M 17 Mittwoch, 28. Februar E. Icheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- landes an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, Pelersstraße 18, F.Thiele, Emilienstrahe 2. 1872 Erscheint wöchentlich 2 ma in Leipzig. AbonnrmmlSprrt»: Kür Hungen incl. Stempelsteuer 16 Jfqt., für die übrigen deutschen«raateu 12 Ngr. per Quartal. Filialerpedition für die Ber- einigten Staaten: F. A. Sorge, Box 101 HobokenN.J. via New Jork Organ der soMl-demokratischenArveiterpartei und der Jnternationaten Gewerksgenossenschasten. An die Parteigenossen. Der Leipziger Polizeidirettor hat dem verantwort- lichen Redakteur dieses Blattes eine Haftstrafe bis vier Woche» angedroht, falls noch einmal eine Aufforderung zu Sammlungen im„BolkSstaat" er- lassen würde. Bis der Eutscheid der oberen Behörde ans unsere Beschwerde cintristt, müssen wir uns dem Viachtspruch fügen. Wir bitten daher die Partcige- genossen, bis auf Weiteres in ihren Strike- und Mast- rcgcluugsbcrichtcn auf die uns vorläusig auferlegte Beschränkung Rücksicht zu nehme». Red. d.„BolkSstaat." Tie soziale Frage und unsere Gesetzgeber. Dem Frankfurter„Journal" gehl folgender Bericht ans Karlsruhe(6. F. 15 Febr.) zu: Die soziale Frage bildete eins der gestrigen Lerathungslhemata der ll. Kammer. Die llerikale Partei hatie schon vor Weihnachten die aus die soziale Frage bezügliche Interpellation eingebracht, zu deren Beanlworlnng sich der HandclLminisler v. Du s ch gestern bereit erklärte. Begründer wurde die Jnieipellalion durch den Abg. Jung Hanns, der hierbei vorweg erNärte, es handle sich nicht um ein Partcrinteresse, sondern um ein sachliches Jnlerrsje. Die Anfrage halle zwei Theile: 1) Welches ist die Anzahl und die Lage der Arbeiter in Baden? 2) Sind der großherzoglichen Negierung soziale Mißstände bekanm geworden, zu deren ÄbsteUurrg sie die Mitwirkung der Sländeversamm- Utng in Anspruch zu nehmen gedenkt?" Art 1) gibt der Handelsmmister zahlreiche statistische Erhebungen; No. 2 verneint er. Frühere Beschwerden seien durch die ReichSge- setzgebung eiledigt worden. Die.Regierung sichere übrigens zu, die soziale Frage unausgesetzt im Auge zubehalten. Reum an n(klerikal) erllartsich mit der Antwort der Regierung befriedigt(I), gab dann inagere statistische Notizen über die Ardeltervelhältnissc des Wiejenthals und konstatirl, daß die Juternalionale dort allen Boden verloren habe(?>, und in der uahen Schweiz ihre Eoiivennkel halten müsse. Redner em- psahl die Gründung von Arbeile>wohnuiigen, Bildungsvereineu und Schiedsgerichten. Siadtpfarrer Baier erwähnt eine Flugschrift des Abgeordneten und Fabrikanmi stsi. Müller, der beklagt habe, daß eine große Anzahl von Arbeiiern dem roheslen Materialismus(!) anhingen, und diejeiiigeu als ein„Rindvieh" bezeichnen, welche noch etwas glauben. Das sei es: der Unglaube sei an vielem Elend schuld, und an diesem Uiiglaubeu wiederum die Presse, welche die heiligsten Dinge in den Kreis ihrer kruischen Beleuchtung ziehe. Frömmigkeit(d. h. Unw issen- h.e it R. d. B.) müsse wieder hergestelll werden, duse sei zu allen Dingen nütze, sowohl zu diesseiligen als, zu jenseiligen. Das stehe in der Bibel. Der Abg. Kieser ist der Ansicht, die Interpellanten hätten sich die Sache gar zu leicht gemacht. Wenn man, wie der Abg. Neumann, der Re- gierung in dieser Sache vertraue, warum stelle man sie zur Rede? Statistisches Material könne Jeder bringen, das iördere leinenSchrilt.(I) Mit dieser Behandlililgsiveise setzten sich die In- terpellanteu dem Verdachte aus, als wollten sie sich sür ihre Partei das Lob einer ganz ausgesuchicn Theilnahme au der Lage der arbei- Stenden Klassen erwerben und zeigen, daß die andern Parteien diese Theilnahme nicht haben. Dem gegenüber machte er aber daraus aus- nierljam, daß gerade jene Partei es sei, deren Presse dasWoit„Mast- bürg r" erfunden und den Klassenhaß geschürt habe. Die Parteien sollen sich in dieser hochwichtigen Frage Konkurrenz machen, aber nicht mit Interpellationen, sondern mit Gesetzvorschlägen. Auch die libe- rale Partei(?) erkenne an, daß mit der Selbsthülfe nicht alles gethan sei; auch der Staat müsse das Seinige thun. Der Abg. Tritschcler ist derselben Ansicht und glaubt, die Jnter- pellalion sei nur gestellt, um darzuthun, daß die Kirche allein im Stande. die soziale Frage zu lösen. Dem gegenüber weist er darauf hin, was von seilen der Arbeitgeber schon zur Vei besscrung der Lage der Arbei- ler in Bezug aus Umerstützungs- und Krankenkassen, Unterricht tc. ge- schehen sei. Freilich erklärten die Hetzer und Schürer, die hinter den Arbeitern ständen, das alle« nicht sür genügend. Abg, Müller-Psorz- heim ist s.lbst Arbeiter gewesen und der Ansicht, die Lage der Arbeiter sei nicht so schlimm, als sie geschildert; das Schlimmste sei, daß sich die Arbeiter der Belehrung(!) so schwer zugänglich zeigen. Daran seien die Führer schuld, die entweder unwissend oder übelwollend seien und vom Ardeitgeber nur als„Mastbürger" und„Geldprotz" sprä- chen. Der Abg. Eller glaubt, durch eine gerechte Steuergesetzgebung, Unterricht, diretle Wahlen und Baugenossenschaften würde die Lage der Arbeiter erleichtert und die Versöhnung der Stände angebahnt. Für direkte Siaatshülfe ist der Redner nicht, soudern nur für Eingreifen auf dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung. Daß sich die direkte Staats- hülse nicht dewähre, das hätten Vorkominnisse in Frankreich gezeigt.(?) Nach einem Schlußworte des Abg. Junghanns wird der Gegenstand verlassen. Die badische Regierung, bekanntlich die„liberalste" in Deutschland>und ganz nach dem Herzen unserer nationallibera- len Bourgeois, verneint also die Eristenz sozialer Mißstände, mit denen die Gesetzgebung sich zu beschäsiigen habe! Und die „liberale" Majorität tritt dieser Ansicht bei, indem sie den „Gegenstand verläßt." Charakteristisch ist die Angst des„libe- ralen" Hrn. Kiefer vor„statistischem Material";(dieselbe Angst äußerte sich aus„liberaler" Seite in der sächsischen Kammer bei Gelegenheit der Debatte über das Dainpjkesselrevisoren- resp. Fabrilinspektoren-Gesetz.(Siehe unten.)„Statistisches Material" heißt B e l a st u n g s m a t er i a l gegen die heutige Produktions- weise. Daß die badischen Arbeiter weder den Predigten der Pfaffen, »och der„Belehrung" des„liberalen" Confusionsraths Müller„zu- gänglich" sind, nehmen wir mit Vergnügen iwi acta. Was endlich der letzte Redner, der„liberale" Hr. Eller, über mißglückte„Staats- hülfe" in Frankreich gesagt, zeigt uns von Neuem, wie wenig die Bourgeoisie gewillt ist, der Wahrheit die Ehre zu geben. Hr. Cller spielte offenbar auf die National Werkstätten nach der Februarrevolution an, und fußte auf der hundertmal widerlegten Tendenzlüge, daß dieselben einen sozialistischen Charakler gehabt hätten, während sie umgekehrt zur Be- kämpfung des Sozialismus gegründet worden sind.— Im sächsischen Landlag erklärte der Minister des In- nern vonNosritz-Wallwitz, anläßlich eines Regicrungsantrags auf Vermehrung der Gensdarmerie, die sächsische Bevölkerung habe einen„ordentlichen und gesetzlichenden Sinn", aber„die Sozialdemokratie säe in Wort und Schrift Haß und Verach- tung";„die Regierung werde ihr nach wie vor mit Energie entgegen treten," allein dazu brauche sie„mehr Gcnsdarmen." Die Kammer genehmigte nach kurzer Debatte die„mehr Gensdarmen", 50(fünfzig) ganze Mann! Wir wollen nun ab- warten, wieHr. von Rostitz-Wallwitz„die Gesellschaft rettet." Einst- weilen wird die Sozialdemokratie fortfahren,'„Haß und Verach- tung zu säen" gegen Alles, was Haß und Verachtung verdient, und sie giebt sich sogar der frevelhaften Hoffnung hin, daß selbst ein Herr von Rostitz-Wallwitz mit der Zeit einsehen wird, daß 50, und auch 500,000 Gensdarmen nicht hinreichen, die soziale Frage ans der Welt zu schaffen. Sozialisten einstecken ist zivar leichter, als die soziale F/age studiren, allein leider hilft's auch nichts, und wenn Hr. von Rostitz-Wallwitz nicht kläglichen Schiffbruch leiden will, wird er sich doch noch, wohl oder übel, ans die Hosen zu setzen haben. Die nölhigen Bücher und Broschüren sind von der Expedition dieses Blattes zu beziehen, der.wir Auftrag gegeben haben, dem Herrn Minister ein Verzeichnis derselben ftauco zuzustellen. Politische Uebersicht. Sticber lebt noch. Die offiziöse Leibsorrespondenz*� Bismarck's,. die sogenannte„Correspondenz Stern", bringt folgende Mordgeschichte: „Die Polizei soll Individuen aus der Spur sein, welche das Leben des Reichskanzlers bedrohen. Wenn gebildete Männer Anklagen schlendern, denen zufolge Fürst Bismarck den Bestand des Christen- Ihiims antasle, da ist es nicht zu verwundern, daß sich nngebildcie Fanaiiler finden, welche i» Gottes Namen darauf ausgehen, den bösen Feind ans dem Wege zn räumen. In den Gewohnheilen des Reichs- kanzlers ist, wie man in Berlin täglich wahrnehmen kann, keine Atnde- rung eingetreten, welche erkennen ließe, daß der Fürst sich durch War- nnngen, die seine Person betreffen, bestimmen läßt." In den„Gewohnheiten" des heldenmüthigen Reichskanzlers ist insofern keine Veränderung eingelreteu, als er an seinem „historischen" Panzer hartnäckig festhält. Daß diesmal die JSsuiten herhalten müssen, ist durch die Rvlhmendigkeit ge- boten, den jüngsten Karnevalsrummel auszupuffen, und den Widerwillen des Herrenhauses gegen das Mühler'sche Schul- aufsichtsgesetz zu überwinden. (Seit Obiges geschrieben, hat die Entdeckung- eines Bis- marckmörders, Ältentälers glücklich stattgefunden. Es ist ein Apothekergehiilfe aus Posen, Katholit*"*), den ein Spion in seiner Balerstadt drohe» hörte,„es werde in Berlin bald Alles anders werden."„Glücklicherweise nicht unbeachtet", d. h. von Spionen insgeheim verfolgt, reiste er neulich von Posen nach Berlin, stieg bei seinem Adopilvvaler, dem Küster der Hedwigskirche ab, und wurde dort von der öffentlichen Polizei, die nun zur Rettung des Reichskanzlcrischen Lebens einschreiten, mußte, verhaftet; im Besitz des schrecklichen Apo- ihekers fand man ein— Terzerol! Als ob Cohen(den das nationalliberal-republikanische Staatswaschweib Blind in Lon- don fälschlich als Sohn annektiren möchte) nicht schon vor fast 6 Jahren den Beweis geliefert hätte, daß der Panzer des„Eisernen" für solche Sackpuffer undurchdringlich ist!— UebrigenS sei noch bemerkt, daß, wie wir aus Notizen in den Berliner Blättern ersehen, Hr. Stieber in Person die Mord- geschichtc in Szene gesetzt hat.— Der in Berlin tagende la» dwirth schaftl i ch e Kongreß, auf dem hauptsächlich die Deutschen Großgrundbesitzer vertreten sind, hat folgenden Antrag angenommen: „Der Kongreß wolle durch seinen Ausschuß eine aus sieben Mit- gliedern bestebendc Nommission zur Prüfung der wirthsckaftlichcn Lnfle der ländlichen Arbeiterklasse und Berichterstattung da- rüder an drii nächstjährigen Kongreß erilenneii. Motive: Die soziale Frage oder diesFrage:„Wie ist den arbeitenden Klas- sen ein mit dem steigenden NatioiialreichthumI mitstcigender Loh» zu sichern?" hat sich innner mehr in den Vordergrund gedrängt und ist gegenwärtig Gegenstand amtlicher Untersilchungen in Dentjchland, Nord- amerika und Frankreich geworden. Es ist wahrscheinlich, daß die Er- süllung der in dieser Frage liegenden Forderung nur durch Maßregeln erreicht werden kann, die, vom Staate ausgehend, ihre Hebel nicht nur an dem Einzelbetriebe oder auch nur a» den verschiedenen Aibeiter- klaffen je besonders, sondern an dem nalional-wirthschaftlichen Zustande im Ganzen ansetzein Aber wie dem sein mag, jedenfalls ist die Er- forschung der gegenwärtigen wirihschafllicheii Lage der arbeitenden Klassen eine unumgängliche Vochedingung eines gedeihlichen Resulia- tes jener amtlichen Uiiierslichniigen. Wie hoch ist heute der Arbeits- lohn, an den realen Gütern des Lebens gemessen? Ist dieser Reallohn vielleicht gar gefalle», während der Geldlohn gestiegen lind das reelle Nationaleiiiloinmen veihältnißmäßig auch gestiegen ist?— Diese Er- sorschung, die unuingänglich den zu ergreifenden staatlichen!Maßregeln vorangehen muß, kann aber allerdings, ja muß an de» verschiedeucn Arbeilerklassen je besonders vorgenommen werden; sie an den länd *) Unter„Eorrespondenzen" versteht man die(in der Regel lithographinen oder aulographirten) nicht direkt für das Publikum sondern zum Abdruck für die Zeitungen bestimmten-Blätter. So gab es bis zum Ausbruch des Krieges eine„Demokratische Correspon- denz"(redigirt von dem weitaiid Demokrat Frese in Stutigart), gibt es m Beilin eine„Liberale Correspondenz"(1,C>, eine osfizielle„Pro- vinziallorrespondenz" und eine offiziöse„Correspondenz Stern"; die „Proviirzialkorrespoirdenz" verhält sich zur„Corres..virdeiiz Stern" wie der„Staalsanzeiger" zur„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". *•)„fanatischer" Katholik sagt der Polizeiberichr, und fugt als be- sondnis gravirenden Umstand bei, der sirould-ble-�Sollle sein-) Attentäter habe weiland»nier den päpstlichen Zuaven gedient— was beiläufig auch ein Redaklen r der„Norddeuisch en Allgemein en Zeitung" gethan hat, ohne daß dieser oder gar das Bismarcksche Leibblati deßhalb dem Hrn. Stieber verdächtig geworden wäre. R. d. V. liehen Arbeiterklaffen vorzunehmen, ist durch die allgemeine Dringlichkeit der sozialen Frage ebenfalls dringend geboien. liegt in der natnrlieben Kompetenz eines Kongresses deutscher Ländwirthe und ist seiner großen Aufgabe auch sicherlich würdig". Gestellt war der Antrag von R. Meyer, Rodder tus- Jagetzow, und Schuhmachcr-Zarchlin, und unterstützt von: I. Neumann-Posegnick. Wilmans. Belker Greifswald. Scherz-Krenzlin. Graf Wintzingerode. Prof. Richter-Tharand. v. Stein-Kochberg. H. A. Bueck. Jacvbs-Treskow. Seiler. Ferd. Knauer. v. Wedell-Maichow. Professor Orth-Berlin. A. G. Siemssen-Voßberg. Hcid-Kinderfreude. Wenn wir auch trotz des unter dem Antrag stehenden Ra- mens von Rvdberlus die„Arbeiiersreundlichteit" der Herren Großgrundbesitzer wesentlich als politisches Manöver betrachten müssen, so ist doch immerhin die Annahme eines solchen An- trags ein bedeutsames Zeichen der Zeit. Was auch die Motive sein mögen, die Dringlichkeit der sozialen Frage ist dnrch diesen Schritt anerkannt.— Die Sächsische Ständckammer hat den Antrag der Re- gierung betr. die Ve» Mehrung der Dampskeffelrevisoren undderen Verwendung als Fabrikinspektoren aitgknommen. Derselbe lautet: 1. die Zahl der Dampfkesselrevisionsbezirke wird zunächst auf 4 vermehrt; 2. bei Anstellung der Revisoren wird das bisherige Princip der Behandlung des Revisionsgcschäfts als Nebenge- schäft thunlichst verlassen und darnach die Stellung der zn diesem Geschäfte zu wählenden maschinenbaukundigen Techniker bemessen; 3. man macht den Versuch, die Dampfkesselrevistonsbe- amtcn zugleich als Aufsichtsbeamte(Fabrikinspektoren) in Bezug auf die Bestimmungen der Gewerbeordnung wegen Beschäftigung von Kindern in den Fabriken und zum Schutze derArbeiter gegen Gefahren für Gesundheit und Lebenau benutzen. Mit der Debatte über diesen Antrag beschäftigen wir uns in nächster Nummer. Düsseldorf. Zu einer Versammlung in München-Gladbach war ich als Re;erent eingeladen, um über die Prinzipien der Jrnernaiionalen zp sprechen.— DerBericht darüber in derHatzfeldt'schen„Freien Z-itunz" ist einseitig und gefälscht. Es heißt daselbst:, Rademann beleuchtete die Prinzipien oder vielmehr die Prinzipienlosigkeit der Jnteinationa- len". Wie der Beooll, nächtigte Sauren, dessen Name mit uiuer- zeichnet ist, da;u kommt, begreife ich nicht. Die Arbeiter Gladbachs erden es mir bezeugen, daß ich in der Einleitung Folgendes be- merkte: „Wenn ich über die Prinzipien der Internationalen spreche und Sie mit einem Vorurt.>eil gegen dieselbe hier anwesend sind, so wer- liche Geschimpf des„Neuen Sozialdemokrat," beionderS bei der Rede Bebel's im Reichstag, die jeder vernünftige Mann aecepliren muß, sireichen lassen. Für die Agitation des Heren Mende bin ich deshalb eingetreten, weil die Forderung an den Staat in Betreff der Naiional- Bank*, so wie die Einigung der Deutschen Arbeiter gerecht und oer- nünstig ist. Ich werde nie mehr zu herrschsüchtigen Zwecken eines Einzelnen agitiren; kämpfen wir für das Recht der Arbeit, aber nicht zum Vergnügen Einzelner." Ich eruuerie hier an die Worte de« griechischen Weisen:„Erkenne dich selbst," erläuterte unser Pro ramm und das der Internationalen, und wies nach, daß sie wesentlich ein und dasselbe sind, und daß nur der Personentullus die Schuld trägt, weshalb die Arbeiter nicht unter einander einig sind. Zum Schluß machte ich auf die Organe ber Partei aufmerksam und rügte, daß man in der Versammlung am 14. Dezember vorigen Jahres in Gladbach den„Neuen Sozialdemokrat" so wie den„Volks- st at" verdammt habe; ich erinnerte, man möge nicht in die Zeit der Priester-Herrschaft zurückfallen, wo AlleS, wa» dieser Klasse nicht in den Kram paßte, verdamint und verbrannt wurde. Ich habe aufge» fordert, nächst der„Freien Zeitung" zuerst den„BolkSstaat" zu lesen, »nd— wer es kann— auch den„Sozialdemokrat," nur dann erst kann man ein Urtheil über die Sache fällen; denn das wird Jeder begreisen, daß bei einem Verein mit einem Präsideiiien, der über das Organ zu verfügen hat, dasselbe stets im Interesse des Präsidenten schreibt und denselben lobhudelt. Da ich bis Dato den„Sozialdemokrat" und de» „VolkS staat" gelesen, so konnte ich nur über diese beiden Blätter ur- theilen. Ich erklärte also Folgendes: Der„Sozialdemokrat' schreibt, wie e« der unfeblbare Präsident haben will, im Uebrigen schimpft daS Oigan auf alleDiejenigen, die nicht blind sich seiner Unfehlbarkeit»n- terwerfen; der„Votksstaat" ist ein belehrendes demokratisches Blatt. Hierauf nahm Herr Schwiers aus Gladbach das Wo l und bewies, daß die„Freie Zeitung" dieselben Tugenden an sich habe wie der „Sozialdeinokrat". Es wurde eine Resolution gesaßt: an die drei Or- gane zu schreiben, in Zukunft nicht mehr von einzetnen Leuten Schmäh- ärtikei in Piivatangelegenheiten aufziuiehmen, und nur solche Berichte über Volksver ammlungen, die von dem Vorsitzenden unierzeichnei sind, abzudrucken. Diese Reiöiuiion hat man in der„Freien Zeüstug" nicht eiurllcken lassen, die Resolution, die in genanntem B aue steht, ist in der Versammlung nichi beschlossen; wohl aber hat die Versaimnlung beschlossen, den„Sozialdemokrat" aufzufordern, die Lügen des M. Stöhr zu widerrufen. Meine Idee ist die: Es ist i ir ganz gleich, ob die Panel Hasen- klever, Mende oder die Eisenacher die Versammlung emberust; wenn nur auf der Tagesordnung„die Prizipien der Sozialdemokrane" steht, so bin ich bereit, allenthaiden, wo es verlangt wird, eizuireten und zu kämpfen für das Recht der Arbeit, nie aber werde ich sür einzelne Personen oder in persönliche Streiiigkeilen mich einlassen. Als aknves Mitglied kann und werde ich mich nie anders als dem Internationalen Programm anschließen; ein'jeder vernünftiger(nicht fanatistiiet) Arbeiter muß einsehen, daß die soziale Frage nur durch das iniernatio- nale Zusaiinnenwirken Aller europäischen Culiur-Slaalen zum Ziele gelangen wird. Mit demolratischem Gruß. B. Redemann. Düsseldorf,«urzestr. 14. •) Doch nicht an den heutigen„Staat"? R. d. V. Der„wahre Demokrat" als Polizeidirettor. In Nr. 100 und 102 d. Bl. von vor. Jahre haben wir anläßlich der Maßregelungen, welche die Leipziger Polizei vor 2 Monaten gegen die Sozialdemokratische Partei anzuwenden beliebte, uns ein wenig mit dem Chef der genannten Behörde, Herrn Ör. Rüder, beschäftigt, indem wir nachwiesen, wie dieser Beamte, welcher seine durch das Vertrauen der Mitbürger erhal- tene Stellung nur seinem 48er Demvkraten-Rufe verdankt, selbst die bescheidensten Erwartungen seiner Wähler") getäuscht hat, in- dem er—„noch katholischer als der Papst"— nicht blos die reaktionärsten Gesetze der von ihm jahrelang bekämpften Beust'- schen Aera in ausgedehntester Weise zur Geltung bringt, son- dern sogar ihnen bisweilen eine so willkührliche Auslegung gicbt, daß selbst Kreisdireklion und Ministerium ihn desavouiren müssen. Man hatte nun vielerseits geglaubt, daß die Blamage, welche Herr Rüder durch die ihn zurechtweisenden Beschlüsse der Ober- behörden in Sachen Liebknechts(Aufforderung zu Sammlungen, was Herr Rüder mit 8 Tagen Haft belegen wollte) erlitten, sowie die rücksichtslose Berurtheilung seiner Amtsführung in der Dresdner zweiten Kammer dem Unterdrückungseiser des gewal- tigen Herrn EpDemokraten einen Dämpfer aufsetzen werde. Jndeß weit gefehlt. Herr Rüder maßregelt mit ungeschwäch- ter Lust fort. In voriger Woche wurde der verantwortliche Redakteur d. Bl. wegen Aufforderung zu Sammlungen im Ar- tikel„Unsere politisch Gemaßregelten"(s. Nr. 11 d. Bl.) vom Polizeidirektorium zu vierzehntägiger Haft verurtheilt. Es ist natürlich Rekurs erhoben worden und alle Wahrschein- lichkeit für den. günstigen Erfolg desselben vorhanden.— Weiter: das Inserat in Nr. 13 d. Bl., in welchem W. Fink Statuten und Mitgliedsmarken der Internationalen zum Verkauf bietet, veranlaßte das Polizeiamt, dem Genannten eine Vorladung zuzuschicken mit dem Befehle,„den Nachweis über den von Herrn Marx erhaltenen Auftrag zum Vertrieb der Statuten rc., sowie die sonstvon dem selben h erg esandten Druckschriften mitzubringen." Man wäre leicht versucht, zu glauben, daß Herr Rüder bei den Hottentotten sich seine Rechtskenntnisse erworben habe, denn ein so ungerechtfertigtes Ansinnen, wie das von ihm an Fink gestellte, findet nicht in einem einzigen Paragraphen des ganzen Gesetzbuches einen Rückhalt. Jedermann weiß, daß das öffentliche Feilbieten und der Verkauf von Statuten und Mit- gliedsmarken einer nicht verbotenen Gesellschaft, auf Grund des Gewerbesreiheitsgesetzes, ebenso erlaubt ist wie der Verkauf von Stecknadeln und Streichhölzern; und ebensowenig wie das Letz- tere einer polizeilichen Genehmigung bedarf, erheischt es das Erstere.—' Noch mehr: selbst wenn durch irgend ein(uns vorläufig gar nicht denkbares) Urtel die Mitgliedschaft der Jnternatio- nalen als gesetzwidrig verboten wäre, hätte die obige Vorla- dung»och immer keinen Sinn. Denn die Behörde kann wohl den Zuwiderhandelnden fragen:„Woher haben Sie diese ver- botenen Statuten u. s. w.?"— eine Frage übrigens, deren Beantwortung auch keineswegs durch Zwang herbeigeführt wer-, den darf—, nimmermehr aber kann die Behörde sagen:„Füh- renSie den„Nachweis", daß Sie die Gegenstände vonX. in X. erhalten haben." Der Ankläger hat den Beweis zu führen, für das, was er behauptet, nicht aber der Angeklagte die Verpflichtung, sich auf einen völlig ungezründeten Verdacht hin reinzuwaschen. Allgenommen also den ebenso unwirklichen wie unmöglichen Fall, daß die Mitgliedschaft der Internationalen ge- schlich verboten wäre, so hätte daruin Herr Rüder noch immer kein Recht, zu verlangen, daß man„nachweise", von Marx die Statuten u. s. w. erhalten zu haben. Vielmehr muß Herr Rüder, wenn er glaubt, daß der Grad des Verbrecherischen in dem Verkauf der fraglichen Statuten dadurch noch erhöht wird, daß sie von Marx geschickt worden sind, selber„nach- weisen," daß sie von Marx herrühren. Herr Rüder hat also einen kolossalen Bock geschossen; er hat nicht bloß, wie schon manchmal, in exorbitanter Weise seine Amtsbefugnisse über- schritten, nicht bloß, wie schon manchmal, eine für einen Be- amten beschämende Gesctzunkenntniß bewiesen, sondern auch gezeigt, daß sein Gehirn der Auffassung von Rechtsbegriffen unzugänglich ist, über welche alle Welt schon lange einig ist. Wir wären gar nicht in der Lage, dieses. Verfahren eines hoch- gestellten Beamten, der noch dazu ei» studirter Jurist ist, zu begreifen, wenn Herr Rüder nicht selber unserm Verständniß zu Hilfe käme. In den von ihm redigirten Robert Blum'schen „Vaterlandsblättern" heißt es nämlich Seite 605,, Jahr- gang 1848: „Es giebt leider in allenItaaten noch solche Beamte aus der alten Schule, die die neue Zeit und ihren Grundsatz, das; Alles erlaubt, was nicht verboten, nicht begreife» können, und wen» man ihnen dieselbe mit einem Nürnberger Trichter tu ihre« dicke» Schädel hineinfiltrirte." So schrieb vor 24 Jahren Herr Rüder. Wir können beiläufig zur Illustration dieses Renegaten, der auf Seite 666 und 689 desinirt, was„wahre Demokratie" ist, noch viel erbaulichere Stellen aus den„Vaterlandsblättern" mittheilen: Seite 605 heißt es bezüglich der Auflösung und des Verbots von Vereinen und Versammlungen wie folgt: „In Berlin verhandelt die Nationalversammlung über Mittel, „unerlaubte Volksversammluilgen und Zusammenrottungen" zu ver- hindern, d. h. dem alten Polizeistaar sich wieder zu nähern. „JllBaiern sind die„demokratischen Vereine" ebensalls verboten worden. Sie bezielten, heißt es in der betr. Verordnung, die Einführung einer demokratischen Republik, also die Aufhebung der Selbstständig- keit der einzelnen deutschen Staaten: „Dadurch sei ihr staatsverrätherischer Charakter nach den bairischen Strafgesetzen zur Genüge bezeichnet. Die Schlüsse sind et- was sehr kühn. Und was helfen alle solche Verbote! Die Meinung, die einmal vorhanden ist, rotten sie doch nicht ans. Sie wird unter einem andern Namen in Vereine zusammen- treten und ihr Zrel, nur etwas versteckter, zu verfolgen suchen.".. Ist Herr Rüder wirklich so schwachsinnig, daß er nicht im Stande ist, sich die letzten Zeilen aus dem„Demokratischen" ins„Sozialdemokratische" zu übersetzen? Können wir nicht seine eigenen Worte gegen ihn zu Felde führen, indem wir ihm, der unsere Parteiversammlungen verboten hat, zurufen:„Was Helsen alle solche Verbote?"„Die Meinung, die einmal vorhanden ist, rotten sie doch nicht aus. Sie wird unter einem and ern Namen in Vereine zusammentreten und ihr Ziel, nur etwas versteckter, zu verfolgen suchen." Noch energischer spricht sich für die Gedankenfreiheit ein Arti- kel auf Seite 708 aus, welcher zugleich eine Verherrlichung der Macht der Idee enthält. Es heißt da: „Die Macht der Idee der Neuzeit drängt unaufhaltsam zur Er- V; iitng gerechter Forderungen; der Macht der öffentlichen Meinung ano der Gewalt der entfesselten Presse kann auf die Dauer Niemand Widerstaud leisten, keine Forderung wird versagt werden, der Wille ves Volks regiert und die Regierung vollzieht. Das ist der Standpunkt, auf welchem die Neuzeit steht. Die Verfolgung»n- serer Zwecke wird nicht durch Persönlichkeiten gehindert. �..... Des, wie man nicht mit Unrecht sagt, nichtsnutzigsten, servilste» Zusammenwurfes von zum Theil vor neun Jahren gewäylien Abgeordneten, den unwahrhasten Produkten des perfidesten und schlechtesten Wahlgesetzes, das Deutschland kennt welche in feu- dalistischen Kammern sitzen, werden wir bald entledigt sein— und dann wird es am Volke liegen, wenn es sich keine bessern Organe für seinen Willen schafft...... Der Wille des Volks ist das höchste Gesetz, aber nur der verfassungsmähige Wille. Der Wille, der auf anverem Wege zur Geltung kommt, ist Revolution. Der Sieg der Revolution ist glorreich, aber der Niederlage öffnet sich das Zuchthaus. Nehmen wir die Würfel nicht aus! Dr. R. R." „Dr. R. R." ist natürlich: Dr. Rudolf Rüd,er, der Held unseres Stückes.— Mit wie viel Jnjurienklagen würde üb- rigens Herr Rüder Den bedenken, der sich gegen ihn die Ans- drücke„nichtsnutzigst",„servil",„perfide" erlaubte?— Doch weiter. Es ist bekannt, wie eifervoll Herr Rüder die Ausweisung Mo st's aus Leipzig verfügte und aufrecht zu erhal- ten suchte,— wenn auch vergebens, indem er an der besseren Ge- setzkenntniß seiner Vorgesetzten Schiffbruch litt. Wie aber Herr Rüder vör 24 Jahren über polizeiliche Ausweisung dachte, darüber belehrt uns Seite 628 der„Baterlandsblätter": „In Köln ist ein Herr Schapper, Mitarbeiter der„Neuen Rheinischen Zeitung", ausgewiesen worden, weiter ein thätiges Mitglied des Arbeitervereins und doch„kein preußischer Unterthan", sondern ein Nassauer Bürger ist. Man meinte, mit der deutschen „Ausländerei" würde es zu Ende sein, wenn die deutsch- National- Versammlung beisaimiie» wäre. Sie hat ein unverwüstliches Lebe», und allem Anschein nach wird sie, selbst wenn sie gestorben ist, noch alsLeiche herum spaziere ii undVpuk und Speltakelmachen." Herr Rüder, was gäben Sie wohl darum, wenn diese Zeilen und noch vieles Andere— überhaupt Alles, was oben citirt worden ist— aus dem Reiche dieser Welt geschafft wer- den könnte? Vor 24 Jahren donnerwetterten Sie darüber, daß der Nassauer Schapper alls Köln ausgewiesen wurde, vor 3/4 Jahren wiesen Sie selber den Bayer Most aus Leipzig aus. Und wie viel weniger entschuldbar ist Ihre That, als weiland die der preußischen Polizei. Preußen, welches die Nationalversammlung nnr eu Canaille behandelte, hatte damals den Begriff der„Ausländerei" noch weniger aufgegeben als heute; Sie aber sind bereits vor 24 Jahren„Groß- deutscher" gewesen, und haben trotzdem im vorigen Jahre den Begriff der„Ausländerei" noch festgehalten, obendrein nachdem die sogen,„deutsche Einheit" bereits offiziell proklamirt war.— Herr Rüder, Sie müssen ein gebornes Polizeigenie sein, daß Sie schon vor 24 Jahren die traurige Wahrheit voraussahen und voraussagten:„Die„Ausländerei" hat ein unver- wüstliches Leben und allein Anschein nach wird sie, selbst wenn sie gestorben ist, noch als Leiche h er umspaz ieren und Spuk und Spektakel machen." Welche Fügung durch Gott! Der Autor jenes Satzes ist selber der Grabschänder, der die„Leiche" hervorzieht, damit sie„Spuk und Spektakel mache."—_ Nachdem der vorstehende Artikel bereits im Satz vollendet, finden wir(am 24. Feb.) im„Amtsblatt des Raths" der Stadt Leipzig folgende Bekanntmachung, die internationale Arbeiterassoziation betreffend. Nach z. 20 d.S Gesetzes, das Vereins- und Versammlungsrecht betreffend, vom 22. November 1850, sind Ve.eine, in deren Zwecke es liegt, Gesetzeslldertreiuiigen zu begehen, dazu aufzufordern oder dazu geneigt zu machen, verboten. Da hier Versuche gemacht worden sind, für den in London unter dem Namen„Internationale Arbeitecassozia- tion" bestehenden Verein Mitglieder anzuwerben, dieser Verein aber, welcher neben den ausgesprochenen Tendenzen in Wirklichkeit den Zweck verfolgt, die gesetzlich bestehende politische und soziale Organi- sation, namentlich der monarchischen Staaten, somit auch Deutschlands und der einzelnen Reichsbundstaalen, nölhigensalls in gewaltsamer Weise zu beseitigen, in gleicher Weise au deren Stelle die sozial-demo- kratische Republik einzuführen, die sogenannte Arbeilerpariei in den Besitz der Staatsgewalt zu bringen und die gesetzlich bestehenden Zu- stände in Bezug auf Eigenthum, Besitz und Erbrecht zu Gunsten dieser Partei umzugestalten, so wird das Anwerben für diesen Verein, das Leisten von Beiträgen für denselben, sowie die fernere Mitgliedschaft desselben hiermit allen der Jurisdiction des unterzeichneten Polizeiamts unterstellten Personen unter Hinweisung auf die in§. 33 des Vereins- gesetzes angedrohten Strafen hiermit verboten. Leipzig, den 23. Februar 1872. Das Polizei-Amt der Stadt Leipzig. Dr. Rüder. So wäre also die Internationale im Weichbild der guten Seestadt Leipzig(d. h. auf etwa einer Viertclquadratmeile) von dem furchtbaren St. Georg- Rüder„todtgeschlagen"— bis sie wieder lebendig wird. *) In Leipzig ist die Polizei nicht königlich, sondern städtisch; als Poltzeidircktor sungirt ein vom Sladtverordnelenkollegium hierzu er- nannter Stadttath. In dem Urtheil des Wolfenbüttler Obergerichts, welches das kreisgerichtliche Erkenntniß gegen Bracke, Bonhorst, Spier und Kühn kassirt, ist die Annahme dieses Erkenntnisses, daß die zu Eisenach domizilirte sozialdemokratische Arbeiterpartei„gesetzwi- drige Zwecke" verfolge, beibehalten, und auf Grund der- selben auch eine nominale Strafe ausgesprochen worden. Wie wir nun erfahren, konnte das Oberg-richt über diese Annahme kein Urtheil abgeben, weil dieselbe in den„Wahrspruch" aufgenommen war, und das Obergericht sich bloß mit der Frage zu beschästigen hatte, ob das auf diesen Wahrspruch gegründete Erkenntniß forme ll-juristisch korrekt sei. Da es nun aber für unsere Braunschweiger Parteigenossen von höchster Wichtigkeil ist, auch diesen reaktionären Ueberrest des kassirten Erkenntnisses zu beseitigen, so werden sie bei nächster Gelegenheit die hierzu geeigneten Schritte lhun. Der„Braunschweiger Bolksfreund" schreibt in'Nr. 43 hierüber:„Für die soziäldemokratische Ar- beiterpartei, welche so wenig wie die internationale Arbeiter- asioziation gesetzwidrige Zwecke verfolgt, wird es sich darum handeln, dies von den Gerichten anerkannt zu sehen. In dem Prozesse gegen Bracke und Genossen war die Herbei- führung eines anderen Wahrspruches unmöglich; es wicd die Aufgabe der Mitglieder der sozialdemokratischen Arbeiterpartei sein, dadurch einen anderen Wahrspruch herbeizuführen, daß eine kleinere Anzahl von ihnen eine öffentliche Eiklärung ab- geben, in welcher sie sich als Mitglieder der gen. Partei sowohl wie der internationalen Arbeiterassoziation bekennen. Dann muß gegen sie eine neue Anklage erhoben und ein neuer Wahr- spruch gefällt werden, und dann handelt es sich darum, mit aller Entschiedenheit die Anklage und die Amiahme, als ob die genannten Arbeitervereinigungen gesetzwidrige Zwecke verfolgten, zu entkräften. Den passenden Zeitpunkt zu einer solchen Erklärung zu wählen wird ein Leichtes fein." Internationale Gewerkschasts-Union zu Fürth. In der Geiicralversammluiig vom 18. Febr. wurden folgende Be- schlüsfe gefaßt: „In Erwägung, daß die Internationalen Gewerkschaften an de» einzelnen. Orten vereinzelt häufig zu ichwach sind, agiiatorisch zu wirken, oder der brutalen Gewalt des Kapi- lats mit Erfolg entgegen zu wirken; daß bei der einen Ge- werkschaft nichi selten tüchtige Kräfte fehlen, während die andre solche hat; daß nicht selten Eiserfüchteleien und dem- zufolge Entzweiungen entstehen, wenn die Gewerkschaften vereinzelt besteh» und jede nur für sich arbeitet; daß sich hingegen die Solidarilät und die Zusaminengehörigkeit ent- wickelt, wenn sämmiliche Gewerkschaften in einer Union vereinigt sind; daß an kleineren Orlen, wo es häufig un- möglich ist, Spezial- Gewerkschaften zu gründen, Gewerk- schafts-Unioneil leicht zu«lande zu bringen wären, und es doch unumgänglich nöthig ist, die Landbevölkerung in die Bewegung hereinzuzie en; daß die einzelnen Gewerk- schaften nur anstiahmsweise im Stande sind, Generaiver- sammlungen abzuhalten; während sie eine Macht repräsen- tiren würden, wenn sie tn einer Gewerkschasts-Union ver- einigt wären;— Beschließt die Jilternationale Gewerkschasts-Union zu Fürth: Allen Jiitcrnationalen Gewerkschaften dringend ans Herz zu legen, dahin zu wirken, daß über ganz Deutschland eine Gewerk- schasts-Union baldmöglichst ins Leben tritt. Es soll zu diesem Zweck jeder Gewerkschaftsbehörde ein Exem- plar nnfrer Statuten zugesandt werden mit der Bitte, dieselben in Erwägung zu ziehen, und eine Generalversammlung sämmt- licher Gewerkschaften bis Pfingsten, womöglich an einem Ort in der Milte Deutschlands ailznstreben. Di- Versammlung kann sich mit den Ausführungen des Herrn Motteler auf der Chemnitzer Landesversammluiig nicht einoerstaiideti') erklären, denn die Bourgcois-Gesellschaften werden sich auf Rückoer- sichernngen in Fällen von Arbeitermaßregelungen oder Arbeicseinstel- lungen nicht einlassen, und in Fällen von Krankheit, Unglück, Allers- schwäche K. brauchen wir sie nicht; dazu sind sie uns zu kostsptelig. Die Versammlung ist nicht damit einverstanden, die Be,elchnung„In- lernational" zu beseitigen. Diese Bezetchnung ist der Polizei nur ein Vorwand, uns zu verfolgen; wenn man die gedachte Bezeichnung fallen läßt, wird die Polizei leicht einen andern Borwand fitiden; um aber die Kranken-:c. Kassen vor den Krallen der Polizei zu wahren, dürfte es gut sein, eine besondere Verwaltung für dieselben einzusetzen. Ferner wurde beschlossen, eine Arbeits-, eine Arbeiierwohnungs- und eine Beschwervestat ist i k einzurichten. Tie Adresse unsres II. Schrislfüyrers ist jetzt: Aleranderstraße 3 in Fürth, und sind alle die Gewerlschasts-Union belressenden Zuschriften an denselben zu richten. Im Namen und Auftrag der Internationalen Gewerkschasts-Union Heinrich Maier, Vorsitzender. Paul Räthselt, II.«chriflf. Juteruationale Gcwerlsgenoffenschaft der Schuhmacher und verwaudteu bemerke. Aufruf an alle Mitgltcdschafttn und Berufsgcuossen Teutschlands. Nürnberg und Fürth, den 20. Fcd.uar. Die am 4. d. Mrs. siattgesnndeue außerordentliche Versammlung der internalionaieil Ge- wetkogeiiosseiischasr Züiichs veranlaßt uns, die Mitgliedschaflen Deutsch- lands auszurusen, mit aller Energie dahin zu wirken, daß die von allen Seiten gewünschte Einigung>echt bald erzielt werde, damit wir unsern Verussgrnossen aller Länder den Beweis liesern könne», daß der rechte Geist noch in u>S lebt. Mit größtem Bedauern wurde der Austritt Zürichs, sowie die Sonderbestrebuiigen der Schweiz entgegen genommen. Berussgenoffen, Ihr alle wißt, daß unser Gewerk ein internatio- nales Prinzip vetfolgt, indem unter alle» Berussgenoffen die freie und brüderliche Ansprache„ Du" gilt. Darum rufen wir den schon bestehenden Mltgliedschasien, sowie allen uns noch selnstehenden Berufs- genossen zu: Brüder, veremigt euch, damit der bereits beantragte Kongreß, welcher in einigen Monaten abgehallen werden soll, durch Vertl-ter von allen Gauen Deutschlands beschickt werde, behufs ge- meinsamer Berathnng der Mittel, welche uns dahin führen körnten, unsere noch so sehr gedrückte Lage zu verbessern. Gleichzeitig meiden mir, daß in der am 19. d. M. abgehalienen Versammlung beschlossen wurde, daß, im Falle es unserer gegenwärtigen Vorortsverwallung»mnögtich werden sollte, die Geschäfte weiter fort- zuführen, die beiden Mitgliedschaften Nürnberg und Fürth bereit sind, bis zur Neuwahl des Vororts die Geschäfte provisorisch zu übernehmen. Wir-lwarten deßhalb baldige Nachricht von unserem Vorort. Zugleich müssen wir bemerke», daß von Seite der Milgtiedschasten der Wunsch ausgesprochen wurde, an den Vorort das Ansuchen zu stellen, die Geschäfte fortzuführen bis zur Entscheidung des Kongresses. Es zeichnet mit sozial-demokratischem Gruß und Handschlag Sie beiden Lrtsverwaltungcn. Karl Röthlauf, Bevollmächtigter. Bunoa, Vier!, Pfann, Kontroleure. Kehrer, Einsammler. Teichmann, Kassirer. Jäger, Schriftführer._ Meine Adresse befindet sich von heute an: Am See Nr 6 IV. E.age. Reiseunterstützung wtro oasrlbft ausgezahlt. Dresden, 23. Febr. l872. Hermann Föllner. Abrechnung vom Oktober bis Dezember 1871. Einnahme: Kassenbestand am. 1. Okioder 113 Franks 24 Centimes. Ferner gingen ein: von Zürich 3 Posten 70 Fr. 45 Cent., Nürnberg 26 Fr. 10 Cent., Dresden 30 Fr., Zürich 1 Posten 39 Fr. 40 Cent., Leipzig 10 Fr. 31 Cent. Summa: 289 Fr. 50 Cent. Ausgabe: Für 1,500 Stück Statutendüchcr, Druck und Buchbinder 150 Fr. Ausgaben für Porto pro Monat Oktober, Nooenider und Dezember 21 Fr. 80 Cent. Gehalt des Vorsitzenden für Otwber, November und Dezember 18 Fr. Snmina: 189 Fr. 80 Cent. Abschluß: Einnahme 289 Fr. 50 Centime. Ausgabe 189 Fr. 80 Centimes. Verbleibt baarer Kassenbestand, 99 Franks 70 Centimes. Zürich, den 23. Jaimar 1872. F. Gersier, Hauptkassirer. M.Metzger,! ; Kontrolleure. G. Ries,( Internationale Gewerksgeuossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter.; Berlin, 5. Febr. Die hiesigen Mitglieder der Internationalen Manusattur-, Fabrik und Handardeiler-Äeiverkschaft hielten am 3. d. M. eine Versammlung ab, zu deren Ueberwachung ein Polizei leutnant und Wachtmeister zugegen waren. Die Namen nebst Wohnungen der Mitglieder(bis jegi 18 Mann) wurden aufgeschrieben, sowie Alles, •A/Vlivjttwk«, j[t�l J.VJ IV.ipyt.l UU|yi.|V*/»»VVV»V|V»W»V f was im Laufe der Versamlung gesprochen wurde.— Material zu einem Hochverrathsprozeß hat es jedenfalls nicht gegeben, wir haben eben, dem *) Die Fürther Parteigenossen haben Motleler vollständig mißverstanden. Wir bitten sie— wie überhaupt Alle, die über seinen Vorschlag im Unklaren sind—, sich direkt an i.hu zu wenden. D. R. d. V. MW Zweck unserer Gewerkschaft gemäß, Fachliches besprochen und wissen nicht, ob das Ausschreiben der genauen Adressen aller Genossen eine verbesserte Waffe im Arsenal der Polizeiherrsch r werden soll. Wir werden uns dadurch nicht abschrecken lassen und unermüdlich für die Verbreitung unserer Prinzipien Sorge tragen.— („Crimmitschaurr Bürger- und Bauernfreund") Genf. Man geht hier mit der Gründung einer Narwite socials um, d. h. jüner sozialistische»«peiseanstalt illr.dle Arbeiter von Genf. Seit ungefähr tuet Monaren arbeitet die von politischen Flüchtlingen verschiedener Länder begründete„Lsction de pro Wigande et d'action revolutioimaire-socialiste",(„Sektion für die Ausarbeitung und Durchführung einer sozialistischen Umgestaltung") an der Errich- tung einer solchen Speijeanstalt, und Hai brs j.pt ungesähr 1000 Francs zu diesem Zwecke aufgebracht, während mindestens 3500 uö- thig sind, um die Anstalt ins Leben zu rufen. Die wesentlich»«» Stellen der Statuten des Unternehmens lauten: „In Anbetracht dessen: Daß der Kampf gegen die Kapitalisten allen Arbeneni, die das Bewußjei» von ihren Rechten haben, als eine vcrhängnißvolle"Pst>cht �auferlegt ist; daß eben dieser Kampf nur unter steter Anwendung der Tolidarlrät aller Arbeiter geführt werden kann; daß diese Sotidarität die Arbeiter uölhiqt, in den Fällen erzwuttgener Arbeitseinstellung sich gemeinsam zu stüpen; daß die Cooperativ-Ge- nosjenschasten für Konsum ein machtiges Mittel sind, um den trau- rigcn Einfluß des Elends auf die Arveitertlasse während dieser Ar- beitseinstelluiigea zu bekämpfen; „In Anbetracht ferner: daß die Gründung von solchen Vereinen in Genf um so dringender ist, als sich dort viele flüchtige französische und andere Arbeiter befinden, deren Existenzmittel nicht sicher sind; „Hat die Sektion für revolutionär-soziatiftische Propaganda und Aktion der internationalen Arbeiter-Assoziation beschlossen: In Genf eine sozialtstische Speiseanstalt zu gründen." Der Zweck des ilnternehmens ist nach Artikel 2 der Statuten: jedem Arbeiter eine gesunde und kräftige Nahrung zu möglichst billigem Preise zu liefern, indem unter Wegfall der sonst so kostspieligen Ver- Mittelungen, gleichzeitig mit einer Verminderung des Verkaufspreises, nach und nach eine immer steigende Verbesserung der dargebotenen Verbrauchsartikel erz elt werde» soll. Nach Ail. 3 wird den sozialistischen Prinzipien gemäß diese Speiseanstalt nach einem gewissen Zeiträume unveräußerliches und Uliamastbar-s Collektiv tKigeiithum ver«es«nute» Arbeite rklaffc von Genf, in der Art, daß kein Bürger Anspruch aitf irgend ein be- sondercs Anrecht an sie erheben darf.— Nach Art. 5 darf der Rein- gewinn des Uirlernehmens nie 10 pCt. überschreiten. Derselbe wird in eine Kasse ausgeichüitet, deren Mittel lediglich zur Unterhaltung und Vergrößerung der sozialistischen Speiseanstalt verwendet werden dürfen.—'Nach Art. 7 zollen in Ansehung der großen Vortheile, die daraus hervorgehen, alle Einkäufe nur in baar gemacht werden.— Nach Art. ö darf nur dann h eroon eine Ausnahme gemacht werden, wenn eine bedeutende Arbeitselilstellitilg es erfordert, aber auch in diesem Falle ist es Sache des Verwaltungs-Koinitee's, möglichst schnell Mittel und Wege zu finden, um der Bestimmung des 7. A t. wieder nachzukommen.- Das nothivenoige Kapital ist in Artikel 9 auf min- destens 3500 Francs veranjch.agt, was nach der vernünftigen Beftirn- Mung des Art. 7. nicht zu oerwundern ist.— Nach Art. 32 haben alle Arbeiter beiderlei Geschlechts und jeglichen Alters das Recht, in die sozialistische Speiseanstalt essen zu kommen als bloße Tischgäste, d. h. ohne Mitglieder der Gesellschaft selbst durch Zahlung von 5Frcs. geworden zu sein. Nach Arr. 33 sollen sie keine anoere Verpflichtung haben, als die, sich nach de» Regeln und dem Gebrauch zu richten, der in der Anstalt eingeführt ist.— Abgesehen davon, daß sie natürlich nicht dieselben Rechic genießen wie die GeseUschajtsinitglieder, sind nach Art. 31 die Preise für sie dieselben, wie für jene. Die Rechte der Mitglieder stellt Art. 39 fest; es sind 1) Credit, wenn eine Gesellschaft für den gutsagt, der ihn beansprucht. 2) Das Recht, Wähler und wählbar für alle Aemter zu werden, aitsgenoinnren sür die, welche der gründenden Gesellschaft vorbehalten sind, um de» sozialistische» Geist des UitternehineuS auf d e Dauer zu wahren. 3j Beralyende Stimme in allen Generalversammlungen der Gesell- schaft und das Recht zu Vorschlägen. 4) Das Recht zur beliebigen Kenntnißnahme von den Büchern oer Verwaltung llnd von den Ar- chiven, die einem Jeden auf seine einfach- Bitte �vorgelegt werden Müssen, unter Anfstcht eines Mitgliedes des Berwaltungs-Komiree's: 5» Das Reckst, die der Sektion gehörige Bibliothek im Speisesaale zu benutzen. � Waloheim. Die Arbeiter an der»och nicht fertig gebauten Straße von Watdheiin nach Kriedstein habe» die Arbeil eingestellt, weil die Unternehmer oder Vorarbeiter das Lohn„zu reell" ausgezahlt ha-en. Die Arbeiter wollten unter keiner Bedingung die Arbeit wieder auf- nehmen, ehe sie nicht ihr reinoerdientes Geld ausgezahlt bekomme»; auch auf dasjenige, um das sie nach ihrer Aussage schon seit Wochen betrogen worden sind, machen sie entschiedeneir Anspruch. Bei der letzten Zahlung haben sie pro Tag äv lWgf. und ci» Paar Ps. bekommen, in einem Schacht nicht einmal halb so viel!!! Wer biesen leidenden Mitbrüdern hilfreich zur Hand gehen kann, helfe! (Crimitschauer Bürger- u. Banernfreund.) Nürnberg, 13. Februar, Schon längst wäre es einmal nörhig gewesen, auch die Wohlthäien, welche die Arbeiter des Herrn Falk, Fabrikant zu Dutzend teich bei Nürnberg, genießen, der Oeffentlich- «>t zu übergeben. Herr Falk, Schwiegersohn des früheren Fabrikbe- sitzers Späth, welcher mit einem nicht besonders hohen Vermögen als �hellhaber beigetreten war, und jetzt die Fabrik mit noch mehreren andern Kompagnons betreibt, glaubt nämlich aus seinen 250 Arbeitern soviel Profil herausschlagen zu müssen, wie die Central-Zwangsanstalt (genanut Kielt und Komp.) aus 3000. Als kürzlich die neue Bahn- sirecke, welche Dutzendteich berührt, eröffnet wurde, gab er seineu Ar- beitcrn ein Diner, bei welchem er unter anderen Phrasen auch die vorbrachte, daß er nicht ein Herr, sondern ein Vater seiner Arbeiter lein wolle. Trotzdem nun aber bereits in sämmtlichen hiesigen Maschinen- jabriken die lO-Stundenarbeil eingesührt ist, eriftirr auf Dutzendteich noch die alle 11-stünoige, und Herr Falk hat schon zu wiederholten Malen erklärt, daß er darin durchaus leine Aendetuug eintreten lassen weide, da bei ihm die lO-stündige bereits faktisch bestehe. Die Arbener haben nämlich das Recht, sich zu geimssen stunden aus der nahen Garleilwillhschafl Bier(und zwar recht schlechtes) und andere Be- vürfnisse holen zu lassen und dicselven stehend zu verzehren; setzen ' bars sich Niemand dabei. Dre meiste Schuld ist nach Hrn. Falk selbst dem 9prozrnligen Maschinenmeister Schöbelein beizumessen. Ich Ichätze nilch glücklich, den Maßregelungen dieses Menschen nicht inep ausgesetzt zu sein, ebenso wie ich durch meine jetzige Stellung vor den Llebeitswür.: gkeiten des Herrn Best»er(genannl: iziiser Stoffl) bei Herrn Erannr-Klett gesichert bin. Die obengenannte Gartenwirlhschaft isi Dutzendteich gehört einem Konsortium von Äusbeuteru, unter denen sich auch Theilyaver der Fabrik befinden, darunter auch Hr. Hammer- vacher. Es ist nun klar, daß diese Herren ihren Pächter nicht besonders hart anlassen, wenn er schlechtes Bier in die Fabrik liefert, da er dllien kolosjallen Pacht zu zahlen hat, weshalb nicht Jeder als Wirlh auf den Dutzendteich mag. Neulich machten die Schmiede Krawall sargen des schlechten Biers und erhielten dafür— Akkordabzug! Dieß hafte einen 2-slündigen Strike zur Folge, welcher zu Gunsten der Ar- v-iter endigle. Ließe Herr Falk, statt Sandhügel zu bauen und groß- hffige Anlagen zu seinem Vergnügen zu pflanzen, lreber die Werk- stalten heizbar machen, so iväre das besser. Wenn vorigen Winter "wge Käue eintrat, so schickte man die Leute einfach nach Hause, Und ließ sie Z vis 11 Tagen aussetze», ohne zu fragen, ob sie auch etwas zu leben hätten oder nicht. Bei dem Lohn aber, der be- iaylr wird, ist eS absolut unmöglich, anständig zu leben, geschweige a-nn etwas zu ersparen; ein Brückenbau wird z.B. bezahlt: 54, 57 kr. 13 1 fl., 1 fl. 6 kr. bis 1 fl. 9 kr. per Tag bei einer Pserdearbeit, welche noch.dazu meist im Freien geschehen muß. Ich glattbe, dieser "hnjatz im Vergleich zu den hiesigen Wohmmgs- und Lebensmittel- Meisen bedarf femes weiteren Kommentars*). Ein srüherer Angehöriger der Fabrik. Marburg, 20. Febr. Vergangene Woche benachlichligte uns Parteigenosse Schelk in Kassel, daß er zu einem Ägitalwnsbesuche *1 Dre Fabrik verdient übrigens den Namen Dutzendteich, da auf Kdes Dutzend Arbeiter ein Werkmeister und auf jed.s Vierteldutzend Werkmeister ein Tantiemebeziehender kommt. nach Marburg.kommen wolle. In Folge dessen hielten wir vergangenen Sonnabend Abends eine Volksversarnmlung im hiesigen Rath- Haussaale ab, welche zu den bestbesuchten gehörte. Parteigenosse S ch e i l referirte auf Wunsch über„die Stellung aller politischen Parteien zur Sozialdemokratie." Der Voitrag wurde mit großem Beifall aufge- nommeu. Es sprachen dann noch mehrere hiesige.Parteigenossen, so- wie Parteigenosse Heinz aus Herdorn. Herr Oekonom H. Lauer ans Niederwalgern(srüherer Abgeördneier im kurhessischen Land- tage, und warmer Vertheidiger der Sozialdemokratie) fprderle die anwesenden Männer der Wissenschaft auf, ihr Gutachten über den Sosialismus abzugeben und sich der Sache anzunehmen, allein— es blieb alles mäuschenstill, obwohl unsere Nniversitäl so ziemlich ver- treten. war und es an Gegnern nicht fehlte; dieselben verhielten sich a er ganz lautlos im Hinlergrunde. Die Versamuklung mußte bald schließen, da uns der Saal blas bis H�IO Uhr zur Verfügung gestellt war. Eine darauf veranstaltete Sammlung(1 Thlr. 15 Gr.) wurde mm Besten der Herborner Parteigenossen verwendet. Nach Schluß der Versammlung fand bei gemüthlichem Zusammensein eine Berathung behufs Wiederaufnahme der durch die Jnhastirung des Parteigenossen Schmidt in Herborn unterbrochenen Agitation statt, und hatten sich zu diesem Zwecke die Vertrauensmänner Oirbig aus Gießen und Heinz aus Herborn hiei selbst eingefunden. Mit sostaldemokratischem Gruß. H. Wosniak. Augsburg, d. 21. Febr. In unserer letzten Parteiversammlung war Hauptgegeiistand der Berathung die Uinerstützung unserer inhaftirte» Parteigenossen. Da es sich hier nichtblos um eine vorübergehende Unterstützung handelt, so wurde von einer sofortigen Sammlung in der leider schwach besuchten Versammlung abgesehen, dafür aber die Mitglieder: Enders, Stollberg und Schäffle als Unterstützungskomitee gewählt, welche freiwillige Gaben jeder- zeit in Empfang nehmen imd darüber Rechnung zu stellen haben. So oft die Summe von 2 Thlr. beisammen ist, soll dieselbe an den Par- teiausschuß übermittelt werden. In der Wirthschaft des Umerzeich- ncten ist ferner jedem Partei- und Gesinnungsgenossen Gelegenheit geboten, sein Scherflein zu genanntem Zwecke in den Opferstock zu legen. Es ist eine Ehrensache für uns, ftir unsere leidenden Brüder und deren Familien einzustehen. Tbue deßhalb Jeder seine Schuldigkeit. In erwähnter Versammlung wurde wiederholt darauf aufmrrk- sam gemacht, daß die stattzufindenden Parteiversammlungen blos im „Volksstaat" annoncirt werden, weßhalb die Mitglieder stch daran gewöhnen mögen, das Organ genau zu lesen, und sich auch um den Inseratentheil zu kümmern, wenn es ihnen ernst iim die Sache ist. G. Stollbrrg. Fürth In der geschlossnen Parteiversammlung der Mitglied- schaft Fütth am 5. Februar wurde mit alle» geg-n 2 Stimmen be- schlössen, den Gürtlermeister A. Häckel, sowie den Tünchermc ster Kasp. Schirmer, beide von Fürths aus allen Parteioersammlungen auszufchließe»; ferner an deu Ausschuß der Partei das Ansuchen zu stelleit, beide Genannte ans der Partei auszutioßen. Die Ursachen unseres BeschlnsseS waren bei Erstgenanntein: 1. Schädigung der Par- tei im Allgemeinen; 2. erläumöung und Vergewaltigung rinzelner Parteimitglieder; 3. Unterschleise; bei Letztgenanntem: Mitschuld an roher Gewaltthai des Eistzeiianinen. Fürth. Der„ Volksverein"(Volkspartei) dahier hat am 7. Februar beschlossen, wieder Fühlung mit der sozial-demokratische» Arbeiter-Partei als der größeren ilnd mächtigeren zu suchen, da die Prinzipien fast die gleichen sind, und ein Unlerschied nur dariil besteht, daß die sozial-demokratische Arbeiter-Partei in dem 10. Punkt ihres Programms etwas*) weiter geht. Mainz, den 20. Februar. Der Schueiderstrike hat bis jetzt noch tein genügendes Resuliat erlangt, er ist ein vollständiger für alle Ge- schäfl« geworden. Denn es hat sich herausgestellt, daß die Coufektionäre bei verschiedenen Meistern Arbeit inachen ließen und, um diesem vor- zubeugen, waren wir gedrungen, für alle Geschäfte die Arbeit einzu- Hellen. Die Herren Meister h.atcn wohl schon eine Versammlung unter sich abgehalten, aber von einer Verständigung mit der Union ist keine Reoe. Sie haben in der Presse erklält, sie wollten ihre Arbeiter nach Fähigkeit und Kennlniß honori-en, aber aus diese Erllä- ruug lönuen wir unter keinen Umstände« eingehen, weshalb wir den Strike mit aller Energie fortsetzen müssen. Es seieni jetzt über 300 Arbeiter. Da bis jetzr noch wenig Uluerstützung von außen eiugelau- fen ist, so wird es uns fast unmöglich gemacht, Jen Kampf dnrchsU- setzen, indem zu viel verheiraihete Arbeiter beim Strike beiheiligt sind. Wir richten deßhab an alle Collegen und Parteigenossen die dringende Bitte, uns während des Kampfes nach Kräften zu unterstützen und allen Zuzug von Mainz fern zu halte». Arbeiter, wir sind»ichr gewohnt, viel Phrasen zu machen. Heist uns, so wie wir jeder Zeil bereit sind, wenn Ihr im Kampf steht, sür Euch eiiijutreten. Wir fordern die Arbeiter der umliegenden Städte auf, uns keine Konkurrenz zu machen, indem sehr viel Arbeit aus Mainz nach aus- wärts geschickt wird Mit sozialdemokratischem Gruß Der Schriftführer Ph. Wittmann. Alle Briefe zc. sind zu senden an unsern Kassirer. PH, Zimmer ma un. Rechengasse 9. Spaudau. Seit ungefähr einem Monat herrscht wiederum hier in den Kafferlich Königlichen Waffenfabriken ein sehr reges Leben, und wird mächtig trotz des so oft bctheuerteu Friedens an der Fadri- kation von Waffen geaibeitet; auch das wechsiche Proletariat ist eifrig mit der Verfertigung von Zündspiegeln und Patronen beschäftigt. Die beste„Bürgschaft für die lange Dauer des Friedens!"— Trotzdem es am hiesigen Ort« an Arbeit nicht mangelt, sind die Verhältnisse der Mehrheit der Arbeiter dennoch trübe zu nennen. Die Wopnungsnoih »iid die enorm hohen Miethspreise machen sich besonders hier in der Nähe Berlins in einer drückenden Weise immer inehr und mehr be- merkbar, denn durch die Vergrößerung der industriellen Etablissiments sind und werde» noch fortwährend fremde Arbeitskräfte hierhergezozen, und dies veranlaßt die so enorme Preissteigerung der wichtigsten Lebens- bedürfnisse. In der Geschützgießerei und der Central- Werkstatt haben -stch scit, oder gleich nach, dem seinerzeit so unglücklich für die Arbeiter des Bohrwerks verlauseileu Strike die Ärbeilsverbälmisfe etwas gebrffert; die Arbeitszeit ist von früh 0 llhr ans früh 7 Uhr als Anfang, und oo» Abends 7 llhr auf 6 Uhr als Fei�abenozeit verlegt und das geringüe Wochenlobn sür einen gewöhuticheu Handarbeiter(im An- sang) von 3 auf 3'/, Thlr. erhöht worden. Auch hat es den Auschem, als ob die Reibung zwischen dem Bohrmeister und den Arbeitern aus- geglichen sei; wer nun von beiden Theilen eigentlich durch die E> fahrung iich geändert hat, weiß ich nicht genau, glaube aber: der Erstere, denn er war die Ursache des so planlos von einigen Onsvereinlern in Scene gesetzten Strikes; wäre er heute noch derselbe, hätten ihn wohl schwerüch dieselben Arbeiter zum Stadtoerordnctcii gewählt.— Die Aeußerungen, die vor Kurzem hier pp. Waldvw aus Berlin gethan, „er wolle sorgen, daß wir in kurzer Zeit jeden Boden hier verlieren", hat das Gegentheil bewirkt, denn unseie Versammlungen und Vereins- abend« werden seit Neu- Jahr von Woche zu Woche zahlreicher besucht, und ganz natürlich werden die Sympatsien dnourch sür unsere suche unter den Arbeitern größer; trotzdem hier sehr viele Vereine und nur Königliche Fabriken sind, bricht sich die Idee der Sozialdemokratie immer mehr Bahn. W. Fischer. Wittgeusvorf, 13. Februar. Ausbreitung der Partei. Gestern Aoend fand hier die erste Volksversammlung statt, zu welcher Mo» aus Chemnitz erschienen nvar und die Prinzipien der sozial- demotratie entwickelte. Der Besuch war ein sehr guter; 300— 400 Per- joneu mögen anwesend gewesen sei», und Alle hörten mit gcspannrester Aufmerksamkeit die Aussüyrungen drs Redners an. Nach Schluß der Versammlung ließ sich eine ziemliche Anzahl von Arbeitern in die Listen der ivziatdemokralische» Partei eiuzeichue». Der Anfang wäre also auch am hiesiegeu Orte gemacht; hoffen wir, daß bmnen Kurzem die Par- tei eine bedeutende Anhängerschaft erlangt. Pirna. Eme große Botksoersaiumlung faud Montag Abend hier, statt; auch die Bourgeoisie war zahlreich vertreten, u. A. duich ven Bürgermeister, die Geistlichkelt, Advokaten-c. Vorsitzeuder war W. E .Mütter aus Dresden. Die Tagesordnung laurele:„Die. sozial- *) Dieses„etwas" ist allerdings emsehr wesentliches„etwas", weil eS das Prinzip einschließt, das die Sozialdemokratie von der Bourgeois demotratie trennt. Red. d. V. d emokratische Beweg un g und ihre'Bc den tung für den Klein- bürgerstand." Das Referat hotte auf Einlndung Otto-Walster aus Dresden übernommen. Derselbe erlä'terte, wie die gegenwärtige sozialdemokratische Bewegung mit Nothwendigkrit aus den herrschenden voltswirthschaftlichen und politischen Zuständen entspringe und schlechter- oings durch kein anderes Mittel, als durch Beseitigung dieser Verhält- nisse beseitigt werden könne. Aus die Stellung deSKteinbürgerslan- des übergeiiend, bedauert der Referent, daß Ersterer noch immer ein gewisses Vorurtheil gegen die Bewegung habe, obwohl er doch mehr noch als selbst die Lohtlarbeiter ein Lebensimm-sse an der sozialen Frage habe, schon deswegen, weit er noch eine Existenz zu vertheidigeil habe, die der Arbeiter bereits verloren. Die Eristenz des Äleüibllrgers werde aber linier de» herrschenden Verhä tnjsjen immer mehr und mehr be- dioht durch die unsoliden Kreditverhältnisse, durch Kapital- und Boden- wucher, dulch Steuerubelbürduug, Kriege u. s. w„ welche letztere im sozialdrmokraiischetl Staate eine Umnöglichkeit sein würden. Es sei somit die höchste Zeit, daß der Kleinbürgerstand, dessen Reihen durch dl» sozialen Krankheilen immer mehr gelichtet würden, die soziale Frage erichtich zu studireu beginne, sich nicht mehr durch das sogenannte rolhe Gespenst schrecken lasse und durch Eintritt in die Bewegung seine In- leresjen wahre und die Lösung beschleunigen helfe.— Das zahlreiche Publikum schien sehr befriedigt und gab wiederholt, seinen Beifall zu erkenne». Herr Krüger imerpellirte sodann den Referenten dahin, ob nicht größere Bildung dem Ardeiter Helsen könne, und wurde dahin berichttgt, daß die gegenwärtig herrschenden sozialen BerhäUmsse eine solchehöyere Biloung unmöglich machten.— Herr Pfen ilig beklagt, daß es den Arbeitern auch vielfach au Gemülys- und Charaktervildung jehle, woraus Walster erwiderte, daß dleses Uebel altgemein sei, ob- wohl die anderen Gesellschaftsklassen bei ihler sorgsälngeren Erziehung nicht soviel Entschuldigung hiersür hätten.— Herr Leuschte, Herr Voigt, der Vorsitzende und der Reserem mahnten sodann, stch dem zur G r ü n- d.nng eines Vereines bereits gebildeten Kern von Männern anzuschließen.— Obwohl von den Verfassern der m Pirna gegen die Sozialdemokratie gerichteten Broschüre wenigstens der eine, Advokat Förster, zugegen war, nahm von den Gegnern, trotz wiederholter Ans- sorderung, Keiner das Wort. Weimar. Der hiesige Arbeiterverein, welcher s. Z. das Nürn- berger Programm angenommen, sandle später auch zum Eisenacher Kongreß einen Delcgirten und beschloß nach Berichlerstaitang cbssetben über den Verlauf des Kongresses, sich zwar nicht als Verein der Par- tei anzuschließen, wohl aber d e Mitglieder zu veranlassen, dieses zu lhun. Damals traten auch zirka 40 Man» bei, unter welchen sich der Vorsitzende des Vereins, Herr Thy rn, befand. Wohl bald mochte aber derselbe entdeckt haben, daßsich tu der Partei kein Geschäft machen lasse, glaubte wohl auch in seinem Geschäft manchen Kunden zu vertieren. Nach kurzer Zeit sdion verließ er die Panei, ja bei Aus- vruch des letzten Krieges entpuppte er sich als entschieveiier Gegner und begann nun auch im Arbeiter-V.reili, die Gleichgiilligkeit und politische llntlarheit der jüngeren Mitglieder, welche durch fortwährende Tanz- vergnügen angezogen wurden, benutzend, bei jeder Gelegenheit gegen die Partei zu agitiren. So setzleer eS durch, daß, als derVereiu bei Gelegenheit der Reichs- lagswahlen einen Beitrag zur Agitation bewilligte, der Beschluß ge- faßt wurde, aus der Vereinskasse der sozial-demokrattschen Partei nichts wieder zu geben., Im Oktober v. I. nun wurde Unterzeichneter zum Schriftsührer des Vereins und Herr Thym, da elner unserer Parteigenossen die Wahl adlehnle, als Vorsitzender wieder g'wählt. Nach Ausbruch der Chemnitzer Arbeilselnstellung ging ich zu dem- selben mit der Bitte, im Verein etwas sür die dortigen Arbeiter zu lhun. Von Herrn Tyhin wurde mir hier zur Aittwort:„Für solche Sachen habe der Verem kein Geld und es.sei ja Beschluß des Vereins, oer Partei kein Geld wieder zu bewilligen. Ueberhaupt sei so etwas. gegen das Prinzip des Vereins, welcher ein Arbeiletbildungsveteiu sei(wovon aber nichts beiläufig in den Statuten steht) und der Husch- Dunckerschen Partei angegöre zc." Als ich ihn hieraus auseinander setzte, daß dies nicht wahr sei, ich auch kein Geld aus der Vereins-Kas>e, wie überhaupt keiaS für die Arveiterpanei wolle, sondern nur verlange, daß er eilte Vorstands- sitzung eiilberusen und dort meine» Antrag zur Verhandlung bringen solle, welcher dahin ging, eine Vereinsoersaminlung abzuhalten und in dieser, wenn es sie Mitglieder für gut studen, eine Sammlung ftir die Feiernden zu veranstalten, gab er nach und erklär e, dt« Vor- itandssitzimg abhalten zu wollen. Tags daraus erhielt ich ein Schrei- den, welches mir mittheilt-, daß die Vorstaudssitzimg nicht stattfinden würde. Einer solchen Wtllkühr des Vorsitzenden, welcher trotz des Rüt»berger Programms und der Zustimmung zum Eisenacher Kon- greß, den Verein plötzlich zu einem Hirsch-Duuckerschen macheu wollte, tonnte ich inichilicht fügen und benutzte deshalb die nächste Hauptoer- sainmlung zu nachsteheudeOErklärtiug: „Da mir zu wiederholten Maien von dem Borsitzenden erklärt worden ist, der hirsige Arbeiterverein gehöre nicht der sosiaidemotra- tischen Arbeiterpartei an, ich aber Mitglied der sozial-demokratischen Arbeiterpartei bin, so sehe ich mich gezwungen, mein Amt meder- znlegen, falls die Versammlung den Vorsitzenden' nicht veranlagt, seine unwahre Behauptung zurückzilnehmen u. s. w." ES entspann sich nun eine heftige Debatte, wobei von unserer Seite bewiesen wurde, daß der Verem noch auf dem Boden des Nürnberger Programms stehe und durchaus kein Ardeilerbildimgsverei» sei. Ja, baß ein früher schon eingebrachter Antrag um Abänderung des Namens in„Arbeiter- vitduiigsverein" ein sür alle Mal abgewiesen worden sei. � Der Vorsitzende, welchem diese Berbandlnng höchst unangenehm zu sein ichien, erklärte die Debatte für geschlossen. Meine übrige Erklärung oollsländig ignorirend, sagte er nur, daß er recht sroh sei über meine AmtSiiiederlrgung(was ich ihm allerdings recht gern glaube). Nach acht Tagen winde eine weitere Versammlung ausgeschiiebeii mit der Tagesordnung:„Ergänzungswahl des Vorstandes." Ich begab mich zu oeisetben, um mein Protokoll der letzten Versammlung zu oerlesen; kaum hatte ich meine zu Prolololl genommene Erklärung vorgelesen, als der Borsitzende wüthend von seinem Sitz aussprang und rief: , Das isi eine Lüge!; eine Gemeinheit wie lönuen Sie stch unterstehen, überhaupt etwas oyne mein Wissen und Willen ins Prolokollduch auf- zunehmen?" Unter heftigem Tumulte seiner Anhäuger bat ich ums Wort; da mir dieses von Herrn Thhin beharrlich verweigert wurde, versuchte ich unter dem aildauernden Krawall zu sprechen, auch dies wurde mir von dem Voisitzeuden durch sorlwährende Umerdrechung uümöglich gemacht. Hierauf forderte er die Versammlung aus: wer dafür sei, daß das Protokoll aus dem Buche wieder eiitferat werde, solle die Hand mit- den, wqs auch von der Majorität geschah. Jetzt begann die Wahl und wurde hierzu von mehreren Seiten einer unserer Parteigenossen in Vorschlag gebracht. Jedoch das war gegen den Befehl des Dlktators, welcher sofort erklärte:„einer der Sozialdemokraleu dürfe ein für alle Mal nicht wieder in den Bor- stand, da dieselben jesuitische Ziele verfolgten und ich ja ihm er- klärt habe:„wer nicht sür uns sei, sei(jegen uns." Ja selbst die Pa- rijer Kommune mußte herhalten. Da sich jedoch zu einem solchen Be- schluß die Versammlung nicht bewegen Uetz, so foroerle er den in Vor- schlag gebrachten Parteigenossen aut, zu wtoerrusen, was ich geiagt habe. Dieser machte ihm nun begreiflich, daß es Sache jed.s Einzelnen sei, seine Ansicht zu vertreten und er nicht daraus eingehen könne, lehnte aber überhaupt für jetzt jede Wahl ab. Nach unendlichen Mühen gelaug es schließlich, ein Mitglied zur Annahme des Schnftsührer-Ämtes zu bewegen. Trau, ig maß es um die Arbeiter stehen, ivelche einen solchen Man» als Vorsitzenden dul- den, der heute die Partei, zu welcher er vor Kurzem noch gehörte, ver- leumdet und beschimpft und jede freie, Regung>im Verein unter- drückt..... �. Heute noch ist er„Demokrat" und trotzdem erklarte er mir doch vor kurzer Zeit erst: Man ttlusz sich Ol seiucu politischen Met- uungsäuizerunge» mich Sem Geschäfte richte»" Auch der Wlrth des Bererusiolales loniue es Nicht unterlassen, in der Versammlung über den„Vol.Sstaat" in einer Weise zu spreche� die mir der Anstand verbleiet zu wiederholen; auch dieser ueiiut sich „Demokrat", wie ja jetzt überhaupt oer Name„Demokrat" sogar von den NatioualservUeii beansprucht wird. Was überhaupt diese �Leute unter„Demokratie" versleyen, davon noch eine Probe: Nach Schluß der Verei»so«sammlung erklärte mir der Wirth, der beste Demokrat sei überhaupt— der deutsche Kaiser.— C. Kett el jun. DaS Arbeiter-Paradies von Gtaub& Comp. in Kuchen Vber-Autt veitzltimen. Württemberg. Zu Anbelrachl der Bedeutung, welche dtese Firma unter der gesaminten Bourgeoisie besiyt(aus der Pariser Industrie- Ausstellung von 1867 erhielt sie von der inter nationalen Jury „Für ihre Bestrebungen zur Förderung des geistigen und materiellen Wohls ihrer Arberter" die große goldene Me- daille) bitten wir, die manchmal etwas deiaillirte Ausführung aus diesem Grunde zu entschuldige». Zugleich ersuchen wir alle arbeiierfreundlichen Blätier, von diesem Artikel Notiz zu nehmen und für weiteste Berbreitung zu sorgen. Der Verfasser. Als der Pietismus und da» Muckerihum, vorigen Sommer, den ehemaligen Feldprediger und jetzigen Arbeiterapostel, Sehmter aus Karlsruhe, auf seiner süddeutschen Mijsionsrelse auch in das Ar- beiter-Ouariier Kuchen sandte, begann er an der Seite des FabriW besiyers Staub seine Rede mit folgenden Worten:„Ich bin hierher gekommen, um einen Bortrag über die Arbeiterfrage zu halten, aber »ch sehe, daß es überflüssig ist, denn bei Ihnen ist die Arbeitersrage praktisch gelöst k." Wie diese Frage gelöst ist, wird aus Nachstehendem ersichtlich sein; nebenbei aber rennzeichnet es das Mucrerthmn, und was dasselbe unter Lösung der Arbeiterfrage versteht. In diesem von der Bourgeoisie aller Orte» hochgeprieseuen Eldorado, wo die Arbeiterfrage„gar nicht ertstirt', wo die„Harmonie zwischen Kapital und Arbeit" sogar die Hirsch-Duncker'schenEinigungsäinler überflüssig macht, das noch dazu in einem Bezirk liegt, den vie nationalliberale Partei als Domäne betrachtet und vor jedem schädlichen Einfluß auss Sorgfältigste zu bewahreu sucht, in diesem Paradies nun war das Maß voll bis zum lleberlaufen, und es lief über und wusch zugleich den, Firniß, der künst- iicher Weise die Schäden dieser Mufierfabnk verdeckte uno die Augen dermaßen blendete, so gründlich ab, daß unsere Bonrgeoisökouomen wohl uicht sobald wieder dieselbe als leuchtendes Beispiel voranstellen werden. Ohne alle und jede Verbindung mit der Außeuwelt(die Arbeiter kennen die gegenwärtigen Bewegungen kaum deni Namen»ach, ivodurch die Bourgeoisie sogar um das Vergnügen gebracht wiid, die Sache der„Jnrei nationalen Wühlerei" in me Schuhe zu schiebe») brach Montag den 11. Febr., durch die in der Fabrik bestehende Pen siouska»e veranlagt, ein Strite aus, au dem sich 146 Weber durch Ausnellung mehrerer Forderungen beihetligleu. Die jeder Forderung beigefügte Mouvirung wird die„gelöste Arbeiterfrage" des mit der goldeneig Medaille geschmückten MustcretablissenientS auf's Schlagendste widerlege», weshalb wir die Forderungen naher ansjühren, als es sonst bei Schrlderung von Nichl-Mustersabriken geschieht. l. vtnführuug etiler ItZstündtge»«rbeitSzcil unv Abstelle» der Muschiuru wahrcus ver Mittagszeit ua« 12—1 Uhr. Seither war die Arbeitszeit von Morgens ö bis Abends 7 Uhr, also 18 Stunden, außerdem aber wurde es durch Plakate angeschla- gen, daß jeder Arbeiter, der die Fabrik vor 8 Uhr oder halb 8 Uhr Abends verlaßt, um 1 Gulden oder im Wiederholungsfall mit Enr- lassung ohne Lohn gestraft wird; damit ward die Arbeitszeit auf 18'/«— 11 Stunden ausged.hnt. u. Erhöhung oe» Weberlohne» um zwei«renzer pro Stück. Um eine Uebersicht dieser Forderung zu bekommen, sei bemerkt, daß ein Arbeiter erster Klasse zu einem Stück, das mit 84 Kreuzer bezahlt wird, 1'/, Tag braucht; da er aber, allerdings nur mit größter Anstrengung, aus 8 Stühlen zugleich ardeilen kann, so bringt er in genauuler Zeit 8 Stück fertig, was bei resp. 13 resp. 14 stündiger Arbeitszeit eiuem Taglohn von fl. 1. ÜP/t, Kr. eutsp eicht; durch Gewährung der Aufbesserung käme der Tagesverdienst auf 1 fl. 26'/, Kr. (in Prozenten ausgedrückt etwa 6°/,). Das sind aber nur die deslen Arbeiter; unter 2t!6 in Kuchen dejebäfligien Webern arbeiten nur etwa 26 init 3 Stühle». Geringere Arbeiter brauchen zu einem Stück bis zu zwei Tag, was bei 2 Stühlen einen Verdienst(einschließlich einer Ausbesserung) von.36— 48 Kreuzer pro Tag bedingt. Ist jedoch schlech- ies Gar» zu verarbeiten, so verdient der best« Arveiter oft keine 7 bis 8 Gulden in 14 Tagen. Iii. Beibehaltung der Prämien. Wer z. B. auf 2 Stühlen in 14 Tagen 7„Gulden verdient, erhält 86 Kr. Prämie, und diese steigert sich bis zu 3fl. 86Kr. für Den, der 12 Gulden verdient, so daß, wenn dieser seltene Fall eiMritt, ein 14 tägi- ger Verdienst von 1ü fl. 86 Kr. erreicht wird. Wird jedoch in einem Stück eilt Fehler entdeckt,(und jeder Weber weiß, wie leicht es ist, einen solchen zu siiideu, wenn man ihn überhaupt fiudeu will,) so wird der Arbeiter erstens hiesür gestraft, zweitens aber bei der Berechnung der Prämie das fehlerhafte Stück nicht mitgerechnet. iv. Verwaltung der«rankeukaffe durch die Arbeiter. Trotzdem die Krunkenlasse aus den wöchentliche» Beitragen der Arbeiter ,— mäiinlichen wie weiblichen, von jedem verdienten Gulden einen Kreuzer— besteht, haben dieselben bei der ganze» Berwaltuiig nichts mitzureden, deuu JJ. 2 der Krankenkasieuslatucen dejagt:„Die. Fabrik- besitzer führen dee Vorstandjchaft die Berivaliuiig der Kasse, zu der ein Ausschuß, besteheuv aus zwei Aufseher» und zwei gut beleu mundeten Ardeitern beigezogen wird." Aufseher und Arbeiter weiden aber nicht etwa von dem ArbeitSpersonal gewählt, sondern von den Fabrikbesitzern ernannt, womit alles gesagt ist. v. Auflösung der Pensiouskasse uud HerauSbezahlung der abgrzogeneu Gelder an die Arbeiter. Diese Easje war der eigeulliche Stein des Anstoßes. End« des Jahres 1L67 gegi ündet, wußte» die Arbeiter weder etwas von Statute» »och Recheaschaftsberichien; als das Murren hierüber zu Ohren der Fabritbesitzer kam, entschloß man sich endlich im Dezember vorigen Jahres zur Herausgade von Statute». Rechnungsabschluß, obwohl in deu Statuten alif jeden 81. Dezember festgesetzt, fand man auch diesmal nicht für uöthig zu veröfsentlicheu. Den größten Theil des Eassadestandes legten auch hier wieder die Arbeiter eui, wie bei der Krankenkasse von jedem Gulden Verdienst einen Kreuzer, somit ist Keuntniß des Kassenbestandes, ganz abgeseheil von der gleichen Per- waltung wie bei der Krankenkasse, gewiß gerechtester Weise von de» Arbeitern zu forderu gewesen, aber wie gesagt:»ach Versluh von 4 Jahre» erhielten die Arbeiter noch nicht das Geruigste, was einem Einblick in die Äasseitverhältnisse gleichgesehen hätte. Nach den nun- mehrigen Statute», welche den Arbeitern zur Gutheißung nicht einmal vorgelegt wurden, sollen die Zinsen der Kasse verwendet werden: a) Zur Unterstützung für Wittwen und Waisen, deren Gatte oder Vater ms Angeslelller der Fabrik verunglückt oder gestorben ist und denen in der Fabrik uicht genügender Verbleust zu ihrem Fortkomme» gewährt werdeil iarni; dieselbe» erhalten'/, des Lohnes ihi«r Manner oder Bäler, wenil solche mi»oestens 5 Jahre bis zur Zeit ihres Todes in der Fabrik gearbeitet haben. b) Zur Uiilerstlltzung an Arbeiter, welche in der Fabrik verun- glückt und arbeitsunfähig geworden sind. Bei diesen ist eine Skala augenommen, welche von fünf zu fünf Jahren um'/l0 steigt, so daß bei einer fünf bis zehnjährigen Anstellung*'l0 des durchschnittlichen Jahreslohns als Pension bezahlt wird. Bei einem inittleren Arbeiter würde die Pension durchschnittlich pro Jahr 66 Gulden betrage». c) Zur Unterstützung au solche Arbeiter, welche 8ö bis 45 Jahre in der Fabrik gearbeitet habe». Erstere erhalt n bei voller Gesundheit die Hälfte, nicht etwa ihres durchschnittlichenJahreslohnes, nein nur die Hälfte des JahresverdrensleS der letzten 16 Jahre;»ach 45 jähriger Dienstzeit «rhäil derselbe seineil ganzen Loh», aber auch nur den Durchschuiit seines im Abneymeil begrifjeneu Verdienstes der letzten 20 Jahre. Zieht man diesen Slipulatioile» gegenüber das Durchschnittsalter der Arbeiter von 81 Jahre», sowie eiuc Pension von jährlich 66. Gulden in Betracht, so ist es den Aibelieru wahrhaftig nicht übel zu nehmen, wenn sie die Auslösung der ohne ihr Zulhun gegründeten Kasse verlangen und auf das„Schützen vor Mangel m ihren alten Tagen" durch die Hand der Herreu Siaud u. Eomp. verzichten wollen. Roch sei hier die Erwähnung zweier Fälle nicht zu oergesseu, welch« die Arbeiter in ihr-m Verlangen bestärlten; dieselben wurden dem Eomptoirperjonal(Direktor, Buchhalter K.) der Fabrikbesitzer ohne Widerspruch entgegen geHallen. Der eine bemsst einen Arbeiter, der m der Fabrik verunglückte und starb; statt der Unterstützung erhielt seine Wittwe die Antwort, sie sei einer Uuterstützuug nicht bedürsiig. Der zweite Fall betraf einen Schlichter aus Kuchen. Derselbe starb, nach- dem er etwa zehn Jahre in der Fabrik gearbeitet und vom ersten Tage »es Bestehens der PrNsionskasse seinen Beilrag wie jeder Andere bezahlt hatte. Er hinterließ eine halberblindete Wittwe. Was lhat nun die Musterfabrik? Sie ließ durch ihre Aufseher in der ganzen Fabrik eine Collccte veranstalten, um die Begräbnistkosteu für den Verstorbenen und eine Unterstützung für besagte Wittwe anfzub ringen. vi. Beschränkung der Strafe nach Matzgabe des Ichadens, bezichungsw. der Versäumnitz. Wenn man die veischiedenen Statuten des Etablissements liest, so glaubt man, die Gesetzbücher Mosis vor,, sich zu haben; wie dmt das stereotype„Der soll des Todes sterben," findet sich hier bei jedem Aitlaß:„Der soll gestrast werden." Wie ei» rother Faden zieht sich's von Anfang bis zu Ende mit Strafen und Prämien, um der Cor- ruption Thür und Thor zu öffnen. Kommt ein Arbeiter Morgens 5 Uhr(viele haben'/< bis 1 Stunde Wegs in die Fabrik) l2 Minu. ten zu spät, so bezahlt er 12 Kr., ioinmt er erst nach 7 Uhr, so be- zahlt er 30 Kreuzer Strafe; ebenso hart und überznäßig sind die Strafeil für etwaige Fehler an der Arbeit, welche, namenttich bei schlechtein Garn, oft von den geschicktesten Arbeitern nicht vermieden werden können.— Das Entstehen und der Verlauf des Strikes besteht nun in Folgendem: Früher arbeitete ein Theil des Personals auch die Nacht hindurch; vor Kurzem hörte das aus, und oas überflüssige Personal wurde enl- lassen, die männlichen Arbeiter erhielten das in die Pensionskasje ein- bezahlte Geld zurück, die weiblichen dagegen nicht; dieß, im:! erein mit dem Dunkel, das über der Kasse schwebte, veranlaßte Montag Morgen etwa 46 Mann, auf dem Comptoir die Auflösung der Kaste zu beantragen; trotz der größten Ordnung, die sie- deiviesen. wurden die Arbeiter von Herrn Staub in paschamäßiger Weise ab- gewiesen.„Wem's nicht gefällt der mache, daß er hinauskommt! Kei- neu Kreuzer bekommt Ihr!" Als aus dieses hin die Arbeiter den Fabrikhof verließen, eilte ihnen der Obermeister Stanß nach und sagte, sie sollten an ihre Arbeit gehen, Herr Staub wolle sich die Sache bis morgen überlegen; sie möchten in der Fabrik einen Zettel herum- gehen lassen, damit Die, welche die Auflösung wollen, Ihn uuterschrei- den und dann auf das Comptoir schicken. Als dieß Dienstag Morgen geschah und etwa 36 Man» unterschrieben halten, kam Fabridirettor Vickiel hinzu, uahm er einer Arbeiterin das Circular aus der Hand zerritz es und warf es auf den Boden. Das war natürlich Oel in's Feuer. Maffcnwcise pcrlictzen die Arbeiter Vie Säle, stellten sich im FabrilShof auf uud veilangten die Gewährung ihrer Forderung. Eine Deputation von 3 Mann verkehrte mit Herrn Staub (auf dessen eigene Aufforderung hin), richtete aber nichig aus; schon n ch den ersten Wckrlen gerieth derselbe in maßlosen Zorn, geberdelc sich wie ein Wüthender und agirte dermaßen mit Armen und Fäusten, daß er sich die Kleider zersprengte.„Ich diu dei Herr, ich bi» Euer Bater. ich muß tzuch erhalten, nichts bekommt Ihr, wem's nicht recht ist, der kann gehen", lieber 266 Personen verließen die Fabrik und wollten außerhalb derselben den Ort einer Versammlung bestimmen; da kam der Anwalt der Fabrik, Herr Buchhalter Merse, um mir heiseren Worten zu verkünden, daß, wenn die Aibeiter nichi augenblicklich Grund und Boden der Staub'schcn Fabrik verlassen, man sie sofort fcstnchlueu lassen werde. Nach gewohliler Bourgeoisweise wurde auch sofort um Gendarmerie tclcgraphirt. Nachmittags hielten die Ardeiter cineVertammlung in Kuchen ab, welche der dortige Schultheiß in Begleitung eines Gensdarmen, mit der Drohung verhindern wollte, datz er die Arbeiter, welche nicht sofort an die Arbeit gehen, verhaften laste» Werde. Auf das Versammlungsrecht hingewiesen, eilgchloß er sich eines Bessern, und wurden nun obige 6 Pnnkie bei athen, beschlossen und von 146 Personen unterzeichnet. Da das beauftragte Komilee an dem mit Gensdarmen besetzten Portierhaus der Fabrik zurück- gewiesen tvurde, sandte man den Polizeidtener mit der Abschrift der Beschlüsse in die Fabrik. Ander» Tags erkundigten sich die Arbeiter auf dem Schu!theißeil-Amt nach der Antwort, es war jedoch keine da; dafür erhielten sie. wahrscheinlich aus Versehen, von dem Slelloer- treter des abwesenden Schultheißen ein Schriftstück, angeblich vom Ober- amt Geißlingen eingesandt, welches in seiner Einleitung auf 8 153 der Deutschen Geiveibeordnuug hinweist und wörtlich also schließt: „Zu bemerken Ist noch: Daß die ilnterzeichnete Stelle vom«gl. Oberamt beaustragt ist, Jeden, der sich eine Verfehlung gegen die gesetzlichen Bestimmungen zu Schulden kommen lasse, sofort an das köngl. Odeyamt einzuliefern. Den 14. Febr. 1872. Schultheiseiiamt ströhlen." Die Handschrift dieses Erlasses hat, bis auf die Unterschrift des Schultheißen, die größte Aehnlichkeit mit der eines Buchhalters in der Fabrik, uud das Blatt trägt auf der Rückseite in Blaudruck den Firma- stempel der Fabrik„Staub und Comp, in Kuchen an der Fils, Wärt- temberg." j Daß dieses Schriftstück seine„Oberanitskanziei" im Komptoir von Staub und Comp, hatte, wird Jedermann so klar sein, wie der Zweck, zu welchem es dienen sollte. Eine Antwort, wix. gesagt, hielten die Herren Staub und Comp. im Gefühle ihrer Allmacht für vollständig überflüssig, wußten sie doch, daß diese Leiite, vermöge anderweitigen Arbeiismangels, sowie der ganzen Einrichtung ihres EtablisseinrnlS, so an die Scholle ge- bu n de n sind, daß sie nicht im Stande sind, ihre Fordernngen duichzu- setzen; als Pressionsmittel wurden die Angehörigen da strikeildeu Weber, Geschwister, Kinder oder Eltern, obwohl sich dieselben an d m Sirike nicht betheiligien und trotzdem die„Musterstatuten" sechs- wöchentliche Kündigitng vorjchleiben, sofort eutlastc». Auf dieses hin ging der Strike in der ersten Woche ichon in die Brüche, gegen 26—25 Arbeiter ober sind auf gehässigste Weise g ein aß regelt, es wurde denselben der rückständige Lohn zurückbehalten, solche», die in Ar- beiterhäusern woyolen, ihr Moviliar bereits aus die Stratze ge- stellt, ja es wurde sogar Arbeitern, welche eigene Hauser besitzen und einen der Strikenden in Wohnung hätten, mit Entlastung gedroht, wenn sie denselben nicht sofort zum Hause hinaus- schasten. Für Herrn Staub und Comp, ist dies ein Pyrrhussieg, aber für die goldprämiirte„Mustersabrit" eine Niederlage, von der sie sich nicht so leicht erholen wird. Der Bonrgeoispresse aber, welche Angesichts dieser Schilderungen dennoch den Much haben sollte, auch fernerhin die Herrlichkeit di.ser Anstalt und die in derselben herrschende„Haimonte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer" der Welt vorzuspiegeln, namentlich auch unseren schwäbischen Zeitungen, welche stets mit vollen Backen„nnsre glücklichen Arbeileiveruältiiisse" in die Well hinausposaunen, rufen wir zu:„Geht hin und üoerzeugt Euch von den so sehr gepriesenen Zuständen Eures Paradiejea selbst, aber sehr fie nicht durch Eure gesalbte BourgeoiSbrille an, indem Ihr Euch vom Fabrikinspektol herum- führen laßt. Seht, wie in dieser„Musterfabrik", trotz des 8 128 der deutschen Gewerbeordnung, selbst die oou Euch bekämpfte Kiu der- arbeir eingeführt ist, seht Euch diese Geschöpfe au welche vom 8 Lebensjahre, jede» Tag von Morgens fünf bis Abends'/«bi auch 8 Uhr. ausgenommen 3 Stunden Schulzeit, für welche dtese armen Teufel der Fabrit alle 14 Tagen noch 26—24 Kreuzer Schulgeld entrichlen müssen, sich abrackern müssen und in der Fabrik dahinsiechen, und dann kommt und straft uns Lügen, oder verhimmelt Euer Paradies wieder, ohne daß Euch die Schamrölhe ins Gesicht steigt!"— Wolfenbüttcl, den 26. Feb. In zwei staiigehabten Versa mm- lungen der Schne i der-Gese lie n zu Wolfenbüllei wurde dieLohn- frage besprochen und das heulige Lohnsystein als ungerecht erkannt; und beschlossen, eine Lohnerhöhung von 25 Prozent anzustreben. Die gewiß descheioeile Forderung wird jeder Mensch billigen, der da weiß, wie der hiesige Gejchäflsiozn im Vechäiiniß zu andern Städte» ist; die Frage, od es nicht geeigneter wäre, den Normalarbeitstag von l6 Stunde» elnzusühren, wnrve, da wir noch mchl organisirl sind, auf eine spätere Zeit verschoben. Hosjenlllch werden wir unseren Brü- der» bald wieder die Hand reichen und uns der allgemeinen Bewegung cknjchlseße», wie es früher gewesen ist. Darum Kollegen uno Bräoer unterstützt uns jetzt schon, indem Ihr den Zuzug, so v et es möglich ist, von Wotfenbüttel serichaiUt. Am 2. März ist die den Arbeitgebern gestellte Frist abgelaufen, und wir werde» über den weitern Verlauf unserer gerechten Sache lm „Bollsstaal" und„Braunschweiger Volkssreund" enchien. Mit sosial-demolcattschem Bruoergrug. Im Auftrag: Fr. Holzyäußer. Leipzig Am 26. d. M. warvom.P r e ß d e II g e l k l u b eine Ber- sammlung der Buchbinder-Gehäilien einberufen; dieselbe war gut besucht und von guter Stimmung. Die TageSordnueg bildete: „Was gedenken die Gehttlfen gegen das Vorgehen des Buchbinderei- desitzer-VerbandS zu thun?" Folgender Antrag wurde �einstimmig ange- nommen:„Die Versammlung beschließt, eine stehende Kommission zu wählen, welche eine Erklärung ausarbeitet und eine weitere Versamm- lung einberuft". Sammlung zur Kostendeckung ergab 9 Tblr 16 Gr. Zur Quittung des Chemnitzer Strikekomitees. London, 26. Febr. Der Uiiterzeichnele sandte in der Mitte des Monats'November 1871 3 Pfund Sterl.(26 Thlr.) an F. Hnsmann zur Unterstützung des Chemnitzer Strikes. Wie kommt es, daß dieses Geld in der verössenllichten Abrechnung nicht angegeben ist?— L. Frankel Mitglied des Arbeiterbildungsvereins, deutsche Sektion der Interna- ___________ tionaleu._________ Für politisch Gcmaszregelke. Vom ArbeiterbiUmngs-Veretn Göppingen 1� Thlr. 4 Gr. 5 Pf.; von demselben f. Frau Dittrich 1 Thlr. 4 Gr.; Sammlung beim Stif- tunasfest des Arbeiter-Bildungs-Vereins in L. 7 Thlr 16 Gr.; v. P. in Lindenau 5 Gr. f. Frau Dittrich; v. W. Kirschner in Neuschönefeld 1 Thlr.; von den Parteigenossen Pfersees 23 Gr. Für Feuerbach. Von Julius Dbr. in Loh dei Schwelm 1 Thlr.jjj Quittunsi. Es sind uns zur Unterstützung zugegangen: 35 Thlr. durch Herrn Lübeck(Demokratische Ztg.) 1 Thlr. Verein der Arbeiter Hohenstein- Erustthal. 8 Thlr Leipzig, Arbeiterverein durch Bebel. 1 Thlr. Ham- b irg, ungenannt. 2 Thlr. Berlin, Dr. Jakobi. 1 Thlr. aus Rönne- buriz, Arbeiterbildungsvereiil d. Hrn. Fuchs. 6 Thlr. aus Jena, mit dein freundlichen Grüß„Gut Heil!" 3 Thlr. vom Arbeiterverein aus Reicheiibach d. G. A. Seidel, jl Thlr. Volksverei» zu Frohburg d. Otto Häußler. 8 Thlr. 15 Sgr. bei einer Abendnnterhaltung ge sammelt, erhalten d. Hin. Trag und Lange. 9 Thlr. 6 Sgr. 6 Pf. durch die Redaktion des„Criinmitschauer Bürger- und Bauernfreund". l Thlr. Fra» Kubasch aus Bautzen. 16 Gulden ans Reichenberg in Böhmen d. H. V. Schiller. 5 Gulden durch Herrn Anton Hofmann aus Prazau, beides durch Sammlung bei einem Arbeiterballe. 5 Fl. sind mir durch Herrn Hofmann als Unterstützung der Knetzauer Arbeiter übergeben worden. Mit bestem Danke und der Bitte an die Parteiblätter um ges. Rotiznahme von der Quittung Frau B. Dittrich. Briefkasten der Redaktion. Cöln. Die Photographie Blanqui's werden wir wohl in Kurzem erhalten und dann vervieliältigen lassen.— I. Lippmann in Mainz. S. vorigen Briefkasten. Ein Brief an Sie ward als unbestellbar retournirl. R. in Berlin: Engelhardt, Schuhmacherstr. in Meeranc: H. Albert, gr. Webergasse 4. Glauchau. der Expedition: Hock, Regensburg s. Schrft. 4 Thlr.— Frz. St. in Berlin 1 Thlr. 3 Sgr. f. Schrit. erh. R. W. in Prag: Bitte um MittheiUmg einer Adresse, an welche ein Brief zur Beantwoitung der Fragen gesandt werden kann. H. Wilhelm in Hohenstein-Ernst- thal: die 7 Thlr. sind nicht an mich ausbezahlt worden, wegen der Ännoiice muß ich eist rechcrchiren. Kür Newyork Sektion I der Jnienmitonalen Aibeiter-Asiozialion(Allgeineiner Deutscher Arbeiter- Verein) zu Newyork versammelt sich jeden Sonniag Abend 8 Uhr im 16 Warb Hotel, coi zEcke) Broome n. Forsygth Str. Für Breslau. Sozial-dcmokrattsche Arbeiterpartei. Sonntag, den 3. März Abends 6 Uhr gesellige Zusammen- kunst mit Damen in Griehl's Restauration Brettestraße 4 und 5. Da diesmal für ein günstiges Lokal sowie für gute Bewirthung Sorg« getragen ist, so sieht einer recht zahlreichen Bethcilignng entgegen S Dehme Für Uolu. Deffentlichc Bersammlung der sozial-demokratischen Arbeiter- Partei Sonntag, den 3. März morgens halb 11 Uhr im Lokale des Bierbrauers Wisdorf, Thieboidsgassc 162. Tagesordnung: Be- sprechung über A rbeirerstansiik. Alle Parteigenossen sowie alle Abonnenten des„Vollsstaat" sind zu dieser Berzammlung dringend eingeladen. Im Auftrage: G. Heinrichs. Für Augsburg. Literarischer Bercin. Sonntag, den 3. März Nachmittags 3 Uhr Bersammlung im Geisterhaus, Zahlreichem Besuch sieht entgegen is. Knüller, Voisitzeiider. Für Hannover. Sozial-dcmvtraltscher Arbeiterverein. Sonnabend den 2. Mär, findet im Lokale des Herrn Bartli ng, Knochenhauerstraße 59, Abends punkt 8 Uhr Versammlung statt. Tagesordnung: l) Sozialpolitischer Wochenbericht, Referent Lohnieier. 2) Bortrag über: Das Christentbiinl und der Sozialismus, Referent Reichelt. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ist Ehrensache. Freunde sind willkommen._ Der BorsiiZende� Für Ronneburg. Sozial-demvkrattscher Bolksverein- Sonntag, den 3. März Abends Punkt 7 Uhr Hauptversamm- lung im Vereinslokal t Schießhaus). Tagesordnung: Ii Besprechung über das Vergnügungsfest. 2) Umfrage._________ Ter Bo.staud " Für Leipzig. Einladung zum Krümchen der Gewerkschaft der Holzarbeiter und deren Sektionen, der Glaser, Böttcher und Stellmacher in den Räumen der Centralhalle, Sonnabend, den 2. Rtärz. Anfang 7 Uhr. Programm: Conzert, Festrede von Herrn Bebel. Ball. Entree für Herren 2Ngr., für Damen 1 Ngr. Tanzabzeichen 7'/, Rgr. Alle Gesinnungsgenossen, Freunde der Gewerkschaft und die Mlt- glieder anderer Gewerlschaftcn werden zur Theilnahme hiermit freund- lichst eingeladen..... Den Mitgliedern zur Kenntnißnuhme, daß der Bevollmachtlgte O. Stelzer nur in den Mutagsslunden von 12-1 Uhr expediren kanil, und zwar in der Pianosorlefabrik von Fenrich, Weststraße.__ „Herr Vogt" 2 Bogen stark, groß Oltav); di die einzigen noch die unterfertigte Erpe- von Aarl Marx(12 Bogen stark, groß oorhanden sieben Exemplare sind durch dilio,� zu b>,seheii. � des„Volksslaa t" bestimmt, und ist der Preis per Expl. aus 3 Thlr. feztgeflellt. Die Expedition des Lolköstaat. j 1) Durch die Expedtttön des Bolksstaat ist zu beziehen: „1.» Kevuuolie" de la France et de la Commune, par un re- preseutant du peuple de Paris. Preis 1'/, Ngr.(21 ,.L.» Depiliere R�volnliou" Rdponse a rAssemblde Souveraine de Versailles, par le citoyen C. F. Garnbon, Ex-re- prdsentant du Peuple, Membre de la Commune de Paris et du Comite de Salut public. Preis 5 Ngr.__________________. Bekanntmachung. Den Lesern des„Potlszlaal" n Reudnitz Reuschönefeld, Boll- marsdorf, Sellerhausen, Crottcudorf, Anger wird betaiml ge- geben, daß vom 1. Keviuar an bei Herrn Schneider L. Pressel lN Voltmarsdorf, Ewaldstr. 74/2 eine Filialexpedition errichtet ist. Abonnements werden dort igenommen, auch sind dorijelbst einzelne Nummern zu haben. Leipzig, 36. Jan. 1872. Die«rpedition des„Bolksstaat''. _ w)- Leipzig: Verautw. Redakteur A. Hepner(Redaktion u. Expedition 4) Druck U Verlan von F.! hielt.