Ur. 94. Absimtments-f rttnpngtn: Bbonnement«- Preis pränumerando: vierlellährd Z&s Mr., monatt 1,10921., loöchentltch 28 Pffl. frei In« Hau«. «iiuelne Nummer b Pfg. Sonntag«, Nummer mit tlluNrleriec Sonnlag», «eilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: SLO Marl pro Quartal. Singetragen in der Post- Zettung«- PretSItfte für IS CK) unter fit. 7971. Unter«reuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrig,«utland S Marl pro Monat. «rscheinl U gl ich»utzer»»«lag«. 17. Jahrg. Vevlinev Volksbl�lt. Ate Znftrtlons-Seliühr beträgt für die fechigefpaltene Kolonel- »eil« oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerlschaftltche Verein«- und Versammlung«-Anieigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" jede« Wort ö Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen dt« t Uhr nachmittag« tn derErpedttton abgegeben «erden. Tie Srpcdttton ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und festlagen bl» 8 Uhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher: Amt I, fit. 1508. Telegramm-Adresse! „Sorlaldemokrat vrrlln" Centratorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SM. 19. Beuth-Straste 2. Expedition: SM. 19. Beutlz-Strake 3. Internationaler Soeialiften- Kongreß. Paris, den 10. April 1S00. Bürger und Genossen! DaS socialistische Verständigiiiigs-Komitee, daS im Laufe des JahreS 1899 die fünf französischen, die Gesamtheit der französischen Socialistenpartei bildenden Organisationen vereinigte, hat Euch bereits ein Eirkular geschickt, in dem die Gründe auseinandergesetzt sind, weshalb eS die Initiative zur Einberufung einer den inter- nationalen Kongreß vorbereitenden Konferenz faßte. Diese Konferenz, die in Bnisiel am 27. und 28. Mai v. I. statb fand, hat die unten veröffentlichten Beschlüsse gefaßt. Diese Beschlüsse wurden von den fünf damals dem VerständigungS-Komitee ange hörenden Organisationen angenommen. Später hat das Veo sländigungs-Komitee seine Bollmachten dem General-Komitee abgetreten, das aus dem Kongreß der socialistischen Organisationen Frankreichs im Dezember 1899 hervorgegangen war. Dem General- koniitee liegt also die Pflicht ob. Euch mitzuteilen, daß der nächste internatinale Socialisten- Kongreß vom 2Z. bis 28. September einschließlich stattfinden wird, also sechs Tage lang dauern wird. Dieser Kongreß, der fünfte seitdem das Proletariat der beiden Welten beschlossen hat, von neuem seine großen periodischen A s si se n abzuhalten, wird folgen dem doppelten Kongreß von Paris<1889)� den Kongressen von Brüssel(1891), von Zürich(1898), von London(1898), wo jedesmal geeinigter, fester und imposanter sich die Macht der auf dem Boden des Klassenkampfs organisierten Arbeiter gezeigt hat. Bevor er sich trennte, hat der Londoner Kongreß seine Boll machten einem ständigen Bureau übergeben mit dem Auftrag, den nächsten Kongreß unter gewissen, klar bestimmten Bedingungen ein- zilberufen. Dieser Kongreß sollte 1899 in Deutschland oder'l900 in Frankreich abgehalten werden, wenn höhere Gewalten— wie eS auch wirklich geschah— unsre deutschen Genossen an der Ausübung ihres Mandats verhindern sollten. Gegen Ende des Jahre» 1898 wurden wir von unfern deutschen Genossen benachrichtigt, daß wir an ihrer Stelle zur Organisation des Kongresses schreiten müßten. DaS VerständigungS-Komitee hatte sich damals gerade gebildet. ES Übernahm die Aufgabe und beschäf- tigte sich sofort eingehend damit, für den zukünftigen Kongreß alle Schwierigkeiten zu vermeiden, welche bei den früheren internatio- ualen Kongresien hervorgetreten waren. Indem es vor allem die spccielle Lage der socialistischen und der Arbeiterorganisationen Frankreichs ins Auge faßte, trat daS BerständigungS-Komitee, treu dem Sinne und dem Geist der Beschlüsse des Londoner Kongresses, einstimmig der Idee eines politischen socialistischen Kongresses bei. d. h. einer Versammlung. für welche die Teilnahme der Gewerkschaften davon abhängig ist. daß sie die Notwendigkeit einer politischen socialistischen Aktion an- erkennen. In diesem Sinn und Geist war das erste Eirkular geschrieben. welches wir an die Genossen der zwei Welten richteten. In diesem Sinn und Geist nahmen auch die Delegierten der fünf dem socialistischen französischen Verftändignngs-Komitee angehörenden Organisationen an der Konferenz in Brüssel teil, die wir einberufen hatten. Aber hier erhob sich eine Schivierigkeit. DaS ständige Bureau von London, welches ebenfalls nach Brüssel berufe» war. wollte sein« Bollmachten nur dann in die Hände de» socialistischen Verl ständigungS-KomiteeS ausliefern, wenn letztere» wörtlich die Einladung« Bedingungen so annähme, wie sie vom Lomdoner Kongreß formuliert waren. Die Konferenz in Brüssel hatte sich mit dieser Frage zu beschäftigen und hat st« schließlich in einem Sinne entschieden, der es den französischen Organisationen erlaubt, zum Besten des Proletariat» da» große internationale Arbeiter« und Soeia» listen. Parlament de» Jahre» 1900 vorzubereiten. In folgender Fonn hat daS ständige Bureau von London seine Vollmachten dem VerständigungS-Komitee übertragen, indem eS, wie man steht, anfangs an die Bestimmungen de» Londoner Kon- gresse» erinnert und mit den Beschlüssen endet, die da» Resultat der auf der Brüsseler Konferenz zwischen den Organisationen der französischen Socialisten und denen der Socialisten der übrigen Länder gettoffenen Abmachung sind: .Der Kongreß von London bat seinem Bureau Auftrag und Boll- macht gegeben, den nächsten Kongreß im Jahr 1900 nach Pari» zu berufen und zivar unter ausschließlicher Einladung 1. von Vertretern derjenigen Organisationen, welche zum Zweck haben, an Stelle de» kapitalistifchen Eigentum» und der kapitalistischen Produktion da» socialistische Eigentum und die socialistische Pro- dnktion zu setzen, und welche die gesetzgeberische und parlamentarische Aktion qls eins der zur Erreichung dieses Zwecks notwendigen Mittel betrachten: 2. von rein gewerkschaftlichen Organisationen(�»soeiations �nremsnb syndicales und Trades Unions), welche, ohne an der politischen Aktion als Kämpfer teilzunehmen, doch die Notwendigkeit der gesetzgeberischen und parlamentarischen Aktion anerkennen. Die Anarchisten sind demnach ausgeschlossen. .In Ausführung dieses Mandats haben wir. die Unterzeichneten. Mitglieder de« Londoner Bureaus, unsre Vollmachten an die Mit- glieder des französischen socialistischen VerständignngS-KomiteeS ab- gegeben mit dem Auftrag, zu dem Kongreß einzuladen: 1. alle Arbeitervereinignngen(associatious),.welche sich zu den Grundprincipien de» SocialismnS bekennen, als da sind: Vergesell- schaftung der ProdukttonSmittel und des Warenaustauschs, inter- national« Verbindung und Aktion der Arbeiter; socialistische Eroberung der öffentlichen Gewalten durch da» als Klassenpartei orga- nisicrte Proletariat; 2. alle diejenigen korporativen(gewerkschaftlichen) Organi- sationen, die sich auf den Boden des Klassenkampfs stellen und die Notwendigkeit der politischen, also auch der gesetzgeberischen und parlamentarifchen Aktion anerkennen, ohne sich jedoch direkt an der politischen Bewegung zu beteiligen." Diese vermittelnde Lösung wurde von den elf in Brüssel ver- tretenen Nationen einstimmig angenommen, mit alleiniger Ausnahme Frankreichs. daS sich feine Entscheidung bis nach erfolgter Rücksprache der Delegierten mit dem VerständigungS-Komitee vorbehielt. Mit der nämlichen Einmütigkeit beschloß die vorbereitende Kon- fercnz, daß sie, nach Anhören der Erklärungen des Londoner Komitees und nach Kenntnisnahme des Eirkulars dcS französischen Ver- ständigungs-KomiteeS dem letzteren, vorausgesetzt, daß eS die ver- mittelnde Lösung annehme, die Vollmacht gab, den nächsten Kongreß unter den oben mitgeteilten Bedingungen zusammenzuberufen. Da die fünf dem französischen VerständigungS-Komitee an- hängenden Organisationen einstimmig den Beschlüssen der Brüsseler Konferenz zustimmten und das Mandat zur Berufung deS Kongresses von 1900 unter den vorgeschlagenen Bedingungen annahmen, so ist daS Generalkomitee, als Erbe der Rechte und Verpflichtungen des Ver ständigungS-KomiteeS daS Organifationskouiitee des Internationalen KongrefseS geworden und bringt die Fragen zur Kenntnis, welche die provisorische Tagesordnung deS Kongresses bilden. ES sind die»: 1. Ausführung der Beschlüsse deS Kongresses, UntersuSnng und Anwendung der praktischen Mittel zur internationalen Verständigung, Organisation und Aktion der Arbeiter und der Socialisten; 2. Internationale Arbeitergcsctzgebung zur Begrenzung deS Arbeitstags. Diskussion über die Möglichkeit eines Minimallohns in den verschiedenen Länden:; 3. Die zur Befreiung der Arbeit notwendigen Bedingungen: a) Konstituierung und Aktion deS als Klassenpartei organisierten Proletariats; d) politische und ökonomische Expropriation der Bourgeoisie; c) Vergesellschaftung der ProdukttonSmittel; 4. Jnteniattonaler Friede, Militansmu», Abschaffung der stehenden Heere; 5. Kolonialpolitik; 8. Organisation der Seeleute; 7. Der Kampf um das allgemeine Stimmrecht und die direkte Gesetzgebung durch das Volk; 8. Gemeinde-SocialiSmu»; 9. Die Eroberung der öffentlichen Gewalten und die Bündnisse mit bürgerlichen Parteien; 10. Der erste Mai; 11. Die TnistS. Seit Vereinbarung der obigen Tagesordnung hat die socialistisch. revolutionäre Arbeiterpartei den Nationen folgendes Amendement vorgeschlagen, dessen Einfügung in die Tagesordnung von 8 Nationen unter 11 beschlossen worden ist: .Macht die wachsende Äonzentriernng der Kapitalien, die zu- nehmende ökonomische Unordnung, welche durch politische Mittel nicht abzuändern ist. und die daraus hervorgehende Berfchlechtcnmg in der Lage der Arbeiter, nicht einen direkten Konflikt zivischen der Arbeit und dem Kapital unvermeidlich, welcher Konflikt die Gestalt deS General st reiks annehmen muß!" Genossen. Kameraden! Wir laden Such hiermit zu dem Internationalen Kongreß nach Pari» ein! Sin späteres Sirkular wird Such mitteilen, welche Dispositionen der gesamte, in dem Gedanken der Verständigung und gemeinsamen Aktion einige französische SocialiSmuS getroffen hat und trifft, um den Delegierten aller Länder die brüderlichst« Castfteundschaft zu gewähren und um. im Angesicht der Welt, den Erfolg, den Glanz und die Größe deS fünften internationalen Parla- ment» der Arbeiterklasse und der socialistischen Partei zu sichern. Wir bitten, die Antwort an den Sekretär deS eneralkomiteeS der französischen Socialisten. den Bürger Loiti» Dubreuilh, 17 Ru e Portefoin- ort«, zu richten. Für die Eooperativ-Gesellschaft: Andrieux. Für die Konföderation der unabhängigen Socialisten: Briand, Eamslinat. I. Jaurö», LabuSquiöre, Revelin, vi Viani. Für die autonomen Föderationen: Brunelliire, Sorna ud, Shalmandrier, Favrai», Marpaux, Poulain, R e m m i z. Für die Förderatton der socialistischen Arbeiter: B o u t i s, DeSpaS.Patey. Für die französische Arbeiterpartei: Chauvin. Compöre- Morel. ConstanS, Delory, Deren re. G. Farjat, Fortin. I. GueSde, P, Lasargue. Millet, Pedro», P r e v o st, L. Roland. Roussel. Zevaes. Für die socialistisch-revolutionäre Arbeiterpartei: I. Allemane, arrat, Lenormand. A. Richard. Für die socialistisch-revolutionäre Partei: J.-L. Breton. L. Dubreuilh, EberS. Landrin. Lötang.Sembat, Ed. B a i I l a n t. Für die Gewerkschaften: Ehaucheprat, Moreau, Salem biet, S ö m a n a z. Volilifche Mebevflchk. Berlin, den 23. April. Nichts Gutes ist von den am Dienstag wieder beginnenden Verhandlungen des Reichstags und des Abgeordnetenhauses zu erlvarten. Dieser letzte Abschnitt der langen parlamentarischen Session wird über zahlreiche bedeutsame Fragen Entscheidung bringen, aber es handelt sich dabei nirgends um Abhilfe drängender Uebcl, sondern nur, ob bestenfalls neue politische Gefährdungen und neue wirtschaftliche Schädigungen verhütet werden können. Im Abgeordnetenhaus soll ein ganzes Bündel von Reaktionsgesetzen fertig gemacht werden. Eine„Reform" des Gemeindewahlrechts soll die fchmähliche Entrechtung der un- beinittelten Bürger in den Kommunen verewigen. Durch harte und aussichtslose Zwangscrzichungs-Bestimmungen soll die Hoffnung auf endliche vernünftige Behandlung der Schul- und Erziehungsfrage vollends geknickt werden. Durch ein unsinniges Warcnhaussteuer- Gesetz soll»en Mittelstandsrettern eine Gefälligkeit erwiesen werden. Das Kulturwerk der Kanalvorlage dagegen scheint wieder auf einen späteren Tennin zurückgestellt zu sein; seine Aussichten im �unkerparlament wären ebenso gering>vie die Aussichten all' jener Reaktionsvorlagen vortreffliche sind. Leider sieht es im Reichstag nicht viel besser aus. Von größeren Materien, die hier zur Erledigung kommen sollen, ift� überhaupt nur eine, die möglicherweise eine sociale Förderung bedeuten kann: Die Novelle zum Unfallversicherungs-Gesetz.' Aber nicht nur ist diese Novelle durch die Bemühungen der Berussgenoffcnschaften und der Agrarier vor einer einiger- maßen den mildesten Forderungen der Arbeiter entsprechenden Ausgestaltung bewahrt geblieben,— es ist auch sehr zweifel- Haft, ob das umfangreiche Gesetz überhaupt in dieser Session noch zu Ende geführt werden kann. Wenn die„Kreuz- Zeitung" heut von einer socialdcmokratischen Ankündigung spricht, daß der Unsallversichemngsvorlage gegenüber obstruiert Iverden solle, so bezeugen wir dem konservativen Organ, daß es von unfren Absichten mehr weiß als wir selbst. Wir werden uns bei diesem Gesetz wie bei allen andern Gesetzes- beratungen das Recht nehmen, Verschlechterungen zu be- kämpfen und Verbesserungen zu versuchen,— das ist selbst- verständlich. Das Schicksal des Fleischbeschau-Gcsetzes ist nicht mit Getvißheit voraus zu sagen. Zwischen Agrariern und den Regierungs-Konscrvativen tobt der Zwist noch heftig fort. Die „Deutsche Tagesztg." veröffentlicht eine Zuschrift— die giftigsten Pfeile, die selbst abzusenden'es zu feige, drückt das Agraricrblatt ihren Strohmännern in die Hand— die sich gleich scharf gegen die Regierung tvie gegen die Herren v. Manteuffel und v. Mirbach richtet: „Sie(die konservativen Parteiführer) scheinen sich aber auch immer. der Illusion hinzugeben. daß heutzutage m i t der Regierung irgend etlvaS Ersprießliches für die Landwirtschaft zu erreichen ist, während bei der Land- b e v ö l k e r» n g allgemein die entgegengesetzte Meinung vorwiegt, nämlich, daß alles gegen die ReichSregicrnng er- stritten werden muß. Die deutsche Laudwirtschaft erfährt seit Jahren täglich zur Genüge, wie mit ihr verfahren»vird, sobald daS Ausland dabei im Spiel ist. Fürst Bismarck war andrer An- sichtüberdiesenPunkt. Nirgends kann der jetzigeZustand mehrbedauert werden, al« von der landwirtschaftlichen Bevölkerung selbst; aber aus- gesprochen muß e« werden: daS Pertrauen ist biS zum Nullpunkt gesunken; und daher erscheint jede Nachgiebigkeit und jede Zer» splitterung innerhalb der landwittschaft-freundlichen Parteien resp. der zu diesen gehörigen Abgeordneten als schwerer politischer Fehler, der sich bei der Erneuerung der Handelsverträge bitter rächen würde. Die geringen Erfolge auf»mrtschaftlichcm Gebiete sind ausschließlich der kräftigen, zielbewußten Thätigkeit deS Bundes der Landwirte zu danken, und deshalb ist es dringend zu »vünschen, daß die Erklärung vom 29. März die Richtschnur und Grundlage abgicbt für das Verhalten der agrarisch gesinnten Abgeordneten bei den kommenden Kämpfen um das Fleischbeschau- Gefetz." Der Hader der konservativ- agrarischen Brüder dürfte jedoch das Zustandekommen des Fleischbeschau- Gesetzes kaum verhindern. Durch Beseittgung einiger absolut abeNvitziger Bestimmungen, die agrarischer Uebermut hineingesetzt hatte, wird sich wohl ein Kompromiß zwischen Regierung und einer Mehrheit aus Centrum und dem GroS der Konservattven und Nattonalliberalen herausbilden. Das Fleischbeschau- Gesetz bleibt auch nach einigen Abstrichen von den Beschlüssen zweiter Lesuiig eine agrarische Liebesgabe ersten Ranges. Dagegen darf erwartet werden, daß die Isx Heinze cnt- weder garuicht wieder im Reichstag erscheint, oder wenn sie erscheint, trotzdem Herr Rören den lieben Herrgott zur un- mittelbaren Hilfeleistung herbeicittert hat, elendiglich zu Falle kommt. Es bleibt ein Dokument von unsrcr Zeiten Schande, daß diese Missethat am deutschen Geistes- und Knnstleben unternommen»Verden konnte. Gelingen darf sie nicht. Endlich die Hauptaktion der Session: die Flottenvorlage. Wenn die Vorlage scheitern sollte, so geiviß nicht an der klaren Erkenntnis des Reichstags von der Verdcrblichkeit und Kulturfeindlichkeit der weltpolittschen Flottcnriistung. DaS Centrum läßt sich durch vorsorglich scheinendes Fragen von der Regierung die Auskunft geben, daß sie sich nicht blind in eine weltpolittsche Ausdehnungs- polittk stürzen wolle, um durch die That eben diese Polittk, die allenthalben in fernen Meeren Punkte sucht, wo sie ein« setzen kann, zu unterstützen und zu stets tolleren Unter- nehmungen zu ermutigen. Selbst in der Tcckungsfrage be- treibt das Centrum nur ein Scheinmanöver. Während es sich den Anschein gicbt, als wolle es das Volk vor neuen Stenern bewahren, sucht es von der Regierung die Zusage einer Er- höhung der Getreidezölle zu erpressen. So lebhaft die bevorstehenden parlamentarischen Kämpfe sich gestalten werden, es ist eine Weltenbewegung in trübem, stagnierendem Sumpfwasser. Nirgends ein lebendiges Vor- wärtsschreitcn. Man möchte wünschen, daß sdicses scheinbare Leben der Parlamentarischen Unfruchtbarkeit durch das wirk- liche Leben einer Neichstags-Auflösnng, einer Volksbewegung abgelöst werden könnte.—_ Eine interessante RcgiernngSstatistil entwirft die„Vrcslauer Zeitung'. Das Blatt führt den Ziffern- iiinhigcn Beweis, daß die persönliche Einflußnahme Wilhelms ll auf die Regierungsgeschnfte, so weit es sich um einen Gedankenaustausch mit den verantwortlichen Ministern handelt, übcrschiitzt wird. Es fiel der„Bresl. Ztg.' auf, Ivie selten die Hofberichte von Vortrügen uusrer veranttvortlichcu Staatsmänner zu nrelden haben, und es hat infolgedessen eine Statistik über die RegiernngSthätigkeit des Kaisers nach dieser Richtung für die letzten zwei Monate(20. Februar bis 20. April) ausgemacht, soweit der„Reichs-Anzeiger' und sonstige zuverlässige Meldungen Aufschluß darüber geben. Der in Betracht kommende Zeitraum umfaßt LV Tage. Von diesen fand nur an ÄS Tagen thatsächlich Vortrag statt, an 21 Tagen hörte der Kaiser keine Vorträge, weil er entweder auf Reisen war, oder Sonn» und Feiertage eine Unterbrechung bedingten. An jenen 39 Vortragstageu nun horte dcrKaiser insgesamt Sit Vorträge. Von diesen gebührt der Löwenanteil dem Staatssekretär der Auswärtigen Angelegenheiten, Grase» v. Bülow, der insgesamt ISiual gehört tvurde, wozu denn billigerweise noch drei Vorträge des Unterstaats- sckrctärs Freiherrn v. R i ch t h o f e n zu rechnen wären, so daß sich in dieser Ziffer von 22 Vorträgen das außerordentlich lebhafte Interesse nnsrcS Kaisers an der Leitung unsrer auswärtigen Politik deutlich genug bekundet. Die gesamte innere Politik dagegen, soweit ihre Leitung auf Grund von Vorträgen zum Ausdruck gelangte, kam zu Wort lediglich in 16 Vorträgen, die der Chef des Civilkabinctts, Herr v. L u c a n n s, zu halten hatte, und in ganz vereinzelten Vorträgen andrer Staatssekretäre und Minister. In dieser ganzen Zeit von zwei Monate» hörte der Kaiser nicht einen einzigen Portrag seines NeichSkanzlers und Ministerpräsidenten, Fürsten v. Hohenlohe, der ja freilich selbst viel auf Reisen ist. Vorträge hielten ausschließlich die Herren Minister v. Hamm er st ein, v. Miguel und v. Rheinbaben je einmal, wozu dann noch zwei Vorträge des Ministers des kgl. Hauses, von Wedel, und einer des Leiters der ReichSpostverwaltmig, von P o d b i e Is ki, und noch eine Audienz kommt, die dem Präsidenten des Evangelischen Oberkirchen- rats, von Barkhanse», gewährt wurde. Von preußischen Ministern empfing also der Kaiser, wenn man den Hofminister von Wedel ausschaltet, nur drei, und zlvar jeden nur einmal, nämlich den Landwirtschaftsminister, den Finanzminister und den Minister deö Innern. Man sieht daraus, daß der Kaiser mit seinem Ministerium ganz außerordentlich wenig in Berührimg kommt und er seine Minister, soweit sein persönlicher Verkehr in Betracht kommt, recht wenig kennt, daß vielmehr das Gebiet der inneren Politik für den Kaiser beherrscht wird durch die Vorträge, die er sich regelmäßig von dem Chef des EivilkabinettS, Herrn v. LucanuS, halten läßt. Einen um so breiteren Raum nehmen die militärischen Dinge in dem Arbeitsfeld des Kaisers ein. An der Spitze steht hier der Chef des Militärkabinets, v. Hahuke, der 26 mal gehört wurde, ihm folgt der Häufigkeit nach der KriegSmiuister v. Goßler, der 8mal zum Vortrag empfangen wurde, und dann der Chef nnfreZ Generalstabs, Graf v. Schlieffen, mit 5 Vorträgen. Von andren Militärs wurde noch der General der Kriegsinspektion, von der Planitz, zweimal und der Generaliuspectcur deS Jngenicurcorps, von der Goltz, einmal empfange». Weniger als man erwarten sollte, hat der Kaiser, der bekanntlich an uusrer Marine ein ganz besonders reges Interesse nimmt, Vorträge aus diesem Ressort gehört. Es tvurde empfangeu der Chef des Marinekabinetts. Freiherr v. Se n den«Bibra n, neunmal, der Marine- Staatssekretär T i r p i tz sechsmal und Vicc-Admiral D i e d e r i ch s viermal. Aus diesen Zahlen läßt sich ein gut Teil unsrer herrschenden Politik erklären. Sie beweisen die Richtigkeit des Ausspruchs, den Herr v. Miguel gelegentlich seiner NeichStagspoleniik mit Lieber that: Der Kaiser bedarf keiner Ratgeber!— �«»* Aemsches Weich. Die Ems« Depesche. ?« ist ein uralter Erfahrungssatz, daß die Erinnerung an«in Verbrechen die Urheber und Mitschuldigen desselben nicht ruhen läßt und sie mit dämonischer Gewalt zu EntschuIdigungSversuchen zwingt, durch welche nur das Schuldbewußtsein verraten wird. Ein solches Vcr- brechen ist die Fälschung der Emser Depesche, die für jeden, der die Vorgänge kennt, als geschichtliche Thatsache feststeht. Einen neuen ReinigmigSversuch unternimmt die Redaktion der„Berliner Neuesten Nachrichten', indem sie schreibt: „Die Ems« Depesche. Von der„llistoirs du IVe siecle & nos jours' von E. Lavisse und A. Nambaud ist kürzlich der elfte und vorletzte Band erschienen, der den Zeitraum von 1848 bis 1870 umfaßt. Während nian in der gewöhnlichen Publiciftik kaum Franzosen findet, die im stände sind, daß zweite Kaiserreich kühl zu bc- urteilen, ist hier das Urteil kühl, sachlich und scharf. Für uns ist besonders wichtig, wie die Abhandlung über den dentsch-französischen Krieg ausgefallen ist. Da ist zunächst die Geschichte der Ems er Depesche. E. Denis schreibt: Benedetti war also nicht beschimpft worden und er be- klagte sich auch nicht, daß er beschimpft worden sei. Allein Bismarck hatte vom König eine Depesche erhalte», worin der Vorgang dargestellt war. Er veröffentliche sie. und zwar nicht, wie man behauptet hat, indem er sie fälschte, sondern indem er sie abkürzte und ihr so eine genauere treffendere Form gab. Wir dürfen, da wir im eignen Lande Bismarckhasser haben, die, um die Geschichte zu fälschen, an der„Fälschung' der Einser Depesche festhalten, von nun an auf das Zeugnis eines französischen Geschichtsschreibers hinweise n.' O hättest Du geschwiegen! Zum Unglück für den Verfasser dieser unglücklichen Notiz liegt die Originaldepcsche vor, deren Vcrgleichung mit der Bismarckschen „Redaktion" für jeden, der lesen und denken kann, die Fälschung sonnenklar b e iv e i st. Aus der natürlichen Thatsache, daß ein französischer Gegner de? Kaiserreichs die Schuld Napoleons zu vergrößern bemüht ist, auf die Unschuld Bismarcks zu schließen, ist eine Logik, wie sie eben in den »Neuesten Nachrichten" zu Hause ist. Durch ein komisches Zusammentreffen wird gleichzeitig mit obiger Notiz in einem andren Blatt ein Brief veröffentlicht, den König Wilhelm I am 22. Juli 1870, also wenige Tage nach der Ems er Audienz und nachdem die gefälschte Depesche ihre Wirkung gethnn hatte, an den König von Sachsen schrieb. Es heißt da: „Ja, wohin sind wir geraten? Ein Blitz auS heiterster Luft! und waS für Gründe werden sogar in der offiziellen KriegSerklärnug aufgeführt!! Gründe, die kaum zu ein« diplomatische» Anfklärnng Anlast gegeben hätte», werden zur Krirgsuötignng hingestellt. Man glaubt wirklich in einem Narrenhause z n sein!" Diese Stelle ist außerordentlich interessant; sie beweist, daß der alte Wilhelm die raffinierte Politik Bismarcks gar nicht verstanden hat: Er hatte so friedlich mit Benedetti unterhandelt, alles hatte sich in schönster Harmonie aufgelöst, der Friede war gesichert— und nun plötzlich bricht der Krieg anS; der alte Wilhelm mußte sich allerdings Ivie in einem Narrenhause vorkommen. Der preußische König hatte eben noch nicht begriffen, daß Bismarck die verdammte Kriegs n n Inst seines„königlichen Hern»" durch die perfide Redaktion der Emser Depesche überlvunden hatte, indem er ihn vor eine zlvar für den König unerklärliche, deshalb aber nicht minder wirksame, vollendete Tbatsache stellte. In seinen Memoiren hat ja Bismarck selbst mit unerhörtem Cynismus sich zu seiner ttnthat bekannt nnd hat damit zugleich eine Erklärung für das Narrciihausgcfühl Wilhelm I. gegeben. Herr Chanibcrlain braucht nicht stolz zu sein; gegenüber diesem Meister der Kriegs sab rikation ist er ein Stümper. Bis- mnrck war sich bewußt,„daß der Krieg nur auf Kosten unsrer preußischen Ehre und des nationalen Vertrauens auf dieselbe vermieden werden könne'. Wilhelm I. hatte den Krieg zu vcr- »leiden gcsuchl, darum„redigierte" Bisniarck die Depesche aus einem FriedeliSstgnal in eine KriegSfaufare um. lind nach der Redaktion erläuterte er den Molike und Roon den Zweck der Fälschung:„Wenn ich diesen Text... tclcgraphisch an alle uusre Gcsaudtschasten mitteile, so lvird er vor Mitternacht in Paris bekannt sein und dort nicht nur wegen deS Inhalts, sondern auch wegen der Art der Bcrbrcituug den Eindruck deö roten Tuches auf den politische» Tticr machen." So geschah es denn auch. Wilhelm I., der nur die W'rkung sah, aber die Ursache, die BiSinarcksche skrupellose Jutrigue gegen die Absicbten des Königs, nicht begriff, mußte in der That sichivie in einem Narrenhanse vor- komme». Ans den Bismarcksäulen, für die man jetzt sammelt, sollte man den Brief Wilhelms I. und dcir entsprechenden Abschnitt ans den Er- innernngcn Bismarcks nebeneinander einmeißeln.— Tie Flottcnhansiercr drängen sich mit einer Unverfrorenheit ans, die einen Meisterschnorrcr neidisch»lache» könnte. Weist mau ihnen die Thüre— macht nichtS: sie konnne» wieder. Jetzt beglückt man die Gewerkschaften, ja sogar socialdcmokratische Wahlvereine mit den Ziiscndmigcn der Aegiristcn. So haben fast alle Hallenser Gewerkschaften in den letzten Tagen eine Anzahl Drucksachen zugesandt erhalte»,, um ihre Milgiiedcr mit den Zielen des Flottenvereins bekannt zu machen. Da die Gewerkschaften leine Politik treiben dürfen— schon mit Rücksicht onf ihre weiblichen Mitglieder—, so»nacht sich mithin der Flottenverein des Versuchs schuldig, die Arbciterorgniiisationci» zu einem Verstoß gegen das Gesetz zn' verleiten. Die genügend aufgeklärtcn Arbeiter lanfen allerdings an» oller- »vcnigfte»' Gefahr, sich gerade zur Pa»»zelplaItcii°Politik verführe» zn lassen.— Fort mit dem Kanal! ES»vird jetzt abermals uiinötigcnvcise beteuert, daß die K a»» a l V o r la g e in dieser Session»icht mehr den Landtag beschäftigen»verde. DaS»vidersprichl zlvar der feierlichen Ankündigmig Hohcnlolies beim Schluß der- vorigen Landtags- scssion— daraus»nacht sich der alte Herr aber nichts. Hingegen »vird die„Nordd. Allgein. Ztg." wiederum komnien»nd den unerschütterlichen Wille» der Regiennig betonen. auf der Vorlage zu beharren. Daö geheime Wahlrecht nennt die„Kons. Korresp.'„eine ähnliche Waffe,»vie die des Buschkleppers". Der„Milsionen'-Anhang der Socialdemvkraiie würde sich recht bald ganz gewaltig rediizierc», wenn jeder Wähler genötigt»värc, öffentlich seine polmsche Ucbcr- zcugnng zi» bekunden. Die frcisiiiiiige» WahlrechtSganncr von Gotha haben sich die verständnisvolle Anerkennmig der Junker erivorbcu. UebrigenS seien die Konservativen daran erinnert, daß ihr Wahl- verein in Berlin sciiicn Mitgliedern Geheimhaltung der Namen garantiert, ivcil diese Maniiessecleii allerdings die begreifliche Eigen- tüinlichkcit habe», sich der öfscntl! che»» Bekundung ihrer Ueberzeugluig zu schämen. Die socialdemokratische Arbeiterschaft dagegen bat be- wiesen, daß sie keine Verfolguiigen und keine Opfer scheut, m» ihrer Ueberzeuguiig zuii» Siege zu verhetfcn. Die Wahl»oll frei sein— dann»» muß sie gehe» m jejn. Für die Konservativen aber soll die Wahl zum Mittel politischer Erpressung werden.— Hin» Niel hilf! Der Abg. Rören hat in einer Ccutrunls- vcrsniiimluug über die lex H c i»» z e gesprochen. Er nicintc vezüg- lich des Schicksals des Gesetzes, die Objlruktiou werde wiederkomme», iudessen könne er von de» verbündeten Ncgicruugeil nicht glauben, daß sie vor der Protestbelvegimg die Segel' streichen»verde. Wenn aber die Regierung zurückweiche,»verde der Herrgott auf andrem Wege eiligreifeu. Die Wahrheit könne weder durch wüste Protestbclveauiigei» noch durch«>>»« schwächliche Kapitulation der Regierung beiseite geschoben werden. Der Redner schloß:„Wir habe» da« Vertrauen, daß unser Herrgott auch aus krumme» Linien gerade schreibe»« kann." Gegen dieses Auskuuftsnnttel deS Herrn Rören haben wir nichts einzulveuden. So weit irdische Mächte in Betracht kommen, sind wir gern bereit, dafür zu sorgen, daß dem Himmel keine Konkurrenz gemacht werde.— Ein Gummi- Artikel. In der bayrischen Kammer hat der Kliktuömiuistcr v. L a n d m a n u den Z 184 a der lex Hcinze wie folgt begründet: „Mit der Möglichkeit von Mißgriffen kann man gegen da-s Gesetz nicht operieren,»nd was die Dehnbarkeit deS§ 184» be- trifft, so muß ich sagen, je dehnbar«, desto bcffcr das Gesetz von gciviffcn Standpunkten aus." Die Paragraphen sind in der That so dehnbar, daß so ziemlich das ganze Umsturzgesetz darin Platz hat. Für die Anhänger eiues lauteren Rechts ist ein dehnbares Recht freilich schlimmer als Ge- setzlosigkeit.— Die verhaßte Wahrheit. Der Pastor Wagner w Pritzerbe hat sich durch seine urkundliche Feststelllingen ländlicher Unfittlickkcit den tiefsten Haß der Koilservativen zugezogen. Die parteiamtliche „Kons. Korresp." brmgt die folgende Briefkasten-Notiz: Psr. W.... r in Pr. Auf Schimpfereien einzugehen, haben wir keinerlei Veranlassung. Sachliche Zurückweisung wird an andrer Stelle erfolge»?. Die„Kons. Korresp." verwehrt dem Pfarrer sogar die Aufnahme einer Rechtfertiglliig gegenüber ihren Angriffen, un'd die Feststellinig der Wahrheit bezeichnet sie als Schiinpferci. So gehen die Ko»»- servativen mit kirchlichen Autoritäten um, wenn sie ihnen nicht zu Willen arbeite»».— Arzt und Staatsanwalt. Für die ärztlichen Ehren- Gerichte und den ärztlichen Ehrengerichtshof hat jetzt der Minister eine Geschäftsordnung erlasse»», derei» Bestimmungen im allge»i»elnen. namentlich in Bezug auf Beratung. Abstimmung und Gcschäftssprache, den» GerichtS-Verfassnngsgesetz entsprechen. Lebhaften Widerspruch fii,det in ärzt- lichen Kreisen die Bestimmung, daß der Vorsitzende von jeder ehrengerichtlichen Bestrafung eines Arztes der über den Wohn- oder Anfcntbaltsort desselben zuständigen Staatsaniv altschaft(bei Militär- ärzten dem Sanitätsamt) Mitteilung zu machen hat. Der Vor st and der Aerztekammer Berlin-Branden- bürg hat bereits einstimmig beschlossen, gegen diese Be- stimmuug der Geschäftsordnimg beim M i n i st e r vorstellig zu werden. Der Vorstand wünscht, daß über Rügen, Veriveis und Verwarnungen der Staatsanwaltschaft keine Melduiig zu erstatten ist. Wenn der Minister aber die Bestimmung aufrecht zu erhalten gedenkt, soll eine gerichtliche Entscheidung herbeigeführt»verde», ob jener Punkt der Geschäftsorduuitg auf gc- sctzlich'er Grundlage beruht und ob also eine wirkliche Verpflichtung deS Vorsitzenden zu jenen Meldungen besteht.— Der in Ungnade gefallene Obcr-Wcrftdirektor. Die„Köln. Vokksztg." bringt eine fulminante Notiz gegen den Ober-Werftdirektor der kaiserlichen Werft in Kiel, Kapitän z. S. v. A h l e f e I d. Der- selbe hat»mlängst in einem Kreis von See-Offizieren und Beamten einen Vortrag gehalten, in dem er den kirchcnschänderischen Ausspruch gethan hat: „Katholische Arbeiter sind minder intelligent." Das Centriimsorgan greift dieser Aeußernng wegen Herrn v. Ahlefeld mit lvahrer Vehemenz ai». Es schreibt u. a.: „DaS ist ja eine niedliche Entdeckimg des Ober-Werftdirektors, über die sich die katholischen Arbeiter Westfalens, Rhemlands usw. mit Recht sehr»vuiidern»verde»». Ob der verehrte Herr sich die Rund- und Langkopfthcorie der„Bad. Landesztg." zu eigen gemacht hat? Ohne Beweis, im Lapidarstil, wie ein Axiom: Kotholische Arbeiter sind minder intelligent! Sollte diese eigenartige Auffaffung des Ober-Werftdirektors seinen nachgeordneten Organen zur Norm »verde»», so köiinten sich die Katholiken ans der Kaiseriverft„gratn- lieren"; sie könnten ihr Leben lang Arbeiter bleiben, ein Empor- rücken in höhere Stelle» untersagt sich vo» selbst»vegen ihrer Konfession, Pardon!—»vegen ihrer iiicdcrcn Intelligenz. Ji»t AbzugSattest nnd Militärpaß könnte»»all ja als Konfession gleich eintragen:„minder intelligent". Wir»verde» bitter: haben aber Grund dazu. Vor der Oefieirtlichkeit»vird»nan sich hüten, solche Aussprüche zn thlli»: es»st nicht ziveckmäßig, aber so in intimcrein Kreise, da schadet es nicht und»vird schon »virken. Uebrigeils noch die Frage: Auf der Kaiseriverft befinden sich Katholiken in allen Stellungen, vom Vorarbeiter und Werk- führer bis zum Meister und Obenneister;»vie»»»ögen sie»vohl in ihre Stellung gekominci» sein? Vielleicht begeht ein Rt i t g l i e d des C e>» t r u>»» s in» Reichstage b e i B e- rat»i» g der Flotte»»vorläge die Bosheit, anzufragei», ob eine Persönlichkeit, unter deren Leitung„minder intelligente" Leute in vernntivortliche Slellniigen gelangen, überhaupt»och als Obcr-Wcrfldireitor der kaiserliche» Werst zu Kiel zu vcnveuden sc». . Anderseits eröffne»» sich für die Katholiken an der Kaiserliche» Werft zu Kiel»vahrhaft blendende Aussichtcu usw." Die„Köln, VolkS-Ztg." hätte mir noch empfehlen sollen, daß die Ccuirumsfraktiou nicht eher die Flotte beivilligt, bis Herr v. Ahlefeld revocicrt und die katholischen Arbeiter für»niiidestcuS ebenso intelligent erklärt hat, wie die protestantischer Konfession Da die TcckuugSsrage ja aus dem Weg geräumt ist, ließe sich vielleicht die Asfaire Ablcfeld noch zu einem kleine»» Kuhhandel ausnützen. Herr Ahlcfeld selbst hat es»vohl kaum darauf abgesehen gehabt. den kalholischen Teil der Bevölkcrnng in ihren religiösen Gefühlen zu kränken. Er hat einfach seiner Erfahrung Ausdruck gegeben, die er»uit den katholischen Werftarbeitern gemacht hat. Und wir alauben. daß das subjektive Urteil des Ober-WerftdirektorS sich in diesem Fall mit den objektiven Thatsache» deckt. Auf der Werft in Kiel sind ans der einen Seite meist qualifizierte Arbeiter ans den Protestant ischcn LandeSteilen beschäftigt, auf der andern Seite»»eist unqualifizierte Arbeiter katholischer Konfession ans de» östliche»» Provinzen. Es ist hierbei nicht unwesentlich, daß die protestantischen Arbeiter fast durchgängig die socialdemokratische Schule durch- laufen Habel», lvähreild die katholische»» Arbeiter sich politisch noch »'»»» Staude der Unschuld befinden. Daß da der Unterschied der In- tclligcnz ein geradezu ailffallcuder sein muß, wird außerhalb deS EentrumS uiciiiaiid auffallen. Um das Fortkommen der weniger intelligenten katholischen Ar- bester braucht die„Köln. VolkSztg." aber jedenfalls nicht besorgt zu sein, den» auf der kaiserlichen Werst in Kiel wiegt schiverer noch als Intelligenz die gute Gesinnung, die ja mit der Intelligenz nichts zu thill» hat.—_ Ein unaufgeklärter Toldatcu- Selbstmord. Aus W o r»» S lvird«ms geschrieben: Am Lsiersouutag hat sich hier ein Soldat der 10. Compagnle deS Infanterie- RcgiinculS Nr. 118 erschossen. Wie die Blätter be- richte», ist dieS in der betreffenden Compagnic der dritte Selbst- m o r d i i» k u r z e r Z c» t. Dieser Umstand gab selbst den bürger» lichen Blättern Veranlassung, die Frage oufzmverfen, ob es denn „nicht»iivglich sei, die Ursache dieser»raurigei» Vorfälle zu ermitteln". Die„Ursache" baben diese Organe bis jetzt noch nicht gesiuiden. Etivas mehr Licht i» die unergründliche Ursache, die junge, lebenslustige Leute zmn Selbstmord treibt, dürfte ei» uns in» Original vorliegender Brief bringen, den der letzte der drei Selbstmörder an» 5. März d. I. an seine» Bruder, der in Liidwigshafen in Arbeit steht, richtete nnd in dem es u. a. heißt: ...„Ich hätte schon eher geschriebeir, aber ich habe noch kelne Zelt dazu. Ich bin bei ein Lientiinnt Bursche schon 6. Woche nnd da Hab' ich nichts schön. Morgens zum Dienst»»»iß ich ein Tretten. Mittags Hab ich als frei, der Lieutuant hat schon den dritte Bursche seid im November, der Erste hat sich bestraffen aekatzt, daß er Ab- gelöst ivordei» ist. Der Ziveite hat sich erschossen. Und ich hoffe, daß mir nichts vorkommt bis jetzt bin ich noch nicht bcstrafft und will auck» an den 200 Tagen nicht mehr bestrafst»Verden.---* Soweit der Briefstbreiber, Der Brief ist, wie gesagt, an« Worms, ö. März, datiert»md an» 15, April folgte der Brief- schreib« dem Beispiel seine» Vorgänger» uitd erschoß sich ebenfalls. Ueber den Beweggrund, der ihn dazu trieb, seinem Leben ein vor» zeitiges Ende zu bereite»», hat man nichts in Erfahrung bringen küinien. Auö dem II», stand, daß er unter Mitivirkung eines G e i st l i cd e n beerdigt wurde, kann»»an vielleicht entnehmen, daß die Leichcuscklan G c»>t e s st ö r»t n g ergab. Für de?» Grübler, der gelvohnt ist, den Diilgen auf den Grund zu gehen, bietet aber der ilinstaiid, daß sich innerhalb lvcnigcr Monate drei Soldaten dem Dienst b e i e i» e»n nnd demselben Lieutenant auf die oben gci'childcrte Art zn entzicben ftichen, Momente genug, die zum Nachdenken reizen. Vielleicht nimmt das Frankfurter Generalkommando Veranlassimg, den Dingen, die deir Selbstmorden zu Grunde liegen, ans die Spur zu koinnie»». Wie uus übrigens nachträglich mitgeteilt wird, soll sich der zweite Bursche des Lieutenants siioch au» Leben und in Behandlung der Aerzte befinden. Vielleicht ist es möglich. lvenigsteiiS in diesem einen Fall AlifUänmg zu erhalten über die Motive der That. Der am Osiersoniftag in Heu Tod Gegangene soll von seinem Herrn, wie lunn sick, hier erzählt, nach einer Fabrrad-Laterne ausgeschickt worden sein. ES ivar ihn» aber nicht möglich, eine solche zu erhalte», und soll« sich im Verfolg dieser Angelegenheit erschossen habe»». Etlvas Genaues ließ sich aber nicht ermitteln. Vielleicht»ist die vorgesetzte Dieustesstelle in der Lage, näheres zu erfahren.— Chronik der MajestätSbeleidigiingS-Prozefie. AuS Halle wird uns berichtet: WegenMajestätSbeleidignng wnrde von der Straftammer der b is h e r un b e str a f.t e circa 45 jährige Maurer Albert T hie kicke aus Gicbicheustem zu vi« Monaten Gefängnis verurteilt. Als Demmziant war der Arbeiter Gründler, ein vielfach vorbestrafter Mensch, aufgetreten. Gründl« »vohnt mit dem Angeklagten in der Gosenstratze in ein« Behausmig, wo sie öfter zusammen verkehrten. D« An- geklagte soll versucht haben, den Gründler zur Organisation zu belvegen, um dadurch in moralisch« Beziehung bessernd mlf ihn einwirken zu köiiiien. Im November v. I. soll er in Gründlers Wohnung gewesen sein, und in Beziehung auf die dort an der Wand hängenden Kaiserbilder.»»ach den Worten:„Na Du Patriot!" eine abfällige Aeußerung gethan haben. Gründler, der sich am nächsten Dienstag vor dem Schöffengericht wegen HansfriedenSbruchs zu verantlvorten hat, soll auS Aerger hierüber gegen den Angeklagten die Anzeige wegen Mcijestätsbelcidigung erstattet �aben. Die Verhandlung ent- .-og sich der Ocffcntlichkeit und die Eheleute Griindler, sowie deren Tochter waren Zeugen. In der UrteilSbegriindung hietz eS, dasj der Angeklagte wiederholt versucht habe, den Griindler von seiner Partei zu der deS Augeklagten herüberzuziehen und daß hierbei die be« lcidigenden Worte gefallen wären. Ausland. Frankreich. PartS. 23. April. Bei der gestern im Departement Menne statt- aebabtcn Ersatzwahl zur Deputiertenkammer siegte der Radikale Girardie mit einer Mehrheit von 700 Stimmen gegen den von der VatcrlandSliga aufgestellten Nationalisten Coursai.— Afrika. Zum Rnfstand an der Goldkiiste. Accra, 21. April. Amtlich wird bekannt gegeben, daß der erste Teil der Eutsatztrnppe vor Kuniasst ciugetroffen ist; die dortige Lage habe sich demnach ge- bessert.— Tie Brotvcrtcurcr als Retter der Republik. Remirc- m o n t, 21. April. Der frühere Ministerpräsident M e I i n e hielt hier heute vor seinen Wählern eine Rede, in welcher er Waldeck- Rousseau tadelte, weil dieser in seinem Ministerium dem Kollektiviönms eiueu Platz eingeräumt habe. Das Endresultat der Politik des jetzigen Kabiiietts sei, daß die Ausstände sich in r e v o l u t i o n ä r e Bewegungen umwandeln, und daß der Nationalismus, d. h. der Cäsarismus, geschaffen worden sei, welchen erv a r k- Hamburg verbreitete sich über Volks- t ü m l i ch e Führungen durch Kunstsammlungen. Er habe mir wenige Erfahrungen auf diesem Gebiete und nur ein ein- ziacs Mal vor einem ausschließlichen Arbeiterpublikum eine Vor- Icsung gehalten, aber ihn habe dabei ein Gefühl des Glücks be- schlichen, denn er habe kaum jemals ein so aufmerksames Publikum gefmtden.(Beifall.) Ueber volkstümlicheTheatervorstellungen sprach an Stelle des in Aussicht genommenen Referenten v. Ebart« Gotha, Herr Dr. v. Er d b e r g- Berlin. Er erblickte in den volkstümlichen Vorstellungen keine Frage der VolkSiinterhaltung, sondern der Volks- erziehimg. Thatsächlich ici die Volkserziehung auf diesem Gebiete ein Bedürfnis. Würden heute alle Theater unciitgcltlickicii Eintritt ge- währen, so ivürden, sobald der Reiz der Neuheit vorbei sei, das Rcsidenz-Thcatcr, der Winiergartcu und ähnlickic Etablissements am stärksten besucht ivcrdcu.(Widerspruch.) Die Frage sei nicht: Liegt hier ein Bedürfnis vor, sondern sind wir in der Lage, das Be- dürfnis des Volks nach Unterhaltung durch dramatische Kunst zu veredeln? Dazu sei es»vtig, das Volk zu erziehen. Leider seien die Künstler nicht derselben Ansicht. Die Theatcranfführiiligen müßten bildend und unterhaltend sein. Empfehlen würden sich Stücke wie LeksingS.Minna von Barnhelm", Goethes .Götz von Berlichiiigen', ScknllcrS„Wilhelm Tcll". Ancki die gute Lokalposse müsse ivicder gepflegt werden. Gute SondcraiifführlMgen z» billigen Preisen seien anzustreben. Endlich referierte Prof. Stumpf- Berlin über volköliimliche Mnsikaiissühruugeii. Das Bedürfnis des Volks nach geistigen Ge- niissc» sei sehr im Steigen begriffen. Die klassischen' Mnstk- aufführungen in der Singakademie in Berlin werden von viele» Arbeitern und Arbcttcriimcn besucht. Wenn bei den Arbeitern die Begierde, einen iveltbelaunteu Virtuosen zu hören, eine Rolle spielt, so Ivi'rzcle sie doch auch in dem Bedürfnis, ans der ein» förmigen Schwere des Alltagslebens hcransgehoben, teilzunehmen an den höheren LebeuSgütern der Kultur, in dem Bewußtsein, die allgemeinen menschlichen Anlagen dafür zu besitzen und in dem Wunsch, diese Fähigkeiten zu höheren Gentiffeu nun auch rinmal an den vollendetsten Darbietungen der Kunst zu erproben. Der Redner befürwortete die Veranstaltung von guten Volkskonzerten gegen mätzige Eintrittspreise. Unternehmer dieser Aufführungen müssen die Arbeiter selbst sein.(Beifall.) In der Diskussion, die sich an diese Referate ansHIoß. betonte zunächst Stadtverordneter Schriftsetzer Willi- Karls- rube die Notwendigkeit, daß die Behörden sich den Bilduugs- besttebimge« der Arbeiter nicht feindlich gegenüberstellen, Pfarrer Liccntiat W c b e r- M.-Gladbach ersuchte, alle wiffcu- schaftlichen, politischen und religiösen Streitfragen von volkstümlichen Kursen fernzuhalten. SiederSleben« Kastel erklärte sich mit den Ausführungen der Referenten im großen und ganzen riiiverftaiideii, wolle man aber die nicht zu leugnende geistige Trägheit der Arbeiter bekämpfen, dann fei es notwendig, die wirtschaftlichen Exifteiizbedinguugeii der Arbeiter zu bessern. Erst dann werde eS den Arbeitern möglich fein, an Kunst nnd Wiffenschast vollen Anteil zu nehmen. Musikdirektor Menge wein- Berlin hob anerkennend das lebhafte Interesse hervor, das die Arbeiter den Musikauffiihrungen ent« gegeubriiigen. Geh.-Rat Dr. R o s ch e r- Dresden warnt davor, in Volkstum- lichen Kursen wiffeiischaftliche Hypothesen zu erörtern. Es dürfe auS den einzelnen Gebieten nur das gebracht werden, was als feststehendes Resultat wissenschaftlicher Forschung oder praktischer Er- fahrung anzusehen sei. Dann würden die Hochschulkurse segensreich wirken. Professor Dr. G r u b e r- Wien berichtet auf Grund eigner Cr- fahruiigen, daß keine Gefahr bestehe, daß durch die Abhaltung volkS- tümlicher Kurse das wissenschaftliche Niveau der Universitätslehrer berabgcdrückt werde. Im Gegenteil, solche Borträge üben auf die Docenten einen wohtthätigen Einfluß aus. Unsre akademischen Zu- Hörer seien vielfach blasiert, und diese Teilnahmlosigkeit mache sich an dem Docenten unangenehm bemerkbar. Es sei für die Docenten sehr angenehm, ein Publikum vor sich zu haben, daS wirklich an den' Lippen des Lehrers hängt und begierig ist, alles, was ihm geboten wird, in sich aufzunehmen. Die Gefahr der Halb- bildung bestehe nicht, denn gerode durch die Vorträge werde das Bildungsbedürfnis der Arbeiter immer mehr geweckt. Erfreulich sei der Eifer der Arbeiter in der Benutzung der Bibliotheken. In Wien feien im letzten Jahr 2 Millionen Bücher verliehen, darunter 800 000 wissenschaftlichen Charakters. Als ein Fortschritt sei eS zu bezeichnen, daß das Uuterrichtsmiinsteriiim in Oejtrcich die Hochschulkurse unter- stützt.(Beifall.) Stadtverordneten- Vorsteher F u l d a- Mannheim hat die Er- fahrnng gemacht, daß bei den Arbeitern ein autzerordeutlich starker Bildmigshunger voryaiidcn sei. Er sei geradezu entzückt davon, mir welcher Aufmerksainkcit sie den Vorträgen folgen. Ein Bourgeois- 'Publikum sei weit weniger andächtig. Dies BilduiigSbedürfuis zu befriedigen, sei eine wichtige Aufgabe. Geh.-Rat E n g I e r- Karlsruhe ettvidert Herrn Dr. Roscher, daß man in naturwissenschaftlichen Vortragen die Hypothesen gar nicht entbehren könne. Dr. med. Becher- Berlin weist ans die von der Central- kommission der Krankenkaffen Berlins veranstalteten hygienischen VortragSknrse hin. Der Erfolg sei ein guter, die Beteiligung der Arbeiter eine rege. Die Arbeiter folgten den Vorträgen mit ge- spamitester Aufmerksamkeit. Dr. R e i ch- W i e n bezeichnet es als einen Irrtum, von der geistigen Trägheit der Massen zu sprechen. In Oestreich treffe das nicht zu, er sei der Ueberzeugung, auch in Deutschland nicht. Das Wort„Erziehung" sei auf erwachsene Personen nicht anzuwendeii. Dr. L ö w e'n feld-Berlin, Direktor des Schiller-Theaters, hält eS ebenfalls fiir richtiger, statt von„Erziehung" von„Teil- nähme" des Volks an Kunst und Wissenschaft zu sprechen. ES sei eine sociale Pflicht, die edlen Genüsse, die den besser Situierte» leichter zugänglich sind, auch der weiten Masse des Volks zu verschaffen. In Berlin strebe z.B. die„Freie Volksbühne" dies Ziel au. Er habe zwar das Programm und den Spielplan dieses Vereins im ersten Jahre nicht völlig gebilligt, heute aber sei der Spielplan ein ganz ausgezeichneter.' In Berliner Arbciterlreiscii sei ein große- Ver- ständnis für gute Thcater-Ausführuiigcii vorhanden. Es sei auch nicht richtig, daß die Künstler das Volk gering schätzen; nach seinen Erfahrungen sei gerade das Gegenteil der Fall. Daß die Aufnahme- sähigkeit des Arbeiters, ebenso wie die jedes andren Menschen an einem arbeitsfreien Tag besser sei als au einem arbeitsreichen, sei selbstverständ- lich, aber auch die Aufnahmefähigkeit sei eine Eigenschaft, die mit der Praxis wachse. Die ganze Frage der Volksbildung sei eine wirt- schafllichc. Wenn der Referent meine, falls alle Theater uneiitgeli- lich geöffnet seien, würde der„Wintergarten" und daS„Residenz- Theater" am meisten frequentiert, so treffe das nicht zu. Die Er- fahrung beweise genau das Gegenteil. Die besuchtesten Vorstellungen seien„Wilhelm Tell" und die„Jungfrau von Orleans". Es empfehle sich gute Auffühniugen mit lleinen Preisen an freien Tagen und nicht in später Abciidstunde. Das Theater müsse auf- hören, ein Gegenstand der Spelulation zu sein. Es müsse aufhören, daß' der Theater-Dircktor ein Gewerbetreibender sei. Der Theatcrdireltor müsse ftci bon allen Sorgen sein, das Theater müsse vom Staate oder der Stadt unterhalten werden, erst dann werde es seiner Aufgabe in vollem Maße gerecht werden können.(Lebhafter Beifall.) Nach weiterer Debatte, in der u. a. der Direktor im Kniist- gewerbe-Muscum Dr. Jessen die Errichtung von Hörsälen in dem Kunstgewerbe-Museum empfahl nnd Seminardirektor Dr. Papst- Lcipzig auf den Nutzen der Schülerwcrkstätten als Erziehungsmittel der Jugend zur Kunst hinwies, wurde die Beratung geschlossen. Achte Ceilttiilüechilüiilliilg des Verbilllds dciitscher Schllhuiilcher. Magdeburg, den 20. April. Vierter Verhandluugstag. Von den gestrigen Verhandlungen ist noch nachzutragen, daß in einer Abendsitzuug noch der Lorstand gewählt wurde. Er besteht aus Simon(1. Vorsitzender), Siebert(2. Vorsitzender), Reuß (Kassierer) und K y u a st(Sekretär). Der Sitz des Vereins bleibt in Nürnberg; das Fachblatt wird weiter in Gotha unter der Redaktion von Bock erscheinen. Der Ausschuß kommt nach Wcißcnfcls. Zum Vorsitzenden deS Ausschusses wird Weise gewählt. Heute wird zunächst die S t a t u t e u b e r a t u u g vorgenommeu. Ein Autrag, den Beitrog für männliche und für weibliche Mitglieder um IS Pf. zn erhöhen, wird abgelehnt. Dagegen soll die Nr- abslimmuiig über die Arbeitslosen- und ErwcrbSunfähigkeits-Ver- sichcriing verbunden werden mit der Abstimmuiig über eine Bei- tragscrhöhuiig auf 30 Pf. für männliche und IS Pf. fiir weibliche Mitglieder. Bei der Diskussion der zum Fachblatt vorliegenden Anträge wird die Berichterstattung über den T u t t l i» g e r Streik zur Sprache gebracht und Klage darüber geführt, daß ihm von einigen Partei- blättern, n. a. vom„Vorwärts' nicht die nötige Aiifmcrksaiiikeit geschenkt wurde.*) Von einigen Reducru wird darauf hingewiesen, daß dieses jeden- falls an mangclhastcr Berichterstattung der Streikenden liege, während sowohl diese,' als auch der Vorstand behaupten, fiir genügende Bc- richierstattinig Sorge getragen zu haben. Das Verhältnis zur G e n e r a l b e r s a m m l u u g bleibt wie bisher weiterbestehen. Mit der P e n s i o n i e r u u g der B e- a m t e u erklärt sich die Geucralvcrsamiiiluug im Priueip einverstanden und ermächtigt den Ccntralvorstaiid, sich den von der General- kommission der Gewerkschaften Deutschlands zur Regelung dieser Frage zu erwartenden Vorschlägen anzuschließen. ' Eine lebhafte Diskussion eutsviuut sich noch einmal über daS llntcrstütziiiigSwesen, vornehmlich über die bei Sterbe fällen zn gewährende Unterstützung. Sie endet mit der Amiahme eines Antrags, der die bisherigen Beftiiiimniigen klarer formuliert und die bisherigen Uiiterftiitzungssätze von 20, 35, ö0,(50 Mark je nach der Dauer der Mitalieoschaft für iiiämilickje, weibliche Mitglieder die Hälfte, bestehen läßt. Neu eingefügt wird die Bestimmung, daß für Mitglieder, welche länger als 20 Jahre dem Verein angehörten, 80 M. Sterbegeld bezahlt wird.(Mittagspause.) Nachinittagssitzung. In der Nachmittagssitzliug wird die Beratung der Auiräge fort- gesetzt. Die meisten zur Annahme gelaugten Anträge haben kein Allgcmeiniiiteresse. Erwähnung verdient ein Antrag, ivelchcr den Vorstand des Vereins dculsckicr Schuhmacher beausttagt, die Reichs- kouimission für Arbeiterstatistik zu ersuchen. Erhebungen über die Lage der im Schiihmackiergeiverbe beschäftigten Perfoucii anzustellen. Außerdem wurde der Boykott über die F l r»i a Tack u. Co. aufgehoben. Daun erfolgte der Schluß der Generalbersammlnug. Vttvkei-Aachvilszken» Tie Ersatzwahlen in Nürnberg. Am Sonntag trat die socialdemokratische Partei in Nürnberg mit einer großen, von Tausenden besuchten Volksversammlung in die Bewegung fiir die bevorstehenden Ersatzwahlen ein. Nach einem Referat des Genosse» S e g i tz über die parlameiitarischc Lage billigte die Bersammlnng die Aufstclluug der Genossen Dr. S ii d e k u m für de» Reichstag nnd Dr. v. Hall er für den Landtag. Der einstimmig gefaßte Beschluß rief großen Jubel hervor. Znr Parteiorganisation. Die Parteigenossen in Mülheim(Ruhr) beschlösse» in der letzten Bersammlnng. das VertraueiiSmänuersystein aufzuheben und sämtliche Parteigeschäfte dem Socialdemokratischcn Verein zur Erledigung zu überweisen. Ihr zehnjähriges Bestehen feierte dieser Tacze die„Mu in- heiiner Volksstinune" durch Herausgabe einer Jubiläunisnummer. Am 23. April 1890 erschien die erste Probeinimmer der„Volks- stimme", deren Kopf in der Jubiläiimsnummer nachgebildet ist. Die GebnrtSstunde des Blatts fällt in jene Zeit, da daS AnSiiahmcgesctz chon überwlindc» von der unbesiegbaren Socialdcinoiratie am Boden lag. Das Socialisteiigesctz bestand nur noch der Form nach. Allerorts erstanden Arbeitcrorgaue, so daß ans dem Parteitage in Halle sich sogar warnende Stimmen gegen das „Zeitnugs- Gründuugsfieber" erhoben. Auch die Manliheimer Ge- nosseu fchuseu sich ein Organ: die„Volksstilimie". Die in einer *) Wir haben von allen uns eingesandten Zuschriften Notiz ge- nommen, auch sonst zum Abdruck gebracht, was sich in andren Blättern Wesentliches über den Streik vorfand. R. d..V.' Nuflage von 20 000 Eremplnren hergestellte Probenummer wurde mit gro fiter Begeisterung von der Bevölkeruua Mannheims und der Pfalz begrüßt und in wenigen Tagen'* hatte die„Volks- stimme" über 4000 Abonnenten. So schnell stieg die Auflage, daß bereits am 7. März 1891 die"erst auf der Rotations in aschine he rge st eilte Nummer erscheinen konnte. So große Sympathien die Bevölkerung dem Unternehmen entgegenbrachte, so wenig kargte auf der andern Seite der Staatsanwalt mit Beweisen seiner Antipathie. Die vev schiedenen Redacteure, die dem Blatt im Laus der Jahre vorstanden. trugen eine ganze Anzahl teilweise sogar reckt harter Bestrafungen davon, und die Zahl der Geldstrafen läßt sich nicht einmal genau mehr feststellen, so viele sind ihrer! Viel Stürme, viel innere Veränderungen hat die„Volksstimine" in den 10 Jahren ihres Bestehens durchgemacht. Aber nichts hat ihr etwas anzuhaben vermocht. Die Stürme haben sie gekräftigt, Widerstands fähig gemacht, wie der Sturm die junge Eiche kräftigt und der innere Wechsel hat ihr zwar neues, aber kein schlechtes Blut zw geführt. Die„Volksstimme" ist die uuerlchrockeue Vertreterin des Volks, der Arbeiterinteressen geblieben. Von Jahr zu Jahr stieg die Zahl ihrer Leser und von Jahr zu Jahr wuchs ihr Ansehen. Möge es unserm Bruderorgan vergönnt sein, am nächste» Jubiläums tage auf neue Siege, auf gleiche Erfolge zurückzublicken. Parteipresse. Unser Essener Parteiorgan, der„Weckruf welches vor zwei Jahren als Wahlzeitun'g gegründet, dann aber auf Wunsch der Genossen als Parteizeitung beibehalten wurde, hat� bis heute erfreuliche Fortschritte gemacht. Zuerst gelangte der„Weckruf" alle vierzehn Tage zur Ausgabe. dann wöchentlich einmal, vom 1. April bis 1. Juli v. I. dreimal wöchentlich, von da ab täglich. Diese Entwicklung hat das Blatt durchgemacht, ohne irgend ivelche Unterstützungen ansschließlick der jenigen der Genossen am Ort. Bisher sind sämtlicke Geschäfte lNcdaktion und Expedition) von einem einzigen Angestellten besorgt worden, vom 1. Mai ab wird aber die Expedition einen besonderen Beamten erhalte». Dem Leichenbegängnis deö Genossen Bastler schlössen sick so wird aus Stuttgart berichtet, die Parteigenossen aus Stadt und Land in großer Anzahl an. Vom Trauerhaus in Heslach, vor welchem der Gesangverein„Lassallia" das vom Verstorbenen gewünschte Lied„Das stille Thal" sang, ging der Zug"durch die Böblinger- und Tttbingerstraße. König- und" Kronprinz straße, Friedrichstraße nach dem Güterbahnhof. An der Rampe des Güterbahnhofs fand eine eindrucksvolle Trauerfeier statt. Nachdem der oben bezeichnete Gesangverein noch einige Gesangsstücke vorgetragen, widmeten die Genossen Herrman», Fischer und Keil dein Verstorbenen warme Nachrufe. Sodann wurde die Leiche nach Heidelberg überführt. um dort eingeäschert zu ivcrdcn. Der Vcr- drenmmg wohnten die Abgg. Dietz und Blos, sowie eine Anzahl andrer Genossen aus Stuttgart und andren Orten an. Gen. Dietz hielt eine kurze, warmempfundene Gedächtnisrede. Der Genosse Moratvski, Herausgeber der„Gazeta Robot nicza", sendet uns folgende Erklärung zu: In dem Bericht deS„Vorwärts" Nr. 90 über die General- Versammlung des deutschen Berg- und Hütten- arbeiter-Verbands, behauptet ein Herr Sckürholt aus Bochum, daß die„ G a z e t a N o b o t n i c z a" gegen den Berg- und Hüttenarbeiter- Verband in Oberschlesien arbeite, weil dies eine deutsche Organisation sei. Demgegenüber er- widere ich: Die„Gazeta Nobotnicza" und ihre Freunde haben die politische, sowie die geiverkschaftliche Bewegung unter den Berg- orbeitern in Oberscklesie» ins Leben gerufen, sie befürwortet und fördert die beiden Organisationen nach Kräften und ununterbrochen, und von einer Gegenarbeit gegen den Bcrgarbciter-Vcrband, weil derselbe deutsch sei, ist in der„Gazeta Robotnicza" noch nie ein Wort gesagt worden._ GemevltMslskliFzes. Berlin und Umgegend. Achtung! An die Gewerkschaften Berlins! Auf der am Freitag, den 20. April, stattgefmidenen Versammlung der Berliner Gewerkschaftskommission stand auf Antrag der Berliner Schuhmacher die Aussperrung der 2000 Tuttlinger Schuh- macher auf der Tagesortmuug. Durch den Umstand, daß einige Vertreter der Berliner Schuhmacher iin Laufe der vergangenen Woche auf der Generalversammlung zu Magdeburg verweilten, ist die Einladung zu der Versannulung der Gcwerkschaftskommission leider nicht rechtzeitig au die richtige Adresse gelaugt. Es war also nicht die Folge einer Nachlässigkeit seitens der Vertreter der Schuhmacher, wenn sie in der bezeichneten Versammlung nicht anwesend waren. Leider mußte nun der Bericht über den Tuttlinger Streik vertagt werden. Damit unsre streikenden Tuttlinger Kollegen unter dem b'e- dnuerlichen Umstand nicht zu leiden haben, ersuchen lvir die Berliner Gewerkschaften, die Tuttlinger inzwischen nach Kräften zu unterstützen. Der Kampf dauert nunmehr bereits die siebente Woche. Trotzdem die Fabrikanten bereits mehreremale ihre Fabriken geöffnet haben, um den Arbeitslvilligen Gelegenheit zu gebe», in dieselben zurückzukehren, hat sich niemand dazu gefunden nnd stehen die Ausgesperrten noch genau so fest, wie am Anfang des Kampfs. Dem Verein deutscher Schuh- macher war es bisher möglich gewesen, die Ausgesperrten materiell zu unterstützen, bei den großen Anfordernnge», ivelche in dieser Be- ziehung an die Organisation gestellt werden, ersuchen wir nunmehr die übrigen Geiverkschaften auch ihrerseits den kämpfenden Tutt- linger Schuhmachern ihre Solidarität durch finanzielle Unterstützung zu beweisen. Der Verband beutscher Schuh nr acher. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Former und Berufsgenossen! In Nürnberg befinden sich die Former im Generalstreik. Zuzug ist fernzuhalten. Die OrtSverwaltung Berlin des Deutschen Mctallarbeiter-VervandS. Noch eine neue Tapezierer-Organisation. Eine sehr schwach besuchte Versammlung der Tapezierer(Polsterer und Kleber), die am Sonntag bei Paster, Jnselstraße, tagte, beschloß, eine lokale Organi« sation für die Polsterer Berlins und Umgegend zu gründen; für die Kleber besteht bekanntlich bereits eine solche Organisation. Die Gründung wurde von den Rednern mit der unrichtigen Taktik, die der Centralverband der Tapezierer befolge, und mit den die Arbeiter schädigenden Abmachungen vor dem Berliner Einignngsamt motiviert. Außerdem wurde der Anschluß an das Gewerkschafts- kartell beschlossen. Zum Schluß wurde eine Resolution an- genommen, in der sich der Verein zum Princip stellt:„Die vom Verband untergrabene Oeffentlichkcit wieder herzustellen". Die Rixdorfer Bau- und Arbeitökutscher sind seit Montag in einen Ausstand eingetreten; sie fordern für Kutscher 23 M., für Arbeiter 25 M. Lohn und als Lohntag spätestens jeden Sonnabend. Die von der Lohnkommission gepflogenen Verhandlungen haben zu keinem Ergebnis geführt. Erst am Sonntag, als die Arbeiter den Streik für Montag in Ausficht stellten, haben eine Anzahl Fuhrherren, nämlich 6 von 23, die For- derungen bewilligt. Dort, wo nicht bewilligt wurde, ist am Montag die Arbeit eingestellt. Als Streikburcau wurde das Lokal von Schmidt. Kottbuscrdamm 34 geivählt. In diesen Tagen wird eine öffentliche Versamnilung stattfinden, in welcher über den Stand des Streiks berichtet iverdeu wird. I» Spandau ist ein Streik der Hafenarbeiter zum Aus- bruch gekommen; die Arbeiter verlangen eine Lohnerhöhung. TcntschcS Acich., Der Tischlerstreik in Krefeld dauert unverändert fort. Die Unternehmer ivollcn in biirgerlichen Blättern veröffentlichen, daß der Streik beendet sei. bannt die Abgereisten, sowie auch sonstige Arbeiter herangezogen werden können. Wir machen jedoch darauf aufmerksam, Krefeld so lange zu meiden, bis von der Lohnkommission der Streik für beendet erklärt wird. Bewilligt ist in 14 Betrieben, darunter die Möbelfabrik von H. Strauken, sowie die Sofagestell-Fabrik von Scheutwinkel. In den übrigen Betrieben sind die Arbeiter aus ständig. Anfragen sind zu richten an die Lohnkommission der Holz arbeiter Krefeld, Stefan- und Peterstraßen-Ecke. Die Maler- und Anstreichergehilfen in Essen haben be- schloffen, die Nichtbewilligung der den Meistern unterbreiteten Forde rung, 10 stündige Arbeitszeit und zur Ausgleichung der dadurch ent stehenden Lohnverminderung eine Aufbesserung' der Stundenlöhne mu 10 Proz., mit Streik zu beantworten. In geheimer Abstimmung wurde der diesbezügliche Beschluß gefaßt, jedoch ohne Zeitbestim' mung, wann der Streik beginnen soll. Um den Unternehmern die Möglichkeit zu nehmen, Vorbereitungen zu treffen, soll die Lohn kon, Mission zur gegebenen Zeit die Parole zur Arbeitsniederlegung geben. In Wiesbaden ist ein Maure r,'streik ausgebrochen, der von den 1050 im Ausstandsgcbiet wohnenden Maurern die große Mehrheit, nämlich 1004 umfaßt. Die Ledigen reisen alle ab. Der Malcrstreik in Köln ist zu Gunsten der Arbeiter beendet. Die Streikenden erzwangen sich den neunstündigen Ar- b e i t s t a g und die Bezahlung der Ueberstunden mit 33*/» Prozent Aufschlag. Ausland. Eine neue Art von Arbeitsvermittlung bringen jetzt bei Gelegenheit des Streiks der Gummi-Arbeiter in Obcrwaltersdorf (Oestrcich) die dortigen Gendannen in Anwendung. Sie halten alle Straßen der Umgebung besetzt und nötigen die wandernden Arbeiter, gleichgültig, welcher Professton sie sind, in der Gummifabrik Arbeit zu nehmen. Viel Glück haben sie allerdings uoch nicht gehabt. Vevscrnrnrlungcn. Charlottcnburg. Am Donnerstag hielt der Wahlverein für Charlottenburg seine ordentliche Generalversammlung ab, nach dein Kassenbericht des Genossen Henschke betrugen die Einnahmen 803,36 M., die Ausgaben 372,30 M.. so daß für das 1. Quartal ein Bestand von 434,06 M. verbleibt. Auf Antrag der Revisoren ivurde dem Kassierer einstimmig Entlastung erteilt. Dem Vertrauensmann wurden 250 M. zur Agitation überwiesen. Die Neuwahlen zunl Vorstand ergaben folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Stadtv. Kurt Baake. 2. Vorsitzender Franz Bunge, Schriftführer Otto Görke, 1. Kassierer Henschke, 2. Kassierer Emil Kresse. Revisoren: Junger, Schönborn und Flemming. Schöneberg. Ein öffentliche Versamnilung der Droschken- k u t s ch c r für den Westen Berlins und Schöueberg tagte hier unter guter Beteiligung im„Klubhaus", Hanptstr. 5/6. Genosse Obst hielt zunächst ein Referat über„Zweck und Nutzen der gewerkschaftlichen Organisation", ivorauf sich der Vorsitzende des Vereins Berliner Droschkenkutscher über die neuerdings in Fluß gekommene Frage, betreffend die Abschaffung des weißen Hutes für Taxameter- kutscher verbreitete. Hierzu ivar ein Schreiben der Charlotten- burger Fuhrhcrrnvereiniglmg eingelaufen, in welchem bc- kannt gegeben ivurde, dag die Charlottenburger Fuhrherrcn geivillt sind, ihrerseits bereitwilligst für die Abschaffung der weißen Kopfbcdcckniig cinzntretcu. Die in der Vcrsaiumlnng vertretenen Kutscher Cha'rlottcnburgs erklärten sich mündlich für die Beseitigung der„Weißlackiertcn". Nach längerer Besprechung dieser Aiigelegcn heit wurde beschlossen, eine Eingabe an das Polizeipräsidium zu richten, in der um Aufhebung der Verordnung vom 10. November 1893, betreffend die Einführung der ivcißen Kopfbedeckung, ersucht werden soll. In den andren Stadtteilen Berlins soll in gleicher Weise vorgegangen werden._ Eiugegattgene Drnikschrifte». Vau der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Tietz' Verlag) ist soeben daS 30. Heft des 18. Jahrgangs erschieueli. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Deinokralie und Kaisertum.— Die Ursachen der Hungersnöte in Britisch- Indien. Von H. M. Hyndiuan.— Die Hamburger Gewerkschaften und deren Kämpfe von 186-, bis 1800. Bon C. Legicn— Bulgarien an der Schwelle deS neue» Jahrhunderts. Bon I. Sakafow(Softa).— Zur Wohnungsfrage. Van Dr. C. Hugo.— Litterarische Rundschau: Dr. S. Tschierschly, Das Fleischeinfuhrverbot. Der Krieg. ES wird gegenwärtig an mehreren Stellen gekämpft, doch scheint es sich auch diesmal um keine Gefechte größere» Stils zu handeln. Während sich die Untergenerale mit ihren Corps ganz in der Nähe BloemfonteinS mit den Bocren herumschlagen, zum Teil sogar, wie bei W c p e u e r, von denselben schwer bedrängt werden, weilt Lord Roberts wie seit Wochen in bcschauerlicher Ruhe in Blocmfontein elbst. Es nniß wirklich, wenn hinter seinem Verhalten nicht ein weit ausholender strategischer Streich steckt, um seine Truppen sehr traurig aussehen. Allerdings lassen sich die„Times" aus Louren?o Marquez melden, daß im Oranje-Freistaat nicht lveniger als ZV vvv Boeren ständen, was ja die Bedachtsanikeit des Oberstlommandiereuden einigermaßen motivieren lvürde, allein diese Angabe ist offenbar kolossal übertrieben, da die gesamte Trnppenmacht der Boeren nach den bisherigen Verlusten überhaupt keine 50 000 Mann mehr stark 'ein kann. Laut de»„Mitteilungen auS verantwortlicher Quelle", au-s der die„Times" schöpfen wollen, hätten die Republiken im ganzen 105000 Mann einschließlich sder Aufständischen in den Kolonialbezirken im selb gehabt. Die Boeren verfügten noch jetzt über 80 000 Mann, von denen 50 000 Mann im Oranje-Freistaat. 10 000 Mann bei den Biggarsbergen und etwa 15 000 Mann in dem Distrikt von FourteensstreamS und Klerksdorp sich befänden. Da die beiden Boerenrepubliken zusammen kaum 200 000 ivcitze Bewohner männlichen Geschlechts zählten, idie' UitländerS inklusive der Engländer einbegriffen, so ist eS ganz unmöglich, daß sie 105 000 Mann hätten ins Feld stellen können. Die übertriebenen Angaben können nur den Zweck haben, die Stockung der englischen Operationen zu entschuldigen und die Siegeszuversicht der Engländer, die sogar mit 80 000 Feinden fertig zu werden hofft, umso un- erschütterlicher erscheinen zu lassen. Bei DewetSdorp befinden sich die Kommandanten de Wet und Villier im Gefecht mit General Gatacre. Eine Boerennackricht berichtet über diesen Kampf: Die Kommandanten De Wet und VillierS trafen in der vergangenen Woche in DewetSdorp ein. Am 20. griffen sie die Streitmacht Gatacres an, welche auS etwa 3000 Mann und einer Batterie r t i I l e r i e bestand und einige Kopjes bei Richters Farm, i Westen von DewetSdorp, besetzt hielt. Um 4 Uhr nachmittags mußte der linke englische Flügel zurückgehen. DaS Gefecht, der Hauptsache Schützengefecht, dauerte bis zum Einbruch der Nacht. Die Boeren hatten einen Toten und fünf V e r- wundete. Die Verluste der Engländer sind unbekannt. Nach einem Bericht auS Maseru wurde auch am 21. März in der Richtung von de WetS Dorp Kanonendonner gehört. Auch an der Einschließung von Wcpener, die freilich nur einige 30 Kilometer von de Weis Dorp entfernt ist, oll Kommandant de Wet beteiligt sein. Eine Meldung von ihm ans Wepcner besagt, daß er die Stadt noch immer eingeschlossen halte und 11 Gefangene gemacht habe. darunter einen höheren Artillerie-Ofsizier. Ferner meldete das Telegramm aus Maseru: Vier Boerengeschütze beschossen die Garnison in Wepencr heftig. Eingeborene berichten, General Brabant sei heute auf seinem Vormarsch am Buschmanskop gesehen worden, welcher 20 Meilen von Wepener entfernt liegt. Die Streitkräfte der Boeren sind in drei Teile geteilt. Zwei derselben sind bereit, die Entsatz- kolonne zurückzuwerfen, während der dritte Wepener einschließt. Die BasiitoS beobachten die Vorgänge gespannt aber ruhig. Der Angriff deS Generals Brabant ist inzwischen erfolgt. DaS Gefecht dauerte am Vormittag deS 22. noch fort, als die Nach- richt abging. In Natal haben die Boeren, die angeblich bereits auf den Guerillakrieg ge- kommen waren, eine» neuen Vorstoß untemommen. Ein Telegramm meldet aus Ladysmith: In der Nähe von Elandslaagte wurde am 21. den ganzen Tag geplänkelt. Tausend Boeren rückten früh am Morgen auf eine Berg- kette nicht ganz 3 Meilen von Elandslaagw vor, ivelche früher von der britischen Infanterie besetzt war. Als sie die Engländer zu Gesicht bekamen, begannen sie die Hügel bei Elandslaagte zu bom- bardicreu, ohne indessen irgendwelchcn'Schaden anzurichten. Als d-e Schiffs- und Garnisougeschütze der Engländer dann das Feuer au,- nahmen, räumten die Boeren ihre vorgeschobenen Stellungen. Uebcr Verluste wird nichts gemeldet. *» Heber die Kriegsführung der Boeren entwirft ein Dr. E. von Ryekevorfel folgendes nicht gerade schmeichelhafte Bild: „Sind die Boeren nun wirklich Heroen, um nicht Titanen zu sagen? Keinesfalls; ein europäischer Kriegsrat würde sicherlich die Hälfte wegen Feigheit zum Tode verurteilen. 200 Mann von 2000 sind eS gewesen, welche einige tausend Engländer nieder- schössen oder gefangen nahmen, die übrigen 800 blieben außer Schußweite. General Viljoen findet regelmäßig, daß alles verloren ist und zieht sich zurück; dann erscheint wieder General Botha auf der Bildfläche und zieht die verfahrene Karre aus dem Dreck. Den Platrand haben sie 30 Stunden lang in Besitz gehabt und ihn schließlich räumen müssen, ivcil die andren Konnnandos nicht zu Hilfe kommen wollten. Bei Glencoe haben sie Schläge gekriegt, weil General Lucas Meyer(vom deutschen Kommando) nicht populär ist:„Neen, dankje, dien vent helpen we niet!" Ein Konmiando mußte nach dem Süden; 50 Mann bekamen dagegen Urlaub; als jedoch der Zug am folgenden Morgen ab- fuhr, stiegen mit dem Kommando mehr als 100 ein. Sobald der Zug still hielt, schienen sich verschiedene der Hundert zu erinnern. daß ihr Wohnplatz in der Nähe war. Ueberall stiegen kleine Trüppchen aus. schließlich verschwand auch der Feldkornet. Als der Zug im Süden anlangte, stieg ein Mann vom Kommando aus und meldete sich... General Erasmus hat bekanntlich etwas Kaffernblut in seinen Adern und dies ivird ihm als„Charakterfehler" schiver angerechnet. Dies mußte er fühlen, als ihm auf einem schmalen Steig einer seiner untergebenen Buren begegnete; der„ge- horsame Soldat" rief:„Verfluchter Farbiger, willst Du gleich aus dem Weg gehen?" Der General sagte' weder buh noch bab, sondern trat einfach zur Seite und ließ den Boer passieren. Joubert und Viljoen gehorcht niemand, nur Cronje und Botha. Und diese Truppen oder Banden schlagen die Engländer immer wieder: so schmählich ivie noch nie eine Ärnree geschlagen wurde. Wer findet des Rätsels Lösung?" Ganz so schlimm, wie Ryekevorsel die Dinge schildert, können ie unmöglich liegen, denn solche Horden zusammengelaufener und auSeinauderlanfeiider Menschen könnten den Enländern un- möglich so viel zu schaffen machen. Immerhin mag an dem Vorwurf der mangelnden Unterordnung der Massen und der fehlenden Autorität und Umsicht der Kommandanten manches Wahre sein. Die Boeren sind meist primitive und unkultivierte Bauern, eigensinnig, störrisch, mißtrauisch, und daher ivohl schwerlich Träger aller jener kriegerischen Tugenden, die ein wehrhaftes Volksheer in unsrem Sinn auszeichnen werden. Nichtsdestoweniger wiegen die kriegerischen Eigenschaften, die die Boeren wirklich besitzen, ihr treffliches Schießen und ihre Gewandtheit in der Schützenlinie, den ganzen militärische» Drill der Engländer mehr als auf. Wenn schon ein Bruchteil der Boeren den ohnehin riesig überlegenen Engländern so arg zugesetzt hat. wie müßte es um ihre Truppen stehn, wenn die Gesamtheit der Boeren Mut, Entschlossenheit und die nun einmal im Kriege unentbehrliche Unterordnung— die aber nicht mit dem militärischenÄädavergchorsam verwechselt werden darf— bewiesen hätte! ES geht was vor, behauptet die„V. Z". die wiederholt und mit Entschiedenheit be» tenert. daß ihre Meldung trotz der offiziösen Dementis den Thatsachen entspreche, und daß Herr vou Blllow thatsächlich mit dem Tranövaalgcsandten Dr. LeydS eine längere Besprechung gehabt habe. Die„V. Z." registriert ferner nach dem„Sccolo" folgende Vermutungen: „Man sagt, insgeheim, in fremden Zeitungen, daß die Beauftragten die Absicht verfolgten, Deutschland um friedliche Jnter- vention zu Gunsten der Boeren- Republiken anzugehen, weil- sie sonst geheime Dokumente ver- öffentlichen würden... Ob das wahr ist?... Man darf aber sicher sein, daß die Friedensgesandtschaft mit äußerster Korrektheit und ohne alle Drohungen vorgehen wird; diese sind schon gar nicht angezeigt bei der schrecklichen Lage, worin sich Oranje und Transvaal derzeit befinden." Die„V. Z." bemerkt alsdann dazu: Es scheint beinahe an der Zeit, daß Graf Bülow seine kunsthistorischen Studien an der be- rühmten Passion Bernardino Luinis im alten Klosterkirchlein„Maria zu den Engeln" für einen Augenblick unterbricht, um der seinen Namenszug auf dem Halsband tragenden Meute zurückzupfeifen. Letzte Meldungen. London, 23. April. Das„Reutersche Bureau" veröffentlicht nachstehendes Telegramm aus dem Bocrenlager bei Thabanchu von gestern: Der Kampf bei der Jammersberg Drift wird Tag und Nacht fortgesetzt. Mittwoch und Donnerstagnacht hielt das Gewehrfeuer ohne Unterbrechung an. Die berittenen Schützen auö der Kapkolonie verloren von SO« Mann 180, darunter fünf Offiziere._ Nrtzke Nsrlzvitlzken und Loial- Anzeig er" in Nr. 90 als ein Blalt bezcichiietcii, , welches Wahrsage- Anzeigen skrupellos aufnehme. Das genannte Blatt macht darauf anfmerksam. daß es„seit Jahr und Tag" An- zeigen dieser Art zurückweise, und in der That fanben»vir bei einer Durchsicht der Sountags-Nnimner unter den acht Spalten Hcirats«. Masseusen- und Witlvenvercins- Anzeigen, mit denen er aufwartete, Wahrsage- Anzeigen nicht vertreten. Diese Speciakität wird der «Berliner Morgenpost" vom Centralorgan der Reichshanptstadt überlassen. Wenig geschmackvoll ist es aber vom«Lokal« Anzeiger", sich nunmehr aufs hohe Pferd zu setzen und gcwisscrniatzcn von den stttlichcu Aufgaben zu reden, welche eine Zeitung, die es mit ihren Pflichten ernst nehme, im Inseratenteil zu erfüllen habe. Dazu hat der«Lokal- Anzeiger" mit seiner stattlichen Fülle andrer Anzeige» verfänglicher Art denn doch wahrlich lein Recht. Mit Wcibcrklatsch und Kartcnlcgcrci scheint der Selbst- Ans Eifersüchteleien, die man auf das Treiben von Kartenlegerinnen znrückfnhrt, gerieten die beide» Frauen der Genannten aneinander. Da auch die Brauerei mit den Klatschgeschichten belästigt wurde, so entließ sie Jahnke am 17. März als bei jüngeren von den beide» Angestellten. Am folgenden Tag verschwand' Jahnke. Am Sonn- abend fand man ihn in Hermsdorf im See als Leiche ivicdcr. Jahnke hinterläßt sechs Kinder. I» einer Gastwirtschaft vergiftet hat sich der 44 Jahre alte Schneider Eugen Händel aus der Jnsterburgerslraße. Händel, der aus Breslau stammt, war seit zwölf Jahren Witwer und besaß seit dieser Zeit niit einer Witlve Dicwert zusammen eine Schneiderstnbe, in der zehn Arbeiterinnen beschäftigt tvurdcn. Er litt schon einige Jahre an den Sterben und mußte in den letzten zwei Jahren viermal eine Heilanstalt aufsuchen. Vorgestern nachmittag kam er in ein Schanklokal in der Jnsterburgerftraße und trank ein Glas Bier. Dabei zeigte er dem Wirt und einem Gast ein kleines Fläfchchen mit den Worten:„Dies genügt für uns alle drei]" Dan» besuchte Händel die Thielcsche Wirtschaft in derselben Straße. Nachdem er ein Glas Bier getrunken hatte, ging er einen Augenblick hinaus und lehnte sich dann im Hinterzinnner treidebleich an die Wand. Auf die Frage, was ihm fehle, antwortete er mit schwacher Stimme: «Ich habe mich vergiftet!" Im selben Augenblick brach er auch schon bewußtlos zusammen. Als ein Arzt kam, war er bereits tot. Händel hatte Chankali genommen. Beim Anheizeu des Ofens tödlich verbrannt ist die 78 jährige Witwe Auguste Helbich, Wiencrstr. 52. Ihre Flnrnackbarn borten sie plötzlich jämmerlich um Hilfe rufen. Sie drangen in die Wohnung ein und fanden die alte schwache Frau am ganzen Körper brennend hilflos daliegen. Als sie das Holz angezündet hatte, war sie in einem Schwnchcanfall mit dem Arme zu weit in den Ose» hineingeraten, so daß ihr Klciderärmel Feuer fing. Der Aermel brannte weiter und entzündete dann auch das ganze Kleid. Die Frau ist bereits ihren furchtbaren Verletzungen erlegen. Zwei Kulturweltcn stoßen zur Zeit im Zoologischen Garten anfeiiiander. Am Bahnhofs- Eingang zeigt sich weltentlegene Romantik in Gestalt einer Tscherkessentruppe. Wenige Schritte davon, im WirtschaftSraum des Gartens, hat der Mittel- europäische Motorwagen- Verein eine Sammlung modernster Automobilfahrzcuge aufgestellt, welche in einem technischen Verfahren auf ihre Leistungsfähigkeit und Widerstandskraft hin ge- prüft werden. Jiiteressiren die Messungen an sich auch nur wissen- schaftliche und Fachkreise, so darf ihr Ergebnis vielleicht doch auch im großen Pnbliklim auf Beachtung rechnen, da a» der Zukunft des AiitomobiliSmiiö wohl kaum mehr zu zweifeln ist und der Motor- wagen bald genug feine Reife um die Welt antreten wird. Die Tscherkessentruppe prunkt mit dem Besitz all der Nomantik, die wir aus den Schilderungen der Freiheitskämpfe kennen, welche das tapfere Volk um die Mitte des Jahrhunderts mit den Russen zu bestehen hatte. Die wilden Attacken zu Pferde, bei denen der Reiter mit den Händen den Erdboden berührt, würden jedem ZirkllSkünstlcr Ehre niachen. Es sind malerische, kernige Gestalten, die auf der Jagd wie im Spiel ManneSart bewähren. Minder leb- Haft als die Reitcrknnststticke sind die Tänze, welche die Tscherkessen mit ihren jugendlichen Gesponsen anfführen. Zu der eintönigeu Musik von Klapper und Ziehharnioistka bewegt sich der Fuß im feierlich-rhytmischen Schritt, als ob der Tanz ein ehrsames Braut- werben bedeute. Me» in allem lohnt e« sich, die fremde Völker schaft zu sehen. Orgelkonzert. Mittwoch, den 25. April, mittags 12 Uhr. hält Herr Munkdirektor Otto Dienet in der Marienkirche einen Orgelvortrag bei freiem Enitrilt unter Mitwirkung von Frau Marie Kornatis, Frl. Wilma Eneauiot, Frl. Marie Rambonnet, Herrn Kapellmeister Schlecht und Herr» Robert Schwiessclmaim. Zur Anfflihrung komuien Orgel-, Gesangs- und Biolin- Kompositionen von Bach(Liwstiooxlm). Händel, Verdi, Dienet u, a. Nadsport. DaS Rennen im Sportpark Friedenau war Sonntag dank dem schönen Wetter überaus stark besucht. Es nahm folgenden Verlans: Fricdcnaucr H a u ptfa h ren. 1000 Meter für Klasse X und B. 200, 100, 50 M. In den Vorläufen siegten: Mayer sHannovcr), Mulder, Dirheimcr, Classeir, Käser, Mündner, Ellegaard. Lnrion; I. Zwischenlauf: Muldcr 1., Käser 2. Mnlder rückte ans. II. Zwischenlanf: Ellegaard 1., Mündner 2. Entscheidung: Elle- gaard 1.. Mündncr 2., Käser 3. Zeit: 1:20�.— Prä in i e n-> fahren 8000 Meter. Den« ersten einer jede» Rnnde 10 M. Den drei ersten der letzten Rnnde 80. 40, 20 M. Kärer 1. Kudela 2. Mayer 3. Zeit: 4:09�. Die Prämien errangen: Lurion, Bocquillon. Döiftingcr, Schcncniiann 2 mal.— S0K i l o'm e t e r- F a h r e n mit Schrittmachern. 4 Preise: 300, 200, 100, 60 M. Es starten: Dick- entmann, v. d.Tnyn, Köcher, Robl, Struck. Wiimemann, Ryscr. Robl 1. Zeit: 58:03. Köcher 2(3 Runden zurück), v. d. Tuyn 3<6 Runden zurück). Dickentniann 4(OV* Runden zurück). Struck 5(9 Runden zurück). Aufgegeben: Wiimemami, Ryser,— Tandem-Vorgabefahren. 1609 Meter. 120, 80,40 Mark. Scheucrmaiin-Petcr(100) 1. Elassen-Porte(120) 2. Gebr. Krause(140) 3. Zeit: 1: 50». Nadremicn in Treptow.-» EröffnungSfahren für Amateure. 1800 Meter, 3 Ehrenpreise i. 23. v. 40, 25, 15 Ml. Kurzmchcr 1, Roßmann 2. Keller 3.— Gr st fahre ii. 1500 Meter. 8 Ehrenpreise l. 23. v. 30, 20, 10 Ml. Wittenberg 1. Bock 2, Möller 3.— Da»erfahren über 25 Kilometer. 8 Ehrenpr. f. W. v, 80. 50. 30 MI. Stricsche 1. Zeit: 35:57�. Knrzmeyer 2. Hoff- mann 3.— Tandemfahren 3000 Meter. 3 Ehrenpr, i. W, v, 50, 30, 20 Mk. Hintz-Hoffmann 1. Döhn-Geiscler 2. Gebr. Rcttig 3. Feuer in der Ltaserne des 2. Garde- Dragoner- Regiinents alarmierte gestern(Moniag) nachmittag 5»« Uhr ein großes Lösch- anfgebot nach der Schleiermachcrsiraße. Anch Branddirektor Gicrs- berg war ans den Fenernif herbeigeeilt, doch zeigte sich, daß die Gefahr nicht so groß war. In einem Gnrtcnhänschcn war eine Gasolinlampe explodiert und hatte den Brand verursacht. Er konnte mit Leichtigkeit beseitigt werden. Kurz vorher gingen Steinstr. 11 Regale in' Flammen ans. Im Lauf des Vormittags brannte Pallisadenstraße 98 eine Schneiderwerkstatt. Böswillige Alarme ver- ursachten während der Nacht ein Ausrücken der Wehr nach Bcudler- straße 6 und Warschancrstr. 51. Die Thäter konnte» nicht ermittelt werden. Am Nordbahnhof war durch Selbstentzündung ein Kohlen- stapel in Brand geraten, der jedoch in kurzer Zeit erstickt werden konnte. Kleinere Zimmerbräude waren außerdem Potsdanierstr. 74, Neue Kulmstr. 2(Schöneberg) und Grcnadiorstr. 25 abzulöschen. Prospekten in sechs Abteilungen: Geschäftsverkäufe. Grund« stücke, Ermittelungen, Placierung für Personal jeder Branche. Heiratspartien niid Generalagcntnr für Versicherungen zerstel. Der Augeklagte legte bald zwei Filialen in der Großen Frankfnrterstraße und in der Zimmerstraße an. In der letzteren ivnrde der Mitangeklagte Lehmann als Leiter gegen ein Monats- gchalt von 75 M. und 5 Proz. des Reingewinns angestellt. Die Abteilung„Stellenvermittelung" scheint in dem Geschäft die ami meisten gewinnbringende gewesen, aber in höchst unehrlicher Weise be-> trieben worden zu sein. BeimKriminaltonnnifsar v. Kracht gingen inner-; Slns de» Nnchburorteu. Steglitz. In der Gemeinderats-Sitzimg am Freitag wurde zu- nächst die Gültigkeit der Gcmeiiideivahlcn ausgesprochen, trotz eines von einer bedeutenden Minderheit gegen die in der zweiten Abteilung gewählten Vertreter gerichteten, durch einen Formfehler begründeten Einspruchs. Sodann wurden die Neugcwählten, darunter auch der Genosse Rapp, in ihr Amt eingeführt. Es folgte die Beratung der Vertragsbedingungen für den neu anzustellende» Fricdhofsaussehcr, sowie die Annahme des vom Ratskellerwirt gestellten Antrags, ihn vom 15. Mai er. ab von seinem Vertrag zu entbinden und die Oekonomie anderweitig zu vergeben. Der größere Teil der Vcr- Handlung ivar geheim. I» Sache» der ermordete» Schifferöfrau Bertha Grastnick ans Gosen ist eine neue Verhaftung erfolgt, nachdem die bisher Verdächtigen ihr Alibi haben nachweisen können. Ob der Verdacht jetzt begründet sein wird, ließ sich noch nicht fest- stellen. In Potödam wird die Anlegung einer elektrischen Bahn von Wannsee über Noivawcs-Neucndorf durch die Stadt Potsdam nach_____ 0„............. � Bornim und Bornstedt geplant. Die Firma Oskar Kaiser in Berlin IV. �kommem des' Sonnabends zu feiern und des Sonntags von 9—1 w sc.(»«♦än- i,»»-i- zu arbeiten. Die Sache wäre anch vielleicht ganz gut gegangen, halb kurzer Zeit gegen 30 Anzeigen von Personen ein, die durch das! Institut und dessen Filiale betrogen sein wollten und bald mehrten sich die Anzeigen ans insgesamt über 100. Die Geschädigten gehörten zumeist den ärnieren Bevölkerungsklassen an, die oft ihren letzten Zehrpfennig den Angeklagten geopfert hatten in der Hoffnung, durch sie Broterwerb zu erhalten. Die Stcllungsnchcndcu mußten 3 bis 5 M. Einjchreibcgebühr bezahlen und wurde» dann zu Geschäftsleuten geschickt, welche eine Stellung durch die Zeitung gesucht hatten. Natur-- lich kamen die Bewerber stets zu spät. Rein verfuhr dabei in der gewissciilosesteu Weise, so sandte er beispiclsiveise einmal einen ein- armigen Mann zu dem Inhaber einer Singspielhalle. der/ einen„R a n s s ch m e i ß e r" verlangte. Lehmann erhielt von seinem Chef einen geladenen Revolver ausgehändigt mit der Weisung, davon gegen allzu Stürmische, die ihre Einschreibegebühr zurück- verlangten, Gebrauch zu machen. Es war eine große Anzahl Zeugen zur Stelle, darunter befanden sich auch einige vom Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Schwindt, geladene Entlastungszeugen. Die Ver- Handlung gelangte nicht zum Abschluß, sondern wurde auf Antrag des Staatsanwalts, der noch einige ausgebliebene Zeugen für un- erläßlich hielt, vertagt. Die Angeklagten bleiben in Haft. Schutz der schwarzen Listen. Die Verabredung unter Gewerbe- treibende», bestimmte mißliebige Arbeiter nicht zu beschästigen, gießt nach einem Erkenntnis des Kammergerichts dem betr. Arbeiter keinen Anspruch auf Ersatz etwaigen Schadens. Die Mitglieder des Vereins der Berliner Wollfilz-Hutfabrikanten sollen eine Verabredung dahin getroffen haben, die einem Vereinsmitgliede mißliebig gewordenen Arbeiter in eine schwarze Liste eintragen zu lassen. und keinem Arbeiter Beschäftigung zu geben, der nicht eine»„Nach- wcisschcin" der Arbeitsnachiveisstelle des Vereins vorlege. Ein Arbeiter, welcher ans einer Fabrik durch den Hinweis auf diese Bereiussatzungen und die Androhung einer Konventionalstrafe seitens der Fabrikinhaber entlassen worden ivar. hatte eine Schadenersatz- klage angestrengt und ausgeführt, daß diese Handlungsweise gegen die'«guten Sitten"(§ 826 B. G.-B.) verstoße. DaS Kammergencht hat diese Frage nicht weiter erörtert, da der Fall vor dem Jnkraft- treten deS Bürgerlichen Gesetzbuchs liege. Eine andre Frage wäre, ob ettva der Beklagte gegen den Z 153 R.-G.-O verstoßen hat und aus einer der dort vorgesehenen unlauteren Handlungen schaden- ersatzpflichtig ist. Auck' dies hat das Kammergericht vcr- ueiitt. Jener Paragraph bedrohe unter anderm denjenigen mit Strafe, welcher andere durch Drohungen oder durch Vernifserklärung bestimmt oder zu bestimmen versucht, Ver- ab red uu gen der im Z 152 b e st i m m t e n Art Folge zu geben. Die hier in Frage stehende Verabredung der Vereins- Mitglieder charakterisiere sich nun aber nicht als eine solche zum Be- Hufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen, sondern als eine Verabredung zu dem Zweck, die Arbeitgeber vor der Ein- stcllunq von Arbeitern in ihr Fabrikpersonal zu sichern, welche bezüglich ihrer Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit k e i ii e G a r a n t i e b i e t e n.(!) Da nun derartige Verabredungen nicht unter das Verbot des H 153 Rcichs-Gew.-O. fallen, so können die KZ 152 und 158 überhaupt zur Stützung de« Eiitschädigungs- anspruchs nicht herangezogen werden. An sich mag die Entscheidung durchaus einwandsfrei sein. Sie steht aber in merkwürdigem Miß- Verhältnis zu der bekannten strengen Gerichtspraxis, die gegen Arbeiter in Streikangelegenheiten geübt wird. Die NeichSgrsctze können nicht durch private Abmachungen um- gangen werden. So belehrte gestern das Schöffengericht den Schneider Mmiasse, der sich wegen Vergehens gegen die Gewerbe-Ordnung (Soniitagsentheiligiing) zu verantworten hatte. Er hatte einen Gesellen regelmäßig des Sonntags von 9—1 Uhr beschäftigt und entschuldigte sich wie folgt: Er sei ein gläubiger Jude und der Geselle sei auch ein solcher; für sie beide sei es eine Sünde, de« Sonnabends zu arbeiten und deshalb seien sie überein hat, wie die«Potsd. Ztg." berichtet, einen Entwurf für diese Bahn schon vollständig ausgearbeitet, und eS liegen die betreffenden Ver träge den Gcmciiidevcrtretniigen von Nenendorf, Bornstedt und Bornim zur Beratung und Besckilußfassnng vor. Die Verhandlungen mit der Potsdamer Stadtverwaltung seien allerdings noch nickt über den erste» Anfang hinaus gekommen, an ihrer glücklichen Weiter« und Dnrchsührung'sci indessen nach Lage der Sache nicht zu zweifeln. In der Untersuchung gegen den Giftmördor Jänicke hat auf Ersuchen der köiiiglichen Staatsonwaltschaft zu Potsdam am Sonnabend auf dem Selbstmörder- Friedhof bei Forsthaus Stern- schanze zu Potsdam die WiederanSgrabniig der Leiche der Luise Verquer stattgefunden. In Gcgenivart des Ersten Staatsanwalts v. Ditfnrlh, der GerichtSärztc SanitätSrat Dr. Passaner und Dr. Schlichting sowie des telegraphisch zur Teilnahme an diesem Termin berufenen Gcrichtschemikers Dr. Bischofi sind die zur Klarstellung der Frage, ab Giftmord vorliegt, erforderlichen Massen aus der früher bereit» einmal geöffneten Leiche unter besonderen BorsichtS- maßregeln entnommen worden. Die Leiche war vorzüglich erhalten, so daß die chemische Untersuchung bald Klarheit bringen wird. Geviitzks- uns» Ein origineller Streit um eine» Finderlohn hat kürzlich durch ErlenutniS des CivilgcrichtS seinen Abschluß gefunden. Ein Kremser, der an einem schönen Sommertage eine Gesellschaft»ach dem Grunewald hinausführte, mußte dort ein Weilchen still halte», um zunächst einen elektrischen Straßeiibahnwagen vorübcrfahre» zu lassen. Während dieses kurze» Aufenthalts sah der Kutscher des Kremsers zwischen den Bäumen einen braunen Gegenstand liegen und forderte einen der auf dem Kutscherbock sitzenden Jungen auf, doch einmal nachzusehen, was cS sei. Dieser war aber schon im Begriff, vom Wagen hcrabzukletterii, denn er war auch von einer Dame darauf aufmerksam gemacht. ES ergab sich, daß cS sich um eine braune Brieftasche mit einem Inhalt von 14000 M. handelte, die ein Schlächter- mcister verloren hatte. Der Name und der Stand des Verlierers ergab sich aus der Brieftasche, die der Kutscher in Verwahrung nahm. Er stellte sie am näcksten Tage dem Verlierer wieder zu und strich ichmimzeliid den Finderlohn ein. Er hatte aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn nun trat der Vater des Knaben auf, der die Brieftasche vom Bode» aufgehoben hatte und nahm für diesen den Finderlohn in Anspruch, da er der wirkliche Finder sei. ES kam darüber zur Klage, wobei Rechtsanwalt Dr. F l a t a u die Rechte des Kutschers, Rechtsanwalt Hugo Löwy diejenigen dcS Gegners vertrat. Ersterer behauptete, daß der Kutscher Finder' und erster Bcsitznehmer sei, denn er habe den Knaben nur al« sein Werkzeug benutzt und dieser habe nur in seinem Austrag von der Sache Besitz ergriffen. Das Gericht war andrer Meinung. Die bloße Entdeckung genüge nicht. eS komme vielmehr lediglich darauf an, wer der erste Besitzergreifer gewesen n. Die Thatsache. daß der Kutscher den Jungen zum Herabklettern vom Kremser bewogen habe, sei um so unerheblicher, als der Knabe gleichzeitig auch von andrer Seite eine dahingehende Anregung empfangen hatte. Da der Knabe zweifellos von dem Fundgegenstand als Erster und im eignen Namen Besitz ergriffen hatte,>0 hat daS Gericht ihm auch den Finderlohn zugesprochen. StellenverniittelungSschlvindel in großartigem Maßstab sollen die Kaufleute Fritz Rein und Max Lehmann betrieben haben. die gestern der siebenten Strafkammer des Landgericht« I au« der Untersuchungshast vorgeführt wurden. Rein, ein noch junger Mensch. eröffnete im Jahr 1397 in der Kleinen Hamburgerstrasie 8 ein VermittekungSinsttwt, welche« nach den von ihm veröffentlichten wenn nicht Zwistigkeiten zwischen dem Angeklagten und dem Gesellen entstanden wären und letzterer eine Anzeige erstattet hätte. Der Gerichtshof belehrte den Angeklagten, daß er auch als gläubiger Jude die Gesetze zu achten habe und eventuell Sonnabend und Sonntag die Arbeit ruhen lassen müsse und verurteilte ihn zu 10 M. Geldstrafe. Am Landgericht l begann gestern unter Vorsitz de« Land-, gericktsdirektors v. W i n t e r's e l d eine neue Tagung des Schwur- g e r i ch t«. die bi« zum 5. Mai dauern wird. Größere Prozesse von allgemeinem Interesse werden nicht zur Verhandlung kommen. Für den verurteilten„Bankdirektor" a. D. v. Kriegsheim haben die Verteidiger Rechtsanwälte Dr. Schwindt und Morris unter Mitwirkung des Justizrats Dr. S t a u b die eingelegte Revision durch eine umfangreiche Reuisionsschrift begründet, in welcher da« erste Urteil in formaler lind rechtlicher Beziehlllig angegriffen wird. Es wird insbesondre darauf hingewiesen, daß die geschädigten Offiziere nicht be- «achteiligt sein konnten, da sie überhaupt nicht wcchselfähig waren, ferner wird beniängclt. daß der Grundsatz no bis in ickern zu Ungunsten de« Angeklagten' nicht beachtet worden seien und daß Bestimmungen de« GenosseuschaftsgesetzeS durch da« Gericht eine unzutreffende Aus- lcgung erhalten haben._ Vennifchkes« AuS Könitz wird berichtet: Einzelne Teile de« aufgefundenen Kopfes wurden Herrn GerichtSchemikcr Dr. Bischof- Berlin über- geben, um festziistellen, welches BetäiibungSmittel bei deni Ermordeten angewendet wurde, da Spuren von Hieben an dem Schädel nicht zu' entdecken waren. Das aufgesundene Taschentuch, das in Stücke zerrissen war, hatte eine Länge und Breite von 42 Centi- meter und ist mehrfach gestopft. In der einen Ecke befindet sich ein lveiße«, ziemlich ungeschickt gesticktes A, für welches die Schablone umgekehrt aufgelegt wurde. Die an dem Fund- ort des ArmS auf dem Kirchhof aufgefundenen Fußspuren haben sich als die eines FrauenfußeS herausgestellt. Man hat jetzt auch jenes Mädchen ernnttelt. zu welchem Winter in Beziehungen stand, und welcher ihn am Tage, an dem er verschwand, zu einer Landpartie nach Kouarcmn geladen hatte, aber dort ohne Winter gesehen wurde. Das Mädchen heißt Meto KaSpar i.— In- zwischen ist in G erbauen der Böttcher Friednch K l e b S ver- hastet worden, welches unter dem Verdacht des Mords steckbrieflich verfolgt wurde. KlcbS ist jener Bettler, der sich einige Tage zur Zeit des Mords in Könitz aufhielt, und»ach dem Verbrechen spurlos verschwand. Er tauchte später in Krone auf und wanderte von hier nach S ch n e i d e m ü h l, Ivo er einige Tage in einer Brauerei arbeitete, bis sich herausstellte, daß er gar nicht böttchern könne. Er versetzte eine silberne Uhr und wanderte nach Gerdauen weiter. Der Verdacht wurde auf KlcbS dadurch gelenkt, daß er in seiner Schlafsielle in Krone einen blutigen Kragen zurückließ. Kleb« trug in Schneidemühl im Gegensatz zu seiner höchst schäbigen Kleidung einen sehr guten Kri nun erÜberzieher, ivie ihn Winter besessen hat. Verdächtig ist ferner, daß Klebs. der fast keine Habseligkeiten besitzt, auf seiner Wanderschaft stets einen Handkoffer mit sich führt, der vielleicht den»och nicht aufgefundenen Anzug de» Winter und die übrigen Leichenteile enthält. Die ministerielle«Berliner Korrespondenz" meldet» Die au« Anlaß de« Konitzer Mords in Nachbarorten jener Stadt vorgekommenen Ausschreitungen gegen Staatsbürger jüdischen Glauben« haben den Minister des Innern veranlaßt, einen seiner vortragenden Räte, den Geheimen OberregierungSrat M a u b a ch. nach Könitz und S chl o ch a u mit der Vollmacht zu entsenden, im Namen des Ministers die geeigneten Anordnungen zu treffen, insbesondere im Bedarfsfall eine Bcrstärknng der Sicherheitsorgane zu de- tvirlen. Ein BootSnnglürk wird aus Döbeln gemeldet: Auf der Mulde kenterte dort gestern abend ein mit drei Personen besetztes Boot infolge der starken Strömung. Zwei Personen, der Gymnasial- Oberlehrer Dr. Bogel und Gattin ans Döbeln, ertranken. Der stahrinann konnte gerettet werden. Die Leichen der Ertrunkenen sind noch nicht geborgen. Mord. AuS München wird vom 23. April telegraphiert: Hcnte morgen wurde hinter der Kaserne bei Oberwiesenfeld ein ca. LOjfihrigcs Madchen mit zwei Stichen an, Hals und einem am Kopf tot aufgefunden. Es liegt ein Lustmord vor. Bon dem Thäter hat man noch keine Spur. Tynamitatteutat. Aus Toronto wird depeschiert: Letzte Nacht wurde von zwei Individuen der Versuch gemacht, die Schleuse am Wellaudkanal mit Dynamit in die Luft zu sprengen. Der an- gerichtete Schaden ist nicht bedeutend. Der Kanal wird für die Schiffahrt am 2ö. April wieder geöffnet sein. Die Thäter und ihre Mitschllldige», welche Amerikaner sind, wurden verhaftet. Ein Dncll unter Offizieren wird ans Ungarn gemeldet: I» Kecskemet wurde der Hauptmann Graf Otto Vissingen-Rippenburg von, Oberlieutenant Ernst Bckassy im Duell erschossen. Die Ursache des Duells soll ein geringfügiger SLortwcchsel gewesen feilt. Auö Freudenstadt wird gemeldet: I» religiösem Wahnsinns- aufalle hat der Kirchengemelnderat Johann Finkbeiner i» Schlongeinünd(Oberthal) seine zwei Söhne erwürgt. Die Frau nid fünf andre Kinder konnten rechtzeitig flüchten. Die Mutter FtnkbeinerS wurde gleichfalls schwer verletzt. Der Thäter wurde verhaftet. Der Neffe eines MiuiftcrS als Dieb. AuS Neapel wird uu8 berichtet: Der Neffe des italienischen Ministers der öffentlichen Arbeiten Lacava, der hier als Postbcaniter angestellt war, wird bc- schuldigt, auf dem Eiscnbahn-Postamt von den frankierten Soldaten, bricfen die Marken ciitfcrnt und sie in andren Postfilialen für eigne Rechnung»och einmal verkauft zu haben. Nlistcrdcin beraubte er die Briefe, die seh? oft kleine Geldsendungen enthielten, ihres Inhalts. Ein höherer Postbeamter, der im Hause des jungen Lacava eine Haussuchung vornahm, fand bei ihm mehr als 50 erbrochene Soldatenbriefe und eine groste Anzahl Papierschnitzcl, die von bereits vernichtete» Briefen herrührten. Der Neffe des Ministers ist sofort aus dem Postdieust entlassen worden, ob er aber bei der in Italien herrschenden Günstlingswirtjchnft auch der Justiz übergeben werden wird, ist eine andre Frage, die wir nicht ohne weiteres bejahen möchten.'_ Marktpreise von Berlin am 21. April 1!KH) »ach Ermiltlinigin des tgl. Polizetpräsidiiwis. Produktcumarrt vom ZZ. April. Getreide. Die Angaben des SaatenstandS-Beiichts. die namentlich für Roggen wenig günstig laute», insbesondere der Passus, dast die Saateubestellimg durch kalte Witterung verzögert worden ist, gaben dem heutigen Gctreidemartt ein iiiifeerst festes Gepräge. Am Effclteumarkt wurden einige Abschlüsse in russifcheii Roggen gethätigt, der reichlich angeboten aber teuer war. Das Jnlandsangebot war knapp gehalten. Im Lieferungsgeschäst wurde Weizen von 0,75. per Sommer und Herbst 0,50 M. besser bezahlt. Roggeulieferungen notierten vorn l, 25— 1,50 M., hinten 0,50 M. höher als am Sonnabend. Das Ge- schäft e»twilkelts sich ausangs lebhast, wurde aber zuletzt ziemlich ruhig, ohne dag ein Rückgang der hohen Preise eintrat. Hafer lag behauptet, Nüböl still, kaum verändert. ktziir den Inhalt der Inserate iibcrniinnit die Ncdaktio» dein Pnvllkniu gegeunber keinerlei Berautwortnug. fl�szenkov. Dienstag, den 21 April. OpernhilliS. Die Beichte. Die AS- reise. Die roten Schuhe. An- fang 7»/, Uhr. EchanspielhanS. Der König von Rom. Anfang 7l/z Uhr. Deutsches. Wenn wir Toten er- wachen. Anfang 7»/, Uhr. Lessing. Nora. Anfang 7»/, Uhr. Vcrliuer. Gioconda. Ansang?l/,Uhr. ReueS. Minna von Barnhelm. Ai» fang 7V, Uhr. Residenz. Di« Dame von Maxim. Anfang 7>/, Uhr. Westen. Der Bettelstudent. Ansang ?'/, Uhr. Schiller. Brand. Anfang S Uhr. Thalia. Im Htmmelhof. Anfang 7'/, Uhr. Luise». Drei Paar Schuhe. Au- sang 8 Uhr. Central. Berlin nach Elf. Anfang 7'/, Uhr. BcUeSlllianee.§ 184. Anfang 8 Uhr. Carl Weist. Der Minenkömg von Transvaal. Anfang 8 Uhr. Victoria. Die Elrkns-Fee. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstäbtisches. Meyer auf der Pariser Welt-AuS- stellung. Anfang 8 Uhr. Metropol. Specialitätenvorstellung. Die verkehrte Welt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialiläien- Vorstellung. I»» Reiche des Judra. Ansang 8 Uhr. Palast. Specialitäten- Vorstellung. Eine alte Geschichte. Ansang 8 Uhr. Mcichshallen. Stettiner Sänger. »lnfaug 8 Uhr. Passage. Panoptiknin. Specials- täten-Vorstellung. Urania. I»l>nlide«str. 57/(!2. Täglich abends von 5— 10 Uhr: Slernwarte. Taubeustrafte 48/49. Abends 8 Uhr(im Theatersaal):„Von den Alpen zum Vesuv." Hörsaal: Ingenieur Zechlin: stotor-Fahrzeuge". Eentvn! Tlzrntev S l Direktion: Jose Fesonezy. Glöfttcr Erfolg der Saison! Täglich anöverkaiift t Berlin nach Elf. Grobe Ausstattungsposse. Die sensatto ii eilen Schlager: .AufzuB der Parfunis. Eisenbahn-Quartett! 0 Cordula! Morgen u. folgende Tage: Berlin »ach Elf. Am Spiritus uiarkt handelt. ■*"— i''«"■!! ü HU«........ wurde 70er toeo mit 49,60(-f 0,10) ge- Weizen n« 1000 Kilo mSrkiscker 150,- M. ad Bahn, OberSruche, M., Sächsischer 149,50 M. ab Speicher. Normalgewlcht von 755 gr. 150,25-150,50-150,25 M. Abnahme Im Mai, do. 154, 75-155, 00-154, 7a Abnahme im Juli, do. 158,00—158,25—158,00 Abnahme im September mit 2 M. Mehr- oder Minderwert. Etwas fester. N a g g e n per 1000 Kilo posener mittel— ,- frei an die Mühle. märkischer 718 Gr. 144,50-145 ab Bahn, schwimmender Warthe 145 fracht-: frei Berlin. Normalgewicht 712 Gr. 147,50-148-147 50 Abnahme im Mai, do. 146—146,25-140 Abnahme Juli, do. 143-143,25 bis Abnahme im September mit 1,50 M. Mehr- oder Minderwert. Haser: loco per 1000 Kilo, feiner pommerschcr 139—146, mittel 134-138, mecklenburgischer feiner 139-140, mittel 135-138, westpreubischcr —, westpreubischcr mit Geruch—, posener—, mittel 133—136, schlesischer—, mittel 133—136, westprenbischer 138—145, mittel 133—137 ab Bahn. Nonnalgewicht 450 Gr. 131,00-131,50 auf Abnahme im Mai, 131,00-131,50 in, Juli. W e i z c n in e h l: Nr. 00: 18,60- 21,75 M. R o g g e II»I e h l Nr. 0 und 1 18,90- 20,10 M., auf Abnahme im Mai 19,20 M. Mais: Amerik. mixed loco 125-126 frei Wagen, do. schwimmend 119 frachtfrei Berlin. Tendenz fest. Nüböl: Lvko mit Faß auf Abnahme 57. im Mai 56.70-56,60- 56,70, im Oltober 56,80— 56,60—56,70 M. Spiritus 49,60 bez. G. frei Ha»S. E i e r- B e r i ch t vom 23. April. Normale Eier je nach Qualität von 2,45—2,80 M. per Schock. Bilssortierte kleine Ware je nach Qualität von 2,20 bis 2,30 M. per Schock._ WilleningStitclsichi»o»i 23. April 1900, morgcnS 8 Uhr. Stationen Swinemd« Hamburg Berlin Wiesbaden Mliu che» Wien L s if 2S Z -- 3 if 765,® 765 OSO 764 NO 761 NW 764'NW 762 Elill Wetter iss il O � «s. Szvolkenl 2m beb. 4 heiter 2'hlS.bed. 6 Regen —'wolle»! etter lb.bed. 3 wolkig 3bedeckt �heiter Wetter-Proguofe für Dienstag, de» 84. April 1900. Trocken und vorwiegend heiter bei uiäßigen nordöstlichen Winden, Nachtfrost und wenig veränderter Tagcstempcratnr. Siailonen LS -S �*2 II Haparanda Petersburg Eork Aberdeeil PariS 762 758 768 767 2ä? 5 3 e«■ Still WNW NW SSO 764 NNO Weiter ÄK il -1 Thalia-Theater. Tel. AmtlVa 6440. Dresdenerstr. 72/73, {sBF* Letzte Woche"PBjjQ vor der Abreise nach Haniburg. Im Hittttnelhof. Thomas, Thiclscher, Helmerdlng, Junker», an, i, Paulmüller. Anfang 7Vs Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Montag, den 30. April: Letzte Himiuclhof- Ausführung i» dieser Saison. Benesiz sür Outdo Thleleober. Im Hiuiiiiclhof. Gottl. Schwärmer... G. Thiclscher. Schilltr-Thtattr , Walluc,- Thealer». Dienstag, abends 8 Uhr: Uranfl. Dramatisches Gedicht in B Aufzügen v Henrik Ibsen, übers, v. L. Passarge, bcarb. v. Äaph. Löwcnfeld. Mittwoch, abends 8 Uhr, Zill,, erstenmale: Jiiode. Hierauf: Der Diener asvcler Herren. Donnerstag, abends 8 Uhr: Itzlobc. Hierauf: Der Diener zweier Herren. Carl W eiss-Theater Er. 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Entree 50 Pfennig. Vorvertanf 40 Pf. 'teW-talltfo!«».' 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Nur noch knrze Zeit: 35 Togo-Negev Vorstellungen stündlich- Passage-Theater: Vorstellung von 7—10,/, Uhr. Apollo-Theater. Bm Reiche des Indra consneia Tortsijada Qrelchen üeilttCl* sowie das rorziglApril-Prosran. Kasseneröffhung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf täglich von ,0—2 Uhr sowie beim Invalldendank und KUnstlerdank. Victoria-Theater. Alexanderplatz. W Abends 8 Uhr:' VUI Die Cirkits Fee. Grosse Operette._ Belle-Ällianee- Theater. Gastspiel Kiuli Richard. §184. Schwan! in 3 Akt. v. Ralph Gobbins. Ansang 8 Uhr. Morgen und folgende Tag«: Die- selbe Vorstellung. NM'ßtilmDeil. Hant-. Harn- u Blaieuleidc», j Hrancn Krankheit., heilt sicher ohne Beriifüstörmig. 139781!»! ll Ufgnnpt' I'waltdenstr. 15I/I il. Nliijilvl,l W. M öflisin. »2 II- Albroeht'B ' lUsckcrui* Wrangeistr v. itrantstr 19, ktzallfensteinstr. Sdl. Vaasiherstr. 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Die Zahlstellen des Vereins befinden sich bei: Gottfr. Schulz. ?ldmiralstr. iOa.(Kottb. Plah); W. Börner. Ritterstr. lö: Mart. Meschn. Adalbertstr. 2i(Eingang Engel-Ufer); Emil Götte. Brandenburgstr. 18: 9t. Fleck,«siiueonftr. 23; Ernst Lier. Alte Jakobstr. Ilg; ssranz Krüger. Naunynstr. S4. Vvi? W-stnnd. SonaliiriiialirntiriliPt illnliluntin für Dra 4. Verl. Reichstags-MHIKreis(SüD-Se) . �. Dienstag, den S4. April, abends 8 Uhr. im Lokal des Herrn Graumann, Naunynstrahe Nr. 27: (BenerÄl- Vevsentnnlnng. Tages-Ordnung: I. Bericht des Vorstands. 2. Kassenbericht. 3. Wahl des gesamten Vorstands und der Revisoren. 4. Vortrag des Genossen Hans Nachtigal über:„Die Arbeiterbewegung im Osten Europas", ö. Diskussion. 6. Ler- emsangelegenheiten. m AM" Mitgliedsbuch legitimiert."MM Dw Versammlung wird pünktlich eröffnet.- Um zahlreichen Besuch vittet 242/15* Der Torstand. Sotlaldemokratischer Mahlverein fnr den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, den L4. April, abends 8Vz Ithr: Lvnensl. VsV»ssmmllu»»g im Kolbergcr Salon, Kolbergerstr. 23. � Tages-Ordnung: I. Bericht des Vorstands; Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Wahl des Vorstands.[247/2* 3. Vortrag des Herrn Dr. Kurt Frendenberg über:„Prostitution". Diskussion. epiiiSmiid des Deutschen Flottenvereins in Bezug auf »-erbnng von Mitglieder» im Wahlverein, und welche Antwort gedenken wir demselben zu erteile»? Mitgliedsbuch legitimiert. Der Verstand. Die Vorstandsmitglieder werden ersucht, um 8 Uhr zu erscheinen. Vmto der Weber iTapezierer). Am Mittwoch, den SS. April, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Paeter, Inselstraffe Nr. 10: IW DcvlammUmg."ME Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zum Kongreß der lokalorganisierten Gewerkschasten Deutschlands. 2. Die weiteren Beiträge zum Streik- und Agitationsfonds. 3. Verschiedenes. 101/10 Der Verstand. TeMlarbtiter-Uerblind. Berlin ni. (Dekateure.) Am Mittwoch, den 2S. April, abends 8 Uhr. im Lokal des Herrn ___ Fcncrstcin, Alte Jakobstraffe 75: Ci eneral- Versammlung Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kassierer. 2. Bericht der Revisoren. 3. Stellungnahme zuut 1. Mai. 4. Vereinsangclegenheitcn. Pünltlichcs, allseitiges Erscheinen ist Pflicht. Mitgliedsbuch legitimiert. 107/4 Der Vorstand. MW Maler und Berufsgen. Mtmia! Donnerstag, den 26. April, abends 8 Uhr. im Lokal des Herrn Vi, mann, Brnnnenstraffe Nr. 188: Große öffentliche Kersamminng der Maler und Bernfsgenossen. Tages-Ordnung: Was lehren unS die letzten groben Streiks und Aussperrungen? Referent Genosse Kater. 126/3 Der Elnbernfer. Lichlenberg-Friedrichsberg. Donnerstag, den 26. April, abends 81/, Uhr, im Lokal des Herrn Höflich(Schwarzer Adler), Frankfurter Chaussee 120: Uolks- Nersammwng TageS-Ordnung: I. Was gedenken die Koniniunalwählcr zu thun, um die Einführung der neu gewählten Gemeiudevertretcr zu veranlassen? Referent Gemeinde- Vertreter D. Oraner. 2. Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 222/10 Da» Wahlkonitcc. Achtung, Tischler. Heute, DicnStag, abends 8 Uhr. im Lokal des Herr» Keller, Koppenstr. SS: Oeffeutliche Versammliiug sämtlicher Tischler, l>ie bei Zllmfiigsmeister» arbeiten. Tages-Ordnung: Mahl des Gesellen � Anshchulles. Das Krankeilkassenbuch der Jnnungs- oder Orts-Krankenkaffe legitimiert. ._ Der Vertrauensmann. Umm der pttfrinnen Derlms. Sonnabend, den 28. Rvrit, im Lokal..Königsbank"(Jnh.«. vreusr), Große Frankfurterstr. 117: Zur Feier des 1(>. Stiftnm s- Festes vnossei» Sslj verbunden mit bulnomtiskilf. Voi'ti'sgenu.vef'8lZliieljeneffUebei'fS8l:kuifgen unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins„Hera»"(M. d. A.-S.-B.). Ansang 3 Uhr. Billets inkl. Tanz für Herren 50 Pf., für Damen 30 Pf. sind im Arbeitsnachweis bei Karl Tsacknar, Gollnowstr. 6 zu haben. Recht zaßlrcichen Besuch erwartet Der Vorstand. 158/2__ I. St.; Karl Port'n, Gcorgcnkir chflr. 14, v. IV Orts Krankealkasse siir das DarbiergeVerke. Montag, den 30. April er.. abends 10 Uhr: .A.usLsrordsiillIotis General-Versammlung der Delegierte» im Rest. Schiller, Rosenthalcrstr. 57. Tagesordnung: 1. Protokollverlesung. 2. Jahresbericht. 271/6 3. Bericht der Revisoren. 4. Gehaltserhöhung des Kassierers. 5. Verschiedenes. Nur majorenne Mitglieder haben Zutritt. Kassenbuch legitimiert. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Der Verstand: I. A.: B. Kitschmau», Vorsitzender. ÜVassortherstr. 1/2, 1. Bchaudlnng aller Haut-. I Harn- und Blasenleiden ohue l jegliche Berufsstörung. 30731.*| Sprechstunden 9—2 u. 5—9. Donnerstagvormittag keine Sprechstunde. Bei Vorzeigung der| Verbandskarte 10 Proz. Am Donnerstag, den 2«. April ISOO, abends 8 Uhr, im Saal des„Klubhanses", Hauptstr. 5'G: Uolks-Uersammlnug füu FvnuVn nutr Mliinnev. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Das Reichs-Seuchengesetz", eine Neu-Sluflage deS Socialiuengesctzcö in verschärfter Form". Referent Parteigenosse<*eer<; agner. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 202/19 ___ Die Vcrtrancnsperson. Cliarlottenburg!! Uhrmacher Kunstmann, Wallstrasse 1. Eoparaiuren schnell, durchaus zuverlässig und nicht teuer.[4087L* Falbe 44 Elsasserstr. 44 (am Oranienburger Thor). Bchandl. aller Haut-, Harn- ».Blasenleiden ohneBernfs- störung, ebne schädl. Mittel u. elfte. Svrechst. 9 morg. bis 9 abends, Sonntag u.Donners- tag 9-3. 3970L* IM- Bei Vorzeigung der I Verdandskarten 10 Proz. + Haut- und j HarnLeidenT heilt 3966S* otine sciiädliclie Mittel E. Herrmann, Apotheker, Georgenkirch• Platt Nr. 21. Sprechst. 10— l'/j u. 5—8. lieber SOOOOOMk. verloren werden jährlich von Schneidermetstern! Da ich nur gegen Kasse verkaufe, daher keine Verluste habe, bin ick im stände,[40i6L* für 35- 45 Mark elegante Anzüge nach Maß, für 35—43 Mark elegante Paletots nach Maß, für 7-15 Mark elegante Beinkleider nach Maß zu liefern. Herii&smn Oraf Schneidermeister Alcxar:der»tras»e 80. 2. Geschäft: Adalbertstr. 00, _ Ecke Oranienstraße. Socialdemokratischer Walilverein f. den 6. Berliner Reiclistags-Wahlkreis Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Steindrucker Oskar Krone, am Sonnabend verstorben ist. Die Beerdigung findet beute DienS- tagnachmittag 4 Uhr vom Traucrhaus« Rammlerstr. 11 aus nach dem Fried- Hof der freireligiösen Gemeinde statt. Zahlreiche Beteiligung erwünscht 247/3[_ Der Vorstand. Unsren Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Sangesbruder Oskar Krone am 21. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DienStag, den 24. d. M., nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Rammlerstr. 11, aus nach dem Friedhos der Frei- religiösen Gemeinde statt. Gesaiigvereifl„Etiiefelder". 6401)1 Ter Borstand. Ceiltral-Krailkeil- u. Sterbe* klisseb.iieutslheMligeilbllifer. Am Sonnabend verstarb nach schwere» Leiden unser Mitglied und Kassierer ködert Xurtd im Alter von 35 Jahren. Ehre seinevr Andenken. Die Beerdigung findet am Mittwoch- nachmittag 3 Uhr vom Krankenhause Friedrichshain nach dem St. Andreas- Kirchhof statt. 253/4 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsvcrwaltnng Berlin I. GönMer» 60 pf. pr. Cft.(gröber* zum Reißen). Schlachtfedern, wie fie v. d. Gans fallen, mit allen Daunen m. K.5V, fällfertiqer Gänserupf IN. 2,00, bessere daunige lvaare M. 2.50, 3.00, beste schneeweiße M. 3.50, russische Tannen III. 3.50, weiße böhm. Daunen TIT. 5.00, ge« rissen* Federn M. 1.50, 3.00, 3.50. Prima gerissene M. 3.00, 2.50. Versand gegen Nachnahme. Gustav Lustig, ÄWm». «rft» Bettfedernfabrik m. eleclt. Vetrlebe. viele Unrrffnnungsfdirrib. Danksagung. Für die uns in so reichem Maße bewiesene Teilnahme bei der Be- erdigung unsres lieben ManneS und Bruders Hersuann Kaulisch sagen wir allen lieben Verwandten, Bekannten und Kollegen, sowie dem Verein der Bretterträger, dem Sänger- chor unsren herzlichsten Dank. s636d Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweue der Teil- nähme bei der Beerdigung unsreS einzigen Sohns Rudolf sagen unsren innigsten Dank. 643b kirnst Kre� nnd Frnn. Danksagong. Allen denen, die meinem Mann die letzte Ehre erwiesen, besonders seinen Kollegen von Schütz u. Freund und E. Jacob, sowie dem Holzarbeiter- Verband und dem Radfahrerklub Gräfenhainchen für die schöne Kranz- spende meinen herzlichsten Dank. 657b Witwe G. Roffberger. Redactenr gesucht. Wir suchen zum Antritt per 1. Juli einen 2. Rebacteur, der mit den sächsischen und lokalen Verhältnissen vertraut ist. Bewerber wollen ihre Offerten mit Angabe ihrer bisherigen Thätigkeit und Gehaltsansprüche bis 10. Mai richten an den 4505L* Verlag des„Sächsischen Volksblatt" H. Schmidt& Co. Zwickau, Richardstraße 15. Kleine Anzeigen. Wi w*6 Buchstaben zählen doppelt, fr b Anzeigen in den Annahmestellen für Bertin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Haup texped iti on Beuthsir.S bis 4 Uhr angenommen. iste � rden lin A Verkäufe. 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