No. 36 Souttabeud, 4. Mai. 1872 Erscheint wöchentlich 2 mal in Leipzig. Beftellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- laudes au. Für Leipzig nehmen Bestellungen an: die Expedition, Hohe Str. 4. «.Bebel, PeterSstr. 18, F. Thiele, Emilienstr. 8. «bonuementsprets: Für Preußen incl. Stempel- steuer 17Ngr., für die übrigen deutschen Staaten I2>/, Ngr. per Quartal per Monat 4'/, Ngr. für Leipzig und Um- gcgend per Quartal 13 Ngr Zilialerpedttion für die Ver» einigten Staaten: F. A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewjork Organ der sozial-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerkogenossenschasten. Abonnements auf den„Bottsstaat" für die Monate Mai und Juni ä 4'/, Sgr. pr. Monat werden bei allen Postanstalten, für Leipzig bei der Expedition Hohestratze 4, wie Petersstratze Nr. 18, 1 und bei jtolpvrteur Müller, für die Umgegend Leipzig« bei den Filialerpeditione» in Vottmarsdorf, Plag- Witz entgegengenommen. Die Expedition des„Volksstaat." Berliner Briefe. I. Den 30.«pril 1872. Der Reichstag tagt, aber seinen Sitzungen beizuwohnen, ist zum Sterben langweilig. Das merken auch die Mitglieder, deren Plätze knapp zur Hälfte besetzt sind, das zeigt auch die Leere und Oede der Tribünen, aus denen nur ganz vereinzelt eine kleine Zahl biedrer Provinzialen sich sehen läßt, um die „Vertreter der deutschen Nation" in Augenschein zu nehmen. Ein ungleich höheres Interesse als der Reichslog und was drum und dran hängt, nimmt die Arbeiterbewegung, die soziale Frage in Anspruch, die— ohne Uebertreibung gesagt— zu mindestens dreiviertel den Stoff aller Unterhaltung in Gesell- schaffen, Vereinen und Kneiplocalen bildet und auch viel Raum in der Presse beansprucht. Das ist kein Wunder. Die Be- wegung hat Dimensionen angenommen, von denen die Träumer des„ewigen Friedens" nach Besiegung des„Erbfeindes" keine Ahnung hatten. Es ist nicht eine Berufsklasse von Arbeitern in Berlin, index man nicht die Frage um Lohnerhöhung, Arbeits- zeitverkürzung, Wohnungsnoth, rapide Bertheuerung aller Lebens- bedürfnisse lebhaft ventilirt, und ihre Lösung in der einen oder andern Gestalt auf die Tagesordnung gebracht hätte. Die Errungenschaslen des„heiligen Krieges" von 1870 und 1871 haben in noch höherem Grade, wie das Jahr 1866 das politische und„ideale" Bedürfnis der Bourgeoisie befriedigt, und, da kein ideales Bedürfniß ohne reale Grundlage gedacht werden kann, dem materiellen Interesse der Bourgeoisie Rechnung getragen. Die Ausdehnung von Handel und Ver- kehr, die Gründung neuer industrieller Unternehmungen und Er- Weiterung der bereits bestehenden, meist durch' berüchtigte Grün- dcrkonsortien, haben eine ungeahnte Blüthc der Bourgeoisie her- vorgerufen. Dieser Umstand ist verknüpft mit der Thalsache, daß die rapide Entwickelung der Bourgeoisie, die rasche Vernichtung deS kleinen Mittelstandes zur Folge hat. und daß ferner die dem modernen Arbeiterbcdürfniß nicht entsprechenden Zustände auf dem Lande eine allgemeine Strömung nach den Industriecentren und vor allen Dingen der großen Welt- und Kaiserstadt Berlin zur Folge hatten. Neben diesem soliden Arbeiterelement zieht eine ganze Menge catilinarischer Existenzen her, welche in der großen Stadt aus die eine oder die andere Weise es zu etwas zu bringen hoffen; kleinere und größere Kapitalisten und Geschäftsleute eilen aus der Provinz ebenfalls herbei, weil sie in dem allgemeinen Kampf um die Millionen schnell reich zu werden hoffen. Dies Alles hat Zustände hervorgerufen, welche Berlin in sehr kurzer Zeit für die„Commune" reif machen. Die Miethpreise der Wohnungen und Geschäftslocale sind zu einer unerhörten Höhe gestiegen und haben den unvermeidlichen Bankerott einer großen Zahl von dem Mittelstande angehörigen Personen zur Folge. Dieses Element vermehrt die allgemeine Gährung sehr wesentlich. Die mit der Miethsteigerung Hand in Hand gehende Bertheuerung aller Lebensbedürfnisse, die um 25, 33 und thcil- weise 50 Proccnt zugenommen hat, macht es der Arbeiterklasse unmöglich, mit den bisherigen Lohnsätzen die gewohnten Be- dürfnisse zu beffiedig n. Der Goldregen der französischen Milliarden, hat wesentlich dazu beigetragen, das Geld zu ent- werthen und die Steigerung der Preise der Maaren zu be- günstigen. Alles dies zusammen hat die Entwickelung der sozialen Bewegung gefördert. Die Bourgeoisie, statt vorurtheilsfrei die Dinge zu überschauen, und zu begreifen, daß durch alle diese ihr ausschließlich zu Gute kommenden Vortheile die Arbeiter- klaffe zum mindesten nicht schlechter gestellt sein will wie bisher, stellt den Forderungen ler Arbeiter ein absolutes Nein! ent- gegen. So ist denn der Kampf zu immer schärferem Ausdruck gekommen. Nachdem kürzlich die Zimmermeister einen all- gemeinen Arbeitcrausschluß vorgenommen, weil sie die be- fürchteten Mehrforderungen der Arbeiter nicht bewilligen woll- ten, haben die Maurermeisterzur Unterstützung ihrer Kollegen, der Zimmermeister am Sonnabend ebenfalls denselben Schritt gethan, und ca. 4000 Maurergesellen aufs Pflaster geworfen. Die Cigarrenarbeiter, Sattler und Former sinken gleichfalls. Durch den Ausschluß der Maurer und Zimmer- leute sind die übrigen Bauhandwerker, Schlosser, Tischler, Glaser, Maler u. s. w. ebenfalls lahm gelegt oder werden es, wenn der Arbeitcrausschluß länger fortdauert, sicher werden. Die Folge ist, daß mindestens 15—20,000 Arbeiter striken. Ich bezweifle nicht, daß wenn die Arbeiter feststehen, und dazu ist alle Aussicht vorhanden, die Arbeitgeber schließlich doch nachgeben müssen. Aber etwas anderes wird sich herausstellen. Der Wohnungsmangel hat schon jetzt die höchste Höhe erreicht, allein er ist augenblicklich noch verhältnißmäßig leicht zu tragen, weil die Jahreszeit das Wohnen in mangelhaften Räumen, ja selbst zur äußersten Noth im Freien gestattet. Wie aber wird es nächsten Herbst und kommenden Winter werden? Trotz der Wohnungsnoth ist die Bevölkerungszunahme in stetigem Stei- gen begriffen; aber die ungeheure Menge neu angefangner Bauten— die sammt und sonders nur auf größere Woh- nungen angelegt sind— wird zum Herbst nicht fertig. In der Stadt findet man alle Augenblicke Häuser, welche halb oder ganz eingerissen sind, und von neuem größer, und natürlich auch theurer, aufgebaut werden sollen. Auch diese bleiben liegen. Alles treibt so, wenn nicht in letzter Stunde Abhülfe geschieht, einer Katastrophe entgegen. Wie aber Abhülfe schaf- fen? Da steht unsere moderne Gesellschaft wie der Ochse am Berg. Das Uebel sieht Jeder, die Furcht vor dem Kommenden ist groß, aber Rath und Hülfe weiß die besitzende Klasse nir- gcnds. Die Stadtverordneten, echte Bourgeois durch und durch, haben die aus ihrer eignen Mitte kommenden Anträge auf momentane Abhülfe durch Ueberlassung der Baracken und anderer städtischen leerstehenden Localitäten einfach abgelehnt. Die Herren sagten sich wol, daß dies nicht lange helfen und für ihr Bourgeoisinteressc böse Konsequenzen haben werde. In den niederen, Bürger- und Arbeiterkrcisen ist darüber die Ent- rüstung groß. Der Stadtverordnetenbeschluß, dem der Rath natürlich beitritt, gießt Oel ins Feuer. Die Regierung rührt sich nicht, sie thut als ginge sie die Noth nichts an. Offen gestanden, uns kommt dieses Nichtsthun Angesichts eines Zu- standes, der in Regierungskrcisen unzweifelhaft des Genauesten bekannt ist, etwas verdächtig, um nicht zu sagen unheimlich vor. Möglich, ja wahrscheinlich, daß die Regierung selber nicht weiß wie helfen und gewiß, daß sie zu Radicalmittcln schon in Rück- sicht auf die Bourgeoisie und ihr eignes Interesse sich nicht entschließen kann. Wahrscheinlich aber auch, daß man in Rc- gieruygskreisen den Gang der Dinge genau verfolgt und einen bei dem Stand der Dinge in der nächsten Zeit sehr möglichen Putsch— zu einer wirklichen gewaltsamen Revolution sind die Dinge noch nicht reif— dazu benutzen will, um unter dem Eindrucke des Schreckens und Entsetzens in den Kreisen der Bourgeoisie, diese zu bewegen die reaktionärsten Gesetze gegen die Arbeiterbewegung und Arbeiterorganisationen gut zu heißen und die Arbeiierbewe ung— nat rlich nur auf eine kurze Reihe von Jahren— denn todt machen Iii; t sie sich nicht— einen gründlichen Damm entgegenzusetzen. Das würde zugleich zur Folge haben, daß Bougeoisie und Feudalismus sich noch inniger umschlingen wie bisher, auch die Bismarck nachgerade unan- genehm werdende ultramontane Partei ins Regierungslager käme und die„Ordnung" auf einige Zeit gerettet wäre. Bismark selbst aber könnte dann als„Retter der Gesellschaft" ä In Louis Vonaparte dessen Rolle noch getreuer durchführen wie bisher. Ein andermal mehr. B. Aus Spanien. (Einer Originalkorrespondenz der Brüsseler„Libertö" entlehnt.) Saragossa, 9. April. Seit dem Sturz der Kommune ist die bedeutendste Kundgebnng, welche die Internationale als organisirter Körper vollzogen hat, die Abhaltung des zweiten Kongresses der spanischen Internationalen, in einem Lande, wo sie außerhalb deS Gesetzes stehen. Trotz der Verfolgungen und der Acht- Erklärung seitens der Regierungsgewalt hat die Internationale nicht ausgehört zu leben und die Arbeiterklasse zu organisiren. Im September 1871 gab es in Spanien nur 12 Lokal- Föderationen, heute zählt man 40 konstituirte und 50, die im Begriff sind, sich zu konstituiren. Das hat die Verfolgung von Sagasta bewirkt. Die Feier des 18. März wurde in allen Städten begangen; in Valencia, dem Sitz des neuen Föderalraths, halte diese Feierlichkeit einen hervorstechend großartigen Charak- ter angenommen. Ein riesiger Scheiterhaufen ward auf dem Markte aufgerichtet; auf dem Gipfel des Scheiterhaufens hißte man ein großes Bild auf, welches die Bendömesäule darstellte, wie sie in ihrem Falle drei Versailler zerschmetterte. In der Ecke des Bildes war Napoleon, das Zerstörungswerk betrach- tend. Die Polizei ließ das Bild wegwischen und es wurde statt dessen ein ungeheurer Schlauch mit Schnurrbart und drei- eckigem Hut gesetzt. DaS Ganze wurde den Flammen übergeben unter den Rufen:„Es lebe die Internationale!"„Es lebe die soziale Befreiung!"„Es leben die Helden der Kommune!" Am 5. d. versammelte sich der Kongreß, dessen öffentliche Abhaltung erst am 7. statthaben sollte, zu einer Privatsitzung, um alle durch die Umstände erforderlichen Beschlüsse zu fassen. 40 Delegirte, die von den entgegengesetztesten Punkten gekommen waren, wohnten der Sitzung bei. Man hatte alle inneren An- gelegenheiten zu regeln und einen interimistischen neuen Föde- ralrath zu wählen, für den Fall, daß der Kongreß gewaltsam aufgelöst oder seine Mitglieder oerhaftet werden sollten. Darauf diskutirte man die Zweckmäßigkeit der ö ffen tlichen Abhaltung des Kongresse«. In diesem Momente wird Spanien von den politischen Bourgeoisparteien bearbreitet, und Alle warten nur auf ein Signal, um sich zu eheben— da war zu befürchten, daß die carlistische oder die republikanische Partei, die durch die ge- waltsame Auflösung des Kongresses erzeugte Auffegung benutzend, einen Aufruf zu den Waffen erließe und auf das Haupt der Internationalen eine blutige, erfolgsaussichtslose Emeute zurück- fallen ließe. Nachdem man alle Umstände erwogen, erklärte die große Majorität der Delegirten— angesichts der schwierigen Verhältnisse, in denen sich der Kongreß befand—, daß man, wenn man die Ehre der Internationalen nicht gefährden wolle, nicht anders umhin könne, als den Kongreß am gedachten Tage zu eröffnen. Die, welche gegen diese Resolution stimmten, er- klärten, daß sie sich ihren Kameraden fügen wollten, obschon sie ihre Handlungsweise für unklug hielten. Da man indeß kein geeignetes Kongreßeröffnungs- Lokal für Sonntag, den 7. finden konnte, verlegte man die Eröffnung auf Montag, und TagS vorher prangte an den Mauern ein auffallend große? Plakat mit rothen Lettern, welches besagte: Halt! Arbeiter von Saragossa! Montag, d. 8. d. M., um 2 Uhr Nachmittags, wird der Lau- deSkongreß der Internationalen Arbeiterassoziation feine öffentlichen Sitzungen im Nouveautö»- Tbeatre eröffnen. Diese Thatsache ist eine der wichtigsten, welche sich in Spanien für die Emanzipation unserer Klasse vollzieht. Wir, die Ausgebenteten, die Enterbten, die Unterdrückten dieser ungerechten und grausamen Gesellschaft,— wir wollen Denen, die dadurch, daß fie unser Blut saugen, Denen, die fast den ganzen Er- trag unserer Arbeit uns entreißen und uns vor Roth und Hunger sterben lassen, Denen, die uns immer mit Bersprechungen und Schmeicheleien täuschen, wir wollen der Welt zeigen, daß die spanischen Arbeiter, ebenso wie ihre Brüder der anderen Länder, entschlossen sind, sich von allen Tyranneien und Ausbeutungen zu befreien, und daß diese Befreiung das Werk der Arbeiter selbst sein muß. Arbeiter Saragoffa'S! Hört auf die Stimme Eurer Brüder von der spanischen Region! Arbeiter Saragossa's! E» lebe die Internationale Arbeiterasso- ziation! Sonntag Abend hielten die Delegirten eine öffentliche Ver- sammlung im Lokal der Internationalen Föderation von Sara- gossa. Wissend, daß1 bereits Arbeiter Maßregeln ergriffen hatten, um zu verhindern, daß die Regierung den Kongreß auflöse, und daß diese Vorbereitungen einen blutigen Auffuhr herbeiführen könnten, erhoben sich mehrere Delegirte, um den Arbeitern von Saragossa Ruhe zu empfehlen, sie bittend, ihre gerechte Ent- rüstung selbst dann zurückzuhalten, wenn sie alle Delegirten ins Gefängniß geführt sähen. Dann erzählten die Katalonier die ruhmreichen Kämpfe der Arbeit gegen das Kapital. Pablo Brugueras, Weber, Vertreter der Manufaktur- Arbeiter von Katalonien, ergriff das Wort und sprach: Mein Vater war Weber, meine Mutter Weberin, wir waren fünf Brüder und alle gingen in die Werkstatt; meine Eltern und wir Brüder arbeiteten ohne Unterlaß und hatten keine Schuhe an den Füßen und kein Brod im Hause. Unser Bourgeois fuhr in der Kutsche spazieren und schickte seine Kinder nach Paris, um dort unser Geld zu verbummeln. Jetzt essen wir wenigstens, wenn wir arbeiten, und sind gekleidet; diese Wohlthaten verdanken wir der Assoziation. In allen Werkstätten, in denen ich arbeitete, hat man mich sortgejagt, weil ich vom ersten Tage an meine Kollegen zu organisiren anfing. Für dieses Verbrechen bin ich im Gefängniß, auf den Galeeren ge» wesen und ich bin stolz darauf.... Kollegen, morgen gehen wir kalten Bluts an einen wichtigen Akt. Vielleicht wird uns die Re- gierung auflösen wollen; aber wir haben geschworen, uns vor die Thllre des Gefängnissei zu stellen, wenn ein Einziger von uns ver- haftet werde» sollte; wir wollen der BourgeoiSklasse beweisen, daß eine mächtige und ruhige Energie unser Sein beherrscht, und daß uns nichts aufhalten wird auf dem revolutionären Wege, den wir gehen. Johann Mcndez, Landarbeiter, Delegirter der Landar- beiterverbindung von Carmona(in Andalusien): Leider sind die Land-Arbeiter nicht, wie die der Stadt, organi- sirt; auch dulden wir mehr. Unsere Arbeitszeit beginnt mit 2 Uhr Morgens und manchmal um 9 Uhr Abends sind wir noch unterwegs, um unser armselig Haus zu erreichen. Was der Bourgeois uns zu essen giebt, heißt„Suppe", aber ihr könnt euch nicht vorstellen, was das ist: nicht einmal die Hunde mögen es. Man giebt uns Bohnen, aber glaubt nicht etwa grüne— die essen sich gut und haben einen angenehmen Geschmack; die wir essen, scheinen schon 2 Jahrhunderte hinter sich zu haben, und wenn man sie in'« Wasser legt, kriechen die Würmer heraus und versuchenjzu schwimmen. DaS Oel'), das wir, 400 Mann, zu essen bekommen, konsumirt ein einzi- ger Bourgeois Abends— in seiner Lampe. Noch Andre erzählten die Leiden ihrer Klasse Am folgenden Tage setzten sich die 40 Delegirten vom Vereinslotal aus, wo sie sich versammelt hatten, nach dem Kongreßort in Marsch. Sie durchschritten still einen großen Theil der Stadt; alle Werkstätten und Boutiquen waren ge- schloffen; die Arbeiter hatten, obschon es Montag war, sich zn arbeiten geweigert. Auf dem breiten Boulevard, wo sich daS „Nouveautäs-Theater" befindet, war die Menge dichtgedrängt; sie war ernst; man merkte, daß ein großartige« Gefühl aller Herzen beherrschte. Die 40 Delegirten setzten sich im Cirkel um die Bühne. Das Publikum füllte in einigen Augenblicken daS ganze Theater, welches mehr als 3000 Personen faßt. Der Präsident eröffnete die Sitzung und empfahl Ruhe, hervorhebend, daß die Aufgabe des Kongresses eine durchaus friedliche sei. Als er geendigt hatte, stellten sich die Abgesandten der Behörde vor— ein Schrei der Entrüstung empfing sie; mehr zitternd als Espenlaub, ersuchten sie höflich den Präsidenten, die Sitzung aufzuheben; einer der Sekretäre rief— wie verabredet— die bewaffnete Macht herbei; der Polizeipräfekt legte alsbald seinen Stock— das Befehlsabzeichen— auf dm Tisch. In diesem Augenblicke durchlief die Menge das Gerücht, ein Delegirter sei verhaftet worden; es war ein Tohu-Wabohu (endloser Wirrwarr).„Wir holen ihn!"— riefen tausend Stimmen, nach der Ausgangsthür stürzend. Ein.'Riesenkerl, •) In Spanien(wie auch in Südfrankreich) vertritt daS Olivenöl die Stelle von Butter und Schweinefett. (Kortsetznng ans Seite 4.) Die Republik und die Gegeurevolutiou. Von Emtle Acollas. (Fortsetzung.) I. „Daß die der Revolution von(789 und ihrem Ausdruck, der Versassnng von 179l, zuerkannte Berechtigung a tortiori aui die Revolution von 1799 und deren Ausdruck, die Verfassung von 1793, ausgedehnt werden muß.'' Das Verdienst des Jahrhunderts, welches die französische Revolution gewacht hat, ist, eine neue Rcchtsauffasiung gesun- den zu haben, nämlich folgende: Die Völker gehören sich selbst an; Die Individuen gehören sich selbst an. Ich weiß bestimmt, daß die zweite dieser Formeln— logisch die erste— diese Grundidee, daß die Menschen sich selbst angehören, im achtzehnten Jahrhundert noch nicht bis zu dieser gewissermaßen mathematischen Gewißheit gelangt war, welche sie in unsern Tagen erworben hat; Jean-Jacques,�) der große Jean-Jacques, welcher von der einen wie von der andern so tief durchdrungen war, verstand es nicht, die eine mit der anderen zu verbinden, und er, der unsterbliche Theoretiker des Rechts der Völker auf sich selbst, er, der gegen die Usurpation (Gewalt-Anmaßung) der Könige den Todesstreich geführt, er ließ sich, als es sich um das Recht des Menschen auf sich selbst handelte, von dem falschen Licht blenden, das ihm von Genf und Rom kam, er, der mächtige Zerstörer so vieler Dogmen, er hat ein neues nicht das am wenigsten verderbliche, in die politische Wissenschast eingeführt, das von der Volkssouveräni- tät, und indem Jean-Jacques so das Recht des Einzelnen dem Rechte Aller opferte, sah er die Tyrannei nur in Einer Person und setzte nur an ihre Stelle die Tyrannei in mehreren Tausend oder Millionen von Köpfen. Aber neben Jean-Jacques sehe ich Turgot und Condorcet sich erheben, ich sehe die Idee der vollkommenen Selbständig- kcic hervorkeimen unter der Form der Brüderlichkeit, von der eS nicht zu viel gesagt ist, daß sie berufen ist, eine neue Welt zu schaffen. Schließlich hat also das 18. Jahrhundert, vermöge der unvergletchlichen Staats- und Gesellschafts-Umwälzung, welche es erfüllt, jenes doppelte Resultat geheiligt: Die Völker gehören sich selbst an; Die Individuen gehören sich selbst an. Dadurch nun sind wir im Besitze eines Merkmals, dadurch im Besitze eines Maßstabes, um zu entscheiden, ob die Revolution von 1789 oder die von 1792, ob die Verfassung von 1791 oder die von 1793 dem Rechtsbegriff des Jahrhunderts, nämlich dem Begriff der Autonomie(Selbständigkeit) der mensch- ltchen Person en-tspricht. Ich habe hur keinen Platz, diese Untersuchung in allen Einzelheilen zu führen; es genügt für meinen Zweck, die Haupt- züge derselben zu zeichnen. Was ist zunächst die Verfassung von 1791? Mehrere Publizisten haben es sehr bestimmt ausgesprochen, daß, wenn man die republikanischen Verfassungen von 1793, 1795, und 1848 außer Acht läßt, die Verfassung von 1791 die dcmo- krauschstc ist, die Frankreich gehabt hat; aber dies ist nur ein relatives Lob, und es giebt viele Grade des Relativen; es handelt sich darum, genau zu wissen, wie am Ende diese Ver- faffung den wissenschaftlichen Eroberungen des 18. Jahrhunderts entspricht, d. h. der doppelten Idee, daß die Völker sich selbst gehören und daß die Individuen sich selbst gehören. In der Organisation der Exekutivdelegation(des Voll- ziehungsausschusses) billigt die Verfassung von 1791 die Mo- narchie; wer„Monarchie" sagt, sagt vom Standpunkt der Auto- nomie der menschlichen Person aus„Unrecht", und ebenso „Unsinn". Wie? Ich gehöre mir selber an; ich habe das Recht, so viel meine Ratur es mit sich bringt, zu suchen, ein thätiges Wesen zu sein, das seiner selbst Herr ist; ich habe dies Recht als Mensch, ich habe es folglich auch als Bürger; was man Macht nennt, ist nichts anderes als das mir inne- wohnende Recht, und sowohl durch den Willen anderer als durch meinen eigenen sollte es möglich sein, daß dies Recht aufhört, für mich zu existiren, sollte es möglich sein, daß der Sitz des Rechtes aufhörte, sich zu befinden, wo er sich ursprünglich befindet, daß es von de» Mandanten auf den Man- datär überginge, daß der Mandatar den Mandanten*� verschlänge! Welcher Unsinnl Run, dieser Unsinn ist die Monarchie. Ich weiß wohl, daß die Bastarde Montesquieu's(ich spreche von den Monarchisten von 1789, nicht von denen unsrer Zeil, denn diese sind nur Mißgeburten) ich weiß wohl, daß die VerfassungSgeber von 1789 an eine Monarchie gedacht haben, welche dies so wenig wie möglich ist, die Monarchie auf der Schaukel, die abgewägte Monarchie, die Monarchie mit be- ständigem Gleichgewicht; aber dem.Recht nach nimmt diese Monarchie an der Ratur aller andern Theil, und thal- sächlich haben die Schaukel, die Wage, das Gleichgewicht s>urch- aus nicht verhindert, daß die Maschine nach der einen oder der andern Seite schwankte(glücklicherweise sogar, denn wenn sie nicht schwankte, würde die Welt stille stehn); daher nun ist bald die Monarchie ein unnützer Luxus geworden, bald die Freiheit ein Köder, und wenn eine von beiden müde war zu weichen, hatte sie kein, anderes Hilfsmittel, als die Maschine in Stücke zu schlagen. Welch' eine wunderbare Erfindung! Was die Verfassung von 1791 im Besonderen betrifft, so werde ich wahrlich die Politiker nichts Neues lehren, wenn ich behaupte, daß die Monarchie dabei, trotz der Anstrengungen eines Lally-Tollendal, eines Mounier, eines Malouet, nicht lebensfähig war, und daß dieselbe nur zu dem Zwecke in der Verfassung beibehalten worden zu sein scheint, um aus ihr gestrichen zu werden. Wenn wir nun einen andern Punkt der Verfassung von 1791 betrachten, werden wir dort die Rechtsidee des 18. Jahr- Hunderts besser realisirt, werden wir dort im Grunde mehr Vernunft finden? ') Rousseau. **) Mandant— dex, welcher eine Vollmacht überträgt; Mandatar (oder Maudaiar)— der, welchem«ine Vollmacht übertragen ist. Den- le, ,fn �'iprung hat auch das Wort Mandat— die übertragene Vollmacht. Nach der Verfassung von 1791 gab es zwei Klassen von Bürgern; die aktiven, welche allein das Stimmrecht besaßen; die passiven, welche der Entscheidung jener unterworfen waren. Um aktiv zu sein, waren, außer dem Mer von 21 Jahren folgende zwei Bedingungen nothwendig: man mußte 1) im Kanton wenigstens ein Jahr domizilirt(wohn- Haft) sein, 2) eine direkte Abgabe im Werthe von 3 Arbeitstagen bezahlen können. Das war nicht Alles; es gab zwei Wahlklassen, und in die höhere konnte man nur durch eine Abgabe im Werthe von 10 Arbeitstagen gelangen. Endlich war nur Derjenige wählbar, welcher eine Steuer von einer Mark Silber oder 54 Livres(Francs) bezahlte. Das ist also das Endresultat jener Revolution, welche im Namen der Menschenrechte gemacht wurde! Der Bürger ist allerdings nicht mehr der Priester, nicht mehr der Edel- mann, aber es ist der Besitzende; der Monanb ist allerdings nicht mehr der König, aber die Bourgeoisie hat den Thron stehen lassen und hat sich auf den Platz des Königs gesetzt. Bcrwnnd-re man sich jetzt noch über so viel zornige Tadelsworte, so viel glühende Verwünschungen!„Wenn der Arme zur Vertheidigung der Grenzen gerufen wird, fragt man ihn dann, wieviel Abgaben er bezahlt? Erklärt man ihn für passiv, wenn es sich darum handelt, zu sterben?"(poustalot.) „O, ihr dummen Pfaffen, ihr schurkischen Pfaffen, die ihr dies Gesetz beschlossen habt, seht ihr denn nicht, daß Jesus Christus unwählbar sein würde und daß ihr euren Gott unter die Kanaille versetzt?"(Camille Desmoulins.) I» Bezug auf dieselben Punkte wollen wir die Verfassung von 1793 betrachten. Hervorgegangen aus einem Entwurf, welchen Condorcet selber dem Convent vorlegte, geht die Verfassung von 1793 nicht wie die von 1791, in Winkelzügen um die Idee herum, daß die Völker sich selbst angehören; sie ist offen re- publitanisch. Weiler scheidet diese Verfassung die Bürger nicht in ak- tive und passive; sie erkennt das Stimmrecht jedem Franzosen zu, der sein 21. Jahr vollendet hat und seit 6 Monaten im Kanton ansässig ist, ohne irgendwelche Ccnsusbedingung, und erklärt jeden Wähler für wählbar. Endlich, was sehr wichtig, was eine Hauptsache ist, führt sie die Befugniß der Mitglieder des gesetzgebenden Körpers auf ihre richtigen Grenzen zurück; sie will, daß die Beriret r des Volkes nur die Beauftragten desselben seien, und bewahrt dem Volke selber, der Masse der Bürger, die end- giltige Abstimmung über die Gesetze auf. Ich frage nun meinen sehr geehrten Kollegen, ob seine Sympathieen und seine Lobsprüche nicht auf falscher Fährte wandeln, wenn er die Verfassung von 1791 in den Himmel erhebt und die von 1793 verachtet? Urtheilt er nicht falsch, wenn er die Berechtigung der Revolution von 1789 anerkennt und die Revolution von 1792 zu allen Teufeln der— Gegenrevolution wünscht? Welche von diesen Verfassungen, von diesen Revolutionen, entspricht denn am meisten der Lehre des acht- zehnten Jahrhunderts? Welche begründet am festesten die Auto- nomie der menschlichen Person? Ich für mein Theil habe— das bekenne ich— der Verfassung von 1793 und der ganzen Gesetzgebung, die aus der Revolution von 1792 hervorgegangen ist, einen schweren Vorwurf zu machen; beide sind zu sehr von dem verderblichen Geiste Roms beherrscht, von dem plumpen Jrrthume des eng- herzigen, beschränkten sozialen Rechts(du droit social propre); beide bleiben, weit entfernt, über den vollen Gedanken des 18. Jahrhunderls hinauszugehen— zu sehr hinter demselben zurück; beide sind zu sehr monarchisch, zu wenig radikal, zu wenig neuschaffend, zu wenig revolutionär. Ich will mich in zwei Worten erklären: Die Verfassung von 1793 proklamirt die Republik als die eine und untheilbare; aber die Idee der Autonomie des Individuums ist nicht die Einheit und Untheilbarkeit der Republik, sondern die Föderation*) derselben; es ist das lokale Leben, welches seine Thätigkeit bewahrt und vermehrt und sich mit dem allgemeinen Leben verbündet und in Uebereinstimmung setzt; und, wenn diese Thätigkeit auf diese Weise nicht bewahrt und vermehrt werden, wenn diese Harmonie nicht entstehen, wenn die feste Ordnung nicht bewerkstelligt werden kann, dann ist es sogar das Recht des Theiles, sich vom Ganzen zu scheiden. Die Verfassung von 1793 läßt außerdem das Band be- stehen, welches seit Jahrhunderten die Kirche an den Staat fesselt, und die Revolution von 1792 hat sich sogar soweit verirrt, eine besondere Civilversassung für den Klerus auszu- arbeiten. Erst viel später, im Jahre 1795(am 5. Fructidor des Jahres III) gelangte man zum richtigen Prinzip und sprach man die Trennung der Kirche vom Staate aus. Wahrlich! das sind große Berirrungen, und die letztere insbesondere hat nicht wenig dazu beigetragen, das Werk der französischen Revolution zu vereiteln. Mögen die Menschen es denn wissen und es sich tief einprägen: es ist gefährlich seine Prinzipien zu verletzen, es ist gefährlich, Ursachen auszusäen, welche früher oder später in Kampf treten mit der Idee, deren Vorkämpfer wir sind! (Fortsetzung folgt.) Kommunismus und Sozialismus und ihrHsiufiufz aus die geistige und sittliche Cntwickclung der Menschheit. II.') Wenn sich, wie die bisher geübte auflösende, zerlegende Betrachtungsart uns gezeigt hat, der Kommunismus vom So- zialismus nicht abtrennen läßt, wenn ihn der Sozialismus in ») Wer den Ausführungen des Verfassers aufmerksam folgt, wird finden, daß rbm der Gedanke einerFöderailvrepublik, im gewöhn- ticheu Sinne des Worts, fitne liegt, daß eS ibm nur daraus ankommt, die Rechte des Individuums, der Minorität zu wahren, damit nicht z. B, wie es voriges Jahr der Commune gegenüber geschah, die bäuerliche Majoritätsich unterfangen darf, im Namen der Votlssouveräniiat und der Staaiseinhcil das städtische Proletariat zu'massakriren. R. d. B. **) In Nummer 33 wurde der Schluß des L Artikels irrthüm- üch mit einer 11 bezeichnet. sich schließt, dann haben wir die Erklärung des Wortes Sozia- lismus schon gewonnen. Der Sozialismus ist alsdann der Inbegriff der Lehren von der Gesellschaftsform, welche die natürliche Gleichberechti- gung r.ller menschlichen Individuen zum Ausdruck bringt, er ist die Lehre von der Herrschaft der Gesellschaft, der Summe der gleichwerthigen Einzelnen, gegenüber der Praxis der Standes- und Klassenherrschaft.von ehemals und heut. .Wiewohl es im Allgemeinen nicht logisch ist, Begriffe aus der Abstammung und der Bedeutung der sie üblich bezeichnen- den Worte zu definiren, weil bei der Bczeichnungswahl häufig die Willkür und die Unklarheit, die in der ersten Zeit nach der Belebung des Begriffes natürlich ist, bestimmend wirkt, so ver- mögen wir doch in unserem Falle dieses Verfahren ohne Scha- den anzuwenden, weil wir im Vorangehenden bereits Begriff und Wort kritisch beleuchtet haben. Das Wort„Sozialismus" enthält genau die soeben ge- gebene Erklärung des Begriffes, die Lehre von der Berechti- gung der Gesellschaft, das Wort Kommunismus abstämmt von dem lateinischen communis, gemeinsam, drückt die Beziehung des Menschen zu denjenigen Dingen aus, welche vermöge ihrer organischen Willenlosigkeit, der Verfügung des willenbegabteu Menschen unterstellt sind, es drückt die Besitz-, die Etgeulhums- Verhältnisse der Gesellschaft aus. Was bisher unter die Einzelnen in verschiedenen Anthei- len vertheilt war, erklärt der Kommunismus für Gemeingut, er hebt dds Privateigenthum auf, er verkörpert die Lehren des Sozialismus auf dem wirthschaftlichen Gebiete, setzt die Gesell- schaft auch hier an die Stelle der bisher sonderberechtigten Ein- zelnen., Der Kommunismus ist, wie Freund Boruttau ganz richtig hervorhebt, die wirthschaftliche Form des Sozialismus. Der Sozialismus lehrt die Gleichberechtigung als natür- liche Grundlage der menschlichen Gesellschaft. Daß damit nicht nur die politische Gleichstellung der rei- fen Individuen gemeint sein kann, wie sie der bürgerliche Re- publikanismus zu erstreben vorgiebt, geht aus der Klarheit hervor, die der moderne Sozialismus über die Grundlagen der menschlichen Knechtschaft gewonnen hat. Eine politische/ Gleichheit ist undenkbar bei allzu großen geistigen Verschiedenheiten, wie sie durch Ernährungsweise, Er- ziehung, Bildung und körperliche Arbeit erzeugt werden. Die politische Gleichheit vermag ein sicheres Leben nur zu saugen aus dem Boden der wirthschaftlichen Gleichberechtigung, wie ihn das Verwesen der heutigen Eigenthumsverhält- nisse schafft, aus der Gemeinsamkeit der materiellen Güter, aus dem Gesellschaftsbesitz derselben. Aus dem Gemeinbesitz folgt aber keineswegs mit Roth- wendigkeit die Gleichheit der Antheile. Die Befriedigungsmittel der Lebensbedürfnisse werden nicht blos durch einen Natnrprozeß erzeugt, die menschliche Arbeit tritt dem Wirken der allgemeinen Naturkräfte leitend und hel- send an die Seite, und jedes Produkt enthält eine bestimmte Menge menschlicher Arbeit in sich verkörpert; der Reichthum der Gesellschaft wird vermehrt und vermindert durch eine Verineh- rung oder Verminderung der menschlichen Arbeit. Run ist es zwar richtig, daß die Größe der zu leistenden Arbeit, die Arbeitskraft und die Arbeitslust nicht blos abhängt von dem subjektiven Willen des Menschen, daß sie bestimmt wird von seiner natürlichen Beschaffenheit, seiner Körperkraft, seiner Charakterbcschaffenheit ic., die zu bestimmen und zu än- dern nicht ausschließlich in seiner Fähigkeit liegt; es ist richtig, daß er nicht verantwortlich gemacht werden kann für das, was er nicht verschuldet hat, allein man muß doch bei der Bestim- mung der gesellschaftlichen Verhältnisse nicht allein die natür- liche Berechtigung der Einzelnen, sondern auch die Rechte, die Interessen der Gesammtheil ins Auge fassen. Wollte man eine absolute Gleichheit der Bertheilung der Lebenszüter in der unvorbereiteten Gesellschaft eintreten lassen, so würbe man sicher zunächst die Gesammlheit schädigen, indem man den gesellschaftlichen Reichlhum vermindert. Ohne eine vorhergehende geistige, körperliche und sittliche Vorbereitung der Individuen würde in diesem Falle die iichivi- duelle Arbeitsunlust Einzelner eine Stütze finden in der für sie wirkenden Arbeit Anderer, würde ein Schmarotzerthum ge- schaffen werden, das sich von dem der heutigen Wirthschaft nur dadurch unterscheidet, daß es nicht arbeitstreibend, sondern nur arbeitshindernd wirkt. Gleichwohl ist die Gleichheit im Einkommen das bewußte Ziel des Sozialismus, aber er kann es, ohne der Gesellschaft zu schaden, nur dadurch erstreben und erreichen, daß er die eizenschaftlichen Verschi.denheilen der Individuen mälig zu be- seiligen sucht. Diese Gleichheit kann, wie wir eingangs gesagt haben, nur die Folge, das Ziel, nicht die Grundlage des Sozia- lismus sein. Die moderne Physiologie, die Lehre von den inneren Zu- samme: hängen des menschlichen Organismus, hat zur Evidenz die Abhängigkeit geistiger Fähigkeiten vcn körperlichen Beschaffen- heitcn nachgewiesen, sie hat ferner gezeigt, daß die körperliche Beschaffenheit sich ändert mit einer Veränderung der Ernäh- rungsweise und der Lebensverhältnisse. Es folgt daraus, daß eine Ausgleichung der Lebensver- schiedenheiten eine Verminderung der körperlichen, geistigen und sittlichen Kontraste erzeugen muß. Die Aufhebung des Privateigenthums, die Ertheilunz des vollen Arbeitsertrages an den Arbeiter, die zugleich ein Sporn zur Arbeit ist, bringt diese Hebung des Menschen hervor, welche in ihrem unausbleivlichen Gefolge die Ausgleichung auch der Ei nko mmensverschiedenheit en hat. Wir werden diesem Prozesse im Späteren folgen können. Der Kommunismus, die Lehre von der Wirthschaftsform der Gesellschaft, welche das Gleichberechtigungsprinzip des Sozia- lismus sichert und zum endlichen Ausdruck bringt, enthält also die wirthschaftliche Gleichheit als Ziel in sich, er verlangt aber keineswegs den Kopfsprung aus der heutigen Welt in die Welt der Gleichheit. Wenn französische Kommunisten gleichwohl diesen Kopfsprung gewagt haben, wenn Baboeuf, Buonarotti u. A. es für möglich und wünschenswerth hielten, aus der Heu- tizen Gesellschaftsform, unmittelbar ohne eine sittliche Borbe- reitung, durch Aufhebung des Tauschmittels des Geldes, durch Einführung der Naturalvertheilung, in die Gesellschaft der ab- soluten Gleichheit überzugehen, so ist das spezieller KommuniS- «>us dieser einzelnen Männer, aber nicht der Kommunismus an sich. Marx, Liebknecht, die Internationale Arbeiter-Assoziation gelten allgemein auch als Vertreter des Kommunismus, obwohl sie mit den Ätachfolgern Baboeufs nicht mehr gemein haben, als der klarsehende, ruhig denkende Mann mit dein wilden sich überstürzenden Schwärmer, ein Beweis, daß man sich allgemein klarer über das Wesen-des Kommunismus ist, als man zugiebt. Der Kommunismus von heute ist nicht inehr das Luftschloß einer erhitzten Phantasie', er ruht auf dem festen Boden der ökonomischen und der Naturwissenschaft. (Fortsetzung folgt.) Das Urtheil in dem Majestätsbeleidigungsprozeß gegen Lieb- knecht lautet wie folgt: In Untersuchungssachen gegen ---------- erkennt Wilhelm Philipp Martin Christian Ludwig Liebknecht das Königlich Sächsische Bezirksgericht zu Leipzig in seiner Zusammensetzung nach§. IS des Gesetzes vom 1. October 1868, die Mitwirkung von Gerichtsschösien betr., auf Grund der Heu- tigen mündlichen Haüpwerhantlung für Recht: Weil, wenn in einem Zeitungsrcferate über eine Gerichtsverhandlung wegen Majestätsdeleidigung die betresienden Ausdrücke wieder- gegeben worden sind, eine Wiederholung jenes Bergehens an sich nicht ohne Weiteres und nur dann angenommen werden kann, wenn der Bersasser mit dem Bewußtsein, daß er dadurch von Neuem eine Ma- jestätsbeleidigung verübe, also in beleidigender Absicht gehandelt hat, nun aber es an dem Nachweise hierüber in Betresj des den Gegenstand der Anklage bildenden, in Nr. 10 der Zeilschrift„Volksstaal" vom 3. Februar 1872, Seite 4 Spalte 1 zu lesenden, zugestandener Maßen von dem Angeklagten verfaßten und eingerückten Anikels bei dem An- geklagten mit Rücksicht darauf gebricht, daß zuuächü, als worauf sich auch derselbe zu seiner Rechtfertigung bezogen hat. nach der Fassung betresienden Artikels und insbesondere nach der Bezeichnung der übri- gen darin erwähnten Preßpolizci-Hntersuchungssachen davon auszugehen ist, es habe der Angeklagte nur zur kürzeren Bezeichnung der wider ihn verhandelten Fälle die fraglichen Ausdrücke wiederholt und sodann in dem in dem Artikel gebrauchten Worte:„Tarif" zwar eine unehr- erbietige Ausdrucksweise über da« wider ihn gesprochenen Urtheil zu erblicken, daraus aber noch keineswegs und ohne eine hier fehlende weitere thatsächliche Unterstützung zu folgern ist, daß jene obgedachie Wiederholung in beleidigender Absicht bewirkt worden, und es sonach an den zur Anwendung des Z. 95 des ReichsstrafgejetzbuchS erforderlichen ThatbestandSmerkmalen hier gebricht, so ist der Angeklagte Liedlnecht von der wider ihn erhobenen An- klage der Beleidigung des Deutschen Kaisers, wie hiermit geschieht, llagfrei zu sprechen und sind die erwachsenen UntersuchungSkojten aus der Staatskasse zu tragen. Von Rechts Wegen! Leipzig, den 23. April 1872. Königliches Bezirksgericht daselbst. (D. 8.) Weiske. Ahnerl. MannSseld. Der in diesem Erkenntniß festgestellte Grundsatz, daß in Re- feraten über Majcstätsbeleidigungsprozesse die beleidigenden Ausdrücke wiedergegeben werden dürfen, wenn die Wiedergabe nicht mit der offenbaren Absicht einer Wiederholung der Beleivigung erfolgt ist, hat für die Presse, die bisher in solchen Fällen der staatsanwaltlichen Laune überliefert war, eine Um so größere Wichtigkeit, als dieser Grundsatz damit selbst- verständlich auch für alle sonstigen Beleidigungsprozesse pro- klamirt ist._ Der Hochverrathsprozesz gezeu die Pester Sozial-Demokraten Pest, 22. April. Großes Aufsehen erregte seinerzeit die plötzliche Verhaftung einer Anzahl von Arbeitern und„Arbeil-rführcrn" in Pest, welche mit der Jnlernationalen in enger Verbindung gestanden und„den Kommunismus gepredigt" haben sollten. Ihre längere UntersuckungShast wurde Gegen- stand von Interpellationen und Antworten deS Ministers des Inner» im Reichsraihe... Heute beginnen die öffentlichen Verhandlungen, welche wohl einige Dlge dauern dürften. DeS HochverratheS angeklagt erscheinen die Arbeiter und rhre Führer: Karl Farkas, Viktor Külsöldp(oder Jakob Maier Rup- cSies), Anton J hrlinger, Sigmund Pol litzer, Ludwig Swoboda, Franz Albin Schäfsler, Karl Rauchmaul, Andreas Essl, Georg Rauch, Johann Szopkö, Jakob Holländer, Hermann Fübrer, Johann Kral, Stephan Heckmann', Joseph Mali, Julius Kac- äander, Joseph V-cser, Raimund Körbler, Karl Kovacs, FnedrichFech ter.StephanLukacs, Joseph Ho rvath, KarlFirti ng er, Leopold Stern, Andreas Gitter, Joseph Schuller, Ferdinand «utscherauer und Karl Eisel. Gegen Sigmund Pollitzer liegt speziell noch die Klage vor, daß bei Gelegenheit der Empfangnahme eines Geschenkes, welches der König dem Peiter allgemeinen Arbeitervereine machte, und der hier- für beantragten Danksagung an den König sagte: er kenne keinen König von Ungarn, sondern blos einen„Herrn Franz Joseph".— Die Klage im Uebrigcn lautet im Allgemeinen folgendermaßen: „Zweck desPester allgemeinen Arbeitervereines laut seiner genehmigten Statuten, ist, daß die vaterländischen Arbeiter innerhalbdcrSchran- ken der Gesetze in Beziehungen zu einander treten und sich gegen- gtistig und materiell unterstützen sollen. Doch hatte das von Sigmund Pollitzer redigirte Wochenblatt dieses Vereines:„Testvcriseg" oder„Brüderlichkeit" unverkennbar solch' eine Tendenz, zufolge welcher tozialbenlokraiisch« Prinzipien verkündigt wurden, welche die bestehende Konstitution des Vaterlandes, die Gesetze und die monarchische Re- gierungsform angreisend, offen zum Ausruhr aufreizten. „Mehrere andere Mitglieder des Pester allgemeinen Arbeitervereins, vamintlich Karl Falkas, Anton Jhrlinger und Viktor Külsöld y »anden mit mehreren im Auslände befindlichen Arbeiteragilaioren in brieflichem Verkebr und stellten sich basZiel, durch die Verbreilung sozialdeinokra.: scher Ideen und durch den Umsturz der bestehenden mo- narchischcn Regierungssorm den sogenannten„Volksstaal" ick est Kommunismus(h zur Herrschast zu bringen. Zu diesem Behuse wurden mir Raspe, Oberwinder, Lonhorst, Bracks Sza eveke, Schmidt, Fliegt, Scheu, Härtung, Pruje(?), Kölsch, Fink, «chäfser und Strasser, sämmtlich bekannte Arbeiteragiiatoren, Und auch mit Johann Philipp Becker, dem Präsidenten der in Gen, befindlichen Jnternationaleii, mit Heinrich Bächruch, dem Sekretär bei internalionalen Vereines„Sektion Allemande de Paris", fernei Uiit A. F. Sorge, dem Sekrelär des allgemeinen deutschen Arheiter- Vereines zu New-Dork, und mii Karl Marr, dem Sekrelär des in- ternalionalen Centralbundes zu London, Briefe gewechfell. „Die Briefe und volksausreizenden Aufrufe wurden rheils durch Agen'en, theilS durch die Post aus London, Brüffel, Gens, Zürich, Kwiro, Berlin, Brannschwcig, Hamburg, Eisenach, Reichenberg, Graz und Wlener-Neustadt, respektive von den dort befindlichen Mllgliedern der Jniernationaien und Agilaioren hieher gesendet. Damit aber diese Prinzipien auch in llngarn Verbreitung finden sollten, wurden mehrere Mitgtieder des Pester allgemeinen Arbeitervereines ausgesendet,»min Altojen, Neupest, Kaposvar, Szigeth, Oravicza, Temeswar, Arad, Saros- Patak, Oedenburg, Klausenburg, Essegg undPreßburg Filalvcreine ju gründen.— Bei den Hausdurchsungen winden gesunden:„L'Inter- Nationale",„La Reforme",„Sociale",„La Libertö",„L'Operaja", „Le Rappel",„La cause du Peuple", sämmtliche Journale von inier- Nationaler Richlnng- „Die Mitglieder des Pester allgemeinen Arbeileivereines hielten »ndesjen ihre imernatioiialeu Bestrebungen geheim. Die Aneiferung z u m Striken wurde in das Programm der Parteiführer aufgenommen, damit die Arbeiter ihres Erwerbes beraubt werden, ilnd durch die damit verbundene Roth für kommunistische Zwecke leichter gewonnen werden können. Im Jahre 1871 traten nun wirklich i» mehreren Geschäftszweigen Strikes ein, wobei einige Mitglieder des Pester allgemeinen Arbeitervereines außerordentlich thätig wirkten, und Scheu, Peschan, Rüdt, Kutil und Schäftner zum Bes che nach Pest einluden. Am 11. Juli 187l wurde in den auf dem Stephansplatzc, Haus Nr. 4 befindlichen Lokalitäten eine Volksversammluizg abgehalten, zu welcher sich viele Pester, Ofner und Aliofner Arbeiter einfanden, vor welche» die erwähnten Agitatoren aufrührerische Reden hielten, und wurde in dieser Ver- sammluug beschlossen, daß zur Verherrlichung der gefallenen „Pariser Kommune" die Versammlung in militärischer Ordnung und mit Kokarden geschmückt, in das Stadt- wäldchen ziehe. „Bei dieser Gelegenheit wurde die„Marseillaise" und nachjeder Strophe der Refrain:„Die neue Rebellion die ganze Re- bellion" enthusiastisch gesungen. Im sogenannten Bovenhaus im Stadtwäldchen ließ man nun„die Republik leben". Aus den Fenstern der Bercinslokalitäteu aber wehten, der gefallenen Pariser Kommune wegen, Trauerfahnen. Zu Erreichung des„Nolksstaates" schien ihnen aber ein sehr förderndes Mittel die Verleitung des Militärs zum Eidesbruche zu sein, und in einem Pariser Briese wurde auch die Nebergabe der Ofener Ciiadelle beantragt. Unter den Kommunisten-Prinzipien wurde auch öffentlich verkündigt, daß das gesammte vorhandene Eigenthum gemeinsam verwaltet werden soll, und daß der Adel, der Klerus und reiche Bllrgerstand aiiszuhören habe, und daß alle Revolutionen deshalb bisher ohne Erfolg ge- blieben seien, weil im Herzen des Volkes noch ein Gott lebte: deshalb müsse fortab auch Gott selbst geleugnet werden. In einem an die Land- bebauer gerichteten Aufrufe werden die Diener aufgefordert, die Er- trägiiisse der Ländereien schon jetzt zu studiren, damit sie bei der all- geineinen Eigenthumsv-rtheilung(!!) Hinsicht des Nutzens die nöthige Ausklärung geben können. In einem anderen Aufrufe an die Kops- arbeiter werden die Beamten, Offiziere zc. aufgefoidert, sich diesem Vereine als geistige Proletarier anzuschließen. Auch war beschlofien worden, Apostel heranzuziehen, die das Volk in der Provinz mit sozial-demokranschen Ideen vertraut machen sollten." Der Gerichtshof besteht aus den Herren: Präsident Scbestyen; Votanten: Franz Kadar(Reserent) und Viktor Hollan; öffentlicher Ankiäger: Lberslaatsanwall-Substitut Bartholomäus Rozgonyi; Ber- theidiger Alexander Funtak, Dr. Geza Füzessery. Dr. Moritz Stiller, Dr. Franz KrajcSik, Dr. Geza Schulhof, Dc. Bernhard Friedmann, Dt. Weiser und Kühner. Die Verhandlung nahm genau um halb 10 Uhr Vorinittazs ihren Ans, ng. Einige von den Angeklagten fehlten. Schrifisührer Dr. Rado begann den Anklageakt wider Pollitzer zu verlese», in welchem dieser vegen seiner in den Lokalitäten des allgeme inen Arbeitervereins gehaltenen Rede des HochverratheS angeklagt und auf seine Bestrafung angelragen wird. Pollitzer wird auch noch angeklagt, die Bierbrauergesellen in einem Aufrufe ausgeforderl zu haben, sie möchten die Arbeit ein- stellen, und nannte er in dem Ausrufe das„Eigenthum"„Diebstahl." Hnistchtlich der Unterstützung, welche der Pester allgeurcine Ar- beitervcrein von deutschen Vereinen erhalten habe» soll, ent egnct Pollitzer, daß der hiesige Arbeiterverein mit den ausländischen blos in einem geistigen Verkehr gestanden sei.— Seine in den Artikeln aus- gesprochenen Ideen betrachtet Pollitzer blos als Resultat des Fort- schritteS der Wissenschaft, die dazu bestimmt ist, das Gleich- gewicht zwischen Kapital und Arbeit herzustellen. Für die Strikenden im Auslände wurde durch Sammclbogen Geld beschafft und die betreffenden Summen an die Sirike-Koinue'S gegesendet, ebenso langten wieder Hilfsgelder für die hiesigen Strikenden an die Komitö's an. Pollitzer stellt in Abrede, daß er die Arbeiter im Steinbruche autwiegeln wollte, doch daß er sie besucht habe, giebt er zu, indem Ludwig Swobada, mit einigen Bierbranergesellen in Bekanntschaft stehend, dort eine Vereinsfiliale errichten wollte. Nach der Verlesung des Aussageprotokolls macht Pollitzer keine Bemerkung. Nun wird das AuSsageprotokoll des Anton Strauß, früheren Präsidenten des allgemeinen Arbeitervereins, verlesen. In demselben ist enthalt:», daß der Verein sich die edelsten Ziele stellte. In den Versammlungen präsidirte meistens er selbst»nv jeder Beschluß wurde aus Grundlage der slimmenmehrhelt gefaßt. In Folge deS Streites mit Pollitzer habe er de» Voisitz dem Kälföldi überlsssen, und so weiß Zeuge auch nicht, was darüber in das sitzungsprolokoll ausgenommen woroen war. Anton Strauß sen. deponirt in seinem Anssazeprotokolle, daß er in der am 19. Februar 1871 abgehaltencil Vereinssitzirng anwesend war, doch könne er sich auf die einzelnen schärferen Ausdrücke Pollitzer'? nicht mehr genau erinnern, so viel jedoch, daß ein Tumult infolge dieser entstand, wisse er. Zeuge weiß auch, jedoch nur vom Hören- sagen, daß ein AgitationSkomilö eristirt haben soll. Pollitzer scheine zwar in seinen Vorträgen häufig von der Sache abgegangen zu sein, doch glaubt Zeuge, wenn Pollitzer in diesem Ab- schweisunzen auf politisches Gebiet kam, so sei dies wahrscheinlich des- halb geschehen, weil der Angeklagte es liebte, sich hervorzuihun. Die Zeuge» Albin Schäfsler und Tucsay waren allerdings in jener Sitzung auch anwesend, allein sie wissen blos Unwesentliches. Der Letztere bestätigt die Angabe Politzer's, das der Präsident Strauß nur nach dem Ankaufe der Möbel, welche aus dem Geschenke des Königs angeschafft wurden, den Ausweis vorlegre, und dieses Borgeben des Prastbcnten unterzog Pollitzer einer scharfen Kritik. Diese wurde von einem Theile der Anwesenden gebilligt, von den Anderen mißbilligt, und kann sich Zeuge nur aus den Rus:„Ja unser König ist auf Grundlage der Konstitution gekrönt worden, und als solcher regiert er auch, deshalb können wir ihn nicht ignoriren," erinnern. "enge Andreas Essel hat die Sitzung bei Beginn des Tumultes verlaffen und las von den Ereignissen erst am andern Tage in den Blättern„Testvörisög" und„Brüderlichkeit", wo unter Anderem auch folgender PassuS vorkommt:„Pollitzer bemerkt, daß es noch sehr von monarchistischem Geiüe zeugt, wenn man das Geschenk einer sogenannten hohen Person als ein Ereigniß betrachtet. Weit republikanischer ist e», den König als hohe Person zu ignoriren; daß in den österreichisch- ungarischen Staaten ein Franz Joseph rxistirt, kann nicht geleugnet werden, aber daß er als hohe Perjon tristirt, dürfen wir nicht anerkennen. Wenn nun�dieser Herr dem Verein ein Geschenk machen will, so hat er laut Statuten ein Recht dazu, wie jeder Andere; warum soll man ihm also eine Sonderstellung geben und sein Geschenk al« politischen Akt bezeichnen? Wenn wir das Letztere Ihun, so weichen wir vom republikanischen Prinzip ab. Das Ganze ist also ein Pilvataki, ähnlich dem, wenn einmal Jemand von uns einen Buchhändler zu einer Büchel spende auffordert. Uebrigens ist es erfreulich, daß man bei uns ängstlich wachsam gegen jeden Schatten einer Diktatur.ist. Einer Diktatur aber kann nur durch die That vorgebeugt werden, indem man jeden Wirkungskreis und jeden Einfluß des Einzelnen womöglich beschränkt." Nachdem sämmtliche Zeugen ihre in» Protokoll aufgenommenen Aussagen als richtig anerkannten, verlas der Schriftführer den An- llageakt, in welchem auf Grundlage der erhobenen Daten die Schuldig- sprechung und' Bestrafung des Getlagten beantragt wird. In der Ver- lheidigungsschrist wird versucht, einen jeden einzelnen Punkt der An- klage zu widerlegen, und um die Freisprechung Sigmund Pollitzer's gebeten. (Fortsetzung folgt.) _ iiöera, den 29, April. Eine Volksversammlung, wie wir 1« so zahlreich besucht seit der Reichstagsmahl nicht wieder gehabt, von unserer Partei einzuberulen, fand am Sonnabend den 20. April in der Tonhalle stail. Herr Most sprach über den Hochverraths- prozeß sowie über den gegenwärtigen Stand der Arbeiter- vewegung. Alle Schichien der Bevölkerung, selbst aus den um- liegenden Dörfern, waren vertreten und die. zündende Begeisterung, mit ipelcher der Redner sprach, riß unwillkürlich die in den weite» Räumen des großen Lokals dicht zusammen gepropste Menge zum to- senbeu, zum brausenden Beitallssturm hin. Seinen geschichtuchen Ausführungen, wöbe: er die ganze Weltgeschichte als eine ununterbrochene Kette des Hochoerraths darstellte, die beißende Satyre. mit welcher er da« heutige Institut der Geschwornenzerichte beleuchtete, waren so überzeugender, so schlagender Natur, daß selbst unsere hart gesottenen Bourgeois, die sehr zahlreich vertreten waren, mit der gespantesteu Aufmerksamkeit an seinen Munde hingen. Ein solcher Anblick muß unwiderleglich den Beweis liefern, daß wenigstens bei dem Handwerker- und Arbeiterstande, nachdem die Enttäuschung nach dem sogenannteu beiligen Kriege so furchtbar gewesen, der Siegesjubel, das Sichfühlm als„xrande Nation"*) vollständig au« den Köpfen verschwinden und der politisch-soziale physische und moralische Katzenjammer eingetreten ist. Wir wissen, daß Diele, die bei den damaligen Siegen Hurrah tiefen, heute beschämt ihr Glas umstülpen, und es den zum Toastiren Auffordernden ins Gesicht werfen würden. Die Versammlung nahm am Schluß des Vortrag« die Dresdener Resolution an. Nur zwei Stimmen erhoben sich dagegen, wovon eine jdem Vorstand des Hirsch- Dnnckerschen.Gewerkvereüls gehörte, dessen wässerige FortschrittSmoral davor erschrocken ist. Schluß der Versammlung 12'/, Uhr. Esslingen. Die am 19. d. M. im„Trauben" hier abgehaltene Volksversammlung war äußerst zahlreich besucht; über 400 Per- sonen, Arbeiter und Kleinhandwerker, füllten die Räume. Gegner, ob- wol speziell eingeladen, glänzten durch Abwesenheit. Morlak und Knau reck referirten; ersterer wies zugleich den, von der Direktion der Tuchfabrik der Socialdemokratie gemachten Borwurf, als fei der Strike nur durch„focialdemokralische Aufhetzereien" zum Ausbruch getrieben worden, zurück, da er an der Hand der seitherigen Lohnverhältniffe mit Leichtigkeit beweisen konnte, wer der Urheber des Strikes war, nämlich: der Hunger und die Nothl Mit Einstimmigkeit wurde folgende Resolution angenommen. Die heutige Völksversammlung beschließt: „Trotz der von der Direction der hiesigen Tuchfabrik ange- „führten Lohnverhältniffe werden die Forderungen der „strikenden Tuchmacher als gerechte anerkannt und erklärt „die Versammlung, aufs Entschiedenste für dieselben einzu- „stehen. Die Unterstützung betrachtet sie als Ehrensache, „nicht nur für jeden Arbeiter, sondern überhaupt für Alle, „welche unter dem Druck der Großproduktion und des Ka- „piials zu leiden haben." Die veranstaltete Sammluug ergab 35 Gulden, wobei jedoch noch zu berückstchtizen ist, daß in allen Werkstätten schon vorher Samm- lungen veranstaltet worden waren. Die Stimmung hier ist durch- gehend auf Seite der Strikenden(wol der beste Beweis für die Gerech- tigkeit ihres Verlangens), um so mehr als die Direktion mit einem kläglichen Versuch, sich weiß zu waschen, glänzend Fiasko machte. Fließen die Unierstützungen von auswärts nur einigermaßen, so ist uns um den siegreichen Ausgang nicht bange, thne daher Jeder seine Pflicht; für die Gewerkschaftsbewegung wird es von dem größten Nutzen sein. Den andern hiesigen Fabrikarbeitern, obgleich sich im Großen und Ganzen bei der Bewegung noch passiv verhaltend, müssen wir alle G-rechliqkeit widerfahren lassen; bezüglich der Unierstützungen stehen sie fest zusammen und ihun ihr möglichstes. Leipzig. Unsre Notiz in der vorletzten Nummer betr. die Ver- hastung Hepners, veranlaßte da« hiesige„Tageblatt", in seiner Nummer vom 25. April folgende Berichtigung zu bringen: „Nach eingezozcner Erkundigung verhält sich die Sache et- was anders. Hepner ist nicht wegen einer Aufforderung zu Gildsamm- lungen in Strafe genommen, obwol dies nach§. 104 der Armen- ordnung verboten ist, sobald nicht behördliche Genehmigung dazu er- theilt worden, sondern im vorliegenden Falle, weil er, dem Verbote im z. 14 des Preßgesetzes zuwider, zuerkannte Geldstrafen durch eine öffentliche Sammlung zu decken suchte, wozu ihm unter keinen Ilm- ständen behördliche Genehmigung zu ertheilen gewesen wäre, weil dies den Zweck, den Thätcr selbst zu besirasen, aufheben würde. Daß er dadurch ein„Verbrechen" begangen habe, ist ihm nicht gesagt worden. Daß Hepner ratenweise Abzahlung erbeten, ist unwahr; er hat sich einfach außer Stande erklärt, jetzt oder in den nächsten Wochen Zah- lung zu leisten. Ob er deshalb sich als einen„nothleidenden Mit- menschen" zu bezeickmen berechtigt ist, mag dahin gestellt bleiben. Auch ist Hepner's Verurthcilung nicht durch die Leipziger Polizeidirection, sondern durch das durch 6 Mitglieder gebildete Polizeicollegium er- folgt." Es ist wahr, daß Hepner ratenweise Zahlung nicht angetragen hatte:(S. seine Erklärung in voriger Nummer) es ist ferner wahr, daß seine Verurtheilnng wegen Veröffentlichung eines Aufrufs erfolgt ist, in dem u. A. auch zur Sammlung von Geldbeiträgen zum Zweck der Deckung von gerichtlich zuerkannten Geldstrafen aufgefordert war Wir hatten uns tn Bezug auf diese beiden Punkte geirrt,— ein Irr thum, der unter den obwaltenden Umständen umso erklärlicher ist, als wir H-pner zu ratenweiser Abzahlung gerathen hatten und als, wie UNS bekannt, ihm bis zu 4 Wochen Gefängniß angedroht war, wenn er Aufforderungen, für Strikendc zu sammeln, in den„Volksstaat" aufnehme. Hätte das„Tageblatt" sich damit begnügt, unfern Irr» thum zu berichtigen, so würden wir die Berichtigung einfach abgedruckt haben. Da es jedoch an dieselbe alberne Reflexionen knüpft, müssen wir ihm erklären, daß seine Berichtigung die Hauptpunkte in un- serer Notiz durchaus nicht alterirt. Ob Hepner ratenweise Zahlung anbot oder nicht, ist völlig gleichgiltig für die Beurthcilung der gegen ihn verhängten Maßregel, die blos dann gerechtfertigt wäre, wenn er die Zahlung überhaupt verweigert hätte. Ob die Polizeidirection oder daS Polizeicollegium diese Maßregel angeordnet hat, ist eben- falls völlig gleichgiltig, sintemal es sich hier nur um einen Wort- streit handelt und beide Ausdrücke nur euphonische Umschreibungen des weniger gut klingenden Works:„Rüder" sind. Und eben so gleichgiltig ist es. ob man die Aufforderung zu Sammlungen ju- ristisch ein„Bergehen", oder nach gewöhnlichem Sprachge- brauch ein(angebliches)„Verbrech-n" nennt. Genug, 1) Hepner ist, weil er eine ihm znerkaniue Gelvstrafe nichi sofort zu bezahlen vermochte, in der— brnstesten, hier aus preßpolizeilichen Rücksichten nicht ge- bübrend zu kennzeichnenden Weise verhafte! worden, obgleich kein Ge- setz die sofortige Arretirunq vorschrieb, und 2) Sachsen ist das einzige uns bekannte Land der Welt,„wo die Aufforderung, nothleidende Mitmenschen werkthätig zu unterstützen, als Verbrechen(oder Vergehen) betrachtet und bestraft wird." Und das waren die zwei wesent- lichen Punkte unserer Notiz m Nummer 33 de?„Volksstaat." Aufruf an die Arbeiter-Vereine und die Freunde derselben, wie an die Männer und Förderer der Wissenschaft! Arbeiterl Bürger! Wie m vielen Orten unseres Baterlandes, so haben auch hier die Kriegsereignisse und der daraus folgende Siegesrausch lähmend auf die Thätigkeil derArbeiter-Veceinignng eingewirkt, und ist es leoiglich diesem Umstände zuznschreiben, daß seit nahezu zwei Jahren in unserer Stadt die Arbeiterbewegung vollständlg brach gelegen. Nachdem nun die Friedensarbeit längst wieder ihren geregelten Fort- gang genommen, bat sich auch hier ein Häuflein gesinimngststchtiaer Männer zufammengeschaart und sich die Aufgabe gestillt, durch Gcüu- dung eine« sozialistischen Arbeiter-Bildungsvereins die Arbeiter für die ihre' Interessen fördernde Bewegung auf's Neue zu beleben. Zu d-u verschiedenen BildungSmitteln, welche für Erreichung dieses Zweckes dienen sollen, gehört auch eine möglichst reichhaltige Bibliothek; da aber eine solche bekanntlich nur mit großen Gelb- opfern zu beschaffen ist, der junge Verein aber noch jeder Baaxmittel entbehrt, so ertaubt sich der unterzeichnete Vorstand an die verehrlichcn Bruder-Vereine, wie an alle Freunde und Gönner derselben die er- gebenste Bilte zu richten, bei Gründung einer Bibliothek nach Kräften mitwuken zu wollen., Literarische Erzengniffe der Unterhaltung und Belehrung, sowie wissenschaftliche und technische Werke jeder Art werden mit Dank ent- gegengenommen werden. Auf Eure vielfach bewährte Opferwilligkeit bauend, hassen wir auf eine recht zahlreiche Einsendung von Bächern, entweder an einen der Unterzeichneten oder an die Erpedition des„Volksstaat", welche die Güte haben wird, dieselben anzunehmea und an unsere Abreffe zu befördern. Wiesbaden, im April 1872. Der Vorstand des Arbeiter-Bildungsvereins: Der Schriftführer: Fr. Günzel, Röderstraße Nr. 4. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden ersucht, für die Verbreitung dieses Aufrufs möglichst Sorge tragen zu wollen. •j Grrroße Nation II (Fortsetzung von Seite 1.) mit einem mächtigen Knüppel bewaffnet, versperrte den Durch- gang:„Den Ersten, der durch will, schlag' ich todt!"— Man benachrichtigte das Präsidium, daß in der Menge sich die carllstischen Hauptchefs der Stadt befanden, welche die Verwir- rung benutzen wollten, um einen bewaffneten Aufstand zu machen; daß mehr als 200 ihrer Leute im Saale wären; daß aufdem Wege, der zum Gefängniß führt, bewaffneteGruppenpostirt stünden, die entschlossen wären, die Gefangenen zu entreißen, und daß, wenn die Gendarmerie oder ein Linienregiment den Saal räu- men sollte, es zum Blutvergießen kommen würde. Angesichts dieser Haltung der Menge beschloß der Präsident, die Sitzung aufzuheben nach Verlesung des Protestes. Die Polizeibeamtcn waren derartig verwirrt, daß sie den nachfolgenden Protest, welchen Jose Mesa verlas, zu unterzeichnen wünschten: Die Unterzeichneten, von den spanijchen Lokalverbindungen der Internationalen Arbeilerassozialion delegirt zur Abhaltung des zweiten Kongresses, proiestiren feierlichst im Namen aller verbünde- ten Arbeiter Spaniens und angesichts der Welt, gegen das brutale und flandalöse Attentat, dessen Opfer sie sind. ZweiTagc nach den in voller FmbkittV) vollzogenen Wahlen für den Bourgeois-Kongreß, wo die Jniercssen unserer Ausbeuter debattirt werden sollen, verletzen diese selbeu Ausbeuter, welche, nicht zufrieden damit, uns zu berauben, Gewaltmaßregeln gegen uns berausbeschwö- ren, alle die Gesetze, welche sie selber geschmiedet haben, und lösen mit roher Gewalt den Arbeilerkongreß auf, wo die auf die Arbeit und die Organisation der Arbeiter bezüglichen Fragen diskutirt wer- den sollten. Im ersteren, d. h. im Bourgeois-Kongreß, will man die Aus� beutung organisiren und die Ungerechtigkeit regeln. Im lctztern d. h. im Arbeiter-Kongreß wollte man die ökonomischen Probleme studiren, welche daS Sinnen und Trachten aller gewissenhaften Menschen bilden. Man wollte sich da beschäftigen: Mit den Mitteln, die Umgestaltung des Eigenthums, so daß es der Gerechtigkeit entspricht, auszuführen. Mit dem Widerstande der ausgebeuteten Arbeit; Mit der genossenschaftlichen Produktion und Konsumtion; Mit der Organisation der Landarbeiter; Mit der Organisation aller Arbeiter; Unser Kongreß statte als Leitstern die Vernunft, als Ziel die Verwirklichung der Gerechtigkeit und als Regel den Frieden und die Ruhe. Der Bourgeoiskongreß hatte als einzige Ausgabe die Ausbeu- tung der Arbeiterklasse, welche dem Stärkjien und Geschicktesten als Kriegsbeute zugetheilt wird. Es war also natürlich, daß unsre Stellung die Männer der Bourgeoisie erschreckte, wie der Anblick des Gensdarmen den Ver- drecher erschreckt. Aber dieser selbe Schreck hat sie ruinirt. Sie haben die Feind- seligkeiten gegen die Arbeiterklasse eröffnet. Bis jetzt hatten sie sich damit begnügt, uns in ihren Reden und Cirkularen zu beschimpjen und zu bediohe»; heute erklären sie laut durch einen ungesetzlichen und gewalsamen Akt, daß die Söhne der Arbeit sich nicht friedlich versainmeln dürfen. Der soziale Krieg, der Krieg zwischen Armen und Reichen, zwischen Arbeitern und Bourgeois, zwischen Unterdrückten und Un- terdrückcrn ist erklärt— und erklärt durch die gegenwärtige Regie- rung, dw Vertreterin der spanischen Bourgeoisie. Arbeiter, gruppiren wir uns, organisiren wir unsere Armee, Härten wir unsere Massen, bereiten wir uns zu einem mehr oder minder nahen Kampfe vor! Nieder mit den Privilegien! Nieder mit der Ausbeutung deS Menschen durch den Menschen I Nieder mit der Tyr.nr.ei! Es lebe die Internationale Arbeiterassoziation! Saragossa, den 8. April 1871. (Folgen die Unterschriften.) Darauf ließen die Delegirten den Saal räumen und gingen ungehindert ins Vereinslokal, wo sie öffentlich ihre Sitzung fortsetzten, ohne daß die Polizei dagegen einschritt. In meinem nächsten Briefe werde ich den Inhalt der De- batten mittheilen. Der Kongreß hat zahlreiche Depeschen und Glückwunsch- schreiben empfangen; unter Anderm vom Generalralh fol- gendes: London, 3. April 1872. An die Bürger Delegirten des spanischen Laudeskongresses in Saragossa. Bürgerl, l Der Generalrath der Jnternationalin Arbeiterassoziation hat mich beaustragt, Euch meine Glückwünsche für die Abhaltung des zweiten spanischen Landeskongresses darzubringen. In der That: Ihr könnt Euch zu den Resultaten, die Ihr in so kurzer Zeit entncht habt, Gluck wünschen. Die Internationale, seit kaum 3 Jahren in Spa- nien heimssch geworden, bedeckt in diesem Augenblick das ganze Land mit ihren Sektioiien und Föderationen, Hai sich in alleil Städten eingerichtet, und dringt augenblicklich in die ländlichen Ortschaften. Dank Eurer Thäiigkeit und Dank den unsinnigen, stupiden Verfol- gungen, welche in Eurem Lande aus einander folgen, konntet Ihr diese großen Resultate erreichen und es dahin biingen, daß sich die Internationale in eine Macht verwandelt hat. Vergessen ivir aber auch nicht, daß diese Resultate nur durch die ausgezeichnete Ver- fasiung unsrer Assoziation möglich sind,— eine Verfässuiig, weichen jeder Landes- oder Lokalverbindung ihre vollständige Aklionsfreiheit läßt und auf die Centralorgane nur den G.ad von Macht über- trägt, welcher unbedingt iiöthig ist, um sie in die Lage zu versetzen, sowohl über die Unverletzlichkeit des Programms zu wachen als auch die Gemeininterejsen zu wahren und zu verhindern, daß die Jnter- nationale Arbeiter Assoziation sich in ein Bourgeois- und Polizei- Jntriguenspiel verwandle. Es ist wahrscheinlich, daß das Maaß der Verfolgungen, welche Ihr zu erdulden habt, noch nicht voll ist. Erinnert Euch/ wenn diese Stunde schlägt, daß es andere Länder giebt, wie Frankreich, Deutsch- land, Leftnich, Ungarn, wo die Internationalen ärgere Verfolgun- gen erleiden und wo sie gleichwohl nicht die Stirn beugen, da sie, gleich Euch, eL wissen, daß die Vctsolgungeu die besten Mtltel sind zur Propaganda sür unser, Assoziation, und daß es aus der Erde keine Gewalt giebt, die mächtig genug wäre, die revolutionäre Bewegulig, die aus dein modernen Proletariat immer n>u entsteht, zu unter- drücken, um die Internationale zn zerstören, müßte man stc freiwillig erzeugt hat, Die moDerne llte- fellichaft zerstören. Brüderlichen Gruß Im Auftrag des GeneralrathS Friedrich Engel». Juteruatiouale Gewerksgenossenschaft der Manu- fattur-, Fabrit- und Handarbeiter beiderlei Geschlechts. Da kommend- Psingstfeiertage der II. deutsche Webertag in Berlin abgehalten wird,(siehe„Vollsstaat" No. 33.) so sordern wir hierdurich alle Mitgliedschaften, sowie überhaupt alle Orte, wo sich Manusakturarbeiter besinden, aus, Verjamimungen einzuberufen, und wenn irgend möglich, einen Deligirten nach Berlin zu entsenden, da nur bei großer und allseitiger Theilnahme etwas Ersprießliches erzielt werden kann. Denjenigen Mitgliedschaften oder Orte, welche nicht im Stande sein sollten, aus eigenen Mitteln einen Delegirten zu schicken, rächen wir, daß mehrere zusammentreten; sollte auchdieses nicht geschehen tönnen, so bitte» wir um Einsendung der Mandate; wir werden dann Sorge tragen, daß jeder Orr nach Wunsch vertreten wird. Crimmitschau, den 1. Mai 1872. Die Vorortsverwaliung. A«Z die" Sattler-, Riemer- und Täschner-Gehnlfe« .st Deutschlands und Deutsch-Oestreichs. Berlin. Die am 24. April d. I. tagende General-Versammlung der Sattler Berlins hat den einstimmigen Beschluß gefaßt, einen Eongreß der Sattler Deutschlands, mit Einschluß Deuisch-Oestreichs, vui 17. Juni, 4 Wochen nach dem 1. Pfingsttag, in Berlin einberufen, und hat eine Commission zur Aussühning dieses Beschlusses ernannt. Die unterzeichnete Commission, mit den Vorarbeiten des Congresses betraut, wendet sich daher an Euch College» und legt es Euch warm an's Herz, der Idee des Congresses auch Eure Sympathie zuzu- weiiden. Die Gründe zu diesem Entschlüsse sind kurz folgende: Das Sattler-Gewerbe, früher eines derjenigen, welches seine An- gehörigen gut ernährte, ist im Laufe der Zeit, durch verschiedene Um- stände' so heruntergekommen, daß die Sattle. gehilfen als zu den schlechtst bezahlten Arbeitern gerechnet werden können. Wir glauben deshalb, daß Ihr gewiß dasselbe sagen werdet, und mit uns einverstanden seid; ohne festes Zusammenstehen wird es für die Arbeiter niemals besser, sondern immer schlechter und schlechter. Fern sei es von uns, durch diesen Eongreß einer feindlichen Ab- ficht gegen unsere Arbeitgeber Ausdruck zu verleihen; wir wollen den Kampf, der zwischen unseren Berufs-Collegen und ihren Arbeitgebern an einzelnen Orten ausgebrochen, nicht noch mehr zuspitzen, sondern wir glauben sicher, daß, wenn es uns geling., unsc:! Eoll'gen zu einem Bunde zu vereinigen, wir dadurch den Interessen beider Theile am beste» dienen. Wir geben ,mS deshalb der sicheren Hoffnung hin, daß Ihr Euch unserem Ausruf zufolge an dem Congrcß betheiligen werdet. Zur Wahl Berlins als Ort, an welchem der Eongreß statt- finden soll, leiten uns folgende Gesichispunkte: Es siyd in Verlin eine Anzahl Berufs- Collegen beschäftigt, wie an keinem zweiten Ort in Deuischland, die Verbreitung unierer Beschlüsse wird deshalb eine großartige sein, und dann ist Berlin der Ort, von welchem die Congreß-Jdee ausging. Wir geben uns deshalb der Hoffnung hin, daß Ihr unsere Wahl durch Eure Zustimmung billigt. College» denkt: Einigkeit macht stark. Zerstreut sind wir wie ein Spielball de» Zufall«, nur vereintes Handeln kann uns Helsen. Denn bedenkt, daß wenn auch durch die in letzter Zeit stattgehabten Arbeitseinstellungen an verschiedenen Orten eine pekuniäre Besser- stellung der Collegen erzicltworden ist, haben wir doch bei dem vollständigen Mangel an jeder Organisation gar keine Garantie dafür, daß uns die mit so schweren Opfern erkausten Vortheile wieder durch ge- wissenslose Ausbeuter der Arbeitskrast entrissen werden. Mit Hoffnung und Collegialischem Gruß Das Interimistische Comitee: Jonas, Vorsitzender. M. Gold stein, Schriftführer. Prenzlauer Str. 23. Briese ic. bitten wir an den Schriftführer zu senden. Alle Ar- beiterblätter werden freundschaftlichst um Abdruck gebeten. Zum Strike der Hamburger Tischler. Eollegenl Hamburg, 29: April. Seit einer Woche befinden wir UN» im Strike, der beiderseits mit der größten Hartnäckigkeit geführt wird. In der letzten Mcisterversammlung wurde der von uns auf- gestellte 9'/,stündigi Normalarbeitstaq zurückgewiesen, und statt dessen beschlossen, uns nur den lOstllndigen Arbeitstag zu bewilligen. Wir sind dem gegenüber entschlossen, unsere Forderung durchzu- setzen, und bitten Euch, Gewerksgenossen, uns zum Siege zu verhelfen. Briese u. s. w. sind zu senden an das Strike-Bureau, Tischlcrherbcrge Breitestr. 25, Hamburg. Zur Arbeitseinstellung der Tischler in Altona. Wie verlautet will das Meister-Komitee, da die Gesellen nicht ge- willt sind, vor endgiltigem Abschluß der obtchwebenden Verhandlungen die Arbeit wieder aufzunehmen, dahin wirken, daß die zu den neuen Bedingungen, 9h, Sch.(27 Sgr.) weiter- rbeitenden Gesellen wieder entlassen weiden, um die„Rechtsgleichheit" herzustellen. Wir sind nur neugierig, ob viele Meister auf diese Leimruthe gehen werden! Es wäre aber doch wünschenswerth zu erfahren, wer diesen Plan aus- gedacht hat. Wahrscheinlich Jemand, der augenblicklich gar keine Ge- sellen braucht, es also auch noch 10— 12 Wochen mit ansehen und ab- warten kann; dem es auch gar nicht wehe thut, wenn eine ganze An- zahl kleiner Meister die nicht von Geldgeschäften leben können, zu Grunde gehen. Mitbürger! Trau, schau, Wem! Ein Altonaer Kleinmeister, wenn auch kein Tischler. Altona, den 1. März. Der Kampf beginnt ernsthaft zu werden. Die Meister fangen an einen Lock-out in Scene zu setzen. Dem gegenüber hat heute daS Comitee beschlossen eine AssoziationS-Werk- stelle für die Strikenden zu errichten. Morgen soll eine Werkstelle für 30—40 Mann gesucht werden. Dresden. Für den Tischlerstrike sind fernerweit von aus- wärt» eingegangen: Berlin d. Muschan 50 Thlr. d. Jagdstein 4 Thlr. 15 Ngr. 6 Pf. d. A Noack 3 Thlr. 15 Sgr. Chemnitz d. A. Uhlc 3 Thlr. 21 Gr. 5 Pf. d. Aug. Thümmberg 19 Thlr. Königsberg d. Aug. Preuß 6 Thlr. Leipzig d. Br. Schräder 7 Thlr. 16 Gr. 5 Pf. Bei dieser Gelegenheit bitten wir, im„Volksstaat" darauf aufmerk- sam zu machen, daß allerwärts vor Zuzug nach Dresden zu warnen ist. Die Meister haben unS den Streich gespielt, in vielen auswärtigen Blättern bekannt zu machen, unser Strike sei zu Ende und Gehülfen würden sehr gesuchter Leipziger Kochverraibsprozeß, per Lieferung 2»/, Gr., sowie alle andern sozial-demokratischen Schriften, wie Trntt und Sch Uff, 2 Gr. 6 Pf., Unsere Ziele, 2 Gr. 6 Pf.-c. Gottlieb Röder.___ f ür Leipzig. ürschner und Mützenmacher. Versammlnna, Montag, d. 6. M., Abends 8 Uhr im Vereinslokal, Roßplatz Nr. 9. Zahlreiches Erscheinen nothwendig. Der Borftand. Keneralver�ainmliinK der Gewerkschaft der Holzarbeiter der Srankenkaffe und Gewerkschaft, Montag, d. 6. Mai, Abend» 8 Uhr in der Restauration von Götze, Nikolaistraße 51. Tage»- Ordnung: Abschlüsse beider Kassirer. Besprechung der Krankenkasse und Zusätze zu deren Statuten. Die fehlenden Mitglieder verfallen der im S 26 angedrohten Straff Mitglieder: Parteigenossen: Der unterzeichnete Verein hält am HimmelfahrtStaa de» 9. Ma> lm Theaterlokal eine ö Theatralische Wendunterhaltuna verbunden mit Konzert ab. Während den Zwischenakten und nach der Vorstellung Ball. Musik von Herrn Kapellmeister Schmidt. Zur Aufführung gelangt: Ein Tag im Monat.'MU v-i, � Lustspiel in 5 Allen von Adel. . ra,c®°n«"'gen tüchtigen Kräften unterstützt werde" und das Stück in Naiwnalkostllm aufgeführt wird, so sehen wir einer recht zahlreichen Betheiligung entgegen. Der Volksverein zu G lauchau. �rdviterdiltlun�verein LeimAs;, Zu der am Sonntag, den 5. Mai im Waldschlötzcheit i» Coiinewiiz stattfindenden Abendunterhattung mit Malk werden die Mitglieder und Freunde de« Vereins hierdurch eingeladen- Anfang Nachmiti. 4 Uhr. Entree 1-/, Ngr. ä Person. _____ Der Barftond. � ! Colonvadenftr. 1. E. jtojfD Colotmadenstr empwit Papierwäsche, a'5'*fa«en'' u. Mauchetten bei reellen Preisen .NB. Bestellungen nach auswärts werden prompt ausaeführt. Zur Beachtung. Hannover. Meine Adresse ist: Aegidienkirchhof 5. Di- P-"' teigenvssen in der Provinz Hannover ersuche ich, sich in Agitation»- angel-genheite» an mich zu wenden. E. Reichelt. '•' v«'»«vy V ßiin Junge, weicher Lust hat, die Schuhmacherei zu erlernen, ran" � einem Leipziger Parteigenossen in die Lehre treten. DaS Nähe� durch die Erpedition d.„Volksst." Vom Roman -Aju Webstuhl derZeit ist das I. Heft erschienen und sür 2 Groschen pro Exemplar zu bezieht" durch die Eppedition deS„Dresdener BokkSboten" und die «rpedition des„Bolksstaat� Die Wohnmmsfrage. Eine soziale Skizze. Part. Preis 2 Gr. Einz. Prei» 2-/, Gr. 4 Zugleich wird>ur die Leser des„Volksstaat" bekannt gemacht, da? sämmtliche V-rlagSschriften für Leipzig bei Colporteur Müller, l"' auswäris bei den Filialerpeditionen zu haben sind._____ �; „Herr Vogt". von Karl Marx(12 Bogen stark, groß Oktav); die weigen avsk vorhandenen Gxemplare sind durch die unterfertigte Erpdü> zu beziehe». Der Erlös ist für die Kasse des„Volksstaat" bestimmt, und' der Preis per Expl. auf 3 Thlr. festgestellt. � Die ikxpeditian des Bolksstaat. 1 Leipzig: Verant.i,.- edakteur A. Muth(Redaktion u. Expediti"? Hohestr. 4.) Druck u. Verlag 0. F. Thiele.