6* Sonnabend, den 30* Januar. 1872 Erscheint Wöchentlich 2 mal in Leipzts. Besteluiigen nehmen alle Postanstalten nnd vuchhand- lungen des In- und Aus- landes an. Ftr Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, Petersstraße 18, A.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 nial in Leipzig. AbonnementSpreis: Ute Preußm iucl. Stempel- steuer 1!> Nzr�, für die librigen derttfchen Staaten 12'Jlgr. per Quartal. Filialerpedition für die Ber- einigten Staaten: F. A. Surge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der soziai-demokratlsche» Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenojsenschasten. Bon verschiedenen Seiten her gehen uns Be- ichwerdcn über nachlässige Beförderung des„Volks- staat" durch die Postbehördeu zn. Theilweise sind die Umstände derart, datz wir an böse Absicht zu Stauben gezwungen sind. Aus Meerane(Sachsen) hreibt man uns B.: Ich muß mich einmal an Sie wenden, um wenigstens � Zu erfahren, an wem die Schuld liegt; das letzte Vierteljahr bin ich sehr schlecht»on hiesiger Post bedient worden; ich bc-! komme meinen„Volksstaat" bald zu sp�it, bald gar nicht., Im letzten Vierteljahr fehlten mir 3 Nummern, und auch im neuen Quartal fehlt wieder Nummer 3; diese ist wahr- scheinlich verschwunden wegen des Meeraner Fabrikanten- Spiegels. E« heißt allemal auf hiesiger Post, ich bekäme das Blatt nach, Sic hätten zuwenig geschickt. Tin- und zweimal läßt man sich's w»ht gefallen; aber so ist es mir doch zu arg geworden, ich habe immer noch mchrcremale nachträglich rekla- Wirt, allein ich erhielt allemal die kurze Antwort:„Es ist kein„VolkSstaat" da für Sie". Nun, was läßt sich da weitermachen? Fllrchtezott Naumann, Anncnstraße 1097, Meerane. Wir werden die hentigc Nummer unseres Blattes der Generalpostdirektion in Berlin zusenden, damit sie den betreffenden Postbeamten zur Rede stellt und zur Erfüllung seiner Psticht anhält. Dasselbe werden wir mit allen derartigen Beschwerden thun. Die Schuld der mangelhaften Aushändigung des Blattes liegt niemals an unserer Expedition, und kann nicht an ihr liegen, weil sie blosi die von der Leipziger Post, bei der alle Postbestellnugeu zusammenlaufen, verlangten Exemplare zu liefern hat, nud es Sache der einzelnen Postbehörden ist, die von Leipzig er- haltenen Exemplare den lokalen Abonnenten zu- kommen zu lassen. Wenn Postbehörden die Schuld schlechter Beförderung anf unsere Expedition schiebe«, so ist dies schon au sich ein Beweis bösen Willens, denn jedem Postbeamten mutz bekannt sein, das; dies bei der Organisation des Postwcsens eine Numög- lichkcit ist. Wir bitten unsere Parteigenossen aller Orten, den lokalen Postbehördeu scharf auf die Finger zu seh», und uns von jeder Unregelmäßigkeit sofort in Uenutuiß zu setzen. Parteigenossen! Mit dem 1. Januar begann ein neues Abonnement auf den„Voltsstaat". Obgleich wir mit den bisherigen Resulta- ten zufrieden sein können, so muß doch mehr für das Partei- organ geschehen. Wir fordern Euch daher auf, kräftigst für dasselbe einzutreten und für seine w ei teste'Verbreitung �Sorge zu tragen. In keiner Fabrik, in keiner Werkstatt, wo Sozial- Demokraten arbeiten, in keiner Hütte, wo Sozial-Demokraten wohnen, darf Euer Parteiorgan fehlen. Die Bourgeoisie be- kämpft uns durch ihre Presse, die Regierungen durch ihre Be- amten,— zeigen wir, daß alle Verfolgungen, weit entfernt, Uns mürbe zu machen, nur unfern Muth und unfern Eifer für die gerechte Sache der Arbeiterklasse erhöhen. Das Parteiorgan ist die Waffe, womit Ihr falschen Wahn zerstört, Vorurtheile beseitigt, Angriffe und Verläumdungen zurückweist. und am wirk- samsten für die Verbreitung der sozial-demokratischen Prinzi- pien kämpft. Thue also Jeder, was er kann zu dessen Unter- stützung. Die Redaktion und Erpedition des„Votksstaat". Anzdie Filial-Expeditionen. Unter Hinweis auf K 5 des Reglements ersuchen wir die Filial-Expeditioucn, die Reste der Abonne- Mentsgelder vom IV. Quartal 1871 bis spätestens den 23. d. M. au die Expedition hier einzusenden; eine längere Gestuuduug ist unmöglich. Aufforderungen von Seiten der Filialen an ihre Abon- »enten wegen pünktlicher Zahlung wird die Expedition, sobald sie ihr zugesandt werden, jederzeit im„VolkSstaat" veröffentlichen. Leipzig, den 18. Januar 1t572. Die Verwaltvngs-Kommission. An die Parteigenossen. Seit unserer letzten Bekanntmachung in No. 93 des „Volksstaat" vom 18. Novbr. sind von nachgenannten Orte» als Vertrauensmänner angemeldet, für: Oberlungwilz: F. M. Kluge. Waldheim: Carl Grnue- wald. Ronsdorf: Gustav v. d. Heyden. Nürnberg: M. Scischab. Mannheim: Frau; Pfeiffer. Apolda: E. A. Rcichelt. Döbeln: Hcinr. Wolke. Wittgeus- dorf: Franz Penkcrt. Ernstthal: E.Bohne. Kirchhain: Jean Korell. Hamburg den 15. Januar 1872. jjl Der Ausschuß. Th. Ljorck. An die Parteigenossen in Hervorn. Durch die Verurtheilung unserer Mitglieder in Herborn find besonders Schupp und Schmidt, ersterer als Familien- Vater, letzterer durch längere Haft arg geschädigt. Es ist dringend nothwendig, daß diese beiden treuen Mitglieder unserer Partei und Vorkämpfer für Eure Interessen von Euch thatkräftig unter- stützt werden, damit dieselben nach überstandener Haft in der- selben Weise wie vorher eintreten können in den Kampf gegen die Feinde der Arbeiter, die, gestützt auf ein reaktionäres Ver- einSgesetz, Euch zu Boden geschmettert wähnen. Parteigenossen Herborn's, laßt Eure Borkämpfer nicht im Stich! Und Ihr Parteigenossen andererwärts gedenkt auch Ihr Eurer Pflicht! Hamburg, den 15. Januar 1872. Th. rsl o i ck. Politische Ucbersicht. Eine schlagende Widerlegung der Bourgeois-Lügen vom FiaSko, das die Internationale in Amerika gemacht haben sollte, bildet die Debatte, welche soeben im Vereinigten- Staaten-Kongreß über die soziale Frage stattgefunden'hat. Den Anlaß gab folgende Motion(Antrag), gestellt von dem Ausschuß für öffentlichen Unterricht und für Arbeit: „Der Präsident wird auf den Rath und mit der Zustim- mung des Senats einen Ausschuß von drei Personen ernennen, welcher, wenn seine Arbeiten nicht in einem kürzerem Zeiträume beendigt werden, zwei Jahre lang in Thätigkeit bleibt. Dieser Ausschuß wird die zwischen dem Kapitalisten und Arbeiter vorliegende Lohn- und Arbeitsfrage, und zugleich die Lage der arbeitenden Klasse unter der dreifachen Hinsicht der gesellschaft- lichen Verhältnisse, des Unterrichts und der Gesundheit zu prüfen haben. Er wird bestiinmen, in welchem Maaße dieselben durch die den Handel, die Finanzen und die Zirkulation des Landes regelnden Besetze berührt werden." H. Hoar, der Vorsitzende des betr. Ausschusses unter- stützte den Antrag in einer längeren Rede, von der uns nach- stehendes Resultat vorliegt: „Es ist allbekannt, daß in allen Theilcn unseres Landes und der zivilisirten Welt ein großer Aufschrei der Unzufriedenheit seitens der arbeitenden Klassen sich erhoben hat. Angesichts dieser Reklamation besteht die erste Pflicht des Besetz- gebers darin, eine vollständige, genaue und regelmäßige Unter- suchung der Thätsachen zu bewirken.. Die Arbeiterpartei (lab cmr party) in einem Staate empfahl vergangenen Sommer das Einbringen eines Gesetzvorschlages, wie der von mir ein- gebrachte, und obschon sie politisch der republikanischen Partei entgegengesetzt ist, hat sie doch ihre Anerkennung und ihre Hoch- achtung bezüglich dieser Partei ausgedrückt wegen derAufmcrk- samkeit» welche dieselbe diesem wichtigen Gegenstand gewidmet hat. Die große Internationale Arbeiterassoziation mit einer Organisation, welche sich über ganz Europa ausdehnt und ihre mächtige Stimme überall hat erschallen lassen, hat gleichfalls den Kongreß um eine spezielle Maßregel, ähnlich der von un» vorgeschlagenen, ersucht. Ich erachte mich nicht berechtigt, über die interessante geschichtliche Frage bezüglich der Kommune eine Meinung kundzugeben. Wir kennen bloß eine einzige Seite von der traurigen Geschichte der vorigen Sommer in Paris vorgefallenen Ereignisse. Aber soviel steht doch ganz fest, daß eine Sache auf dem Spiel stand, und ein Ziel im Auge gehalten wurde, welche bewirkten, daß die Arbeiterklasse von Paris, daß junge Männer nnd junge Frauen in der Blüthe ihres Alters, die nicht ausschließlich zu den unwissenden oder unterdrückten Massen, sondern auch zu den Leuten von Bildung, Familie und sogar Vermögen gehörten, dem Tode entgegengingen ohne zu zittern und mit einem so heiteren Antlitz wie das eines Neuvermählten ist, der seinen Hochzeitsschmaus abhält. Ich glaube nicht, daß eine Sache, welche einen solchen Heldenmuth einzuflößen vermocht hat, nicht überall, wo sie diskutirt wird, die Beachtung der Amerikaner auf sich zu lenken vermag. Der Internationale Bund der europäischen und amerikanischen Ar- bcitcr hat die Hochachtung Aller verdient, weil er regelmäßige Beziehungen hergestellt und die Prinzipjen der Bruderschaft anerkannt hat, welche unter d"'. Menschen aller Nationen aus ihren Prodnktions-Bcdingungen stammen, denn diese Bruder- schaftS-Prinzipicn sind mächtiger, als die aus gemeinsamer Ratio- nalität oder auS dem Bande, welches den Untcrthan und Souverän uinschlingt, herrührenden Zuneigungen. Amerika ist weit davon entfernt, sich gegenüber solchen Bestrebungen undankbar zu bezeigen. Als in der düsteren Zeit unseres Bür- gerkrieges die herrschenden Klassen Englands froh gewesen fem würden, hätten sie sich mit dem Kaiser der Franzosen vereinigen können, um die südliche Föderation anzuerkennen, wurden sie hieran nur verhindert durch die bedrohlichen Pro- teste der Arbeiter Lancashire's, welche der englischen Regierung zuriefen:„Viel lieber, bei Weiteill lieber sind nnS die Arbeiter der amerikanischen Nordstaaren: unsere Gefühle und Interessen ziehen uns zu denselben viel mehr hin als zu der englischen Aristo- tratie; wir haben zwar bisher Mancherlei erduldet, aber das werden wir nicht zugeben, daß ihr die Macht und die Hülfs- quellen Englands gegen eine Sache verwendet, in der die Ar- beiter Amerikas betheiligt sind."— Ich habe hier vor mir die allgemeinen Bestimmungen und die vergangenen September gefaßten Beschlüsse der Internationalen Arbeiterassoziation. Unter den gefaßten Beschlüssen erblicke ich den formulirten Wunsch, daß in allen Ländern, wo der Verein existirt, eine vollständige amtliche Untersuchung angestellt werden, und daß man nament- lich in den Vereinigten Staaten mit aller Macht dahin streben möge, daß jene Thatsackcn, welche die von mir eingebrachte Bill erwähnt, zusammengestellt und konstatirt werden mögen." Zu Nutz und Frommen der deutschen Staatsanwälte, di hoffentlich nicht in Ohnmacht fallen, sei bemerkt, daß Hr. Hoar während längerer Zeit Attorney General, d. h. nach deutscher Titulatur Justizminister und Oberstaatsanwalt der Vereinigten Staaten gewesen ist. Der Antrag fand allseitige Unterstützung, u. A. auch seitens des Vorsitzenden deS Finanzausschusses Mr. Daves. Mr. Kelly von Philadelphia sagte in der Debatte: „Gerade weil England nicht eine ähnliche Maßregel votirt hat, ist sein nationales Ansehen abgeschwächt, ist es von einer Revolution bedroht. Aus dem gleichen Grunde ist die kaiser- liche Regierung in Frankreich gestürzt, aus gleichem Grunde haben wir die Brandfackel der Kommune sich entzünden sehen. Wegen der beharrlichen Weigerung der Behörden, sich mit dieser Frage zu beschäftigen, wird die Jugend Deutschlands und Europa's gegen Kirche und Thron aufständisch. Die parlamantarischen Untersuchungen in England haben festgestellt, daß in diesem Lande der größte Theil der Arbeiterklasse in jedem Jahre einer genügenden und hinreichenden gesunden Nahrung entbehrt. Unsere Regierung darf nicht dulden, daß bei uns in irgend einem Theile deS Landes die Arbeiterbevölkerung in den trau- rigen Zustand der englischen, französischen, österreichischen und belgischen Arbeiter verfällt. Der Kongreß ist befugt, sich die Gewißheit zu verschaffen, daß Diejenigen, die mit ihrer Arbeit und Einsicht dw Bergwerke graben und unsere Kohlengruben ausbeuten, unsere Mineralien in Metalle, in nützliche und kunstvolle Gegenstände verwandeln, die Schafe scheeren, die Wolle waschen, selbige spinnen und weben, in Unwissenheit leben und in Elend sterben." Der Antrag wurde fast einstimmig angenommen, und der Ausschuß auf ein Jahr gewählt, mit einem Gehalt von 5000 Dollars für jedes der 3 Mitglieder. Nach Erledigung dieser Angelegenheit faßte das Haus mit allen gegen eine Stimme den Beschluß,„den für die Freiheit und d as Selfgvvernment gefallenen Opfern der Kommune von Paris seine Sympathie auszudrücken." So denkt von der sozialen Frage die Volksvertretung der großen amerikanischen Republik, die zu gleicher Zeit der freieste und mächtigste Staat der Welt ist. Man vergleiche damit die privilegirte Beschränktheit des Vcrsailler und, des Berliner Jun- kerpartaments!— Bei der Berathung in der Sächsischen Zweiten Kammer über Punkt 2 der Gemeindereform—„G cmeindcm itglied- s cha ft, besonders Bürgerrecht in Städten— ergriff auch einer der Abgeordneten der Stadt Leipzig, Schul- direkror Dr. Panitz, das Amt und äußerte Folgendes:„Er wolle zwar die Fortschritte, die der Entwurf bringe, gern al» solche anerkennen und annehmen, sich aber auch dagegen stem- men, daß in einem so wesentlichen Punkte, wie hier, geradezu ein Rückschritt geschehe. Seither sei das Bürgerrecht in den Städten au keinen Census gebunden gewesen, die kleinen Ge- werbetreibenden erlangten es ohneRückstcht auf die direkte Staats- steuer. Der hier vorgeschlagene Unterschied zwischen 3 und 1 Thaler Steuer verfehle seinen eigentlichen Zweck; denn gerade Die, welche in der niedrigen Klasse an der Gemeinde- Verwaltung ein Interesse nehmen, würden von ihrem Rechte Gebrauch. machen, um ihre Stimmen in die Waagschale zu werfen, während die andere Seite, die gutmüthjge, von den Wahlen fern bleiben werde. Man müsse hier gleichmäßig verfahren. In Leipzig würde der vorgeschlagene Census Fol- gendes bewirken: 1870 gab es dort 39,137 Gewerb- und Personalsteuerpflichtige. Von diesen würden nach dem CenfuS überhaupt nur gegen 12,000 das Bürgerrecht erwerben dürfen, 27,000 aber wären ausgeschlossen. Berechtigt und zugleich ver- pflichtet würben aber gar nur 6500 Personen sein. Wenn nun zwar auch unter jenen 39,000 Personen gegen 6 bis 7000 weibliche Personen und zwar in der niedrigsten Steuerklasse inbegriffen wären, so würde eS sich immer doch so heraus- stellen, daß bei 1 Thaler Census immer nur die Hälfte der Steuerpflichiigen stimmberechtigt zu den Gemeindcwahlen sein würde. Das schösse theils ühcr das Ziel hinaus, theils daran vorbei, denn man schlösse auch solche Elemente auS, die man nicht ausschließen wolle, die im guten Sinne wirken könnten: die kleinen Gewerbtreibenden. In Leipzig würde die Folge ungefähr die sein, daß man 3620 kleine Gewerbtreibend» vom Bürgerrecht ausschlösse und 3700 GewerbSgehülfen zum Bürger- recht zuzöge. Zu solchen Beschränkungen könne sich Redner nicht verstehen. Auch die liberale Seite bekämpfe ein« gewisse Partei, aber sie habe eine andere Meinung in Betreff der Kampfmittel. Weder polizeiliche Maßregelungen, noch Ver- küinmerung öffentlicher Rechte, noch der Ausschluß dieser Klassen von der Geineindeverwaltung sei ein gutes Kampfmittel. Wenn die Spannung im Dampfkessel zu groß werde, solle man nicht noch E e ntn e r g ew» chte auf das Ventil legen, sondern das Ventil öffnen. Gestatte man dieser Klasse in gesetzinäßigcr Weise die Theilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten, so leite man sie auf den Weg, wo sie sehen, daß Besserung nicht durch Umstürzen, sondern nur durch allmäligcn Fortschritt möglich ist. Wenn sie in die Corporationen der öffentlichen Verwaltung eintreten, so kommen sie bald zu anderen Ansichten. Habe in einigen Städten Sachsens Fortsetzung auf Seite 4. Die Jnauguraladrefse vou Karl Marx anläßlich der Gründung der Jnternalionalen Arbeiterassoziation 1864 (Schluß.) Nach dem Fehlschlagen der Revolutionen von 1848 wur- den auf dem Continent alle Parteiorganisationen und Partei- journale der arbeitenden Klassen durch die e'serne Hand der Gewalt zermalmt, die vorgeschrittensten Söhne der Arbeit flohen in Verzweiflung nach der transatlantischen Republik, und die kurzlebigen Träume von Emanzipation der Arbeiter- klaffe zerrannen in einer Epoche fieberhafter Jndustriethätig- keit, sittlicher Versumpftheit und politischer Reaction. Die Niederlage der arbeitenden Klassen auf dem Continent verbrei- tete bald ihre ansteckende Wirkung auf die andere Seite des Kanals. Während Die totale Niederlage ihrer contineutalen Brüder ihre eigene Sache brach, gab sie den Grundbesitzern und Kapitalisten die einigermaßen erschütterte Zuversicht wieder. Uebcrmüthig zogen dieselben Zugeständniffe zurück, welche bereits angekündigt waren. Die Entdeckung neuer Goldländer führte zu einem großartigen Auszug, der in den Reihen des britischen Proletariats eine unersetzbare Lücke zurückließ. Andere, früher thalkräftige Mitglieder des Proletariats, wurden durch temporäre Bestechung von Mehrarbeit und Lohnerhöhung weggeschnappt und in Gutgesinnte umgewandelt. Alle Anstrengungen, die Charlisteu-Bewegung aufrecht zu erhalten oder umzugestalten, schlugen ganz unzweideutig fehl, die Preßorgane der Arbeiter starben eines nach dem andern an der Theilnahmlosigkeit der Masse», und in der That, niemals vordem schien die englische Arbeiterklasse so ganz und gar mit dem Zustande ihrer politi- schen Nichlexistcnz ausgesöhnt. Wenn damals zwischen den englischen und den contineutalen Arbeiterklassen auch keine Ge- meinschaft der Aktion stattgefunden chatte, so doch, auf alle Fälle, eine Gemeinschaft der Niederlage. Und dennoch war diese Periode nicht ohne entschädigende Charaktcrzüge. Wir wollen hier nur auf zwei große Thatsachen aufmerksam machen. Nach einem dreißigjährigen, mit der bewundernswerthesten Ausdauer gcfochtencn Kampfe setzten die englischen Arbeiter- klaffen dadurch, daß sie eine flüchtige Spaltung zwischen der Aristokratie des Grundbesitzes und der des Geldes benützten, die Zchnstundenbill durch. Die bedeutenden physischen, moralischen und inlellectuellen Vortheile, die hieraus den Fabrikarbeitern erwuchsen und in den halbjährlichen Berichten'der Fabrikin- speklorcn chronologisch verzeichnet werden, sind jetzt allseitig anerkannt. Die meisten contineutalen Regierungen sahen sich genöthigt, die engliscke Fabrikordnung in mehr oder minder be- schränkter Form einzuführen, und das britische Parlament selbst ist von Jahr zu Jahr gezwungen, den Wirkungskreis dieses Gesetzes auszudehnen. Und nicht bloS von praktischer Bedeutung war der wunderbare Erfolg dieser Arbeitsmaßregel. Die britische Bourgeoisie halte durch ihre berüchtigsten Organe unter den Männern der Wissenschaft, wie z. B. durch l)r. Ure, Professor Senior und andere Weise dieses Schlages, prophezeit und zu ihrer Herzenszufriedenheil bewiesen, jede gesetzliche Be- schränkung der Arbeitszeit müsse die Todtenglocke der britischen Industrie läuten, welche vampyrartig nur davon leben könne, Blut zu saugen, vor Allem Kinderblut. In alten Zeiten war Kindermord ein geheimnißvoller Ritus des Moloch-Kultus, und wurde nur bei sehr feierlichen Gelegenheiten, vielleicht einmal jährlich vollzogen, und dabei hatte Moloch keinen ausschlicßlrchen Hang für die Kinder der Armen. Dieser Kampf für die ge- setzliche Arbeitszeit wllthete um so heftiger, als er nicht blos ein Schrecken für die Habsucht war, sondern auch ein direkter Eingriff in den großen Kämpf zwischen der blinden Regel der Gesetze von Angebot und Nachfrage, welche die politische Oeko- nomie der Bourgeoisie ausmachen, und der durch soziale Fürsorge geregelten sozialen Produktion, dem Inbegriff der politi- scheu Oekonomie der Arbeiterklasse. Und deshalb war die Zehnstundenbill nicht bloS ein großer praktischer Erfolg, sie war der Sieg eines Princips: zum ersten Mal am hellen, lichten Tag unterlag die politische Oekonomie der Bourgeoisie der politischen Oekonomie der Arbeiterklasse. Doch der politischen Oekonomie der Arbeit stand ein noch größerer Sieg über die politische Oekonomie des Besitzes bevor. Wir sprechen von der Cooperativbewegung, insbesondere von den auf dem Princip der Cooperation beruhenden, durch wenige unverzagte, wenn auch ununterstützte„Hände"�) ins Leben gerufc- neu Fabriken. Der Werth dieser großen sozialen Experimente kann nicht hoft) genug veranschlagt werden. Durch die That, statt der Gründe, haben sie bewiesen, daß Produktion in großem Maßstab und in Uebereinstimmung mit den Geboten inoderuer Wissenschaft stattfinden kann ohne die Existenz einer Klasse von Arbeitgebern, die einer Klasse von Arbeitnehmern zu thnn giebt; daß die Arbeitsmittel, um Früchte zu tragen, nicht als ein Werkzeug der Herrschaft über und der Ausbeutung gegen den Arbeitenden selbst monopolisirt zu werden brauchen; und daß Lohnarbeit, wie Sklavenarbeit, wie Leibeigenschaft, nur eine vorübergehende und untergeordnete Form ist, die, dem Un- tergange geweiht, verschwinden muß vor der associirten Arbeit, welche ihre schwere Aufgabe mit williger Hand, leichtem Sinn und fröhlichem Herzen erfüllt. In England ivar der Same des Cooperationssystems durch Robert Owen gesäet worden; die gleichartigen Experimente der Arbeiter auf dem Continent waren thatsächlich das praktische Resultat dieser im Jahre 1848 zwar nicht erfundenen, aber laut verkündigten Theorieen. Die Erfahrungen der Periode von 1848 bis 1864 haben über allen Zweifel festgestellt, daß Cooperativarbeit, wie ausge- zeichnet im Prinzip und wie nützlich in der Praxis sie auch immer sein möge, so lange sie auf den engen Kreis gelegent- licher Versuche einzelner Arbeiter beschränkt bleibt, niemals iin Stande sein wird, das Wachslhum des Mvnopols in geometri- scher Progression aufzuhalten, die Massen zu befreien, oder auch nur die Wucht ihres Elends merklich zu erleichtern. Vielleicht haben grade aus diesem Grunde Aristokraten von anscheinend edler Denkungsart, philanthropische Schönredner der Bourgeoisie und selbst gcschäftskluge Nationalökonomen ganz urplötzlich mit widerlichen Complimenten eben dem Cooperativarbeitsystem ge- huldigt, welches sie vergebens im Keim zu ersticken gesucht, welches sie als das Utopien des Träumers verhöhnt oder als Verruchtheit des Sozialisten gebrandmarkt hatten. *) In England ist's Sprachgebrauch, die Arbeiter als„Hände" zu bezeichnen, während Schafe und Ochse« nach„Köpfen" gezählt Um die gewerbthätigen Massen zu retten, muß die Cooperativarbeit zu nationalen Dimensionen entwickelt und,'folgerichtig, durch Staatsmittel gefördert werden. Dagegen aber werden die Herren des Grundbesitzes und des Kapitals stets ihre politischen Privilegien zur Vertheidigung und Verewigung ihrer ökonomischen Mono- pole aufbieten. Weit entfernt davon, der Einanzipation der Arbeit Vorschub zu leisten, werden sie fortfahren, ihr jedes nur mögliche Hinderniß in den Weg zu legen. Erinnert Euch des Hohnes, mit welchem Lord Palmerfton in der letzten Par- lamentssession die Fürsprecher des Gesetzentwurfs über die Rechte irländischer Pächter zu Boden schmetterte. Das Haus der Ge- meinen, rief er aus, ist ein Haus von Grundbesitzern. DeS- halb ist es die große Pflicht der arbeitenden Klassen, politische Macht zu erobern. Sie scheinen dies begriffen zu haben, denn in England, Deutschland, Italien und Frankreich hat ein gleich- zeitiges Wiederaufleben stattgefuuden, und ein gleichzeitiges Streben nach einer politischen Reorganisation der Arbeiter- parte!. Ein Element des Erfolges besitzen sie— Zahlen; aber Zahlen wiegen nur dann schwer in der Wage, wenn sie durch ein Bündniß vereinigt und einem bewußten Ziel entgegenge- führt werden. Die Erfahrung der Vergangenheit hat gelehrt, daß Mißachtung des Bandes der Brüderlichkeit, welches zwischen den Arbeitern der verschiedenen Länder bestehen und sie anspor- neu sollte, in allen ihren Kämpfen für Emanzipation fest bei einander zu stehen, sich durch eine allgemeine Vereitelung ihrer unzusammenhängenden Anstrengungen bestraft. Diese Erwägung veranlaßtc die Arbeiter verschiedener Länder, welche sich am L8. September 1864 zu einem öffentlichen Meeting in St. Martin's Hall versammelt hatten, die internationale Arbeiter- assoziation zu gründen. Noch eine andere Ueberzeugung beherrschte dies Meeting. Wenn die Emanzipation der arbeitenden Klassen deren gegenseitigen brüderlichen Beistand erfordert, wie können sie diese große Mission erfüllen, wenn die auswärtige Politik der Regierungen strafbare Pläne verfolgt, nationale Vorurtheile in Bewegung setzt, und in Raubzügen das Blut und den«chatz des Volkes vergeudet? Nicht die Weisheit der herrschenden Klassen, sondern der heldenmüthige Widerstand der arbeitenden Klassen von England war es, was den Westen von Europa verhinderte, sich über Hals und Kopf in einen infamen Kreuz- zug für die Verewigung und Fortpflanzung der Sklaverei auf dem jenseitigen Ufer des atlantischen Oceans zu stürzen. Der schamlose Beifall, die nur scheinbare Sympathie oder der be- schränkte Glcichmuth, mit welchem die oberen Klassen Europa's die Bergfestung des Kaukasus Rußland zur Beute fallen und das heldenmüthige Polen durch Rußland haben vernichten sehen, die unwiderstandenen Uebergriffe dieser barbarischen Macht, deren Haupt in St. Petersburg, deren Hände in allen Kabinetten Europa's sind, haben den arbeitenden Klassen die Psiicht ge- lehrt, sich selbst der Mysterien der internationalen Staatskunst zu bemeistern, die diplomatischen Streiche ihrer Regierungen zu überwachen, ihnen nöthigenfalls mit aller ihnen zu Gebot stehenden Macht entgegenzuarbeiten, und, wenn außer Stande, den Streich zu verhindern, sich zu gleichzeitiger öffentlicher An- klage zu verbinden und die einfachen Gesetze der Moral und des Rechts zu proklamiren, welche ebenso wohl die Beziehungen Einzelner regeln, als auch die obersten Gesetze des Verkehrs der Nationen sein sollten. Der Kampf für solch eine auswärtige Politik bildet einen Theil des allgemeinen Kampfes für die Emanzipation der arbei- tenden Klassen. Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! Vi« iutcrnatiottalcr Fabrikatttctt-Buttd. Die„Chemnitzer freie Presse" ist in die Lage gesetzt, die Grundzüge einer neu zu bildende» Fabrikanten- Coalition auf internationaler Grundlage mitzutheileu. Wir entnehmen diesem Statutenentwurf nur die wichtigsten Paragraphen: s 1. Der„Allgemeine Judilstrie-Verbaud" ist eine Institution welche den Zweck verfolgt, sowohl den Staat wie die Gesellschaft in dem Widerstand gegen sozialistische Tendenzen und Machinationen zu unterstütze», die Beziehungen zwischen Industriellen und Arbeiter» im Jntercffe der Erstmn zu erleichtern und die arbeitende Klasse selbst durch materielle(ArbeitSentziehung?) wie moralische l Korrum- pirmig'O Einwirkung vor der Verleitung durch sozialistische Agitationen zu bewahren.—§ 2. Die Form der Jnstiiutio» be- ruht auf der Verbindung Deutscher Industriellen mit der geschäftssüh- renden Zentral-Kouimifston des Instituts. Dieselbe hat von ihrem Iihe aus die gestimmte Leitung der Geschäfte wahrzunehmen. Z 4. Die Wirksamkeit des Instituts stützt sich in ihren wesentlichsten Theilen auf einen sorgfältig gegliederten, über ganz Deutsch- land uud darüber hinaus verbreiteten Organisinus von Beamten und Agenten, mit deren Hilfe die Zeutral-Kommissiou das ihr noth- wendige Material zur Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten gewinnt, und andererseits die ihr wünfcheilSwertheu Maßregeln und Einwirkungen ausführen läßt.—§ 6. Der Zential-Kommission zur Seite steht ein Aufsich lsrath, bestcheud aus fünf Mitgliedern, dieselben werden aus der Zahl der namhaftesteil Industrielle» als Vertrauensmänner sänimt licher dem Verbände beigelretenen Industriellen gewählt, und haben jämmtliche im Artikel 225 des Allgemeinen Deutscheu Haudclsgeseh- buches, im Artikel 225n des Bundesgesetzbuches vom 41. Jiiui 1876 und in diesem Statut bezeichneten Rechte uud Pflichten.—§ 9. Für eintretende Arbeitseinstcllungt» im größeren Uinfauge hält die Zentral-Koin.nisfiou stets eine nmfasscnSc Menge disponibler Arbeitskräfte vorgemerkt, und stellt den betrofsenc» Industrie- eilen auf deren Verlangen sofort Sic iivthige Anzahl znr Vcr- sügung. um eine Geschäftsstockung zu vermeiden.— Jz 11. Die in Folge einer solchen An zeige uölttig werdeude Korrespondenz wird bis zur erfolgten Bereitstellüiig der Arbeiter telegraph isch gesührt. —§ 12. Die Bereitst-tlung erfokgt entweder durch direkteZuführung der Arbeiter an de« Ort' der Arbeitseinstellililg, oder durch sosvrtigc Nachweisuug derselben au den durch die Arbeilseiustelluiig betroffenen Industriellen.— 8 15. Die Zentral-Kommission giebt jedem vou ihr beförderten Transport von Arbeitern eine» Begleiter(!) mit, welcher sämmtlicye Kotten einschließlich derjeiiigeii für die Verpflegung der beförderten Arbeiter zu bestreiten beauftragt und außerdem in allen seinen dienstliche» Maßnahmen an bestimmte Instruktionen gebunden ist.— S 17. Die Institution hat das Interesse dahin zu wirken, daß die von den Arbeitern gehegte Absicht zur Einstellung der Arbeit, bevor der Ansang mit deren Aussührung gemacht ist, möglichst vereitelt werde. — g. 18. Die Eeutral-Kommissiou läßt sich deshalb von ihren Or- ganen genauen, aus dem unmittelbaren Verkehr mit den Arbeitern geschöpften Bericht in dieser Beziehung erstatten und auf zuverlässigem Wege Kunde von den Plänen und Beschlüssen der sür die jozia- listische Arbeiterbewegung maßgebenden Oberen(!) verschaffen. g. Ä). Die Eentral-Kommisfion liefert den Industriellen serner aus dem ihr bereitstehenden, ganz Deutschland, nebst den angrenzenden Ländern umfassenden Material jede auch für den normalen Geschäfts- betrieb wünichenöwerthe Ausknnst bezüglich des Geschäfts- und ArbeitSPcrsonalS g. 26. Die Industriellen sind im gegenseitige� Interesse ersucht, alle wegen vorzngsweiser guter Eigenschaften zu cm-, pfehlenden Mitglnder ihres Geschästs- und ArbcitspersonalS, ebenso wie alle mit besonderem Tadel zu belegenden Glieder desselben der Eentral-Kommission namhnst zu machen, welche über beide Kate- goricen geordnete Register führt. 8- 27. Mit Hülfe dieser Register und ihres Organismus sorgt die Eentral-Kommission für die weiteste Verbreitung dieser empfehtenden oder warnenden Zeugnisse.— g. 30. Beziiglich ihrer Einwirkung auf die arbeiten- den Klassen theilt sich die' Thätigkeit der Eentral-Kommission je nach den in dieser Richtung angewandten materiellen oder mora- tischen Akiiteln nach zwei Seiten hin.— g. 31. Die Eentral-Kommisfion errichtet aus den ihr disponiblen Mitteln einen Unterstütz- ungs-Fond für Arbeiter, für welche eine von den übrigen Kassen- geschästen des Instituts gesonderte Verwaltung geführt wird.— 34. Die Unterstützung wird grundsätzlich nur denjenigen Arbeitern gewährt, welche sich in den Schranken der gesetzlichen Ordnung(knechtischer Unterwürfigkeit) geHallen und allen sozialdemokratischen Einflüffe« fern geblieben sind. Nur in ausnaymsive is en Fällen wird die auf ein zukünflig es Fernbleiben von diesen Einflüssen gerichtete Zu- sicherung des Arbeiters als Aequioalent für besten nicht tadelfrcie Vergangenseit angesehen.— g. 35. Die Agenten des Instituts find gehalten, diese Grundsätze- unter den Arbeitern ihres Distrikts zu möglichst ausgedehnter Kennt niß zu bringen und bei Anwendung derselben ihrerseits mit der genauesten Prüfung persönlicher Verhältnisse und strenger Gewissenhaftigkeit zu Werke zu gehen.—§.33. Zum Zwecke wirksamer moralischer Einwirkung ans die arbeitende Klaffe läßt die Eentral-Kommission d.s Jnstiliits wöchentlich ein Blatt erscheinen, welches ausschließlich für die Arbeiter bestimm! ist und diesen ans einem noch näher zu be- zeichnenden Wege unentgeltlich geliefert wird.— g. 39. Dies Wochenblatt hat die Aufgabe,»eben anderweitig belehrendem(?) und unter- haltendem(?!) Lesestoff insbesondere eine Besprechung derjenigen Fragen zu bringen, welche die soziale Stellung des Arbeiters berühren, und von deren Beantwortung es hauptsächlich abhängt, welche Partei dem- selben als die seinem Interesse(!!?) dienlichste erscheint.— g. 40. Diese Fragen werden in dem Wochenbtattc in faßlichster(verlogenster) Form n»d im Tone vernunstgemäßer(??) Prüfung, im Sinne der gesetzlichen Ordnung(Polizeiwirthschaft) und unter motivirtcr War- itung vor den trügerische»(!) Vorspiegelungen(!!) der Gcg- »er beantwortet('.!!>»nd gelöst.(!!!!)(Schluß folgt.) Wir glauben, daß es nicht möglich wäre, die Nothwendig- keit der internationalen Verbindung der Arbeiter drastischer zu beweisen, als es diese internationale Nichtarbeiterassvziation gethan hat. Aus Amerika. Philadelphia, 20. Dez. 1871. Ich nehme hiermit Gelegenheit, unsern Deutschen Mit- kämpfcrn etwas über die hiesige Arbeiterbewegung mitzutheilen. Obgleich wir auch noch nicht lange in unserer neuen Heimath verweilen und mit den hiesigen Verhältnissen noch nicht so genau vertraut sind, so ist Lins aber doch so viel zur Gewißheit ge- worden, daß Amerika trotz der freien Republik noch lange nicht auf dem Standpunkte steht, wie es die heiligen Rechte der Menschheit erfordern. Wir hielten es daher für unsere erste und dringendste Pflicht, auch hier mit der Internationalen Ar- beiterbewegung vorzugehen. Nachdem voriges Frühjahr mehrere deutsche Gesinnungs- genossen theils ivegen der politischen und sozialen Misere, theils wegen der Parteimaßregelungen Deutschland verlassen, um sich hier eine neue Heimath zu suchen, so inachten sie es sich zur Aufgabe, einen Verein auf internationalem Programm zu gründen, was auch am 1. Oktober in Erfüllung ging; durch das schnelle Steigen der Mitgliederzahl sahen ivir uns veranlaßt (nachdem wir zuvor in den hiesigen Lokalblättern schon mehr- mals ans den Verein hingedeutet hatten), durch eine Massenvcr- sammlung in die Oesfenttichkeit zu treten. Wir beriefen daher auf de» 25 November eine solche ein, in der C. Carl aus New- Bork als Referent anwesend war. Das Thema war:„Die ökonomische Entwicklung der Gesellschaft als Haupterklärungs- grnnd der Arbeiterbewegung." Ebenso wurde die internationale Arbeiterbewegung gründlich erläutert. Die Versammlung war zahlreich besucht und wurde noch am selbigen Abend ein zweiter internationaler Verein in der Mitte der Stadt gegründet(da die Stadt so groß und alles so weitläufig ist), welcher auch schon eine beträchtliche Mitglicdcrzahl hat; gleichzeitig agitirtm mehrere Mitglieder von uns, welche schon längere Jahre hier find, und niit der englischen Sprache vertraut sind, unter den irischen, amerikanischen und französischen Arbeitern, und hatte auch das besten Erfolg, indem sich bereits ei» internationaler Verein in englischer, soivie einer in französischer Sprache gc- gründet hat, so daß nun in Philadelphia 4 Sektionen der Jnter- nationalen Arbeiterassoziation bestehen: 2 Deutsche, 1 Englische und 1 Französische. Wir glauben, daß unsre Brüder, welche mitkämpfen an dm großen Werk der Befreiung, mit diesen Resultat zufrieden sein können, und werden es uns auch serner zur Pflicht machen, immer vorwärts zu schreiten und die Avantgarde zu bilden, in- dem ivir hier schon Vieles haben, was in Deutschland erst vcr- langt wird; ebenso werden wir uns bemühe», sobald das Ge- schäft etwas besser geht,(da es jetzt sehr faul damit ist) Eure Gemaßregclten zu unterstützen. Noch will ich bemerke», daß an der Gründung eines Par- teiorgans für die Vereinigten Staaten eifrig gearbeitet wird, was für die hiesige Bewegung von großem Nutzen sein wird. Unsere Arbeiterbewegung hat hier schon wesentliche Bedeutung erlangt. In Amerika besteht vollständige Versammlungs,- Rede- und Preßfreiheit, es giebt überhaupt gar kein Gesetz über die Presse und Vereine. Man kann sich versammeln, wie es Einem be- I liebt, ohne es anzumelden, und ohne unter einer Oberaufsicht von einer Brigade Gensdarmen und Polizisten zu stehen; würde sich einer der Letzteren in Versammlungen erblicken lassen, so müßte er es sich gefallen lassen, wenn er sanft oder auch un- sanft an die Lust gesetzt würde. Und trotzdem sieht die aine-, rikanischc Konstitution fester als alle Monarchenstaaten in Europa. Natürlich beuten auch hier die Kapitalisten die Arbeiter für ihre Zwecke aus; aber es giebt hier keine Maß-( regelungen, gegen uns von Seiten des Staats, sondern nur von Seiten der Arbeitgeber. Doch nur Geduld, ihr Herren. Wir werden bald andre Saiten aufziehen, denn unsre Langmuth ist zu Ende. Sozialistischen Brudcrgrnß an alle Parteigenossen von den Sektionen der Internationalen Arbeiterassoziation zn Phila- delphia! Louis Kröb er, Sekretär der Sektion 25. Zuschriften find zu richten an Franz Malcch, Nr. 2214 Hope Street. Nord-Philadelphia. Pa. Aabrikinspcktorcn in Sachse«. In Sachsen hat die Regierung dem Landtage«ine Ver- ordnung, die Aufsicht über die Dampfkessel betr., zugehen lassen. Am Schlüsse derselben beantragt sie: „die Stände wollen ihr Einverständniß damit erklären, daß 1) die Zahl der Dampfkesselrevisionsbezirke zunächst auf vier vermehrt, 2; bei Anstellung der Revisoren das bisherige Prinzip der Behandlung des Revisionsgeschäftcs als Nebengeschäft thunlichst verlassen und danach die Stellung der zu diesem Ge- schäftc zu wählenden maschinenbaukundigen Techniker gemessen werde, 3) daß man den Versuch mache, die Dampfkesselrevisions- beamten zugleich als Aufsichtsbeamte(Fabrikinfpektoren) 'n Bestimmungen der Gewerbeordnung wegen Beschäftigung von Kindern in den Fabriken und zum Schutze der Arbeiter gegen Gefahren für Gesundheit und das n Kampfe gegen die der Kapitalisten aufgefordert iverden, b« seiner bildlichen Sprache eine doppelte Deutung zu- wßt� sowohl die, daß in demselben die Arbeiter zu einem wirk- uchen Kampfe, also zu Gewaltthätigkeitcn gegen die besitzenden ! Klassen der Bevölkerung, als auch diejenige, wonach sie nur ! einem gemeinsamen, innerhalb der gesetzlichen Schranken 'ich haltenden, daher friedlichen Vorgehen zur Verbesserung chrer Lage angefeuert werden, inithin, da es im Artikel selbst vn einem weiteren Anhalte gebricht, bei dem bestimmten Leug- ven des Angeklagten die letztere, demselben günstige Den- ivng, zumal die politischen und sozialen Verhältnisse eine gegen- 1'heilige Annahme mit zwingender Nothwendigkcit nicht nahe ikgen, gerechtfertigt erscheint— eine Auffassung, welche ja über- dem bereits durch das allgemein bekannte, weitere Ver- halten des Angeklagten, namentlich durch seine während I ber am hiesigen Orte stattgehabten Arbeitsein- st�llung in öffentlichen Betannmachungen an die �vbeiter gerichteten Mahnungen zur Ruhe nud Ordnung ihre Bestätigung gefunden— nach alledem vber es nicht ausreichend geboten erschien, den inkriminirten �vtjM unter die Strafbestimmung in tz. 130 des Reichssiraf- Gesetzbuches zu stellen. So ist der Angeklagte hinsichtlich des ! beigemessenen Vergehens wider die öffentliche Ordnung gemäß Art. 302, Abs. 2 der rcvidirten Strafprozeß-Ordnung 'Ras frei zu sprechen und sind die durch die hierauf gerichteten . rörterungen entstandenen Kosten als eine Last der Gerichts- varkeit aus Staatsmitteln zu übertragen." . Leipzig. Ui jere Gegner. Die Leipziger KaenevalS-Ge- ihAl schuft vexuisiattet jetzt ihre„Nairen-Abende"(ipsiWimu verba*)). den bei dies er, Gelegenheit gesungenen Spott-Liedern spielen natttr- 'w auch die Sozialdemokraie» eine große Nolle. Wir sagen„natür- *) eigenster AuSbruck der Betrefsenden. lich"'; denn was ist von solchen Flächköpfenj, welchen die Wasse des Geistes eine terra incognita*) ist, Anderes zu erwarten, als schale Bummelwitze, von denen man 150 für einen Dreier bekommt? Nicht etwa, als ob man gegen den Spott solcher Leute übklhaupt empfindlich sei» könnte; im Gegeniheil, wir meinen, selbst die lressends-e�und bercchtigste Satire verliert ihre Spipe� sobald sie von so aniüchigcr Seite losgelassen wird. Hier handelt es sich jedoch um einen Fall, der ivcit über die Grenzen des Spottes hinausgeht, der— statt idic etwaigen Schwächen des gehaßten und gesürchteten Gegners zu geißeln in unwürdigster Weise die Justiz irreleilen und mißbrauchen will. In einem beim"vorletzten„Narrenabend"" gesungenen Licde befindet sich nämlich fol- gende Strophe: „Unsre Svzialdemokralcn, Bebel, Liebknecht, Hepner— ach! Sind vor's Schwurgericht gerathen: Loh» folgt ihren Thaten nach v tort aus Chemnitz ward gewiesen�), ürger Most, weil ihm zu wohl, Und dort jelbsten wollte schießen"*) Bürger Linke Terzerol.(sie!) „Lohn folgt ihren Thaten nach."" Es wird damit die Aussicht auf die Be rur theilung dcr Aiigeklagtcn als eine sichere und un- t tu gliche hingestellt und aus die Geschworiien, welche, wenws Glück gut ist, lheilweise der Carnevalsgesellschaft angehören können, eine Pression ausgeübt, indem man sie von vorn herein mit dem Ge- danken vertraut macht:„Ihr müßt veruriheile»; denn wir, die Car- nevalsgesellschaft, verlangen ei."— Und das schimpft nud spottet über die„demoralisirten"" Franzosen, welchen„alle Rcchtsbegrisse ab- Händen gekommen'" seien.— Wir werden abwarten, ob die Behörde es wagen wird, uns einen Geschworiien aus den Reihen jener Narren- brüder, welche sich uuläugbar durch jenes Lied als parteiisch gele»»- zeichnet haben, gegenüberzustellen.— Schließlich mögen auch noch folgende zwei Strophen des gedachten Liedes zeigen, weß Geisteskindcr unsere Gegner sind: „Beust verlor seine Portefeuille Und begab auf Rciscii sich, :,: Machte da Visiten, welche Schienen ganz absonderlich!:,: Da schrieb Andrassy: Mein Lieber, Visitiren ist nichts Nutz, :,: Äoiiiin doch'mal von London'ruber, Daß ich Dir die Nase putz'. Schrei nur immerhin nach Rache, Große Narrennation, P) :,: Und im Schrein und Schinipfeu mache Noch manch' hübsche Ratio».:,: Doch bewahr dir deine Race: Mac Mahvn, Leboeuf, Lazaine. :,: Nochmals kriegt die faule Blase Keile hastcnichgcsch» Dieses„Narrcnlieb" geht der mildernben Umstände, die man bei Beurtheilung deffelben ihm augedcihen zu lassen versucht sein könnte wegen des scherzhaften Anlasses, dem es sein Entslehen verdankt, verlustig, wenn man in Erwägung zieht, daß auch bei ernsten Ge- legenheiie» die Leipziger Bourgeoisie mit poetischen Erzeugnissen an die Oessentlichkeik tritt, die um kein Haar bdsser sind. So hat der aus Rath und Stadtverordnelen(unter dem Prästdium des Oberbürgetnieisters Koch) bestehende Festausschuß für den am 2. Nov. 1871 stattgehabten Truppeneinzug in Leipzig von 6 Ge- sangvereinm ein MassengcsangSlied ans dem Markte vortragen lassen, das für die Kulturstufe der Leipziger haute volöe höchst charakteristisch ist. Das Gedicht heißt:„Das deusche Schwert"— der Verfasser ist leider auf dem uns vorliegenden offiziellen Festprogramm nicht genannt — und beginnt also: „Die schönste Waffe, die es giebt, Die Waffe die der Deutsche liebt, Es ist das deutsche Schwert." Und weiter: „Nicht führt es um Thraiinensold Der Deutsche, nicht aus Gier nach Gold, Nicht weil er muß als Knecht; Er führt es zu dcr Seinen Schutz, Für Vaterland und Recht." „Nicht aus Gier nach Gold."— Sieht es nicht beinahe so ans, als ob diese gar nicht hierher gehörende Rechtfertigung auf die 5 Milliar- den gemünzt sei, oder die ohne Requisition entnommenen Werthgegen- stände." Schlägt dem„Dichter" etwa das Gewissen, daß cr sich in diese wie eine Selbstanklagc erscheinende Vcrtheidignng verrennt? Und ist nicht der Vers:„nicht weil er inust als Knecht" noch ver- rätherischer? Und nun der Schluß: „O schirme du, mein deutsches Schwert Uns immer Ehre, Haus und Hcerd Und färb' Sich oft noch roth'. Wildfreudig schwingt dick, unsre Faust, Wildsreudig stürzt, von dir um saust, Der Deutsche i» den Tod:" Konnlen zu.Ehreii des Moloch und Vitzlipntzli blutgierigere und fügen wir hinzu stupidiere Lieder gesungen werden als dieses von der„gcbilde- ten" Bourgeoisie erzeugte? Und Das will die„Civilis ation" gepachtet haben! Cleve d. 27. Dzbr. 1871. Ein„Agitator." Ich war seit 1843 schon mit Lassalle persönlich bekannt, gehörte dann später dem von ihm gegründeten Allgemeinen dentschen Arbeitervereine an, und glaubte auch nach Lassalles'Tode, daß durch den Verein die von Lassallc ge- schasse»? Bewegung weiter gefördert würde.— Vergangnen Sommer hatte ich einen Arbeiter in meinem Ge- schäft nöchig, und wollte gern eineil gleichgesinnteil Mann um mich Haben, um gleichzeitig auch mit seiner Hülse in meiner Gegend die Bewegung zu fordern; jeder Sozialdemokrat thut dies doch gern, wo ihm nur immer Gelegenheit dazu geboten wird. Ich ivendete mich zu diesem Zweck an den derzeitigen Präsidenten des Allgemeine» deui- schen Arbeitervereins, Herrn Has enklev cr, mit der Bitte, mir, wenn möglich, einen wackern Parteigenossen als Arbeiter zu schicken. Ich bekam zur Antwort, daß ein solcher in der Person de« Herrn Arm- borst gern meinem Wunsche nachkommen möchte, jedoch durch die Agitation sei seine materielle Lage derart, daß es ihm an dem nöthi- gen Reisegeld fehle. Ich schill.e daraufhin 15 Thlr. nach'Berli» ein, doch statt des Erwarteten kam in einigen Tagen ein Brief, daß er noch„verhindert" sei, zu kommen, insem er noch Schulde» im Betrage von 15 Thlr zu bezahlen habe; so schickte ich noch 15 Thlr. und in einigen Tage» war Armborst da. Daß seine Kleidung sehr reduzirl war, befremdete mich nicht, besonders, da man ja weist, in welche Lage ein Mensch kommen kann, der lange Zeil arbeitslos ist. Doch aus Geschäftsrücksichten einestheils, und weil ich gewohnt war, in dein Parteigenossen nur den Bruder zu sehen, ging ich sofort mit ihm zu meinem Schneider, um ihm möglichst bald einen neuen An- zug(beiläustg im Werlhe von 25 Thlr.) zu verschaffen. Ich gab ihm freie Station, und hinlänglich Geld, um sich anständig zu bewegen, ohne zu frage», ob die mir geleistete Arbeit im Verhältniß damit *) ein unbekanntes Land. **) rein erfunden.•**) unwahr. t) Wie ans dem Folgenden hervorgeht, sind die Franzosen damit gemeint. Das.wunderte uns nicht, doch wurden wir äußerst angenehm überrascht, als wir im„Tageblatt" vom l6. Januar eine, vom Vorstand der Karilevalgesellschast an da« Publikum gerichtete „poetische" Einladunq zum zweiten„Narrenabend" lasen, welch:— nach der Melodie der„Wacht am Rhein"— mit folgendem Refrain schloß: „Lieb Narrenvolk kannst ruhig sein: Sechs Mail— da fällt noch Mancher rein!" Sechs Mark(2 Thaler) kostet nämlich das Billet für einen „Narrenabend".... So hirnlos ist diese Klique, dag fie selbst das, was sie als ihr Heiligthum preist, das„patriotische Gefühl", dem spotte preisgiebt durch jene Parodie der„Wacht am Rhein!""Was kann man von Leuten halten, welche so wenig Achtung vor sich selbst haben, daß sie an der Setbstverspoltung ein Vergnügen finden? Können solche Menschen überhaupt noch die Achtung Anderer bcansprnchen? stand, da mir hauptsächlich daran lag, im Geschäft einen zu ver- lässigen Mann zu haben, der, wenn ich einige beabsichtigte Reisen unternahm, dasselbe versah. Um mich vor dem Verdacht zu bewahren, daß ich ihm Unrecht thue, sei bemerkt, daß er mir wöchentlich 3-4 Paar Danienstiesel(das Paar g» t dezahlt mit 15—17'/, Gr.) fertigte.— Ich trat dann eine Reise an; doch wie groß war mein Schreck, als meine Frau mir schrieb, daß Herr Armborst einige Tage nach meiner Abreise nicht nur Morgens 11 Uhr erst aufgestanden, spazieren gegangen, und überhaupt nickir nur nicht gearbeitet, sondern auch wiederholt ii» Actrunknei» Zustande spät nach Mitternacht nach Hause gckoiiimeu sei, durch heftigen Lärm und Verunreinigung des Zimmers und der Kleider ihr überdieß"noch große Unannehmlich- leiten bereitet Hobe! Ich war sehr unangenehm berührt, sagte mir aber, daß jeder Mensch sich einmal zu Fehlern hinreißen lassen kann; doch ein zweiter Brief folgte bald a» mich mit der Ausforderung, »ach Hause zu kommen, da Herr Armborst diese Lebensweise fortsetzte, überdies den neuen Anzug bereits verpfändet habe, und man nicht weitere Folgen absehen könnte. Ich beeilte mich, nach Hause zu kommen; doch waren bis dahin 8 Wochen vergangen, daß er überhaupt bei mir war. Als ich ihn wegen seines Verhaltens zur Rede stellte, war er frech genug, mir in'S Gesicht zu sagen, daß er eine Forderung von 64 Thlr. an mich habe! Ich härte ihn als„Werkführer" kommen lassen(was keineswegs der Fall ist) und er beanspruche wöchentlich 8 Thlr. und gingen von dieser Forderung nur per Woche 2 Thlr. für Kost und Logis zurück; von den 25 Thlr! Reisegeld und den 25 Thlr. für den Anzug kein Wort erwähnend. Da ich diese For- derung ignorirte— ich habe ja ohnehin mindestens einen Schaden von 65 Thlr. durch ihn, abgesehen noch davon, daß, was ich leider nicht ve, schweigen kann, verschiedene Gegenstände in meiner Abwesen- hcit abhanden gekommen sind,— so verklagte er mich auf 15 Thlr., die ich ihm nach seiner Angabe noch zur Rückreise»ach Berlin schuldete.— Wen» ich nach all' dem Borgegangenen, auf's Höchste empört, ihn mit Hülfe der Polizei ans dem Hause, bringen ließ, so wird dies wohl Niemand zu hart von mir finden.— Herr Armborst ist schon seit Jahren vom Allgemeinen deutschen Arbeiterverein als Agitator gebraucht worden; daß man leichtsinnig bei der Wahl von Personen,"die man hinausschickt, um die große Idee Lasjalles zu verbreiten, sein könne, war mir undentbar, daher auchj mein großes Verlrauen zu Armdorst; um so unerklär- lichcr ist mir, daß mir'Herr Hasenklevcr diesen Menschen zuschicken konnte, denn ich weiß jetzt ganz bestiprint, daß er ihn ganz spe- z iel l kennt, und wenn sich Herr Armborst jetzt brüstet,„er brauche nicht zu arbeiten, er verdiene sein Geld mit Agitiren", ist es dann nicht leider zu wahr, daß, wie ich schon oben gesagt, der- artige Leute der Bewegung schädlicher sind als unsre' größten Feinde? Und um dem entgegen zu treten, hielt ich es für ineine Pflicht, dicS der Oesientlichleit zu übergeben. Heinrich Korbacher. Schuhmacher. Lffenbach. Noch ein„Agitator". Es dürfie für unsre Par- teigenofsen nicht»ninteressant sein, zu erfahren, wie eS Borstaiidsmit- glieder des Allgemeinen dentschen Albettervereins für pur finden, ans Kosten Anderer den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Es ist dieses nämlich der berüchtigte Herr Stürz, der, mit Wolf und Häuser verhaftet, dann allein entiassen, in der Voruntersuchiilig beim hiesigen Assessor erklärte, lvcnii er seiner Haft ciiilasseii würde, so wolle er sich von y>!„lassalle' icheii Umirieben"(respektive„Jntri'guen") Z n rückziehen uudsänmilliches i» Händen habende Material beseitigen. Es ist dies eine jener Perjöiilichkeiien, die bei jeder Gelegenheit gegen die sozial-dcmokratischc Partei den Namen Lasalle's und seiner Prin- ziplen als Waffe benutzen; selbst Denjenigeii, dcr nicht mit daraus ge- legter Hand einen Schwur geleistet für ihre Organisatioii, einen„Ver- räther an der Arbeitcrsache" nennen. Daß Obiges auf Wahrheit bc- ruht, dafür köilnen wir als Geivahrsinaiiu Herr» Müller vonBiber, doriigkii Bevollmächtigtendes Allgemeinen deutschen Arbeiierveieins an- führen, in dessen(tzegeulvnrt die Aussage des obengenannte» Stürz beim Anwalt Köhler tu Darmftadt verlese» wurde. Wenn wir auch sonst von ähnlichen Leuten gewöhnt waren,„Ver- räther an der Arbeitersache" geiiaiint zu werden, so war es doch eine Ueberraschnilg für uns, jetzt zu hören, wie diese Leute ihr Prinzip und somit sich selbst verleugneten. Es läßt sich daraus die Zuluiijt der Arbeiterbewegung unter solchem Vorstände fast mit Bestiiiiintheit vor- aussagen.— Wilh. Kölsch. Aus Frankfurt an der Oder gehl uns vom Vorstand der frei- religiösen Gemeinde eine Denkschrift zu, enthalteird eine„offene Anklage gegen den ehemaligen P r e d! g e r der christlichen(deulschkatho- lischen) Gcineinde zu Frankfurt a. O. und Guben, Herrn Carl AugustDem ilt!>, gegenwärtig evangelischerPastor znGörls- darf iiiid Diedersdorf beiSeetow in N.-M.„wegen widcrrecht- licher Aneigiiling uiid Verwerthuna von Gemeindegur der freireligiöseil, früher genannt christliche(denlschkatholische) Gemeinde zu Frankiurt a. O., bestchend in Gemeindehaus, Gemeinde- bibliothek, Armenkasse uiid Jnventarium." In der Anklage heißt es:„Der Prediger C. A. Demuth, in den Jahren J847 bis 1351 Sprecher der christ.ichen(deutjchkatholischen) Gemeinde zu Frankfurt a. O., schte sich nach vollzogenem Berta- gungsbeschluß im Jahre 1851 in. den Besitz fast sammtlichen Ge- nr indeguts qn. Gemeinde, verlieh nach kürzerer Zeit dieselbe, indem er von Frankfurt a. O. verzog, nachdem er schon vorher das Jnven» tariu», der Gemeinde theüweiS veräußert, ohne im rechtschaffenen Besitz qu. Sachen zu sein und ohne eine Vollmachl von der Gemeinde dazu hinter sich zu haben. „Damit»och nicht gesättigt, ließ er durch seinen Herrn Schwager, den Sladtralh Renß Hierselbst, das der Gemeinde gehörige, ans seinen Namen geschriebene Geuieindehaus— veräußern uiid zog die Kanfgelder ein." Die freireligiöse Gemeinde— so wird dailii weiter in der Denk- schrift erzählt— halte keine Korporationsrechte, konnte also nicht llag- bar werben; güitichc V-rhaiidliiiigen mit dem Herrn Pastor blieben fruchtlos. Aiii Schlüsse heißt es: „Noch sei erwähnt, daß Herr C A. Demuth am Bertagungstage, als iiian seiii Interesse und seine Aufrichtigkeit für die Gemeinde in Zwcifet zog, begeistert seinen Gemeiiidetindern zurief: „Ich würde mir eher diesen Arm(er hob ihn empor) abhauen lassen und mein Haupt auf den Block legen, als daß ich unserer heiligen Sache untreu würde, der ich bis dato gedient." „Trotz dieser Betheueriing ist Herr C. A. Demuth zur luiheri- s ch e n Landeskirche übergetreten nild hat dadurch bewiesen, daß er an diesem Tage nur mit seiner Gemeinde Komödie spielte, um schneller in den Besitz des Vermögens seiner Geineinve zu ge- langen. „Um dieses Komödienspiel des Herrn E. A. Demuth noch mehr klar zu legen, sei ferner hier verzeichnet, daß C. A. Demuth sich einen Revers, wozu Stimmen gesammelt würben, von Gemeindemit- gliedern ausstellen ließ, wodurch er den Titularbesitz des Gemeuide- Hauses bekaiii.g ,,zs 71 des danialigen bindenden Gemeindestatnt s< sagt aber aus- drücklich: über Geuieiiidegnt kann die Gemeinde nur durch Gemeinde- beschluß in ihrer Totalität verfügen, und brach E. A. Demuth al» erster Wächter der Gemeinde selbst die Statute» und noch dazu zu seinem eigenen Bortheil. „Für CaA. Demuth war der Revers jedoch die augenblickliche Brücke, wodurch es ihm möglich wurde, sich ivenigstenS in den zeitweiligen Besitz des Gemeindehauses zu setzen. Für die Gemeinde hatte es aber die böse Folge, daß ein Haus, welches bestimmt war, HuinanitätSgesühl zu veipstanzen, ihr verloren ging." DaS Aktenstück schließt:„E, A. Demuth! wir unterzeichnete Ge- meindesjllagen Dich daherhiermit öffentlich an: Deiner Gemeinde hierorts gegen Dein Gelöbniß untren gewor- den zu sein und Dich in den widerrechtlicheil Besitz und Rieß- brauch fast sänimtlichen GemeindegutS hierselbst gesetzt zu Hab il. � „Wir fordern hiermit öffcnilich Staatsgerechtigkeit. „Frankfurt a. O., den 13. November 1871. Die freireligiöse Gemetiide zu granlsnrt a. O., vertreten durch den unterjchiiebeiien Borstand und das Aelrestenrolleginm. I. Kreisch mer. I. Grieuitz. A. Fest. C. A. Naumann. A. Schuudt. W. Schröder. Gerhardt. C. Soinnierlade. I. Mcnschner. E. Müller. P. Tamm." Aortsetzuug von Seite 4. die sozialdemokratische Partei das Uebergewicht in den Gemeinde- Vertretungen gewonnen namentlich die Sozialdemokraten nicht theilcn. Jm Canton Zürich herrscht die Sozialdemokratie bis in die höchsten Spitzen der Verwaltung hinauf; Eigenthum und Leben sei da nicht in Gefahr gekommen. Man sehe also manchmal die Sache etwas zu gespenstisch an." Wo- zu die Redaktion deS Leipziger Tageblatts(Organ des Stadt- ralhs und des Bezirksgenchrs und Exspeichelleckerin des Ex- kaisers Napoleon) folgende verlognen Bemerkungen macht: „Was seiner Zeit, bei Gelegenheit des frevelhasten lleberfalles französischer Gefangenen aus friedlich versammelte Deutsche, über- einstimmend über die Haltung der Züricher Behörden micgetheilt wurde, widerspricht in hohem Graoc der vorstehenden Behauptung." Die gerichtlichen �Verhandlungen haben aber bekanntlich erwiesen, daß die Sozialdemokraten an der Störung des deutschen Sieges- festes keinerlei betheiligt waren llebrigens ist eS nicht richtig, daß im Canton Zürich die Sozialdemokratie herrsche; dagegen ist das Proletariat zu w:e- verholten Malen im Besitz der Staatsmacht gewesen(nach der Februarrevolution, unter der Kommune), und hat bei allen diesen Gelegenheiten seine Gegner mit einer Humanität behandelt, welche dieselben schlecht verdient hatten. Die Äeußerungen des Herrn Panitz betreffs der Sozialdeinokratie begrüßen wir als am Zeichen, daß die blinde Furcht vor dem„rolyen Ge- spenst" unter einem Theil des gebildeten Bürgerthums einer ruhigeren Betrachtung der Dinge Platz zu macheu beginnt. Das Märchen vom Petroleum. Aus Bremen voin 11. Januar berichtet die(halbossiziöse)„Weser Zeitung"': „Heute Vonnitlag wurden in Gegenwart einer Äuzahl.�euerver- ficherungZagenten, der P o tizeikonun ij s a re Heuer und Mütter sowie der-vranddiretloren Schumann und VeüUow, von Hrn. Ä. Kornaus seinem Fadrikelabtisjement Versuche mit rohem rasstnirtem Petroleum angestellt, welch« den Zweck halten, die mehr oder minder große Em- psangtichkeil der genannten Slvssc sürFeu er, ihr Verhalten im brennende» Zuganoc und im Vergleich zu andern ätherischen Octen sowie schließlich in Bezug aus die größere oder geringere Schwierigkeit des dabei zu beobachtenden Löschverfayrens zu prüseii. Zu diesem Zwecke wurde zuvöidern in einer osseneii eisernen Psanne roye s amerikanisches Petroleum nach und nach bis auf eine Temperatur von R. erhitzt. Es zeigte sich hierbei, daß dasselbe bei üö— R. anfing, Gase zu entwickeln, bei 30" ßt. zu kochen begann und schließlich stch bei 73" A. entzündete. Es hatte nur wenig Schwierigkeit, die brennende Masse durch einen k. ästigen Spritzenfirahl binnen einer verhältnißmäßig lurz.nt Zeit zu dämpfen.— Rasfinirles Petroleum, in gleicher Weise be- Handel!, entwickelte bei 31»" 3t Gase, warf bei 43° 3t. Blasen auf und fiisg, bis auf 89" 3i. erhitzt, Feuer, Es war auch hier nicht schwer, die Glut unter dem Ginflusse des Spritzenstrahls mit verhältnißmäßig geringeni Zeitaufwand« zu beseitigen. Biet hartnäckiger erwiei sich in dieser Bezteyung da« nunmehr zurPrüfung gelangende T e rpenlinöl Dasselbe verslüchtigte sich schon bei 150"t)i., kochte sehr bald darauf und entzüudrle sich, al« die Temperatur kauni aus 99" 3t. gestiegen war. Ganz enorm war dabei die Menge der erzeugten Gase, weiche in Form von dicken kohlenstofshatligen Dämpfen entwichen und sich an den Stichslammeu de» Brennmaterials»ut Leichtigkeit entzündeten. Dem Spritzenftrahle setzte das brennende Terpentinöl den lebhaftesten Widerstand entgegen und gelang es nur na» bemerkenswerth langer Entwickelung defselden, die Glui zu dämpfen.— Nach diesen voröe� reitenden Erperunenten wurden größere Mengen der genannte» Siosse, und zwar 199 Pfd. von jedem, in einem sotio gearbeitete» Fasse aas eiueil brennenden Holziloß getegt und dabei folgende» Nejultal erzielt: Da» mit rohem»»lerikanilchcin Pectroleum gefüllre Faß war dem Feuer 9b Minuten taug ausgesetzt, ehe der Loden desielben nach gab und da» Qel sich in Flammen ergoß. Während dieser Zeit wurde das Faß dreimal in verschiedenen Zwlschenräuiuen der Glut entrissen und ohne die geringst« Mll.ie mit Wasser abgelöscht. Eine Erplusio» fa»0 dnbci nicht statt. Das Qel floß virlmehr ruhig uitd gleichmäßig anS dein durchaus durchgebrannten Fasse in da» darunter liegende Brennmaterial uuo konnte die ganze Qua»- tilät mit der fünf- bis sechsfachen Menge Wasser ohne besondere Mühe gelöscht werden. In ganz ähnlicher Weise verhielt sich das g ereiulg te Petroleum, nur zeigte sich bei ihm abermals eine größere Intensität der Glut und lebhaftere Verbrennung. Ungleich bedeiilender aber al» beim(rohen sowol als rafstuirten) Petroleum war d>r Brenukraft, welche das zum Schluß der Versuche angezündete Faß mit 100 Pfd. Terpcuti nöl entwickelte. Der dabei erzengte Qualm stieg in die dicken Wolken haushoch. und oerstiljkirte nicht nur weil- hin die Luft, sondern brannie auch mit großer Leichtigkeit weiter. Zum Bewältigen des starken Widerstand leistenden Feuers gehörte schon die sieben- bis achtfache Quantität Wasser. Es bürste souill nus {tiefen Ez.periuleilten Der Zchluf; geztigeu weroru täune», ouiz das Pelrutenm, und uuter diesem wieder hauptjachltch das rohe, durchau» nicht in dem Matze für das Feuer empfang- ltch ist, wie allgemein a.lgeiliimmeu wird, �esenfalls tann seine Gefahriichkett nicht höher veranschlagt werden als die sv vieler anderer Harze uns tele, welche, wie dies veispiclö weise die heutigen Versuche mit dem Terpeutlnöl gezeigt haben, sogar ost noch eine bei weitem grötzere Breunkrafr Huben als jeuer so arg verleumdete amcrikan.sche vreunstoss." Die„Deutsche Attgemeine Zeitung", welche das Vvrstehende abdruckt, hat es aus Furcht, uuler ihren Lesern ein paar Denk- fähige zu finden, weiche aus cher erzählten wifsenschaftilchen Untersuchung einen Rückschluß aus vaS Pariser Petrvleusen- Märchen ziehen könnten, in den enllegensien Winkel ihrer geräumigen Lokalien gestellt, näinüch in die zweite Beilage (vom 16. Januar) unter die(kleingedruckle) Rubrik„Handel und Industrie". Äber„es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch endlich ans Licht der Sonnen", und so ist trotz der von der„Anstaudsdame" gevrauchlen Vorsicht jene amtliche Ehrenrettung des Petroleums uns nichr entgangen.— Im übrigen ist ans dem Reuen Reich dlos zu vermelden, daßHerr Mühler seine E n t las su ng erhallen hat, weil er sich in seinen alten Tagen beikommen ließ,— liberale Anwandlungen zu habenl Also die zweite Auslage der Entlassung Li; ves. Wie diesem wird ihm ein servileres und reaktionäreres Werkzeug des Fürsten Bismarck folgen. buSkondukteure in Madrid, welche l« Stunden per Tag Dienst schuh seinerseits von den Bevollmächtigten und Kassirern Pünktlichkeit haben, verlangten per Woche einen(bezahlten) Ruhetag. Di- Omni- in allen Sachen, vorzüglich in Kassenangelegenheiten. Weiter mache busqesellschaft sagte den Ruhetag zu, wollte denselben aber nicht be- ich darauf aufmerksam, die einzelnen Rubriken der»brechnungtfor- —"-■>■■■ Konduklenre ihre Funllionen einstellten.— mulare gewissenhaft auszusilllen, nicht(wie c» vm' ach, in Spanien gute Forischritte und es gäbe, wofür verausgabt; ich ersuche die Betres . da rb e ite r in eigenen Sektionen an.— Die unverzüglich nachzuholen und die Ausgab-post-n s Bauarbeiter haben nun auch eine zentralisirte Gewerkschaft, deren Haiipttaistrer H. Lüdecke, alte Jakobstr. 12, einzusendeil. E» ist Komitee in Barcelona seinen Sitz hat und die Gewerkschaft zählt durchaus die größte Sparsamkeit zu bcooe h-en und jede irgend ver- bereits 25,000 Mitglieder. i'"eidliche XnSzabe zu Unterlasten, damit wir bald in der Haiipckafse Bvrtuaal Fn Lissabon und Oporio sind die Zigarrenmacher einen lüchllgen Fond haben; so können z B. um Porto zu sparen, im Sirike klemejPonen m Briefmarken tingeschuft werden. Selbstredend bars London Am Weihnachtsabend fand in London ein großes ai.s SparsamleiiSrücksichien der B-rein nicht geschädigt werden. Die Meeting der Eisenbah larbeitec statt, an welchem beschlossen wurde, es Emschr-ibeg-lbec sind voll an die Hauptkasse einzuscuoeii, und nur, sei bei allen Eisenbahngesellschaften aus die Festsetzung des Arbeits- j wenn kein Geld m der Orlskasse vorhanden, vorschußweise zu Orts- tages von 10 Stunden und die Bezahlung der Ueberstundcn zu dringe». — Ein Strike der Edinburger Mechaniker ist siegreich beendet. Vom 1. Februar an wird nur noch 54 Stunden pro Woche gearbeitet. Die Neun-Stundenbewegung greift imnier weiter not sich und erringt immer mehr Erfolge.— Die Schreiner in Newcastle sind nun volle dreiviertel Jähr im Strike, sie wollen, wie die Ziegler und Maurer, 50 Stunden Arbeitszeit pro Woche.— Unter den V e r g- werksarbeitern gewinnt die Bewegung für die gesetzliche Festsetzung des Arbeitstages von 8 S unden in den Bergwerken immer mehr Boden. Mehrere große Meetings haben zu diesem Zwecke stattge- funden.— Ueber den Gewer ksch a fiok ongreß, der jetzt in Notiing- ham tagt, und aus dem über eine Viertelmillion Arbeiter vertre- teu sind, beiichu« wir in nächster Rümmer eingehend nach dem „Beehive". Parteigenosse Dittrich(Schandau) nach Pirna abgeführt worden. ist verhaftet und Belgien. Unter den Arbeitern in den Kohlengruben herrscht «ine große Bewegung. Der Mitteipunlt der Bewegung ist das Becken von Eharleroi. Die dortigen Kohtengräber leide», wie überall, un- ter einer unmäßig langen Ärbeiiszeit und der Lohn ist sehr niedrig. Italien. In Genua sind die Arbeiter in den Teigwaaren- sabrilen im Strike, da man sie mit ihrem Begehren ltürzere Ar- beitszeit und Lohnerhöhung) abgewiesen hatte. Auch iil Italien hat die Jiiieruationate große Fortschritte gemacht. Dänemark. Die Imernalionale verbreitet sich� in diesem Lande sehr rajch und alle Wochen finden in verschiebenen Siädien Versamm lunge» statt, in welchen Agitatoren sprechen und neue Sektionen ge- gründil werden. Spanien. Die Weder, welche eine zentralistrte Gewerrfchaft und«in eigene« Organ habe», haben an mehreren Orten siegreiche Strike« gehabt und neue Sektionen gegründet.— Die Omni Znr Vernrtheilung unserer HerbornerParteiqenvssen. Das Vaterland ist also gerettet, die soziale Frage gelöst, die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit hergestellt durch 6 Wochen Unteisuchililgshaft und zusammen 17 Wochen Gefängnißstrafe für unsere Parteigenossen Schmidt iind Schupp in H erborn. Alles von Rechlswegen und zu Nutz und Frommen der Kapitalbesitzenden Bourgeois, und der gesetzlich sanktionirten Ausbeutung der Arbeiter durch die Herren Unternehmer. Leider sind uns weder der Wortlaut der Aiiklageichriit, noch die Mative bekannt, auf welche.hin das „Sch u l big" gesprochen wurde, und ein so erorbitantes Strafmaaß über rirnre Parteigenossen verhängt werden konnte. Abgesehen von den 6 Wochen Untersuchnilgsdast, die, zur Illuüration der„Gleichheit vor demGesetze", Schmidt erduiden mußte, weil er als besitzloser Arbeiter durch dasjelbe Gesetz seiner Freiheit beraubt werden konnte, wo ein Reicher noch nicht einmal hätte Eaution zu leisten brauchen, liegt noch eine ganz be- sonders ungerechte Härte darin, daß durch die beliebte Jnhafihaltung Schmidt das Recht der Berufung verkümmer. wurde. Was nützt es demselben, wenn er nach weiteren im Gefängniß verbrachten 10 Wochen von den Richtern höherer Instanz freigesprochen wird? Er wäre jedoch die lange Zeit von der ersten Verurtheilung bis zur zweiten Instanz, möglicher Weise also gerade so lange als Siraf'e verhängt war, seiner Freiheit beraubt gewesen. Merkwürdig, höchst merkwürdig ist außerdem, laß über Schmidt eine höhere Strafe erkannt wurde, als selbst der Staatsanwalt beantragt Halle; und nicht minder merk- würdig ist der Umstand,«aß außerdem noch einige 30 Parteigenossen zu je 5 Thlr. Strafe verurtheitt sind, weil sie sdem Befehl der Ver- sammlungsauflösuna nicht sofort Folge geleistet haben solle i. Uebcrhanpt will uns bedünkc», daß es hier viel weniger daruin sich handelt, dem bestehenden Gesetze Achtung zu verschassen, als vielmehr darum, durch den„weißen Schrecken" Furcht zu verbreiten, damit die Arbeiter nach wie vor als recht geduldige>Schaje von ihren „natürlichen Herren", sich scheeren, von ihren Ausbeutern das Fell über die Ohren ziehen lassen, ohne.jemals de» Versuch zu machen, sich ein menschenwürdigeres Dasei» zu erringen. Hofsentlich werden diese Maßregelniigeil, von denen unsere Herborner Parteigenossen be- trossen sind, dorr ebensowohl als an aiidem Qiteii die entgegengesetzte Wirtling haben. Wir haben eine viel zu hohe Meinung von dem Eifer uno dem erwachten Klassenbewußtsein der dortigen Partiige- nossen, al» daß wir auch mir einen Augenblick daran zweifeln sollten daß trotz alledem auch»ich! ein Einziger fahnei, flüchtig werden wird. B. >.' I-7- U""" I- iZ— � ausgaben zu verwenden; dies muß aber alSdann in der Rubrik„Ve- merkungen" auf den Abrechiiungsformularin vermerkt werden. Thue Jeder, wai er irgend tann, um die Gewerkschaft zu vergrößern und die Geldmittel zu vermehren, dann wird der Zeitpunkt nicht fern sein, wo wir bei Festsetzung unseres Arbeiislohne« ein gewichtiges Wort mitsprechen können. Schließlich ersuche ich Diejenigen, welchin ich von unserem Ausruf Exemplare zugeschickt habe oder noch zuschicken werde, denselben die größtmöglichste Verbreitniig zu verschaffen, womöglich auch in den ihnen zunächst gelegenen Ortschaste». Wer zu diesem Zweck noch Exemplare(„he» will, den bitte ich sich an mich zu wen- den. Obgleich au» dem Inhalt des Aufrufs zu ersehen, daß die Jahres- zahl am Schluß desselbe.i verdruckt ist,(statt 1372 ist 1371 gesetzt) er- achte ich es doch für uöthig, um Jrrlhum zu vermeiden, hiermit darauf hinzuweisen. Mit Brudergruß und Handschlag Berlin, den 16. Jan. 1872. A. Reimann, Geschäslsf. d. Ausschusses, alte Jakobstr. 6, Hos 3 Tr. Zur Quittuna des Chemnitzer«trikekomitees. LaudShNt, 15. Januar. Anfrage: Der Unterzeichnele sandte int Auftrag einer Anzahl hiesiger Sozialdemotraten 4 fl. 30 lr. Da in der Ge.ieral-Quittuiig obige Summe nicht quittirt ist, schrieb ich au HtiÄnanil, habe abee bis heute keine Antwort erhalten! Woian liegt die Schuld? Durch Ordnung und 3icellilät müssen sich die Sozialdemokraten vor andern Parteien auszeichnen! Ernst Geithe. Jägerndorf. Da ich am 10. 3tovember d. I. sär die strikende» Arbeiter m Eyemnitz einen vom Fachoereiiie in Jägerndorf eingesammelten Betrag von 16 st. unter der Adresse:„an das Eemral-Komitee zu Händen des Hür» Friedrich HuSmann in Chemnitz" eingesendet habe, Recipisse in meinen Händen sich befindet, so ertaube ich mir an Herrn Friedrich Husmann die höfliche Anfrage, ob der Betrag pr. 16 fl. vom Fachvereine in Jägerndorf an ihn angelangt ist oder nicht. Im Falle der Betrag angetangt sein sollte oder nicht, so ersuche ich Herrn Friedrich HuSmann mir in beiden Fällen es schristlich oder ourch den„Volksstaat" anzuzeigen, denn ich muß mich, irotzo-m ich ein Reo- pisse in Händen habe, ausweisen. Ich wäre daher genöthigi, wen» der Betrag an den Adressaten nicht angelangt, wäre, noch rechtzeitig die Schritte einznteite». Alois Fritsch, schristfährer des Fachvereins. Augsburg. Berichtigung. Bei Abrechnung der Gelder für den Ehemnitzer Strike in llko. 4 soll e» heißen statt 59 fl. 20 kr. 59 fl. ZU kr. Internationale Metallarbeiterschaft. Nürnberg. Der Erwiderung des Vororts im„Volksstaai" No. 4 entgegnend, sehen wir u»S veranlaßt, zu bemerken, 1. daß der vom Borort a» de» hiesigen Bevollmächligten gerichtete Brief leine Rath» besragnng enthielt und keiner Antwort bedurste, da, als der Brief der Mitgliedschaft vorgelegt wurde, der„Volksstaat" schdil das Wahlaus schreiben erhielt; übrigens war der Brief gar nicht an die Kontrol- kommission gerichtet; 2. da wir mit dem Vorort in Folge dessen nicht mehr imterhandelit foiimen, war es das Nächste, daß wir uns an das Parlei-Orga» wandle», das aber leider unfern Beschliig zu spül brachte. Leipzig und Chemnitz begannen vor uns den Reigen. Zwie- spalt zu säen ist uns ferne, ehrgeiziges Streben kennen wir nichi, die Versammlung war unbeeinflußt von uns. Im llcbrigen wird sich fder alte Ausschuß mit unsrer Erklärung zuirieden geben, da»user Vevollmächtigter). Faaz nicht Kontrolkominissionsinitglied ist, uitd in Folge dessen neiliral den Bejchluß der hiesigen Miigliedschast brachte. Für die Kontrolkoylinisston M. Sei schab. Gewerksgenosseuschast der Holzarbeiter. Leipzig, den 15. Januar. Unsere Miigtiedichafi ist mit den in Chemnitz geioßten Beschlüssen'Betreffs der Gewerksgenossenichasten voll- ständig einverstanden. Jedoch halten es die hiesigen Mitglieder nicht für zio.ckniäßig, den Kongreß der Gewerkschaften mit dem Kongreß der ioziatdomolranschen Arbeiterpartei zugleich abzuhalten, wie dies in Chemnitz vorgeschlagen wurde. Wir gingen von der Ansicht ans, daß es u nter solchen Umiländen unmöglich sei, das Material, welches sich zu diesem Kongreß anhäufen wird, geuitgeiid bcrathcn zu können; es würde oie geistige Anspannung der Delegirten in den ersten Tagen derart sein, daß die letzten Berathungen nicht so gründlich, wie ihre Gegen stände es verlangen, vorgenommen werden könnten; dann würde die Zeil, welche diese Beraihungen erfordern, eine zu lange für viele De- legirtc sein, die dann nicht im Stande waren, bi» zum Ende der Ver Handlungen auszuhalten. Es muß ins Auge gefaßt werden, daß neben dem Kongreß der sozialdemokraiischen Arbeiterpartei der Kongreß säniintlicher Geweik» schafteii zur Berathrntg der Gewerkschafts-Union abgehalten werden soll; ieveiifalls wird auch wieder die OeganisaiionSfrage, für den Fall, daß Polizeimaßregeln noch weiter folgen sollten, aus die Tagesordnung die- ses Kongresse» gestellt werden inüssen.'Außerdem müssen die oer- schiedenen Gewcrlschasten, durch den K'stenpunkl veranlaßt, ihren Spe> zial Kongreß zu gleicher Zeit abyalien. Auf jedem dieser Kongresse ivird sich aber ebensall« sehr viel Material ansammeln, indem voriges Jahr keiner stattgesunde» hat, und den Geioertichaflen durch die ein- zelnen Sektionen, welche sich in den größeren Städten bilden werden, andere E.twickelungsbahneil eröffnet stnd. Diese an und für sich verschiedenen drei Kongresse würden, wie schon oben angedeutet, zu viel Zeit koflen, wollte mau dieselbeu an einem Orte und zu gleicher Zeit abhalten. , Die hiesigen Mitglieder stellen es den übrigen Genossen anheim, sich unserm Vorschlag anzuschließen, daß der Kongreg der Gewerk- schafteii betreff« der Union wie auch der einzelnen Gewerkschaften au» den oben angeführten Gründen in einer anderen Stadt als Mainz stattfinde. Wir erlauben uns Leipzig vorzuschlagen, um den Kon- greß der Gewerkschafteil abzuhalten, da diese Siadi mehr im Zenlrum oon Deutschland liegt. I. A.: B. Schräder. Allgemeiner deutscher Tchneider-Verciu. Obgleich mebrsach aufgefordert, die Adrechnungen nebst Geldern, bis spätestens den lb. d. M. an die Halipttasje einzuseuden, sind die meisten Oriskassirer resp. Veoollmächtigieu dem bis jetzt noch nicht nachge- komiiie». Ich fordere hierdurch wiederholt die Betreffendea auf, sofort ihre Schuldigkeit zu thun, und es ist Sache der Mitglieder, da- rauf zu sehen, daß Ordnung im Kassenwesen herrscht, denn nur dann wird eS möglich, daß ver Ausschuß rechtzeitig die RechninigSlegung veröffentliche» kaun. Wenn der Ausschuß nicht seine Schuldigkeit thut, so ist es nicht nur ein Recht, sondern die Pflicht der Mitglieder, ihn schonuilgslo« daran zu erinnern, ebenso verlangl aber auch der Au»- Für Feuervach. Vom jozial-deiilokratischell Arb.-Verein Cöln 3 Thj,r 3 Gr., vom Volcsverein llionneburg 1 Thlr., von Roberl Müller in Reichenbach 1 Thlr. von 3tdlke in Königsberg 1 Thlr.__ Für Die Flüchtlinge?er Kon, u,u»e. Bon St. Ugr. in Aitg.adiska 16 Ngr._ Vriesknsten der Redatt ion: T. in Mühlheim: Wofür ist der Thaler? Wenn für Hamburg, warum nicht direkt hingeschickt? Sie haben eine alte Briefmarke ausgeklebt, nu» wir deshalb 2 Gr. Porto bezahlen muffen. Brohl Rochlitz:'das Eingesaiidt eignet sich nicht für den„Bolksstaat." Oie Angetegenheit ist, wenn überhaupt etwas zu machen, für den Rechtsanwalt. I. Ä. Reultingen: Wenn da» Postamt Ihnen vorieden will, daß da» Abonnement auf den„Voltsstaat" ein halb- jährliches sei, so tassen Sie sich den Postkatalog vorlegen, um den be- treffenden Beamten ad absurdum zu jähre». der Expedition: St. tu Pisti: Ist wie Sie vermutheie». Zoch Hammoer f. Ado». IV. Quartal 20 Thlr. eth.; Alberl Glauchau f. Avon. lV. Ouartal 22 Thlr. 3 Gr. erh. v. L. in Ohligs für Schrift 5 Gr. erh.— Schdt. Füiistirchen 6 fl. erh.; schulden nichts mehr; .'l. Mllr. Weimar s.------ IV. Quartal 13 Thsr. b�Thlr. erh. ,... Cf-t<,'<''-------«tlVt/Vf chnll 1 Thlr. erh.;- Falk in Köln f. Abon. 14 Gr. 4 Pf. erh.— Kröger in Köln f. Schrift Der GeibgieheiAmtsöSer au» Bayern, im Herbst 1870in Gotha arbeitend, wird sreundiichst ersucht, seine Adresse an di« Erpedition de»„Volksstaat" gelangen zu lassen. Halle a S._ F. Henze, Elürtler. Steinhauer gesucht auf Moaumente und Grabsteiiie Ein sehr guter Steiiiya>ergehülfe, namentlich in Granit auch wünichenswerth in Sandstein, der gm nach Zeichnungen arbeite» lann, kann auf mehrere Jahre bei mir in Arbeit trete». Heide(Schleswig-Holsteiiu) (S. F, Petersen, Steinmetz.(2 S.) Kür Breslau. Sozialdemokratische Arbeiter-Partei. Montag den 22. d. M. Abend» 8', Uhr ösfeiitliche Ver- sammln na in der Jeiltsch'en Brauerei, Margarethenstraße 7 parterre. Tagesorduuitg: 1. Vortrag über die Lage der Vergarbeiier in Europa und die jetzigen Sieinkohlenpreise. 2. Politische Rundschau. Die Parteigenosseil werden zu zahlreicher Betheiligung ansgesor- dert. Gäste sind gern gesehen. __ H. Cehint. Kür Rochlitz. Sozialdemokr tijchcr Arveitervereiu. Alle Sonntage Rachmillags 4 llyr Versammlnilg im Lokal des Herrn Hauswald, Leipzigerstraße. Der Vorsitzende _ Karl Friedrich M ännel, Wallgasse 47._ Für Leipzig. Jnteriiationalc Metallarbeiterschaft. Montag, 22. Jannar, Abend« 8 Uhr, Sitzung im Arbeiter- btldungsverein, Ritlerstraße.— Aufnahme neuer Mitglieder. Kür Leipzig. Im«rbetterbttd u ug sv ereine. Sonnabend dep 20. Januar: Vortrag Liebknechts: Nobespierre'» Der Fall Ein Kolporteur de»„Volkstaats" für die Umgegend von Leipzig wird gesucht.— Näheres durch die Erpedition de»„V o lk staats", Hohe Straße 4 pBT Herren- und Damenhemden, Unterbeinkleider, Frauenrleider fertigt prompt und billig und hält sich zu geehrten Aufträgen empfohlen Eleonore Fink. Kleidermacherin, ,Hohe Straße Nr. 4.____ ! Zur Bealhtllllg! Ich wohne jetzt Kl. Schäferkamp 4« a. (3) 2 Hamburg— Theodor Uorck. Leipzig: Verantw. Redakteur A. Heoner(Redaktion u. Expedition Hohestr. 4.) Druck u.«erlag von F. Thiele.