M 10 Tsimavcud,»tu 3 Februar. 1872 Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- luugen deS In- und AuS- landet an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, Peteristraße 13, F.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AbonnementspreiS: Für Preußen incl. Stempelsteuer 16 Site., für die übrigen deutscheu Staaten 12 lligt. per Quartal. Filtalerpedttum für die Äer- einigten Staaten: ?. A. Sorge, Box 101 Hobokea N.J. viaNewyork Organ der soMl-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschasten. Die Wohnungsfrage. I") Die nachfolgende kleine Arbeit hat zum Zwecke, in einer für das soziale Leben hochwichtigen Frage— der Wohnungsfrage— praktische Anhaltspunkte zu gewinnen, um dieselbe einer befriedigenden Lösung entgegenzuführen. Wir werden uns darauf beschränken, im engen Rahmen dieser speziellen Frage stehen zu bleiben, und nur Sorge tragen, bei keinem Schritt unserer Ausführungen den Boden der allgemeinen Pr in- zipicn zu verlassen Der Umwälzungsprozeß der Gesellschaft ist heute intensiver, durchgreifender, machtvoller als je. Drin- gender aber auch und gebietelischer tritt an uns die Forderung heran, diesem Prozeß freiheitlicher Gestaltung in allen Gebieten des menschlichen Lebens unsere ganze Hingabe, unser persön- liche« Wohl und Wehe zu weihen, endlich einmal vom Stand- Punkte allgemeiner Prinzipien aus in's wirkliche Leben überzugreifen, und als Partei des Forlschritts und des Rechtes unsere bestimmten sozialen Forderungen genau zu formulircn. ES gilt mit Einem Worte zu zeigen, ob die soziale Demokratie ivirklich das ist, was sie zu sein beansprucht, nicht bloS diese oder jene politische Partei, ivie andere auch, sondern schlechthin die Partei des RechtS, der Freiheit und der Zukunft. Unter allen Klagen, welche von den Politikern sämmt- licher Parteien in ihrer relativen Berechtigung anerkannt wer- den, steht die Wohnu ngsn oth, d. h. die enorme Theuerung der Miethwohnungen obenan. Zum Be- weise, daß diese Frage hier in Wien nachgerade sehr brennend geworden ist, genügt die eine Thatsache, daß der Gemeinderalh unserer guten Stadt in der Sitzung vom 1t). Mai v. I. die Einsetzung einer Kommission„zur AbHülse der Wohnungsnoth'� verfügt hat. Die Mißstände, welche der Wohnnngsnoth ent- stammen, sind so mannigfacher, so tiefgreifender Act, daß selbst die Rvsenlaune des Liberalismus darüber strauchelt. Wer da weiß, wie eng die Wohnung mit dem Familienbegrifs über- Haupt und allen sittlichen Fäden desselben zusammenhängt, wie tief ferner neben den sittlichen Momenten die leidlichen, ge- sundheitlichen Verhältnisse dadurch berührt werden, ist keinen Augenblick im Zweifel, daß wir in der Wohnungsfrage eine Frage von der allereminentesten sozialen Bedeutung vor uns haben. Erkennen doch selbst die Bäter der Stad: im moti- virten Gutachten ihreS oben erwähnten Antrages, daß die WohnungSnoth bereits„als eine große öffentliche Kalamität schwer empfunden wird", und daß ohne Gegenhilfe„binnen kürzester Zeil große Schichten der Bevölkerung der ökonomischen und sozialen Zerrüttung preisgegeben wurden." Wtr sehen, der Liberalismus— und der Liberalismus des Wiener Ge- Meinderaths ist nahezu sprichwörtlich seit den Heldenthaten des seligen Dr. Zelinka— erkennt theoretisch und praktisch init rühmenswerther Energie die in Rede stehende soziale Krankheit an; seine Heilmittel werden wir später kennen lernen. Da uns so oft und viel der lächerliche Vo«vurf gemacht wird, wir treiben Klassenpolitik, wir streben eineKlassen- Herrschaft an und dergleichen mehr, so betonen wir zunächst und ausdrücklich, daß die Wohnungsfrage keineswegs ausschließ- lich das Proletariat betrifft, sondern im Gegentheil— sie interessirt in ganz hervorragender Weise den eigentlichen Mittelstand, das Kleingewerbe, die kleine Bour- geoisie, die gesammte Bureaukratie, kurz alle Glieder der Gesellschaft, welche nicht selbst Eigenthümer, Besitzer von Häusern oder eigenen Wohnungen sind. Ja, bei einer richtigen Auffassung der ganzen Sachlage, wenn eine solche von den eben erwähnten gesellschaftlichen Klassen zu erwarten wäre, ist gerade die Wohnungsfrage derjenige Punkt der sozialen Re- formen, welcher mehr als alle andern geeignet erscheint, die absolute innere Identität der Interessen deS Proletariats einer- seitS und der eigentlichen Mittelklassen der Gesellschaft anderer- seitS aufzudecken. Die Mittelklassen leiden eben so stark, viel- leicht noch starker unter der drückenden Fessel der Mieth- Wohnung, als daS Proletariat; ihr durchschnittliches Bedürfniß ist ein höheres, und die Mittel, dasselbe zu befriedigen, sind verhältnißmäjig geringer. Die eigentlichen Mittelklassen der Gesellschaft stehen heute vor der Frage, ob sie, wie bis jetzt, so noch ferner gewillt sind, in der Politik und im sozialen Leben da« einfache Anhängsel der industriellen und finanziellen Fcudalität zu bilden, oder ob sie die Kraft finden werden, sich auS dieser sklavischen Abhängigkeit zu befreien und im Bunde mir der jugendkräftigen und energievollcn Arbeiterpartei in den UmgestaltunzSprozeß der Gesellschaft einzugreifen, dessen Seg- nungen gerade ihnen vor allen zugute' kommen werden. Möchten sie doch an der Hand der sie so unmittelbar be- rührenden Wohnungsfrage zur Eckennlniß kommen, auf. welcher Seite ihr wahres Interesse, ihr gesellschaftliches Sein oder Nichtsein liegt. Herr Reschauer hat in einer lesenswerthen, mit vieler •) Diese Aufsätze sind ursprünglich für den„Bolkswille" ge- schrieben, der bereits 4 veröffentlicht hat, und uns von dem Verfasser für den„Volksstaat" zur Verfügung gestellt worden. Die Aufsätze— et sind deren im Ganzen 6— knüpfe» zwar vielfach an die Wiener Verhältnisse an, und namentlich die 2 letzten beschäftigen sich mit den Vorschlägen des Wiener Gemeinderaths, allein dies thut dem allge- Meinen Interesse keinen Abbruch, da ti sich nicht um lokale sondern um allgemeine Mißstände handelt. R. d. V. Wärme geschriebenen Broschüre*) auf's Klarste bewiesen, daß die Wohnungsnoth unter den heutigen Verhältnissen der un- mittelbarste, direkteste uno gewaltigste Feind des Kleingewerbes ist. Wir werden weiter unten sehen, daß seine Vorschläge zur Abhilfe dieser furchtbaren Roth zwar sehr wohlgemeint, aber im Prinzip verfehlt sind, können uns aber nicht enthalten, die Schrift auf's Wärmste zu empfehlen. Der sachlich schildernde Th-il ist objektiv gehalten, die wirklichen Uebel sind schonungs- los aufgedeckt, und endlich enthält die Schrift äußerst werlh- volle statistische Notizen; wir werden im Laufe unserer Unter- suchung hin und wieder darauf zurücktominen. Es versteht sich von selbst, daß die Wohnungsfrage so wenig als irgend ein anderer Zweig der sozialen Reform für sich allein vollkommen gelöst werden kann, alle Glieder der sozialen Frage greifen organisch in einander ein, und wenn erst einmal der Stier bei den Hörnern gefaßt ist, so werden alle miteinander in die Verwirklichung, d. h. in's Leben ein- treten. Der. Stier aber, der an den Hörnern gefaßt werden muß, ist die Produktivität des Kapitals, wie es die liberale Schule der National-Oekonomie nennt, die in Wahr- heit nicht existirt, die aber in ihrer scheinbaren Existenz zum Deckmantel aller Ungleichheit dient, welche auf der heutigen Gesellschaft lastet. Nur die Arbeit ist produktiv, d. h. kann Werthe schaffen, niemals das Kapital. Eine der Formen, in welchen die sogenannte Produkt! vität des Kapitals am drückendsten und aussaugevdsten auf der modernen Gesellschaft, insbesondere in den Städten lastet, ist die Mi et he. Die kleine Anzahl Eigenthümer, Hausbesitzer, Kapitalisten erhebt alljährlich als Miethe einen enormen Theil des allgemeinen gesellschaftlichen Produkts für sich, ein Theil, der sich nur nach Millionen schätzen läßt. Das einmal ge- baute Haus dient als ewiger Rechtstitel auf einen bestimmten Bruchtheil der gesellschaftlichen Arbeit, wenn auch der wirkliche Werth des Hauses längst schon mehr als genügend in der Form des Miethzinses an den Besitzer bezahlt wurde. So kommt es, daß ein Haus, welches z. B. vor 50 Jahren gebaut wurde, während dieser Zeit in dem Ertrag seines Mieth- zinses, 2-, 3-, 5-, 10mal u. s. w. den ursprünglichen Kosten- preis deckte. Im Lauf dieses Jahrhunderts, gleichen Schritt haltend mit der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft in Europa, trat zudem eine Erscheinung auf, die unsere ganze Aufmerk- teit in Anspruch nehmen muß, weil sie tiefer als vieles andere in den gesellschaftlichen Organismus hineinblicken läßt. Ohne jedes Zulhun von Seilen der Besitzer ist nämlich der Werth der Häuser enorm gestiegen, ganz besonders in den großen Städten, wo die Bevölkerung sich immer mehr anhäuft. Der Hauptgrund dieser Erscheinung ist die Entwicklung der Industrie und init ihr die immer wachsende Anhäufung von Menschen in den großen Städten, dadurch die außerordentlich gesteigerte Nachfrage nach Wohnungen, zugleich die ungeheure Entwicklung und Erweiterung der Verkehrswege und Verkehrsmittel, voran der Eisenbahnen. Es ist hier nicht der Ort, näher auf diese verschiedenen Ursachen und ihre Wirkung einzugehen; was uns vor allem zu wissen interessirt, ist die Thatsache, daß im Laufe eines halben Jahrhunderts der Werth des städtischen Grund und Bodens und mit ihm der Werth der Häuser um das 2-, 3-, 5-, lOsache und darüber gestiegen ist— ohne jede persönliche Thätigkeit der Besitzer. Die Ursache hievon liegt, wie oben beinerkt, in den allgemeinen gesellschaftlichen Ver- Hältnissen. Nennen wir den Unterschied zwischen dem ursprünglichen Kostenpreis eines Hauses, Bauplatzes u. s. f. und seinem heu- tigen Werthe den Mehrwerth. Wie eben bemerkt, ist dieser Mehrwerth das Resultat von Veränderungen, welche ohne jedes absichtliche Eingreifen Einzelner im Gesammtkörper der Gesell- schafl sich von selbst vollziehen. Die Gesellschaft in ihrer Ge- sammthcit hat diesen Mehrwerth erzeugt und der einfachste, billigste, gerechteste Schluß verlangt, daß dieser Mehrwerth der Gesellschaft in ihrer Gesammtheil gehöre. Dieser Satz ist so einleuchtend, so wahr, daß er absolut keine Einwendung zuläßt. Werfen wir einen Blick in die praktischen Verhältnisse; wählen wir ein Beispiel. Ein Mann hat vor 30 Jahren ei» Haus gebaut, es kostete 30,000 fl. Atlmälig verschönerte sich die Uingebung desselben, früher isolirt, steht eS jetzt in einer schönen belebten Straße; es kann Vortheilhaft zu einem Ge- schäfte, Wirthschaft, Laden u. s. w. benutzt werden, kurz das Haus bekommt eine ganze Menge Vorzüge, die früher gar nicht existirten. Dem Manne fällt ein, sein Haus heute, d. h. nach 30 Jahren zu verkaufen. Er bekommt sofort ohne Wider- rede 90,000 fl. dafür, hat also 60,000 fl. mehr, als es ihn gekostet. Wir sehen ganz ab von dem dreißigjährigen Zins und verlangen nur Rechenschaft über die neuen 60,000 fl. Woher kommen sie? Aus der Veränderung dev Gesellschaft. Wem gehören sie also? Der Gesellschaft. Gut! Wir gehen im Namen der Gesellschaft, des Staates zum Besitzer und bitten uns die 60,000 fl. aus. Wie wird er uns empfangen? Kein Schimpf ist groß genug, den er uns nicht an den Kopf schleudert; wir sind Diebe, Räuber, Sozialisten, Kommunisten, die sein„heili- � Die Wohnungsnoth und ihr schädlicher Einfluß auf die Klein- gewerbetreibenden und Lohnarbeiter. Vorschläge von Heinrich Re- schauer. Wien 1871.' Hügel'scher Verlag. ges Eigenthum antasten" und ihn seines„rechtmäßig erworbe- nen Gutes" berauben. Kurz, mit dem Manne ist nicht zu spaßen, er wünscht uns sammt unserer Sophistik zum Teufel und bedankt sich schönstens für einen Staat, der ihm auf so schnöde Weise ins Handwerk greift. Als Mann der„Ordnung" ist ihm solch unordentliches Gebaren ein Gräuel.. Dieses Bei- spiel ist keineswegs übertrieben, es gibt Taufende und aber Taufende, welche auf diese Weise wohlhabend und reich gewor- den sind. Wir aberDPisscn uns von den Anfechtungen des erzürnten Hausbesitzers nicht beirren, und konstatiren, daß die Gesellschaft auf den Mehrwerth des Hauses, sowie des Grund und Boden? den unläugbarsten, einzigen und gerechtesten Anspruch hat._ In Spanien wieder einmal Ministerkrise und„der Thron in Gefahr!" Die Minister sind— und das ist das Charakteristische— an ihrer reaktionären Politik gegen die Internationale zu Grunde gegangen. Letztere be- findet sich natürlich, trotz aller Verfolgungen, sehr wohl und bestens im Stand, noch etliche Ministerkrisen zu überleben.— Das traurige Schicksal der Spanischen Ordnungs-Donqui- xotes ist natürlich eine verlorne Lehre für die Versailler Gesellschaftsretler, die dem Sozialismus gegenüber nur zwei leitende Gefühle haben: blinde Furcht und blinden Haß. Die Wahnsinnigen bilden sich ein, die Internationale durch ein Gesetz erdrosseln zu können, nachdem sie vergebens gesucht, sie durch Massenerschießungen aus der Welt zu schaffen! Der betreffende Gesetzentwurf ist jetzt glücklich zu Stande gekommen. „Während die Bonapartisten ungehindert ihre Komplotte anzetteln"— schreibt ein Pariser Correspondcnt der Brüsseler „Internationale"—„arbeiten unsrc sogenannten demokratischen Abgeordneten mit einer unglaublichen Leichtfertigkeit für daS Gelingen dieser Ränke. Wenn sie bezahlt würden, könnten sie eS nicht besser thun. Die mit Ausarbeitung des Gesetzes über die Internationale beauftragte Kommission, in welcher sich Herr Tolain*) befindet, ist mit ihrem Entwurf, welcher durch jenen ehemaligen Miigründer der Internationalen unterstützt wird, her« vorgetreten. Wenn man dieses mit Roth zu Stande gebrachte Machwerk liest, glaubt man kaum, daß sich in jener Kommission ein Arbeiter befand, der die Kühnheit hatte, es zu unterstützen. Es ist ein jesuitisches Werk ersten RangeS: Nacbdein in Art. 1. gesagt ist, daß sich jede Verbindung ohne vorhergängige Geneh- migung konstiluiren kann, heißt eS im folgenden Artikel, daß jede Gesellschaft 14 Tage vor ihrer Konstituirung ihre Statu- ten und die Namen ihrer Beamten dem Präsekl und Generalstaatsanwalt deS Departements einreichen muß; die vollständige Liste der Mitglieder mit ihrer WohnungSangabe muß den ge- dachten Beamte» stetS, sobald sie e< wünschen, zur Verfügung gestellt werden.— lieber das Schicksal der in Bildung be- griffenen Gesellschaften spricht sich Art. 5 also auS:„Als un- erlaubt gilt jede Verbindung, welche zum Ziel hat: 1) die Form der bestehenden Regierung umzuändern. 2) Der Thätig- keit der öffentlichen Gewalten hinderlich zu sein und deren Amts- befugnisse sich anzumaßen. 3) StrikeS zu provoziren, zu organisiren oder zu unterstützen, oder durch irgend ein Mittel die Freiheit der Arbeit und der Verein- barungen zn beeinträchtigen. 4) Der freien Ausübung der Religionsdienste, den Prinzipien der öffentlichen und religiösen Moral, der Familie und deS Eisten- thums, gleichwie der öffentlichen Ordnung und den guten Sitten zu nahe zu treten." Die Strafen schwanken für Die, welche von der Bildung des Vereins nicht 14 Tage vorher An- zeige inacheu, zwischen 14 Tagen un» 3 Monaten Gefängniß und 50 bis 1000 Francs Geldstrafe. Diejenigen, welche ein Ziel verfolgen, das nicht im Statut angegeben ist, werden mit 50 bis 500 Francs Strafe belegt. Wenn die Gesellschaft einen geheimen Charakter hatte, werden die Strafen verdoppelt mit Entziehung der bürgerlichen und politischen Recht« und der Rechte der Familie. „Das sind die Gruudzüge jenes famosen Gesetzes über die Verbindungen, welchem Tolain, ehemaliger Strikcr, Exzründer derJnternationalen Arbeiterassoziation, Abgeordneter der durch daS vereinigte Kapital unterdrückten Wähler, seinen Na inen und seine Mitwirkung zu leihen sich nicht schämte. Bis dahin war man versucht zu glauben, daß Tolain, im Moment der Diskussion über jenes Gesetz seine früheren Fehler gut machen würde. Nach der unstreitigen Mitwirkung, die er bei einer solchen Abfassung geleistet hat, steht eS unbedingt fest, daß Tolain das Mandat verrat hen hat, welches seine Kameraden ihm anver- traut hatten, um die großen Interessen VeS Proletariats zu vertheidigcn. Die Diskussion dieses Entwurfs wird schließlich den VertrauenSselgsten die Augen öffnen, er wird gerichtet sein." Braunschwcig, Ausrusl An alle Arbeiter veutschlandS er- geht hiermit der Ras, die Geinaßregelten der Braunschweigischen Eisenbahnwagen-Bauanstalt schnell und nach Kräften zu unter- stütze». Die Haltung ist gut, aber Geld muß in de» nächsten Tagen eingehen, irni vorläufig die Familienväter mit den Ihren vor direkter Roth zu bewahren. Rührt Euch, Arbeiter! Heute mir, morgen Dir! Geld für die Strikenden nimmt entgegen: HerrFranzKrui- lops, Langedammstr. 12 und die Expedition des„Br. Voltsfrennd", Neuestraße 23. Um Weiterverbreitung diese« Signals werden alle arbeiterfreundlichen Blatter dringend gebeten. ») Wahrend de« Kampfes der Kommune wurde derselbe bekannt- ich aus der Internationalen ausgestoßen. Neber den Einfiutz der heutigen Produttion auf die Gesundheit der Arbeiter. (Fortsetzung.) „Nicht minder übel als bei Webern und Strumpf- wirtern steht es bezüglich jdcs Gesundheitszustandes und der Lebensdauer bei den Posamentiren. Das Posamcntirgewerbe, welches zum größten Theile nicht für Befriedigung wahrer Be- dürfnisse, sondern für den Luxus und die Mode arbeitet r ist nicht allein abhängig von allen den Einflüssen, welche die schon genannten Gewerbe berühren, sondern außerdem auch noch von allen Launen der Mode. Wir haben es gar nicht selten er- lebt, daß von einem Artikel, der die Posamentenarbeiter eines Ortes heute noch voll beschäftigte, 8 Tage später auch nicht ein Stück mehr bestellt und gemacht wurde. Dadurch war schon lange die Unsicherheit des Erwerbes so groß ge- worden, daß schon vor Beginn der letzten ainerikanischen Ver- Wicklungen das naturgemäße Correctiv*), das Verlassen des Ge- werbes, begonnen hatte; während der arbeitslosen Zeit aber, welche der amerikanische Krieg mit sich brachte, verließ dann eine große Anzahl Posamentirer ihr Gewerbe und gingen zu gewöhnlicher Tagelöhnerarbeit(Eisenbahnen) oder andern Hand- werken über. Dies hat zwar auf kurze Zeit eine Aufbesserung der Löhne zur Folge gehabt, aber doch nicht vermocht, das alte Elend dieser Arbeiterklasse minder ficht- bar zu machen. Die durchschnittliche Lebensdauer der Posa- mentirfamilien beträgt, wenn sie gesondert aus den offiziellen Sterberegistern ausgezogen werden, 13 Jahre 4�Monäte(im sächs. Erzgebirge). Auch hier ist es nicht die Arbeit an sich, ebenso wenig die Stoffe, die bearbeitet werden, welche diesen Zustand herbeigeführt haben, sondern ganz dieselben Ursachen, die schon bei den Webern namhaft gemacht wurden. Auch die Krankheiten sind die schon bei den Webern und Strumpfwirkern genannten, es sind eben die im Erzgebirge, Boigtlande und Schlesien heimischen Krankheitsformen. Eine Eigenthüm- lichkeit tritt vorzüglich bei den Pofamentirern hervor: wenn sie ihren Wohnort verlegen und zwischen dem 2t). und 40. Lebens- jähre in Gegenden kommen, die eine geringe Meereshöhe haben, so verfallen sie meist der Lungentuberculose, während in der gebirgigen Heimath diese Krankheit, trotz aller Disposition da- zu, verhält uißmäßig selten vorkommt. Der Grund, daß hier die Krankheit selten zur Ausbildung kommt, liegt theils in der durch das Sitzen mit gedrücktem Unterleibe sich sehr bald aus- bildenden Hämorrhvidalkrantheit, durch welche eine Ueberfüllung der Lunge mit venösem Blute verhütet wird, theils in dem durch die Meereshöhe bedingten geringern Luftdruck und der frischen und reinen Gebirgsluft. Beständen diese günstigen Ber- hältnissc nicht, so würde der Gesundheitszustand ein noch üb- lerer sein, als er ohnehin ist. „Mit der Posamentirerei als Luxus- unb Modegewerbe nahe verwandt ist das Spitzenklöppeln, das Sticken und das Ausuäheu von Mull, Tüll und andern Geweben. Alle drei genannten Industriezweige haben das mit einander ge- mein, daß es sehr leichte körperlich nicht anstrengende Arbeiten find, daß sie daher ausschließlich von Frauen und Kindern ver- richtet werden und daß man dieselben stets sitzend ausführt. Wie die Posamentcnfabrikation sind sie nicht allein von der Gunst oder Ungunst politischer und kommerzieller Conjunktu- ren, sondern auch von allen Launen der Mode abhängig. Die Lebensweise und Lebensverhältnisse dieser Arbeiterklasse sind ganz die nämlichen, wie sie schon bei der Weberei geschildert wur- den und daher die Gesundheitsverhältnisse keine bessern wie dort. Hier ist der Hauptheerd der Blutarmuth und Bleichsucht mit allen ihren Consequenzen. Verfasser hatte im Herbst 1665 Gelegenheit, an einem Tage 23 Spitzenklöpplerinnen und 18 Stickerinnen im Alter von 13 bis 25 Jahren zu sehen; die ersteren waren sämmtlich entschieden blutarm und bezüglich bleichsüchtig, jvon den letztern nur 2 an- scheinend gesund. Ueber die durchschnittliche Lebensdauer dieser Arbeiterklasse lassen sich zuverlässige Ermittelungen nicht anstellen, weil diese Arbeiterinnen in der Regel Familien von Bergleuten, Webern, Strumpfwirkern, Pofamentirern und Wald- arbeitern zuzuzählen sind und ihre Beschäftigung nicht in die Sterberegister eingetragen wird; sie dürfte sich aber, gesondert berechnet, kaum höher herausstellen, als die durchschnittliche Lebensdauer der bezeichneten Fainilien überhaupt. „Es ist schließlich noch eines Industriezweiges zu gedenken, der mit deg vorgenannten zwar keine direkte Verwandtschaft, wohl aber das mit ihnen gemein hat, daß er in seiner jetzigen Gestalt in hohem Grade geeignet ist, das Proletariat zu rekru- tiren, es ist dies der Steinkohlenbergbau. „Außer den schon erörterten, den Gesundheitszustand der Arbeiterbevölkerung überhaupt treffenden Schädlichkeiten, treten bei diesem Zweige der Gewerbthätigkeit noch ganz besondere auf, von denen einige außer dem allgemein humanistischen, noch ein ganz besonderes wissenschaftliches Interesse erregen. Man kann diese aus die Kohlenbergleute einwirkenden Schädlichkeiten eintheilen in mechanische, chemische und dynamische, unter welche Bezeichnung sich auch die bereits abgehandelten allgemeinen Schädlichkeiten begreifen lassen. „Als mechanische Schädlichkeit oben an steht die Schwere und Schwerfälligkeit der Bergarbeit überhaupt. Schon das Loshauen von Gestein oder Kohlen erfordert, der ziemlich schweren Werkzeuge wegen, tüchtige Muskelkraft, noch mehr aber die Fortschaffung der losgebrochenen Kohlen oder Steine auf oft sehr unebenen Strecken. Ein Karren mit 6 sächsischen Scheffeln Kohle wiegt I i— 13 Ctnr., dazu kommt, daßdie schlechte Beschaffenheit der Schienengleise häufig ein Entgleisen der För- dergefäße veranlaßt, wodurch dann die Förderleute genöthigt sind, den schweren Karren wieder in das Gleis zu heben. Da nur 1, höchstens 2 Mann einen Karren zu fördern haben, so ist daS EinHeben eines entgleisten nur mit der äußersten An- strengung zu bewirken und daher Dehnung der Muskeln und Gelenkbänder eine sehr gewöhnliche Folge dieser Verrichtung. „Ich habe mir Schaden gethan," äst ein den Knappschaftsärzten täglich vorkommender Ausdruck, mit dem sich die Arbeiter ihnen vorstellen. Ebenso häufig ist die Meldung,„es hat mich getroffen," worunter die Bergleute verstehen, daß sie von her- abfallenden Stücken Gestein oder Kohlen gequetscht oder ver- ') Berbesserungsmittel. wundet worden sind. Es geschieht dies meistentheils dicht vor. Ort, wenn Häuer oder Zimmerlinge versäumt haben, den nö- thigen Holzausbau nachzuschieben; bisweilen aber bricht auch in! mittelbar vor Ort so viel Kohle oder Gestein(Berge) nach, daß es nicht möglich ist, schnell genug auszuweichen, und dann kommen Berschüttungen und Verwundungen der verschiedensten Art vor. Im Allgemeinen kommt dieser Fall nicht(???) oft vor, da die Bestimmungen des Polizeiregulativs zur Berhü- tnng von Unglücksfällen meist(!!) so weit befolgt werden, als eine unmittelbare Kontrolle möglich ist*). „Die Beschränkungen des Raumes, die theilweise zwar durch die Natur der Sache geboten werden, theilweise aber auch viel größer sind, als es in Rücksicht auf das Ar- beiterpersonal zweckmäßig erscheint, werden dadurch zu mechanischen Schädlichkeiten, daß sie es unmöglich machen, einer in Bewegung gesetzten Masse, einem in falscher Richtung sich bewegenden Körper, oder überhaupt unvermuthet eintretenden Ereignissen, z. B. Explosionen, rechtzeitig auszuweichen. Durch mechanische Schädlichkeiten werden zwar bei weitem die meisten Erkrankungen herbeigeführt, indem sie(nach den voin Verfasser als langjährigem Knappschafts-Arzte gemachten Er- fahrnngen) gewöhnlich 60— 70 Proz. aller Erkrankungen ausmachen, allein sie sind bei weitem nicht die wichtigsten, denn mit wenigen Ausnahmen hinterlassen sie keine nachtheiligen Fol- gen aus die ganze Lebenszeit der Betroffenen. Es sind eben leichte Haut- und Fleischwunden, mehr oder minder bedeutende Quetschungen und bisweilen Knochenbrüche. „Weit wichtiger sind die chemischen Schädlichkeiten, welche auf die Kohlenarbeite> in den Schächten und Strecken einwirken; wir zählen zu diesen die Luft, welche sie alhmen und welche den Körper umgibt, das Wasser, welches sie trinken, mit dein sie umgehen und welches den Körper be- rührt. „Was die Luft in den Schächten betrifft, so ist da, wo nur 1 Schacht vorhanden ist, zunächst zwischen dem einfallenden (frischen) uno aufsteigenden(verbrauchten) Luftstrome zu unter- scheiden. Gewöhnlich sind die isolirt bestehenden Schächte in 3 Abtheilungen eingetheilt, die durch Bretterverschlag von ein- ander getrennt sind: 1) in den sogenannten Kunstschacht, in welchem sich die Vorrichtungen zur Wasserhebung befinden, 2) den Fahrschacht, in welchem die Fahrkunst auf- und nieder- geht, oder die Fahrten befestigt sind, und 3) den Förderschacht, in welchem die Fördergefäße auf- und niedergelassen werden. Die erste und zweite Äbtheilung sind gewöhnlich für die ein- fallende athmosphärische Luft bestimmt, die dritte dagegen für den aufsteigenden Stroin der verbrauchten Streckenlust. Der einfallende Luftstrom bestehe daher fast immer aus reiner atmo- sphärischer Luft, deren Wassergehalt dem Sättigungspunkte ihrer Temperatur entspricht. Der aussteigende Strom ist ein Ge- menge sehr verschiedener Gasarten, in noch verschiedeneren Mengenverhältnissen, kann aber hier außer Betracht bleiben, weil nur selten und ausnahmhweise auf kurze Zeit sich Men- scheu in demselben befinden.' Da wo die Arbeiter im aufsteigenden Luftstrome aus- und eingefördert werden, inuß von demselben das Gleiche gelten, wie von der Streckenluft, von der wir gleich sprechen werden. „Die Luft in den Strecken ist ein Gemenge von meh- reren Gasarten, dessen Zusammensetzung von manichfachen na- türlichen(gegebenen) und willkührlichen(gemachten) Verhältnissen abhängt. Wen» wir uns diese vergegenwärtigen, finden wir, daß die chemische Mischung und bezüglich Mengung der Luft in den Steinkohleuwerken abhängig ist: a) von der Qualität und Mächtigkeit der Kohle, ff) von der Größe der aufgehauenen Fläche der Kohlen- flötze, c) von der Natur der Mineralien, welche die Decke, Sohle und etwa vorhandene Zwischenmittel bilden, (!) von der Anzahl der in einem Steinkohlenwerkc be- schäftigten Arbeiter, e) von den Vorrichtungen zum Luftwechsel, f; von der Temperatur, g) von der Feuchtigkeit oder Trockenheit der Grube, ff) vom Luftdruck(Barometerstand). „Dadurch, daß immer gleichzeitig mehrere dieser Polenzen wirksam sind, daß nach Zeit und Ort die Wirksainkeit der ein- zelnen stets wechselt, wird die Luftmischung in den Steinkohlen- werken so vielfach variirt, daß sie sich voraus durchaus nicht bestimmen läßt. „Zu a. Die beiden Hauptsorten der Kohle, wie wir die- selben in Sachsen'haben, Pechkohle und Rußkohle, unterschei- den sich wesentlich bezüglich der spontanen Gasentwicklung, in� dem es vorzüglich die Rußkohle ist, aus und durch welche sich irrespirable(uneinathmungsbare) Gase entwickeln. Es ist dabei wieder zu unterscheiden das Kohlenwassersiossgas, welches aus den Rissen, Spalten und Einbrüchen ausströmt und, sich selbst überlassen, sich stets an den höchst gelegenen Punkten der Strecken sammelt und von da aus, nach stattgefundener Ver- Mischung mit atmosphärischer Luft, die sehr gefährlichen und gefürchteten Explosionen verursacht, und dann die Kohlensäure, welche Produkt eines Oxydationsprozesses ist, der durch feinen Kohlenstaub in Berührung mit wechselnder atmosphärischer Luft eingeleitet und durch erhöhte Temperatur und Feuchtigkeit be- fördert wird. „Auch aus den Spalten und Rissen der Pechkohle entwickelt sich bisweilen Kohlcnwasserstoffgas) doch seltener als aus der Rußkohle. Bildung von Kohlensäure ans Pechkohle findet nur bei sehr feiner Zertheilung derselben und langem Liegen an der Luft statt. „Zu ff. Von der Größe der Fläche der aufgehauenen Kohlenflötze wird zum Theil die Erzeugung von Kohlensäure bedingt, indem sich an der der Luft zugänglich gewordenen Oberfläche der Rußkohle ein Oxydationsprozeß bildet, welcher der Streckenluft einen Theil ihres Sauerstoffes entzieht. „Das Austreten von Kohlcnwasserstoffgas wird von der aufgehauenen Kohlenstäche nur insoweit bedingt, als dadurch Spalten und Risse aufgedeckt werden, ans denen es entweicht. „Daß das Kohlenwasserstoffgas fertig gebildet in den Klüften und Spalten der Steinkohle vorhanden, und daß es ein Produkt des ursprünglichen Verkohlilngsprozesses ist, das *j Die zweite Hälfte deS Satzes(„meist") scheint unS eine gründliche Mderlegung der ersten(„nicht oft") zu sein. Red. d. V. beweisen die sogenannten„Bläser", die, entzündet, sofort zu brennen aufhören, sobald das Gleichgewicht mit dem atmosphä- rischen Luftdruck hergestellt ist. Daß manche Bläser nach Wochen und Monaten wieder Kohlenwasserstoff ausströmen lassen, ist kein Beweis von der Neubildung desselben, sondern stets die Folge veränderter Druckverhällnisse. Mit Chemikalien ist daher nichts dagegen auszurichten. „Zu o. In der Decke, der Sohle und den Zwischen- Mitteln(Schären) der Kohlenflötze, die gewöhnlich in der Haupt- fache aus Schieferthon und bezüglich Thonschiefer bestehen, sind sehr häufig Schwefelkiese und Schwefclalkalien enthalten; durch Berührung mit feuchter atmosphärischer Luft und begünstigt durch die ziemlich hohe Temperatur der Strecken, oxydiren sich diese Schwefelverbindungen und entziehen der atmosphärischen Luft einen Theil ihres Sauerstoffs. Die bei diesem bisweilen complicirten Prozesse entstehende Erhitzung ist die gewöhnliche Ursache der Grubenbrände, daher derselbe indirekt auch zur Bildung von Kohlensäure und Kohlenoxydgas Anlaß giebt. Auch das bisweilen vorhandene SchwefelivasserstoffgaS findet theilweise seine Quelle in diesen Prozessen. „Zu<1 Durch die Prozesse deS Stoffwechsels, Athmung, Hautausdünstung, Hantaufsaugung, feste, flüssige und gasförmige Exkrelioneu, wird natürlich die Zusammensetzung der Luft in geschlossenen Räumen wesentlich verändert. Der Verbrauch des Sauerstoffes ist hier daS Hauptmoment, dessen Nachtheile um so stärker hervortreten, je mehr Menschen sich in einem be- stimmten Räume befinden. Kohlensäure und freier Stickstoff finden theilweise ihre Quelle in diesen organisch-chemischcn Pro- zessen; das Vorhandensein von freiem Ammoniak wird sich hier nur von diesen Prozessen ableiten lassen. „Zu e. Es ist ganz selbstverständlich, daß die Luft in den Strecken der Kohlenwerke um so besser sein wird, je schneller und vollständiger der Austausch init reiner atmosphä- rischer Luft erfolgt, je vollkommener die darauf einwirkenden Vorrichtungen sind, und je sorgfältiger sie erhalten werden. Wir kommen auf den Gegenstand zurück, wenn von den Maß- regeln zur Verbesserung der Luft in den Strecken die Rede sein wird. „Zu f. Die Temperatur hat in sofern Einfluß auf die Streckenluft, als durch dieselbe der Luftwechsel beschleunigt oder verlangsamt wird; hohe Temperatur trägt auch wesentlich zur Einleitung der bereits erwähnten cheinischen Prozesse bei. „Zu g. Trockenheit oder Feuchtigkeit beeinflußt die Zu- sammensetzung der Streckenluft unmittelbar durch das Mehr oder Minder des darin enthaltenen Wassergases, außerdem werde» dadurch alle hier vorkommenden chemischen Prozesse be- fördernd oder verlangsainend alterirt(verändert). „Zu ff. Der Barometerstand, Luftdruck, scheint nur in sofern Einfluß auf die Zusammensetzung der Streckenluft zu üben, als bei hohem Luftdruck weit weniger Entwickelung von Kohlenwasserstoffgas vorkoinmt, als bei niedrigem, �n tiefen Gruben macht sich dieser Einstnß sehr deutlich bemerkbar, wogegen bis zur Tiefe von 800 Pariser Fuß nichts davon zu be- merken ist. „Aus dem Vorhergehenden ergiebt sich schon, aus welchen Bestandthcilen die Luft in den Strecken der Steinkohlenwerke zusainmengesetzt ist; es ist also 1) atmosphärische Luft, 2) Kohlensäure, 4) Kohlenoxydgas, 4) Kohlcnwasserstoffgas, 5) Schwefelwasserstoffgas, 6) freier Stickstoff, 7) Ammoniak und 8 s Wassergas. „Es ist indeß hierzu zu bemerken, daß nicht immer alle diese Bestandtheile gleichzeitig vorhanden sind. Vergegenwärti- gen wir uns den Ursprung dieser Gase, so finden wir, daß die atmosphärische Luft pon außen zugeleitet wird; das Vorhandensein derselben in genügender Menge ist die wesentlichste Bedingung für die Möglichkeit, in den be- treffenden Räumen zu arbeiten. Alle übrigen Bestandtheile der Streckenluft sind unwesentliche und bezüglich schädliche. „Die K oh lensäure bildet sich, wie bereits erwähnt, durch einen Oxydationsprozeß an den aufgehauenen Flächen der Flötze und durch Kohlengrus und Staub, wenn dieselben unter dem Einfluß feuchter Wärme einige Zeit mit atmosphärischer Luft in Berührung bleiben, außerdem als Produkt der Alhmungs- lmd Verbrennungsprozesse. Man findet dieselbe in Strecken, in denen keine Bewegung von Menschen oder Fördergefäßen stattgefunden hat, auf der Sohle in Schichten von 3 bis 18 Zoll Höhe in vollkommen reinem Zustande. Bei lebhafter Be- wcgung in den Strecken mischt sie sich mit den übrigen Gasen und belästigt dadurch daS Alhmen in hohem Grade, wird sogar Veranlassung, daß das Licht in den Blenden verlöscht. Selbst ziemlich starker Zug, wenn er sich konstant in einer Richtung bewegt, ist nicht vermögend die Kohlensäure ganz von der Streckensohle zu verdrängen; durch die Hin- und Herbewegung von Menschen und Fördergcsäßen wird die schichtenweise An- sammlung zwar verhindert, aber die Vermischung mit der atmo- sphärischen Luft wesentlich befördert. Die Kohlensäure ist daher einer der schlimmsten Feinde der Arbeiter in den Gruben. „Das Kohlenoxydgas, ein nicht minder gefährlicher, aber weniger oft sich zeigender Feind der Grubenarbeiter, findet seine Entstehung in unvollkommenen Verbrennungsprozessen von Kohlen oder Holzwerk; gewöhnlich werden dieselben verursacht durch die Er hitzung von Schwefelkiesen, die sich dann den un- mittelbar anliegenden Kohlen oder hölzernen Stempeln und Kappen mittheilt. Der eigenthttmlich süßlich brandige Geruch dieses Gases läßt es uin so leichter erkennen, als die Diffusion (Vermischung) mit der atmosphärischen Luft sehr schnell er- folgt; es belästigt das Athmen im hohen Grade, verursacht Kopf- schmerz und Uebclkeit und bezeichnet stets die Gefahr eines Grubenbrandes.„Gottes Segen" in Lugau und„Hedwigschacht� in Oelsnitz liefern, außer�manchen andern Kohlenwcrken, mehr- fach recht starke Belege hierzu. „Der Ursprung des Kohlenwasserstoffgases wurde schon angegeben; einmal befreit, tritt es vermöge seines ge- ringen spezifischen Gewichtes an die höchsten Stellen der Strecken und bezüglich der Einbrüche; wird es hier gleich oder bald nach seinem Austritt, ehe es sich noch mit atmosphärischer Luft ge- mengt und in großer Menge gesammelt hat, entzündet, so verbrennt es in ganz unschädlicher Weise; entzünden sich da- gegen große Quantitäten, so entsteht theils die Gefahr der Verbrennung, theils auch durch zurückbleibenden Stickstoff und Kohlensäure Gefahr der Erstickung der Arbeiter. Am gefähr- lichsten aber sind die Explosionen, für die Arbeiter sowohl olS für den Bau; sie entstehen, wenn sich Kohlenwasserstvffgas und atmosphärische Luft in dem Verhältnis mengen, daß Wasser- stoff und Sauerstoff zusammen gerade Wasser bilden können, also ca. 11 Proc. Kohlenwasserstoffgas mit 89 Proc. almosphä- Äscher Luft. Ist sdieses Verhältniß um 3 oder mehr Prozent überschritten, so hört zwar die Explosionsfähigkeit des Gemen- gks auf, aber nicht die Schädlichkeit für Gehirn und Lunge. Die Blutbildung und Arteriellität des Blutes leiden in auffälliger Weise, während die Venosität*) überhand nimmt, und nur theilweise durch vermehrte Thätigkeit der Haut aus- geglichen wird. „Schwefelwasserstoffgas findet seinen Ursprung theilS in der Berührung von Schwefelalkalien mit feuchter Luft, theilS in den Kübeln, worin die Exkremente der Arbeiter ge- sammelt werden, theils auch in unmittelbar in die Luft treten- den gasförmigen Exkrementen. Es ist nur selten in größerer Menge vorhanden, hilft aber doch die Athmungsorgane bc- lästigen. „Der freie Sti tstoff ist theilweise als der nach Verbrennungsprozessen zurückbleibende Theil der atmosphärischen Luft zu betrachten, theils auch ist er ein Erzeugniß des Ath- mungsprozeffes. Er belästigt das Athmen im höchsten Grade, kommt aber doch nur selten in solchen Quantitäten vor, daß er unmittelbar Erstickung bewirkt; es tritt dieser Fall nur dann ein, wenn, wie schon bemerkt wurde, große Mengen von Kohlenwasserstoffgas abbrennen, ohne zu explodireu und die Ar- beiter sich nicht schnell genug entfernen können, „Das Ammoniak, welches immer nur in kleinen Men- gen vorhanden ist, findet seinen Ursprung in der Hautaus- dünstung der Arbeiter. Die Quantität desselben scheint mit der Höhe der Temperatur in geradem Verhältniß zu stehen. „Das Wassergas, in so weit es nicht schon ursprüng- lich in der zugeleiteten Luft enthalten ist, wird derselben auf ihrem Wege längs der Wasscrpumpen zugemischt; in der Regel ist in der absteigenden Luft so viel Wasser enthalten, als die- selbe bei der betreffenden Temperatur aufzunehmen vermag. Die Wirkungen der Wärme auf den Körper werden durch diesen Wassergehalt der Luft wesentlich modificirt, bezüglich verstärkt, außerdem ist er, wie schon bemerkt, ein Förderungs- mittel für manche in der Grube vorkommenden chemischen Prozesse." (Fortsetzung folgt.) Wien, 27. Januar. Der„Volkswille" wurde in voriger Woche wieder einmal konfiszirt. Anläßlich dieser Konfiskation wurden auch Hausdurchsuchungen im Arbeiterbildungsver- ein, Magdalenstraße 104, und im Vcreinslokale der Buchbin- der, Lederarbeiter:c.(Fortuna) vorgenoininen.— Bei Ferdinand Weiß, bei Leopold Jennersdorfer und bei Johann Papst fanden ebenfalls Hausdurchsuchungen statt. Ferdinand Weiß, Leopold Jennersdorfer und dessen drei Töchter sollen laut Hausdurch- suchungsbefehl des Vergehens nach§ 305, eventuell des Verbrechens nach Z 65 verdächtig sehr Johann Papst soll nach Angabe des wegen Hochverrath in Untersuchung ge- zogenen Ludwig Neumayr von Wiener- Neustadt dessen Briefverkehr mit dem Auslande vermittelt haben. Bei Ferdinand Weiß wurde ein Arbeiterkalender und sämintliche Lassalle'sche Schriften, bei Jennersdorfer einige Notizen und Gedichte, bei Papst einige alte Geschäftsbücher der Administration des„Volks- Wille" mit Beschlag belegt. Was uns am meisten überraschte, war die Nachricht, daß'Neumayr wegen Hochverraths in Unter- suchung gezogen worden sei.— Neumayr, zuletzt als Agent des„Wanderer" in den österreichischen Provinzen thätig, kam vor einigen Monaten nach Wien. Seine Freunde unterstützten ihn direkt und indirekt nach Kräften, doch gelang es ihnen nicht, ihn dazu zu bewegen, irgend eine lohnende Beschäftigung an- zunehmen. Dagegen sprach er stets von Broschüren, die er veröffentlichen wolle, und von großen Aktionen, die bewerkstelligt werden müßten. Nebenbei stellte er an seine Freunde Anträge, die zu dem Glauben berechtigten, daß Neumayr irrsinnig ge- worden sei. Als man seinen Anträgen kein Gehör schenkte, erklärte er, daß er nun die Diktatur der Partei übernehmen und alle Vereine sprengen werde. Aus dem Verein„Freiheit" trat er aus, opponirte gegen den Ausschuß des Arbeiterbildungs- Vereins und trat in Verbindung mit jenen theils arbeitsscheuen, theils geistesbeschränklen Individuen, welche in letzter Zeit im Arbeiterbildungsvereine kleine Skandale hervorgerufen haben. � Diesen spiegelte er vor, daß er Briefe von der„Jnter- nationale" besitze, welche die Vertrauensmänner der Partei konipromittirten, gleichwie der salbungsvoll blinzelnde Schüler des Religionsstifters TauschinSki, der Logik und Rhetorik lehrende Gymnasiast Reinthal, und der famose Straßer den Leuten er- zählten, Franz Fischer kenne einen Grafen, der sehr wichtige an den Grafen Bcusi gerichtete Briefe besitze, und daß die Herren Simon Deutsch und Alexander Scharf den„Volkswille" zu Börsenspekulationen benützten.— Mehrere Tage vor Weihnachten erklärte Neumayr, daß die Partei ihm binnen drei Tagen 200 fl. und eine Wohnung im Heinrichshof verschaffen müsse. Er wolle sich einen Fiaker hallen und bei Sacher speisen und die Partei müsse ihm schon deshalb die Mittel dazu geben, weil er ihr Opposition machen müsse.— Da seine sonstigen Aeußer- ungen auch befürchten ließen, daß die Polizei auf ihn aufmerk- sam werde, so stellte man ihm die Gefahr seiner Verhaftung vor. Er erklärte aber, er wolle um jeden Preis einen Hoch- verrathsprozeß. Da auf diese Weise die Anzeichen des Irr- sinns immer deutlicher hervortraten, wurde bereits Rücksprache mit einem Arzte genominen, der ihn ärztlich behandeln sollte, und das UnterslutzungS- Komitee beschloß, Neumayr zu unterstützen, sobald er sich in einer Krankenanstalt befinde.(Nach einem früheren Beschlüsse kann dieses Komitee jedoch Leute nicht unterstützen, die muthwillig einen Prozeß heraufbeschwören.) Neumayr sollte aber bald jede ärztliche Intervention unmöglich Machen.— Anläßlich eines kleinen Konflikts mit einem Polizei- manne erhielt Neumayr eine Vorladung zum Polizei'Kommissariat Mariahilf.— Dort geberdete er sich wie ein. Wüthender. Als ihn Kommissär Kusmanek entließ, verlangte er einen Wagen und setzte sich in die Wachstube, wo er mit den Wachmännern Streit begann.— Hierauf ließ Kommissär Kusmanek Neu- mayr zur Polizeibehörde des Bezirks Margarethen, wo Neu- mayr wohnte, bringen, und dort scheint er seine definitive Per- Haftung durchgesetzt zu haben.— Das Landesgericht hat nun auch nicht gezögert, den Wunsch des geisteskranken Neumayr zu befriedigen und einen Hochverrathsprozeß gegen ihn eingeleitet. _(„Volkswille"). Eßlingen. Unsere Stadt war früher eine der Haupt- sitze der schwäbischen Volk sparte!, zu deren Mitgliedern einige der größten hiesigen Fabrikanten, z. B. Deffner, gehören. Unter den tüchtigsten unserer Parteigenossen sind mehrere frühere Volksparteiler, welche die Hauptvorzüge ihres ftüheren Partei- lebens, Geschick und Sinn für eine tüchtige Agitation beibehalten haben. Die Volkspartei selbst in Württemberg ist in vollständiger Auflösung begriffen, der Ausschuß läßt händcringende Briese zirkuliren, man möge doch dem Organ, dem„Beobachter", auf die Beine helfen. Als Charakteristikon diene noch folgendes Hübscbe: Bei einer jüngsten Versammlung der Volkspartei in Plochingen schlug ein angesehenes Mitglied„die Vereinigung sämmtlicher liberalen Parteien" vor. Das war denn doch dem Gros der Versammlung zu stark. Man ging zur Tagesord- nung über. Privatim kann man von den Herren Bolksparteilern alles mögliche Erbauliche hören. Ihr Organ ist entsetzlich matt und farblos. Dem Verdienst seine— Bezahlung! Wir halten es für unsere Pflicht, zu konstatircn, daß der„Neue Sozial- Demokrat" die Befehle seiner geheimen Gönner nicht nur eiftia, sondern auch erfolgreich ausführt. DaS„I)iurio oficial de Avisos", ein Regierungsblatt in Madrid, sagt: „Wie es scheint, hat die Internationale den Pfad der Spal- tungen betreten, und ihre Führer, seit dem Fall der Commune von Paris sehr zahlreich, fangen an, sich in die Haare zu ge- rathen. DaS Organ der Berliner Arbeiterverbindung, der „'Neue Sozial- Demokrat", Veröffentlicht die folgenden interessanten Mittheilungen" u. f. w. Es folgt dann ein Aus- zug aus den neulich vom„Neuen Sozial-Demokrat" verbreiteten abgeschmackten Lügen über die Internationale. Leider erklärt die„Lnrnn�ixiueien" von Madrid, Organ des Föderalraths der spanischen Internationalen, hierauf was folgt: „Das„Diane" weiß nicht, daß der„Neue Sozial-De- mokrat" an Bismarck verkauft ist, der früher versucht hat und noch jetzt versucht, die deutsche Arbeiterklasse in seine Po- litik zu verwickeln. Um seinen Zweck besser zu erreichen, ver- breitet er jetzt daS Gerücht vdm Tode der Internationalen, gerade wie' während des Krieges französische Regierungsblätter täglich den Tod von Moltke, Bismarck und andern, sich voll- ständiger Gesundheit erfreuenden Herren verkündigten. Bör ein paar Tagen kündigte derselbe Bismarck den deutschen Ar- beitern an, er werde sie gegen die Internationale— beschützen! Dieser Wunsch unserer Feinde, uns gctheilt zu sehen, möge uns zur Warnung dienen." Bravo,„Neuer"! Zulage bekommen! Uebcr de» moderne« Begriff der staatsgefährliche« Lehren von Emil Roland. (Anläßlich der jüngsten und noch schwebenden Sozialistenprozesse.) Es kann für einen nachdenkenden Menschen nichts Lächerlicherei und zugleich Traurigeres geben, als den modernen Begriff der staatsge- fährlichen Lehren, aus denen gelegentlich der Hoch- und Landesverrat h sabrizirl wird. Ist die Organisation des Staates, also der Gesellschaft, eine normale das heißt gesunde, so werden ihr einige Ertravaganzcn nicht schaden. Ist sie aber eine abnormale d. h. ungesunde, dann wird es zur Pflicht eines jeden ehrlichen und verständigen Menschen, radikale Heilmittel dafür zu suchen, die Sache zu diskutiren und sich den Zustand klar zu machen. Diejenigen, welche den krankhaften Zustand der heutigen Gesellschaft verlaugnen, theilen sich in drei Klassen: in Jgnoran- ten, Meilschenfeinde und Egoisten.— Diejenigen, welche für den Fort- bestand Pnd, welche den Erörterungen und Forschungen dieses Gegen- standes feindlich gegenüber stehen, das sind auch zugleich die Feinde des Staates, der Gesellschaft! Wenn der Einzelne nicht nur das Recht, sondern die Pflicht hat, für sein Wohlbefinden geistig und körperlich zu sorgen, in welch höherem Maaße hat es dann die Gesellschaft! Dieses Recht könnte auch der Gesellschaft eigentlich gar Niemand streitig machen, sobald sie mündig wäre; warum erhält man sie aber in Un- Mündigkeit? Um sie zu übervortheilen. Wer die Unmündigkeit der Gesellschaft ausbeutet, begeht einen Betrug, und wer sich an den Per- trelern einer Idee vergewaltigt, einen Akt der Tyranei.— Was ist staatsgesährlich? WaS der Majorität schadet. Nicht die Sozialdeinokratie, aber der UltrainontanismuS, die Adels- und Geldaristokratie sind staatS- gefährlich. Der Ultramontanismus ist staatsgefährlich*), daS beweist ivohl die neue Reichsgesetzgebung, das bewies daS Konzil, das bewiesen die neuesten Porgänge in Mainz,(Mord) Linz, Pater Gabriel(Schän- dung) Breifach,(unnatürliche Wollust, Folgen des schändlichen Colibats), der neueste Toppelmord in Ostrowo, hervorgerufen durch die Teufels- lehre, bewiesen die Prozesse der Jesuiten wegen Anstiftung von Mord, Erbschleicherei, Betrug, Unterschlagung. Die Adelsaristokratie ist um so staatsgefährlicher je mehr sie Privilegien besitzt. Die Geldaristokratie aber ist am staatsgesährlich sten, weil sie unausbleiblich den PauperiS- mus im Gefolge hat, und die ganze Menschheit in 2 Klassen scheidet, in Schwelgende und Darbende, in Abhängige und Unabhängige, in Herren und Sklaven. Sie macht sich eben so Die Fürsten wie die Bölker tributpflichtig. Will man in Wahrheit alles beseitigen, waS dem Staate d. h. der Gesellschaft bisher gefährlich geworden ist und noch wild, o bleibt dem ehrlichenReformatorkein anderes Mittel übrig, als die ganze politische und soziale Gesellschaftsordnung zu beseitige», denn sie ist der Ma- jorität, also dem Volke gefährlich!— Ich habe das natürliche Recht, alles zu besprechen, also auchSlaatsinstitutionen; ich habe das Recht, sie zu kritisiren und brauche dazu des Staates besondere Erlaubniß nicht. Ich habe das natürliche Recht, zu denken und meine Gedanken mitzutheilen, und wer mir dieses Recht streitig'machen will, begeht ein Unrecht. lieber das Facit meiner Gedankenarbeit sind nur zwei Fälle anzunehmen. Entweder ist es richtig oder sals ch, praktisch oder unpraktisch, ausführbar oder unausführbar!— Ist es das Erster«, so wird es sich Bahn brechen, trotz allen Hindernisjen. Ist es das Letztere, so wird es srüheroder später zuGrunde gehen wie die Lchren der römischen Hierarchie! — Man sagt, die Lehren der«Sozialdemokratie seien staatsgefährliche Uto- *) Die Arterien führen das in der Lunge mit Sauerstoff ver- jehene, Hellrothe Blut aus der Lunge in den Körper, wo es, während der Cirkulation, den Sauerstoff verliert, und eine dunkelrothe Farbe annimmt. Das des Sauerstoffs beraubte und für die Lebensfunktlonen untauglich gewordene Blut wird durch die Venen der Lunge wieder' zugeführt, um dort von Neuen den nöthigen Sauerstoff zu empfangen. — Arteriellität heißt also Sauerstosfg ehalt des Blutes, Peuo- ität: Mangel an Sauerstoff im Blut. pien. Nun denn, alle» was aus Erden eristirt, ist unvollkommen, weil die menschliche Natur unvollkommen ist, aber das Unvollkommenste ist die heutige soziale Ordnung und das heutige Steuersystem, sie be- dürfen dringend einer gründlichen Reform. Als Staatsbürger habe habe ich das Recht, alle Staatsinstitutionen zu untersuchen, zu beleuch- ten und zu kritisiren. Die Ideen lassen sich nun einmal nicht todt- schlagen, n»d alle Versolgungen haben nur den einen Erfolg, daß sie daS Eisen in Stahl verwandeln!— Der freie Gedanke wird die Ge- sängnisse durchbrechen, so fest mau sie auch bauen möge! Die Sozial- demokratie verbreitet keine Lehren, welche der Gesellschaft Schaden bringen, aber dem Egoismus, dem Privilegium sind sie gefährlich und darum die Treibjagd, darum das Hallo, darum die Sozialistenhetze I Ihr nennt Euch stets mit Borliebe Christen und sagt dennoch, die Sozialdemokratie sei ein Utopien? Nun denn! dann war daS Christenthum em Utopie», aber durch die Sozialdemokratie soll eS zur Wahrheit werden. Vieles, was heute gewohnte Praxis ist, hielt man vor 50 Iahren noch für Utopien und dennoch ist eS ausgeführt worden, auch unsere Ideen gehen der Zeit ihrer Ausführung entgegen. Schaut aus alle Völker und Zeiten, sagte der Republikaner Castelar in seiner Rede über die Internationale, ob-nicht überall und immer ein Utopien sproßte: der Glaube an einen Erlöser auS dem Elend! DaS Utopien des Gefangenen ist die Freiheit! DaS Utopien des Armen, das Ende seiner Entbehrungen! Das Utopien des Menschen- freundes, das Ende des Menschenfeindlichen. Alle«, wa» in der Uto- pie falsch ist, wird untergehen, das Wahre und Fortschrittliche aber wird leben, erstarken und sich vervollkommnen! Wie die Körper ver- schiedene Stoffe aufnehmen, so auch die Gesellschaft verschiedene Ideen! Die schönste aller Iveen aber ist die Sozialdemokratie, deßhatb huldigt Ihr und emancipirt Euch von der Dunkelheit! *)„staatsgesährlich" ist auch der UltramontanismuS nicht. In den Vereinigten Staaten, wo er vollkommen freien Spielraum hat, läßt ich von einer Gefahr sitr den«Staat absolut nichts verspüren. In einem freien gesunden Staat, giebt ii(wie Freund Roland ja oben selber gesagt) nichts Staatsgesährliches, weder staatsgefährliche Lehren »och staatsgefährliche Mensche». In unfreien, ungesunden Staaten sind aber nicht diejenigen Menschen und Lehren„staatsgesährlich", welche aus B e s e i t i g u n g. sondern umgekehrl diejenigen, welche auf E rh al t u n g der vorhandenen Schäden abzielen. Die wahrhaft staatsgefährlichen Individuen in solchen Staaten sind also die Minister, Staatsanwälte, Polizeibeamten, Offiziere, servile Richter und Kammermitglieder w. Leipzig, 25. Januar. Welche Hindernisse dem Arbeiter erwachse», wenn er im Falle der Schädigung an Leib und Leben das Haft- pklichtgesetz in Anspruch nehme» will, mag folgender Vorfall zeigen: Der Arbeiter Heinrich Kleeberg stand bei dem Seilermeister Ernst Lutter hier in Arbeit, und zwar hatte derselbe daS Hecheln und Spinnen von Pferdehaaren zu besorgen. Da diese Haare erst gedämpft und ge- trocknet werden, so ist der Arbeiter gezwungen, den ganzen Staub und Schmutz und all die schädlichen Miasmen, welche dieser Artikel seiner Statur nach enthirlt, bei der Verarbeitung einzuathmen. WaS die Ge- sahr hierbei noch erhöht, ist!, daß diese Haare meist aus Polen und Rußland, und zwar sehr oft von an allerlei Krankheiten krepir- um Vieh herrühren. BeiKleeberg stellte sich denn auch im vorigen Herbst am Kinn ein kleines Geschwür ein, das heftigen Schmerz ver- ursachte; seine Mitarbeiter machten ihn darauf aufmerksam, daß das eine„Haarvcrgiftung" sein könnte. Als er seinem Prinzipal das Geschwürchen zeigte, schickte ihn dieser sofort in'S städtische Krankenhaus. Nachdem er hier einige Tage zugebracht, untersuchte ihn der Dirigent für die Operationen, Herr Geheimrath Thiersch, indem er ihm sowohl«u« der Nähe des Geschwürs wie aus der Brust je einen Tropfen Blut entnahm. In Folge des Resultats der Blutuntersuchnng mußte sich Kleeberg im Laufe desselben Tage« einer Operation unterziehen, wobei ihm ein größeres Stück Fleisch unter dem Kinn bis an die Gurgel ausgeschnitten und die betreffende Stelle dann mit glühendem Eisen ausgebrannt wurde. Während seiner Krankheit hörte er von dem ihn behandelnden Arzte mehrfach die Aeußerung, daß er > Kleeberg) an einer partiellen Blutvergiftung gelitten, die bereits so weit vorgeschritten, daß sie bald zu einer allgemeinen Blutver- giftung geworden wäre, und dann unzweifelhast seinen Tod herbeige- führt hätte. Ursache dieser Bergistung war nach Ansicht deS ArzliS die BeschästigungSweise. Jetzt auS dem Spital und auch au» der Arbeit de» SeilermeisterS Lutter entlassen, will Kleeberg aus Grund des Hastpflichtgesetzes Entschädigung von seinem Ardeilgeber beanspruchen. Dieser verweigert sie. Ein Rechtsanwalt aber, an den sich der geschädigte Arbeiter gewandt, erklärt— und mit Recht — daß ein ärztliches Attest darüber beizubringen sei, daß die Be- schäftigung die Ursache der Krankheit gewesen sei. Herr Geheimrath Thiersch seinerseits aber erklärt jetzt, daß er„bestimmt" die» nicht be- haupten könne, er vermuthe es nur. So liegt die Sache bi» heute. Anzuführen ist, daß bereits mehrere Ardeiter derselben Branche hier in den letzten Jahren an demselben Uebel gelitten, ja daß sogar zwei Arbeiter, die bei dem Seilermeister Rheinhardt arbtittlen, vor zirka 3 Jahren, an derselben Krankheit gestorben sind. Hiemach sollte man meinen, liege die Krankheitsursache des Kleeberg zweifellos zu Tage. Mit welcher Leichtfertigkeit von Seiten der Unternehmer diese so gefährliche Beschäftigung behandelt wird, ersieht man daran», daß die Ar- beiter ohne diegeringsten Borsicht»maßregeln(Respiratoren und dergl.) beschäftigt werden.— Die Polizei schreitet zwar ein, wenn ein Hund oder ein Pferd malträtirt wird,— wenn aber Arbeiter durch gefährliche Beschäftigung ruinirt und getödtet werden, dann kräht kein Hahn darnach: Menschenfleisch ist billig. Elltvange». Ein Mittel gegen den Sozialismus, und zwar ein unfehlbares ist von dem hiesigen„Katholischen Kirchenblatl" entdeckt worden, und wird in Rr. 3 vom 21. ledhaft anempfohlen. Das Mittel heißt: Katholische Gesellenvereine.„Die ge- Heimen Gesellschaflen", so beginnt das ehrenwerthe Blatt seinen mit der nicht mehr ungewöhnlichen Aufschrift„Zur socialen Frage" versehenen Re- klamcnartikcl, sind eingestandener Maßen die gefährlichsten Feinde des Glückes und der Ruhe, ohne welche die christliche Gesellschaft nicht bestehen kann. Einer dergesährlichstenGeheimbünde(HuI Hui) ist der Arbeiter- Ber- ein, der sich die, Internationale" nennt.») Thatsache ist, daß dieser gottlose Verein nur da Boden unter den Arbeitern, Meister» und Gesellen ge- winnt, wo der Unglaube und die Religionslosigkeit herrschen. Umge- kehrt, wo Glauben und Gottesfurcht gepflegt werden, ist für diese ver- verbliche Partei kein Aufkommen. Wo immer daher die katholi- scheu Gesellenvereine blühe», ist der, Linternationale" der Weg abgeschnitten, da ist auch-Mne große That geschehen sür das zeitliche Glück der Bürger und Die Ruhe Der Staaten. Daher theilen wir nachfalgenden erfreulichen Bericht über de» Gesellenverein al« ein günstiges Zeichen für die angebahnte Heilung unserer gesell- schaftlichen Zustände mit." (Folgt eine rührende Beschreibung des Stiftungsseste», da« mit Gottesdienst, Avendmnhl, Lotterte,„heiterer Geselligkeit"— was wohl Kneiperei bedeuten soll--„Belobung der sparsamsten Gesellen", Musik und möglicherweise, doch wollen wir» nicht für gewiß behaupten, denn der Bericht läßt den Punkt dunkel, auch mit Tanz ebenso würdig als mannigfaltig gefeiert worden ist). Wir hossen, daß unser protestan- risches Spießhürgerthum in Anbetrecht der Entdeckung de«„Kirchen- blatte«" da» Geschimpfe auf die Katholiken rejp. Ultramontanen auf- geben, und daß sich das Psaffen- und Philisterthum beider Konfessionen zum Kampf gegen die„Juternationale" einigen werde. Den Titel „katholisch" könnte man ja von den Gesellenvereinen wegnehmen, und ihnen irgend einen beliebigen konsesstonslosen Beinamen geben z. B. kopfhängerische Gesellenvereine, muckerische Gesellenvereine, u. s. w. Esslingen. In der Baumwollenspinnerei Merkel u. Kühnle hat der Korrespondenzartikel von hier in Nr. 7 d. Bl. förmlich ein- aeschlagen. Es hielt Jemand dem Herrn Kühnle sen. sogar den jBolksstaat" vor und fragte ihn, ob er das Blatt nicht lese.'„Nein," sagte der Alte,„so liederliche Blätter lese ich nicht." Hinzuzufügen ist, daß in genannter Fabrik 12 Stunden Ueberzeit bloß al» ein Arbeitstag angerechnet werden, so daß also ein« Arbeiterin bei 17-stan- diger Arbeitszeit nur 43 kr. verdient I ' Gtessen, den 2!. Jan. Sonntag, den 14. Jan. hielte» wir«ne allgemeine Arbeiter-Bersammlnng hier ab, in der Herr Nun (Mitglied de« allgemeinen deutschen Arbeitervereins) und Parteigenoffe Wilhelm die Ziele der Sozialdemokratie an der Hand unsere» Pro- gramm» klarlegten... � Der Verlauf der Versammlung war ein guter, obwohl da» schlechte Wetter Viele abgehalten. Wittterthur, 22. Januar. Die Schuhmacher werden gewarnt vor Zuzug, indem die Eventualität einer Arbeitseinstellung hier eintreten könnte, da die Arbeiter in sämmtlichen Fabriken eine Lohnerhöhung beanspruchen und wahrscheinlich auf Widerstand stoßen werden. •) Das„Katholische Kirchenblatt" hat im„Neuen Socialdemokrat" einen würdigen Kampfgenoffen gefunden; derselbe bemüht sich mit einem Eijer, der hoffentlich von Stieb er gebühxxtzch anerkannt wird, die Internationale Arbeiterassoziation zu einer geheimen Gesellschas t zu stempeln, welche Weiber gemelnschaft anstrebt. Sieh« Nr. 12 der„Neuen", Seite 2, Spalte 3. Am Montag wurde die Redaktion des„Volksstaat" in verschie- denen Prcßp ro'z essen verurtheiltund zwar nach folgendem Tarif: (Liebknecht) Beleidigung deS Kaiser? von Deutschland 25 Thlr. („Kartätschenprinz".) — Ditto 10 Thlr. („Kaiser Bomba") — Beleidigung des Königs von Sachsen 20 Thlr. (Besprechung einer Thronrede.) — Beleidigung eines Bezirksgerichts(Mut- Weida) 10 Thlr. (RUdt'scher Prozeß.) (Hepner) Beleidigung der Militärbehörden 10 Thlr. (Veröffentlichung von Soldatenbriefen.) (Liebknecht) Beleidigung eines Fabrikanten(Resch in Meerane) 5 Thlr Thiele, dessen seitdem eingegangene„Dorfzeitung" den Artikel mit der angeblichen Beleidigung des Königs von Sachsen abgedruckt hatte, wurde ebenfalls zu 20 Thlr. Geldbuße ver- urtheilt._ Mit der Dezembernummer des vorigen Jahrs ist die letzte des„Borbote" erschienen. Um bei dem außerordentlichen An- schwellen der Arbeiterbewegung in Deutschland seine Aufgabe erfüllen zu können, hätte der„Vorbote" bedeutend vergrößert werden müssen, jedoch im Ausland erscheinend wäre dann nicht auf den zur Kostendeckung nöthigen Absatz zu rechnen gewesen. Und so blieb nichts anderes übrig, als das uns allen thcuer gewordene Blatt eingehen zu lassen. Wir werden aber im Einverständniß mit unsercin alten Freund Johann Philipp Becker dahin wirken, daß der„Vorbote" im„Volksstaat" fort- lebe._ Mit dem 1. d. trat Parteigenosse Vahlteich seine �monatliche Haft in Hubertusburg an. Er ist verhcirathet und hat ein Kind._ Von Frau D itt rich aus Schandau erhält die„De- motratische Ztg." folgende Zeilen:„ES ist eine entsetzliche Lage, in der ich mich befinde, nachdem mein Mann ganz unverhofft und ohne irgend welche Vorkehrungen treffen zu können, zur Verbüßung seiner zehnmonatlichen Gefängnißstrafe einge- zogen worden. Es bedarf meiner ganzen Kraft, auch in diesem neuen Lebenssturm den Kopf nicht zu verlieren. Wer in ein Wespennest schlägt, setzt sich der Gefahr aus, gestochen zu werden, so hat das Freiheitsstreben meines Mannes uns Ver- folgungcn der traurigsten Art zugezogen. Unsere pekuniären Mittel sind durch Wegnahme, fortwährende Konfiskationen der Broschüren und Rummern der„Nemesis" erschöpft.— Dazu tritt noch die Lauheil im Zahlen der Schuldner— und leider die Gleichgiltigkeit des Volkes, für das mein Mann gestritten und gelitte»— o Freund! ist das ein Kämpfen. Heute hat mir der Drucker, dem wir nichts schulden, die Nr. 2 der „Nemesis" mit Nachnahme gesandt, die ich natürlich nicht an- nahm, 1) aus Grundsatz, 2) konnte ich es nicht. Unser Unter- nehmen war blühend, fortwährend kamen Bestellungen. Doch jetzt ist Alles gefährdet, wenn uns nicht Hilfe wird." Dazu bemerkt die„Demokratische Ztg." und wir schließen unS ihr an:„Wir richten an alle unsere Gesinnungsgenossen die dringende Bitte, der Dittrich'schen Familie und seinem Un- ternehmen beizuspringen. ES gilt einem wackern Streiter für Freiheit und Aufklärung ein Zeichen der Anerkennung zu geben. Hilfe geschieht durch Geldunterstützungeu und zahlreiches Äbonne- menc auf die billige„Nemesis". Alle demokratischen Blätter bitten wir um Abdruck der vorstehenden Zeilen." Das allgemeine und gleiche Wahlrecht im Weimar'sche» Landtage. Am 23. und 25. Ja», fand im Landtage die Berathung und Ab- stilninung über die Petitionen betreffs des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts statt. Kurz vor der überhaupt nur durch Petitionen aus allen Theilen des Landes hervorgerufenen Üerathung, traf auch die Petition oon Apolda ein. Mit 15 gegen 14 Stimmen wurde vom Landtag schließlilb das allgemeine und gleiche Wahlrecht verworfen, während die�Einsüyrung des direkien Wahlmodus angenommen wurde. Dagegen stimmten: Schomburg, v. Helloors, v. Rothenhan, v. Heine, Kohlenbusch, Heiden- reich, v. Horstell, Scheioe, Franke, Kappaus, Rönsch, Müller, Hilde- manu, Appelius. DieKlassenvertretung des gcogenGruud- besitzes und der sog. lOlii) Dh»ter-Mänuerwurde also b eibehalten. Wenn für eine solche Beibehaltung besonderer Bevorzugungen die Bevorrechtigten selbst stimmen, so ist oät erklärlich; dast aber die vom übrigen Boll Gewählten für e ne solche Bevorzugung eintreten können, ist fast unglaublich. Namentlich haben in dieserRichtunz die Abgeordneten aus Apolda und Umgegend sich auSgezeich net. Herr Scheide ausSiobra, Vertreter der ländtichen Bevölkerung, glaubt nicht für«ine solche Erweiterung deS Wahlrechts stimmen zu können. Ob er die ländliche, bis jegt nicht berechtigte Arbeiterbeoöl- kerung fürchtet? Wer kann's glauben? Die Interessen deS Volkes hat er aus keinen Fall vertreten. Herr Bürgermeister Franke, ein 43 politisch Gemaßregcl- ter, und ebenso vom Volke gewählt, scheint auch das Volk»och nicht reif genug zum allgemeinen und gleiche» Wahlrecht zu halten. Sollte er etwa, wie der Abg. Hildebrand aus Jena, meine», es würden dann nicht die nöthigen„Fnlelligeuzen" in den Landtag kommen, trotz- dem daß Herr Franke wissen muß, daß mancher Beamte seine Eristeuz dem gleichen und direkten Wahlrecht zu verdanken hat? Die braven „Intelligenzen II" Am besten dabei ist der Abg. Rö'nsch, der direkte und indirekte Vertreter des Volkes von Apolda. In wohltönender Rede erösjnete er dem versammelten Landtage,„daß er stets der fieiheittichen Entwicklung das Wort gesprocken", daß ihm aber der Schritt zum allge- meinen und gleichen Wahfrecht doch gleich zu groß erscheine; er sei nicht sür den Superlativ, der Comparativ genüge. Für das direkte Wahlrecht werde er stimmen, sür daS allgemeine npd gleiche nicht. Der freiheitlichen Entwicklung habe er stets das Wort gesprochen!! Herr Kappauf, welcher uns als höchst„intelligent" bekannt ist, stimmte auch dagegen, was uns gar nicht Wunder nimmt, da er bei andern Gelegenhetten, z. B. bei Abstimmung über die � Friedensgerichte, wenn wir nicht irren, in derselben Weise gebandelt hat; ist et ja auch seine Pflicht, Diejenigen zu vertreten, wetche ihm Glanz und Würde eines Landtagsabgeordneten zu sichern suchten, nämlich die 1000 Thlr.- Männer. Daß die Furcht vor der Sozialdemokratie, vor der Masse der Ar- beiter, der Grund gewesen sein sollte,— nein, das glauben wir nicht. Du aber, Volk, ehre deine Vertreterl Im Namen der Sozialdemokraten Apolda's. C. A.»teichelt; Julius Dorn. Im Kleinen wie im Großen. Lchwarzburg-Ruvolstadt. Im Fllrsteilthum Schwarzburg- Rudolstadt lBundes-Exekutiou seligen Andenkens) war der Land« tag am 13. Dez. v. I. zusammengetreten, um über neue Steuern zu berathen. Durch die Regierung zu der Alternative gedrängt, ent- weder eine neue Grund- und Gebäudesteuer oder 30 bis 35 Prozent Zuschlag zur Klassensteuer zu bewilligen, gab die Landtagsmajorität nach.— Unter andem,war auch eine Petition von Frankenhausen da, welche die Trennung der Schule von der Kirche forderte. Da nun die Petition diese Drage im großen Ganzen behandelte, und von einer Motivirung der Sache abgesehen war, dieses dem Landtage über- lassend, so wurde auch von dem Rechts-Ausschuß ein Antrag einge- bracht, dahin gehend: „Die Schule steht unter der ausschließlichen Verwaltung des Staates, die Schnlinspektoren werden vom>Liaate angestellt." Also der Staat kann demnach auch Geistliche anstellen; es liegt nur an ihm, es zu thun. und daß er es thut, darüber ist wohl kein Zweifel.— Da nun gerade bei der Schulfrage die Kirchenfrage er- örtert wurde, kam anch die famose Jesuitengeschichte zur Debatie(daß der Bischof von Paderborn Oberhirt über die katholischen Unterthanen des Fürstenthums sein soll), in die sich die Herren so hineinarbeitelen, daß der Abgeordnete �Parteigenosse) Welke sagte: „Meine Herren! Sie wollen ein Schulgesetz berathen, Sie wollen die Geistlichkeil aus den Schulen entferne», und dabei wird wahr- scheinlich ein Antrag zum Gesetz erhoben, welcher dem Staate das Recht giebt, Geistliche als Inspektoren anzustellen; dann haben wir «eiler nichts als einen, Formwechsel in dem todlen Buchstaben des Ge- setzes, im Prinzip ist es dasselbe wie heute; da aber doch, wenn der Antrag angenommen werden sollte, das Gesetz mehr abgegränzt werden muß, so stelle ich dazu das Amandement: „Gründlicher unentgeltlicher Unterricht in Volksschulen für Alle von Staatswegen." Welke legte nun seine Motive klar, bei der Abstimmung stimmte dafür— der Antragsteller!— Also in Allem bleibt es sich gleich im großen wie iin kleinen Staar. Der Arbeiter kann und darf nichts fordern, was die Bildung befördert, er würde sonst Vieles sehen, was er jetzt nicht sieht!!— Der erste Hofkavalier des Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt schlug mil der Peitsche von der Kutsche herab einen Bürger in's Ge- ficht; darüber zur Rede gestellt, erwiederte der Herr Hofmarschall k. Seiner Durchlaucht, von Humbracht:„ES ist so meine Ge- wohnheit."*)_ Lechhausen bei Augsburg. In Erwägung, daß die hiesigen Me- tallschläger-Gehilfen ihre volle Schuldigkeit m Hinsicht des Ehemnitzer Strikes gethan haben, glaubt Uiuerzeichneter erwarte» zu dürfen, daß auch die Arbeitseinstellung der Me'taltschlägergehitsen durch die Unterstützung der Parteigenossen siegreich durchgeführt wird. Einheitliches Zujammenwirkeli ist gewiß! Ludwig Jörg Vorstand des soz.-dem) Arbeiterv.„Vorwärts". Unterstützungen werden erbeten unter Adresse Jakob Blum Nr. 330. Pest, 20. Jan. Da in diesem Jahre das Parteiorgan noch keine Notiz aus Pest gebracht hat, so nehme ich mir die Freiheit, den aus- wärtigen Parteigenossen Verschiedenes mitzutheilcn, was um so nö- thiger ist, als man aus dem Umstand, daß Nie etwas berichte! wird, schließen könnte, daß hier wirklich Alles zu großer Zusriedenheit zu- gehen muß.— Doch man täuschte sich sehr!— Vor allem Anderen will ich über die schon bekannte Arbeits- einstellung in der„1. ung. Staats-Maschmen- und Waggonfabrik" Näheres mittheileii. Am 8. d. M. ließ die Direktion obengenannter„Staats-Fabri!" eine Hausordnung ankleben, welche eher in eine Sklavenhal- terei als in eine„1. ung. Staats-Majchineiifabrik" gepaßt hätte. Zur Charakterisirnng dieser samosen Hausordnung sollen nur fol- gcndc Paragraphen hervorgehoben werden: 8 1. Jeder Arbeiter hat seine früher erhaltenen, hauptsächlich aber sein letztes Zcngniß bei seinem Eintritte in der Werkftälte sei- nein Werkmeister zu übergeben. g 2. Die Arbeitszeit ist für da» ganze Jahr, von 7 Uhr Mor- genS bis 12 Uhr Mittags, von 1 Uhr Nachmittags bis 6 Uhr Abends. 4. Der Eintritt in die Fabrik kann nur Morgens um 7 Uhr und Mittags um 1 Uhr stattfinden. Das Thor wird präcis um 7 Uhr und 1 Uhr geschlossen. 8 5. Während der Arbeitsstunden darf kein Arbeiter die Fabrik ohne Erlaubniß oerlassen. 8 6. Die Auszahlung deS Lohnes findet jeden Samstag statt, 2 Tage nach dem erfolgten Abschlüsse der Lohnliste, jo daß die in den 2 letzten Tagen vor dem Zahltage verdienten Löhne erst am folgen- den Zahltage zur Abrechnung kommen. 8 6. Jedes Eintreten oder Austrete» aus der Fabrik auf einem auderru Wege, als durch den Haupteiugang, ist bei st. 5 — Strafe Untersaat. 8 9. Jedem Albeiier ist bei Vermeidung eines Abzuges von 25 kr. untersagt, unnöthigerweise in den Werkstätten oder überhaupt in der Fabrik umherzulaufen, sowie Anderein der Arbeit zu stören. 8 10. Mit Feuer und Licht hat jeder Arbeiter mit der größten Vorsicht umzugehen, das Tabakranchen in der Fabrik ist bei Strafe von SO kr. untersagt. § 11. Das Bringen von Speisen und Getränken in die Fabrik ohne besondere Erlaubniß ist nicht gestattet, und wird im Betre- tungssall mit 1 fl. ö. W. bestraft. 8 12. Jeder Arbeiter ist verpflichtet, iu die Krankenkasse der Fabrik statutengemäst beizutragen. tz 15. Da wo es abgeschlossene Verträge nicht anders bestimmen, ist man gegenseitig gehalten, 8 Tage vor dem Austritt aufzukündigen; solche Aus ündigunge» können jchoch nur am Zahltage selbst geschehen. Eine alsbaldige Entlassung kann stattfinoen: a) von Seiten des Etablissements, wenn der Arbeiter sich Folgendes zu Schulden kommen läßt: Ungehorsam, schlechte Arbeit lrotz mehrfacher Ermahnungen, Schlägereien, wiederholte vorsätzliche Ver- säumnig der Arbeilszert, wiederholte Trunkenheit, Veruntreuungen irgend einer Art, amtliche Beschlagleanng des Lohnes. b)Von Seiten der Arbeiter, wenn dieselben durch giltige Schriften nachweisen können, daß sie durch Angelegenheiten abgerufen werden, deren Erledigung sich nicht länger verschieben läßt. Bleibt demun- geachtet ein Arbeiter weg, ohne seine Entlassung erhallen zu haben, so hat er keinen Anspruch aus den ihm etwa gutkommen- den Lohn. 8 17. Die auf den Zahltag Bezughabeuden Reklamationen müs- sen längstens bis den darauf folgenden Montag Mittag angemeldet sein. Spätere Reklamationen werden nicht mehr bernckftchtigt.— Diese Auszüge weroeu genügen. Selbst die allerruhigften Arbeiter wurden durch diese„Hausord- nung" aufgerüttelt, indetn sie aus Elscheinen dieser Hausordnung iu corpore die Arbeit einstellten. Der bekannte„Gesellschaftsretter" Alex. Thaiß ward gleich mun- ter, und sandte 2 Kompagnien Militär zur Losouezer-Bahu, um die Gerechtigkeit sordernden Arbeiter zu bewachen. Er mußte aber zu seinem größten Bedauern sehen, daß die„unkultioirten" Arbeiter so schlimm waren, ihm zu Liebe kein„Revotutiönchen" anzuzetteln � er mußte daher nach 2-stütidigem„Warten" i»it seinem Militär wieder — aber ohne Ruhm— abziehen.— Die Ardeiter gingen ruhig nach Hause, und kehrten den andern Tag wieder zur Arbeit, da ihnen die Abänderung der Hausordnung versprochen wurde, was auch ge- s chah.— Von unsern Parteigenossen sind noch 4, Jhrlinger, Kul- földi, Farkas und Politzer, verhastest; man hofft, daß auch sie bald das Licht der Freiheit erblicken werden. Reundors b. Staßfurt. Ausbreitung der Partei. Wäh- rend wir bis er nur 12 Exemplare des„Volksstaal" bezogen, lesen wir jetzt 20, nebst 7 Exemplaren Braunschwriger„Volkssreund" und 1 Exemplar„Nemesis"— für ein Dorf von 4000 Einwohnern im Vergleich zu Berlin gewiß nicht zu wenig. Wenn überall, wo *) Solche„Gewohnheiten" sind nicht eher auszurotten, als bis die Bürger ihrerseits die„Gewohnheit" annehmen, jedem deliebigen— Humbracht die Peitsche zu entreißen un d aus dem Rücken herumtanzen zu lassen I R. d. V. wir Mitgliedschaften haben, für unser Parteiorgan so agitirt würde, wie hier, müßte der„VolkSiiaat" in Deutschland ebensoviel Abynnenten haben, wie die„Gartenlaube". Spandau. Wir haben hier in letzterer Zeit mehrere größere Versammlungen abgehalten, zum Theil über die Hirsch-Dnncker- schen Einigungsämter. Unsere Berliner Freunde haben un» da- bei durch agitatorische Kräfte unterstützt. Der Ortsvereinler, Herr Kirschstejin, zweiter Vorsitzender des HandwerkerbildungsvereinS, benahm sich in einer dieser Versammlungen als würdiger Anhänger des Knüppel-Lasker, denn er suchte in einer Weise Skandal zu machen, welche einem Tölckener alle Ehre machen würde._ Für Annoncen III. und IV. Quartal 1871. Hat zu entrichten: Döbeln: Arb.-P«rt. 5 Ngr.; Dresden: Int. Schuhm.-Gew 2 Ngr. 5 Pf.; Breslau: S.-d. Arb.-Parl. 3 Thlr. 4 Ngr. 5 Pf.; Berlin: S-d. Arb.-Part. 4 Ngr., Demokr. Arb.-Ver. 7 Ngr.; Han- nover: Int. Metall-Arb.-Gew. 10 Ngr., S.-d. Arb.-Ver. 1 Thlr. 14 Ngr. 5 Pf.; Meerane: Volksvcrein 7 Ngr. 5 Pf.; Köln: S.-d. Arb.-Part. 1 Thlr. 1 Ngr. 5 Pf., Int. Schuhm.-Gew. 7 Ngr., Int. Holzarb.-Gew. 8 Ngr.; Rochlitz: S.-d. Arb.-Ver. 12 Ngr.; Ham- bürg: S.-d. Arb.-Ver. 1 Thlr. 24 Ngr.; Pforzheim: S.-d. Arb.- Part. 10 Ngr. 5 Pf.; Hohenstein-Ernstthal: S.-d. Arb.-Partei 3 Ngr.; Kassel: Krankenk.-B:r. 12 Ngr.; S.-d. Arb.-Part. 5 Ngr.; Marburg: T.-d. Ard.-Part. 5 Ngr. 5 Pf.; Chemnitz: S.-d. Arb.» Part. 6 Ngr. 5 Ps.; Waldheim: Prod.-Genoss. 20 Ngr. 5 Pf. Frankenberg i. S.: S.-d. Arb.-Ver. 11 Ngr.; Barmen: S.-d. Arb.-Part. 3 Rgr.; Waldenburg: VolkSoer. 3 Ngr.; Reichend ach i. V. S.-d. Arb.-Part. 0 Ngr. 2 Pf.; Lunzenau: Arb.-Ver. Vor- wärts 0 Ngr. 5 Pf.; München: S.-d. Arb.-Part. 4 Ngr.; Er- fürt: Int. Gewerkschaften 5 Ngr. 5 Ps.: Bremen: Arb.-Ver. 2 Ngr. Weimar: S.-d. Arb.-Part.4Ngr.5Pf.; Glauchau: VolkSvireiii4 Ngr. 5 Pf.; Mylau: Int. Fabr.- und Handarb.-Gew. 5 Ngr.; Solingen: S.-d. Arb.-Part. 7 Ngr.; stollberg: Arb.-Bild.-Berein 5 Ngr. 5 Ps.; Gera: S.-dem. Arb.-Ver. 2 Gr.; Connewitz, Sozial- demokratischer Arbeiter- Verein 7 Ngr. 5 Pf.; Augsburg: S.-d. Arb.-Part. 3 Ngr. 5 Pf.; Zwickau: Int. Holzarbeitergew. 3 Ngr.; Mühlheim a. Rh.: Int. Mannfaktur-Gew, 11 Ngr. 5 Pf.; Herborn: S.-d. Arb.-Part. 0 Ngr.; LelSnig: S.-d. Arb.-Part' 5 Ngr.; Luckenwalde: S.-d. Arb.-Part. 3 Ngr. 5 Pf.; Koburg: S.-d. Arb.-Ver. 2 Ngr. 5 Pf.; Offen dach: S.-d. Arb.-Part. 9 Ngr. 5 Pj. Wir bitten, die obigen Annoncenbeträge uns recht bald, und zwar kleinere Beträge tn Briefmarken, einsende» zu wollen. Künftig werden wir die Annoncenbeträge monatlich ver- öffentlichen._ Die Expedition. Von der„Erpedttton deS„VolkSstaatS" sind zu beziehen: Engels, Deutscher Bauernkrieg. (7 Bog.) einzeln 5 Gr. in Port. 4 Gr. Verhandlungen des Baseler iv. Kongresses SeS tnternat. Arb. Bundes mit Bericht SeS Gene- ralrathes.(8 Bog.).....„ SV,„„ 3„ Liebknecht, Zu Trnt; und Schutz.„ 2'/,„„ 2„ Bei dem Unterzeichneten ist soeben erschienen und in allen Buch- Handlungen zu haben: „Es werde Licht". Poesteen vou Leopold Jacoby. Berlin 1872. Ladenpreiß 12 Sgr. Bei größeren Aufträgen(6 Ereinp- lareu und darüber), welche dnrchVermittelnug der Buchhand- lung des Ortes an mich gelangen, wird der Preis»ur 7'/, Sgr. pro Exemplur ermäßigt. (3,2)_ H, E Oliven, Louisenstr. 45. 3uvcrlässige Arbeiter für Pigliofortebau finden dauernde Beschäfti- guiig bei Setfarth in Mannheim. Tägliche Arbeitszeit 9'/» Stunden bei durchschnittlich 25°/» höherem Arbeilspreis.) (w) 2_ Zur Agitation. An die Parteigenosjeu zu Borna bei L-iozig, Rötha, Gössniß bei Altcnburg, Laussgk, Oschaß, Großenhain. Meißen, die Bitte, mir bis spätestens den tO. Februar die Adressen der VenranenSmäii*er oder Vorsteher, oder irgend eines andern Parteigenossen zukommen zu lassen. An die Leser des„Volksstaal" an folgenden Orten: GroßröhrS- dorf bei Bischofswerda, Baußcn. Zittau, Brand bei Freiberg, Siebenlehn bei Nossen, Roßwci», Annaberg und Finsterwalde! Senden Sie mir gefälligst umgehend eine Adresse bi» zum 10. Februar ein. Chemnitz, F. H. Simon, Augnstnsburgerstraße Nr. 15 Hinterhaus 2 Treppe» bei Breitfeld._ Für Breslau. Sozial-demokratische Arbeiterpartei. Montag, den 5. Februar Abends 8'/, Uhr öffentliche V