M 5. Mittwoch, de« 17. Jauuar. 1872 �'scheint Wöchentlich 2 m«l in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen deS In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterZstraße 18, F.Thiele, Emilimstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AbonuementSpretS: Für Prmßm tncl. Stempelsteuer 16Ngr, für die übrtacn »mischen'ataoten 12 Ngr. per Quartal. Filialerpedition für die Ver- einigten Staaten: ?. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Orga« der sozial-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationaten Gewerksgenossenschasten. Politische Ueberficht. Die kriegsgerichtliche Berhandlung gegen den Hauptmann �choch in Nürnberg— von der in vorvoriger Nummer die . war— hat nicht blos das Ordenswesen, sondern a.. das ganze militärische Gerichtsverfahren blos- _ llt. Der Staatsanwalt hat das Verdienst, dies gethan zu„�aben, indem er sagte:„Es wundert mich nicht, daß die Soldaten angesichts ihres Hauptmannes nicht gegen diesen aus� sagten. Da kamebcndieZ eugenpflicht m itder Subor� "'.gtionSpflicht in Collision". Damit verurtheilte / Staatsanwalt gegen seine Absicht das Militärgerichtsver- :en in so vernichtender Weise, daß es die Wirkung des Aus- f" ches abschwächen würde, wollten wir noch etwas hinzufügen.— » Der Kampf für die preußische Slädteordnung. A 1 fade Scherzwort Bismarcks, daß die kommunalistischen •'Äset Revolutionäre für die kommunalen Freiheiten der �ßischen Städteordnung kämpfen, ist bekanntlich von der nationalen Presse für Ernst genommen und mit Heißhunger ver- sck'.nigcn worden. Von demokratischer Seite wurde gleich i auf hingewiesen, welche Beschränkungen die preußische Städte- o-oaung den Gemeinden in Bezug auf die Bürgermeister- ighl auferlege, und wie speziell Berlin— gleich dem uiseriichen Paris— der Willkür der Regierungs- Polizeibehörde �sgesetzt sei. Dieser Punkt hat nun bei der Bcrathung des Poli- Budgets im preußischen Abgeordnetenhause eine interessante Züchtung gefunden, indem der Abgeordnete Virchow das Verhällniß der Kommune Berlin zum Polizeipräsidium einer gehenden Kritik unterwarf. Charakteristisch ist es, daß die �tungcn von dieser l1/, stündigen Rede, welche— nach den stigen Oppositionsreden Virchow's zu schließen— sicherlich : Wissenswertheu in Fülle bietet, nur folgendes kurze Re- .l6 geben:„Grundlage der Stellung der Polizei zur Kommune Berlin sei das falsche patriarchalische Verhältniß, das seit .'nkeldep vom Polizeipräsidium eingenommen worden, und ..e ganz eigene Doktrin, ja sogar eine mythologische Figur, m„Straßcnsiskus" hervorgebracht habe(Heiterkeit), welche behauptet, Eigenthümer aller Straßen, öffentlichen Plätze zu sein, weil vor Alters der FiskuZ hat Straßen pflastern lassen. Diese mythische Fiktion habe auch zu dem Projekt einer Markthalle auf dem Dönhofsplatz geführt, weil dieser Platz einmal fiskalischer Grund gewesen sei. Anläßlich einer Bc schwerde hat der Minister deS Innern abgelehnt, die Prinzipien� frage über das Eigenthum an den Straßen zu entscheiden. Im I. 1863 hat daS Polizeipräsidium einseitig die Konzession zu Pferdebahnen ertheilt und der Handelsminister hat sich auf daS Prinzip gestützt, daß die Straßen dem Fiskus gehören. Also der eine Minister lehnt eS ab, auf die Prinzipienfragc einzugehen, der andere geht auf den einzelnen Fall nicht ein, weil daS Prinzip feststehe. Daraus entstünden schwere Konflikte. Der Polizeipräsident rechne stet« mit dem Publikum, nicht mit der Gemeinde. Von Gegenleistungen für Abtretung von Rechten der Gemeinde bemerke man nichts; Beweis sei die Verlängerung des Monopols der Litfaßsäulen auf weitere 10 Jahre: dadurch werde die Selbstver- waltung der Gemeinde schwer gedrückt und dieser Druck sei noch schlimmer als der materielle Scha- den. Es entstehe daraus ein tiefes Mißtrauen, z. B. daß die Polizei mit der englischen Wasserleitungs-Gesellschaft über Verlängerung ihres Privilegiums verhandle, obwohl dasselbe die Spülung und folglich die Kanalisation unmöglich mache. Ja, in der Versammlung der englischen Aktionäre sei eine Vertheilung eines ThcilS der neu zu emittirenden Aktien an offizielle Personen in Berlin beschlossen worden.(Hört!) Engländer, die seit Jahren unter unS leben, müßten also königliche Beamte für käuflich halten. Der Straßenfiskus habe sehr irdische Bedürfnisse; daher ein noch weiter gehendes Mißtrauen die Sittenpolizei durch Diejenigen, gegen die sie gerichtet ist, bestochen sein läßt. Die Freunde der Selbstver- waltung der Provinzen dürften nicht zugeben, daß die städtischen Gemeinden ihrer Autonomie(Selbstgesetzgebung) beraubt wür- den. Die großen Städte entwickelten sich weit über den alten Rahmen des städtischen Wesens hinaus und könnten ihre Schuldigkeit nur thun, wenn man sie nicht an Händen und Füßen bindet, wie in Berlin geschieht, wo das Po- lizeipräsidium zugleich Regierung ist und zwei In- stanzen in sich vereint. Die Sittenpolizei könne man gern dem Minister des Innern überlassen, aber nicht die Bau- Polizei, die gegen die Stadt mit großer Rücks i ch tslo sig- keit geübt werde. Mit der Vermehrung der Kräfte der Exe- kutivpolizei sei es nicht gethan, sondern auf die Bertheilung der Arbeit komme es an, auf die sachgemäße Verwendung der vorhandenen Kräfte. Man dürfe die Schutzmänner nicht zu unnützem Schreibwerk oder gar zur Sammlung des Materials für Adreßkalender verwenden."— Un.sere„Volksver treter." Die Bewohner von Pill- lallen in Preußen petitionirten beim Abgeordnetenhaus, die Regierung zu veranlassen, genannter Stadt eine Subvention von 10— 20,000 Thalern zum Bau einer Brücke über der SzeS- zupp(Sechsfluß) zu gewähren, dessen Anwohner ihren Verkehr mit einem jährlichen Verluste von 10— 12 Menschenleben er- kausen müssen. Da», soll nach Ansicht des Vorsitzenden der Petilionskommission des Abgeordnetenhauses eine„Anforderung des Lassalleanismus" sein und ein„hervorragendes" Mitglied der Koninnssion spricht sein tiefes Bedauern daüber aus: „daß der Staat überhaupt jemals in der Weise irgend einem Kreise unter die Arme gegriffen habe!" Nun gilt aber im preußischen Staate ein Gesetzbuch, das den Titel„Allgemeines Landrecht" führt. Dieses Gesetzbuch erklärt es für eine Pflicht des Staats: für die Sicherheit und Bequemlichkeit der öffent- iichen Landstraßen zu sorgen. Es erklärt die Nusfirng der öffentlichen Ströme für ein Regal des Staats und legt Dein- jenigen, der die Nutzung eines öffeittlichen Stroms hat, auch die Sorge auf für die über den Fluß anzulegenden Brücken. Haben die Herren von der Petitionskommission die Be- stimmungcn des Landrechts nicht gekannt oder nicht kennen wollen? Beides wäre für die Herren gleich schlimm. Die Sache kommt aber noch besser: Der Etat des Landwirthfchaftlichen Ministeriums ist bereits bewilligt. Aus diesem Etat erhält z.B. der Haupt- v er ein Westpreußi scher Lan dwirthe eine Unterstützung von 2 600 Thlr. jährlich, nämlich zur Besoldung des Sekretärs 400 Thlr., zu dessen Geschäftskosten 200 Thlr., zu gemeinnützigen Zwecken 1000 Thlr., zu Stutenprämien 250 Thlr., zur Einrichtung bäuerlicher Wirthschaften 250 Thlr., zu Ausstellungen 500 Thlr. Dieser„Hauptverein" besteht aus den reichsten Leuten der Provinz. Wir fordern nun — heißt es in einer darauf bezüglicheu Korrespondenz der „Demokratischen Zeitung',— die Herren von der Petitions kommission zu einer Erklärung auf: ob sie diese Art der An wendung von Staatsgeldern auch für„Lassalleanismus" halten und weshalb sie über diesen„Lassalleanismus" keine Betrüb niß empfunden oder ausgedrückt haben?— Da die„Neue Freie Presse" durch ihre allzunotorische Korruption nicht mehr das nöthige„moralische Gewicht" hat. und die übrigen, in Bismarckerei machenden Wiener Zeitungen nicht ausschlie.ßlich genug in ihrer Anbetung des preußischen Korporal- und Schulregulativstaates sind, hat das Berliner Preß- bureau sich ein eignes, ihm allein zubehöriges Organ in Wien gegründet:„Die deutsche Zeitung", das im Bismarckkultus allerdings Außerordentliches leistet. Ueber die zur Erbauung „liberaler" Philister jetzt vor sich gehende Katzbalgerei mit dem Ultramuckern und Ultramontanen schreibt das Blatt z. Folgendes: „Die preußische Tradition wurzelt in der konfeisionellen Parität und der religiösen Toleranz. DaZ neue Deutsche Reich hat diese schönste Erbschaft i!) des alten Preußen» angetreten und kann sich nicht, wie das weiland Römische Reich deutscher Nation, zu einem Vasallen der Kirche degradiren. Darüber durfte kein Zweifel gelassen werden. Fürst Bismark, der einst s!), von dem konservativen Vorurtheil befangen, da» Bündniß des Staate» mit dem Klerus als ein unumstößliches Ariom forderte, hat auch hier wieder seine hohe staatimännische Einsicht bewiesen. Er hat seine alten Vorurtheile abgestreift, er hat daS Tafeltuch zwischen sich und seinen alten Bundesgenossen zerschnitten und ihnen offen dem Fehde- Handschuh hingeworfen. Mit jener Sicherheit, welche alle Maaßnahmen des Reichskanzlers auszeichnet, ist dieser Feldzug gegen die frondirenden Ultramontanen und Orthodoxen er- öffnet. Der Sieg kann auch in diesem Kampfe nicht ausbleiben. W-e im Jahre 1870 die deutsche Ration das Schwert gegen den Erb- feind ergriff und ihn von den Landesgrenzen zurückwarf, so kann auch in diesem Kampfe, wo das deutsche Volk fast mit ungeduldiger Erwartuug den weiteren Schachzügen deS Reichskanz- lers lauscht(I) und seine Schritte beflügeln möchte, der Sieg nicht fehlen. Mögen die klerikalen und orthodoren Blätter toben und die Kanzeln mit de.u göttlichen Strafgerichte drohen: die endliche Aus- einandersetzung von Staat und Kirche und die Zurückweisung der klerikalenPrätensionen werten die Freiheit im Deutschen Reiche festigen unddeir konfessionellen Frieden befördern." Also Bismarck hat sich in seinen alten Tagen überzeugt, daß der Staat nicht mit dein Klerus verbündet sein darf, und mit einigen„sicheren Schachzügen",„denen das deutsche Volk init ungeduldiger Erwartung lauscht"(mit gespitz- ten Ohren?) wird er in seiner«hohen staatsmännischen Ein- ficht" uns nächstens den„konfessionellen Frieden" bringen, den wir indeß eigentlich schon seit Gründung des„neuen Reichs", das heißt seit einem vollen Jahr„als schönste Erbschaft des alten Preußens" besitzen, so daß wir beim besten Willen nicht entdecken können, wozu sich der„geniale" noch mit den betreffenden„Schachzügen" abquälen muß. Und wie heißt denn der Berliner Kultusminister? Ach Uns wird von alledcur so dumm, Als ging' uns ein Mühler im Kopf herum!— In letzter Nummer haben wir auf die traurige Rolle hin- gewiesen, welche Fürst Bismarck und die von ihm bezahlte oder beeinflußte• Presse das„Neue Reich" in der Tonnelet'schen Angelegenheit spielen läßt. Ferner haben wir auf die damit zusammenhängenden Bemerkungen des Preußischen Kriegs- Ministers aufmerksam gemacht, die den Franzosen gar sonder- bare Begriffe von der vielgerühmten deutschen Biederkeit und Wahrheitsliebe beibringen müssen. Heute ist es unsere unan- genehme Pflicht, der widerlichen Kriecherei zu erwähnen, in der sich seit einigen Wochen auf Kommando von Oben unsere ge- sammte offizielle, offiziöse und nationale Presse dem Rufst- s ch e n Barbarenstaat gegenüber ergeht. Und aus welchem An- laß? Nun, im vergangenen Monat hatte in Petersburg eine höhere Narrenfeier, genannt.Ordensfest, statt, bei der mehrere Preußische Prinzen und Generale anwesend waren und für ihre Devption mit ein paar gnädigen Worten de» Tsaren be- lohnt wurden! Diese Servilität nach Osten, verbunden mit der Brutalität nach Westen, gibt uns einen gleich schlechten Be- griff von den in der letzten Berliner Thronrede betonten Friedensaussichten, und dem den Berliner Machthabern inne- tvohnenden Sicherheitsgefühl. Dieser Eindruck wird noch wesentlich erhöht durch die schlecht verhüllten Besorgnisse über die neueste Wendung der Dinge in O e streich, wo die Preußenfreundliche Partei entschieden für den Moment unterlegen� ist, und durch die offiziösen Angstdenunziationcn der angeblich in Sachsen und Bayern überhandnehmenden par- tikularistischen, das heißt antibismarck'schen Bestrebungen. Es steht uns nicht zu, diese Jämmerlichkeiten des Nähern zu be- sprechen; sie zeigen aber, was für ein ungesundes Treibhaus- gewächs die vor einem Jahr in Versailles fabrizirte und de- kretirte sogenannte„Deutsche Einheit" ist.— Anläßlich der in voriger Nummer erwähnten unwahr-ge- hässigen Aeußerung des Kriegsministers von R o o n im preußi- scheu Landtag über die Behandlung der deutschen Gefangenen in Frankreich, sendet uns ein deutscher Soldat, welcher in Fresne-en-Vvevre längere Zeit als Verwundeter ge- legen hat, einen Brief seiner dortigen Wirthin und Pflegerin vom 20. Juli 1871 im Original zu, mit der Bitte, ihn in getreuer Uebersetzung abzudrucken; dieselbe lautet: Mein lieber Gustav! Mein Mann schickt Ihnen das Attest, das Sie wünschen. Sie würden es früher erbalten haben, wenn wir deutsch verständen; so aber mußten wir warten, bis wir Jemand fanden, welcher Ihren Brief übersetzte. Sie denken also immer an jene Franzosen, in deren Mitte Sie fast 4 Monate verlebt haben! Dieselben sind Zeugen Ihrer Leiden ge- wesen und haben sie zu stillen gesucht; Gott hat die Mühen derselben gelohnt, als Sie sie verlassen hatten: Ihr Leben war außer Gefahr und Sie hatten Ihr Bein behalten. Wir haben Ihnen bewiesen, wie groß und großmnthig Frankreich war, indem es seine verwundeten und kranken Feinde pflegte, als wären es seine Kinder. Auch hoffe ich wohl, daß Sie es nie vergessen werden und nicht den Haß theilen werden, welche gewisse Deutsche ihm gelobt haben. Gott hat nicht die Menschen geschaffen, um einander zu tobten, sondern um sich zu helfen, und ich verwünsche die Politik, welche dem Evangelium so zuwiderläuft. Sie sagen mir nicht, mein lieber Gustav, ob Ihre Wunden voll- ständig vernarbt sind, ob Sie Ihren Fnß auf die Erde stellen können, und ob Sie Hoffnung haben, bald ohne Krücken zu gehen. Zum I. Oktober, hoffe ich, werden Sie bei Ihrer Familie sein und dort Ihren Geburtstag feiern. Bei dem Festmahl, welche» Ihre lieben Eltern Ihnen geben werden, vergessen Sie nicht, daß Herr Erasmc und ich nicht von Ihrem Bette wichen, um Ihnen zu beweisen, daß wir fühlten, wie schmerzlich es Ihnen sein mußte, sich allein zu sinden auf fremdem, feindlichem Boden, zumal an eitlem Tage, den man in Ihrer Heimath so festlich begeht. All Stelle des Worts hat Ihr erkenntlicher Blick und Ihr herzlicher Händedruck ilnS gezeigt, daß Sie unsere Gesinnung verstehen. Die» Mal kann ich Ihnen weder Gebäck, noch ein Bouquet, noch wohlschmeckende Früchte unseres schöne» Landes offeriren; aber ich werde für Sie mein heißestes Gebet sprechen.— Von Herrn Z..... habe ich keine Nachricht und ich begreife das gar nicht; denn er schien uns sehr gern zu haben. An Herrn Ehorion hat er geschrieben und ich schicke Ihnen die Adresse, die er ihm angegeben hat. Wenn Sie von ihm Nachrichten haben, würde ich Ihnen sehr verbunden seilt, wenn Sie mir sie zukommen ließen. Theodor Br...., einer meiner Hauptverwundeten, wie Sie, hat mir zwei auigezeichnete Briefe geschrieben; er vergißt gleichfalls seine Pflegerin nicht:„In terrnnv Profcsseur"*)— wie Sie in ich nanilten. Der Pferdedoktor hat mir auch geschrieben, um mir seine Erkenntlichkeit zu bezeugen; er behauptet, daß ich ihm das Leben gerettet habe. Ich bin recht stolz auf alle diese Zeugnisse der Dankbarkeit und Zuneigung und ich danke Gott, daß er sich meiner bedient hat, um den feindlicheil Bölkern zu zeigen, daß Frankreich eine gastfreundliche und gefällige Nation ist.— Meine französischen Verwundeten schreiben mir auch sehr oft. Diejenigen, welche behaupten, daß Erkenntlichkeit„nicht von dieser Welt" sei, haben wahrscheinlich niemals Andern einen Gefallen erwiesen; ich aber habe alle Tage Beweise der Erkenntlichkeit, welche mich tief rühren. Wir sind alle im besten Wohlbefinden und Ihr Brief hat uiiS Allen Vergnügen gemacht. Wir werdeu Sie nie vergessen. Sie haben sojviel ausgestanden, sind so geduldig gewesen, so erkenntlich für den geringsten Dienst, den man Ihnen erwiesen! Und ich habe so viel Charpie auf Ihre Wunden gelegt, habe so viele Mal Ihnen da» Esseit ge- reicht, habe so oft die Fliegen, die Sie quälten, weggescheucht, daß ich eine Anhänglichkeit an Sie fühlte, als wäre» Sie inein Kind gewesen. Herr Tmcelin hat vor einigen Monaten Fresnes verlassen; ich konnte ihm also weder Ihre Empsehlungen, noch Ihre Danksagungen bestellen.— Die lieben Schwestern waren über Ihr liebeS Andenken sehr gerührt; sie wünscheil Jhuen eine baldige Genesung.— Herr und Frau Bridet lassen Sie tausendmal grüßen. Meine ganze Familie schließt sich mir an, im Ausdruck unserer innigen Gefühle für Sie. � � n,, Ihre alte ergebene Pflegen» A. Lefebvre. (Herr Earl W...... hat mir soeben geschrieben.) Ein Vergleich des ächt menschlichen Gefühls, welches an« diesem Brief spricht, mit den Rohheiten, in denen sich der offizielle und nicht offizielle„Deutsche Patriotismus" ergeht, •ällt wahrhaftig nicht zu unseren Gunsten aus; und wir glauben, daß selbst die Herren Bismarck und Rovn angesichts dieser Fran- zöstschen„Revanche" eine Regung der Schaam nicht ganz werden unterdrücken können.— Der letzte belgische Halbjahr-Kongreß der Internationalen hat folgenden Beschluß gefaßt: „Der am 24. und 25. Dezember itzt Kongreß versammelte Bund der belgischen Sektionen gibt: „In Anbetracht der täglich durch die reaktionäre Presse ausgestreuten thörichten Verleumdungen, wonach dieJnternationale ein despotischer Verein sein soll, der einer allen seinen Mit- gliedern auf hierarchischem Wege vorgeschriebenen Disziplin und einem von Oben kommenden Losungswort unterworfen sel; und „in Erwägung, daß gerade im Gegentheil die Interna- tionale, indem sie gegen den Despotismus und die Zentralffa- tion auftritt, immer ihre Organisatvn in Uebereinstimmung mit ihren Prinzipien setzen zu müssen geglaubt hat; «1 eine wörtliche aber sehr unftanzösische und komisch klingende Uebersetzung von: die- Frau Professorin. Fortselzuag aus Seite 4.,i Die Jnauguraladresie von Karl Marx anläßlich der Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation 1861 Männer der Arbeit! Es ist eine große Thatsache, daß das Elend der Arbeiter- klassen sich in den Jahren 1848—1864 nicht vermindert hat, obgleich gerade diese Periode in den Annalen der Geschichte beispiellos dasteht in Bezug auf die Entwicklung ihrer In- duslric und das Wachsihum ihres Handels. Im Jahr 1850 prophczeihte ein gemäßigtes Organ der britischen Bourgeoisie, anscheinend im Besitz von mehr als gewöhnlichen Kenntnisien, .daß wenn die AuS- und Einfuhr England's um 50 Prozent steigen, der Pauperismus in England auf den Nullpunkt sin- kcn würde. Aber ach! Am 7. April 1864 entzuckte Mr. Gladstone, der englische Schatzkanzler, seine Zuhörerschaft durch den Nachweis, daß der Gesammtwcrth der englischen Ein- und Ausfuhr im Jahr 1863 auf 443,955,000 Pfund Eterling angeschwollen sei, eine Summe, welche ungefähr den dreifachen Betrug des Umsatzes in dem verhältnismäßig erst vor jturzcm verflvsienen Jahr 1843 ausmache. Bei alledem aber war er genöthigt, auch des sozialen Elends zu gedenken. Er mußte sprechen von Denjenigen, die an der Grenze der Hungersnolh angelangt seien, von Arbeitslöhnen, die um keinen Pfennig gestiegen seien, vom menschlichen Leben, welches in neun Fällen unter zehn nur ein Kampf um die tägliche Existenz sei. Er sprach nicht von der Bevölkerung Jrland's, welche im Norden nach und nach durch Maschinen, im Süden durch Schashmden ersetzt wird, obgleich selbst die Anzahl der Schafe in diesem unglücklichen Lande sich vermindert, freilich nicht so schnell als die Menschen. Er vermied, das zu wiederholen, was gerudc damals durch die höchsten Repräsentanten der zehn- tausend Bvrnehmen in einem plötzlichen Anfall von Schrecken vcrralhen worden war. Als die Panik des GarottirenS*) eine gewisse Höhe erreicht hatte, veranlasste das Haus der Lords eine Untersuchung und einen Bericht über Transportation und Zuchthausstrafe. An den Tag kam die Wahrheit in dem dicken Blaubuch von 1863, und bewiesen ward es durch offizielle Thatsachen und Zahlen, daß die schlichtesten unter den verur- theilten Berbrechern, die Zuchthausstraflinge England's und Schottland's sich weit weniger zu schinden hatten und viel besser genährt waren, als die Agrikulturarbeiter England's und Schottland's. Und das war noch nicht Alles. Als in Folge des Bürgerkrieges in Amerika die Industriearbeiter in Lan- cashire und Cheshire auf die Straße geworfen waren, sandte dasselbe Haus der Lords einen Arzt in die Fabrikdistricte, um zu untersuchen und festzustellen, wie viel Kohlen- und Stick- stoff unumgänglich nothwendig sei, um, dargeboten in der ein- fachsten und dilligsten Form, gerade zur Abwehr des Hunger- typhuS hinzureichen. Dr. Smith, der ärztliche Commissar des Parlaments, ermittelte, daß 28,000 Gran Kohlenstoff und 1330 Gran Stickstoff die wöchentliche Ration sei, welche durch- schnittlich grade hinreichend sei, um einen Erwachsenen über dem Niveau der Hungcrkrankheiten zu halten, und er fand weiter, daß diese Quantität so ziemlich mit der dürftigen Nah- rung übereinstimme, aus welche der Druck der äußersten Roth die armen SUunmcllenarleilcr thatsäcklich angewiesen halte. Und nicht genug damit, derselbe Arzt wurde später von der Regierung wieder beauftragt, die Nahrung des ärmeren Theils der Arbeiterklasse zu untersuchen. Die Resultate seiner Nach- forschungen befinden sich im„Sechsten Bericht über öffentliche Gesundheit," veröffentlicht auf Befehl des Parlaments im Laufe dieses Jahres(1864). Und was entdeckte der Arzt? Daß die Scidenweber, Nälherinnen, Handschuhmacher, Strumpfwirker und andere Arbeiter durchschnitilich nicht einmal die Noihstandsration der Baumwollenarbeiter, nicht einmal denjenigen Betrag von Kohlen- und Stickstoff erhielten,„der ge- rade hinreicht zur Abwehr von Hungerkrantheiten." „Ja noch mehr," sagt der Bericht,„was die untersuchten Familien der ländlichen Arbeiter betrifft, schien es, daß mehr ats ein Fünftel weniger zu sich nahm als das nolhdürsligste Quantuni kohlenstoffhaltiger Nahrung, mehr als ein Drietel weniger als das noihdürstigste Quantum stickstoffhaltiger Nah- rung, und daß in drei Landschaften(Berkshire, Oxfordshire und Somcrselshire) Unzulänglichkeit stickstoffhaltiger Speisen die Durchschniltskost ganzer Ortschaften war."...„Es muß darauf hingewiesen werden," fügt der offizielle Bericht hinzu, „daß Entbehrung der nolhwendigsten Nahrung nur mit großem Widerstreben ertragen wird, und daß in der Regel große Nothdurft der Nahrung erst dann sich einstellt, wenn andere Entbehrungen vorhergegangen sind."...„Selbst Reinlichkeit wird dem Armen kostspielig oder schwierig, und wenn er den- noch in einem Gefühl der Selbftachtnng Versuche macht, den Forderungen der Reinlichkeit zu entsprechen, so ist für ihn jeder Versuch gleichbedeutend mit vermehrten Hungersqualen. Dies find peinliche Betrachtungen, namentlich wenn man be- denkt, daß die Armulh, auf welche sie Bezug haben, nicht die verdiente Armulh des Müßigganges ist: in allen aufgeführten Fällen ist es die Armulh der arbeitenden Bevölkerung. Und in der That, gerade die Arbeil, welche eine so kärgliche Ra- lion von Nahrungsmitteln erlangt, wird in den meisten Fällen über die Maßen ausgedehnt." Der Bericht bringt ferner die befremdende und unerwartete Thatsache zu Tage, daß von den vier Theilen des vereinigten Königreichs, England, Wales, Schottland und Irland, die Agriluliurbevölkerung England's, des reichsten Theils, die bei Weitem am Schlechtesten genährte ist, daß aber selbst die Agrikulturarbeiter von Berkshire, Ox- fordshire und Somerselshire besser daran sind, als eine große Anzahl kunstfertiger Handarbeiter unter Dach und Fach im Ostende von London. Solcher Art sind die offiziellen Darstellungen, veröffent- licht auf Befehl des Parlaments im Jahre 1863, während des tausendjährigen Reichs des Freihandels, zu einer Zeil, wo der Schatzkanzler dem Hause der Gemeinen erzählte,„daß im Allgemeinen die Lage des britischen Arbeiters sich ver- bessert habe in einem ganz außerordentlichen Ntaße, welches ohne Beispiel dastehe in der Geschichte irgend eines Landes oder Zeitälters." Aber mitten hinein in diese offiziellen Beglückwünschungen *) Garottiren eigentlich: erdiosseln, eine in England, namentlich Sonion gang und gebe Methode des Straßenraubs, darin bestehend, daß dem Opfer, ran eh widerstandstuifähig und besinnungslos zu machen, durch«inen Griss von hinten vre Gurgelzugedrückt wird' schrillt die trockene Bemerkung des offiziellen Berichts über öffentliche Gesundheit:„Oeffentliche Gesundheit eines Landes bedeutet die Gesundheit seiner Massen, und wie können die Massen gesund sein, wenn sie nicht bis auf ihre untersten Schichten herab mindestens erträglich leben?" Geblendet durch den„Fortschritt der Nation", umgaukclt von den Zahlen der Statistik, ruft der Schatzkanzler in wil- der Verzückung aus:„In den Jahren 1842— 1852 hat sich das steuerpflichtige Einkommen des Landes um 6 Prozent ver- mehrt, in den acht Jahren 1853— 1861 hat es im Verhält- niß zum Einkommen des Jahres 1853 um 20 Prozent zuge- nommen. Diese Thatsache ist so staunenswerth', daß sie bei- nahe unglaublich ist"...„Diese berauschende Vermehrung von Reichthum und Macht," fügt Mr. Gladstone hinzu, „ist ganz und gar auf die besitzend'en Klassen b e- schränkt." Wer zu wissen wünscht, unter wie viel Opfern an zerrütteter Gesundheit, verdorbenen Sitten und gestörten Geistes- krästen diese„berauschende, ganz und gar auf die befitzenden Klassen beschränkte Vermehrung von Reichthum und Macht" erzeugt worden ist und noch erzeugt wird, der blicke auf das Gemälde, welches der letzte„öffentliche Gesundheits-Bericht" von den Werkstätten der Schneider, Buchdrucker und Putz- wacherinnen entworfen hat. Er vergleiche damit den„Be- richt der Untersuchungscommission über die Beschäsligung von Kindern in Fabriken" vom Jahr 1863, worin unter Anderem ausgesprochen wird, daß die Töpfer, und zwar nicht blcs die männlichen, sondern auch die weiblichen Arbeiter der Töfser- Werkstätten, lals Arheiterklasse einen körperlich und geistig her- untergekommenen Theil der Bevölkerung ausmachen, daß ein von der Geburt an ungesundes Kind später selbst ungesunde Kinder erzeuge, daß nach und nach ein zunehmendes?lus- sterben der ganzen Race bevorstehe, und daß die Verkommen- heit der Bevölkerung von Staffordshire noch größer sein würde, wenn sie sich nicht aus den angrenzenden Landschaften rekru- tire und sich durch Heirath mit gesünderni Racen vermische. Er blicke auf Mr. Tremenheere's Blaubnch über die„Be- schwerden der Bäckergesellen." Und Wen hat nicht geschau- dert bei der scheinbar parodoxen, durch den Geveral-Registra- tor mit Dokumenten belegten Behauptung der Fabrikinspek- toren, daß der Gesundheitszustand der Fabrikarbeiter von Lan- cashire grade in der Zeit, wo sie auf eine Nothstandsrativn von Nahrungsmitteln beschränkt gewesen seien, sich thatsäch- lich gebessert habe, weil sie in Folge der Baumwollennoth zeit- weise aus den Vaumwollenfabriken ausgeschlossen gewesen seien, und daß die Sterblichkeit unter den Kindern in dieser Zeit abgenommen habe, weil die Mütter jetzt endlich einmal in der Lage gewesen seien, ihnen statt der Opiummixtur von God- frey*) die eigne Brust zu reichen. Und dagegen die Kehrseite der Medaille. Die dem Hause der Gemeinen am 20. Juli 1864 vorgelegten amtlichen Be- richte über vcn Ertrag der Einkommen- und Grundsteuer be- lehrten uns, daß in der Zeit vom 5. April 1862 bis 5. April 1863 die Anzahl der Personen mit einem jährlichen Einkom- wen von 50,000 Pfd. Sterling und darüber um 13 zugenommen habe und in diesem einen Jahr von 67 auf 80 Per- sonen gestiegen sei. Derselbe amtliche Bericht enthüllt die Thatsache, daß ungefähr 3000 Personen sich in ein jährliches Einkommen von ungefähr 25 Rlillionen Pfund Sterling zu theilen haben, eine Summe, die größer ist als der Gesammtbetrag der all- jährlich an die Gesammlheit der Agrikulturarbciter von Eng- land und Wales gezahlten Arbeitslöhne. Schlagt die amt- lichen Listen von 1861 auf, und Ihr werdet finden, daß die Anzahl der Grundeigenthümer in England und Wales von 16,934 Personen im Jahr 1851 auf 15,066 im Jahr 1861 zusammengeschmolzen ist, so daß die Concentration des Grund- befitzes in 10 Jahren um 11 Prozent zugenommen hat. Wenn die Vereinigung des gesammten Grundbesitzes in den Händen Weniger in diesem Verhältniß fortschreiten sollte, so wird allerdings dadurch die Grund- und Boden-Frage sehr verein- facht werden, grade so, wie es im römischen Kaiserreich ge- schah, als Nero über die Entdeckung greinte, daß die Hälfte der Provinz Affika sich in dem Besitz von sechs Herren be- finde. Wir find darum so lange bei diesen Thatsachen,„die so staunenswerth, daß sie beinahe unglaublich sind," stehen ge- blieben, weil England an der Spitze des Handels und der Industrie Europa's steht. Erinnert Euch, daß erst vor Kur- zem einer von den verbannten Söhnen Louis Philippe's die englischen Agrikullurarbeiter öffentlich deshalb beglück- wünscht hat, weil ihr Loos besser sei als das ihrer weniger glücklich situirten Kameraden jenseits des Kanals. Und in der That: mit einer anderen Lokalsärbung und auf etwas kleinerer Stufenleiter pflanzen sich die englischen Zustände in allen in ihrer industriellen Entwicklung begriffenen Ländern des Continents fort. In allen diesen Ländern hat seit dem Jahr 1848 eine unerhörte Entwickelung der Industrie, eine ungeahnte Ausdehnung des Ein- und Ausfuhrhandels stattge- sunden. In allen war die ganz und gar auf die besitzenden Klassen beschränkte Vermehrung von Nteichthum und Macht ebenfalls wahrhaft berauschend. In allen erhielt zwar eine kleine Anzahl Arbeiter, ebenso wie in England, etwas erhöh- ten Arbeitslohn, aber bei dem allgemeinen Steigen der Preise hatte diese Lohnerhöhung für den Lebensgenuß des Arbeiters ebenso wenig zu bedeuten, als z. B. der Insasse des Haupt- städtischen Armen- oder Waisenhauses davon Nutzen hat, daß seine nothwendigsten Lebensbedürfnisse nach �amtlichen Ermitt- lungen von 7 Pfand 7 Schillingen 4 Pence im Jahre 1852 auf 9 Pfund 15 Schillinge 8 Pence im Jahr 1861 gestiegen sind. Allüberall sank die große Masse der arbeilenden Klassen in immer tieferes Elend, mindestens in demselben Maße, als die oberen Klassen auf der sozialen Skala stiegen. In allen •) Da du Arbeiterfrauen nicht die Mittel haben, sich Ammen oder Kindermädchen zu halten, pftegen sie vor dem Weggang in die Fabrik den unglückliche» Säuglingen ein Schlastrünlchen einzugeben. Eins der beliebtesten dieser Schlaftrünkchen, die in kolossalen Ouantiiäten verbraucht werden und einen sehr einträglichen Handelsartikel bilden, ist„Godsrey's Mixture". Dasselbe ist so probat, daß die Kinder aus 8, 10, 12 Stunden— je nach der eingeflößten Menge—„stille" sind, und schließlich in unzählichsen Fällen sogar aus immer. Die tausende und adertauseude von Säuglingen, die alljährlich in Folge der Hinein- ziehung der Frauen in die Fabrik an Enlkräflung und Vergiftung sterben, sind nicht zu vergessen, wenn die Menschenhekatomben zusammen- gerechnet werden, welche die Bourgeoisie ihrem Gott Mammon bringt. Läudcru Europa's steht es jetzt als unumstößliche Wahrheit fest, unleugbar für jeden unbefangenen Forscher, und bestritten nur von Denen, die ein Interesse haben, Anderen trügerische Hoffnungen zu machen, daß weder die Vervollkommnung der Maschinen, noch die Nutzbarmachung der Wissenschaft für die Industrie und Agrikulturproduction, weder die Hülfsmittel und Kunstgriffe des Verkehrs, noch neue Kolonieen oder Auswan- derung, weder die Eroberung neuer Märkte, noch der Freihan- dcl oder alle diese Dinge zusammengenommen, das Elend der gewerbthätigen Massen zu beseitigen vermögen, daß vielmehr auf der falschen Grundlage des Bestehenden jede frische Ent- Wickelung der schöpferischen Kraft der Arbeit nur dahin zielt, die sozialen Gegensätze zu vertiefen und den sozialen Konflict zu schärfen. Hungertod erhob sich in der Hauptstadt des bri- tischen Königreichs beinahe auf den Rang einer sozialen In- stitution während dieser berauschenden Epoche ökonomischen Fortschritts. Diese Epoche ist in den Annalen der Welt ge- kennzeichnet durch die beschleunigte Wiederkehr, den erweiterten Umfang und die tödtlichcren Wirkungen der sozialen Pest, die man Handels- und Jndustriekrise nennt. (Schluß folgt.) - Breslau, den 22. Dez. Polizeiliches. Der Syndikus des berl. Pfaudblies-Instituts, der Abgeordnete Lasker, behauptete im Reichstage gegen Bebel: wir, die Sozialdemokraten, könnten das Ge- setz nicht ertragen. Diese Behauptung beruhte nur auf Verwechslung denn nicht wir sind es. die das Gesetz nicht ertragen können, sondern die conservaiiven und liberalen Behörden können selbst mit den reaktiv- närsten Gesetzen nickt durchkommen und übertreten daher auch diese. Vor kurzer Zeit wollten wir über ein Statut für!g e>v erbliche Unter- st ü tz u n g s-und Wider st andskassen beralhen. Weil die Versammlung nur einen Gegenstand vorhatte, der gewerblicher Natur war, so! hatten wir dieselbe nicht polzeilich angemeldet. Es befand sich aber in der Annonce, die zu dieser Versammlung einlud, die Bezeichnung „Parteilokal". Wie der Polizeipräsident das las, empfand er sofort den rolhen'Schrecken. Der Revierlommissarius wurde beauftragt, sdie Versammlung auszulösen, denn die sürchterlichen Sozial-Demokraten ohne polizeiliche Ueberwachung irgend etwas berathen zu lassen, das wäre zu geiährlich,— denn es könnte ja irgend einer, wie das bei polizeilichen Ueberwachungen immer nöthig ist, anstatt unter der Blume. zu sprechen, ofsen und klar die Wahrheit lagen, und dies können die Machthaber nicht verlragen. Der lauslösende Polizeikommissarius gestattete uns, noch gemüthlich zusammenzubleiben, d. h. unser bezahltes Bier auszutrinken. Nach dieser Erlaubniß verließ er das Lokal zu unserem großen Leidwesen,— da uns das Bier nicht mehr so gut mundet, weuu wir nicht in das martialische Gesicht eines Polizeikom- missarius schauen können, weil wir an diesen Anblick schon zu sehr gewöhnt sind. Tie Polizei dachte jedoch, daß wir uns, wie dle Spießbür- ger, erst sicher fühlen, wenn einj Polizeibeamter bei uns sitzt, deshalb sandte sie uns, in Gestalt eines Schutzmannes, einen solchen. Be- sorgend, daß sich der Schutzmann der Gefahr aussetze, von der Sozial- Demokratie angesteckt zu werden, was die Internationale in den Augen der Behörden rioch einmal so gefährlich machen würde, verließen wir das Lokal, den Schutzmann seinem Schicksal überlassend, d. h. dein Essen und Trinken, welches derselbe rijicht bezahlte. Diesen letzten Umstand erwähne ich nur deswegen, weil die Regierung die Cinrich- tuug getroffen zu haben scheint, die Wirihe, welche die bösen Sozial« Demoliaten in ihrem Lokale ausnehmen, zur unentgeltlichen Verpste- gung der Schutzmänner zu veranlassen, da dieser Kategorie das Gehalt nicht verbessert weiden konnte, denn wo blieben sonst die Dotationen großer Staatsmänner und Generale? Ebeitso wurde eine össentliche Versammlung ausgelöst, weil ei» Redner sagte:„Wir wollen die Staatshilfe mir von dein Staate, der das Volk ist." Eine Anklage ist nicht erfolgt. Ter Polizei- kommiffar hat daher in seiner tiesen Kenntniß von„straffälligen Aeuße- rungen" nur einen Amtsmißbrauch begangen. Wir haben Anklage erhoben, erwarten jedoch nicht viel davon, da wir uns der, neulich von Eugen Richter im Abgeordnetenhause ausgesprochenen Behauptung, welche ich au« strafrechtlichen Rücksichten nicht nenne, anschließen. Den Polizeiübergrifsen kann nur der von uns erstrebte Volksslaat, der die Unfehlbarkeit der Polizei aufhebt, ein Ende machen. M. K. Forst in der Lausitz. Seit einigen Wochen herrscht hier ein reges Leben unter den Arbeitern und die Sozialdemokratie verdankt namentlich den Agitationen Simon's ihre jüngsten Fortschritte am hiesigen Platze. Volks- resp. Arbeiterversanimlungen haben wir in den letzten Wochen mehrere abgehalten und zwar betheiligten sich auch Frauen daran. In einer dieser Versammlungen wurde eine ResohUion gefaßt, dahingehend, daß die Frauenarbeit an mechanischen Webstühlen abzuschaffen sei, da so viele Gesellen ohne Arbeit und die Frauen auch für andere Arbeiten gesucht werden.(Wir erlauben uns unser entjchiedcnstks Bedenken gegen die Rechtmäßigkeit dieser Reso« lution zu äußern. So lange es Zustände giebt, welche. die Hülflose Frau sich selbst überlassen, so lange kann man die„Abschaffung" der Fabrikarbeit für Frauen nicht verlangen, wenn man dieselben nicht: dem Verhüngern oder der Prostitution entgegentreiben will. Von „Abschaffung" der Frauenarbeit wird auch im sozialistischen Staate nicht die Rede sein, sondern nur— wie es bereits unser Eisenacher Piogramm sorderl— von Einschränkung der Frauenarbeit auf das der physischen Beschaffenheit dcrFrauenzuträgliche und mit ihrem päda- gogisch n Berufe vereinbare Quantum. Diese Einschränkung der Frauenarbeit setzt aber voraus und läßt sich nur in dem Falle durch- führen, daß der Staat die Existenz der hilflosen, alleinstehenden Frau garantirt. Letzleres geschieht, indem 1) der Mann den Arbeits- ertrag statt des Arbeitslohns erhält und dadurch für seine Familie genügend sorgen kann, und 2) indem die Frauenarbeit gleich der Männerarbeit gelohnt wird; dann braucht weder die verheiraihete noch die alleinstehende Frau in einem ihre physischen Kräfte übersteigenden und ihren pädagogischen Beruf beeinträchtigenden Maße zu arbeiten, wie heute die Proletarierfrauen durch Roth gezwungen sind. Da nun aber seitens res heutigen Staats diese wünschenswerthe Garantie nicht geleistet wird, so ist auch die nothwendige Einschrän- ku ng der Frauenarbeit von ihm nicht zu erwarten,— abgesehen davon, daß diese Einschränkung— wenn nicht seitens des Staates gleichzeitig sür Ersatz des in diesem Falle sür die Frauen entstehenden Verlustes gesorgt wird— die alleinstehenden Proletariersrauen noch unglückl'cher machen würde, als sie bereits sind. Denn wenn man.letzteren ihre, wenn auch wenig einträgliche Arbeit nimmt, ohne ihnen Ersatz dafür zu geben, so bleibt ihnen zwischen Verhungern und dem Veibrechen kein Mittelweg.— Dem Hebel, daß die Frauenarbeit den Werth der Männerarbeit heute herunterdrückt dadurch, daß die weiblichen Ar- beiter, die ja hilfloser sind und weu iger Vedürfnisse haben als die inännlicheit, sich noch m.e h r ausbeuten lassen alSdiese, kann und muß dadurch entgegen- gearbeitet werden, daß wir 1) die Frauen in unsere Bewegung hineinziehen und ihnen klar machen, daß ihre Emanzipation aus der unsrigen be» ruht, von der unsrigen abhängig ist; 2) daß wir sie, ebenso wie uns, zum Widerstand gegen das Kapital organisiren—| gleichviel ob in getrennten Frauensektione» oder durch Aufnahme in unsere bestehenden Verbindungen— und sie veranlassen, nicht unter dem Lohn der männlichen Arbeiter zu arbeiten. Sobald das Kapital gezwungen ist, die weibliche Arbeit gleich der männlichen zu bezahlen, hat et ander vorzugsweiscn Frauenarbeit kein Interesse mehr und der schädlichen Konkurrenz, welche heute die weibliche Arbeit der männlichen macht, ist dann ein Damm gesetzt. Unsere Parole kann also vorläufig nicht sowohl„Einschränkuug" der Frauenarbeit sein als: Gleichstellung der weiblichen Arbeit mit der männlichen im Lohne.— Erst im sozialistischen Staat, in welchem die Arbeitsfragc gelöst wird, kann eine Lösung der Frauen- frage erfolgen; das Letztere ist unmöglich ohne das Vorhergehen des Erftcrn und darum die sozialifienseindliche Tendenz der deutschen Frauenvereine eine quasi selbstmörderische. Red. d. Volksst.) Rödlttz.(La skers Knüppel in der Hand des Schulmeisters. Wie der p'asker'sche Knüppel schon jetzt an Kindern von Sozial- Demokraten angewandt wird, kann Folgendes zeigen: Der hiesige Schullehrer Hahmann hat sich große Verdienste um die Bekehrung der Heiden envorben, ist aber dabei einer der größten Feinde unserers Arbeitervereins. Die„christliche Liebe" gegen Feinde beweist er an uns durch fortgesetzte Schmähungen und Herabwürdigung unserer Ziele. Namentlich sind die Kinder von Wiitgliedern unserer Partei der rohesten •cehandluiig ausgesetzt. So wurde der etwa dreizehnjährige, in Folge eines langen Krankeitlagers am akuten Nervenfieber, schwächliche Sohn des Stellmachers Thomas von diesem Lehrer gefragt:„Nicht wahr, dein Vater ist der Ungläubige?" und als der Knabe natürlich hieraus nicht antwortete, schlug er denselben dermalen an den Kopf, «atz die Spuren tagelang hinterher sichtbar waren, llmic Beschwerde beim Schulinspektor hatte nur Neue Mitzhandlungen des Kindes vom Lehrer zur Folge. Eine briefliche Drohung des Aaters halte die Wirkung, daß der Lehrer fünf Knaben während des Religionsunterrichts mit den Worten beorderte:„Schmeißt einmal den Thomas'naus", und wurde nun dieser Knabe von der Knüppel- gardc an den Haaren von der Bant und an den Gang vorgc- schleift. Thomas hat nun noch ein Mädchen von 6'/, Jahren, welches die Schule dieses Hahmann besucht. Dieses Kind wurde von dem Lehrer seit etwa einem Vierteljahre allein auf eine Bant gesetzt; eine Beschwerde des Vaters halte Mißhandlnngen des Kindes zur Folge.— Der Knabe Schiffner wurde derart in der Schule von dem Hahmann geschlagen, daß das Blut aus Mund und Nase floß. Früher hatte dieser Lehrer einmal ein Mädchen so geschlagen, daß sie über eine Stunde leblos war.— Ungesähr 20 Knaben hatten einen Bwelspruch nicht ordentlich gelernt, da schlug Hahmann den Sohn des Parteigenossen Vogel mit sdem Lineal so lange, bis dasselbe in drei Stücke sprang; und noch nicht zusrieden damit, wurden ihm wenigstens noch eine Mandel Ohrfeigen applizirt. Fragt man nun: warum sich die Leute die« gefallen lassen, so liegt die Antwort mit darin: weil Hahmann ein sehr frommer Mann ist, werden die Klagen vom Geistlichen vertuscht. Jetzt werden wir aber vor die höhern Behörden gehen.(Hosjentlich bald und mit möglichster Energie I Red. d. Volks siaat.) Furth.(Deutsche„Gleichheit vor dem Gesetz"). Unter zeichmter verkaufte bei einer hier stattgefundenen Volksversammlung zur Besprechung über Einführung des NormcHarbeitstages die Broschüre von Port über den Normalarbeitstag, am Eingang und im Lokale der Versammlung. Ein den Prinzipien der Sozialdemokratie Feind licher denunzirte mich dem überwachenden Polizeikommissär, so daß dieser sich veranlaßt sah, Anzeige bei der hiesigen Slaalsanwalischaft Zu machen, aus deren Anirag mir eineSlrasverfügung von IThlr. Kosten und einem Tag Arrest zugestellt wurde; wogegen ich jedoch Protest erhebe. Wenn inan nun bedenkt, daß bei allen Koilzerte», Produk- tionen und Bersammluiigell Dasselbe geschieht, was mir zur Last gelegt ist; wenn besonders auch den freien Gemeinden erlaubt ist, in ihren Versammlungen Broschüre» zu verkaufen; der Verkauf in Straßen und auf ösientlichen Plätzen zwar gesetzlich untersagt ist, »ach den vorher genannten Thatsachen Versammlungen in Wirths- lokalitäten und einer Turnhalle aber nicht als össentltche Plätze zu be- trachren sind, so muß man an der„Gleichheit vor dem Gesetz" aller- dings ein Zweifler werden. PH. Herpser. Regcnöbnrg, d. 27. Dez. Am 25. dss. seierte der sozial- demokratische>Ärbeiterverein hier, vereinigt mit den Fach- vereinen der Schuhmacher, Tischler und Schneider, seinen Christbaum. Die ganzen weilen Räume waren bis zum Erdrücken mit Fest- theilnehmern gefüllt und wenigstens 300 Personen mußten, weil eben gar lein Platz, selbst nicht zum Stehen mehr, vorhanden war, am Festlokal selbst wieder umkehren. Parteigenosse Kölsch aus Ofscnbach, der eben erst hier ange- kommen war, hlelt die Festrede. Der Verlauf des Festes, das sich zu einem wahren Friedens- und Verbrüderungs-Feste gestaltete, hätte nicht schöner und befriedigender sein können. Musik wechselte mri Gesang und Deklamation und erntete besonders in letzterer Par- lheigenosie Uebelager durch Vortrag der„Menschenalter eines Pro- letariers" und noch mehr des„Antisyllabus" nicht enden wollenden stürmischen Beifall. Es wurde hiedurch die Prophetengabe unserer Gegner, welche schon voraussahen, daß bei diesem Feste,„wo Schuster und Schneider und noch sonstige rohe Kräfte vorhanden seien", jedenfalls doch wenig- stcns ein bischen Keilerei nicht fehlen würde, gründlich zu Schanden gemachl und bewiesen, daß die Arbeiter ein würdiges Fest auch würdig abzuhalten, sich tadellos sittlich und anständig zu betragen im Stande sinv, und ihnen der„übersprudelnde Jugendmuth", welcher sich bei den Komercen der„besseren" Stände so gerne zeigt, fremd ist. Jedoch, was Hilsts! Bei diesen Leuten ist ja der Arbeiter doch immer noch »icht„reis"!— Am 26. dsS. hatten wir im obenbezeichnetein Lokal Nachmittags eitle Volksversammlung. Die Arbeiter'waren sehr zahlreich er- schienen und blieben bis zum Schlüsse anwesend. Parleigenosie Kölsch erörterte in einer zweistündigen Rede die Lage des Arbeiter- staiides, sowie die Ursachen derselben, und wurde ost von anhaltendem Beisall unterbrochen. Der Vortrag erntete Beifall und ist nur zu wüuschen, daß die Arbeiter solche Worte nicht zu einem Ohre hinein und zum andern hinauslassen, sondern recht beherzigen mögen. Die Gegner unserer Sache, welche wir durch Plakate össenilich einge- laden hatten, zogen es vor, nicht zu erscheinen. Es ist nicht ent- schieden, ob sie aus Feigheit wegblieben oder ob sie sich zu hoch dünken, mit dem„rohen, noch nicht reifen" Arbeiter dessen Lage und die Ver- besserung derselben jzu beralhen; vielleicht ist Beides der Fall, denn was Helsen schöne Phrasen der Wahrheit gegenüber? Hier ist die Niederlage von vorne herein schon entschieden. Siegen können diese Herren nur da, wo sie keine Opposition finden, unter ihren eigenen Leuten; lomint aber so eine Opposition von Außen zu ihnen hinein, nun so wählt man, weil man sie nicht durch Worte besiegen kann, den Lasker'schen Knüppel, um„NtchthaIbmürbe"auszutheilen— was auchfür die„reise" Bildung der„besseren" Stände enlschiedeu passender ist. Mainz. Preissteigerung und Löhne. Man erinnert sich noch der Entrüstung, welche die hiesigen Bourgeois ergriff, als die Arbeiter vor einigen Monaten eine Lohnerhöhung für nölhig erklärten. Jetzt verösientlichen die Lokalblätter folgende vergleichende Tabelle der Brod(4 Pfund gemischt) Wecke Mehl per Pfund Ochsenflcisch per Pfund Rindfleisch per Pfund Kalbfleisch per Psund Hammelfleisch per Psund Schweinefleisch per Pfund Wurst per Psd. Kartoffel» per Ctr. Butler per Psund Eier per Stück Milch per Schoppen Kurz: iui Ganzen eine Preissteigerung von mehr alshundert Prozent. Da auch die Wohnungs-Miethen in ähnlicher Weise gestiegen sind, so erhellt, daß die geforderte Lohnerhöhung, über die so viel Ge- schrei gemacht wurde, noch eine sehr bescheidene war; und wenn wir die heutigen Löhne mit denen von 1850 vergleichen, so erhellt wei- ter, daß der heutige Lohn, wenn auch in Geld ausgedrückt höher, doch >n Wirklichkeit niedriger ist als der damalige, weil nicht so viel da- für gekauft werdeu kann. (Wir bitten die Parteigenossen auchkanderer Orte, ähnliche Ver- glcichu ngen anzuilellen. Ueberhaupl bitten wir um Sammlung Itatistischen Materials: wie wir schon früher hervorgehoben, gibt es keine nützlichere und würdigere Beschäftigung für unsere Vereine und die einzelnen Parteigenossen— eineBeschäjligung, die obendrein den Vorthcil hat, daß sie jedem Parteigenossen, so wie jedem Verein möglich ist.. D. Red. d. Volksst.) Gotha. Bei uns regt sich wieder die Sozialdemokratie. Eine »on den Altgesellen verschiedener Gewerte berufene Arbeiterver- lammlung wegen des vom hiesigen Stadtrath in Anbetracht der herrschenden Blatternepidemie angeordneten Impfzwangs war so stark besucht, daß Viele das Lokal wegen Mangel an Raum wieder verlassen mußten. AIS Vorsitzender wurde Sauerteig gewählt wid as übrige Bureau von Sozialdemokraten gebildet; darüber war aber große Entrüstung bei den Spießbürgern. Eine von der Versammlung mit 025 Unterschriften versehene Petition um Zurücknahme der Polizeiver- ordnung ist bis jetzt ohne Berücksichtigung geblieben; e« wird geimpft, trotzdem daß Nengcimpste an den Blattern erkranken und sterben. Auch wurde der Schriftsetzer Häring vor den Untersuchung«- lichter geladen, weil er in der Versammlung den Impfzwang ein „Verbrechen an der Menschheit" genannt haben soll. Die« hatte ein anderer Redner als den Ausspruch eines berühmten Arzte«, aus der„Thüringer Presse" vorgelesen. Die Untersuchung wurde aber wieder eingestellt; Häring gehört nicht zur sozialdemokratischen Partei. Der Schneidermeister und Armeusenator Döll, ein 48er, hielt Häring eine— für Sozialdemokraten und Jeden, der über seine wichtigsten Angelegenheiten ein Wort in Versammlungen zur Ausklärung der Masse spricht, auswendig gelernte— Strafpredigt, als dieser sein blatternkranke« Kind ins Blatterlazareth thuu wollte. Die Polizei- vero dnung sei vom Stadtrath und von den Stadtverordneten wohlweislich erwogen worden und wie es komme, daß er(Häring) jetzt bei ihm(Döll) Hülfe suchen wollte. Häring kehrte Döll den Rücken mit dem Bemerken, daß er geglaubt habe, das Lazareth gehöre der Stadt; wie es aber den Anschein habe, gehöre es dem Döll, und darum verzichte er auf die Unterbringung seines Kindes darin. Jnterlaken. Ueber den Verlauf der Buchbinderbewegung in Bern diene Folgendes zur Kenntniß. Schon vor der Versamm- lung, welche einen endgiltigen Beschluß fassen sollte, hatten einige Meister ihren Arbeitern 15 Prozent Lohnerhöhung und die llstündige Arbeitszeit bewilligt, andere 10 und sogar einige mir 5 Prozent ihren Arbeitern aufgebessert. In der nun folgenden Versammlung kam man zu der Ueberzeugung, daß die Erfolge, die bis jetzt ohne Arbeitsein- fiellung gemacht worden waren, sehr gering seien; jedoch in Anbetracht des verfehlten Züricher Strikes der Buchbindergehülfen<1869) und überhaupt der matten Betheiligung der Buchbinder an der Arbeiterbe- wegung im großen Ganzen und der daraus folgenden abgeschwächten Sympathien für uns, glaubte man aus Mangel an Unterstützung eine Arbeitseinstellung nicht mit Erfolg durchführen zu können, da man bei einem Strike nur auf auswärtige Unterstützung angewiesen wäre, indem die Buchbinder hier auch noch nicht orgauißrt sind und gar keine Strikekassen u. s. w. besitzen. Man beschloh daher, sich mit diesen kleinen Verbesserungen vor- läufig zu begnügen, jedoch einen Verein zu gründen, durchweichen den Kollegen Gelegenheit geboten wird, sich Klarheit über ihre eignen Verhältnisse zu verschaffen und überhaupt eine Organisation anzu- streben, die es möglich macht, im nächsten Jahr besser gerüstet und mit mehr Erfolg in den Kampf zu treten. Einige 5-prozentige zogen es vor, Bern den Rücken zu kehren. Noch sei erwähnt, daß in der betreffenden Versammlung ein Ve- teran(alter Buchbindergehilfe) seine Roth klagte und erzählte, daß ihm nur zweierlei übrig bliebe, entweder für 9—10 Frcs. zu arbeiten, oder in das Armenhaus zu gehen!— Dnim College», denken wir daran, was uns dereinst in Aussicht steht, wenn es uns die Großproduction immer unmöglicher macht, selbstständig zu werden; denn schon füllen sich aller Orts dis Werkstellen mit Meistern, die nicht mehr auf eigne Rechnung bestehen konnten, und wieder in den eigentlichen Arbeiterstand, infolge zu großer Konkurrenz, zurückgedrängt wurden. Also, laßt uns Vereine gründen und Organisationen schaffen, und bald werden wir die Früchte unserer Bemühungen reifen sehen! Mit sozial-demokratischem Gruß Alb in Germann. Limbach. Erstes Verbot einer Volksversammlung(resp. Nichtausstellung der Bescheinigung.) Am 20. Novbr. v. I. erhielt ich von Parteigenosse Usert ein Schreiben, worin mir derselbe mittheilte, den 24. desselben Monats, nämlich am Bußtag, 2 Ver- sammlungin bei uns abhalten zu wollen, resp. eine in Oberfrohna. Darauf hin schicke ich F. Mildner, den Vorsitzenden des hiesigen Arbeitervereins, zum Restaurateur des Schützenhauses,(das Schützen- hauS ist Eigeuthnm derSchützengisellschaft)>und ließ anfragen, ob wir den Bußtag Nachmittag den Saal zur Abhaltung einer Volksversamm- lung bekommen könnten, was derselbe bejahte! Dann schickte ich so- fort(Dienstag den 21.) die übliche Anzeige durch meinen 12jährigen Sohn nach der �Polizei,(was derselbe, beiläufig gesagt, schon öfter be- sorgt hat); anstatt der Bescheinigung brachte er aber das Resultat, daß für den Bußtag und den darauf folgenden Sonntag(Todtensonn- tag) keine Erlaubniß gegeben werde. Nun vergewisserte ich mich der Lokalität zum Sonnabend(d. 25.) Abend und berichtete Ufert von der Sachlage. Leider bekam ich von Letzterm nicht zur gewünsch- ten Zeit Antworl und konnte in Folge dessen die Anzeige am 23. nicht mehr zur Polizei schaffen, worauf hin ich Freitag(Bußtag) früh zum Polizeiassistent Lungwitz in seine Privatwohnung die Vcrsammtungs- anzeige trug, mit der Bitte, er solle dieselbe als heute angemeldet be- trachten, damit die gesetzliche Zeit von 24 stunden herauskomme. Hierauf erhielt ich auch von demselben die gewünschte Antwort, ich solle nur niorgen Sonnabend d. 25. die Bescheinigung holen lasten. Hier muß ich nun eines Zwischenfallt erwähnen. Am Abend des 24. gegen 7 Uhr schickt der Schießhaußwirth zu oben erwähntem Milduer, er solle doch einmal zu ihm kommen. Dort hingekommen, theilt der Schießhauswirth dem Mildner mit, daß der Bau meister Poser, (der einige Reparaturen im Schützenhause vorzunehmen hatte) ge- äußert habe, es könne die Versammlung nicht abgehalten werden, in- dem er(Posc r) nicht die Verantwortung übernehme, wenn etwa ein Unglück geschähe. Der Schießhauswirth indeß, keine Gefahr erblickend, sagt die Lokalität nochmals zu, indem doch ein Widerrufen zu spät, weil beide Lokalblätter mit der Bersammlnngsamwnce bereits in der Presse waren. Noch che ich Sonnabend früh nach der Bescheinigung geschickt, wurde ich durch einen Beifrohn zu oben erwähntem Assistent Lungwitz bestellt, der mir die Auslassungen Posers eröffnete und mir andeutete, ich solle doch die Versammlung rückgängig machen resp. verschieben, was ich entschieden verneinte, worauf er sagte:„Was wollen Sie denn machen, wenn die Versammlung gänzlich untersagt wird?" Ich:„Das geht nicht so geschwind." Er:„Und ich untersage Ihnen hiermit die Versammlung." Ich:„Das lasse ich mir nicht gefallen." Er:„Dann gehen Sie zum Herrn Amtmann." Ich:„Das werde ich auch." Und sofort ging ich aus einer Gerichtsstube in die andere zum Amtmann. Derselbe machte nun die Einwände geltend, welche Poser ihm mitgetheilt. Ich:„Da hätten Sie es uns aber früher sagen sollen, nicht erst, wenn es zu spät ist, indem bereits beide Blätter mit der Bersanimlungsanzeige in den Händen des Publikums von Limbach und Umgegend sind." Amt.:„Ich habe es heute früh erst erfahren und ich muß den Aussagen eines Sachverständigen Ge- hör geben, es kommt ja auch gar nicht daraus an, wenn Ihr Eure Versammlung verschiebt." Ich:'„Das geht nicht; wer ersetzt uns denn die Kosten, die wir bereits haben?', Amt.:„Ja da—" Ich:„Die Versammlung muß abgehalten werden; ich kann doch nicht etwa 800 bis 1000 Menschen zum Narren haben." A.:„Das geht mich nichts an und ich verbiete die Versammlung." Ich:„Können Sie denn das laut Gesetz?" A.:„Was?" Ich:„Ja ich muß missen, ob Sie es gesetzlich können." A.:„Aus baupolizeilichen Rücksichten verbiete ich die Versammlung." Nun konnte ich natürlich vor der Hand nichts weiter thun. Ich ging sofort zu einem andern Wirth, der auch seinen Saal sofort zur Verfügung stellte, wo denn auch die Versammlung, wenn auch unter geringerer Betheiligung stattfand, trotzdem ich harre Gegenplakate drucken und anschlagen lassen. Zweites Verbot: Acht Tage nach oem Gescheheneu(den 1. Dezbr.) schickte ich eine Anzeige wegen Abhaltung einer Metallarbeiterversammlung für den 3. nach der Polizei. Tagesordnung: Berathung und Beschluß- sassnng wegen Anschluß an die internationale Metallarbeiterschast. Ich erhielt den Bescheid, morgen,(den 2.) solle ich die Bescheinigung zugeschickt bekommen; aber anstatt dessen wurde ich von demselben Amtsdiener, welcher mich 8 Tage zuvor bestellt, zum Herrn Amtmann geladen. Dort angekommen, eröffnet mir derselbe, daß er die von mir angezeigte Metallarbeiterversammlung nicht gestatten könne, laut des damals ganz neuen, nunmehr schon bekannten Ministerialer- lasses, indem höhern Orts herausgebracht wäre, daß wir Zweig- v ereine oi.deten, waS nach dem sächsischen Vcreinsgesetz nicht erlaubt wäre. Ich:„Dies ist doch kein politischer Verein, wir sind nicht die Ersten und werden auch nicht die Letzten sein, welche sich der Gewerk- schaff anschließen." Es half aber keine Einwendung. Amtm.:„Sie jehen's, ich kann nicht anders, und wenn Sie glauben, ich thue Ihnen Unrecht, so beschweren Sic sich." Im weitern Gespräch äußerte sich der Amtmann, daß die Regierung doch nicht Alles einräumen könnte, sie müßte doch immer---- Ich:„Die Zügel straff in der Hand behalten." Amtm:„Ja, ja, daS ist schon der richtige Ausdruck." Trotz der verschiedensten Vorstellungen meinerseits blieb ei bei dem Verbot der betreffenden Versammlung. Gera, d. 26. Dezbr. Wie Reichstagsabgeordnete Bericht erstatten. Dr. Braun,„unser Braun" auch genannt, der Vertreter für Reuß j. Linie im deutschen Reichstag, hat auch in Gera seinen Wählern Bericht erstattet; es fällt uns nicht ein, auf den national ser- vilen Kohl, den er dort znm Vesten gegeben, näher einzugehen, sondern nm über die Art und Weise, wie diese Berichterstattung in Scenc ge- setzt wurde, wollen wir berichten. Die Versammlung wurde ein paar Tage vor den Feiertagen ge- halten, nachdem Braun Tagszuvor imGewerbeverein, der unter derAegid« desOberbürgermeisterPeht steht, einenVortragüber daSMünzwesen in einem ziemlich geräumigen Saale gehalten,— welcher Vortrag auch mehrmals annoncirt war. Zur Wahlversammlung hingegen nahm man den kleinsten Saal der Stadt, in einem Lokale, wo fast nur Bourgeoisie verkehrt, die Versammlung wurde nur denselben Tag annoncirt und der Anfang auf 7 Uhr festgesetzt, was doch die bestimmteste Absicht verricth, die Handwerker und Arbeiter, welche überhaupt vor dem Feste stark beschäftigt sind, fern zu halten. Welche erbärmliche Feigheit, etwaiger Opposition aus diese Art au« dem Wege zu gehen und sich in einem kleinen Lokal unter fein Häuflein IGetrenc zu verkriechen Zudem war die Posse so hübsch arrangirt, daß vom Vorsitzenden nach Vortrag des Braun erklärt wurde, daß nur Fragestellungen gestattet seien, eine spezielle Debatte dahingegen nicht. Und das nennen diese Leute eine Wählerversammlung, in einem Saale gehalten, der kaum 100 Menschen faßt! Sollten solche Vorkommnisse nicht endlich dem Volke die Augen öffnen, in ihm die Ueberzeugung wachrufen, daß für diese Herren es nur die Rolle als Stimmvieh zu spielen hat? Welcher Abstand zwischen diesem Renegaten Braun und dem wirklichen Volksvertreter Bebel in Betreff ihrer Berichterstattung — hier feiges Verkriechen und nur laut inmitten seiner Claque: dort männliches Hervortreten in dem Bewußtsein erfüllter'. Pflicht! (Diese Art der Winkelberichterstattung ist bei den nationalliberalen Volksvertretern an der Tagesordnuug. Der Leipziger Vizebürgermeister Stephan i hat es bekanntlich gerade gemacht, ivie„unser Braun." Eiu so trauriges Armuthszeugniß die Herren sich selber damit auS- stellen, ein so günstiges Zeugniß stellen sie dem Volk aus, dessen Entrüstung über ihr Gebahren im Reichstag sie mit Recht fürchten.) Leipzig. Aussperrung. In Anschluß an die bekannte Er- klärung der Offenbacher Hutfabrikanten haben deren Leipziger Kollegen unterm 7. Jan. eine Erklärung„An unsere Arbeiter" erlassen, worin sie sagen, daß sie mit jener Offenbacher-Fabrikantenerklärung insoweit einverstanden sind, als dieselbe sich dahin versteht, daß es den Hutmacher-Gesellen und Arbeitern freigestellt bleibt, sich an der früher bestandenen Vereinigung, soweit dieselbe Kranken- und Invaliden- kaffen anbetrifft, auch fernerhin zu betheiligen, und haben beschlossen keinen solchen Arbeiter in ihren Fabriken aufzunehmen, noch weiter zu beschäftigen, der dem am 1. Januar 1872 in's Leben getretenen C en rral-V erein deutscher Hutmacher beigetreten ist. „Dieser Beschluß ist dadurch hervorgerufen worden, daß die nach- stehenden Paragraphen der Statuten obengenannter Gesellschaft in die Rechte der Fabrikanten eingreifen, und die Rechte zwischen Arbeiter und Arbeitgeber illusorisch machen. „Wir ziehen es aber vor, mit unseren Arbeitern in Frieden zu leben und etwaige Differenzen mit denselben selbst auszugleichen. t ermann Haugk. FrjanzKöst. Julius Hofsm ann, inFirma: . A. Hoffmann. H. G. Leisching. Lehmann und Bremen- thal. Die oben erwähnten Paragraphen lauten folgendermaßen: 8 2. 5) durch Unterstützung derjenigen Mitglieder, welche tn Folge von ArbeitScinstcllilngc» ohne Arbeit sind etc. 6) durch Aufstellung und Fortführung einer Arbeils-Statistik des Zentral-Vereins der deutschen Hutmacher und hierauf begrün- dete Arbeitsvermitteluna; 7) durch Beaufsichtigung des Lehrlingswesens. 8 3. 5) soll soviel wie möglich darnach gestrebt werden, daß die Wochen- lohnarbeit nach und nach gänzlich abgeschafft wird; ferner ist die zehnstündige Arbeitszeit im Auge zu behalten; 6) jede neue Fabrik- resp. Arbeits- Ordnung ist zwischen Arbeits- gebern und Arbeitsnehmern zu vereinbaren und der Genehmi- gnng des Generalrathes anHeim zu stellen. 7) Differenzen zwischen Arbeitsgebern und Arbeitsnehmern können nur von einer statntengemäßen Versammlung geschlichtet werden (muh jedoch ebenfalls der Genehmigung des Generalrathes vorgelegt werden), bleibt jedoch den Arbeitgebern unbe- noulme», sich zu vertheidigen, resp. anklagen, oder sich durch einen Bevollmächtigten vertreten zu lassen." Also, wenn Arbeiter ihre strikenden Kollegen unterstützen wollen, so ist das(nach Ansicht jener Herren) ein„Eingriff in die Rechte der Fabrikanten;" und wenn die Arbeiter gad daran denken, eine Statistik über die Verhältnisse ihrer Branche aufzustellen und ein Arbeitsver- mitielungsbureau einzurichten, so macht das,„die Rechte der Arbeit- geber illusorisch". Wahrlich, ein unverschämteres Ansinnen, als sei- tens der Leipziger Hutfabrikanten ist, noch selten an die Arbeiter gestellt worden. Ob Letztere sich das gefallen lassen werden? Offeubach. Zur Maßregelung der Hutmacher. Bereits sind ca. 3 Wochen verflossen, seitdem die hiesigen Hutsabrikanten ihre unsinnigen, den Arbeiter so sehr beleidigenden Forderungen stellten, und noch ist von keiner Seite auch nur das Geringste geschehen, um in Verhandlungen zu treten. Wenn aber die Fabrikanten glauben, die Arbeiter hielten nicht aus und kämen bald zu Kreuz gekrochen, so irren sie sehr. Denn heute sind die Arbeiter noch von demselben Muthe beseelt, als wie au dem Tage, an dem sie von den Fabrikanten auf die Straße geworfen wurden. Einsender dieses hatte heute Ge- legenheit, einige Hutmacher zu sprechen und waren Männer von über 60 Jahren dabei; und diese Männer, trotz ihrer grauen Haare, er- klärten:„Lieber wollen wir als Tagelöhner die allergeringst« Arbeit verrichten, als diesen Herrn, welchen wir über 40 Jahre treu und ehr- lich gearbeitet haben, auch nur die geringste ihrer ungerechten For- derungen zugestehen." Wo solcher Geist und Muth herrscht, da darf und kann der Sieg nicht ausbleiben. Wären nur alle Arbeiter von demselben Geist und demselben Muthe beseelt, es sollte bald anders mit den Verhältnissen des Arbeiters bestellt sein!— Am 10. d. M. reisten sämmtliche unverheiratheten Hutmachcr (45 an der Zahl) von hier ab. Am Abend vorher wurde Abschied ini Gasthans zum grünen Baum gefeiert, ,vo noch inanches Wort und mancher Handschlag zum Ausharren bis aufs Aeuherste gewechsel wurde.' Leipzig, 11. Januar. Endlich fangen auch die hiesigen Schneider, welche vor Jahren in der Bewegung die Rührigsten waren, an, sich wieder zu regen. Dienstag den 3. Januar fand im Lokal des Arbeiter- Bildungs-Vereins die erste Versammlung statt, in welcher Bebel einen Vortrag über die Gewerkschaften hielt und den zahlreich Versam- melten den Anschluß an den Allgemeinen Deutsche» Schneiderverein empfahl. Letzten Dienstag wurde in dem erwähnten Lokal eine zweite, wiederum zahlreich besuchte Versammlung abgehalten, in welcher über die Organisationssrage weiter debattirt und schließlich der Beitritt zum AllgemeinenDeutjchen Schneiderverein beschlossen wurde. In die ausgelegten Listen zeichneten sich vorläufig 57 Mann. Wir hoffe», daß diesem Beispiel eine größere Zahl der Kollegen folgt; ohne Organisation sind die vielen Schäden, au welchen das Schneidergewerbe krankt, nicht zu heilen, und ain allerwenigsten ist ohne eine solche an eine dauernde materielle Besserstellung der Arbeiter zu denken. Die Arbeiter müssen bedenken, daß die Tauben ihnen nicht gebraten in den Mund fliegen, sondern erst gefangen werden müssen. Die konstituirende Sitzung soll Dienstag den 16. im Lokal des Arbeiter-Bildnugs-Vereins stattfinden. Die hiesigen Gewerkschaften beabsichtigen ein Zusammengehen in allen gemeinschaftlichen Fragen in der Art, daß zunächst dieMiethung eines gemeinschaftlichen Lokals, die Begründung einerBiblio- thek und einesLesezirkels in die Hand genommen wird. Es haben bereits Vorbesprechungen mit dem Vorstand des Arbeiter-Bildungs- Vereins stattgesunden, um diesen zur mielhweisen Abtretung resp. zeit- weiligen Ueberlassuitg bestimmter Räumlichkeiten zu veranlassen. W i s s e n s ch a s t l i ch e V o rst r ä g e sollen zeitweilig für alle Gewerkschaften gemeinsam abgehalten iverden. Fortsetzung von Seite 1. „hiermit ein für alle Mal die Erklärung ab: „daß die Internationale nur eine Gruppirung von völlig selbständigen Bünden ist und stets war; „daß der Generalrath nur ein Mittelpunkt für Korre- spondenzen und für Aufschlüsse ist und stets war. „Der belgische Bund fordert alle übrigen Regions-Bünde auf, eine gleiche Erklärung abzugeben, um alle Diejenigen zu Boden zu schmettern, welche uns als gefügige Werkzeuge in den Händen einiger weniger Männer ausgeben. „In Anbetracht andrerseits, daß die beim Entstehen der Internationale gemachten, auf jedem Kongreß etwas unmethodisch vervollständigten allgemeinen Statuten nicht scharf die Rechte der Bünde abgränzen und der vorhandenen Thunlichkeit nicht gut entsprechen, „wird eiklärt: „daß es an der Zeit ist, eine ernstliche Revision der Sta- tuten vorzunehmen. „Demgemäß beauftragt der Bund den belgischen Rath, einen Entwurf neuer Statuten abzufassen und denselben zu veröffentlichen, damit er in den Sektionen und später auf dem nächsten belgischen Kongresse erörtert wird. Sobald als der Entwurf vom belgischen Bunde adoptirt ist, soll er dem nächsten internationalen Kongresse unterbreitet werden. „Zugleich fordert die belgische Föderation die anderen Setlions-Büude auf, das Nämliche zu thun, damit der nächste internationale Kongreß den endgültigen Bundesvertrag zum Abschlüsse bringen kann." Man sieht, die Belgischen Sektionen sind ebensowenig auf den Bakuninischen Kongreß-Leim gegangen, wie weiland die Genfer Sektionen. Auch in Spanien sind die Sprengungs- versuche vollständig mißlungen�, und die europäischen Polizeispitzel (die des„Neuen Sozialdemokrat" einbegriffen) sind wieder ein- rnal um eine Hossnung ärmer.— Bei der letzen Ersatzwahl in Paris ist Bautrain, Ordnungsrepublikaner, mit 121, OVO Stimmen gegen den Phrasenrepnblikaner Victor Hugo, der 95,000 Stimmen bekam, gewählt worden. Im Ganzen haben demnach 214,000 gewählt. Die Wahllisten enthalten rnehr als 458,000 Stimmbe- rechligle. lieber 240,000 haben also nicht gestimmt: und diese Bie rle lmilli on ist das Pariser Pro- letariat, das, der Commune treu, von der parla- mentarislben Komödie nichts mehr wissen will. Ein Beispiel zur Nachahmung. Breslau, den 13.Jan. 1872.*0 In der am 18. Dez vorigen Jahres stattgefundenen Arbeiter-Versaminlung, welche sehr zahlreich besucht war, hielt Herr Geiser einen Bortrag, in welchem er ausführte, wie die Wrssenschast der Statistik für den Kamps des Proletariats gegen die Besitzenden das reichste Material bisher geliefert habe, wie-dieselbe sogar das Funda- nrent für alle fruchtbringenden sozialistischen Bestrebungen der Neuzeit geschaffen, obgleich diese Wissenschast selbst noch lange nicht zur Vollreife gediehen sei. Diese Reife könne sie nicht erlangen, so lange sie nur angebaut werde von Gelehrten, deren Horizont durch die StUdirstube begrenzt sei, oder von Regierungsbeamten, in deren Interesse eine ganz unverhüllte Darstellung der Thatsachen niemals liegen werde. Ihr, der revolutionärsten aller Wissenschaften gebühre der Platz auf den Schultern des arbeitenden Volkes selbst, und wenn dasselbe es unternehme, mit eigener Hand die Geschichte seines Elends seiner verkümmerten Existenzen und seiner Hungertvde zu schreiben, dpnn sei jede offizielle Schönfärberei unmöglich, und es müsse sich alsdann die UnHaltbarkeit der bestehendem wirth- schaftlichen und politischen Verhältnisse auch dem Beschränktesten bis zur Evidenz beweisen lassen. Darum beantragte der Vor- tragende die Begründung einer statistischen Kom- Mission der Breslauer Arbeiter, mit der Aufgabe, die Verhältnisse, in denen das Breslauer Proletariat lebe und arbeite, bis in seine Details zu konstatiren, und forderte die Anweseudut auf, mit Hand anzulegen an das Werk, von dem jede Seite ein Sieg für die Klasse der Nichtbesitzenden be- deute, dessen Ergebnrß das Todesurtheil für die moderne Ge- sellschafc sein müsse. Stach kurzer Debatte, welche die volle Uebereinstimmung der Anwesenden mit dem Vortragenden bewies, wurde der ein- gebrachte Antrag einstimmig anzenominen, und eine Kommission von 11 Mitgliedern mit dem Recht der Kooptation gewählt. Nach geschehener Ergänzung besteht die Kommission aus vor- läusig 48 Mitgliedern. Das Bureau der Kommission besteht aus den Herren: B- Geiser, Vorsitzender. H. Krimmichen, stellvertr. Vorsitz. M. Neisser, S. Färber, Max Kayser, Schriftführer. Im Augenblicke befindet sich die Kommission in voller Arbeit; die Gewerke der Schuhmacher und Zimmerer haben über ihre Lohnverhältnisse, Arbeitszeit u. s. w. ein« gehende Angaben geliefert, und für eine Anzahl anderer Ge- werke haben sich Spezialkommissionen gebild-t. Außerdem werden in der nächsten Zeit an alle Gewerke gedruckte Frage- formulare ausgegeben werden, welche es den einzelnen Arbeitern ermöglichen sollen, in übersichtlicher Weise und mit dcr nölhigen Genauigkeit, Angaben über ihre Arbeits- und Lcbensverhält- vissc zusammenzustellen.— Wir wissen, daß wir die Lösung einer schweren Aufgabe übernommen haben, aber wir schicken vor keiner Schwierigkeit zurück, wenn es das Interesse der Nlchtbesitzenden gilt. Der Schriftführer der stat. Kommission der Breslauer Arbeiter. Max Kayser. Zeuge nicht Eisenhuber sondern heißen soll. Echedcwitz, den 14. Januar. Aer ichtsdiener Altenkirch Ferdinand Eigert. Zur� Charakteristil der Unappschaftstassen und der Sachsische» Iustizpstege Berichtigung: In Bezug auj dus von mir in Nr. 4 des „VvllSstaaU' gegebene Referat hat sich insosern ein Jrrthum eingestellt, als die in diefem Referate dem Herrn Gerichtsraih Klaus in den Mund gelegten Morte: „Dem Großen zur Ehre, den Anderen zuin Beispiel mußten wir Tie bestrafen; auf Ihre Sache tonnten Sie nicht bestraft werden." nicht von diesem, sondern von dem stellvertretenden Staatsanwalt, Herrn Assessor von Maugold geäußert worden sind. Ebenso ist in dem gegen Herrn Assessor Kästner gerichteten Thetle eine illaniensverwechSlung vorgekommen, da der von mir benannte '1 Der erste uns zugesandte Bericht ist, gleich einer anderen kurz daraus abgeschickten«orrespondenz aus Breslau, aus dem nicht mehr nngewbhnlichen Wege verloren gegangen. R. d. V. Berlin.(Tölckelhaftc„P oesie". Lügen des„Neu«».") Der„Neue Sozialdemokrat" bringt in seiner Nr. 1„Erinnerungen eines Sozialdemagogcn", von August Kapell, welche unter vielem Andern, was in Goldrahmen eingefaßt zu werden verdient, folgende geistreiche Rückschau auf uusern Eisenacher und Stuttgarter Kongreß enthalten: „In Eisenach vor wenig Jahr'— Da wurd's den Volksparteilern klar, Was Arbeiter vermögen Oh»' Flinte, Stock und Degen— Sie') fühlten sich nur wohl und warm Bei Polizisten und Gensdarm. „Von Stuttgart macht man groß' Geschrei, Von ehrlicher Liebknechterei, Von Bebel und Konsorten Und ihren großen Worten— Doch logen sie auch noch so nett, Sie kriegten alle Jackeusett." Ei» herrlicher KnuppelverS aus den Knüppel I Auch hat der„Neue" jüngst den„Allgemeinen deutschen Arbeiter- verein" für unfehlbar erkläre« lassen. In einer am 1. Jan. in Berlin stattgehabten Volksversammlung, in welcher— wieder „Neue" berichtet,—„die Wahl des ersten Porsitzenden natürlicher Weise aus unser» Partei(llhrer�)(HascnNever) fiel", wurde folgende Resolution„einstimiilig" angenommen:„Die heutige Volksversnnim- lung erklärt, daß die politischen und sozialen Interessen des Arbeiter- standes nur im Allgemeinen deutschen Arbeiterverein ihre» vollständigeil Ausdruck finden, und daß wir nebe» demselben keine andere politische Organisation nölhig haben."— Ferner ist mitzuiheileu, daß der„Neue" die wiederHollen Notizen des„Volksstaat" über den Regierunasagenten Dr. Eduard Löwen- lhal(Redalleur der Daubitz'schen„Ttaatsburgerzeitung"), fälschlicherweise auf den(uns bis dato ganz unbekannten. R. d. V.) Mitarbeiter der„Demokratischen Zeitung", vr. JoscphLöwenthal, bezieht und trotz aller ihm zugehende» Berichtigungen seitens des vr. Joseph Löwenthal leinen Lesern die Wahrheit vorenthält, behauptend, der „Vvlksstaat" habe den Löwenthal gemeint, welcher sich in den Volks- Versammlungen herumireibt. Der„Neue" verschweigt aber absicht- lich, daß der„Bolksstaat" zur nähern Bezeichnung des Rcgicrungs- agentcn Eduaid Löwenthal denselben ausdrücklich als Redakteur der „StaatSbürgerzeitung" bezeichnet und»och verschiedene andere Merkmale angegeben hat, welche auf den vr. Joseph Löwenthal gar nicht passen. Und so lügt der„Neue" weiter! Ferner: Ueber eine am 7. Januar stattgehabte Tischler« er» sammln»g, in welcher Herr Blankenburg, eine« der ausgeschiedenen Strike-Kommissiousmitglieder, Anklage gegen die Strike- kommissioil vorbrachte wegen unrichtiger Buchführuiig ic., berichtete der„Neue" triumphirend, daß die Versammlirng gegen Herrn Blankenburg ein Mißtrauensvotum und für die Strikekommisfion ein Vertrauensvoluni ausgesprochen und weiter erklärt habe, daß „sie mit der Zeitschrift„Volksstaat" nichts zu thun habe." Wieso dem „Volksstaat" die Ehre einer besonder» Resolution zu Thcil wurde, ist uns nicht ergründlich; wie es scheint, wurden die im„Bolksstaat" ab- gedruckicn„ofjenen Briefe" nichrerer Holzarbeitervereine an das Ber> liner Strickekomitec(bezüglich der Verwendung der Strikegelder) in jener Versaiiimluiig zum Vortrag gebracht. Was jedoch dieVersamm- lung selbst anbetrisst, so finden wir in der„Demokratischen Zeitung" einen Bericht darüber, welcher von dem des„Neuen" fast durchgehends abweicht und dem wir Folgenden entnehmen: „Hr. Blankenburg als Neferent entwickelte in langer Rede ei» Bild über die gesammle Verwaltung der Tischlcr-Strikekasse. Er be- hauplcte: es seien Seitens der verwaltenden Beamten mehrfache Fälschungen vermittelst Radirungen je. in den Büchern vorgekommen: ferner seien Gelder aus der Kasse verausgabt worden, wozu die Belege stehlen n. je. Er(Redner) sei seinen Mandat- gebern gegenüber verpflichtet, dies hier zu konstatiren, und er nehme von all' den Anschuldigungen„keine Silbe" zurück. Redner verliest mehrere Briefe und Protokolle, womit er seilte Behauptungen zu be- weisen bemüht ist. Die Majorität der Versammlung folgste seinen Worten mit lebhaftestem Beifall.-� Hr. Sch u ltz pflichtete in allenPnnkten demVorredner bei.— Hr. S ch w e k e n d i e k suchte nun die Anschuldigungen der Vorredner zu widerlegen, verirrte sich statt dessen aber sehr bald auf das Gebiet p er s!önl icher Ang risse. In Folge dessen erhob sich ein 10 heftiger Lärm, daß uns der größte Theil seiner Rede unverständlich blieb. Wir bemerken hierbei, daß Hr. Schwekendiek Mitglied des„Allgemeinen deutschen Arbeiter-Ver- eins" ist. Die Herren Schmitz, Wienicke, Renz, Kirsten und noch viele andere Redner suchten nun ebenfalls die Anschuldigungen des Herrn Blankenburg zu widerlegen; einen wirklich en Ent- lastungsbeweis vSrmochten wir aber aus den Reden dieser *) Die„Arbeiter" oder„Volksparteiler"? ") Für die politische Weisheit oder Ehrlichkeit dieses„Parteiführers" pricht seine in jener Versainmlung gelhane Aeußerung gegen die (beiläufig, wie unseren Lesern bekannt, früher von ihm belonte) Nothwendigkeit einer internationalen Verbindung der Arbeiter. Nachdem nämlich Friedländer bedauert, daß die Vorredner fich zu so un- würdigen Schmähunzen gegen die Internationale Arbeiterassoziation herbeigelassen hätten, während sie doch einsehen sollten, daß gegen die internationale Polizei-, Militär- und Kapitalmacht die internationale Verbindung der Arbeiter geboten sei, replizine der„Parteiführer" Hasenklever— nach der„Demokratischen Zeitung"; der„Neue' hat es wohlweislich verschwiegen— Folgendes:„Es sei lächerlich wenn hier von einer internationalen Miliiärmachr gesprochen würde; die preußischeil Truppen sind vergangenes Jahr von dem sraiijösischen gewiß nicht mil Händedruck empfangen worden." Dabei hat setncr Zeit der Neue" so und so oft über die Schergendienste geschrieben, welche die Deutschen den Versaillern behufs Niederwerfung der Kommune geleistet haben, lim ihm den Lüzeniniind von vornherein zu stopfen, wollen wir wenigstens anführen, was er in seiner Nr. 33 vom vorige» Jahre im Artikel„Bürgerkrieg in Frankreich' über dieses Thema sagt, »nd was wir seinerzeit abdruckten: „Obgleich die Versailler durch den V-rrath in Paris mit fast 100,000 Mann eingedrungen waren, neigte sich in dm ersten Tagen des StraßenkampseS der Sieg vurchanS nlcht auf ihre Seite. Erst als durch neuen Verralh ihnen das nördliche Thor von St. Denis ausge- lieieri wurde nnd sie von hier aus den nur spärlich besetzten Mont- martre, die sesteüe Stellung der Sozialiste», besetzen konnte». DieS geschah in der Nacht vom 22. aus den 23. Mai, und bei dieser Ge- egcnheil gewährten die Befehlshaber der beut scheu Truppen zum erstens?) Male den Versailler» materielle Unterstützung. Preußische Gardepioniere mußten, wie wir direkt von diesen gehört h a d e n, bet St. Denis d i e« r ü ck e s ch l a g e il, auf welcher die B-rsailler die Seine überschreiten und das ihnen dwch Spione geöffnete Thor von St. Denis erreichen konnten. Zugleich begann d,e Absperrung von Paris durch die deutschen Truppen und ohne Gnade wurden alle Flüchtenden wieder nach Paris hineingetrieben." (Das Fragezeichen hinter dem Wort„ersteil" wurde beim Ab» druck von uns gesetzt, weil die Preußischen, iesp.„deutschen" Truppen chon vorher den Beisailleril notorisch Hülfe gewährt hatten.) So viel über die internationale Militärmacht. Die Interna- tionalität der Kapitalmacht läugnet der„Parteiführer" nicht. ES bleibt uns also nur noch übrig, ihn vonder Jnternationalität der Polizei- macht zu überzeugen: Aus Warschau wird der„Osisee-Zeitunz" gemeldet:„Thiers, der nie ei» Freund der Polen war, sucht sich aus ihre Kosten der russischen Regierung aus alle mögliche Weise gesällig zu erweisen. Er hat dein russischen'Bevollmächtigten in Versailles nicht nur ein vollstandtges Nilmensverzeichniß der bei der Pariser Revolution betheiligt gewesenen Polen nebst ihren photographischen Porträts überge- ben, sondern auch diejenigen im Königreiche Polen ansässigen Personen, welche Verb in dünge ii mit der Pariser Kommune hatten oder mtt ihr sumpathijirten, namhaft gemacht. In Folge dieser De- n unziation haben in Warschau in letzter Zeit mehrere Haus- such ungen und Verhaftungen stattgesunden." Herren nicht zu entnehmen. Eine Unmasse von beantragten Miß trauensvoten gegen Herrn Blankenburg, sowie insbesondere fort- währende Angrisse aus die„Internationale Arbeiter-Assoziation" je. bildeten die Würze dieser Diskussion.— Inzwischen war die anfänglich aus bereits 300 Personen bestehende Versammlung, die erst gegen 4 Uhr Nachmittags ihr Ende erreichte, auf noch kaum 50 Personen zusammengeschmolzen. Diese nahmen die erwähnten Mißtrauensvoten gegen Blankenburg') fast mit Einstimmigkeit an. Seiten? der letztge- nannten Redner wurde Herrn Blankenburgzilgestanden, daßwohl die Cladde einige Fälschungen enthalte, aber das Haupt- buch stimme.— Schließlich wurde eine Revisions-Kommisfion, aus 4 Personen bestehend, gewählt, mit dem Austrage: alle Bücher noch- mals auf's Genaueste zu revidiren, und alsdann in einer össentlichen, von Neuem ailzuberaumenden Tischlerversammlung Bericht zu erstatten." Und in einer anderen Nummer der„Demokratischen Zeitung" finden wir Folgende»: „In der Versammlung der Tischlergesellen welche am vorigen Sonntag, vormittags, im Lokale deS Berliner Handwerkersvereliis stattgefunden hat, war die Stimmung für die Herren Schmitz und Machatzky nicht günstig, was diese eben so irritirte, daß sie mit einem Theil ihrer Garde, darunter der Möbelpolierer Renz, der Bild- Hauer Kerstcn und der Cigarrcnarbeiter Winne, etwa 12 Mann hoch, in dem Lokale, Stallschreiberstraße Nr. 3, 1 Treppe hoch, nach vorher vorgenommener Relognoszirung, ihre Gegner Überfielen. Es kam zu einer sehr ernstlichen Rauferei, so daß Polizei re qu irirt werden mußte, um das HauSreäht des WirthS zu schützen. Nur der Letzteren verdankten es die betressenden Gäste, daß sie beim Verlassen des Lokals von den Friedensstörern, welche sich, mit Steine» bewass« Net, in den gegenüberliegiiiden Hausfluren aufgestellt hatten, nicht weiter behelligt wurden. Wir fühlen uns veranlaßt, hinzuzufügen, daß diese sich„Sozial-Demokraten" Nennenden durchaus nichts gemein haben mit den Anhängern deS Eisenacher Programms.", RegenSburg. In einer der neuern Nummeril des Hirsch'schen„Ge- werkvereins" wird der hiesige Fachberein der Schuhmacher als zum Hirsch-Dlinker'schen Verband gehörig bezeichnet. Dem gegenüber diene hiermit zur Kcnntniß, daß wir aus diesem Verbände längst ausge- schieden sind, auch unfern Austritt angezeigt haben. I. Hein dl, Vorstand. Würzbnrg, 11. Januar. Leider bin i» erst heute in der Lage, über die Borfälle i» der Schklrer'sch cn Cigarrensabrik hier Nach- ficht geben zu können. Die Arteier daselbst verlangten nämlich pro Mille 10 Kreuzer, eine Forderung, die bei dem heutigen Preise der Lebensbcdürsnisse nur zu berechtigt ist, sowie unentgeltliches Ausrippen uiid Zurichten des Tabacks, wofür sie wöchentlich zirka 27 Kr. aus ihrem eignen Beutel bezahlen mußten. Dieses eigeiithiünliche' AuS- beutuiigssystem besteht in keiner andern Fabrik, denn wahrhaftig, eS gibt doch wenige Fabrikherren, die den Arbeiter von seinem mühsam er» worbenen Wochenlohn auch noch das Zurichten des Materials bezahlen lassen. Aus dies Ansuchen hin wurden 35 Arbeiter sofort entlassen, darunter solche, die ihr ganzes Leben lang, über 30 und mehr Jahre, in der Schürer'scheu Fabrik gearbeiiet hatten. Herr Schürer äußerte darauf, unter den bisherigen Bedinziingcn könnten alle Gemaßregelten wieder ausgenommen werden; die Mitglieder des allgemeinen deutschen CigarrenarbeitervereinS aber sollten keinen Theil an den Unterstützungen aus der Krankenkasse mehr haben. In der That, eine Liebenswürdigkeit, die allen Begriffen von Humanität geradezu in'S Gesicht schlägt. Weil also die Arbeiter eine Aufbesserung ihres Lohnes verlangt, sollen sie im Falle der Erkrankung absichtlich hulslos gelassen und dem Elend überliefert werden. Eine Zeit, wo sich das Kapital mit seiner ganzen Anmaßung auf solche Weise breit machen kann, muß faul sein, und die sozialen Verhältnisse müssen sich durch ihre eigene Wucht au» allen Fugen reißen, wenn keine Abhilfe geschieht. Der etwa I8jährige Sohn de» Herrn Schürer erfrechte sich, zu den Arbeitern als von einer„Bande, die alle» ver- säuft," zu reden. Es ist bei solchen vorkominnissen immer sehr ärgerlich, wenn kaum den Kinderschuhen entwachsene, hoffnungsvolle Jung- linge ihre dem Kapitalprotzenthum abgelernte Weisheit zur Geltung bringen dürfe». Sehr ergötzlich ist, daß daS Gerücht verbreitet wurde nnd noch jetzt Glauben findet, Bebel selbst sei hier gewesen und hätte im Verein mit vlos, dem bisherigen Redakteur des hiesiigen „Journals" die Arbeiter dazu bewogen, die bewußten Forderungen zu stellen. 15 Arbeiter haben die Arbeit wieder ausgenommen; die andern setzen den Kampf gegen daS Kapital fort. Die meisten sind verhei- rathet; wir bitten'daher, dieselben zu unterstützen; sie sind gesonnen, auszuharren. Bnr Zuzng warnen Wir ctiivringllchst. Parteige- nosjen, helft im Kampfe sür die gemeinsame gute Sache! Da» Strikt Coinitee hat bereits einen Aufruf erlassen; wir schließen uns an und bitten, die eingehenden Gaben an Herrn Weckesser, Cizarrenmacher bei Herrn Maier nnd Comp. Wn rzburg, Sanderstraße, einzu» senden. Würzbnrg, 14. Januar. Die Strikenden in der Schürer'- schen Eigarrensabrik sind durch massenhaften Abfall gezwungen worden, die Arbeit tmler den bisherigen Bedingungen wieder aufzu- nehmen. Zehn Arbeiter sind davon ausgeschlossen und zwar sieben freiwillig; drei dagegen sind gemaßregelt worden und � zwar die Eigarrenarbeiter Widemann, Martin und Wurm, sämmtlich Familienväter. Es hat all-n Anschein, als ob Herr Schürer auch dafür gesorgt hätte, daß die- selben auch bei den andern hiesigen Fabrikherren keine Beschäfrigniig finden sollen; für diesen Fall wird um Unterstützungen für die- selben gebeten. Falls solche nöthig sind, wird dies noch zeitig im „Bollsitaat" veröffentlicht werden. Ich zweifle nicht, daß die Arbeiter überall ein Herz für Diejenigen haben, die der Macht des Kapitals und der Anmaßung des Protzenthums zum Opfer gefallen sind. ___ Wilhelm«los. ') nnd den„Vvlksstaat" R. d. V._ Quittuug des Chemnitzer Strike-Komitees. Erballen von Had'ich ans Leipzig(durch Bebel) ,ür die Gemäß- regelten 4 Thlr 9 Ngr. und durch Bartholdi aus Mitweida 11 Thlr, 5 Pf. In der erste» Abrechnung im„VulkSftaat" sind 2 Thlr 10 Gr. aus Pausa durch Ernst Dienegatt Hasse IN quittire» vergessen worden, wofür UNI Entschiilviguug gebcliii wirv. Mit bestem Dank an Alle. I. Aä: August Teucher. Zur Beachtung. Herrn KühperS in München-Gladbach ersuche ich, mir seine genaue Adresse»»tzutheilen; ebenso diejenigen Parteigenosse« von Rhein- iand und Westphaten, welche mit mir in Betreff der Agitation in Ver- bindung zu treten wünschen. Elberfeld.__ Richard Schmelzer Arrenberg Nr. 35. Für den 17. sächsischen Wahlbezirk. Dle Parteigenossen in«'»WeuKiii-« ersuche ich für Sonn- abend, den 20., in Thnnu für Sonntag, den 21. Nach- mittags 3 Uhr und in»tu-«!,» st. Jakob für Sonntag, de» 21. Abends 8 Uhr«ollsversammluugen einzube- rufe». Tagesordnung: Pertchterstattnng über den Reichstag. Bebel. Iozialdemvkratlfcher Arbeiterverein. Freitag, den 19. Jan. Abends 3 Uhr: Versammlung im Saale der„goldenen Säge"(Restaurant Viktoria.!— Tageiordung: 1) Sozialpolitischer Wochenbericht(Ref. Muth.)— 2) Fragekasten. — Anfnahme neuer Mitglieder., Gäste sind willkommen. Diejenigen Mitglieder, welche mit den MonatSbeiträgen im Rück- stände sind, werden dringend ersucht, ihre Pflichten zu erfüllen. Der Borstand. Herren- und Damenhemden, Unterbeinkleider, Frauen beider fertigt prompt und billig ui»d hält sich zu geehrten Au ägen empfohlen Eleonore Aink, Kleidermacherin, Hohe Straße Nr. 4. Leipzig: Berantw. Redacteur A. Hepa er(Redaclionu. Expedition.! Hohestr. 4) Druck u. Verlag»on F.Thiele.