Mittwoch. 8.«oi. Erscheint wöchentlich Z mal in Leipzig. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhand- lungen des In- und Aus- laudes an. Zur Leipzig nehme» Bestellungen an: die Erpedition. Hohe Str. 4. A. Bebel, PeterSftr. 18, K. Thiele,«milienstr. S. «bonnemmtSprets: Für Preußm incl. Stempel- steuer 17 Nqr., fiir die übrigen deutschen Staaten l!-'/,Ngr. per Quartal per Monat 4'/, Ngr. für Leipzig und Um- gegend per Quartal ISVtgr Mtalerpeditiou für die Vereinigten Staaten: t\ A. Sorge, Box 101 Hoboken N.J. viaNewyork Organ der so)ial-demokratischen Arbeiterpartei und der Internationalen Gewerksgenossenschaste». Politische Ueberftcht. Am vorigen Donnerstag, bei Gelegenheit eines Antrags auf Herabsetzung de'r Salzsteuer drückte Fürst Bismarck in einem Moment„genialer"— Offenherzigkeit sich selbst und seinem System, sammt Allem, was drum und dran hängt, das Brandmal der„politischen Heuchelei" auf. Der Inpsus livxuae(Ausgleiten der Zunge) war um so zeitgemäßer, als er grade mit dem Nachspiel der famosen Karnevalsschlacht zusammen- fällt, welches Nachspiel darin besteht, daß der„neue Luther" einen Unsehlbarkeits-gläubigen Kardinal zum Gesandten am Römischen(Päpstlichen) Hof ernannt hat, und daß dieser— muthige Rückzug'dem der üppig gewordene Pio Nono beiläufig den Durchgang unter dem Caudinischcn Joch beifügen wlll)�von den Nationalliberalen als„genialer Schachzug" gepriesen wird.— In jener Sitzung sprach Bebel gegen die Salzsteucr im Besondren und die indirekten Steuern im Allgemeinen. Wir werden die Rede nach stenographischem Bericht mittheilcn.— Daß man sich in den maßgebenden Kreisen zu Berlin mit Bezug auf die nächste Zukunft in keinen Illusionen wiegt, zeigt folgende Notiz, die soeben aus dem Berliner Preßbllreau hervorgegangen ist: „Bereits während des letzten Krieges ist, namentlich von und nach eingeschlossenen Plätzen, mit entschiede- oem Erfolg die Beförderung von Nachrichten mittelst Brief- tauben zur Anwendung gebracht worden. Im Hinblick hierauf ist von den betreffenden Militärbehörden zur Zeit bcschloffen worden, versuchsweise drei Brieftauben-Stationen in den westlichen Grenzfestungen des Deutschen Reichs zu errichten und zu erhalten. Es sind hierzu vorläufig Köln, Metz und Straß bürg bestimmt, und ist gleichzeitig festgesetzt wor- den, daß zukünftig ähnliche Versuchsstationen auch an den östlichen Grenzmarken, in Thorn, Posen und Königsberg, eingerichtet werben sollen. Als technischer Beirath in dieser Angelegenheit steht der Militärbehörde der Director des zoolo- zischen Gartens zu Berlin, Dr. BodinuS, zur Seite." Also man dereitet sich schon aus die Einschließung von Köln, Metz und Straßburg durch die Franzosen vor. O die „geniale" Politik, die nach Sedan den Krieg fortsetzte, um Frankreich„auf ewig" unschädlich zu machen.— Daß Preußen unter allen deutschen Staaten(Deutsch Oestreich ausgenommen) das vernachlässigtste Bolksschul- w is e» hat, zeigten wir schon neulich an der Hand der Statistik. Einen sehr intereffanten Vergleich de»„Jntelligenzstaats" Preußen mit dem„Pfaffenstaa:" Bayern finden wir in der '.Tagespresse", der aus München geschrieben wird: „Man ist in Berlin gewöhnt, nicht nur sich zu rühmen, daß man für Süddeutschland viel zu liberal sei, sondern auch in recht artiger, echt preußischer Weise Bayern als„deutsches Böotien"*) zu bezeichnen. Wie weit das„deutsche Böotien" nun dem„preußischen Attila"**) in seinen Leistungen für Schule und Bildung„nachsteht", das beweisen folgende Zahlen: Bayern giebt nach der neuesten Budgetzusammenstcllung bei einer Ein- «ohnerzahl von 4,850,000 Seelen für Unterricht und Kultus 7,934,740 Fl. aus, Preußen verausgabt dagegen mit über 94 Millionen Einwohnern für die gleichen Zwecke 7,041,463 Thaler, gleich 12,272,550 Gulden. Wo ist da Attila, wo Böotien? Um Boyern in seinen Leistungen gleich zu kommen, müßte Preußen zum mindesten 35 Millionen Gulden mehr auS- geben.... Freilich ist bei uns der preußische Korporalstock »nd die preußische Drillmaschine noch nicht eingeführt; wenn sie jetzt mit der Militärorganisation kommen, dann bedarf Bayern vielleicht auch nicht mehr so große Sunimen, um au« dem Böotier einen feinen Attiker zu machen.— Vorerst allerdings haben unsre Bayern wenig Lust, sich auf diesem Wege aus ihrem roheu Naturzustände h�ausreißen zu lassen: das, was sie in Böotien gelernt, benützen sie lieber auf freiem amerika- nischem Boden und machen es dort fruchtbringender, als auf dem Exerzierplatz und in der Kaserne. Die Auswanderungen nehmen von Woche zu Woche zu. und namentlich sind es junge militärpflichtige Leute, welche vor dem Korporalstock und dem neuen deutschen Blutgesetz, euphemistisch„Militärstrafgesetz" ge- nannt, zum Wanderstabe greifen. Das ist aber Alles der Segen der preußischen Pickelhaube und der neuen Friedens-Kera!"— Die armen Reichen! Das bischen Freiheit, welches die Abschaffung der alten Eoalitionsgcsetze dm Arbeitern gegeben hat, ist für die unglücklichen Kapitalisten eine Quelle der Sorge und Angst geworden; sie können nicht mehr so ungestört wie vorher ihren Lohnsklaven das Mark aus den Knochen saugen, und zetern nun um„Schutz" gegen die unverschämten Arbeiter, die sichdas Marknichtmehr gutwillig wollen aussaugen lassen. Schon verschiedene Male ist in der Presse von Versuchen zur Bc- schränkung der jetzt herrschenden Bruchstückchens„Coalitjonsftei- hrit''.gemunkelt worden, indeß ohne daß etwas Greifbares re- sultirt wäre. Jetzt aber scheint es Ernst werden zu wollen. �Nachstehende offiziöse Notiz läuft durch die Bourgeoisiepreffe: „�er maßlose Gebrauch, welchen die Mehrzahl der deutschen Arbeiter von der ihnen gewährten Coalitionsfreiheit macht, hat Veranlassung gegeben, daß gegenwärtig in den Kreisen der Reichstagsabgeordnclen die Frage erwogen wird, ob nicht durch ') Böotien,«in Theil de» alten Griechenland, dessen Bevölkerung für sehr ungebildet und roh galt. ") Anika, mit der Hauptstadt Athen, war der Mittelpunkt alt- griechischer Kultur. ein Specialgesetz doch einigermaßen Schutz für die Arbeit- geber beschafft werden kann. Es hat sich vorläufig die An- ficht geltend gemacht, gesetzliche Bestimmungen zu erlassen, welche es dem Arbeiter zur Pflicht machen, daß er die von ihm ver- tragsmäßig übernommenen Arbeiten nicht unbeendet lassen oder nicht innerhalb der durch Vertrag festgesetzten Arbeitsfrist aus seinem Arbeitsverhältniß ausscheiden darf. Thut der Arbeiter es dennoch, so soll gegen ihn im Wege der Freiheitsstrafe vorgegangen werden. Der Reichskanzler soll sich diesen Ab sichten gegenüber zustimmend geäußert haben." Diese Notiz trägt den Stempel jener„politischen Heuchelei", die neulich Fürst Bismark sich selber und seinen Gegnern im Reichstag zugesprochen.„Vertragmäßig übernommene" Arbeiten zuvollenden, sind die Arbeiter schon jetzt verpflichtet; es bedarf dazu also keines neuen Gesetzes, und was man will, ist etwas anderes, als was man zu sagen wagt. Aus dem einleitenden Satz geht aber hervor, daß es sich um eine Beschränkung des Coa litionsrechts handelt, und aus dem Schlußsatz ersehen wir, daß Graf Bismark, wie das bei seiner reaktionären Natur ja nicht anders zu erwarten, mit diesem Attentat einverstanden ist.— Aus Paris wird der„Frankfurter Zeitung" unterm 28 April geschrieben:„Gestern war der Tag, da vor hundert Jahren Fourier, der bekannte Sozialist, zu Bcsanyon geboren wurde. Zur Feier des Tages hatten ungefähr 300 Anhänger der Lehre vom Phalanstere*) sich zu einem C on g r e ß hier zusammcngethan Die Sitzungen fanden im Cercle des Familles statt, den di. Fourieristen l86l gegründet. Den Vorsitz führte Herr Cou- turier, aus Vienne im Dauphins, einer der Männer, die am meisten zur praktischen Entwickelung der Arbeiterverbindungen in Frankreich beigetragen. Durch seine Bemühungen sind zu Vienne auf associativem Wege entstanden eine Tuchfabrik, eine Metzger-i, eine Bäckerei, ein Colonialwaarengeschäft, und alle diese zum Theil seit 15 Jahren bestehenden Unternehmungen haben ihren guten Fortgang. Unter den Thcilnehmern des Eon- gresses bemerkte man auch den Abgeordneten Godin aus Guise, der Schöpfer eines auf„Partnership" begründeten Familistere,**) das sich sehr hübsch rentirt. Die wichtigste der dort verhaw Velten Fragen war unzweifelhaft die Gründung einer Acker- baugenossenschaft, mit einem Kapital von dreiMillionen Toussenel, der geistvolle Verfasser des„Geist der Thiere", trat dagegen auf und verlangte, man solle, ehe nian sich auf ein so großartiges Unternehmen einlasse und den Anhängern der Phalanstöre solche Opfer zumuthe, ein publicistisches Organ zur Propaganda für diese Lehren wieder schaffen, wie es einst in der„Demokratie pacifique" bestanden. Aber das Project der Genossenschaft wurde von der Mehrheit gebilligt und 500,000 Frs. sollen sofort gezeichnet worden sein, trotz der ungünstigen Erfahrungen, die man auf diesem Felde, zur Zeit Louis Phi lippes, in Citercur gemacht. Bekanntlich versah— nebenbei bemerkt— bei jenem Phalanstöre damals Nesstzer, der heutige Chcftedacteur des„Temps", das bescheidene Amt eines Schul- meisters. Der Kongreß schloß gestern Abend mit einem Banket von 400 Personen, Frauen wie Männer, unter dem Vorsitze Victor C onsiderant's." Wir sehen aus diesem Bericht der „Frankfurter Zeitung", daß die Fourieristische Schule mit ihren sozialistischen Ueberschwänglichkeiten in die Schulzerei hinein- gerathen ist, wie der St. Simonismus(vertreten durch die Pereire's w.) in den„hohen" Finanzschwindel. Es liegt hierin kein Abfall, kein Verrath am Prinzip; die Träumereien Fou- riers waren nur das idealistrte Kleinbürgerthum, wie die Träu- mcreien St. Simons das idealisirte Großbürgerthum. Die Phantasie ist nicht revolutionär. Revolutionär ist. bloß der Verstand, der, statt Luftschlösser zu bauen, die realen Verhältnisse kritisch erforscht, und auf dem Boden der Wirklich- kcit den Hebel aussetzt.— In Lyon sind vor einigen Tagen—'nachdem umfangreiche Haussuchungen abgehalten worden waren— 7 der bekannteren radikalen Republikaner— darunter ein Gemeinderath verhaftet worden, ohne daß man dort eigentlich wüßte warum? und auf wessen Befehl? Einige Lyoneser Blätter ver- muthen, daß der Rhonepräfekt Pascal die Verhaftung angeordnet habe wegen angeblicher Verbindung jener 7 Partei- Häupter mit den— Jnternatio nalen. In Lyon herrschtkeine geringe Aufregung hierüber:„Denn die vollständige Ruhe"— agt der„Kleine Lyoneser"—„deren sich unsere Stadt erfreut, der Geist der Besänftigung, des guten Willens und der Versöhnung, welchen selbst die vorgeschrittensten Fraktionen der Bevölkerung bekunden, ließ so Etwas nicht ahnen. Und so ist denn die Ueberraschung eine ebenso bewältigende wie schmerz- volle."— Als sich der Munizipalrath beim Präfekt über die Art und Weise beschwerte, wie man selbst ein Magistratsniit- glied verhaftet habe, erklärte der Präfekt— wie der„Progrös de Lyon" erzählt—, diese Einzelheit nicht zu wissen. Mit Recht macht ein anderes Lyoneser Blatt, die sozialistische„Rö- publique röpublicaine", zu der ganzen Geschichte die Be- merkung:„Es ist nun wichtig, zu wissen, ob unter der Republik der Ausenthalt in Frankreich für die Republikaner gefährlich ist."— •) Pbalanstöre— das Fourienstische Organisationsideal der bür- aerlichen Gesellschaft. DaS Wort kommt von Phalanx(geschlossene Schaar). •*) Familistöre, sourieristisch-sozialistischeS Familienhaus. Dieses Ideal ist beiläufig in den Englischen bloilel-l,oägnigliouse8(Muster- logirhäuser) längst erfüllt, ohne daß bei deren Errichtung ein sozialistischer Gedanke, oder auch nur eine sozialistische Phrase hervorgetreten wäre. In dem„Progrös de Lyon" beschwert sich gleichzeitig der, republikanisch gesinnte Bürgermeister von la Guillotiöre, Crestin- über die Chikane, die ihm der bonaparttstische Generalstaatsan- walt von Lyon zufügt. Nicht nur, daß dieser die vom Bürger- meister gegen bonaparttstische Blätter angestrengte Verleumdung»- klagen zurückweist— schickt er ihm auch noch 3 Polizisten auf den Hals zur Hausdurchsuchung und läßt ihm alle Papier« mausen, die sich auf den Verrath der Bonapartisten im letzten Kriege beziehen.— In Spanien wächst der Aufstand. Nach den letzten Nach- richten bewaffnen sich auch die Republikaner— zur Unterstützung des Thrones, sagen die Gottliebischen, denen wenigstens der Galgenhumor nicht fehlt.'Nun, sie werden ihn wohl brauchen.— Auch die Pester Hochverräther sind wegen mangelnd:« Thatbestandes von der Anklage auf Hochverrath freigesprochen wor- den, und da das Belastungsmaterial imWcsentlichen genau dasselbe, war wie im Leipziger Hochverrathsprozessc, ist der Pester Richter- spruch zugleich eine juristisch� Verurtheilung der Leipziger Ge- schwornen, wie sie schärfer nicht gedacht werden kann. Ein interessanter Preßprozeß steht in Berlin be- vor. Unsere Leser werden sich des von uns abgedruckten Ar- tikels der„Demokratischen Zeitung" über den Leipziger Hoch- verrathsprozeß erinnern. Wegen dieses Artikels ist gegen den Redakteur der„Demokratischen Zeitung" Anklage erhoben wor- den. Das genannte Blatt schreibt darüber in seiner Nummer von vorigen Samstag:■„Gegen den Redakteur der„Demo- kratischen Zeitung" ist wegen des Leitartikels in Nr. 76,„Der Leipziger Hochverrathsprozeß", Anklage erhoben worden. Der Artikel soll der Wahrheit zuwider behaupten, 1) daß der Leipziger Prozeß wider Bebel, Liebknecht und Genossen ein Tendenzprozeß gewesen sei, 2) daß der Fürst Bismarck die Justiz seiner Politik dienst» bar gemacht habe und die Justiz dem leisesten Winke, der ihr von oben gegeben wird, gehorche, 3) daß ein Staatsanwalt den amtlichen Auftrag erhalten habe, eine Zeitung zu vernichten, daß derselbe in Folge dessen jede Nummer derselbe.: habe mit Beschlag be- legen lassen und für solche Pflichtwidrigkeit zum Appellations-Gerichtsreth befördert sei. Diese unwahren Thacsachen sollen verwerthet worden sein, um nachzuweisen, daß die deutsche Kriminalrechtspflege zum „Dynastischen Schergendienste" entwürdigt sei. Ferner soll in dem Artikel der„sächsische BezirkS-Gerichts- Direktor v. Mücke dadurch beleidigt sein, daß derselbe als ein charakterloser, ehrgeiziger Patron bezeichnet wird, als ein ver- werfiichcr und verächtlicher Mensch, erfüllt von Parteilichkeit und niedrigster Kriecherei." Der Beleidigte hat die Strafverfolgung bean- tragt. Die Anklage lautet: ») erdichtete Thalsachen, wissend, daß sie erdichtet sind, behauptet zu haben, um dadurch eine Staatseinrichtung verächtlich zu machen, b) einen Andern beleidigt zu haben. (Vergehen wider Str.-G.-B. 131, 185, 194, 200, 41. 74 und Preßges. 8 32—34, 50). Wir bemerken, daß keine Voruntersuchung stattgefunden hat und daß der Redakteur nicht nach dem Verfasser des Ar- tikels gefragt worden ist. Die Anklage setzt sich darüber mit folgender Ausführung hinweg:„Der Angeklagte ist der Re- dakteur der Demokratischen Zeitung. Daß derselbe den in» kriminirten Artikel vor der Veröffentlichung des Blattes ge- kannt hat, erhellt aus der hervorragenden Stelle, welche der Aussatz in dem Blatte einnimmt." ES ist dies eine so merk- würdige Ausschließung jeder zweiten Person, ein so gewaltsame« Zuspitzen deS Verfahrens gegen den Redakteur des BlatteS, daß man ganz absonderliche Vorstellungen von der deutschen Justiz erhält. Termin zur mündlichen Verhandlung steht am 10. Mai, Vormittags 10'/, Uhr im Lagerhaus«, Klosterftraße 76, Zimmer 9 an. In Betreff des Leipzig er H ochverrathSprozesse wird der Angeklagte den Beweis der Wahrheit ühren. Eine kritische Beleuchtung deS Prozesses in allen einen Theilen steht somit bevor. Auch auf die Stellung der Justiz zum Reichskanzler dürfte die Verhandlung die interessan» testen Streiflichter werfen." Zu letzterem Absatz bemerken wir(die Redaktion de» „Volksstaat"), daß, falls die Berliner Gerichte den Beweis der Wahrheit verhindern sollten, wir entschlossen sind, den Prozeß nach Leipzig herüberzuspielen. Während der Leipziger Schwurgerichtssitzung vom 25. März reichte Hr. Steiger, designirter Obmann der Geschwornen, mit großemFleißdas l3.Ertrablattdes„VolkSstaat" unter seinen Kollegen herum, nachdem er vorher eine, Liebknecht irrthümlich in den Mund gelegte alberne�Aeußerung(—„wir würden im günstig» ten Moment selbst vor einem Blutbad nicht zurückschrecken") fürsorglich mit Blaustist markirt hatte. Hr. Steiger, der den Verhandlungen stets sehr aufmerksam gefolgt war, was sein Amt als Volontär-Staatsanwalt schon mit sich brachte, wußte genau, daß Liebknecht die betr. Aeußerung nicht gethan hatte — trotzdem ist Hr. Steiger natürlich ein ehrenwerther Mann. Drei Parteigenossen sind bereit, das oben Erzählte eidlich zu erhärten.' Internationale Arbeiter-Assoziation. , 33 Gathborne Place, London W, C., 15. März 1872. Leschlusse des Grneralraths über die Spaltung in der Föderation der vereinigten Staaten, angenommen in seinen Sitzungen von 5. und 12. März 1872. I. Die zwei Föd'eralräthe. Artikel I. In Erwägung, Daß Central-Räthe nur zu dem Zwecke eingesetzt werden, um in jedem Lande der Arbeiterbewegung die Macht der Einheit und Verbindung zu sichern;(Siehe Art. 7 der Generalstatuten.) Daß daher das Bestehen von zwei nebenbuhlerischen Central-Räthen für dieselbe Föderation eine offene Verletzung der Generalstatuten ist; Fordert der Generalrath beide Föderalräthe auf, sich wieder zu vereinigen und als ein und derselbe provisorische Föderal-Rath zu handeln bis zum Zusammentritt eines amerikanischen allgemeinen Kongresses. Artikel II. In Erwägung, Daß die Wirksamkeit des provisorischen Föderal- Raths wesentlich beeinträchtigt würde, wenn er zu viel Mit- glieder enthielte, welche erst ganz kürzlich der Internationalen Arbeiter-Assoziation beigetreten sind; Empfiehlt der Geueralrath, daß solche neugebil- dete, anZahl schwacheSekcionen sich untereinander verbinden zur Ernennung einiger wenigen, gemein- samen Delegaten. II. Allgemeiner Kongreß der Beretvigten-Staaten- Föderation. Artikell. DerGeneralrath empfiehlt dieEinberu- sung eines allgemeinen Kongresses von Abgeordneten der Sektionen und verbündeten Vereine der Vereinigten Staaten zum 1. Juli 1872. Artikel II. Diesem Kongreß gebührt die Er- nennung des Föderal-Raths für die Vereinigten Staaten. Er mag, wenn angemessen, den so ernannten Föderal-Rath ermächtigen, sich durch eine gewisse: beschränkte Zahl von Mit- gliedern zu ergänzen. Artikel III. Derselbe Kongreß hat die alleinige Befugniß, die Nebengesetze und Regeln für die Organisation der Internationalen Arbeiter-Assoziation in den Verewigten Staaten festzustellen, aber solche Nebengesetze und Regeln dürfen Nichts enthalten im Wiederspruch mit den Gcneralstatuten und Regeln der Assoziation(Verwalt.-Regeln V. 1.) III. Sektioue«. Artikel I. In Erwägung, Daß Sektion Nr. 12 zu New-Aork nicht nur einen förmlichen Beschluß gesaßt hat, laut welchem„jede Sektion das unabhängige Vorrecht" besitzt, nach ihrem Belieben„die Verhandlungen.der verschiedenen Kongresse und die General- statuten und Regeln" zu deuten, sondern auch überdies voll- ständig im Einklang mit diesem Grundsatze gehandelt hat, wel- cher, wenn allgemein beobachtet, von der Internationalen Ar- beiter-Assoziation Nichts als den Namen übrig lassen würde; Daß dieselbe Sektion nicht aufgehört hat, die Jnternativnalen.Arbeiter-Assoziation zum Werkzeug und Träger von Zwecken zu machen, die den Zielen und der Aufgabe der In- ternationalen Arbeiter-Assoziation theils fremd, theils entgegen- gesetzt sindp Aus diesen Gründen Betrachtet es der Generalrath als seinePflicht, den Verwaltungs-Beschluß VI. des Basler Kongresses in Kraft zu setzen und Sektioa Nr. 12 zu suspendireu bis zum Zusammentritt des. nächsten allgemeinen Kongresses der Jnter- nationalen Arbeiter-Assoziation, welcher im September 1872 stattfinden wird. ,, Artikel II. In Erwägung, Daß die Internationale Arbeiter-Assoziation laut Generalstatuten ausschließlich aus„Arbeitergesellschaf- ten" bestehen soll(Siehe Artikel 1, 7 und 11 der General- statuten); Daß demgemäß Artikel 9 der Generalstatuten, lautend:„Jedermann, der die Grundsätze der Internationalen Arbeiter-Assoziation anerkennt und vertheidigt, kann Mitglied werden",— obgleich er den thätigen Anhängern der Jnter- nationalen, welche nicht Arbeiter sind, das Recht entweder persönlicher Mitgliedschaft oder der Zulassung zu Arbeitersek- tionen ertheilt,— doch keineswegs zur Bildung von Sektionen berechtigt, welche ausschließlich oder vorzugsweise aus nicht der Arbeiterklasse angehörigcn Mitgliedern bestehen; Daß dieser selben Ursache wegen der Generalrath vor einigen Monaten verhindert war, eine aus Studenten be- stehende slavische Sektion anzuerkennen; Daß laut Gen eralstatuten VI. die Generalstatu- ten und Regeln„den örtlichen Verhältnissen" jedes Landes anzupassen sind; Daß die gesellschaftlichen Zustände der Vereinig- ten Staaten, obgleich in vielen andern Punkten dem Erfolg der Arbeiterbewegung äußerst günstig, ganz besonders das Ein- dringm von Schein-Reformern, bürgerlichen Quacksalbern und politischen Schacherern in die Internationale Arbeitcr-Asso- ziation erleichtern; AuS diesen Gründen Empfiehlt der Generalrath, daß in Zukunft keine neuen amerikanischen Section aufgenommen werden, welche nicht wenigstens zu zweiDritteln aus Lohnarbeitern bestehen. Artikel III. Der Generalrath lenkt die Aufmerk- samkeit der amerikanischen Föderation auf Bc- schluß III 3 der Loirdv�er'Konferenz, mit Bezug auf„scktirerische Sektionen" oder„gesonderte Körper", welche vorgeben,„eigne besondere Sendungen und Aufgaben zu rr- füllen", unterschieden Und getrennt von dem gemeinsamen Ziele der Assoziation, nämlich:„den Mann der Arbeit von der w rth- schaftlichen Unterwerfung unter den Monopolisten(Aneigner) der Arbeitsmittel zu befreien", welche(Unterwerfung)'„der Knechtschaft in jeder Form, allem gesellschaftlichen Elend, der geistigen Erniedrigung und der politischen Abhängigkeit zu Grunde liegt".(Siehe Einleitung der Generalstatuten.) Die Repvblik und die Gegenrevolution. Von Emtle Aeallao. (Fortsetzung) Ja, ich kann es nicht genug wiederholen, das 18. Jahr- oert und sein pietteur en oeuvpe,*' die französische Revolution, wollten den Menschen befreien, wollten die Autonomie der menschlichen Person herstellen: wobei soll diese Befreiung, diese Autonomie andc>s anfangen, als bei dem Gewissen? Hat denn nicht, wer das Gewissen des Menschen besitzt, den ganzen Menschen? Ist nicht, wenn das Gewissen Sklave ist, der ganze Mensch Sklave?„Zuerstmuß Frankreich entchristlicht werden", sagte sehr treffend /Mirabeau— ein zu wenig begriffenes und zu sehr vergessenes Wort. Der Glaube ist in der That von Alters her der Sauerteig aller Tyrannei, der'Schwerpunkt aller Knechtschaft; der Mensch vermehrt durch den Glauben das Defizit(den Mangel an) seines Wissens, und er beugt sein Haupt, weil er vorher seine Vernunft gebeugt hat; aber die Autonomie der menschlichen Person, das ist vie Vernunft, die sich befestigt, das ist der Mensch, der sich aufrichtet; sie ist die Ebbe des Glaubens, sie ist die Welt, welche inv.n-r irefir und mehr dem Wissen erschlossen wird. Und was soll daraus werden, wenn man sich nicht allein nicht entchristlicht, sondern wenn der Staat sich sogar in die Organisirung der Religion hineinmischt? Dann wird der poli- tische Mechanismus vergebens dm Aufschwung der Freiheit be- günstigen; vergcbms wird dann die Regierung dem Namen und der Form nach republikanisch sein; vergebens werdet ihr dann eine Reihenfolge autonomer Körperschaften auf allen Stufen der sozialen Pyramide haben; grade die erste von allen wird euch fehlen, und in eurem politischen Handeln werdet ihr. wo ihr Menschen sucht, nur Automaten**) finden. Also, weit entfernt, über das Ziel, die Idee des 18. Jahrhunderls hinauszugehen, hat die Verfassung von 1793 dasselbe nicht einmal erreicht. Aber ich habe wohl verstanden! Wenn mein Kollege die Verfassung von 1793 von sich weist, thut er's, weil Frank- reich sie von sich gewiesen hat, und, wenn er die Revolution von 1793 verdammt, thut er's wegen ihrer Ausschreitungen. Wir werden weiter unten die Verdammung betrachten; betrachten wir hier den Einwurf. Ich gebe einen Augenblick zu, daß Frankreich in der That die Verfassung von 1793 von sich gewiesen hat; was soll daraus für den Denker folgen, für den mtschiedenen Partei- gänger der entschiedenen Autonomie? Ganz einfach, daß Frank- reich damit Unrecht gethan hat. Aber wie kann dies das Ur- theil über den vernunftgemäßen, ja selbst über den praktischen Werth der Verfassung von 1793 beeinflussen? Die Völker, wahrlich, täuschen sich wie die Individuen. Aber ich halte mein Zugeständniß nicht aufrecht; ich ziehe es vollständig zurück. Weiß man, was Herr Professor Dameth unter Frankreich hier versteht? Für die Verfassung von 1793: Barras, Tallien und ihre Speichellecker; Für die Verfassung von 1795(vom 5. Fruktidor des Jahres III), welche 5 Jahre bestand, den Brumaire-Helden***) und seine Prätorianer. Für die Verfassung von 1848 den Dezemberräuber und seine Bande. In der That, mein Kollege mißbraucht die Metapher, und, wie schuldig Frankreich auch sein mag, daß es(ich solchen Elm- den als Beute überliefert hat, welche Schuld es auch haben mag am Gelingen des 9. Thermidor, des 18. Brumaire und bes 2. Dezember, f)— nein, Frankreich als Ganzes verdient nicht die Beleidigung, mit seinen Mördern und Verderbern identifizirt zu werden.— Ilm e� kurz zusammenzufassen: ich habe behauptet: Daß nicht die Verfassung von 1791, sondern die von 1793 den Ideen von 1789 am nächsten gekommen ist; Daß sodann letztere Verfassung, weit davon entfernt war, das Maß der nach dem Jahre 1789 uöthigen Forderungen zu überschreiten; Endlich, daß Jeder, der in der Theorie die Berechtigung der Revolution von 1789 anerkennt, gezwungen ist, wenn er nicht in einen unlöslichen Widerspruch verfallen will, die Be- rechtiguug der Revolution von 1792 anzuerkennen.— Wir wollen uns nun an die Frage betreffs der Ausschrei- tungen machen und sehen, wer vor dem Richterstuhl des mensch- lichen Gewissms die Verantwortlichkeit für dieselben zu tra- gen hat. IL „Daß seit 1789 die Provokation(Herausforderung) von der Gegenrevolution auSge- gangen ist, und daß die Gegenrevolution ei ist, welche Frankreich feit drei Viertel- jahrhunderten zu Grunde richtet." Wir haben einen ungeheuren Schrill gemacht; wir haben gesehen, daß die Revolution von 1792 durchaus die nothwen- dige(und übrigens vortreffliche) Folge der Revolution von 1789 war; wir wissen hiernach ferner, daß alles, was der Idee von 1792 ein Hinderniß entgegengestellt, Gegenrevolution ist und somit Verstoß gegen das Recht. Aber, sagt Herr Dameth, klagt dieser Gegenrevolution die Agitationen des revolutionären Geistes an, oder vielmehr prüfet, ob keine Verwandtschaft zwischen diesen Agitationen und der Gegenrevolution besteht; prüfet insbesondere, ob keine solche besteht zwischen den Ausschreitungen von 1793 und dem Attentat des 18. Brumaire. Ich werde die Untersuchung nicht anstellen, welche mein Kollege von mir fordert, aber ich werde eine weit umfassendere anstellen; ich gedenke zu beweisen, daß seit 1789 der Geist der Gegenrevolution nicht ausgehört hat, nicht nur alle Verfassuu- gen, alle Reformen, die aus der Idee des 18. Jahrhunderls hervorgingen, zu zertrümmern, sondern auch— wer sollte es glauben?— alle Verfassungen, welche er selber direkt ins Le- ben gerufen, aber niemals nach seinem Geschmacke reaktionär genug gefunden hat; ich gedenke zu beweisen, daß das Verbrechen •) seine Willensvollstreckerin. *•) Mechanisch selbslarbeitende Maschinen. •♦•) Napoleon, dessin Staatsstreich das Datum deS 18. Bru- maire trägt. -f) Am 9. Thermidor 1794 ließ Robespierre sich von der reaklw- när gewordenen Konvents-Majorilät stürzen,— am 18 Brumaire 1799 Staatsstreich des„großen", am 2. Dez. 1851 des„kleinen" Napoleon. der Gegmrevolution die Schreckensperiode von 1793 erzeugt hat; ich gedenke zu zeigen, daß, wenn seit drei Viertel-Jahr- Hunderten die Revolution sich der Gewalt bedimt, sie es thut, weil sie nur die Wahl hat, der Gewalt Gewalt mtgegdnzusetzen oder zu unterliegen. Ahtr im Begriff, diesen Beweis zu führen, frage ich mich, ob er in der Dhai noch nölhig ist, ob er nicht für jeden er- leuchteten und wahrheitsliebenden Geist in der That schon voll- ständig geführt ist. Um was handelt es sich denn in Wirklichkeit? Um einen unbestimMteu.aduNke�Punkt? Nein, um die Konstatirung einer Thatsache, welche sich auf jeder Seite, in jeder Zeile der poli- tischen Geschichte Frankreichs seit 1789> wiederfindet, um eine unwiderlegliä e, eine offenbare Thalsache— offenbar wie je eine: es handelt sich darum, zu wissen, daß das alte Re- gime*) sich nicht bescheiden wollte, zur nothwendiqen Stunde zu sterben, und daß die Bourgeoisie, einmal zur Herrschaft gelangt, Alles, was sie konnte, von ihm beibehalten hat Zunächst ist anzuerkennen, daß es einen Augenblick gab, — einen ein, igen erhabenen, dach einen zu kurzen— wo Frankreich wie ein Herz zu schlagen, und nur einen Gedanken zu haben schien; das war die Nacht vom 4. August, die Nacht, in welcher der Landfeudalismus zerstört wurde.' Aber kaum ist dies Opfer für Wenige— ein ansehnliches Opfer— die Rückkehr zur Gerechligkeit für Alle vollbracht, da tritt die Gegenrevolution ins Feld. Soll ich an jene schändlichen Soldschreibcr erinnern, welche mit Bezug auf den 4. August ausriefen, man habe mehreren Tausend Familien ihr legitimes Erbe entrissen? Soll ich an Ludwig XVI. erinnern, der gegen die Beschlüsse des 4. August Protest erhob und sich weigerte, die Vernichtung einer hundertjährigen, untilgbaren Ungerechtigkeit zu sanktioniren? Und doch sind wir nur am Anfang, und seit September 1789 sprechen die Royalisten offen davon, das alte Regime wieder einzuführen, zu den 3 Ständen zurückzukehren, die Re- volution in Blut zu ertränken, den Degen zu ziehen gegen die „Kanaille"! Ja! die Gegenrevolution hat ihr Betragen und ihre Sprache nicht verändert: seil sie epistirt, ist sie stets dieselbe; sie beschimpft oder sie tödtet, und, um sie an ihren Zügen zu erkennen, blickt neben euch! Doch fahren wir fort! Im September 1789 also war von nichts Geringerem die Rede als davon, die Revolution in ihrer Wiege zu er- drosseln; und gleichwohl! welches Vertrauen seitens der Volks- müssen, welche Verblendung! Sie sterben vor Hunger und bilden sich ein, daß der König es nicht weiß:„Ach, wenn er es wüßte! Er ist gut, aber die vom Hofe hintergehen ihn. Ach, wenn er unser Elend sähe!!!" Ich übergehe fast ein Jahr, ich übergehe alle Verläum- düngen, welche verbreitet, alle Fäden zum Bürgerkrieg, welche durch die Gegenrevolution bereits gesponnen und aufgezogen waren. Wir sind im Juli 1790, kurz nach dem Feste der Föderalion, dieser großartigen, großherzigen Bewegung, welche die Nation zum zweiten Male in eine einzige Seele zusammengeschmolzen zu haben scheint, aber was verbirgt sich unter diesem Scheine! Kaum hat Ludwig XVI. feierlich geschworen, die neue Ord- nung, das beginnende Recht ausrecht zu erhalten, da ruft die Gegenrevolution Preußen und Oesterreich zu Hilfe, da reizt sie sie auf, die Revolution auf dem Boden deS Vaterlandes zu zerschmettern, und Ludwig XVI. steht aus Seiten der Gegen- revolution, Ludwig XVI. ersinnt die Flucht nach Varennes, Ludwig X VI. will Frankreich dem Fremden- und dem Bürger- krieg preiszugeben! Erhebet nun eure Stimme gegen die„Verbrechen" von 1792 und 1793, ihr Thoren, ihr Schamlosen! Wenn in diesen Heldenzeiten Verbrechen begangen wurden— wer hat sie weiter verursacht, als ihr, ihr ewig Herausfordernden? Auf wen fällt das Blut zurück, das für die Sache deS RechtS vergossen wurde, seit die Welt steht? Ihr möchtet uns glauben machen, auf das Haupt der Unterdrückten— ihr kindisch« Thoren! Aber seid ihr so verdorbenen Geistes, daß ihr an eure Worte glaubt, daß ihr euch einredet, die Masse der Enterbten sei der Henker und ihr, die Glücklichen dieser Welt, die Schlacht- opfer? Ja, wenn am einem Tage der Vergeltung sie sich ganz erhöbe, die unwiderstehliche Phalanx, wenn sie sich erhöbe und euch zerschmetterte,— dann beklagt euch nicht, ihr habt es wohl verdient!— Kommen wir zu Bonaparte; er hat den Brumaire ge- macht; der Brumaire ist eine That der Gegenrevolution, denke ich; aber Bonaparte war ein so„bewunderungswürdiger Organisator!" Wer wiederholt dies? Ist es eine gewöhnliche Intelligenz, ein Mensch, der sich in der Menge verliert?'Nein,„es ist ein aufgeklärter, ein akademischer Geist." Sehen wir nun, was Bonaparte organisirt hat. Für 14 Jahre hat dieser Mensch die antike Gewaltherr- schast wieder eingeführt, 14 Jahre lang hat er alle Rechtsbe- griffe, alle Ideen von Gerechtigkeit, von der Solidarität der Völker mit Füßen getreten! Und während derselben 14 Jahre hat derselbe Mensch in einer Nation unter eisernem Joche alle Würde des Charakters erstickt, alle Männlichkeit des Herzens, alle Tugend der Seele. Er, der unsinnige Verwirrer der Welt, er, der fleischgewordene Geist der Gegenrevolution, er der große Verderbe? des menschlichen Gewissens, er hat unser Frankreich getödtet. O, verflucht sei er bis zur Volleudunz der Jahr- hunderte! Aber die Reaktion Bonaparte's hat dennoch zwei Stufen, das Konsulat und das Kaiserreich. Und wer hat denn das Kaiserreich geschaffen, nachdem er das das Konsulat geschaffen? Die Logik der Thalsachen, werdet ihr sagen; ich sage es mit euch; aber worin anders bestehen die Thatsachen, als in der Gegenrevolution, die, nicht zu besänftigen, den Abgrund auf- znwühlen fortfährt?(Fortsetzung folgt.) Urtheile der Presse über den Leipziger Hochverrath»- Prozejj. (Fortietzung.) Ter national-liberale Londoner„Herrmann" schreibt in seiner Nummer vom 29. April,(„Berliner Correspondeoz"): *) ancien regime, das alte vorrevolutionäre Regiemugssystem „Das Resultat des, lang und mit vielem Aplomb ausze- fiiyrlen Prozesses wegen' Porbereitung zum Hochverrath gegen Betel, L'ebknecht und Hepner hat hier nicht nur Staunen, sondern gradezu Mißbilligung erregt. Di se Berurtheilung, welche, da Richter nichts Schuldiges fanden, Geschworne vollstreckten, und die n'cht gegen Thaten, sondern gegen das Prinzip der Ten- denz gerichect ist, hat der Sache eine Wichligkcit gegeben, welche ste vorher nicht halte und auch nicht verdient. Dieser ganze Prozeß, hat weit mehr geschadet als genützt, denn er hat nur dazu beigetragen, das Ansehen der Justiz zu schmälern, und verleihe den Verurtheilten eine gewiß nicht uncrinänschte Ge- legenheit, sich a.s Märtyrer einer Idee hinzust.llen." Der„Herrmann" ist bekanntlich unter dem direktesten Ein- fluß des Preußischen Pressbureaus, was die obigen Auslastungen doppelt interestant macht. Man ist in den maßgebenden Kreisen der Reichshauplsiadt zwar sehr sroh, daß die Sächsischen'Behör- dm den empfangenen Befehl so gut ausgeführt haben, aber man ist eben so sroh, daß die Sächsische Justiz und damit das ganze offizielle Sachsen sich so schwer kompromittirr hat.„In Preußen wäre ein solcher Prozeß nicht möglich gewesen"— bemerkte neulich ein hochgestellter, für Bismarcks Mission schwärmender Preußischer Beamter— und das Preßbürcau varint unter der Hand diese Melodie, Wie gefällt Euch der Dank vom Haus � Hohenzollrrn, Ihr Sächsischen Herren Staatsretter? (Fortset-ung folgt.) Bourgeoisrepublikauismus und kleinbürgerlicher Hatbsozialismus. Gambetta's Stern ist— menschlicher Berechnung nach — in Frankreich im Erlöschen. Wenn irgend etwas geeignet war, den beliebten Redner und energischen Dictator bei den Arbeitern vollends und bei den einsichtsvollen Elementen des liberalen Bürgerthums theil- weise um seinen Credit zu bringen, so war es die Rede, die er neulich in Havre hielt und in der er— als er auf sei- nem alten Steckenpferd:„Nur obligatorischer Schulunterricht, gepaart mit kriegerischer Tüchtigkeit, kann das Vaterland retten!" den gewohnten Paradetanz herumritt— einen salto mortale auf die soziale Frage versuchte.„Glaubt mir"— sagte er —„es giebt kein soziales Heilmittel, denn es giebt keine so zi a l eFr a ge!"— Und diese fixe Idee wird auch seit dieser Zeit von Gambetta's Organ/ der„Repmdliczue fran�aise", beharrlich vertreten, gegenüber dein„Uadieal",„Kappel",„Cor- saire" und andern radialen Blättern, welche sich die ehrlichste Mühe geben, Gambetta auf richtigere Bahnen zu lenken. Auch Louis Blanc— der sich jetzt die Zeit damit vertreibt, statt (wie ehemals) gute Bücher, schlechte Briefe zu schreiben,(mit- unter sogar an obskure Blätter und lächerliche Persönlichkeiten) � polemisirt gegen Gambetta in zwei Schreiben, giebt aber dadurch den Sozialisien die Gelegenheit, ihn daran zu erinnern, daß er, der die soziale Frage theoretisch verthcidigt, vor einem Jahre— als die Pariser Commune sie theilweise zu lösen ver- suchte— sich feige zurückgezogen hat. Der„Raoical"— der in einem längeren, von Aoes Guyot verfaßten Artikel' diese wunde Stelle in Louis Blancs Leben berührt— unterläßt zwar zu bemerken, daß hauptsächlich der atheistische und kosmopo- l i t i s ch e Charakter der Cmomunebewegung es war, welcher Louis Blanc so viel Grauen vor der Pariser Revolution einflößte, immerhin aber verdienen einige Stellen dieses Artikels— der übrigens das Blanc'sche System theilweise nur negativ kritisirt und von Jrrlhümern oder mindestens Ungenauigkeiten nicht frei ist— hier wiedergegeben zu werden. Es heißt da: „Am tnide seines Briefs käßtzLouis Blanc das schwierige Terrain aus das er sich gestellt hatte, links liegen, spricht von den Nothzustanden des Proletariats— als ob seine Gegner sie geleugnet hätten— und erklärt dann: Die Republik ist nicht daS Fiel, der Zweck, sondern das Mittel. Gewiß, wir glauben, daß eine Regierunzsform niemals ein Zweck ist;«in« Regierimgssorm ist in Wirtlichkeit nur die OrgvnisaNon der Verwaltung gewisser öst-ntlicher Interessen; wie die Uhrfeder nicht ein Zweck, sondern ein Mittel; aber für den Arbeiter, der die Uhrfeder macht, ist dieselbe ein Zweck. Sagen wir also, daß die Republik, so lange sie noch nicht fertig ist, einen Zweck vorstellt, aber von dem Tage an, wo sie fertig ist, ein Mittel wird, ein Mittel wie jede Regierungssorm, die für Die existirt, welche sie erhalten. Eine Regierung ist immer ein Mittel, ein persönliches oder Gesammt-Millel; Crstercs ist in der Monarchie, Letzteres in der Republik der Fall. Wir würden diese Frage, welche in der Blanc'schen Redeweise nur eine Spitzfindigkeil zu scin scheint, bei Seite gelassen haben, wenn sie nicht im Grunde mit seinen beständigeu Vorurtheilen eng zusam- Men hinge. Indem LouiS Blanc diese Frage auswirst, zeigt er, daß er immer "och der Utopist') von 1640 ist; nur war er damals reiner Utopist, heuie ist seine Utopie mit verschiedenen philosophischen Systemen ver- mischt; das Eine ist gerade so viel werth wie das Andere. Ja, er ist ein Utopist, weit er glaubt, daß die verwickelten Beziehungen der Dinge in einfache Forme:» geschlossen werden können. Er wendet auf die Eozialwissenschaft die sudj ktioe Methode au: er stellt einen apriocistischtn Etundjätze auf und leuei daraus ab, ohne zu bedenken, daß das Erste, was bewiesen werden muß, die Richtigkeit eines Ausgangspunktes ist. LouiS Blanc ist in dieser Beziehung Priester; er glaubt an das sozial« Wunder; er glaubt an das politische Piieslerthum. Er ist aus der Schule Rousseau'«,— Jen« Schule, welche an Stelle der Monarchie von Gottes Gnaden eine soziale Tyeokraiie tPriesterherrschast) setzt. Er trenm die Gesellschaft in zwei Klassen: das Voll, welches immer das Schlechie will, und dann— über ihm und außelhalb derselben— eine Kaiegorie von Spezialmenschen, welche, erleuchtet durch die Liebe zum öffenillchen Woht, bestilymuugsmäßig(katalemeut) das Gmc thun will und«z beslimmungsmäßig thut, weil sie will. Wenn atso Louis Blanc erklärt, daß die Republik kein Zweck. sind«,» ein Mittel sei, so v«stehr er nicht wie wir darunter, daß die Republik ein Mittel ist, die Kräfte des Individuums zu vergrößern, indem sie alle Hindernisse, welche die Monarchie bestimmungsgemäß hier vorsetzt,»nleidlückt; sondern er versieht im Gegentheil darunter: weun er die Macht hat. da« Jndividutlm ergreifen, es seinem Willen unterwen'en, in jein aprioristijches fvon vorn herein sertlges, jchaolonen- Wvstem einschließen; und aus dieser ütegrerung macht er einen nllgemcmen Motyr(Beweggrund, Triebrad), welcher in seiner Thatigleu °°s Individuum aushebi.�).... Louis Blanc hat indeß gesehen/; daß sich dieses System nicht smmer ganz halte» läßt: 1840 hatte er es aufgesteM; lB48 war er Miiglied der plovisorischen Regierung. Was Hai er gelhan'k Welche neue Idee hat er erzengt? Er ist bei seinem Buch über„die Orga- nisanou der Arbeit" stehen geblieben. Was uns betiifjt, die junge Gennation, die wir in der Schule des Empire ausgezogen sind, und gezwungen waren, uns in dem Schweig«», zu dem ans der Despotismus verdammte, zu concentriren und zu sammeln, so studiren wir die Urjachi» unserer Leiden, an- statt über sie zu seufzen, jener idealistische uad senitmentale Sozialismus genügt, uns Nicht. Wlr müsse« etwas Wirkliches, Positives haben Der Arzt kann den Kra»ken dellagen— das verwehren wir ihm nicht — aber die Jcremiade» heilen ihn nicht. *) Utopien: Ein Ort, der nicht existirt; Utopie:(übertragen) Hirn- gespinnst; Utopist: Wer Hirngespitwsten, Tranu.wen und Schwär- Wweun„achgeht. � Woblau, wir haben das Recht, Herrn Louis Blanc zu sagen: Am 3. F?bluar 0871) wurden Sie von 216,000 Ctimmen mit oem Mandat des Abgeordneten betraut; länger als ein Jahr sitzen Sie in der National- Versammlung,— was hoben Sie während dieser Zeit gethan? Es find seitdem viele soziale Fragen aufgestellt worden, — es gab sogar eine soziale Revolution. Wohlan! Weichen Antheil haben Sie, Priester der sozialen Frage, daran genommen? Ihre Wädler haben Jhüen das prächtigste Instrument für ösfentliche Wirk- samkeit, das nur ans der Welt vorhanden ist, gegeben: die französische Tribüne;— Sie haben nur Ein Mal zweckmäßig gesprochen,— a s Sie behaupteten, daß die Republik über dem allgemeinen Slimmrecht siebt. Aber dann? Außer dieser Rede? Haben Sie gespi ochen zurZcit.da Sieals Vertreter der Pariser Majorität diePflicht dazuhalten? Haben Sie von der Tribüne herab gesprochen, waS Ihr Gewissen— nickn bloß das Gewissen eines Republikaners, sondern das Mitleid eines Menschen— Ihnen zu reden befahl? Nein, Sie sind still gewesen, in Schweigen verschlossen.— Es gab eine soziale Revolution, welche einige Anhänger Ihrer Prinzipien zu Theilnehmern hatte. Man cisuchte Sie, diese be aus eigener Anschauung zu beui theilen,(devenirlajugerparvous-meme) nach Paris zu kommen, mit einem Geleiibrief versehen,— nicht wadr? Sic antworteien mit dem denkwürdigen Wort: Nein, ich fürchte, meinen Einfluß auf die Nationalversammlung zu verlieren. Sie sind in der Nationalversammlung; Sie sind ein Gesetzgeber; nach Ihrer Ansicht giebt es eine sosiale Frage: Welchen Theil dieser sozialen Frage haben Sie behandelt? Haben Sie auch nur die kleinste Reform gefordert? Nein, Sie haben sich in Ihre Weisheit gehüllt. Ehemals formulirten Sie wenigstens Ihre Träumereien; jetzt sireisen Sie nur an der Oberfläche vorbei. Ehemals hatten Sie den Muth Ihrer Utopieen, jetzt haben Sie Furcht davor.„ Fort, in die Rumpelkammer der Geschichte, mit diesen alten Herrgöttern! Ter Hochverrathprozctz gegen die Pester Sozial- Demokraten. (Forisctznng und Schluß.) Die Verhandlungen, welche sich durch eine ganze Woche hindurch schleppten, bieten um so weniger Jnteressanies, als das Material vom Leipziger, Braunschweiger und Wiener Hochoerralhspwzeß her zum Uebcrdrnß bekannt ist, und als sie, abgcschen von der Vorlesung von Aklenstncken und Briefen, fast b:os in der Vorlesung der Untersuchungs- Protokolle nno schriftlichen Anklagen und Vertheidigungcn bcstehen, so daß das dramatische reden, das sonst politischen Prozessen eigen ist, hier fast vollständig abgeht. Daß auchnichtdieSpnreinesBeweises für den angeblich geplanten Hochverrath beigebracht wurde, brauchen wir unseren Lesern nicht besonders zu sagen. Die Pester„Hcchvcrräther" waren eben genau so schuldigoder unschuldig wie die Leipziger, die Braun- schweigcr und die Wiener„Hochverräther"; de in Gerichtshof wurde dies auch, trotz der in Ungarn noch herrschenden anlediluvianischen Rechksbegrifse, so ilar, daß er am 1. Mai über sämmiliche Angeklagte, mit Aus- nähme des wegen„unehrerbietigcr" Aeußeiungen über den Kaiser zu ümonallichem Gefängniß verurtheilten Pollitzer das Nichtschuldig aussprach. Das Uriheil— ein gar kuriojisD.kument lautet— wörtlich: „Im Namen Sr. Majestät des Königs I Der Pester l. Gerichtshof hat im Sirassalle der des Hochverrathes (crimen notae infulelitatis) angeklagten Sigmund Pollitzer, Bittot Külföldi, Kail Farkas, Anton Jhrlinger, Ludwig Svoboda und Andreas Cssl, gegen welche der Antrag auf Versetzung in den Anklagestand eingebracht wurde,— sowie im'Strossalle der gleichfalls in strafgerichlliche Untersuchung gezogenen und auch deternirt gewesenen: Albert Schässler, Karl Rauchmäul, G. Rauch, I. Szopko, I. Holländer, H. Führer, L. Kral, S. Heckmann, I. Mali, I. Kaczander, I. Bccsey, R. Körblcr, Karl Kovaes, F. Techter, St. Lukacs, I. Horvalh, Karl Fürtinger, L. Stern, A. Gilter, I. Schuller und Ferd. Kutscherau«, — und zufolge gerichtlichen Beschlusses mit diesem Strassalle gleich- zeitig verhandelte», mit demselben veibundenen Sirafprozesie des vom Pester k. Oberstaatsanwälte als össelitlichem Ankläger besonders des Verbrechens der Jnfidelität angeklagten und durch den Advokaren Dr. Ferdinand Frizdinann oenbeidigten Sigmund F. Pollitzer und nach der vom 22. bis 29. April öffentlich geführten Schlußverhandlung folgendes Uriheil gefällt: Sigmund Pollitzer, Victor Kulföldi, Karl Farkas, Anton Jhrlinger, Ludwig Svoboda und Andreas Essl werden von der ihnen anhängig gemachten Anklage auf Jnfidelität, welch letztere sie durch ein gegen die Staaisordnung gerichtetes"angebliches Alteniat verübt haben sollen, wegen mangelnden Thatbestandes dieses Verbrechens freigesprochen. Desgleichen wird gegen die infolg« dieser Anklage gleichfalls in Boruntersuchung gezogenen übrigen Obbenannten(folgen die Namen derselben) das fernere Stafverfahren eingestellt. Hingegen wird Sigmund Pollitzer aus Klcin-Czcll gebürtig, 20 Jahre alt, israelitischer Consession, unvcrehelicht, Privatlclner, des gegen ihn als Anklage hervorgehobeiien und durch eine gegen die königliche Majestät gerichtete strasdare Handlung verübten Perbrechens der Jnsidelrtät schuldig befunden und hierfür, mit Einrechnnng der vom 13. Juni v. I. bis 29. April l. I. ansgestandeneii Unier- suchungshast als Strafe, überdies zu, vom Jnlrafttreten dieses Urlheiles zu rechneiiden sechsmouatlichem Kerker und zur Bezahlung der bereits verbrauchlen und noch zu verbrauchenden AlimematumSkosten verurtheilt."_____ Tie Agitation in der tkansitz hat begonnen. Nachdem bereits vielfache Wünsche wegen Vortragen und Ver- sammlung nach Dresden gelangt, irascn Otto-Walster und Eckstein in Bautzen, der alten Hauptstadt der Oberlausitz, ein, um, so zu sagen, den Slier bei den Hörnern zu fassen. Eine zahlreiche Menschenmenge, zusammengesetzt aus allen Eieiirenten der dortige» Vevölterung, zu den sich auch Landleute der Umgegend, Einwohner von Bischosswcrda u. s. w. gesellt halten, harrte ihrer im Saale des Gasthauses„Zur Linde". Die Nachricht von der bevorstehenden Ankunft dnser Gäste haue aber auch die dortigen Mitglieder des AU- gemeinen Deutschen Arbeitervereins aufgescheucht, weiche seit Jahren in Bautzen eine Art Stilleben jähren, ohne in soziai-demokratischcr Propaganda eiwas zu leisten. Jetzt aber, wo eine andere Fraction der Soziat-Demokralie die Principicn zu verbreiten unleraa)M, hielten sie es für außerordentlich wichtig, aus ihrer Passivität herauszutreten. Schon am Sonnabend hatten sie m ihrer Miigtiederver sammlung die nöthigen Manöver bcraihen, und sie verleugneten auch bei dieser Gelegen- helt ihre Herkunst nicht, machten ihrer ivohleinsiudirten, strammen Or- ganisalion durchaus leine Schande. Sobald die Frage nach dem Vorsitzenden auigeworsen worden, erscholl der Name ihres Bevoll- mächligten Stirius wie aus einem Munde, unb wenn das Resultat eines Kampfes von den äußeren Decoraiionen abhängt, so konnten auch die Bautzncr Mitglieder einen ihrer„großen wiege" oerzeichnen, denn das Bureau wurde ohne Widerspruch von Leuien aus ihr« Milte gewählt. Damit waren sie aber auch auf dem Höhepunkte dessen, was sie zu leisten vermochten, angelangt; was weiter von ihnen vollsührt wurde, genügte beinahe allein schon, ihnen die Gemächer der Versammlung zu eiiisrcnlden. Zunächst hielt es der Volsitzeiide, ehe er das Resiral beginnen ließ, für passend, zu ei klären, daß der Referent(Walster) nicht zu ihrer Pari« gehöre und fügte daran eine Präventiö-Vermahliilng, sich von allen Persönlich- leiten srei zu hallen, sowie von gehässigen Angriffen. Wal» er ver- fehlte denn auch nicht, bevor er sein Referat begann, diese Anmaßung gehörig zu rügen, indem er zugleich erllarle, daß er überhaupt per- chliilchen Gehüssigkeilen in pr iiicipiellen Käinpsen abgeneigt sei, gegen- ivärltg dazu aber auch gar keine Veranlassung habe, bedauerte zu- gleich, daß die Bautzncr Lasjalleaner sich au außerhalb der großen sozial-demokratischcn Partei, der er, Rcsereut, angehöre, stehend be- trachlcten. Zum ersten Punll oer Tagesoidnung übergehend, characierisirte Walster die berühmtesten vorausgegangenei, rellgiö>en und politische,» Tendcnzprocesje, verweilte insbesondere bei den gegen Lajsalle ange- strengten Processen, bei welchen, wie Redner nachwies, der Angeklagte *) Soweit stimmen wir mit dem Verfasser überein; nämlich, daß der Sozialismus nicht das Individuum aufhebe» darf; wenn aber der Versaffer weiter sich auch gegen die Regel ng der Produktion durch den Slaar erklärt, so möchten wir wissen, wie denn anders er sich dl« so- ziale Frage gelöst denkt. Red. d. V. zum furchtbaren Ankläger gegen den heutigen Staat und die heuttge Gesellschaft wurde. Die rechtsgelehrtcn und von der Regierung abhängigen Richter in Berlin konnten sich nicht enischließen. ein„Schuldig" über den großen socialistischen Reformator auszusprechen, um so mehr durfte man hoffen und erwarten, daß unabhängige Geschworene Bebel und Liebknecht in diesem Teiidenzprocesse freisprechen würden. Daß dies nun nicht geschehen, liege in der Verfassung unserer Geschworenengerichte, die es bewerkstelligt habe, daß eine Partei über die andere zu Gericht saß, dieß liege in der ganzen Art und Weise, wie der Prozeß in Seen« gesetzt worden. Nachdem der Referent noch den Eharakter der Hand- tilngen, welche Bebel und Liebknecht begangen haben, erörtert und die Ziele der Soziat-Demokralie gelennzeichnet, schloß er seinen, von wiederholieni lebhastesten Beifall begleiteten Bortrag. Hieraus«hob sich Herr Kießling vom Allgemeinen Deutschen Arbeiler-Berein in Bautzen und gab das traurige Bild, wie sehr der Menschenaeist ver- knöchert und wie sehr eine nicht zu verkennende Begabung verkümmert, wenn der Mensch sich ewig in einem engen C rkelianz des Denken? und Anschauens eingeschlossen hält. Das Ganze war ein Wirrwarr von willkühriich diircheinanrer geworfenen Sätzen ans den verschiedenen Schriften Lassa lle's, ohne Ordnung und System, gewürzt mir einer Aniabl Aussäll' gegen die Ketzer von Eisenach, die derVolsitzende, der unnölhiger Weise vorher vor Persönlichkeiien gewarnt hatte, mit ficht- lichem Behagen hingehen ließ. Ja, dieser Mann versehlrc nicht, als der die Versammliing überwachende Ttadtrmh Herklotz da« fortwährende Abweichen von der Tagesordnung rügte, zu bemerken, der Referent sei auch von der Tagesoidnung abgewichen, blieb aber die Antwort schuldig, als Walster ihn ansjörderrc, seine Behauptung zu beweisen. Dies Alles aber hielt einen späteren Redner, Herrn Stamm, nicht ab, spöttelnd den Ausdruck:„Ehrliche" zu gebrauchen. Da der Saal nur bis 7 Uhr zu Gebote stand, und bis zum Schluß nur no.y 8/4 Slunde etwa übrig blieb, so holten die Herren vom Bureau die Genehmigung der Versammlung ein, statt der früher von ihnel, vor- geschlagenen einstüiidlgen Redezeit, nur noch 10 Minuten lang sprechen ru lasse», denn es hatten sich inzwischen Eckstein und Simon zum Warle gemeldet. Da die Versammlung gegen'/,4 Uhr eröffnet und nur bis 7 Uhr Zeit war, so konnten sich'S auch die Herren an den fünf Fingern abzählen, daß die Zeit bei einstiudiger Redezeil für Jeden nicht ausreichen würde, auch schienen sie von der parlamen- '.arischer Silte keine Ahnung zn haben, die dem Referenten, als dem Tarlegcr des ganzen Verhandlungsstoffes, eine ausnahmsweise Rede- fiist zugesteht. Die Bürger Eckstein und Simon verfehlten denn auch nicht, die Ungerechtigkeiten des Vorsitzen, sowie die ungehörigen Ausfälle der Heric» Kießling und Stamm g hörig heimiuleuchlen; auch Bürger Schlenker ließ sich trotz wiedelholier, nicht eben besonders lacivoller Unteibrechnng seitens der Herren„Lassalleaner" keineswegs abhallen, gcwiffe Unqchöiigkeilen, wie z. L., daß von den Mitgliedecn d 8 Lassalle' scheu Vereins solche Arbeiter, weiche im Arbeitsrock bei Versammlungen erscheillen wollten, gewaltsam hinausgemaßregelt worden seien, entschieden zu rügen. Als es sich nun endlich darum handelte, daß Walfler das Referat über de» 2. Punkt der Tages- ordnung:„Siaatshilfe und Selbsthilfe" beginnen und in zehn Mliimm erfchövfen sollte, erklärte derselbe, daß dießer Gegenstand zu wichtig sei, um binnen zehn Minuien genügend von ihm dargelegt zu werden. Der Vorsitzende erklärte zwar, daß er diese Ansicht auch theile, da aber die Zeit so kniz sei, so könne nicht mehr Zeil gewährt werden, und wenn der angekündigte Referent ablehne, so wüide Herr Kießling das Referat übel nehmen. Walster erklärte hierauf, daß es ihn sehr freuen würde, einen Anderen das aussühreu zu sehen, was ihlii un- möglich erscheine und behielt sich daS Wort in zweiter Linie vor. Herr Kießling begann nnter großer Spannung des Publikums, ging aber, ohne die erwarteten Ausführungen zu leisten, sosori wieder auf Ausfälle geg-n Bebel und Liebknecht, gegen den„Volksstaal" und die Eisenacher Sozial-Dcmokraten über und schloß damit. Walster constaiirie, daß der Redner weder Staats- noch Selbsthilse erläutert, ja nicht einmal seinen Standpunkt darüber klar gelegt habe, und wieS nun wenigstens die Unzulänglichkeiten und Unmöglichkeilen der Schulze- Delitz'schen Selbsthilfelheorie nach. Eckstein und Simon widerlegten daraus nochs einmal kurz und bündig die Ausfälle und Ans uidigimgen der gegnerischen Redner, was jedoch Herrn Stamm nicht abhielt, zum Schluß noch einmal und zwar beinahe in ehrenrührigerjWeise.lcS- zulegen. Da aber riß auch die Geduld der bisher in stlllschweigender Beobachtung verbliebenen V>rsammlung, und Herr Stamm wurde durch stürmische Zurufe gezwungen, seine Worte zurückzunehmen. Das Vorgehen dieser Herren halte sie in den Augen der Versammlung selbst gerichtet, und ihr Hoch auf den Allgemeinen Deutschen Ärbeiter-Vereill, sowie das Anstimmen der Audorf'schen Marse.llaise konnte die moralisch« Niederlage, die sie sich lediglich und ganz ohne Noth zugezogen, nicht wehr veriuschen. In einer Versammlung bereiis principiensester und onentirter Arbeiter hätten wir nat lrliöh gleich von Ansang an die Manöver dieser Herren in gehöriger Weise gewürdigt, aber es waren so Viele von Nahe und Fern gekommen, um etwas Anderes zn hören und zu lernen, als persönliche Streitereien, und denen mußte man enva« Anderes bieten, als das traurige Bild eines gehälsige» Kampfes von Arbeitern gegen Arbeiter. Unseren Zweck haben wir trotzdem in gewünschter Werse vollkommen erreicht.(Dresdener Botlsbote.) Berit», den s2. Mai. Sruhlarbeiter- Versammlung. Vergangenen Dienstag Abend faird im Apollo-Saale am Kü striner Platz eine von mindestens 1500 Personen besuchte ösfentliche Ver- sammlung der Sluhlarbeiter statt, zu welch« auch sehr viele Klein- Meister erschienen waren. Der ReichSlagsabgrordnele Bebel, mit lebhaftem Beisall von der Versammlung begrüßt, hielt einen ca. 2'/,- stündigen Vortrag über:„Die Stellung der Kleingewerbetreibenden zur sozialen Frage", den wir in gedrängtem Auszug? miudcilen:„Im Mittelalter, wo aller Handel und Verkehr fast lediglich aus das In- iaud sich b. schränkte, genügte die kleinbürgerliche Handproduktion. Die heutigen iniernalionalen Handels- und Verkehrsbezievungeu machten jedoch sehr bald eine MchrproduNion nothwendig. In Folg« dessen war man genölhigt, Arbeitsinstrumente zu erfinden, die dillig und schnell produzirien. So entstand der heutige kapnalistische Großbetrieb, der in allen Kultnrstaaien der Erde von Tag zu Tag vergrößerte Dimensionen annimmt und alles Kleingewerbe vernichtet. Die«lein- meister bilden eigentlich die Ruinen aus dem Miltelall«, die immer mehr ihrem sicheren Unlergang zusteuern. Die Handhabung der Maschine, die eine Therlung der Arbeit erfordert, macht oie Tbätigkert des Arbeiter« zu einer solch' einseitigen, daß die Maschinen herabdrückcnd anstcnt veredelnd auf den Arbeiter wirken. Da der Geselle sonach nur einen Theil einer Sache zu arbeiten im Stande ist. so ist er als solcher sflr den Kleinmeister unbrauchdar. Zu dem kommt noch, daß der Geselle lieber in der Farrik als beim Meist« arbeilet, indem er dort durch die Arbeilstheilung sich leichter aus etwas einarbeitet und so eilten yöhereu Lohn verdient. Ebenso verhält es sich mit den Lehrlingen. Auch ist die Lage der Lohnaibeilcr angesichts des ehernen ökonomischen Lohngesetzes eine solch' unhaltbare, daß selbst die auf's Glücklichste dnrchgesührteil Sinke« diese auf die Dauer nicht zu bessern vermöge«. Die planlose Pioduktio», sonne die immer verdesjerlen Malchin«» machen eine Unmaffe von Ardeitern brodlos und drücken den Loh» zu einem Hungerlohn herab. Ein Strike ist ein Krieg, und wo Krieg ist, kann von Harmonie keine Rede sein. Merkwürdiger Weise begeg- ner man der letzteren Erscheinung in allen ArdeiieNreisen, selbst m denen, wo die„Harmonie zwischen Kapital und Arbeit" unauihöriich gepredigt wird. Auch Borschußoereine sind uuter den heurigen Ber- hältnissen außer Staude, den Kleinmeisterir irgendwie zu helfen, da es diesen zumeist nicht mehr möglich ist, den Mitgliedsbeitrag zu er- schwingen. Und selbst bei einem Vorschuß von 300 Thlrn. ist es ihnen doch nvch lange»ich! möglich, die Konkurrenz mit dem Großkapital auszuhallen. Pflicht der Kleinmeister ist es, sich den Beurebungeit der Arbeiter nicht feindlich gegenüberzustellen, sonderli gemeinschaftlich mit ihnen an dem großen Werke der Errichiung des ioziat-temokranjchen Volksstaates, in dein ein Jeder nicht vlos den Lohn, sondern derivollen Arbeitsei trag genießen soll, thätigzu sein. Indem b.zeichnelen Staat« werden all' die modernen Ersiirduiigen, die heule dem Gros der Menfch- heit in jeder Beziehung Nachiheit bringen, segensreiche Fruchte tragen und jedem Einzelnen zum Heile gereichen. Heilige Pflicht eures Jeden ist es aber auch, nicht unihälig zuzuschauen, sondern sich um Politik zu belllmmern, den Atbeilervere»ieii dcizutreten un» die ArdeNerzeitungen zu untcrstützen."— Nach Beendigung des Vortrages, der wiederholt durch nicht endenwcllenden Beifallssturm unterbrochen wurde,«hob sich auf Aufsorder» des Vorsixenoen Herrn Brandt die Versammlung von ihren Srtzen und brachte Herrn Bebel ein dreifache« stürmisches Hoch.(„Demokratische Zeitung.") Blanqui ist auch von dem neugebildeten Kriegsgericht zu Deportation in einen befestigten Platz verurtheilt worden. Näheres über den Prozeß bringt ein besonderer Artikel in nächster Stummer._ Die Berliner„Polkszeitung" bespöttelt unsere neuliche Notiz über die Annahme des Eisenacher Programms Seitens des demokratischen Vereins in Berlin, und findet es insbesondere komisch, daß wir von einem„Gros der Berliner Demokratie" sprechen, da dieses„Gros" bei der Abstimniung nur 29 Mann stark gewesen sei. Die„Volkszeitung" stützt sich dabei auf die nicht'gerade loyalen Klatschereien, welche ein der dcsappointirten Vereinsminorität angehöriger tiofiiler Demokrat in der„Frank- furter Zeitung" angebracht hat. Wir wollen die Ziffer nicht angreifen, und die gute„Volkszeitung" nur darauf aufmerksam machen, daß wir, wenn die Majorität bei jener Abstimmung eine noch geringere gewesen wäre, den Ausdruck„Gros" dennoch gc- braucht haben würden, und zwar aus dem einfachen Grund, weil der Berliner Demokratische Verein die ge- sammle Anhängerschaft Jacoby's in Berlin ver- tritt, die, wie die letzte Reichstagswahl zeigte, nach Tausenden zählt, und, Hand in Hand mit den sozial-demokratischen Arbeitern, bei der nächsten Reichstagswahl, wie wir Zuversicht- lich hoffen, Berlin von der Fortschrittspartei säubern wird— was der„Volkszeitung" gewiß nicht„komisch" erscheinen dürste. Unheilbar. In dem jüngst von uns veröffentlichten Brief Jacoby's an ein Mitglied des demokratischen Vereins in Berlin heißt es bekanntlich:„ich bin der Meinung, daß die wahrhast demokratische Volkspartei mit der Arbeiter- partei Hand in Hand geben muß, beide aber sehr wohl in ihrer Organisation neben einander bestehen können." Hierzu bemerkt die Sonnemann'sche„Frankfurter Zeitung": „Wir denken, daß die demokratische Partei und die sozial- demokratische Arbeiterpartei nicht nur sehr wohl sclbstständig nebeneinander bestehen„können", sondern auch neben einander bestehen„müssen". Was die Verpflichtung zum Hand in Hand gehen Beider betrifft, so dürfte dieselbe— und zwar in beiden Lagern— schwerlich allgemeine Anerkennung finden. So wenig ein solches Bedürfniß in deni„Volksstaat", dem Organe jener Partei, zu der Johann Jacoby sich gesellt, zum Ausdruck gekommen ist, so wenig dürste die demokratische Partei Neigung haben, den Krieg der Sozialdemokraten gegen Kapital, Paläste und Bourgeoisie mitzumachen und die sozial- demokratische Dogmatil von der Gründung von Productivge- noffenschaften durch den Staat, Abschaffung der Lohnarbeit und Expropriation des Grund und Bodens in ihr Programm aus- zunehmen." Wir haben allerdings kein„Bedürfniß", mit Bourgeois Hand in Hand zu gehen, die mit demokratischen Phrasen um sich werfen, nntuntcr auch in Milch- und Wasser-Sozialismus machen, aber im Grund für die Beibehaltung der heutigen Klassenherrschaft sind, und daher jedem ernsthaften Versuch zur Lösung der sozialen Frage feindlich, ja gehässig*> entgegentreten. Bei Otto Meißner in Hamburg erscheinen noch im Laufe dieses Monats die gesammelten Schriften und Reden Johann Jacoby's in zwei Bänden zu dem Subskriptionspreise von zusammen 21lt Thlr. Man hat in der Sammlung die ganze politische Entwicklung des preußischen Staates von 1830 bis zum September 1870. Eines der ersten Stücke der Samm- lung bietet die berühmten„Vier Fragen, beantwortet von einem Ostpreußen"; das letzte die in der Versammlung der königs- berger Volkspartei am 14. September 1870 gehaltene Rede über die Annexion von Elsaß und Lothringen. Zur Arbeitseiustelluug der Tischler. Altona, den 3. Mai. Unsue Arbeitseinstellung fängl an, ernst- Haft zu werden, obgleich es auch an heiteren Episoden nicht fehlt. Da haben wir zwischen den Meistern so ein verkanntes volks- wirthschastliches töenie, Dietrichs heißt der Mann, der sich berufen fühlt, die bürgerliche Gesellschaft von den Strikes zu retten und dabei daS Malheur hat, den Strrte der Tischler erst recht erbittert zu machen, trotzdem er sich als Vermittler gerirt. Schreibt der Mann gestern in einerAnnonce von„unfähigen und arbeitsscheuen Gesellen", die 33% mehr haben wollten. Da nun gerade noch die kräftigsten Lente, die Arbeiter der größeren Werlstellen ausstehen, kann sich Jeder leicht denken, welchen Eindruck dieser Schmerzensschrei gemacht hat. Run, wir haben diesem„Lv kavt terrible" der Meisterschaft gründlich heimgeleuchtet, und können die Meister mit Recht sagen:„Der Himmel beschütze uns vor unfern Freunden!" Da bereits 50—55 Meister unsere Forderung bewilligt, und 125— 120 Gesellen die Arbeit wieder aufgencrumen haben, kann es so ganz schlimm nicht mehr werden, obwohl zu allem Ueberfluß auch die Polizei und die Gerichte sich auf die Seite der„Meister" stellen, wie folgender Borfall beweist. Einige Gesellen, die es sich zur Ausgabe gemacht hatten, die ab- trünnigen Eollegen an ihre Pflicht zu erinnern, geriethen am Montag Mittag mit einem derselben in Wortwechsel, und soll der Eine das Wort„Schuft" als Titulatur gebraucht, nach einer andern LeSart dem Betreffenden freundschaftlichst aus die Schulter geklopft haben. Am andern Morgen zwischen 4 und 5 wurden zwei davon, hier an- säßige, verheirathele Leute, au» dem Bett geholt, hinter schwedische Gardinen gesetzt, und— man staunt, mit welcher elektro-magnettschen Telegraphen-Schnelligkeit in diesem Falle die Gerichtsmaschmerie in Bewegung gesetzt wurde,— binnen 24 Stunden zu 14 Tagen resp. 3 Wochen, ein Dritter, der später sich auch noch aus Befehl stellte, sogar zu 4 Wochen, verdonnert. Und das Alle«„Von Recht» Wegen." So geschehen in Altona am 1. Mai 1872. Man weiß wirklich nicht, ob man in einem modernen Rechtsstaats!) lebt, oder ob dies ein Stück mittelalterliches Feudalrecht, wenn nicht noch Schlimmeres ist. Ein hier zu Rathe gezogener Rechts-Anwalt gab uns den tröstlichen Bescheid, daß Nichts dagegen zu machen sei. Die Arbeiter aber, die jemals in die gleiche oder ähnliche Lage kommen sollten, wollen sich das Eine merken, daß sie jedenfalls wohl thun, sofort bei der Verhaftung resp. vorterHauptverhandlungeinenRechtsbeistand zu verlangen. Und jede Corporation die in eine Arbeilseinstellung eintritt, ist ihren Ge- nossen schuldig, wo möglich schon vorher einen Rechtsanwalt anzunehmen, damit Jeder weiß, wen er mit seiner Vertheidigung betrauen kann. Wundern muß man sich nur, daß Polizei und Gerichte, die leider oft genug nicht zu haben sind, wenn es wirklich noth ihm, mit solcher zärtlichen Sorgfalt wachen, daß den arbeitenden Gesellen von den strikenden kein unfteundliches Wort gesagt wird, und daß alle Hinter- thüren geöffnet werden, die Coalitionsrecht, Gewerbegesetz und Straf- gefetzbuch nebst Stras-Prozeßordnung irgend wie ausfindig machen lassen, um die beleidigte Unschuld, die sonst, ohne Recht zu finden, von Pontius zu Pilatus lausen muß, ja recht schnell zu fühnen. Doch das hat Alles seinen guten Grund,— schadet im Grunde genommen auch nicht, die Arbeiter lernen daraus ersehen, daß Recht und Gesetz für sie so gut wie gar nichr, gegen sie um so schneller und wuchtiger gehandhabt werden. Aber besitz- und rechtslose Proletariermasse, wann *€>. d.„Frankfurter Zeitung" zur Zeit der Commune. wirst Du endlich einmal, deiner Last müde, ausrufen:„Es ist genug!" Briefe u. f. w. nur unter der Adr. Hermann Somann, Komitee der Alto na er T ischergesellen, Tischlerherberge A'.:ona._ J«teruationale Metallarbeiterschaft. Nürnberg. 8. Mai. Da unsere Einsendung für Nr. 34 d.„Volks- sta at" zu spät eintraf, um noch aufgenommen werden zu können(weshalb wir«in autographirtes Eirkular erließen) und da alle Mitgliedschaften außer Buckau und Nürnberg für vorläufige Abhalttmg einer Generalversammlung sind, so geben wir hiermit nochmals be- kannt, daß die Generalversammlung zu Pfingsten in Leipzig stattfinder. Sollten Mitgliedschaften keinen Delegh!?» senden können, so werden sie ersucht, ihre Mandate mit Angabe der Mitgliederzahl, bis Freitag den 17. dieses Monats, Herrn E. Seyfert Neuschönefcld, Eisen- bahnstr. 4, zu senden. Die Delegüten haben pünktlich bis Sams- tag Abend den 18. Mai emzutreffen, woselbst Abend 8 Uhr Vor- besprechung, Bureauwahl und Mandatprüfung erfolgt. Erster Feier- tag: Beginn der Berathungen, Zweiter: Forlsetzung, Dritter: Wahl des Vororts, Kassircrs und der Konlrolkommijsion. Regste Betheiligung ist erwünscht. Das Versammlungslokal sowie s ävimtliche Vokehrungeu wird das Lokalkomitee in Leipzig bekannt geben. Da sämmtliche Mitgliedschaften diese Einladung schon vor der in Str. 35. des„Volksstoo"' verspäteten Bekanntgabe in Händen hatten, mxuu st..h: Wahlen bereits getroffen haben, und es kann also weiter keine Verzögerung stattfinden. Mit Gruß M. Seischab, untere Söldnergaff« 637. Buckau-Magdeburg. Die Mitglieder Buckau-Magdeburqs er- klären sich für Abhaltung des Kongresses zu Pfingsten, zur".'nbahnung der Gewerkschafts-Union und erachten den Aufruf der Holzarbeiter betreffs des Kongresses für zeitgemäß und nicht für verspätet und bitten daher sämmtliche Mitglieder der internationalen Gewerkschaften. dafür einzutreten. Im Auftragt der Mitglieder Wilh. Fritsche, Bev. Wien. Strike in Aussicht. Der Fachverei» der Taxe- zierergchilfen, der die große Mehrheit der Arbeiter dieses Fache? in Wien in fich schließt und st mit als deren natürlicher Vertreter ihre Interessen zu wahren und zu fördern verpflichtet ist, hat in seiner außerordentlichen Generalversammlung am 6. April d. I. einmüthig beichlosscn, folgende bestimmt ausgesprochenen Wünsche der Fach-Ar- beiterschaft den Arbeitgebern zur eingehenden Würdigung vorzulegen: 1. Die normale Arbeftszeit soll auf 9 Stunden per Tag festgesetzt werden. 2. In Erwägung, daß von Seite der Arbeitgeber die lieher- stundenarbeit der Gehilfen über Gebühr und Maß, oft selbst bis Mitter- nacht ausgedehnt wird und diese wiederholte langdauernde Anstrengung höchst nachtheilig a»f die geistige und körperliche Entwicklung des Arbeiters einwirkt: soll diese Uederstundenarbeit unterbleiben. 3. In Fällen jedoch, wo eine solche Arbeit in Folge der großen Anforderungen von Seite der großen Konsumenten als unumgänglich nöthig sich Serausstellt, soll eine Mehrenlschädigung von 500/„ nach dem gewöhnlichen Swndenlohnsatze gezahlt werden. 4. Für die Sonn- und Feiertagsarbeit soll bei ein.r achtstündigen Zeildauer eine Mehrent- schädigung ron 50-/» eintreten. 5. Für jeden während der Woche fallenden Feiertag, an dem nicht gearbeitet wird, soll der gewöhnliche Taglohn ausgezählt werde». 6. Die Kündigung gegniseitiger Ver- pflichtungen aus dem Arbeitsverhältnisse soll so lange dem freien Ueber- einkommen der beiden Vertragsgenosscn(Arbeitgeber und Arbeitnehmer) überlassen bleiben, als in dieser Richtung von Seite der kompetenten Behörde kein bestimmtes Gesetz erflojfen in. Da die Herren Arbeitgeber am 28. April die Ablehnung der Foiderung beschlossen, so wird höchstwahi scheinlich am 18. Mai die Arbeitseinstellung erfolgen. Fachverein der Tapezierergehilfe« Wien, 1. Verlängerte Johannesgasie, Gause's Bierhalle. Anton P ankl, Obmann, 4., Schleismühlgasse LI. Heinrich Becker, Schriftfübrer, 5:, Grohgasse 3. Gottlieb Giger, Leopold Kura-, ttl, Otto Stumpf, Mathias Blumauer, Carl Albrecht, Carl Dworschak, Julius Zwirzina. Leipzig, am 1. Mai. Da sich überall, an allen Enden in und außer Europa, die Arbeiter in ihren verschiedenen Geschäfts-Branchen durch Diskussionen in Vereinen und Versammlungen über ihre Klassen- Lage aufzuklären suchen, so hat auf Grund dieser praktischen Erfahrung auch der Fachverein der Kürschner und Mützenmacher von Leipzig und Umgebung in seiner letzten Bereins-Versammlung beschlossen, außer den gewöhnlichen Bereinslagen(die jeden ersten und dritten Montag im Monate stattfinden) auch noch allgemcineKürschner-V ersammlungen abzuhalten. Die erste war zu Sonnabend de» 27. April anberaumt. Der Besuch konnte ein sehr guter genannt werden, da in unserer Ge- schästS-Branche die Bewegung kaum 3 Monate alt ist. Erster Punkt der Tagesordnung war: Die Kraukenkaffenfrage. Der Unterzeichnete referirte hierüber, und wies speziell daraus hin, daß unsere neu orga- niflrtcn Korporations-Krankenkassen den Erwartungen, die man an sie stellt, selbst unter den günstigsten Verhältnissen durchaus nicht ent- sprechen können, weil ihnen erstens die Freizügigkeit und zweitens die gleichartige Organisation fehlt. Ueber den zweiten Punkt reserirte Herr Fink, und zwar: Ueber Zweck und Nutzen der Fachvereine resp. Gewerlschaflen. In einem ganz vortrefflichen Vortrag über den Nutzen, der durch die Fachvereine und Gewerkschaften den Arbeitern erwächst, wieS derselbe besonders daraus hin, wie wichtig es sei, sich bei der heutigen Produktionsweise Ausllärung über die heute so brennenden sozialen Tagesftagen zu verschaffen, und dieses ist nur durch den Eintritt in Fachvereine, sowie durch Lesen guter sozialer Schriften möglich. Hier- aus wies der Unterzeichnete in Bezug auf unser Geschäft speziell noch darauf hin, daß, trotzdem unsere Lage.anderen Arbeitern gegenüber noch nicht die schlechteste ist, es doch an der Zeit sei, sich zu vereinige», da unsere gefährlichsten Feinde(bewußt oder unbewußt) in den Rauch- warenhandlern zu suchen sind, die nach und nach die Kürschnerei sowie Zurichterei doch vollständig in ihre Hände bekommen müssen, und dann als Großproducenten uns Arbeiter vollständig zu LohnsNaven machen werden. Ter Geist der Versammlung wa: ein guier, und es ließen sich auch wieder Mehrere in den Fachverein einschreiben. Durch Aufklärung zur Einigkeit, durch Einigkeit zur Freiheit, durch Freiheit zur Assozia- tion l ist unsere Devise. Mit sozial-demokratischem Gruß an alle Kollegen Franz Trost Tannenwald, d. 30. April. Wir geben hiermit bekannt, daß der Sttike dir Majchinenbauer in Tannenwald an der Muthlosig- k e it der Arbeiter und dem Mangel der Organisation gänzlich ge- scheitert ist, und gar nichls erzweckt wurde.(Wie lange wirds dauern, bis die Arbeiter begreifen, daß ohne Festigkeit und Organisation keine Rettung ist?) Ronsdorf. Wir haben die besten Ausfichten, daß der Arbei- tertag für unsere Partei von großem Nutzen sein wird; verschiedene Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeiier-Bcreius haben mir die feste Versicherung gegeben, daß sic auf der General-Versammlung mit aller Energie dafür eintteten würden, daß die Bekämpfung auihören solle. Ich werde bald möglichst Bericht zukommen laffen. Mit sozial-demokratischem Gruß Ernft Wilke, Breitestraße. Lssenback.„Gleichheit vor dem Gesetz"— diesen Ausspruch benutzen gewöhnlich die begüterten Leute gegen die Arbeiter. Nachstehendes beweist das Gegentheil. Ein Mitglied der sozial-demokratischen Partei arbeftete dahier bei dem Schneidermeister Massot. Der Meister hatte einen kleinen Hausstreit und übertrug nun seinen Zorn auf den betreffenden Arbeiter, und ttaklirte denselben mit Hilfe seiner Frau derart, daß er drei Wochen inS Spital gehen mußte. Während dieser Mißhandlung verschwanden dem Arbeiter 5 st. 27 kr., außerdem schuldete ihm Herr Massot noch 4 st. Arbeiislohn. Nachdem der Arbeiter aus dem Spital entlassen war, macht« derselbe die Klage anhängig: 1) wegen des ver- schwundenen Geldes: 5fl. 27 kr., 2) wegen der rückständigen 4 st. Ar- beitslohn, 3) wegen Körperverletzung— er wurde aber vom Gerichte abgewiesen, mit dem Bemerken, daß er ja keine Beweise dafür habe, trotz- dem der Arzt bereit war, ein Zeugniß wegen der Verletzung zu Gun- sten des Arbeiters auszustellen! Georg Anton Franz, Mitglied der sizial-demokratischen Arbeiterpartei. Kür deu„Bolksstaat". Freiwilliger Beitrag bei einer Versammlung des Leipziger Sozial- demokratischen Arbeiter-Vereins 5 Thlr._______ Ji Für politisch Gcmatzregelte Durch E. in Spandau 1 Thlr. 16 Sgr. 6 Pf., gesammelt bei öffentlichen Versammlungen und 18 Sgr., Erlös von 12 Broschüren (Normal-Arbeiistag von Hirsch.) Vom Arbeiter-Bereiu Eharlottenbnrz 2 Thlr._____________________ Brieftasten der Erpeditio n: A. Forschner in Mannheim 2 Thlr.(wofür? da ich Brief noch nicht erhalten.) Männcl in Rochlitz: Die Annonce in Rr. 34.(Aufforderung) kostet 6 Gr.; B. in München: Die An- »once kostet 3 Gr.; R. W. in Kamenz in S.: Ihre Annonce kostet 3 Gr.; Oliven in Berlin f. Annonce 2 Thlr.; Franz in Zürich: Die Liederbücher noch nicht erhalten, bitte die Sendung zu beschleirnioeu. Veit, in Lich/.'ustein 4 Gr. f. Schriften erh.; Rll. in Berlin: Sobald die Gedichte eingetioffen, erhalten Sie Zusendung; Ihrem Briefe lagen jedoch Briefmarken nicht bei. K. in Tübingen 5 Gr. f. Schrift erh.; Smirff. in Zürich 1 Thlr. 1? Gr. 7 Pf. f. Schrift erh.; AlSd. in Köln s. Schrift 4 Gr. erb.; Wimp. in Scheitenbach f. Schrift. 25 Kreuzer erh.; Herb, in Hof zu Kirchhain 1 Tblr. f. Schriften erh.; von H. in Anderitz 1 Thlr. 2 Gr. erh. Emladiliig jilm Stistunggsek des Arbeitervereins\n Mittsen Zt. Riclas. Sonntag als den IL. Mai Nachmittags 4 Uhr im Saale des Meisterbauses.' Die Fest-Rede gehalten von Herrn Liebknecht Entree 1 Ngr. Alle Freunde und Parteigenossen laden wir hierdurch zur Dheil- nähme freundlichst ein._ Für Slollberg. (irosse V olksyersanimlung künftigen Donnerstag als zum Himmelfahrtsseste Nachmitiag l/«3 Uhr im Schicßhaus. Tagesordnung: pet Leipziger Kochverrathsprozetz. Referent: vr. Otto Walster. Anmerkung: Nach der Volksversammlung beste Gelegenbeil zur Berathung der mehrseitig von Parteigenossen und Freundin gewünschten Landparthie am 1. Pfingstfeiertag. __ Frenzen Für Leipzig. Sozial-demokratischcr Ärbeiter-verein. Freitag, den 10. Mai Abends 8 Uhr im Leipziger Saal. T ag esordnung: Sozial- politischer Wochenbericht. Referent: Herrler. tortsetzung der Debatte über die Wohnunasno t h. iäste willkommen._ Ter Borstanp. Für Hannover. Sozial-demokratischer Arbeiterverein. Sonnabend, den 11. Mai findet im Lokale des Herrn Bartlmg, Knochenhauerstraße 59, Versammlung statt. Tagesordnung: 1) Sozial- politscher Wochenbericht. 2) Vortrag über die Sage der arbeitenden Klasse. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ist»och- wendig. Freunde sind willkommen. Ter vorfchenpe. Für München. Allen Kollegen und Freunden meines verstorbeuen Mannes. welche ihn während seiner Krankheit unterstützten und besuchten, sowie an seinem Leichenbegängniß sich so zahlreich betheiligten, meinen herz» lichsteu Dank. München, deu 30. April 1872. Anna Knossloch, Schneider»«ittwe mit ihren 2 unmündigen Kindern. Für Co tu. Rheinisch- W estphäl. Arbeitertag. Erklärung. Da wir ,in„Volksstaat" Nr. 35 sehen,»aß die Parteigenossen in NonSdorf schon einen Rheinisch-Westphälischen Arbeitertag einberufen haben, was wir daher nicht ftühfgenug wußten. weil das Mitglied, welches die Briefe erhalten, erkrankt' war, so widerrufen wir somit unsere desfallstge Bekanntmachung und schliefen uns dem Aufruf der Ronüdorfer Parteige- «offen an. Arbeitertag in Rovsdorf. Sonntag, d. IS. Mai. Die Verhandlungen beginnen Morgens 11 Uhr im Saale des Herrn Fried. Bergfeld. Tagesordnung: 1) Die Arbeiterbewegung und ihre Errungenschaften. 2) Die Bereinigung der sozial-demokratischen Fraktionen. Arbeiter Rheiulaud-WestphalenS! Geleitet von dem Gedanken, daß eine Einigung der verschiedenen Fraktionen herbeizuführen Roth ihitt, sowie gestützt auf den Wunsch verschiedener Parteifreunde, haben wir den Entschluß gesaßt, einen Rheinisch-Westphälischen Arbeitertag einzuberufen. Einig nur sind wir eine Macht! Zersplittert find wir ewig das Gespött unserer Gegner! Vorwärts denn, Parteigenossen, aus der Bahn im heiligen Kämpft für unsere große und erhabene Sache. Eiuttackt und Ausdauer ver- bürgen den Sieg. Ronsdorf, 24. April 1871. Tas Komitee. I.«. Ernst Wilke, Breitestraße. Im Verlage der unterfertigten Expedition ist erschienen: 1. Lieferung. Leipziger Hochverrathsprozetz Von den Angeklagten bearbeitet. DaS Ganze bildet 7—8 Lieferungen a 3 Bogen (48 Seiten). Ladenpreis jeder Lieferung: 4 Sgr; für Parteigenossen, durch die Expe- dition direkt bezogen: 2 Gr. 5 Pf. Photographien von Marx, Lassalle, EngetS, Joh. Phil. Becker, Johann Jacoby und sonstigen bekannten Sozialisten. Neu: Blanqui, Ferrö. Zugleich wird tür die Leser des„Volksslaat" bekanm gemacht, daß sämmtliche Verlagsschristen für Leipzig bei Colporteur Müller, für auswärts bei den Filialerpeditionen zu haben sind. Di? Expedition des„Bolksstaat". Der Gewerkschastskangretz findet drei Wochen nach Pfiagften in Erfnrt statt. Näheres wird noch mitgetheilt. Hamborg. Th. Aorck. Leipzig: Bero"'". Redakteur A. Mulh(Redaktion u. Expedition v-hestr. 4.) Druck u. Berlag v. ff. Thiele. Hierzu eine Öeitogt. Beilage zu Nr. 37 des„Volksstaat". Ein Held. Ende November vorigen Jahres, un mittel- bar nach der Erschießung Rossel' s, Ferrö'sund Bourgeois' brachten die Pariser Zeitungen die Notiz: um Rossels Schicksal zu theilen, habe sich dessen ehemaliger Sekretär Renard dem Kriegsgericht freiwillig gestellt, obgleich es ihm gelungen, sich allen seinen Verfolgern zu entziehen. Es w�r dies kein Mähr- chen, wie die Mehrzahl der Großthaten, welche von hohen Kriegs- und sonstigen Herren erzählt werden. Der nachstehende an V.Hugo gerichtete Brief, welchen der„Rappel" in den jüngsten Tagen veröffentlichte, giebt die näheren Einzelheiten: „Am 28. November 1871, gegen 7 Uhr Abend? erschien ein junger Manu vor dem Polizei- Commissär im Quartier Bonne-Noupelle zu Paris und gab vor ihm folgende Erklärung ab:„Mein Herr, ich mache Ihnen die Mittheilunz, daß ich zur Zeit der Kommune Sekretär von Rossel war, daß ich spä- ter von ihm zum Kommandanten des Generalstabs ernannt und mit der Organisation der Legionen der Nationalgarde betraut wurde. Rossel wurde diesen Morgen erschossen; ich bin ge- kommen, um mich als Gefangener zu stellen, um in gleicher Weise, wie er, über meine Handlungen �Rechenschaft zu geben." Diese Worte machten einen nicht geringen Eindruck auf den Polizei-Commissär.„Mein Herr", sagte er,„welche Beweg- gründe veranlassen Sie zu diesem Schritte? Sie sind vielleicht ohne Geld, ohne Subsistenzmittel?"—„Ich bin im Besitze von Geld und habe auch genügende Subsistenzmittel."—„Dann werden Sie wahrscheinlich von der Polizei■ verfolgt?"—„Keineswegs; ich bin seit zwei Monaten in Paris, kein Mensch hat mich bis jetzt beläUgt."—„Und Sie kommen selbst, um sich in unsere Gewalt zu geben?"— ,La wohl!"—„Aber, mein Herr, das ist ein sehr bedeutungsvoller Schritt, den Sie da thun. Bedenken Sie das wohl."—„Ich habe das bereits bedacht."�—„Und Sic bleiben bei Ihrem Entschlüsse?"—„Ich bleibe bei demselben."— Auf das hin rief der Polizei-Kom- missär seinen Bureaudiener und ließ den Gefangenen bis zum nächsten Polizeiposten führen. Das geschah an einem Montage. Von Zeit zu Zeit öffnete sich die Thüre der kleinen Hütte des Postens und Polizeiagenten stießen in roher Weise irgend einen obdachlosen Unglücklichen oder einen übelriechenden Trunkenbold in dieselbe. Nun ist es vielleicht an der Zeit, daß Sie er- fahren, wer der junge Mann war, um den es sich da handelt: das war ich. Am Morgen dieses Unglückstages, des 28. November, hatte ich aus einer verläßlichen Quelle erfahren, daß Rossel in den nächsten 24 Stunden erschossen werden würde. Wie groß war mein Schmerz über diese Kunde! Wie, dieser strenge, arbeitsame, musterhafte Mann! Wie, diese große Seele, dieses edle Herz, dieser klare Verstand, diese glänzende Zukunft, Stolz und Glück seiner Mutter, das Alles sollte vernichtet werden! Mein Herz war gebrochen und zerrissen. Ich verwünschte es, zu leben und frei zu sein, während Rossel in den Tod zu gehen im Begriff stand. Ein Gedanke überkam mich plötzlich, mich als Gefangenen zu stellen. Vorüber zogen an meinem Geiste meine persönliche Freiheit, meine Eltern, meine Freunde, die Wissenschaften, die den Reiz meines Lebens aus- machten, das Alles zog an mir vorüber, um mir zu sagen: das Alles ist eitel und nichtig. Wozu soll es dienen? Und auf der andern Seite erschienen vor meinem Geiste die Gefan- zenschaft, die Vereinsamung, die Entbehrungen aller Art. Ein innerer Kampf bemächtigte sich meiner, bis eine Stimme, die Stimme meines Gewissens, kalt, ruhig, unbeugsam, unwider- stehlich mir die Worte Montesquicu's zurief: das Unglück ist unsere Mutter. Und ich wählte den dornenvollen Pfad. Heute wurde ich zur Deportation nach einem befestigten Platz und zum Verlust der Bürgerrechte verurtheilt. Und nun wendeich mich an Sie, den berühmten Verfasser der„Miserables", um Sie zu bitten, mir, wenn es möglich ist, ein Exemplar dieses trefflichen Werkes freundlichst zukommen zu lassen, welches auch Barbös in seiner Verbannung tröstete. Ihr ergebenster Jules Renard, früherer Professor der Mathematik, dann Sekretär von Rossel. Gefängniß von Chantieres, am 9. April." „Willst du wissen, geneigter Leser, in welcher Hölle du lebst, so höre, was in der Zeitung von St. Gallen das Kraft- genie eines biedern Eidgenossen vom Deutschen Reiche er- zählt:„Das deutsche Kaiserreich hat für uns wahrlich nichts Anmuthendes. Außerordentliche« hat man dort fertig gebracht. Nicht nur in der geographischen Gestaltung, sondern auch in der Psychologie und Ethik. Das Unglaubliche wurde geleistet, unter dem Scheine demokratischer Formen den Absolu- lismus zu befestigen und mit Hülfe des Ruhmes die Bürgertugend zu vernichten. Die allgemeine Wehrpflicht in Verbindung mit einem raffinirten militairischen Erziehungs- system, das den Soldaten zu einer willenlosen Maschine macht; das allgemeine Stimmrecht und Volksvertreter, die mit ihrem Byzantismus coquettiren, als seine nächste Folge; der Patriotismus in Form der devotesten Unterwürfig- keit unter das kaiserliche Haus; ein Professorenthum mit über- mäßigem Wisiensstolze auf der einen und maßlosem Ser- vilismus auf der anderm Seite; ein Literatenthum, das nach außen frivol, nach innen bestechlich ist; der Na- tionalismus in Gestalt der Verlästerung und Schädigung fremder Nation» itäten auf den Thron gehoben; das Eroberungsrecht öffentlich, die schmachvollste Verletzung der persönlichen Freiheit stillschweigend gebilligt von der Nation; Maßregelung der freie» Presse; gewaltthätiges Verbot verfassungsmäßig gewährleisteter Vereine und Versammlungen; Bruch des Brief- und Acten- geheimnisses; Gründung eines Militairadels durch Bereicherung von Generälen, und hartherzige Karg- heit gegen die Invaliden; Zunahme der Unsittlich- keit in der Hauptstadt des Reiches; die Opportunität als höchste Regel der StaatSkunst, der Erfolg als göttliches Ge- setz erkärt; ein reich angelegtes Volk, dessen Individuen in ihren Rechten verkümmert sind; eine mächtige Nation un- freier Bürger— ein glänzendes Elend! Das ist das neue deutsche Kaiserreich." Also der biedere Eidgenosse." Wir, die Redakteure des„Volksftaat", würden nicht gewagt| haben, seinen Artikel zu veröffentlichen, wenn wir ihn nicht in j t em Leipziger„Tageblatt",„Amtsblatt des Königlichen Bezirks- gerichts und des Raths der Stadt Leipzig" gefunden hätten, das doch wissen muß, was gesetzlich erlaubt ist. Sogar die einleitende, sehr hochverrätherische Phrase:„Willst du wissen, geneigter Leser, in welcher Hölle du lebst zc." rührt von dem biedern Amtsblatt her, das wir bei dieser Gelegenheit kollegialisch an das Sprichwort erinnern:„Spiele nie mit Schießgewehr u. s. w."— Die Maßregelungen dauern in Sachsen frisch und fröhlich fort. Unterm 3tl. April schreibt man uns aus Mylau: „Am 22. d. M. wurde vom König!. Gerichtsamt Reichen- bach die Internationale Gewerksgendssenschaft der Manufaktur- Fabrik- und Handarbeiter, unter Hinweis auf das Vereinsgesetz vom 3. Juni 1850 Z. 23. aufgelöst, und als inizulässiger Zweigverein im Zusammenhang mit Crimmitschau erklärt, in- gleichen auch für das etwa zu� suchende Fortbestehen die in § 30 des oben angezogenen Gesetzes bestimmten Strafen an- gedroht." Nur vorwärts, Ihr Herren! Macht es dem Arbeiter recht deutlich, daß der heutige Staat ihm verbietet, die Besserung seiner Lage>u erstreben— die Früchte werden nicht aus- bleiben! Vervi ers, 26. April. Am vorigen Sonntag hatten wir eine Volksvwsammlung, auf der Herr' Rittingliausen aus Köln referirte. Aus einem Fenster des Versammlungslokals hatte man Morgens die rothc Fahne ausgesteckt. Um die Zeit, wo die Versammlung anberaumt war, schickte der hiesige Koinmissar durch einen Polizeidieuer die schriftliche Ausforderung, die Fahne abzunehmen, sonst würde er selbst mit eigener Hand es thun. Zwar waren bloß erst wenige Männer da, aber— Parteigenossen, welche gleich erklärten, es abzuwarten, und man ließ die Fahne flattern. Der Kommissar kain nicht, aber eine halbe Stunde später ein zweiter Brief, worin er fragte,„wer die Verantwortlichkeit trage?" Man schickte zur Antwort: Nicht Einer, sondern die ga'ze Genossenschaft sei verantwortlich; sollte er durchaus Einen haben wollen, dann solle er kommen und sich einen nach Belieben wählen." Er kani, als Herr Rittinghausen schon eine Weile gesprochen hatte, in eigener Person und übergab dem Wirthe einen Brief, der an Herrn Rittinghausen adrcsstrt war. Herr Rittinghausen las den Brief. Er enthielt nur die Aufforderung, sich gleich beim Kommissar zu stellen. Man wollte dies durchaus nicht zugeben, sondern wenn der Kommissar Herrn Rittinghausen sprechen wolle, so sille er zu ihm kommen Herr Ritting- hausen wollte aber durchaus hin; da wurde einstimmig bc- schlössen, ihn zu be'leiten, was Herr Rittinghausen jedoch auch ablehnte. Er ließ sich von ziuei Parteigenossen begleiten. Wir blieben zusammen und machten schon den eventuellen Operationsplan, doch ehe man sich's versah, war er schon wieder in unserer Mitte. Diese Leute sind bloß neugierig. Der Schreinerstrike dauert fort. Die Schreiner fangen morgen selbständig zu produziren an; vorläufig will man 25— 30 Mann beschäftigen und das Geschäft vergrößern, wenn sich die Nach- frage nach Arbeit vermehrt. Unterstützt sollen sie werden mit 500 Fr. allwöchentlich regelmäßig, so lange es nöthig ist, und zwar mit 300 Franken von den vereinigten Webergruppen, 100 Fr. von den Spinnern, 100 Fr. von den Maschinenbauern. Sollte mehr nöthig sein, so schießen die andern Sektionen vor. An Strikende wurde die b iden ersten Wochen ausgezahlt: jede Woche 995 Fr. Viele arbeiten hin und wieder auf eigene Faust; der, der im Stande ist, dabei seinen frühern Lohn zu verdienen, zahlt 1 Fr. wöchentlich, der auf diese Art mehr ver- dient, zahlt das Mehrverdirnte u. s. w. Brudergruß und Handschlag Im Auftrage N. S. Cloot, rue Bouxhate Nr. 9 Verviers. Dem„Neuen Wiener Tageblatt" wird aus Berlin ge- meldet: „Sicherem Vernehmen nach soll der allgemeine Ar bei- i erverein in Berlin, dessen Organisation sich über ganz Deutschland-rstreckt, sowie sämmtliche Arbeitervereine aufgelöst werden, da durch den Leipziger Prozeß konstatirt wurde, daß dieselben»,0 der Internationale in Verbindung stehen, sowie überhaupt politische Zwecke verfolgen." Wenn unter dein„allgemeinen Arbeiterverein" der„Allge- meine Deutsche Arbeiterverein" verstanden sein soll, ist die Nach- richt jedenfalls unwahr, denn dieser Verein steht unier seiner gegenwärtigen Leitung nicht nur nicht in Verbindung mit der Internationalen Arbeiterassoziation, sondern läßt dieselbe in seinem Vereinso.gan sogar auf die pöbelhafteste und stieberischste Weise angreifen, verdi nt folglich den Dank, nicht den Haß der Feinde der Internationalen. Da der Leipziger Prozeß in obiger Notiz erwähnt wird, sei hier kon tatirt, daß unmittelbar nach ver Verurthcilung Bebels und Liebknechts in einer öffent- lichen Versammlung zu Berlin, von einem Mitglied des Allgc- meinen Deutschen Arbeitervereins in Anwe enhcit der Spitzen des Vereins und ohne daß Diese oder übc-haupt Jemand, oder nachträglich das Vereinsorzan, Widerspruch erhoben, im Lauf der Debatten erklärt wurde, die Leipziger seien verur- theilt worden, weil sie den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zu untergraben versucht hätten. Ganz wie bei uns. Der„Frankfurter Zeitung" schreibt man aus Wien: „Manche Fabrikherren in Oesterreich kehren sich nicht im mindesten an die gesetzlichen Bestimmungen über die Kinderarbeit in den Fabriken. Infolge viel- facher Anzeigen über gewissenlose Ausbeutung der kindlichen Arbeitskräfte hat der Handelsminister BanhanS endlich die k. k. Bezirkshauptmänner angewiesen,„mit aller Strenge auf Abstellung des Mißbrauchs zu dringen und nöthigenfalls wirk- same Strafen zu verhängen." Auch sollen in jedem Quartal amtliche Berichte über die bezüglichen Verhältnisse an das Mi- nisterium eingesendet werden. Im Volke besteht der Verdacht, daß die k. k. Fabrikinspectoren ihre Aufmerksamkeit mehr den wohlbesetzten Tafeln der Fabrikherren als den Ar- beiterverhältnissen zuwenden." Auf besonderen Wunsch der Holländischen Brüder theilen wir ausnahmsweise nachstehende Zuschrift mit: Amsterdam, 16. April 1872. Der Vorstand der Internationalen Abtheilunz Hollands(ge- mischte Vereinigung) an ihre geschätzten Mitbrüder Liebknecht, Bebel und Hepner! Mit der größten Begeisterung bringen der Vorstand und die Mitglieder der gemischten Vereinigung der Internationalen, Abtheilung Holland, Ihnen ihre vereinigte Hulcigung und Dank für Ihre gerechte und muthvolle Vertheidigung nnserer Grund- sätze und unserer heiligen Sache. Mit Bewunderung sehen sie auf Euch, die Ihr auf so hellleuchtende Weise getrachtet habt, die Welt zu überzeugen, daß wir miteinander für die Rechte und Pflichten des wahrhaft freien Menschen streiten. Ja, wir wissen es wohl, daß Ihr den Muth gerade gefunden habt in der Gerechtigkeit unsres Strebens; und wir wissen es auch, daß es kein sinnleeres Wort war, das unser großer Meister sprach, als er sagte:„klebet Gerechtigkeit und mein Geist wird lebendig in euch!" Wir wollen ihm nachfolgen, und wenn es sein muß, auch ebenso wie er und Ihr für unser Prinzip lei- den. Keine bessere Propaganda ist fürwahr denkbar, als die Verfolgung, und der größte Feind unserer heiligen Sache wird Gewissensbisse fühlen bei einer derartigen Verlheioigung und einem derartigen Urtheil. Wir danken Euch aus vollem Herzen, und haben uns überzeugt, daß unser Sieg über Unwissenheit und Egois- mus nahe bevorsteht. Die Strafe wird Euch nicht schwer fal- len, im vollen Bewußtsein, Eure Pflicht gethan zu haben, und Ihr werdet die Achtung erwerben von Allen, welche noch eini- germaßen Gefühl haben für Recht, und dieses wird für Euch die größte Genugthuung, Euer schönster Lohn sein. Habt die Güte, dieses unser Schreiben, in Euer Organ aufzunehmen; denn wir wollen gern vor der ganzen Welt wissen lassen, daß wir ganz und gar mit Euch übereinstimmen. Es lebe die Sozial- Demokratie und der Internationale Arbeiterbund! Im Namen des Vereins. Der Vorstand. Dank den Holländischen Freunden! B merkt sei bei dieser Gelegenheit, daß die„Toekomst" (Zukunft), Organ der Demokratie in den Niederlanden,— 3 mal in großem Format erscheinend und trefflich redigirt von unserm Parteigenossen, Or. Flinert,— einen sehr ausführlichen Bericht des Prozesses, weit ausführlicher und genauer als der „Volksstaat", gebracht hat. Wie man Zeitungen redigirt.„Ueberall der soziale Krieg", jammert in Anbetracht der überall aus- brechenden Striles die„Volkszeitung"(S. Nr. 100) auf der dritten Seite, während sie auf der ersten Seite die Harmonie von Kapital und Arbeit zu predigen und den„sozialen Krieg" für eine Erfindung der bösen Sozialisten zu erklären die süße Gewohnheit hat.— Au die Holzarbeiter Deutschlands! Kollegen! Vor unfern Augen ist der letzte Rest des Mittelalter- lichen Zunftwesens zertrümmert worden. Die vergangenen Jahrhun- derte. in denen sie die Industrie mächtig entwickelte, zernagten Glied um Glied von den Einrichtungen und Bestimmungen unserer Bor- fahren. Unser Zeitalter der Maschinen und der Dampskraft konnte sich in die unbiegsamen Formen des alten Zunftwesens nicht fügen, sie mußten gebrochen werden. An die Stelle des Handwerkers sind die Fabrikanten mit ihren Fabriken und komplizirte> Maschinen getreten, welche folzerechtlich den ganzen Handwertsbetrieb beseitigen müssen. Die freie Konkurrenz, von den Fesseln de« Zunftwesens befreit, verwandelt die bestehenden Verhältnisse in kurzer Zeil ia andere. Die Werkstatt des H rndwerkes muß der großartigen Fabrik mit kunstvollen Maschinen weichen. Die Massenproduction durch die Maschinen, die Verwendung von Kindern und Frauen zu deren Bedienung, das Sin- ken der Arbeitslöhne durch die in Folge der Maschinen übrig geworde- nen Arbeiterhände, und die ausgedehnteste Arbeitstheilung, haben den Preis der verschiedenen Produkte so weit erniedrigt, daß der Handwer- ker nicht im Stande ist, mit diesen Preisen zu konkurrireu.— Die kleinen Prinzipale werden gezwungen, selbst wieder Arbeiter zu werden oder eine kümmerliche Eristenz zu führen, die viele mal schlechter ist als die eines Arbeiters. In der Gegenwart vollzieht sich ein noch tiefer greifender Prozeß als der oben besprochene. Alle größeren Fabriken, so wie alle neuen Unternehmungen werden von Leuten in die Haud genommen, welche sich zu einer Gesellschaft vereinigen und zur Führung dieser Geschäft« Kapitalien zusammenhäusen. Der Kampf, den die Fabriken und das kleine Gewerbe gekämpft, bricht von Neuem los. Wie die Fabriken den Handwerker, eben so müssen die Actienunternehmungen— und dies ist ihre Lebensaufgabe — den einzelnen Fabrikanten verdrängen. Das Umsichgreifen der Masienproduction bis zu ihrer weitesten Entwickelung durch Vervollkommnung der Maschinen, da» Herabdrücken der Arbeitslöhne in Folge der Verwendung besserer Maschinen, welch« Arbeiterhände überflüssig macheu, die ausgedehntere Verwendung von Frauen und Kindern sowie die Theilung der Arbeit in ihrer denkbar- stea Möglichkeit; dies werden von Neuem die Waffen sein, denen die einzelnen Fabrikanten erliegen werden. Die Lage des Arbeiters wird demnach nicht besser, sie muß schlechter werde». Waren dieselben in den Fabriken durch Wcrksührer und Aufseher zu Sclaven degradirt, so wird man den Arbeiter jetzt noch obeudrein finanziell drücken. Es ist ein nicht zu beseitigendes Uebel für die Actienunternehmungen, daß Diejenigen, welche denselben vorstehen und die Geschäfte führen, neben ihrem hohen Gehalt sich noch andere Einlünfte zu verschassen suchen. Die Actionäre verlangen Dividende; a»f das ganze Unternehmen aber drückt die Konkurrenz wie eine Daumschraube und verlangt billig« Preise, um den Weltmarkt beherrschen zu können. Jetzt bleibt blos das Herunterdrücken der Arbeitslöhne übrig. Durch diese großartigen Unternehmungen unserer Zeit werdm die Krisen, durch die sich herausgestellt, daß viel mehr produzirt wurde, als man brauchte, größer werden und sich öfter wiederholen. Die Lebensbedingung der Actiengesellschaften ist die Massenpro- duction. Waren die Krisen in der Vergangenheit ein chronische» Uebel »b schon b« einzelne Fabrikant oorflchtigei war alS die Leute, welch! iragl, diesen Brief an den heutigen Hrvßr« Unternehmungen vorstehen� so müssen sie sich jcht! Hilfen abzugeben, und er wisse sonst nicht, mau er mit diesem Bru s ------ a-iw* m.!. ca.t.ncjc..t4.----- echsn'olle. Hieraus entschloß sich Peters, mit Zustimmung der ankeren Drei, den Brief zu eröffnen, um zu sehen, ob der Inhalt fie in ganz bestimmten Zeiträumen wiederholen, Diese Gesellschaften pro duciren, ohne darnach zu fragen, ob der Markt überfüllt wird, bis die Knie da ist und sich herausstellt, daß viel mehr Waare da ist, als g« brltucht wirb. Eine' selche Krise muß alle Industrie-Zweige schädlich anstechen.- Abgesehen von den Kapital, das dieselbe verschlingt, seht sie die Arbeiter auf eine gewisse Dauer außer Arbeit. Die theuren Lebensmittel und die hohen Miechspreise drücken in solchen Perioden die Arbeiter in die tiefste Armuth hinab. Dem Arbeiter starrt eine traurige Zukunst entgegen; er ist gezwun- gen, so' lange er lebt, Lohnarbeiter tu bleiben; in der Heuligen Gesell jchaft ist er nicht», mehr als eine Maschine, die, wenn abgenutzt, anf die Seite geworfen und durch eine andere ersetzt wird, bis auch diese vas gleiche' Schicksal ereilt. Mit Schrecken sieht der Arbeiter seine Kräfte abnehmen und sein Alter herannahen; er weiß, daß er dann limänSgeworfett'wirVairs die Straße, stch und den Seinen überlassen, bis der frühe Tod seinem traurigcn Leben ein Ende macht: und doch hat er- sein Lebealang gearbeitet und die Klasse, die ihn setzt unbarm- horzig von stch stößt, niit seiner Hände Arbeit erhalten. Kein anderes Band, als seine Arbeit, verbindet den Arbeiter mit der heuligen Gc sellschaft. Das ewig Schöne, die Menschlichkeit, hat mal» vernichtet der Proletarier ist nichts mehr als eine tobte Maschine. Dehhalb ist es nöthig, baß der Arbeiicr seine Zeitverhälin.sse und leine Klassen-Lage mit nüchteren Augen betrachten lernt, und sich nicht Hossnungen hiugiebt, die sich ihm nie verwirklichen. Dem Arbeiter Hilst Niemand, er muß sich selbst Helsen. Der Einzelne ist jedoch nicht im Stande, seine Klassen-Lage zu ändern, ts ist nöthig, daß die Ar beiter in einer zweckmäßigen Organisation sich vereinigen und dann ihre Lage beräthen, um stl gemeinschaftlich zu verdesiern. Dies zu bewirleli ist zwar der Einzelne nicht im Stande, wobl aber gehört er dazu, um dasnÄanze vollständig zu machen. Mangebrauche mcht die gewöhnliche •■Redensart„auf mich kommt es nicht an"; im Eegentheil, man erwäge, daß ein Jeder so denken könnte, und die Folge würde sein, daß eine Besserung des Arbeiters nie zu Sta de käme. Wie aus' der Ileinen Quelle das winzige Bächlcin sich ergießt, um aüS dem Tropfen des Regens und anderen kleinen Bächen zum Fluß und durch andere Flüsse zum Strom sich vergrößert, dem Nichts wider steht, sondern der Alles mit fortreißt, was sich ihm hemmend in den Weg stellt so wird auch die Arbeiterbewegung wachsen, wenn ein Jeder seine Schuldigkeit thut. Kehre NiemanlD auch den Egoismus heraus, sondern trete ein Jeder mit seiner ganzen Kraft sür seine Interessen ein. Sei der Arbeiler eingedenk, daß seine größte Macht in seiner Zahl liegt, sie ist seine schärfste Wasse, mit welcher er seine Rechte zu erkämpfen hat. Diese Waffe aber kehrt sich um und bekämpft den Arbeiter, wenn er sie in der Hans seiner Gegner läßt und sich nicht in voller Zahl ihnen gegen- über stellt. Unorganisirt sind die Arbeiter Nichts— organisir: sind sie Alles! In allen größeren Städten Teutschlands und der Schwei; besieht dertiis seit mehreren Jahre» die internutioiiale Gewerkschaft Ser Holzarbeiter Obschon dieselbe eine ziemliche Anzahl Holzmbeiur die in der Conversation wartenden Tischlers- was er mit diesem � in sich repräsent irt, so stehen dennoch viele derselben fern, theilS ans llnkenntniß ihrer Eristenz theiiv aus Mangel der Kenutniß ihrer Organisation und ihrer Zield. Die Mltglicdschaften der verschieden'«» Städte sind solidarisch verbunden, wer einmal Mitglied ist, ist es über- all, in ganz Teutschland und der Schweiz. Der Z eck dieses Bereius ist: Die Ehre und die materiellen In- teressen seiner Mitglieder m wahren und zu fördern. Dieß soll er- reicht werden durch die Gründung einer allgemeinen Verstcherungsdank zur Unterstützung in Krankheils-' und Sterbefällen, sowie durch Unter- stützung arbeitsun sähig gewordener Genossen. Diese Krankenkasse bietet ihren Mitgliedern, für einen geringen Beitrag, mehr als jede andere Kasse. Geht das Mitglied eines Ortes fort, so ist es dort, wo es hin- kommt, stets wieder Mitglied und bekommt dort, oder trenn c« aus der Reise erkiaichl, vom nächstliegenden Orte, seine Unterstützung. Feiner hat dieser Verein eine allgemeine Unterstützungskasse gegründet für die- lenige» Mitglieder, welche aus die Wanderschaft gehen, sowie um dze älteren und verheiraiheten Mitglieder, welche nicht mehr wandern können, bei ausbr.chenden SlrileS oder Maßregelungen, welche durch das Eintreten dei Mitglieds für die Arbeiter-Jntcresseu hervorgerufen werden, zu unterstützen. Es wird den Mitgliedern Schutz und Hülfe gewährleistet gegen Bedrückung und mrgerechte Anforde: ungen,— von welcher Seite dieselben auch ausgehen mögen. Doch die Hauptausgabc des Vereins ist es: die Idee auszubreiten, daß durch Produltiv-Assoziaiionen die Lohnarbeit beseitigt, und durch die freie Arbeit säinmtlicher Genossen in Produktio-Assoziatione» an die Stelle des ArbcuSlohnes der Arbeitsertrag gesetzt weroe. Kollegen! Wir verlangen nicht, daß ihr, ohne unsere Organisation zu prüfen, zu uns treten>oLt; untersucht unsere Statuten, anf denen unsere Organisation ruht, und ihr werdet finden, daß dieselbe eine zeitgemäße und zweckentsprechend« ist. Mißtrauen ass. die best«'Tugend des Arbeiters— Mißtrauen ist die Mutter der Sicherheit, und vor Allem geziemt es dem Arbeiter, daß er reiflich prüft, waS man ihm anpreist. Von.illen Klassen ist der Atbeiter betrogen worden; von allen Klassen ist die Arbeiterklasse die betrogene. Darum prüft— und habt ihr unfern Berein für gut besniidcn, dann kommt und schließt unsere Reihen dichter zum großen Kampfe für die Befreiung der Arbeiterklasse, zur Förderung der großen Kul- lurmtwickelung der Menschheit. betresse. Derselbe lautet: Aus Grund Ihrer Einladung von heute früh ihut es mir Leid, nicht erscheinen zu können, denn eine Privatbesprechung führt zu Nichts. Haben Sie jedoch irgend welche Wünsche, so bitte ich Sie darum, die- selben Herrn Schäfer ,u Übermitteln, durch den das Betreffende dann weiter zur Vorlage gebracht werden würde. C. G. Äcißler. Wir glaubten, die Herren Meister daher bewegen zu können, daß Einige die Versammlung der Gehilsen besuchen würden, hingegen Einige von den Gehilsen zur Beralliung der Meister gezogen würde», NM sich gegenseitig über die herrschenden AnfichKn klar zu werden. Leider sind uu. in allen unseren Erwartungen geiäuscht worden; auch mit Nnparieiischen, wir können sagen, mit Leuien, die durchaus nicht in näherer und direkter Beziehung zum Strike standen, halten es die Meister ihrer Würde nicht ängeiuessen, in Beziehung zu treten, An- sichten auszutauschen, Versöhnung anzubahnen, weil, wie wir annehmen müssen, die Betressenden Gehilfen waren! Sie glaubten vielleicht, in unserem Verein einen Ausdruck von Schwäche seitens der Gehilfe.: zu finden: hiernach täuschen sie sich. Dnrck' die von uns erfahrene Begegnung sind Kräite. nichtige Kräfte, zum Beilen- On'kes ber- angezvgen worden, die ihm bis jetzt fern standen. Nun bemerken w r roch, daß es Herr Geißker, welcher Mitglied desMeister-Comitee's ist, jrüi*. n:ht verschmäh! rat, den Voisitzeilden des Strike Comitees, Herrn Arnold, zu pnnvenlaiigen Prioaibesprechu ngen im vollen Sinne des Wortes von der Straße abzufangen, um zu seinem Ziele zu gc- lange». Was die falsche Adresse des Briefes Herrn Gcißler'S anbelangt, erinnern wir, daß es den Meistern sehr wohl bcwunt sei': must, wer die Persönlichlciten des ständigen Strike-Eomitee»»„o, da die, Namen derselben auf eine gewisse gegnerische Anregung an behord- licher Stelle haben genannt werden müssen. Wir cinheten uns jeder welleren Bemerkung über Böswilliqkeii und absichtliche Verdrehung, siiwie jeder sonstigen Auslassung. Wer jedoch unsere Persönlichkeiten, sowie die Tauer und näheren Umstände nnseur Arbeitsverhältnisse kennt und dazu das hier Erwähnte in's Auge faßt, der mag sein Uriheil fällenl! Die oben genannten vier Gehilsen. Dreidden. ZumTischlerftrike. Eine lecht gute Charakteristik der Meister giebi folgendes„Eingesandt" das in dem hiesigen„Volks- boten" abgedmckt ist: Wen trifft die Schuld t— Wer ist inhuman k Die Unterzeichneten faßten am 23. d..den Entschluß, mit einigen Meistern in eine Privatbesprcchung einzutreten, um sich durch Austausch chrer gegenseitigen Meinungen nnd Ansichten klar zu werden, warum bis jetzt durchaus keine durchgreifende Vereinigung zwischen Meistern und Gehilfen hätte erzielt werden können, und ferner durch diesen Meinungsaustausch eine Art Grundlage zu erzielen, aus welche hin, durch fernerweite Beratbung der beiderseitigen Thetle, eine künftige Bereinigung zu erwirken sei; ferner: um von Seiten der Gehilfen Alles gethän zu haben, was nur auf human entgegenkommendem Wege gethan werde» konnte. Wir erkläre» zugleich noch, daß wir sämwtlich in Fabrikrit arbeiten, deren Inhaber unseren Forderungen verschmäht haben, gen ihierseits Lischlernieister gethan haben, welche noch dazu dem ständige» Sllike-Eomitee der Tischlergehilftn mit den entwürdigendsten nnd beleidigendsten Aus- lassungen össcntlich entgegengetreten sind, darum, weil es Männer sind, die ihre Rechte zu wahren und ihre Pflichten zu erfüllen wissen, Wir hatten gehofft, da die Meister erllärten, nicht mehr mit dem ständigen Comitee zu unterhandeln,„weil dasselbe zu schroff sei", einen Ausweg zu finden; um aber dennoch eine Einigung anzubahnen und Wege zu finden, gemeinschaftlich Etwas zur gegenseitigen Sicher- nr.g berdeizuführen, verfaßten wir»achfolgenden Brief und ließen ihn an seme Adresse gelangen: Geehrter Herr Geißler! Wir Unterzeichneten, jetzt in Arbeit Stehenden, und daher Un- parteiischen, ersuche» Sie, wenn Ihnen a» einem Ausgleich zwischen den Arbeilgebern und Arbeelnehmern etwas gelegen, sich mit mehreren Arbeitgebern zu einer Privatbesprechung heule Abend, den 24. April, in der Conversation, am See Nr. 35, punkt ö Uhr zu bemühen. AchlnngSvoll W. Wittig.(Pianoforlefabr. v. Röuisch.) Ed. Kuhnert, zMeier'sche Möbelsab.) Rich. Walther.(Türpe'sche Möbelfabr.) I. Peters. (Pianoforlefabr. v. Kaps.) Auf dem Couvert war bemerkt: Absender W. Willig, Piano- sortesabrik von Rönisch. Zur bestimmte» Stunde waren wir pünktlich an Ort. und Stelle und warteten geduldig bis VJ Uhr. Da erscheint ein Diensimauu, uns einen Brief überreichend, mit der Aoresse: An die in der Eon- versatiou versammelte» Herren des Comitees der stritenden Tischler. -ö« viele Adresse uns nichts anging, oerweigerten wir die An- nähme des Brieses. Jedoch«rkläne der Dienstmann, er sei beaus- Mainz, April. Stadterweiterung— Wo hnungsnoth. Unsere Stadlerweiterung geht zwar wenig geräuschvoll, aber slck.-r voran. Die sich eben sehr woblsühleudi Bourgeoisie hat dieselbe mit der nöthigen Taktil in die Hand genommen und wird sie auszubeuten wissen. Die prcußische Reichsspitzc hat sie ja hinter sich, welche zur Abtretung des in ihrer Benutzung stehenden Festungsgebändes die geforderten 4 Millionen st. unverkürzt erhält. Entweder Wohnungs- uoth oder 4 Millionen, das ist„man mal" Parole»on Berlin ge- wesen. Wird nun, wenn die Sladterweilcrung, wie nicht mehr zu zweifeln ist, ausgeführt, die Wohrningsmiserc auch nur gelindert werden? Das ist jetzt, nachdem vermittelst allerlei viel versprechender human klingender Redenkarlc» dieselbe ins richtige Fahrwasser ge- trieben ist, eine nicht mehr aus der Tagesordnung siehende Frage. Jetzt beißt es nur noch, unbekümmert um die össentliche Meinung: Dnrchfübrung der Stadterrveiterung ä tont Prot. Man wiid zu den 4 Millionen, die Preußen erhält, noch ein« Million nöthig haben, für Erbauung der Wälle, Verwaltungskosirn k. jc. und das dann 5 Millionen kostende Terrain bezahlen, mit Geld, das Capitalisten-Jnstitute, die den öffentlichen Credit ausbeuten, dar- leihen. Sodann wird man dies Terrain wieder verkaufen, für un gefähr L-fz Millionen, an eine jenen Jnstiiuten verwandte nnd verschwägerte Bourgeoisie-Gescllschast, der es überlassen ist, zu spekuliren und der Wohrningsnolh abzuhelfen. Wie der Garten der Allgemeinheil verwaltet wird, wenn solche Gärtner eingestellt werde», daS kann man "ich denken. Dafür zenießt die Gesellschaft bei der Stadt einen 3C jährigen Credit für die circa 2'/, Millionen, die�in Annuitäten abbe- zahlt' werden. Inzwischen weiden die städtijchen Sleuem, die 1347 ca. 40, CG) st. betrugen und jetzt 160,000 st. ausmachen, 220,000 fl. betragen und„köniieii bei unserem zunehmenden Wohlstande in Mainz sehr leicht ge tragen werden", wie uns der Schlauste der Schlaue» der Geoieinderäthe versicherte, in jener Sitzung, die dem Stadterweitermigs-Projekte vor stehende Gliedmaaßen gab. Wie gar nicht ander« zu erwarten und oben schon angedeutet, war in der betressenden letzten Gemeinderalhssitzung auch nicht ein Wort laut geworden darüber, ob denn sür die Lasten, welche die un bemittelten Einwohner bei Auctühning der Sladterweitermig über- nehmen müssen, eine entsprechende Gegenleistung geliefert wird, obschon man doch weiß, daß von den 60,000 fl. Umlagen, welche die Stadt alljährlich dafür zu zahlen hat, der größte Theil grade von dieser unbemittelten Klasse getragen wird, in direkten nnd indirekten Steuern zusammen genommen. Von einem Theile unseres Äemeinderalhcs wurde wohl deßhalb keine Stimme darüber laut, weil dieser wahrscheinlich noch gar nicht eingehend darüber nachgedacht haben mag, ob es denn bei nnseren Heuligen„blühenden" gösettschastlichen Zuständen möglich ist, daß mit Millelu der Allgemeinheit ansgessthrten Unternehmuiigen, zu Andrer Vorlheil gereichen könnten, als nur zu dem der Allgemeinheit. Von dem anderen Theile derselben aber, den sogenannten Stadterweiterungs- Patnoten, die sehr wohl die Gegensätze der Gesellschaft begriffe», wird eine unschuldige Anschauungsweise benutzt, um immer mehr in„Pa- triotismus" zu machen.— Mainz— Stadtenveitcrung— Wust nungsnoth.— Wird dieser Letzteren abgeholfen werden durch Mast regeln, die von jener Gesellschaft ergrissen werden, und werden wir nicht zu guter Letzt in den April geschickt sein? Jch'muß es befürchten. Berlin, Wien, Pest, Paris, London haben keine FesMngsgüriel und dabei zunehmende Wohnuugsnoth. Wieso? Weil die Krebsschäden tief, viel tiefer liegen als die meisten Stadterweiterer ahnen. 5 Millionen Helsen dagegen nicht. Auch helfen sie nicht dem Kleingewerbe auf, das sich so viel Hossnung auf die Stadtcrweiterung macht, aus gleichem Grunde. Das vereiniglc Eapital ist Herrscher überall; sich gegen das- selbe stemmen wollen, heißt sich unter das Dampfrad legen. Klein- meistern, Arbeileni ist nurzu Helsen, bezüglich der Wohniingsnolh zu steuern, wenn jeder Mensch Etgentftümer seiner Wohnung wird. Siehe „Wohnungsfrage" im„Bolksstaat" und Separat-Abdrnck dieser Aufsätze. Darum Kleinmeister und Arbeiter in Mainz, habt Acht, daß mau Euch nicht in den April schickt! Regensburg. Hier wird das Arbeiterlebcn immer rühriger und nusere Thätigkeit auch erfolgreicher. Die Schneider bekommen ohne Strike 25 Lohnerhöhung, leider sind aber Arbeiter darunter, die trotz der Genehmigung doch»m den alten Lohn arbeiten. Dann kamen die Tischler und verkürzten ihre Arbeitszeit täglich um 2'/« Stunde. beseitigten die Stückarbeit und führten Tagelohn ein. Außerdem er- ranzen sie noch eine Lohnerhöhung von 25%. Die Maler kürzten ebensalls ihre Arbeitszeit täglich um 1 Stunde nnd erhöhten d?n Lohn um 25%. Endlich sind noch die Haftter zu verzeichnen, welche eben- falls 2 Stunden täglich an der Arbeltszeü kürzten, und dies geschah Alles in Folge guter Organisalio», ohne Strike. Jetzt kommen auch noch die Maurer und Zimmerleute dran. Daß eine solche Rührigkeit, die noch dazu ohne jeden Eclat, immer ruhig und in Ordnung, aber stetig und unausgesetzt vor sich geht, den andcren Parteien ein Dom im Auge ist, ist erklärlich; besonders aber sind eö die L- überall-en, welche nicht blos Steine, sondern ganze Steinbrüche aus uns werfen. Ihrer Presse stehen wir natürlich wastenloS gegenüber, da wir, wie ganz Süddeutschland, keine Partei- presse haben. Als sich aber der liberale Fabrikant„Herr" Hendschel nenlich soweit verstieg, im liberalen Verein über die Arbeiterfrage zu sprechen und dabei auf die Sozialdemokraten schimpfte, da über» ihm es unser wackerer Parteigenosse Memminger in Nürnberg, in einer hier eingerufenen Volksversammlung den Liberalen, besonders aber „Herrn" Hendschel den Kops so gehör! z z» waschen, daß die Gegner, welche anwesend waren, ganz dämlich wurden und, ohne eine Gegen- rede zu wagen, wie begossen davoir schlichen. Erst gestern scheinen die Liberalen wieder zu sich gekommen zu sei» und machten ihrer Beklemmung in einem ellenlangen Artikel im hiesigen Tageblatt über die abscheulichen, throiiumstürzeuden Sozial- demokratcn Luft; nun, sie werdm ihre Antwort auch wieder bekominen. DaS sprechendste Zeichen jedoch sür die Richtigleil un crer Ansichten dürsten die Errungenschaften sein, we.che wir seit 6 monatlichem Bestehen zu Wege brachten, während der hiesige Schulzesche Arbeiter-Fortbil- i dungsverein seine Glieder seit 6 Jahren mit Bildung füttert, für das materielle Wohl aber nock gar nichts zu Stande brachte. Reicheubach i®. Bei der am 21.»pril Hierselbst stattgehabten Volksversammlung, welche von etwa 1000 Personen besucht war, referirte Most aus Chemnitz über dm Leipziger Hochverrathsvrozeß. Er kritisirte in scharfer und ausführlicher Weise, verbunden init der ihm eigenen feurigen Vortragsmanier die einschlagenden Verhältnisse und erntete allgemeinen Beifall. Folgende Resolution wurde angenommen:„Die VersanunlUng erklärt, daß bei den neuesten politischen Prozessen der Glaube und das Vertrauen des Volkes ans das Aecht lies erschüttert ist und sich dies erst durch frei vom Volk gewählte Richter ivider finden wird." Auch daSGemeindegeseywar Gegenstand lebhafter Debatte, welche durch A nnahme folgender Resolution endete:„Die Versammlung protestirt gegen das neue Gcmeindegesetz betr. die Abgabe eines direkte» Steuer- belrags von'20 Groschen zur Erlangung des Bürgerrechts, während die indirekten Steuern den größten Theil des StaatSbedarfs decken, wozu der Arbeiter als Konsument wesentlich beiträgt, und erklärt dieses Gesetz als eine Verletzung der Menschenwürde, welche gleiches Recht für Alle fordert." Da sich auch ohne starker Polizeifürsorge nicht da« Geringste er- eignet hätte, sind die Einberuser der nächsten Versammlung beauftragt. bei der maßaebende» Behörde wegen Ueberstüssigkeit solcher lieber- wachung unter GanvOi: fc:r beste» Ordnung vorstellig zu werden. Mit lozial-demokratischem Gruß »tob. Müller. Reustadt bc> Friedland m Böhmen, 23.Apul. Hier luiten zeit 15. d. M. in der Weberei von I. Klinger ca. 600 Arbeiter und Ar- beiterinnen, durch inhumane Behandlung dazu gezwungen. Bei ei- nein Wochmlobn von 2 st. bis 2 st. 50 kr(ein Lohn welcher kaum zur Bestreitung der nöthigsten Lebensbedürfnisse ausreicht) wurde» jedem Arbeiter 3 fl. als„Eautionen" innebehalten und die Forderung gestellt: Webstühle und Fußboden sollten von den Leuten noch neben- bei gewaschen werden. Tic Arbeiter verlangten zunächst Zurück«- stattung der Cauiion und erhielten zur Antwort: wer dies wolle, könne die Fabrik verlassen, waS denn auch von Allen geschah. Arbeiter und Arbeiterinnen sino einig und wollen die Arbeit nur tvied« aufnehmen, wenn ihnen bei Wegfall der Caiition eine Lohn- erhöhnng von 20% wird; um aushalten zu können, bedürfen sie aber Uuterslützung. Briefe u. s. w. sind zu richic» an: Wilhelm Stelzig„ per Adr. Josef Lauer Nr. C 328 in Neu- stadt bei Friedland in Böhmen. Weimar.(Christenliebe). In dem Orte Tiefurt bei Weimar starb am 2 i.Aplil die Fra» des Arbeiters G. an cen Blattern. Außer dem Sebäser fand sich in dieser Gemeinde kein Mensch, die Frau zu Grabe zu tragen, so war der Mann gezwnngeit mit Hülfe des Sebäser« seine Frau selbst zu begraben. Auch der Pfarrer des Ortes, welcher docki täglich die Christenliebe in der Kirche predigt, ließ sich nicht bewegen, die Frau eines armen Arbeiter« zu Grabe zu begleiten. Was sagt lna» zu solcher christlichen Gemeinde und christlichen Liebe? C. K. jr. Lrttzjtg. Wenn heule irgend wo sich auch nur die geringste Un- jusriedenheit uiiler den Ardeitern bemerkbar macht, sucht man sofort nach dem socialislcn„Wühler", der die sonst so iro-nme Heerde durch Aushetzereien störrisch gemacht hat nnd wie oft geschieht dies vergebens und ohne allen Grund, wenn auch einzelne„Sündenböcke" herbaltcn müsse ii. Wie nachstehender Fall zeigt, hat die Socialdemokratie Ursache, so manchem„unbewußten Agitator" dankbar zu sein und thnt die» in Ermanglung„bunte. Bändchen und diverser Bleche" dadurch, daß sie ihre Namen der Nachwelt überliefert. Den hiesigen Streckenarbeitern an der Leipzig-DreSdner Babp war in Betracht ihres genngen Verdienstes(18 Sgr. pro Tag) als ganz besondere Gunst verstattet worden, Sonntags zu arbeiten und zwar hatte man in der Regel diese Soinuags-Arbeit bis Bormittag 11. manchmal auch 12 Uhr, für volle TageSarbeit gerechnet und auch so bezahl!. »l« nun am vorigen Sonnlag(28. April) der die Strecke besuchende Oberbahirwärter Rast, der seine Arbeiter noch in guter alter Wtzise mit„Dn" anspricht und auch sonst noch wsmg von der Cultur beleckt worden sein soll, einige elwas früher weggegangene Leule nicht entdeckte, kam seine Sonntagsstimmung ins Wanken und als Silase verhieß er den Nebrigen:„sie sollten 4 Wochen dafür bluten und Sonntags bis Nachmittags 4 Uhr arbeiten." Als die Leute sich dazu nicht verstehen woll-e», wurden 15 Mann, nach der Meinung des Herrn Ingenieur Poppe„die Verführer", entlassen. darunter ein Arbeiter der seit 1357 rort arbeitet. Leider herrscht noch zu wenig Gemeinstnn unter den Bahnarbeitern, sonst würden die„Ungemaßregelten" ihre Arbeft ebenfalls joforj«in- gestellt haben und würde es nicht schwer gewesen sein den Herren „Streckenpascha's„etwas mehr Humanität beizubringen, so aber ge« stattet die bekannte deutsche Hundedemuth jenen Alles. Die Gemaßregelten klagen jetzt«inen 14 lägigen Lohn oin;>«n die Bahnverwaltung aber ist die Frage wobl erlaubt: ob denn der Sonn» tagsarbeit wegen, die ja doch unterbleiben kann, eine Entlassun: sonst unbescholtener Leute am Platz- war? Für die Arbeiter selbst is dieser Fall eine-rneute Mahnung zur„Vereinigung", denn nur dann stehen sie nicht hilflos jedem Druck gegenüber. Kaiserslautern. Ich bin wieder verhaftet wegen einer alten Geschichte aus Bielefeld. Dies meinen Bielefeldern Freunden und Parteigenossen zur Nachricht. Zugleich fordere ich meine Freunde, den Schneider W. Kapsel, welcher mit mir i» Bielefeld war und später in Braunschweig ftiit mir zusammen wohnte, ebenso den Metalldreher Friedrich Büsch« aus Bielefeld, welcher zuletzt in Halle a. S. arbeitete, auf, ihren Aufenthalt meinen Eltern mitzutbeilen, damit-selbige rechtzcktig vorge- laden werden können. Ebenso ersuche ich die Redaktionen des„Braun- schweizer Volksfteund",„Cb«m. Freie Presse",„Dresdener Volksbote" hiervon Notiz zu nehmen. Ich werde?llles aussühelicher nach meiner Aburlheilnng dem„Volksstaat" Mittheilen. Ich brauche die beiden Ge- nannten als Zeugen in meinem Prozesse. Die Adresse meiner Eltern ist I. H. Beeck in Viersen, Rheinpreuße». __..Wilhelm Beeck. fticwrrkschast der Holzarbeiter. Die fälligen Abrechnungen füx das 1. Quartal 1872 sind bis heute von folgenden Orlen eingegangen: Altona, Braunschweig, Erfurt, Chemnitz, Hannover, Stade, Weimar. Die noch fehlenden Orte werden ersucht, recht bald das Gleiche zu thun. Den 1. Mai. Der Ausschuß. Ten Lesern des, Bolksstaat" in RcUSuitt. ReuschStteseld,®olk- marsdorf, Sellerhausen.(5rotteu»orf A«aer>wtrd bekannt ge- geben, daß sich bei Herrn Schneider L. Presset in Volk marsdorf, Ewaldstr. 74:2 eine befindet. Abonnements werden dort entgegenommeu, auch find dortselbs! einzelne Nummern zu haben. Die«rpedilion des.Polküstaat". Für Plagwitz, Lindenau und Um- Bei Herrn Weicherl Je. F In Planwich besindel sich eine Filialexpeditiml des „Volksftaat" nnd kann dort abonnirt, wie auch einzelne Nummern gekauft werden I>l« Expedition de«„Volksatimt«-. Leipzig: Vera.» e edaktenr A. Muth(Redaktion u. Expedition Hohestr. 4.) Druck u. Verlag v. F. Thiele.