M 22 Sommbcud, 16. März 1872 Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- landeS an. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstruße 18, F.Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AionttetncntSpretS: Für Preußen iucl. Stempelsteuer 16Ngr.,für die übrigen deutscheu Staaten 12 Ngr. per Quartal. Filialerp edition für die Ver- einigten Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. nxNewyork Orgüll der so)ial-demokratischen Arl>elterpartei und der Internationalen Gewerksgenusseilschaften. Zur Beachtung. Die Redakteure dieses Blattes sind bei der jctzi gen Laae der Dinge nicht im Stande, die ihnen von auszerhalb zugegangenen Mittheilungeu über Partei- angelegcnheiten so schnell zu verösfentlicheu, als sie es wünschen. Tie bitten deshalb nm Rachsicht. Zn- gleich machen sie darauf aufmerksam, das; in den von ihnen herausgegebenen..hl: Unser Parteiprogramm besagt, daß die Partei sich, so weit es die Vcrcillögcsetzc gestatten, als Zweig der Interna- tionalen betrachtet und deren Bestrebungen llch anschließt. Daher wi- Verspricht die Anklage dem Anklagematerial welches ausdrücklich darlhut, daß. jede Nnqejeylichkeit ausgeschlossen war Es.st ebenfalls falsch, daß die Jnternatlonate revolntionar lm strafbaren«»»ie fei. Die geistig bedeutendste Kapazität der Zmernationalen, Karl Marx, hat die in der Anklage gemeinte Art der Revolution enlichieden verdammt, dagegen ausgeführt, daß Revolution das jortwahrend pul- sirende Leben der Gesellschaft bildet... r Wir wollen eine radikale Umgestaltung, kerne Palllativmiltel, darum nennt man uns revolutionär. Sehr wohl, aber hier ist der Begriff des Revolutionären nur der Gegensatz zu dem Begriff Re- �r�.z°Wort notorisch wird gewöhnlich gebraucht wo Beweise fehlen— so auch in diesem Punkte der Anklage. Ich verlange Be- weise dafür, daß die Internationale revolutionär- Ziele im Sinne der Staatsanwaltschaft und der Anklage verfolgt. Dieses:„notorisch" aenügi mir picht. MitMarr habeich freundschaftlich korrespondir», er ist mein Freund seit Jahren— aber ich habe so wenig von ihm, wie von sonst Jemand Befehle entgegengenommen und Jedermann, der mich kennt, wird es unterlassen mir zu insinuiren, daß ich mich leiten� l-ße. de» t: �ie bestreiten nicht, daß Marx ein Leiter der �"�Li-bkn°ech°/:�Marr ist der Bahnbrecher der sozialistischen Ideen, -ine»ationalölonomische Eapacität, lein F ü h r- r der Jnt-rnalio, ,alen Es gibt keine solchen, Marx ist nur korrespondrrendcr«Sekretär für �"�Prästdent: Sie korrespondirten mit Marx! Liebknecht: Noch jetzt. Er ist mein Freund. Präsident: befragt Bebel in Betreff der Verbindung mit der Inte! nationalen. Bebel: Eine gesetzwidrige Verbindung der Partei mit derJnler- nationalen bestand und besteht nicht es sind nicht einmal Beiträge nach London gezahlt worden. Die staatsaittvaltliche und Polizei- liche Anffassttng des Wortes Ncvoiutio» ist in vielfachen Auikeln des Bolksstaat unh in Broschüren von Seiten unserer Partei stets zurückgewiesen worden. Jch schtießs mich deu hierauf bezüglichen Ausführungen Lieblnechts an und verweise besondersauf die Broschüre von Lassalle: Tie Wisseilschuft und die Arbeiter, wo die Beden- rung des Wortes Rcvotulion imssenschaitüch cutwickelt wird. Angeklagter verliest die betreffende Stelle Seils 17 der Broschüre„Arbei- terprogramm" von Lassalle, wo ebenfalls nachgewiesen wird, daß eine Revolution sich nicht machen lasse. Nur Tollköpfe könnten sich daS einbilden. Auch eine Reihe von Artikeln sin„Bolksstaat" mit der auffallen- den lieber christ„Tic soziale Revolution" besagt dasielbe und diese Artikel sind von deu Beuorden nicht verfolgt worden. Anweisungen von London haben wir nie befolgt. Ich babe nie in Parteiangelegen' heilen an Marx geschrieben und nichts derartiges ist mir b-kannt. «der auch der Ausschuß durfte nicht einmal Weisungen von London entgegennehmen— er war der Partei verantwortlich und nur von ihr durste er, muffte er aber auch sich Vorschriften gefallen last n. Präsident. Ob Lassalle's Definition im Gerichtssaale Anklang finden wird, lasse ich dabin gestellt sein. Hepner spricht sich über denselben Punkt der Anklage in ahn lichem Sinne aus wie Liebknecht und Bebel. Präsident: Die Handlungen sollen nach Punkt 1 der Anklage zum Zwecke deS Vorhabens eines gewaltsamen Angriffs gegen Sachsen, den norddeutschen Bund und das deutsche Reich gethan sein. Liebknecht: Ich glaube, trotz seiner Militärmacht wird wohl das deutsche Reich schon nicht mehr bestehen, wenn unsere Ideen die legale Majorität erreicht haben. Es wäre also Thorheit von mir, nach dem Umstürze des Reichs sc. zu streben. Eine Partei, welche nach der Majorität des Volkes strebt, kann überdies nur bei Anwendung gewaltsamer Mittel verfolgt werden. Hat sie aber einmal legal die Ntajorität erlangt, so ist sie überhaupt die maßgebende Partei und ihre frühereu Gegner würden nach der jetzigen Praxis dann auf die Anklagebank gehören. Bebel: Wir haben, speziell ich, immer betont, daß eS sich nur um Organisation, nie um gewaltsames Auftreten handelt. Organisation ist nöthig bei der Mittellosigkeit der Arbeiter, sie können sich nur bilden mit Hilfe der Organisation. Die Bildung der unteren Klassen war ja vernachlässigt. Hepner: Der Wunsch der Beseitigung einer Verfassung kann keine Borbereitung zum Hochverrath sein; Verfassungen sind ja schon oft geändert, ja beseitigt worden, ohne daß die Existenz des betroffenen Staates gefährdet war. Präsident: Verschiedene Einwendungen, die ich zu machen hätte, spare ich mir, gemäß meines Programms, für die Beweisausnahme ans. Wenn von anderer Seite nicht Fragen gestellt werden, so gehen wir über zur Verlesung eines historischen Ueberblicks der Arbeiterbe- wcguug. Es werden keine Fragen gestellt: die Verlesung des historischen Uebeiblicks erfolgt bis zum Schlüsse der Sitzung. Sitzung vom 12. März. Bei Eröffnung der zweite» Sitzung sind erschienen die Zeugen: C.riminalcommissar Weller aus Dresden. � i> Knetzfchke, Leipzig. Lössing, Plauen. Oberlehrer Dr. AttS. Hoffman», Plauen. Dieselben weiden, da noch keine Veranlasiung zur Vernehmung vorliegt, vorläufig entlassen nud der PrasiSent deS Gerichtshofes kom. t nun zu der von der Vercheidigung beantragten Verlesung der Requisition deS Bezirksgerichts au die Äicffcner Polizei. Diefelbe verlangt bloß Auskunft über etwaige frühere Bestrafungen und über die Verniögeusverhältnisse des Angeklagten Liebknecht. Ein Antrag des Beriheidigers Freqtag aus Plauen will, daß die weitere Verlesung des Nürnberger Protokolls, womit der historische Ueberblick der Arbeiterbewegung gestern begonnen, unterlassen werde. Da der Staasanwalt aber nur mir thcilwciser Weglassung sich einverstanden erklären will, so besteht der Vertheidiger auf der ganze» Vorlesung, und hierauf sieht sich der Staatsanwalt veranlaßt, von feinem vorigen Begehren abzustehen. ES wird hierauf den Angeklagten gestattet, sich über daS auS dem Protokoll des Nürnberger«ünflen Bereinstaae« Verlesene anizusprcchen. Der Angeklagte Liebknecht erklärt: Ich würde, wenn die vor- etragenen Reden nicht als Belastungsmaterial wären angezogen wor- cn, dieiclb.'n als Eutlastungsmaterial vorgeschlagen haben. Ebenso hält Bebel das Nürnberger Protokoll auch für entlastend und Hep- „er erklärt, daß er zur Zeit jenes Vereinstages noch nicht in der Be- wegung gestanden habe. Es erfolgt die Verlesung des Programms des lKiseuacher Ver- eiiistages, auf welchem der Verband der deutschen Arbeitervereine zu Gunsten der liizwischen enistandenen sozialdemokratischen Arbeiterpartei aufgelöst wurde. Zu demselben hat Hepner wiederum die Bemerkung zu machen, daß er damals noch nicht in der Bewegung gestanden. Der von Liebknecht und Bebel unlerzeichnete Ausruf vom 23. Juni 1869 an die Parteigenossen, ge.ichtet gegen Hrn. von Schweitzer und chließend mü dem vom Präsidenten als sehr wichtig behandelten Aus- ras:„Hoch die Sozialdemokratie! Hock die Internationale Arbeitcr-Assoziation!" wird ebenfalls verlesen. Es laulet: Parteigenossen! Ihr wißt, wie wir nach der Generalversammliiiig des Allgemei- neu Deutschen Arbeite.-Nereins in Barinen-Elberfeld iir Nr. 14 des „Demokratischen Wochenblattes" erklärten, keine Angriffe weiter gegen Herrn von Schweitzer zu bringen. Wir haben unser Wort ehrlich ge- halten, und die»iir Herrn von Schweitzer einige Wochen später ge- trossene Uebereinkunst(siehe Nr. 17 d. Bl.) streng erfüllt. Nicht so der Gegner, wie u. Ä. die auf Herrn v. Schweitzer direkt zurückzu- lihrenden Vorgänge in mehreren Leipziger Versammlungen beweisen. Unser Austreten in Thüringen und die Billigung, welche es Seitens der dortigen Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereins sand, hat Herrn von Schweitzer nicht behagk, er beging die Lächer- lichkeit uns verbieten zu wolle», ohne seine Einwilligung und Genehmigung mit Mitgliedern seines Vereins zu verkehren. Wir haben-ine solche Zumuthung einfach zurückgewiesen. Das giebt Hrn. o. Schweitzer Veranlassung, im„Sozial- Demokrat" vom 23. Juni zu silktären, daß er unsct Benehmen als„Vertragsbruch" ansehe und sich an die stattgehabten Abmachungen nicht mehr gebunden halte. Wir nehmen den uns hiiigeworsenen Fehdehandschuh freudig auf. Die Komödie, welche Herr von Schweitzer und Herr Mende als Prq- sideuten der beiden Fraktionen des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins im vollen Emverständnisse mit der Frau Gräfin Hatzseldt und ihren höheren Protektoren jetzt aufführen, hatte, wie uns' vom ersten Augenblick klar war und uns von befreundeter und genau unter- richleter Seite bestätigend mitgetheilt wurde, keinen andern Zweck als die, beiden Herren über den Kopf zu wachsen drohende Opposition in den eigenen Vereinen gemeinsa>n niederzuhalten und zugleich den Kampf mit uns nachdrücklicher führen zu können. Die„Lassalleaner," wie die zwei„Führer" gut orthodox und un- demokratisch ihre vereinigten Fraltionen nennen, sollen gegen nnS, die ehrliche Sozial- Demokratie, gehetzt werden. Die Posse in der Pan- theonsversammlung in Leipzig, wo„Präsident" Mende selbst das Wort führte, hat das bewiesen. Wohlan, wir treten mit aller Kraft und Zuversicht in den Kamps ein und werden ihn führen Hand in Hand mit den prinzipientreue» klarblickenden Elementen im früheren Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Verein. ES wird sich zeige», ob die Eorruption, die Gemeinheit, di: Be- stechlichkeik ans jener Seite, oder die Ehrlichkeit und die Reinheit der Absichten auf unserer Seite den Sieg davon trägt. Unsere Losung sei: Nieder mit der Sektirerei! Nieder mit dem Personenkultus! Nieder mit den Jesuiten, die unser Prinzip in Worten anerkennen, in Handlungen es verrathcnl Hoch lebe die Sozial- Demokratie, hoch die Internationale Arbeiter-Assoziation I Leipzig, den 23. Juni 1869. Liebknecht. Bebel. Angekl. Liebknecht: Er werde später Gelegenheit haben, sich ausführlicher über dieses Schriftstück zu äußer». ES sei bloß eine kleine Episode des Kampfe», den sie gegen den preußischen RegierungS- sozialismu» und seine Satelliten zu fuhren gehabt hätten. Angekl. Bebel geht aus die Generalversammlung de» Allgcm. Deutschen Arbeiter-VereinS zu Barmen-Elberfeld 1869 näher ein. ES sei trotz aller Anklagen auf dieser Versammlung eine Vereinigung mit v. Schweitzer erzielt worden, die dahin gegangen wäre, in ven Par- teiblätteru sich gegenseitig nicht mehr anzugreifen; v. Schweitzer hatte jedoch diese Uebereinkunst zuerst verletzt; daS sei der Grund zum Er- laß deS Aufrufs gewesen. Hepner, befragt, hat nichts hinzuzufügen. ES wurde nun ein Aufruf vom Juli 1869 an die Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereins, von Bremer, Bracke, Spier, Ehler» u. s. w. unterzeichnet, verlesen. Der Präsident hebt hervor, daß die Unterzeichneten, Spier, Bracke-c. Mitglieder de» Ausschusses der sozial-demokratischen Arbeiterpartei waren. E« wird darin die Einigung sämmtlicher Arbeiter als Herausforderung hingestellt, ferner zur Eile, zum raschen Handeln Angesichts der immer mächtigersich ausbreitenden Wogen der Bewegung und der bevorstehenden großen Ereignisse u. s. w. aufgefordert. Liebknecht: Als v. Schweitzer bemerkte, daß seine Leute wan- kcnd zu werden begannen, setzte er ein kleines PlebiScit in Scene, worin der Begriff„fonoeräncs Volk" in Schwelzer'schem Sinne zum ersten Male austrat. Der Passus„Angesicht» zu erwartender großer Ereignisse" in obigem Ausrufe gestatte nicht im Geringsten die An- nähme, daß diese Ereignisse hätttn vorbereitet werden sollen. Beweise daS ja schon das Datum deS Aufrufes, da er zu einer Zeit erlassen wurde, wo jeder vernünftige Mensch einen Krieg zwischen den beiden Kultur- mächten Frankreich und Deutschland voraussehen konnte, wo in Spanien nicht lange vorher eine Militär-Revolution bereit» auigebrochenen war. --- Der Aufruf war bloi in dem Sinn erlassen, eine Einigung der Arbeiter zu erzielen. Der Ausdruck, sie sollten sich zu „kühner Tbal" ermannen, hatte die Bedeutung, daß die Arbeiter sich vereinigen sollten, um bei einer kommenden politischen Krisi« sich nicht gegenseitig zu zerfleischen. Darin sei nichts Strafbares. Hauptzweck war, der künstlichen Verhetzung der Arbeiter durch v. Schweitzer und die preußische Regierung ein Ziel zu setzen. Späterhin werde er noch Gelegenheit nehmen, nachzuweisen, in welcher Art die v. Schweitzer ge- leiteten Arbeiter zu Akte» roher Gewalt aufgereizt worden seien. Er erwähnt die Exzesse in Leipzig bei Ausbruch des Krieges. Wir haben darum eine sittliche Pflicht erfüllt, indem wir die Arbeiter Männern entrissen, die sie mißbrauchten. Bebel: Der Prästdent habe hervorgehoben, daß Spier und Bracke, die Mitglieder deS Ausschusses gewesen seien, den qu. Aufruf mit unterzeichnet hätten. Er müsse bemerken, daß damals der Ausschuß noch nicht bestanden habe. Er habe im Uebrigen in diesem Aufrufe nichts Verfängliche» finden können. Die Unterzeichner waren hervor- ragende Mitglieder des Allgem. Deutschen Arbeiter-VereinS und mußten »ach den vergangen in Barmen- Elberfeld i» dieser Weise vorgehen, uni Herrn v. Schweitzer möglichst viele Mitglieder zu entreißen. In Bezug auf den Ausdruck„Angesichts zc." trete er dem von Liebknecht Gesagten bei; Arbeiter haben das Recht, gemeinsam sich über vor- tomiiiende Ereignisse zu verständigen, wenn ihre Interessen durch die- selben auf's Tiefste berührt werden; sie müssen sich fragen: Aufweiche «Seite wirst Du Dich in diesem oder jenein Falle julleii? Von Hoch- v-rrath finde er in diesem Ausrufe keine Spur. Der Präsident bemerkt, daß er sich allerdings unrichtig auSge- drückt; er hätte sagen müssen, Spier und Bracks seien später Mit- glieder des Ausschusses gewesen.> Liebknecht bemerkt, daß die«, obgleich der Aufruf zumeist von prcufftschen Bürgern uiiierzeichnei sei, trotzdem die preußische» Staats- anwälie ihn»nbemistandct gelassen haben. Daß die sächsischen Be- Hörden dagegen bis dato nichts gethan, sondern erst seit der Löffeuer Ketten-Aflaire so viel Aufhebeiis mit jedem hannloien Schriftstücke mache», davon werde er später sprechen. Hepner glaubt, Jedermann sei berechtigt, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen, um die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen. Advokat Freytag will koustatirt wisse», daß die Angeklagte» bei diesem Aufrufe nicht mit unterzeichnet seien. Der Präsident acceptirt dies. Hierauf wird aus Nr. 29 des demokratischen Wochenblatt« der Aufruf a» die deutsche Sozialdemokratie zur Berufung des Eisenacher Kongresses, auf dessen Tagesordnung auck ein Punkt in Bezug auf die Internationale Arbeiter- Assoziation enthalten ist, verlesen und konstatirt, daß Liebtnecht»nd Bebel dieses Schriltstück mit unter zeichnet haben. Der Präsident legt namenilich Gewicht aus die darin angestrebte Erzie'ling der Einigung sämmtlicher Arbeiter, welche die Möglichkeit zu großartiger Machtentsaltung derselben gewähren sollte; ferner betont er das Berhältniß zur Internationalen. L i e b kn e ch t: Der Ausruf ist das Resultat des Auflösungs-Prozesses, der sich im Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Verein vollzog. Es haben alle Jene den Ausruf unterzeichnet, welche keine AuS- beiltung der Arbeiterbewegung zu Gunsten der Junkerpartei und der Polizei wollen,»nd wenn die Ausdrucksweise des«Bchriftstück« durch das Vorkommen von Worten, wie:„Revolution",„eherner Finger",„spaltender Keil">c. Manchem haarsträubend erscheinen mag, so ergibt sich doch die vollkommene Harmlosigkeit daraus, daß nichts, absolut nichts Anderes von den Arbeitern gesordett wird, als Einig- teil! Oder sollten wir gerade zur Forderung der Einigkeit nicht berechtigt sein, da es doch alle anderen Parteien sind? Ferner— in dem vorverlesenen Aktenstücke war von dem Hereinbrechen einer neuen Zeit die Rede— hier zeigt es. steh, was damit gemeint war: nichts Andere?, alt daS allerdings wichtige Ereigniß der thatsächlichen Schaffung einer Arbeiterpartei. Wenn irgendwie hochverrätherische Ziele angestrebt werden sollten, dann müßte wenigstens ein Ausdruck dahin lauten. Statt dessen erstrebten wir Einigung, damit die Arbeiter daS politische Recht, welches Adel, Bourgeoisie und Psassen- thum seit lange ausüben, auch gebrauchen lernen. Daß sie das Recht dazu haben, wird die Anklage wohl nicht b streiten. Betreffs des Passus„kommende Ereignisse" wolle er noch be- merken, daß für ihre Bestrebungen dann schon eine neue Zeit heran- gebrochen sei, wenn die Arbeiter die Ueberzeugung gewinnen, daß sie Menschen seien, die ebinso, wie die Bevorzugten, auf eigne Rechnung Politik treiben könnten. Bebel erklärt hierauf noch zu diesem Punkte: Ei ist die That- fache, daß die Ausstellung eines gemeinsamen Programms in jenem Ausrufe verlangt wird, als verfänglich behandelt worden. Wie konnten die Theilnehmer anders handeln, wenn sie sich vereinigen wollten? Eine Vereinigung vorher getrennter Massen konnte nur aus Grund eines gemeinsamen Programms geschehen. Daß dies Programm ge- fährlich sei, erscheine schon deshalb eiaenthllmlich, weil man eS Jahre lang unbehelligt unter den Augen der Behörden habe verbreiten dürfen. Erst jetzt finde man eine Gefahr darin. Zur Internationalen Arbeiter-Assoziation aber mußte die gesammte Partei Stellung nehmen, da die einzelnen Bestandtheile derselbe», so die Nürnberger Gruppe und der Allgemeine Deutsche Arbeiter-Ver- «in im Jahre 69 bereits zu ihr Stellung genommen hatten. Prinzipielles Einverstäiidniß mit den Tendenzen der Intel- nationalen könne überhaupt nicht als„staatsgefährlich" betrachtet werden. Präsident: Wir kommen nun im weiteren Verfolg der Ge- schichte der Arbeiterbewegung zu dem in Eisenach am 7., 8. und 3. August zur Konstituirung der Partei führenden Kongreß, von welchem uns zwei Aktenstücke vorliegen: 1) Das dort festgestellte Programm und die Organisation der sozial-demokratischen Arbeiterpartei. 2) Das Protokoll des genannten Kongresses. Man kommt überein, erst zur Kenntnißnahme des Protokolls zu schreiten und nach einer kurzen Pause beginnt die Borlesung, nicht des gaiizen Protokolls, sondern nur einzelner Theile uuter Berück- sichtigung aller hierzu geäußerten Wünsche der Vtrtheidiguug sowohl, als auch der Staatsanwaltschaft. Zunächst wird verlesen Seite 14 Nr. 2. Nachdem verschiedene Stellen aus dem Protokolle des Eisenacher Kongresses verlesen waren, wird gegen 11 Uhr 55 Minuten eine Pause gemacht. Gegen 12'U Uhr Mittags wird die Verhandlung wieder eröffnebund dem Wunsche eines Geschworenen, daß ein Exemplar jenes Protokolls der Geschwornenbank zu überweisen, entsprochen. Nachdem noch einige Stellen aus dem erwähnten Protokolle zur Verlesung ge- kommen waren, worunter die von Liebknecht über den Kölner Komm»- nistenprozeß, S. 43 bis 45, gegebene Mittheilung*), die von dem Anschluß au die Internationale Arbeiter-Assoziation handelnde Stelle(S. 69 und s.), sowie die Schlußrede Geibs w., wünscht Herr Advokat Freytag(Plauen) konstatirt zu wisse», daß dieses Protokoll schon im Jahr 1669 öffentlich unbehindert in allen Buchhandlungen Deutschlands zu haben gewesen ist. Der Präsiöeut kommt diesem Autrage nach. Alsdann gelangt„da» Programm und die Organisation der sozial-demokratischen Arbeiter-Partei" zur Per- lesung. Präsident: Herr Liebknecht, ei unterliegt also keinem Zweifel, daß Sie Mitbegründer der sozlal-demokratischen Arbeiter-Partei ge- wese» und auch noch bis jetzt hervorragendes Mitglied dieser Paitei sind? Liebknecht bejaht dies. Auf weiteres Befragen des Präsiden- ten bemerkt Liebknecht: Der Ausschuß der Partei war zuerst in Braunschweig. Er be- stand auS den Herren Bracke, Bonhorst, Spier, Gralle, Ehlers und später auch Kühn. Die Lokalvereine haben mit der Gesammtpartei keinerlei Verbindung. Die Partei hat eine Organisation ähnlich der des jetzt verblichenen Natioual-Vereins. Präsident: Was haben die Vertrauensmänner an den einzel- neu Orten für eine Funktion? Liebknecht: Die Vertrauensmänner wruden von den Orts-Mit- gliedern gewählt, um die Geschäfte der Partei am Orte zu be- sorgen. Präsident: Warum traten die Mitglieder der einzelnen Orte nicht iu corpore mit dem Ausschuß in Verbindung? Liebknecht. Weil dies nicht gestattet war. ?!räsident: Sie wollten also die Gesetze umgehen? iebknecht: Vom Standpunkte der Anklage auS kann freilich von einer Gesetzetzes-Umgehung gesprochen werde». Eine Gcsetzeium- gehung sei aber keine Gesetzesverletzung, sondern im Gegcnthcil ein Beweis dafür, daß man die Gesetze zu beobachten gesonnen sei. Eng- land, das Musterland der Gesetzgebung, habe darum seine Gesetze, so abgefaßt, daß eine Umgehung derselben nicht möglich sei, ohne zugleich zu einer Verletzung zu werden Eine Gesetzes-Umgehung ist erlaubt; strafbar ist blos eine Gesetzes-BerletiUNg. Man mach- Gesetze, wie in England, die nicht zu umgehen sind. Unser Gesetzgeber ist trotz aller seiner drakonischen Strenge nicht schlau genug gewesen. Präsident: Sie sind also Feind der Gesetze? Liebknecht: Das nicht. Präsident(den Angeklagten, der erläuternde Worte hinzufügen will, unterbrechend): Ich ersuche Sie, hierüber jetzt adzubrecheu. Wir kommen zu diesem Punkte zurück. Auf weiteres Befragen des Präsidenten theilt Liebknecht mit, daß der Ausschuß alle Geschäfte der Paitei zu besorgen hat; über demselben stehe die Coiurol-Commission. Letztere Einrichtung wurde nöthig, um so despotische Uebergrisse, wie sie im Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Verein vorgekommen sind, zu verh ndern. Gehalt be- kommt der Sekretär des Ausschusses, sowie das Redaktioni- und Ex- peditionSpersonal dcS Parteiorgans„Bolksstaat". Liebknecht giebt ferner zu, daß die Partei zu Agttationszweckeu auS dem Revoluiions- fonds, den Dr. Ladendorf in Zürich verwaltet, Gelder erhalten hat. Der Präsident bemerkt dabei, daß er auch darauf noch einmal zu- rückkommen werde, da noch ein besonderes Schri'tstück darüber vorliege. Liebknecht erklärt auf weiteres Befragen, die Organisation habe aus dem im Jahre 1679 zu Stuttgart stattgefundenem Eongreß eine kleine Veränderung erlitten. Aus des Präsidenten Bemerkung, daß wesentliche Punkte dieses Programmentwurss wohl dem kommunistischen Manifest entnommen seien, bestreitet dies Bebel mit aller Entschiedenheit. Daß er unter dem freien Vockspaat die Republik verstehe, giebt er zu. Hepner gibt zu, daß er dem Eisenacher Kongresse angewohnt habe; er sei jedoch dort nicht Redner gewesen, sondern habe sich nur an den Abstimmungen berheiligt; der Partei habe er von Anfang ihrer Konstituirung � an angehört. Auch er versteht unter dem freien Bolksstaat die Republik. Mit dem Ausschuß habe er dann und wann auch m Bezug auf Flugschristen-Verbreitnilg in Verbindung gestanden. Der Präsident lg nun mit seinen Fragen zu Ende. Advokat Frey tag(Leipzig) befragt Bebel, ob er die Versamni- lung in Eis.nach det der Polizei angemeldet habe. Bebel erklärt, er habe eine Anmeldutig machen wolle», dieselbe sei jedoch von der Eisenacher Partei nicht acceptirt worden, da Der- artiges in Weimar nicht nöthig sei. Auf Befrazen des Vcrtheidigers erklärt er ferner, daß die Verhandlungen absolut öffentlich gewesen seien, ja daß sogar preußische Polizei-Beamte den Verfainmlungen angewohnt hätten; daß ferner auch die Partei unter Einsendung des Programms und der Organisation den Eisenacher Behörden als in Eisenach domizilirt angemeldet worden sei.;— Es wird hierauf den An- ijeklagten Gelegenheit gegeben, sich über das bisher Dagewesene zu- ammenhängend zu äußern. Der Angeklagte Liebknecht erklärt, daß er persönlich den freien Bolksstaat allerdings nur in der Republik für möglich halte, wenn aber der Präsident frage, ob es die Absicht der Partei gewesen, an Stelle der jetzigen Monarchie die Republik zu *) DaS Protokoll der Verhandlungen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei aus dem Kongresse zu Eesenacy(2 Ngr.), sowie die anderen im Prozeß erwähnten Brochüren find in der Erpiditiou des „Bolksstaat", Hohestraß« 4, käuflich zu haben. setzen, so halte er, Liebknecht, diesen Schluß für falsch. Er habe vor- her nur seine persönliche Meinung über den freien Volksstaat aus- gesprochen, und die könne doch für die ganze Organisation nicht maß■ gebend sein. Der Präsident bemerkt des Weiteren, daß von den ., rchsten Forderungen" im Parteiprogramm die Rede ist. Daraus p.bt sich also, daß auch weitere Forderungen späterhin aufgestellt werden sollten. Er befragt den Angeklagten über diese weiteren For- derungen und Liebknecht erklärt, daß er leicht mit unendlich vielen solcher weiteren Forderungen aufwarten könnte. Hierauf meinte der Präsident eiligst, das sei nicht nöthig. Die Frage des Präsidenten, ob Liebknecht meine, eine bestehende Staatsform, könne nur mit(sictvalt geändert werden, bejaht der Be- fragte in Bezug auf militärische Itaateit und verweist dabei auf Frankreich. Hiermit schließt Liebknechts Verhör und der Präsident versucht nur noch zu konstatiren, daß Liebknecht sich jetzt in einem Widerspruche mit seinen früheren Aussagen befinde— er babe früher gesagt, der Volksstaat sei nicht die Republik. Die Verlesung des betreffenden Protokolls aber ergiebt, daß Liebknecht im Verhör vor den: Unter- suchungsrichter genau dasselbe gesagt, wie vor dem Schwurgericht. Es folgt Bebel's Vernehmung,' welcher erklärt, daß er den AuSfiihrungen Liebknechts in allen wesentlichen Punkten zu- stimme; was jedoch die schon erwähnte bedeutende Umständlichkeit der Organisation in der Unterscheidung zwischen der Partei und den Lokalvereinen anlange, so sei dieselbe nicht geschaffen in Rücksicht auf etwa zu fürchtende Gesetze, sondern eS seien die betreffenden Bedenken nur hervorgerufen worden durch die Voraussich: von Polizei-Chikanen und Manövern. Es habe sich also nicht um eine Collision mit gesetzlichen Bestimmungen gehandelt, sondern nur um ein Ausweichen gegenüber von Polizeimaßregeln. Was den von ihm verfaßten Parteiprogramm-Entwurf anlange, welchen er vor der Veröffentlichung schon einigen Parteifreunden unterbr.ilet gehabt habe, so seien wesentliche Punkte desselben dem Chemnitzer Programm der sächsischen Volkspartei von 1866, sowie den Beschlüssen des Nürn- berger fünften Arbeitertages entnommen, Liebknecht: Ich muß auf die Worte:„Ein Feind der Gesetze" zurückkommen. Dieses Wort trifft nicht, denn ich bin ein Feind von schlechten, und ich bin ein Freund von guten Gesetzen. Präsident(ihn unterbrechend): Ich hatte gefragt: Betrachten Sie die Gesetze als Ihren Feind?. Liebknecht: Diese Unterscheidung scheint mir unwesentlich. Weim ich ein Gesetz als meinen Feind betrachte, bin ich ein Feind" des Ge- setzcs. Das Eine bedingt das Andere. Gesetze, die mir Feind sind, denen.bin ich Feind. Im Uebrigen bleibe ich dabei, daß ich mich für einen Feind von schlechten, und für einen Freund von guten Gesetzen erkläre, lieber das„gut" und „schlecht" kantr man freilich verschiedener Ansicht sein. In Mecklen- bürg müssen sich Männer die Prügelstrafe gefallen lassen; mir gefällt dieses Gesetz z. B. nicht, und es muß Männer geben, welche die schlechten Gesetze hassen, sonst würden dieselben niemals abgeschafft werden. Was die von der Staatsanwaltschaft betonten Reden Mühl- wasser's auf dem Eisenacher Kongreß anbelangt, so liegen die Aus- sagen eines österreichischen Ministers(Giskra) über Mühlwasser vor. Dieser habe erklärt, er könne aktenmäßig beweisen, daß Mühl- wasser sich als Polizeispion angeboten habe, daß er aber von der Polizei selbst als ein allzugroßer Lump erachtet worden sei. Freilich sei dies eine seltene Moralität von Seiten jener Polizeibehörde. Präsident(den Angeklagten untel brechend): Ich hätte Sie schon früher unterbrechen mögen, wenn Sie mich nicht überrumficlt hätten. Ich erkläre Ihnen, daß ich, falls Sie sich wiederum Jnvek- tiven gegen befreundete Regierungen und angesehene Staatsmänner zu Schulden kommen lassen, Ihnen das Wort entziehen werde. Auf die Androhung des Präsidenten, daß er Liebknecht das Wort entziehen werde, falls derselbe sich noch einmal„Jnvektiven gegen be- freundete Regierungsbehörden" erlauben würde, antwortet Liebknecht: Ich bin der Ansicht, daß ich hier volle Redefreiheit genieße. Präsident: Die beschränke ich Ihnen nicht. Sie haben die Ihnen zukommende Redefreiheit und mögen nur den Platz, auf welchem Sie sich befinden(Anklagebank), beachten. Liebknecht: Es ist dies die Redefreiheit mit dem Strick UM den Hals, ich protestire hiergegen, indem ich mich vorläufig füge. Ich habe nicht, der Minister Giskra hat Mühlwasser äls einen Lumpen huigestellt, ich bin aber überzeugt, daß er als Agent provocateur nach Eisenach kain. Darum sein Hervorkehren der Repubük— es lag ja im Interesse der Regierungen(Frankreich), Bewegungen vorzeitig zum Ausbruch zu bringen, um sie desto sicherer niederschmettern zu kötlnen. Auch im Wiener Hochverrathsprozeß wurde Mühlwasser durch Scheu entlarvt. Was die Gleichstellung des Begriffs Bolksstaat mit dem Begriff Republik betrifft, so haben derselben nicht alle zugestimmt, wü die Reden Spicr's und Ritiinghausin's auf dem Eongreß selbst, so- wie Aeußerungcu Neumayr'S in Wien beweisen. Löwenstein aus Fürth aber, welcher aus dem Eisenacher Kongreß sich für die Re- publik ausgesprochwi, habe ja vordem erklärt: Rur in Folge reaktiw närer Maßregeln kann ein Herabsteigen der politischen Bewegung aus die Straße erfolgen. In Beireff der Aeußerungen Bracke's"auf dem Kongreß sei zu beachten, daß derselbe wohl pathetisch spreche, seine Rede sich aber nur auf die Mahnung konzentrtre, pünktlich die Parteisteuern zu entrichten. Er war eben der Financier der Partei, was recht schlagend aus der einen Wendung hervorgeht, wo er fordert, man möge durchaus kein Opfer für die großen Ziele scheuen,„und wenn ver Arbeiter sich das Brod vom Munde absparen müffe." Mit energischer Sparsamkett kann doch kein Hochverrath be- gangen werden! Geldmittel seien aber nöthig, wenn di� politische Agitation, d h die Bildung des Volkes, ins Werk gesetzt werden solle. Niemand aber hätte größere Veratilassung dazu, solche'Bestrebungen zu fördern, als die Klassen, welche im Besitze von Vermögen und politischer Macht wären. Auch im Interesse des Staates sei es, wenn in Zeilen der Roth und Gefahr die Masse gebildet und aufgeklärt sei. Der Präsident erklärt hierauf, daß er auf die lange Auslassung des Angeklagten zwar nichts erwidern wolle, keineswegs aber sei dies Schweigen als eine Billigung des Gesagten anzusehen. Den Geschwo- retien Härten nur die Beweismittel, ohne Eommeular, auch von Seite» der Angeklagten, vorgeführt werden sollen. Die Discussion würde durch derartige Ausfühnrngeir sonst ins Enolose verlängert werden. Verhandlung von Mittwoch d. 13. März 1372. Eröffnung dee Sitzung gegen 9 llhr Vormittags. Zuhörerraum und Tribünen gefüllt wie bisher. Präsident: Es sind 3 Zeugen vorgeladen, aber nicht erschieuen. Nachdem sich gestern Liebknecht über die" verlesenen Prolokolle:c. geäußert, steht es heute den Herrn Bebel und Hepner zu, das Gleiche zu thuu. Bebel: Auf die gestern verlesenen Schriftstücke gehe ich nicht be- ionders ein. Das, waS nicht von uns ausging, kann ich nicht beachten. .Insere Reden aber sind nach meiner Ansicht unverfänglich. Was die als gefährlich behandelte Organisation der Partei anlangt, so ist die- lelbe aus Agitation, nicht aus Herbeisiibrung einer getvaltsamc» Umwälzung berechnet. Für lokale Thätigkeit sollte auch gesorgt wer- den und es wurde die Gründung von Lokalvereinen empfohlen— Diese beiden Organisationen sind aber gänzlich getrennt gewesen. Die Scheidewand ist freilich nicht immer und überall so ausrecht er- halten worden, wie sie mußte— dafür sind wir aber nicht verant- wörtlich. Aus der Schwierigkeit, die Scheidung ausrecht zu erhalte», ergab sich die Nothwendigkeit meines Antrags im Stuttgarter Eongreß, wonach der die Gründung von Lokalvereinen empfehlende Passus der Organisation gestrichen wurde. Be.resss des an jeden( Orte vorhandenen sogenannten Äertraueiisuigitlles ist zu bemerken, daß er zwei Ausgaben Halle: 1) Einsammeln der Parteibeiträge in seinem Ort und Uebersen- dung derselben an den Ausschuß und 2) hatte er(Einer mußte es doch thun) etwaige Versammlungen einzuberufen resp. der Polizei zu melden. Die deutschen Vereinsgesetze bilden ja eine Musterkarte. In vielen deutschen Staaten steht der Vereinigung Gleichgesinnter kein Hinderniß entgegen— in anderen sehr viele. Für Vergeben An letzteren Staaten von Seiten Anderer können wir doch keine Verant- wortung tragen, und Hochverrath liegt in einem derartigen Ler- gehe» gegen Vereinsgesetze erst recht nicht. Dann entwickelt Bebel die Funktionen der einzelnen Parteibehörden: Ausschuß, Kontrollkom- Mission, Kongreß und konstatirt den wesentlichen Unterschied zwischen der vorliegenden Organisation und der durchaus eentralistischen des Allgemeinen Deutsche: Arbeiter-Vereins. Die Anklage, sagt Bebel ferner, behandelt den Ausschuß als eine in der Partei entscheidende Be- Hörde.— Das ist aber grundfalsch.— Die Verbindung mit der Jnter- nationalen, nach dem Prograinme ausdrücklich nur vorhanden, so- weit eS die VerciuSgesetze gestatte», ist überall den Landesge- setzen gemäß gewesen. Besonders konnte der Ausschuß durchaus nicht offiziell mit dem Generalrath verkehren und that es auch nicht. Der Ausschuß erklärte auch einmal offiziell im Blatte, er sei bereit, etwaige Beiträge entgegen zu nehmen, und an den Generalrath zu vermitteln. Der Parteigenosse war also nicht 00 ipso Mitglied der Internationalen. Der Begriff:„freier Volksstaat" wird von der Mehrzahl der Parteigenossen freilich als Republik aufgefaßt, aber ergiebt sich daraus die Absicht gewaltsamer Einführung derselben? Ueber die Art der Einführung h t kein Mensch sich irgendwie geäußert. Ist aber einmal das Volk in seiner Mehrheit für unsere Meinungen ge- wonnen, dann ist der Staat unserer Meinung, denn daS Boll ist der Staat. Staat ohne König ist denkbar, Staat ohne Boll ist Nicht denkbar. Die Regierung ist der Diener des Volks; auch Friedril' der Große z. B. anerkannte das. Wird die Einführung der Republik legal beschlossen, etwa von einem Parlament, und die bestehende Regierung wideisezzt sich dem gewaltsam, so hat nach meiner Ansicht jeder Bürger die Pflicht, der Gewalt Gewalt entgegen zu setze». Aach ist dao ganze Pro- gramm als revolutionär dargestellt worden. Ich habe mich schon am Montag über die verschiedene Bedeutung des Begrisss„Revolu- tion" ausgelassen, inib wenn der Präsident auch damals meinte, die verlesene Lassalle'iche Deduktion würde wohl hier im Gerichtssaale keinen Anklang finden, so halte ich dem entgegen, daß diese Deduktion vor dem Berliner Kanimergericht Anklang gesunden hat. Ich will aber jetzt über den Bcgriss„revolutionär" noch eine andere Erklärung verlesen... Präsident(den Angeklagten unterbrechend): Für den Ge- richtshof kann nur die von den Gesetzen gegebene Auffassung des Be- griff's„Revolution" maßgebend sein Sic scheinen mehr zu ihre» Parteigenossen, als zu dem Gerichtshöfe zu sprechen. Ich kann nicht dulden, daß Sie den Gerichtshof über den Begriff des Revolutionären belehren wollen.' Bebel: Das fällt mir auch gar nicht ein; betreffs des Sprechens zu meinen Parteigenoffen erkläre ich, nicht zu wissen, ob auch nur ein Einziger derselben im Auditorium sich befindet. Da aber dieses „revolutionär" und„Revolution" eine so hervorragende Rolle in der Anklage spielt, so bin ich berechtigt, meine persönliche Anschau- ung hierüber darzulegen. Räch einem kurzen Zwiegespräch(Präsident sowohl als Auge- klagter bleiben bei ihrer ersten Ansicht stehen) mcinl der Präsident'.: Sie kennen nun meine Meinung, und Bebel nimmt hieraus die ihm nur der Kürze Ses betreffenden Satzes wegen ver- stattete Verlesung einer Dcstnition des Begriffs„Revolution" vor, wonach„Revolution in Umwälzung, totaler Umformung bestehender Verhältnisse besteht, gleichviel ob diese von Oben oder pon Unlen, friedlich oder mit Gewalt geschehe". Die 19 Punkte des Programms der Partei bezeichnet Bebel' als theilweise schon verwirklicht, und zeigt dadurch, daß sie fast alle durchführbar gedacht werden' können schon im heutigen Staate, also ist ein Umsturz desselben zunächst gar nicht dadurch bedingt und diese Pniikte sind nicht revolutionär. Präsident: Ihre Ansichten werden hier keinen Anklang finden. Advokat Frcytag(Pfaueni: In welchem Gesetz ist denn eine Definition des Begrisss.R ootn.iou" vorhanden? Der Piäsident bleio die Antwort schuldig, Advokat Freytag(Leipzig): Bei dem Begriffe„revolutionär" kommt es nicht ans die Auffassung des Gerichtshofes, sondern auf die Auffassung derjenigen an, welche dieses Wort gebrauchten und darum angellagt sind. Diese allein haben zu entscheiden über den Sinn ihrer Rede und es muß ihnen also auch gestaltet sein, denselben zu entwickeln. Fortau werde ich meine Deseudendeu iu jedem Falle um die Auffassung, welche s i e von incriminirten Reden zc. haben, besonders befragen. Hierauf erklärt Hepner: Von mir ist in den verlesenen Schrift- stücken nicht die Rede, ich habe zu denselben nichts zu bemerken. Präsident: Von der Staatsanwaltschaft ist beantragt, die Ver- lesung eines Artikels im demokratischen VSochenblatt von 1868 und 1869: Die vemokratlschen Ziele und die Arbeiter. Die Artikel werden gesucht. Der Staatsanwalt will nur Einiges daraus verlesen haben, dem entgegen fordert aber nunmehr die Ver- theidigung die Verlcsuug sämmtlicher Artikel, damit der Zusammen- hang nicht fehle. Nachdem die Verlesiing stattgefunden hatte, macht der Präsi- dcnt besonders auf den Passus aufmelksam, der einen Staat aus breitester demokratischer Grundlage mit beschließendem Parlament und de- mokratischer Spitze fordere. Angekl. Liebknecht: Der Bcrsasser dieses Artikels gehörte nicht zur Partei. Er gehörte zur dainaligeu LoltSpartei und ist heute ein Bejubler der BiSmarck'schen Politik Daß die Redaktion des demokratische» Wochenblattes nicht mit diesem Artikel übereinstimmte, geht aus dem Umstände hervor, daß derselbe in zwei Abschnitten, zwi- scheu denen ein Zeilr-iitn von 9 Monaten liegt, erschienen ist.S Prästdent: Da Sie den Artikel in Ihr Blatt aufgenommen, ist eine. Uebereinsiimmnng Ihrerseits mit dem Inhalt desselben wohl an- zunehmen. Liebknecht: Jede Zeilungs-Redaktion kommt zuweilen in die Lage,.auch solche Artikel anfztlitehüien, die nicht vollständig den durch die Zeitung vertretenen Prinzipien entsprechen. Ich lehne überhaupt ein für alle Mal jede Verantwortlichkeit ab in Bezug auf Schriftstücke, die ich nicht selbst verfaßt habe. Ein Geschworner möchte gern den Namen des Verfassers qu. Artikel erfahren. Liebknecht: Der Verfasser ist ein Preuße und da er durch die Amnestie sicher gestellt ist, so werde ich ihn namhaft machen. Es ist Adolph Weiß, Redakteur der nationalliberalen„Grazer Tagespost".— Hierauf wurde ein Passus aus der Broschüre von Carl Hirsch: „Der Staat und das Genossenschastswesen," eine Aufklärung zu Punkt X. des Eisenacher Programms, verlese». Nach der Verlesung bemerkt der Präsident: Wir haben es hier mit einer Brochüre zu thun, die wegen ihres Abdrucks im Partei- organ, dem„Äolksstaat", mit Liebknecht in Verbindung zu bringen ist. Das Hauptgewicht ist darauf zu legen, daß am Schluß dieser Brochüre ausgesprochen ist, Monarchien, selbst Kiassenherrschafts-Re- publiken seien nicht im Stande, die Forderungen der Arbeiter zu er- füllen. Dies könne nur eine Arbeiter-, eine sozial-demokratische Re- publil. Liebknecht bemerkt, daß der Abdruck durch i.jii veranlaßt sei; nolhwendig sei es aber darum noch nicht, daß die Ansichten von E. Hirsch mit den seinigen übereinstimmen. Daß er unter„freiem Volksstaat" die Re- publik verstünde, habe er bereits früher erklärt; für Geist und Ge- sinnung dieser Btochllre sei er aber nicht verantwortlich z» machen. Bebel erlaubt sich zunäckst, den Herrn Präsidenten auf einen kleinen Jrrthum hinzuweffen: die Brochüre sei nicht im Bolksstaat abgedruckt worden, sondern umgekehrt sei die Brochüre nur eine Zu- sammenstellung der im Volkssiaat eischieneueii Artikel. Eigenthümlich erscheine es, daß, während der Staatsanwalt früher nichts gegen die Verbreitung dieser Brochüre gehabt habe, sie jetzt unter dem Betastungs- materiale sich desiude. Hepner hat keine Veranlassung zu einer Bemerkung. Frey ta g(Plauen) bittet zu konstatiren, daß die Brochüre zwei Jahre unöehelllgl im Buchhandel geiveseu sei und Frey tag(Leipzig) daß sie vom Jahre 1879 herrühre, worauf der Präsident erklärt, dies nicht zu können. Einer der Geschworucn fragt nach dem Datum der Anklage, und erfährt vom Präsidsilteii, dieselbe sei am 19. Dez. 1879, Vor- mittags 11 Uhr eingereicht. Wie lange die Staatsanwaltschaft aber zur Borbereitung derselben gebraucht habe, könne er nicht wisse». Frey tag(Leipzig) bittet wiederholt zu konsialtreii, waun die Artikel tm„Bolksstaat" gestanden und wird, als damit beginnend, Nr. 17 vom 27. Nov. 1869, genannt. So wird also der Beweis geliefert, daß dieselben mehr alsein Jahr veröffentlicht waren, ohne daß die- Staatsanwaltschaft Veranlassung gefunden hätte, dagegen einzuschreiten. Hieraus wird zur Verlesung des ktiiiiniu aistisch eil Manifestes, das im Februar 1848 in London unter der Ueberschrift:„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" erschienen ist, geschritten, und zwar wird es auf Veranlassung des Staatsanwalls in seinem ganzen Wortlaute vorgeführt. Räch der Mittagspause wird um 1 Uhr die Verhandlung wieder eröffnet. Es sind die auf Antrag der Angeklagten vorgeladenen drei Zeugen: Kaufmaiin W. Bracke jun. aus Brannschweig, Techniker v. Bonhorft aus Wiesbaden und Oberlehrer Spier aus Frankfurt a. M. erschienen. Da eine Vernehmung derselben»och nicht möglich ist, so werden sie, unter dem Hinweis auf die jeden Augenblick zu gewärtigende Be- rufung in den Saal, vorläufig entlassen. Hierauf richtet der Präsident an die Angeklagten die Frage, ob das Vormittags verlesene„«omniuniftische Manifest� zu de» als Flugschriften unter den Arbeitern vertriebenen Sachen gchö.e. Diese Frage wird von sämmtlichen Angeklagten verneint. In Bezug aus dasselbe Manifest konstatirt noch Advokat Frey- tag(Leipzig), daß es vom Februar 1843 datirt ist und Angekl. Liebknecht konstatirt, daß unter der„Revolution", von welcher in dem Manifest als von einer„bevorstehenden" gesprochen wird, die Februarrevolution zu verstehen ist. Der tKegenstand wird hiermit vorläufig fallen gelassen und es wird zur Verlesung von Briefen der Angeklagte» geschritten. Es werden 3 Briefe von Liebknecht: einer an v. Bon Horst, ein anderer an Bracke, und der dritte an Bonhorst und Bracke verlesen. Präsident: Wieso kommt es, Herr Liebknecht, daß dereineBries an Bonhorst und Bracke gerichtet? Liebknecht: Weil Beide Mitglieder deS Ausschusses waren, und ich mit Beiden gleich befteundet war. Präsident: Es bat also zwischen Ihnen und dem Ausschuß einerseits und dem Ausschuß und dem General-Rath andererseits eine Verbindung stattgefunden? Liebknecht': Ich habe wohl mit demAnSschuh stets ossiziell in Verbindung gestanden; niemals ist mir aber bekannt geworden, daß der AliSschuy als solcher mit dem Generalrath der Internationalen Ar- beiter-Assoeiation in Verbindung gestanden. Präsident: Einige Punkte in diesen Briefen sind etwas dunkel gehalten. Was soll wohl in dem einen Brief der Passus bedeuten: „Wir brauchen wohl zu einer Revolution keine Bauern, jedoch läßt sich keine Revolution machen, wenn sich die Bauern zu derselben feind- lich stellen." Liebknecht: Es kann dies blas Demjenigen dunkel vorkommen, der den Verlaus der damals obschwcbenden Polemik nicht kennt. Durch den betreffenden Baseler Beschluß, nach welchen! der Grund und Boden als Gemeingut erklärt wurde, drohte eine Spaltung in die Partei zu kommen, und ich bitte den Herrn Präsidenten, meine An- ficht über diesen Punkt erst dann klar stellen zu lassen, wenn das Ba- seier Protokoll zur Verlesung gekommen ist. Auf einer Seite forderten uns die damals uns nahe stehenden Fraktionen der Volkspartei auf, diesen Beschluß zu desavouireu, aus der andern Seite trat v. Schweitzer in Berlin sehr derb gegen nns auf, weil wir diesen Beschluß nicht in unser Programm ausnahmen. Er beschuldigte uns des Verraths an der Arbeitersache. Wir stellten wohl sehr radikale politische Forderungen, aber nicht sozialistische, und wir handelten im Dienste der sächsisch »nd welfisch-partikularistischen Partei. Der Ausschuß in Braun- schweig, der lange in Schweiyer's Vereine war, ließ sich dnrch Schweitzer deeinflussen, und verlangte, daß die Partei sich als solche für die Baseler Beschlüsie erklären sollte. Ich lehnte dies jedoch mit dem Hinweis darauf ab, daß die Partei scharfe Grenzen zwischen prinzipiellen und praktischen Forde- rungeu zöge, daß prinzipiell die Baseler Beschlüsse über Grund und Boden in uns-im Programm enthalten seien, daß wir uns aber nicht für befugt hielten, dieselben ihrem Wortlaute nach in das Partei- Programm auszunehmen. Darum war ich zu einer längeren Auseinandersetzung an Bracke geuöthig». Der letzte Brief vom 29. Juli 1870 ist ebenfalls in Folge eines drohenden Zwiespalts an die Partei geschrieben. Als der deutsch. französische Krieg ausbrach, ließen sich Parteigenossen Nord- deutschlands vom Kriegsfieber zum Theit hinreißen, und der AuSschnß, u>elcher im Einflüsse dieser Strömung war, wollte ein diesbezügliche« Manifest zur Richtschnur für die Partei geben, während die Partei- genossen in Mittel- und Lniddeutschland sich unserer Erklärung im Reichstage conkonn verhielten. Der pathetische Ausdruck in dem letzten Briefe:„Ich beschwöre Euch", erklärt sich daraus, weil ich jeden weitereu Bruch mit der Partei vermeiden wollte, da er unter den damaligen Verhältnissen zu unab- sihbarcm Schaden geführt hätte, und da unmöglich fünf Personen in Prauuschweig maßgebend für die Ansichten sämmtlicher Parteimitglieder- Werden, dursten; es würde dies ebem'o lächerlich gewesen sein, als jenes über Galilei zu Gericht sitzende Eardinal-Kollegium. Es wird hieraus eine Erklärung von Ladeudorf und Gözg im Demokratischen Wochenblatt von 1869 über den Revolutionsfonds »erlesen. . In Bezug aus denselben Gegenstand sind noch Briefe vorhanden. Der erste ist vom September 1869 aus Zürich von Dr. Ladendorf. Der Adressat desselben kann nicht konstatirt werden, ebenso wenig wie der Drt, an welchem er aufgeiunden wurde. Dagegen wird auf Antrag der Vertheidigung konstatirt, daß er mit den Akten des verunglückten Braunschweiger Hochverrathsprozesses von Braunschweig gekommen ist. Auch per folgende Brief ist von Hr. Ladendorf. Ferner wird eine Abschrift aus dem Hauptbuche des Braunschweiger Ausschusses, sowie ein Brief Bebels an Bracke verlese», woraus sich ergiebt, daß im Tanzen eine Summe von 3000 Francs aus dem sogenannten Revo- üttionssonds der Parteibehörde ausgezahlt worden ist. Der Präsi- d ent erkundigt sich hieraus bei Liebknecht über die Entstehung des ge- kannten Fonds, wobei er die unrichtige Ansicht verrälh, als seien der fiossuth'sche und der Kinkel'sche RevolutionsfondS ein und dasselbe und w England gesammelt. Liebknecht berichtigt diesen Jrrthum. Kossuth, sagt er, suchte Ungarn zu revolutioniren. Er brauchte Geld, suchte es durch Agi- wtion in England, dann besonders in Amerika, und brachte seine Sammlung auf mehr als 100000 Dollars.(Wir übergehen hier einen vielen sich wiederholenden Versuche deS Präsidenten zur llnter- °kechung der Angeklagten.) Dieser Erfolg reizte Kinkel— er ging �Uch aufl sti sen und— brachte nur eine klägliche Karrikatur der �vsiuth'schen Reise zu Stande. Seine Sammlung trug wenige IOOo Dollars ein, weiche noch dazu zu einem guten Theile für Reise- Älln, unnütze Flugschrifteiiverbreitung-c. verpulvert wurden. Der Rinne aber,„Revolutionsfonds", stammt daher, daß die Sammlung Kinkel speziell zum-Zwecke der alsbaldigen Revolutionirung Deutschlands(1852 und 1853) veranstaltet worden war, ein Bestr-ben, welches von mir und meinen Freunden, die wir uns schon damals fisi Kinkel im Gegensatz befanden, auch damals schon scharf getadelt, öffentlich und privatim als lach rlich bezeichnet wurde._ Am besten Jvflnte ich dies beweisen auS der Schliff von Marr„Herr Vogt", selche leider nicht bei den Akten sich befindet. Ich konstatire lkdoch, dajj fet Nrnite �ei Fvvdi, welcher noch obendrein später der �evfügung Kinkels entwunden wurde,.speziell auf die Kinkelsche Absicht «ur sosoriigen Revolutionirung Deutschlands hin nach dem Vorbilde jJ® Kossuth sehen Fonlps demselben beigelegt worden ist. In Betreff f} Höhe der aus dem Revolutionsfonds bezogenen Summen kann ich "ne Auskunft geben, jedoch erkläre ich auf's Bestiinmteste, daß Gelder «Nr bedingungslos angenommen wurden. Aus meinen Bliesen t- Ja �kvor, daß ich jegliche Beeinflussung betreffs der Verwendung Gelder energisch abwehrte. Man gab wohl Rechenschaft, aber nie "«hm man Vorschriften über die Verwendung an. r Aus Befragen des Präsidenten, ob Liebknecht das Leben La- endors», speziell dessen Vcrurtheilnng zu 10 Jahren bekannt sei, er- m Liebknecht, er wisse, daß Ladendorf„6 Jahre gesessen habe." (Fortsetzung folgt.) Arbciter-Berhältnisse im Mittelalter. Von C. A. S. (Schluß.) Fast jede Chronik aus jener Zeit erzählt uns von dem Unwesen, welches die fahrenden umherziehenden Studenten und Schüler mit dem Gänsestehlen trieben; wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir annehinen, daß diese nahrhaften Thiere in groß- artigen Mengen gehalten wurden. Wasser und Gras, welches zur Aufzucht der jungen Thiere nöthig ist, war nach unserer vorstehenden Schilderung überall in Menge vorhanden, und wir wissen ja auch, daß die Martinsgans damals in keinem Hause gefehlt hat. Bei dieser Uninasse von Fleisch war es selbstredend, daß auch der geringste Leibeigene jährlich mehr davon verzehrte, alD heute ein Mann aus dem Mittelstande; in Wohnung, Kleidung und sonstigen Annehmlichkeiten des Lebens standen die damaligen Arbeiter den unsrigen in demselben Verhältnisse nach, wie der damalige Schloßherr dem heutigen reichen Gutsbesitzer. Aber in der Hauptsache in der guten, kräftigen Ernährung sind wir trotz, oder richtiger, wegen unserer fortschreitenden Cultur ge- waltig zurückgegangen. Wir finden eine klare Darstellung der Art und Weise, wie die damaligen Arbeiter beköstigt wurden, in der 1432 unter den Herzögen Ernst und Albrecht erlassenen Landes-Ordnung von Sachsen. Es wird in derselben gegen die unmäßigen Forderungen der„Werk- und Dienstlcute" bestimmt: „Die Wcrkleute sollen mit 18 Groschen Wochenlohn „und täglich, Mittags und Abends, mit vier Essen, „Suppe, zweierlei Fleisch und Gemüse, an Fasttagen „aber mit 5 Essen, Suppe, zweierlei Fisch und zwei „Gemüsen, zufrieden sein." Aehnlich waren die Fleischrationen überall. So bekam ein Vorwerksverwalter nach einem Contract von 1569 für sich und zwanzig Dienstknechtc jährlich von der Herrschaft 2 Ochsen und 20 Faß Wildpret geliefert. Wir können nicht angeben, wie groß ein solches Faß gewesen; daneben sind doch aber wohl, da von dem nöthigen Fett nicht gesprochen wird, Schaafe und Gänse zur Konsumtion selbst gezogen worden. So war die Ernährung der Arbeiter im Wege der Ver- ordnung geregelt und beschaffen, ehe die„Jndustrieblüthe" das Loos derselben veränderte. Wir werden sehen, daß diese Ver- ordnnngen ihrer ganzen Tendenz nach schon gegen die Arbeiter gerichtet waren und müssen deren Vorschriften also schon als eine Beschränkung der sonst üblichen Lebensweise auffassen. Wie viel Fleisch kommt denn aber wohl heute ans den Kopf der Bevölkerung, und wie viel auf den Kopf der eigent- lichen Jndustrie-Arbeiter? Nach offizieller Mittheilung der preußischen Regierung kamen im Jahre 1869 auf den Kopf der Bevölkerung in den schlachtsteuerpflichtigen Stadt.» 87 Pfd. 12 Loth schlachtsteuer- Pflichtige Gegenstände!*) Bedenkt man, daß diese Städte immer die Mittelpunkte der Landschaften sind, daß sich in ihnen der Verkehr der Fremden zusanimendräiigt, daß diese, den wohlhabenden Ständen angc- hörigen Reisenden in den Gasthöfen reichlich Fleischuahrnng zu sich nehmen, bei der Berechnung aber ganz außer Acht gelassen werden, so rcduzirt sich der Verbrauch noch bedeutend. Aber auch so giebt das pro Kopf nur 1I4, Pfd.— und wenn das nur wenigstens gleichmäßig auf Alle käme; so aber verzehren die Neichen bedeutend inehr, die Armen'— nun, man weiß ja, ivie die leben! Solche Zahten beweisen besser als lange Reden die Dumm- heit oder Verlogenheit der Anhänger und Nachbeter des„großen Bastiat." Wir haben schon gesagt, daß der Sitz des Handwerks in den Städten war; der Unfreie wurde dort, wie aus dem Lande, hauptsächlich zur Bestellung des Ackers benutzt: denn die Auf- nähme in das zünftige Handwerk konnte für ihn gar nicht, für den freien Arbeiter aber nur unter vielen Beschränkungen er- folgen, da für die Handwerker in jeder Stadt die Zahl der Meister, Gesellen und Lehrlinge fest vorgeschrieben war. Je mehr nun durch die Zunahme der Industrie Arbeiter in den Städten gebraucht wurden, um so mehr suchte man dieselben vom Lande heranzuziehen und hatten in Folge davon die Städte im 14. Jahrhundert das Recht erlangt, Leibeigenx durch einen Aufenthalt von Jahr und Tag innerhalb der Stadt- mauern frei zu machen. Gegen dieses Recht haben die Ritter, oftmals vergeblich, den Schutz des Landesherrn angerufen, bis ihnen derselbe später zu Theil wurde. In Folge dieses Privilegiums der Städte wuchs dort die Einivohnerzahl und der Wohlstand; aber auch auf dem Lande hatte sich die Lage der Nichtbesitzenden durch eine, von den Klöstern ausgehende Maßregel bedeutend gebessert; es trat nämlich eine Art Parzellirung der großen Klostcrgüter ein, in- dem dieselben einer immer größeren Anzahl von Pächtern, kleineren Bauern, zu Lehen gegeben wurden. Einer von ihnen war„Träger des Lehens" und hatte die Einsammlung und Ab- liefcrung der Pachte zu bewirken. Hierdurch verminderte sich selbstverständlich die den„Herren" zu Gebote stehende Arbeiter- zi.hl, und wir sehen von da an die Tendenz der Gesetzgebung energisch für das Interesse der Herren eintreten. Schon die vorerwähnte Landes- Ordnung von Sachsen wirst 1482 den Herrschaften vor:„daß sie auch selbst unter- „einander Ursache gewest, indem � daß einer vor dem anderen „gleichem Gesinde mehr Lohn, bessere Kost, denn der andere „gegeben, dadurch einer dem andern sein Gesinde entzogen, aus „dem ohne Zweifel denen unseren großer Unrath und Schaden „entstanden", und uin dergleichen zu verhindern, wird die vor- stehend erwähnte Bestimmung über Lohn und Kost erlassen. Allmählig wird das Lehns- und Hörigkeitsvcrhältniß im j der Gesetzgebung zur persönlichen Abhängigkeit von den Herren ausgebildet. 1536 wird in Brandenburg den Bauern verboten, in die Stadt zu ziehen; 1572 wird in der Neumark den Bauern geboten, ihren Herren wöchentlich zweimal, im Monat August, während der Erndte, aber,„so oft der Herr seiner be- dürfe", zu dienen. Erst in dieser Zeit erhält der Gutsherr das Recht auch *) Nach den Berechnungen des vr. Michaelis haben die Arbeiter des sächsischen Erzgebirges durchschnittlich nur 8— 9 Psund, die schte- flschen Weber gar nur 6—7 Pfund Fleisch jährlich zu verzehren. R. d. V. auf die Dienste der Kinder seiner Hörigen: sie müssen ihm ebenso wie die Eltern dienen. Wo sich dies Verhältniß nicht von selbst ausbildet, entstehen Verordnungen zur allmähligen Einführung desselben, es sind die Gesinde-, Schäfer- und Hirten- Ordnungen des 16. Jahrhunderts. Aber auch die Städte fangen den Druck an; wir finden schon 1537 eine Gesinde- Ordnung in Augsburg. Anfangs wurden diese neuen Rechte der Herrschaften noch in milder Form geltend gemacht; so fordert der Landtags-Rezeß der Mark Brandenburg von 1534 nur:„daß Unterthanen, welche Kinder haben, die sie zu ihrer Arbeit selber nicht be- dürfen und zu Dienste bringen wollen, diese vor Allem ihrer Herrschaft anbieten und um billigen Lohn gönnen sollen; falls aber die Herrschaft ihrer nicht bedürfe, dieselben nach eigenem Gefallen in Dienst bringen mögen." Die Einziehung der Klostcrgüter und der 30jährige Krieg mit seiner Vernichtung des Wohlstandes bringen eine schnelle und entscheidende Wendung zum Schlechteren hervor. Die Gegenden, in denen der Krieg längere Zeit gewüthet, waren total verödet; die Dörfer verbrannt und ohne Bewohner, der Acker seil Jahren nicht bestellt, die Viehheerden ausgezehrt. Man kann sich kaum eine Vorstellung von der Verwüstung machen, die dieser Krieg über Deutschland gebracht hat. Um nur einige Zahlen anzugeben, so waren in der Grafschaft Henneberg in Thüringen in 19 Dörfern von 1773 Familien nur noch 316, von 1717 Häusern nur no.h 627 übrig ge- blieben. Die Lehnsleute waren selbstverständlich auch nach erfolgtem Frieden nicht im Stande, die oft rückständigen Abgaben zu leisten und fielen dadurch ganz in die Gewalt der Herrschaften, welche nun den Zwangsdienst auch in solchen Gegenden einführten, in denen er früher nie bestanden hatte. In dieser Zeit geschah es u. A., daß die Ritterschaften der Uckermark, von Pommern und Mecklenburg das Recht der Leib- eigenschaft geltend machen:„kraft deren die Kinver alle mit „einander ihrer Eltern Condilion und eigene Leute seien, die „auf den Gütern, aus denen sie geboren, verbleiben müßten, „und nicht blos auf gewisse Jahre zu dienen verpflichtet seien, „sondern nicht etwas Eigenes unter der Obrigkeit ansangen dürften." Der Staat, in der Hand der Grundbesitzer, unterstützt diese Bestrebungen; die Gesinde-Ordnungen gebieten nun den Gutsherren, solche Personen aufgreifen zu lassen,„die sich unter „dein Vorwande des Pferdehandels in den Ortschaften und „Dörfern aushielten, den größten Theil des Jahres in Müßig- „gang zubrächten, dann aber zur Erndtezeit sich zu übermäßig „gesteigerten Lohnforderungen anböten." Um billige Arbeiter zu behalten, wird der Uebertritt nach den Städten, wo nicht ganz verboten, doch arg erschwert; ja selbst den Kindern der Freien auf dem Lande erst nach 2 bis Ijähriger Dienstzeit bei der Herrschaft die Erlernung eines Hand- iverks gestattet. Die Städte bleiben selbstverständlich in dieser allgemeinen Tendenz der Zeit nicht zurück; die Gesinde-Orb- nungen werden immer strenger, es werden allgemein Lohn- marima festgestellt, dabei aber billigere Löhne erlaubt und be- fürwortet, eine Idee, die selbst der alte Fritz noch 1766 seinen Bauern in Preußen empfiehlt. Characteristisch ist die Straf- bestimmung: das Gesinde, welches mehr Lohn, als erlaubt, an- nimmt, wird mit Körper- und Freiheitsstrafe, die Herrschaft, welche mehr Lohn giebt, mit Geldstrafe bedroht! Neben dem Verlust der Freiheit tritt nun auch schon schlechtere Kost für die Arbeiter auf, die jedoch im Vergleich zu der unserer Fabrikarbeiter noch reichlich und genügend genannt werden kann. Wir citiren den Erlaß des Administrators August von Sachsen vom 6. Juli 1652, nach welchem die Knechte im Magdcburgischcn erhalten sollen: wöchentlich 1% Pfd. Speck mit Butter zusammen, oder im Winter und zur Fastenzeit 3 große oder 4 kleine Häringe und 14 Käse, dazu täglich 2 Pfd. Brod. Außerdem sollen sie bekommen, Mittags und Abends, zur Fürkost Suppe und Rüben, Erbsen, Kohl und dgl., hierzu Butter oder Käse; des Sonntags, Dienstags und Donnerstags statt Butter und Käse, Fleisch, Speck, Fische, Kaldaunen zum Gemüse. Während der Erndte und an hohen Festtagen ivar ein Maaß gutes Bier zu reichen, sonst sollte sich das Gesinde mit schwachem Gebräu begnügen. Mit der, aus dem Vergleich dieses Küchenzettels mit dein von 1482, deutlich hervortretenden Verschlechterung der Nahrung nimmt auch die Behandlung der Arbeiter an Härte zu; die Mißhandlungen müssen doch wohl überhand genominen haben, denn es eristirt eine Verordnung, in der Friedrich August von Polen und Sachsen den Herrschaften vorhält,„daß sie ihre „Dienenden gar zu strenge tractirten, und bedenken sollten, daß „Dienstboten ebenfalls Menschen seien." Aus dieser kurzen Zusainmenstellung geschichtlicher That- fachen geht wohl unzweifelhaft hervor, daß nur durch die Bei- Hilfe der Staatsgewalt der Arbeiter im Laufe der Jahrhunderte in die erbärmliche Stellung hinabgedrückt worden ist, in der er sich befand, als die Aufhebung der Leibeigenschaft ihn>war persönlich frei machte, aber zugleich als Waare auf den Markt warf. Hat der Staat, wie wir gezeigt, darauf hinzearbeitet, die Mehrzahl seiner Bewohner zu Gunsten einer kleinen Minorität auszubeuten, so ist es nicht mehr als Recht und Pflicht desselben, nun durch alle ihm zu Gebote stehenden Mittel dahin zu wirken, daß das Jahrhunderte alte Unrecht wieder gut gemacht werde. Und da kommen nun diese„volkswirthschastlichen Hausir- burscheu" und predigen uns die Lehre von der Nichteinmischung des Staates; fordern, als einziges Heilmittel, das Sparen der Arbeiter, damit die Letzteren dadurch auch am„Entbehrungslohn" des Herrn Faucher theilnehmen können! Aber die Hohlheit und Flachheit dieser Lehre wird immer mehr erkannt! Schon erheb. n sich von allen Seiten, jauch aus den Reihen der Gegner der Socialisten, wissenschaftliche Stimmen, welche das Verderbliche dieser ganzen wirthschaftlichen Richtung darthun, und mit Zuversicht kann man schon jetzt behaupten Das Bastiatthum und die ganze Manchefterpartei stehen vor dem Bankerott._ Die Citate und Zahlen in vorstehendein Aufsatz sind ent- nommen aus: D. G. Schmoller, Zur Fleisch-Consumtion, P. Kollmann, Gesindeivesen, u. A. C. Ä. S. } Eobleuz. Seit 18 Wochen sind die hiesigen Eigarrev- Arbeiter im Strike für ihre berechtigten Forderungen. Die Ausdauer der Leute ist bewundernswürdig, und kein Arbeiter sollte ihnen seine Sympathie, seine Unterstützung verweigern. Der Präsident des Allg. Deutschen Cigarrenarbeitervereins hat nachstehenden Aufruf erlassen, den wir aus vollstem Herzen unterstützen. College»! Als der Strike in Coblenz begann, nannte ich die Coblenzer College» unsere„Wacht am Rhein"; wenn je ein Posten fest und treu wie ein Fels gestanden, so ist es unsere Vorhut am Rhein! Roth, Kummer, Thränen und Hunger, Haß und Spott, Allem zum Trotz stehen sie seit achtzehn Wochen im Kampfe, Keiner wankt, keiner weicht! Was ist der durch eiserne Dis ziplin erzwungene Much des Kriegers in der Schlacht gegen dieses freiwillige Dulden, wo Weib und Kind unter Thränen nach Brod jammern? Darum Achtung vor solchem Helden muthe! Schätzen wir es uns zur höchsten Ehre, daß wir solche Brave zu den Unseren zählen und freuen wir uns, daß wir durch unsere Spenden theilhaftig an dem Ruhme werden, mit dem sich unsere Brüder in Coblenz bedecken. Auf diesen Kampf dürften wir stolz sein und wenn uns auch der Sieg nicht zu Theil würde. Aber er wird, er muß uns werden, wenn Ihr die Mittel zum Kriege liefert. Hülfe, Hülse und nochmals Hülfe! Wir müßten uns vor Schande nicht mehr an das Licht der Sonne wagen, keinem Coblenzer Cigarrenarbeiter dürften wir mehr unter die Augen treten, wenn durch unsere Schuld, weil wir im Steuern lässig geworden, der Sieg verloren ginge. Brüder, laßt den Muth nicht sinken, so lange unsere Bor kämpfer in Coblenz nicht zum Ziele gelangt, denn dieser Streit ist in Wahrheit ein heiliger Krieg, der durchgekämpft werden muß. Glück auf zum Sieg! F. W. Fritzsche. Leipzig. Die hiesigen Schneidergehilfen haben in einer am 7. d. M. stattgehabte» Versammlung eine Lohnerhöhung um 25 pCt. zu verlangen beschlossen»ud ihren Arbeitgebern einen gedruckten Tarif, welcher zugleich auf eine 8tÄgige Kündigungsfrist Bezug nimmt, am Sonnabend, den 9. d., eingereicht. Bei Weigerung der Arbeitgeber soll nach abgelaufener Kündigungsfrist allenthalben die Arbeit eingestellt werden. Da die Prinzipale sich ihrerseits organisirt haben, so ist eS von dringender Nothwendigkeit, daß die auswärtigen Kollegen hiervon lltotiz nehmen und daß kein Zuzug von Arbeitskrästen nach Leipzig stattfinde. DreSdcn, 12. März. Der Tischler-Strike ist zur Thatsache ge- worden; 300 Arbeiter haben heute bereits die Arbeit eingestellt, welchen die Arbeitskarten zur Unterschrift angeboten wurden. In Berlin striken die Sattler und Bildhauer, die Töpfer- gesellen sieden am Vorabend des Strikes, in Kiel striken die Maurer und Zimm erleute, in Wie» die Schneider, in Wolfcubüttel die Korkschneider, welche bisher bei 12stündiger Aklordarbeit höchstens 18 Gr. verdienten, in Breslau die Lithographen, in Pinneberg die Maschinenbauer, in Harburg die Former der Behne und Hertzsschen Eisengießerei.— In Dresden striken die Holzarbeiter fort, sowohl wegen der 2S°/„ Lohnerhöhung, als aus Anlaß der ihnen auf- ortro?irten',.WerkftattS-Ordnung", deren Anfang so lautet: 8 1. Ohne Arbeits-Karte ist der Arbeiis-Antritt nicht gestattet. 8 2. Kün- digung findet nicht statt. 3. Die Arbeitszeit ist pro Arbeitstag auf 10 Stunden festgestellt, jedoch mit Hinwegsall der Frühstücks- und Ves- per-Zeit.{ 4. Die Zahlung findet bei Lohnarbeit nur nach Stunden- berechnung statt. Bei NichtÜbereinkommen müssen sich die Arbeiter mit 18 Pfennigen pro Stunde begnügen. Auch die Vergoldergehülsen in Dresden haben die Arbeit eingestellt. Die fachverwandlen Collegen, Maler, Lackirer und Stucateurc werden sie unterstützen, da man ja auch sie durch diese sogenannten Arbeitskarten maßregelt; doch werden die Maler u. s. w. rationeller verfahren, indem sie jetzt an die Gründung einer As sozia- ti on gehen, weiche schon in den nächsten Wochen unter den günstigsten Arbeiisaussichten in's Leben treten wird. Bon verschiedenen Seilen ist schon Unterstützung zugesagt. Dann wird es an der Zeit sein, die Forderung der Maler, Lackirerr nnd verwandter Gewerbe durchzusetzen. Die Assoziation wird die Sinkenden mit offenen Armen aufnehmen. Schon jetzt ersuchen wir alle arbeitcrfreundlichen Blätter vor Zuzuc nach Dresden zu warnen, hauptsächlich aber das Letztere in Bezug au die Vergolder zu thun. Adressen bittet man zu richten an: Emij Radestock, Maler, in Dresden, Hauptstraße 5 fümte Etage. In Wolfenbüttel Arbeitseinstellung sämmtlicher Schnei- dergeyülfe», weil ihre Forderung um Lohnerhöhung nicht bewilligt worden. E« wird gebeten, Zuzug fern zu halten und etwaige Geld Unterstützungen an Friedrich Holzh äußer, Neuestraße 169, zu senden. Schuhmacherstrike in Hannover. Wir Schuhmacher hielten am Montag den 4. März eine große Generalversammlung ab, welche ungefähr von 300 Berufsgenvssen be- sucht war. Nachdem der Vorsitzende H. Schulz die Versammlung trössnet, wurde der Gesellschaft die Thätigkeit des Komitee» initgetheilt, wie die Amtsmeister eine nicht genügende und die Patentmeister gar keine Antwort gegeben haben; ferner wurde die Noth unserer Fachge- nossen geschildert, zur Abhilfe die Mittel und Wege anaegeben und zur Einigkeit und Standhaftigkeit crmahnt, auf daß wir siegreich aus dem Kampfe hervorgehen. Nachdem erhieUH. Knvllner aus Brandenburg das Wort, welcher in einer schwungvollen Rede die Lage der Arbeiter insbesondere schil- derte, und überging zur Lage der Schuhmacher, wie die Selbststan- digkeit der Kleinmeister immer mißliebiger werde; er erniete den größten Beifall. Nachher wurde vom Komitee ein Schreiben ausgelegt, welches die Lage schilderte, in der wir uns befinden, und aussührie, daß Keiner unter diese» Umständen mehr arbeiten könne. Das schreiben wurde zum Unterzeichnen vorgelegt, und auch von sämmtlichen Anwesendeil unterzeichnet. Hieraus wurde die Resolution wie folgt verlesen: In Anbetracht dessen, daß der durchschnittliche Lohn jedes Schuhmacher- gesellen zwischen 2 und 3 Thlr., ja oft unter 2 Thlr. zu stehen kommt, in Erwägung serner, daß die LebenSdedürsnisje bedeutend im Preise gestiegen, aber der Lohn nicht fonschreitend Schritt gehalten, in Er- wägung ferner, daß wir das größte Eomingem von Schwindsüchtigen und an sonstigen Krankheiten Leidenden liefern, welches meist von überan- strengender Arbeit und nothdürfligen Lebensmitteln herrührt, erkennt die Versammlung die Erhöhung des Arbeitslohnes aus 2b Prozent und auf LuruSarbeit 33'/, Prozent als gerechte Forderung an. Der Strike wird ani 11. März beginnen. Im Namen der Versammlung: � das C omitee. Hannover, den 7. März. Das Komitee: Schulz erster Vorsitzender, Jürgens zweiter Borfitzender, Strecker erster Kasfirer, Steffen zweiter Kassirer, Tegtmeier erster Schriftsührer, Mündt zweiter Schriftführer, Bur, Hun- derlmark, Scherwayki, Gläser, Hollmann.Krüß, Schweinebarth, Ziegra, Häuser. Schnelle Hülfe ihm Roth. Briefe und sonstige Zusendungen zu adresfiren an H. Strecker bei C. Grude in Hannooer Knochenhauerstr. 36. In Lylttl sinken seit einiger Zeit die Gießer; fie habe»,(wie der„Radical" meldet) viele Aussicht zum Sieg, da die Prinzipale weder aus Paris noch aus Brüssel den gewünschten Ersatz von Ar- veittkräften bekommen. Internationale GewerkSgenossenschast der schuh- macher. Aufforderung an alleSchuhmacherDeutschlaudSfauSsRürn- berg-Fürth). Freunde und Collegen! In einer am 10. d. M. abgehaltenen Versammlung haben wir einstimmig beschlossen, die Geschäfte des Ve.waltungsrathes, welche uns bis letzt auch schon vom Anffichtsrath übergeben waren, provi- sorisch bis zum nächsten Congreß zu übernehmen. Freunde und Collegen allerorts! Wir ersuchen Euch, in dem Kampfe, in welchem wir uns befinden, thatkrästig einzustehen und uns beizutreten. Es ist unsere heiligste Pflicht, an unfern Prinzipien fest zuhalten und unsere Interessen zu fördern. Wir ersuchen daher alle Schuhmacher Deutschlands, sowie aller orts, unsere gerechte Sache zu unterstützen, und zur Förderung der- selben mit der größten Energie zu arbeiten. Zugleich ersuchen wir sämmtliche Genossenschaften, resp. deren Be- vollmächtigte in der Weise vorzugchen, daß ihnen in keiner Beziehung eine Lauheit zur Last gelegt werden kann. Ferner theilen wir mit, daß der Verwaltungsrath aus den Ge nossenschasten Nürnberg und Fürth sich in folgender Art kou stituirt hat: Vorsitz.: Fran; Münz, Ledergasse 30 Nürnberg. Schriftf.: I Nöttling, Obstmarkt 978„ Cassir.: I. Kratz, Gartenstr. 26 Fürth, an welchen alle Gelder einzusenden sind. Zur Controle: D. Seidel G. Gunreben, N- Jäger. Beisitzender: I. Sichert, K. Rothlauf. Ausschuß:(tz. Bunder, I. Bezold, L. Guttenberg. Ter«chuhmacher Fachvcrcin in München setzt die Schuhmacher-Gehilfen i» Kenntniß, daß sich die Herberge beim Krettzbräu Brunngaffe 7 befindet; daselbst ist auch das Ver samlungslokal. Ebenso können auch Fremde dort übernachten. Ferner wird alle Sonn- nnd Feiertage, Montags von 1 bis 3 Uhr, und alle übrigen Tage— ausgenommen Samstag— von 8 bis 9 Uhr Abends beim Kreitzbräu unentgeltlich Arbeit vermittelt. Der Vorstand, Ausrnf zur Agitation in Hessen. Wir ersuchen hiermit alle Freunde und Parteigenossen im Groß. herzogthum, sofort für das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht ZU den Gemeindclvahlen öffentlich zu agltiren. Der Städtetag zu Worms(einberufen und beschickt von der ..hessischenjFortschriltsparle!") beschloß, daß, bei den Gemeindewahlen das auf den Besitz gegründete Wahlrecht eingeführt werden müsse. Dem entgegen müssen wir mit vereinter Kraft für unser Grundprinzip, das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht, eintreten und eine Forderung in diesem Sinne an die Tl. Stände-Kammer gelangen lassen. Wir hielten bereits hier eine BolkSVersämmlung, welche von nahezu tausend Personen besucht war und mit allen gegen 2 Stim men folgende Resolution annahm: ,,Jn Erwägung: daß es erwiesen daß Vertreter von Mainz, Offenbach ic., welche zur sogenannten„hes- fischen Fortschrittspartei" gehören resp. ein Anhängsel der preußischen national-libcralen Partei bilden, auf dem Städtetag zu Worms für ein auf den Besitz gegründetes Wahlsystem agitirt, und somit ein At tentat auf das einzige Recht des Kleinbürgers und Arbeiters auige führt haben, fordert die heutige Volksversammlung die ehrlichen Mäm »er aller Parteien auf, gemeinschaftlich dagegen öffentlich zu protestiren. Massenversammlungen im ganzen Großherzogthum Hessen einzuberufen und jenes Verfahren öfsemlich zu brandmarken." Arbeiter in Hessens! Wir fordern Euch auf, uns sofort Eure Adres sen zukommen zu lassen und gleichzeitig zu bemerken, wie Ihr in den ein- zelnen Orten i»it Rednerkräften versehen seid, damit geregelte organisirte Agitation geschaffen wird. Arbelterj! Wir erwarten von Euch, daß Ihr sofort für diese wich tige Sache eintretet und Euch nicht durch Parteihader an Eurem hei- ligsten Rechte schadet. Darm st adt im März 1872. Der Vorstand des sozialdemokratischen Arbeiter-VcreinS. Im Austrage Georg Dönges, Ballonplatz 9. Erklärung. � Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" vom Dienstag den 12. d. M. veröffentlicht eine Erimmiischauer Korrespondenz, wonach gegen„den sozialdemokratischen" Reichstagsabgeordneten Schraps Anklage wegen Fälschung erhoben und deshalb vom Bezirksgericht Zwickau vier Tage Untersuchungshaft wegen Verdachts der Fälschung verhangen worden sein soll: Zu Wahrung meiner Ehre habe ich deshalb nachstehend den Sach- verhall kurz z» veröffentlichen: Auf einer zwei Jahre lang in de» Hänvcu eines auswar tigcn GerichtsamtS befindlichen Bollmacht einer Eheftau, aus gestellt am 25. Februar 1870(dem Tage nach Eröffnung meiner hiesigen Filialexpedition), zur Geltendmachung der Rechte der Ehefrau auf Löschung eines Hypothekenbelrags von 120 Thaler» und auf Er- stattung von nicht über 100 Thaler Zinsen, ist die Unterschrift des Namens des Ehemannes, wie man infolge des Leugnens desselben jetzt ermittelt' bat, nicht von ihm, sondern offenbar von einer Frauen- Hand bewirkt worden. Ich selbst habe keine Familie, habe auch hier keinerlei Frauenbe- kanntjchaften angeknüpft. Ebenso habe ich an Erlangung jener Unterschrift keinerlei nennens werthcs Interesse. Ueber die Unterschrift müßte offenbar viel eher die betreffende Ehefrau, als ich, Auskunft geben können. Demohngeachtet hat man darüber Auskunft von mir verlangt. Zwar ist eine Anklage nicht erhoben, wohl aber sind Vorerörte- rungen im Gange. Da ich eine solche Auskunft nicht geben konnte, hat der Kgl. Staatsanwalt Taube zu Zwickau(welcher durch verschiedene politische Prozesse dem Publikum bereits bekannt ist, der vor Kurzem erst eine verunglückte und mit meiner Freisprechung endigende Anklage„wegen Nöthigung des Kriegsministeriums" wider mich erhoben hat, und den ich--- beiläufig bemerkt, wiederholt heftig in der Presse, nament- lich wegen seiner Theorie angegriffen habe, daß ein falscher Eid, ge- leistet auf die Autorität eines eine lfatfche) Anzeige«rstatkcndcn Be- amten straflos sei!----) meine Verhaftung beantragt. Das Königliche Bezirksgericht Zwickau hat sich diesem Antrage, weil im Allgemeinen rechtlich zulässig,»ach dem Gesetz fügen muffen. Eine vor der Verhaftung mir vom Herrn Bezirksgerichtsdireklor anheimgegebene Verhandlung mi! den Vertretern der Staatsanwalt- chaft habe ich mit dem Bemerken rundweg abgelehnt, daß ich von icder persönlichen Berührung mit diesen Herren absehen müsse. Es ist daraus eine viertägige UiitersuchungShaft über mich ver- hängt worden, um eine Verabredung mit meinem Expeditiviispersonale (von dem ein Expedient sich unlerdeß nach Dresden gewendet) unmög- lich zu machen und dessen getrenntc Abhörung vorzunehmen, die indeß keinerlei Ergcbniß geliefert hat. Die betreffende Eheftau hat sich währenddeffe» fortwährend auf reiem Fuße befunden. Den weiieren Erörterungen sehe ich mit großer Ruhe entgegen. Nach Vorstehendem ist die oben erwähnte Millheilung zu berichtigen. Als hiesiger Korrespondem der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" gilt hier allgemein der hiesige Advokat Theodor Seume, weicher seit meiner Domicilirung hier sich veranlaßt fand, sein Expeditionspersonal von 6 Personen au; die Hälfte zu vermindern. Gegen jede ehrenhafte Redaktion, welche der Mittheilnng der �Deutschen Allgemeinen Zeitung" Erwähnung gethan, spreche ich dl« Er- Wartung aus, daß fie auch gegenwärtige Erklärung berücksichtigen werde. Crimmitschau, den 13� März. Advokat Schraps. Leitzzig. Den Einsendern der„Erklärung", unterzeichnet„die sämmtlichen Arbeiter der Frank'schen Pianefort«labrit" in Nr. 63 des „Leipziger Tageblatt" hiermit zur Entgegnung, daß die Notiz im„Volks- staat vom 2. März, betr. die Maßregelung eines Arbeiters in der Franke'schon Fabrik, vollständig aus Wahrheit beruht, und die„groben Unwahrheilen", in ihrer„Erklärung" enthalten sind. Mag doch Herr Franke, seitdem die im„Volksstaat" erwähnte Thatsache geschehen ist, die Löhne sämmtlicher Arbeiter freiwillig erhöht haben, deshalb bleibt aber immer wahr, daß Mitte November v. I. eine Lohnerhöhung von sämmtlichen Begleitern gefordert und von Herrn Franke aus dem im„Bolksstaat erwähnten Grunde auch sofort be- willigt wurde, der Unterzeichnete aber nach Beendigung seines Stückes in Folge dessen entlassen wurde, denn einen andern stichhal- tigen Grund vermochte mir Herr Franke nicht anzugeben. Ueberdies bin ich der Ansicht, daß nicht sämmtliche Arbeiter, sondern nur einige die Einsender jener„Erklärung" sind, denn ich kann nicht glauben, daß meine früheren Collegen sämmtlich den traurigen Muth haben sollten, offenbare Thaffachen abzuleugnen. _ Carl Hoffman n. Schwäbisch-Gmüttd. In Nr. 12 d. Bl. sind in meiner Korre- spondenz, an der Stelle, in welcher ich sage, daß der Gewerkverein der Goldarbeiter, welcher aus dem Hirfch-Duncker'schen Verband ausge- schieden ist, sich der Partei des„Neuen Sozialdemokrat" nicht an- schließen kann, weil uns die„Tendenzen des„Neuen" das verbieten" irrthümlich die Worte ausgelassen worden„mit Ausnahme der Leit- artikel", gegen welche ich alleidings nichts einzuwenden habe. _ C. 8. Allgeiuciner Deutscher Schneiderverein. Nürnberg, den 12. März. Collegen! In unserem letzten Auf- ruf haben wir klar gelegt, in welchen Verhältnissen wir hier leben. Wir haben gezeigt, daß es unmöglich ist, bei solchen Löhnen noch länger zu existiren. Der Zeitpunkt ist nun gekommen, wo wir für unsere Rechte ganz entschieden eintreten muffen. Wir haben darum den Äeschästsinhabern unsere Tarife zugestellt, und bis zum 15. d. M. genügende Antwort veAangt. Sollten bis zu diZein Tage unsere Forderungen nicht bewilligt sein, so sehen wir uns gezwungen, am Montag den 18. V M. Sie Arbeit iliederzulegcn. Collegen! Ihr Alle wißt, was es heißt, Front gegen das Kapital zu machen. Wir sind nun entschlossen, den Kampf ganz entschieden aufzunehnien und durchzuführen. An Euch liegt es, uns zni» Sieg zu verhelfen. Die Kämpfer stehen in geschlossenen Reihen da, sorgt, daß uns die Munition nicht ausgehl! Greift mit ein in den Kampf für unsere Menschenrechte, und laßt unsere Hoffnung nicht zu Schanden werden. Vor Allein ballet den Zuzug fern, und wo irgend ein Beitrag für uns bestimmt ist, sendet schnell, denn schnell«'.Hilfe ist doppelte Hilfe! Zugleich müssen wir bekannt machen, daß sich die ArbeitSver- mittlung in unseren Händen befindet. Das Bureau defindet sich im Gasthaus„Zum blauen Pfau". Neue Gasse. Die ArbeitSver- mittlung geschieht unentgeltlich und zwar Abends von 8— 10Uhr. Briefe, Anfragen ze. wolle man richten an I Baumann, goldener Baum, LanSgaffe, Gelder wolle man senden an I. Walling. PlatnerSgaffe Ro. 5. Iii. Für das Etrike-Comitee I. Baumann. XL. Alle arbeitersreundlichen Blätter werden ersucht, Obiges ab- zudnlckcn. Gründung eines Fachvereins für Kürschner und Mützenmacher in Leipzig. Bei der immer mehr um sich gicisenden Arbeiler-Bewegung sind, wenngleich etwas spät, die Kürschner auch von derselben ergriffen worden. In einer schon vor Weihnachten von deni Unterzeichneten einbe- rufenen Versamm.ung wurde der Beschluß gefaßt, einen Aachverein für Kürschner und Rtützeumacher nach dem Grundsatz der0 ist doch konstasirt, daß dieses kleine Häuflein, von gutem Geiste be- scelt, treu zur Fahne der Arbeiter steht nnd entschlossen ist, Alles ans- zubieten, um die uns noch fern stehende Piasse von Collegen in un- jern Verem hereinzuziehen, um vorkommenden Fall« mit vereinten Kräften gegen etwaige Bedrücker Front zu machen. Wir fordern daher alle Geschäftskollegen hiermit auf, nicht nur in Deutschland, sonderii überall, wo sich so viel Arbeiter unseres Ge- schästs sowie der Mützenmacher vorfinden, daß ein Fachverein gegrün- det werden kann, einen solchen zu gründen, und uns entweder durch unser Organ(Bolksstaat) oder brieflich in Kenntniß zu setzen, damit wir uns über die verschiedenen Angelegenheiten verständigen können, um so endlich eine geistige Verbindung und Zusammengehörig- keit zu schaffen, welche uns, wenn gut organisirt, endlich zum Ziele führt. Tretet also schnell und mit männlicher Entschiedenheit ein in dem schon längst begonnenen Kampf um die Aufbesserung unserer sozialen Verhältnisse I Mit sozialdemokratischem Gruß F. Trost. Adressen sende man an Franz Trost bei Herrn Sperling, Poniatowslystraße 11 _ in Leipzig. Polizeiliche Empfehlung einer sozial-demolratifcheu Broschüre. Heute Nachmittag erschien in dem Comtoir des Herrn H. P. in Königsberg i. Preußen Hr. Polizei-Jnspektor Glasemanu mit einem GenSdarin und legte demselben die Frage vor, vo er von der Broschüre „Zu Trutz und Schutz" noch Exemplare zum Bertause in seinem Besitze habe. Der Wahrheit gemäg erklärte dieser ihm ans Ehrenwort, daß er zu diesem Zwecke keine Eremplare besäße und daß er die Z» einem persönlichen Gebrauche aufbewahrten Exemplare nicht heraus- geben würde, womit Herr Atasemann sich besrieoigt erklärte. Als Grund seiner Anfrage gab Herr Gl. an, daß aus Anordnung des doitigen Staatsanwalls die genaiinte Broschüre mit Beschlag belegt sei. Was die Staatsanwälte in Königsberg für kluge Leute sein muffen! Internationale Metallarbeiterschaft. Leipzig. Iii unserer letzteii'Äitzung haben sich die hiesigen Mll- glieder dayin entschieden, daß zu Ostern in Dresden die General Ver- sammluiig stattfinden möchte. Nächste«itzung im Arbeiterbildungsoerein, Montag d. 13. März Abends 8 Uhr. Tagesordnung: Krallkenkasse. Für politisch Gcmatzrcgeltc. Von Parteimitgtiedern Crolent-ide bei Meerane 2 Thlr. 1 — Für Ngr- Sozial-demotratischer Arbeiter-Berei». Dienstag, den 19. März Abends 8'/, Uhr Generalversammlung in der Volkshalle. TageSoroiiuna: Rechenschaftsbericht pro 1871 und Vorstand»- wähl. Sämmtliche Miiglieder werden dringend ersucht zu erscheinen- _ Der Vorstand. � des Fachvereins ster Kürschner u. Miitzenuiacher Leipzigs uud ItutgcgcuD, Montag, den 18. März Abends 8 Uhr im Vereinslokal, Rost- platz Rr. A bei H. Hascher— Vortrag von H. Tijcher.— A"'' uahnie neuer Mitglieder. XL. Gleichzeitig machen wir hiermit bekannt, daß unsere Ven ammlungen regelmäßig aller 14 Tage, Montags Aben s 8 Uhr obigen Lokal stattfinden.--. Der Vorstand. eipzig: Lerantw Hohestr. 4.) Redakteur A. H e p.i e r(Redaktion u. Expedition u. slerl Druck u.»erlag von F. Thiele.