift ge- bracht zu haben. Hat doch der Herr Direktor, Herrn Wollmann, Aufseher der 4. Laiernenwache, Vorwürfe gemacht, weil die Petition nn Juli von der 4. Wache ausging, ihm vorhaltend, er, Wollmann, müsse als Aufseher nndedingt wissen, was auf der Wache vorgehe I Telegraphische Depesche. Darmstadt, 11. Januar. Wolf und Häuser sind in allen Punkten von den Geschwornen frei- gesprochen. Die Parteigenossen. 11. Quittung des Chemnitzer CentralkomiteeS über vereinnahmte und zum Zweck der Gemaßregelten verausgabte Gelder vom 1. bis mit Ende Dezember 187l. Ucberschutz laut Abschluß vom v. Monat Thlr. 127. 13. 7. Annaberg d. B. Thlr. 1.—.—., Breslau Gesangv. Teutonia Thlr. 1.—.—., Berlin d. C. H. Thlr. 2. 10.—., Berlin d. Jy. Thlr. 1.—.— Basel t. H. B. 4. 13. G, Burgstädt d. M. 1. 8.— Summa uni. B. Thlr. 10. 1. 6. Chemnitz d. M. C. Thlr. 1/7. 5., Chemnitz v. P, sch. U. Thlr. 2. 26.—., Chemnitz o. S. Thlr.—. 10.—., Chemnitz H. Schm. Thlr. 1.—.— Chemnitz H. D. Thlr. 4. 10.—., Chemnitz Sparv. Ung. Thlr. 1. 22.—., Chemnitz v. O. B. 1. 10.—., Chemnitz v. C. N. Thlr. 1. 2. 5., Chemnitz v. R. B. Thlr. 1. 11. 5., Cöln v. H. W. Thlr.—. 26.—., Crimmitschau d. M. Thlr. 4.—.—., Summa unt. C. Thlr. 20. 5. 5. Dresden d. W. E. M. Thlr. 8.—.—. Essen d. I. M. Thlr. 1, 15.—., Eßlingen d, W. M. Thlr. 9. 22.—., Summa uut. E. Thlr. 11. 7.—. ♦ Hamburg d. St. Thlr. 5.—.—., Hamburg d. P. Thrr. 5.—. —., Hannover v. D. Thlr. 1. 24.— Summa unter H. Thlr. 11. Kratzau d. H. Thlr. 2. 20.— � Leipzig v. H. Thlr. 5.—. Leipzig v. H. Thlr. 6.—.—., Summa unt. L. Thlr. 11.—.—, Magdeburg v. B. Thlr. 5.—.—., Meerane d. A. S. Thlr. 5. 17.—. Summa unt. M. Thlr. 10. 17.—. Pesth L. Maschs. Thlr. 2. 10. 4. Ronneburg d. F. F. Thlr. 2. 10. 3., Reichenberg d. A. A. Thlr. 8.—. Summa mit. R. Thlr. 10. 10.. 3. Stade d. E. W. Thlr. 11.—.—. Werdau v. W. u. S. Thlr. 9.—.—. Waida v. Web.-Geu. Thlr.—. 20.—. Wien v. Buchd. u. Schiistg. Thlr. 28.—.— Wien v. Buchd. u. Sckiriftg. Thlr. 4. 4. 5., Wien v. Buchd. u. Schriftg. Thlr. 4. 3. 2., Summa unt. W, Thlr. 45. 27. 7. Zwickau d. W. D. Thlr. 4.—.—. Zujammenstellung der Einnahmen unter Buchstaben: A. Thlr. 1. —.—«. Tblr. 10. 1. 6.. C. Thlr. 20. 5. 5., D. Thlr. 8.—.—., E. Tblr. II. 7. H. Thlr. 11. 24. K. Thlr. 2. 20. L. Thlr. II.—. M Thlr. 10. 17.—., P. Thlr. 2. 10. 4., R. Thlr. 10. 10. 3„ S. Thlr. 11-. W. Thlr. 4b. 27. 7., Z. Thlr. 4. —.—. Summa der Einnahmen Thlr. 160. 3. 5. Gesammt-Einnahme Thlr. 160. 3. 5., Kassenbestand Thlr. 127. 13. 7„ Summa Thlr. 287. 17 2. Ausgabe am 1. Dez. 30 Unterstbdft. I. Classe je 2 Thlr., Thlr. 60.—.— am 1. Dez. 26 Unterstbdft. II. Classe je 1 Thlr., Thlr. 26.—.—., Au Reiscunterst. 8 Mann Thlr. 14.—.—., Summa Thlr. 100.—.—. Ausgabe am 8. Dez. 24 Unterstützbdst. I. Classe je 2 Thlr., Thlr. 48.—.—., nm 8. Dez. 14 Unterstbdft. II. Classe je 1 Thlr., Thlr. 14.—.—., An Reiseunterstütz. 6 Mann Thlr. 3.—.—., Summa Thlr. 70.. Am 15. Dez. an 22 M. je Thlr.—. 29. 5., Thlr. 21. 19.— Slinima der verausgablen Gelder an Untersttzbdf. Thlr. 191. 19. — für Erpeditiousaiifw. Thlr. 1. 22. 7., für Porto. Thlr. 4. 10.— für Lokalausw. Thlr. 2. 1.— für Drucksachen Thlr. 2.—. —., für Agitationsr. ii. dgl. Thlr. 15. 28.—.,*Aus VervierS gel. Geld Thlr. 71. 27. 5., Summa aller Ausg. Thlr. 287. 17. 2. Summa der Einnahmen Thlr. 287. 17. 2., Summa der A»S- gaben Thlr. 287. 17. 2. Für die erhaltenen Gaben nochmals den besten Dank! Chemnitz, den 4. Jan. 1872. Für das Central- Comitee. Der Bevollmächtigte. Bon der unterzeichiielen Commission geprüft und für richtig be- funden. I. Dietze. A. Teucher. E. Fütterer. NB. Im vorigen Rechnungs-Abschlnß muß es unter Linden vor Hannover stait 5 Thlr. durch L. ft. 5 Thlr. d. C. G. heißen. Zur Quittung des Chemnitzer Strikekomitös. Anfrage an de» Barsitzendend. Koniitr-S, Herrn Fr. Huhmann. P Nsa. Ich habe als Ergebniß einer Sammlung unter hiesigen Aibeitern am 14. November durch Posteinzahlung 2 Thlr. 10 Ngr. nebst Brief au Sie abgehen lassen— Postauittung' ist noch in meinen Händen—, finde aber in Ihrer im„Bolksstaat" veröffentlichten Gene- ralquittung jenen Beitrag nicht aufgeführt. Bitte daher umgehend um Aufklärung im„Volksstaat." Mit soziaidemokratischem Gruß und Handschlag Ernst Dienegott Hasse, Bevollmächtigter für die Mitglieder des Allgemeinen deut- scheu Arbeitervereins zu Pausa. Augsburg. Abrechnung über die vom Unterzeichneten für den Chemnitzer Strike vereinnahmten und verausgabten Gelder. Einnahmen: Eisengießerei Klaas Werkst. 10 Fl. 30 K. Haags Röhrenfabrik. 9 Fl. Ite Versammlung, fr. Beitrag. 35 Fl. Von Lechhauser Ar- beiiern 11 Fl. Von der Bezirkswerlstätte Augsb.'*) 4 Fl. 48 K. Von Wagner, Zimmermann 12 K. Eisengießerei v. Fischer 2 Fl. 36 K. Maschinenfabrik Augsb."**) 5 Fl. 30 K. Wunderlig, Schloffer 30 K. *) Diese Gelder sind uns aus Veiviers geliehen, und auf ge- scheheiie Anfrage der Meiall-Arbeiler-Gewertschaft zu Chemnitz weiter geliehen worden. '*) Durch Kr. erhalte». *♦*) Die größere Zahl der Arbeiter der Maschinenfabrik gaben ihr Scherfiein m der ersten Versammlung. Stollberg. 18 K. Schneider Hofer» Arbeiter 30 K. Schumacher Handfests Arbeiter 18 K. Wcitzgerber bei Kremer 4 Fl. 51 K. Tie Versammlung, fr. Beitrag 44 Fl. 16 K. von Jäger und Ragalla 2i K. Haags Röhrenfabrik») 5 Fl. 18 K. von Hr. Hofmann 4 K. Summa 135 Fl. 8 K. Ausgaben: Telegramm 56 K. 1. Postanweisung 14 K. 2. Postanweisung 7 K. Em Brief an die Fr. Presse: l an volkSst. 6 K. 3. Postanweisung 14 K. 1. Sendung 52 Fl. 30 K. 2. Sendung 17 Fl. 30 K. 3. Sendung 59 Fl. 20 K. Zwei Briefe an volk»stäat, Fr. Preffe 6 K. Sumniä 131 Fl. 13 K. Summa der Einnahmen 135 Fl. 8 K. Summa der Ausgaben 131 Fl. 13 K. Rist 3 Fl. 55 K., welcher Rest dem hiesigen Ver- trauensmann zur Bestreitung der Ausgaben für die betrf. Verfamm- lungeu übergeben wurde. Augsburg, den 1. Dez. 1871. I. Enders. ») Die Haag'schen Arbeiter zahlten eine größere Summe in ber zweiten Versammlung. ._ Für Ludwig Feuerbach. Von P. in Meinmingen 1 Thlr. erh., vom Verein der hiesigen Lassalleaner 1 Thlr. 7 Gr. erh. D. Erped. d. VolkSft. Briefkasten der Redaktion: D. Roth in Pesth, der am 3. Dezbr. v. I. an die Redaktion des„Bolksstaat" schrieb, wird um seine Adresse gebeten, da ein Brief für ihn bereit liegt.— R. in D. DaS Eougrebprutokoll wird Ende dieses Monats fertig; die Verzögerung hat ihren(8iu»v' darin, daß die ganzen Verhandlungen stenographisch niederzeschri». worden sind und die Korrektur des einige hundert geschriebene B��z� umfaffende» Manuskripts, sowie die Korrektur der Druckbogen bei is" außerordentlich zeilraubenden Korrespondenz, welche die Redaktion.- imterbrochen mit auswärtigen Parteigeuoffeu und in ParteiangeleA-- heiten überhaupt zu führen hat, und bei den ca. 20 Prozessen, welche unS allwöchentlich viele Stunden Zeil(durch die unaushörlichen Vor- ladungen zu Polizei und Gericht) kosten, einige Woiben vernachlä'"'.' werden mußte. Dan» konnte die Druckerei die ihr übenviesene A nickt sofort bewältigen; daS Protokoll kann daher vor dem 1. Fe' nicht aus der Presse kommen., der Erpedition: Martin Fr. in Mainz: das Abon. per Kreuz». beträgt 25 Gr.; Hock, Regensburg: für Schriften 10 fl. erhalten: B.... Wien 3 fl. erhalten; Geib in Hamburg: für Schriften 2 Thlr. 12'/,"». erhalten; Dr. V. in Biala: 2 fl. erhallen; Peter St. in Piski: l' erhalten; Ziergiebel, Crimmitschau: für Abon. IV. Qu. 16 Tl 27 Gr. 3 Pf. erhalten; Hrim., Mainz: für Abon. IV. Qu. 9 Tl 12 Gr. 3 Pf. erhalten; Z. F. in Pest: 5 fl. erhalten; C. Kettel... m Weimar: für Abon. IV. Qu. 7 Tblr. erhalten; Bongard in Gold- bach: 1 Thlr. für Schriften erhalten; Schlechter, Dresden: für Abulu IV. Qu. 16 Thlr. erhalten.— Müller, Braunschweig für Ab. 4. t'/M 15 Thlr., für Schrft. 6 Thlr. 22 Gr. erh.; W. Cassel 20 Gr.;u~'r Schrft. erh.; EndreS Augsburg f. Ab. 4. Qu. 25 Thlr. 23 Gr. 6 Py erh.; Knofsloch München f. Ab. 4. Qu. 34 Thlr. 20 Gr. 5 Pf. erb A. I. Reichenberg 6 Thlr. iL Gr. er». A. H. Herborn: Kann Deinem Wunsche nicht entsprechen, so leid' mir thnt,inuß Dir aber bemerken, daß ich Schmidt keine derartige B sprechung gemacht habe.— Wenn e» von Wichtigkeit, muß mein sowohl wie der hies. Partei-Genoffen Ansicht nach, hier die Part-- eintreten. Wenn Du mir wieder schreibst, sei vorsichtig im versiegeln der Briefe, Du kennst St... r. Der letzte Brief war im höchst Grade defekt. Mit Gruß_ v. H. Schmider. WM"Achtnng"WW Für Cassel. veffentliche Artetterversammlnng im Lokale„de» Schlitten Hauses" auf Montag de« 15. Januar d. I. Abends 8 Uhr. Tagesordnung;„Die Internationale." Alle Arbeiter Cassel» und der Umgegend sind freundlichst eingelad/ff' Das Kointrs. NB. Zugleich laden wir die Parteigenossen jvon Marburg, Gießen, Herborn, freundlichst ein._' Für Nürnberg. Den Parteigenossen zur Notiz, daß der„v»lk»staat" in sol genden Lokalen aufliegt: Goldener Baum, Lamsgasse. Hamalbur», Weißgerbergasse. Grüner Stern, am weißen Thurm. Weihe Lilie, Schlosserher- berge, äußer- Lausergasse Rothes Roh in Wörth. Weinschenke zum Esterhazi-Keller. Uasts Rational, vetgleichen sind Dretduer Arbeitcrkalender vorräthig bei _____ der Kjltalerhedttton. Für Breslau. Sozialdemokratische Rrbciter-Partet. Montag den 15. d. M. Abend» 8 Uhr gesellige Zusammen- knuft der Partet-Mitglieder in Jentsch's Brauerei, Margarethen- gaffe 7 parterre. Die Mittheilung de» Kassenbericht», sowie die Be- sprechnng wichtiger innern Partei-Angelegenheiten machen eine recht zahlreiche Betheiligniig wünscheniwerth; ich fordere deshalb die Mit- glieder auf, vollzählig zu erscheinen. Die Bibliothek ist wieder er- öffnet.___________ H. Oehme. Für Leipzig. Internationale Metallarbeiterschaft. Montag d. 15. Jan. Sitzung im ArbeiterbildungSvereine, Ritterstraße bei Schatz— Ausnahme neuer Mitglieder.__ Für Leipzig. Generalversammlung der GewerkSgenossenschaft der Holzarbeiter. Versammlung den 15. Januar Abends 3 Uhr in der Restaura- tion von Götz, Nikolaistraße. Tagesordnung: Kassenbericht de» Kassirer» der Gewerkschaft und der Kränkenkasse. Bericht über die Verhandlungen der sächsischen Landesversammlung in Chemnitz betreffs der Gewerkschaften.___ Leipzig. Die Mitglieder des allgemeinen deutschen Arbeiter-Bercin» versammeln ffch jeden Montag Abends Z Uhr im Lotale des Herrn Jabin, Turnerstr. 3. NB. Alle Arbeiter Leipzigs und der Umgegend werden hiermit eingeladen. Der Bevollmächtigte, C. Munkwitz. Bebels Reichstagsreden S7.» Reichstag, sind broschirt& Stück zu 1'/« Sgr., i» Parthien 33 Stück 1 Thlr., 100 Sillck 3 Thlr., zu beziehen durch die Expedition de« „Volksstaat."______ Jin Verlag der'Erpedition de».,Bölk»staat" ist soeben er- chienen Zu Trutz und Schutz Festrede, gehalten von W. Liebknecht zum Stiftungsfest de« Volk»- oerein» in Crimmitschau. 2'/, Bogen. Ladenpreis 4 Sgr., durch die Erpedition de» .Volksstaat" öder deren Filialerpeditiouen und Kolporteure bezogen 2V. Sgr. Ferner ist daselbst erschienen: Sgr. Pf. . Engels, Der deutsche Bauernkrieg 5— ietzge», Nationalökonomischer Vortrag....—•> Religion der Sozial- Demokratie, I. II. III.. 1 5 (£. Hirsch, Der' Staat und das Genossenschaftswesen.— 2 A. Gctb, Der Normalarbeitstag..... 1— Die Filialexpeditiotte« werden ersucht, Geld und Avrechnuug sofort eiuzu- enden. Die Expedition des„Bolksstaat." Leipzig: Verantw. Redacteur A. Hepuer(Redaciion u. Expedition Hohestr. 4) Drvck u. BerlagvonK. Thiele.