M 9 Mittwoch, den 31 Januar. 1872 Erscheint«öckentlich 2 mal in Letpttg. V«ste»ungen nehmen alle Postanstalten nnd Buchhand- lnngen dcS In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstraße IS, F.Thiele, Emilienstrahe 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AbonttemcntSpreiS: Für Preuße» incl. Stempelsteuer 16Ngr.,für die übrigen deutscheu Staaten 12 Ngr. per Quartal. Filialerpedition für die Ver- einigten Staaten: F. Ä. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. via Newyork Organ der sozial-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationaten Gewerksgenossenschaften. Politische Uebersicht. Die Neunstundenarbeit ist in vielen Englischen Städten für verschiedene Geschäftszweige mit dem neuen Jahre in Kraft getreten, was zu vielen Festlichkeiten Anlaß gegeben hat. Ueberhaupt macht die Zteunstundenbewegnng in England ununterbrochen Fortschritte. Wie wir aus dem letzten„Beehivc" ersehen, haben die Bauarbeiter in 40 Städten Englands theils Lohnerhöhung, theils verkürzte Arbeitszeit gefordert, und ist in Folge von einer Versammlung der einflußreichsten Bauunternehmer Englands, welche vorigen Dienstag in Man- chester statt hatte/ der Beschluß gefaßt worden, daß das Verlangen einer wöchentlichen Arbeitszeit von 54 Stunden (9 Stunden den Tag) durchaus gerechtfertigt sei. Hier- nach ist die baldige allgemeine Einführung der neunstündigen Arbeitszeit in dem Bauhandwerk mit Bestimmtheit zu erwar- ten; und wenn einmal zwei so mächtige Arbeiterkörperschaflen, wie die Eisen- und Bauarbeiter, den neunstündigen stiormalarbeits- tag durchgesetzt haben, läßt es sich nicht bezweifeln, daß der- selbe bald auch den übrigen Arbeitern zu Theil sein wird.— „Das Elend unter denFamilien der Ko in muna listen, welche erschossen worden sind oder im Gefängnisse sitzen, ist herzzer- reißend" so schreibt der Correspondent der Londoner„Pall Mall Gazette"—„und es ist sehr schwierig, diesew unglücklichen Frauen und Kindern, von denen viele ganz unv gar an der Revolution unschuldig sind, Hülfe zu leisten. So erzählte heute Morgen noch ein Pariser, daß er in der Vorstadt Belleville in einer wahren Höhle 16 Kinder und drei Frauen mit einem einzigen Teller und ohne alle Nahrungsrnittcl fand."— Die Wiener„TageSprcsse" schreibt: „Die Sympathien für die Kommune sind in Frankreich noch nicht ganz erloschen, und unter der kalten Asche glüht noch mancher Funken leidenschaftlicher Verehrung für die Unholde(!), welch- das Petroleum zum Erlöser der Menschheit er- heben wollten(!). JnGrenoblc erschien beispielsweise ein Ka- lcnder mit rothem Umschlag und einer phrygischen Mütze� auf demselben, welches die„Märtyrer, die Heiligen der'Na- tion" den künftigen Generationen ins Herz graben will. Des- halb wird der 3. April dem„Heiligen FlourenS", der 26. Mai„Sankt Delescluze", ein anderer Tag Ferres und so fort gewidmet. Der von einer besonderen Sorte von Mystizismus erfaßte kommunistische Kalcnderschreiber meint so gar:„Hätte Christus heute gelebt, so hätte ihn ein Sergent de Vill- durch seine Berührung entweiht und ein Richter wegen Landstreicherei einsperren lasse»**)" DaZ„Journal des Dcbats," welches dieses Produkt kommunistischer Literatur erwähnt, be- merkt:„Man spricht in Frankreich sehr oft mit leiser Stimme von der famosen Revanche gegen Preußen. Ach! Es gibt eine andere Revanche, die mit mehr Ernst, Energie und Konseque nz vorbereitet wird: eS ist dies die Revanche der Kommune gegen die öffentliche Ord- nung."— Was die„Unholde, welche daS Petroleum zum Erlöser der Menschheit erheben wollten," anbe rifft, so möchten wir den Schreibern der„Tagespresse" anrathen, künftighin, uin sich nicht allzu sehr zu blamiren, von Zeit zu Ze-t den Inhalt ihres eigenen Blattes aus den letzten Monaten durchzu- gehen und sich ihn ein wenig anzumerken. Wie sehr dies Roth lhut, mögen folgende Stellen zeigen: 1) Am 14. Juli 1871 schrieb der Pariser Korrespondent der„TageSprcsse" Folgendes:„Thiers hat keinen Augen- blick an die Kabel von den„Petroleu se s" geglaubt, so wenig, daß er unlängst persönlich u. s. w." 2) In einer Pariser Korrespondenz der, TageSpresse" vom 14. August heißt es:„..-. dem Gerichte drängt sich jetzt die Gewißheit auf, daß-ine Verfailler Bombe das Finanzministerium in Brand gesteckt hat- 3) Unterm 22. August ließ sich die„Tagespress-" aus Paris schreiben:„Es befanden sich hinter der Kommune bonapar- tistische Banditen und sonstige Agenten..... Die Repressalien der Verzweiflung sind das Werk von etwa 100 Böse- wichtern, welche ganz andern Eingebungen und Instructionen folgten, als denen der Internationale." Ist das Citirte nicht ein eklatantes Beispiel von ge- sinnungs- und talentloser Zeitungsschmiererci? Doch lassen wir das. Worauf es uns ankommt, ist, durch das Zeugniß von Gegnern zu beweisen, daß die Be- wegung des Französischen Proletariats durch den Fall der Kommune nicht einmal momentan aufgehalten worden ist. Und wohl haben die Verfailler Mörder Recht, vor der„Revanche der Kommune" zu zittern! Das Blut der Gemordeten wird sich erheben gegen den Mörder.— In der Nr. 1 d. Bl. besprachen wir das erbärmliche Unterrichtsgesetz des französischen Kultusministers Jules Si in o n, des politischen und religiösen Renegaten. Zur Kennzeichnung der früheren Gesinnung dieses Mannes lese man das nachfolgende enthusiastische Schreiben, welches er 1869 an den Lau- sanner Kongreß der internationalen Friedens- und Freiheitsliga gerichtet hat:.~. „Männer, welche sich aus eigenem Antriebe in allen •) oder Jakobinermütze— Sinnbild der Freiheit. ••j Ist das eiw» aar ichtig.? Ländern der Welt zu einem gemeinsamen Zwecke und für einen edlen Zweck vereinigen, welche lein anderes Streben haben, als mitzuwirken für den Sieg des gesunden Menschenverstandes und der Vernunft, welche in der Politik, im Sozialismus und in der Wissenschaft nur die Wahrheit suchen und mit gleicher Verachtung die brutale Gewalt und die Routine, diese beiden Feinde des Gedankens, behandeln; eine Versammlung, welche keinen anderen Präsidenten hat als den, welchen sie wählt, und kein anderes Reglement als das, welches sie sich gibt, das ist ein Schauspiel, welches tröstet über die offizielle Wahrheit, die offizielle Gerechtigkeit, die stückweise oktroyirteFreiheit und die unter Myriaden von Beschränkungen und Konventionenerstickte Wahrheit. Glauben Sie mir, wenn ich auf der Tribüne die Abschaffung der stehenden Heere, die Trennung der Kirchen nnd des Staates und die völlige Freiheit der Presse mit Abschaffung des Vergehens der Be- leidigung der öffentlichen und religiösen Moral verlangt habe, so redete ich nicht zum gesetzgebenden Körper, sondern zu Ihrem Kongresse: ich brachte ihm im Boraus meinen Beitrag, wie ich ihm heute aus der Ferne meine Zustimmung und meine guten Wünsche sende." „Nicht überall sind die gefangenen deutschen Soldaten in Frankreich mit der Wildheit und tannibalischenBos heit behandelt worden, wie dies leider vielfach erwiesen ist", sagte bekanntlich der preußische Kriegsminister von Roon neulich im Abgeordnetenhause.„Wicht überall"— das sollte heißen: humane Behandlung war die Ausnahme.— Dem gegenüber erinnerten wir(s. Nr. 4 d.Bl.) an die skandalösen Barbareien, welche in Deutschland an Französischen Ge- fangenen verübt worden sind— z. B. in Thorn— und druckten zur Widerlegung der Roon'schen Aeußerung in Nr. d. Bl. den für die Gastfreundlichkcit der Franzosen so über- wälngendes Zeugniß ablegenden Brief der Dame Lefebvrc ab. Heute sind wir in der Lage, über die erwähnten Thorner Bar- bareien— nach einem uns vorliegenden Schreiben von sehr gut unterrichteter Seite— ausführlich zu berichten: „Im Frühjahr 1871 erscholl eines Sonntags früh um 1 Uhr Generalmarsch in der Festung Thorn. Eine große An- zahl französischer Gefangenen war aus dem Keller der sogenannten Defensionskaserne, wohin sie sich kurz vor dem Zapfenstreich von ihrem zahlreich umdrängten Geldspiel(ohne daß die Schild- wache eS gemerkt) zu schleichen gewußt hatten, heimlich, und wiederum dem Anschein nach unbeobachtet, einer nach dem anderen hervorgebrochen. Erst als ein zufällig unbewaffnet heraustretender Soldat einige aus dem Kellerloch schlupfende Franzosen wahrnahm, entstand Lärm. Er wurde hernach ge- tadelt, daß er nicht glcichden vo rdersten erwürg t. In- dessen hatte auch die übrigen, bereits Entkommenen, das Ver- derben ereilt. In den finsteren Straßen herumirrend, suchten sie vergebens das östliche Thor, von wo aus sie die russische Grenze zu erreichen hofften, wie es ihren nickt lange zuvor aus dem sogenannten Jakobsforc im Osten der Festung in bedeutender Zahl entwichenen Kameraden glucklich gelungen war. Aber die aus der Defensionskaserne Entflohenen trafen unweit der JohanniSki'che, neben welcher die Artilleriekasernc liegt, ein Paar junge Kanfleute, die eben vom Bier heimgingen, und fragten sie nach dem östlichen Jakobsthor. Die jungen Männer, deren Einer so eben vom Reservedienst befreit war, schöpften aus dem gebrochenen Deutsch der sie Anredenden Verdacht, schickten sie absichtlich irre und eilten zur Artilleriekaserne, um die Wache herauszuklingeln. Der Allarm scheuchte die Mehrzahl der Flüchtigen zum nächsten Weichselthore hinaus, wo sie später zum Theil in de» Fluh gedrängt, meist aber verwundet auch theilwcis auf der Stelle getödtet wurden, in der überwiegenden Masse aber noch lebend gefangen wurden. Einige hinter den Mauern der Johanniskirche Ver- leckte fand man bald danach auf nnd brachte sie, manche darun- ter gleichfalls bei der Festnahme verwundet, wieder in Gewahr- am. Fast der ganze Rest ivurde dann auf dem Festungsglacis und zwischen den Wällen aufgegriffen; nur Wenige sollen ent- kommen sein. Aber alle nach Polen Entkommenen sind später vo» Rußland wieder eingeliefert worden. Blut sah man noch Sonntag« früh an verschievenen Stellen auf dem Straßenpflaster; zur Entschuldigung der Metzeleien läßt sich aber absolut nichts sagen, da die Entflohenen unbewaff- n e t und völlig widerstandslos waren. Was dieFlucht veranlaßte, da doch der Frieden bereits geschlossen und die Auslieferung bald zu erwarten war, ist unklar. Eine Verschärfung der Wach- und Einschließungsmaßregeln trat nunmehr in Thorn ein. Ein Franzose, z. B., der sich, gegen das Verbot, zum Fenster hinauslehnte, ward von der Schildwache durch den Kopf ge- chosse». Die �Auslieferung der letzten Gefangenen fand erst im Hochsommer statt. „Vor dem Kriegsgericht verhandelte man damals noch gegen ein�u Turko, der im Kerker einen Mitgefangenen erdolcht haben sollte.— Das Meiste von allem.Vorstehenden konnte man nur bruchstückweis erfahren, da militärisches Geheimniß das Ganze bedeckt." Unser mit den Amerikanischen Verhältnissen sehr ge- nau vertrauter'New-))orker Korrespondent, dessen Brief in I heutiger Nummer wir der Aufmerksamkeit unserer Leser be- sonders empfehlen, faßt die Hoar'sche Motion nebst der Debatte, die sich daran geknüpft, als ein Wahlmanöver auf. Diese Auffassung ist unzweifelhaft richtig, allein sie vermindert nicht die Bedeutung dieses Vorgangs. Was auch immer die Beweggründe gewesen sein mögen, die Thatsache steht fest: die amerikanischen Staatsmänner und Volksvertreter sind durch die Umstände gezwungen worden, die Berechtigung der sozia- listischen Bestrebungen anzuerkennen. Ob sie es gern oder un- gern, mit oder ohne Hintergedanken gethan haben, kann uns gleichgültig sein. Nicht guter Wille, sondern daS Interesse ist der treibende Faktor auf politischem Gebiet. Und obgleich wir weit entfernt sind, die amerikanischen Institutionen für das Ideal der Vollkommenheit zu halten, so ist es doch ein glänzendes Zeugniß für dieselben, daß sie die Erwählten des Volts nöthigen, in ihrem eignen Interesse sich um das Inte- resse des Volks zu bekümmern. Wahlmanöver hin, Wahl- manöver her— wir können nur wünschen, auch in Deutsch- land und Europa überhaupt politische Einrichtungen zu haben, die solche Wahlmanöver hervorrufen. Sind die Arbeiter stark genug, derartige Kundgebungen zu veranlassen, so werden sie auch bald stark genug sein, zu bewirken, daß die Worte zur That und die gemachten Versprechungen wohl oder übel erfüllt werden. Und noch eins haben wir in Bezug auf unsere New- Uorker Korrespondenz zu bemerken. Unsere Leser werden sich erinnern, mit welchem Eifer die deutsche Reaktionsprcsse über die telegraphisch gemeldete Verhaftung einiger New-Yorker Mitglieder der Internationalen herfiel, und triumphirend ver- kündete, daß eS republikanische Behörden seien, die sich zuerst zu energischen Repressivmaßregeln gegen die, mit aller staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung unverträgliche Jnter- nationale entschlossen hätten. Die Absicht lag auf der Hand: einestheils sollte die republikanische Staatsform des freiheit- lichen Wimbus beraubt, andcrntheils der deutsche Philister auf ähnliche Maßregeln im Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte verbreitet werden. Daß daS monarchische Europa schon vorher die abscheulichsten Akte der Unterdrückung gegen die Sozialdemokratie verübt hatte, wurde von den betreffenden Zeitungen, die auf die Dummheit ihres Publikums spekuliren, wohlweislich unerwähnt gelassen, wie eS ihnen auch vollstän- big entgangen zu sein scheint, daß sie durch ihre Berufung auf das republikanische Amerika dem monarchischen Eu- ropa indirekt das traurigste Mißtrauensvotum ausdrückten. Nun— diese Lüge der Reaktionspresse hat kurze Beine gehabt, und wir sind begierig, zu welcher neuen Lüge die Soldschreiber des Berliner PreßbureauZ jetzt ihre Zuflucht nehmen wer- den, wo es konstatirt ist, daß die angebliche Represstvmaßregel nichts anderes war, als der stupide Willkürstrcich einiger nie- deren Polizeiorgane, der sofort durch die richterliche Autorität aufgehoben wurde. Man vergleiche die eine Nacht dau- ernd e Polizeihaft der amerikanischen Sozialisten mit der viele Monate dauernden Präventiv- und Untersuchungshaft der Wie- ner, Braunschweiger und Leipziger Sozialisten, und der Ver- gleich wird ebenso sehr zum Nachtheil des monarchisch-abso- lutistischen Deutschland ausfallen, als ein Vergleich des amen- kanischen Kongresses mit dem Berliner Junkerparlament. Die„Deutschen Blätter", Beilage zur„Garten- laube" schreiben in Nr. 2 d. I.:„Wenn der erste, als sozialistisch sich kundgebende. Aufruf für Feuerbach im ver- letzenden Tone einer drastischen Parteireklame ge- hallen war, so liegt die Schuld weniger an der Partei, die ja in einem andern Tone nicht reden kann. ES hätten eben andere Parteien(welche?) oder Persönlichkeiten(welche: etwa die altkatholischen Agitatoren??) die Angelegenheit schon längst zur Sprache bringen sollen."— So bramarbasirt die „Gartenlaube" deZ Hrn. Keil in ihrer Beilage.— Desselben Herrn Keil, der den Artikel, den er neuestens nothgedrungen über Feuerbach gebracht hat, schon vor 6 Jahren hatte setzen lassen aber sammt dem Holzschnitt wieder aus dem bereits zusammengestellten Satz hat entfernen lassen— und warum? Au« Feigheit; Feuerbach und der Artikel, waren ihm zu materialistisch, zu weitgehend. Damals war eben die Pfaffenhetze noch nicht so in der Mode wie jetzt, dies ist jetzt bedeutend weniger riskant, und man kann nebenbei seinen Liberalismus beweisen. Sozialistisch war der Aufruf? Wo steck: denn eigentlich da- rin der Sozialismus? Der Aufruf zwar war nicht sozialistisch, aber Feueibach, der große Denker Feucrbach, er war Sozialist. Sozialist mit seinem ganzen Sein, so lange als der Geist un- gebrochen und ungetrübt in ihm lebte. Feuerbach war stets auch Leser und Freund des„Voltsstaat". Hätte Herr Keil die Erklärung gerade des Herrn, der ihm vor 6 Jahren den Artikel, den er jüngst abdruckte, zu einer Zeit eingesandt hatte, m welcher Hülfe für Feuerbach noch viel nöthiger und wirksamer ge- wesen wäre, wie jetzt, über den Memminger'schen Aufruf ge- lesen, er würde sich vielleicht doch besonnen haben, seinen plumpen Angriff zu bringen.—„Plump" heißen wir die- sen Angriff deshalb, weil er das ÄlleS zugiebt, was in Mem- mingers Aufruf steht, aber natürlich andere Personen und Par- teien hätten die Sache znr Sprache bringen sollen! Mem- minger würde vielleicht nicht so gemein von Herrn Keil an- gegriffen worden sein, wenn er die gestnnungswackere„ Garten- Fortsetzung auf Seite 4. Neber de» Ewflutz der heutige» Produktion auf die Gesundheit der Arbeiter. (Fortsetzung.) Der Verfasser erzählt nun bei Besprechung der Kinder- Sterblichkeit, daß dieselbe nach seinen Ermittlungen sowohl bei den Industriearbeitern, als Gelehrten, Fabrikanten, Kaus- leuten und Handwerkern ungleich stärker ist, als bei den Landarbeitern.„Dies ist aber nichtauf Rechnung zweckmäßi- gerer Ernährung zu stellen, sondern es riihrr dies von der' besseren und kräfligeru A b st am mung*) her; diese macht sich auch bei Rubrik II.(Gelehrte, Fabrikanten, Kaufleute, Handwerker) in- sofern geltend, als die Männer hier verhälwißmäßig und durchschnittlich viel kräftiger sind, als die Frauen, die meist schwäch- lich, blutarin und bleichsüchtig, dadurch relativ viele Todtge- burten veranlassen, während diese letzern bei Rubrik III zu- meist von schwerer Arbeit der Frauen und grober Kost abgeleitet werden müssen. „Der bedeutenden stindersterblichkeit ziemlich parallel(in gleicher Linie) läuft die Fruchtbarkeit der betr. Volkstlaffen, doch scheint trotz aller Ungunst der Verhältnisse der prozentale Zuwachs der Bevölkerung gerade bei den ärmsten Volksklassen am stärksten zu sein. „Die Wahl gerade der oben genannten unzureichenden Nahrungsmittel und der fast gänzliche Ausschluß anderer ist keine freiwillige; abgesehen davon, daß Mangel an Geld unsere Arbeiter bisweilen veranlaßt, die billigsten, oder wenigstens scheinbar billigsten'Nahrungsmittel zu wählen, treten hierzu noch zwei sehr einflußreiche Momente, die eine solche Wahl entschuldigen: das ist zuerst der Mangel an Zeit und dann der Mangel an häuslicher und wirthschaftlicher Bildung bei den meisten Frauen der Fabrik- und Bergarbeiter. Meist mit der Lieferzeil ihrer Arbeit sehr kurz angebunden, sind oie Weber genölhigt, Frauen und Kinder zu den Neben- arbeilen des Gewerbes zu verwenden, d. h. diese müsse» treiben und spulen; däher dann die Frau keine Zeit erhält, ein ordentliches Gericht zu kochen, sondern eben das wählt, was die wenigste Zubereitung verlangt, die geringste Zeit in Anspruch nimmt, und dies sind eben Kar- toffeln und Kaffee. Hat die Frau aber wirklich Zeit und der Mann auch das nvlhige Geld, so wird es 9mal in 1t) Fällen daran liegen, daß die Frau überhaupt nichts Anderes zu kochen versteht. Denn von Kindheit an gcnöthigt, zu spulen, oder Strümpfe zu nähen, lernen die Kinder der Arbeiter nichts, als was ihnen in der Schule bei- gebracht wird und eben die Hülfs- und Nebenarbei- ten, zu denen man sie von früher Jugend an ver- wendet. „Auf diese Kinderarbeit werden wir weiterhin zurück- kommen. „Zu den krankmachenden Einflüssen, welche auf die Arbei- terbevölkerung einwirken, gehören auch die Wohnungen der- selben. Die Ansprüche, welche unsere deutschen Arbeiter an das Leben machen, sind im Allgemeinen sehr bescheiden, wenigstens im Vergleich mit den englischen und belgischen Arbeitern; in Bezug auf ihre Wohnungen sind sie mehr als bescheiden, sie verlangen von denselben nothdürftigen Sämtz gegen den Ein- fluß der Witterung, weiter, wie es scheint, nichts, und in der That, etwas Mehreres gewähren auch die meisten nicht. Ge- wöhnlich besteht die Wohnung einer Weberfamilie oder über- Haupt einer Arbeiterfamilie in einer Stube, welche zugleich Wohn- und Arbeitsraum ist, der Flächenraum derselben liegt in der Regel zwischen 30 und 8t) sächs. Quadratellen, die Höhe zwischen 3�/, bis 43/4 Ellen in ältern Gebäuden, in neuern kommen Stuben bis zu 6 Ellen Höhe vor, sind aber sehr in der Minderzahl. Dazu kommt noch eine gewöhnlich nicht große Kammer, etwa noch ein kleiner Platz auf dem Boden � und vielleicht ein besonderer kleiner Raum zur Aufbewahrung der Kartoffeln und des Brennmaterials. Das ist der gewöhnliche Stand einer bessern Arbeiterwohnuug, es giebt aber noch sehr viele, die nur aus Stube und Kammer, oder einem Platze auf dem Boden bestehn. Die Besetzung dieser Räume durch Menschen und Arbeilsmaschinen ist stets eine relativ sehr dichte, die absolute Zahl der Bewohner und Arbeitsmaschinen richtet sich in der Regel nach der Größe der Stube, die Verhältniß- zahl der Personen zu den Arbeilsmaschinen ist aber sehr selten 1 zu 1, um so weniger, je größer die Stube ist, da stets nur solche Familien eine größere Stube miethen können, die mehrere Arbeitsmaschinen aufzustellen und daneben auch eine zahlreiche Kinderschaar haben. Die kleinen Wohnstuben werden meist von noch kinderlosen Anfängern, die nur 1 Webstuhl haben, bewohnt, sind dann aber relativ eben so dicht besetzt, wie die größeren Räume. Nicht selten kommt auch der Fall vor, daß ein Ar- beiter, der nur 1 Webstuhl, aber eine zahlreiche Familie besitzt, sich mit einem auch absolut kleinen Wohnräume begnügen muß. Der Fall, daß 2, sogar 3 Familien eine Stube be- wohnen, kommt im sächs. Erzgebirge und im Voigt- lande bisweilen vor, weit öfter aber auf den Dörfern der schlesischen Weberdiftrikte, wo überhaupt die Arbeiterwoh- nungen noch dürftiger, wenn auch weit billiger sino, als in Sachsen. „Nach meinen zahlreichen(im sächs. Erzgebirge und Voigt- lande bei Webern,«Strumpfwirkern und Posamentirern gemach- ten) Beobachtungen und Messungen beträgt der auf eine Person durchschnittlich kommende Luftraum 20 bis 26 sächs. Cubik- ellen, den Raum als leer betrachtet. Zieht man nun für das Volumen des Ofens, der Arbeitsmaschinen, Möbeln, Hausund Wirthschaftsgerälhe, die sich in dem Wohnräume befinden, den sehr mäßigen Betrag von 25 Proc. ab, so bleiben 15 und bezügl. Ii)1/? Cubikellen übrig, wobei das Körpervolumen der Bewohner immer noch außer Ansatz geblieben ist. „Die Arbeiterwohnungen in den großen Städten sind im Allgemeinen schlecht, am schlechtesten diejenigen, welche nur als Wohnungen und nicht gleichzeitig als Arbeitsräum'c benutzt werden, weil diese wenigstens Licht verlangen. Die Wohnun- gen der Weber und Posamentirer sind daher in großen Städten gewöhnlich die bessern, während die meisten andern in düstern Höfen, in Keller- oder Bodenräumen befindlich sind. „Besser sind die Arbeiterwohnungen in den Mittelstädten, weil hier weder das Gedränge und die Wohnungsnoth der großen, noch die schlechte Bauart der kleinen Städte gewöhnlich ist. ,'>"nb Vach wohl auch, und zwar in noch höherem Grade, von der besseren Lust und gesünderen Lebensweise. 5H, b. V. In kleinen Städten sind sie gewöhnlich nichts oder nur sehr wenig besser, als auf den Dörfern. „Die Bauart der Wohnungen hat insofern Einfluß auf den Gesundheitszustand, als starke Mauern, die dem Luftwech- sel nicht sehr ausgesetzt sind,-' die Wohnungen feucht machen, während Fachwände und solche aus Lehmstaken leicht rissig und für Witterungseinflüsse durchlässig werden, und eine angemessene Erwärmung nicht zulassen. Die Beschaffenheit der Arbeiter- wohnungen überhaupt die Dichte der Bevölkerung in den meisten Jndustriebezirken wird Veranlassung, daß neugebaule Häuser sehr schnell bezogen werden; da, wo in dieser Hinsicht keine sanitätspolizeiliche Controlle stattfindet,. oft schon zuvor, ehe die Häuser ausgebaut sind; daß mau das Austrocknen derselben abgewartet hätte, davon ist dem Verfasser kein Fall bc- kannt geworden. „Ein stärkern Einfluß auf den Gesundheitszustand als die Bauart, aber in mancher Beziehung demselben ähnlich, äußert die Art der Benutzung der Wohnräume. Die meisten der- selben müssen von den Arbeiterfamilien gleichzeitig als Koch- und Waschräume benutzt. Im Winter ist es daher etwas sehr gewöhnliches, daß man in der Nähe des Ofens 28 bis 30 Grad Wärme hat, das Hygrometer*) 90 bis 95� zeigt und die Durchschnittstemperatur 23 bis 24° H. beträgt. Wird diese Temperatur nachgerade unerträglich, so öffnet man ein Fenster ober die Thür, oder gar beides. Dadurch entsteht natürlich Zug, und die mit Feuchtigkeit gesättigte Luft schlägt einen Theit ihres Wassergehaltes an den Wänden und Arbeitsmaschinen nieder. Es ist gar nichts seltenes, daß das Wasser buchstäb- lich an den Wänden, Webstühlen u. s. w. herab läuft. Welchen Einfluß dies auf die Gesundheit der" Bewohner haben muß, besonders wenn dergleichen Räume auch noch zum Schlafen benutzt werden, das bedarf keiner weitern Erörterung. „Zu den wirksamsten Mitteln, die Gesundheit zu zerstö'-en, gehört das unter de» Arbeitern sehr gewöhnliche frühe Hei- rathen. Ehemänner von 21 Jahren und Frauen von 18 Jahren sind etwas sehr gewöhnliches. Wenn man daneben in Betracht zieht, daß seit 2 bis 3 Generationen schon durch die Kinderarbeit der Körper in seiner Ausbildung zurückgehal- ten und behindert worden ist, so läßt sich daraus schon leicht ermessen, welche physische und moraliscbe Folgen dergl. frühe Heirathen haben müssen. Dazu kommt noch, daß man den Ehe- stand meist anfängt, ohne mehr als eine sehr problematische (fragliche) Verwendung der Arbeitskraft und ein sehr dürftiges Mobiliar zu besitzen, das oft noch nicht einmal bezahlt ist. Kinder, wenn deren nicht schon vor der Verheirathung vor- Händen waren, bleiben selten lange aus, und mit ihnen kommt das Elend, aus dem sich dann eine Arbeiterfamilie nur selten emporarbeiten kann. „Zu den den Gesundheitszustand verschlechternden Umstän- den ist schließlich auch der Nichtgebrauch ärztlicher Hülfe zu rechnen. „Im sächsischen Erzgebirge und Voigtlande giebt es jetzt nur wenige, in Schlesien nicht viele Orte, in denen selbst, oder in deren Nähe nicht ärztliche Hülfe zu erlangen wäre. Aber der Gebrauch, den mau davon macht, ist ein verhältniß- mäßig so seltener, daß im Erzgebirge und Voigtlande etwa 10, den schlesischen Weberdistrikten höchstens 8 Prozent der Erkran- kungen zur ärztlichen Behandlung kommen. Der Grund dieser Erscheinung liegt hier wie dort zum größten Theil in der Ar- muth, die nicht gestattet, dem Arzte auch nur das geringste Honorar zu gewähren, oder einige Groschen für Medizin in der Apotheke zu bezahlen. Ein anderer Grund ist ein wahr- Haft türkischer Prädestinationsglaube(Vorherbestimurungsglanbe), der nicht nur in Bezug auf das Kranksein, sondern auch bezüglich aller ihrer Lebensverhältnisse unter den Fabrikarbeitern ver- breitet ist. Vorschläge zur Verbesserung ihrer Lage werden oft mit den Worten zurückgewiesen:„Was hilft �jes uns, da- gegen anzukämpfen? Wir sind doch einmal bestimmt, unser Elend zu tragen." Ebenso der Rath, sich ärztlicher Hülfe zu bedienen, durch dieAeußerung:„Wem es bestimmt ist, wieder gesund zu werden, der wird es auch ohne dies", oder:„wessen Zeit um ist, dem kann auch kein Doktor helfen." Am meisten hört man dergleichen Acußerungen, wenn momentan die Lage der Arbeiter eine sehr drückende ist, und es ist deshalb wohl anzunehmen, daß Armu th und Indolenz(Gleichgültigkeit),**) sich bisweilen dahinter verstecken wollen, ohne eigentlich diesem Prädestinaticnsglauben zu huldigen. Jndeß ist er weit genug verbreitet und bildet ein wesentliches Hinderniß, daß der Ar- beilerstand von den ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu seiner Hebung Gebrauch macht.— „Die Strumpfwirkerei. „Wir können uns bei Betrachtung derselben sehr kurz fassen, denn alle die positiven und negativen Ursachen, welche den Ver- fall des Webergewerbes und des Gesundheitszustandes der Weber herbeigeführt, haben auch die Slrumpfwirkerei und die Strumpfwirker heruntergebracht. Aber außer diesen hat noch ein anderes Moment mächtig auf die Handarbeit eingewirkt, das ist die Erfindung und Einführung der mechanischen Rund- st ü h l e. Diese hat in Zeit von ca. 5 Jahren den Lohn der Handarbeit so weit herabgedrückt, daß trotz der Zähigkeit, mit welcher unsere Arbeiter an ihrem Gewerbe hängen, das natür- liche Correctiv: das Verlassen des Gewerbes in Masse, einge- treten ist; es sind-jetzt thatsächlich nur Diejenigen bei diesem Gewerbe geblieben, die es als Nebenarbeit betreiben, oder zu hinfällig sind, noch eine andere ungewohnte Arbeit zu verrichten. In Folge dessen und der starken Nachfrage nach Handfabrikat, die sich bald nach dem Aufhören des amerikanischen Krieges einstellte, herrscht momentan(Febr. 1866) eine gute Zeit bei den Strumpfwirkern, die Löhne sind gegen voriges Jahr ver- doppelt und verdreifacht. „Da aber wie gewöhnlich bald Ueberproduktion eintritt, so ist es leider nur zu g'ewiß, daß diese *) Feuchtigkeitsmesser— ein Instrument mit dem die Feuchtig- keit der Lust gemessett wird, wie mit dem Thermometer deren Wärme, und dem Barometer deren Schwere. **) Diese Gleichgültigkeit ist von dem Elend, sobald es einen ge- wissen Grad erreicht hat,»nzertrennlich. Wenn übrigens Dr. Michaelis seine Broschüre ein paar Jahre später geschrieben hätte, würde er zu demerken gehabt habe», daß die crzgebirgischen Weber durch das Elend nicht davon abgehalten werde», für die Verbesserung ihrer Lage zn wirken, und zwar aus dem einzigen zmn Ziel führenden Weg: dem der Agitation für gesunde staatliche und gesell schastlichc Zustände. Red. d. V. Freude gar nicht lange dauern wird.*) Ein wohlthätiger Einfluß der jetzigen hohen Löhne läßt sich noch nicht bemerken, theils weil dieselben noch nicht lange gezahlt werden, theils weil die Lebensgewohnhciten dieser Arbeiter so fest gewurzelt sind, daß es höchst schwierig ist, sie zu anderen überzuführen. „Mit der Strumpfwirkerei unmittelbar zusammenhängend ist ein Nebcngewerbe: das Zusammeunähcu und Brodire» der gewebten Strümpfe. „Dies an sich sehr leichte Geschäft wird doch dadurch ver- hängnißvoll für den Gesnndheitszustand, daß es ausschließlich von Frauen und Kindern verrichtet wird. Die Frauen werden dadurch abgehalten, ihre Wirthschaft ordentlich zu ver- sorgen, werden durch das anhaltende Sitzen selbst krank(Magen- leiden und Menstruationsfehler) und sind behindert, ihre Ange- hörigen ordentlich zu beköstigen. Das Schlimmste aber ist die■ Kinderarbeit: schon 5 bis 6jährige Kinder müssen Strümpfe nähen, dabei sieht man sie gewöhnlich auf Tischen, Fensterbretern und Fußbänkchen mit herangezogenem Unterschenkel hocken, so daß sie den zn nähenden Gegenstand an den Knieen anstecken und der Unterleib stets gedrückt ist. Da dies täglich geschieht, so lange das Tageslicht das Nähen nur einiger- maßen erlaubt, und die Arbeit meist in Räumen gemacht wird, die nichts weniger als reine Luft enthalten, so werden alle diese Kinder blutarm, bleichsüchtig und skrophulos, die Sterblichkeit derselben übersteigt daher das ge- wöhnliche Maß sehr bedeutend; die Ueberlebenden aber sind zu nichts zubrauchen, alswieder zudemGe- werbe derStrumpfwirker, Weber und Posamentirer**), und sind auch als solche siech und mit manchfachen Krankheitsanlagen behaftet. Die Kittderarbeit ist eiue der wirksamsten Nr- fachen zur Fortpflanzung und Vermehrung des Pro- tetariats.(Fortsetzung folgt.) Der Strike der Kohlengrubcnarbciter im Becken bou«Harleroi in Belgien. Die„Liberte" vom 21. Januar veröffentlicht einen Brief über diesen Strike, den wir nach der Uebcrsetzung des Crim- mitzschauer„Bürger- und Bauernfreund" hier folgen lassen. Er lautet: CharUroi***), 18. Januar. Ich habe den heutigen Tag im Becken von Charleroi verbracht und beeile mich, Ihnen die Eindrücke, welche ich ge- habt, mitzutheilen. Mehr als 12 Versammlungen sind heute von den Sektionsmitgliedern unter Beistand des belgischen Raths, der fast in allen seinen Gliedern vertreten war, im Becken abgehalten worden.'Nichts vermag Ihnen eine Vor- stellung von der Begeisterung der Grubenarbeiter zu geben. Zu GillyD hat man vier Versammlungen zugleich hallen müssen und doch haben noch mehrere tausend Arbeiter ihnen nicht beiwohnen können. In Dampremy war der ungeheure Saal„zum Lager von Moskau," der mehr als 4000 Personen fassen kann, gedrängt voll. In Marciiielle, Gohissart, la Docherie, stkoux, Torchies, Montigny an der Sambre, kurz» überall eine ansehnliche Menge und Einstimmigkeit darin, im Kampfe auszuharren. Das Feiern ist im Mittelpunkte des Beckens fast allge- mein; nur in den davon entfernter gelegenen Gruben wird noch gearbeitet, tagtäglich aber hört man von neuen Strikc's. Uebrigens herrscht vollständige Ruhe, waS die Aufschneidereien der Behörde um so lächerlicher macht. Die meisten hiesigen Bürgermeister haben gegen die Sendnng von Truppen prote- stirt und es abgelehnt, irgendwie für Kosten, die deren An- kunft verursachen würde, mit beizutragen. H. Hanoteau, Bürgermeister von Gilly, hat heute früh folgende Ankündigung anschlagen lassen: „Der Bürgermeister von Gilly hat daS größte Vertrauen, daß die Arbeiterklasse die Ordnung und die öffentliche Ruhe nicht stören wird. Er setzt seinen Verwaltungsbezirk davon in Kenntniß, daß er die Sendung von Truppen in die Kommune nicht verlangt hat. Es ist ihm die Mittheilung zugegangen, daß die Regierung diese Maßregel wegen dcS scblechten Zustandes des Kasernemenls von Charleroi er- griffen hat!" Der Bürgermeister von Marchienne hat es für nöthig gehalten, sich auszuzeichnen; er hat iin Weiler la Docheric durch Anschlag bekannt gemacht, daß Versammlungen von mehr als fünf Personen untersagt sind. Er kündigt an, daß die- jenigen Arbeiter, welche arbeiten wollen, würden geschützt werden. Derselbe Anschlagezettel in Chatelineau, nur mit dem Unterschiede, daß die Versammlungen aus fünfzehn Per- sonen bestehen können. Ich weiß nicht, wie man solche Maßnahmen bezeichnen soll, die der Ruhe gegenüber, welche von den Arbeitern be- obachtet wird, wahre Aufwiegelungen sind. In dieser Be- ziehung fordere ich Sie auf, den„Progres von Charleroi") zu lesen, der sich einer förmlichen Reaktionswuth hingiebt- Wissen Sie, wie die heutige Nummer desselben die Mäßigung der Arbeiter anerkennt? Ich führe wörtlich an: „Es herrscht vollkommene Ruhe und die Strikendcn wagen aus Scham darüber, daß sie ihre Familien in's Elend stürzen, kaum sich zu zeigen!!!" Seine ganze' gestrige Nummer enthielt nicht» als unge- heuerliche Hetzereien. Indem er die lange Reihe von Kohlen- werken aufführte, deren Arbeiter im Strike sind, fügte er je- oesmal, gleichsam" wie den Schluß einer Litanei hinzu:„Die Arbeiter würden viel lieber arbeiten, aber sie sind durch Todes- Androhungen in Furcht gejagt." Das würde spaßhaft sein, wenn es nicht widerwärtig wäre. In einem einzigen Orte, in Chlltelet, hat sich ein be- dauernswerthes Ereigniß zugetragen. Einige Arbeiter haben sich an das Carabinier-Kohlenwerk begeben, um das Einstellen der Arbeit zu bewirken. Die Behörde ist eingeschritten; glück- licherweise ist AlleS ohne schlimme Folgen abgelaufen. *) Hat auch nicht lang gedauert. Jetzt ist wieder einmal„floltcS Geschäft"— wird aber auch nicht lange dauern. Red. d. V. **) Hiermit giebt der Verfasser selbst genügende Antwort auf den vorher von ihm den Webern ic. gemachten Vorwurf, daß sie nicht anderen Geschäftszweigen sich zuwende». Red. d. V. ***) Charleroi liegt südlich von Vit sscl, nordwestlich von der im letzten Kriege vielgenannten sranzvsijchcn Festung Sedan, an der Sambre. ch) Nordöstlich vou Charleroi, ganz nahe dabei; ebenso die werter' hin genannten Orte. 2Btr wollen darauf aufmerksam machen, daß die Sektion von Chlltelet seit zwei Jahren durch Verfolgungen, die ihre Mitglieder zu erdulden hatten, gesprengt ist. Die Wirkungen des Strikes beginnen sich in den andern Industriezweigen bemerklich zu machen: mehrere wichtige Etablissements beginnen zu feiern, und in einigen Tagen wird deren Anzahl beträchtlich werden. Diese Erwägung ist von großem Gewicht für den Erfolg der Strikenden. Fügen Sic dem hinzu, daß die Bergleute des Beckens von Liöge(Lüttich) soeben an ihre Direktoren ein Zirkular gerichtet haben, in welchem sie erkläten, daß sie zu striken beginnen würden, ivenn man einen einzigen Waggon mit Kohlen nach Charleroi be- fördert. Die Solidarität der belgischen Grubenarbeiter ist von nun an eine ausgemachte Sache. Morgen und übermorgen finden neue Versammlungen statt. Zum Sonntag kündigt man mindestens fünfzehn an. Diese Versammlungen machen um so größern Eindruck, als man die Grubenarbeiter nur zu dieser Zeit zu sehen bekommt; die ganze übrige Zeit verlassen sie ihre Wohnung nicht. Man vergleiche diesen Strike mit denjenigen, die früher Statt hatten, und man wird die Fortschritte erkennen, welche die Internationale unter der Arbeiterklasse dieses Beckens zu Wege gebracht hat.—- Nachschrift. Wie wir aus der neusten Nummer der „Internationale" ersehen, sind die Arbeiter nach 10 tägigem Strike an die Arbeit zurückgekehrt, ohne ihren Zweck erreicht zu haben. Der Strike wird wieder aufgenommen werden, sobald die noch mangelhaste Organisation vollendet ist. Ueberall dieselben Erfahrungen, überall dieselbe Lehre: kein erfolgreicher Kampf gegen das Kapital ohne Organisation! Aus Amerika. New-York, 5. Jan. 1872. Die Partei der Administration, d. h. die im Besitz der Aemter befindliche„republikanische" Partei macht im Hinblick auf die zu Ende dieses Jahres stattfindenden allgemeinen Wahlen(Präsident, Kongreß u. s. w.) große Anstrengungen, sich Anhang unter der Arbeiterklasse zu verschaffen. But- ler'S Wahlagitation in Massachu sets im verflossenen Herbst war das Vorspiel dazu, und Agenten der Regierung sind überall thätig und suchen sich in die Arbeitervereine einzuschleichen, sogar in die Sektionen der Internationalen Arbeiter-Vereine, um ihre Drähte zu legen. Die Regierungsorgane in der Presse thun schön mit den Arbeitern, sprechen von jder„Be- rechtigung der Arbeiterbewegung" und stimmen sogar ihre schnöden Urtheile über die„Internationale" und die„Kom- mune" herab. Im Geheimen und„unter dem Siegel der Verschwiegenheit" werden sogar einzelnen' einflußreichen Mit- gliedern der Arbcitergesellschasten Mittheilungen gemacht über große, durchgreifende„Maßregeln zur Verbesserung ihrer Klassen- läge", welche Graut(der jetzige Präsident) vorschlagen und durchsetzen werde, sobald er--- zum zweiten Male er- wählt sei. Im Zusammenhange damit, und ein Theil dieses Planes zur Gewinnung der Arbeiterstimmen ist das im verflossenen Dezember von Hoar aus Massachusets im Kongreß der Vereinigten Staaten eingebrachte Gesetz zur Schaffung einer„Ar- beiterkommission"(Labor commission), welche die Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit untersuchen und eine Ar- beits-Statistik errichten soll. Das gab eine schöne Gelegenheit (und sie wurde reichlich ausgenutzt) zu langen wohlklingenden Reden über Arbeit und Arbeiter, wobei die Herren natürlich immer den Hauptlon auf Das legten, was sie selbst und ihre respektive Partei für die Arbeiter gethan, thätcn und thun würden. Nach diesen Reden zu urthcilen, wäre den Arbeitern sofort geholfen, wenn sie sich und ihre Sache, ihr Interesse bedingungslos diesen Herren übergäben. Interessant war c§, zu sehen, wie sich die Hauptredner- Alle auf die Internationale Arbeiler-Assoziation bezogen und beriefen, und besonders bcmerkenswcrth war, daß der Urheber des Gesctzvorschlagcs(Hoar) die Londoner„Konferenjbeschlüsse" der Internationalen Arbeiter- Assoziation(Septbr. 18.— 23. 1871) Betreffs der anzustellenden statistischen Erhebungen von dem Sekretär des Repräsentantenhauses amtlich und öffentlich verlesen ließ.— Das Gesetz wurde schließlich im Abgeord- nctenhause mit großer Mehrheit angenommen. Dagegen stimmten nur eine kleine Anzahl sogenannter Demokraten, weil sie der republikanischen Partei das daraus zu schlagende Kapital mißgönnen. In Kürze gelangt das Gesetz nun vor den Se- nat der Vereinigten Staaten und sind wir neugierig) waS der (besonders Hr. Carl Schurz) dazu sagen wird. Von seinen Verhandlungen darüber wird dem„Volksstaat" Mittheilung gemacht, und der Wortlaut des Gesetzes übermittelt werden, sobald dasselbe endgiltig angenommen ist.— Die alte Nationale Arbeiter Union(National Labor Union) wacht große Anstrengungen, ihre Leute in die zu errichtende Arbeitskommission zu bringen. Doch fangen auch die Gewerk- vereine an, sich zu regen nebst andern Arbeiiergesellschaften, um W. I. Jessup einen Platz darin zu sichern. Und nach dem, was der Mann bis jetzt gethan, zu urtheilen, dürfte kanin eine bessere Wahl zu treffen sein.— Als die Nachricht von der Hinrichtung von Ferrö, Rossel, Bourgeois und Cremieur hier eintraf, erhob die ganze amerikanische Presse ihre Stimme gegen diese Bar- barei, und das Verfahren der Republik„Thiers" wurde in den schärfsten Ausdrücken verdammt, mit Hinweisung auf die Handlungsweise der Vereinigten Staaten am Schlüsse des großen Sklavenhalterkrieges.— Die Internationalen Sektionen französischer Sprache in New- Uork beschlossen, einen Trauerumzug deshalb abzuhalten und wandten sich damit an das laut letztem Bericht gebildete Gegen-Komitee, dem fast sämmtliche französische Sektionen beigetreten. Dieses nahm die Angelegenheit eifrig in die Hand, er- nannte die dazu uöthigen Komitee's und beschloß, die Trauer- Prozession Sonntag den 10. Dezbr. abzuhalten. Es wurde «n Aufruf erlassen und— wie üblich— die Polizei von der beabsichtigten Prozession in Kennlniß gesetzt. Freitag, den 8. Dezbr. beschloß die Polizeikommission der Stadt New- Äork, diesen Trauerumzug nicht zu gestatten, und beauftragte den Polizeichef, denselben auf alle Fälle zu verhindern. Son- abend Morgen erschien dieser Polizeiukas in den Tagesblättern, wrlche fast sämmtlich sich tadelnd darüber aussprachen, und am Abend desselben Tages hielt das obenerwähnte Komilee Sitzung, worin es beschloß, sich der Gewalt zu fügen und die Trauerprozession am ersten Weihnachtstage, Montag, 25. Dezbr., abzuhalten. Einige Mitglieder indessen, besonders von Sek- tion 9(amerikanisch, New-9)ork), wollten sich diesen, Beschluß nicht fügen und ihren Umzug auf jede Gefahr hin abhalten. Mit Fahnenstangen, Fahne(aber unaufgerollt) zc. versehen, zogen sie denn Sonntag den 10. Dezbr. zwischen 1 u. 2 Uhr auf eigne Faust und zieinlich vereinzelt heran und wurden, als sie einen geordneten Marsch veranstalten wollten, von der Po- tizei zersprengt, sowie 6 Mann von ihnen verhaftet und bis zum nächsten Morgen festgehalten. Der Richter, welchem sie Montag Morgen vorgeführt wurden, entließ sie sofort ohne Weiteres. Nicht unbemerkt darf bleiben, daß die Po- lizei nicht blos in voller Stärke aufgerückt war, sondern daß auch 4 Milizrcgimenter in Bereitschaft gehalten waren.�— Jetzt nahm die ganze Tagespresse Par- tei gegen die Polizei, es wurde nun der Beschluß wegen des Weihnachtstages umgestoßen und angekündigt, daß der Umzug jedenfalls Sonntag, den 17. Septbr. stattfinden werde. Ko- mitee's gingen zu der Polizei-Kommission und von da zum Gouverneur des Staates, um Rücknahme des Verbots zu er- langen; darauf sahen sich die Hrn. Polizeipaschas genöthigt, ihren Beschluß aufzuheben und den Umzug zu gestatten, aber — welch Unglück!■— ohne polizeilichen Schutz. Und so fand derselbe denn statt Sonntag den 17. Dezbr. In einem ferneren Ausrufe wandte sich das oben erwähnte Komilee an alle Menschen'und Bürger zur Theilnahme an dem Umzug. Die offenbar willkürlichen Handlungen der Po- lizei, die albernen Ausflüchte des Gouverneurs(in so schreien- dem Widerspruch mit seinen„Thatcn" vom 12. Juli v. I. beim Jrländer-Gemetzel), die dem Umzug günstigen Auslassungen der gcsammlen Tagespresse— dies Alles trug dazu bei, Sym- pothien zu erwecken, und so wurde die Prozession ein paar Tauscnd Plann stark, während die Zahl der eingeschriebenen Mitglieder der Internationalen Arbciter-Assoziation in New-Aork wohl kaum 500 übersteigt. Eine Anzahl Frauen, voran die Damen Woodhull und Claflin, marschirten mit zu Fuß, ebenso eine starke Delegation- der Kubaner und die rothe Fahne flatterte Allen voran. Das bedeutungsvollste Element dabei war wohl die Bctheiligung einer nicht unbe- deutenden Zahl von Jrländern, u. A. I. O'Donnovan Rossa, die damit dem Niederbrechen alter eingewurzelter na- tionalcr und religiöser Vorurtheile unter ihren Landslcuten erheblichen Vorschub geleistet.— Es haben sich der Internationalen Arbeiter-Assoziatiou ferner angeschlossen eine 2. deutsche Sektion in Phila- delphia, eine 3. deutsche Sektion in Chicago und eine skandinavische Sektion in Chicago. Carl Schurz hielt neulich eine große Rede in Brök- lyn, einer Nachbarstadt New-Aorks, über die„Deutschen" rc., worin er besonders den„großen" Staatsmann Bismarck pries und ihm das Verdienst einer wichtigen Neuerung im diploma- liscbcn Verkehr zusprach, nämlich das Verdienst der„Wahrhaftig- keit"(trutb telling).*; Zum Schluß sprach er seine Meinung dahin aus, daß auch Deutschland in nicht zu ferner Zeit eine große Republik bilden werde**).— Sollte das Letztere eintreten, so geschieht es jedenfalls ohne, nein! sogar gegen daS-Zuthun des Herrn Senators. Aus eiuer Dvrfgemeiude. Wie's in den großen Kreisen zu gehen pflegt, so geht's auch in den kleinen; wie im Staat, so treibt man's auch in den Stadt- und Dorfgemeinden. Wer im Besitze der Macht ist, der sucht dieselbe festzuhalten, und sein Gerechtigkeitsgefühl ist in den meisten Fällen nur dann gekränkt, wenn er in seinem eigenen Rechte sich verletzt fühlt; das kann aber gar leicht gc- schehen, weil s ein Recht einen bedeutenden Umfang hat. Dem Andern, der in der gesellschaftlichen Ordnung(diesem wider- sinnigen Dinge, das verschiedenes Maß für vor der Vernunft gleichberechtigte Menschen hat) eine oder einige Stufen niedriger steht, gemährt er sein Recht nur dann, wenn ihn die Gesetze dazu zwingen; auch diese sucht er häufig zu umgehen oder künst- lich zu seinen Gunsten auszulegen. Vor allen Dingen sucht der Besitzende alle Lasten möglichst von sich abzuwälzen, un- bekümmert darum, wie schwer dieselben auf die Schultern der minder Begüterten drücken. Wenn er nur sein Schäfchen ins Trockene bringen kann; mögen jene, die ja doch zu nichts Besserem bestimmt sind, sehen, wie sie fertig werden. Das waren die Gedanken, die uns durch den Sinn gingen, als wir die Gelegenheit hatten. Einiges aus der Nachbarge- meinde Laugcubernsdorf zu hören, das wir unfern Lesern mittheilen wollen, so wie wir cs aus glaubwürdigem Munde vernommen. Es ist kein Verbrechen und nichts Ungeheuerliches, wovon wir zu berichten haben, dafür aber auch um desto ge- fährlicher, wenn es nicht kräftig abgewehrt wird von Denen, die es trifft. Gegen eine schnöde Gewaltthat findet man stets und von-allen Seiten her Hülfe; aber das Meiste wird gc- frevelt durch jenes Verfahren, vermittelst dessen auf scheinbar rechtlichem Wege dem Unbegüterten das Wenige, worüber er noch zu verfügen hat, unmerklich gekürzt wird und die geringen Rechte, die er sein nennen kann, ihm, wenn er nicht auf der Hut ist, allmählig geraubt werden. Nach dem Orlsstatut von Langenbernsdorf bilden die Gutsbesitzer innerhalb der Gesammtheit der Gemeindemit- glieder, der sogenannten politischen Gemeinde, eine besondere Klasse, die übrigens selbst wieder nach der Größe des Be- sitzes in drei verschiedene„Heerden" oder„Genossenschaften" eingetheilt ist. Eine Klasse muß auch Klassenvorrechte haben, und diese zählen die KZ 7, 8 und 9 des Statuts auf. Die Gutsbesitzer benutzen ausschließlich gewisse Garten-, Hntungs-, Feld-, Wiesen- und Holzgrundstücke; ihnen steht ausschließlich die Reiheschankbcfugniß, sowie das Recht der Ausübung oder Verpachtung der Fischerei im Dorfbache zu. Wenn man mit diesen Vorrechten die ihnen allein zufallenden Leistungen ver- gleicht, dann muß man sich sagen, daß hier ein bedenkliches Mißverhältniß obwaltet. Doch dasselbe ist einmal vorhanden und statutenmäßig festgestellt; Sache der nächsten Zukunft ist es, darauf hinzuwirkeil, daß solche„wohlerworbenen Rechte" der *) lieber dieses Compliment mag Herr Bismarck sich doch etwas gewundert haben, so sehr er sonst an die Complimente seiner schweif- wedelnden, knechtseligen Landsleute gewöhnt ist. **J Mit Bismarck, dem„Wahrhastigen", an der Spitze? Gleichberechtigung aller Arbeitenden Platz machen. Zunächst ist darüber zu wachen, daß von Seiten jener Bevorrechteten nicht neue Uebergriffe gemacht werden, wie es in der Ge- meinde Langenbernsdorf in jüngster Zeit geschehen ist. „Am 14. Juli, sowie am 24. September des verflossenen Jahres wurden von dem Gemeindevorstand, in dem die Häus- ler und die unangesessenen Gemeindemitglieder statutengemäß stets die geringere Zahl bilden, also beim Zusammenhalten der Bevorrechteten stets überstimmt werden müssen, Gemeindean- lagen für Wegebau beschlossen, obgleich sämmtliche Vertreter der Hausbesitzer ihre Zustimmung zu geben sich weigerten, da der Hausbesitzer nach dem Lokalstatut nicht wegebaupflichtig sei. Und wirklich führt dasselbe auch im K 15 unter den Leistungen, die den Gutsbesitzern allein mit Ausschluß der Hausbesitzer und Hausgenossen obliegen, als zweite „die Herstellung und Unterhaltung der öffentlichen Kommuni- kalionswege" und als dritte„die Anschaffung und Anführe der Materialien zuin Bau und zur Unterhaltung" derselben an. Trotz dieser Weigerung, die zum Einlegen der Berufung an die vorgesetzte Amtsbehördc führte, wurde dem Beschlüsse Folge gegeben, weil die Mehrzahl,— und wir wissen ja, was diese hier zu bedeuten hat,— sich dafür erklärt hatte. Man verlangte die Zahlung der Anlage in kurzer Zeit, und drohte andernfalls mit Exekution, also wider den klaren Wortlaut des Statuts und obgleich die dadurch entstandene Differenz von Seiten der Oberbehörde noch nicht erledigt war. Viele ließen sich durch die Drohung einschüchtern und zahlten. Als die Mehrheit des Gemeinderaths aber sah, daß einige entschie- dene Männer, die sich kein X für ein U machen lassen»voll- ten, dazu entschlossen waren, ihr offenbares Recht durchzu- setzen, da verfielen sie auf einen andern Weg, sich aus der Klemme zu ziehen. Die Gelder waren zum Theil einkassirt; zurück konnten sie nicht gezahlt werden, denn dann hätten die Herren ihre Sünde ja eingestehen müssen. Wie sollten sie beim Jahresschluß zur Rechnung gebracht werden? Wie ge- sagt, inan wußte Rath. Ende Dezember folgte, nachdem man die Vertreter der Hausbesitzer für sich zu gewinnen verstanden hatte, ein neuer Gemeinderathsbeschluß, vermittelst dessen beide Anlagen nachträglich so umgeändert wurden, daß sie jetzt zu Zwecken, für die auch die Hausbesitzer beizutragen haben, ver- wendet werden sollen. Aber selbst dieser neu ausfindig ge- machte Bedarf war schon durch eine Anlage vollständig ge- deckt. Wozu wurden beide von den Vertretern der HauSbe- sitzer bewilligt? Warum soll der Hausbesitzer diese Last fürs andere Jahr im Voraus bezahlen? Mußte jenen Vertretern hier nicht sofort die Armuth ins Auge fallen? Haben sie un- tcr ihren Wählern nicht Familienväter, die bei den jetzigen hohen Preisen für den Lebensunterhalt kaum das Nothwendige erschwingen können? Oder ist etwa die Gemeindekasse in zer- rütteten Zuständen, denen man abzuhelfen bemüht sein müßte? Das ist aber keineswegs der Fall. Man kann daraus sehen, wie hier die reine Willkür, die mit einem gewissen Scheine des Rechts sich zu umkleiden wußte, nicht nur Anlagen ansschrieb, sondern auch noch obendrein gleich mit der barschen Androhung von exekutivischer Bcitrci- bung derselben bei der Hand war. Ehe solchen Zuständen nicht ein Ende gemacht ist, kann das wahre Wohl der Gemeinden nicht gedeihen. Darum mö- gen alle Diejenigen, welche auf diese oder ähnliche Weise in ihren Rechten geschädigt werden, fest zusammenhalten und mit vereinter Kraft allen Uebergrifsen von Seiten der Bevorrech- teten entschiedenen Widerstand entgegensetzen. Nur dann ist es möglich, daß bessere Zeiten erblühen, und mit dem Wunsche, daß diese als Folge rüstiger Thätigkeit recht bald herannahen mögen, verlassen wir diesen Gegenstand, um bei passender Ge- lcgenheit uns über andere Mißstände in den Dorfgemeinden auszusprechen. („Crimmitschauer Bürger- und Baucrnfreund.") Anfraae an den Borstand der deutschen Schiller- stistnng. Unter den im Jahre 1870 von der Schllerstiftung mit einmaliger Unterstützung von 50— 150 Thlrn. Bedachten befindet sich neben den Namen mit Recht dotirter Personen von größerem oder kleincrem Verdienst um die Literatur auch ein Dr. Weithmann aus Lindenau bei Leipzig, von dessen Wirksamkeit wir trotz umfassender Nachforschung weiter nichts erfahren konnten, als daß er während der Kriegsperiode einer der patriotischen Haupttoaster in der„Guten Quelle" in Leipzig war*), aus welcher bekanntlich alle des„Frauzosenthums" Ver- dächtigen hiuausgetölckt wurden, während ein berüchtigter Arzt, welcher für 800 Thlr. jährliches Gehalt seine Unterschrift dem jüngst verstorbenen Laurentius, Verfasser des„Persönlichen Sch(m)utz", zur Betreibung seines Gaunerhandwerks lieh, zu den Ehrengästen daselbst zählte.— Angesichts der Thatsache nun, daß Ludwig Feuer dach im Elend lebt, fragen wir: 1) Ist der Vorstand der Schillerstiftung vielleicht in der Lage, uns über die obige Frage Auskunft zu erthcilen? 2) Ist in ganz Deutschland Jemand vorhanden, welcher uns mittheilen könnte, was eigentlich der von der Schillerstiftung dotirtc Dr. Weithmann in der Literatur geleistet hat? Mehrere Leipziger Studenten. Wandsbeck, 24. Jan. Den Parteigenossen aller Orts zur Nach- richt, daß in Wandsbeck sich ein sozial- demokratischer Arbeiter- Verein organisirt hat; bei seiner Konstituirung haben 23 und nach- träglich noch 24 Mi-gliedcr sich einzeichnen lasten. � ' Gewählt wurden I. Jahncke als Vorsitzender und I. Meier als Kassirer, und Unterzeichneter zum Schriftführer. Mögen nun immer nichtige Agitatoren herkommen! Mit sozialdemokratischem Gruß-. � H. Lüttjohann,«schulgasse II, Nr. 28. Brannschwcig. 24. Januar. In der hiesigen Eisenbahnwagen- Bauanstalt striken seit diesem Morgen fast sämmtliche Arbeiter. Ver- anlassniig hierzu bildet das taktlose Vrrsahrcn des Fabrikdirektors Herrn Friedrich Deicke, welcher die Arbeiter einer Lappalie halber aus das Gröbste an ihrer Ehre gekränkt und sich geweigert hat, seine Be- leidigung zurückzunehmen. Wir bitten dringend alle demokra- tischen Blätter hiervon Notiz zn nehmen, und jeden Zuzug von Wagen- arbeitern von Brannschweig fern zu halten. Die Stimmung ist vor- tresslich. *) Die Herrn Fragesteller irren, indem sie Herrn Weithmann jede« literarische Verdienst absprechen. Er hat weiland die Karnevalzeitung der„(Knien Quelle" redigirt, was wir im Interesse der Wahrheit zu konslatircn uns verpflichtet fühlen. Man muß auch dem Feinde ge- recht sein. Red. d. V. Fortsetzung von Seite 1. laube'� zuvor gefragt hätte.— Aber im Ernst, an wen hätte sich Memminger denn wenden sollen außer an die Demokratie? Waren ja die frühern Anhänger und Vergötterer des alten Philosophen zu sehr beschäftigt mit der altkatholischen Agila- lion! Zudem war diesen Herren die traurige?agc Feuerbachs schon seit Jahren bekannt; dieselben hatten zwar, früher einmal beabsichtigt, öffentliche Aufforderungen ergehen zu lassen, man hatte zu jenem Zweck Ehren-Gartenlaube auserschen, aber das gänzliche Stillschweigen derselben verblüffte die guten Leute so, daß sie erschreckt den ganzen Plan fallen ließen. Jetzt treten sie wieder heraus ans Tageslicht, und ihre obskuren Namen werden nächstens unter feierlichen Ansprachen an die deutsche Nation tm Namen des Deulschthums zu finden sein. Sie werden Zentralkomitees für Feuerbach gründen und fein spieß- bürgerlich sammeln— mit hoher obrigkeitlicher Erlaubniß.- Auch der Chemnitzer„Freien Presse" ist, wegen ihrer „staatsgefährlichen" Tendenzen der Postdebit in Oesterreich. entzogen worden. Nichts lernen und nichts vergessen, bleibt die Devise der Wiener Staatszerstörer. Leivjilt.(Koatition der Buchbindmibesitzer.) Um in dem Sueben der fiablitante», sich gegen die Arbeiter zn verbinden, nicht hinteiian zu stehen, h..ben eine Änzahl hiesiger Buchbinderei- besitzcr sin einer am Ä Januar abgehaltenen Versammlung ein.» Verein gegründet. Damit die arbeiterfeindliche Richtung dreserVer- «inigung allgemein bekannt wird, mögen hier die wichtigsten Para- graphen oer Statuten derselben folgen: Jl. Bei den jetzt epidemisch auftretenden Arbeitseinstellungen ewerbsgehülsen halten es die Leipziger Buchbindereibesitzer für aebotcn, eine Vereinigung zu bilden, um den rheilweise unbillige» Korverunge» der Arbeiter nach kürzerer Arbeitszeit uns döherm Loh» entgegen zu trete». ji 3. Dre chtirglieoer der Buchbiuder-Vereinigung verpflichten sich, bei einem ftatlsiridendeu allgemeinen Strike die Theilnchmcr au derselbe» bei->0 Tvaler Aonveuttonalstrafe für jeScil einzelne» Arbeiter«icht in Arbeit z»»ehute». 4. Die Vertretung der Bnchbindereibesitzer-Vereinigung findet statt durch eine aus S Personen bestehende, von den Mitgliedern gewählte Kommission. Dieselbe kann jedoch auch bei ausgcbrochenen Oifseren.en zwischen Arbeitgeber und-nehmer eme Anzahl Geh lllfen zur Beralhung zuziehen. zi 5. Sollte in einzelnen We-tstätteti Massenarbeitseinstellung stattfinden, so kommt tz 3 für die Mitglieder so lange in Anwendung, bis die Kommission darüber entschieden hat. Zi 6. Die Kommission hat zu prüfen, ob die Forderungen der GeHülse» in den zs 5 angeführten Fällen gerecht oder ungerecht sind. js 7. Dem Unheil der Kommission hat sich jedes Mitglied zu unterwerfen. Ferner hat die wohllöbliche Komiinssion, um den Lamentationen der Buchbindereibesitzer über zu wenig Profit gerecht zu werden, einen Tarif ausgearbeitet, welcher, wenn zur Durchführung gebracht, d«e jetzt schon schlechten Löhne noch weiter heruntersetzt. Nach diesem Varif soll eine größere A r beits tyeilu n g eingeführt, und jede Arbeit, wenn nur irgend möglich, nach Stück berechnet werden. Da die Preise so schon schlecht gestellt sind, wird hier die Form des Stücklohns das treibende Motiv zu übermäßig angestrengter Arbeit ab- geben, wozu der amerikanische Sklavenhalter die Peitsche hatte. Herr Sperling hat in seiner Buchbinderei den Stücklohn schon bedeutend herabgesetzt. Er konnte das freilich leicht ausfü ren, da die Buch- bindergehilsen keine Vereinigung haben. Bedar f es noch mehr Beweise, all bis Obigen, sürdieAi beilerinBuchdindereien, daß eineVereinigu ng uothwendig ist, uin otchen zeilwidrigen Anforderungen der Arbeit- geber entgegen zu treieu? Leipzig. Heber dcu Strike der Stuttgartervuchdrucker- g, Husen wird der„Frankfurter Ztg." unterm tW. Januar aus Stutt gart geschrieben: „Der Setzerstrike ist als beendigt anzusehen; gegen 140 der feiern- den Gehilfen haben die Stadt verlassen, ein kleiner Theil hat sich zu- sammengethan, um eine Assoziaiionsdrnckerei zu errichten, und schon sind einige der Strikenden zu ihren Offizinen zurückaekehrt, um zu den allen Bedingungen die Arbeit wieder aufzunehmni. Es steht zu hoffen, daß die Druckereibesitzer, auch im wohlverstandenen eigenen In- teresse, nicht bei dem früher gefaßten Beschlüsse, keinen der Strikenden wieder zu Gnaden anzunehmen, beharren weiden; sind auch für den Zeilungsfatz annähernd genügende Kräfte vorhanden, so fehlen doch den Accldenzdruckereien die allen, gut geschulten Arbeiter. Letztere, meist veiheirathel, wollen und können sich von Stuttgart nicht trennen. Sie werden daher genöthigt sein, aus dem allgemeinen Buchdrucker- oerbande auszufcheiden, um wieder hier Arbeit nehmen zu können." So die„Fiankfurler Ztg." Glücklicherweise besitzen die Buchdrucker ihr eigenes Organ, den„Correspondent für Deutschlands Buchdrucker und Schrtsigießer." Derselbe schreibt unterm 21. Jan., also 5 Tage später als die„Frankfurter Ztg.", in derselben Angelegenheit: „Situaiion unverändert. Ueber üOE Kollegen sind abgereist, bei Cotta haben sämnitliche Unverheiratdete den Berheiratheren Platz gemacht. Zuzug schwach, die Ateislen verlassen Stuttgart wieder, nach dein sie von den Vorgängen Kenntniß genommen. Ein Biitgesuch des Herrn Grunuinger an die Abgeordnetenkammer wegen Verzögerung der Landta-sarbeiten. urde abgewi.sen, dagegen sollen aus Anordnung des Kriegsminisleriuins sämmtliche Setzer zc. beurlaubt werden. Endlich hat stich eine Buchdrucker-PiOduktivgenossenschaft gebildet, die in kurzer Zeit ins Leben irelen wird.— Die bis jetzt zu oerzeichiieiiden.Beweise von Eyrenyastig'ett, ivie sie von unseren Kollegen gegeben worden sind, dürsten zur eifrigsten Nachahmuna anspornen, besonders die soldatischen Kollegen." Diese beiden Berichte stehen sich also gegenüber. Die„Frankfurter Ztg." läßt de» Strike beendigt sein— nach dein„Correspondent" ist die Silutalion unverändert. Der„Correspondent" ist und muß gut il»- terrtchier sein, der Verband verlangt das von ihm. Der Korrespondent der „FranksurterZtg." hat demnach gelogen und zwar im wohl verstandenenJn- teresse der Druckereibesitzer. Es ist dieses um so befieindlicher, als der Besitzer der„Frankfurter Ztg.", HerrSonnemann's auf dem im September vorigen Jahres abgehaltenen Buchdrnckertage ossen seine Sympathien für die Bestrebungen der deutschen Buchdrucker ausdrückte. Trotzdem jetzt der Bericht der„Frankfurter Ztg." von der nationalliberalen Presse eifrigst veibreitet wud, dürste der Zweck desselben, d:e Buchdrucker über de» Stand des Strikes irrezuleiten, nicht erreicht werden. Dabei passirte dein Drnckereibesitzer Schön Uin kürzlich das Malheur, daß er in Brünn Setzer zu ungünstigeren Bedingungen suchte, als sie in Brünn selber exlsiuen. In Brünn wird 1» Stunden gearbeitet, Schönlein osjerut IC'/, Stunden. Ein Brünner Buchdrucker ruft Herrn Schönlei» deßhalb zu, er solle sich nach China wenden, in den Kulis werde er die zu feinen Zwecken brauchbarslen Arbeiter finden. Die Brünner Buchdrucker seien Anhänger der 8-Stundeiiarbeit, und trotzdem ihnen nach dein Gesetz der Anschluß an den Buchdruckerverein untersagt sei, würde sich doch Nieinand finden, der die Bestrebungen desselben nicht unterstützte. Bon Lausigk erhalte» wir folgende Berichtigung: In Nr. 4 des„Volisstaal" befindet sich ein Korrejpondenzartikel aus Lausigk, in welchem ofsenbaie Unwahrheiten gemeldet werden. Es «iid darin». A. gesagt, cie von dem Vorstaiioe der Webergesellen- krankenkasse eingereichten Statuten für diese Kasse seien von dem Studtrathe zu Lausigk verworfen worden. Diese Beyauptung ist, wie sich aus den fiadträthlichen Akten klar ergiebt, ebenso unwahr, als die, daß die beregten Statuten von der Königlichen Kreis- Direktion be- stäiigt worden seien. Im Gegentheil hat die Letztere auf die von den Webergeselleil durch Herrn Adootat Hofmann in Borna geführte Be- schwerde in einem an den Stabtraih zu Lausigk ergangenen Beschlüsse Wir müsse» hier unsere Ueberzeugung aussprechen, daß weder Herr Sonnemann, noch die Redaktion der Frankfurter Ztg." bei Auf- nähme dieser Korrespondenz gewußt hben, daß dieselbe Lügen enthält. R. d. B. Bescheidung dahin ergehen lassen, daß die Webergelellenkrankenkasse.zur Zeit jedenfalls nicht als eine bestätigte oder in das Genossenschafts- register eingetragene Krankenkasse anzusehen sei, deshalb aber die Weber- gesellen sich nicht entbreche» könnten, zu der von dem Stadtrathe zu Lausigk gegründeten Allgemeinen Krankenunteistütziings- und' Begrab- nißkasse zii steuern. Wenn serner i» dem gedachten Korresvondenzartikel miigethcilt wird, daß die Webergesellen von diesen« Entscheid nicht be- .nachrichtigt worden seien, so kennzeichnet sich die« ebenfalls als eine Unwahrheit, denn der Vorstand der Webergesillenkrankeiikasse Herrmann Jope ist ain 7. Oktober vorigen Jahres an Rathsstelle vorgeladen und von dem am 4. Okiober eingegangenen Beschlüsse der Königlichen Kicis-Tircklion zu Leipzig in Kenntniß ges-tzt und verstän- digt worden, und hat derselbe auf Ansuchen sogar Abschrift dieses Be- schlnsies und einer in der Sache früher ergangenen Kreisdirekt-onsver- Ordnung ausgehändigt erhalten. Thalsache ist, daß der Kassenbestand der früher bei der Weber- innüng bestandenen Geselleiikrankeiikafse dem Obermeister dieserJunung abgefordert und den gesetzlichen Bestimninngen gemäß zu dem Reserve- sond der Allgeiiieinen Krankenunterstützungs- und Begräbnißkasse für Gewerbsgehülsen, Dielistboten und Fabrikarbeiter geschlagen worden ist, denn es kann, bei einer Mitgliederzahl von nur 22, von dem Fortbcstehen der Webergesellenkrankasse in Rücksicht der gesetzlichen Be- stimmungen überhaupt nicht die Rede sein. Selbstverständlich wird dieser Kassenbestand an die Webeigesellen auch nicht a::sgc!-ändigt werden. Bürgermeister Fabian. Lausigk, am 19 Januar 1872. Wir uberlassen es unserm Berichterstatter, sich über diese Berich- tigimg auszusprecken. Agram, 29 Jan. Ein Heilmittel gegen Strikes. Ueber den hier ausgebrochenen Setzerstrike entnimmt die Wiener„Deutsche Ztg." einem ihr vorliegenden Schreiben, daß am Tage nach der Er- kläriiiig des Strike zwölf strikende Setzer vor Gericht zitirt und neun von diesen ohne Verhör eingesperrt wuroen. Zn essen bekamen die Jnhaftirten nichts; sie mußten sich ans eigene Kosten das Essen holen lassen. Das datierte drei Tage, dann kamen noch drei strikende Setzer als Zuwachs in das Hastlokal.„Dieses Lokal, in welchem sich nun zwölf Jnhaftirte befinden," heißt es in dem Briese weiter,„ist durchaus kein Ztinmer, sondern ein Loch, das keine Betten enthält, sondern nur eine Pritsche ohne Decken, aus welcher sieben Mann Platz haben." Die Jnhaftirten mußten sich erst von Angehörigen oder Beamten etwas Bettzeug verschassen. Als sie nach drei Tagen verhört wurden, eröfsnete ihnen der Richter:„Wenn Sie von der Forderung(Preisstuibesserung) abstehen, sollen Alle be- freit werden." Dieser Vorschlag wurde von den Jnhaftirten zurück- gewiesen. Daraufhin erschien ein Senator in den Druckereien und erklärte, daß Jeder, der morgen nicht arbcitet, unverzüglich angezeigt, respektive eingesperrt wird. Geldsendimgeit und Zeitnilgen, die au hiesige Buchdrucker adressirt waren, wurden konfiszirt. Die Panduren sahnden weiter auf Strikende.... Selbstverständlich werden sich die Arbeiter solche Ungesetzlichkeiten merken." Soweit die Korrespondenz der„Deutschen Zeitung". Wie die Sache geendet hat, ist uns noch nicht bekannt. Nürnberg, den 18. Januar. Zur Apolheose des Herrn Fabrikanten iind Abgeoidneren v. Krainer-Klett. Es wird gegenwärtig mit größtem Eifer dafür gearbeitet, um genanntem Herrn an dem Tage seines 2b. jährigen Besitzes der Fabrik eine�aiißerordentliche Ovation zu bringen. Eine Masse solcher Agitatorrn und Beobachter wurden auf „höheres Geheiß" überredet, die Arbeiter zur Veranstaltung eines Fackelzugs zu bewegen; an der Spitze dieses Unternehmens stehen die HerreiM Speisezettelschreiber) He n so ld»nd(Siangenbalter) Vest- »er. Es wird wieder so sein, wie anno 68, wo man für die Arbeiter unter dem Vorwande„für die hungernden Preußen" ein Konzert ver- anstaltete nnd dort die Leute gehörig für die herannahenden Zoll- parlaments-Wahlen bcarlnitete; schließlich wurde der Besuch öffentlicher Versammlungen ourch Plakate in der Fabrik verboten. Dazumal war es auch, wo jede Sammlung oder derlei Sachen i» der Fabrik strengsteils verboten waren, jetzt läßt man für einen Fackelzug, den ihm die Arbeiter bringen sollen, pro Mann 36 Kr. sammeln. Nach der Behandlung, die die Arbeiter dort erfahren, dürf- teil sie eher alles Andere thun, ajs 36 Kr. zahlen. Man höre: 1) Der Arbeiier Pfeifer, weil er es am Dienstag verschlief, wurde vom Vorarbeiter V estner 8 Tage in Hausarrest geschickt. 2) 3 Arbeiter(Landwehrleute), die bei einem Kollegen auf der Hochzeit am dritte» Weihnachis-Fciertag waren, obwohl an dem Tage das präcise Erscheinen nicht geboten ist, bekamen 3 Tage Ha»Sarrest vom Voiarbciter Vrau. 3) b Arbeiter vom Vorarbeiter Lauer, die Samstag den 13. d. M. ihren verdienten Lohn nicht bekommen haben, gingen Montag zum Verwalter Henfold; dieser schickte sie zurück zum Vorarbeiter Lauer und dieser wieder zurück— und das ging so lange, bis den Arbeitern das Laufen zu viel wurde. Soll daS etwa ein Vorgeschmack zum JnbiläumS-Fest sein? Mebrere Arbeiter der Kramer-Kleti'schen Fabrik. Nürnberg. Militarismiis. Daß mau bestrebt ist, unsere Zustände denen in Preußen analog zu machen, mögen folgende That- fachen beweisen. Ein Soldat hatte kürzlich auf der Wache die Ohren erfroren. Er meldete sich in'S Spital, bekam jedoch wegen dieser Mel- düng drei Tage Dunkelarrest und liegt jetzt in Folge dieses Ar- restes an Blutvergiftung todtkrank darnieder. Eine Anzahl Ar- tilleristen hatten in der Nacht in einer Wirthschaft Möbel und Fenster demolirt, ruhig nachhanse Gehende ins ulti rt und einige verwun- det. Von etwa 6 verschiedenen Seilen wurde bei den Vorgesetzte» Klage eingebracht. Die Beschwerdeführer wurden eingeladen, Nach- mittags einer Aufstellung der Batterie beizuwohnen und die Schul- digen zu bezeichnen. Dies konnte unmöglich geschehen, denn dieselben halten sich unkenntlich gemacht, die Barte rasirt, die Angenbranen ge- färbt». s. w. Man sagt, dies sei auf den Rath der Offizieie ge- schehen, was sehr wahrscheinlich ist, denn eine Veränderung der Unter- qebenen, die er täglich erblickt, wie Bartabnehmen, bleibt doch einem Offizier nicht verborgen und ist also die Absicht, den Thätern durch- zubelfen, unzweifelhaft.— Vor Kurzem ritt in Fürth mit gezogenem Säbel ein Soldat im Galopp durch die Straßen, Leute bedrohend, Geschicre niederreitend u. s. w.(Der„Fränk. Kurier" brachte eine sehr erbitterte Schilderung seiner verschiedenen Heldenthaten). T ie ganze Strafe des Menschen bestand in drei Tagen Zimmerar- rest!— ES lebe das neue Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte! Halle. In den hiesigen Masch! Ilenfabriken ist seit dem l. Januar der lOstündige Arbeitstag einaefütirt worden„ohne Her- absetziing des Lohnes"— es giebt nämlich fast nur Akkordarbeit, sehr selten Lohnarbeit. Penig, den 29. Jan. In Bezug auf den verunglückten Arbeiter Kretzschniar ff. Nr. 7 d. Bl.) ist zu bemerken, daß für jedes Kind wöchentlich 7'/, Gr. aus der Armenkasse gezahlt werden, für die Wittive nichts. ■ Göppingen(Württemberg). Am 2. Januar sprach hier Kölsch zOssenbach) in einer von 299 Personen besuchten VolkSversamni- lung über die soziale'Frage und zur größten Zufnedeiiheil der Au- wesenden. Der Bortrag wird als Beilage dem hiesigen Lokal- blakt„Hohenstaufen" beigegeben werden. Nach Schluß der Bersammlung meldeten sich 25 Arbeiter zum Beitritt zu unserem Verein. Zur Notiz. Auf mehrfache Anfrage», bezüglich dcs.Aboilnementspreises bei den Filialexpeditionen, diene hierdurch zur Mittheilung: Die Filialexpeditioneii, welche per Exemplar vierteljährlich 2 Sgr. erhalten— wofür sie jedoch das Porto zu tragen haben— sind verpflichtet, den Abonnenten, die das Blatt abholen, dasselbe mii l2 Gr. vierteljährlich abzugeben. Für die Bestellung ins Hans darf jedoch die Filialexpcdition eine kleine Bergütuag von den Abouiienten beanspruchen. Die ausgeschriebene Kolporteur- Stelle für Leipzig und Umgegend ist besetzt.____ D. E. d. V._ Ertläruug Das„Saalfelder Kreisblau" und d r„Krimmitschauer Anzeiger" bringen über die von mir in Saalfeld abgehaltene Volksver- sammlutig Berichte, welche voll von Lügen si»d. Ich werde bei nächster Gelegenheit dieselben in einer zweiten Versammlung enthüllen und fordere die Referenten jener Blätter auf, mir dort Rede zu stehen. Erfurt. H. Jmhof, Krämerbrücke 31. Berichtigung. In der Quittung über die Chemnitzer Sirtkegelder ist Walden- bürg bei Glauchau durch einen Druckfehler mit 1 Thlr. statt mit 5 Thlrn. Beitrag verzeichnet. D. R. d. V. Freiwillige Beiträge für die Partei. Von G. L. in I. 5 Thtr. erhalten. Für politische Geiiiaj; regelte. Von T. in Reudnitz 1 Thlr. erhallen. Von G. L. in I. 5 Thlr. Speziell für die Herdorner Geniaßregelten: Vom fozial-demokratischen Arbeiter- Verein in Leipzig 1 Thlr. 22 Gr., von Mitgliedern des Ar- beiter- Bildungs- Vereins in Lcipzig 2 Thlr. 15 Gr. Für den„Bolksstaat". Freiwilliger Beitrag von A. H. in Wiesbaden 15 Gr.__ Brteskaste«. Der Redaktion: Penig: 1)„Deputation" noch nicht bestimmt. 2) Festzustellen, wie sich Zwilchen der vorletzten und letzten Volkszählung das Verhältniß von Bourgeoisie zur Arbeiterklasse gestaitct hat, sind wir aus Mangel statistischen Materials nicht im Stande. Eine solche Arbeit ist übrigens nicht leicht und ist am besten den Fachmäiiiiirn, den Statistikern, zu überlasse».— M. in K. bei E.: Sorgen«ie nur für rasche Hersendung— Aufnahme erfolgt unverzüglich.— Ein Parteigenosse in Hamburg: Dankend für den d. V. angenommen. Sie haben doch den letzten Briefkasten gelesen?— I. T. in Mülheim: 4 Gr. erhalten, der Thaler wird gelegentlich aii Poick geschickt. Gießen: l) Die Jnseralenzeile'/, Gr.- 2) Die Angeklagteii können jetzt keine Agitalionsreisen unternehmen.— K. Kassel. Einoerstanden. Der Expedition: C. Tssbch. in Veroiers: Kreuzbdsdgen kosten in Deutschland per Onarl. 25 Gr. Ihre 16 Expl. kosten an Abonne- meut 5 Thlr. 19 Ngr. Porto 2 Thlr. 18 Gr.— Schneider in Finsterwald: Nehmen«ie das allgemeine deutsche Reichshandelsge- setzbiich resp. Nvrdd. Bundeshaiidelsgesetzbuch, neueste Ausgabe. Razze- mann Lnbwigsh.Fen: Ihre Rechnung macht ITHlr. 24Gr.— 3Gld. 9 Kr., für hohes Porto können wir nicht verantwortlich gemacht wer- den. Thierfldr. Krtinmiischau f. Schf. 3 Thlr. 19 Gr. erh.; Müller in Weiiiiar: Julian der Literarhistoriker ist nicht mehr zu haben; Was nun? ist im Druck.— Leon H. K. in Belgrad 2 slj. Aboiin. erh., haben 19 kr. gut, sende Ihnen regelmäßig; sollten Sie eine Nr. nicht erhalten, rcktamiren Sie vei ver Post. Krzboseildungen werden durch das Porto vertheuert, das Abonnement selbst beträgt f. Quart, nur 12 Gr., das Plus ist Porto z wöcheml. einmal versandt kommt Ihnen um 9 Gr. billiger.— Kobitzsch in Dresden f. Ab. IV. Qu. 29 Thlr. 29 Gr. erh.— Knieling in Dresden: Da Sie mich so lange ohne Antwort und Sendniig ließen, bestellte ich direkt bei H. u. R. Theilnehmer-Gcsuch. Neu-Isenburg. Zu einer ProSukliogcilossenschast für Por- tefeililleS, CielSbörsc» II. s.>v. werden noch Parteigenossen als Theililehmer gesucht. Die erforderlicheit Elnlagen find nicht hoch. Re- flektirende wollen sich bis spätestens den 8. Febr. ineldeu bei Herrn Jean Volle hierselbst.___ Briese für die Deutsche Sektion der Jitternationaten in Berviers sind zu adressiren: 1'. Schlebach, S. A.*) Rue de Pont Nr. 2 ä Verriorg. •) Diese beiden Buchstaben(Sectio» Aliemando— Deutsche Sektiont sind in unserer früheru Anzeige durch Versehen weggebliebeii. Für München. Die Mitglieder der sozial-deinokiatlscheii Partei oe sammeln sich regelmäßig alle«>n»stagc AbettSS bei Gaftwirth Möst in der G l ockengasse Nr. 5. Zureisende Parteigenossen finden dort gutes Nachtquartier. Der Vertrauensmail n. Bürger Maie r in Fürth wird ersucht, seme Adrege an Sch wanne- bök(Arbeiler-Verein in Judenburg) einzuseiide«.__ Für Ciil». Die hiesigen Parteimilgiieder benachrichtige ich hiermit, daß ich seit dem 14. Januar das Amt als Vertrauensmanil übernommen habe; und rechne ich auf eifrige Mitwirkung der Parteigenossen so wie auf pünktliche Vezahlung der Beiträge. Ferner mache ich die Parteigenossen darauf aufmerksam, daß der Verkauf sozialistischer Schriften dem Mitglied Kröger übertragen wuroe, bei dem die deßsallsigen Bestellungen gemacht werden können. Brudergruß und Handschlag Gustav Heinrichs Thieboldsgasse 88. " Für Cvln. Große öffentliche Bolksversammluug am Sonntag, den 4. Febr. Morgens 19'/, Uhr. Tagesordnung:„Der Strike der Hutmachergehülfen in Cöln".� „Die Theuerung der Lebensmittel im Verhältniß zum Arbeitslohn."—„Die neuen Maaße und Gewichte." Das Lokal wird durch Plakate bekannt gemacht. Alle Arbeiter Eölns und der Umgegend sind hierzu dringend eingc- laden.___ I. A.: G. Heinrichs.. � Für Hannover. Sojialdemvkr ittscher Urbeiterverein. Sonnabend, den 3. Febr., findet im Lokale des Hrn. Bartlinge Kilochenhanerstr. Nr. 59, Abends Punkt 8 Uhr BersitMinlung statt. Tagesordnung: l. Sozial- politischer Wochenbericht. Referent: Vogler.— 2. Die Propaganda der frei- relt- giösen Gemeinde. Rescreiit: Reichelt. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen ist Pflicht der Parteige- nossen. Freunde sind willkommen. D. Vorsitzende. � Für Kassel. Sonntag, den 4. Februar sinoet ein von den hiefigeu Mitgliedern der sozial-demokralischen Arbciterpartei veranstaltetes AllgeuiciiieS Arbetterfest in„Schiebelers Salon" statt. Anfang 4 Uhr. Programm: Konzert, Fest Prolog, Fest- Rede, und abwechselnd deklamatorische Lortiäze ernste» und heitern Inhalts, zum Schluß: Tanz__ Todesauzeige., Kassel, den 27. Jan. 1872. Heule Mittag starb»ach kurzem Leiden unser ältester hiesiger Parteigenosse imd strebsamstes Mitglied, der Zigarren-Arbeiter Heinrich Franke. Dies allen Parteigenosse» von Nah und Fern zur KenntniK. Die hiesigen Parteigenossen der soz.-dem. Arbeiterpartei. � Für Offeubach a. M. Die Mitglieder der sojialoeluoktntischei, Urbeiterpartei ver- sammeln sich alle Dienstag Även»S 8'/, Uhr im Gasthaus zu," Schwaneil. Der Vertrauensmann _ Georg Beer.___ Für Leipzig. Sojial»emolratischer-«rbeiterverein. Freitag, den 2. Febr. Ab-nos 3 Uhr: Bersainmluug im Saale der„qoldnen Säge." Tagesordnung: Sozialpolitiicher Wochenbericht:(Ref. Meißner) K. Gäste sind freundlich ivillkommen._ Der Borst ind. � An unsere auswärtigen Par eigeuosseu. Von jetzt an sind wir in den Stand gesetzt, gebrückte Maituale für Kraiikeiikassen:c., wie dieselben von der Vorortsverwaltuiig der Jntenlationalm M.=, F.- u. H.-Gewerksgenossenschaft m„Volksstaat' empfohlen worden sind, k Buch(48 Folioseitenj für 15 Ngr. ungebunden gegen Nachnahme zu liefern. Hauptsächlich machen wir daraus ausmerksam, daß die Liniatur so eingerichtet ist, daß sie für jeden Verein paßt, sei es Franken-, Begräbnih-, Arbeiter- oder ein anderer Verein. Versendung erfolgt sofort nach Bestellung, ilud ersuchen wir die geehr- ten Vorstände von Vereinen oder Sektionen, uns genau anzugeben,»»i viel Buch sie wünschen. 3)ie KApedttion des„grimm. Mrger-«nd Wauerufreund." Leipzig: Verantw. Redakteur A. Hepner(Redaktion u. Exp.chilio» Hohestr. 4.) Druck u. Verlag von F. Thiele.