M 23 Mittwoch, 20. März 1872 E.scheint wöchentlich 2 mal in Letpzts. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen deS In- und AuS- landeS an. Kür Leipzig nehmen Bestellungen an: A. Bebel, PeterSstraße IS, F. Thiele, Emilienstraße 2. Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. AbonnementSpreiS: Für Preußen inel. Stempel» 'teuer ivviqr, für die übrigen deutschen Staaten 12 Ngr. per Quartal. �ilialerpedition für die Bereinigten Staaten: ?. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der soM-dkmokratischeil Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschaften. Verhandlungen des Leipziger Hochverrathprozesses. III. Es erfolgt die Vernehmung Bebels, an welchen der President speziell die Frage richtet, ob er über jene oben erwähnten 3000 Francs aus dem Vevoliitionssonds noch etwas zu sagen habe. Bebel: Die Geschichte des Revolutionsfouds ist mir so gut wie unbekannt, ich war damals noch zu jung. Den ersten Ausschluß darüber erhielt ich 1868 in Nürnberg(5. Arbeiter-Be.bar.dstag), wo ich Dr. Ladendorf zum zweiten Mal in meinem Leben sah. Präsident(den Redner untcrbrechend): Ich wollte keine lange Rede von Ihnen, sondern nur Auskunft über jene 3000 Francs. Bebel: Erlauben Sie, Herr Präsident, ich will Einiges erwäh- nen, was noch gar nicht in-en Akten enthalten ist. Es handelte sich 1863, da ich wieder Borsitzender, Leipzig Vorort des Verbandes deutscher Arbeiter-Bdreine war, um eine lebhaste Bekänipsung des Herrn v. Schweixer— und demnach sehlte cs, da der Anschluß an die Bestrebungen der Internationale(1368 in Nürnberg) uns ge- schwächt halte— an Geld. Da trifft ein Brief von Ladendocs ein, der mir 3000 Francs zu„persönlicher Verfügung" anbietet. Ich nahm sie und verwendete sie; es war das jedoch vor Gründung der sozial- demokratischen Arbeiier-Partei.,. L Präsident(erstaunt): Es sind also mehr, als zene in den Akten erwähnten 3000 Francs aus dem Reoolutionssonds geflossen? Bebel: Noch viel mehrl> Bewegung und Gelächter im, u- Hörerraum—„So, so", des Präsidenten.) Kurz vor der Eröffnung des Eisenachcr Kongresses wurden mir wiederum 500 Francs zur Verfügung gestellt. Ich nehme keinen An- stand, dies Alles zu sagen- es ist ja srei und offen zu bekennen, und theilweise sind im Demokratischen Wochenblatt- hierüber vor �ah- reu schon Quittungen verössentlicht, welche der'Vtaatsanwast'.chaft sicherlich nicht unbekannt blieben. Bis zu den leßterwähnten 500 �rcs., einschließlich derselben, wurden also die betreffenden Gelder nicht für die Partei gegeben; diese bestand bis dabin noch nicht. Auf dem Eisenacher Kongreß aber war Dr. Ladeudorf auch zugegen und er erklärte seine Bereitwilligkeit, die Unterstützung auch der Partei aus dem Revolutionsfouds zu bewirken. Dies geschah— die> den Akten erwähnten 3000 Francs wurden au den Ausschuß gezahlt. Mir persönlich wurden auch noch einmal 500 Francs überimltclt zur Bestreitung der Kosten der Reise Liebknechts»ach Basel und einer von mir nach Süddeuffchland unternommenen Agitalionsreise. Daß Herr von Schweitzer sich die Quelle unserer Mittel nicht enträthseln konnte, ist mir erklärlich. Eine Ungenanigkeit meinerseits(die Ansicht, der Revolutionsfonbs sei 1852 gesammelt worden) wurde damals von Gegnern benutzt, die Behauptung betreffs Hietzing aufrccht zu erhalten. Diese gegnerische Denunziation ging damals durch die gesammte Pceffe, ich wendete mich also an Ladendorf selbst— und in Beantwortung dieser An- frage seine Erklärung. Es wird ferner konstatirt, daß schon vor 1'/, Jahren und langer vor der Einleitung gegenwärtigen Prozesses Quittungen im Demo- kratischen Wochenblatt-c. in Bezug auf diese Angelegenheit„erössent- licht waren. � �_,,, � Hepner erklärt aus Befragen, mit dieser sache n.chrs zu thun gehabt zu haben und könne er keine Bemerkung dazu machen. Advokat Freytag(Leipzig, ersucht die Herren Geschworenen. sich davon zu überzeugen, daß die Qu.ltung noer alle Gelder aus dem Revolutionsfouds an der Spitze des demokratischen Wochen- blatles aeslandcn. Es konnte dies mithin der Könrgl. Staatsanwalt- Ichast nicht entgehen. Selbst die ehemals in Berlin erscheinende„Zu- kunft" hataus diesem Fonds zur Zeit erne Unterstützung von 5000F>cs. .,.,U uff.mUffi miittirt ohne daß die preuß.sche Polizei etwas man nicht einmal angeben können, aus welche Weise dieses Schriftstück zu den Akten gekommen sei. Präsident: Sie sollten sich über Ihre Beistimmnng zu der Ver- lesung des fraglichen Schriftstückes erklären. Bebel: Ich protestire gegen die Verlesung. Staatsanwalt Hoffmann: Das fragliche Schriftstück ist unter den Papieren des Angeklagten Liebknecht gesunden worden. Die Entscheidung über Verlesung oder Nichrverlesung stelle ich der Diskretion des Herrn Präsidenten anheim. Diese Entscheidung wird vorläufig vertagt und es nimmt das Wort Liebknecht zu einer Bemerkung. Es ist, sagt er, meine Aeußerung über Mühtwasser aus Brünn in fast allen Organen der Presse so wiedergegeben worden, als hätte ich persönlich die Aeußerung gethan, er sei ein Lump zc. Obgleich nun hier die Berichte der Presse keinen Einfluß haben dürfen, so glaube ich doch eine Berich'igung geben zu müssen, weil ich nichi weiß, ob nicht die Herren Geschworenen mich auch falsch verstandeit haben mögen. Nicht ich habe den Ausdruck Lump zc. gebraucht, sondern ich verlas nur eine Aussage des früheren österreichischev Ministerpräsidenten Giskra, ja ich lese sie jetzt noch einmal und stelle das Blatt, aus welchem ich lese, den Huren Geschworenen zur Verfügung. Geschworener(nach geschehener Verlesung der von uns früher schon korrekt wiedergegebcnen Giskia'schen Aussage): Ich wollte schon damals fragen, aus welcher.Zeilschrift Sie diese Satze verlasen? Liebknecht: Ich las sie aus dem.Voiksstaat" vor und dieser hat dieselben dem stenographischen Bericht des Wiener Hochverrats- Prozesses entnommen. Giskra war als Entlasiungszeuge vorgeladen und sagte das Vorgelesene gegen Mühlwaffer aus. Es sieht fest, daß Mühlwasser als Spion und als ageut provocateur in Eisenach war. Advokat Frey tag(Plau-u): Wir werden den Herren Geschwo- renn auf Verlangen gern die stenographischen Berichte über den Wie- ner Hochve rathsprozeß zur Be.süannq, essen. Nachdem die Geschworenen E.usich. in die betreffenden Nummern i des„Volrsstoot' genommen, rich er ver Präsident in Betreff der > Inte'natio.iole Fragen zunächst an Liebknecht. Dieser giebt an: Die Jnternationate erstreckt sich s nicht nur über Europa,'andern auch über Anw ika. S'e hat Jahres- kongresse geholten im Jahre 1866 in Gens, 1867 in Lausanne, 1868 in j Brüssel, 1863 in Bo>el. Der S.tz des Generalraths, der obersten Vermal- ! lungsbehörde, wird vcn dem Kongreß bestimmt und ist zur Zeit in London. l In den Ländern, wo es ang-ht, bilden die Mitglieder Sektionen und die Sektionen verkehren alsdanit mit de.» General' ath; wo die Ge- ' setze Dem entgegen stehen, giebt es nu»ine p: und demgemäß auch nur einen pe on'chen aus London zurückgekehrt, eine Anzahl von Mitgliedskarten nach Berlin, die er seinen Bekannten gegen den jährlich zu zahlenden Beitrag von ISgr. abließ. Bon diesem habe er die Karte in blanco erhalten und sie selbst mit Namen-c. ausgefüllt. Vergangenes Jahr habe er seine Kart- zu eriieuern vergessen. Dieses Jahr habe er seine Mitgliedschaft je- doch wieder erneuert. Von irgend einem offiziellen oder privaten Verkehr des Ausschußes mit dem Generalrath sei ihm nichts bekannt. Hierauf wird der größte Thcil der Brochüre Wilh. Eichhoff's „die Internationale Arbeiter-Assoziation", verlesen, und zwar Abschnitt I.Stiftung der Assoziation. 3. Die Inauguraladreffe von KarlMarr. 4. Die Staiuten der Assoziation. 6. Kongreß zu Genf, 3.-8. Sep- tember 1866. 7. Kongreß zu Lausanne, 2.-8. September 1867. 3. PoUOsche Thätigkeii des Generalraths der Jnlernaiionalen Arbeiter- Assoziation. 10. Konflikte mit den Regierungen. 11. Ausbreitung der Assoziation. Nachdem die Verlesung der Brochüre beendigt war, beantragt Ad- vokat Frey lag(Plauen), zu constatiren, daß qu. Brochüre schon imJahre 1363 im Buchhandel in Berlin erschienen ist. Der Präsident kommt diesem Antrage nach. Hieraus wurde die Verhandlung von 11°/«— 12'/, Uhr Mittag» vertagt.— Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen meldet sich als Zeuge Herr Dr. Mar Hirsch aus Berlin, der aber sehr bald wieder bis übcrmocgen früh deurtaubt wird. Es werden hierauf mehrere Stellen aus dem Protokolle des im Monat September 1363 zu Basel statt- gefundenen 4. Kongresses der Internationalen Arbeilcr-Assoziation verlesen und wird hier insbesondere ans eine ede Liebknechts:„Bericht über Deutschland" Gewicht gelegt, die wir hier folgen lassen:! Licbkuechls Beriiyt über Deutschland. Liebknecht aus Leipzig stattet seine» Bericht ans Deutschland. Redner glauot eist einen histoiischen Rückblick thun zu müssen, und beginnt mit dem Austreten Laisalle'S, der das Verdienst habe, zuerst nach der Reaction, welche den Ereignisse l von 1343 und 1843 folgte, oie Jahne der Sozialdemolra.le er faou zu haben. Es wäre aber thöricht, zn sage», daß er Neues ge'chaffen, oder aufgestellt. Lassalle war ein SchiU-n von Marx, der». seinen Freunden EugclS, Wulff u. f. w.(den Männc, a der„Neuen Rheinischen Zeitung") nach der Febrnarrevol'ttioii an der Spitze der deutschen Arbeiterbewegung stand, deren geistiges Haupt er heute noch ist. Im Jahr 186Z gründete Lassalle seinen Allgemeinen Deutschen Arbeiterve i ein, mit einem Programm, das mancherlei Mängel hatte ... und mancherlei Conzessionen an den preußischen Staat machie; und sonUche Mitgliedschaft mit Staiuten, welche, auf dem Antoriläteprinzip beruhend, den Ar- Veikehr der emzelnen bcitern keine Selbstständigkeit des Denkens und Handels ließen. Daß Mitglieder mit dem Gene.alrath. W r sind alle.dings in der Lage, Lassalle's„System" an mnern Fehlern litt, erhellt schon daraus, daß die sozial-demorratifche Arbeit-rpaitei, ihrem Wesen nach und in Folge es von der Regierung Bisma'v's begiinfligt wurde. Der preußische W rt%■. 77 �»• A �. i* �.IV- v � w. r.v r> �. /v«. v.. V l« rv. /v 1„ V. ek,** 1 /\»...•— ✓... v-,»> �... erhalten und öffentlich quittirt, dagegen hatte. Der Präsident läßt zu Belegstücke zugeyen. diesem Behuse den Geschworenen d.e der Dehnbarkeit der Organisation der Jn.erna'io.talen, foktifch a's einen Zweig der Letzteren zu betrachten; doch ist festznha'ten, daß nicht jeg- liches Mitglied der Partei auch Mitglied derJn'ecnationalen ist, cb-n so wenig wie jedes Mitglied da Internationalen in Deutschland auch Mitglied der Partei ist. D e Mitglhds'arteil der Internationalen (jetzt sind dieselben abgeschafu und du ch eine ande-e Cinrichtunl er- setzt) ivwie d'c Slaaiteii de. jelb.'.i si.iv stets— ich be.one dies— Öffentlich im VollSstoat, auch von Seiten de" Braniischweiger Aus- schnsscs, ausgeboten wo. den. Vis zum Eifenocher Kongreß betrachtete sich allerdings eilt Thal de. Mitgl'eder in Deutschland a's zu der Schweizer Gruppe geyörig lind vcrkehite durch Johann Philipp Becker's Vermittlung mit dem Gcneraliaih. Ich(hat dies.. icht, ich war steis für einen direkten Vor' ehr. Gegenwärtig aber ist wohl die Verbindung durch Becker gänzlich ausgehoben, und wenn der Herr Präsident(in seiner bezüglichen Frage) von einer Verbindung der einzelnen Ort e brach Becker.ärDeuticqlan d zc. sprach, so ist zu bemerken, daß»ie Grn�veii, sie s nur diePerzonendeubetresseiidenVerkehrhatieit. Mitglied der Jntecuationalen bin iu> von ihrer Begründung an gewesen und bin es heute noch� Die sozial deinok,a'ifche A beitcrpa'tei ist sicheilich nach meiner persönliche» Ansicht faktisch eine Seiiion der Es werden hieraus zwei Briefe von Bebel, den Revo. nlions�onds', nr, der denlschen Gesetze wegen, nicht offiziell. betreffend, der eine an Bracke, der andere an Sp er ger chtet, ve-> xirs wurde jevoch keinc lei Abhängigkeit bedingen, weild'eO.gani- lese». � sation der Jii'c. nationalen söde alistizch und so dr uiüor als nur Nach Verlesung de« Protokolls ersucht Advokat Freyta q(Vlauen) I möglich jjj. D.e Par'ei eben trotz alledem ein voll'ommen selbst- den Präsidenle», zu konstaliren, daß das communuttiche D angeg be. st�„d!ger Körper. Dem Pa.iei- Ans chüsse hat nit eine osfizielle Ver Keinem der Anqetlaaten vorgesunden worden ist. Die Vec.ye.d-gung' weiß überhaupt nicht, so fährt der Redner fort, aus welchem Grunde qu. Manifest zur Verlesung gekommen.„-. Präside» l: Jetzt läßt sich nichts mehr constatneil; im uebriaen ist auch durchaus nicht behaup.et worden, dies Manifest sei bei den Angeklagten vorgefunden worden. m.• Damit wurden die Verhandlungen gegen 3 Uhr Nachmittags vertagt. Vierte Sitzung. Donnerstag, d. U Marz. Die Wiederausnahme der Verhandlunge., eifolgt durch den Pra- sideMe» gegen 3 Uhr. Von den zu heute vorgeladenen Zeugen sind zwei:. Der Stadtraib Albert aus Meerane und der Weber Sora aus Plauen, erschienen, doch nur, um sofort wieder ihre vorlaupge Entlassung zu erhalten. Die beiden anderen: Advokat tzirrbach aus Plauen und Dr. Max Sirs» aus Berlin, sind nicht zur Stelle. v.-„.l...... Der Staatsanwalt H o f f w a n n erwähnt noch m Betreff des gestern vorgelesenen„kommunistischen Manifest", daß dasselbe durch Aiiffindung Unter den Papieren des Angeklagten Liebknecht unter die Beweistmitel gekommen sei. Liebknecht habe außerdem seiner Zeit erklart, er yave -inen Wiederabdruck des lommunislischen Manisestes beabilchtlgt. Liebknecht: Allerdings war ick für einen Abdruck, jcÖOiJ) tn einer veränderte», den heutige» Verhältntffen entsprechenden Form. Das kommunistische Manifest stammt ans dem Jahre(dus, seiidem ist Vieles in der Welt anders geworden und ich habe mich für den Abdruck einer Uuiarbeitung, resp., wenn diese nicht vorgenommen werden sollte, für den uiiveränderten Abdruck nur unter der Voraus- sttzung einer erklärenden Vorrede erklärt. In Betress der Schrift:„Die Forderungen des Volkes im Augen- blicke der Revolution", welcke der ZtaatSanivalt als einen„Anhang des komiaunistijchen Manifestes" behandelt!, fordert derselbe die Ber- l«suna. Liebknecht bat hiergegen nlchls einzuwenden. Advokai Freytag(Leipzig) aber protestirt gegen die Ver- lesung. Auf die Bemerkung des Staatsanwalts, daß dieses Schriftstück wesentlich zu den Alien gehöre,. � erklärt Bebel, dieSchrislsei ihm fremd und stamme ans den Akten b«s Braunschweiger Hochverrathsprozesses. Dort in Braunjchweig habe bindurg ini. dem Gencrc. a.he zugestanden— eilaubte ec sich die- selbe, so übe.jchatt er sei, e Befngi.i'se. - er Präsid'nt glaubr einen Widerspruch mit früheren Aussagen Liebk.wch.s, weche er ve. liest, zu entdecken. Dann fährt eb uecht.»": Wenn ich jetzt so>0e abgewichen sein, zo haoe ich n ch j:.. g'gen siä�er berichl.gll Der Ausschuß tonnte nicht ver. h.eii und yai nicyt verleb' t mit dem Generalrcih i» Sache» der Partei, sonaern i> Bet.-'ff der Verwaltungsverordiinng'n (Einberiisung des Ko.ig.esfes'der Iiitrrnationulen selbst. Weisuu- gen wurden von London nie an die Partei gegeben, von der Partei ans London nie angrnonimen. Irrte früher in Sachen der Organisation, so erklärt sich dies daraus, daß ich mich nie viel um dieselbe bekümmert halte, wie ich dem Untersuchungsrichter sofort sagte. Eine Unterorönung gibt es nicht in der auf vol ständige Gleich- berechligung begründeien Jnlernaiionalen. Marx in wohl korrespon- dirender Sckie.är bei Een-ralraths für Dei'.schland, jch getze auch z», daß er eine bedeutende geistige Kapazi.äl ist— ober er ist keineswegs oie Seele des Generalraths; eine zolche, außer dem Programm und den Pr'> pien der Internationalen, giebi's überbaupt inchi. Advokat Frevtag(Leipzig), bcsiagt Licblnecht, ob er nicht während einiger Zeit im soommer 1370 mit Marx wegen einer kleinen D sse- renz außer Korrespondenz getreten sei. Liebknecht: Allerdings hat eine kleine Differenz mich veranlaßt, mit Marx in jener Zeit außer Kortefpondenz zu bleiben, wie ans den beim Ausschuß beich'agnahmten Briefen erhellt. Advokat Frey tag hP'auen) konstatirt, daß schon 1863 in Nr. 34, Seite 383 des„De.nokra. ischen Wochenblatts" die Mitgliedskarten der Jitternaiionalen ösfentlich ausgeboten worden sind. Angeklagter Bebel: Jch bin seit 1867 Mitglied der Jnternatio- nalen Arbciicr-Assozialion. Es hat stets eine sehr laxe Organisation in derselben bestanden. Jch bin zu dem Gencral-Nalh direkt niemals in irgend welche Beziehung getreten, sondern habe nieine Bei- träge stets nack Genf gefandt. Bereits in der Voruntersuchung habe ich erklärt, daß ich stets den Verkehr des Ausschusses mit dem Gene- ral-Rath getadelt habe. Ans die Frage des Advokaten Freytag(Plauen) wie viel Mit- glieder die Jinernaiionale in Deulsckland habe, bemerkt Bebel, daß er die Zahl nicht angeben könne. Es stehe jedoch sest, daß die Zahl leine große sei, ungefähr 1000, und daß das Gios der Parteigenossen nicht Mitglied der Internationalen sei. Angell. Hepner, befragt, ob auch er Mitglied der Internationale sei, erklärt: Ec wurde Ende des Jahres 1863 zu Berlin Mitglied der Juternationalen Arbeiter-Assoziation. Ein Berliner Kaufmann brachte damals, von einer Geschäftsreise Staat war gerne bereit, den Arbeitern die beiden Hauptforderungen Lassalle's zu gewähren:„Allgemeines Stimmrecht"(Französische Er- sahrnngen) und„Stoatshilse". Es zeigten sich hier die Nachtheile der Aufstellung eines unzureichenden Parteiprogramms, m dessen Lücken srindliche Auslegungen emgeschobeii werden können,— das Verhäng- nißvolle des Gebrauchs zweideutiger Worte.„Staatshilfe"! Was soll das heißen? Lassalle meinte'in innerster Seele die Hilfe des demv- kratischen Staates, also Selbsthilfe des Volks tm und durch den Semiikratischen Staat. Die Preußische Regierung meinte die Hilfe des Preutztschen Junker- und'Polizeistaates, und sie begünstigte»nd begünstigt bis anf den heutigen Tag die sozialistischen Bestrebungen, »m die Arbeiter von der Politik abzuziehen, sie gegen das Bürgerthuin, znicht die Bomgeoisie, denn mit ihr, den Naiionallibcralen, gehl sie Hand in Hand) aufzuhetzen und nach dem: Theile und herrsche I daS in sich gespaltene Volk zu knechten. Als Lassalle, dessen Ehrlichkeit über jeden Zweifel erhaben ist, in Folge seines Aufiietens von fast der gesanimien deutschen Presse ans das Hcftiflste r.ngegriffe», auf das Schäudlichste verleumdet ward, hielt ich eS für eine Ehrensache, mich ihm, dem alten Parteigenossen, anzusckließeit und ich wurde Mitglied seines Vereins, in der sichern Erwartung, daß Lassalle von seinen Jrrthümern zurückkommen würde. Doch er halte nicht die Zeit dazu, ein jäher Tod raffle ihn nach wenig Mona. en weg. Redner berichtet dann über die Slreiiigkeiien, welche nach Lassalle's Tod im Allgem inen Deiitschen Arbeilerverein ausbrachen, wie er selbst (Liebknecht), well die Noihwendigkeit betonend, den politischen Freiheits- kämpf mit dem sozialen zu verbinden, aus Berlin und Preußen aus- gewiesen wurde; wie der Allgemeine Deutsche Arbeiierverein i» die Hände ialent- und gewissenloser Abenteurer fiel, vis sich endlich Schweitzer, ein geistig begabter, aber moralisch gänzlich verlommener Manch ber Diktatur demachligie, nachdem er schon Anfangs des Jahres 1865 durch serii schamloses Liebäugeln mii der Bismarck'schen Politil allen ehrlichen Sozialdemokraten die' Mitarbeiterschaft an dem von ihm redigirten Parteiorgan„sozial-Demokrat" unmöglich gemacht hatte. Mit Schweitzer hat die Sozialdemokratie nichts gemein. Er ist Agent der Preußischen Regierung, der er die soziale Bewegung dienst- und nutzbar zn machen sucht. Daß innerhalb des Allgemeinen Deut- scheu Vereins nicht zu tvirken war, hatte ich bald begriffen. Eine so „stramm" centralisirte, in einer Person gipfelnde Organisation läßt lein- Reform zu, ebensowenig wie—»m Kleines mit Großem zu vergleichen— das Empire Bonaparte's, das Preußen Bismarck'«. Hier gicdt es keine Reform, nur Revolution. Solche Organisationen tönnen nicht unigesiaOrt, sie müssen zerbrochen werden. Im Herbst des Jahres 1864 war in London die Internationale Arbctternffojiation begründet worden. Sofort stand in mir und meinen Freunden der Entschluß fest, die deutsche Arbeiterbewegung aus den Boden der Internationalen hinüberzuleiteil, deren Programm und Organisation jede Möglichkeit des Mißbrauchs zu politischen und per- sönlicheii Zwecke» ausschließt. Zu jener Zeit bestauden in Deutschland außerhalb des Allgemei- nen Deutschen Arbeitervereins eine Anzahl von Ärbeitervereinell, die noch theilweise unter dem Einflüsse Schnltze-Delitzsch's waren, aber sich doch schon zn emanzipiren begannen. Diese Vereine zu gewinnen, war unser nächstes Ziel. Schuttze-Delitzsch, ein konfuser Abklatsch der englischen Manchestermänner, die er übrigens nicht einmal begriffen hat, predigte:„Der Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit ist nur ein Mährche» der Sozialisten, die bürgerliche Welt ist die beste der Welten".— Diese Redensarten wollten nicht mehr recht verfangen; die rasche bkonomischc Entwicklung Deutschlands ließ die Klassengegeii- säße schärfer und schärfer hervortieien und cs dauerte nicht lauge, so hatte Schultze-Delitzsch bei der Masse seiner Anhänger den Boden ver- loren. Im vorigen Jahre waren ivir so w-lt, daß wir diesen Arbeiter- vereinen, die gegen 14,003 Mitglieder zählten— mehr als der Allge- meine Deutsche Arbeiterverein— die Annahme des internationalen Programms voischlagen konnten. Ehe wir es öffentlich thaien, hatte ich m Berlin eine Unterredung mit Schweitzer, zu ver ich im Interesse der Einigkeit von Freunden ausgefordert worden war, theiltc ihm un- fern Plan mit, und forderte ihn auf, ebenfalls mit seinem Verein sich den Internationalen anzuschließen. Auf diese Weise sei der bisherige Zwist beendigt und könnten sich die beiden Organisationen— uusre Vereine und der seine— neben einander bewegen, bis eine Verschwel- zung möglich sei. Schweitzer versprach. Er gab mir sein Ehrenwort — und hat eS gebrochen. Auf unserm Arbeitertag in Nürnberg(ver- gangenen Herbst) nahmen wir das Programm der Internationalen an.' Und Schweitzer? Die Annahme des internationalen Programms von unserer Seite war für ihn das Signal, uns zu bekämpfen, uns als Werkzeuge der Bourgeoisie und Agentc« der Depossedirten zu de- nunziren. Jetzt war kein Friede mehr niöglich, Schweitzer mußte um jeden Preis beseitigt werden. Auf die Einzelheiten des- Kampfs, der nun erfolgte, kann ich nicht eingehen. Nachdem mein Anerbieten, den Generalräth der internationalen Arbeiterassoziation zum Schiedsrichter zu machen, von Schweitzer zurückgewiesen worden war, begab ich mich mit Bebel, dessen uneigennütziges und geschicktes Auftreten ihm die denk- scheu Arbeiter zu ewigem Dank verpflichtet, im März d. I. in die Generalversammlung deS Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, und dort in Gegenwart' der Delegirten seines eigenen Vereins begrün- deten wir unsre Anklage: daß Schweitzer systematisch die deutschen Arbeiter zu spalten suche, und im Interesse des Preußischen Junker- thums arbeite; und forderten ihn auf, seine Behauptung, wir dienten der Bourgeoisie und den Depossedirten, zu rechtfertigen.— Schweitzer schwieg, er wußte, daß er gegen uns nur elense Lügen vorgebracht hatte, und er wußte, daß wir gegcti ihn im Besitze der nölhigen Be- weise waren. Aus derselben Generalversammlung kam eine Angelegenheit zur Sprache, die zeigte, daß Schweitzers Privatcharakter ebenso erbärmlich ist, als sein politischer— ich meine sein Verhältniß zu Herrn von Hossstctten, der das Geld zur Gründung des„Sozial-Demokraten" ge- geben hat und von seinem Freund Schweitzer zum Bettler gemacht worden ist. Unser Auftreten in Barmen-Elberfcld, wo die Generalversamm- luiig des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins war und die Hofs- stetten'sche Angelegenheit erschütterte» das Ansehen Schweitzers unter seinen bisherigen Anbänger», und einige Monate später vereinigten sich die lüchtignen derselben— Bracke, Dork, Spier, der hier anwejcnd ist— mit uns, und wir beriefen gemeinsam den Eisenachcr l!on- gretz ein, zum Zweck der Einigung und Organisation der dcut>cheu Sozialdemokraüe. Redner schildert nun den Verlauf des Congresses. Schiveitzer habe ihn Anfangs iguorirt, hernach durch die Androhung von Skandal ein Polizeivetbot zu erwirken gesucht, als das nicht gelungen, habe er durch Absendung sogenannter„Delegirten" mit gebimdenen Mandaten (Eintritt in den Schweitzer'schen Berein), den Congreß unmöglich macheu wollen; allein man war auf alles gefaßt, betrachtete und be-- hanoelte die„Delegirten" einfach als Ruhestörer(die Delegirten Schweitzer's verlraren angeblich 100,000 Arbeiter, die Mandate waren aber meist gefälscht; aus Leipzig, wo sie höchstens 90 Manu habe», produzirten sie über 15,000 Nummern> und der Eongreß erfüllte in vollstem Maß seinen Zw-ck; fast 300 Delcgirte, die zusainmen 150,000 Arbeiter vertraten, nahmen das internationale Programm an, und gründeten eme Parteiorganisation, welche die Rechte derJndividucn wahrt, und die Kräfte Aller zur Aktion konzentrirt. Da die deutschen Gesetze den Anschluß von Bereine» an die Internationale Arbeiter- Assoziation verbieten, wurde festgesetzt, daß jedes Mitglied der sozialdemokratischen Partei auch periönliches Mitglied der Internationalen Arbeiter-Assoziation werden soll. Nachdem Liebknecht noch kurz über die politische Stellung der deutschen Sozialdemokratie und das Verhallen der preußischen Regie- rung gesprochen hatte, schloß er wie folgt:„Die Angriffe und Ver- leumdungen der Feinde übergehe ich mit Verachtung. Ich rechne sie mir nur zur Ehre au, und erblicke in der Thalsache, saß die gcsammte feudale, klerikale und Bourgeoispresse uns jetzt mit Kolh bewirft, einen Beweis dafür, daß wir auf dem rechten Weg sind, daß unsere Hiebe gesessen hahen. Aber anders ist es, wenn von befreundeter Seile unser Auftreten falsch aufgefaßt wird. Und das ist uns, speziell mir gegen- über, Seitens der hclgischen Parteigenossen, geschehen. Brüsseler„In- teruationale" und der„Werker" von Lüttich habe» neulich erklärt, mein Kampf mit Schweitzer sei ein rein petsönlicher Streit. Ich hoffe, nach dieser Darlegung werden die belgischen College» die Ungerechtigkeit ihres Urtheils begriffen haben. In Schweitzer be- kämpfte ich das Prinzip der Dütatur und die politische Corruption. Das Wort Diktatur wird vielfach mißbraucht. Ja— in Zeiten der Revolution ist die Diktatur nöthig; aber nicht die Diktatur eine« Einzelnen, sondern die Diktatur des Klubs, des Volks, der Arbeiter, wie 1793 in Frankreich. Wer sich persönlich zum Diktator aufwerfen will, den kann man, wie ich ein» Lassalle sagte, in ruhigen Zeiten allenfalls auslachen; i» revliluttonären Zeiten schteszt'man ihm eine Kugel vor den Kopf. Die Person Schweitzers war mir, ist mir völlig gleichgültig. Der Kampf, der gegen ihn und seine Helfers- Jelscr geführt wurde, war nicht ein persönlicher Kampf, sondern ein amps der Sozialdemokratie geg n den ImperialsozialismuS und gegen den Bismarck'schcn Cäsarismus. Auf den Wunsch eims Delegirten, doch etwas über das„Mär- ttzrerthum" Schweitzers zu hören, das viele Arbeiter irre gemacht habe, berichtet Liebknecht, wie Schweitzer allerdings zweimal zu Gefängniß- strafe verurtheilt worden sei—„die Richter sind nicht in die'Bis- marckhchen Pläne«ingeweiht—(vielleicht war es auch bloße Kmnödie") aber jedesmal war seine Haft nur eine Scheinhaft.„Im Jayre 1866 war er wegen Majenätsbeleidigung eingesperrt. Wohlan, Bis- marck setzte seine große Aktion ins Werk, es kam>h n darauf an, das Volk, das den infamen Bruderkrieg nicht wollte, für sich zu gewinnen. Schweitzer wurde aus dem Gefängniß entlassen, angeblich wegen Krankheit. Der kranke Schweitzer aber durchzog mit obrigkeitlicher Bewilligung Preußen und das übrige Deutschland, und agilirte für Bismarck, indem er den Arbeitern vorredete, der Krieg zwischen Oesterreich und Preußen gehe sie nichts an, sie sollten nur ruhig die Darlehnsscheine nehmen, welche die Regie ung zur Ermöglichung ih er brudermörderischen Politik gegen de» Will.n der Kammer ansgegeben hatte u. s. w. Das wohloocdcreitete Preußen siegte über das unvor- bereitete Oeuerreich, eine Amnestie wurde verkündet und Schweitzer brauchte nicht ins Gefängniß zurückzukehren. Voriges Jahr wurde er abermals verurtheilt— zu drei Monaten. Im Dezember ging er ins Gefängniß; kaum saß er darin, so schrieb er an einen Freund, er werde sich auf Weihnachten Urlauv geben lassen. Kurz vor Weihnachten erkrankte plötzlich sein Vater und nun konnte der Urlaub erfolgen, ohne daß es verdächtig schien. Allein es steht fest, daß Schweitzer den Urlaub angekündigt hatte, ehe er von der Krankheit seines Vaters eine Ahnung haue. Seinen„Urlaub" be- nützte er wieder zur Agitation, und zwar gegen wen? Gegen uns, die Internationalen. Als er seine Absicht, so weil es möglich war, erreicht hatte, und der Reich Uag, dem er gleich mir angehört, bald zu- sammenberufen werden sollte, kehrte er ins Gefängniß zurück, und mußte nach einigen Wochen, bei Beginn der Session, als Reichstags- Mitglied wieder entlassen werden. Nach Schluß der Session blieb er noch einige Wochen lang frei, weil er seine Maßregeln gegen den Eismacher Congreß zu treffe» hatte, und als er Alles hübsch verordnet, ging er in das Gefängniß, «ie man in ein feines Hotel geht, und hat jetzt in Rummelsburg der Berlin seinen Sommeraufenthalt. Er geht spazieren, trinkt Ch rinpag- ner, kurz, er lebt wie ein Fürst. Das ist das Märtyrerthuiir Schweitzers." Nach Beendigung der Verlesung bemerkt der Präsident: In der Jnaugural Adresse heißt es:„Es ist die große Pflicht der arbeitenden Klasse, politische Macht zu erobern."(Eichhofss Broschüre S. 14.) Sie schließt mit den Worten: Proletarier aller Länder, vereinigl Euch! (S. 13.) Unmittelbar vorher heißt eS:„Der Kampf für solch eine aus- wärtige Politik bildet ejiieil Theil des allgemeinen Kampfes für die Emanzipation der aibeitenden Ktassen." Es sei zugestanden, daß in Deutschtand mehrere Aruppen der Internationale seien, denen die Ge- setze es jedoch nicht gestatten, offiziell derselben als Mitglieder beizu- treten. Der Ausschuß zu Braunschweig-Wolfenbüttel habe bald nach dem Eisenacher Kongresse eine» offiziellen Aufruf erlassen, unterzeichnet v,n Bracke, Spier, Bonhorst, Ehlers und Neidet, in dem es heiße:„Jeder Parteigenosse inüsse 1) Mitglied eines Lokalvereins sei», 2) Mitglied der soztal-demokratischen Arbeiter-Partei, 3j Mitglied der Jnternatio- nalen Arbeiter- Assoziation. Kein Gesetz der Welt könne es den Einzelnen verbieten, daß er für sich Mitglied verschiedener politischer Bereine sei. Es komme nur daraus an, die Organisationen auseinanderzuhalten, so daß der Polizei die Möglichkeit nicht gegeben wird, eine Verbin- ßung von Vereinen nachzuweisen. Deutlicher könne ja gar nicht dargelegt werden, was die Leute wollen. Liebknecht: Es ist der Punkt meines Berichts betont worden, wo ich sage:„Eineso„stramm" centralisirte, in einer Person gipfelnde Tiganisation läßt keine Reform zu, ebensowenig wie— um Kleines »ut Großem zu vergleichen— das Einpire Bonaparte's, das Preußen Bismarcks. Hier giebt es keine Reform, nur Revolution. Solche Organisationen können nicht umgestaltet, sie müssen zerbrochen werden." Run, ich erinnere daran, daß ich dieser Worte ausdrücklich mich bedient habe in Bezug auf den Schweitzer'schen Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Verein. Es handelte sich also wiederum, wie auch vorgestern schon einmal, um eine Revolution innerhalb eines Vereins, und wen« man aus die Vergleichung mit dem„Empire Bonaparte's"»nd dem„Preußen Bismarck's" Gewicht legt, nun. so habe ich ja schon einmal auf Be- fragen des Präsidenten offen erklärt, daß ich allerdings die Anschau- ung habe, daß in einem reinen Militärstaat, ob er auch die Maske eines konstitutionellen trüge, eine Umgestaltung der bestehenden Ver- hältnisse aus fnedlichei» legalem Wege eine Unmöglichkeit ist Uebrigens werde ich bei Gelegenheit der Vorführung meiner Berliner Rede noch aus diesen Punkt näher eingehen.— Ferner hat der Herr Präsident auch jenen Aufruf des Braunschweiger Ausschusses an die Parleig.nossen besonders hervorgehoben, welcher bald nach dem Eisenacher Kongreß zur Jnsormirung der Parteigenossen eilassen wurde und der Herr Präsident scheint die Anschonnng zu haben, als spreche sich in diesem Aufrufe so klar und unverhohlen als denkbar die Absicht eines nn- gesetzlichen Vorgehens von Seiten der Partei aus. Ja, meine Herren Richter»nd Geschworene, sö klar und unverhohlen als denkbar spricht sich allerdings das Gegentheil aus: die Absicht cb.n des gesetz- lichen Vorgehens. Spricht nicht schon, von Allem Anderen abgesehen, der Umstand deutlich genug dafür, daß dieser Aufruf im Organe der Partei öfsent- lich und mit Naniensunterschrift verkündigt worden ist? Ferner, in dem Aufruf ist gesagt:„Keine Gesetze der Welt könne» es verbieten" u. Ist es nicht sonnenklar, daß der, welcher dies schreibt, nicht nur keine Gesetze, welche verbieten, kennt, sondern daß er auch der festen Ueberzeugung ist, es sei moralisch unmöglich, daß der- artige Gesetze gemacht werden könnten? Und wenn weiter gesagt wird,„es sei eine Kunst"-c.— so wird man die Wahrbeit dieser Behauptung nicht bestreiten können, wenn mau an die Mustcrkarte der deutschen Bercjnsgesetze denkt. Wird es nicht selbst den Behörden, welche doch allein mit dem Studium der Gesetze sich zu besasseu haben, oft schwer, sehr schwer, zu unter- scheiden? Wir haben ja erst neulich in Leipzig selbst ei» Beispiel er- lebt, wie eine Behörde ein Gesetz unrichtig auffaßte»nd von zwei oberen Behörden dann rektifizirt wurde.'Also wenn für Leute, welche das G-setz kennen und kennen müssen, schon eine Unterscheidung schwer ist, wie viel mehr erst muß es sü- einfache Arbeiter eine Kunst sein, drei neben einander herlaufende Organisationen so zu trennen, daß keinerlei Gesctzesverletzung stattfinder. Das spricht der Ausschuß aus; es ist, sagt er, eure Kunst, und daraus ergibt sich— daß jeder um die korrekte Ausübung dieser Kunst, keine Gesetzesübertretung sich zu Schulden kommen zu lassen, sich bemühen möge. Dann ist von der Polizei gesprochen— nun, die Polijei ist doch nicht der Staat? Bcr- letzung von Polizeigesctzeu ist doch kein Hochverrath? Und zur Ber- stäEung des Beweises für den Mangel an jeder gesepesübertreierischcnAb- ficht kommt noch hinzu, daß ein Jahr nach dem Eisenacber Kongreß, in Stuttgart, als die junge Partei durch die Erfahrung von der ungemeinen Schwierigkeit sich überzeugt hatte, welche das Auseinanderhalten der lokalen und der nationalen Organisation bietet, der betreffende Passus der Organi- sation abgeschafft worden ist.— Betreffs der Eichhoss'schen Broschüre über die Internationale ist zu konstatircn, daß sie schon 1868 in Berlin gedruckt und erschienen ist;— bezüglich der Jnauguraladresse führe ich an, daß dieselbe sogar schon 1864 im„Sozialdemokrat" abgedruckt wurde. Die genannte Adresse selbst, von Karl Marx verfaßt, ist durch und durch eine wissenschaftliche, ja eine philosophische Arbeit,«ie steht auf statistischer Unterlage, also ans dem Boden der Thatsache» und von diesen ausgehend kommt sie zu dem Resultat, daß der söge- nannte Rationalreichlhum unserer Tage eigentlich nichts Anderes ist, als die stetig wachsende Bereicherung einiger Wenige», erzeugt durch die stelig wachsende Berarmung der Massen, Bus itieser von Marr wissenschaftlich als vorhanden üachgewiejenen Thatsache bernht die Internationale, auf ihr, welche die Nothwendigkeir einer Umgestaltung der zum Verderben führenden bestehenden Berhältnisse wissenschaftlich und mit der höchsten Dringlichkeit darlegt, fußen die Bestrebungen der Internationalen. Wenn vom Herrn Präsidenten die Anssordernng zur Bereinigung der Proletarier aller Länder zum Zwecke des allge- meinen Kampses für die Emanzipation der arbeitenden Klassen wie- derum betont wird, so halte ich Dem entgegen, daß es nach meiner Anschauung un niöglich richtig ist, wenn man bei dem Worte„Kampf" in erster Linie immer an einen Kamps mit den Fäusten, mit der ultima ratio roxum, Kanonen, Zündnadeln und Bajonetten denkt. Der Kamps, den wir meinen, ist ein Kampf der Geister, und nach unserer Anschauung sollte des Menschen einzige» Kampfmittel sein Hirn sein. Oder läge darin nicht des Menschen höchste Kraft? doch gewiß— den» an physischer Kraft wird er vom£hiere vielfach bedeutend übertroffen. Wenn nun gar ein Maiin der Wissenschaft, wie Marx, von einem„Kampfe" spricht, so kann dieser doch unmöglich etwas Anderes, als den geistigen Kampf gemeint haben.— Anstößig in dem Herrn Präsidenten auch der Schlußrus der Jnaugural- adresse:„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" Was heißt das? Es heißt: Ihr Unglücklichen, Ihr Elenden, Ihr Ausze- stoßnen, Ihr Armen aus aller Welt, vereinigt Euch! Also nicht die Anne» eines Landes, sondern aller Länderl Gut, das Christen- thum in iti Deutschland St.iatsreligion— nun,— das Christen- thuni machte ja auch, und dadurch ward es groß, den Naiionalgou der Inden zu einem für alle Völker, alle Länder. Und was forden die Internationale in Summa? Sie fordert, daß alle Menschen sich bestreben, die christtiche Forderung der Liebe zu allen Menschen auch in politischer und sozialer Beziehung, über Grenzpfähle und Schlagbäume hinaus, zur Wahrheit zu machen. Wenn aber Icimulv in öieser FurScrung Hochverratlj sehe» sollte, so wiirde er Damit nichts Anderes bekeinlc» als die Anschauung:„Tie allgemeine Liebe unter de» Mensche», die allgemeine Ver- lirüDernng, der Friede mit einem Worte, ist unverträglich mit dem Bestände der Mvnarchien!"- Aus oen Slalulen der Internationalen hebe ich hervor, daß dieselbe nicht, wie verläumderisch behaupter wird, die Klassenherrschaft erstrebt, sonder» ausdrücklich er- klärt:„Der Kamps für die Emanzipation der Arbeiterklaffe ist kein Kampf für Klassenvorrechte und Monopole, sondern für gleiche Rechte und Pflichten und für die Vernichtung aller Klasieuherr- schaft." Wir bekämpfen unsere heutigen Verhältnisse ja nur um deS- willen, weil sie auf Klassenherrschaft beruhen. Wenn des Weiteren im Statut, dem sür Jedermann einzig und allein maßgeben- den Gesetzbuche der Internationalen, die Nothwendigkcit der Unter- ordnung jeder politischcn Bewegung unter die ökonomische Emanzipa- tion betont wird, so ergibt sich daraus, daß alle politischen Fragen für die Jnternatlonale nur Fragen untergeordneter Natur sind. Die Auf- gäbe der Jnlemationaleu, die Emanzipation der arbeitenden Klassen, ist eine Kulturaufgabe, eine Ausgabe von ber höchsten Moralität und — diese so viel geschmähte, als sähig aller Schandthaten hiiigestellle Internationale, welche Erklärung gibt sie ab? Sie erklärt:„daß alle Gesellschaften und Individuen, die stch ihr an- schließen, Wahrheit, Gerechtigkeit und Sittlichkeit anerkennen als die Regel ihres Verhallens zu einander und zu allen Menschen, ohne Rück- ficht auf Farbe, Glaube oder Nattonaiität; keine Pflichten vhne Rechte, keine Rechte ohne Pflichten!" Ferner ist m den Statuten gesagt:„die Assoztalwn lg gegründet zur Herstellung eines Miltelpunk. res der Verbindung zwischen' den in v-.rschledenen Landein bestehenden Arbeilergeselljchaften, welche dasselbe Ziel verfolgen, nämlich den Schutz, den Foitschriit uud die vollständige Emanzipation der Arbeiterklasse." Da ist von Gewalt nicht die Rede, nur von Kooperation. Kein Um- stürz der Gesetze wird gepredigt— obgleich ich gern zugebe, daß, wenn einnial die Emanzipauon der Arbeiterktasse erreicht sein wird, die heu- tige» Gesetze nicht mehr bestehen werden. Aber die Gesetze sind ja in ewiger Umwandlung begriffe», jedes neue schafft ein altes ganz oder theitwcise ab und selbst der absoluteste versteinertste S taa t befindet sich in einem beständigen Häutungsprozeß. Die Organisation der Jnternatio- naleu ist außerdem auch so dehnbar(nach meiner Anschauung fast zu sehr und ichjbeantragte in Basel eine Aendenrng in diesem Sinne), daß die aus- drücklich gestellte Forderung, sich den Gesetzen der einzelnen Länder anzu- passen, leicht durchzuführen ist. Dann fordert die Internationale auf zur Herstellungeiner„allgemeinen Statistik der Arbeiterklasse." Ist diese Forder- ung konspiratorisch? Rein, sie ist ein unumstößlicher Beweis für das emi- nent wissenschaftliche Bestreben der Internationalen. Diese will nicht ins Blaue hinein Hypothesen aufstellen, sie ill vielmehr auf der Basis der Thatsachen bauen und sie fordert die Statistik.— Weiter: die Forderungen in Beireff der Kinderarbeit! Vertreten dieselben nicht die Interessen der Humanität, die Interessen oes kommenden Geichlechts und somit die Interessen der Zukunft des Menschengeschlechts? Ist das ein Verein von rohen Kulturfeinden, weicher sich hiermit, welcher sich feriler mit der Bildungsfrage so beschäftigt, wie es die Jnieniationale thut? Und welches sind die Thaten der Jnteniativnale? Sie hat sozusagen schon als Embryo 1364 den drohenden Krieg zwischen Eng- iand und Amerika verhindert— ihre erste That war Friede! Amerikanische Staatsmänner haben die Thatsache anerkannt. Die zweite That bestand in der Verhinderung des zwischen Preußen und Frankreich um LnrenburgS willen 1866 drohenden Krieget- die zweite That war Friede! Auch haben die Arbeiter von Paris und Lyon, Mnglieder der Internationalen, 1870 energisch gegen den dcutsch-sran- zösischeu Krieg protellirt. Die dritte That war in Angelegenheiten der Fenier nicht etwa-in Sturm auf das Parlament, sondern- eine Petition. Daß die International« ihrer Natur nach eine durchaus öffentliche Ver» bindung sei, ist auch offiziell in einem im Bolkssiaat Nr. 38 vom U. Mai 1870 veröffentlichten Schriftstücke des G-ncralcaihs erklärt. In dem angezogenen Schriftstücke ist die Stelle enthalten:„Wenn die Internationale konspirirt, so konspirirt sie öffentlich, so wie die Sonne gegen die Finsterniß." Liebknecht ist mit seinen Erklärungen zu Ende und richtet an den Präsideuten die Frage, ob er nicht Gelegenheit erhalten dürfte, sich auch über den Baseler Kongreß der Jnternationtlen, speziell die dort verhandelte Grund- und Boden-Frage, auszulassen. Präsident: Ich glaube, Herr Liebknecht, daß Sie zu viel sprechen. Alle Ihre Auseinandersetzungen sind überflüssig. Ich werde Ihnen deshalb auch nicht auf Alle» antworten. ES kommt durchaus nicht darauf an, wie Sie die verlesenen Schriftstücke interpretiren, sondern wie sie die Herren Geschwornen interpretiren. Es herrscht aus der Ge- schwornenbank doch gewiß eine solche Intelligenz, daß eine so lange Erklärung eines jeden»erlesenen Schriftstückes Ihrerseits vollständig überflüssig ist, und bloß die Verhandlungen verzögert. Alle Ihre sozialen Äuseinandersetzungen stehen in gar keinem Zusammenhange mit der Anklage. Sie sagten ferner, Herr Liebknecht, es brauche, licht Jedermann die Gesetze, die ibm nicht gefallen, zu befolgen. Angekl. Liebknecht: Meine Aeußerung war: Ich glaube nicht, daß bei Verwirklichung unseres Programms dieselben Gesetze noch bestehen werden; aber dainit ist durchaus noch nicht eine blutige Revolution zur Erreichung unseres Programms bedingt. In der ersten Bemerkung des Herrn Präsidenteti erblicke ich eine Beschränkung der Redefreiheit. Wenn man, wie wir, angeklagt wird wegen vorbereitender Handlungen zum Hochverrath. so d«rs die Bertheidignng in leiner Weise beeinträchtigt werden. Wenn hier stundenlang Schrift- stücke verlesen werden, die aus die Anklage gar keine» Bezug haben, so wird es mir wohl auch gestatiet sein, mich darüber eine halbe Stunde — länger habe ich nicht gesprochen— anszulasjen. Wenn der Herr Präsident sagt: Wir sind hier bloß unserer politischen Bestrebungen wegen angeklagt, so muß ich bemerken, daß unsere politischen Bestrebun- gen von unseren sozialen untrennbar sind. Ich muß die Vertheidigung in der Art führen, daß wir den Geschworenen nicht als wüste Gegner der Civilisaiisn erscheinen. Ich werde mich keinesfalls des Rechtes der Vertheidigung irgendwie begeben. Präsident: Es ist eine oerartige Beschränkung auch durchaus nicht vorgekommen. Liebknecht: Sie habe» Das soeben mir gegenüber zu thuu versucht und gestern in ganz unberechtiger Weise bei meinem Mitangeklagten Bebel gethan, als er das Wort„Revolution", ein Wort, auf das es bei der Anklage sehr wesentlich ankommt, definiren wollte. Präsident: Ich werde das Recht bei freien Meinungsäußerung auch mir ans diesem meinem Platze zu wahren wissen. Ferner bemerkt der Präsident, die Angeklagten hätten wiederholt hervorgehoben, daß unter dem Belastungsmaterial Zeitungsartikel und sonstige Artikel figurirten, die jahrelang vor dem Prozeß unbean- standet öffentlich verbreitet wurden. ES sei dies ein Beweis für die milDe Handhabung der Preßgesetze in Sachsen. Es sei aber ganz in der Ordnung, daß, wenn einmal ein Prozeß gegen die Angeklagten angestrengt worden, nun auch jene Preßerzeugnisse Seitens der An« klage benutzt wurden. Advokat Frey tag(Leipzig): Ich schließe mich dem, was mein Klient Liebknecht in Bezug aus das Recht der Vertheidigung gesagt hat, vollständig au, und verwahre mich gegen jede Beschränkung des- selben. Im Uebrlgen möchte ich meinen Klienten ersuchen, sich erst bei der allgemeinen Vertheidigung über die Grund- und Bodenfrage zu äußern,(Liebknecht nickt bejahend.) Der Präside ilt ersucht den Herrn Vertheidiger zu constatiren, daß er dem Angeklagten das Wort noch nicht entzögen habe. Jener kommt diesem Wunsche nach. Hierauf vertagt der Präsident gegen 3 Uhr Nachmittags die Ver- Handlungen mit der Bemerkung, daß er morgen über die zuletzt ver- lescnen Schriststücke Herrn Bebel das Wort ertheilen werde, Fünfte Sitzung Freitag den 15. März. Der Präsident eröffnet die Verhandlungen g-gen 9 Uhr und theilt zunächst mit, daß die Zeugen aus Plauen, da sie durch eine längere Abwesenheit van Hause in ihrem Erwerbe geschädigt zu werden fürchteten, bald gehört zu werden wünschte». Auf Befragen erklärt sich sowohl der Staatsantvait als die Berthetdiguiig mir der baldigen Entlassung dieser Zeugen nach ihrer Vernehmung etnverstanden und beantragt nur Advokat Frey tag(Leipzig), daß die beiden Polizeikommissäre unter den Zeugen von dieser Entlastung ausge- schlössen würden. Die Vorladung der Zeugen wird veranlaßt und zunächst erhält das Wort Bebel. Ich habe, sagt er, zu dem, was über den Baseler Kon- greß verlesen wurde, nichts zu bemerken— ich war nicht in Basel und schließe mich der ÄuSsührung Liebknechts an, daß die dort ge- faßten theoretischen Beschlüsse nur sür die betreffenden Beschlußfassenden bindend sei» können. Außerdem erklärte ja auch der Herr Präsident die Unwichtigkeil des Baseler Protokolls für die Anklage. Anders verhält es sich mit der Brochllre von Eichhoss über die Internationale, von welcher ich nur sagen lann, daß eS mir total unverständlich ist, wieso diejelbe von der Anklage als b e lastend bezeichnet werden mag, daß ich im geraden Gegentheil diqe Schrift von Ansang bis zu Ende sür ein treffliches E n t tastungsmaterial halte. Ich habe in alledem, was gestern daraus vorgelesen wurde, auch nicht eine Zeile finden könueu, durch welche die Anklage aus Hochverrath irgenvwie logisch begründet werden könnte. Der Herr Präsident betonte den letzte» Satz der Jnauguraladresse und wird dabei das Wort„Kamps" wiederholt als gleichbedeutend mit Revolution mit Hitse von Sensen und dergleichen au'gefaßt. Aber man vergleiche nur die unmittelbar vorhergehende Stelle, welche lautet: „Wenn die Emancipation der arbeitenden Klassen deren gegen- seitigen brüderlichen Beistand erfordert, wie können sie diese große Mission erfüllen, wenil die auswärtige Politik der Regierungen straf- bare Pläne versolgt, nationale Borunheile in Bewegung jsetzt, und tn Raubzügen das Vlut und Seit Schatz dcö Volkes vergeudet! Nlchl sie Weisheit der herrschenden Klassen, sondern der Helden- rnüthige Widerstand dir arbeitenden Klassen von England war es, wa» dni Westen von Europa verhinderte, sich über Hacs und Kops in einen infamen Kreuzzug sür die Verewigung und Fortpflanzung der Sklaverei ans dem jenseiligen User des atlantischen Oeeans zu stürzen. Der schamlose Beifall, die nur scheinbare Sympathie oder der beschränlte Gletchmuth, mit welchem die oberen Klaffen Europa'? die Bergfestnng deS Kaukasus Rußland zur Beule fallen und das heidenmülhige Polen durch Rußland haben Vernich, en sehen, die nn- widerstandenen Uebergriffe dieser barbarischen Macht, deren Haupt in St. Petersburg, deren Hände in allen Kabinetten Europa's sitzen, haben den arbeitenden Klassen die Pflicht gelehrt, sich selbst der My- sterien der internationalen Staatsknnfl zu bemeislern, die diplomatischen Streike ihrer Regierungen zu überwachen, ihnen nSthigenfalls mit aller ihnen zu Gebot stehenden Macht entgegenzuarbeiten, und, wenn auher Stande, den Streich zu verhindern, sich zu gleichzeitiger öffent- uchcr Anklage zu verbinden und die einfachen Gesetze der Moral und des Recht? zu proklamiren, welche ebensowohl die Bezie- Hungen Einzelner regeln, als auch die obersten Gesetze des Verkehrs der Nationen sein sollten." An diese Sätze anschließend, folgt nun die als verfänglich be- handelte Stelle:* 0'* „Der Kampf für solch eine auswärtige Politik bildet einen Theil deS allgemeinen Kampfes für die Emancipation der arbeitenden Klassen. Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" Dann hat Liebknecht schon auf den Ausruf dcS Generalraths (9h. 38 Volksst.) hingewiesen, welcher gegen die geheimen Verbindungen sich ausspricht. Ich betone, daß dieser Ausruf in öffentlichen Blättern stand, daß er von sämmtlichen Generalrathsmitgliedern persönlich unterzeichnet, und also ein offizielles Schriftstück der Jnter- nationale im eminentesten Sinne ist. Dann soll die Internationale, wie eS hier dargestellt wird, die Absicht haben, auf die Thätigkeit der sich ihr anschließenden Arbeiter-Organisationen bestimmend einzuwirken. Der Punkt b der Statuten aber spricht nur von internationaler Ver- Mittelung, von einer Kooperation der verschiedenen Gruppen. Der Punkt ö beweist durch die Worte:„Keiner unabhängigen Lokalgesell- Ichast soll es verwehrt sein, direkt mit dem Geueralrath zu korrespon- diren," doch sicherlich Das, daß kein Mensch zur Korrespondenz mit dem Generalrath gezwungen ist. Der Punkt U endlich sagt, daß die Arbeitergesellschasten, welche sich der Internationalen anschließen, chre besondere Organisation unangetastet beibehalten. Es ist also klar bewiesen, daß den einzelnen Gruppen die vollste Selbständigkeit gewahrt ist. Zu alledem kommt noch hinzu, daß die sozial-demokra- tische Arbeiterpartei mit diesen Punkten nichts zu thun haben kann, denn sie bildete nie in offizieller Weise einen Best«ndlheil der Jnter- nationalen.— lieber die politische Thätigkeit des Generalraths hat sich schon Liebknecht ausgelassen. Am Schluß der Eichhoss'schen Broschüre ist noch von den in Deutschland eristirenden Gruppen ge- sagt, daß sie„trotz ihrer Sympathie aus Mangel an gesetzlicher Autorisa tion" offiziell nicht beitreten können. Kann man sich die Absicht, nur gesetzmäßig vorzugehen, deutlicher ausgedrückt denken, als hierdurch, und kann ver absolute Mangel jeder Scheu vor der Oefienilichkeit wieberuin deutlicher ausgedrückt werden, als durch die Mittheilung der Adressen von I. PH. vecker und Marr V Wenn man, um nochmals darauf zurückzukommen, das Wort„Kampf" so sehr betont, so müßte die Anklage in fast jeder Nummer de« „VollSstaat" etwas Verfängliche» finden. Da stehen z. B. in der Nr. 1 vom Jahre 1370 folgende zwei Zeilen:„Aus Kämpfen in Kämpfe, auf der ganzen Linie steht die Partei im Fener,"— und wovon ist die Rede* von der propagandistischen Thätigkeit! In Betreff des Ausschuß-Aufrufs vom 28. August 1869 bemerk: ich, daß es sehr wesentlich ist, die dem inkriminirten Satze voraufgehenden zu kennen. Diese erklären den Parteigenossen, wie sie die verschiedenen Organisa- tionen auseinanderhalten müssen, uird dann hinterdrein wird gesagt: Wenn Ihr das thut, so kann kein Gesetz der Welt von Ench verletzt werden. Es ist eine Kunst— aber wenn Ihr sie übt, so seid Ihr sicher, der Polizei nicht in die Hände zu fallen. Hepner: Da es mir trotz allen Nachdenkens bis jetzt noch nicht gelungen ist, herauszufinden, inwiefern, ich durch die vorgelesenen Schriftstücke belastet sein soll, so ziehe ich es vor, in der» Zustande des Schweigens, zu dem mich die Jnhaltlosigkeit der Anklage gegen mich verurtheilt hat, zu verharren. Es erfolgt nun die Beweisausilahme über die Rebe Bebel's, gehalten den 27. und 28. April 1876 in zwei Arbeiterversainrnlungen in Plauen. Angckl. Bebel läßt sich darüber folgendermaßen ans: Er sei damals nach Plauen berufen worden, um Hern Dr. Max Hirsch gegenüber zu treten. Am 27. April habe er ein sehr langes Referat ge- geben, wobei ihm Dr. Hirsch opponirte. Herr Dr. Hirsch habe als- dann für den anderen Tag eine Versammlung veranlaßt, in der Jener eine» Vortrag hielt, während derAngekl. ihm opponirte. Bebel rekapitulirte nun fast vollständig seinen damals gehaltenen Vortrag, der eine geschichtliche Entwickelung des Sozialismus gab, die heutigen Zustände beleuchtete und auf den freien Volksstaat hinwies. Als Bebel bei dieser Wiedergabe seiner Rede aus den preußischen Cäsaris- mus zu sprechen kommt, unterbricht ihn der Präsident mit der Bemerkung, er fordere den Angeklagten auf, sich in seinen Ausdrücken etwas zu mäßigen. Bebel: Wenn man über die ungerechten Zustände in der Ge- sellschast spricht, kann man manchmal etwa» in Extase gcrathen. Präsident: Man darf nicht Alles aussprechen, was man denkt. Bebel: Ich spreche auch nicht Alles ans, was ich denke.(Große Heilerkeit.) Präsident: Ich wollte Sie nicht unterbrechen, aber Sie haben uns einen langen volkSwirthschastlichen Bortrag gehalten, der durch- aus nicht hierher gehört. Bebel: Ich war dazu genöthigt, um der Herren Geschwornen willen. Präsident: Sie haben gesagt:„Wir sind der Staat", und „das stehende.Heer wird nicht gegen den äußeren Feind, sondern gegen das eigene Boll gebraucht, die Gewalt ist Recht" zc. Bebel: Er habe sich wohl in ähnlicher Weise geäußert; jedoch wicht in diesem Sinire und Wortlaute. Präsident: Sie haben ferner gesagt:„Es gibt keinen Staat in der Welt, wo unsere Ideen nicht Eingang gefunden haben." ,,Man müsse mit Gewalt vorgehen"-e, Bebel: Diesen Satz ausgesprochen zu haben bestreite ich ent° schieden. Das Erste wäre ein toller Unsinn gewesen. Präsident: Sie haben ferner gesagt: Das Wahlgesetz und die Reichstagsverhandlungen sind Schwindel k. Bebel: Er habe diese Aeußerung nicht gethan; jedoch habe er mit Bezug auf Dr. Hirsch, der ein Anhänger des Norddemschsn Reichstags sei, gesagt: Was die Nationalliberalen Euch Arbeitern über die Reichs- Verhandlungen sagen, ist Schwindel. Präsident: Ferner haben Sie von einer sogenannten Staats- gewalt gesprochen, die beseitigt werden inüßte. Bebel: Das habe ich nicht gethan. Von einer„sogenannte» Staatsgewalt" zu spreche», wäre auch eine Thorheit gewesen, da die- selbe ja sattisch bestellt. Präsident: Sie haben außerdem geäußert, man muß dem Mili- tär das sozial-demokratische Gift einzuflößen suchen; da werde die Zeit einmal kommen, wo das Militär auf eine andere Stelle schießen wird, als wohin eS kommandirt werde. Bebel: Diese Aeußerung habe ich auch nicht gethan, sondern ge- sagt, daß wir bestrebt sein müssen, die sozial-demokratischen Prinzipien immer weiter und weiter im Volle zu verbreiten. Da nun das Gros des Militärs, mit Ausnahme deS Offizierkorps, aus dem Volke stammt, und nach Ablauf seiner Dienstzeit wieder zum Volke zurückkehrt, so ist eS wohl möglich, daß unsere Prinzipien auch allmählich unter das Militär getragen würden und daß dieses mit der Zeit nicht mehr auf das Volk schießen wird, wenn nian dazu kommandirt. Präsident:«ie haben ferner gesagt: Wenn» ich ähnlich wie hier, in Preußen gesprochen hätte, so säße ich sehr bald hinter Schloß und Riegel, obwohl man dies auch hier in Sachsen sehr leicht haben kann." Bebel: Ich sagte die« ebenfalls bei Gelegenheit einer Polemik mit Dr. M. Hirsch, der— ich wiederhole es— ein Anhänger der preußischen Staalseinrichtungen ist. Er habe deshalb hervorgehoben, daß in Preußen noch größere Beschränkungen in Bezug auf Vereins- und Bersammlungsrecht, ali in Sachsen, beständen«.; jedoch könne inan auch hier sehr leicht hinter Schloß und Riegel kommen. Präsident: Und nicht mit Unrecht. Bebel: Nun, das wird sich zeigen. ES erscheint nun als Zeuge der Obcrgendarm Röder aus Plauen. Er bekundet, daß er sich auf den Zusammenhang der da- Maligen Rede nicht mehr genau entsinnen könne. Er erinnere sich, daß Herr Bebel gesagt habe:„Die besitzenden Klassen mästen sich von dem Schweiße der Arbeiter".„Man müsse das sozial-demokratijche „Gift" soweit wie möglich im Volke verbreiten, damit der Rekrut vor seinem Eintritt in das Militär schon den Gedanken in sich sestwurzeln lasse, daß er aus den Volke kommt und wieder in das Volk zurücklehrt; dann werde endlich einmal die Zeit kommen, wo das Militär nicht auf Kommando gegen da« Volk, sondern aus eine andere Stelle schießen werde." Ferner:„Das stehende Heer wird gegen das eigne Volk gebraucht; das wüßten auch am besten Bismarck und Wilhelm in Berlin, Beust in Wien, der königliche Hof in Dresden u. s. w." Außerdem:„Es sei besser, daß man auswärts agitire, als im Reichs- tage." Präsident(zum Zeugen): Hat Hr. Bebel nichts vom Wahl- gesetz gesprochen? Zeuge: Ja, er sagte: Das ist Schwindel. Femer erklärte Zeuge, daß Bebel gesagt:„Wenn er diese Rede in Preußen halten würde, so käme er sicherlich sehr bald hinter Schloß und Riegel; er könne dies wohl auch in Sachsen haben." Auf Befragen des Präsidenten erklärt Bebel, daß er die Aus- sage des Zeugen bestreite, da der Wortlaut und Sinn seiner Rede wesentlich anders gewesen. Er bleibe hierüber bei seinen eigenen Au«- lassungen stehen. Advokat Frey tag(Plauen, zum Zeugen): An welcher Stelle des Eaalcs haben Sie sich in jener Versammlung ausgehalten? Zeuge: Ich hatte sehr verschiedene Plätze. Advokat Frey tag(Plauen): Haben Sie nicht meistens an der Thür gestanden? Zeuge: So viel mir erinnerlich, nein. Vertheidiger: Haben Sie sich nicht während der Versammlung unterhalten und sogar eine Viertelstunde lang? Zeuge: Ich habe mich wohl unterhalten, aber nicht eitie so lange Zeit. Vertheidiger: Können Sie uns eine zusammenhangende Ueber- ficht der Aeußerungen des Herrn Bebel geben? f räsident(unterbrechend): Aber Herr Vertheidiger, Sie kön- och nicht verlangen, daß der Zeuge eine Rede, die vor bereits 2 Jahren gehalten wurde, hier wörtlich wiedergeben soll. Vertheidiger: Das weiß ich sehr wohl, aber der Zeuge hat sich hier gar zu wenig znsainmenhängend geäußert. Präsident: Es handelt sich hauptsächlich um die umnittelbar nach der betreffenden Versammlung geschehenen Aeußerungen. Ver theidiger: Es ist auch in der früheren Aussage des Zeugen kein Zusammenhang zu finden. Wir sind deshalb genöthigt, die An- gaben Bebel's über seine Rede, die durch den Zeugen in keiner Weise widerlegt sind, als wahrheitsgemäß hinzustellen. Staatsanwalt:(zum Zeugen): Hat Herr Bebel nicht gesagt, wenn wir unsere Forderungen nicht in Güte erreichen können, dann werden wir Gewalt anwenden müssen? Zeuge: Ja wohl. Bebel: Ich bestreite das entschieden. Herr Dr. Max Hirsch hält eine Harmonie zwischen Kapital und Arbeit für möglich) wäh- cend wir dies für ein Unding erklären und sagen, dag ein fortwäh- rendcr Kampf resp. Krieg zwischen Kapital und Arbeil besteht. Hätte ich diese mir instnuirle Aeußerung gethan, dann würde wohl sicher die Versammlung nicht nur polizeilicherscits aufgelöst worden sein, sondern man hätte mich sogar ans der Stelle arretirl. Beides häite ich in diesem Falle vollkoinmen in der Ordnung gesunden. Der Zeuge Professor Lössing aus Plauen tritt ein und erklärt, daß er Bebel nur vom Sehen kenne. Der ersten Versammlung habe er ganz, der zweiten nur bis etwa zur Hälfte beigewohnt und am fol- genden Tage habe' er in dem„Voigtländischen Anzeiger" ein theilweise nach schriftlichen Aufzeichnungen in der Versammlung selbst hergrstell- tes Referat gebracht. Für Gedächtnißtleue könne er zur Zeit nicht mehr einstehen, da nahezu 2 Jahre seitdem verflossen. In Folge dieser Erklärung werden die früher in Plauen gemachten Aussagen der Zeugen nach den Protokollen angezogen und hiernach, sowie nach dein oben erwähnten Referat, welches, wie Zeuge bemerkt, als nach dem frischesten Eindruck gegeben den größten Anspruch aus subjektive Wahrhaftigkeit hat, stellt sich die Aussage dahin fest, daß Bebel gesagt haben soll, es tönitc, ivenn einmal die sozialdemokratischen Prinzipien die große Majorität sür sich erlangt, dahin kommen, daß das Militär«uderswohin schösse als k.— daß Bebel ferner gesagt haben soll, es sei eine Tänschung des Volkes, wenn man demselben sage, das Militär sei der Äiachbarn wegen da. Unler„Nachbarn" hat Zeuge die benachbarten Völker verstanden und hat er in letzterer Aeu- ßerung in Verbindung mit dem Früheren eine gewisse Gefährlichkeit erblickt, so daß er sich darüber wunderte, daß die Polizei die Versamm- lung nicht schloß. Auf Befragen des Bert hei d igers stellt sich diesbezüglich heraus, daß Zeuge diese Redeweise nicht sür strafbar, sondern nur für eine lleberschreitung der gestatteten Redefreiheit gehalten. In der zweiten Versammlung, erklärt Zeuge auf Befragen des Präsidenten, wurde ein mir ganz neuer Gedanke über die zuküns- tige Führung der Landwirthschast von Bebel ausgeführt, doch schien mir derselbe keineswegs gefährlich, besonders da Bebel meinte, der Gedanke sei erst in sehr ferner Zeit durchführbar. »us Fragen der Lerthetvigililg bejaht Zeuge, daß bis zu jenen Versammlungen die sozialistische Meinung in Plauen noch nicht öffent- lich zur Darstellung gekommen. Eine direkte Aufforderung zur An- Wendung von Gewalt, erklärt Zeuge weiter, sei in der ersten Rede durchaus nicht vorgekommen, aber er, Zeuge, habe sich gewundert über die Geschicklichkeit, mit welcher die direkte Aufforderung um- gangen worden sei und indirekt nahezu eine Aufreizung siattgefun- den habe. Advokat Freytag(Plauen): Hat Bebel gesagt, die Partei wolle mit t�etvalt ihre Ziele erstreben? Zeuge: Nein! Durchaus nicht. Bebel: Jenes Rcserat, aus welches Zeuge vorzugsweise seine Aussage stützt, ist etwa eine Spalte laug und nach des Zeugen eigener Aussage sprach ich damals nahezu 2 Stiiiideii. Wie kann jenes Re- ferat im Zusammenhange den Gedankengang wiedergeben? Ich sprach damals von einer Bearbeitung der ösfentlicheii Meinung in unserem Sinne und sagte etwa: das Militär kann sich dann auf die Dauer dem Einflüsse der ösientlicheu Meinung nicht entziehen, so daß irgend- einmal, nicht es dahin kommen iniisfe oder solle, sondern könne, daß das Militär-c.— Nach einer Unterbrechung des Advokaten Freytag(Plauen) von Seiten des Präsidenten, welche der E r st c r e zurück- weist, erklärt Zeuge, daß er von jeuer Aeußerung über das Militär Bebel's Ausiassmig theile und daß eine Aufimderung zu einer konkreten That nicht stattgefunden habe. Auf d:e Pereidigunfl dieses Zeugen wird sowohl von Seiten der Bertheidtgung, wie der Stoatsanmaltschaft verzichtet. Es folgt die Mittagspause und Nachmittags die Vernehmung des Oberlehrer Dr. Hof- manu aus Plan en. Derselbe gibt an, Bebel habe gesagt: Das Sparen der Arbeiter sei verwerflich; es müsse noch dahin kommen, daß es nur ganz Reiche und ganz Arme gebe, zum Zwecke der leichteren Bewältigung der Elfteren durch Letztere— 2.— Es müsse noch dahin kommen, daß das Militär anders wohin schösse, als es solle— 3.— Die Steuern sind ein Diebstahl der Regierung an dem armen Volle— 4.— Die Hinrichtung Ludwigs XVT ist eine glorreiche That. Bebel erklärt die Sätze in dieser Form, dieser Fassung und diesem Sinne sür unrichtig. Außerdem widerspreche sich Zeuge. Die erste Versammlung, sagte er, habe nichts Anfsälliges geboten, und dennoch kam die Stelle über das Sparen und wohl auch die über das Militär in derselben vor. Nicht es müsse, sondern es könne dahin kommen -c., sagte ich. Zeuge bleibt bei seiner Aussage und halt dafür, eher etwas m zu wenig grellem Lichte dargestellt zu haben. Aufreizimg zur Gewalt fand er in Bebels Reden nicht und die Bezeichnung der Hinrichlnng Ludwigs XVI als„glorreiche That" ist nur eine subjektive Wiedergabe des empfangenen Eindrucks. Bebel: es sei ihm eine solche Behauptung gar nicht eingefallen. Er habe damals von der Entwickelung der Verhältnisse des Bürger- thums gesprochen und habe gesagt, daß das Bürgerthum, als es zur Herrschaft kam, nicht nur die Köpfe des Adels, sondern den des Königs sogar habe fallen lassen. Präsident: Sie mögen bedenken, daß der Zeuge Bildung genug besitzt, um zur korrekten Aussassling und Wiedergabe einer Aeußerung bcsähiat zu sein. Bebel: Eben weil der Zeuge Bildung besitzt, ist es mir so un- erklärlich, daß er mich total»lijzversteticu kontiie. Ich kann nur eine Möglichkeit annehmen, nämlich die, daß meine Rede vielleicht dem Zeugen den Eindruck machte, ich wolle die Hinrichlung Ludwig XVI. glorifiziren— und ans diesem Eindrucke konnte möglichenfalls eine Anisage wie die des Zeugen fließen. Eine wörtliche Wiedergabe meiner Rede ist jene Aussage des Zeugen gewiß nicht. Zeuge gibt dies zu. Hierauf wird von der Geschwornenbank die Frage gestellt, ob außer dem als Zeuge anwesenden Obergendarm Tröger vielleicht noch eine juristisch befähigte Ueberwachungsperson den Plauen'schen Versammlungen anwohnte. Diese Frage wird verneint, ebenso die Frage des Verthei- digers an" de» Zeugen Hofmann, ob Bebel in jcneti Versammlungen zu Gewaltthätigkeiten aufgefordert habe. Dagegen erklärt Zeuge auf Befragen: Bebel hat einen Angriff auf das Bestehen des Staats als möglich hingestellt und wollte nur vorläufig von der Ausführung desselben absehen, weil diese jetzt noch keine Aussicht auf Erfolg haben könnte. Dieser Angriff sollte nach meiner Vermuthung ein gewalt- sanier sein. Darüber, ob der erste Versammlungsabend einen guten Eindruck betreffs der maßvollen Haltung Bebels auf mich gemacht, kann ich keine Auskunft geben und halte rch das auch für un- wesentlich. Advokat Frey tag(Plauen): Ich nicht! Aber ich erkenne die Aussichtslosigkeit einer weiteren Befragung dieses Zeugen. Auf Befragung von der Geschwornenbank gibt Bebel an, daß er von seinem Parteistandpunkte aus, ohne bestreiten zu wollen, daß einzelne Arbeiter oder ganze Arbeitergruppen noch nicht mit dem Namen der Proletarier zu bezeichnen seien, ja ohne bestreiten zu wollen, daß selbst einzelne Arbeiter aus ihrem bisherigen Staude heut- zutage noch in den Bürgerstand sich hinaufzuschwingen vermöchten, dennoch diese Fälle nur als Ausnahmefälle behandeln könne, als solche Fälle, welche bei dem universalen Blicke auf daß Ganze von höchst untergeordneter Bedeutung bleiben. Gegen den Zeugen Hofmann macht Bebel die Bemerkung: Demselben haben meine Reden den Ein- druck gemacht, als sei ich bereit, loszuschlagen, sobald es nur anginge. Ich muß hier bemerke», daß der Zeuge politisch mein Gegner ist und dieser Umstand ist bei politischen Prozessen sehr wesentlich. Die Ob- jektiviiäi der Aussage wird dadurch sicherlich beeinirädstigt. Jene Versammlungen waren tumultuarisch, von Gegnern gestört, und eine An- klage wurde damals gegen mich erhoben:„wegen Verbreitung staats- gefährlicher Lehren." Vorbereitung zum Hochverralh fand man in jenen Reden damals nicht. Der nächstvernommene Zeuge ist derWeber Höra ausPlaueu. Er ist Vorsitzender des Orts-Gewerkvereins zu Plauen und politischer Gegner der Angeklagten. Er fungirte in der ersten Versammlung als Vorsitzender, in der zweiten war er als Zuhörer anwesend. Er erinnert sich blos der Aeußerung Bebels: Durch Verbreitung der so- zialdemokratischen Ideen werde das Militär schließlich nicht mehr auf Kommando aufi Volk schießen jc. Auf die Frage des Advokaten Frcyt ag(Plauen), was der Zeuge in seiner Eigenschaft gethan haben würde, wenn Herr Bebel zu Ge- waltt,ätigkeiten in jener Versammlung aufgefordert hätte, erwidert Zeuge, daß er alsdann die Versammlung ohne Wei- teres geschlossen haben würde. Es erscheint als Zeuge Advokat Kirbach aus Plauen. Auf die Frage des Präsidenten, ob er politischer Gegner der Angeklagten s«, erwidert er:„Entschiedener Gegner." Er erinnere sich aus den damaligen Reden Bebel's nur noch ganz dunkel der Worte: Das Militär werde auch noch einmal nach anderer Richtung hin schießen, als ihm tömmanditt werde. Auf weiteres Befragen des Advolaten Frey tag(Plauen) bemerk! Zeuge: Er habe nichts StaatsgefährlicheS aus jenen Reden entnehmen können. Kurze Zeit nach den beiden Versamm- lungen sei er in einer Gesellschaft gewesen, wo sich zum Theil die An- ficht kundgab: Bebel habe staatsgefährliche Aeußerungen gethan. Er war in dieser Gesellschaft der einzige Jurist und äußerte sich, daß er von juristischem Standpunkte aus nicht« Strafbares in jenen Reden gesunde» habe. Auf die Vernehmung des Defeiisional-Zeugen, bei Herrn Stadt- verordneten Albert ans Glauchau, wird Seitens der Verthei- digung und der Staatsanwaltschaft verzichtet. Der Zeuge Oberlehrer Dr. Hosfmaun aus Plauen ivird vereidigt; auf die Vereidigung der übrigen Zeugen wird Verzicht ge- keiftet. Auf Antrag des Advokat Frey tag(Plauen) werden die Unter- suchnngsakten wider Bebel aus dem seiner Zeit wegen seiner Reden bereits angestrengten aber wieder»iedergcschlagenen Prozesse verlesen. Die Anklage wurde damals wegen Verbreitung staatsgefährlicher Leh- reu eingeleitet und in Folge der Einführung des Norddeutschen Straf-Gesetz-Buches wieder kassirt. ' Hierauf wurde eine Brochüre, betitelt:„Die Forderungen deS Volkes im Augenblicke der Revolution" verlesen. Staatsanwalt Ho ff mann bemerkt, daß diese Brochüre bei Lieb« knecht vorgefunden worden, und daß derselbe in der Voruntersuchung gesagt habe: sie bilde einen Anhang zum„kominuiiistischen Manifest." Liebknecht: Es ist möglich, daß qu. Brochüre bei mir vorgesun- den worden. Ich beabsichtige ein Geschichtswerk zu schreiben und habe zu diesem Zwecke»och mehrere solcher Bücher in Besitz. Ich habe aber dieselbe in keiner Weise verbreitet. Wenn ich in der Voruntersuchung gejagt haben sollte, die Brochüre sei ein Anhang zum kominuiiistischen Manifest, so habe ich mich geirrt. Advokat Frey tag(Plane»): Ich muß mein Befremden a»Z- drücken über die fortwährende Verlesung von Schriftstücken, die mit den Angeklagten in aar keiner Beziehung stehen. Ich beantrage, daß dieses vergilbte Schnststäck den Herrn Geschwornen vorgelegt werde, damit sie sich überzeugen, daß dasselbe schon mindestens über 20 Jahre alt ist. Präsident: Ich werde dem Antrage des Herrn Vertheidigers nachkommen; was jedoch sein geäußertes„Befremden" aiilangt, so er- widere ich ihm, daß die Verlesung all dieser Schriftstücke seitens des Ge- richlshoscs beschlossen worden ist und damit ist'S abgemacht. Advokat Freytag(Leipzig): Ich ersuche, diese Brochüre ebenfalls einmal den Angeklagten Bebel niid Hepner zu zeigen, die dieselben nach Niemals gesehen haben.(Slürmische Heiterkeit). Diesem Antrage wird enlsprochen. Alsdann gelangt ei» im Monat August 187l von Bebel an Bracke in Braunschweig gerichteter Brief zur Verlesung. Präsident: Aus diesem Brief geht hervor, dag Sie unter den Arbeitern Sachsens einen sozial-republikanischen Anhang zu haben glauben. �. Bebel: Ich habe diesen Brief an Bracke geschrieben zu einer Zeit, wo der Ausschuß unser, d. h. mein und Liebknechts Verhalten im Ber- liner Reichstag- gegenüber der Kriegssrage mißbilligte. Ich wies dieser- halb Bracke darauf hin, daß die Parteigenosse» Sachsen» sich mit un» im Einverstänvniß befinden. Hieraus wurde das Protokoll verlesen und die Verhandlungen gegen 2»/« Uhr Nachmittags vertagt. Sechste Sitzung Sonnabend den 10. Marz. Eröffnung durch den Präsidenten gegen 9 Uhr. Zunächst theilt derselbe mit, daß auf Wunsch der Herren Geschwoieneu bei der heutigen Sitzung insosern eine Abkürzung eintreten solle, als mit Uebergehuug der bisher gebräuchlichen Pause der Schluß um 1 Uhr Nachmittags ersolgen werde,. Auf Abhörung der drei noch vorgeladen ge>ve>eneii Zeugen: ver beiden Polizeikommissare, Weller von Dresden und Kneschke von Leipzig, sowie des Dr. Mar Hirsch aus Verlin ist sowohl vo» Seiten der Berlheidigniig, wie auch der SiaatsarnvaUschaft, Verzicht geleistet worden, wogegen sich zu erklären der Gerichtshof keine Veran- l� Die�be� Liebknecht vorgefundenen 100 Stück Mitgliedskarten der Internationalen Arbftter-Assoziatwn erkennt dieser, sowie auch Bebel und Hepner, als echt an... � � Staatsanwalt Hoffmann beantragt, daß diese Karten auch den Herren Geschworenen vorgelegt würden und ferner beantragt er die Verlesung des Inhalts der Rückseite dieser Karte». Diesen beiden Anträgen wird Folge gegeben. (Auf dieser Rückseite befindet sich ein gedrängter Auszug aus den Statuten der Internationale in deutscher, französischer und engltscher Sprache. Der deutsche Theil lautet: �... ,, „Die Emanzipation der Arbeiterklasse muß durch die Arbeiterklasje selbst erobert werden, der Kampf für die Emanzipation der Arbeiter- klaffe ist kein Kampf für neue Klassenvorrechte, sondern für die Ver- nichtung aller Klassenherrschaft. Die ökonomische Unterwerfung des Arbeiters unter den Aneianer der Arbeitsmittel, d. h. der Quellen des Llbens, liegt der Knechtschaft in allen ihren Formen zu Grunde, dem sozialen Elend, der geistigen Verkümmerung und der politischen Abhängigkeit. Die ökonomische Emanzipation der Arbeiterklasse ist daher das große Ziel, dem jede politische Bewegung als Mittel cienen muß. Alle nach diesem Ziel strebenden Versuche find bisher gescheitert aus Mangel an Einigung unter den verschiedenen Arbeitszweigen jeden Landes und unter den Arbeiterklassen der verjchiedencn Länder. Die Emanzipation der Arbeiter ist weder eine lokale, noch eine nationale, sondern eine gesellschaftliche Ausgabe; sie umfaßt alle Länder, worin die moderne Gesellschaft besteht; sie kann nur gelöst werden durch das plan- mäßige Zusammenwirken dieser Länder.") Hierauf folgt die Verlesung einer konsidentiellen Mitthcilung des Generalraihs der Jnternationalt.r Arbeiter-Assoziation aus London vom 26. März 1870 über den Äiussen Bakum» und seine Umtriebe innerhalb der Internationale». Deesen deutsch abgefaßten Schristslückcn ill ein andeies in sranzöfischer Sprache beigesügt, dessen Uebersepung ebenfalls vorgetragen wird. Auch ein von Bo»Horst in Braunschweig nach Leipzig unter der Ueberschrift:„Mein lieber Fäustl!" gerichteter Brief, welcher die Ankunft der konsidentiellen Mittheilung ans London sowie die Be- werksleUigung einer Abschrift davon„sür die Leipziger" anzeigt, kommt zur Veilesung. Aus jener generalräthlichen Mittheilung hebt der Präsident drei Punkte als besonders gravirend hervor: 1.— Es soll darin ge- sagt sein,„der Generalrath habe seine Hand direkt ans dem großen Hebel der proletarischen Revolution," woraus für den He>rn Präsidenten hervorgeht, daß sich der Generalrath selbst für ein Ober- Rcvoluttonö-Comitee und die ihm untergeordneten Körperschaften für Sub-Rcvolutiouscomirees hält. 2.— Es ist in den, französisch abgefaßten SchristllüS von dem„ernsten, unterirdische» Handeln" des Generalraths die Rede, also, wie Präsident glaubt, von einem Handeln, welches alle Ursache hat, sich vor dem Äuge des Gesetzes zu verstecken. 3." Es ist in dem Schliftslück gesagt: D-e Else- nacher sozialdemokratische Arbouerpartei gehört zur Internationalen, die Schweitzersche Partei nicht— woraus der Präsident wiederum den Schluß einer offiziellen Zugehörigkeit der Partei als Gruppe der Internationalen zieh!. Liebknecht ant.omtet hierauf: Mir ist diese confidentielle Mit- the-'ung allerdings seiner Z'it zugeschickt worden und ich meine, daß Bonhorst, wenn er sagte, er habe„für die Leipziger" eine Avschrsit gemacht, damit speziell die Redaktion des„Volksstaat", noch spezieller mich.ncinte, und zwar der Bakunin belressenden Details und des in dem. Schriftstück enthallenen Passus! wegen, der von meinem Ver- hältniß zu Herrn von Schweißer handelt. Aber die mir soeben aus den Akten u�erbrelleie Bosch» ist ist nicht von Boiqori.s Hand, sie ist auch nicht bei mir, sondern ich muthmaße, daß sie»t Braun- schweig konfiszirt worden ist. Ueber den Inhalt muß'ch bemerken, daß ich bis zur Vocnnter- suchuug nur den mich jpezrell siiteressirenden vorerwähnt.» Passus gelesen Halle. Mit dem Uebrigen habe ch mich erst uns den Unter- snck.r'Ugsakte i be'auut gemacht. Mir Heptl-r habe'ch sicherlich nie darüber gesprochen, mit Bebel wrh-scheinsich auch nicht und daß er das Sch.istsiück du cb»chch zi EU, sich, c ballen hat,„cht jeoei.salls fest. Der procuc.r � Vrnp:■'jeye Blies ist nicht an m.cy gerichtet. Betrejs» lt.: Meinung des He i P i-.sifce.uen, a>s sei i. dttstui Schrift- stück von Sei.en be»<£«..» alralhs d: soüaldemok atilche Arbeiterpartei Eisenacher Program. ns a's eine csstz elle E.iippe der Fn'e. nationalen beyaudelt, habe ich b>«»n.gegengesetz.e Anschaunuq Der Ge-eralraih, speziell Marx, faßte die Stellung der Par.ei zur Jnlernationalen weit korrek er aus, als der Ausschuß. Es h" delte fich für den General'.»', um den Gege>tsaß zwischen uns nl,d Schweiber und darüber sagt der Geue aUcch:'£'i Scvwelhec'jche Parlti erklär« sich gegen uuS, Kehr as»rsio.ic'e. Basis, oie Eis naiver A, bester- gruppe auerkau. t die Be>. echiiguiig der Jnternotioualität, sie hält zn uns. Der Pasius vom ernsten, innetiViichaK» Handeln des Gene o.all« ist i»'. oem s an-ösisch ge�ch.iebenen Toeil enthalten, den wuh.scheiulich ein Franzose, stvensalls inchl Ear! Mo, r, verfaßt hat.'Mo» muß hier ueachten, daß dieser Ausdruck gebraucht wird im G'genia� zu der chailatanischen Märkisch. eie.ei Bak.rnin's und daß fe..er dieFranzosen in der Zntecnatioiiole sich du-ch nicht ganz korreite, manchmal eiwas schwülstige A. sdri'ckSwels« auszuzeichnen»siegen. Sollte aber wirr- lich m* dem Worte vor»„uv rirdischeu Handeln" esi e geheime, lichtscheue Thü Igkeit geuriint se n, s?e,klä..e-ch gierm.t aus'S Bestimm- te. e: in diesem Falle hätte der General.ath seine Besag, risse über- schritten und de» Vorschriften»er S ainkn unj der Organisation schnurstracks en'gegen gehandelt. Ich desaou ire foimell diesen zwei- deuitgen Ausdruck und velweise zur Erhärtung oasür, daß Marx eine ganz andere Anschauung hegt, aus den von mir zu den Alten gegebenen Passus aus dem nauoiralökonomischen Werte von Marx „das Kapital", Vorrede, Seite 10, welchen Passus ich zu verlese» bitre. Die Verlesung geschieht und L ebknecht erklärt bierouf weiter, daß er iibe.haup.«eoen bindender- E�a-er«» coufidennelle,, Schrisl- stücks sür sich und seine Mi.r-.igekir-gten aoteh-,en muß. Was ven Passus von.„Heb, l d,r Aeoolulioir" anbe>c.n.zt, sagt Liebknecht, so ton- staitre ich, or.ß gesagt ist:„Der ökonomifche.-äe.e'." Batunin wollt, den Sitz des Generalraihs von London nach oe, Schweiz ver legt w.lien, und hie. gegen siih.l der Gene alraiy an: der Eenlralpunki aller ölo- nomischen Bewegungen ist i» England, hier ill d.r Hebel aller öko- nomischen Untwaizi-ng, es wäre eine ihv.heit, di.ses Land, von dem z. B. auch die Haudeistrsieu ausgehen, z». ve. lasse». A--geIlag>er Bebel: E- habe d-eses Sch isigück vor der Vorun- terjuchung gar nicht geka.nn Hep.ur erklärt sich>» gleicher Weise. Liebknecht. Diese Biochü e habe yauptsächlich den Zweck, die Stellung Barunin'» zur Iunrnaiionose., Ardet-er-Asfoziatio.- zu kenn zeichnen,.»dem jen?r im Gegensatze zum k-tiicl.'- wi»«njchas>l-chen Sozialtsmus, der eine ve» Interessen der Me-(e�ieit enisp-echenbr Organisation von Staat und Gesechchr.' ans. evr, einen wünen Ko.nniunlSm.-iS befürwortet, der auf die Au�rösu.g von Staat und GejeUschast h-nziett. A.,s Bes,age» des Advokaten F erstag(Leipzig) be-nerkt Lieb knechi, dag er ne Brochü.e weder habe drucken tasseu, noch j.ge,. Ie.i-a.-den-n.» gegeben nvbe. Hie-anf wur-e das Gene al-Staiut, gedruckt zu Genf 166", so- wie d-e S-a-t-ieu der ei->z«ln?n SeU-o.-e» der Inrernal-onalen vc- lesen. Da der Präsident selb t n-chts Belastendes darin zu s-noen ve.- mochte, hob öerZ ugekt.Ltebknechl ledigl-ch diese Aufjassung des P, sideiuen hervor. Bebel jügte hinzu, daß das Ge.ie'Z's,a>ut stes dlos auf de.. Papiere gestanoen habe. ES wurde hieraus ein Brief von Marx a» den Ausschutz, in dem sich»och ei.-e Rachsrhusl oo-i Engels oesa-tb, uno den der..us- schuß Liebknecht überm-tteli hat-e, vertesen. Derselbe war insbe>o»de,, gegen die Um-r-ebe Schweitzeis ge-ich-et. Präsident deine, kt, daß aus dl-sim Schreiben eine geschäftlich. Berbi-tdung des Ausschusses mn dem Generat-Rath ersichilich-ei. Liebknecht: Es ya-idelte sich nur um einen i-i Aussicht ge- uommeueu Eoiig-eß der Internationale». Diese Briese siiio von mi> stets wieder an ve» Ausschuß zuiück geschickt w0l0en. Bebel: Er müsse in viesem Briese d-e Stelle„Eure Leute" her- vorhlbeu, woraus hervorgehe, daß der Generatralh die Mitgtieder d.r soziat-demoklallschen Arbeiler-Pattri Deutschtands nicht als Mngueder der Jmer..ationaten Arbeiter-Assoziation betrachtete. Hepner: Er halte es sür wesentlich, hervorzuheben, daß Lieb- knechl von Mari seine-zeit der Vorwurs der Unkena-niß der O-ga-n- sation der Jnternaiionalen Arveltei-Asjozial.on gemacht wvraen sei. Es gelangte hierauf ein Brief von Bonhorst an Bracke zur Verlesung, i» dem er rhn zu einer Konserenz einladet. In demselben waren unter Anderem die Sätze ernhatleu: Wir müssen eine Sonde in die Bewegung hmeiiitreideii, um zu sehe», wie weil unsere Bewegung ged.ehe» ist. Wir müssen allen papiernen Radilaltsmus in Fleisch und Blut übergehen lassen. Präsident: Da» ist deutlich genug. Liebknecht: Dieser Brief ist weder von einem der Angeklagten geschrieben, nach an einen derselben gerichtet. In einer hierauf zur Verlesung kommenden Antwort auf diesen Brief, von Bracke an Bonhorst gerichtet, nennt er diesen Agent pro- vokateur. Unter Anderm heißt es darin:„Wir müssen vorläufig schweigen. Wir sind em Glied der Internationalen und müssen warten bis ans den Augenblick, wo der Generalrath seine Befehle zum Losschlagen ertheilen wird." Präsident: Beide Briefe stehen zwar zu den Angeklagten in keinerlei Beziehung; es seien dieselben jedoch von den Ausschußmit- gliedern geschrieben und man sehe Hieraiis, was die Leute im Werke hatten. Bebel bemerkt, daß die Partei fthr viele Mühe hatte, Bonhorst von der Anssührunq mancher iiberschwängucheii Gedanken abzubringen; deshalb habe Bracke auch scherzweise jene Ausdrücke gebraucht. Im Uebrigen aber habe sich die Partei wenige Mona'e nachher bei Aus- bruch des deutich-sranzösischen Krieges ihatsächlich durch Abhaltung von Volksversamnilungen, Erlassung von Manifeste» sehr rührig gezeigt. Es wird hierauf ein Brief von Liebknecht an den Ausschutz verlesen, in dem derselbe aufgefordert wird, offiziell an den Generat- Rath das Gesuch zu richten, daß er dm nächsten Kongreß in Deutsch- land und zwar in Mainz abhalte. Liebknecht: Ich that dies deshalb, weil damals der preußische Re.'.ierunassozialiSmuS des Herrn von Schweitzer in Deutschland immer mehr Anhänger gewann. Ich habe mich nicht direkt an Marr gewendet, weil ich zur Zeit mit ihm etwas gespannt war. Der Ausschuß sollte sich offiziell als Parteibehörde an den General- Rath wenden. Nach Verlesung eines Briefes von Bebel an Bracke, sowie eine« zweiten von Bouhorst an Liebknecht, in welch' letzterem es u. A. heißt: „Laß dich von der Kuiserposse nicht vetscheuchm!" bemerkt Liebknecht: Er habe vorher an Bonhorst geschrieben: Die politischen Verhältnisse in Deutschland seien ihm so ekelhaft, daß er lieber 10 Jahre ins Exil gehen würde, als die herannahende deutsche Kaiserposse ausführen zu sehe». Einem Mann, der der schlech- ten Zustände wegen auswandern will, liegen' gewiß alle Ge- waltlbätigkciten fern. Nach Verlesung mehrerer„Concepte" des Ausschusses bemerkt Bebel, daß dies nicht„Concepte" des Ausschusses, sondern solche von Bonhorst sind. Hepner: Bonhorst habe sich so viele Uebergrisse zu Schulden kommen lassen, daß die Bestimmung getroffen werden mußte, alle Aktenstücke, die vom Ausschuß ausgehen, seien von mindestens zwei Ausschußmitgliedern zu unterzeichnen. Hierauf wurden die Berhand- lungen gegen 1 Uhr Mi tags bis Montag Bormittags 9 Uhr vertagt. (Fortsetzung folgt.) Hersseld. Das Mitglied der hiesigen Jnternationaleu Gewerks- genossen, chafi d.r Manufaktur-, Fabrik-, und Handarbeiter: Georg Most, gebürtig aus Hersfeld in Hessen, welcher vor ungefähr 3/t Jahren von hier abgereist und Herrn Motteler fälschlich berichtet, daß ein hier ansgebrochener Strike zu Gunsten der Arbeiter beendet sei, ohne daß itwas derartiges übrrbaupistaltgesv.iden h rt und jetzt wieder auf seine Mitgliedskarte Reis ennlerstützung beansprucht, weil er sein Statutenbuch in seinem Reisekoffer st a'e» haben will, wird hier- durch ausgesordeit, benanntes Slatuienbuch umgehend an mich einzusenden, damit ich unsere Gewerksgenossen berichten kann, ob G. Most seinen Pflichten gegen unsere Genossenschaft nachgekommen ist oder nicht;— widrigen Falls G. Most vis in si'älestens 3 Wochen aus unserer Gewerkschaft ausgestoßen ist; zumal da derselbe noch nicht nach- gewiesen hat, daß er sür sozial-demokraiische Prinzipien agitirt. Solange Most hier war, hat er seimr Pflicht an die Kasse, welche in einer Imonatlichc-i Steuer bestand, genügt, seitdem aber haben wir weiter nichts von ihm gehört, als voriges Jahr Bericht Herrn Mottelers über den hiesige» Strike, welcher, wie schon bemerkl, gar nicht staltgefunden hat. Im Auftrog: Georg Wolsf Bev. Internationale Metav-Arbeitergewerkschast Braunschwelg! I» der ain Mittwoch den 6. d. M. stattgehabten Versammlung wurde beschlossen, die Generalversammlung bis Pfingsten zu vertagui, weil die Zeit bis Ostern zu kurz sei. Der Bevollmächtigte E. H. Müller. NB. Sollten aber die meisten Ort« sür Ostern sein oder die Geschäfte es ersordern, so werden wir uns fügen. D. O. Ich fordere Herr» Beck, früher in Braunschweig, hiermit aus, den Betrag von 20 Ngr. umgehend sür die Colporrage-Casse beim Unte- zeichneten einzu, enden. E. H. Müller. B.aunschweig, Scharrnstraße 22. Nürnberg, 18. März.(Telegramm.) Nürnberg- Fürth und Umgebung, über 1000 Schneider habe» die Arbeit ein- gestellt Zuzug abhalten. Unterstützung nöthig. Baumann. Leipzig. Sämmtliche Schneidergehilfc« am hiesigen Pl tze haben am 18. März die Arbeit eingestellt. Mainz 12. März. Die Arbeitseinstellung der Schneider in Mainz dauert noch fort. Es laben bis heute neun Arbeit- geber den Tarii der Schneider-Union unterzeichnet. Bei den übrigen Arbeitgebmi bleibt d-e Arbeit noch eingestellt, bis sie nachgegeben laben. Die Arbeitseinstellung dauert bis jetzt schon fünf Wochen. Die Schuld tragen theils die A-briter, weide in Mainz ohne die Bestimmung der Union die Arbeit wieder aufgenommen; theils sind aber auch viele während dUher Zeit nach Mainz zugereist, haben die Unterstützung von der Union angenommen und die Arbeit trotzdem vegonne». Wir werden aber doch zum Siege kommen, w'i die üb-igen Arbeiter bei den B-stimm. ingen selsenfest ver- harren. Wir bitt.n den Zuzug noch von Mainz fern zu halten, bis wir gesiegt laben. Die Na-iun der Verrätaer und Feiglinge werden -vir den Arbeitern später dekann, machen, wenn die A-beilseinstellung zu Ende ist. Mit sozial-demokr. Gruß. _ I Lehendecker. Aufruf! Bürger! Arbeiterl Wie Euch be-annt, befinden wir uns seit 13 Wochen im Kampfe; ein Resultat ist noch unablchdar. Unsere koalirun Fabrilanien bieten AfleS ans, uns mit Hilfe ihrer Kapitalien zu zwingen, die Arbeit bedingungslos wieder aufzu- nehmen. Brüder, 500 Mann, darunter sehr viele Familienväter, wurden in der schlechlesien Jahreszeit aus d-e Straße gesetzt, ohne eine Lohn- erhöinng beansprucht zu haben. Erilaunl über dieie Maßregelung, faßten wir den Entschluß, eine 20perze»t-ge Lohnerhöhung und die zehnstündige Ä-beiiszeit zu beau- spruchen. Billder, bedenkt, daß 18 Wochen bei dieser Jahreszeit keine kleine Ausgabe ist, aber--ichtSdestoweniger sind wir enlschloiien unsere gerechten Forderungen durchzusetzen. Brüder, wir appellire» daher nochmals an die gesammte Arbeiter- xartei, uns nicht sinken zu lassen; bedenkt, was bei diesem Kampfe in Frage steht. Gelingt es den koalirten Fabrikanten, uns nieberzudrücken, so irnd nicht nur all' die großen Opfer verloren, sonder» es ist im ganzen Großen eine Niederlage von ungeheurer Tragweite, und wir sind wieder hilflos ihrer Gewalt für längere Zeit überliefert. Bedenkt unsere Ausgabe und verhelft uns zum Sieg, der ja auch der Euere ist, denn nur aus diese Weise ist es möglich, auszuhar-en, und sollte es auch noch länger dauern. Unlerilützungeii sind zu senden an die Redaktion des„Volkswille" oder an das Strite-Komitee in Mann'S Gasthaus, Penzing, Haupt- straße Nr. 74, 1. Stock. Penzing, am 29. Februar 1872. Mit sozialdemokratischem Gruß und Handschlag Für das Strike-Komitee der Drucker und Formstecher: Joseph Schneider. Warnung! Die Schreiner von Zürich und Umgebung haben, durch die Verhältnisse gezwungen, die Arbeit einstellen müssen. Wir fordern daher alle Schreiner auf, bis aus weitere Anzeige, so viel wie möglich Zürich zu maieii. Die bcaustraczte Zürich, den k4, März. Strike-Kommission. Avis für Deutschlands Bauschlosser und Mechaniker. Nürnberg, den 10. März. Wir dringen Euch hiermit die Nach- richt, daß wir hier mit den Meistern wegen der 10-Stunde-iarb ei und 25°/,, Lohnerhöhung in Unterhandlung stehen, und, falls eine gütliche Uebereinkunfr nicht möglich ist, zu Ostern die Arbeit ein- stellen werden, und ersuchen Euch deßhald, jeden Zuzug nach hierher strengstens sern zu halten. Die gegenwärtige Arbeitszeit beträgt 1 1'/? Stunde. Der Lohn ist ganz erbärmlich. Fremdenverkehr und Arbeitsvermittlu-lg auf der Herberge zur weitzen Lilie, welches Gasthaus wir allen Gewerksgenossen bestens empfohlen halten. Zugleich fordern wir alle Schloffer aus, sich der internat. Metall- arbeiterschast anzuschließen, wie w-r Arbeits- und Leidensgenossen I für den Fall, daß ein Strike noth- wendig werven sollte, vergeht uns nicht!(Wir ersuchen alle Arbeiter- blätler um Bekanntgabe dieses Ausrufs.) Im Auftrag: Das Eomit� der Schloffergesellen. Für Schuhmacher. Allen Berufsgenosjen zur Kenntniß, daß wir hier wegen Lohner- höhung und Einbriiigwcsen in eine» Strike verwickelt sind, und bitten wir deshalb, uns womöglich finanziell zu unterstützen und vor fernerem Zuzug zu verwahren. Auch wir werden unsere Schuldigkeit thun. Getdsendungeu sind zu adressiren: Georg Letbold bei Herrn End res, SchuhnrachermeiNer. C. 361. Augsburg. . Arbeiter, laßt uns nicht im Stich! Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Aufnahme ge- beten. Für politisch Gematzregelte. von E. Kr. in Borna!> Sgr.— v. G. Kl. in Falkenau 1 Gulden österr._________ Berichtigung. In Nr. 21 soll es statt S. in vkeuschöuefeld heißen S. in Alt- schönefeld 10 Thlr. Brieftasten. der Erp, v. H. Knabe in Reichenbach i. V. sür Schrift. 1 Phlr. 13 Gr. Zur Beachtung� Um weiteren Reclamaiioueu vorzubeugen, macht die unterzeichnete Erpedition bekannt, daß die auf die Dauer der Schwurgerichtsver- Handlung gegen Lieblnecht, Bebel und Hepner wegen Vorbereitung zum Hechverr>"h täglich erscheinenden Ertrablätler(ä 1 Sgr.) nicht als Beilage zum„Volksstaat" gehören. Leipzig, 16. März 1672. _ Die Expedition des„Volksstaat". Die hiesige-- Mitglieder der' Inte rn n tivnälcil�Gcwcrksge- noffenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und.Handarbrt.er de- alsichl-ge-i, an einem der nächsten Sonntage eine Bolksversamm- lang hier abzuhalten und suchen hierzu einen geschickten Rejcrenten. Es wäre uns sehr willkommen, wenn sich ein Sozialdemokrat aus einer Nachbaistadt, viellelchr aus Marburg oder Kassel, dazu verstehen wollte. Könnte nicht Herr Scheil aus Kassel es möglich machen? Zusagen wolle man gefälligst senden an Georg Wolff Eisfelostraße Nr. 449 ____ zu H... seid.__ Für Braunschweig. Alle diejenigen, weiche mit ihren Ai,o..»ement-Zahlungen für» 1. Onarial 72 des„Volksstaat" noch im Rückstände sind, werden er- such-, baldigst entrichien zu wollen bei C. H. Müller _ Scharrnstraße 22, 2 Treppen. Sozial deuiorratischer� oeitcr-Bercin. Donnerstag, den 21. März Abe-ids 3 Uhr Versammlung im Saale der Westend-Halle. Tagesordnung: 1) Sozial-politischrr Wochenbericht. 2) Die Arbeiterbewegung. 3, Allgemeines. Der Zutritt ist Jedermann gestattet. ____ Der Vorstand. Für Breslau. Zur Beachtung! Die Abonnenten, welche noch mit ihren Abonn-mentsgeldern für daS zu Ende gehende Quartal im Rückstände sind, werden ersucht, so sreundlich zu sein, diese Rückstände bis Ende d. M. zu berichtigen. _______________ Die F-lial-Erpediiion, Allen Parteigenossen diene hierdurch zur Nachricht, daß der virlbespiochene und virleiwartete sozial-politische Roman Am Webstuhl der Zeit von A. Otto-Walfter, in den nächsten Tagen als Feuille-on im„Dresdner Volksboten" er- scheint. Der Dresdner Volksbotc erscheint täglich, mit Ausnahme der Sonn- und Feieu.'ge, und kostet, durch die Post bezogen, vierteljähr- lich 18�« Gro-chen. Damit dieser spannende, sür die Agitation ungemein wichtige Roman, welcher in einer spannenden Erzä-stung die gesammte Zeillage schildert, auch außerhalb ius„Volksboten" bezogen werden ka. n, ver- an'talle» wir vom 15. März d. I. an Separa-abdrücke, welche wöchentlich in einzelnen Bogen ä a/4 Groschen und in Heften zu 3 Bogen sür 2Rgr., gegen f-aiito Einsendung in baar oder Briefmarken von uns bezogen iverden können. In kleinen Partieen 20°/,,, in größeren 25—33% billiger. Wir bemessen jeboch die"Auflage-lediglich nach der Zahl der vor- her bei uns bestellten Exemplare und bitten deshalb um alsbaldige Benach- ichligung. Dresden, im Febr. 1872. Die Expedition des Dresdner Bolksboten, ____ große ttr-idergafse 12, 2.___ Joseph Leyencleckei- m Scharrenstratze 15 Maiuz Scharrenstratze 15 yerrcu-Kitldcrmachrr. Empfiehlt sich in Anfertigung aller Arten Herreu- Garderobe. ., Bedienung prompt und billig. Reiches Assortiment rn Bucksking, Tuch-c. ic. aus der AssoziationS- Fabrik von _ Ernst Stehsrst und Co in Erimmitschau.___ Filialexpedilio» Eszlingen. Die verehrlichen Abonnenten des„Bolksiiaat" welche mit dein Beitrag für das 1. Quartal noch rückständig sind, werden um alsbal- dige Berichtigung ersucht.__ Leipzig: Berantw. Redakteur A. Hepner(Redaktion u. Expedition Hoheslr. 4.) Druck». Verlag von F. Thiele.